Schlagwort: Buchgedanken

Warum ich Debütromane so mag

Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass ich immer relativ schnell bereit bin, interessant wirkende Debütromane auf meine Wunschliste zu setzen. Das liegt natürlich auch daran, dass Debütromane den Vorteil haben, dass ich bei Gefallen nicht vor einer endlosen Backlist stehe, die ich mir gern auch noch anschaffen möchte. Aber häufig sind die Debütromane (oder erste Veröffentlichungen) auch die Titel meiner Lieblingsautoren, die mir langfristig am besten gefallen. Natürlich bietet ein guter Debütroman immer auch die Möglichkeit, dass man da einen Autor für sich entdeckt hat, der viele Jahre an seinem Erstlingswerk gearbeitet hat und unter Zeitdruck oder nach einem ersten Erfolg nicht in der Lage ist, noch einmal ein so gutes Buch zu schreiben. Aber selbst bei den Autoren, die mit jeder Veröffentlichung besser werden und deren Werke ich über Jahre hinweg in all ihren Entwicklungsstadien sehr genieße, muss ich mir realtiv oft eingestehen, dass es die frühen und unvollkommeneren Geschichten dieser Autoren sind, die mir besonders am Herzen liegen.

Vom Kopf her ist mir das manchmal unangenehm, denn ich sehe ja den Qualitätsunterschied zwischen den früheren und den späteren Werken. Ich sehe die Verbesserung in der Erzählweise, die zunehmende Komplexität der Charaktere, den stimmigeren Weltenbau und ganz allgemein die höhere Professionalität. Auf der anderen Seite bin ich eine sehr emotionale Leserin, und oft fällt mir auf, dass eine höhere Professionalität bei einem Autor auch bedeuten kann, dass er meine Gefühle nicht mehr so anspricht wie mit seinen früheren Werken. Ich brauche das nicht unbedingt, um von einer Geschichte begeistert zu sein, aber ich genieße es sehr, wenn ich beim Lesen auch emotional involviert bin. Trotz dieser Erkenntnisse (und des leichten Unbehagens darüber, dass ich Qualität vielleicht nicht ganz so zu würdigen weiß, wie sie es verdient hätte 😉 ) habe ich nie eine treffende Beschreibung für dieses ganz bestimmte Element gefunden, dass mir häufig in späteren Werken eines Autors fehlt.

Und dann bin ich kürzlich über einen Twitter-Thread von Kelly McCullough gestolpert, der darüber schrieb, dass er die Zeit vermisst, als er noch ein relativ unerfahrener Autor war. Die Phase, als er schon wusste, was (für ihn) funktioniert, um eine Geschichte zu erzählen, aber noch nicht so viel übers Schreiben gelernt hatte, dass er eine anhaltende Kontrolle über sein Tun hat. Sein Fazit war:

„I think that what I’m doing is much better now, and I know it’s more sophisticated and that I’m accomplishing more with fewer words, but there is a raw freshness to those early stories that is all but impossible to replicate from a place of experience.“ (Kelly McCullough in einem Tweet vom 20. November 2018)

Ich glaube wirklich, dass es diese „raw freshness“ ist, die mich bei Debütromanen so anmacht, und die sich nur wenige Autoren auch langfristig erhalten, indem sie immer wieder experimentieren und sich auf eine Weise herausfordern, die dafür sorgt, dass sie nie so ganz in Professionalität und Routine versumpfen. Während einige andere Autoren anscheinend so glücklich sind mit dem Weg, den sie für sich gefunden haben, dass sie mich als Leserin irgendwann verlieren, weil ich das Gefühl habe, dass sie immer wieder die gleiche Geschichte mit den gleichen Elementen erzählen – nur eben ohne diesen Funken, der in ihren ersten Veröffentlichungen zu finden war.

Warum eigentlich so viele (fantastische) Kinder- und Jugendbücher?

Ich habe nie aufgehört, Kinder- und Jugendbücher zu lesen, weil es da so viele Autoren und Geschichten gibt, die mir Spaß machen. Aber in letzter Zeit – gerade mit Blick auf meine Neuzugänge der vergangenen drei Monate – fällt doch schon auf, dass ich momentan immer häufiger (fantastische) Kinder- und Jugendbücher lese und rezensiere. So gehäuft, dass ich mich selbst gefragt habe, warum das eigentlich so ist.

Ich glaube, es gibt mehrere Gründe für meine aktuelle Vorliebe für diese Romane, unabhängig davon, dass ich zur Zeit grundsätzlich ein sehr großes Bedürfnis nach „Wohlfühllektüre“ habe und diese häufig bei den Kinderbüchern (speziell den Klassikern) finde. Erst einmal habe ich inzwischen einige Personen in meiner (Twitter-)Timeline, über die ich Tipps bekomme für Bücher, die von „authors of color“ geschrieben wurden und die entweder in (für mich) ungewöhnlichen Teilen der Welt spielen und/oder angenehm „diverse“Charaktere zum Thema haben. Natürlich gibt es solche Geschichten auch für Erwachsene, aber ganz ehrlich, Titel wie „Akata Witch“ oder „Stadt aus Sand“ lassen sich mit deutlich mehr Vergnügen lesen als „Blauer Hibiskus“, ohne dass in der Handlung die Probleme des jeweiligen Landes vollkommen unter den Tisch fallen. Auch psychische Erkrankungen werden in einem (guten) Kinder- und Jugendbuch wie „Some Kind of Happiness“ in der Regel nicht beschönigt und mit all ihren Problemen und Auswirkungen auf die erkrankte Person und ihr Umfeld beschrieben, aber es fehlen dabei diese abgrundtief deprimierenden Szenen, die häufig in Geschichten für Erwachsenen vorkommen. Wenn es mir darum geht, mehr über die realen Erlebnisse mit solchen Erkrankungen zu lesen, dann setze ich lieber auf Zeitungsartikel, die augenöffnend und informativ sind, aber doch auch deutlich kürzer als ein Roman. Bei einer guten Geschichte erlebe ich die Handlung mit all ihren Höhen und Tiefen beim Lesen mit, und Kinder- und Jugendbücher machen es mir durch ihr größeres Maß an „Ausgewogenheit“ häufig leichter, mich auf schwierige Themen einzulassen.

Wenn ich dann noch neben einer guten Geschichte auf den „fantastischen“ Teil schaue, dann bekomme ich häufig nicht nur soziale und politische Elemente über das Leben einer „Volksgruppe“ mit, sondern auch Legenden und Mythen wie zum Beispiel in „Bayou Magic“, „The Jumbies“ oder dem oben schon erwähnten „Akata Witch“. Das genieße ich nicht nur, es bringt mich auch dazu – wenn ich verlässlich erscheinende Quellen finde -, mehr zu diesem Thema zu recherchieren. Außerdem regt ein kreativer Umgang mit solchen Elementen (egal, ob sie nun aus einer anderen Kultur oder aus dem europäischen Kulturkreis stammen) meine eigene Fantasie an, was niemals schlecht ist. Natürlich gibt es auch so einige Romane für erwachsene Leser, die solche Elemente auf ungewöhnliche Weise aufgreifen, aber in letzter Zeit bin ich eben häufiger über Kinder- und Jugendbücher gestolpert, bei denen mich die Umsetzung solcher vertrauten und unvertrauten Legenden gut unterhalten hat.

Zuletzt noch ein weiterer wichtiger Punkt, der mich gerade zu den Romanen zieht, die für ein jüngeres Publikum geschrieben wurden: In der Regel verzichten die Kinder- und Jugendbücher, die ich lese, auf Liebesgeschichten. Klar gibt es hier und da eine gegenseitige Schwärmerei oder ein aufkommendes Bewusstsein bei den jugendlichen Protagonisten, dass man für eine Person vielleicht mehr als Freundschaft empfindet. Aber das Ganze wird in den meisten Büchern so abgehandelt, dass es dezent und relativ realistisch verläuft. Insta-Interesse eventuell ja, aber nicht Insta-Love, sondern vor allem Beschreibungen von wachsender Freundschaft, Gesprächen und langsam aufkeimende Gefühle, die vielleicht im Laufe der Handlung zu mehr führen. Ich bin so übersättigt von „Liebe auf den ersten Blick und das natürlich für immer und ewig“-Geschichten, dass ich diese zurückhaltenden Beschreibungen von Zuneigung wirklich genieße. Natürlich kann ich auch eine gute Liebesgeschichte genießen, aber ich möchte die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob ich eine Liebesgeschichte oder z. B. einen Fantasyroman lese, statt in Erwartung eines fantastischen Abenteuers auf eine Romanze zu stoßen, deren fantastische Elemente nur mit Mühe und Not von der (meist dramatischen) Beziehung der Protagonisten ablenken können.

Ich fürchte also, dass ihr hier auch weiterhin mit vielen Besprechungen von (fantastischen) Kinder- und Jugendbüchern leben müsst, weil ich gerade so viel Spaß daran habe.

Fantasy und die Darstellung von Beziehungen

Schon seit Längerem denke ich über die unterschiedliche Darstellungsweise von gesellschaftlich kontroversen Themen in Fantasyromanen nach. Einen Teil meiner Gedanken hatte ich schon im „Henry vs. Maia“ niedergeschrieben – und ich bleibe dabei, dass ich einen nicht so plakativen Umgang mit Themen wie Sexualität, Rassismus, Gleichberechtigung, Feminismus und Ähnlichem bevorzuge, weil mich das zum Denken statt zum Konsumieren anregt.

Noch schöner allerdings finde ich die Fantasywelten, in denen es ganz alltäglich ist, wenn eine Familie nicht unbedingt aus einem Mann, einer Frau und einer dazugehörigen Zahl von Kindern bestehen muss. Welten, in denen Lebensweisen normal sind, die in unserem Alltag bemerkenswert oder gar verpönt sind. Ich glaube, meine Vorliebe für solche Fantasywelten hängt damit zusammen, dass ich als Teenager einige Romane gelesen habe, in denen das so war. Das bekannteste Beispiel ist dabei vermutlich Marion Zimmer Bradley (bei der ich für diesen Beitrag das Privatleben von ihrem Werk trenne möchte), deren Darkover-Geschichten in einer Welt spielten, die bei weitem nicht perfekt war, aber in denen Homo- oder Bisexualität ebenso häufig vorkamen wie polyamore Beziehungen.

Solche Welten haben meine Sicht auf dieses Thema sehr geprägt und dafür gesorgt, dass es für mich egal ist, wer wen wie liebt, solange alle Beteiligten alt bzw. reif genug sind, um sich bewusst für ihre Art der Beziehung zu entscheiden und zufrieden damit sind. Wie sehr meine Vorstellung von Normalität von der Realität abweicht, habe ich erst relativ spät festgestellt. Als Teenager stand ich noch auf dem Standpunkt, dass es doch nur einige wenige engstirnige Menschen geben könnte, die ein Problem mit der Sexualität anderer Leute haben könnten – und ich muss zugeben, dass ich mit jedem Jahr, das ich älter werde, überrascht bin, wie engstirnig und kleinkariert Menschen sind und wie sehr sie gegen Lebensmodelle kämpfen können, die nicht ihrer eigenen Vorstellung entsprechen.

Meine eigene Naivität bringt mich hingegen wieder zu den Romanen und der Frage zurück, wie Autoren mit dem Thema umgehen sollten. Da in unserer realen Welt nicht nur Vorurteile, sondern zum Teil regelrechte Kreuzzüge gegen Menschen mit vermeintlich nicht der „Norm“ entsprechenden Beziehungen geführt werden, darf das Thema meiner Meinung nach in fiktiven Geschichten auch nicht unter den Tisch fallen. Aber ich frage mich, ob es hilfreicher ist, wenn ein Autor dem Leser eine Welt präsentiert, in der es eben selbstverständlich ist, dass Menschen nun einmal unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse habe, wenn es um Beziehungen geht, um dieses Bild zur „Normalität“ werden zu lassen. Oder ob es wichtiger ist, bewusst aufzuzeigen, welche Missstände herrschen, um vielleicht den einen oder anderen Leser dazu zu bringen, sich in seinem Umfeld denjenigen entgegenzustellen, die nur ihre eigene konservative Weltsicht als akzeptablen Lebensentwurf dulden.

Henry vs. Maia oder Wie sollte ein Autor wichtige Themen in seinen Roman einflechten?

In den letzten Tagen habe ich – ohne es zu planen – gleich zwei Romane gelesen, in denen die Protagonisten achtzehnjährige Adelige waren, die von ihrer Familie im besten Fall nicht geachtet und im schlimmsten Fall sogar geschlagen wurden. Beide Figuren mussten im Laufe der Geschichte erwachsener und reifer werden, beide wurden von Autorinnen erschaffen und in beiden Büchern gab es neben so einigen humorvollen Momenten auch Szenen, die sich mit Themen wie Rassismus, Gleichberechtigung, Homosexualität und Machtmissbrauch beschäftigten.

Doch während mich Henry in „Cavaliersreise“ durch seine egozentrische und ignorante Art von diesen Themen eher ablenkte, gab mir Maia in „Der Winterkaiser“ das Gefühl, er würde durch sein zurückhaltendes Wesen diese Elemente im Roman erst recht betonen. Ich finde es sehr faszinierend, wie unterschiedlich Mackenzie Lee und Katherine Addison ihre Geschichten erzählen und wie viel mehr mich die zurückhaltende Erzählweise von Katherine Addison berührt hat. Natürlich liegt die Differenz schon darin begründet, dass die „Cavaliersreise“ für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde und die Autorin mehr Wert auf absurde und amüsante Szenen legte und ihren Protagonisten als extrovertierten Tunichtgut angelegt hat, während „Der Winterkaiser“ von der zurückhaltenden und unsicheren Hauptfigur, einem komplizierten politischen Gefüge und der Enthaltung sämtlicher Actionszenen lebt.

Aber gerade weil sich Katherine Addison so viel Zeit nimmt, um die gesellschaftliche und politische Situation in ihrer fantastischen Welt zu präsentieren, fand ich die kleinen Momente so eindringlich, in denen klar wird, dass Frauen allgemein deutlich niedriger gestellt sind als Männer, dass die Ächtung von Homosexualität dazu führt, dass ein Kleriker, der Männer liebt, an seinen Gefühlen und Taten fast zerbricht, und dass selbst die höchste Position im Reich keinen Schutz vor Rassismus darstellt. Beide Autorinnen zeigen auch, dass unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden, je nach Position der betroffenen Person oder nach Haltung des Gegenübers. Es reicht eben nicht, wenn die eigene Umgebung „tolerant“ ist, wenn das nicht zu einem allgemeinen Bewusstsein für die Probleme und damit zusammenhängenden Veränderungen in der Gesellschaft führt.

Was mich dann wieder auf die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Autorinnen bringt. Vielleicht braucht es ja die plakative Erzählweise von Mackenzie Lee in „Cavaliersreise“, um beim Leser ein Bewusstsein für sogenannte kritische Themen zu schaffen und es geht nur mir so, dass ich davon eher abgeschreckt werde und das Buch mit einem „das hätte man besser machen können“-Gefühl beende. Ich weiß, dass mich das als Kind weniger gestört hätte, denn da habe ich genügend Bücher gelesen, die ihre Botschaft mit erhobenem Zeigefinger verbreiteten. Auf der anderen Seite kann ich auch sagen, dass die Romane, die subtiler mit gewichtigen Themen umgingen, bei mir länger hängenbleiben, weil sie mich dazu bringen, mir meine eigenen Gedanken zu machen, statt einfach nur zu konsumieren, was mir der Autor vor die Nase setzt.

Ich würde wirklich gern wissen, ob es euch ähnlich geht wie mir. Stört es euch, wenn solche Themen immer wieder betont in einem Roman angesprochen werden? Oder seid ihr so dankbar, dass überhaupt kontrovers diskutierte Themen aufgegriffen werden, dass ihr auch mit einer plakativeren Präsentation leben könnt?

Digital vs. Print

Angesicht der Büchermassen, die ich gerade in Kartons stecke, und der immer wieder überraschenden Erkenntnis, wie wenige Bücher doch in einen Karton passen, ist es wohl kein Wunder, dass ich zur Zeit immer wieder über die Vor- und Nachteile von eBooks nachdenke. Dieser Umzug wäre so viel einfacher (und günstiger), wenn ich meine Bücher zum größten Teil als Daten auf dem eReader hätte. Vor allem, da ich ja inzwischen auch regelmäßig eBooks lese und auch ein paar Vorteile daran entdeckt habe, würde es sich theoretisch in Zukunft anbieten, in erster Linie Dateien zu kaufen.

Ich mag zum Beispiel, dass ich die Schriftgröße so weit erhöhen kann, dass ich auch in der Dämmerung oder mit müden Augen noch gut lesen kann. Außerdem kann ich mit dem eReader auch Bücher lesen, während ich stricke, weil ich das Buch nicht mit der Hand geöffnet halten muss und mit einem einfachen Tastendruck umblättern kann. (Ja, mein eReader ist so alt, dass er Tasten hat, und ich liebe ihn dafür! So kann ich ihn z.B. auch nutzen, wenn ich mir gerade die Hände eingecremt habe, was ich nicht machen würde, wenn ich über den Bildschirm wischen müsste, oder wenn eine Katze so auf mir liegt, dass ich gerade noch ein Fingerzucken auf die Reihe bekomme, aber keine größere Geste.) Ich habe auch keine Hemmungen, den Reader mit zum Kochen in die Küche oder mit ins Badezimmer zu nehmen, während ich meine gedruckten Bücher lieber nicht irgendwo rumliegen lasse, wo sie Wasserflecken oder Ölspritzer abbekommen könnten.

Trotz all dieser Vorteile sind mir meine gedruckten Bücher aber viel zu wichtig, um auf eBooks umzusteigen. Dabei geht es mir nicht darum, den Hamster in mir zu befriedigen, dem es einfach gefällt, wenn er vor gefüllten Regalen steht, oder mich an besonderen Ausgaben zu erfreuen. Denn – und da muss ich ehrlich sein – so schön ich ein ordentliches Bücherregal finde, so sehen meine Regale selten ordentlich aus (da ich immer zu viele Bücher pro Regalbrett reinstopfen muss), und es ist auch nicht gerade besonders ästhetisch, wenn man von einem Autor vier nicht zueinander passende Ausgaben einer Reihe nebeneinander stehen hat, weil das nun mal die einzige (oder günstigste) Möglichkeit war, die Bücher zu bekommen. Mir geht es vor allem um mein Leseverhalten, das bei gedruckten Büchern nun einmal anders ist als bei eBooks.

Ich lese viel und ich lese schnell, weshalb es gut ist, dass ich häufig Romane mehrfach lese. Es gibt Bücher in meinem Bestand, die ich (unter normalen Umständen) jedes Jahr wieder in die Hand nehme und genieße. Andere fische ich mir gern aus dem Regal, blättere zu meinen Lieblingsstellen und lese die noch einmal, um Erinnerungen aufzufrischen oder einfach eine bestimmte Passage noch einmal zu genießen. Und während ich dieses Blättern bei einem gedruckten Buch in wenigen Sekunden auf die Reihe bekomme, muss ich beim eBook mühsam zwischen Inhaltsverzeichnis (wenn überhaupt vorhanden) und den Kapiteln wechseln und blättern, blättern, blättern, bis ich an der richtigen Stelle bin. So dauert es länger, zu der gesuchten Passage zu kommen, als ich zum Lesen brauche. Das finde ich überaus lästig.

Auch das Nachschlagen von Personennamen (mein Namensgedächtnis ist nun mal grauenhaft) zum Beispiel für Rezensionen ist nervig bei einem eBook – und ich habe keine Lust, beim Lesen vorsichtshalber schon mal jede vorkommende Person zu notieren, nur weil ich sie eventuell in einer meiner Rezensionen erwähnen wollen könnte. (Wer mal drauf achten mag, wird feststellen, dass ich bei eBook-Rezensionen deutlich seltener Nebenfiguren mit Namen benenne als bei gedruckten Büchern. *g*) Überhaupt fällt mir bei eBooks immer wieder auf, wie oft ich normalerweise beim Lesen zurückblättern würde, um etwas nachzuschauen oder eine Passage noch einmal mit dem Wissen um die spätere Handlungsentwicklung zu lesen, und es ärgert mich, dass ich mir dieses Nachschlagen und Genießen bei einem eBook in der Regel verkneife, weil es eben nicht so einfach möglich ist.

Auch merke ich immer wieder, dass ich bei eBooks weniger Geduld habe, wenn ich einen Titel in die Finger bekomme, der etwas mehr Aufmerksamkeit beansprucht. Mir fehlt das Gefühl für den Seitenumfang, für das Voranschreiten der Geschichte und die Ermutigung bei etwas zäheren Passagen, die dadurch entsteht, dass ich sehen kann, dass ich nur noch ein Drittel des Buches vor mir habe und deshalb vermutlich das Ganze bald anziehen wird. Bei Büchern, die mich sehr fordern, nehme ich mir oft eine feste Seitenzahl pro Tag vor, was mit den Prozentzahlen, die mir mein Reader anzeigt, für mich nicht funktioniert. Wenn man dann noch bedenkt, wie wenige „herausfordernde“ Bücher ich im vergleich zu fluffigen Romanen lese, befürchte ich, dass ich auf diese bewussten Herausforderungen ganz verzichten würde, wenn ich auf eBooks umsteigen würde.

Außerdem stelle ich fest, dass ich eBooks viel seltener noch einmal lese. Was – wie ich zugeben muss – auch damit zusammenhängt, dass ich auf meinem Reader mehrere Ordner habe, in denen die Titel alphabetisch nach Autorenname aufgelistet sind. Erst einmal ist diese Auflistung nicht immer korrekt, weil bei manche Dateien der Autorenname nicht richtig angegeben wurde (also nicht so, dass das Gerät den Nachnamen auch eindeutig als solchen erkennt), dann scrolle ich nun einmal nicht so gern durch Listen, um mir Inspiration für meine nächste Lektüre zu suchen, und zwischen den Ordnern zu wechseln ist auch deutlich lästiger als mal eben einen Schritt zur Seite zu machen, um ein anderes Genre im Regal ins Auge zu fassen. Das Ganze wäre vermutlich nicht ganz so schlimm, wenn ich eine Regalansicht mit Covern auf meinem Gerät hätte, aber wirklich reizvoll finde ich so eine Ansicht auch nicht, wie ich dank der diversen Plattformen mit eBook-Angeboten sagen kann.

Zuletzt ist es noch so, dass ich wirklich gerne gedruckte Bücher in den Händen halte. Selbst die dicken Wälzer, die auf Dauer zu schmerzenden Handgelenken führen und die man nur längere Zeit am Stück lesen kann, wenn man sie auf der Sofalehne oder einem Tisch ablegt, finde ich angenehmer als den dünnen Reader zu halten. Dabei ist mein altes Gerät im Vergleich zu neueren Readern sogar verhältnismäßig dick und schwer, aber er liegt trotzdem nicht so gut in der Hand wie die meisten Bücher es tun. Außerdem ich finde es erholsam, wenn ich, nachdem ich jeden Tag Stunden vor dem Bildschirm verbringe, auf Papier blicken kann, statt schon wieder von einem Bildschirm angestrahlt zu werden (selbst wenn mein Reader keinen beleuchteten Bildschirm hat).

So bleibt es wohl auch in Zukunft dabei, dass ich versuche, irgendwie genügend Regalplatz in der Wohnung zu schaffen und bei jedem Umzug über all die Kartons entsetzt bin. Und dabei habe ich bei all den Gedanken zum Thema eBooks nicht mal über Comics, Manga und Spiele geredet, ebensowenig wie über die Tatsache, dass mein Mann nicht nur großteils ähnliche Hobbies hat wie ich, sondern auch noch eine Sammlung von Schallplatten und Brettspielen …

Ich lese ja immer wieder gern …

… wenn andere Menschen über ihre Bibliothekserfahrungen schreiben. So habe ich selbst vor Jahren schon einmal einen Beitrag darüber gebloggt, wie sehr Bibliotheken zu meinem Leben gehören (und wie schade ich es finde, dass der persönliche Kontakt zu den Bibliotheksmitarbeitern durch Elemente wie die Selbstverbuchung abnimmt).

In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, wie häufig doch in den regionalen Nachrichten von Bibliotheks- (und Schimmbad)-Schließungen die Rede ist. Die kommunalen Finanzen müssen für viele Aufgaben reichen und anscheinend setzen einige Politiker darauf, dass eine Zweigstelle weniger nicht schaden wird oder es reicht, wenn es eine Bibliothek in der Nachbarstadt gibt.

All diesen Entscheidungsträgern würde ich jetzt gern einen Artikel der Autorin Hatice Akyün (veröffentlicht in der „Zeit“) unter die Nase halten, über den ich am Donnerstag gestolpert bin. Da mir das nicht möglich ist, möchte ich zumindest für euch diesen tollen Text hier verlinken:

„Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte“

Autoren auf der Wartebank

Als ich gestern anfing, meinen FeedReader durchzusehen, stolperte ich über Beiträge von Neyasha und Ariana, die mich darüber nachdenken ließen, warum ich so oft in Kommentaren schreibe, dass ich einen Autor doch eigentlich auch noch antesten oder mehr von einem Autor lesen wollte oder vielleicht mal meine Erinnerung auffrischen sollte.

Bei manchen Autoren ist der Grund dafür, dass ich sie bislang nicht noch einmal gelesen habe, ganz einfach. Das sind die, deren Bücher ich vor vielen Jahren (häufig als Teenager) gelesen habe, und die mich nicht so nachhaltig beeindruckt haben, dass ich ihre Werke weiter erforscht habe. Aber da sich darunter eine Menge „Klassiker“ befinden, denke ich heute häufiger, dass ich diesen Romanen noch eine Chance geben sollte, dass ich sie als erwachsener Mensch vielleicht anders beurteilen würde und dass doch irgendetwas an diesen Büchern sein müsste, das mir damals entgangen ist und das es wert wäre, entdeckt zu werden.

Schwieriger wird es, wenn mich ein Blogpost oder irgendein anderer Anlass an einen Autor erinnert, von dem mich mindestens ein Buch sehr beeindruckt hat und von dem ich deshalb mehr lesen wollte. Die bei Ariana erwähnte Ethel Lina White ist so ein Beispiel, denn von der Autorin habe ich vor vielen Jahren „Eine Dame verschwindet“ gelesen und wollte danach noch mehr Bücher ausprobieren. Doch in der Bibliothek gab es keine weiteren Titel, auf Englisch habe ich damals noch nicht gelesen und so habe ich die Autorin aus den Augen verloren. Bei Margaret Millar war es so, dass ich „Banshee“ sehr gut fand, aber dummerweise hatte ich das Buch auf einem Wühltisch ergattert und weitere Titel gab es zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu bestellen.

Während ich von Dashiell Hammett und Raymond Chandler so gut wie alles gelesen habe, kenne ich von Ross Macdonald nur wenige Titel. (Lustigerweise stelle ich gerade beim Schreiben dieses Beitrags fest, dass Margaret Millar und Ross Macdonald verheiratet waren – wie passend!) Bei ihm liegt es nicht an der Verfügbarkeit der Romane, denn jedes Mal, wenn ich nachschaue, sehe ich genügend Titel, die noch zu erwerben sind und die ich noch nicht kenne. Aber anscheinend ist auch das ein Problem. Denn diese durchgehende Verfügbarkeit (oder zumindest der Anschein von durchgehender Verfügbarkeit) sorgt auch dafür, dass ich das Gefühl habe, ich könnte mir Zeit lassen mit dem Lesen. Also greife ich lieber zu einem Autor, bei dem ich befürchten muss, dass seine Werke irgendwann nicht mehr von einem Verlag angeboten werden, oder der aktuell veröffentlicht und bei dem ich durch einen zeitnahen Kauf dafür sorgen kann, dass vielleicht noch mehr Titel von ihm herausgegeben werden.

Natürlich gehören nicht nur Krimiautoren zu denjenigen, von denen ich eigentlich schon seit langer Zeit mehr lesen will, aber das waren die ersten Namen, die mir eingefallen sind. Wenn ich weiter darüber nachdenke, dann sind es vor allem Autoren, die zu den „Klassikern“ ihres Genres gezählt werden, während die Genres von Krimi über SF und Fantasy bis hin zu allgemeiner Belletristik gehen.

Ich bin mir nur noch nicht sicher, wie ich es nun in Zukunft auf die Reihe bekomme, dass ich diese Autoren mal von der „Wartebank“ befreie und wirklich ihre Bücher lese. Die Stadtbibliothek ist da erschreckend selten eine Hilfe, weil gerade diese Titel inzwischen kaum noch Platz im Bestand bekommen (was kein Wunder ist, da die Ausleihzahlen natürlich nicht so groß sind wie bei aktuellen Romanen). Aber ganz aus den Augen möchte ich diese Autoren auch nicht verlieren, also muss ich mir irgendeinen Weg überlegen. Bis mir eine Lösung einfällt, werde ich wohl weiterhin durch die Gegend gehen und regelmäßig an Autoren erinnert werden, die ich noch lesen wollte, und mich ein bisschen ärgern, weil ich es nicht hinkriege.

Zwischen Schund und Klassikern

In den letzten Monaten bin ich immer wieder über Beiträge gestolpert, in denen sich die Blogger Gedanken darüber gemacht haben, welche Genres wertvoll, qualitativ oder aus sonst welchen Gründen lesenswert sind. Ich weiß nicht, ob das durch die Kritik an der Qualität der Blogger-Buchrezensionen (nicht fundiert genug, zu emotional, es wird keine Literatur besprochen) angestoßen wurde oder von einem allgemeinen Bedürfnis, zu werten – das ist mir ehrlich gesagt auch egal.

Mir haben diese Beiträge allerdings bewusst gemacht, wie dankbar ich meiner Familie für meine Lust auf Bücher jeglicher Art bin und wie viel Glück ich anscheinend hatte, dass meine Lektüre nie von jemandem aus meinem Umfeld in irgendeiner Form bewertet wurde.

Mein erstes umfangreicheres Buch war „Der Fremde aus Indien“ von Karl May – den Roman hatte mein Vater während des Campingurlaubs dabei, als ich acht Jahre alt war. Und da meine gesamte Familie ihre Zeit mit einem Buch vor der Nase verbrachte, habe auch ich angefangen, länger am Stück zu lesen.

Mein Vater las (und liest) so ziemlich alles, was ihm in die Finger kommt: Sachbücher, historische Romane, Comics, Fantasy, Science Fiction, Klassiker, Kriminalromane, Spionageromane und – bevorzugt an Flughäfen für lange Geschäftsreisen gekaufte – Heftchenromane. Wenn meinem Vater ein Autor besonders gefällt, dann besorgt er sich nach und nach auch all seine Bücher und fragt herum, ob man ihm ähnliche Autoren empfehlen kann.

Meine Mutter hat – zumindest meine Kindheit hindurch – eher zu den „Frauenromanen“ gegriffen: Liebesgeschichten, Thriller, historische Romane rund um starke Frauenfiguren, heitere Frauenromane – ihr könnt es euch vermutlich vorstellen. Inzwischen liest sie alles, was ihr vom Klappentext her interessant erscheint und was nicht irgendwie fantastisch ist, denn für sie müssen Geschichten in der „realen“ Welt spielen. Überhaupt gibt es gerade einen eifrigen Büchertausch zwischen meinen Eltern und ihren Geschwistern, der dazu führt, dass regelmäßig Kisten voller gelesener Exemplare weitergereicht werden, damit sich das nächste Familienmitglied daraus bedienen kann.

Meine Schwester und ich haben von klein auf frei auf all die von meinen Eltern gelesenen Bücher zugreifen können. Dazu kamen noch die regelmäßigen Bibliotheksbesuche – bei denen meine Schwester oft dafür gesorgt hat, dass wir britische Kinderbuchklassiker ausgeliehen haben – und die Romane (häufig irgendwelche Sammelbände für Mädchen), die wir zu Geburtstag und Weihnachten geschenkt bekommen haben.

Weder meine Eltern noch die diversen Bibliothekarinnen haben mich je in meiner Leselust gebremst oder mir Bücher vorenthalten, weil ich nicht alt genug dafür wäre oder weil sie schlecht geschrieben oder sonstig ungeeignet wären. So habe ich in meinem Leben eine Menge Schund gelesen (und genossen!) und mich durch das eine oder andere anspruchsvolle Buch gearbeitet, das für mich noch nicht wirklich erfassbar war.

Es ist toll, dass mein breitgefächerter Lesegeschmack dazu führt, dass ich mich mit so vielen Leuten austauschen kann. Meine Schwäche für Fantasyromane hat mir, während ich im Buchhandel gearbeitet habe, sehr viele Kunden gebracht, denn zu der Zeit war die Auswahl in den Läden an fantastischen Geschichten noch nicht so groß und die „klassischen Buchhändler“ haben doch lieber gehobenere Literatur verkauft. Ich kann mich mit meiner Tante über Nora-Roberts-Romane unterhalten, ich habe mich mit meinem Umweltpsychologie-Professor über den einen oder anderen Klassiker ausgetauscht, und die neue Nachbarin war im letzten Jahr ganz begeistert, weil ich die gleichen Krimiautoren kenne wie sie und ihr noch den einen oder anderen neuen Autor empfehlen konnte.

Ich finde es großartig, dass mir so viele verschiedene Genres zur Verfügung stehen. Ich fürchte, ich würde mich langweilen, wenn ich mich auf eins davon beschränken sollte. Obwohl ich zugeben muss, dass mein Büchersammlung dann vermutlich nicht ganz so groß wäre. 😉 Ich hoffe sehr, dass ich nie die Freude am Lesen verliere oder die Lust auf neue Genres. Aber eigentlich gehe ich davon aus, dass ich mich weiterhin nie zu alt für Kinder-, Jugend- oder Bilderbücher halten werde, dass ich meine Nase mit Vergnügen in Comics oder Manga stecken werde, dass ich mich über jeden neu entdeckten Autor spannender/unterhaltsamer/interessanter Romane freuen werde, dass mein erster Impuls, wenn ich etwas Extrageld in der Hand habe, der Kauf eines Buches ist, und dass ich weiterhin von informativen Sachbüchern über sogenanntem Schund bis zu den Klassikern die verschiedensten Titel genießen kann.

Und ich hoffe sehr, dass irgendwann unter Lesern ein kleines bisschen mehr Toleranz gegenüber der Lektüre der Anderen, etwas mehr Mut zu unbekannten Genres und etwas weniger Unsicherheit bezüglich der eigenen Lesevorlieben herrscht. Es gibt doch kaum etwas Großartigeres als Menschen, die mit Genuss ein Buch lesen können!

Warum ich keine Übersetzer nenne …

Unter anderem Isabel Bogdan weist immer wieder darauf hin, dass es wichtig sei, Übersetzer von Büchern in Rezensionen (und somit auch auf Blogs) zu nennen. Ihren letzten Beitrag zu dem Thema findet ihr HIER. Ich kann verstehen, dass sie als Übersetzerin stolz auf ihre Arbeit ist und auch deshalb der Meinung ist, dass es notwendig ist, den Übersetzer zu erwähnen, wenn man über einen Text schreibt. Trotzdem gibt es mehrere Gründe, warum man bei mir den Übersetzernamen nur sehr selten erwähnt findet.

Grundsätzlich gibt es bei mir keinen „Infoblock“ mit den Daten zu einem Buch, weil ich erstens davon ausgehe, dass jemand, der meinen Blog im Internet gefunden hat, in der Lage sein wird, anhand des Autors und des Buchtitels alle gesuchten Informationen über die Verlagsseite zu finden. Zweitens habe ich ehrlich gesagt keine Lust, vor dem spontanen Schreiben einer Rezension, eines „Kurz und knapp“-Beitrags oder eines Leseeindrucks die Daten zusammenzusuchen. Außerdem stellt sich mir die Frage, wo ich die Grenze ziehen soll, wenn ich erst einmal damit anfange. Ich persönlich überspringe bei sämtlichen Blogs diese Infoblocks und finde es sehr lästig, wenn ich bei einem Beitrag, der aus wenigen Zeilen besteht, doppelt so viel Zeilen mit Daten wegscrollen muss.

Dazu kommt noch, dass ich nicht glaube, dass ich die Übersetzungsqualität wirklich beurteilen kann. Ohne „Infoblock“ müsste ich also in so gut wie jede meiner Rezensionen folgenden Satz schreiben:
„Ich weiß nicht, ob die Übersetzung dem Original gerecht wird, den ursprünglichen Text schlechter oder besser dastehen lässt, denn ich kenne die Originalausgabe nicht. Ich kann nur sagen, das Buch wurde von XY übersetzt.“ – nee, das ist doch wirklich keine Lösung!

Deshalb werden bei mir Übersetzer nur dann erwähnt, wenn es einen für mich relevanten Grund dafür gibt. Wenn ich zum Beispiel das Original mit der „bearbeiteten deutschen Fassung“ vergleiche, wie bei Agatha Christies „They Came to Baghdad“, dann erwähne ich selbstverständlich die Übersetzerin. Ich kann zwar nicht sagen, ob diese für die Kürzungen zuständig war oder ob der verantwortliche Lektor diese Entscheidungen traf, aber ich sage natürlich, wer den Text ins Deutsche übertragen hat.

Genauso halte ich es, wenn ich über (relevante) Wörter in Übersetzungen stolpere, die ich als unstimmig, falsch oder kritisierenswert empfinde, wie bei „Die zerborstene Klinge“ oder „Mord nach Drehbuch“. Was ich nicht erwähne, obwohl es mich regelmäßig sehr stört und aus dem Lesefluß reißt, sind Ausdrücke, die eindeutig regionalen (sehr, sehr häufig süddeutschen) Ursprungs sind, ohne dass die Geschichte in der dementsprechenden Region angesiedelt ist. Ich verstehe, dass es schwierig ist, diese vertrauten Begriffe beim Übersetzen vollständig zu vermeiden, denke aber, dass es einem professionellen Übersetzer eigentlich bewusst sein müsste, welche Ausdrücke regional und welche allgemein sind.

Also, liebe Übersetzer, wenn ich einen Übersetzer nicht nenne, dann ist es – auch wenn es euch wie Missachtung vorkommt – eigentlich ein großes Lob. Denn das bedeutet, dass ich mein Buch aufgrund eurer Arbeit einfach genießen konnte, ohne mich über Textstellen oder Ausdrücke aufzuregen oder mir Gedanken darüber machen zu müssen, woran es liegt, dass der Autor bei anderen Titeln oder im Original doch ganz anders klingt.

Vom Seiten zählen und anderem …

Vor ein paar Tagen bin ich (ich glaube über einen Retweet bei Twitter) über einen Blogpost gestolpert, der die Frage in den Raum stellte, warum Buchblogger sich Leseziele setzen, an Challenges teilnehmen, Seiten zählen und ähnliches tun. Da das keiner meiner üblichen Blogs war, finde ich den Beitrag leider nicht wieder, aber ähnliches Diskussionen gibt es ja immer wieder.

Ich gebe zu, dass es eine Menge Dinge auf Buchblogs gibt, die ich nicht nachvollziehen kann wie zum Beispiel Verlags-Challenges. Und mit großen Buch-bezogenen Plattformen, auf denen ich Listen führen und mich mit anderen Leuten austauschen kann, gebe ich mich auch nicht ab, denn dafür habe ich ja meinen Blog – und mir gefällt es besser, wenn hier alles konzentriert gesammelt wird. Auf der anderen Seite gibt es bestimmt einige Menschen, die nicht verstehen, warum ich jeden Monatsanfang eine SuB-Liste poste, obwohl ich doch eine Gesamtliste unter dem Header verlinkt habe. Aber ich mag es die monatliche Veränderung in meinem SuB auf diese Weise zu dokumentieren und dort kurz über meinen (vergangenen und kommenden) Lesemonat zu schreiben. Und so führt jeder von uns seinen Blog so wie er es richtig und wichtig findet.

Auf jeden Fall hat mich dieser Post vor ein paar Tagen wieder auf etwas gebracht, das mir in den letzten Monaten aufgefallen ist. Ich führe seit sehr vielen Jahren Leselisten und – nachdem Natira mich mal angestupst hatte – ich veröffentliche diese Liste in abgespeckter Form auch als Quartalsstatistik auf diesem Blog. In abgespeckter Form, weil ich davon ausgehe, dass es die meisten Leute nicht interessiert, wie viele Seiten ein Titel hatte, ob es ein SuB-Titel, ein Neuzugang, ein eBook, ein Leihbuch oder ein Bibliotheksbuch war. Das Führen dieser Liste kostet mich gerade mal ein paar Minuten im Monat und ich finde es spannend, was diese Liste mir so über mich verrät. Und oft genug ist sie hilfreich, wenn ich mal wieder nicht weiß, welche Titel ich gelesen habe und wo ich mit einer Reihe weitermachen muss, wenn ich nichts verpassen möchte.

Das Seitenzählen ist eigentlich der unnütze Teil an meiner Liste, aber ich dachte vor ungefähr zwei Jahren, dass es doch interessant sei, wenn ich mal herausfinden würde, wie viele Seiten ich so lese. Parallel dazu habe ich durch meinen Monatsanfangspost auch häufig festgehalten, ob ich einen Monat als „guten“ Lesemonat empfunden habe. Dabei bedeutet ein guter Lesemonat nicht so sehr, dass ich lauter fantastische Titel in die Finger bekommen habe, sondern dass ich das Gefühl hatte, ich könnte mir genügend Zeit zum Lesen nehmen und das Lesen angemessen genießen. Also ein Monat, in dem ich nicht aus irgendeinen Grund mit der Welt (und somit auch mit meinen Büchern) verquer gewesen wäre oder in dem mir die Zeit gefehlt hätte, um mich in Ruhe mit einem Roman hinzusetzen.

Dadurch habe ich herausgefunden, dass meine „Wohlfühlgesamtseitenzahl“ (was für ein Wortgebilde! *g*) bei 5000 Seiten liegt. Lese ich in einem Monat um die 5000 Seiten, dann geht es mir in der Regel gut. Dann habe ich einen Monat erlebt, der mir genug Lesezeit gebracht hat, in dem der Kopf frei genug war, um mich auf eine Geschichte einzulassen, und in dem ich das Lesen entspannt genießen konnte. Nicht immer habe ich in solchen Monaten besonders gute oder mitreißende Romane gelesen, aber zumindest genügend „nette“ Titel, dass ich weiterlesen mochte, statt das Buch unzufrieden zur Seite zu legen und tagelang nicht wieder anzurühren. Außerdem bietet ein solcher 5000-Seiten-Monat auch wieder einigen Stoff für Blogposts und den Austausch mit euch über Bücher, was mir schließlich auch viel Freude bereitet. 5000 Seiten bedeuten auch, dass ich viel Zeit für mich hatte, denn das Lesen ist zwar mein größtes Hobby, aber nicht mein einziges – und ganz kann ich im Laufe des Monats nicht auf das Spielen, Handarbeiten und all die anderen Dinge verzichten.

Ich werde mir jetzt nicht zwanghaft die 5000 Seiten als monatliches Ziel setzen, aber ich finde es interessant und amüsant, wie viel meine gelesenen Seite darüber aussagen, wie es mir in einem Monat ging. Und es bekräftigt mich (mal wieder) darin, dass ich meine Lese- und Auszeiten – wenn irgend möglich – fest in meinen Alltag einplanen muss, damit es mir gut geht.