Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Diane Zahler: Baker’s Magic

Von Diane Zahler habe ich schon mehrere Märchenadaptionen gelesen und immer sehr gemocht. „Baker’s Magic“ hingegen basiert nicht auf einem schon bekannten Märchen, sondern ist eine eigenständige fantastische Geschichte, die in dem Land Aradyn spielt, das ein wenig an die Niederlande erinnert. Protagonistin in diesem Roman ist Bee (Beatrix), die eine Waise ist und vor einiger Zeit von ihrer Pflegefamilie weglief. Zu Beginn der Geschichte erreicht sie Zeewal, die Hauptstadt des Landes, und weil sie so unglaublich hungrig ist, stiehlt sie bei einem Bäcker ein Brötchen – und wird prompt dabei erwischt. Doch statt Bee für den Diebstahl zur Rechenschaft zu ziehen, nimmt der gutmütige Bäcker Master Bout sie als Auszubildende auf. Dabei stellt sich heraus, dass Bee nicht nur ein Händchen fürs Backen hat, sondern auch über Magie verfügt, die dafür sorgt, dass ihre Gefühle beim Fertigen der Backwaren in das Gebäck fließen und von denjenigen gespürt werden, die die Backwaren essen.

Im Laufe der Zeit erfährt Bee nicht nur mehr über die Geschichte des Landes Aradyn, sondern lernt auch die Prinzessin Anika und den Hofmagier Master Joris kennen. Für den Leser steht schnell fest, dass im Land etwas nicht in Ordnung ist. Es gibt keinen einzigen Baum, und Früchte wie Äpfel oder ähnliches kennen die Bewohner nur aus alten Sagen oder uralten Koch- und Backbüchern. Immer wieder wird das flache Land von heftigen Winden gebeutelt und vom Meer, das sich Jahr für Jahr mehr Landmasse einverleibt. Und schon früh beschleicht den Leser der Verdacht, dass der hochgeprisene Magier Joris gar nicht so gut für das Königreich ist und dass es in Bees Händen liegen wird, ob dieser Mann weiterhin über das Schicksal von Aradyn entscheidet. Doch bevor es so weit ist, muss Bee gemeinsam mit ihrem neuen Freund Will und Prinzessin Anika einige Herausforderungen bestehen, die sie auf ein Piratenschiff, zu einer Zuflucht für alternde Magier und auf eine schwimmende Insel bringen.

„Baker’s Magic“ war wirklich eine hübsche Geschichte, voller Elemente und Figuren, die mich normalerweise ansprechen. Der gutmütige Bäcker Bout, der sympathische Schmiedelehrling Will, die dickköpfige Bee und die realitätsferne, aber liebenswürdige Prinzessin Anika waren wirklich sympathisch angelegt. Das Land Aradyn mit all seinen Tulpen, seinen freundlichen Bewohnern und den übers Land peitschenden Winden bot einen atmosphärischen Hintergrund für die Handlung, und der egozentrische Magier Joris bildete einen angemessenen Bösewicht für ein fantastisches Kinderbuch. Auch mochte ich die eine oder andere ungewöhnliche Lösung für ein Problem, die sich aus Bees besonderen Fähigkeiten entwickelte. Trotzdem hatte ich kein Problem, das Buch einfach aus der Hand zu legen und für drei Wochen pausieren zu lassen, obwohl ich mitten im Satz das Lesen unterbrochen hatte, während Master Bout Bee gerade erzählte, wie der Magier vor vielen, vielen Jahren angeblich alle Bäume auf einmal weggezaubert hat. (Falls sich jemand fragt, warum der Magier das tun sollte: Natürlich brauchte er den Platz, um Tulpen zu züchten, die als Exportprodukte sehr viel Geld ins Land bringen.)

Irgendwie fehlte mir bei „Baker’s Magic“ der Funke, der dafür sorgt, dass ich mich in einer Welt verlieren kann, dass ich mit den Figuren mitfiebern, den Bösewicht hassen oder zumindest verachten kann und dass ich die Geschichte nicht mehr aus der Hand legen will. Diesen Abstand zu den Figuren habe ich zum Teil auch schon bei anderen Romanen von Diane Zahler gespürt, aber da hat er mich nicht gestört, da ich das 1. stimmig für ein Märchen empfinde, mich 2. die indiviuellen Elemente, die die Autorin in die vertrauten Märchen gebracht hat, faszinierten, und 3. die Bücher auch deutlich dünner waren, so dass die Handlung wesentlich komprimierter erzählt wurde. Dabei war „Baker’s Magic“ wirklich nicht schlecht, ich mochte so viele Ideen in diesem Buch, und gerade auf dem Piratenschiff gab es wunderbare Momente. Aber egal, ob den Figuren etwas Gutes oder etwas Böses widerfuhr, als Leser wurde ich immer auf Abstand gehalten. Die wirklich dramatischen Elemente der Handlung lagen alle in der Vergangenheit, diejenigen Entwicklungen, die berührend hätten sein können, hat man entweder aus der Perspektive einer dritten Person (also Bee, die das Ganze beobachtet) verfolgt, oder es wurde von Diana Zahler mal eben über die Passagen hinweggehuscht.

Lustigerweise habe ich bei „Baker’s Magic“ einige Ähnlichkeiten zu meinen Lieblingsbüchern von Diana Wynne Jones, Patricia Wrede und Stephanie Burgis gefunden, was aber vor allem dazu geführt hat, dass ich mich fragte, was eine dieser Autorinnen wohl aus der Idee gemacht hätte – auf jeden Fall hätten sie es geschafft, all diese hübschen kleinen, gemütlichen und alltäglichen Szenen mit einer Prise mehr Atmosphäre und deutlich mehr Humor zu erzählen, während ich bei den traurigen Dingen mit den Figuren mitgelitten hätte. Was dann wieder dafür gesorgt hätte, dass ich „Baker’s Magic“ mit einem befriedigteren Gefühl aus der Hand gelegt hätte. So hingegen habe ich eine ganz nette Geschichte gelesen, die aber wohl nicht lange bei mir hängenbleiben wird, obwohl sie theoretisch über all das verfügte, was ich normalerweise so an fantastischen Kinderbüchern mag.

Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back

Über „Moxie – Moxie Girls Fight Back“ von Jennifer Mathieu war ich irgendwann im vergangenen Jahr gestolpert und fand den Klappentext (und das Cover der HC-Ausgabe) sehr ansprechend, aber da ich nur selten in der Stimmung für „High School“-Geschichten – selbst wenn sie ungewöhnlich sein sollen – bin, hat es eine Weile gedauert, bis ich den Roman aus dem SuB befreit hatte. Die Protaginistin in diesem Roman ist die 16jährige Vivian (Viv) Carter, die auf eine angeblich ganz normale texanische Kleinstadt-High-School geht. Für sie ist es Alltag, dass das Football-Team von allen Seiten gesponsert wird, während die Schulbücher veraltet sind, in den naturwissenschaftlichen Fächern wichtige Materialien fehlen und andere („mädchenhaftere“) Sportarten selbst sehen müssen, wie sie an neue Trikots oder Ausstattung kommen. Ebenso selbstverständlich ist es für sie, dass die Jungs vom Football-Team sich alles erlauben dürfen (inklusive dem Tragen von sexistischen Sprüchen auf ihren T-Shirts und „bump’n’grabs“-Aktionen). Die Mädchen müssen sich regelmäßigen und ziemlich willkürlichen Kleiderkontrollen unterziehen lassen, damit dafür Sorge getragen wird, dass sie nicht zu viel Haut zeigen oder gar zu enge Kleidung tragen und so die Jungen vom Unterricht „ablenken“ oder gar in Versuchung führen.

Für Vivian ist dies alles Alltag, und so ist es kein Wunder, dass sie in der Schule alles dafür tut, um nicht aufzufallen. Sie gehört zu einer Gruppe von „netten“ Mädchen, die sie seit ihrer Kindergarten- oder Grundschulzeit kennt und sie nimmt alle Termine (inklusive der verhassten Freitagabend-Spiele des High-School-Football-Teams) wahr, die in ihrer Kleinstadt zum Alltag gehören. Aber sie hegt auch eine heimliche Schwäche für die Punkbands, die ihre Mutter Lisa während ihrer Riot-Grrrl-Zeit gehört hat. Als sie sich eines Abends besonders über den sexistischen Alltag an ihrer Schule aufregt, nimmt sie die „Erinnerungsbox“ ihrer Mutter als Inspirationsquelle, um ein Zine (eigentlich ist es kaum mehr als ein Flyer) mit dem Titel „Moxie“ zu fabrizieren, das gegen die ungerechte Behandlung der Schülerinnen und das Benehmen der Mitglieder des Foodball-Teams wettert. Langsam nimmt von diesem Moment an eine Entwicklung ihren Lauf, die dazu führt, dass Vivian gemeinsam mit Gleichgesinnten gegen den Sexismus an ihrer Schule angeht.

Dabei finde ich es stimmig, dass Vivian erst einmal Impulse von außen benötigt, um nach und nach ihre eigene Stimme zu finden. Obwohl sie von klein auf mit der Vergangenheit ihrer Mutter aufgewachsen ist, hat sie sich selbst nie mit dem Thema Feminismus beschäftigt. Erst als Viv die verstörte Reaktion ihrer neuen Mitschülerin Lucy auf die an der Schule üblichen Regeln wahrnimmt, gelingt es ihr zum ersten Mal – wenn auch anonym -, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Und als es erste positive Reaktionen von ein paar Schülerinnen auf „Moxie“ gibt, weiß Vivian anfangs nichts damit anzufangen. Sie hat nur dieses vage Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann, sie entwickelt sich aber nicht von einem Moment auf den anderen zur selbstbewussten Revolutionärin. Doch je mehr sie über die Umstände an ihrer Schule nachdenkt, desto wütender wird sie, und je mehr sie über diese Dinge redet, desto mehr stellt sie fest, dass sie nicht die einzige Schülerin ist, die voller Wut und Unsicherheit und Frustration ist und das Bedürfnis hat, etwas zu verändern.

Ich mochte es sehr, wie in „Moxie“ aus ein paar voller Frustration und Wut geschriebenen Kopien einer einzigen Person langsam eine Bewegung entsteht, wie immer mehr Schülerinnen sich – über die früher herrschenden ungeschriebenen Grenzen hinweg – zusammenfinden, um zu protestieren, um einander zu unterstützen und um endlich einmal gehört zu werden. Weniger schön, aber dafür vermutlich umso realistischer fand ich, dass einer der wenigen Jungen auf der Schule, die grundsätzlich auf der Seite der „Moxie“-Girls stehen, immer wieder mit dem Argument kommt, dass nicht alle Jungs wie die Football-Spieler sind. Ich glaube, dieser Teil wäre für mich einfacher zu lesen gewesen, wenn es mehr sympathische männliche Nebenfiguren gegeben hätte, deren Meinung man mitbekommt. So hat Jennifer Mathieu einen einzigen sympathischen Schüler geschaffen, den man als Leser überhaupt per Namen kennt, nur um ihm dann all die fadenscheinigen und schädlichen Argumente unterzuschieben, die von eigentlich „aufmerksamen“ Männern verwendet werden, die trotz aller Beweise und Gespräche nicht glauben können, dass das Leben für Frauen in einer männerdominierten Welt so herausfordernd ist.

Im Gegenzug dazu fand ich die Beschreibungen der Protagonistin und ihrer Freundinnen und Mitschülerinnen durchgehend gelungen, und ich habe die Vielfalt dieser Mädchen genossen. Viv entwickelt sich spürbar weiter innerhalb dieses Romans, ohne dabei ein vollkommen anderer Mensch zu werden, und genauso ist es mit ihrer Beziehung zu ihren Freundinnen. Ich fand es stimmig, wie Jennifer Mathieu die vielen verschiedenen Meinungen der Schülerinnen darstellt, von „ja, das ist schlimm, aber es war schon immer so“ bis „ich hatte da eine Idee und habe was auf die Beine gestellt“. Sie verschweigt nicht, dass für einige Frauen das Wort „Feminismus“ so mit Vorurteilen behaftet ist, dass sie damit nichts zu tun haben wollen, sie zeigt auf, dass es Mut kostet, sichtbar zu sein, aber auch, dass es viel einfacher ist, etwas zu bewirken, wenn man zusammenhält und sich dem Gegenwind gemeinsam entgegenstellt. Dabei verpackt die Autorin all diese gewichtigen und erschreckend aktuellen Themen in einen unterhaltsamen und fluffig zu lesenden High-School-Roman inklusive einer süßen Liebesgeschichte – und vor allem sehr schönen Szenen rund um Freundschaft und Erwachsenwerden.

Cherie Priest: I Am Princess X

„I Am Princess X“ von Cherie Priest (mit Illustrationen von Kali Ciesemier) gehört zu den Büchern, um die ich lange herumschlich, um dann festzustellen, dass ich sie doch kaufen muss. Erst saß der Titel sehr, sehr lange auf der Wunschliste, und nun lag er bestimmt sechs Wochen auf dem SuB. Vor allem lag dies daran, dass ich die Inhaltsangabe wirklich spannend fand und Angst hatte, dass der Roman meinen Erwartungen nicht gerecht werden würde. Außerdem hat es mir Spaß gemacht, mir Gedanken um die Auflösung der Geschichte zu machen (und das, bevor ich überhaupt Details der Handlung kannte *g*). „I Am Princess X“ dreht sich um May und Libby, die in der fünften Klasse Freundinnen werden, als sie gemeinsam Zeit vertrödeln müssen, weil sie nicht am Sportunterricht teilnehmen können.

Schon bei ihrer ersten Begegnung denken sie sich zusammen eine Heldin namens Princess X aus, die in einem Geisterhaus wohnt und ein Katana schwingt. In den folgenden Jahren sind May und Libby unzertrennlich und ihre gemeinsam geschaffenen Geschichten (mit Libby als Zeichnerin und May als Autorin) rund um Princess X nehmen einen ganzen Wandschrank in Libbys Schlafzimmer ein. Doch dann sterben Libby und ihre Mutter bei einem tragischen Unglück und ihr Vater verlässt von einem Tag auf den anderen Seattle. Wenig später muss May entdecken, dass ihr nach Libbys Tod nicht mal Princess X geblieben ist, da Libbys Vater alle Erinnerungen an seine Familie hat entsorgen lassen. Drei Jahre später stolpert May auf einmal überall in Seattle über Bilder von Princess X und auch in dem dazugehörigen Online-Comic gibt es Verweise auf Libbys Sturz von der Brücke und Andeutungen, dass Libby vielleicht noch am Leben sein könnte.

So ganz sicher war ich mir anfangs nicht, ob „I Am Princess X“ ein Jugendbuch über eine intensive Freundschaft ist oder gar ein Kriminalroman – am Ende kann ich sagen, dass beides der Fall ist. May verfolgt die in dem Comic versteckten Hinweise mit einer Starrköpfigkeit, die schon fast an Besessenheit grenzt – schließlich hat sie all die Jahre davon geträumt, dass Libby noch am Leben sein möge. Außerdem steht für sie fest, dass all diese Hinweise ganz eindeutig an sie gerichtet sind, weil sie sich auf Dinge beziehen, die die beiden Mädchen in der Vergangenheit gemeinsam erlebt haben. Gemeinsam mit dem Hacker „Trick“ (Patrick), den May kennenlernt, als sich ihr Laptop aufhängt, findet sie nicht nur mehr über die Hintergründe des Online-Comics heraus, sondern auch Details zu den Hinweisen, die der Öffentlichkeit sonst nicht zur Verfügung stehen.

Etwas schwierig fand ich dabei, dass May, obwohl sie eigentlich ein relativ normales und vertrauenswürdiges Mädchen ist (wenn man nach dem Verhalten ihres Vaters geht), sehr schnell bereit ist, Gesetze zu brechen, um an Informationen zu kommen. Es gibt Stellen in der Geschichte, wo ich erwartet hätte, dass sie erst einmal legale Möglichkeiten suchen würde, um an Daten zu kommen, statt gleich über Einbruchswerkzeug und Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Gebäuden nachzudenken.Trotzdem fühlt sich die Handlung überraschend realistisch an, weil es May und Trick – trotz all der Hilfe, die sie durch „Princess X“ und ihren Verbündeten bekommen – Arbeit und eine Menge Fußwege kostet, um hinter die Geheimnisse des Comics zu kommen. Außerdem ist Trick zwar als Hacker gut genug, um (il)legal Informationen zu beschaffen, aber nicht so gut, dass er dies spurenlos auf die Reihe kriegt. So ziehen die beiden schnell Aufmerksamkeit auf sich, die ihr Leben in Gefahr bringt.

Mir hat „I Am Princess X“ sehr viel Spaß gemacht, obwohl mir einige Elemente schon fast zu schnell gelöst wurden, aber diese Schnelligkeit sorgte auch für durchgehend anhaltende Spannung. Ich mochte die innige Freundschaft zwischen May und Libby, mir gefielen die Geschichten, die sie sich zusammen ausgedacht haben ebenso wie die kleinen Anekdoten am Anfang rund um ihre gemeinsame Zeit. Besonders schön ist es, dass Seiten des Web-Comics im Roman zu sehen sind, auf denen man als Leser gemeinsam mit May nach Hinweisen Ausschau halten kann. Ebenso hat es mir gefallen, dass die Protagonisten relativ normale Charaktere mit Stärken und Schwächen sind, wobei sie – auch wenn sie die eine oder andere falsche Entscheidung treffen – so sympathisch sind, dass ich gern meine Zeit mit ihnen verbracht habe. Selbst die Hintergründe rund um den Unfall, den Libby hatte, erscheinen beim Lesen erstaunlich stimmig – auch wenn ich in Nachhinein den einen oder anderen Aspekt in Frage gestellt habe. Insgesamt hat mir „I Am Princess X“ einen spannenden Nachmittag beschert (und nun überlege ich, ob ich die Augen nach den Titeln der Autorin für Erwachsene aufhalte).

Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigates 1 – Black Cats and Butlers

„Black Cats und Butlers“ von Janine Beacham war eine ziemlich spontane Anschaffung, weil mir erst das hübsche Cover ins Auge fiel und mich dann der Klappentext so ansprach – und nun werde ich mir wohl die beiden bislang veröffentlichen Fortsetzungen auch noch kaufen müssen. 😉 Protagonistin der Geschichte ist Lady Rose Raventhorpe, die zu Beginn des Romans gerade ihren zwölften Geburtstag feiert. Während des Frühstücks liest sie davon, dass in den vergangenen Tagen zwei Butler ermordet wurden. Was dazu führt, dass sie sich nicht nur darüber aufregt, dass niemand den Tod der beiden Dienstboten bislang für erwähnenswert gehalten hätte, sondern auch große Angst um ihren eigenen Butler Argyle bekommt. Argyle ist Rose’s engste Bezugsperson und derjenige, der sie seit ihrer Geburt erzogen hat, da ihr Vater in wichtige politische Geschäfte involviert ist, während ihre Mutter den ganzen Tag damit beschäftigt ist, schön zu sein. Noch bevor der Tag zu Ende geht, wird auch Argyle ermordet, und Rose beschließt, alles dafür zu tun, um den Mörder ihres Butlers zu stellen.

Trotz dieser traurigen Ausgangssituation ist „Black Cats and Butlers“ ein wundervolles Wohlfühlbuch, das ich gar nicht aus der Hand legen wollte, als ich es erst einmal angefangen hatte. Rose ist eine stimmige Protagonistin, die auch keine Hemmungen hat, den Namen ihrer Familie oder ihren Reichtum zu nutzen, wenn sie an Informationen gelangen will. Erst nach Argyles Tod entdeckt sie all die Geheimnisse, die ihr Butler hatte, und schämt sich sehr dafür, dass sie ihn ihr Leben lang als so selbstverständlich angesehen hat. Trotzdem drängt sie nicht diese Scham zu ihren Ermittlungen, sondern die feste Überzeugung, dass ein Mörder gefasst werden muss, dass es zu keinen weiteren Attentaten auf Butler kommen darf und dass eine Raventhorpe alles tun muss, um ihre Stadt zu retten. Denn nicht nur die Morde an den Butlern beunruhigen Rose, sondern auch das allmähliche Verschwinden der Katzenstatuen, die der Legende nach über die Stadt wachen sollen.

Ich mochte nicht nur Rose, sondern auch all die anderen Figuren in dieser Geschichte. Rose‘ (etwas ältere) Freundin Emily, ihr Kleidungsstil und ihre Begeisterung für alles, was unheimlich, düster und schwarz ist, ist großartig. Die ganzen Butler, die Rose während ihrer Ermittlungen kennenlernt – inklusive der dazugehörigen Geheimgesellschaft, die Duelle und die aufbrausenden Temperamente (selbstverständlich nie im Dienst!) – sind nicht nur wundervoll induviduelle Figuren, sondern auch eine großartige Idee. Ich werde nie wieder in Romanen oder Filmen einem Butler begegnen können, ohne mich zu fragen, wie gut er wohl mit dem Schwert ist. 😉 Überhaupt ist die Welt, die Janine Beacham da erschaffen hat, sehr atmosphärisch geworden. Ihre Stadt Yorke verfügt über eine wunderbar viktorianische Atmosphäre und es gibt sehr schöne Beschreibungen der verschiedenen Viertel und Geschäfte, der Katzenstatuen und all der anderen Dinge, die einem Ort Leben verleihen.

Die Prophezeiung rund um das Schicksal von Yorke, wenn die Katzen verschwinden und die Wächter versagen sollten, ist eigentlich das einzige „fantastische“ in der Geschichte. Aber sie zieht sich durch den gesamten Roman und ist ungemein wichtig für die (teilweise sehr düstere) Atmosphäre und dient als Vorausetzung für so viele Elemente. Als Ausgleich dazu gibt es sehr viele amüsante Szene – schließlich ist „Black Cats and Butlers“ immer noch ein Kinderbuch – rund um die verschiedenen Figuren und die Enthüllungen, die Rose während ihrer Ermittlungen macht. Ich mochte es sehr, wie Janine Beacham es geschafft hat, gleichzeitig dafür zu sorgen, dass ich mir Sorgen um Rose, mögliche weitere Opfer und die Stadt machte, während ich mich auf der anderen Seite wunderbar amüsierte und das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte, weil ich mich damit so wohlfühlte und ich wissen wollte, was als Nächstes passiert. Sehr schön war es auch, dass ich – während ich sonst häufig bei „Kriminalromanen“ für Kinder die Auflösung schon lange vor Ende der Geschichte weiß – hier mehr als eine überraschende Wendung bezüglich der möglichen Täter und ihrer Motive erleben durfte. Ich freu mich sehr auf die zwei weiteren Romane mit Rose und den Butlern von Yorke und bin gespannt, wie viele Abenteuer diese ungewöhnliche Detektivin wohl noch erleben wird.

Vicki Grant: 36 Fragen an dich

Ich weiß nicht mehr, wo ich über „36 Fragen an dich“ von Vicki Grant gestolpert bin. Ich weiß aber noch, dass ich das Buch nach dem Lesen einer Rezension spontan in der Bibliothek vorgemerkt hatte, in der Hoffnung, dass mir da eine „nette“ Geschichte erzählt wird. Die Grundidee basiert auf einem Experiment mit dem Titel „The Experimental Generation of Interpersonal Closeness: A Procedure and Some Preliminary Findings“, das von Arthur Aron entwickelt wurde und davon ausgeht, dass es möglich ist, dass sich zwei Menschen sehr nahe zu kommen (bzw. sich verlieben), wenn diese zwei Menschen einander 36 vorgegebene Fragen so ehrlich wie möglich gegenseitig beantworten. Wer mehr dazu wissen will, kann gern einmal online nach dem Experiment suchen, da findet man in diversen Artikeln auch alle Fragen und Details zum Experimentaufbau aufgeführt.

In „36 Fragen an dich“ erzählt Vicki Grant nun die Geschichte zweier fiktiver Experimentteilnehmer, die von ihrer Art und Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnten. Hildy (eigentlicht Hilda, aber den Namen mag sie nicht) kommt aus einem Akademikerhaushalt, hat lauter musische Extrafächer belegt, wirft mit Fremdwörtern um sich und versucht, sich jederzeit korrekt zu verhalten. Paul hingegen hat die Schule vorzeitig abgebrochen, wirkt geldgierig (die Geldprämie ist der einzige Grund, warum er an der Studie teilnimmt) und abweisend und macht sich regelmäßig über Hildys Gedanken und Gefühle lustig. Aber natürlich hat jeder der beiden Probleme und deutlich mehr Tiefgang, als man auf den ersten Blick annehmen soll, und je besser sie sich kennenlernen, desto mehr mögen sie sich.

Ich hatte gar keine so großen Erwartungen an die Geschichte gesetzt, wollte nur eine nette und unterhaltsame Lektüre für einen viel zu heißen Nachmittag und dann habe ich mich beim Lesen ständig geärgert. Vicki Grant nimmt zwei klischeeüberfrachtete Achtzehnjährige, garniert Hildys Leben mit einem besten schwulen Freund und einer Freundin, deren einzige Charakterisierung darin besteht, dass sie 1. bei einem Cafébesuch nur ein halbes Croissant isst und 2. in einen Straßenmusiker verknallt ist, und mischt das Ganze noch mit zwei von Anfang an vorhersehbaren Dramen im Leben der Protagonisten. Für mich war die Geschichte zu absehbar, zu sehr künstlich gestreckt durch die 36 Fragen (das gegenseitige Kennenlernen habe ich in anderen Romanen schon deutlich glaubwürdiger und unterhaltsamer gelesen) und die Hälfte der Zeit hätte ich Hildy gern aus den unterschiedlichsten Gründen heraus geschüttelt.

Einer der Gründe ist, dass sie ständig Paul berichtigt, seine Rechtschreibung verbessert und darauf besteht, dass er nicht flucht, dass sie aber – trotz all ihrer „politisch korrekten“ Verhaltensweise – seine abweisende und verschlossene Art als „maskulin“ bezeichnet, während er auf einmal – laut ihrer Wortwahl – seine „feminine Seite“ zeigt, wenn er über Gefühle redet. Eine junge Frau, die sich mit allen möglichen Themen auseinandersetzt, die sich angeblich für diverse gute Zwecke einsetzt und die einen „schwulen besten Freund“ hat, sollte meiner Meinung nach schon mal darüber nachgedacht haben, dass dieses Schubladendenken von den „emotionalen Frauen“ und den „zurückhaltenden, introvertierten“ Männern gefährlicher und schädlicher ist als ein spontanes Schimpfwort. Aber Hildy wiederholt trotz ihres Beteuerns, wie wichtig ihr die Rolle der Frau und Feminismus sei, regelmäßig ihre ungute Wortwahl, und sie findet Pauls „maskuline Art“ total cool, obwohl sie doch sonst angeblich so ein aufmerksamer und nachdenklicher Mensch ist.

Paul selbst ist als Figur ganz in Ordnung (was auch daran liegt, dass man von ihm nur seine Dialoge mit Hildy mitbekommt) und ich mochte die kleinen Zeichnungen, die immer wieder im Buch zu finden waren, weil Paul bei Gesprächen nebenbei „kritzelt“, um seine Stimmung und seine Gedanken auszudrücken. Auch die letzten Kapitel waren eigentlich nett zu lesen inklusive des großen Missverständnisses und der daraus folgenden Bemühungen Hildys, alles wieder gutzumachen. Aber ich muss zugeben, dass ich an diesem Punkt schon so grummelig wegen der klischeeüberfrachteten Handlung und der Vorhersehbarkeit all der „überraschenden“ Wendungen und Enthüllungen war, dass ich mich darauf gar nicht mehr einlassen konnte. Mir ist bewusst, dass ich bei einem Jugendbuch nicht zur eigentlichen Zielgruppe gehöre, aber das ändert nichts daran, dass ich mir bei einer solchen Geschichte eine sympathische Erzählstimme, amüsante Dialoge oder zumindest die eine oder andere überraschende Wendung wünsche.

Joan Aiken: The Serial Garden – The Complete Armitage Family Stories

„The Serial Garden“ von Joan Aiken beinhaltet die vollständige Sammlung ihrer Geschichten rund um die Familie Armitage. Laut dem Vorwort ihrer Tochter Lizza entstanden die ersten Ideen zu den Abenteuern der Armitages, als Joan Aiken als Mädchen auf langen Spaziergängen ihren kleinen Bruder unterhalten wollte. Als Teenager hat sie dann die erste Geschichte („Yes, but Today is Tuesday“) an die BBC verkaufen können und sechzig Jahre später – nachdem sie schon viele weitere Episoden aus dem Leben der Familie Armitage erzählt hatte – hat Joan Aiken den Prolog und die letzten Geschichten rund um die Armitages geschrieben, um die Abenteuer der Familie abzurunden und die gesammelten Kurzgeschichten in einem Band mit dem Titel „The Serial Garden“ veröffentlichen zu können. Bevor ich diese Sammlung las, kannte ich nur eine der vielen Kurzgeschichten, und mir war nicht bewusst, dass sie zu einer ganzen Reihe von Anekdoten über diese Familie gehörte.

Ich muss zugeben, dass ich absolut hingerissen von diesen amüsanten und skurrilen Geschichten rund um die Familie Armitage bin und all die fantastischen und ungewöhnlichen Elemente liebe, die Joan Aiken da eingebaut hat. Das Ganze beginnt während der Flitterwochen von Mr. und Mrs. Armitage, als Mrs. Armitage darüber nachdenkt, wie das Leben wohl aussehen müsste, damit es wirklich zu einem „living happily ever after“ kommt. Als sie dann noch am Strand einen Wunschstein findet, wünscht sie sich ein Haus (mit mindestens einem Geist), zwei Kinder (inklusive Feen-Patentante) und ein Leben voller magischer Elemente – nur an Montagen, aber nicht an jedem Montag und nicht nur am Montag, weil es sonst zu vorhersehbar und damit wieder langweilig würde. Ich muss gestehen, dass der Prolog, in dem diese Ereignisse geschildert werden, schon deutlich macht, dass Mr. Armitage mit einem ganz normalen, unmagischen Leben mindestens ebenso zufrieden (vermutlich sogar zufriedener) gewesen wäre, aber irgendwie gehört es ja auch zu solchen Geschichten dazu, dass einer nicht so ganz glücklich über all die unvorhersehbaren und fantastischen Elemente im Leben ist.

In den folgenden Episoden gibt es Personen, die immer wieder auftauchen, wie bestimmte Nachbarn oder Angestellte, aber auch ein Haufen Charaktere, die nur für ein bestimmtes Ereignisse eingeführt werden. Da es Joan Aiken gelingt, jede vorkommende Figur mit ein paar Worten oder Dialogzeilen so klar zu charakterisieren, dass man sich sofort ein Bild von ihr machen kann, ist es überhaupt kein Problem, dass das Personal in den Geschichten so häufig wechselt. Angesichts all der Vorfälle, die im Umkreis der Familie Armitage passieren, ist es eher ein Wunder, dass es überhaupt Personen gibt, die all das über Jahre hinweg mitmachen und kein Problem damit haben, dass sie regelmäßig in Tiere verwandelt werden oder Zeuge aufsehenerregender magischer Vorfälle werden. Wobei die kleinen und fast alltäglichen Elemente in Joan Aikens Geschichten eigentlich überwiegen und das Lesen gerade deshalb so viel Spaß macht, weil die Autorin es schafft, dass man es als ganz selbstverständlich empfindet, dass die Nachbarin eine „Old Fairy Lady“ ist oder dass ein Einhorn im Garten grast.

Ich habe all die vielen kleinen und größeren Abenteuer, die sich in der Regel um die Kinder Mark und Harriet Armitage drehen, sehr genossen. Ich weiß nicht, ob ich selbst so gelassen damit umgehen würde, wenn auf einmal Einhörner meinen Garten überfluten, Furien in meinem Kohlenkeller überwintern wollen oder das Gebäck der Nachbarin dafür sorgt, dass das Schiff kentert, in dem ich mich gerade befinde, aber gerade die Tatsache, dass die Armitages so pragmatisch mit all diesen Vorfällen umgehen, sorgt immer wieder für wunderbare, amüsante und überraschende Wendungen in der Geschichte. Am Ende des Buchs war ich nicht nur sehr glücklich mit all den gelesenen Geschichten (obwohl nicht alle gleich großartig geschrieben sind, machen sie doch alle viel Spaß beim Lesen), sondern wünschte mir sogar, es gäbe ein bisschen mehr Alltagsmagie in meinem Leben. Vielleicht nicht gerade eine temperamentvolle Hexe alte Feendame als Nachbarin oder duellierende Druiden im Garten … aber ein höflicher Geist im Dachgeschoss klingt gut oder ein Einhorn zum Reiten – solche Elemente stelle ich mir schon sehr nett vor.

Joan G. Robinson: When Marnie Was There

Als ich im vergangenen Jahr am ersten „Herbstlesen“-Tag „Erinnerungen an Marnie“ geschaut hatte, hat mich Neyasha darauf aufmerksam gemacht, dass der Film auf einem britischen Kinderbuch mit dem Titel „When Marnie Was There“ basiert. Nach ihrer Rezension zu dem Roman hatte ich nur noch mehr Lust, den Titel zu lesen, aber als ich ihn dann im November zum Geburtstag bekam, hatte ich erst einmal andere Dinge im Kopf. Letzte Woche war es aber dann endlich soweit und ich bekam – wie ich es mir erhofft hatte – mit „When Marnie Was There“ eine wunderschöne, ruhige Geschichte über Freundschaft und Familie erzählt, die voller atmosphärischer Beschreibungen der Salzmarsch und des Lebens an der Küste steckte.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Anna erzählt, die (nicht nur) aus gesundheitlichen Gründen nach Norfolk geschickt wird, um dort eine Zeitlang in der Obhut von Mr. und Mrs. Pegg zu leben. Für Anna fühlt sich dieser Aufenthalt in Norfolk an, als ob sie von ihrer Pflegefamilie abgeschoben würde, weil diese sich nicht länger um sie kümmern will. Nachdem sie schon von ihrer Mutter und Großmutter verlassen wurde (die beide gestorben sind, als Anna noch klein war), ist sie sich sicher, dass sie nicht liebenswert genug ist, um jemandem wirklich am Herzen zu liegen. Um nicht immer wieder von Neuem Ablehnung zu erfahren, setzt Anna alles daran, um Distanz zu anderen Menschen zu wahren. So ist es auch nicht überraschend, dass sie sehr zufrieden damit ist, dass sie bei den Peggs den ganzen Tag allein am Strand und in der Salzmarsch herumstreifen und sich mit sich selbst beschäftigen kann.

Doch eines Tages sieht sie in einem alten Anwesen am Rand der Salzmarsch ein junges Mädchen am Fenster und wenig später freundet sich Anna mit diesem Mädchen an. Marnie ist fröhlich und aufgeschlossen und stört sich nicht daran, wenn Anna mal abweisend ist, weil sie sich von Marnie vernachlässigt fühlt. Erst im Laufe der Zeit lernt Anna, dass Marnies Leben nicht ganz so schön ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint – und genau das mag ich eigentlich an dieser Geschichte. Anna lernt in diesem langen Sommer an der Küste mehr über sich und über andere Menschen, sie lernt Freundschaften zu schließen und dass eigentlich jeder Mensch Phasen hat, in denen er für sich sein möchte oder sich ausgeschlossen fühlt und einsam ist. Ganz besonders habe ich bei dieser Geschichte das Ehepaar Pegg ins Herz geschlossen, denn obwohl sie Annas Verhalten nicht immer nachvollziehen können und gerade Mrs. Pegg sich manchmal wünscht, dass Anna sich den Nachbarn gegenüber „angemessener“ verhält, geben die beiden dem Mädchen Zeit und Raum, um es selbst zu sein.

Ich fand es auch schön, dass im Roman – im Gegensatz zum Film – den Erlebnissen, die Anna gegen Ende des Sommers hat, so viel mehr Platz eingeräumt wird. Diese Kapitel zeigen, wie sehr sich Anna im Laufe dieses Aufenthalts an der Küste verändert hat und wie gut ihr diese Zeit getan hat, dass sie aber trotz aller Veränderungen immer noch dieselbe Person geblieben ist (nur etwas glücklicher als vorher). Die Küste von Norfolk und die Salzmarsch bilden die perfekte Kulisse für diese Geschichte rund um die einsame Anna. Joan G. Robinson beschreibt die Gegend so liebevoll und detailliert, dass man beim Lesen richtige Sehnsucht nach diesem Ort bekommt. Ich habe es genossen, mit Anna zusammen den Tag über durch die Gegend zu streifen, tagzuträumen, während Möwen und Regenpfeifer über ihr am Himmel fliegen, mit ihr Sandburgen zu bauen und der aufziehenden Flut zuzuschauen. Im Vergleich zur Ghibli-Verfilmung mag ich die Handlung im Roman noch lieber. Obwohl der Anime viele Elemente der Geschichte im Detail aufnimmt, finde ich den Film kitschiger als das Buch und einige Aspekte (wie das Verhältnis zum Nachbarmädchen) sind im Original einfach stimmiger dargestellt als in der Verfilmung. Ganz bestimmt werde ich noch häufiger zu „When Marnie Was There“ greifen und die wunderbar ruhige und angenehm melancholische Erzählweise dieses Romans genießen.

Bonnie-Sue Hitchcock: Der Geruch von Häusern anderer Leute

„Der Geruch von Häusern anderer Leute“ von Bonnie-Sue Hitchcock ist mir in den vergangenen Monaten auf diversen Blogs untergekommen und irgendwann bin ich dann auch neugierig auf die Geschichte geworden. Die Handlung wird aus der Perspektive einiger Jugendlicher erzählt, die im Jahr 1970 in Fairbanks (Alaska) leben. Genau genommen leben Ruth, Dora, Alyce und ihre Freundinnen in Birch Park – und egal, ob man zu den Athabasken, den Inupiat oder zu den Weißen gehört, reich ist keiner der Einwohner dieses Stadtteils. Jedes der drei Mädchen hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, ebenso wie Hank, der mit seinen beiden Brüdern zwar nicht in Birch Park lebt, dessen Leben sich aber im Laufe des Jahres mit dem der anderen drei Erzählerinnen kreuzen wird.

„Ich wartete jahrelang auf Mamas Rückkehr und machte mir große Sorgen um Lily, weil ich fürchtete, sie würde nie erfahren, wie schön das Leben eigentlich war.“
(Ruth, Seite 15)

Ich mochte, dass Bonnie-Sue Hitchcock den verschiedenen Erzählern so unterschiedliche Stimmen verliehen hat, weniger sprachlich als von der Atmosphäre her, die ihre jeweiligen Passagen durchdrang. Man beginnt das Buch mit Ruth, die davon erzählt, wie glücklich ihre Kindheit war, als ihr Vater noch lebte, ihre Mutter regelmäßig das Haus mit Blumen schmückte und sie alle sich auf die Geburt ihrer kleinen Schwester Lily freuten. Doch dann kommt Ruths Vater bei einem Flugzeugunglück ums Leben und sie und ihre kleine Schwester landen bei ihrer Oma in Birch Park, wo das Leben deutlich freudloser ist. Bei ihrer Großmutter gilt es hingegen, stets bestimmte Regeln einzuhalten und sich nicht besonders hervorzutun. So ist es kein Wunder, dass Ruth verzweifelt auf der Suche nach etwas Schönheit und Aufmerksamkeit ist, nach jemandem, für den sie wichtig ist.

„Dumplings Dad hat ihr beigebracht, dass das Glas halb voll ist. Meiner hat mir beigebracht, dass es randvoll ist – mit billigem Whiskey.“
(Dora, Seite 44)

Noch freudloser ist das Leben in Birch Park für Dora, die vor einer Weile von der Nachbarfamilie (der Familie ihrer Mitschülerin Dumpling) aufgenommen wurde, nachdem ihr Vater ins Gefängnis kam. Ihren Teil fand ich besonders schwierig zu lesen, weil ihr Leben nie schön war und weil ihr nun – im Gegensatz zu den anderen dreien – die Hoffnung fehlt, dass es irgendwann einmal besser wird. Sie kann einfach nicht daran glauben, dass die Zukunft auch für sie etwas Besonderes bereithalten könnte. Dora ist so jung und doch so verbittert, und sie hat solche Angst davor, den kleinen Halt, den ihr die Nachbarfamilie bietet, zu verlieren. Und bei Dora schwingt so viel zwischen den Zeilen mit, wenn sie von ihren Eltern erzählt oder wenn sie beobachtet, wie Dumplings Familie miteinander umgeht.

„Meine Mutter kommt zu den Aufführungen – meistens übernimmt sie den Ticketverkauf an der Abendkasse -, aber Dad hat mich noch nie tanzen gesehen. Dads Leben findet auf dem Boot statt. Und wenn ich nicht mehr auf dem Boot mithelfe, wer füllt dann die Lachseier in Tüten? Wer nimmt die Fische aus und säubert sie? Das waren schon immer meine Jobs.“
(Alyce, Seite 70)

Alyce‘ Welt scheint im Vergleich deutlich weniger düster zu sein, und doch weiß sie nicht, wie sie seit der Scheidung ihrer Eltern ihre beiden Welten (das Leben in Fairbanks mit ihrer Mutter inklusive des Ballettunterrichts und im Sommer das Leben auf dem Fischkutter ihres Vaters mit all den dazugehörigen Verpflichtungen) mit einander vereinbart bekommen soll. Ich fand es besonders schön, dass man aus Alyce‘ Perspektive zwar erfuhr, was für eine harte und dreckige Arbeit der Fischfang ist, aber eben auch, wie schön es sein kann, wenn man als Familie gemeinsam so eng zusammenarbeitet.

„Wisst ihr noch, wie meine Mutter gesagt hat: „Warte nur, bis dir von heute auf morgen der Boden unter den Füßen weggezogen wird“? Jetzt weiß ich, dass ein Leben mehrere Böden hat.“
(Hank, Seite 160)

Hank hingegen scheitert mit gerade mal siebzehn Jahren daran, dass er nach dem Tod des Vaters „der Mann im Haus“ und somit verantwortlich für das Wohlergehen seiner beiden Brüder ist. Und es ist noch schwieriger geworden, für seine Brüder zu sorgen, seitdem seine Mutter einen neuen Mann ins Haus geholt hat. Bei ihm fand ich es besonders schön zu lesen, dass ihm durch und durch bewusst ist, dass seine Brüder so anders sind als er selbst und dass er sie – genau so, wie sie sind – mag und dass er alles dafür tun würde, um sie zu beschützen. Weder Hank noch die anderen drei Erzähler fällen im Laufe der Handlung besonders kluge Entscheidungen, aber alle vier Teenager entwickeln sich in diesem einen Jahr, in dem man ihr Leben verfolgen kann, deutlich weiter.

Obwohl es im Jahr 1970 zu einigen einschneidenden und dramatischen Entwicklungen kommt, mochte ich vor allem die vielen kleinen Momente, in denen Ruth, Dora, Alyce und Hank von ihrem Leben und ihren Familien und Freunden erzählten. Ich mochte die kleinen Beobachtungen und Gedanken, die die vier Erzähler beschäftigen, wie zum Beispiel wenn Ruth darüber nachdenkt, dass ein Haus besser riecht, wenn eine Mutter darin wohnt, und wie sehr sie den Geruch nach Schimmel und Armut in dem Haus ihrer Großmutter hasst. Es ist schön zu lesen, wenn Dora beschreibt, wie wunderbar chaotisch das Haus von Dumplings Familie ist, weil all das Chaos von Zuneigung und Wärme zeugt, von der Tatsache, dass in diesem Haus darauf geachtet wird, was jemand gern zum Nachtisch isst und ob jemand etwas Aufmerksamkeit oder Raum für sich benötigt.

Unter all diese kleineren und größeren Erlebnisse mischen sich die Elemente, die von dem Leben in Alaska zeugen. Die davon erzählen, dass nicht jeder froh war, als Alaska zu einem Bundesstaat der USA wurde, dass durch diesen geplanten Zusammenschluss viele Ängste erzeugt wurde – gerade bei den Menschen, die ihre traditionelle Lebensweise erhalten wollten -, dass aber diese gemeinsamen Ängste auch dafür sorgten, dass man unabhängig von der Herkunft (Athabasken, Inuquiat und Weiße) zusammenarbeitetete, um diesen Zusammenschluss zu verhindern. Auch die Voruteile zwischen den verschiedenen Bewohnern in Birch Park erzählen von der Geschichte Alaskas, von den unterschiedlichen Abstammungen der Erzähler, von den Schubladen, in die die verschiedenen Familien gesteckt werden, und von dem Versuch, ein Leben zu führen, in dem man als Individuum mehr zählt als seine Herkunft. Dabei baut Bonnie-Sue Hitchcock diese Aspekte nicht schulbuchmäßig in ihre Geschichte ein, sondern erzählt „einfach nur“ von den Dingen, die zum Alltag ihrer Protagonisten gehören – und das ist am Ende nicht nur interessant und unterhaltsam, sondern auch bewegend und wunderschön zu lesen.

Frida Nilsson: Siri und die Eismeerpiraten

Nachdem ich im Dezember Neyashas Rezension zu „Siri und die Eismeerpiraten“ von Frida Nilsson gelesen hatte, habe ich mir gleich das Buch in der Bibliothek vorgemerkt. Die Geschichte dreht sich um die zehnjährige Siri, deren kleine Schwester Miki vom bösen Piraten Weißhaupt geraubt wurde. Der Pirat ist im gesamten Eismeer dafür bekannt, dass er kleine Kinder stiehlt, um diese in seinem Bergwerk für sich schuften zu lassen. So gefürchtet wird der Pirat, dass sich kein Erwachsener findet, der Siri nach der Entführung helfen will, ihre kleine Schwester zurückzuholen. Einzig ihr gebrechlicher alter Vater ist wild entschlossen, sich auf den Weg zu machen, aber das kann Siri nicht zulassen. Schließlich ist ihr Papa nicht mal kräftig genug, um noch auf Fischfang zu gehen, wie soll er da die Suche nach Miki überstehen? So schleicht sich Siri heimlich aus dem Haus, um ihre kleine Schwester aus der Gewalt des Piraten zu befreien – große Hoffnungen macht sie sich nicht, aber wie ihr Vater sagt:

„… die Dinge, die man tut, hinterlassen Spuren. Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren … und die schlimmen Dinge hinterlassen schlimme Spuren. Wenn ich nicht versuche, Miki zu finden, dann kann ich nicht weiterleben. Die Spur in meinem Herzen würde zu sehr schmerzen.“ (Seite 28)

Auf der Suche nach ihrer Schwester muss Siri quer durchs Eismeer reisen, von ihrer kleinen Insel Blautum im Osten bis nach Kantum am anderen Ende des Meeres, wo die Welt fast zu Ende ist. Sie begegnet auf ihrer Reise vielen verschiedenen Menschen, Tieren und anderen Wesen, manche von ihnen helfen ihr, andere ignorieren sie oder nutzen sie gar aus. Auf jeden Fall lernt Siri schnell, dass es schwierig ist, einem Menschen anzusehen, ob er gut oder böse ist, und sie lernt, dass jeder, dem sie begegnet, seine ganz eigenen Beweggründe für sein Handeln hat. Dabei macht es Frida Nilsson mit ihrem wunderbar atmosphärischen Eismeer dem Leser ganz einfach zu begreifen, dass das Mädchen in einer harten Welt voller Gefahren und Herausforderungen lebt, in der es erschreckend leicht ist, den einfacheren, aber eben in der Regel auch moralisch fragwürdigen Weg zu gehen.

Ein Menschenleben gilt nicht viel in dieser Welt, und die Winter sind lang und hart. Hunger und Tod sind regelmäßige Gefährten für diejenigen, die im Eismeer leben, und nur wenige haben das Gefühl, sie könnten sich Freundlichkeit leisten. Ein so wundersames Geschöpf wie eine Meerjungfrau gehört für die meisten Menschen ins Reich der Legenden und wenn sie wirklich einer begegnen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie als erstes darüber nachdenken, wie sie mit einem solchen Wesen Geld verdienen könnten. Vermutlich ist es nicht einfach, in einer solchen Welt freundlich und hilfsbereit zu bleiben, und doch findet Siri immer wieder Personen, die ihr auf die eine oder andere Weise zur Seite stehen. Doch all die hilfreichen Hände können ihr am Ende nicht helfen, als sie einen Weg finden muss, um Miki aus der Gewalt des Piraten zu befreien.

„Es gibt einen Mann, der benutzt Kinder, als wären sie Tiere. Das hatte ich immer gesagt, wenn wir zu Hause auf unserer Schlafbank lagen. Was ich damals nicht wusste, war, dass Weißhaupts Grube Kinder in Tiere verwandelte. Ja, so war es. Wir waren nicht länger Kinder, wir waren Tiere auf drei Beinen, Tiere, die aus Näpfen aßen, Tiere, die nur sich selbst halfen und niemandem sonst.“ (Seite 286)

Ich habe Siri gern bei ihrer Reise begleitet, ich mochte diese Protagonistin so gern, gerade weil sie nicht ohne Fehler ist. Sie fühlt sich schuldig, weil sie kurz vor Mikis Entführung noch mit ihrer kleinen Schwester gestritten hat. Sie wird immer wieder in Versuchung geführt, aufzugeben und ein anderes Leben aufzunehmen, weil die Suche nach Miki so vergeblich zu sein scheint und es immer wieder Personen gibt, die für sie Platz in ihrem Leben machen würden. Doch am Ende bleibt Siri standhaft und handelt mutiger, als sie es sich jemals zugetraut hätte, und diese Charakterstärke kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist eindeutig eine Folge der Haltung, die ihr Vater ihr von klein auf vorgelebt hat. Dazu kommen noch all die schrecklichen, furchterregenden, traurigen und wunderbaren Nebenfiguren, bei denen man sich selbst dann, wenn sie nur einen kleinen Auftritt haben, genau vorstellen kann, wie sie zu der Person geworden sind, die sie sind.

Abgerundet wird diese schrecklich-schöne Geschichte rund um Siri und ihrer Suche nach dem furchterregenden Piraten Weißhaupt von der schönen Sprache, die Frida Nilsson (und ihre Übersetzerin Friedericke Buchinger) verwenden. Die Erzählweise ist klar, einfach und einprägsam und damit perfekt (nicht nur) für jüngere Leser, aber auch immer wieder von schönen Bildern und poetischen Beschreibungen durchdrungen, die nach dem Lesen noch ein Weilchen beim Leser haften bleiben. Sehr schön ist auch die Gestaltung des Kinderbuchs mit einer Landkarte des Eismeers und ansprechenden Zeichnungen (gezeichnet von Torben Kuhlmann) am Kapitelanfang, die ein entscheidendes Element der auf den folgenden Seiten geschilderten Handlung aufgreifen. Ich mag so liebevoll erzählte Geschichten einfach!

Tracie Baptiste: The Jumbies (The Jumbies 1)

„The Jumbies“ von Tracie Baptiste stand so lange auf meinem Wunschzettel, dass die Fortsetzung („Rise of the Jumbies“) erschien, bevor ich dieses Kinderbuch zum Geburtstag bekam. Grundsätzlich fand ich, dass der Klappentext, der von einem unerschrockenen Mädchen, Magie und Freundschaft erzählte, schon nett klang, doch vor allem hat mich die Tatsache gereizt, dass die titelgebenden „Jumbies“ aus karibischen Legenden stammen. Je nach Insel gibt es wohl unterschiedliche Auslegungen dieser Kreaturen, aber egal, ob sie Geister sein sollen oder übernatürliche Wesen, sie haben angeblich nichts Gutes im Sinn. Corinne, die Protagonistin dieser Geschichte, glaubt erst einmal nicht an die Jumbies. Sie ist sich sicher, dass die Erzählungen rund um die Jumbies nur ein Mittel sind, um die Kinder des Ortes zu erziehen und dafür zu sorgen, dass sie sich vom Wald fernhalten. Doch dann verfolgt sie eines Tages ein Aguti in den Wald, an dessen Bein zwei Jungen den Anhänger ihrer (verstorbenen) Mutter gebunden haben, und weckt damit die Aufmerksamkeit der Jumbies. Genauer gesagt weckt Corinne damit die Aufmerksamkeit einer ganz bestimmten Jumbie, die herausfinden will, warum der Geruch des Mädchens an den ihrer verschwundenen Schwester erinnert.

Für Corinne beginnt die Geschichte ganz langsam und harmlos, während man als Leser schon früh mitbekommt, dass ihr eine Jumbie (die sich selber „Severine“ nennt) folgt und dass dieses Geschöpf alles andere als harmlos ist. So fand ich es spannend, Corinne bei ihrem Alltag zu begleiten und mitzuerleben, wie sie neue Freunde findet, während gleichzeitig im Hintergrund immer die Gefahr durch die Jumbie lauert. Dabei stand für mich schon früh fest, dass die Jumbie nicht unbedingt „böse“ ist, sie handelt nur nach anderen Regeln als die Menschen, die vor vielen Generationen ihre Insel besiedelt und damit die Jumbies von ihrem angestammten Land verdrängt haben. Nur eine Person ist in der Lage, beide Seiten der Geschichte zu sehen, und das ist die Weiße Hexe. Doch ihre Kenntnisse um Severines Absichten und um die Hintergründe des Konflikts zwischen Menschen und Jumbies sorgen dafür, dass Corinne von ihr eigentlich keine Hilfe zu erwarten hat, gerade weil die Hexe als einzige Person auf der Insel das notwendige Wissen hätte, um ihr beizustehen.

So ist Corinne vor allem auf die Unterstützung ihrer neuen Freunde, ihre Erinnerungen an ihre Mutter und die in ihr aufkeimende Magie, die ihren Ursprung ebenso wie die Jumbies tief in der Geschichte der Insel hat, angewiesen. Das alles führt zu einer magischen und berührenden Geschichte über den Kampf zwischen Jumbies und Menschen um die Vormacht auf Corinnes Heimatinsel. Dabei geht es in „The Jumbies“ nicht gerade zimperlich zu, wenn die Kinder zum Beispiel am Morgen nach einem Kampf durch Überreste waten und sich nicht sicher sein können, ob diese von einem Jumbie oder einem Menschen stammen. Jumbies sind gefährlich, sie töten, sie verzaubern, sie rauben Kinder und verwandeln sie in einen der Ihren, womit er für seine Familie für immer verloren ist. Viele ihrer Fähigkeiten und ihrer Merkmale klingen überraschend vertraut, wenn man die Jumbies mit Figuren aus zum Beispiel der Irische Mythologie vergleicht, und doch gehören diese Jumbies mit all ihren Facetten in die Karibik. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sehr sich solche „Naturgeister“-Beschreibungen ähneln können, einfach nur weil die Menschen überall auf der Welt dieselben Ängste vor der unkontrollierbaren Gewalt der Elemente teilen.

Ich mochte diese Geschichte, die sich um Magie, Freundschaft und Familie dreht und die (dezent) auf die vielfältige Bevölkerung der Insel eingeht (und auch darauf, warum es diese Vielfalt gibt). Dabei ist die Insel irgendeine namenlose Insel in der Karibik – klein genug, damit die Geschichte mit einem Dorf und einem Wald funktioniert. Aber die Autorin erzählt im Nachwort von ihrer Kindheit auf Trinidad, von den Jumbie-Geschichten, die sie gehört hat, und von dem haitianischen Märchen „The Magic Orange Tree“, das die Inspiration zu einem Teil der Handlung war. Diese Hintergründe finde ich interessant und wünschte mir, ich würde mehr über Sagen, Legenden und Märchen aus dieser Region wissen. Doch auch ohne weitere Hintergründe habe ich all die Ereignisse rund um Corinne und ihre Freunde genossen, hatte Angst um den einen oder anderen liebenswerten Charakter und fand es schön, dass die Autorin es für den Leser nicht so einfach gemacht hat, zwischen „gut“ und „böse“ zu unterscheiden.