Schlagwort: Cozy Mystery

Lese-Eindrücke Januar 2026

Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown

„The Coldest Girl in Coldtown“ hatte ich Ende Dezember halb gelesen zur Seite gelegt, und dann kamen ein paar Tage, in denen ich aus verschiedenen Gründen nur zu eBooks gegriffen habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die Geschichte rund um Tana zwar mochte und mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt habe, aber mich das Vampirthema eigentlich recht wenig fesselte. Was etwas schwierig ist bei einem Roman, in dem die Protagonistin versuchen muss, in einer Welt voller Vampire zu überleben, während sie gleichzeitig fürchtet, dass sie selbst sich in eine Vampirin verwandeln wird. Die zweite Hälfte des Buchs habe ich dann wieder an zwei Abenden gelesen und mich definitiv nicht dabei gelangweilt, aber es fehlten auch ein wenig die überraschenden oder reizvollen Elemente – die Elemente, die aus einer düsteren Urban-Fantasy-Vampir-Geschichte etwas machen, was mich fesselt und dafür sorgt, dass der Roman eine langanhaltende Erinnerung bei mir hinterlässt. Jetzt bin ich fast versucht, „The Darkest Part of the Forest“ von der Autorin noch einmal zu lesen, um zu schauen, ob mir der Roman heute noch ebenso gefällt wie vor (fast) neun Jahren.

Emily Krempholtz: Violet Thistlewaite is Not a Villain Anymore

„Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“ ist eine wirklich süße Geschichte, die aus den Perspektiven der Blumenhändlerin Violet und des Alchemisten Nathaniel erzählt wird. Die beiden lernen sich kennen, als Violet in den Ort Dragon’s Rest zieht, der bis vor kurzem von der Anwesenheit des bösen Zauberers Guy Shadowfade überschattet wurde. Nachdem Guy besiegt und seine Verbündeten in alle Winde zerstreut wurden, beschließt Violet (früher bekannt als die tödliche Thornwitch), ihr Leben als „gute Person“ in dem kleinen Ort zu beginnen. Doch es ist nicht so einfach, all die Dinge aus ihrer Vergangenheit vor ihren Nachbarn verborgen zu halten und sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Vor allem ihr grummeliger Vermieter Nathaniel macht es Violet nicht gerade einfach – und natürlich liegt das daran, dass er sich zu seiner Mieterin hingezogen fühlt. Ich hatte viel Spaß mit „Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“, denn auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Violet und Nathaniel etwas arg vorhersehbar war, so mochte ich, wie sich die beiden im Laufe der Zeit über ihre Probleme und Sorgen austauschten (so weit das eben geht, wenn eine Person versucht, ihre Vergangenheit geheim zu halten). Vor allem aber habe ich den kleinen Ort Dragon’s Rest und all seine Bewohner ins Herz geschlossen. Violets neue Nachbarn sind vielleicht nicht immer ganz einfach, aber es sind genau die richtigen Personen, damit sich eine ehemaligen Thornwitch unter ihnen zuhause fühlen kann. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin im Zukunft noch so schreiben wird!

Leslie Gail: The Drama of Death (Dead End Witches 2)

„The Drama of Death“ ist nach „The Magic of Death“ der zweite Teil einer wirklich netten Cozy-Mystery-Reihe von Leslie Gail. Die Handlung wird weiterhin aus der Perspektive von Star Bell erzählt, die dieses Mal damit fertig werden muss, dass ihre Schwester Daisy zurück nach Dead End kommt – um Aufnahmen für eine Fernsehserie zu drehen. Das Verhältnis zwischen Star und Daisy ist schwierig, da Daisy berühmt geworden ist, indem sie vortäuschte, über Stars magische Fähigkeiten (Geister sehen und mit ihnen kommunizieren können) zu verfügen. Eine weitere Herausforderung ist, dass die Fernsehserie, für die Daisy vor der Kamera steht, berühmt dafür ist, Personen zu entlarven, die übernatürliche Fähigkeiten vortäuschen. Als dann auch noch die Moderatorin der Serie ermordet wird, muss Star sich nicht nur endlich wieder Daisy annähern, sondern auch noch herausfinden, wer den Mord verübt hat. Während ich beim ersten Teil noch die Eigenheiten der älteren Generation der Bell-Hexen etwas kritisiert hatte, kann ich hier anmerken, dass nur Stars Großmutter ein paar Auftritte bekommt, die sich auch alle im Rahmen halten. Ansonsten mochte ich die vielen verschiedenen Figuren, und ich habe mich gut darüber amüsiert, wie Star versucht, Informationen rund um den Mord zu sammeln. Auch wenn ich es recht offensichtlich fand, wer die Tat begangen hat, so hatte ich doch Spaß daran, Stars Weg zur Auflösung zu verfolgen. Soweit ich weiß, wird es irgendwann auch noch einen dritten Teil der Reihe geben, der sich um den Mord an Stars und Daisys dritter Schwester dreht, und ich freu mich schon darauf.

Rebekah Isert: The Heart of the Matter

Normalerweise bestelle ich keine Liebesgeschichten vor, aber „The Heart of the Matter“ von Rebekah Isert klang so reizvoll, dass ich hier eine Ausnahme machte. Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Summer von ihrer Familie sechs Paar-Therapiestunden geschenkt bekommt, die sie mit ihrem Freund besuchen soll. Dummerweise ist der Freund, über den sich Summer gegenüber ihrer Familie regelmäßig beklagt, nur ausgedacht – weil sie nicht wusste, wie sie sonst mit all dem Druck umgehen soll, den ihre Familie ihr bezüglich ihres Single-Daseins machte. Statt nun ihre Familie darüber aufzuklären, dass sie gelogen hat, sucht Summer einen Mann, der mit ihr zur Paartherapie geht. Der Protagonist hingegen ist Chase, dessen letzte Beziehung vor einem halben Jahr endete und dessen Ex-Freundin ihm vorwarf, dass sein Verhalten toxisch gewesen sei. Das führte dazu, dass Chase sein Benehmen gegenüben allen Personen hinterfragt und das Gefühl hat, er müsse an sich arbeiten, weshalb er bereit ist, mit Summer zur Therapie zu gehen. Natürlich lernen sich die beiden während dieser Therapiestunden (und bei den Hausaufgaben, die sie dafür aufbekommen) sehr gut kennen, und das fand ich wirklich sehr nett zu verfolgen. Die Idee, eine Liebegeschichte mit einer Paar-Therapie beginnen zu lassen, funktionierte überraschend gut für mich, und ich mochte es, den gemeinsamen Weg von Summer und Chase zu verfolgen.

W.R. Gingell: Lady of Weeds (Lady 2)

Nachdem ich im Januar schon „Lady of Dreams“ gelesen hatte, habe ich auch noch zum zweiten Teil der Reihe „Lady of Weeds“ gegriffen. Diese Geschichte spielt an der Küste von Sunderland und wird aus der Perspektive von Carys erzählt. Carys ist die Wächterin eines Strandabschnitts und beschützt mit ihrer Arbeit das naheliegende Fischerdorf vor den Selkie, die an der Küste ihren Schabernack treiben (und damit eine tödliche Gefahr für die Anwohner sind). Eines Tages findet Carys einen jungen verletzten Mann in einem der Salzwasserteiche an der Küste und versorgt ihn in ihrer kleinen Hütte am Strand. Eurion (wie Carys ihn nennt) leidet unter Gedächtnisverlust, trägt aber überraschend kostbare Gegenstände bei sich und einen Ring, den Carys aus ihrer Vergangenheit wiedererkennt. Deshalb behält Carys Eurion bei sich, in der Hoffnung, dass er seine Erinnerungen wiedererlangt und ihr ihre Fragen zu dem Ring beantworten kann. Gleichzeitig erreichen Gerüchte den kleinen Ort von einem Anschlag auf einen der Kronprinzen und von untergegangenen Schiffen, und mehrere Fremde stellen Fragen zu dem, was das Meer in den letzten Tagen so angespült hat … Im Kern ist auch „Lady of Weeds“ eine Liebesgeschichte, aber während sich „Lady of Dreams“ fast ausschließlich um eine Handvoll potenzieller Paare und ihre Gefühle und Hintergründe drehte, gibt es bei „Lady of Weeds“ durch die Ereignisse außerhalb von Carys‘ kleinem Küstenort eine deutlich politischere Note. Ich habe es sehr genossen, mich mit dem Rätsel um Eurions Herkunft, mit all den Fragen rund um Carys‘ Vergangenheit und den verschiedenen Neuankömmlingen im Ort zu beschäftigen. Letztere sorgten dann auch für ein Wiedersehen mit ein paar Figuren, die ich schon aus „Lady of Dreams“ kannte, was ich sehr nett fand, mich aber auch neugierig darauf machte, mehr über ihren Weg von Eppa nach Sunderland zu erfahren. Ich würde wirklich gern noch mehr über diese fantastische Welt lesen und mich mit diesen süßen Liebesgeschichten beschäftigen – zu schade, dass es keine Erwähnung der beiden weiteren (ursprünglich) geplanten Titel zu finden gibt.

Lese-Eindrücke Oktober 2025

Dank der Herbstlesen-Wochenenden habe ich im Oktober trotz einiger stressiger Wochen nicht gerade wenig Bücher gelesen. Nicht alle davon geben genug Stoff für eine ausführliche Rezension, aber einen Lese-Eindruck möchte ich hier trotzdem noch festhalten.

You Yeong-Gwang: The Rainfall Market

„The Rainfall Market“ habe ich am zweiten Herbstlesen-Sonntag gelesen und konnte schon da nicht viel mehr zu dem Roman sagen, als dass ich ihn genossen habe. Die Handlung dreht sich um die ca. 16jährige (ich schätze das Alter anhand der Schuljahre in Südkorea) Serin, deren Leben in den letzten Jahren ziemlich hart war. Ihr Vater ist früh verstorben und ihre Mutter schafft es kaum, mit ihrem Einkommen die Familie über Wasser zu halten. Vor einem Jahr ist auch noch Yerin weggelaufen, die nicht nur Serins kleine Schwester, sondern auch ihre beste Freundin war. Der Zugang zum magischen Rainfall Market soll Serins Leben eine ganz neue Wendung geben, was dafür sorgt, dass sie dort so einige Abenteuer erlebt. Das Ganze war wirklich sehr nett zu lesen, vor allem, da die Dokkaebi (Bewohner des Rainfall Markets) alle ihre ganz besonderen Eigenarten haben. Erwartbarerweise bringt jede Begegnung mit den koboldartigen Wesen Serin eine neue Erkenntnis, auch wenn ihr erst am Ende aufgeht, was sie alles während ihrer Zeit im Rainfall Market gelernt hat. Das ist sehr vorhersehbar, aber eben auch sehr süß zu lesen, wobei es mich überrascht hat, dass sich die Geschichte anfühlte, als wäre sie eher für ein Middle-Grade-Publikum geschrieben worden. Obwohl ich das nicht erwartet hatte, habe ich meinen Tag mit diesem Buch sehr genossen – es war genau das Richtige für einen entspannten Sonntag.

Claire Trella Hill: Black and Deep Desires – A Gothic Vampire Romance (Bonds of Blood 1)

Ich muss zugeben, dass ich den Titel „Black and Deep Desires“ eher abschreckend finde. Da die Autorin Claire Trella Hill aber schon seit einiger Zeit immer wieder von unterschiedlichen Autorinnen empfohlen wird, habe ich mir im Oktober mal die Leseprobe dieses Romans angeschaut – nur um dann direkt das Buch zu kaufen und zu lesen. Die Geschichte hat eine wunderbare „Gothic“-Atmosphäre mit einer neunzehnjährigen Protagonistin, die – seit einer Krankheit in ihrer Kindheit – behindert ist, von ihrem Vater und ihren Brüdern vernachlässigt wird und trotzdem versucht, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Doch dann entdeckt sie, dass ihr wissenschaftlich interessierter Vater und ihre Brüder (von denen einer ein sadistisches Arschloch ist) eine Person für Experimente im Keller gefangen halten. Da unsere Heldin Claire nicht nur weichherzig, sondern auch mutig ist, führt das zu einer überraschend süßen Liebesgeschichte mit einem Vampir – ohne dass der Gothic-Anteil, die Kämpfe gegen die Bösewichte und all die anderen unterhaltsamen Elemente zu kurz kommen. Ich habe mich wirklich sehr gut mit der Geschichte unterhalten gefühlt, ich mochte die Charaktere und ich habe nun definitiv Lust, mehr von Claire Trella Hill zu lesen. (Was bedeutet, dass ich inzwischen nicht nur eine Kurzgeschichte rund um zwei Nebenfiguren, die ich in „Black and Deep Desires“ schon mochte, gelesen habe, sondern auch die Fortsetzung „Every Longing Heart“ vorbestellt hatte. Die hebe ich mir dann aber für Dezember auf, um das Weihnachtsthema richtig zu genießen. *g*)

Becky Chambers: A Closed and Common Orbit (Wayfarers 2)

Nachdem ich „The Long Way to a Small, Angry Planet“ gelesen hatte, war ich ein bisschen enttäuscht, als ich feststellte, dass mir „A Closed and Common Orbit“ nicht mehr über die Crew der Wayfarer erzählen würde. Deshalb bin ich froh, dass ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt und abgewartet habe, bis ich grundsätzlich in der richtigen Stimmung für diesen Roman war. Das war am dritten Herbstlesen-Sonntag im Oktober der Fall, und gerade mal drei Tage später hatte ich die Geschichte beendet. Es gibt in dem Roman zwei Handlungsstränge. Der eine begleitet Sidras aktuelle Erlebnisse, der andere erzählt die Geschichte von Jane 23, die mit zehn Jahren aus einer Fabrik flüchtete, in der sie arbeitete, um von da an auf einem riesigen Schrottplatz zu leben. Faszinierenderweise fand ich beide Handlungsstränge gleich fesselnd, obwohl ich bei Jane 23 schon wusste, dass sie irgendwann dem Schrottplatz entkommen wird. Aber ich wusste nicht genau, wie es dazu kommen würde und welche Herausforderungen Jane 23 in der Zwischenzeit bewältigen musste … Ich will eigentlich gar nicht mehr zu dem Roman schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass es besser ist, ohne großes Vorwissen in die Geschichte zu gehen. Aber Becky Chambers‘ Erzählweise hat mich wieder gut unterhalten, und ich finde es großartig, wie sie mich beim Lesen dazu gebracht hat, darüber nachzudenken, was eine Person ausmacht, und mitzufühlen, was Sidra und Jane 23 jeweils durchmachen. Schön, dass ich noch drei weitere Titel der Autorin auf meinem SuB habe.

Jane Glatt: Lost and Found (Wrap-It-Up Magic 1)

„Lost and Found“ von Jane Glatt war mir als ungewöhnlicher Cozy-Mystery empfohlen worden, und da ich mir nach dem Klappentext so gar nicht vorstellen konnte, worum es genau in dem Roman geht, habe ich (mal wieder) zur Leseprobe gegriffen, was dann zum Kauf führte. Die Geschichte dreht sich um die 62jährige Barbara, die vor einigen Monaten feststellen musste, dass ihr Mann ein Betrüger im ganz großen Stil ist. Während er vor Beginn der Ermittlungen flüchten konnte, wurde Barbara verdächtigt, seine Komplizin zu sein. Auch wenn sie nicht verurteilt wurde, hat sie den Großteil ihres Besitzes, ihr Haus und die Beziehung zu ihren beiden Söhnen verloren. Die einzige Person, die noch an Barbaras Seite steht, ist ihre Freundin Kat, bei der sie zu Beginn des Romans auch einzieht. Kurz darauf stellt Barbara fest, dass sie unter ganz bestimmten (magischen) Umständen verlorene Dinge/Personen/Tiere finden kann – was ein wirklich seltsames, aber unterhaltsames Element in einem ansonsten durchgehend realistischen Roman ist. Ich mochte Barbara, die wild entschlossen ist, diesen Schicksalsschlag als Chance zu sehen, sehr gern, ebenso wie ihre Freundin Kat und deren Tochter, die beide Barbara unterstützen. Ich fand die Art und Weise, in der Barbara ihr übernatürliches Talent entdeckt, unterhaltsam, und es war erfrischend ungewöhnlich, dass sich die Handlung weniger um ein aktuelles Verbrechen und große Dramen dreht als darum, dass Barbara mehr über ihr Talent herausfindet – und dann versucht, diese Gabe dazu zu nutzen ihren Mann der Justiz zu übergeben. Das war auf genau die richtige Weise eine wirklich „nette“ Geschichte.

Naomi Kuttner: The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening

Ich bin mir nicht mehr sicher, wie ich über „The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening“ gestolpert bin. Aber als ich am Sonntag vor zwei Wochen auf der Suche nach einem „netten“ Roman meine gespeicherten Leseproben durchstöberte, hat mich der „New Zealand Paranormal Cozy Mystery“ so gut unterhalten, dass ich ihn direkt gekauft und innerhalb von 24 Stunden ausgelesen hatte. Das hätte ich definitiv nicht erwartet, da die Grundidee hinter diesem Roman auf eine Art und Weise absurd ist, die normalerweise nicht meinem Geschmack entsprechen würde. Aber Naomi Kuttners Erzählweise und die Perspektive von Dante (eine von drei Hauptfiguren) haben überraschenderweise für mich so gut funktioniert, dass ich „The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening“ wirklich amüsant fand.

Die Handlung beginnt aus der Perspektive von Dante, der gerade seine Karriere als Auftragsmörder für eine Regierungsorganisation beendet hat. Um seinen Ruhestand so fern wie möglich von seinen ehemaligen Auftragsorten zu verbringen, beschließt er, sich in dem kleinen Ort Te Kohe in Neuseeland niederzulassen. Dante selbst möchte eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen haben. Aber er hat definitiv nicht mit der Freundlichkeit/Neugier seiner Kleinstadt-Nachbarn gerechnet – außerdem verfügt sein neues Haus über einen beeindruckenden Garten mit seltenen Pflanzen, was dazu führt, dass er den Gärtner der Vorbesitzerin „erbt“. Charlie ist ein wirklich netter junger Mann, dessen offensichtlicher Naivität und Begeisterungsfähigkeit Dante nichts entgegenzusetzen hat. Als es dann noch bei einer Veranstaltung im Hotel des Ortes zu einem Mord kommt, bei dem Dante und Charlie die Hauptverdächtigen sind, fangen die beiden – gemeinsam mit Eleanor, die ebenfalls auf dieser Veranstaltung war – zu ermitteln an.

Was den Krimianteil dieses Romans angeht, so lag eigentlich von Anfang an auf der Hand, wer der Täter ist, so dass die Herausforderung vor allem darin bestand, herauszufinden, wie die Tat vollbracht wurde und wie sie dem Täter nachgewiesen werden kann. Aber der Fall war auch nicht das, was mich bei diesem Roman so gut unterhalten hat, es waren die Charaktere mit all ihren Eigenheiten (und die Tatsache, dass es hier endlich mal einen „cozy mystery“ ohne Liebegeschichte für mich zu lesen gab). Charlie ist ein wirklich netter junger Mann, der bei seiner verwitweten Mutter wohnt, als Gärtner seinen Lebensunterhalt verdient und Geister sehen kann. Das hat ihn sein Leben lang – also gerade mal zwanzig Jahre – in Schwierigkeiten gebracht, da die Leute um ihn herum nicht glauben, dass er wirklich über diese Fähigkeit verfügt. Eleanor ist eine elegante Frau in den 60ern, die sich in den diversen Vereinen von Te Kohe engagiert, über überraschende Verbindungen verfügt und sehr viel Menschenkenntnis hat. Sowohl Charlie als auch Eleanor mochte ich sehr gern, aber so richig genossen habe ich Dantes Perspektive.

Der ehemalige Assassine ist so sehr von seinem früheren Beruf geprägt, dass sein erster Impuls in jeder Situation ist, darüber nachzudenken, wie er sein Gegenüber töten kann. Aber er ist auch stolzes Mitglied der AA (Anonyme Assassinen) und hat seit über 100 Tagen niemanden mehr ermordet – was bedeutet, dass er mit Hilfe seines Therapeuten neue Wege finden muss, um mit Herausforderungen umzugehen, und sich dabei häufig etwas hilflos anstellt. Ich muss zugeben, dass alle drei Figuren sehr unglaubwürdig sind, und bei Dante ist der absurde Anteil besonders extrem, aber ich habe es trotzdem gerade deshalb genossen mitzuverfolgen, wie hilflos er in normalen sozialen Situationen ist und wie schwer es ihm fällt, nicht einfach zur Waffe zu greifen, um seine Probleme zu lösen. „The Retired Assassin’s Guide to Country Gardening“ ist durch und durch absurd und dabei wirklich sehr unterhaltsam zu lesen. Ich mochte die Protagonisten und ihre unterschiedlichen Erzählstimmen sehr und habe beim Lesen meinem armen Mann immer wieder ganze Passagen vorgetragen, weil ich sie so amüsant fand. Es gab vor dem großen Finale einen kleinen Teil, in dem sich die Handlung für mich etwas hinzog, was auch daran lag, dass Dante da relativ wenig zu Wort kam. Aber alles in allem habe ich die Geschichte wirklich genossen und freue mich jetzt schon auf die im Dezember erscheinende Fortsetzung „The Retired Assassin’s Guide to Orchid Hunting“.

Lese-Eindrücke April 2025

Ich habe im April gar nicht so wenig gelesen, aber relativ wenige Sachen, zu denen ich hier einen Lese-Eindruck festhalten kann.

Angie Thomas: The Manifestor Prophecy (Nic Blake and the Remarkables 1)

„The Manifestor Prophecy“ von Angie Thomas lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB – vor allem, da ich in den letzten Jahren einige fantastische Romane von Schwarzen Autor*innen gelesen habe, deren Inhaltsangabe ähnlich klang und ich lieber etwas Abstand beim Lesen solch vergleichbarer Büchern habe. Aber da ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mehr ältere Bücher vom SuB zu lesen, habe ich dieser Geschichte endlich eine Chance gegeben. Die Handlung dreht sich um die zwölfjährige Nic (Nichole), die zu den Remarkables (Personen mit magischen Fähigkeiten) gehört, die aber in einem „Unremarkable“-Umfeld aufwächst – was bedeutet, dass sie und ihr Vater ihre Magie verstecken müssen. Rund um ihren zwölften Geburtstag passieren dann einige unheimliche Dinge, die u. a. dazu führen, dass Nics Vater verhaftet wird, während sie mit zwei anderen Teenagern auf die Suche nach einem magischen Artefakt gehen muss.

Ich mochte Nic und die anderen Charaktere, die sich Angie Thomas für ihre Geschichte ausgedacht hat, sehr gern. Mir gefiel die magische Parallelwelt ebenso wie die diversen Anspielungen auf afrikanische Legenden sowie auf – leider häufig bedrückende – frühere und aktuelle Schwarze Historie. Außerdem gab es immer wieder wunderbar amüsante Momente als Ausgleich dafür, dass Nic und die anderen sich häufig in bedrohlichen Situationen wiedergefunden haben. Aber ich muss auch zugeben, dass mir viele Elemente in dem Roman sehr vertraut vorkamen, weil er sich jetzt nicht so sehr von anderen fantastischen Middle-Grade-Romanen (Schwarzer Autor*innen) unterschied. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich habe Lust, auch noch die Fortsetzung zu lesen, aber ich hoffe ein bisschen, dass Angie Thomas als Fantasyautorin in Zukunft noch einen etwas individuelleren Stil entwickeln wird.

Catie Murphy: Death of a Irish Druid (Dublin Driver Mysteries 6)

„Death of an Irish Druid“ ist der sechste (und bedauerlicherweise vorerst letzte) Band der Dublin-Drivers-Mysteries und er hat mir besonders gut gefallen. Diese cozy-mystery-Reihe dreht sich um die in Irland lebende Amerikanerin Megan Malone, die mit einem mit ihr befreundeten amerikanischen Ehepaar unterwegs ist, als sie über die Leiche eines selbsternannten Druiden stolpert. Obwohl auf den ersten Blick alles nach einem Unfall aussieht, gibt es so viele Ungereimtheiten rund um diesen Todesfall, dass Meg ihrer Neugierde nachgibt und mehr über den Verstorbenen und sein Leben herausfinden will. Ich fand es angenehm, dass dieses Mal die Vorraussetzungen für Megans Ermittlungen ganz anders waren als in den vorhergehenden Bänden. So ist ihr Freund, der für die Garda arbeitet, gerade im Ausland, dafür wird sie rundum von dem Ehepaar unterstützt, das gerade zu Besuch in Irland ist – was zu einigen amüsanten Szenen führt, wenn zum Beispiel amerikanische und irische Gepflogenheiten aufeinanderstoßen.

Das führt dazu, dass sich dieser Band anders anfühlt als die vorhergehenden, ohne dass ich auf all die Dinge, die ich sonst schon so in den Geschichten gemocht habe (all die kleine persönliche Geheimnisse, die von Megan aufgedeckt werden/das Verhältnis der Protagonistin zu ihren Freunden/Megans Fürsorge für diejenigen, die unter dem plötzlichen Verlust einer wichtigen Person leiden), verzichten musste. Dazu habe ich überraschende Details zu den unterschiedlichsten Themen wie britische Adelstitel in Irland, Irisches Erbrecht und Renaturierungsvarianten gelernt und mich dabei großartig unterhalten. Ich hoffe sehr, dass Catie/C.E. Murphy noch eine Möglichkeit findet, die weiteren vier Romane, die sie für diese Reihe schon geplant hatte, auch ohne den ursprünglichen Verlag zu veröffentlichen. Ich wüsste wirklich gern, wie es mit Megan nach diesem Band weitergeht und über welche Leichen sie in Zukunft noch stolpern wird.

Ariana Jade/Arizona Tape: The Coffee House Witch and the Grumpy Cat (The Cobblestone Coven 1)

„The Coffee House Witch and the Grumpy Cat“ hatte ich vorbestellt, als der Titel noch „The Coffee House Witch“ hieß, der Veröffentlichungstermin noch einige Wochen früher angesetzt war und das eBook noch ohne Seitenzahl gelistet wurde. Was bedeutete, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich meine 99 Cent für eine nett klingende Kurzgeschichte oder für einen fantastischen Liebesroman ausgeben würde. Am Ende hatte die Geschichte einen Umfang von knapp über 100 Seiten und fühlte sich an, als ob ich den Anfang eines cozy Fantasy-Romans gelesen hätte. Die Handlung dreht sich um Hexe Cassiopeia, die nach zehn Jahren in „der Stadt“ zurück zu ihrer Großmutter zieht und ihr in ihrem Café hilft. Cassi weiß nicht so recht, wie es in Zukunft mit ihr weitergehen soll: Ihre Verlobung ist in die Brüche gegangen, ihren Job hat sie deshalb auch verloren (da ihre Chefs die Eltern ihrer Ex-Verlobten waren) und ihre Magie ist zur Zeit etwas wackelig.

Die Handlung war (soweit vorhanden) nett, ich mochte die Figuren rund um die Protagonistin (ehrlich gesagt mehr als Cassi selbst), ich habe grundsätzlich eine Schwäche für Geschichten, die in unserer Welt plus einem Hauch von Magie spielen, und auch wenn die diversen tierischen Familiare etwas gewollt niedlich-eigenwillig waren, war das okay zu lesen. Es störte mich auch nicht, dass von Anfang an offensichtlich war, dass Cassi im Laufe der Zeit Gefühle für ihre beste Freundin aus Kindheitstagen entwickeln wird. Was mich hingegen störte, war, dass ich mit diesem Band keine vollständige Geschichte bekommen habe. Es fühlte sich an, als ob ich eine längere Leseprobe gelesen hätte statt einer eigenständigen Novella. Und diese „Leseprobe“ war zwar ganz nett, aber jetzt nicht so überzeugend, dass es mir wert wäre, einige Wochen auf die nächste Portion der Geschichte zu warten und dafür dann drei Euro auszugeben, ohne vorhersagen zu können, ob dieser Teil sich beim Lesen dann befriedigender anfühlen wird …

Lese-Eindrücke Januar 2025

Hier sind wieder die Lese-Eindrücke zu den Büchern, zu denen ich wenigstens ein bisschen was schreiben wollte. Das betrifft im Januar den Großteil der Romane, die ich gelesen habe. *g*

Celia Lake: Complementary

„Complementary“ war der erste Roman, zu dem ich in diesem Jahr gegriffen habe. Celia Lakes Geschichten mochte ich bislang alle, und so war es auch mit diesem Titel. Die Handlung spielt 1910 in einer fantastischen Variante von Großbritannien und dreht sich um zwei Frauen, die im Auftrag der Wache in einer nicht-magischen Künstler-Gemeinschaft nach einem magischen Objekt suchen. Dabei ist Elizabeth ein offizielles Mitglied der Wache (und arbeitet als eine Art magische Spurensucherin), während Rosemary eine Hebamme mit Heilmagie ist.

Ich fand es reizvoll, mal eine Geschichte von Celia Lake zu lesen, in der die Protagonistinnen unter allen Umständen vermeiden müssen, dass jemand herausfindet, dass Magie existiert – während sie natürlich gleichzeitig Magie einsetzen müssen, um ihren Auftrag erledingen zu können … Außerdem habe ich wirklich gern verfolgt, wie Elizabeth (die ich schon aus anderen Romanen kannte) und Rosemary einander näherkamen. Das war eine sehr schöne Liebesgeschichte zwischen zwei Personen, die schon etwas älter und lebenserfahrener sind. Mir gefiel es auch sehr, dass beide Frauen nach einer ersten Annäherung erst einmal jede für sich überlegen mussten, ob sie bereit sind, ihren behaglichen Alltag so weit umzukrempeln, dass eine andere Person darin Platz findet.

Celia Lake: Bound to Perdition (Mysterious Arts 1)

Da ich nach „Complementary“ weiter Lust auf Celia Lake hatte, habe ich mir (für ganze 95 Cent) noch den Roman „Bound to Perdition“ gegönnt. Die Geschichte spielt 1917 und dreht sich vor allem um die Vorgänge in einer magischen Forschungseinrichtung der Regierung. Die Protagonistin Lynet ist Buchbinder-Meisterin und hat den Auftrag, ein magischen Journal zu entwickeln, das sich in größeren Mengen herstellen lässt. Diese Journale sollen u. a. die zeitnahe und direkte Kommunikation mit der Front ermöglichen, was für den Kriegsverlauf eine entscheidende Wende bringen könnte. Umso mehr verwirrt es Lynet, dass ihr von allen Seiten Hindernisse in den Weg gelegt werden. Einzig ihr Assistent Reggie (der aufgrund einer Verletzung nicht mehr an die Front zurückkehren kann) scheint kein Problem damit zu haben, dass sie einen Handwerks-Hintergrund hat, während er gleichzeitig ihre Arbeit genauso wichtig nimmt, wie sie es tut.

Ich fand es spannend, mal eine (Liebes-)Geschichte zu lesen, die sich mit den Problemen rund um Materialbeschaffung, Forschung und Ethik in Kriegszeiten beschäftigt. Reggies Teil der Handlung zeigt immer wieder, wie sehr Krieg einen Menschen (und seine Prioritäten) verändern kann, während Lynets Perspektive mich – stellvertretend für ihre Figur – häufig frustrierte. Trotzdem mochte ich, wie die Autorin mit den vielen verschiedenen „herausfordernden“ Themen umgegangen ist. Ich habe auch hier die Charaktere sehr schnell ins Herz geschlossen und ich habe es ungemein genossen, so viele Passagen rund ums Buchbinden und die damit verbundenen Techniken zu lesen.

Kat Richardson: Storm Waters

Von Kat Richardson hatte ich die Greywalker-Reihe wirklich gern gelesen, und so habe ich mich sehr gefreut, als ein neuer Roman der Autorin angekündigt wurde. „Storm Waters“ ist eine „noir urban fantasy“-Geschichte, die im Jahr 1934 in Hollywood beginnt. Der Protagonist Marty Storm besitzt gemeinsam mit seinem Partner Peter eine Firma, die sich auf Frachtschifffahrt spezialisiert hat. In dieser Firma taucht zu Beginn der Handlung ein Geist auf, der behauptet, dass er der Kapitän eines untergegangenen Schiffs gewesen sei. Marty selbst verfügt über Wassermagie, und schnell steht fest, dass hinter der Geistererscheinung etwas Größeres steckt – etwas, das dazu führt, dass er sich mit der Familie seiner Mutter in New Orleans auseinandersetzen muss.

Der Erzählton der Geschichte war anfangs wirklich sehr faszinierend, denn Kat Richardson gelingt es erstaunlich gut, die Atmosphäre eines klassischen Privatdetektiv-Romans heraufzubeschwören. Aber in der Mitte des Buchs – als sich die Handlung von Los Angeles wegbewegt – hat mich die Autorin trotzdem eine Zeitlang verloren. Den Teil, der in der Nähe von New Orleans spielt, fand ich so unrund, dass ich das Buch Anfang Dezember zur Seite gelegt und erst Mitte Januar wieder in die Hand genommen habe (um dann erleichtert festzustellen, dass sich die Handlung wieder auf L.A. zubewegte). Am Ende bin ich etwas zwiegespalten, weil ich den Anfang und den Schluss eigentlich mochte, mich der Mittelteil aber so sehr rausgerissen hatte. Aber ich würde vermutlich einem weiteren Band um Marty Storm eine Chance geben, um zu schauen, ob der dann von Kat Richardson durchgehend stimmig geschrieben wurde.

Annie Bellet: Harper’s Tale (The Twenty-Sided Sorceress 7.5)

Ein relativ kurzes Buch, das ich über Kickstarter mitfinanziert hatte, weil ich die „Twenty-Sided Sorceress“-Geschichten der Autorin gern gelesen hatte. Außerdem wollte ich wissen, wie es der Protagonistin Harper nach einem bestimmten Ereignis in der Serie ergangen war. Dieser Roman spielt zwischen zwei Bänden der Haupthandlung und dreht sich um das Verschwinden (und die Ermordung) von Youtuberinnen. Das Ganze ist eine klassische Urban-Fantasy-Geschichte, bei der die Protagonistin während der Ermittlungen weniger davon profitiert, dass sie eine Fuchs-Gestaltwandlerin ist, als davon, dass sie einen Namen und Beziehungen in der Gamer*innen-Szene hat. Obwohl der/die Bösewicht/e im Prinzip beim ersten Auftritt schon offensichtlich war/en, habe ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. Wobei ich zugeben muss, dass Geschichten, die rund um Conventions, Videospiele und Cosplay spielen, von mir immer ein paar Sentimentalitäts-Bonuspunkte bekommen.

S. Usher Evans: Fiends and Festivals (The Weary Dragon Inn 2)

Der zweite Band der „The Weary Dragon Inn“-Reihe war genauso nett wie „Drinks and Sinkholes“. Neben den schon vertrauten Figuren gab es ein paar neue Besucher in Pigsend, und das große Ereignis war dieses Mal das Herbst-Festival inklusive der dazugehörigen unterschiedlichen Wettbewerbe, bei denen auch Personen aus anderen Orten mit ihren Erzeugnissen (oder Backwaren) antreten. Was bedeutet, dass Bev unbedingt herausfinden musste, wer das Festival sabotiert (und so vielleicht dafür sorgt, dass es zukünftig in den Nachbarort verlegt wird). Ich gebe zu, dass die Identität des Saboteurs von Anfang an wirklich offensichtlich war. Aber da ich keine Ahnung hatte, was das Motiv dieser Person sein könnte, und mich ansonsten gut genug mit den größeren und kleineren Katastrophen rund ums Festival unterhalten gefühlt habe, habe ich auch diesen Band wieder genossen.

Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe fortsetzen werde, wenn ich den dritten Teil, den ich schon als eBook besitze, gelesen habe. Die Geschichten sind halt nur „nett“ – aber ich bereue die Anschaffung definitiv nicht. Es ist angenehm, mal einen fantastischen cozy mystery zu lesen, bei dem es nicht um Mord geht und bei dem das Scheitern der „Ermittlerin“ eher ärgerlich als dramatisch wäre. Oh, und ich mochte den „Hund“, der Bev im Laufe der Geschichte zugelaufen ist. Magische Hunde sind doch immer nett, auch wenn die Protagonistin endlos lange benötigte, um herauszufinden (oder sich einzugestehen), dass Mr. Biscuit kein normaler Streuner ist. Die Tatsache, dass S. Usher Evans mir das Gefühl gibt, dass die Protagonistin die ganze Zeit mit Scheuklappen rumläuft und nur aufgrund ihrer Hartnäckigkeit irgendwann die Lösung des jeweiligen Rätsels findet, ist mein größter Kritikpunkt an den Geschichten. Aber solange mich der Rest der Handlung gut unterhält, kann ich damit leben.

Lese-Eindrücke Dezember 2024

Ich habe im Dezember so viele gute Bücher gelesen, das war schön! Da einige davon Reihenfortsetzungen oder eben doch nur „nett“ waren, gibt es wieder die dazugehörigen Lese-Eindrücke.

Kalyn Josephson: Hollowthorn (Ravenfall 2)

Nachdem mir im Oktober „Ravenfall“ so gut gefallen hatte, hatte ich mir zum Geburtstag die Fortsetzung gewünscht – die ich dann direkt im Dezember gelesen habe. Die Handlung in „Hollowthorn“ setzt wenige Wochen nach den Ereignissen im ersten Band ein. Genau genommen beginnt die Geschichte mit dem jüdischen Lichterfest und damit, dass der Großteil von Annas Familie eine Woche lang nicht im Inn Ravenfall sein wird. So sollen Colin, Anna und ihr Vater Henry eigentlich die Stellung halten und sich um die Gäste kümmern, als der Raven Salem Henry um Hilfe bei einer Mission im Hollowthorn bittet. Ich muss zugeben, dass ich es ein bisschen schade fand, dass nur ein Teil der Handlung im Inn spielte (wobei das Inn dieses Mal immerhin in ein paar Kapitel seine eigene „Sicht“ äußern kann). Ansonsten habe ich die Darstellung der Otherworld genossen, mochte es, Annas und Colins Weg (mit all ihren Problemen) zu verfolgen, und bin überraschend neugierig darauf, wie es mit den beiden weitergeht. Leider ist der dritte Band der Reihe („Witchwood“) gerade erst als Hardcover erschienen, und eine Taschenbuchausgabe ist noch nicht angekündigt.

S. Usher Evans: Drinks and Sinkholes (The Weary Dragon Inn 1)

„Drinks and Sinkholes“ ist der erste Band einer zehnteiligen Cozy-Fantasy-Mystery-Reihe, die sich rund um Bev(erage Wench) dreht. Wenn ich von der bemüht-amüsanten Namensgebung der diversen Personen absehe, habe ich mich mit diesem Band wirklich gut unterhalten gefühlt. Bev ist vor fünf Jahren – ohne jegliche Erinnerung an ihre Vergangenheit – in den kleinen Ort Pigsend gekommen. In Pigsend wurde sie von den Anwohnern freundlich aufgenommen und fand einen Job beim Weary Dreagon Inn, das sie nach dem Tod des Vorbesitzers erbte. In diesem Band wird (nicht nur) ihr Gasthaus von überraschend auftreten Erdlöchern bedroht.

Da die Bürgermeisterin und der örtliche Polizist alle Hände voll mit den besuchenden Soldaten der Königin zu tun haben, wird Bev mit der Ermittlung beauftragt. Was in erster Linie dazu gedacht war, die Anwohner des Ortes zu beruhigen, weil ja nun etwas getan wird, führt dazu, dass Bev all ihre Energie in die Ursachenforschung steckt und so überraschend viele Geheimnisse ihrer Nachbarn herausfindet. Die fantastische Welt, in der die Geschichte spielt, wirkt zu Beginn relativ magiearm, und Bev entdeckt erst nach und nach, dass in ihrer Nachbarschaft mehr übernatürliche Wesen leben, als sie geahnt hat. Das ist stellenweise etwas vorhersehbar, aber trotzdem sehr nett und unterhaltsam zu lesen. Genau die richtige Lektüre für einen entspannten Leseabend – und ich fürchte, ich werde mir demnächst den Sammelband mit den ersten drei Bänden holen mussen, um irgendwann weiterlesen zu können.

Toshikazu Kawaguchi: Before We Forget Kindness (Before the Coffee Gets Cold 5)

Der inzwischen fünfte Band rund um das kleine Café in Tokyo, in dem Besucher für einige Minuten durch die Zeit reisen können. Nichts an diesen Geschichten war neu oder überraschend, und ich muss zugeben, dass das nicht mein Lieblingsband der Reihe war. Aber grundsätzlich genieße ich weiterhin diese kleinen Episoden, die sich rund um kleine menschliche Momente drehen, um die vielen verschiedenen Arten von Beziehungen und die vielen kleinen (oder großen) Dinge, die schieflaufen können und die später bereut werden. Ich freue mich über ein Wiedersehen mit den Charakteren, die – sei es als Personal oder als Stammgäste – immer wieder auftauchen, und ich teile mir bewusst die Geschichten eines neuen Bandes so ein, dass ich mehrere Tage etwas davon habe. Wie schon bei den anderen Büchern von Toshikazu Kawaguchi empfand ich auch das Lesen von „Before We Forget Kindness“ als wohltuend.

Lynn Strong: Chai and Cat-Tales

„Chai and Cat-Tales“ von Lynn Strong enthält drei Geschichten, die in einer vom Mittleren Osten inspirierten Fantasywelt spielt. Jede der drei Episoden dreht sich um eine andere Figur, aber da alle Geschichten in derselben Stadt spielen, gibt es Charaktere, die sich durch den gesamten Band ziehen – sei es, dass sie persönlich auftauchen oder nur erwähnt werden. Ich fand es spannend, drei so unterschiedliche „cozy“ Erzählungen zu lesen, deren Gemeinsamkeit vor allem im Schauplatz besteht, die mich aber alle drei beim Lesen erfreut und überrascht haben. Lynn Strongs Charaktere sind sehr divers angelegt, und ich habe das Gefühl gehabt, dass sie sehr aufmerksam und bewusst mit schwierigeren Themen umgeht, während ich mich gleichzeitig großartig beim Lesen amüsiert habe. „Chai and Cat-Tales“ hat mich wirklich überrascht, und ich bin sehr gespannt darauf, ob Lynn Strong es wirklich schafft, 2025 ihren im Nachwort erwähnten Roman zu veröffentlichen. Wenn das so sein sollte, werde ich ihn mir auf jeden Fall bestellen!

Lese-Eindrücke Oktober 2024 (Teil 1)

Im Oktober habe ich vor allem Bücher von meiner „Herbstliste“ gelesen, die aus all den eher unheimlichen Geschichten bestand, die ich in meinem SuB finden konnte. Außerdem hatte ich versucht, ein paar ältere Titel von meinem eReader zu lesen, um da mal einen besseren Überblick über meinen Bestand zu bekommen. Daran bin ich dann aber gescheitert, da ich nach „Wolfskin“ unbedingt noch weiteren Bände der „The Two Monarchies“-Reihe anschaffen und lesen musste. *g*

Und da ich zu so vielen Büchern auch was zu erzählen hatte, gibt es in diesem Monat den Lese-Eindruck-Beitrag in zwei Teilen. Teil 2 verlinke ich HIER, wenn er erschienen ist.

Ali K. Mulford/K. Ellen Morrison: Pumpkin Spice & Poltergeist (Maple Hollow 1)

„Pumpkin Spice & Poltergeist“ war eine „sapphic paranormal cozy mystery rom-com“, die wirklich viele nette (fantastische) Elemente beinhaltete. Die Geschichte dreht sich um Jordyn, die eine Hexe und eine von zwei Apothekerinnen in Maple Hollow ist, und Harlow, die gerade erst in Maple Hollow angekommen ist und nun als Barista in dem Café ihrer Schwester arbeitet. Während Jordyn immer noch um ihre vor einem Jahr verstorbene Ex-Freundin Lou trauert, hat Harlow das Gefühl, dass sie in ihrem Leben bislang immer nur gescheitert ist und nie etwas richtig machen kann. Als Jordyn den Geist von Lou beschwört und diese erst wieder gehen will (oder kann), wenn Jordyn eine neue Beziehung eingegangen ist, sieht Jordyn sich gezwungen, Harlow um ein Date zu bitten. Natürlich ist von Anfang an klar, dass die beiden Frauen ein gutes Paar wären, ebenso wie schnell deutlich wird, dass hinter Lous Tod mehr als ein Unfall steckt. So besteht die Geschichte zum Großteil aus wirklich niedlichen Szenen mit zwei unbeholfenen, aber sehr aneinander interessierten Frauen und dem einen oder anderen – nicht gerade dezent eingestreuten – Hinweis auf einen Kriminalfall. Dazu kommen noch sehr viele fantastische und überraschend ungewöhnliche Elemente rund um die magische Gemeinschaft von Maple Hollow, und ich habe mich (trotz der Tatsache, dass relativ schnell offensichtlich war, wer hinter Lous Ableben steckte) wirklich gut unterhalten gefühlt. Kein Roman, dessen Details lange im Gedächtnis bleiben, aber trotzdem ein Titel, an den ich mich gern erinnere.

Phil Hickes: The Whispering Walls (Shadowhall Academy 1)

Da ich von Phil Hickes die Aveline-Jones-Romane sehr mochte, musste ich mir natürlich auch seinen neuesten Titel besorgen. „The Whispering Walls“ dreht sich um Lilian Jones, die zu Beginn der Geschichte ihr erstes Jahr an der Internatsschule „Shadowhall“ beginnt. Die Schule befindet sich in einem ehemaligen Herrenhaus, das kalt, zugig und voller unheimlicher Geräusche ist, und gleich in ihrer ersten Woche wird Lilian erzählt, dass eine ehemalige Schülerin in den Wänden des Gebäudes spuken soll. Da sie befürchten muss, dass dieser Geist eine ihrer Zimmergenossinnen bedroht, macht sich Lilian (gemeinsam mit ihren neu gewonnenen Freundinnen) auf, um mehr über die gruselige Vergangenheit der Schule herauszufinden. Ich fand das Buch wirklich nett und fühlte mich beim Lesen gut unterhalten. Aber ich muss auch Kiya recht geben, die während des ersten Herbstlesen-Sonntags meinte, dass Phil Hickes hier sehr auf vertraute Grusel-Elemente gesetzt hat, statt wie bei seinen Aveline-Jones-Büchern etwas sehr Eigenes zu schaffen. Außerdem habe ich es zwar sehr genossen, von den Freundinnen, die Lilian in der Schule findet, zu lesen, aber diese enge Bindung zwischen den Schülerinnen sorgte auch dafür, dass die Ereignisse sich nicht so richtig unheimlich anfühlten. Insgesamt war die Geschichte unterhaltsam genug, dass ich die Reihe fortsetzen werde, aber sie ist deutlich weniger gruselig und ungewöhnlich als die Aveline-Jones-Romane.

W.R. Gingell: Wolfskin (The Two Monarchies Prequel)

„Wolfskin“ ist ein Roman, der in derselben Welt wie die anderen „The Two Monarchies“-Geschichten spielt, und (sehr entfernt) an „Rotkäppchen“ angelehnt wurde. Genau genommen dreht sich die Geschichte um Rose, die als Lehrling bei der örtlichen Hexe Akiva aufgenommen wird. Schnell findet sie heraus, dass der Wald, in dem Akivas Häuschen steht, magisch ist und Akiva zu den Wächter*innen des Waldes gehört. Außerdem lernt Rose, dass es sich bei dem großen Wolf, der in dem Wald lebt, eigentlich um einen verfluchten Mann handelt. Die Handlung selbst zieht sich über mehrere Jahre hin, in denen Rose mehr über Magie herausfindet, den Wolf (Bastian) besser kennenlernt und miterlebt, dass immer wieder Wächter*innen des Waldes angegriffen werden oder verschwinden. Ich fand die Lösung hinter diesen Angriffen/Morden ziemlich offensichtlich, aber trotzdem habe ich mich gut von Rose und ihren Abenteuern unterhalten gefühlt. W.R. Gingells Erzählweise in den „The Two Monarchies“-Romanen erinnert mich (nach „Spindle“) auch dieses Mal an Diana Wynne Jones‘ Art, eine Geschichte zu erzählen. Immer wieder mäandert die Handlung ein wenig vor sich hin, ohne dass es je langweilig würde, weil es so viele kleine und größere Momente rund um die Magie des Waldes oder Rose und all die Personen, die sie im Laufe der Zeit kennenlernt, gibt.

W.R. Gingell: Blackfoot (The Two Monarchies 2)

Da ich „Wolfskin“ so gern gelesen hatte, habe ich dann gleich auch noch zu „Blackfoot“ gegriffen. „Blackfoot“ spielt nach den Ereignissen von „Spindle“ und wird aus der Perspektive von Annabel erzählt, die bei einer unheimlichen Hexe aufwächst und deren bester Freund Peter ist. Peter kommt anfangs nicht so unglaublich sympathisch rüber, weil er nicht nur davon überzeugt ist, dass er einfach alles weiß, sondern auch keine Wertschätzung für seine Magie empfindet und stattdessen von technischen Erfindungen fasziniert ist. Annabel hingegen verfügt über keinerlei Magie, abgesehen davon, dass sie in ihren Gedanken ihren schwarzen Kater – der Titel-gebende Blackfoot – sprechen hören kann, wobei Blackfoot sich sowieso nur selten wie eine normale Katze benimmt und es ziemlich klar ist, dass es an ihm und nicht an Annabel liegt, dass die beiden miteinander kommunizieren können. Nach einem Vorfall mit Annabels böser „Pflegemutter“ suchen Annabel, Peter und Blackfoot in einer nahegelegenen Schlossruine Schutz. Doch ein Zauber, der auf dem Schloss liegt, sorgt dafür, dass die drei das Gelände nicht mehr verlassen können. So müssen sie mehr über die Geschichte und die Magie des Schlosses herausfinden, während sie gleichzeitig von einem unheimlichen Gegner gejagt werden und das Schloss ein überraschendes Eigenleben zu entwickeln scheint. Auch das Lesen von „Blackfoot“ hat bei mir Erinnerungen an diese ganz bestimmte wunderbare Art von altmodischen und ungewöhnlichen Fantasygeschichten geweckt, wie sie DWJ geschrieben hat. Ich mag diese Art von Romanen so gerne – überrascht es da jemanden, dass ich mir spontan auch noch den dritten Teil („Staff and Crown“) gegönnt habe? *g*

Lese-Eindrücke September 2024

Meine Lektüre im September bestand vor allem aus Büchern, die ich eigentlich im Sommer lesen und die ich nicht ein weiteres Jahr auf dem SuB liegen lassen wollte. Aber das sind Romane, die ich eigentlich noch „richtig“ rezensieren will, während hier vor allem die eBooks landen, die ich parallel zu meinen SuB-Titeln gelesen habe.

Meghan Ciana Doidge: Cupcakes, Trinkets, and Other Deadly Magic (Dowser Series Book 1)

Bei dem Titel (und nach der Leseprobe) hatte ich von „Cupcakes, Trinkets, and Other Deadly Magic“ einen netten Cozy Mystery mit fantastischen Elementen erwartet und war umso überraschter, dass sich das Buch als solide Urban-Fantasy-Geschichte entpuppte. Ich mochte die Protagonistin Jade, auch wenn sie ab und an etwas arg naiv dachte und handelte, außderdem gefielen mir die fantastischen Elemente, die die Autorin sich für diesen Roman ausgedacht hat. Und obwohl ich die Identität des Mörders am Ende des ersten Kapitels schon erahnen konnte (und da war der Mord im Buch noch nicht einmal passiert!), habe ich mich gut genug unterhalten gefühlt, dass ich den zweiten Band der Reihe auf meine Merkliste gesetzt habe. Es ist gerade schwierig genug für mich, neue Urban-Fantasy-Autor*innen zu finden (vor allem welche, die keinen „Romance-Schwerpunkt“ in ihre Handlung einbauen), so dass ich über die paar nicht so gelungenen Punkte hinwegsehen kann und dem zweiten Teil eine Chance geben mag.

Baroness Orczy: The Old Man in the Corner

Baroness Orczy ist eine der Krimiautorinnen der 1920er Jahre, die mir bislang noch nicht untergekommen war, und ich fand, dass die Grundidee (junge Journalistin bekommt von einem alten Mann in einem Café die Hintergründe zu aktuellen Verbrechen erklärt) ganz reizvoll klang. Leider konnte mich diese Sammlung von kurzen Geschichten dann doch nicht überzeugen. Der Aufbau jeder Geschichte ist gleich: Der namenlose alte Mann fasst im ersten Kapitel für die Journalistin zusammen, was für ein Verbrechen begangen wurde, um dann im zweiten Kapitel die Informationen zu ergänzen, die durch die Ermittlungen der Polizei und eventuelle Gerichtsverhandlungen aufgedeckt wurden. Zum Abschluss erzählt er der jungen Frau dann, was seiner Meinung nach die Lösung des Ganzen ist – Mansplaining in Reinkultur also und deutlich weniger unterhaltsam als erhofft.

Das ist jetzt nicht so viel anders als andere Cozy Mysteries, aber hier fand ich viele Auflösungen ziemlich durchschaubar, und es frustrierte mich, dass ich als Leserin nie erfuhr, ob der alte Mann recht hatte. Das Gespräch mit der Journalistin schien am Ende keinerlei Folgen für den/die Verbrecher oder die Opfer zu haben, so dass sich durch diese Denkspiele nichts änderte, während sich gleichzeitig der alte Mann auf die Schulter klopfte, weil er so viel klüger als alle anderen ist und einfach nur keine Lust hat, der Polizei auf die Sprünge zu helfen … Dazu kamen noch so einige ableistische und rassistische Elemente, die ich bei anderen Autor*innen dieser Zeit nicht (so gehäuft) gefunden habe. Das alles führt dazu, dass ich nicht noch mehr von Baroness Orczy lesen möchte.

Tansy Rayner Roberts: This Enchanted Island (Teacup Magic 6)

„This Enchanted Island“ ist der sechste Teil der Teacup-Magic-Reihe, und während sich theoretisch jeder Band einzeln lesen lässt, würde ich doch empfehlen, die Veröffentlichungsreihenfolge einzuhalten, um keine Spoiler für weitere Handlungsentwicklungen zu bekommen. Die erste Hälfte dieser Geschichte spielt auf der Caliban, einem Schiff, das von Freibeutern der Königin gesteuert wird, und auf dem Metis Seabourne Zuflucht findet. Die Besatzung besteht aus einem Haufen sehr individueller Personen, und es hat mir viel Spaß gemacht, Metis Abenteuern mit den unterschiedlichen Charakteren auf der Caliban zu folgen. Richtig amüsant wurde es dann aber, als sie alle miteinander auf einer verzauberten Insel landeten und sich die Handlung in eine Richtung entwickelte, die eine sehr deutliche „Alice im Wunderland“-Atmosphäre mit ein paar Sprenkeln von Shakespeares „Sommernachtstraum“ aufkommen ließ. Ich mag die Teacup-Magic-Geschichten wirklich gern und habe das Gefühl, dass Tansy Rayner Roberts sich mit jedem Band noch einmal steigert. 🙂

Cathy Yardley: Role Playing

Ich weiß nicht mehr, wer auf Bluesky „Role Playing“von Cathy Yardley erwähnt hatte, aber ich hatte den Eindruck gewonnen, dass es sich dabei um eine amüsante Liebesgeschichte mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation handelte, und das schien mir passend für meine Laune Anfang September. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der 48jährigen Maggie und des 50jährigen Aiden erzählt, die sich über ein Online-RPG angefreundet haben. Allerdings denkt Maggie, dass Aiden ein Collegestudent um die 20 ist, während er glaubt, dass sie eine um die 80 Jahre alte Rentnerin ist (und ich muss Cathy Yardley hoch anrechnen, dass sie diese Idee glaubwürdig rüberbringt!). Als die beiden dann herausfinden, wie sehr sie sich in ihrer Einschätzung geirrt haben, wird es wirklich lustig – auch weil parallel von ihrem Umfeld die ganze Zeit Bemühungen laufen, die beiden (mit anderen Personen!) zu verkuppeln. Was mich zu dem Teil der Geschichte bringt, der weniger amüsant und leicht ist, sondern sich ernsthaft damit beschäftigt, wie sehr die Erwartungen von Familie und Freundeskreis – selbst wenn es gut gemeint ist – eine Person verletzten können.

Ich mochte es zu verfolgen, wie die Freundschaft zwischen Maggie und Aiden dazu führt, dass beide sich selbst etwas besser kennenlernen, mehr über die eigenen Bedürfnisse herausfinden und im Anschluss dann eben auch in der Lage waren, darüber nachzudenken, was für eine Beziehung sie eigentlich führen wollen. Mir gefiel es sehr, dass die beiden Charaktere definitiv erwachsene Personen mit einer Vergangenheit, die sie geprägt hat, waren und dass das dazu führte, dass sich nur sehr langsam aus einer überraschenden Freundschaft mehr entwickelte. Ich fand beide Charaktere wirklich sympathisch – Aiden, der eine gutmütige und aufmerksame Person ist, ebenso wie Maggie, die sich immer wieder auf einer Gratwanderung zwischen grumpiger Einsiedlerin und „in dieser Situation muss ich meinem Sohn zuliebe höflich sein“ wiedergefunden hat. Insgesamt war „Role Playing“ sehr lustig und voller wunderbarer Szenen mit den beiden Hauptfiguren. Außerdem habe ich beim Lesen immer wieder innegehalten, um über bestimmte Aspekte in der Geschichte nachzudenken, und mehr kann ich von einem Liebesroman wirklich nicht erwarten.

Lese-Eindrücke August 2024

Im August gab es deutlich weniger kühle Tage als im Juli, weshalb ich mich vor allem an eBooks gehalten habe. Dummerweise hat dabei mein „ich lese ungelesene Bücher vom eReader“-Vorhaben dazu geführt, dass ich eine Autorin für mich neu entdeckt habe und deshalb unbedingt ein paar neue Bücher kaufen musste, aber dazu schreibe ich in einem anderen Beitrag noch mehr … 😉

Zoe Chant: Lion on Loan (Shamrock Safari Shifters 1)

In der Regel finde ich die Gestaltwandler-Liebesgeschichten von Zoe Chant (zumindest, wenn sich hinter dem Pseudonym C.E. Murphy verbirgt) nett und lustig, weshalb ich natürlich auch ihre neue Reihe ausprobiert habe. Diese Reihe dreht sich um einen Zoo in Irland, in dem Gestaltwandler in ihrer tierischen Gestalt Urlaub machen und so dafür sorgen, dass es immer wieder besondere Tiere gibt, die Besucher anlocken. Aber so nett und amüsant diese (kurze) Geschichte rund um eine Zooangestellte und einen Löwen-Gestaltwandler war: Ich wünschte, die Autorin würde nicht immer auf InstaLove setzen und ihre Handlung mal auf mehr als zwei Tage verteilen. Ich trauere ein bisschen dem allerersten Roman, den sie in diesem Genre geschrieben hat, hinterher, in dem sich die beiden Protagonisten über Monate hinweg kennenlernten, bevor sie eine gemeinsame Zukunft ins Auge fassten. Aber der hatte ja auch mehr als 150 Seiten … Keine Ahnung, ob ich einen weiteren Band über die Shamrock-Safari-Shifters lesen werde.

G Clatworthy: Bedsocks and Broomsticks (Omensford 1)

Ich muss gestehen, dass „Bedsocks and Broomsticks“ nicht gerade einen anhaltenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Die Geschichte dreht sich um Fi – eine Hexe, deren ungewöhnliche Magie sich rund um Elektrizität dreht und die als IT-Spezialistin arbeitet. Nachdem Fi zum xten Mal ihren Arbeitslaptop zerstört hat, wird ihr gekündigt, was dazu führt, dass ihre Mutter sie für die Organisation eines lokalen Festivals einspannt. Als bei diesem Festival dann eine ältere Hexe ermordet wird und Fi eine Verbindung mit dem Wyrm-Familiar der Verstorbenen eingeht, fühlt sie sich dazu berufen, das Verbrechen aufzuklären. Alles in allem war das ganz nett für vollkommen übermüdete Lesephasen, in denen ich einfach nur ein bisschen Unterhaltung haben wollte. Aber es war nicht interessant genug, um weitere Bände der Autorin in Betracht zu ziehen. Immerhin möchte ich positiv anmerken, dass das mal ein aktueller (fantastischer) Cozy Mystery war, der ganz ohne künstlich aufgepfropfte Liebesgeschichte auskam!

Emily J. Edwards: Viviana Valentine Gets Her Man (A Girl Friday Mystery 1)

Die Viviana-Valentine-Romane sind ein typischer Fall von „mehrere Leute in meiner englischsprachigen Timeline sind davon begeistert, weshalb ich jeden Titel, der günstig (also unter 3 Euro) zu haben war, gekauft habe“. Ich würde mir die Bücher nicht für den aktuellen eBook-Preis (13 bis 16 Euro!) kaufen, aber nach dem Lesen von „Viviana Valentine Gets Her Man“ werde ich die Reihe im Auge behalten. Ich mochte die Protagonistin Viviana, die als Sekretärin für einen Privatdetektiv im New York der 1950er Jahre arbeitete. Als ihr Chef spurlos verschwindet, während zeitgleich eine Leiche in seinem Büro gefunden wird, sieht sich Viviana gezwungen, selbst die Ermittlungen aufzunehmen, was zu einer – für mich angenehm lesbaren – Mischung aus Überforderung und Anwendung von von ihrem Chef erlernten Wissen führt.

Außerdem stehen Viviana ihre Mitbewohnerinnen zur Seite, so dass sie über ein überraschend großes Angebot an unterschiedlichen Ressourcen verfügt, was dafür sorgt, dass sie für die verschiedensten Situationen besser gewappnet ist, als sie es auf sich allein gestellt wäre. Mir gefielen auch all die atmosphärischen Szenen, die mich an diverse sw-Filme aus dieser Zeit erinnerten. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den 50er-Jahre-Slang, den Viviana verwendet, anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig fand, und bis die Geschichte nach der ersten Hälfte deutlich an Fahrt aufnahm, hatte ich auch kein Problem, das Buch für ein paar Tage aus der Hand zu legen. Aber nachdem Viviana nun ihren ersten Fall gelöst hat, bin ich gespannt, wie es mit ihr und der Detektivarbeit weitergeht, und freue mich darüber, dass ich noch zwei weitere Bände in meinem Besitz habe.

Mina V. Esguerra: First Time for Everything (Café Titas 1)

Eine 140-Seiten-Liebesgeschichte zwischen einer Frau um die Vierzig, die zum ersten Mal in ihrem Leben Sex haben will, und ihrem Jugendfreund, der sich bereit erklärt, ihr dafür zur Verfügung zu stehen. Ich fand es nett, mal von einer selbstbewussten erwachsenen Frau zu lesen, die zum ersten Mal mit einem Mann schläft und kein Problem mit ihrer Unerfahrenheit hat. Es ist erschreckend, wie froh es mich macht, wenn ich in Liebesromanen Figuren vorfinde, die vernünftig miteinander kommunizieren, so wie es hier der Fall war. Außerdem war es angenehm zu verfolgen, wie aufmerksam und respektvoll die beiden Charaktere miteinander umgehen, wie wichtig es ihnen ist, dass es ihrem Gegenüber gut geht, und wie sie auch außerhalb des Schlafzimmers gemeinsame Interessen fanden. Das war eine erfrischend andere und überraschend süße Liebesgeschichte, die ich wirklich nett fand.

Satoshi Yagisawa: Days at the Morisaki Bookshop

„Days at the Morisaki Bookshop“ hatte ich irgendwann im Frühling im Angebot als eBook gekauft, weil es regelmäßig in einem Atemzug mit anderen (asiatischen) cozy Romanen erwähnt wird. Leider muss ich zugeben, dass mir diese Geschichte rund um eine depressive junge Frau, der durch eine Auszeit in der Buchhandlung ihres Onkels ein Neustart im Leben gelingt, nicht so ansprechend fand. Theoretisch gibt es ein paar nette Elemente in dem Roman, die aber bei mir keinerlei Emotionen auslösten, da mir die Erzählweise von Satoshi Yagisawa einfach nicht lag. Das könnte vielleicht an der Übersetzung von Eric Ozawa gelegen haben, aber das bezweifle ich, da ich bei anderen aus dem Japanischen ins Englische übersetzen Titeln dieses Problem nicht habe. Außerdem fand ich die Handlung so schrecklich vorhersehbar, dass ich am Ende regelrecht froh war, als ich das (gerade mal 170 Seiten umfassende) Buch endlich beendet hatte.

Sarah Beth Durst: The Spellshop (Hörbuch)

„The Spellshop“ von Sarah Beth Durst habe ich als Hörbuch gehört (sehr schöne Unterhaltung, wenn ich abends im Dunkeln mit der Switch gespielt habe). Gelesen wird die Geschichte von Caitlin Davies, die ihre Arbeit wirklich gut gemacht hat. Ich habe ihr auf jeden Fall gern zu gehört. Die Handlung dreht sich um die Bibliothekarin Kiela, die gemeinsam mit ihrem Assistenten Caz (einer Grünlilie mit sehr viel Charakter, die durch einen magischen Unfall entstanden ist) fliehen muss, als Revolutionäre die Bibliothek in Brand setzen. Auf der kleinen Insel, auf der Kiela geboren wurde, suchen die beiden Zuflucht – voller Angst, dass jemand all die Zauberbücher, die sie in Sicherheit gebracht haben, entdecken könnte.

Die Geschichte ist wirklich niedlich und voller hübscher Elemente, und ich mochte grundsätzlich die Welt, die Sarah Beth Durst für ihren Roman entworfen hat. Ich hatte allerdings ein wirklich großes Problem damit, dass die Handlung in so kurzer Zeit spielt. Gefühlt gelingt es Kiela, das jahrelang ungenutze Cottage ihrer Familie innerhalb von zwei Tagen sauber und bewohnbar zu machen. Binnen einer Woche bringt sie nicht nur den vernachlässigten Garten in Ordnung, sondern eröffnet parallel auch noch einen Shop für Marmelade und freundet sich sich mit einer Handvoll Leute so gut an, dass diese bereit sind, für Kiela große Risiken einzugehen. Ein paar Ereignisse weniger und dafür etwas mehr gemütliches Ankommen auf der Insel hätte mir deutlich besser gefallen. (Und wieso hat Kiela an so gut wie keine Person aus ihrer Kindheit Erinnerungen, wenn ich von ihren Eltern absehe? Das ist absurd – gerade auf einer kleinen Insel, wo selbst ein Kind die meisten Personen kennen sollte …)

Lese-Eindrücke April 2024

Eigentlich dachte ich, dass sich dieser Beitrag gar nicht lohnen würde, weil ich für die meisten Titel, die ich im April gelesen habe, eigentlich noch Rezensionen schreiben möchte. Und dann ging mir durch den Kopf, dass ich hier zumindest die Reihenfortsetzungen erwähnen könnte … 😉

Skyla Dawn Cameron: Alone at Night (Waverly Jones 3)

„Alone at Night“ ist der dritte Teil rund um die Privatdetektivin Waverly Jones von Skyla Dawn Cameron, und ich kann nach dem Lesen dieses Bands nur sagen, dass ich die Reihe wirklich liebe. Die wichtigsten Punkte hatte ich eigentlich schon in der Rezension zu dem Waverly-Jones-Auftaktband angesprochen, aber ich möchte hier noch einmal betonen, wie sehr ich es mag, dass sich die Autorin in dieser Reihe vor allem mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkungen ein Verbrechen auf die Opfer bzw. ihre Hinterbliebenen und ihre Umgebung hat. Es gibt einen Handlungsfaden, der sich durch alle Bände der Reihe zieht, aber auch für jeden einzelnen Band einen „aktuelleren“ Fall, der eine neue Facette des Grundthemas beleuchtet. Skyla Dawn Cameron hat mit den Waverly-Jones-Büchern eine ungewöhnliche Thriller-/Mystery-Reihe geschaffen, bei der die (für mich) überraschenden Wendungen weniger bei der Enthüllung der Täter als bei den (Re-)Aktionen der Figuren zu finden sind.

Morgan Stang: Murder at Spindle Manor (The Lamplight Murder Mysteries 1)

Dieses Buch hat mich ein bisschen sprachlos gemacht, und am Ende hat mich vor allem die Frage beschäftigt, was ich da eigentlich gerade gelesen habe. Grundsätzlich finde ich die – edwardianisch/viktorianisch angehauchte – Fantasy-Welt, die Morgan Stang für seinen Krimi geschaffen hat, wirklich faszinierend. Ich mochte die Figuren, auch wenn sie so viel Tiefe hatten wie ein Abziehbild, und mir gefiel die Grundidee für diesen Mord in geschlossener Gesellschafft/Mord in verschlossenem Raum. Aber trotz all der theoretisch (!) lustigen Elemente und einem Umfang von knapp 250 Seiten zogen sich die Ermittlungen endlos hin und immer wieder wurden Dinge wiederholt, die auf der Hand lagen. Am Ende fühlte es sich an, als ob ich in einer „Eine Leiche zum Dessert“-Dauerschleife gefangen wäre – und so unterhaltsam ich den Film finde, ich möchte dann doch nicht mehrere Stunden am Stück damit verbringen!

Mara Webb: Better Off Bread (Compass Cove 3)

Nachdem ich den ersten Teil („Cakes to Die For“) von Mara Webbs Compass-Cove-Reihe sehr nett fand und mich über den zweiten Band („A Brunch With Death“) ziemlich geärgert hatte, hat es mir doch keine rechte Ruhe gelassen und ich habe im April doch noch den dritten Roman aus der Reihe gelesen. Immerhin kann ich so nun sagen, dass die Geschichte, die sich um die Ermordung des Jurors eines Brotback-Wettbewerbs dreht, für mich wieder so unterhaltsam war wie der erste Band. Dieses Mal hat die Autorin sich mehr auf weitere fantastische Elemente in Compass Cove konzentriert, der „romantische“ Teil der Handlung war so gut wie nicht vorhanden (yeah!) und die Protagonistin hat ein neues magisches Haustier, das ich wirklich nett fand. Wenn die Serie so bleibt, dann habe ich noch ein paar nette Bücher „für zwischendurch“ vor mir.