Schlagwort: Holly Black

Lese-Eindrücke Januar 2026

Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown

„The Coldest Girl in Coldtown“ hatte ich Ende Dezember halb gelesen zur Seite gelegt, und dann kamen ein paar Tage, in denen ich aus verschiedenen Gründen nur zu eBooks gegriffen habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die Geschichte rund um Tana zwar mochte und mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt habe, aber mich das Vampirthema eigentlich recht wenig fesselte. Was etwas schwierig ist bei einem Roman, in dem die Protagonistin versuchen muss, in einer Welt voller Vampire zu überleben, während sie gleichzeitig fürchtet, dass sie selbst sich in eine Vampirin verwandeln wird. Die zweite Hälfte des Buchs habe ich dann wieder an zwei Abenden gelesen und mich definitiv nicht dabei gelangweilt, aber es fehlten auch ein wenig die überraschenden oder reizvollen Elemente – die Elemente, die aus einer düsteren Urban-Fantasy-Vampir-Geschichte etwas machen, was mich fesselt und dafür sorgt, dass der Roman eine langanhaltende Erinnerung bei mir hinterlässt. Jetzt bin ich fast versucht, „The Darkest Part of the Forest“ von der Autorin noch einmal zu lesen, um zu schauen, ob mir der Roman heute noch ebenso gefällt wie vor (fast) neun Jahren.

Emily Krempholtz: Violet Thistlewaite is Not a Villain Anymore

„Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“ ist eine wirklich süße Geschichte, die aus den Perspektiven der Blumenhändlerin Violet und des Alchemisten Nathaniel erzählt wird. Die beiden lernen sich kennen, als Violet in den Ort Dragon’s Rest zieht, der bis vor kurzem von der Anwesenheit des bösen Zauberers Guy Shadowfade überschattet wurde. Nachdem Guy besiegt und seine Verbündeten in alle Winde zerstreut wurden, beschließt Violet (früher bekannt als die tödliche Thornwitch), ihr Leben als „gute Person“ in dem kleinen Ort zu beginnen. Doch es ist nicht so einfach, all die Dinge aus ihrer Vergangenheit vor ihren Nachbarn verborgen zu halten und sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Vor allem ihr grummeliger Vermieter Nathaniel macht es Violet nicht gerade einfach – und natürlich liegt das daran, dass er sich zu seiner Mieterin hingezogen fühlt. Ich hatte viel Spaß mit „Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“, denn auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Violet und Nathaniel etwas arg vorhersehbar war, so mochte ich, wie sich die beiden im Laufe der Zeit über ihre Probleme und Sorgen austauschten (so weit das eben geht, wenn eine Person versucht, ihre Vergangenheit geheim zu halten). Vor allem aber habe ich den kleinen Ort Dragon’s Rest und all seine Bewohner ins Herz geschlossen. Violets neue Nachbarn sind vielleicht nicht immer ganz einfach, aber es sind genau die richtigen Personen, damit sich eine ehemaligen Thornwitch unter ihnen zuhause fühlen kann. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin im Zukunft noch so schreiben wird!

Leslie Gail: The Drama of Death (Dead End Witches 2)

„The Drama of Death“ ist nach „The Magic of Death“ der zweite Teil einer wirklich netten Cozy-Mystery-Reihe von Leslie Gail. Die Handlung wird weiterhin aus der Perspektive von Star Bell erzählt, die dieses Mal damit fertig werden muss, dass ihre Schwester Daisy zurück nach Dead End kommt – um Aufnahmen für eine Fernsehserie zu drehen. Das Verhältnis zwischen Star und Daisy ist schwierig, da Daisy berühmt geworden ist, indem sie vortäuschte, über Stars magische Fähigkeiten (Geister sehen und mit ihnen kommunizieren können) zu verfügen. Eine weitere Herausforderung ist, dass die Fernsehserie, für die Daisy vor der Kamera steht, berühmt dafür ist, Personen zu entlarven, die übernatürliche Fähigkeiten vortäuschen. Als dann auch noch die Moderatorin der Serie ermordet wird, muss Star sich nicht nur endlich wieder Daisy annähern, sondern auch noch herausfinden, wer den Mord verübt hat. Während ich beim ersten Teil noch die Eigenheiten der älteren Generation der Bell-Hexen etwas kritisiert hatte, kann ich hier anmerken, dass nur Stars Großmutter ein paar Auftritte bekommt, die sich auch alle im Rahmen halten. Ansonsten mochte ich die vielen verschiedenen Figuren, und ich habe mich gut darüber amüsiert, wie Star versucht, Informationen rund um den Mord zu sammeln. Auch wenn ich es recht offensichtlich fand, wer die Tat begangen hat, so hatte ich doch Spaß daran, Stars Weg zur Auflösung zu verfolgen. Soweit ich weiß, wird es irgendwann auch noch einen dritten Teil der Reihe geben, der sich um den Mord an Stars und Daisys dritter Schwester dreht, und ich freu mich schon darauf.

Rebekah Isert: The Heart of the Matter

Normalerweise bestelle ich keine Liebesgeschichten vor, aber „The Heart of the Matter“ von Rebekah Isert klang so reizvoll, dass ich hier eine Ausnahme machte. Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Summer von ihrer Familie sechs Paar-Therapiestunden geschenkt bekommt, die sie mit ihrem Freund besuchen soll. Dummerweise ist der Freund, über den sich Summer gegenüber ihrer Familie regelmäßig beklagt, nur ausgedacht – weil sie nicht wusste, wie sie sonst mit all dem Druck umgehen soll, den ihre Familie ihr bezüglich ihres Single-Daseins machte. Statt nun ihre Familie darüber aufzuklären, dass sie gelogen hat, sucht Summer einen Mann, der mit ihr zur Paartherapie geht. Der Protagonist hingegen ist Chase, dessen letzte Beziehung vor einem halben Jahr endete und dessen Ex-Freundin ihm vorwarf, dass sein Verhalten toxisch gewesen sei. Das führte dazu, dass Chase sein Benehmen gegenüben allen Personen hinterfragt und das Gefühl hat, er müsse an sich arbeiten, weshalb er bereit ist, mit Summer zur Therapie zu gehen. Natürlich lernen sich die beiden während dieser Therapiestunden (und bei den Hausaufgaben, die sie dafür aufbekommen) sehr gut kennen, und das fand ich wirklich sehr nett zu verfolgen. Die Idee, eine Liebegeschichte mit einer Paar-Therapie beginnen zu lassen, funktionierte überraschend gut für mich, und ich mochte es, den gemeinsamen Weg von Summer und Chase zu verfolgen.

W.R. Gingell: Lady of Weeds (Lady 2)

Nachdem ich im Januar schon „Lady of Dreams“ gelesen hatte, habe ich auch noch zum zweiten Teil der Reihe „Lady of Weeds“ gegriffen. Diese Geschichte spielt an der Küste von Sunderland und wird aus der Perspektive von Carys erzählt. Carys ist die Wächterin eines Strandabschnitts und beschützt mit ihrer Arbeit das naheliegende Fischerdorf vor den Selkie, die an der Küste ihren Schabernack treiben (und damit eine tödliche Gefahr für die Anwohner sind). Eines Tages findet Carys einen jungen verletzten Mann in einem der Salzwasserteiche an der Küste und versorgt ihn in ihrer kleinen Hütte am Strand. Eurion (wie Carys ihn nennt) leidet unter Gedächtnisverlust, trägt aber überraschend kostbare Gegenstände bei sich und einen Ring, den Carys aus ihrer Vergangenheit wiedererkennt. Deshalb behält Carys Eurion bei sich, in der Hoffnung, dass er seine Erinnerungen wiedererlangt und ihr ihre Fragen zu dem Ring beantworten kann. Gleichzeitig erreichen Gerüchte den kleinen Ort von einem Anschlag auf einen der Kronprinzen und von untergegangenen Schiffen, und mehrere Fremde stellen Fragen zu dem, was das Meer in den letzten Tagen so angespült hat … Im Kern ist auch „Lady of Weeds“ eine Liebesgeschichte, aber während sich „Lady of Dreams“ fast ausschließlich um eine Handvoll potenzieller Paare und ihre Gefühle und Hintergründe drehte, gibt es bei „Lady of Weeds“ durch die Ereignisse außerhalb von Carys‘ kleinem Küstenort eine deutlich politischere Note. Ich habe es sehr genossen, mich mit dem Rätsel um Eurions Herkunft, mit all den Fragen rund um Carys‘ Vergangenheit und den verschiedenen Neuankömmlingen im Ort zu beschäftigen. Letztere sorgten dann auch für ein Wiedersehen mit ein paar Figuren, die ich schon aus „Lady of Dreams“ kannte, was ich sehr nett fand, mich aber auch neugierig darauf machte, mehr über ihren Weg von Eppa nach Sunderland zu erfahren. Ich würde wirklich gern noch mehr über diese fantastische Welt lesen und mich mit diesen süßen Liebesgeschichten beschäftigen – zu schade, dass es keine Erwähnung der beiden weiteren (ursprünglich) geplanten Titel zu finden gibt.

Jahresausklang 2025 (2)

Sonntag, 28.12.

Gestern Abend habe ich vor dem Schlafengehen wirlich noch zu „Thornwood“ von Leah Cypess gegriffen und die Geschichte sogar noch beendet. Ich mochte diese Dornröschen-Variante überraschend gern, gerade weil sie so viele ungewöhnliche Aspekte in das Märchen einbrachte. So gibt es nicht nur Briony, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird, sondern auch noch Edwin, der sich aus ganz eigenen Gründen ins Schloss geschlichen hatte, um dank des Fluchs 100 Jahre zwischen sich und sein aktuelles Leben zu bringen. Nun bin ich neugierig, was die Autorin noch aus anderen Märchen gemacht hat – auch wenn ich nicht vorhabe, zeitnah die weiteren fünf Bände der „Sisters Ever After“-Reihe zu bestellen. Aber ich gehe momentan davon aus, dass ich irgendwann noch einmal auf die Reihe zurückkommen werde. Da die Nacht wenig erholsam war, habe ich morgens erst einmal gründlich ausgeschlafen – was dazu führte, dass ich den ganzen Tag über aus dem Tritt war. So habe ich auch erst am späten Nachmittag zu „An African History of Africa“ von Zeinab Badawi gegriffen und mein tägliches Pensum darin gelesen.

Nach dem Abendessen ging es dann für mich mit „The Coldest Girl in Coldtown“ von Holly Black los. Ich habe vor Jahren (2017) von der Autorin „The Darkest Part of the Forest“ gemocht und mir deshalb auch noch einen weiteren Titel von ihr geholt. Der lag dann natürlich jahrelang auf dem SuB, ohne dass ich ihn gelesen hätte (was auch daran lag, dass ich den Klappentext eher abschreckend finde – keine Ahnung, wieso ich mir gerade diesen Titel besorgt hatte *g*). Nachdem ich mich aber in den letzten Wochen mit den „Altlasten“ auf meinem SuB beschäftigt habe und grundsätzlich im Hinterkopf hatte, dass ich irgendwann mehr von Holly Black lesen will, wurde es jetzt definitiv Zeit für dieses Buch. Bis zum Schlafengehen habe ich ungefähr das erste Drittel der Handlung gelesen und war dabei vor allem damit beschäftigt, mich an die Welt zu gewöhnen sowie Tanas Verhältnis zu ihrer Familie und ihrem Ex-Freund Aiden zu verstehen.

Montag, 29.12.

Der Vormittag verging mit diversen Pflichten, und erst gegen Mittag war ich so weit, dass ich wieder zu „An African History of Africa“ greifen konnte. Nachdem ich mein Tagespensum darin gelesen hatte, habe ich erst einmal eine Lesepause eingelegt und mich mit der Switch vergnügt, bis ich zum Abendessenkochen in die Küche wandern musste. Nach dem Essen ging es weiter mit „The Coldest Girl in Coldtown“, worin ich gelesen habe, bis die Protagonistin Tana in der Coldtown angekommen war (was bedeutet, dass ich jetzt ungefähr die Hälfte des Romans gelesen habe). Tana ist eine dieser coolen YA-Hauptfiguren (mit einer tragischen Vergangenheit), die einem ziemlich schnell auf die Nerven gehen können, aber bei dieser Geschichte komme ich überraschend gut mit ihr als Protagonistin zurecht. Ich bin gerade wirklich fasziniert davon, dass es so viele klischeebehaftete Elemente und kleine vorhersehbare Wendungen gibt – und ich trotzdem gern weiterlese, weil ich keine Ahnung habe, worauf die Geschichte eigentlich hinauslaufen soll. Ich würde aber gern ein Wörtchen mit der Person reden, die für Schriftart und Größe bei meinem Taschenbuch verantwortlich war, denn beides finde ich ziemlich anstrengend – was bei über 400 Seiten dann doch etwas unangenehm ist.

Dienstag, 30.12.

Der Vormittag verging mit Haushaltskram und erst gegen Mittag habe ich mich mit Hörbuch und Puzzle hingesetzt, damit mein Mann wieder einen Film schauen konnte. Dummeweise war mein Puzzle schneller fertig als erwartet, weshalb ich mir dann noch die Switch geholt habe, bis ich wieder gefahrlos ins Wohnzimmer konnte. Leider habe ich es nicht geschafft „The Adventures of Amina Al-Sirafi“ zu beenden (und habe die Geschichte an einer Stelle unterbrechen müssen, als Amina gerade Schiffbruch erlitt), weshalb ich den Titel also mit ins nächste Jahr nehme, da ich nicht davon ausgehe, dass ich morgen noch Zeit finde, um über vier Stunden Hörbuch zu hören. Nachdem ich am Nachmittag meinen Brotteig ins Gärkörbchen gepackt hatte, habe ich aber noch „An African History of Africa“ beendet, so dass ich immerhin dieses Sachbuch von meinem SuB streichen kann, bevor das nächste Jahr beginnt. (Und ich bin wild entschlossen, einige Zeit verstreichen zu lassen, bevor ich mir eines der Bücher anschaffe, die dank dieses Titels auf meiner Merkliste gelandet sind. *g*) Dummerweise war ich abends zu müde, um noch zu meinem Roman zu greifen – mal schauen, ob ich den morgen noch beendet bekomme oder auch das Buch mit ins nächste Jahr nehmen muss.

Mittwoch, 31.12.

Wie immer am 31. Dezember bin ich jetzt schon so genervt von der Böllerei in den letzten Tagen, dass ich grumpig bin, bevor das Feuerwerk in der Silvesternacht überhaupt losgeht. Ohnehin hatte ich keine besonders gute Nacht, was nicht nur dazu geführt hat, dass ich heute morgen (viel zu) lange geschlafen habe, sondern auch dazu, dass ich am Nachmittag ständig eingenickt bin. Neben dem Kochen für heute und morgen Abend und einer Runde Wäsche blieb dann nur noch etwas Zeit, um mit der Switch zu spielen. Erst später am Nachmittag habe ich etwas in „The Retired Assassin’s Guide to Orchid Hunting“ gelesen – und erst jetzt fällt mir auf, dass ich das Buch in den letzten Tagen gar nicht mehr erwähnt hatte, obwohl ich immer wieder in kleinen Häppchen darin gelesen habe. Ich mag die Figuren wirklich sehr und ich amüsiere mich über die wirklich absurde Handlung. Ich wüsste zu gern, wieso manche absurden Geschichten bei mir so gut funktionieren, während mich andere die Wände hochtreiben … ich vermute, es hängt damit zusammen, ob die Autor*innen all die abwegigen Elemente in ihrer Handlung mit einem Augenzwinkern erzählen oder mir das Gefühl geben, dass sie erwarten, dass ich das Ganze ernst nehme (oder dass sie beim Schreiben die ganze Zeit dachten, wie lustig sie doch sind). Wie auch immer, ich fühle mich von Naomi Kuttners Erzählweise gut unterhalten und mag ihren pensionierten Assassinen, der solche Probleme damit hat, in einer zivielen Umgebung zu funktionieren.

Da ich mir gerade nicht vorstellen kann, dass ich heute noch sehr viele Seiten lesen werde, beende ich meinen „Jahresausklang“ hiermit. Den kläglichen Rest des Jahres werde ich vermutlich damit zubringen, all meine Listen und Statistiken anzupassen und den Blog für das neue Jahr aufzustellen. Wenn ich danach noch Kapazität zum Lesen haben sollte, bleibe ich vermutlich bei Dante, Charlie und Eleanor, die unter lauter Orchideen-Enthusiasten nach einem Mörder suchen. Aber beenden werde ich den Roman in diesem Jahr definitiv nicht mehr. Auch wenn ich es etwas schade finde, dass ich drei aktuelle (Hör-)Bücher habe, die ich in den letzten Tagen gern noch ausgelesen/-gehört hätte, so fand ich es doch nett, wieder diese entspannten Tage „zwischen den Feiertagen“ zu verbloggen. Nun bleibt mir nur noch zu hoffen, dass den Nachbarn relativ früh das Feuerwerk ausgeht. 😉

Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich hoffe, es liegt eine gute Nacht vor euch, und das nächste Jahr bringt viele angenehme Überraschungen für euch mit sich! 🙂

Holly Black: The Darkest Part of the Forest

Über „The Darkest Part of the Forest“ bin ich vor ein paar Jahren bei Darkstar gestolpert, der eine begeisterte Rezension zu dem Roman geschrieben hatte. Obwohl die Geschichte klang, als würde sie genau in mein Beuteschema fallen, bin ich lange Zeit um das Buch herumgeschlichen. Und als ich den Titel endlich in meinem Besitz hatte, landete er dann erst einmal für über ein Jahr im SuB, weil ich auf die richtige Stimmung dafür wartete. Manchmal ist die Angst, enttäuscht zu werden, eben doch größer als die Hoffnung auf eine großartige Geschichte. 😉

Nachdem ich das Buch jetzt aber endlich gelesen habe, kann ich versichern, dass meine Erwartungen voll erfüllt wurden – und dass Holly Black mit „The Darkest Part of the Forest“ eine ziemlich coole Geschichte erzählt. Den Großteil der Handlung erlebt man aus der Perspektive von Hazel Evans, ein paar weitere Szenen aus der ihres Bruders Ben oder der seines besten Freundes Jack. Sie alle leben in Fairfold, einem kleinen Ort, der deshalb etwas besonderes ist, weil dort nicht nur seit langer, langer Zeit ein gehörnter junger Mann in einem Glassarg im Wald schläft, sondern weil auch sonst täglich die Existenz des Feenvolks zu spüren ist. So ist es für die Anwohner ganz selbstverständlich, dass man Schälchen mit Milch vor die Tür stellt, Talismane zum Schutz trägt und all die anderen Regeln befolgt, die für das Zusammenleben mit dem magischen Volk wichtig sind. Und wenn doch mal jemandem etwas passiert, dann muss es ein Tourist gewesen sein, der nicht wusste, dass man Feen respektvoll behandeln muss.

Während also der ganze Ort damit lebt, dass das Leben ein bisschen gefährlicher, aber eben auch ein bisschen magischer ist als anderswo, ist Hazel schon als kleines Mädchen fest entschlossen, dass sie die Bedrohung, die vom Feenvolk ausgeht, stoppen will. Diese Entschlossenheit hindert sie aber nicht daran – ebenso wie ihr Bruder – in den schlafenden Feenprinzen im Wald verliebt zu sein und davon zu träumen, wie es wäre, wenn er eines Tages erwachen würde. Holly Black mischt gekonnt klassische keltische Mythologie mit Märchenelementen und macht daraus eine Geschichte, die modern ist und düster und voller erschreckender Geheimnisse, aber auch voller Liebe (geschwisterlicher und anderer) und Freundschaft.

Ich mochte es, dass Hazels großer Bruder mit einer Feengabe gesegnet ist – und diese doch eher als Fluch empfindet. Ich fand es spannend zu sehen, wie es Hazel damit ergeht, dass sie diejenige ist, die „normal“ ist und über keine besondere Begabung verfügt – auch wenn es natürlich vorhersehbar war, dass sie gerade deshalb diejenige sein wird, die am Ende all die Verwicklungen und Rätsel auflösen muss. Richtig toll fand ich es, dass es für keinen Beteiligten ein Thema war, dass Ben schwul ist, dass aber trotzdem nicht verschwiegen wurde, dass so eine allgemeine Toleranz unüblich ist. Ich fand es spannend, wie liebevoll die Eltern von Hazel und Ben dargestellt wurden, obwohl sie beim besten Willen nicht die idealen Eltern waren, als die Geschwister sie am dringendsten benötigt hätten. Und auch bei Jack gab es so viele kleine Szenen, die – trotz seiner ungewöhnlichen Herkunft als Wechselbalg – davon zeugten, dass seine (menschliche) Familie für ihn seine richtige Familie ist, auch wenn es für ihn in Fairfold selbst nicht immer einfach ist.

Es gibt so viele größere und kleinere Elemente in der Geschichten, die ich wirklich genossen habe und die auch nach dem Lesen noch nachklingen. Dabei habe ich den – wirklich sehr atmosphärisch und wunderbar düster beschriebenen – fantastischen Anteil der Handlung zwar als sehr spannend empfunden, aber die ganzen zwischenmenschlichen Aspekte fand ich in „The Darkest Part of the Forest“ fast noch wichtiger und noch besser erzählt.