Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Esme Symes-Smith: Sir Callie and the Champions of Helston

Die Handlung von „Sir Callie and the Champions of Helston“ von Esme Symes-Smith erinnert mich in vielen Elementen an die Alanna-von-Trebond-Reihe von Tamora Pierce. Allerdings machen sich die 40 Jahre, die zwischen der Veröffentlichung von „Alanna – The First Adventure“ und „Sir Callie and the Champions of Helston“ liegen, deutlich bemerkbar. Sir Callies Geschichte ist komplexer, queerer und konzentriert sich nicht nur auf die Hauptfigur, sondern auch auf all die anderen Personen, die – so wie Callie – unter der Bigotterie ihrer Umgebung leiden. Callie wächst in einer Welt auf, in der die adligen Mädchen traditionell den Umgang mit (dekorativer und/oder heilender) Magie lernen, während die adligen Jungen im Umgang mit dem Schwert trainiert werden. Callie träumt davon, eine Ausbildung zum Ritter zu machen, und gemeinsam mit dem Vater, der der Champion des Königs ist, das Königreich Helston vor seinen Feinden zu beschützen.

Doch natürlich ist ein Königreich, in dem den Bürger*innen schon bei der Geburt ihre Rollen zugeschrieben werden, nicht gewillt, eine nicht-binäre Person zur Knappen-Ausbildung zuzulassen. Als Callies Vater an den Hof gerufen wird, um den jungen Prinzen auf ein Turnier vorzubereiten, findet Callie heraus, wie fürchterlich die Situation in Helston in den zwei Jahren seit dem Verschwinden des aktuellen Königs für all die anderen „Außenseiter“ geworden ist. Während die adligen Mädchen regelrecht in den Gemächern der Königin eingesperrt werden, werden die Jungen auf einen Krieg gegen das benachbarte Dunmoor vorbereitet, und der Prinz wird tagtäglich bei diesem Waffentraining misshandelt – unter dem Vorwand, dass er „männlicher“ und „königlicher“ werden muss. Für Callie ist es unerträglich, diese Situation mitanzusehen, und das führt im Laufe des Romans zu so einigen Kämpfen (mit Waffen und Wörtern), aber auch zu neuen Freundschaften mit Gleichaltrigen am Hof.

Ich mochte es sehr, Callies Perspektive zu folgen, auch wenn es aufreibend zu lesen ist, wie sehr Callie (und Callies neue Freund*innen) unter einer engstirnigen, binären Gesellschaft leidet, die alles dafür tut, um ihre Bewohner*innen in enge Formen zu pressen. Umso wohltuender ist es, Callies Entschlossenheit und Dickköpfigkeit zu verfolgen und mitzuerleben, wie sehr Callie sich für andere Personen einsetzt – wenn auch regelmäßig auf Kosten des eigenen Wohlergehens. Für Callie ist es sehr schwierig mitanzusehen, wenn Unrecht geschieht, während die Erwachsenen drumherum ständig vermeintlich gute Gründe für das Verhalten des Bösewichts und seiner Schergen finden.

Ich fand es ziemlich frustrierend zu lesen, wie Callie immer wieder von den Personen, die eigentlich an Callies Seite hätten stehen müssen, gebremst wurde. Immer wieder wird deutlich, dass Kompromisse in einer Situation, in der es um das Leben einer (minderjährigen) Person geht, unangebracht sind – wenn auch leider sehr realistisch. Auf der anderen Seite hat Esme Symes-Smith beim Schreiben eine gute Balance zwischen diesen frustrierenden Momenten in der Handlung und den wohltuenden/amüsanten Szenen mit Callies Freund*innen gefunden. Das führte dazu, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen mochte und mich ständig dabei ertappte, dass ich „nur eben kurz ein Kapitel“ gelesen habe, während ich eigentlich andere Dinge zu tun hatte. Und nun warte ich darauf, dass der zweite Band, „Sir Callie and the Dragon’s Roost“, bei mir eintrifft, damit ich herausfinden kann, wie es Callie und all den anderen weiter ergeht.

Rin Chupeco: Wicked as You Wish (A Hundred Names for Magic 1)

Mit „Wicked as You Wish“ von Rin Chupeco habe ich Anfang März mal wieder ein Buch vom SuB gefischt, das da schon ein paar Jahre drauf lag. Lustigerweise habe ich zwei Bücher von Rin Chupeco auf dem SuB gehabt, obwohl ich bislang noch nie etwas von der Person (they/them-Pronomen sind im Deutschen wirklich schwierig) gelesen hatte. „Wicked as You Wish“ spielt in einer alternativen, fantastischen Welt, die in vielen Elementen (Technologie, Politik, Musik, Filme usw.) unserer Welt entspricht, in der Magie aber einen selbstverständlichen Einfluss auf das Leben der Menschen hat – sogar in den Ländern, die die Nutzung von Magie stark einschränken. Die Protagonistin Tala Makiling ist in dem kleinen Ort Invierno, Arizona, in den Royal States of Amerika aufgewachsen, in dem Magie durch einen lokalen Effekt unterdrückt wird. Talas Eltern haben diesen Ort bewusst als Wohnort gewählt, in der Hoffnung, dass er helfen würde, Talas besondere magische Fähigkeit (andere Magie auszulöschen) verborgen zu halten, solange sie noch zu jung und unerfahren ist, um diese im Griff zu haben.

Die Handlung selbst beginnt mit der Ankunft von Alex in Invierno. Alex ist der Kronprinz von Avalon und lebt – seit sein Land vor zwölf Jahren von der Schneekönigin angegriffen wurde – im Verborgenen. Außerdem wird Alex ziemlich schnell zu Talas bestem Freund, weshalb sie einige Monate später – gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Teenager – auch in all die Abenteuer reingezogen wird, die mit Alex‘ Versuch, Avalon vom Fluch der Schneekönigin zu befreien, einhergehen. Ich mochte die Welt, die sich Rin Chupeco für ihre „A Hundred Names for Magic“-Trilogie ausgedacht hat, wirklich gern. Neben den realen Dingen aus unserer Welt (ICE ist in diesem Roman, der im Jahr 2021 erschienen ist, die große böse Organisation auf amerikanischem Boden) gibt es eine wilde Mischung aus Märchen- und Sagen-Elementen, die von Rin Chupeco mit sehr viel Fantasie eingesetzt werden. „The Cheshire“ ist z. B. der letzte überlebende Adelige des Wunderlands und nun derjenige, der den Widerstand gegen die Schneekönigin koordiniert. Flüche gehören ganz normal zum Leben der einflussreicheren Bewohner der diversen magischen Länder – auch wenn sie manchmal ganz schön lästig sind – und das Wirken von Magie erfordert einen Preis (und nicht immer sind sich die Personen, die diesen Preis zahlen, bewusst, was sie damit verlieren).

Ebenso reizvoll wie die Welt fand ich die vielen verschiedenen Charaktere, die diesen Roman bevölkern. Auch wenn Talas Familie nur aus ihr und ihren Eltern besteht, so wächst sie doch in einer Nachbarschaft voller Titas und Titos auf, die sie mindestens ebenso liebevoll erziehen, wie ihre Eltern es tun. Dazu kommt die Gruppe von Jugendlichen, die den Auftrag bekommen hatte, Alex aus Invierno zu holen und in Sicherheit zu bringen – und die stattdessen gemeinsam mit dem Kronprinzen und Tala durch das verfluchte Avalon reisen. Ich will nicht behaupten, dass diese Figuren klischeefrei gestaltet wurden, aber ich mochte sie und habe mich bei all dem Geplänkel zwischen ihnen gut unterhalten gefühlt (selbst wenn der Gestaltwandler ein wenig zu oft daran erinnert werden musste, dass er sich nach seiner Rückverwandlung doch bitte etwas anziehen soll). Ein bisschen nervig fand ich es, dass sowohl der Klappentext als auch eine Prophezeiung innerhalb der Geschichte betonen, dass es einen Verräter innerhalb der Gruppe gibt. Denn natürlich sind die offensichtlich wirkenden Kandidat*innen nicht die Personen, die Alex und Avalon verraten würden, und das liegt im Prinzip von Anfang an auf der Hand. Ich persönlich bevorzuge es, wenn solche „unvorhersehbaren“ Enthüllungen in der Handlung auch wirklich überraschend kommen, statt mit Fanfaren angekündigt zu werden, in dem vergeblichen Versuch, mit diesem Handlungselement Spannung aufzubauen.

Insgesamt war „Wicked as You Wish“ aber ein wirklich nettes und unterhaltsames Jugendbuch (und ja, es ist wirklich ein Jugendbuch und nicht „Young Adult“ – was ich sehr angenehm fand). Gerade weil Rin Chupeco nicht davor zurückschreckt, auch schwierige Themen anzusprechen, wie zum Beispiel Flucht aus Kriegsgebieten und die Art und Weise, wie Schutzsuchende von ihren Zielländern oft behandelt werden, habe ich die Geschichte gern gelesen. Ich fand die Handlung jetzt nicht so spannend, dass ich den Roman nicht hätte aus der Hand legen können, aber ich habe mich über all die kleinen kreativen Details rund um die magischen Elemente in der Geschichte gefreut. Außerdem mochte ich es, endlich mal wieder ein Jugendbuch zu lesen, in dem sich die Teenager (zumindest meinem Gefühl nach) altersgerecht verhalten haben und trotzdem nicht unerträglich für mich zu lesen waren. Ich bin neugierig, wie es mit Tala und den anderen weitergeht und ob es Alex gelingen wird, Avalon in Zukunft vor der Schneekönigin zu beschützen. Was bedeutet, dass ich direkt nach dem Beenden dieses Romans die Fortsetzung „An Unreliable Magic“ bestellt habe und hoffentlich dann bald lesen kann. Mal schauen, ob mich die Trilogie bis zum Ende gut unterhält – und was ich danach zu „The Bone Witch“ von Rin Chupeco sagen kann, was auch noch auf meinem SuB liegt.

Joseph Elliott: The Good Hawk (Shadow Skye 1)

„The Good Hawk“ von Joseph Elliott lag seit fast vier Jahren auf meinem SuB, bis ich den Roman im Oktober endlich gelesen habe. Die Geschichte beginnt auf der Insel Skye und wird abwechselnd aus der Sicht von Agatha und Jaime erzählt. Beide sind vor einigen Monaten 15 geworden, und beide haben ein paar Probleme mit dem Beruf, der ihnen zu diesem Zeitpunkt zugeteilt wurde. Während Agatha als „Hawk“ die Ansiedlung des Clans Clann-a-Tuath bewachen soll und dabei eines Tages einen gravierenden Fehler begeht, bekommt Jaime, wenn er als „Angler“ (Fischer) aufs Meer fährt, Panikattacken. Doch als ihr Clan überfallen und versklavt wird, sind es diese beiden, die sich per Boot auf dem Weg machen, um die gefangen genommenen Clanmitglieder zu retten.

Das Ganze spielt in einer Vergangenheit, in der Schottland und England seit Ewigkeiten miteinander im Krieg lagen – bis Schottlands Bevölkerung durch eine Seuche fast vollständig ausgelöscht wurde. So ist es für Agatha und Jaime eine besondere Herausforderung, dass sie während ihres Abenteuers das Festland betreten müssen. Beide wissen von der Seuche, die vor einigen Jahren in Schottland wütete, und beide haben die Geschichten über die unheimlichen Schatten gehört, die danach in dem Land zurückblieben. Das bedeutet, dass sowohl Jaime als auch Agatha immer wieder nicht nur mit einer unwirtlichen Umgebung fertig werden müssen, sondern auch mit ihren eigenen Ängsten und Herausforderungen. Im Laufe der Zeit stolpern sie dabei nicht nur über überraschende Verbündete, sondern auch über unnatürliche und gefährliche Wesen.

Dazu kommt, dass Agathas Perspektive so geschrieben (und sie aus Jaimes Sicht so beschrieben) wurde, dass sie wohl eine Person mit Down-Syndrom sein soll – und das sorgt für eine ganz andere Wahrnehmung von vielen Situationen. Das fand ich sehr faszinierend, weil das Mädchen viele Begegnungen ganz anders beurteilt, als es Jaime tut – was natürlich auch Agathas Reaktion auf neue Herausforderungen für ihn immer wieder etwas unberechenbar machte. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass Joseph Elliott Agatha stimmig und voller Respekt gegenüber ihrem Charakter geschrieben hat. Aber wie gut er die Perspektive einer Person mit Down-Syndrom getroffen hat, kann wohl nur eine solche Person beurteilen.

All die Erlebnisse, die Agatha und Jaime durchmachen müssen, hätte ich als Zwölfjährige vermutlich total spannend gefunden. Und auch als erwachsene Leserin habe ich den Roman in gerade mal zwei Abenden durchgelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Am Ende der Geschichte gibt es so einiges Potenzial für weitere Abenteuer für die beiden Figuren. Aber ich muss zugeben, dass ich dann doch nicht so gefesselt von den Erlebnissen war, die Jaime und Agatha durchmachen mussten, dass ich mir die beiden Fortsetzungen noch besorgen würde. Bei diesem Buch macht es sich für mich am Ende doch bemerkbar, dass ich definitiv deutlich älter bin als die anvisierte Zielgruppe (und nicht mehr so viel Freude wie früher an Romanen habe, die in einer ferneren Vergangenheit spielen).

Mark Oshiro: The Insider

„The Insider“ ist mein erstes Buch von Mark Oshiro, und es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Bevor ich mehr zu der Geschichte sage, möchte ich erwähnen, dass ich in dieser Rezension „they/them“ als Pronomen verwenden werde, weil das die Pronomen sind, die Mark Oshiro auf der eigenen Webseite für sich angibt, und weil es im Deutschen keine festen Pronomen für nichtbinäre Personen gibt. „The Insider“ wird aus der Perspektive von Héctor Muñoz erzählt, der aufgrund eines Jobwechsels seiner Mutter von San Francisco in den kleinen Ort Orangevale umziehen muss. Das Schlimmste daran ist für Héctor, dass er seine Schule – die sich auf Kunst und Schauspiel spezialisiert hat – und seine besten Freunde verlassen muss, aber er ist wild entschlossen, das Beste aus diesem Umzug zu machen. Doch trotz all seiner Bemühungen, einen Platz in seiner neuen Schule zu finden, eckt er immer wieder an, wird zur Zielscheibe der Schulbullys und muss zum ersten Mal in seinem Leben erfahren, dass ihn die Tatsache, dass er offen schwul ist, zu einem Außenseiter macht.

Es war wirklich schmerzhaft zu verfolgen, wie Héctor sich mit jedem weiteren Tag an dieser Schule immer kleiner macht, immer mehr versucht, sich anzupassen und den Erwartungen seiner Umgebung zu entsprechen, obwohl er dem Leser vor Schulbeginn als eine wunderbar schillernde und selbstbewusste Persönlichkeit vorgestellt wurde. Dabei ist nicht alles schlimm an seiner neuen Schule in Orangevale, so gibt es zum Beispiel eine wirklich sympathische Kunstlehrerin und eine Gruppe von Mitschüler*innen, die ebenso wie er Außenseiter sind. Aber selbst seine Versuche, unter den anderen „Misfits“ neue Freunde zu finden, scheitern daran, dass diese Angst vor den Schulbullys haben, die in Héctor ihre aktuellste Zielscheibe sehen. Einzig ein magischer Raum, der eines Tages in der Schule auftaucht und anscheinend nur von Héctor betreten werden kann, bietet dem Jungen eine Zuflucht während des Schulalltags.

Dieser Raum hält für Héctor all die Dinge bereit, die dieser gerade am dringensten benötigt, sei es eine Couch, auf der er Schlaf nachholen, oder ein Kühlschrank mit seinem Lieblingsgetränk, wenn er wieder einmal nicht zum Essen in die Cafeteria der Schule gehen kann. Nach einiger Zeit trifft Héctor sogar zwei Personen in diesem Raum, die zwar nicht auf die selbe Schule wie er gehen, mit denen er sich aber anfreunden kann – und sei es nur, weil Juliana und Sal mit ähnlichen Herausforderungen an ihren eigenen Schulen zu kämpfen haben. Die Freundschaft, die sich zwischen Héctor, Juliana und Sal entwickelt, bildet einen dringend notwendigen Gegensatz zu all den aufreibenden Erlebnissen, die Héctor durchstehen muss, und natürlich stehen sich die drei im Laufe der folgenden Wochen bei und schaffen es so sich das Leben gegenseitig etwas zu erleichtern.

Ich muss zugeben, dass ich mich als erwachsene Leserin anfangs gefragt hatte, wieso Héctor nicht offener gegenüber seinen liebevollen und aufmerksamen Eltern ist. Aber er hat immer wieder – in seinen Augen – gute Gründe, wieso er seinen Eltern nichts von den Schikanen in der Schule erzählt, so dass ich sein Verhalten am Ende relativ stimmig und nachvollziehbar fand. Außerdem hat Mark Oshiro natürlich recht damit, wenn they mit Héctors Geschichte zeigt, dass ein liebevolles Elternhause eben nicht vor einem queerfeindlichen und rassistischen Umfeld schützt. Ein weiterer Punkt, den ich bis zum Schluss der Geschichte schwer nachvollziehbar fand, war das Verhalten einer Person, die zur Schule gehört und die in Héctor immer und immer wieder den Übeltäter statt das Opfer sah – unabhängig davon, in was für einer Situation Héctor vorgefunden wurde. Aber auch hier gelang es Mark Oshiro für mich stimmig darzustellen, was das Problem mit dieser Person war und wieso sie sich so verhielt. Das führte dazu, dass ich am Ende das Gefühl hatte, ich hätte nicht nur eine nachvollziehbare Erklärung für etwas gefunden, das mich den gesamten Roman über beschäftigt hat, sondern auch etwas Wichtiges über zwischenmenschliche Interaktion gelernt.

Ich kann nicht behaupten, dass es ein wohltuendes Erlebnis war, „The Insider“ zu lesen, aber es ist ein eindringliches Buch mit einem wirklich wunderbaren Protagonisten. Mark Oshiro erzählt die Geschichte mit einer Mischung aus amüsanten Momente rund um Héctors Freunde, liebevollen Szenen mit seiner Familie und unerträglichen/zermürbenden Schikanen durch die Schulbullys. Was dazu führte, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte, während ich im nächsten Moment amüsiert vor mich hingackerte. Ich wusste lange nicht, wie ich meine Gedanken zu diesem Roman in Worte fassen sollte, aber da mich Protagonist Héctor und seine Erlebnisse auch nicht so recht losgelassen haben, wollte ich das Buch auch nicht ins Regal stellen, ohne eine Rezension dazu zu schreiben.

Anna-Marie McLemore: Blanca & Roja

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, jeden Monat zwei Bücher von meinem SuB zu lesen, die sich dort schon seit längerer Zeit befinden. Im Juli war eines dieser Bücher „Blanca & Roja“ von Anna-Marie McLemore. Ich habe keine Ahnung, wo ich über diesen Roman gestolpert war, aber das Buch lag fast sechs Jahre auf meinem SuB, weil mich andere Titel immer mehr gereizt hatten. Nach dem Lesen finde ich es wirklich bedauerlich, dass ich den Roman so lange ignoriert habe, denn ich hatte überraschend viel Freude damit. Die Handlung dreht sich um die Schwestern Blanca und Roja del Cisne sowie um ihre Mitschüler*innen Page und „Yearling“, und sie wird abwechselnd aus der Perspektive aller vier Personen erzählt, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, aber eben auch ermöglichte, dass die Leser*innen Blanca und Roja aus der Sicht von außenstehenden Personen kennenlernen konnten.

Blanca und Roja wachsen in einer Familie auf, in der ein Fluch dafür sorgt, dass seit Generationen jedem Ehepaar zwei Töchter geboren werden. Eine dieser Töchter darf erwachsen werden und ein (relativ) normales Leben führen. Die andere Tochter verwandelt sich in einen Schwan und fliegt im Herbst mit den wilden Schwänen davon. Blanca und Roja wachsen mit dem Wissen um diesen Fluch auf und sind fest entschlossen, die ersten de-Cisne-Töchter zu sein, die diesem Schicksal entkommen können. Auch Page und Yearling haben von dem Fluch gehört, der auf den beiden Schwestern liegt, doch vor allem beschäftigen sie ihre ganz eigenen Probleme. Page ist genderfluid, was in der sehr konservativen Umgebung, in der die vier Protagonist*innen aufwachsen, zu Problemen führt, während Pages bester Freund Yearling zu einer Familie gehört, in der Gewalt an der Tagesordnung ist.

Ich fand es wirklich faszinierend, wie es Anna-Marie McLemore gelungen ist, mit diesen vier Figuren, die alle ihre ganz eigenen Herausforderungen bestreiten müssen, eine ungewöhnliche und überraschend poetische Schneeweißchen-und-Rosenrot-Variante zu spinnen. Dabei gibt es so viele Szenen, in denen Themen wie Rassismus, Queerfeindlichkeit, Gewalt in der Familie, Korruption und ähnliches angesprochen werden, und trotzdem ist dieser Roman erstaunlich schön zu lesen. Ich habe es zum Beispiel sehr gemocht, mehr über die Freundschaft zwischen Page und Yearling zu erfahren, gerade weil die beiden Personen so verschieden sind und aus so gegensätzlichen Familien stammen. Bei Blanca und Roja hingegen war es bewundernswert, wie sehr die Schwestern füreinander einstanden, obwohl ihre Umgebung – inklusive ihrer Familie – ihnen von kleinauf beigebracht hatte, dass nur eine von ihnen den Fluch heil überstehen kann und sie deshalb Konkurrentinnen sind.

Ich muss zugeben, dass die Erzählstimmen von Page, Yearling, Blanca und Roja für mich nicht immer einfach auseinanderzuhalten waren, weshalb ich definitiv darauf angewiesen war, dass die Kapitelüberschriften auf die jeweilige Person hinwiesen. Aber es hat mich überraschend wenig gestört, dass alle vier Figuren so ähnlich klangen, weil ich immer wieder über Abschnitte stolperte, die ich so hübsch formuliert fand, dass ich sie mehrfach gelesen habe. Das ist etwas, was mir sehr selten passiert, und das ich hier deshalb umso mehr genossen habe. Diese wunderschönen Formulierungen haben gemeinsam mit der tiefen Zuneigung der Schwestern zueinander und der ebenso tiefen Freundschaft von Yearling und Page dafür gesorgt, dass ich die Geschichte – trotz all der ernsthaften Themen – als erstaunlich wohltuend empfunden habe. „Blanca & Roja“ hat mich neugierig auf weitere Veröffentlichungen von Anna-Marie McLemore gemacht, auch wenn ich bei der Vielfalt der in den Romane abgedeckten Themen wohl noch etwas recherchieren muss, bevor ich mich für einen nächsten Titel entscheiden kann.

Lese-Eindrücke September 2025

Im September habe ich (wie so oft) deutlich weniger gelesen, als mir lieb gewesen wäre. Aber da unter den gelesenen Titeln einige Bücher waren, zu denen mir „nur“ ein paar Zeilen eingefallen sind, gibt es hier dann doch wieder einige Lese-Eindrücke:

Francesca Gibbons: A Clock of Stars 1 – The Shadow Moth

„The Shadow Moth“ lag seit November oder Dezember 2021 auf meinem SuB, und so wurde es in diesem September wirklich mal Zeit, das Buch zu lesen. Die Geschichte wird aus der Perspektive der elfjährigen Imogen erzählt, die – gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Marie – der titelgebenden Motte in ein fantastisches Land folgt. Dort freunden sich die beiden Schwestern mit dem etwa gleichaltrigen Prinzen des Reichs an und erleben auf der Suche nach einem Heimweg so einige Abenteuer. Es gibt hin und wieder Geplänkel zwischen den drei Kindern, sie müssen eine Menge Gefahren überstehen und treffen auf sehr viele fantastische Wesen. Alles in allem weist „The Shadow Moth“ alle Elemente auf, die zu einer erfolgreichen Portal-Fantasy-Geschichte gehören. Das Ganze wird noch ergänzt von den charmanten Illustrationen von Chris Riddell, die die verschiedenen Charaktere und wichtigsten Situationen liebevoll einfangen. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht in ihren Bann ziehen. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag, aber bei mir sprang der Funke einfach nicht über. Francesca Gibbons hat so einige hübsche kleine Ideen in ihrem Buch untergebracht, die mir beim Lesen auch aufgefallen sind, aber berührt hat mich nichts von dem, was ich gelesen habe. Wenn der Roman nicht so zügig zu lesen gewesen wäre, hätte ich vermutlich nach 230 von 480 Seiten abgebrochen, weil es mich so wenig interessierte, wie die Handlung weiterging. Immerhin weiß ich nun, dass diese Trilogie nichts für mich ist, und ich habe ein weiteres „älteres“ Buch vom SuB entfernt.

Yukito Ayatsuji: The Mill House Murders

Nachdem ich „The Decagon House Murders“ von Yukito Ayatsuji schon sehr genossen hatte, habe ich natürlich noch einen weiteren Kriminalroman von dem Autor lesen wollen. Die Geschichte in „The Mill House Murders“ teilt sich auf in einen aktuellen Handlungsstrang (28./29. September 1986) und einen früheren Handlungsstrang (28./29. September 1985), wobei Teile des aktuellen Parts aus der Sicht des Hausherrn des Mill House erzählt werden. Es gibt einige Elemente, in denen sich dieser Roman und „The Decagon House Murders“ ähneln. So spielen beide Geschichten in Häusern, die von demselben Architekten gebaut wurden, ihre Besitzer sind eher reich und exentrisch, und die Morde passieren in einer isolierten Umgebung. Dabei fand ich es dieses Mal einfacher, den verschiedenen Hinweisen zu folgen und meine Schlüsse zu ziehen, wobei das nichts daran änderte, dass die Geschichte faszinierend und der Fall knifflig zu lösen war. Genau genommen hatte ich zwar früh einen Verdacht, wer der Mörder sein könnte, aber den genauen Ablauf der Taten und den letzten Kniff hinter all den Vorfällen habe ich dann doch erst relativ kurz vor der Auflösung erraten. Es gibt ein paar Elemente in den Romanen, die ich bei einem aktuellen Titel etwas ärgerlich fände und bei denen man den Geschichten ihr Alter und die Tatsache, dass sie von einem Mann geschrieben wurden, anmerkt – vor allem, wenn es um die eher eindimensionalen Frauenfiguren geht. Aber ich mag die Herausforderungen, die diese Kriminalfälle für mich mit sich bringen, und fühle mich insgesamt sehr gut davon unterhalten.

T. Kingfisher: Hemlock & Silver

„Hemlock & Silver“ ist das aktuellste „märchenhafte“ Buch von T. Kingfisher (Ursula Vernon), wobei die Autorin dieses Mal Schneewittchen-Elemente für ihre Geschichte aufgegriffen hat. Genau genommen wird die Handlung aus der Perspektive von Anja erzählt, die sich von klein auf für Gifte interessiert hat. Als der König nun befürchtet, dass seine einzige noch lebende Tochter vergiftet wurde, bittet er Anja um ihre Expertise. Wie auch sonst bei Ursula Vernons Büchern gibt es viele wunderbare (ältere) Charaktere in dem Roman und noch mehr absurde/gruselige Elemente, was bedeutet, dass ich mich beim Lesen von „Hemlock & Silver“ wirklich amüsiert habe. Aber ich muss auch zugeben, dass mir dieses Mal ein bisschen die Passagen fehlten, die mich sonst beim Lesen innehalten lassen. Die, die ein bisschen tiefer treffen, gerade weil der Großteil der Geschichte faszinierend absurd und amüsant und trotz aller fantastischen Elemente so bodenständig ist. Anja selbst ist ein großartiger bodenständiger Charakter, unbeholfen im Umgang mit Menschen und sehr begeisterungsfähig, wenn es um ihr Spezialgebiet geht, und ich habe ihre Perspektive wirklich gern verfolgt. Aber all die Details rund um Gifte und das Rätsel der Spiegel im königlichen Landsitz haben mir das Gefühl gegeben, dass es weniger Raum gab für anderes. Was nicht bedeutet, dass der Roman schlecht oder enttäuschend war – wie gesagt, ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten gefühlt! – nur etwas anders, als ich es erwartet hatte. (Mit ein bisschen Abstand frage ich mich, ob mein „Problem“ mit der Geschichte war, dass die Handlung – im Gegensatz zu allen anderen märchenhaften Romane von T. Kingfisher, an deren Erzählperspektive ich mich erinnern kann – aus der Ich-Perspektive erzählt wurde.)

Virginia McClain: Dungeons and Dragon Dating

„Dungeons and Dragon Dating“ von Virginia McClain war der perfekte Roman für die Zeit, die ich Ende September im Zahnarzt-Wartezimmer verbracht habe. Die Geschichte dreht sich um die Feuermagierin Kiara und die Herdhexe Lyra, die – dank eines „Dragon Dating Service“ – gemeinsam auf ein ungewöhnliches Date gehen. Beide Frauen haben in der Vergangenheit Beziehungen gehabt, die sie mit dem Eindruck zurückgelassen haben, dass sie für eine langfristige Partnerschaft nicht geeignet sind, weshalb beide nicht ganz freiwillig an diesem Date teilnehmen. Zu ihrer Überraschung finden Kiara und Lyra sich bei ihrer Verabredung in einem verfluchten Wald mit allerlei Gefahren wieder, die sie nur mit Kiaras Feuermagie und Erfahrung als Abenteurerin und Lyras Einfallsreichtum (und den turnerischen Fähigkeiten, die sie als Burlesque-Tänzerin gewonnen hat) bewältigen können. Die gerade mal knapp 200 Seiten Handlung waren sehr vorhersehbar und brauchten wenig Aufmerksamkeit, aber ich habe mich damit gut unterhalten gefühlt. Kiara und Lyra sind sympathische Charaktere, die Gefahren in dem verfluchten Wald sorgten für ein paar amüsante Szenen, und ich mochte, dass die beiden Frauen miteinander geredet und sich – soweit in dieser Situation möglich – Zeit zum Kennenlernen genommen haben. Ich weiß allerdings nicht, ob ich auf die im kommenden Jahr erscheinende Fortsetzung zurückgreifen würde, wenn ich wieder eine ablenkende Lektüre für eine ähnliche Situation suche. Schließlich wurden für „Hatchets and Heartache“ von Virginia McClain einige „spicy“ Szenen angekündigt – was ich dann doch nicht so gern in der Öffentlichkeit lesen, während ich auf einen unangenehmen Termin warte. 😉

Lese-Eindrücke August 2025

Nachdem ich im Juni und Juli schon fast alle für den Sommer gekauften Celia-Lake-eBooks gelesen hatte, habe ich im August meine Abende mit einer etwas bunteren Mischung an Romanen verbracht. Was bedeutet, dass ich auch wieder so einige Lese-Eindrücke sammeln konnte …

Kara Buchanan: Magica Riot (Maidensong Magica 1)

„Magica Riot“ ist eine „magical girl“-Geschichte, die mich wirklich gut unterhalten hat. Die Handlung wird aus der Sicht von Claire Ryland erzählt, die nach einem aufregenden Abend – inklusive einer Schlägerei in einer Seitengasse – in die Band „Magica Riot“ aufgenommen wird. Doch „Magica Riot“ ist nicht nur eine Band, sondern auch Teil der „Starlight Alliance“, deren Kämpferinnen die Welt (oder – wie im Fall von „Magica Riot“ – die Stadt Portland) vor Monstern beschützen. Ich habe Claire gern dabei begleitet, wie sie sich mit den anderen Bandmitglieder angefreundet und mehr über ihre Aufgabe als magical girl gelernt hat. Die trans Keytar-Spielerin ist natürlich anfangs ziemlich überwältigt von all den Veränderungen in ihrem Leben, aber ich habe es wirklich genossen mitzuverfolgen wie Claire immer mehr zu sich selbst und ihren Platz zwischen den anderen vier magical girls findet. Der Roman ist mit etwas über 200 Seiten relativ kurz, verfügt aber über all die Elemente, die zu einer „magical girl“-Geschichte gehören. Das führte dazu, dass ich mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten gefühlt habe, sondern auch auf angenehme Weise an die diversen Manga und Anime erinnert wurde, die ich eigentlich mal wieder lesen/sehen könnte.

Becky Chambers: The Long Way to A Small Angry Planet (Wayfarers 1)

Nachdem ich „Monk & Robot“ von Becky Chambers so mochte, dachte ich, es wäre Zeit, auch die Wayfarers-Romane auszuprobieren. Auch diese Reihe gehört zu den Büchern, über die so viel gesprochen wurde, dass ich erst einmal Abstand vom Hype brauchte, um überhaupt Lust auf ein erstes Antesten zu haben. Als ich dann also endlich damit anfing, habe ich die Handlung rund um das Raumschiff Wayfarer und seine Crew sehr genossen. Beginnend mit der Ankunft des neusten Crewmitglieds Rosemary Harper, begleitet die Geschichte die Wayfarer auf ihrem Weg in eine erst kürzlich befriedete Zone – und auf der langen Reise gibt es viele Details rund um die verschiedenen Personen, ihre Vergangenheit und ihre Planeten zu entdecken. Das war – trotz der diversen Gefahren – wunderbar wohltuend zu lesen, und ich freue mich, dass ich noch vier weitere Bücher von Becky Chambers auf dem SuB habe. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich – aufgrund des Perspektiv- und Schauplatzwechsels – etwas Zeit zwischen den einzelnen Romanen benötige und deshalb „A Closed and Common Orbit“ nach einem ersten Anlesen erst einmal zur Seite gelegt habe. Mal schauen, ob ich im September damit weitermache …

Sharna Jackson: The Good Turn

Nachdem ich die „High Rise„-Mysteries von Sharna Jackson so mochte, hatte ich mir „The Good Turn“ direkt mit der Veröffentlichung im Mai 2022 gekauft. Bei einem ersten Anlesen bin ich dann aber nicht mit der Protagonistin Josie warm geworden, und so lag der Roman erst einmal eine Zeitlang auf meinem SuB. Nachdem ich „The Good Turn“ nun endlich zu Ende gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich die Geschichte zwar mochte, aber Josies Perspektive weiterhin ungern verfolgt habe. Sie entwickelt sich (natürlich) im Laufe des Buchs weiter, und grundsätzlich würde ich sagen, dass Josies Verhalten realistisch und nachvollziehbar für eine Elfjährige ist, aber ich habe sie – im Gegensatz zu den Figuren aus „High Rise“ – nicht so sehr ins Herz geschlossen. Von Josie abgesehen gab es aber so einiges, was ich an der Handlung genossen habe. So ist es zum Beispiel immer wieder beeindruckend, wie es Sharna Jackson gelingt, die liebenswerten Seiten einer heruntergekommenen Gegend zu beschreiben, ohne dabei jemals unrealistisch zu werden. Auch Josies – nicht immer einfache – Freundschaft zu Wallace und Margot, die beide in Josies Nachbarschaft leben, fand ich stimmig. Außerdem sind die Herausforderungen für die Kinder (wie Rassismus, Einwanderungspolitik, Armut, Überforderung eines alleinerziehenden Elternteils), die Sharna Jackson in „The Good Turn“ aufgreift, leider ziemlich aktuell und somit Dinge, die wohl so einige (nicht nur) jugendliche Leser*innen beschäftigen. Grundsätzlich bin ich also immer noch überzeugt von Sharna Jacksons Erzählweise, aber ich weiß nicht, ob ich noch weitere Romane aus Josies Perspektive lesen möchte.

M. J. May: Perfectly Imperfect Pixie (Perfect Pixie 1)

Von „Perfectly Imperfect Pixie“ hatte ich vor einiger Zeit eine Leseprobe gelesen, die ich wirklich nett fand. Und da ich während der heißesten Tage im August kaum etwas auf die Reihe bekommen habe, das anstrengender war, als meinen eReader zu halten, hatte ich auch Bedarf an neuen Romanen, die wenig Konzentrationsfähigkeit erforderten. „Perfectly Imperfect Pixie“ (der Titel ist schon etwas lästig zu tippen) ist eine süße Geschichte, deren beiden Protagonisten dringende Probleme in ihrem Leben haben. Phil(odendron) ist ein Pixie, dessen ungewöhnliche Größe dafür sorgt, dass er nicht für die traditionellen Jobs eines Haus-und-Herd-Pixies engagiert wird, während der Werwolf Sed(rick) sich nach dem Tod seines Bruders und dessen Frau um seine Nichte Ruthie und seinen Neffen Dillon kümmern muss. Außerdem steckt Sed mitten in einem Sorgerechtsstreit, da der skrupellose Großvater der beiden Kinder das Testament der verstorbenen Eltern angefochten hat. Um zu beweisen, dass er sich gut um Dillon und Ruthie kümmert, empfielt Seds Anwalt ihm, einen Haus-und-Herd-Pixie zu engagieren. So dreht sich die Handlung in „Perfectly Imperfect Pixie“ vor allem darum, wie sich Phil und Sed um Dillon und Ruthie kümmern, Phil mit den diversen Herausforderungen rund um Seds Haushalt fertig wird und Sed sich mit all den Intrigen, die der Großvater der Kinder spinnt, auseinandersetzen muss. Ich mochte die verschiedenen Figuren, und das Ganze ist überraschend amüsant und wohltuend zu lesen. Natürlich gibt es immer wieder gefährliche Situationen, die durchgestanden werden müssen, aber da es recht schnell abzusehen ist, dass es für Sed und Phil (die sich am Ende endlich eingegestehen müssen, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben) gut ausgeht, haben diese Gefahren vor allem dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht zu zuckersüß wurde.

Alice Coldbreath: The Unlovely Bride (Brides of Karadok 2)

Über „The Unlovely Bride“ von Alice Coldbreath bin ich in einem YT-Video gestolpert. Nach dem Lesen der Leseprobe war ich mir ziemlich sicher, dass ich die Warnung der Autorin („Please do not purchase if you are offended by strong language and or sex scenes.“) ignorieren konnte und stattdessen viel Spaß mit der Liebesgeschichte haben würde. Die Handlung dreht sich um Lenora, deren gefeierte Schönheit nach einer Pocken-Erkrankung verschwunden ist, und um Garman, der bei jedem Turnier den Preis des unbeliebtesten Ritters gewinnen könnte. Da selbst Lenoras Eltern der Meinung sind, dass sie ohne ihre ehemalige Makellosigkeit besser an ihrer Krankheit verstorben wäre, bietet Lenora Garman an, dass er über ihre großzügige Mitgift verfügen kann, wenn er mit ihr durchbrennt. Von Anfang an ist klar, dass Garman eigentlich ein netter – wenn auch etwas ungehobelter – Kerl ist, und ich fand es sehr schön zu verfolgen, wie er und Lenora sich besser kennenlernen. Ich muss zugeben, dass ich eine etwas weniger derbe Ausdrucksweise von seiner Seite bevorzugt hätte, aber nichts davon war so irritierend, dass es mich beim Lesen wirklich gestört hätte. Stattdessen habe ich mit Vergnügen verfolgt, wie Lenora nach dem Verlust ihrer Schönheit entdeckt, dass sie eine ziemlich willenstarke und einfallsreiche Person ist, der es Freude bereitet, sich für andere einzusetzen. Garman hingegen muss ziemlich schnell mit der Erkenntnis fertigwerden, dass er sich Hals über Kopf in seine Frau verliebt hat, obwohl das doch so gar nicht in seine Pläne passt. Das war sehr süß und amüsant zu lesen, und ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft noch weitere Titel der „Brides of Karadok“-Reihe ausprobieren werde.

C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)

Im August habe ich mit „Soulstar“ endlich auch den dritten Band des Kingston-Cycle gelesen. Dieser Teil gefiel mir deutlich besser als „Stormsong“, weil trotz aller bedrückenden Ereignisse so viele Personen vorkamen, die sich für eine gerechtere Gesellschaft engagierten. Außerdem mochte ich die Perspektive von Robin, die in den vorhergehenden Büchern zwar als sympathische Nebenfigur vorkam, von deren Leben aber bislang nicht sehr viel erzählt worden war. Insgesamt war dieser Roman ein wirklich befriedigender Abschluss für die Trilogie – und trotzdem überlege ich, ob ich die drei Bücher aussortieren soll. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich die Romane noch einmal lesen möchte, weil der zweite Teil für mich so unfassbar frustrierend beim Lesen war. Für die Trilogie-übergreifende Handlung waren all diese frustrierenden Elemente gut und richtig (wenn ich von dieser einen offensichtlichen und ärgerlichen Auflösung eines bestimmten Aspekts absehe). Aber obwohl ich die Figuren und die Welt sehr mochte und definitiv der Meinung bin, dass C. L. Polk sehr gut darin ist, ihren Geschichten Leben einzuhauchen, schrecke ich momentan bei der Vorstellung zurück, „Stormsong“ noch einmal zu lesen. Wenn ich den zweiten Band des Kingston Cycle aber nicht noch einmal lesen möchte, dann muss ich „Witchmark“ und „Soulstar“ eigentlich auch nicht im Regal stehen lassen, obwohl sie mir wirklich gut gefallen haben.

Anne Ursu: Breadcrumbs

Nach „The Troubled Girls of Dragomir Academy“ und „The Lost Girl“ von Anne Ursu habe ich mit „Breadcrumbs“ zu einem älteren Backlist-Titel der Autorin gegriffen . Die Handlung dreht sich um die Fünftklässlerin Hazel, die seit einem Schulwechsel das Gefühl hat, dass mit ihr irgendwas nicht in Ordnung ist. Wobei der Schulwechsel nur eine von mehreren Folgen des Umstands ist, dass Hazels Vater sie und ihre Mutter verlassen hat, um eine andere Frau zu heiraten. Zum Glück gibt es Jack, Hazels besten Freund, der im Nachbarhaus wohnt und mit dem sie den Großteil ihrer Freizeit verbringt. Wenn sie mit Jack zusammen ist, kann Hazel einfach sie selbst sein. Gemeinsam denken sich die beiden Superhelden aus, erleben Abenteuer und können die Sorgen, die zu Hause auf sie warten, vergessen. Doch dann verschwindet Jack, und Hazel ist sich sicher, dass es ihre Aufgabe als seine beste Freundin ist, ihn nach Hause zu bringen.

Der fantastische Teil der Handlung von „Breadcrumbs“ ist unübersehbar an das Märchen „Die Schneekönigin“ angelehnt, aber bevor dieser fantastische Teil überhaupt zum Tragen kommt, lernen wir in der ersten Hälfte des Romans erst einmal gründlich Hazel und ihr Umfeld kennen. Ich mochte die Protagonistin sehr und habe sie gern in ihrem Alltag begleitet, auch wenn mich ihr Leben (ebenso wie Jacks) häufig traurig gemacht hat. Hazel fühlt sich ständig fehl am Platz und weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie adoptiert wurde, daran, dass sie zu viel Fantasie hat, oder daran, dass alle anderen im Gegensatz zu ihr anscheinend genau wissen, welche Regeln in welcher Situation gerade gelten. Weshalb Jack und die Tatsache, dass er sie so akzeptiert, wie sie nun einmal ist, für Hazel umso wichtiger ist. Bei ihm muss sie sich keine Gedanken darüber machen, ob sie sich richtig verhält. So wie sie jederzeit für ihn da ist, ist er immer bereit, Zeit mit ihr zu verbringen und sich auf ihre Ideen einzulassen.

Mit Jacks Verschwinden wechselt der Schauplatz von Hazels häufig herausfordernden Alltagsrealität zu einem unheimlichen magischen Wald voller Gefahren für das Mädchen. Hazel weiß, dass ihre Suche nach Jack riskant ist, aber sie fürchtet, dass sie die einzige ist, die ihn nach Hause bringen kann. Doch ihre Reise ist gefährlicher und herausfordernder, als sie es sich hätte vorstellen können, vor allem, da in dem magische Wald andere Spielregeln gelten, als Hazel es anhand all der von ihr gelesenen Fantasybücher erwartet hätte. Ich mochte die vielen verschiedenen märchenhafte Elemente, die Anne Ursu im späteren Teil des Romans aufgegriffen hat, und fand es sehr spannend, wie vielen bedrückenden Lebensgeschichten Hazel auf ihrer Reise begegnet. Dabei habe ich das Gefühl, dass die Autorin sehr gut die Balance hält zwischen märchenhafter Ummantelung von realen und eigentlich ziemlich verstörenden Themen (wie Depressionen, Missbrauch, alkoholkranke Eltern u. ä.) und überraschend klaren – und fast schon poetischen – Beschreibungen der Folgen, die diese Probleme für alle Beteiligten haben.

Das Ganze macht „Breadcrumbs“ zu keinem fluffig-märchenhaften Buch, aber zu einer wunderschönen und häufig ziemlich melancholischen Geschichte rund um die vielen verschiedenen Themen, die das Erwachsenwerden mit sich bringen. Dabei hätte ich die Handlung vermutlich deutlich weniger genossen, wenn Anne Ursu nicht immer wieder so wunderschöne, überraschende und treffende Sätze gefunden hätte, um Hazels Gedanken in Worte zu fassen. Ich habe es wirklich genossen, immer wieder an diesen Sätzen hängenzubleiben und sie dann in mir nachklingen zu lassen. Ebenso habe ich es gemocht, dass es in dem Buch so einige Illustrationen von Erin McGuire gibt, die auf der einen Seite die melancholische Stimmung der Geschichte wunderbar einfangen und auf der anderen Seite immer wieder zeigen, wie wichtig und wohltuend ihre Freundschaft für Hazel und Jack ist. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die bisher von mir gelesenen Romane von Anne Ursu waren, auch wenn alle eine ähnliche Atmosphäre hatten. Das macht mich auf jeden Fall neugierig auf die weiteren (Backlist-)Veröffentlichungen der Autorin – nur gut, dass ich schon ihren aktuellsten Titel („Not Quite a Ghost“) auf meinem SuB habe.

Lese-Eindrücke April 2025

Ich habe im April gar nicht so wenig gelesen, aber relativ wenige Sachen, zu denen ich hier einen Lese-Eindruck festhalten kann.

Angie Thomas: The Manifestor Prophecy (Nic Blake and the Remarkables 1)

„The Manifestor Prophecy“ von Angie Thomas lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB – vor allem, da ich in den letzten Jahren einige fantastische Romane von Schwarzen Autor*innen gelesen habe, deren Inhaltsangabe ähnlich klang und ich lieber etwas Abstand beim Lesen solch vergleichbarer Büchern habe. Aber da ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mehr ältere Bücher vom SuB zu lesen, habe ich dieser Geschichte endlich eine Chance gegeben. Die Handlung dreht sich um die zwölfjährige Nic (Nichole), die zu den Remarkables (Personen mit magischen Fähigkeiten) gehört, die aber in einem „Unremarkable“-Umfeld aufwächst – was bedeutet, dass sie und ihr Vater ihre Magie verstecken müssen. Rund um ihren zwölften Geburtstag passieren dann einige unheimliche Dinge, die u. a. dazu führen, dass Nics Vater verhaftet wird, während sie mit zwei anderen Teenagern auf die Suche nach einem magischen Artefakt gehen muss.

Ich mochte Nic und die anderen Charaktere, die sich Angie Thomas für ihre Geschichte ausgedacht hat, sehr gern. Mir gefiel die magische Parallelwelt ebenso wie die diversen Anspielungen auf afrikanische Legenden sowie auf – leider häufig bedrückende – frühere und aktuelle Schwarze Historie. Außerdem gab es immer wieder wunderbar amüsante Momente als Ausgleich dafür, dass Nic und die anderen sich häufig in bedrohlichen Situationen wiedergefunden haben. Aber ich muss auch zugeben, dass mir viele Elemente in dem Roman sehr vertraut vorkamen, weil er sich jetzt nicht so sehr von anderen fantastischen Middle-Grade-Romanen (Schwarzer Autor*innen) unterschied. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich habe Lust, auch noch die Fortsetzung zu lesen, aber ich hoffe ein bisschen, dass Angie Thomas als Fantasyautorin in Zukunft noch einen etwas individuelleren Stil entwickeln wird.

Catie Murphy: Death of a Irish Druid (Dublin Driver Mysteries 6)

„Death of an Irish Druid“ ist der sechste (und bedauerlicherweise vorerst letzte) Band der Dublin-Drivers-Mysteries und er hat mir besonders gut gefallen. Diese cozy-mystery-Reihe dreht sich um die in Irland lebende Amerikanerin Megan Malone, die mit einem mit ihr befreundeten amerikanischen Ehepaar unterwegs ist, als sie über die Leiche eines selbsternannten Druiden stolpert. Obwohl auf den ersten Blick alles nach einem Unfall aussieht, gibt es so viele Ungereimtheiten rund um diesen Todesfall, dass Meg ihrer Neugierde nachgibt und mehr über den Verstorbenen und sein Leben herausfinden will. Ich fand es angenehm, dass dieses Mal die Vorraussetzungen für Megans Ermittlungen ganz anders waren als in den vorhergehenden Bänden. So ist ihr Freund, der für die Garda arbeitet, gerade im Ausland, dafür wird sie rundum von dem Ehepaar unterstützt, das gerade zu Besuch in Irland ist – was zu einigen amüsanten Szenen führt, wenn zum Beispiel amerikanische und irische Gepflogenheiten aufeinanderstoßen.

Das führt dazu, dass sich dieser Band anders anfühlt als die vorhergehenden, ohne dass ich auf all die Dinge, die ich sonst schon so in den Geschichten gemocht habe (all die kleine persönliche Geheimnisse, die von Megan aufgedeckt werden/das Verhältnis der Protagonistin zu ihren Freunden/Megans Fürsorge für diejenigen, die unter dem plötzlichen Verlust einer wichtigen Person leiden), verzichten musste. Dazu habe ich überraschende Details zu den unterschiedlichsten Themen wie britische Adelstitel in Irland, Irisches Erbrecht und Renaturierungsvarianten gelernt und mich dabei großartig unterhalten. Ich hoffe sehr, dass Catie/C.E. Murphy noch eine Möglichkeit findet, die weiteren vier Romane, die sie für diese Reihe schon geplant hatte, auch ohne den ursprünglichen Verlag zu veröffentlichen. Ich wüsste wirklich gern, wie es mit Megan nach diesem Band weitergeht und über welche Leichen sie in Zukunft noch stolpern wird.

Ariana Jade/Arizona Tape: The Coffee House Witch and the Grumpy Cat (The Cobblestone Coven 1)

„The Coffee House Witch and the Grumpy Cat“ hatte ich vorbestellt, als der Titel noch „The Coffee House Witch“ hieß, der Veröffentlichungstermin noch einige Wochen früher angesetzt war und das eBook noch ohne Seitenzahl gelistet wurde. Was bedeutete, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich meine 99 Cent für eine nett klingende Kurzgeschichte oder für einen fantastischen Liebesroman ausgeben würde. Am Ende hatte die Geschichte einen Umfang von knapp über 100 Seiten und fühlte sich an, als ob ich den Anfang eines cozy Fantasy-Romans gelesen hätte. Die Handlung dreht sich um Hexe Cassiopeia, die nach zehn Jahren in „der Stadt“ zurück zu ihrer Großmutter zieht und ihr in ihrem Café hilft. Cassi weiß nicht so recht, wie es in Zukunft mit ihr weitergehen soll: Ihre Verlobung ist in die Brüche gegangen, ihren Job hat sie deshalb auch verloren (da ihre Chefs die Eltern ihrer Ex-Verlobten waren) und ihre Magie ist zur Zeit etwas wackelig.

Die Handlung war (soweit vorhanden) nett, ich mochte die Figuren rund um die Protagonistin (ehrlich gesagt mehr als Cassi selbst), ich habe grundsätzlich eine Schwäche für Geschichten, die in unserer Welt plus einem Hauch von Magie spielen, und auch wenn die diversen tierischen Familiare etwas gewollt niedlich-eigenwillig waren, war das okay zu lesen. Es störte mich auch nicht, dass von Anfang an offensichtlich war, dass Cassi im Laufe der Zeit Gefühle für ihre beste Freundin aus Kindheitstagen entwickeln wird. Was mich hingegen störte, war, dass ich mit diesem Band keine vollständige Geschichte bekommen habe. Es fühlte sich an, als ob ich eine längere Leseprobe gelesen hätte statt einer eigenständigen Novella. Und diese „Leseprobe“ war zwar ganz nett, aber jetzt nicht so überzeugend, dass es mir wert wäre, einige Wochen auf die nächste Portion der Geschichte zu warten und dafür dann drei Euro auszugeben, ohne vorhersagen zu können, ob dieser Teil sich beim Lesen dann befriedigender anfühlen wird …

Dominique Valente: Witchspark

Nachdem ich schon die „Starfell“-Bücher von Dominique Valente sehr genossen hatte, hatte ich mir natürlich auch den aktuellsten Titel der Autorin vorbestellt. „Witchspark“ ist der Auftakt einer neuen Reihe und spielt in einem alternativen (fantastischen) Großbritannien im Jahr 1833. Nachdem einem Erdbeben vor ungefähr 100 Jahren sogenannte isle-sparks freisetzte, entwickelte ungefähr die Hälfte der Bevölkerung der britischen Inseln die Fähigkeit, Magie zu wirken. Das hat nicht nur zu einigen gesellschaftlichen Veränderungen – wie z. B. mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und weniger Rassismus – geführt, sondern die isle-sparks erweckten auch noch einige mystische Kreaturen (und magische Häuser) zum Leben. In dieser Welt leben die beiden Protagonistinnen, aus deren Sicht die Handlung von „Witchspark“ erzählt wird.

Auf der einen Seite ist da die zwölfjährige Lady Eglantine Bury, die gemeinsam mit ihrem Vater und dem Wyvern-Butler Arthur in dem magischen Haus Huswyvern lebt und die befürchten muss, dass ihr Mangel an Magie dafür sorgen wird, dass sie Huswyvern verliert. Auf der anderen Seite droht der vierzehnjährigen Prinzessin Victoria der Verlust der Krone, wenn bekannt würde, dass sie über Magie verfügt, die sie nicht kontrollieren kann. Denn nach einem Vorfall mit einem von Victorias Vorfahren hatte das Parlament ein Gesetz erlassen, das bestimmt, dass kein Mitglied der königlichen Familie jemals wieder über Magie verfügen darf.

Beide Mädchen sind so verzweifelt, dass sie auf eine Anzeige für den postalischen Hexenkurs von Miss Hegotty reagieren, in dem vollen Bewusstsein, dass dieser Kurs ganz oben auf der Liste mit von der Regierung gebannter Magie steht. Ich muss zugeben, ich liebe die Anzeige für Miss Hegottys Kurs (ebenso wie die vielen wunderbaren Illustrationen von Eleonora Asparuhova in den verschiedenen Kapiteln).

Ich weiß nicht, wie Dominique Valente es jedes Mal schafft, aber ich habe jede einzelne Seite von „Witchspark“ genossen. Mir sind Victoria (und ihr Stallbursche Eoin) ebenso ans Herz gewachsen wie Eglantine, ihr Butler Arthur und ihr großartiges Haus Huswyvern. Ich habe mich bei all den kleinen und größeren Katastrophen im Leben der beiden Protagonistinnen hervorragend amüsiert, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass für beide Mädchen sehr viel auf dem Spiel steht. Es gab so viele fantastische Ideen rund um die Magie in dieser Welt, die der ganzen Geschichte einen frischen Anstrich gaben, obwohl die Grundidee ehrlich gesagt nicht so ungewöhnlich ist. Aber gerade diese Mischung aus Vertrautem und Überraschenden hat dafür gesorgt, dass ich mich mit dem Roman so wohl gefühlt habe.

Mir gefiel auch die Tatsache, dass Eglantine und Victoria zwei vollkommen gegensätzliche Gründe haben, um sich in Miss Hagottys Kurs einzuschreiben. So war es Dominique Valente möglich, die verschiedenen Gefahren, die mit einem Mangel an Kontrolle über die Magie einhergehen, oder eben die Herausforderungen, die das Fehlen von Magie für eine Person in einer magisch geprägten Gesellschaft mit sich bringen, darzustellen. Doch vor allem waren es die vielen sympathischen Charaktere (zu denen definitiv auch das magische Haus Huswyvern gehört!), die dafür gesorgt haben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Gerade Eglantine, die schon von klein auf gelernt hat, dass sie besonders hartnäckig sein muss, um Dinge zu erreichen, die anderen Personen deutlich leichter fallen, ist eine wunderbare Protagonistin.

Die Beziehung zwischen Eglantine und Arthur ist, ebenso wie die zwischen ihr und Huswyvern, wirklich herzerwärmend. Und bei Victoria war es wunderbar zu verfolgen, wie all die Aufgaben, die mit Miss Hegottys Kurs einhergehen, dafür sorgen, dass die junge Prinzessin eine Menge Einfallsreichtum beweisen muss. Lustigerweise ist eine der für mich wichtigsten Figuren in der Geschichte Miss Hegotty, obwohl sie (fast) ausschließlich in ihren Briefen zu Wort kommt. Aber ihr Optimismus, ihr Vertrauen in ihre Schülerinnen und ihre ermutigenden Worte an Eglantine und Victoria zeugen von einer wunderbaren Lehrerin, und ich hoffe, dass sie im nächsten Band einen größeren Teil der Handlung einnimmt. Das Einzige, worüber ich mich nach dem Lesen von „Witchspark“ beschweren kann, ist, dass ich keinerlei Informationen zum Erscheinungstermin der Fortsetzung finden kann. 😉