„Dungeon Life“ von Khenal war mein erstes Buch im August – und direkt im Anschluss habe ich dann Band 2 und 3 der Reihe gelesen und Band 4 vorbestellt. Da ich weiterhin auf der Suche nach Isekai-Geschichten bin, die mir gefallen könnten, hatte ich mir in den letzten Monaten ein paar Leseproben besorgt, die ich so nach und nach anteste. Während die meisten bisher gelesenen Proben meinem Gefühl nach vor allem mit bemühtem Humor und eher schablonenhaften Geschichten aufwarteten, hat mich „Dungeon Life“ direkt gut unterhalten. Vor allem fand ich es faszinierend, dass die gesamte Handlung aus der Sicht eines Dungeons erzählt wird. Genau genommen beginnt die Geschichte damit, dass der namenlose Protagonist bei einem Unfall stirbt und nach seinem Tod vor die Wahl gestellt wird, ob er weitergehen oder ein neues Leben anfangen möchte. Die verschiedenen Optionen für ein neues Leben reizen ihn nicht so sehr, bis er – zu seiner eigenen Überraschung – zustimmt, eine Existenz als Dungeon zu beginnen.
Wenig später findet sich der Protagonist als Teil eines verlassenen Herrenhauses wieder – genau genommen umspannt sein Bewusstsein einen staubigen Kellerraum – und er muss feststellen, dass er Bewohner (Ratten und Spinnen) und Eindringlinge (Kakerlaken und Fliegen) hat und über einen winzigen Core verfügt, der von seinen Bewohnern gegen die Eindringlinge verteidigt wird. Nach einigen Tests bekommt er eine Vorstellung davon, welchen Einfluss er auf seine Bewohner hat und wie seine eigene Entwicklung davon abhängt. Ich muss zugeben, ich fand es überraschend faszinierend, gemeinsam mit dem Protagonisten zu sehen, was genau es mit seiner Existenz als Dungeon auf sich hat und welche Wege es für ihn gibt, sich zu verändern. So geht es anfangs relativ viel um das Aufleveln und die verschiedenen Ausbauten des Dungeons, ohne dass es je langweilig wird, weil die Art und Weise, wie das Dungeon seine Veränderungen angeht, wirklich amüsant zu lesen ist.
Ich fand es spannend zu sehen, mit welchen Mitteln es dem Autor gelungen ist, meine Aufmerksamkeit zu fesseln, und ich habe es genossen, eine fantastische Geschichte aus dieser ungewöhnliche Perspektive zu verfolgen. Der Protagonist entwickelt sich im Laufe des ersten Romans von einem heruntergekommenen Haus voller Ratten und Spinnen zu sowas wie einem ernstzunehmenden, aber nicht tödlichen Dungeon. Dabei gibt es immer wiederkehrende Figuren, deren Weg ich gern verfolgt habe, weil sie (fast) alle so sympathisch waren. Da sind zum Beispiel die beiden Kinder, die mit Hilfe der Materialien, die sie im Keller des Dungeons finden, einen Ausbildungsplatz ergattern können, und die im Laufe der nächsten Monate zu so etwas wie Experten für unser (für diese Fantasywelt sehr ungewöhnliches) Dungeon werden. Außerdem taucht immer wieder der Dungeon-Inspektor auf, der für die örtliche Gilde den Gefahrengrad des Dungeons einschätzt und für Abenteurer in einem Infoblatt zusammenfasst, welche Schätze gefunden werden könne und welche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Und natürlich finden sich im Laufe der Zeit immer neue Bewohner im Dungeon ein, deren Entwicklung (und später in den Büchern auch deren Perspektive) unterhaltsam zu verfolgen sind.
Ich fand es überraschend, wie erholsam diese Romane zu lesen waren. Natürlich gibt es immer wieder Gefahren, aber da das Dungeon in der Regel sehr wissenschaftlich (er war vor seinem Ableben Ingenieur) mit all diesen Herausforderungen umgeht und jederzeit bereit ist jemandem zu helfen, sind selbst diese Aspekte der Geschichte vor allem fesselnd zu lesen, ohne dass ich das Gefühl hatte, eine Situation würde am Ende nicht gut ausgehen. Der Ingenieurs-Hintergrund des Protagonisten sorgt dafür, dass er bzw. seine Bewohner sehr ungewöhnliche Ansätze für die Anwendung von Magie haben, und das führt zu überraschend vielen physikalischen Erklärungen in der Geschichte. Ich muss zugeben, ich wüsste gern, wie dieser Teil bei Leser*innen ankommt, die deutlich mehr mit Physik anfangen können als ich. Für mich war diese Mischung aus Naturwissenschaft und Magie in der Regel unterhaltsam (und wenn ich dann doch mal mit einer Anspielung nichts anfangen konnte, habe ich sie problemlos ignorieren können). Nachdem ich anfangs dachte, dass „Dungeon Life“ einfach nur ein „netter“ Roman sein würde, war es umso erfreulicher festzustellen, dass ich diese drei Bände kaum aus der Hand legen konnte, weil ich mich so gut damit amüsiert habe. Dummerweise muss ich jetzt noch bis Dezember warten, bis ich weiterlesen kann. Aber vielleicht nutze ich die Zeit einfach und lese die ersten drei Teile noch einmal …
