Ein paar Gedanken zu Pseudonymen …

Und es sind wirklich nur „ein paar Gedanken“, weil ich selber nicht so richtig weiß, in welche Richtung ich damit gehen will. 😉 Ich muss gestehen, dass ich bei „geschlossenen Pseudonymen“ selten mitbekomme, welche Person hinter dem Pseudonym steht, selbst wenn das Pseudonym „geknackt“ wird – und das ist ja auch Sinn der Sache. Mir ist es relativ egal, wer tatsächlich hinter einem Pseudonym steckt (auch wenn ich Robert Galbraith definitiv nicht mehr lesen werde). Mir ist es vor allem wichtig, dass ich mich darauf verlassen kann, dass ich bei Büchern, die unter einen bestimmten Namen veröffentlicht werden, auch ungefähr die gleiche Art von Geschichten vorfinde, die ich unter demselben Namen schon gelesen habe.

Ich kenne so einige Autorinnen (und mir fällt gerade auf, dass es wirklich alles Autorinnen sind), die ein oder mehrere „offene Pseudonyme“ verwenden, wenn sie Romane in unterschiedlichen Genres veröffentlichen. Spontan fallen mir zum Beispiel Seanan McGuire ein, die unter ihrem realen Namen Fantasy schreibt und unter „Mira Grant“ (wissenschaftliche) Horrorromane veröffentlicht, oder Ursula Vernon, deren Kinderbücher unter ihrem realen Namen veröffentlicht werden, während sie das Pseudonym „T. Kingfisher“ für alle Geschichten verwendet, die nicht so einfach in ein Genre zu packen sind (zumindest ist das das Kriterium, das sie mal in einem Tweet für dieses Pseudonym angebeben hat). C.E. Murphy veröffentlicht unter C.E. Murphy (Urban) Fantasy, unter Catie Murphy Cozy Mysteries, unter Murphy Lawless Gladiator-Gestaltwandler-Liebesgeschichten und unter Zoe Chant Gestaltwandler-Liebesgeschichten (ohne Gladiatoren, sehr süß und sehr amüsant).

Allerdings wird es mit dem Pseudonym Zoe Chant kompliziert, denn das ist ein geteiltes Pseudonym. Es gibt gleich mehrere Reihen, die unter Zoe Chant veröffentlicht wurden, und nur die Virtue-Shifter-Reihe wurde von C.E. Murphy geschrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, dann erwähnte C.E. Murphy irgendwann einmal, dass es drei Personen sind, die sich das Pseudonym teilen, aber ich bin mir da nicht sicher. Auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen, während ich auf der Suche nach netter, vorhersehbarer Unterhaltung war, die mich aufheitert und auch ohne große Konzentration lesbar ist, Zoe-Chant-Geschichten gelesen, die nicht zur Virtue-Shifter-Reihe gehörten. Und ich bin dabei auf ziemlich große Qualitätsunterschiede gestoßen, die mich ehrlich gesagt irritieren. Die Virtue-Shifter-Reihe von C.E. Murphy mag ich wirklich gern, auch wenn ich es etwas schade finde, dass in den aktuelleren Romanen die Handlung in der Regel binnen weniger Tagen stattfindet, womit das langsame Kennenlernen der Figuren (das mir im ersten Roman so gut gefiel) dann doch wieder wegfällt. Vor allem aber mag ich den Humor in dieser Reihe und sitze beim Lesen die ganze Zeit kichernd da (und fliege zugunsten der nächsten amüsanten Szenen über die nur angedeutete einzelne Sexszene in der Handlung hinweg).

Bei dem in den letzten Tagen gelesenen Titel „Tor“, der der erste Band der Westerly-Cove-Reihe ist, ging es mir ähnlich. Ich fand die Geschichte zwar nicht ganz so witzig wie die letzten Virtue-Shifter-Bände, aber ich habe mich gut amüsiert und mich darüber gefreut, dass „diese“ Zoe Chant auch noch ein paar andere übernatürliche Elemente wie Gargoyles und Geister in ihre Geschichte eingebaut hatte. Laut der Anmerkung am Ende des Romans ist die Westerly-Cove-Reihe ein Spin-off der „Stone Shifters“-Reihe, und außerdem gibt es den Hinweis auf die „Bodyguard Shifters“ und „Bears of Pinerock Country“, ebenso wie einen Hinweis auf Romane, die unter dem Namen Lauren Esker geschrieben wurden.

Zuletzt habe ich noch Zoe Chants „Dancing Bearfoot“ (können wir bitte mal über diese Titel reden? Oo) gelesen, den erste Band der Green-Valley-Shifters-Romane, und ich hatte ein deutliches Problem mit der Geschichte. Genau gesagt fehlte es mir an Handlung, während die (erschreckend schlecht geschriebenen) Sexszenen gefühlte 80 von 122 Seiten ausmachten. Aber natürlich habe ich mir trotzdem die Hinweise auf andere Romane am Ende der Geschichte angeschaut und dabei die „Shifting Sands Resort“-, „Fae Shifter Knights“-, „Green Valley Shifters“- und die „Virtue Shifters“-Reihe erwähnt gefunden. Letzteres hat mich total irritiert, denn ich weiß ja, dass diese von C.E. Murphy geschrieben werden und nicht von derselben Person, die „Dancing Bearfoot“ geschrieben hat (außerdem fehlen da die Reihen, die bei der zweiten Zoe Chant gelistet waren). Zusätzlich gibt es noch den Hinweis auf Romane, die von Elva Birch geschrieben wurden, wie die „Day Care for Shifters“-, die „Royal Dragons of Alaska“ und die „Suddenly Shifters“-Reihe.

Ich weiß nicht, ob „Dancing Bearfoot“ exemplarisch für den Erzählstil dieser Zoe-Chant-Autorin ist, aber nach dem Lesen dieser Geschichte würde ich von ihr eher die Finger lassen. Was bedeutet, dass ich nun – trotz der Reihenlisten am Ende der jeweiligen Romane – keine Lust mehr auf weitere Zoe-Chant-Experimente habe, weil es keine (in meinen Augen zuverlässigen) Informationen darüber gibt, welche Autorin für welche Reihe zuständig ist. Und ich habe definitiv keine Lust auf schlecht geschriebene Sexszenen, wenn ich eigentlich auf der Suche nach überaus amüsanten Liebesgeschichten bin. Was mich darauf bringt, wie schwierig ich so ein geteiltes Pseudonym finde, vor allem, wenn es keine – für mich leicht zugängliche – Übersicht gibt, die mir erklärt, welche Autorin jetzt genau für welche Geschichte verantwortlich ist. Hinter anderen „geteilten Pseudonymen“, die ich kenne, verbergen sich normalerweise Personen, die gemeinsam an einer Geschichte schreiben, und damit kann ich gut leben. Aber wenn ein geteiltes Pseudonym dafür sorgt, dass es für mich zum Glücksspiel wird, ob ich einen Roman erwische, der mir gefällt oder nicht, dann frustriert mich das.

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