Kategorie: Buchgedanken

Ein paar Gedanken zu Pseudonymen …

Und es sind wirklich nur „ein paar Gedanken“, weil ich selber nicht so richtig weiß, in welche Richtung ich damit gehen will. 😉 Ich muss gestehen, dass ich bei „geschlossenen Pseudonymen“ selten mitbekomme, welche Person hinter dem Pseudonym steht, selbst wenn das Pseudonym „geknackt“ wird – und das ist ja auch Sinn der Sache. Mir ist es relativ egal, wer tatsächlich hinter einem Pseudonym steckt (auch wenn ich Robert Galbraith definitiv nicht mehr lesen werde). Mir ist es vor allem wichtig, dass ich mich darauf verlassen kann, dass ich bei Büchern, die unter einen bestimmten Namen veröffentlicht werden, auch ungefähr die gleiche Art von Geschichten vorfinde, die ich unter demselben Namen schon gelesen habe.

Ich kenne so einige Autorinnen (und mir fällt gerade auf, dass es wirklich alles Autorinnen sind), die ein oder mehrere „offene Pseudonyme“ verwenden, wenn sie Romane in unterschiedlichen Genres veröffentlichen. Spontan fallen mir zum Beispiel Seanan McGuire ein, die unter ihrem realen Namen Fantasy schreibt und unter „Mira Grant“ (wissenschaftliche) Horrorromane veröffentlicht, oder Ursula Vernon, deren Kinderbücher unter ihrem realen Namen veröffentlicht werden, während sie das Pseudonym „T. Kingfisher“ für alle Geschichten verwendet, die nicht so einfach in ein Genre zu packen sind (zumindest ist das das Kriterium, das sie mal in einem Tweet für dieses Pseudonym angebeben hat). C.E. Murphy veröffentlicht unter C.E. Murphy (Urban) Fantasy, unter Catie Murphy Cozy Mysteries, unter Murphy Lawless Gladiator-Gestaltwandler-Liebesgeschichten und unter Zoe Chant Gestaltwandler-Liebesgeschichten (ohne Gladiatoren, sehr süß und sehr amüsant).

Allerdings wird es mit dem Pseudonym Zoe Chant kompliziert, denn das ist ein geteiltes Pseudonym. Es gibt gleich mehrere Reihen, die unter Zoe Chant veröffentlicht wurden, und nur die Virtue-Shifter-Reihe wurde von C.E. Murphy geschrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, dann erwähnte C.E. Murphy irgendwann einmal, dass es drei Personen sind, die sich das Pseudonym teilen, aber ich bin mir da nicht sicher. Auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen, während ich auf der Suche nach netter, vorhersehbarer Unterhaltung war, die mich aufheitert und auch ohne große Konzentration lesbar ist, Zoe-Chant-Geschichten gelesen, die nicht zur Virtue-Shifter-Reihe gehörten. Und ich bin dabei auf ziemlich große Qualitätsunterschiede gestoßen, die mich ehrlich gesagt irritieren. Die Virtue-Shifter-Reihe von C.E. Murphy mag ich wirklich gern, auch wenn ich es etwas schade finde, dass in den aktuelleren Romanen die Handlung in der Regel binnen weniger Tagen stattfindet, womit das langsame Kennenlernen der Figuren (das mir im ersten Roman so gut gefiel) dann doch wieder wegfällt. Vor allem aber mag ich den Humor in dieser Reihe und sitze beim Lesen die ganze Zeit kichernd da (und fliege zugunsten der nächsten amüsanten Szenen über die nur angedeutete einzelne Sexszene in der Handlung hinweg).

Bei dem in den letzten Tagen gelesenen Titel „Tor“, der der erste Band der Westerly-Cove-Reihe ist, ging es mir ähnlich. Ich fand die Geschichte zwar nicht ganz so witzig wie die letzten Virtue-Shifter-Bände, aber ich habe mich gut amüsiert und mich darüber gefreut, dass „diese“ Zoe Chant auch noch ein paar andere übernatürliche Elemente wie Gargoyles und Geister in ihre Geschichte eingebaut hatte. Laut der Anmerkung am Ende des Romans ist die Westerly-Cove-Reihe ein Spin-off der „Stone Shifters“-Reihe, und außerdem gibt es den Hinweis auf die „Bodyguard Shifters“ und „Bears of Pinerock Country“, ebenso wie einen Hinweis auf Romane, die unter dem Namen Lauren Esker geschrieben wurden.

Zuletzt habe ich noch Zoe Chants „Dancing Bearfoot“ (können wir bitte mal über diese Titel reden? Oo) gelesen, den erste Band der Green-Valley-Shifters-Romane, und ich hatte ein deutliches Problem mit der Geschichte. Genau gesagt fehlte es mir an Handlung, während die (erschreckend schlecht geschriebenen) Sexszenen gefühlte 80 von 122 Seiten ausmachten. Aber natürlich habe ich mir trotzdem die Hinweise auf andere Romane am Ende der Geschichte angeschaut und dabei die „Shifting Sands Resort“-, „Fae Shifter Knights“-, „Green Valley Shifters“- und die „Virtue Shifters“-Reihe erwähnt gefunden. Letzteres hat mich total irritiert, denn ich weiß ja, dass diese von C.E. Murphy geschrieben werden und nicht von derselben Person, die „Dancing Bearfoot“ geschrieben hat (außerdem fehlen da die Reihen, die bei der zweiten Zoe Chant gelistet waren). Zusätzlich gibt es noch den Hinweis auf Romane, die von Elva Birch geschrieben wurden, wie die „Day Care for Shifters“-, die „Royal Dragons of Alaska“ und die „Suddenly Shifters“-Reihe.

Ich weiß nicht, ob „Dancing Bearfoot“ exemplarisch für den Erzählstil dieser Zoe-Chant-Autorin ist, aber nach dem Lesen dieser Geschichte würde ich von ihr eher die Finger lassen. Was bedeutet, dass ich nun – trotz der Reihenlisten am Ende der jeweiligen Romane – keine Lust mehr auf weitere Zoe-Chant-Experimente habe, weil es keine (in meinen Augen zuverlässigen) Informationen darüber gibt, welche Autorin für welche Reihe zuständig ist. Und ich habe definitiv keine Lust auf schlecht geschriebene Sexszenen, wenn ich eigentlich auf der Suche nach überaus amüsanten Liebesgeschichten bin. Was mich darauf bringt, wie schwierig ich so ein geteiltes Pseudonym finde, vor allem, wenn es keine – für mich leicht zugängliche – Übersicht gibt, die mir erklärt, welche Autorin jetzt genau für welche Geschichte verantwortlich ist. Hinter anderen „geteilten Pseudonymen“, die ich kenne, verbergen sich normalerweise Personen, die gemeinsam an einer Geschichte schreiben, und damit kann ich gut leben. Aber wenn ein geteiltes Pseudonym dafür sorgt, dass es für mich zum Glücksspiel wird, ob ich einen Roman erwische, der mir gefällt oder nicht, dann frustriert mich das.

Ich habe gerade zwei Probleme … ;)

Ich habe gerade zwei Probleme mit meinen Büchern, die beide miteinander in Zusammenhang stehen. Das eine Problem entsteht dadurch, dass ich momentan immer wieder radikal Bücher aussortiere. Was dazu führt, dass ich nun lauter Bücherstapel in der Wohnung habe, die in kein Regal gehören.

Ein Stapel mit Büchern auf einem Sessel, im Hintergrund sind weitere Bücher zu erkennen, die aufrecht an der Sessellehne stehen, im Vordergrund liegen ein Putzlappen und ein Staubbesen.

Einen Teil der Bücher werde ich in den Öffentlichen Bücherschrank stopfen, aber da der zur Zeit sehr voll ist, kann ich da gerade nur wenige Bücher auf einmal loswerden. Was bedeutet, dass es einige Wochen dauern wird, bis ich alle Bücher, die hier für den Öffentlichen Bücherschrank bereit liegen, losgeworden bin. Einen anderen Teil der Bücher werde ich erst einmal Freunden und Verwandten anbieten, was bedeutet, dass ich die auflisten und fotografieren muss. Und bis ich dann Rückmeldung bekomme, liegen hier weitere Stapel herum – sortiert nach „könnte XY interessieren“. (Und wie ich mich kenne, werden diese Stapel dann noch eine Weile bleiben, bis ich den Versand der gewünschten Titel auf die Reihe bekommen habe. *g*)

Ein Regalausschnitt, der neun Fächer zeigt. Eins der Fächer ist fast leer, die anderen sind zum Teil so sehr vollgestopft, dass die Bücher rausragen und quer übereinander gestapelt wurden.

Mein zweites Problem hängt indirekt auch mit dem Aussortieren von Büchern zusammen und betrifft den Zustand meiner Bücherregale. Stellenweise gibt es inzwischen Fächer, in denen kaum noch Bücher stehen, während in andere Fächer die Bücher nicht nur dreireihig stehen, sondern auch kreuz und quer darüber gestopft wurden. Und ich kann mich nicht zum Umräumen aufraffen, solange ich nicht alle Regalfächer mal durchgeschaut und ausgemistet habe. Da aber das Aussortieren momentan eher in anfallartigen Schüben erfolgt und nicht gerade ein systematischer Prozess ist (weil ich in den vergangenen Wochen ständig das Gefühl hatte, ich habe eigentlich gar keine Zeit dafür), wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Immerhin ist es spannend zu sehen, welche Bücher bleiben dürfen und welche ich hemmungslos aussortiere – Van Gogh darf zum Beispiel gehen, Mucha und Palladio dürfen (noch) bleiben, obwohl ich seit Jahren nicht in die Bildbände geschaut habe …

Von Hexen, Sex und Logik-Lücken!

Ich gebe zu, dass ich nicht soooo viel Logik erwarte, wenn ich einen Urban-Fantasy-Roman lese, der anscheinend nichts anderes sein soll als eine seichte Liebesgeschichte mit einem fantastisch angehauchten Setting. Und etwas in der Art hatte ich nach dem Lesen der Inhaltsangabe von „Wicked Good Witches (Supernatural Protectors – A Legacy of Magic Books 1-3)“ von Ruby Raine erwartet – auch wenn zu Beginn des Sammelbands darauf hingewiesen wurde, dass die Handlung „strong language and adult content“ enthält und das Buch deshalb nur von Personen, die älter als 18 Jahre sind, gelesen werden sollte. *g* Das eBook gehört zu einem ganzen Haufen von Titeln, die ich vor Kurzem auf einer Liste mit kostenlosen (bzw. 99 Cent kostenden) Fantasybüchern rund um Hexen gefunden und deshalb auf meinen eReader geladen habe. Dieser Sammelband beinhaltet die drei Geschichten „Magic, Blood, and Bone“, „The Fallen Shifter“ und „Mermaid Sisters Screaming“ und alle drei Titel zusammen kommen gerade mal auf 357 Seiten. Außerdem sind die Geschichten so geschrieben, dass sie sich theoretisch schnell und flüssig lesen lassen, wenn ich nicht immer wieder innegehalten hätte, weil ich so genervt von der Handlung und den Charakteren war.

Um mehr auf Details eingehen zu können, sollte ich vermutlich erst einmal etwas zur Grundidee dieser Reihe erzählen. Die Handlung spielt auf einer Insel, deren Bewohner ebenso wie die örtliche magische Kraftquelle von der Familie Howard beschützt werden. Dabei besteht die Familie aktuell nur noch aus Charlie, Michael und Melinda sowie dem über 400 Jahre alten Vampir William Wakefield. Die Eltern der drei Geschwister sind vor vier Jahren spurlos auf der Insel verschwunden – vermutlich waren sie zu dem Zeitpunkt auf der Suche nach der Magiequelle. Ein Großteil der Inselbewohner hat – ebenso wie fast alle Touristen – angeblich keine Ahnung, dass Magie überhaupt existiert, auch wenn die Kraftquelle der Insel Magie-beherrschende und/oder übernatürliche Bewohner und Besucher … äh … magisch anzuziehen scheint. Die Howards haben nun den ererbten Job, dafür zu sorgen, dass keine Menschen durch übernatürliche Wesen zu Schaden kommen, niemand die Kraftquelle für böse Zwecke nutzt und außerdem helfen sie dem örtlichen weiblichen Sheriff bei den Ermittlungen.

Fangen wir an mit den Charakteren: Charlie ist nicht nur – wie jeder Howard – von Geburt an eine Hexe, sondern auch ein Werwolf, da er vor zehn Jahren von einem weißen Alpha-Wolf gebissen wurde. Seltsam an diesem weißen Werwolf war, dass er 1. nur zu diesem einen Zeitpunkt auf der Insel auftauchte, 2. es eigentlich auf Charlies Vater abgesehen hatte und 3. sich in einen Wolf verwandeln und jemand anderen mit dem Werwolftum anstecken konnte, obwohl kein Vollmond war. Charlie ist pflichtbewusst, sorgt sich um seine jüngeren Geschwister und kämpft jeden Tag darum, den Wolf in sich nicht Überhand nehmen zu lassen. Der Wolf ist auch der Grund dafür, weshalb Charlie keine Beziehung haben kann, denn er könnte ja aus Versehen jemanden beim Sex beißen und den Fluch so weitergeben, oder sein Wolf könnte jemanden in einem hemmungslosen Moment umbringen …

Michael ist ebenfalls eine Hexe – seine Magie besteht darin, dass er nicht nur die Gefühle (fast) aller Personen um sich herum wahrnehmen kann, er kann auch die letzten Momente eines Verstorbenen sehen/nacherleben und weiß dadurch Dinge über Tote, die … äh … die Handlung weiterbringen oder auch nicht – je nachdem, wie es der Autorin passt. Seine Empathie kann anscheinend nur durch Bösewichte und Vampire geblockt werden, was sie zu einem überraschend unzuverlässigen Werkzeug für Michael und einem sehr nützlichen Instrument für die Autorin macht … Die 21jährige Melinda hingegen ist als Hexe auf prophetische Träume spezialisiert, und weil sie sich Vorwürfe macht, dass sie das Verschwinden ihrer Eltern nicht vorhergesehen hatte (bzw. damals ihren Albtraum nicht als Prophezeiung erkannte), hat sie in den vergangenen vier Jahren das Haus angeblich nicht verlassen. Trotzdem hat sie es irgendwie fertiggebracht (definitiv außerhalb des Hauses!), ein paar Dates mit unsympathischen Männern zu haben, aber dazu kommen wir später … Zuletzt gehört noch der sexy Vampir William zur Familie, da er sich vor einigen Generationen als Hüter der Howards verpflichtet hat, um Buße für seine (nicht näher benannten) Taten zu tun. Abgesehen davon, dass er und Melinda sich in Gedanken gegenseitig ansabbern, scheint seine Aufgabe darin zu bestehen, als Wachhund zu fungieren … Manchmal darf er auch sein extrascharfes Gehör oder seine jahrhundertealten Erinnerungen einsetzen, aber zu viel sollte man davon nicht erwarten.

Und dann gibt es noch Nebencharaktere – genau genommen Sheriff Mack, die Buchhändlerin Emily und die Cafébesitzerin Grace. Weitere Bewohner der Insel gibt es, da die Straßen ständig überfüllt sind, und das nicht nur mit Touristen – aber sie haben anscheinend alle keinen Namen oder zumindest kennen die drei Geschwister die Namen der Personen nicht, mit denen sie gemeinsam auf der Insel aufgewachsen sind. Sie wissen auch nicht, ob jemand über Magie und die Rolle, die die Howards auf der Insel spielen, Bescheid weiß oder nicht, weshalb sie jedes Mal total überrascht sind, wenn jemand sie darauf anspricht oder gar erzählt, dass die Eltern der drei ihnen mal bei einem magischen Problem geholfen haben. Es gibt auch keine Freunde in ihrem Leben, wenn man von Emily absieht, die gleichzeitig Melindas beste Freundin und Michaels große Liebe ist. Als Nebenfigur sorgt nicht einmal die Tatsache, dass die Figur einen Satz oder eine Szene in der Geschichte bekommt, dafür, dass sie einen Namen (oder gar so etwas wie Charakter) bekommt. Was es für den Leser umso einfacher macht, eventuelle „überraschende“ Enthüllungen in der Handlung vorherzusagen, sobald dann doch mal eine Figur mit einem eigenen Namen auftaucht. (Spoiler: Wir haben es dann mit dem Bösewicht oder mit dem nächsten Opfer der Geschichte zu tun – letztere dürfen zwischendurch auch mal als Liebhaber/in herhalten!)

Was mich zum Sex bringt: In „Magic, Blood, and Bone“ hatte ich das Gefühl, dass alle nur an Sex denken konnten. Egal, ob es sich um die vor einigen Wochen von einem überaus unsympathischen Typen frisch entjungferte Melinda handelt, deren heiße Träumen vom sexy Vampir William handeln, oder um Werwolf-Charlie, der natürlich grundsätzlich seinen Gelüsten nicht nachgeben kann, um William, der keine Ahnung hat, was er da überhaupt fühlt, oder um Michael, der einfach grundsätzlich kein Kostverächter ist und der seiner einzigen wahren Liebe aus ziemlich bescheuerten Gründen nicht seine Gefühle gestehen kann: Sie alle denken ständig an Sex (oder fragen sich, warum sie sich so seltsam fühlen, was bei dieser Autorin auch irgendwie auf Sex hinausläuft). Aber so viel auch alle an Sex denken, keiner hat in diesem ersten Band welchen!

In „The Fallen Shifter“ hingegen fühlt es sich an, als ob alle hemmungslos Sex mit ihnen so gut wie unbekannten Personen hätten. Und natürlich ist dieser Sex immer perfekt, was besonders für Melinda überraschend ist, da ihr erstes Mal so unangenehm war, weil sie ihre Jungfräulichkeit endlich loswerden wollte und deshalb mit dem ersten Typen ins Bett gegangen ist, der dazu bereit war. Die „ich bin 21 und muss endlich entjungfert werden“-Haltung hat mich gelinde gesagt geärgert – darf man als Jungfrau keine heißen Träume oder gar Sex mit einem Unbekannten haben? Oder brauchte die Autorin einen Grund für all die nervigen „ich wusste gar nicht, dass Sex sich so gut anfühlen kann/dass Männer so nett sein können“-Gedanken von Melinda? Die einzigen, die keinen Sex haben, sind die beiden Personen, die in „Magic, Blood, and Bone“ gerade zueinander gefunden haben. Dieses Pärchen muss sich leider auf Händchenhalten und keusche Küsse beschränken, und wenn dann doch mal ein Moment kommt, in dem deutlich wird, dass sie gern Sex hätten, dann kommt irgendein magischer Notfall dazwischen …

Verhütung, Krankheiten oder ähnliches spielen in der Geschichte selbstverständlich keine Rolle – ich bin mir sicher, dass die Magie das schon automatisch regelt … oder so … Allerdings fragt sich Melinda am Ende des dritten Bandes kurz, ob der hemmungslose Sex, den sie mit einem Typen hatte, den sie gerade mal eine halbe Stunde kannte, wohl Folgen gehabt haben könnte. Charlies Wolf scheint außerdem Sex mit Zerfleischen gleichzusetzen, weshalb er nicht nur ausführliche Szenen spendiert bekommt, als Charlie dann doch mal mit einer (durch einen magischen Ring geschützten) Person Sex haben kann, sondern Charlie sich auch sonst den ganzen Tag Sorgen um die mörderischen Triebe seines Wolfes machen muss, wenn es um Frauen geht, die er anziehend findet. Ich würde Ruby Raine gern mal eine Wolfsdoku vor die Nase halten oder zumindest fragen, welche Hintergründe sie sich eigentlich für ihre seltsamen Werwölfe vorgestellt hat, denn diese Mischung aus „alle Werwölfe in der Geschichte haben ihren Wolf voll unter Kontrolle“ und „der Wolf im Werwolf ist unglaublich aggressiv und will nichts anderes als andere Lebewesen zerfleischen“ funktionierte für mich definitiv nicht.

Die Magie scheint auch keinen genauer definierten Gesetzen zu gehorchen – oder um es direkt zu sagen: Ruby Raine passt ihre Magie den Bedürfnissen ihrer Handlung an. Magie ist einfach da und kann irgendwie durch Tränke genutzt werden oder zeigt sich in bestimmten Spezialfähigkeiten, die aber nicht jeder hat – wie sich an Charlie zeigt, der halt nur ein Tränke brauender Werwolf ist. Tränke sind anscheinden grundsätzlich für alle Personen gefährlich/tödlich, die kein Hexenblut haben. Auf der anderen Seite sorgt einer dieser Tränke dafür, dass die anderen Inselbewohner irgendwie nicht mitkriegen, dass William seit Generationen auf der Insel lebt und sich nicht verändert. Wobei es doch einige Leute gibt, die wissen, dass William ein Vampir ist und auf die demnach – so kann ich nur vermuten – dieser Trank nicht wirkt. Und die berühmte Magiequelle der Insel ist so bekannt, dass alle möglichen Magie-interessierten Personen auf die Insel kommen (also neben dem üblichen Tourismus), aber niemand weiß, wo diese Kraftquelle ist, nicht einmal die Familie Howard, die doch diese verflixte Quelle eigentlich beschützen soll. Oh, und dann gibt es noch die Szenen, in denen Michael Energiebälle abschießt, ohne dass der Leser erklärt bekommt, ob das eine weitere seiner Sonderfähigkeiten ist oder ob das jeder Magienutzer kann – und wenn Letzteres der Fall sein sollte, wieso nutzen Charlie und Melinda dann keine Energiebälle?

Wenn ich allerdings bedenke, wie wenig die in den Schutz der Insel involvierten Personen zu denken scheinen, dann ist es vielleicht kein Wunder, dass die magische Kraftquelle noch nie gefunden wurde. Sheriff Mack (die ich an sich nicht unsympathisch finde) ruft anscheinend lieber Michael zu Hilfe, statt normale Ermittlungsmethoden anzuwenden, um eine Leiche zu identifizieren. Rätselhafte Substanzen, die für einen Magieboost bei gefährlichen Kreaturen sorgen, werden zwar zur Untersuchung mitgenommen, aber dann nicht näher angeschaut. Die Leiche eines übernatürlichen Wesens wird mal eben einem vollkommen unbekannten Mann überlassen, nur weil dieser ein Buch über Magie veröffentlicht hat. Und es kommt niemandem in den Sinn, dass das Wiederauftauchen des weißen Alpha-Wolfes und die weißhaarige Touristin, die ständig in gefährlichen Situationen landet und auf die Charlies Wolf aggressiv/leidenschaftlich reagiert, irgendwie in Verbindung stehen könnten. Und obwohl angeblich kaum einer der Insebewohner von der Aufgabe der Howards weiß, wissen alle über die in „Mermaid Sisters Screaming“ eingeführte „unsere Familien waren vor 70 Jahren verfeindet, wir können euch nicht trauen“-Fehde zwischen den Howards und einer anderen magiewirkenden Familie Bescheid. Das Ganze hat dann – neben der Tatsache, dass ich solche Familien-Streitigkeiten als großes Hindernis zwischen „Liebenden“ wirklich ätzend finde – dafür gesorgt hat, dass ich am Liebsten den eReader aus dem Fenster geworfen hätte.

Lustigerweise hätte ich über so einige Dinge einfach hinweggehen können, wie zum Beispiel die Frage, wie die Howards und William eigentlich ihren Lebensunterhalt verdienen, wie groß diese Insel eigentlich ist, wenn der Sheriff gleich mehrere Deputies benötigt oder man längere Strecken mit dem Motorrad fahren kann, aber auf der anderen Seite in kürzester Zeit zu Fuß jede Stelle am Strand erreichen kann, an der gerade ein Notfall ist. Aber je häufiger ich über einen Widerspruch stolperte oder etwas unlogisch fand, desto häufiger habe ich mich dann auch im Rückblick über etwas geärgert, das ich sonst so hingenommen hätte. Und ich kann nicht mal sagen, dass das Ganze besser geworden wäre, wenn Ruby Raine pro Band mehr als 120 Seiten für die Handlung verwendet hätte. Denn all diese ärgerlichen Elemente liegen nicht an der Kürze der Geschichten, sondern daran, dass sich die Autorin anscheinend keinerlei Mühe mit ihrem Weltenbau, der Ausarbeitung ihrer Figuren oder gar mit der Einarbeitung überraschender oder spannender Wendungen in ihre Handlung gegeben hat. Und während ich anfangs noch die Hoffnung hatte, es würde besser werden, wenn die Autorin erst einmal in die Geschichte reinfindet und dann vielleicht etwas mehr aus ihrer an sich netten Grundidee macht, so war ich am Ende einfach nur noch genervt von der Vorhersagbarkeit, der Ideenlosigkeit und all den Logiklücken in der Handlung.

Spannung ist weiblich

Nachdem Alexandra von „The Read Pack“ am Sonntag einen Beitrag zu „Spannung ist weiblich“ veröffentlichte, um auf Neuveröffentlichungen von Frauen in Bereich Krimi und Thriller aufmerksam zu machen, gingen mir nach dem Lesen ihres Textes so viele Empfehlungen und Anmerkungen durch den Kopf, dass ich Alex an dem Abend vermutlich bei Twitter etwas überfordert habe. 😉 Also gibt es hier ein paar Autorinnen von mir, die Cozies, Kriminalromane und Thriller schreiben und die man ausprobiert haben sollte. Einige dieser Titel sind schon relativ alt und nur noch gebraucht zu bekommen, andere habe ich bislang nur auf Englisch in die Finger bekommen und deutsche Veröffentlichungen sind da zum Teil nicht in Sicht. Da ich mit den Büchern, die mir spontan oder bei einer gezielten Suche nach meinen „Lieblingsautor.innen“ vor die Nase kommen, zeitlich schon vollkommen ausgelastet bin, habe ich schon vor einigen Jahren aufgehört, die Verlagskataloge zu durchstöbern, was sich eben auch in meinem Empfehlungen bemerkbar macht.

Deborah Crombie, die Alex auch schon in ihrer Auflistung geführt hat, wäre auch eine der Autorinnen gewesen, die mir spontan zu dem Thema einfallen, was kein Wunder ist, da ich gerade mit Sayuri eine große Reread-Runde der Kincaid-und-James-Krimis mache. Bei den Romanen würde ich unbedingt empfehlen, chronologisch zu lesen, da die beiden Protagonisten sich im Laufe der Zeit deutlich weiterentwickeln und nach und nach so viele Figuren auftauchen, dass es schwierig wird, das „Stammpersonal“ auf die Reihe zu bekommen, wenn man erst später einsteigt. Insgesamt bekommt man hier ruhige Kriminalgeschichten in einem aktuellen britischen Umfeld mit soliden Fällen und sehr sympathischen Charakteren geboten.

Jessica Kremser„Frau Maier fischt im Trüben“. Die Frau-Maier-Romane von Jessica Kremser gehören zu den wenigen deutschen Kriminalromanen, die ich wirklich gern lese, weil sie zwar spürbares Lokalkolorit, aber dabei nicht den sonst üblichen (platten) Humor von Regionalkrimis aufweisen. Außerdem habe ich die Protagonistin sehr ins Herz geschlossen, die mit ihrer Beobachtungsgabe und den Ermittlungsmöglichkeiten, die ihr als schon ältere Putzfrau zur Verfügung stehen, langsam, aber zielstrebig Mordfälle löst. Bislang sind vier Titel um Frau Maier erschienen, und obwohl ich grundsätzlich dafür bin, Romane chronologisch zu lesen, würde ich hier behaupten, dass man nicht so sehr auf die Reihenfolge achten muss.

Beate Sauer„Echo der Toten“. Sehr gut geschriebene Geschichte mit einem soliden Kriminalfall, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland spielt. Die Darstellung der Zeit ist hier fast präsenter als der Kriminalfall selbst, aber ich mochte die Atmosphäre in der Geschichte, die vielschichtigen Charaktere und dass Beate Sauer in der Handlung immer wieder auf die Frage zurückkommt, welche Rolle die verschiedenen Personen eigentlich während der Kriegszeit eingenommen haben. Bislang sind zwei Bände rund um die Polizeiassistentenanwärterin Friederike Matthée erschienen, eine weitere Fortsetzung scheint bislang nicht angekündigt zu sein.

Lucie Klassen – „Der 13. Brief“ bzw. Lucie Flebbe mit der gesamten Lila-Ziegler-Reihe. Die Lila-Ziegler-Krimis sind düsterer als meine normale Lektüre, denn die Protagonistin hat psychische Probleme und die Fälle, mit denen sie sich beschäftigt, drehen sich in der Regel um unschöne Geheimnisse. Aber ich mag, dass Lila trotzdem immer einen gewissen Kampfgeist an den Tag legt, und dazu kommt in den Geschichten noch eine ganze Menge Bochumer Lokalkolorit, was sich gut und stimmig lesen lässt.

Jane Harper hat mit „Hitze“ einen ungemein atmosphärischen australischen Krimi geschrieben, bei dem neben dem Ermittler Aaron Falk auch der Ort Kiewarra eine große Rolle spielt. Wer nicht nur einen spannenden und gut geschriebenen Krimi, sondern auch einen interessanten Protagonisten sucht, der ist mit diesem Titel auf jeden Fall gut bedient. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Fortsetzung „Ins Dunkel“ zwar sehr solide erzählt und flüssig zu lesen, aber nicht ganz genauso überzeugend fand. „Hitze“ ist aber auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

Mary Roberts Rinehart„Das Album“ (1933) und „Die Wendeltreppe“ (1907), beide Romane sind Einzeltitel, die eine wunderbare altmodische New-England-Atmosphäre verbreiten, liebenswerte Protagonistinnen haben und gut konstruierte Kriminalfälle bieten. Mary Roberts Rinehart wird gern mit Agatha Christie verglichen, hat aber Jahre vor dieser ihre Karriere als Autorin begonnen. Leider gibt es nur wenige Titel auf Deutsch, und die auch nur noch gebraucht, aber ich finde, dass sich die Suche danach definitiv lohnt. Wer bei den englischen Titel, zugreift, wird sich vermutlich von der Menge an Veröffentlichungen etwas erschlagen fühlen, und ich muss zugeben, dass nicht alle Romane gleich qualitativ sind, aber mit den beiden von mir genannten Titeln kann man definitiv nichts falsch machen. „Die Wendeltreppe“ gilt als erster Krimi, in dem die Erzählerin mit „Foreshadowing“ arbeitete – gibt es dafür ein deutsches Wort?

Charlotte MacLeod – ist mit ihrer eher absurden Balaclava-Reihe vermutlich nicht für jeden Leser etwas, wer aber witzige Kriminalromane mit skurrilen und liebenswerten Charakteren und soliden Kriminalfällen lesen mag, sollte sich (gebraucht) ihre Kelling-Romane besorgen. Die Reihe dreht sich um Sarah Kelling und Max Bittersohn und spielt in Boston. Obwohl die Bücher Ende der 70er Jahre geschrieben wurden, finde ich sie zeitlich schlecht einzuordnen, weil die Bostoner High Society, die in den Geschichten auf die Schippe genommen wird, einfach wunderbar altmodisch dargestellt wird.

Dorothy Gilman – die „Mrs. Pollifax“-Romane sind eigentlich eher Spionage-Geschichten und spielen während des Kalten Krieges, aber für mich fühlen sie sich wie gemütliche Kriminalgeschichten an, die einfach nur in den unterschiedlichsten Ländern spielen und in die die CIA involviert ist. Doch der größte Reiz liegt bei diesen Romanen in der Person der Protagonistin, die sich als gelangweilte und lebensmüde Rentnerin bei der CIA als Spionin bewirbt und dank einer Verwechslung auch gleich ihren ersten Auftrag bekommt. Die deutschen Ausgaben sind inzwischen sogar gebraucht schwierig zu bekommen, aber dafür gibt es demnächst eine Neuauflage der Titel als englische eBooks.

P. J. Tracy„Spiel unter Freunden“ und all die anderen „Monkeewrench“-Krimis. Das Mutter-Tochter-Gespann, das hinter dem Pseudonym steckt, schreibt etwas härtere amerikanische Krimis. Diese lese ich zwar auch regelmäßig, sie führen aber normalerweise nicht dazu, dass ich die Autorinnen unbedingt empfehlen möchte. Bei P. J. Tracy ist es aber so, dass ich nicht nur die Fälle gut konstruiert finde, sondern auch all die blutigeren Aspekte durch die unterschiedlichen Charaktere so gut ausgeglichen werden, dass ich die Romane immer wieder lesen mag. Auch wenn mir gerade auffällt, dass ich noch immer keinen Titel der „Twin Cities“-Reihe gelesen habe, so kann ich die „Monkeewrench“-Romane auf jeden Fall empfehlen.

Rachel Caine – Die „Stillhouse Lake„-Reihe gehören zu den wenigen Thrillern, die mir so gut gefallen haben und die ich so spannend fand, dass ich sie gekauft und nicht nur in der Bibliothek ausgeliehen habe, obwohl ich sonst eher bei gemütlichen Krimis statt Thrillern bleibe. Die Geschichte dreht sich um Gwen, die vor einigen Jahren herausfinden musste, dass ihr Mann ein Serienmörder ist. Nach den folgenden Ermittlungen und Gerichtsverfahren ist sie zwar von einer Mitschuld freigesprochen worden, aber es gibt genügend Menschen, die nicht glauben wollen, dass sie nicht wusste, was ihr Mann getan hat. So muss sie gemeinsam mit ihren beiden Kindern abtauchen, doch die Taten ihres Mannes kann sie nicht hinter sich lassen. Für mich die Romane, bei denen ich nach dem Lesen auf jedes unvertraute Geräusch in der Wohnung lausche und auf einmal all die Menschen, die ich nur online kenne, misstrauisch beäuge. Auf Englisch erscheint in ein paar Tagen der vierte Band, auf Deutsch ist der vierte Teil für April angekündigt.

Agatha Christie – ist allgemein bekannt und muss eigentlich gar nicht mehr empfohlen werden, aber ich möchte vorschlagen, die Autorin auf Englisch zu lesen, weil es bei einigen Geschichten so große Unterschiede zwischen der Originalveröffentlichung und der Übersetzung gibt. Wer mehr dazu wissen will, kann sich gern meinen schon etwas älteren Vergleich von „They Came to Baghdad“ und „Sie kamen nach Bagdad“ anschauen.

Darcie Wilde„A Useful Woman“. Der erste Band der Rosalind-Thorne-Mysteries spielt im Jahr 1817 und dreht sich um einen Todesfall bei Almack’s. Die Autorin bietet hier eine wunderbare Mischung aus Regency-Roman mitsamt all der gesellschaftlichen Regeln und Gepflogenheiten, einer sehr sympathischen Protagonistin und einem reizvollem Kriminalfall. Darcie Wilde ist keine moderne Jane Austen, aber ich mochte diese Mischung aus „Austen-haften“ Beobachtungen über die Gesellschaft, den unterschiedlichen Gesellschaftschichten, in die hier ein kleiner Einblick gewährt wird, und natürlich einem gut erzähltem Kriminalfall. Die Reihe umfasst bislang drei Bände auf Englisch.

Ovidia Yu – „The Frangipani Tree Mystery“ würde ich allen ans Herz legen wollen, die eine Schwäche für gemütliche britische Krimis der 30er Jahre haben, aber gern mal einen anderen Schauplatz erleben wollen. Die Geschichte spielt nicht nur in Singapur, sondern wird auch aus der Sicht eines (dank Missionsschule durchaus gebildeten) chinesischen Dienstmädchens erzählt. Der Kriminalfall an sich ist etwas vorhersehbar, aber der Schauplatz, die Perspektive der Protagonistin Sun Lin und die zwar etwas gemächliche, aber sehr amüsante Erzählweise machen den Roman definitiv zu einem empfehlenswerten Krimi.

Zelda Popkin„Rendezvous nach Ladenschluss“. Noch einmal ein Krimi, der in den 30er Jahren spielt, aber dieses mal in den USA und im Umfeld eines der großen Kaufhäuser, die zu der Zeit ihre Blütezeit erlebten. Leider sind die Bücher nur noch gebraucht zu bekommen, aber die Mary-Carner-Romane von Zelda Popkin sind ein wunderbares Abbild ihrer Zeit, bieten einen spannenden Kriminalfall und die Atmosphäre klassischer amerikanischer Privatdetektiv-Geschichten, aber eben aus der weiblichen Perspektive statt aus der des desillusionierten männlichen Detektivs. Es ist zu schade, dass all diese Kriminalromane von Autorinnen wie Zelda Popkin, Amanda Cross usw., die früher bei dtv veröffentlicht wurden, heute nicht mehr aufgelegt werden.

Robin Stevens„Murder Most Unladylike“ (oder auf Deutsch „Mord ist nichts für junge Damen“). Es gibt so tolle Kriminalromane im Kinder- und Jugendbuchbereich, und „Murder Most Unladylike“ gehört definitiv dazu. Erzählt wird die Handlung aus Sicht der chinesischen Hazel Wong, die in den 30er Jahren von ihrem Vater auf ein britisches Internat geschickt wird, wo sie einige Zeit später ihre Naturwissenschaftslehrerin ermordet auffindet. Robin Stevens schreibt gut konstruierte Krimis, die auch für erwachsene Leser nicht zu einfach zu durchschauen sind, mit zwei sympathischen Protagonistinnen und dem einen oder anderen Anklang an klassische Agatha-Christie-Romane. Die Reihe endet mit dem im Sommer erscheinenden neunten Band, aber eine Folgereihe wurde von der Autorin schon angekündigt.

Katherine Woodfine – „The Clockwork Sparrow“. Da ich schon einen Schlenker zu den Kinder- und Jugendbüchern gemacht habe, kommt auch noch Katherine Woodfine mit ihren Sinclair Mysteries auf die Liste. Der erste Band „The Clockwork Sparrow“ spielt im Jahr 1909 in einem neueröffneten großen Londoner Kaufhaus, und die Protagonistin ist die vierzehnjährige Verkäuferin Sophie. Katherine Woodfine findet meiner Meinung nach eine großartige Mischung aus gemütlichem Krimi, spannenden Elementen (wie die Existenz einer kriminellen Vereinigung, die man eher in einem Edgar-Wallace-Roman erwarten würde) und einer immer wieder überraschend realistischen Darstellung dieser Zeit. Lustigerweise habe ich in diesem Roman so einige Elemente gefunden, die mich an Susannah Stapletons Recherchen zu der realen Privatdetektivin Maud West erinnerten. Es gibt insgesamt vier Romane rund um Sophie, von denen drei auf Deutsch unter dem Serientitel „Das Kaufhaus der Träume“ erschienen und anscheinend nur noch gebraucht zu bekommen sind.

Da der Beitrag jetzt schon eine Länge erreicht hat, die vermutlich jeden vernünftigen Menschen abschreckt, beende ich hier meine spontanen Empfehlungen, obwohl mir noch einige weitere Autorinnen einfallen, die mich entweder schon seit Jahren begleiten oder mich gerade erst begeistert haben. Es gibt so viele tolle Kriminalromane von Autorinnen, und das aus den verschiedensten Jahrzehnten und den unterschiedlichsten Ländern, dass jeder in der Lage sein sollte, einen Krimi oder Thriller nach seinem Geschmack zu finden, der von einer Autorin geschrieben wurde.

Kurzgeschichten lesen

Ich habe in letzter Zeit ja schon häufiger angemerkt, dass ich momentan erschreckend große Probleme habe, mich auf ein Buch einzulassen – vor allem, wenn dieses Buch vielleicht auch noch ein kleines bisschen anspruchsvoller ist als der durchschnittliche Liebesroman oder ein nettes Kinderbuch. Ich mag Liebesromane und Kinderbücher, aber so richtig befriedigend ist es nicht, wenn man seit Wochen alle anderen Bücher angefangen liegen lässt, weil man nicht in die Handlung kommt oder weil man merkt, dass man nun schon zum dritten Mal denselben Absatz gelesen, aber keinerlei Informationen aufgenommen hat.

Zur Rettung meiner Laune habe ich in den letzten Tagen Kurzgeschichten wieder für mich entdeckt. Ich wache gerade regelmäßig deutlich vor dem Weckerklingeln auf, und statt mich darüber zu ärgern, dass ich nicht einschlafen kann, setze ich mich ins Wohnzimmer und lese eine Kurzgeschichte. Es liegen nicht nur so einige Anthologien auf dem SuB, die ich schon länger lesen will, ich habe auch einen großen Vorrat an Kurzgeschichten auf der Festplatte, die ich dank Patreon oder aufgrund von Autoren-Newslettern runterladen konnte. Außerdem haben sich so einige Links in meinen Lesezeichen angesammelt, hinter denen sich Kurzgeschichten verbergen, für die ich keine Zeit hatte, als ich sie online entdeckte, und deshalb später lesen wollte. So schnell geht mir in diesem Bereich der Lesestoff also nicht aus. 😉

Es sind nicht gerade viele Seiten, die ich so am Tag lese, aber das ist ja auch egal. Kurzgeschichten sind in der Regel eingängig geschrieben – was mir zur Zeit definitiv entgegenkommt – und viele davon bieten mir über ihre paar Seiten hinaus Stoff zum Nachdenken, Schmunzeln und Gruseln, so dass ich von diesen fünf bis zehn Minuten Lesezeit am Morgen oft den ganzen Tag was habe. Sie sind nicht ganz so befriedigend wie Romane, in denen ich versinken kann, oder Sachbücher, die mir neues Wissen bieten und mich auf mir unbekannte Themengebiete neugierig machen, aber solange es mit mir und den Büchern nicht so recht klappen will, bin ich sehr zufrieden damit, dass die Kurzgeschichten meinen Tag und meine Laune retten.

Kleinigkeiten?

Nachdem ich ja endlich wieder Zugriff auf meine alten Bücherschätze habe, gehe ich immer wieder am Regal vorbei und schaue, welche Erinnerungen ich mit bestimmten Romanen verbinde. Besonders häufig mache ich das bei den Büchern, bei denen ich daran denken muss, dass ich beim Lesen nicht immer glücklich mit der Geschichte oder mit bestimmten Details war, obwohl ich insgesamt schöne Erinnerungen an das Buch habe. So nach und nach will ich diese Titel lesen, um herauszufinden, ob ich die jeweilige Geschichte behalten möchte oder nicht – es sind die Bücher, bei denen mir eine Entscheidung schwerfällt und für die ich mir deshalb eben auch mehr Zeit nehmen möchte.

Einen dieser Roman habe ich in den letzten Tagen wieder gelesen und mich für das Behalten entschieden, weil es genügend Momente in der Handlung gab, die mich berührt oder die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Auf der anderen Seite gab es so viele Kleinigkeiten, über die ich gestolpert bin und die mich irritiert haben, dass mir wieder einmal auffiel, wie wichtig es für mich als Leser ist, dass Autoren diese kleinen Elemente in ihren Büchern stimmig beschreiben. Bei diesem Buch ging es in der Handlung um eine junge Frau, die – weil es sich zufällig so ergibt – neben ihrem Hauptjob eine Karriere im Catering startet. Was passend ist, denn in ihrem Hauptjob kocht und backt sie für ein Café – wobei mich da beim Lesen schon immer die Frage beschäftigt, warum sie all das Kochen und Backen von Zuhause erledigen muss und wieso es niemanden interessiert, ob die Küche in ihrem gemieteten Häuschen überhaupt irgendwelchen Regeln des Gesundheitsamts entspricht. Das ist anscheinend eine ganz normale Küche ohne größere Küchengeräte, und alles was in dem Roman betont wird, ist die Gemütlichkeit der Küche.

Später in der Handlung ist immerhin die Rede davon, dass sie für das Catering einen Gewerbeschein benötigt und sich dann auch eine Gefriertruhe und ein paar andere Sachen anschaffen muss, die keinen Platz in ihrer gemütlichen Küche finden können. Aber nie gibt es auch nur einmal die Andeutung, dass jemand, der professionell kocht, auch eine dementsprechende Ausstattung benötigt, auf Hygiene und Gesundheit zu achten hat und vielleicht nicht unbedingt einen süßen kleinen Kater in der Küche haben sollte, während Lebensmittel verarbeitet werden.

Ein weiterer Punkt war eine Abmachung mit einer Freundin, für die die Protagonistin ein großes Abendessen vorbereitete, damit die Freundin ihre Schwester plus Familie beeindrucken kann. Weil die Freundin nicht so viel Geld hat, vereinbaren die beiden Frauen als Bezahlung einen Pullover für das Drei-Gänge-Menü – und ich stehe da und werde sauer, weil mir die Autorin das Gefühl gibt, dass die Protagonistin der Freundin mit diesem Deal einen total großen Gefallen tut. Was bedeutet, dass das Stricken der Freundin als weniger wertig eingeschätzt wird als das Kochen der Protagonistin. Und ja, ein Drei-Gänge-Menü ist nicht billig und die Vorbereitung kostet Zeit, aber ein Pullover entsteht auch nicht aus dem Nichts und nur weil das Stricken das liebste Hobby der Freundin ist, bedeutet das doch nicht, dass die Wolle vom Himmel fällt und so ein Kleidungsstück mal eben an einem Abend gefertigt werden kann.

Bei solchen Handarbeits-/Handwerkelementen fällt es mir in Romanen besonders oft auf, wenn Autoren keine Ahnung vom Arbeitsaufwand oder Materialwert einer Sache haben. Aber manchmal reicht es mir auch schon, wenn jemand eine Figur beschreibt, die zwei Jobs hat, alleinerziehend ist und trotzdem eine perfekt geputzte und aufgeräumte Wohnung hat. Natürlich gibt es solche Menschen, aber bei mir entsteht dann das Gefühl, dass es dem Autor viel wichtiger gewesen ist, dass seine Person zwar arm, aber nicht verwahrlost ist, als sich zu überlegen, dass jemand, der zwei Jobs plus Kinderbetreuung stemmen muss, vielleicht auch mal so etwas wie eine Auszeit oder Schlaf benötigt.

Es gibt Dutzende solcher Kleinigkeiten, die mich bei Geschichten ärgern, und die drehen sich nicht mal unbedingt darum, dass ich einen gewissen Realismus in einer fiktiven Geschichte erwarte, sondern darum, dass bestimmte Elemente die Vorurteile des jeweiligen Autors zeigen. Vorurteile, die nicht nur an dieser einen Person hängen, die da gerade eine Geschichte schreibt, sondern die allgemein so verbreitet sind, dass sie uns allen viel zu selten auffallen, wenn wir nicht gerade in dem Bereich aus irgendeinem Grund etwas aufmerksamer oder sensibler sind. Ich persönlich bin im Laufe der Jahre immer empfindlicher geworden, wenn es um solche Elemente geht, und merke immer häufiger, dass ich mich an solchen Kleinigkeiten stoße – obwohl ich über viele Dinge hinweglesen kann, wenn mich eine Geschichte richtig gepackt hat. Auf der einen Seite finde ich es schön zu merken, dass ich aufmerksamer werde, auf der anderen Seite wünschte ich mir, es gäbe nicht so viele Kleinigkeiten in all den netten Romanen, über die ich mich aufregen könnte.

Warum ich Debütromane so mag

Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass ich immer relativ schnell bereit bin, interessant wirkende Debütromane auf meine Wunschliste zu setzen. Das liegt natürlich auch daran, dass Debütromane den Vorteil haben, dass ich bei Gefallen nicht vor einer endlosen Backlist stehe, die ich mir gern auch noch anschaffen möchte. Aber häufig sind die Debütromane (oder erste Veröffentlichungen) auch die Titel meiner Lieblingsautoren, die mir langfristig am besten gefallen. Natürlich bietet ein guter Debütroman immer auch die Möglichkeit, dass man da einen Autor für sich entdeckt hat, der viele Jahre an seinem Erstlingswerk gearbeitet hat und unter Zeitdruck oder nach einem ersten Erfolg nicht in der Lage ist, noch einmal ein so gutes Buch zu schreiben. Aber selbst bei den Autoren, die mit jeder Veröffentlichung besser werden und deren Werke ich über Jahre hinweg in all ihren Entwicklungsstadien sehr genieße, muss ich mir realtiv oft eingestehen, dass es die frühen und unvollkommeneren Geschichten dieser Autoren sind, die mir besonders am Herzen liegen.

Vom Kopf her ist mir das manchmal unangenehm, denn ich sehe ja den Qualitätsunterschied zwischen den früheren und den späteren Werken. Ich sehe die Verbesserung in der Erzählweise, die zunehmende Komplexität der Charaktere, den stimmigeren Weltenbau und ganz allgemein die höhere Professionalität. Auf der anderen Seite bin ich eine sehr emotionale Leserin, und oft fällt mir auf, dass eine höhere Professionalität bei einem Autor auch bedeuten kann, dass er meine Gefühle nicht mehr so anspricht wie mit seinen früheren Werken. Ich brauche das nicht unbedingt, um von einer Geschichte begeistert zu sein, aber ich genieße es sehr, wenn ich beim Lesen auch emotional involviert bin. Trotz dieser Erkenntnisse (und des leichten Unbehagens darüber, dass ich Qualität vielleicht nicht ganz so zu würdigen weiß, wie sie es verdient hätte 😉 ) habe ich nie eine treffende Beschreibung für dieses ganz bestimmte Element gefunden, dass mir häufig in späteren Werken eines Autors fehlt.

Und dann bin ich kürzlich über einen Twitter-Thread von Kelly McCullough gestolpert, der darüber schrieb, dass er die Zeit vermisst, als er noch ein relativ unerfahrener Autor war. Die Phase, als er schon wusste, was (für ihn) funktioniert, um eine Geschichte zu erzählen, aber noch nicht so viel übers Schreiben gelernt hatte, dass er eine anhaltende Kontrolle über sein Tun hat. Sein Fazit war:

„I think that what I’m doing is much better now, and I know it’s more sophisticated and that I’m accomplishing more with fewer words, but there is a raw freshness to those early stories that is all but impossible to replicate from a place of experience.“ (Kelly McCullough in einem Tweet vom 20. November 2018)

Ich glaube wirklich, dass es diese „raw freshness“ ist, die mich bei Debütromanen so anmacht, und die sich nur wenige Autoren auch langfristig erhalten, indem sie immer wieder experimentieren und sich auf eine Weise herausfordern, die dafür sorgt, dass sie nie so ganz in Professionalität und Routine versumpfen. Während einige andere Autoren anscheinend so glücklich sind mit dem Weg, den sie für sich gefunden haben, dass sie mich als Leserin irgendwann verlieren, weil ich das Gefühl habe, dass sie immer wieder die gleiche Geschichte mit den gleichen Elementen erzählen – nur eben ohne diesen Funken, der in ihren ersten Veröffentlichungen zu finden war.

Dies und Das (2): Der Bibliotheksnutzer als Störfaktor

Ich habe vor ein paar Jahren einen ausführlichen Beitrag darüber geschrieben, was Bibliotheken für mich bedeuteten und wie wichtig sie für mich als Kind und Jugendliche waren. Nach dem Umzug im vergangenen Jahr habe ich mich dann darüber ausgelassen, wie schön es ist, dass die recht neue Stadtteilbibliothek so gut zu Fuß erreichbar ist und dass ich dort immer über Bücher stolpere, die ich lesen mag. Ein Jahr später bin ich über die Nähe zur Stadtteilbibliothek immer noch glücklich und gerade die Roman-Auswahl ist in den vergangenen Monaten deutlich besser geworden – so gibt es zum Beispiel inzwischen ein Regal, wo die Bibliotheksmitarbeiter Krimi-Empfehlungen präsentieren. An diesem Regal bin ich in den letzten Wochen nicht einmal vorbeigegangen, ohne mindestens einen Titel mitzunehmen. Das ist zwar nicht gerade gut für meinen SuB, aber ich entdecke eben gern neue Krimiautoren.

Trotzdem fühle ich mich in dieser Stadtteilbibliothek lange nicht so wohl wie in der alten Zweigstelle, und das liegt an den Mitarbeiterinnen. Es gibt zwei Frauen, die die Stammbesetzung dieser Bibliothek bilden, und beide vermitteln mir grundsätzlich das Gefühl, ich würde sie stören. Egal, ob ich einfach nur meine ausgeliehen Bücher zurückgebe, ob ich um eine Vormerkung bitte (da nur schon ausgeliehene Titel online vorgemerkt werden können) oder ob ich es gar wage, Buchgeschenke abzugeben. Und meine Buchgeschenke sind keine alten verramschten Exemplare, sondern neuwertige Titel, denen man nicht ansieht, dass sie einmal gelesen wurden, deren Veröffentlichung auch nicht besonders lange her ist und die Genres abdecken, die eigentlich ein relativ breites Publikum finden müssten. Alles, was nicht mehr neuwertig aussieht oder wo ich sehe, dass die Bibliothek eh schon diverse Exemplare im Bestand hat, oder wo mir irgendwelche anderen Aspekte einfallen, um den Titel für eine Bibliothek nicht attraktiv zu machen, wandert in den öffentlichen Bücherschrank.

Ich will kein Dankeschön für die Buchgeschenke, ich will keinen Small Talk machen und überhaupt würde ich davon ausgehen, dass ich als Bibliotheksnutzerin relativ pflegeleicht bin (und sei es nur, weil ich selbst einige Jahre für eine Bibliothek gearbeitet habe). Aber ich will mich nicht als Störfaktor fühlen. Ich will nicht das Gefühl haben, dass meine Buchgeschenke nur Arbeit machen, und ich fände es wirklich schön, wenn man sich nicht mitten im Satz von mir abwenden würde, um mit der danebensitzenden Kollegin zu reden. Da mir diese beiden Damen durch ihr Verhalten signalisieren, dass ich nicht willkommen bin, finde ich es auch sehr unangenehm, dass sie von ihrem Sitzplatz den gesamten Raum im Blick haben.

Nachdem ich sie im Laufe des vergangenen Jahres auch mit ein paar anderen Bibliotheksnutzern gesehen haben, kann ich auch behaupten, dass sie dieses Verhalten nicht nur mir gegenüber zeigen. Ich frage mich ja immer als erstes, ob ich was falsch gemacht habe, dass mir so eine Behandlung zuteil wird. Aber inzwischen habe ich so oft erlebt, dass andere Personen, die zum Beispiel eine Frage hatten, einfach im Raum stehengelassen wurden, daher bin ich mir sicher, dass es wirklich nicht an mir liegt. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mir wünsche, man könnte die Selbstverbuchung in dieser Zweigstelle nicht nur für die Ausleihe, sondern auch für die Rückgabe von Medien verwenden. Dabei mochte ich immer diesen kleinen Austausch bei der Rückgabe der Bücher in der alten Stadtteilbibliothek. Viel geredet haben wir nie, oft wurde nur ein Gruß oder ein Lächeln ausgetauscht, aber ich habe mich willkommen gefühlt – und das vermisse ich gerade sehr.

Warum eigentlich so viele (fantastische) Kinder- und Jugendbücher?

Ich habe nie aufgehört, Kinder- und Jugendbücher zu lesen, weil es da so viele Autoren und Geschichten gibt, die mir Spaß machen. Aber in letzter Zeit – gerade mit Blick auf meine Neuzugänge der vergangenen drei Monate – fällt doch schon auf, dass ich momentan immer häufiger (fantastische) Kinder- und Jugendbücher lese und rezensiere. So gehäuft, dass ich mich selbst gefragt habe, warum das eigentlich so ist.

Ich glaube, es gibt mehrere Gründe für meine aktuelle Vorliebe für diese Romane, unabhängig davon, dass ich zur Zeit grundsätzlich ein sehr großes Bedürfnis nach „Wohlfühllektüre“ habe und diese häufig bei den Kinderbüchern (speziell den Klassikern) finde. Erst einmal habe ich inzwischen einige Personen in meiner (Twitter-)Timeline, über die ich Tipps bekomme für Bücher, die von „authors of color“ geschrieben wurden und die entweder in (für mich) ungewöhnlichen Teilen der Welt spielen und/oder angenehm „diverse“Charaktere zum Thema haben. Natürlich gibt es solche Geschichten auch für Erwachsene, aber ganz ehrlich, Titel wie „Akata Witch“ oder „Stadt aus Sand“ lassen sich mit deutlich mehr Vergnügen lesen als „Blauer Hibiskus“, ohne dass in der Handlung die Probleme des jeweiligen Landes vollkommen unter den Tisch fallen. Auch psychische Erkrankungen werden in einem (guten) Kinder- und Jugendbuch wie „Some Kind of Happiness“ in der Regel nicht beschönigt und mit all ihren Problemen und Auswirkungen auf die erkrankte Person und ihr Umfeld beschrieben, aber es fehlen dabei diese abgrundtief deprimierenden Szenen, die häufig in Geschichten für Erwachsenen vorkommen. Wenn es mir darum geht, mehr über die realen Erlebnisse mit solchen Erkrankungen zu lesen, dann setze ich lieber auf Zeitungsartikel, die augenöffnend und informativ sind, aber doch auch deutlich kürzer als ein Roman. Bei einer guten Geschichte erlebe ich die Handlung mit all ihren Höhen und Tiefen beim Lesen mit, und Kinder- und Jugendbücher machen es mir durch ihr größeres Maß an „Ausgewogenheit“ häufig leichter, mich auf schwierige Themen einzulassen.

Wenn ich dann noch neben einer guten Geschichte auf den „fantastischen“ Teil schaue, dann bekomme ich häufig nicht nur soziale und politische Elemente über das Leben einer „Volksgruppe“ mit, sondern auch Legenden und Mythen wie zum Beispiel in „Bayou Magic“, „The Jumbies“ oder dem oben schon erwähnten „Akata Witch“. Das genieße ich nicht nur, es bringt mich auch dazu – wenn ich verlässlich erscheinende Quellen finde -, mehr zu diesem Thema zu recherchieren. Außerdem regt ein kreativer Umgang mit solchen Elementen (egal, ob sie nun aus einer anderen Kultur oder aus dem europäischen Kulturkreis stammen) meine eigene Fantasie an, was niemals schlecht ist. Natürlich gibt es auch so einige Romane für erwachsene Leser, die solche Elemente auf ungewöhnliche Weise aufgreifen, aber in letzter Zeit bin ich eben häufiger über Kinder- und Jugendbücher gestolpert, bei denen mich die Umsetzung solcher vertrauten und unvertrauten Legenden gut unterhalten hat.

Zuletzt noch ein weiterer wichtiger Punkt, der mich gerade zu den Romanen zieht, die für ein jüngeres Publikum geschrieben wurden: In der Regel verzichten die Kinder- und Jugendbücher, die ich lese, auf Liebesgeschichten. Klar gibt es hier und da eine gegenseitige Schwärmerei oder ein aufkommendes Bewusstsein bei den jugendlichen Protagonisten, dass man für eine Person vielleicht mehr als Freundschaft empfindet. Aber das Ganze wird in den meisten Büchern so abgehandelt, dass es dezent und relativ realistisch verläuft. Insta-Interesse eventuell ja, aber nicht Insta-Love, sondern vor allem Beschreibungen von wachsender Freundschaft, Gesprächen und langsam aufkeimende Gefühle, die vielleicht im Laufe der Handlung zu mehr führen. Ich bin so übersättigt von „Liebe auf den ersten Blick und das natürlich für immer und ewig“-Geschichten, dass ich diese zurückhaltenden Beschreibungen von Zuneigung wirklich genieße. Natürlich kann ich auch eine gute Liebesgeschichte genießen, aber ich möchte die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob ich eine Liebesgeschichte oder z. B. einen Fantasyroman lese, statt in Erwartung eines fantastischen Abenteuers auf eine Romanze zu stoßen, deren fantastische Elemente nur mit Mühe und Not von der (meist dramatischen) Beziehung der Protagonisten ablenken können.

Ich fürchte also, dass ihr hier auch weiterhin mit vielen Besprechungen von (fantastischen) Kinder- und Jugendbüchern leben müsst, weil ich gerade so viel Spaß daran habe.

Eine Klappentextfrage! (2)

Ich habe in dieser Woche „Das letzte Kapitel“ von Matthew Pearl gelesen und versuche noch, meine Gedanken zu dem Buch zu ordnen. Dabei kam mir heute der Verdacht, dass ich deshalb solche Mühe habe, einen abschließenden Eindruck von dem Roman zu gewinnen, weil ich aufgrund des Klappentextes bestimmte Erwartungen hatte. Nun würde ich gern wissen, ob das an mir liegt oder an dem Klappentext.

Also, hier wieder die Frage an euch: Was würdet ihr bei dem folgenden Klappentext von einem Buch erwarten?

Boston, 1870. Sylvanus Bendall eilt durch die engen Gassen des heruntergekommenen Stadtviertels New Land. Im fahlen Licht der Dämmerung wirkt der Nebel wie ein Leichentuch. Immer wieder dreht der Anwalt sich um und lauscht. Der Verfolger kommt näher. Bendall beschleunigt seine Schritte – vergeblich. Sein Blick fällt auf den Knauf eines Gehstocks, der wie ein Bestienkopf aussieht. Reißzähne blitzen auf. Bendall ahnt, was der Unbekannte mit den schwarzen Augen von ihm will: das Papierbündel in seiner Westentasche – die letzten unveröffentlichten Seiten aus der Feder des kürzlich verstorbenen Charles Dickens. Sie bergen ein dunkles Geheimnis – und jeder, der es kennt, muss sterben.