Schlagwort: Diverses

Was schön war (4)

Endlich richtiges Herbstwetter erleben.
Aufwachen und hören, wie der Regen gegen das Fenster klopft.
Zum ersten Mal seit März wieder Socken anziehen,
weil die Zehen kalt werden.

Nach viel zu langer Zeit wieder
mit einer guten Freundin telefoniert
und debei regelmäßige „Telefon-Termine“ verabredet,
damit die Pausen zwischen den Telefonaten in Zukunft
nicht mehr so lang werden.

Das erste Roller-Derby-Spiel seit Saison-Start gesehen –
„unser“ Team spielt zwar in derselben Liga
wie die heutigen Gegner, aber nicht auf demselben Niveau.
Das Zuschauen hat trotzdem Spaß gemacht!

So richtig …

… bin ich nach meiner Sommerpause noch nicht wieder da, dabei habe ich theoretisch sogar wieder Lust zum Bloggen (und Kommentieren). Aber so recht will das Schreiben noch nicht wieder klappen – achtzehn angefangene Entwürfe tummeln sich im Dashboard, aber seit Tagen mache ich sie nur auf und wieder zu, ohne ein Wort hinzuzufügen. Ich lese wieder (wenn auch wenig) und hüpfe dabei von Buch zu Buch. Um aber über Bücher schreiben zu können, sollte ich auch mal eins beenden, statt ständig neue anzufangen. Und dann gibt es noch den Feedreader, den ich immer wieder öffne, durchscrolle und mir dann vornehmen, dass ich mich gleich morgen ernsthaft ans Abarbeiten machen werde …

Statt also all die Dinge zu tun, die ich mir für „nach dem Sommer“ vorgenommen habe und auf die ich eigentlich ja auch Lust hätte, wusel ich ziellos durch die Wohnung, wandere mit Tunnelblick an den im Laufe des Sommers entstandenen Kruschelecken vorbei, teste Plätzchenrezepte (hat jemand ein gutes Snickerdoodle-Rezept für mich?), höre mich durch meine CD-Sammlung und schaue Briten dabei zu, wie sie Wohnungen in europäischen Ländern suchen („Escape to the Continent“ bei Netflix).

Ein bisschen hoffe ich ja, dass dieser „ich bekomme nix auf die Reihe“-Beitrag dazu führt, dass ich wieder mit dem Bloggen anfange, aber irgendwie ist der Tag gerade immer kürzer als die To-do-Liste, und die Ablenkungen sind zu groß, um lange bei einer Sache zu bleiben … 😉

Sommerpausenende

Die vergangenen Wochen waren wirklich nicht schön – auch wenn die Zeit mit dem Besuch im August sehr nett war und wir zumindest an den ersten Tage noch einigermaßen erträgliche Temperaturen hatten. Aber insgesamt hatten wir in den vergangenen 3 1/2 Monaten nur vier Tage, an denen die Temperatur in unserer Wohnung (direkt nach dem morgendlichen Lüften) unter 25 Grad sank. An den meisten Tagen lag die Temperatur um die 30 Grad und auch nachts wurde es nicht merklich kühler, da wir schon Wochen vor der „Hitzewelle“ eine tropische Nacht nach der anderen erleben durften.

Ohne mein morgendliches Lüften hätte sich die Wohnung noch weiter aufgeheizt, was der einzige Grund war, warum ich es wochenlang geschafft habe, morgens um vier aufzustehen. Dummerweise sorgte das dafür, dass ich in der Regel mehrere Tage hintereinander nicht mehr als vier bis fünf Stunden Schlaf pro Nacht bekam, was auf Dauer irgendwie nicht so gesund ist (und dazu führte, dass ich auch ohne jeglichen Anlass ständig in Tränen ausbrechen konnte) – vor allem, wenn es mit dem „Mittagsschlaf“ aus irgendeinem Grund (Kindergartenlärm, Baustellenlärm, klingelnde Postboten mit Paketen für die Nachbarn) nicht klappt. Außerdem ist „Mittagsschlaf“ bei über 30 Grad einfach nicht erholsam und dauert nie lange genug, um den fehlenden Nachtschlaf auszugleichen. Anfang August war alles, woran ich denken konnte, nur noch, wie müde ich war. Zu erschöpft, um irgendwas zu tun, zu müde zum Lesen, zu müde zum Denken – selbst Netflix bietet nicht genügend unterhaltsame, anspruchslose Wohlfühlunterhaltung, um so viele Wochen in diesem Zustand zu überbrücken.

Die zur Aufmunterung getroffene Frühstücksverabredung mit der ehemaligen Nachbarin endete überstürzt, weil wir bei jedem Bissen schauen muss, dass wir keine der Wespen, die auf und in allen Lebensmitteln saßen, mitaßen. So extrem habe ich das noch nie erlebt, und dabei bin ich normalerweise relativ gelassen, wenn es um Wespen geht. Überhaupt war das in den letzten Wochen mit den Insekten nicht so schön – was mich immerhin den einzigen Vorteil einer Dachgeschosswohnung im Sommer hat wiederentdecken lassen, da sich die Zahl der Wespen, die den Weg in die Wohnung fanden, in Grenzen hielt. Dafür haben wir vor ein paar Tagen ungebetene „Besucher“ in der Küche entdeckt – drei Monate, in denen kaum gekocht wird, ergeben anscheinend ganz ungeahnte Möglichkeiten für Mehlmotten. Inzwischen ist die Küche frei von Vorräten und Befall. Allerdings hätte ich den gründlichen Sommerendputz doch lieber bei weniger hohen Temperaturen betrieben.

Ich komme schon sonst nicht so gut mit dem Sommer zurecht, aber in diesem Jahr kamen so viele Faktoren zusammen, die das Ganze noch potenziert haben … Ich bin froh, dass das Schlimmste nun wohl vorbei ist (und versuche zu ignorieren, dass für Dienstag und Mittwoch schon wieder Temperaturen um die 30 Grad angekündigt sind) – solange es nachts abkühlt, kann ich auch die warmen Tage ertragen. Seit gestern haben wir sogar tagsüber in unserer Wohnung knapp unter 25 Grad und ich habe in den vergangenen drei Nächten endlich mal wieder richtig schlafen können. Das reicht natürlich nicht, um die Folgen der vergangenen drei Monate auszugleichen, gibt mir aber so langsam das Gefühl, ich könnte mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. Ich habe gestern sogar endlich mal wieder zum Buch gegriffen – was sehr gut ist, wenn man bedenkt, dass ich mir in den vergangenen Wochen die eine oder andere Trostbestellung gegönnt habe. 😉

 

Sommerpause

Ich habe beschlossen, dass mein Blog ab sofort eine Sommerpause einlegt. Der Grund dafür ist, dass ich bei diesen Temperaturen weder lesen noch kommunizieren mag. Bevor die Gradzahlen nicht für ein paar Tage (und Nächte!) am Stück deutlich fallen, kann man mit mir nichts mehr anfangen. Hinzu kommt, dass wir – wie schon erwähnt – Besuch erwarten und mein Mann in den kommenden Wochen auch Urlaub haben wird.

Ich weiß nicht, ob ich bis zum Lese-Sonntag am 19. August wieder aus meiner Pause zurück sein werde – aktuell spricht die (nicht sehr zuverlässige) 14-Tage-Wettervorhersage eher dagegen, aber ihr könnt ja den Lese-Sonntag im Zweifelsfall auch ohne mich abhalten. 🙂

Macht’s gut, bis spätestens im September!

Sommerbücher

Nachdem es zwei Wochen lang eigentlich relativ angenehmes Sommerwetter gab (vor allem dank der verhältnismäßig kühlen Nachttemperaturen), stiegen am Donnerstag die Temperaturen wieder auf 30 Grad und Abkühlung beim nächtlichen Lüften konnten wir auch vergessen. Es war zu warm, um zu schlafen, und ich war zu müde, um zu lesen. Stattdessen saß ich da und habe mir Gedanken darüber gemacht, was mir für „Sommerbücher“ in den Sinn kommen – spontan kam ich auf folgende Titel, weil sie mir immerhin während des Lesens vorgaukeln, dass Sommer einfach schön sein kann:

Tove Jansson: The Summer Book (Das Sommerbuch)
Wunderschöne, ruhige und fein erzählte Episoden von den Erlebnissen, die eine Großmutter und ihre Enkelin im Sommer (genauer gesagt in mehr als einem Sommer) auf einer kleinen Insel im finnischen Fjord haben. Perfekt für kleine Lesepausen und wunderbar erholsam zu lesen.

Edward Kelsey Moore: Mrs. Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner
Eigentlich kein wirkliches „Sommerbuch“, aber die warmherzige, amüsante und berührende Geschichte rund um drei Freundinnen und die Geister, die die Protagonistin Odette auf einmal sieht, strahlt für mich so eine Art „Südstaaten-Feeling“ aus (ohne überhaupt da zu spielen), dass ich es automatisch mit Sommer und heißen Tagen verbinde. Auf jeden Fall ist es eine wunderbare Wohlfühlgeschichte, ohne dass Themen wie Trauer, Rassismus, Krankheit, verlorene Träume und Bigotterie ausgeklammert werden.

Claire Legrand: Some Kind of Happiness
Ein Jugendbuch aus der Sicht der elfjährigen Finley, die einen Sommer bei ihren Großeltern verbringen soll, während ihre Eltern versuchen ihre Beziehung zu klären. Auf den ersten Blick nur ein Buch rund um einen Sommer voller neuer Freunde und bis dahin unbekannten Familienmitgliedern, Streifzügen durch den Wald und gemeinsamer Abenteuer. Aber es gibt auch fantastische Geschichten, die sich Finley ausdenkt, um mit ihren ganz persönlichen Problemen fertig zu werden, es gibt Familiengeheimnisse, die vor sich hin gären und die „blue days“, an denen Finley all das zu viel wird.

Nnedi Okorafor: Akata Witch
An „Akata Witch“ musste ich nicht nur denken, weil es im Sommer spielt, sondern auch wegen des Schauplatzes Nigeria. In erster Linie geht es um die zwölfjährige Sunny, die nicht nur (als in Amerika geborene Nigerianerin) nach dem Umzug ihrer Eltern in ihre Heimat wieder einen Platz für sich finden muss, sondern als Albino auch sehr unter der Hitze und der Sonne leidet. Trotzdem findet sie in den Wochen, in denen die Geschichte spielt, nicht nur neue Freunde, sondern lernt auch einiges über die Magie der „Leopard People“. (Bevor der Sommer wieder endet, sollte ich unbedingt die Fortsetzung „Akata Warrior“ lesen. *g*)

Banana Yoshimoto: Tsugumi
Obwohl die Geschichte sich über mehrere Jahre zieht, wird sie doch vor allem von einem letzten Sommer am Meer bestimmt, von den Nächten am Strand, vom Meer und all den Dingen, die man in einer kleinen Stadt macht, wenn der Sommer geprägt wird von einer Mischung aus Touristen und Alltag, Abschiednehmen und Freundschaft. Für mich spielen in Tsugumi die Stadt, der Strand und das Meer einfach eine größere Rolle als die Charaktere, da die Autorin diese Elemente wunderbar atmosphärisch beschrieben hat.

Sommerwetter

Auch wenn es euch vielleicht nicht so vorkommt, so versuche ich mich doch beim Jammern über die Hitze zurückzuhalten. Immerhin ist es seit gestern ein bisschen kühler und heute sollte ich vielleicht sogar tagsüber auch mal die Vorhänge öffnen können, ohne dass die Sonne gleich alles durchheizt. Auch wenn es selbst bei anhaltender Temperaturreduzierung (die leider nicht vorhergesagt wurde) noch eine Weile dauert, bis die Hitze aus den Wänden der Wohnung verschwindet, bin ich über jede kleine Abkühlung des „Sommerwetters“ froh. Und um euch nicht immer nur erzählen, dass es hier verflixt warm ist, gibt es noch ein Bild, das ich Samstagabend von der Küchenfensterbank geschossen habe. 😉

Was schön war (3): Eine Urlaubswoche mit japanischem Filmfestival

Ich hatte ja schon erzählt, dass mein Mann die letzte Mai-/erste Juniwoche Urlaub hat und wir diese Zeit nutzen werden, um möglichst viele Filme bei der Nippon Connection zu sehen. Angefangen hat das Filmfest für uns am Dienstagabend mit dem Eröffnungsfilm „Mori – The Artist’s Habitat“. Ich muss gestehen, dass ich schon das Schlimmste befürchtete, weil sich im vergangenen Jahr die Eröffnungsreden direkt vor dem Film nicht nur endlos hingezogen haben, sondern sich auch extrem wiederholten, da wirklich jeder Redner jeden anwesenden Ehrengast begrüßen, jedem Helfer danken und jede Fördersumme inklusive Quelle aufführen musste. In diesem Jahr war es nicht ganz so schlimm, trotzdem hätte man gut ein Trinkspiel aus den sich wiederholenden Elementen der verschiedenen Reden machen können. 😉 Auch war es ein bisschen schade, dass die wirklich hervorragende Dolmetscherin, die die Redebeiträge der verschiedenen Sprecher im fließenden Wechsel zwischen Japanisch und Deutsch übersetzte, nach dem Film nicht mehr für die Q&A-Runde mit dem Regisseur zur Verfügung stand. Ihre Kollegin war jetzt nicht wirklich schlecht, aber eben nicht genauso gut – so dass man regelmäßig das Gefühl hatte, man würde Details der Antworten verpassen. (Allerdings finde ich es lustig, dass ich inzwischen genügend japanische Wörter erkenne, um festzustellen, dass mir beim Übersetzen etwas vorenthalten wurde.)

Der Film selbst war einfach nur wunderbar! „Mori – The Artist’s Habitat“ dreht sich um einen (fiktiven) Tag im Leben des zu dieser Zeit 94jährigen Malers Morikazu Kumagai (1880 – 1977). Der Maler war nicht nur für seine Kunstwerke berühmt, sondern auch für die Tatsache, dass er die letzten dreißig Jahre seines Lebens nicht mehr sein Grundstück verlassen hat. Seine Zeit verbrachte er wohl vor allem damit, in seinem kleinen Garten die Natur (in erster Linie Insekten und Amphibien, aber auch Vögel und Katzen) zu beobachten – was natürlich auch großen Einfluss auf seine Kunst hatte. Im Film selbst bekommt man von Morikazu Kumagai eigentlicher Kunst relativ wenig mit, wenn man von den regelmäßigen Besuchern absieht, die von dem Maler etwas wollen. Stattdessen wechselt der Film von wunderschönen Naturaufnahmen und sehr ruhigen Momenten, in denen der Maler (gespielt von Tsutomu Yamazaki) sich in seinem Garten aufhält, zu amüsanten – stellenweise schon fast slapstickartigen – Szenen, in denen es um die Familie, die vielen Besucher und das Unverständnis gegenüber der sehr reduzierten Kunst von Morikazu Kumagai geht. Von dem Regisseur (und Drehbuchautor) Shuichi Okita haben wir schon die DVD von „The Woodsman and the Rain“ in unserem Besitz und ich hoffe sehr, dass auch dieser Film demnächst auf DVD zu kaufen sein wird, denn ich bin mir sicher, dass wir auch daran langfristig Freude haben werden.

Der zweite Film, „Destiny – The Tale of Kamakura“, ist eine Manga-Realverfilmung und erzählt eine wirklich wunderschöne und witzige Geschichte voller fantastischer Elemente. Die Handlung dreht sich um den Schriftsteller Masakazu und seine junge Frau Akiko. Direkt nach der Hochzeit zieht Akiko zu Masakazu in den kleinen Ort Kamakura. Die Alterspanne zwischen den beiden ist recht groß, aber es wird von Anfang an deutlich, wie sehr die beiden einander zugetan sind. Erst nach ihrem Umzug findet Akiko heraus, dass Kamakura voller magischer Energie ist – was bedeutet, dass sich allerlei übernatürliche Kreaturen von diesem Ort angezogen fühlen. Während dieses Zusammenleben mit Naturgeistern, Göttern und ähnlichen Wesen für Masakazu eine relativ alltägliche Sache ist, ist Akiko anfangs eher erschrocken über die ungewöhnlichen Nachbarn.

Der Regisseur Takashi Yamazaki gilt als einer der führenden Special-Effects-Experten in Japan, und so ist es kein Wunder, dass dieser Film voller seltsamer Kreaturen und magischer Orte war. Aber für mich waren es vor allem die wunderbaren Charaktere und die vielen kleinen, amüsanten oder berührenden Momente, die den Film zu einem solchen Genuss gemacht haben. Der Großteil der Geschichte spielt in Kamakura und so gibt es viele kleine Szenen, in denen Akiko auf übernatürliche Wesen trifft, wodurch sich ihre anfängliche Angst über Neugier in begeisterte Faszination für all diese magischen Aspekte des Lebens in Kamakura wandelt. Obwohl sich viele dieser magischen Elemente rund um den Tod drehen, ist „Destiny“ kein trauriger Film. So ist es zum Beispiel sehr lustig, als Akiko am Anfang eine Nachbarin von Masakazu kennenlernt und er ihr (mehr oder weniger) behutsam beibringen muss, dass die Dame schon vor einem Jahr verstorben ist. Dieser wunderbare Humor, die ganzen fantastischen Elemente und die wirklich hervorragend ausgewählten Schauspieler haben den Film für mich zu einem Wohlfühlfilm gemacht, der mir – trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden – viel Spaß gemacht hat. Das Ende hätte man zwar etwas raffen und mit ein paar weniger Wiederholungen bei den Effekten erzählen können, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, der mir dazu einfällt, – was erschreckenderweise bedeutet, dass es einen weiteren Film gibt, bei dem ich auf eine DVD-Veröffentlichung hoffen muss.

Beim dritten Film, den ich in dieser Woche gesehen habe, besteht immerhin nicht die Gefahr, dass ich ihn auch für unsere private Sammlung haben will. „Oh Lucy!“ hatte ich – obwohl die Hauptdarstellerin Shinobu Terajima in diesem Jahr mit dem Nippon Honor Award des Filmfests ausgezeichnet wird – eigentlich nicht auf meinem Plan, aber unsere ehemalige Nachbarin schlug den Film für einen gemeinsamen Kinobesuch vor. Laut Ankündigung sollte „Oh Lucy!“ eine mit „einem außerordentlichen Gespür für komisches Timing“ erzählte Geschichte mit „bezauberndem Gefühlswirrwarr“ sein. Aber ich fand den Film rund um eine einsame und unglückliche Frau, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihren amerikanischen Englischlehrer John verliebt, am Ende eher deprimierend.

Weder die Hauptfigur Setsuko (von besagtem Amerikaner für den Unterricht kurzerhand in „Lucy“ umgetauft), noch ihre Nichte (die mit dem Amerikaner liiert ist und mit ihm in die USA verschwindet) oder Setsukos Schwester scheinen am Ende eine Aussicht auf ein einigermaßen gutes Leben zu haben. Alle sind voneinander enttäuscht, zutiefst verletzt und fast noch einsamer als zuvor – selbst wenn Setsuko am Ende einem Menschen begegnet, der ihre Einsamkeit zu verstehen scheint. Da hilft es mir als Zuschauer auch nicht, dass die Besetzung von Shinobu Terajima bis Josh Hartnett (der den John spielt) wirklich gut ausgewählt war und sehr, sehr gute Leistung zeigte oder dass es anfangs wirklich einige amüsante Szenen gab (bei denen allerdings auch oft genug eine deutliche Spur von Fremdscham mitschwang).
(Nachtrag: Sonntag wurde der Film dann – für mich nicht ganz nachvollziehbar, weil ich die anderen Filme deutlich besser fand – noch mit dem Publikumspreis Nippon Cinema Award ausgezeichnet. Aber Geschmäcker sind nun mal sehr unterschiedlich. *g*)

Film Nummer vier war für uns die Dokumentation „Ramen Heads“, die sich vor allem um die Arbeit von Osamu Tomita, eines der besten Ramen-Köche Japans, dreht, aber auch die Schwerpunkte anderer berühmter japanischer Ramen-Köche aufgreift und mehr über die verschiedenen Varianten von Ramen und die unterschiedlichen Herangehensweisen beim Kochen erzählt. Ich muss gestehen, dass ich durch die verschiedenen Filme, Manga und Romane Ramen mit „Wohlfühlessen“ assoziiere, obwohl ich selbst nie japanische Ramen – egal welcher Variante – essen könnte, weil dieses Gericht definitv nicht für Vegetarier geeignet ist. So gab es auch relativ zu Beginn des Films eine Szene, in der man das Geheimnis der berühmten Brühe von Osamu Tomita erfuhr, für die 27 Stunden lang sehr viele unterschiedliche Fleischsorten (inklusive einem vollständigen Schweinekopf, Schweine- und Hühnerfüßen) mit Gemüse gekocht werden, um später mit verschiedenen Sorten Trockenfisch weitergekocht zu werden. Von diesen für mich wenigen appetitlichen Szenen abgesehen war die Dokumentation wirklich spannend, weil es ja nicht nur verschiedene „Grundsorten“ von Ramen (abhängig von der Basis für die Brühe) gibt, sondern auch innerhalb dieser Ramen-Arten verschiedene Herangehensweisen und Philosophien bei den unterschiedlichen Köchen.

Es war nicht nur spannend, mehr über die verschiedenen Köche zu erfahren, sondern auch über die Entstehung von Ramen an sich (vor allem die Erfolgsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg) und die Gedanken, die sich die (moderneren) Köche über ihre Zutaten, den individuellen Touch ihres Restaurants und den Service gemacht haben. Ebenso fand ich es interessant, einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie es wohl für einen Auszubildenden in einem so berühmten Restaurant ist, oder wie das berühmte Schlangestehen von Osamu Tomita für sein Lokal (das gerade mal zehn Sitzplätze hat und bei mir für Beklemmungen sorgen würde) perfektioniert wurde. Da Osamu Tomita vier Jahre in Folge den Preis für den besten Ramen-Kochs Japans gewonnen hat, war diese Perfektionierung auch notwendig – wenn man nicht morgens um 6:30 Uhr seinen Sitzplatz reserviert, wird es schwierig mit dem Essen für diesen Tag. Am Ende des Films habe ich mir fast gewünscht, ich hätte nicht solche Probleme mit Fisch und Fleisch (und Soja) und könnte mir auch mal eine schöne Schale mit Ramen gönnen. 🙂
(Nachtrag: Der Film hat dann auch am Sonntag den Nippon Visions Audience Award gewonnen – beim Thema Essen waren sich die Zuschauer anscheinend schnell einig, dass sie das gut fanden. 😉 )

Am Sonntag haben wir dann noch „Recall“ gesehen, in dem sich die Handlung rund um eine kleine Transportfirma dreht, die in eines Tages in einen Unfall verwickelt wird. Anfangs wirkt es noch so, als ob die Mechaniker der kleinen Firma Akamatsu Schuld daran wären, dass sich ein Reifen von einem fahrenden LKW löste und eine Frau – vor den Augen ihres kleinen Sohnes – erschlug. Aber dann können die Mechaniker nachweisen, dass sie wesentlich gründlicher gearbeitet haben, als es der Gesetzgeber überhaupt von ihnen verlangt hat. Um herauszufinden, was diesen Unfall verursachen hat, und natürlich auch, um seine Transportfirma und somit die Arbeitsplätze seiner 80 Angestellten zu retten, wendet sich der Chef an die Herstellerfirma des LKWs – und obwohl er langjähriger treuer Kunde ist, bekommt er keinerlei Hilfe oder Antworten.

Es ist für den Zuschauer natürlich schnell klar, dass die Herstellerfirma Hope Motors was zu verbergen hat, aber die Frage, ob und wie Akamatsu herausfindet, was die Firma vertuschen will, und ob es ihm gelingt, gegen den mächtigen Konzern (und dessen diverse „Verbündete“) vorzugehen, sorgt für einen sehr fesselnden Film. Die Handlung wird in vielen kurzen und eindringlichen Szenen erzählt und beleuchtet die Motivation der verschiedensten Beteiligten. Dabei war es für mich sehr spannend, dass ich einige Elemente sehr „japanisch“ fand, wie die Ergebenheit gegenüber der Firma, das „Zusammenspiel“ zwischen den diversen Beteiligten oder die Bemühungen, sein Gesicht zu wahren. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass die Reaktionen bei dem meisten Großkonzernen (auch außerhalb Japans) vergleichbar wären (gerade wenn ich an den einen oder anderen aktuelleren Skandal in der Autodindustrie denke). Ein sehr guter Film mit fantastischen Schauspielern und einer spannenden – wenn auch vielleicht wenig überraschenden – Handlung.

Für sechs Tage Filmfestival scheinen fünf Kinofilme nicht so viel zu sein, aber auf der einen Seite hat uns die Hitze (und der daraus resultierende Schlafmangel) wirklich fertiggemacht und auf der anderen Seite haben wir uns in dieser Urlaubswoche auch relativ viel Restaurantessen gegönnt und die eine oder andere Erledigung auf die Reihe bekommen, so dass wir für unsere Verhältnisse verflixt viel unterwegs waren. Außerdem bedeutet Großstadt nicht unbedingt, dass der Nahverkehr auch optimal läuft, und so konnte es schon mal passieren, dass wir für einen 1 1/2stündigen Film mit An- und Heimfahrt insgesamt fünf Stunden unterwegs waren. Das sorgte bei Christie in den letzten Tagen auch für unangenehm viel Alleinsein und so brauchte sie nach unserer Heimkehr abends immer extra viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Da heute der letzte Urlaubstag meines Mannes ist, beginnt für uns morgen wieder der Alltag. Und für das kommende Jahr ist die Urlaubswoche zur Nippon Connection schon wieder fest eingeplant … 🙂

So wenig Beiträge …

… schreibe ich sonst nur, wenn ich mich für einen Teil des Monats „offiziell“ abmelde, weil wir Besuch erwarten oder etwas Gravierendes passiert ist. Beides ist in diesem Mai nicht der Fall, aber ich fürchte, sehr viel mehr Beiträge werden es in diesem Monat trotzdem nicht mehr werden.

Auf der einen Seite war ich in den vergangenen Wochen mit dem Blogumzug und dem Überarbeiten alter Beiträge (womit ich noch nicht fertig bin) beschäftigt, auf der anderen Seite hat mein Mann in der kommenden Woche Urlaub und wir werden von Dienstag bis Sonntag so intensiv wie möglich das Angebot der Nippon Connection nutzen.

Außerdem lese ich gerade relativ wenig Bücher, die ich auch rezensieren mag, weil ich auf meinem Lesestapel lauter Titel habe, die ich lese, um zu entscheiden, ob ich den Autor oder die Reihe überhaupt weiter in meinem Bestand haben will. Nach neun Jahren feiere ich zwar eine Menge fröhlicher Wiedersehen, aber manchmal stellt sich auch die Frage, wieso ich gerade diese Buchreihe oder diesen Autor/diese Autorin behalten habe. Der eine oder andere ältere Krimi ist es zwar dann trotzdem wert besprochen zu werden, aber viele andere Romane lese ich nur an oder nur mit sehr viel Kopfschütteln zu Ende und dann wandern sie in den öffentlichen Bücherschrank um die Ecke.

Zum Ausgleich gibt es für mich Comics und Manga, aber auch da lohnt sich in der Regel keine Rezension, weil ich entweder zum ersten Band schon alles gesagt hatte oder so weit in der Reihe vorangeschritten bin, dass ich nicht mit Band 83 auf einmal etwas dazu auf dem Blog erzählen mag. 😉

Willkommen bei „Alles außer Lyrik“

Nachdem ich seit dem 5. August 2009 bei Blogspot auf „Winterkatzes Buchblog“ meine Rezensionen, Katzenfotos und Gedanken online geteilt habe, hat mich die DSGVO (wie so viele andere Blogger) nun zu WordPress wechseln lassen.

Da ich mit dem alten Buchblog auch die „Winterkatze“ abgestreift habe, heißt es also ab heute:

Herzlich Willkommen auf „Alles außer Lyrik“

von Konstanze

Abgesehen von dem Umzug, der Änderung des Blognamens und der Tatsache, dass ich nun hier unter meinem Vornamen schreibe, wird sich auf meinem Blog nichts ändern. Weiterhin veröffentliche ich hier Rezensionen zu meinen gelesenen Büchern (Comics, Hörbüchern usw.), erzähle von meinen Lesetagen und zeige euch ab und an ein Katzenfoto.

Mein Dank für all die Hilfe beim Umzug gilt vor allem Elena von Gedankenfunken, die mir nicht nur aktiv beim Umgang mit den unvertrauten WordPress-Elementen geholfen hat, sondern auch tapfer all meine Anfälle von Frustration ertrug und dafür sorgte, dass ich am Ball blieb. (Überhaupt war es toll zu sehen, wie viele WP-Blogger ihre Hilfe angeboten haben, als ich meine ersten Umzugsgedanken äußerte! Dankeschön!)

***

Oh, und weil ich Zahlen so mag, gibt es hier als Abschied vom alten Blog ein paar Daten:

„Winterkatzes Buchblog“ startete am 5. August 2009 und war somit 8 Jahre, 9 Monate und 6 Tage online – nicht gerade eine runde Zahl 😉 . In all den Jahren gab es insgesamt 1581 veröffentlichte Beiträge und 16831 Kommentare. Ich muss gestehen, dass mich die Kommentar-Menge recht sprachlos gemacht hat, als ich sie beim Übertragen der Daten sah. Ich bin ein bisschen stolz und sehr froh darüber, dass in den vergangenen Jahren so viele Leute sich mit mir auf meinem Blog über die Dinge, die mich beschäftigt haben, oder die Bücher, die ich gelesen habe, unterhalten haben.

Also vielen lieben Dank an all jene, die in den letzten Jahren meinen Blog gelesen und mit ihren Kommentaren dazu beigetragen haben – ich hoffe, ich treffe euch hier ab und an wieder!

Frohe Feiertage!

Ich wünsche euch frohe Ostertage!
Unabhängig davon, ob ihr Ostern mit allem Drum und Dran feiert oder
ob euch der christliche Hintergrund dieses langen Wochenendes egal ist,
wünsche ich euch entspannte Tage,
viel Zeit für angenehme Tätigkeiten
und vielleicht ein paar Stunden in netter Gesellschaft!