Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Lese-Eindrücke September 2026

Im September hatte ich (für mich) ungewöhnlich viele Termine, und dazu gab es mit Pokopia ein Spiel, das mich in meiner Freizeit ziemlich gut beschäftigt hat. Nicht so sehr, dass ich gar nicht gelesen hätte, aber genug, dass hier nicht so viele Lese-Eindrücke zusammenkommen sollten. Ansonsten kann ich stolz behaupten, dass ich hiermit alle Lese-Eindrücke und Rückblicke aufgeholt habe – jetzt muss ich nur die Zeit finden, um mal wieder Einzelrezensionen zu ein paar Büchern zu schreiben. 🙂

T. Kingfisher: The Clockwork Boys/The Wonder Engine (Clocktaur War 1+2)

Nachdem ich mitbekommen hatte, dass eine der Figuren aus der „Clocktaur War“-Duologie einer der Protagonisten in „Daggerbound“ sein würde, habe ich die beiden Romane erneut gelesen und mich auch dieses Mal sehr gut damit unterhalten gefühlt. In den Clocktaur-War-Büchern dreht sich die Handlung um Slate (eine Fälscherin), Brennen (ein Meuchelmörder) und Caliban (ein Paladin, der vor einiger Zeit von einem Dämon besessen wurde und währenddessen einige Nonnen ermordet hat). Diese drei haben den Auftrag, den Gelehrten Edmund auf seiner Reise nach Anuket City zu begleiten, um herauszufinden, wie die monströsen Maschinen-Soldaten, die die Stadt ausschickt, gestoppt werden können. Wie immer bei T. Kingfisher besticht die Handlung mit einer Mischung aus absurden, berührenden und unappetitlichen Elemente, die überraschend amüsant zu lesen ist. Und da es fünf Jahre her ist, dass ich die Bücher gelesen habe, hatte ich so einige Details vergessen (bzw. vergessen, dass diese Elemente aus diesen Romanen stammen). Ich habe mich sehr darüber gefreut, die Figuren wiederzusehen und mit ihnen die diversen Abenteuer zu erleben. Auch wenn ich nicht behaupten würde, dass es notwendig ist, diese Geschichte präsent zu haben, um „Daggerbound“ zu genießen, war es doch großartig, auf diese Weise die Entwicklung zu sehen, die Edmund in den Jahren zwischen den Romanen gemacht hat. Diesen Aspekt habe ich definitiv deutlich mehr zu schätzen gewusst, weil ich die Bücher so nah hintereinander gelesen habe.

T. Kingfisher: Daggerbound (Swordheart 2)

Wie gesagt, es ist nicht nötig die „Clocktaur War“-Bücher zu kennen, um „Daggerbound“ zu genießen (auch wenn ich mich gefreut habe, mit frischen Erinnerungen an den jüngeren Edmund in die Geschichte zu gehen). Aber ich würde auf jeden Fall empfehlen, vorher „Swordheart“ zu lesen, da hier die Grundlagen gelegt werden, um den Fluch, der auf dem Dervish liegt, zu verstehen. Im Vergleich zu „Swordheart“ hat „Daggerbound“ einen düstereren Unterton, da der Dervish im Gegensatz zu Sarkis nicht nur als Bodyguard und Krieger diente, sondern auch zum Opfer von Folter wurde. Trotzdem gelingt es T. Kingfisher auch hier wieder, so viele humorvolle Momente in die Geschichte einzubauen, dass ich den Roman als sehr wohltuend empfunden habe und – wie so oft bei ihren Büchern – beim Lesen ständig vor mich hinkicherte. Da ich den Großteil der Veröffentlichungen von T. Kingfisher nur als eBooks habe, denke ich so langsam darüber nach, sie mir noch einmal als Taschenbücher zu besorgen. Nachdem die großen Verlage die Autorin entdeckt haben, sind zumindest die Neuauflagen gut erhältlich (auch wenn ich die Cover zum Teil deutlich hässlicher finde).

Sangu Mandanna: Kiki Kallira Conquers a Curse (Kiki Kallira 2)

Der zweite Band der Kiki-Kallira-Bücher gefiel mir überraschenderweise noch besser als der erste Teil. Wieder findet sich Kiki in dem magischen Königreich wieder, das sie sich selbst ausgedacht hat. Doch dieses Mal muss sie feststellen, dass diese Welt sich von ihr löst und eine eigene Historie entwickelt hat. Leider bedeutet das auch, dass ein jahrhundertealter Fluch dafür sorgt, dass der Hauptstadt das Wasser ausgeht, während unheimliche Monster aus dem umliegenden Wald auftauchen. Wie gesagt, ich mochte diesen Band lieber als den ersten Teil, gerade weil Kiki dieses Mal nicht schon alles über ihre Welt wusste. Außerdem hat sie in den Monaten, die seit „Kiki Kallira Breaks a Kingdom“ vergangen sind, eine Therapie begonnen und so einige Hilfsmittel zur Hand, wenn es darum geht, mit ihren Ängsten und Impulsen fertigzuwerden. Ich weiß, dass ich damit in der Minderheit bin, aber ich bevorzuge definitiv Sangu Mandannas Jugendbücher. Ich genieße diese fantastische Mischung aus einer indisch inspirierter Welt mit Londoner Elementen wie Doppeldecker-Bussen, in der die Kiki-Geschichten spielen, und ich mag all die Figuren rund um Kiki wirklich sehr.

Katherine Woodfine: Peril in Paris/Spies in St. Petersburg (Taylor and Rose 1+2)

Nachdem ich im September endlich den letzten Band der „Sinclair’s Mysteries“ gelesen hatte (und er ebenso gut war wie die ersten drei Teile der Reihe), habe ich gleich mit dem Spin-Off weitergemacht. Dabei musste ich leider feststellen, dass ich die „Taylor and Rose“-Romane zwar nett und unterhaltsam finde, aber nicht so gut wie die „Sinclair’s Mysteries“ – was vor allem daran liegt, dass die beiden Protagonistinnen Sophie und Lil jetzt getrennt für den Secret Service unterwegs sind. Ich vermisse das Zusammenspiel der beiden Freundinnen und ihren (inzwischen) großen und vielfältigen Freundeskreis, und da hilft es auch nicht, wenn es hier und da eine Szene gibt, die in London spielt und in der eine Person aus diesem Freundeskreis etwas erlebt. Wobei ich es schon nett finde, mit Sophie und Lil nicht nur lauter neue Charaktere, sondern auch ganz andere Städte als London kennenzulernen. Ich bin also nicht böse, dass ich noch zwei Bände auf der Reihe auf dem SuB liegen habe, hoffe aber, dass die beiden Protagonistinnen in Zukunft wieder mehr gemeinsam erleben. Für das nächste Abenteuer geht es nach Venedig – ich bin gespannt!

Lese-Eindrücke August 2026

Ich wünschte, ich hätte im August mehr Zeit gehabt, um entspannt zu lesen. Aber erst war ich verreist, dann mit „wieder ankommen“ und mit einigen (Arzt-)Terminen beschäftigt, und schon war der Monat auch schon wieder rum … Trotzdem sind natürlich wieder ein paar Lese-Eindrücke zusammengekommen, die ich dieses Mal sogar (relativ) zeitnah festgehalten habe.

T. L. Stone: Potions, Pirates and Pie (Tales from the Tavern 4)

„Potions, Pirates and Pie“ ist der aktuellste Band der „Tales from the Tavern“-Reihe und die erste Geschichte, die nicht in dem kleinen Ort Wayside spielt. Stattdessen findet sich die Protagonistin Cali auf einem Piratenschiff wieder, um ein entführtes Beiboot (und eine Gruppe von Hellkin) wiederzufinden. Ich fand es sehr nett, dass zur Abwechslung die Handlung mal nicht in dem (überaus idyllischen) Dorf stattfand, sondern an Bord eines Schiffs mit all den dazugehörigen Herausforderungen inklusive Meerjungfrauen und Sirenen und natürlich langsam aufkeimenden Gefühlen zwischen Cali und der legendären Kapitänin One-Eye-Bonnie. Diese Reihe ist wirklich perfekt, wenn es Zeit ist für eine etwas absurde, amüsante und entspannende Lektüre, und ich genieße es sehr, dass mit jedem Band eine andere Figur im Mittelpunkt steht und ich so mehr über diese Gruppe von (ehemaligen) Abenteurern und ihrem immer größer werdenden Freundeskreis erfahre. Die Geschichten sind nicht gerade anspruchsvoll, aber wunderbar erholsam und wohltuend!

Celia Lake: Brave Truth (Liminal Mysteries 4)

„Brave Truth“ ist die aktuellste Veröffentlichung von Celia Lake, und auch dieses Buch habe ich wieder sehr genossen. Es war schön, mehr über das Leben von Claudio, den ich schon aus mehreren anderen Romanen (vor allem „Illusion of a Boar“) kannte, zu erfahren. Und ich habe mich gefreut, Matty kennenzulernen, der in dieser Geschichte nicht nur mit den Nachwirkungen seiner Arbeit rund um die Nürnberger Prozesse zu kämpfen hat, sondern auch damit, dass ihn seine Homosexualität außerhalb der magischen Gesellschaft von Albion ins Gefängnis bringen könnte. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie es Celia Lake gelingt, die Nachwirkungen von Kriegserlebnissen begreifbar zu machen. Ich musste mir aber auch mal wieder eingestehen, dass ich auf die Sexszenen in den Celia-Lake-Romanen verzichten könnte, obwohl ich sehe, welche Rolle sie (und die dabei passierende wichtige Kommunikation) für die Charaktere einnehmen. Da die Autorin sagt, dass 1950 der späteste Zeitpunkt ist, in dem ihre Albion-Geschichten spielen werden, hat sie die Gelegenheit genutzt und in „Brave Truth“ auch so einige Figuren eingebaut, die ich in anderen Veröffentlichungen schon mochte, was zu so einigen netten Wiedersehen geführt hat. Alles in allem habe ich auch diese Geschichte von Celia Lake wieder genossen und finde es faszinierend, mit jedem Titel eine neue Facette ihrer magischen Welt Albion kennenzulernen.

Karen M. McManus: Two Can Keep a Secret

Ich versuche weiterhin, ältere Titel von meinem SuB zu befreien, und da ich im August Lust auf Krimis/Thriller hatte, habe ich zu „Two Can Keep a Secret“ gegriffen. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: der der siebzehnjährigen Ellery, die gerade erst in den Ort Echo Ridge gezogen ist, und der von Malcolm, dessen älterer Bruder vor fünf Jahren verdächtigt wurde, seine Freundin umgebracht zu haben. Außerdem verschwand vor 25 Jahren die siebzehnjährige Sarah in Echo Ridge, die Zwillingsschwester von Ellerys Mutter Sadie, und ihr – vermutlicher – Mord ist ebenfalls nie aufgeklärt worden. Ich hatte viel Spaß damit, Ellerys und Malcolms Gedanken zu den aktuellen Drohungen und die verschiedenen Theorien, die die beiden aufstellen, zu verfolgen. Außerdem fand ich es überraschend angenehm, dass Ellery sich durchaus der Tatsache bewusst ist, dass ihr Interesse an True-Crime-Dokumentationen extrem ist und nicht gerade einen guten Einfluss auf ihr Leben und ihre Interaktionen mit anderen Menschen hat. Alles in allem habe ich mich wirklich gut mit dem Roman unterhalten gefühlt und neugierig die diversen Wendungen verfolgt. Auch fand ich Ellery und ihre Familie, ebenso wie Malcolm und seine beste Freundin Mia, sehr sympathisch. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das keine Geschichte ist, die in mir nachklingen wird oder bei der ich in einigen Jahren das Bedüfnis haben werde, noch einmal zu dem Roman zu greifen. Das bedeutet, dass Karen M. McManus keine Person ist, deren Bücher ich unbedingt in meinem Bestand behalten muss, aber deren Titel bei einem Bibliotheksbesuch durchaus mit mir nach Hause wandern dürfen.

Marissa Doyle: Marquis of Secrets – The Ladies of Almack’s Omnibus No. 2

Der zweite „Ladies of Almack’s“-Sammelband beinhaltet die Geschichten „The Cursed Canvases“, „Turmoil on the Thames“ und „An Event at Epsom“, und auch hier ermittelt Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) wieder im Auftrag der Lady Patronesses of Almack’s ungewöhnliche und magische Rätsel. Ich muss zugeben, dass ich diese kleinen fantastischen Geschichten wirklich entspannend finde. Die Probleme reichen von einer Ausstellung der Royal Academy, bei der Bilder magisch manipuliert wurden, bis zu seltsamen Ereignissen rund um eine Parade in Eton, die das Ansehen der Königlichen Familie gefährden könnten. Nichts davon ist wirklich dramatisch, selbst wenn die Protagonistin kurzfristig den Eindruck hat, dass Gefahr besteht. Stattdessen zieht sich die – sehr, sehr langsam aufkeimende – Liebesgeschichte mit einem Verehrer Annabels durch die Handlung und es gibt so einige (mehr oder weniger) kuriose Informationen, über die die Autorin bei ihrer Recherche gestolpert ist und auf die sie in den jeweiligen Nachworten näher eingeht. Mein größter Kritikpunkt an diesem Sammelband ist, dass ich auch dieses Mal einige der Nebenfiguren nicht besonders überzeugend fand. Aber nachdem ich mich damit abgefunden habe, dass es weniger um Ermittlungen und mehr darum geht, wie Annabel die verschiedenen Herausforderungen handhabt, kann ich besser damit leben. Mit knapp hundert Seiten pro Episode reicht eine solche Geschichte auf jeden Fall für einen netten und entspannten Leseabend.

Rebecca Roanhorse: Race to the Sun

„Race to the Sun“ von Rebecca Roanhorse ist vor einigen Jahren als Teil der „Rick Riordan presents“-Titel veröffentlicht worden, und ich fand es reizvoll, eine Middle-Grade-Geschichte zu lesen, die sich rund um Diné-(Navajo)-Legenden dreht. Aber so richtig kam ich bei meinen Versuchen, den Roman zu lesen, nicht in die Handlung, bis ich mir im August ein Ultimatium für das Buch gesetzt habe. Dabei kann ich nicht mal behaupten, dass die Geschichte schlecht oder uninteressant geschrieben ist. Die Protagonistin Nizhoni muss gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder und ihrem besten Freund gegen Monster kämpfen – und natürlich einige Herausforderungen bestehen, bis sie überhaupt die nötige Entwicklung durchgemacht hat, um am Ende in einen heldenhaften Kampf gegen ihre Gegner zu ziehen. Es gab so einige Elemente, die ich in Veröffentlichungen von anderen Autor*innen schon genossen habe, außerdem fand ich es wirklich spannend, mehr über den kulturellen Hintergrund der Protagonistin und ihre Familie zu erfahren. Aber selbst die theoretisch berührenden Teile der Geschichte haben mich überraschend teilnahmslos gelassen, und so richtig warm bin ich mit Nizhonis Perspektive nicht geworden – was immer ein Problem für mich ist, wenn ein Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Ich bin froh, dass ich den Roman endlich gelesen habe, aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich das nicht getan hätte. Was bedeutet, dass „Race to the Sun“ in den Öffentlichen Bücherschank wandern und hoffentlich eine/n enthusiastischere/n Leser*in finden wird. Jetzt bin ich nur gespannt, wann ich den zweiten Roman („Trail of Lightning“), der von Rebecca Roanhorse noch auf meinem SuB ruht, in Angriffe nehmen werde und ob mir die für ältere Leser*innen geschriebene Geschichte besser gefällt als dieser Middle-Grade-Titel.

Lese-Eindrücke Juni und Juli 2026

Im Juni und Juli fand ich es überraschend schwierig, mich für ein Buch zu entscheiden, was bedeutete, dass ich mich vor allem auf Reihen(fortsetzungen) konzentriert habe. Außerdem habe ich im Juli so wenig gelesen, dass die paar Lese-Eindrücke hier auch noch reinpassen.

Lois McMaster Bujold: The Sharing Knife – Complete Series

Nach dem aktuellsten „Penric & Desdemona“-Band hatte ich Lust auf mehr Geschichte von Lois McMaster Bujold, wollte aber nicht zu den Vorkosigan-Romanen greifen, weil das definitiv dazu geführt hätte, dass ich die ganze Serie am Stück gelesen hätte. Also startete ich einen Reread der beiden deutschen „Die magischen Messer“-Bände, die sich in meinem Regal befanden – nur um dann die beiden Romane nach den ersten Absätzen auszusortieren und mir den englischen Sammelband als eBook zu besorgen, weil ich die deutsche Übersetzung nicht mehr lesen mochte. Die Komplettausgabe der „Sharing Knife“-Serie beinhaltet die vier Romane „Beguilement“, „Legacy“, „Passage“ und „Horizon“ plus die Novella „Knife Children“ und erzählt die Geschichte von Dag (ein Lakewalker) und Fawn (eine Farmerin – eine Bezeichnung, die für jeden Menschen, der kein Lakewalker ist, verwendet wird). Die beiden verlieben sich ineinander, nachdem sie gemeinsam gegen eine „Malice“ (ein magisches Wesen, dass seiner Umgebung sämtliche Lebensenergie aussaugt) gekämpft haben. Dummerweise gibt es bei den Farmern keinen Platz für Dag und bei den Lakewalkern keine Zuflucht für Fawn, so dass sich das Paar gezwungen sieht, einen ganz eigenen – neuen – Weg einzuschlagen, um sich ein gemeinsames Leben aufbauen zu können. Ich mochte die Geschichte so sehr, dass ich die über 1800 Seiten in gerade mal sechs Tagen gelesen habe. Fawn und Dag bekämpfen im Laufe der Zeit weitere Malices, lernen mehr über die Kultur des jeweils anderen, finden eine Menge neuer Verbündeter und Freunde, und das alles ist durchzogen mit dem für Lois McMaster Bujold typischen Humor. Ich freu mich sehr darüber, dass ich nun alle Bände der Reihe in meinem Besitz habe und bin mir sicher, dass ich sie in Zukunft regelmäßig erneut lesen werde.

Haylock Jobson: Heretical Fishing 1-5 – A Cozy Guide to Annoying the Cults, Outsmarting the Fish, and Alienating Oneself

„Heretical Fishing“ von Haylock Jobson war ein weiterer Versuch von mir, im Juni einen Isekai-Roman zu finden, der mich gut unterhält, und ich muss zugeben, dass ich Band 1 wirklich amüsant und ungewöhnlich fand. Zu Beginn der Geschichte wird der Protagonist „Fischer“ von einem LKW überfahren, nachdem er zum ersten Mal in seinem Leben einen entspannten Nachmittag mit Angeln verbracht hat. Das führt dazu, dass er sich nach seinem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, in der das „System“ offensichtlich defekt ist (und ihm lauter Fehlermeldungen präsentiert). Er beschließt, dass er nicht im klassischen Isekai-Stil sein zweites Leben verbringen will, sondern sich lieber aufs Angeln konzentrieren möchte. Ich fand es anfangs lustig zu lesen, dass Fischer so besessen vom Angeln ist, dass es ihm auch vollkommen egal ist, dass das in dieser Welt als Häresie gilt, und wie er ständig seine neuen Nachbarn dazu bringen will, seine Fischgerichte zu probieren. Und da ich das Ganze so nett fand, habe ich mir auch noch den zweiten Band besorgt, wo der Humor dann etwas ermüdend wurde, aber am Ende die Handlung so weit anzog, dass ich auch noch die Fortsetzung las – mit der es mir wieder genauso erging, dass ich den Humor ermüdend fand, aber dann am Schluss neugierig genug auf den weiteren Verlauf der Geschichte war … Bei Band 4, den ich im Juli gelesen habe, war ich dann so weit, die Reihe abzubrechen, allerdings hatte ich dummerweise auch Band 5 schon auf dem eReader … Die Grundidee ist nett, die ersten Bände fand ich unterhaltsam, und ich fand es schön, dass Fischers Einfluss dafür sorgte, dass all seine Nachbarn magische Kräfte entwickelten und Zugang zum System bekamen. Aber der eher alberne und sich ständig wiederholende Humor, der sehr viel darauf basierte, dass sich die Figuren gegenseitig Streiche spielten, ging mir doch überraschend schnell auf die Nerven. Keine Reihe, die ich fortsetzen werde, auch wenn der fünfte Band (natürlich) wieder auf eine Art und Weise endete, die eine interessante Weiterführung der Geschichte mit sich bringen könnte.

L. D. Lapinski: The Whispering World (Artezans 2)

Ich sehe gerade, dass es schon zwei Jahre her ist, seitdem ich den ersten Band rund um die Artezans von L. D. Lapinski gelesen habe, und frage mich nun, wieso Fortsetzungen so oft bei mir auf dem SuB liegenbleiben … Immerhin habe ich in diesem Jahr endlich den zweiten Teil „The Whispering World“ gelesen und fand ihn mindestens ebenso nett wie den Auftaktband der Reihe. Da dieses Mal die magische Welt, zu der die Zwillinge Ed und Elodie gehören, nicht vorgestellt werden muss, zieht die Handlung in diesem Roman deutlich schneller an als in „The Forgotten Magic“. Zu Beginn der Geschichte erleiden die beiden Kinder mit ihren Vätern Schiffbruch und landen auf einer kleinen (und zum Glück von Magie-Nutzern bewohnten) Insel. Nachdem die kleine Familie froh ist, dass sie so viel Glück im Unglück hatten, müssen sie schnell feststellen, dass es auf der Insel nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht. Ich mochte es, all die verschiedenen Personen auf der Insel kennenzulernen, mitzuverfolgen, wie Ed und Elodie einen neuen Freund finden und wie sich die drei dann gegenseitig unterstützen, als sie gegen eine Gruppe von Personen angehen müssen, die ihre Magie stehlen will. Und ich bin sehr, sehr neugierig darauf, wie die Geschichte zu Ende geht, weshalb ich den dritten Band der Reihe inzwischen auf dem SuB habe und fest davon ausgehe, dass ich ihn in diesem Herbst lesen werde.

Rachel Morgan: Hearts & Honey Light (The Charmed Leaf Legacy 4)

Ich habe die „The Charmed Leaf Legacy“-Serie von Rachel Morgan wirklich ins Herz geschlossen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Band, der im November erscheinen soll. „Hearts & Honey Light“ dreht sich mit Kazrian Rowanwood und Lucie Fields um zwei Figuren, die schon in den vorherigen Bänden eine Rolle spielten. Lucie ist eine junge (menschliche) Frau, die eine Ausbildung als Konditorin in dem Teehaus von Kazrians Großmutter gemacht hat, und Kazrian ist ein Fae Lord, der in den vergangenen Jahren fern seiner Familie am Hof der Königin gelebt und dort seine Magie gewirkt hat. Doch nun hat ihn seine Großmutter nach Hause gerufen, weil sie in Bloomhaven ein Café eröffnen will und Kazrian sich um die von Magie hervorgerufenen Fehlfunktionen in dem Gebäude kümmern soll. Was natürlich bedeutet, dass Lucie und Kazrian so einige Zeit miteinander verbringen müssen, obwohl sie ihm vor einigen Jahren das Herz gebrochen hat, als sie ihm mitteilte, dass sie keine Gefühle für ihn hegen würde. Was natürlich nicht stimmte, obwohl sie gute Gründe für diese Lüge hatte … Ich mochte es sehr, mitzuerleben, wie die beiden Figuren sich wieder neu kennenlernen und sich so nach und nach ihren Gefühlen füreinander stellen müssen. Ich muss zugeben, dass ich den Grund für einen Teil der magischen Probleme in dem Café etwas zu auf der Hand liegend fand, und auch die Hintergründe zu Kazrians Gegenspieler war mir etwas zu offensichtlich. Aber da ich den Rest der Handlung so süß fand und bei dieser Reihe sicher sein kann, dass den Figuren nichts Schlimmes passiert, selbst wenn die Geschichte so einiges Potenzial für Drama und Unglück bietet, konnte ich damit leben.

C. A. Moss: How I Became a Therapist in Another World 1-4

Ein weiterer Versuch mit einer Isekai-Serie, dieses Mal im Juli und beworben mit den Worten „A light novel-inspired, LGBT-inclusive four-part novella series about one thing every angsty anime series and fantasy novel could use: Therapy.“ Diese vier Bände (die zusammen gerade mal um die 420 Seiten umfassen) werden alle aus der Sicht von Lavender erzählt, einer Therapeutin, die sich nach ihrem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, wo die Bewohner von Dämonen geplagt werden. Dabei sind diese Dämonen nichts anderes als ein für alle sichtbarer Ausdruck der psychischen Probleme, die die jeweilige Person (Mensch, Ork oder Elf gleichermaßen) plagen. Weshalb Lavender auch in ihrem zweiten Leben ihr Wissen als Therapeutin nutzt, um ihren Nachbarn zu helfen, ihre Dämonen zu besiegen. Außerdem gibt es da noch die attraktive Köchin in dem Wirtshaus, in dem Lavender aushilfsweise als Bedienung arbeitet, und das Rätsel um die Herkunft der Dämonen (und um den Ursprung dieser fantastischen Welt). C. A. Moss nimmt sich viel Zeit, um Lavenders neues Leben aufzubauen und die verschiedenen Personen, die sie im Laufe der folgenden Monate kennenlernt, vorzustellen. Was dazu führt, dass die Geschichten – trotz ihrer Kürze – etwas vor sich hin dümpeln. Immerhin ließ sich die Handlung so aber auch gut in kleinen Abschnitten lesen, wenn mein Kopf gerade sehr voll war und ich einfach nur ein paar Minuten in der Gesellschaft von ein paar schrecklich netten Charakteren verbringen wollte. Die Fortsetzungen (also Band 5 bis 10) habe ich deshalb im August auch noch gelesen und fand vor allem den zweiten Sammelband („Herbs and Harmonies“) sehr nett – gerade weil ab Band 5 andere Protagonist*innen als Lavender eine Rolle spielen. „The Dark Lord’s Army Wants You!“ hatte hingegen ein paar sehr amüsante Ideen, aber mir waren die unterschiedlichen Geschichten, die sich zwar um verschiedene Personen drehen, die aber alle zu derselben Armee gehören, thematisch fast schon zu ähnlich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass ich die Serie zu genau der richtigen Zeit für mich entdeckt hatte, dass ich bei einem erneuten Lesen aber nicht mehr so ganz nachvollziehen können werde, was mich in diesem Sommer daran gereizt hatte.

Esme Symes-Smith: Sir Callie and the Champions of Helston

Die Handlung von „Sir Callie and the Champions of Helston“ von Esme Symes-Smith erinnert mich in vielen Elementen an die Alanna-von-Trebond-Reihe von Tamora Pierce. Allerdings machen sich die 40 Jahre, die zwischen der Veröffentlichung von „Alanna – The First Adventure“ und „Sir Callie and the Champions of Helston“ liegen, deutlich bemerkbar. Sir Callies Geschichte ist komplexer, queerer und konzentriert sich nicht nur auf die Hauptfigur, sondern auch auf all die anderen Personen, die – so wie Callie – unter der Bigotterie ihrer Umgebung leiden. Callie wächst in einer Welt auf, in der die adligen Mädchen traditionell den Umgang mit (dekorativer und/oder heilender) Magie lernen, während die adligen Jungen im Umgang mit dem Schwert trainiert werden. Callie träumt davon, eine Ausbildung zum Ritter zu machen, und gemeinsam mit dem Vater, der der Champion des Königs ist, das Königreich Helston vor seinen Feinden zu beschützen.

Doch natürlich ist ein Königreich, in dem den Bürger*innen schon bei der Geburt ihre Rollen zugeschrieben werden, nicht gewillt, eine nicht-binäre Person zur Knappen-Ausbildung zuzulassen. Als Callies Vater an den Hof gerufen wird, um den jungen Prinzen auf ein Turnier vorzubereiten, findet Callie heraus, wie fürchterlich die Situation in Helston in den zwei Jahren seit dem Verschwinden des aktuellen Königs für all die anderen „Außenseiter“ geworden ist. Während die adligen Mädchen regelrecht in den Gemächern der Königin eingesperrt werden, werden die Jungen auf einen Krieg gegen das benachbarte Dunmoor vorbereitet, und der Prinz wird tagtäglich bei diesem Waffentraining misshandelt – unter dem Vorwand, dass er „männlicher“ und „königlicher“ werden muss. Für Callie ist es unerträglich, diese Situation mitanzusehen, und das führt im Laufe des Romans zu so einigen Kämpfen (mit Waffen und Wörtern), aber auch zu neuen Freundschaften mit Gleichaltrigen am Hof.

Ich mochte es sehr, Callies Perspektive zu folgen, auch wenn es aufreibend zu lesen ist, wie sehr Callie (und Callies neue Freund*innen) unter einer engstirnigen, binären Gesellschaft leidet, die alles dafür tut, um ihre Bewohner*innen in enge Formen zu pressen. Umso wohltuender ist es, Callies Entschlossenheit und Dickköpfigkeit zu verfolgen und mitzuerleben, wie sehr Callie sich für andere Personen einsetzt – wenn auch regelmäßig auf Kosten des eigenen Wohlergehens. Für Callie ist es sehr schwierig mitanzusehen, wenn Unrecht geschieht, während die Erwachsenen drumherum ständig vermeintlich gute Gründe für das Verhalten des Bösewichts und seiner Schergen finden.

Ich fand es ziemlich frustrierend zu lesen, wie Callie immer wieder von den Personen, die eigentlich an Callies Seite hätten stehen müssen, gebremst wurde. Immer wieder wird deutlich, dass Kompromisse in einer Situation, in der es um das Leben einer (minderjährigen) Person geht, unangebracht sind – wenn auch leider sehr realistisch. Auf der anderen Seite hat Esme Symes-Smith beim Schreiben eine gute Balance zwischen diesen frustrierenden Momenten in der Handlung und den wohltuenden/amüsanten Szenen mit Callies Freund*innen gefunden. Das führte dazu, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen mochte und mich ständig dabei ertappte, dass ich „nur eben kurz ein Kapitel“ gelesen habe, während ich eigentlich andere Dinge zu tun hatte. Und nun warte ich darauf, dass der zweite Band, „Sir Callie and the Dragon’s Roost“, bei mir eintrifft, damit ich herausfinden kann, wie es Callie und all den anderen weiter ergeht.

Rin Chupeco: Wicked as You Wish (A Hundred Names for Magic 1)

Mit „Wicked as You Wish“ von Rin Chupeco habe ich Anfang März mal wieder ein Buch vom SuB gefischt, das da schon ein paar Jahre drauf lag. Lustigerweise habe ich zwei Bücher von Rin Chupeco auf dem SuB gehabt, obwohl ich bislang noch nie etwas von der Person (they/them-Pronomen sind im Deutschen wirklich schwierig) gelesen hatte. „Wicked as You Wish“ spielt in einer alternativen, fantastischen Welt, die in vielen Elementen (Technologie, Politik, Musik, Filme usw.) unserer Welt entspricht, in der Magie aber einen selbstverständlichen Einfluss auf das Leben der Menschen hat – sogar in den Ländern, die die Nutzung von Magie stark einschränken. Die Protagonistin Tala Makiling ist in dem kleinen Ort Invierno, Arizona, in den Royal States of Amerika aufgewachsen, in dem Magie durch einen lokalen Effekt unterdrückt wird. Talas Eltern haben diesen Ort bewusst als Wohnort gewählt, in der Hoffnung, dass er helfen würde, Talas besondere magische Fähigkeit (andere Magie auszulöschen) verborgen zu halten, solange sie noch zu jung und unerfahren ist, um diese im Griff zu haben.

Die Handlung selbst beginnt mit der Ankunft von Alex in Invierno. Alex ist der Kronprinz von Avalon und lebt – seit sein Land vor zwölf Jahren von der Schneekönigin angegriffen wurde – im Verborgenen. Außerdem wird Alex ziemlich schnell zu Talas bestem Freund, weshalb sie einige Monate später – gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Teenager – auch in all die Abenteuer reingezogen wird, die mit Alex‘ Versuch, Avalon vom Fluch der Schneekönigin zu befreien, einhergehen. Ich mochte die Welt, die sich Rin Chupeco für ihre „A Hundred Names for Magic“-Trilogie ausgedacht hat, wirklich gern. Neben den realen Dingen aus unserer Welt (ICE ist in diesem Roman, der im Jahr 2021 erschienen ist, die große böse Organisation auf amerikanischem Boden) gibt es eine wilde Mischung aus Märchen- und Sagen-Elementen, die von Rin Chupeco mit sehr viel Fantasie eingesetzt werden. „The Cheshire“ ist z. B. der letzte überlebende Adelige des Wunderlands und nun derjenige, der den Widerstand gegen die Schneekönigin koordiniert. Flüche gehören ganz normal zum Leben der einflussreicheren Bewohner der diversen magischen Länder – auch wenn sie manchmal ganz schön lästig sind – und das Wirken von Magie erfordert einen Preis (und nicht immer sind sich die Personen, die diesen Preis zahlen, bewusst, was sie damit verlieren).

Ebenso reizvoll wie die Welt fand ich die vielen verschiedenen Charaktere, die diesen Roman bevölkern. Auch wenn Talas Familie nur aus ihr und ihren Eltern besteht, so wächst sie doch in einer Nachbarschaft voller Titas und Titos auf, die sie mindestens ebenso liebevoll erziehen, wie ihre Eltern es tun. Dazu kommt die Gruppe von Jugendlichen, die den Auftrag bekommen hatte, Alex aus Invierno zu holen und in Sicherheit zu bringen – und die stattdessen gemeinsam mit dem Kronprinzen und Tala durch das verfluchte Avalon reisen. Ich will nicht behaupten, dass diese Figuren klischeefrei gestaltet wurden, aber ich mochte sie und habe mich bei all dem Geplänkel zwischen ihnen gut unterhalten gefühlt (selbst wenn der Gestaltwandler ein wenig zu oft daran erinnert werden musste, dass er sich nach seiner Rückverwandlung doch bitte etwas anziehen soll). Ein bisschen nervig fand ich es, dass sowohl der Klappentext als auch eine Prophezeiung innerhalb der Geschichte betonen, dass es einen Verräter innerhalb der Gruppe gibt. Denn natürlich sind die offensichtlich wirkenden Kandidat*innen nicht die Personen, die Alex und Avalon verraten würden, und das liegt im Prinzip von Anfang an auf der Hand. Ich persönlich bevorzuge es, wenn solche „unvorhersehbaren“ Enthüllungen in der Handlung auch wirklich überraschend kommen, statt mit Fanfaren angekündigt zu werden, in dem vergeblichen Versuch, mit diesem Handlungselement Spannung aufzubauen.

Insgesamt war „Wicked as You Wish“ aber ein wirklich nettes und unterhaltsames Jugendbuch (und ja, es ist wirklich ein Jugendbuch und nicht „Young Adult“ – was ich sehr angenehm fand). Gerade weil Rin Chupeco nicht davor zurückschreckt, auch schwierige Themen anzusprechen, wie zum Beispiel Flucht aus Kriegsgebieten und die Art und Weise, wie Schutzsuchende von ihren Zielländern oft behandelt werden, habe ich die Geschichte gern gelesen. Ich fand die Handlung jetzt nicht so spannend, dass ich den Roman nicht hätte aus der Hand legen können, aber ich habe mich über all die kleinen kreativen Details rund um die magischen Elemente in der Geschichte gefreut. Außerdem mochte ich es, endlich mal wieder ein Jugendbuch zu lesen, in dem sich die Teenager (zumindest meinem Gefühl nach) altersgerecht verhalten haben und trotzdem nicht unerträglich für mich zu lesen waren. Ich bin neugierig, wie es mit Tala und den anderen weitergeht und ob es Alex gelingen wird, Avalon in Zukunft vor der Schneekönigin zu beschützen. Was bedeutet, dass ich direkt nach dem Beenden dieses Romans die Fortsetzung „An Unreliable Magic“ bestellt habe und hoffentlich dann bald lesen kann. Mal schauen, ob mich die Trilogie bis zum Ende gut unterhält – und was ich danach zu „The Bone Witch“ von Rin Chupeco sagen kann, was auch noch auf meinem SuB liegt.

Joseph Elliott: The Good Hawk (Shadow Skye 1)

„The Good Hawk“ von Joseph Elliott lag seit fast vier Jahren auf meinem SuB, bis ich den Roman im Oktober endlich gelesen habe. Die Geschichte beginnt auf der Insel Skye und wird abwechselnd aus der Sicht von Agatha und Jaime erzählt. Beide sind vor einigen Monaten 15 geworden, und beide haben ein paar Probleme mit dem Beruf, der ihnen zu diesem Zeitpunkt zugeteilt wurde. Während Agatha als „Hawk“ die Ansiedlung des Clans Clann-a-Tuath bewachen soll und dabei eines Tages einen gravierenden Fehler begeht, bekommt Jaime, wenn er als „Angler“ (Fischer) aufs Meer fährt, Panikattacken. Doch als ihr Clan überfallen und versklavt wird, sind es diese beiden, die sich per Boot auf dem Weg machen, um die gefangen genommenen Clanmitglieder zu retten.

Das Ganze spielt in einer Vergangenheit, in der Schottland und England seit Ewigkeiten miteinander im Krieg lagen – bis Schottlands Bevölkerung durch eine Seuche fast vollständig ausgelöscht wurde. So ist es für Agatha und Jaime eine besondere Herausforderung, dass sie während ihres Abenteuers das Festland betreten müssen. Beide wissen von der Seuche, die vor einigen Jahren in Schottland wütete, und beide haben die Geschichten über die unheimlichen Schatten gehört, die danach in dem Land zurückblieben. Das bedeutet, dass sowohl Jaime als auch Agatha immer wieder nicht nur mit einer unwirtlichen Umgebung fertig werden müssen, sondern auch mit ihren eigenen Ängsten und Herausforderungen. Im Laufe der Zeit stolpern sie dabei nicht nur über überraschende Verbündete, sondern auch über unnatürliche und gefährliche Wesen.

Dazu kommt, dass Agathas Perspektive so geschrieben (und sie aus Jaimes Sicht so beschrieben) wurde, dass sie wohl eine Person mit Down-Syndrom sein soll – und das sorgt für eine ganz andere Wahrnehmung von vielen Situationen. Das fand ich sehr faszinierend, weil das Mädchen viele Begegnungen ganz anders beurteilt, als es Jaime tut – was natürlich auch Agathas Reaktion auf neue Herausforderungen für ihn immer wieder etwas unberechenbar machte. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass Joseph Elliott Agatha stimmig und voller Respekt gegenüber ihrem Charakter geschrieben hat. Aber wie gut er die Perspektive einer Person mit Down-Syndrom getroffen hat, kann wohl nur eine solche Person beurteilen.

All die Erlebnisse, die Agatha und Jaime durchmachen müssen, hätte ich als Zwölfjährige vermutlich total spannend gefunden. Und auch als erwachsene Leserin habe ich den Roman in gerade mal zwei Abenden durchgelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Am Ende der Geschichte gibt es so einiges Potenzial für weitere Abenteuer für die beiden Figuren. Aber ich muss zugeben, dass ich dann doch nicht so gefesselt von den Erlebnissen war, die Jaime und Agatha durchmachen mussten, dass ich mir die beiden Fortsetzungen noch besorgen würde. Bei diesem Buch macht es sich für mich am Ende doch bemerkbar, dass ich definitiv deutlich älter bin als die anvisierte Zielgruppe (und nicht mehr so viel Freude wie früher an Romanen habe, die in einer ferneren Vergangenheit spielen).

Mark Oshiro: The Insider

„The Insider“ ist mein erstes Buch von Mark Oshiro, und es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Bevor ich mehr zu der Geschichte sage, möchte ich erwähnen, dass ich in dieser Rezension „they/them“ als Pronomen verwenden werde, weil das die Pronomen sind, die Mark Oshiro auf der eigenen Webseite für sich angibt, und weil es im Deutschen keine festen Pronomen für nichtbinäre Personen gibt. „The Insider“ wird aus der Perspektive von Héctor Muñoz erzählt, der aufgrund eines Jobwechsels seiner Mutter von San Francisco in den kleinen Ort Orangevale umziehen muss. Das Schlimmste daran ist für Héctor, dass er seine Schule – die sich auf Kunst und Schauspiel spezialisiert hat – und seine besten Freunde verlassen muss, aber er ist wild entschlossen, das Beste aus diesem Umzug zu machen. Doch trotz all seiner Bemühungen, einen Platz in seiner neuen Schule zu finden, eckt er immer wieder an, wird zur Zielscheibe der Schulbullys und muss zum ersten Mal in seinem Leben erfahren, dass ihn die Tatsache, dass er offen schwul ist, zu einem Außenseiter macht.

Es war wirklich schmerzhaft zu verfolgen, wie Héctor sich mit jedem weiteren Tag an dieser Schule immer kleiner macht, immer mehr versucht, sich anzupassen und den Erwartungen seiner Umgebung zu entsprechen, obwohl er dem Leser vor Schulbeginn als eine wunderbar schillernde und selbstbewusste Persönlichkeit vorgestellt wurde. Dabei ist nicht alles schlimm an seiner neuen Schule in Orangevale, so gibt es zum Beispiel eine wirklich sympathische Kunstlehrerin und eine Gruppe von Mitschüler*innen, die ebenso wie er Außenseiter sind. Aber selbst seine Versuche, unter den anderen „Misfits“ neue Freunde zu finden, scheitern daran, dass diese Angst vor den Schulbullys haben, die in Héctor ihre aktuellste Zielscheibe sehen. Einzig ein magischer Raum, der eines Tages in der Schule auftaucht und anscheinend nur von Héctor betreten werden kann, bietet dem Jungen eine Zuflucht während des Schulalltags.

Dieser Raum hält für Héctor all die Dinge bereit, die dieser gerade am dringensten benötigt, sei es eine Couch, auf der er Schlaf nachholen, oder ein Kühlschrank mit seinem Lieblingsgetränk, wenn er wieder einmal nicht zum Essen in die Cafeteria der Schule gehen kann. Nach einiger Zeit trifft Héctor sogar zwei Personen in diesem Raum, die zwar nicht auf die selbe Schule wie er gehen, mit denen er sich aber anfreunden kann – und sei es nur, weil Juliana und Sal mit ähnlichen Herausforderungen an ihren eigenen Schulen zu kämpfen haben. Die Freundschaft, die sich zwischen Héctor, Juliana und Sal entwickelt, bildet einen dringend notwendigen Gegensatz zu all den aufreibenden Erlebnissen, die Héctor durchstehen muss, und natürlich stehen sich die drei im Laufe der folgenden Wochen bei und schaffen es so sich das Leben gegenseitig etwas zu erleichtern.

Ich muss zugeben, dass ich mich als erwachsene Leserin anfangs gefragt hatte, wieso Héctor nicht offener gegenüber seinen liebevollen und aufmerksamen Eltern ist. Aber er hat immer wieder – in seinen Augen – gute Gründe, wieso er seinen Eltern nichts von den Schikanen in der Schule erzählt, so dass ich sein Verhalten am Ende relativ stimmig und nachvollziehbar fand. Außerdem hat Mark Oshiro natürlich recht damit, wenn they mit Héctors Geschichte zeigt, dass ein liebevolles Elternhause eben nicht vor einem queerfeindlichen und rassistischen Umfeld schützt. Ein weiterer Punkt, den ich bis zum Schluss der Geschichte schwer nachvollziehbar fand, war das Verhalten einer Person, die zur Schule gehört und die in Héctor immer und immer wieder den Übeltäter statt das Opfer sah – unabhängig davon, in was für einer Situation Héctor vorgefunden wurde. Aber auch hier gelang es Mark Oshiro für mich stimmig darzustellen, was das Problem mit dieser Person war und wieso sie sich so verhielt. Das führte dazu, dass ich am Ende das Gefühl hatte, ich hätte nicht nur eine nachvollziehbare Erklärung für etwas gefunden, das mich den gesamten Roman über beschäftigt hat, sondern auch etwas Wichtiges über zwischenmenschliche Interaktion gelernt.

Ich kann nicht behaupten, dass es ein wohltuendes Erlebnis war, „The Insider“ zu lesen, aber es ist ein eindringliches Buch mit einem wirklich wunderbaren Protagonisten. Mark Oshiro erzählt die Geschichte mit einer Mischung aus amüsanten Momente rund um Héctors Freunde, liebevollen Szenen mit seiner Familie und unerträglichen/zermürbenden Schikanen durch die Schulbullys. Was dazu führte, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte, während ich im nächsten Moment amüsiert vor mich hingackerte. Ich wusste lange nicht, wie ich meine Gedanken zu diesem Roman in Worte fassen sollte, aber da mich Protagonist Héctor und seine Erlebnisse auch nicht so recht losgelassen haben, wollte ich das Buch auch nicht ins Regal stellen, ohne eine Rezension dazu zu schreiben.

Anna-Marie McLemore: Blanca & Roja

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, jeden Monat zwei Bücher von meinem SuB zu lesen, die sich dort schon seit längerer Zeit befinden. Im Juli war eines dieser Bücher „Blanca & Roja“ von Anna-Marie McLemore. Ich habe keine Ahnung, wo ich über diesen Roman gestolpert war, aber das Buch lag fast sechs Jahre auf meinem SuB, weil mich andere Titel immer mehr gereizt hatten. Nach dem Lesen finde ich es wirklich bedauerlich, dass ich den Roman so lange ignoriert habe, denn ich hatte überraschend viel Freude damit. Die Handlung dreht sich um die Schwestern Blanca und Roja del Cisne sowie um ihre Mitschüler*innen Page und „Yearling“, und sie wird abwechselnd aus der Perspektive aller vier Personen erzählt, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, aber eben auch ermöglichte, dass die Leser*innen Blanca und Roja aus der Sicht von außenstehenden Personen kennenlernen konnten.

Blanca und Roja wachsen in einer Familie auf, in der ein Fluch dafür sorgt, dass seit Generationen jedem Ehepaar zwei Töchter geboren werden. Eine dieser Töchter darf erwachsen werden und ein (relativ) normales Leben führen. Die andere Tochter verwandelt sich in einen Schwan und fliegt im Herbst mit den wilden Schwänen davon. Blanca und Roja wachsen mit dem Wissen um diesen Fluch auf und sind fest entschlossen, die ersten de-Cisne-Töchter zu sein, die diesem Schicksal entkommen können. Auch Page und Yearling haben von dem Fluch gehört, der auf den beiden Schwestern liegt, doch vor allem beschäftigen sie ihre ganz eigenen Probleme. Page ist genderfluid, was in der sehr konservativen Umgebung, in der die vier Protagonist*innen aufwachsen, zu Problemen führt, während Pages bester Freund Yearling zu einer Familie gehört, in der Gewalt an der Tagesordnung ist.

Ich fand es wirklich faszinierend, wie es Anna-Marie McLemore gelungen ist, mit diesen vier Figuren, die alle ihre ganz eigenen Herausforderungen bestreiten müssen, eine ungewöhnliche und überraschend poetische Schneeweißchen-und-Rosenrot-Variante zu spinnen. Dabei gibt es so viele Szenen, in denen Themen wie Rassismus, Queerfeindlichkeit, Gewalt in der Familie, Korruption und ähnliches angesprochen werden, und trotzdem ist dieser Roman erstaunlich schön zu lesen. Ich habe es zum Beispiel sehr gemocht, mehr über die Freundschaft zwischen Page und Yearling zu erfahren, gerade weil die beiden Personen so verschieden sind und aus so gegensätzlichen Familien stammen. Bei Blanca und Roja hingegen war es bewundernswert, wie sehr die Schwestern füreinander einstanden, obwohl ihre Umgebung – inklusive ihrer Familie – ihnen von kleinauf beigebracht hatte, dass nur eine von ihnen den Fluch heil überstehen kann und sie deshalb Konkurrentinnen sind.

Ich muss zugeben, dass die Erzählstimmen von Page, Yearling, Blanca und Roja für mich nicht immer einfach auseinanderzuhalten waren, weshalb ich definitiv darauf angewiesen war, dass die Kapitelüberschriften auf die jeweilige Person hinwiesen. Aber es hat mich überraschend wenig gestört, dass alle vier Figuren so ähnlich klangen, weil ich immer wieder über Abschnitte stolperte, die ich so hübsch formuliert fand, dass ich sie mehrfach gelesen habe. Das ist etwas, was mir sehr selten passiert, und das ich hier deshalb umso mehr genossen habe. Diese wunderschönen Formulierungen haben gemeinsam mit der tiefen Zuneigung der Schwestern zueinander und der ebenso tiefen Freundschaft von Yearling und Page dafür gesorgt, dass ich die Geschichte – trotz all der ernsthaften Themen – als erstaunlich wohltuend empfunden habe. „Blanca & Roja“ hat mich neugierig auf weitere Veröffentlichungen von Anna-Marie McLemore gemacht, auch wenn ich bei der Vielfalt der in den Romane abgedeckten Themen wohl noch etwas recherchieren muss, bevor ich mich für einen nächsten Titel entscheiden kann.

Lese-Eindrücke September 2025

Im September habe ich (wie so oft) deutlich weniger gelesen, als mir lieb gewesen wäre. Aber da unter den gelesenen Titeln einige Bücher waren, zu denen mir „nur“ ein paar Zeilen eingefallen sind, gibt es hier dann doch wieder einige Lese-Eindrücke:

Francesca Gibbons: A Clock of Stars 1 – The Shadow Moth

„The Shadow Moth“ lag seit November oder Dezember 2021 auf meinem SuB, und so wurde es in diesem September wirklich mal Zeit, das Buch zu lesen. Die Geschichte wird aus der Perspektive der elfjährigen Imogen erzählt, die – gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Marie – der titelgebenden Motte in ein fantastisches Land folgt. Dort freunden sich die beiden Schwestern mit dem etwa gleichaltrigen Prinzen des Reichs an und erleben auf der Suche nach einem Heimweg so einige Abenteuer. Es gibt hin und wieder Geplänkel zwischen den drei Kindern, sie müssen eine Menge Gefahren überstehen und treffen auf sehr viele fantastische Wesen. Alles in allem weist „The Shadow Moth“ alle Elemente auf, die zu einer erfolgreichen Portal-Fantasy-Geschichte gehören. Das Ganze wird noch ergänzt von den charmanten Illustrationen von Chris Riddell, die die verschiedenen Charaktere und wichtigsten Situationen liebevoll einfangen. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht in ihren Bann ziehen. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag, aber bei mir sprang der Funke einfach nicht über. Francesca Gibbons hat so einige hübsche kleine Ideen in ihrem Buch untergebracht, die mir beim Lesen auch aufgefallen sind, aber berührt hat mich nichts von dem, was ich gelesen habe. Wenn der Roman nicht so zügig zu lesen gewesen wäre, hätte ich vermutlich nach 230 von 480 Seiten abgebrochen, weil es mich so wenig interessierte, wie die Handlung weiterging. Immerhin weiß ich nun, dass diese Trilogie nichts für mich ist, und ich habe ein weiteres „älteres“ Buch vom SuB entfernt.

Yukito Ayatsuji: The Mill House Murders

Nachdem ich „The Decagon House Murders“ von Yukito Ayatsuji schon sehr genossen hatte, habe ich natürlich noch einen weiteren Kriminalroman von dem Autor lesen wollen. Die Geschichte in „The Mill House Murders“ teilt sich auf in einen aktuellen Handlungsstrang (28./29. September 1986) und einen früheren Handlungsstrang (28./29. September 1985), wobei Teile des aktuellen Parts aus der Sicht des Hausherrn des Mill House erzählt werden. Es gibt einige Elemente, in denen sich dieser Roman und „The Decagon House Murders“ ähneln. So spielen beide Geschichten in Häusern, die von demselben Architekten gebaut wurden, ihre Besitzer sind eher reich und exentrisch, und die Morde passieren in einer isolierten Umgebung. Dabei fand ich es dieses Mal einfacher, den verschiedenen Hinweisen zu folgen und meine Schlüsse zu ziehen, wobei das nichts daran änderte, dass die Geschichte faszinierend und der Fall knifflig zu lösen war. Genau genommen hatte ich zwar früh einen Verdacht, wer der Mörder sein könnte, aber den genauen Ablauf der Taten und den letzten Kniff hinter all den Vorfällen habe ich dann doch erst relativ kurz vor der Auflösung erraten. Es gibt ein paar Elemente in den Romanen, die ich bei einem aktuellen Titel etwas ärgerlich fände und bei denen man den Geschichten ihr Alter und die Tatsache, dass sie von einem Mann geschrieben wurden, anmerkt – vor allem, wenn es um die eher eindimensionalen Frauenfiguren geht. Aber ich mag die Herausforderungen, die diese Kriminalfälle für mich mit sich bringen, und fühle mich insgesamt sehr gut davon unterhalten.

T. Kingfisher: Hemlock & Silver

„Hemlock & Silver“ ist das aktuellste „märchenhafte“ Buch von T. Kingfisher (Ursula Vernon), wobei die Autorin dieses Mal Schneewittchen-Elemente für ihre Geschichte aufgegriffen hat. Genau genommen wird die Handlung aus der Perspektive von Anja erzählt, die sich von klein auf für Gifte interessiert hat. Als der König nun befürchtet, dass seine einzige noch lebende Tochter vergiftet wurde, bittet er Anja um ihre Expertise. Wie auch sonst bei Ursula Vernons Büchern gibt es viele wunderbare (ältere) Charaktere in dem Roman und noch mehr absurde/gruselige Elemente, was bedeutet, dass ich mich beim Lesen von „Hemlock & Silver“ wirklich amüsiert habe. Aber ich muss auch zugeben, dass mir dieses Mal ein bisschen die Passagen fehlten, die mich sonst beim Lesen innehalten lassen. Die, die ein bisschen tiefer treffen, gerade weil der Großteil der Geschichte faszinierend absurd und amüsant und trotz aller fantastischen Elemente so bodenständig ist. Anja selbst ist ein großartiger bodenständiger Charakter, unbeholfen im Umgang mit Menschen und sehr begeisterungsfähig, wenn es um ihr Spezialgebiet geht, und ich habe ihre Perspektive wirklich gern verfolgt. Aber all die Details rund um Gifte und das Rätsel der Spiegel im königlichen Landsitz haben mir das Gefühl gegeben, dass es weniger Raum gab für anderes. Was nicht bedeutet, dass der Roman schlecht oder enttäuschend war – wie gesagt, ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten gefühlt! – nur etwas anders, als ich es erwartet hatte. (Mit ein bisschen Abstand frage ich mich, ob mein „Problem“ mit der Geschichte war, dass die Handlung – im Gegensatz zu allen anderen märchenhaften Romane von T. Kingfisher, an deren Erzählperspektive ich mich erinnern kann – aus der Ich-Perspektive erzählt wurde.)

Virginia McClain: Dungeons and Dragon Dating

„Dungeons and Dragon Dating“ von Virginia McClain war der perfekte Roman für die Zeit, die ich Ende September im Zahnarzt-Wartezimmer verbracht habe. Die Geschichte dreht sich um die Feuermagierin Kiara und die Herdhexe Lyra, die – dank eines „Dragon Dating Service“ – gemeinsam auf ein ungewöhnliches Date gehen. Beide Frauen haben in der Vergangenheit Beziehungen gehabt, die sie mit dem Eindruck zurückgelassen haben, dass sie für eine langfristige Partnerschaft nicht geeignet sind, weshalb beide nicht ganz freiwillig an diesem Date teilnehmen. Zu ihrer Überraschung finden Kiara und Lyra sich bei ihrer Verabredung in einem verfluchten Wald mit allerlei Gefahren wieder, die sie nur mit Kiaras Feuermagie und Erfahrung als Abenteurerin und Lyras Einfallsreichtum (und den turnerischen Fähigkeiten, die sie als Burlesque-Tänzerin gewonnen hat) bewältigen können. Die gerade mal knapp 200 Seiten Handlung waren sehr vorhersehbar und brauchten wenig Aufmerksamkeit, aber ich habe mich damit gut unterhalten gefühlt. Kiara und Lyra sind sympathische Charaktere, die Gefahren in dem verfluchten Wald sorgten für ein paar amüsante Szenen, und ich mochte, dass die beiden Frauen miteinander geredet und sich – soweit in dieser Situation möglich – Zeit zum Kennenlernen genommen haben. Ich weiß allerdings nicht, ob ich auf die im kommenden Jahr erscheinende Fortsetzung zurückgreifen würde, wenn ich wieder eine ablenkende Lektüre für eine ähnliche Situation suche. Schließlich wurden für „Hatchets and Heartache“ von Virginia McClain einige „spicy“ Szenen angekündigt – was ich dann doch nicht so gern in der Öffentlichkeit lesen, während ich auf einen unangenehmen Termin warte. 😉

Lese-Eindrücke August 2025

Nachdem ich im Juni und Juli schon fast alle für den Sommer gekauften Celia-Lake-eBooks gelesen hatte, habe ich im August meine Abende mit einer etwas bunteren Mischung an Romanen verbracht. Was bedeutet, dass ich auch wieder so einige Lese-Eindrücke sammeln konnte …

Kara Buchanan: Magica Riot (Maidensong Magica 1)

„Magica Riot“ ist eine „magical girl“-Geschichte, die mich wirklich gut unterhalten hat. Die Handlung wird aus der Sicht von Claire Ryland erzählt, die nach einem aufregenden Abend – inklusive einer Schlägerei in einer Seitengasse – in die Band „Magica Riot“ aufgenommen wird. Doch „Magica Riot“ ist nicht nur eine Band, sondern auch Teil der „Starlight Alliance“, deren Kämpferinnen die Welt (oder – wie im Fall von „Magica Riot“ – die Stadt Portland) vor Monstern beschützen. Ich habe Claire gern dabei begleitet, wie sie sich mit den anderen Bandmitglieder angefreundet und mehr über ihre Aufgabe als magical girl gelernt hat. Die trans Keytar-Spielerin ist natürlich anfangs ziemlich überwältigt von all den Veränderungen in ihrem Leben, aber ich habe es wirklich genossen mitzuverfolgen wie Claire immer mehr zu sich selbst und ihren Platz zwischen den anderen vier magical girls findet. Der Roman ist mit etwas über 200 Seiten relativ kurz, verfügt aber über all die Elemente, die zu einer „magical girl“-Geschichte gehören. Das führte dazu, dass ich mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten gefühlt habe, sondern auch auf angenehme Weise an die diversen Manga und Anime erinnert wurde, die ich eigentlich mal wieder lesen/sehen könnte.

Becky Chambers: The Long Way to A Small Angry Planet (Wayfarers 1)

Nachdem ich „Monk & Robot“ von Becky Chambers so mochte, dachte ich, es wäre Zeit, auch die Wayfarers-Romane auszuprobieren. Auch diese Reihe gehört zu den Büchern, über die so viel gesprochen wurde, dass ich erst einmal Abstand vom Hype brauchte, um überhaupt Lust auf ein erstes Antesten zu haben. Als ich dann also endlich damit anfing, habe ich die Handlung rund um das Raumschiff Wayfarer und seine Crew sehr genossen. Beginnend mit der Ankunft des neusten Crewmitglieds Rosemary Harper, begleitet die Geschichte die Wayfarer auf ihrem Weg in eine erst kürzlich befriedete Zone – und auf der langen Reise gibt es viele Details rund um die verschiedenen Personen, ihre Vergangenheit und ihre Planeten zu entdecken. Das war – trotz der diversen Gefahren – wunderbar wohltuend zu lesen, und ich freue mich, dass ich noch vier weitere Bücher von Becky Chambers auf dem SuB habe. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich – aufgrund des Perspektiv- und Schauplatzwechsels – etwas Zeit zwischen den einzelnen Romanen benötige und deshalb „A Closed and Common Orbit“ nach einem ersten Anlesen erst einmal zur Seite gelegt habe. Mal schauen, ob ich im September damit weitermache …

Sharna Jackson: The Good Turn

Nachdem ich die „High Rise„-Mysteries von Sharna Jackson so mochte, hatte ich mir „The Good Turn“ direkt mit der Veröffentlichung im Mai 2022 gekauft. Bei einem ersten Anlesen bin ich dann aber nicht mit der Protagonistin Josie warm geworden, und so lag der Roman erst einmal eine Zeitlang auf meinem SuB. Nachdem ich „The Good Turn“ nun endlich zu Ende gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich die Geschichte zwar mochte, aber Josies Perspektive weiterhin ungern verfolgt habe. Sie entwickelt sich (natürlich) im Laufe des Buchs weiter, und grundsätzlich würde ich sagen, dass Josies Verhalten realistisch und nachvollziehbar für eine Elfjährige ist, aber ich habe sie – im Gegensatz zu den Figuren aus „High Rise“ – nicht so sehr ins Herz geschlossen. Von Josie abgesehen gab es aber so einiges, was ich an der Handlung genossen habe. So ist es zum Beispiel immer wieder beeindruckend, wie es Sharna Jackson gelingt, die liebenswerten Seiten einer heruntergekommenen Gegend zu beschreiben, ohne dabei jemals unrealistisch zu werden. Auch Josies – nicht immer einfache – Freundschaft zu Wallace und Margot, die beide in Josies Nachbarschaft leben, fand ich stimmig. Außerdem sind die Herausforderungen für die Kinder (wie Rassismus, Einwanderungspolitik, Armut, Überforderung eines alleinerziehenden Elternteils), die Sharna Jackson in „The Good Turn“ aufgreift, leider ziemlich aktuell und somit Dinge, die wohl so einige (nicht nur) jugendliche Leser*innen beschäftigen. Grundsätzlich bin ich also immer noch überzeugt von Sharna Jacksons Erzählweise, aber ich weiß nicht, ob ich noch weitere Romane aus Josies Perspektive lesen möchte.

M. J. May: Perfectly Imperfect Pixie (Perfect Pixie 1)

Von „Perfectly Imperfect Pixie“ hatte ich vor einiger Zeit eine Leseprobe gelesen, die ich wirklich nett fand. Und da ich während der heißesten Tage im August kaum etwas auf die Reihe bekommen habe, das anstrengender war, als meinen eReader zu halten, hatte ich auch Bedarf an neuen Romanen, die wenig Konzentrationsfähigkeit erforderten. „Perfectly Imperfect Pixie“ (der Titel ist schon etwas lästig zu tippen) ist eine süße Geschichte, deren beiden Protagonisten dringende Probleme in ihrem Leben haben. Phil(odendron) ist ein Pixie, dessen ungewöhnliche Größe dafür sorgt, dass er nicht für die traditionellen Jobs eines Haus-und-Herd-Pixies engagiert wird, während der Werwolf Sed(rick) sich nach dem Tod seines Bruders und dessen Frau um seine Nichte Ruthie und seinen Neffen Dillon kümmern muss. Außerdem steckt Sed mitten in einem Sorgerechtsstreit, da der skrupellose Großvater der beiden Kinder das Testament der verstorbenen Eltern angefochten hat. Um zu beweisen, dass er sich gut um Dillon und Ruthie kümmert, empfielt Seds Anwalt ihm, einen Haus-und-Herd-Pixie zu engagieren. So dreht sich die Handlung in „Perfectly Imperfect Pixie“ vor allem darum, wie sich Phil und Sed um Dillon und Ruthie kümmern, Phil mit den diversen Herausforderungen rund um Seds Haushalt fertig wird und Sed sich mit all den Intrigen, die der Großvater der Kinder spinnt, auseinandersetzen muss. Ich mochte die verschiedenen Figuren, und das Ganze ist überraschend amüsant und wohltuend zu lesen. Natürlich gibt es immer wieder gefährliche Situationen, die durchgestanden werden müssen, aber da es recht schnell abzusehen ist, dass es für Sed und Phil (die sich am Ende endlich eingegestehen müssen, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben) gut ausgeht, haben diese Gefahren vor allem dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht zu zuckersüß wurde.

Alice Coldbreath: The Unlovely Bride (Brides of Karadok 2)

Über „The Unlovely Bride“ von Alice Coldbreath bin ich in einem YT-Video gestolpert. Nach dem Lesen der Leseprobe war ich mir ziemlich sicher, dass ich die Warnung der Autorin („Please do not purchase if you are offended by strong language and or sex scenes.“) ignorieren konnte und stattdessen viel Spaß mit der Liebesgeschichte haben würde. Die Handlung dreht sich um Lenora, deren gefeierte Schönheit nach einer Pocken-Erkrankung verschwunden ist, und um Garman, der bei jedem Turnier den Preis des unbeliebtesten Ritters gewinnen könnte. Da selbst Lenoras Eltern der Meinung sind, dass sie ohne ihre ehemalige Makellosigkeit besser an ihrer Krankheit verstorben wäre, bietet Lenora Garman an, dass er über ihre großzügige Mitgift verfügen kann, wenn er mit ihr durchbrennt. Von Anfang an ist klar, dass Garman eigentlich ein netter – wenn auch etwas ungehobelter – Kerl ist, und ich fand es sehr schön zu verfolgen, wie er und Lenora sich besser kennenlernen. Ich muss zugeben, dass ich eine etwas weniger derbe Ausdrucksweise von seiner Seite bevorzugt hätte, aber nichts davon war so irritierend, dass es mich beim Lesen wirklich gestört hätte. Stattdessen habe ich mit Vergnügen verfolgt, wie Lenora nach dem Verlust ihrer Schönheit entdeckt, dass sie eine ziemlich willenstarke und einfallsreiche Person ist, der es Freude bereitet, sich für andere einzusetzen. Garman hingegen muss ziemlich schnell mit der Erkenntnis fertigwerden, dass er sich Hals über Kopf in seine Frau verliebt hat, obwohl das doch so gar nicht in seine Pläne passt. Das war sehr süß und amüsant zu lesen, und ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft noch weitere Titel der „Brides of Karadok“-Reihe ausprobieren werde.

C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)

Im August habe ich mit „Soulstar“ endlich auch den dritten Band des Kingston-Cycle gelesen. Dieser Teil gefiel mir deutlich besser als „Stormsong“, weil trotz aller bedrückenden Ereignisse so viele Personen vorkamen, die sich für eine gerechtere Gesellschaft engagierten. Außerdem mochte ich die Perspektive von Robin, die in den vorhergehenden Büchern zwar als sympathische Nebenfigur vorkam, von deren Leben aber bislang nicht sehr viel erzählt worden war. Insgesamt war dieser Roman ein wirklich befriedigender Abschluss für die Trilogie – und trotzdem überlege ich, ob ich die drei Bücher aussortieren soll. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich die Romane noch einmal lesen möchte, weil der zweite Teil für mich so unfassbar frustrierend beim Lesen war. Für die Trilogie-übergreifende Handlung waren all diese frustrierenden Elemente gut und richtig (wenn ich von dieser einen offensichtlichen und ärgerlichen Auflösung eines bestimmten Aspekts absehe). Aber obwohl ich die Figuren und die Welt sehr mochte und definitiv der Meinung bin, dass C. L. Polk sehr gut darin ist, ihren Geschichten Leben einzuhauchen, schrecke ich momentan bei der Vorstellung zurück, „Stormsong“ noch einmal zu lesen. Wenn ich den zweiten Band des Kingston Cycle aber nicht noch einmal lesen möchte, dann muss ich „Witchmark“ und „Soulstar“ eigentlich auch nicht im Regal stehen lassen, obwohl sie mir wirklich gut gefallen haben.