Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Damaris Young: The Switching Hour

Nachdem ich Ende 2020 „The Creature Keeper“ von Damaris Young gelesen hatte, hatte ich mir im folgenden Januar den Debütroman der Autorin, „The Switching Hour“ gekauft. Vier Jahre saß das Buch dann auf meinem SuB und wartete darauf, dass ich es – passend zur Atmosphäre der Geschichte – „im Sommer“ endlich lesen würde. „Im Sommer“ passte es aber nie so recht, und nachdem ich den Roman jetzt endlich gelesen habe, bin ich froh, dass ich nicht parallel zum Lesen auch noch in der Realität mit – für mich – viel zu viel Hitze zu kämpfen hatte. Da die Handlung während einer anhaltenden Dürre in einem Land spielt, das von der Kindheit der Autorin in Südafrika inspiriert wurde, wäre das für mich vermutlich zu viel gewesen, um die Geschichte noch genießen zu können.

Damaris Young ist erschreckend gut darin, zu beschreiben, wie unerträglich das Leben bei solch hohen Temperaturen und ohne einen Hauch von Regen ist. Ihre Protagonistin, die zwölfjährige Amaya, lebt seit dem Tod ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Kaleb bei ihrer Großmutter Uma. Jeden Tag bringt sie die drei Ziegen auf die Weide und verbringt dann bis kurz vor der Abenddämmerung den Tag am See. Doch von Woche zu Woche wird der See kleiner, immer mehr Menschen versuchen, die wenigen Fische, die noch im Wasser zu finden sind, zu fangen, und Amayas Chancen, selbst mit einem Fang nach Hause zu kommen, werden immer geringer. Auch der kleine Garten ihrer Großmutter Uma bringt kaum noch einen Ertrag, was bedeutet, dass es mit jedem Tag schwieriger wird, genügend Lebensmittel für eine Mahlzeit zusammenzubekommen.

Dazu kommt noch das Gerücht, dass die Dürre – nach fast hundert Jahren – für ein erneutes Auftauchen von Badeko gesorgt hat. Badeko ist ein sagenhaftes Ungeheuer, das nach Einbruch der Dämmerung kleine Kinder entführt, um sich von ihren Träumen zu ernähren. Zehn Kinder sind in den umliegenden Orten schon verschwunden, und als auch Kaleb von Badeko entführt wird, macht sich Amaya auf, um ihren kleinen Bruder zu retten. Drei Tage hat sie Zeit, bevor die sorrow sickness sie erfassen und dafür sorgen wird, dass sie Kaleb für immer vergisst. Doch glücklichweise wird Amaya auf ihrem Weg von ihrer dickköpfigen Ziege Tau begleitet und findet wenig später auch noch in der gleichaltrigen Molly eine Gefährtin, die Amaya bei ihrer Suche unterstützt.

Die Handlung in „The Switching Hour“ streift so viele verschiedene Themen, aber vor allem dreht sie sich um Verlust und Trauer und um die häufig komplizierten Gefühle, die Familienmitglieder füreinander empfinden können. Dabei fand ich, dass Damaris Young mit Amaya die perfekte Protagonistin für diese Geschichte geschaffen hat. Das Mädchen liebt seinen kleinen Bruder und seine Großmutter, aber es ist auch of überfordert mit all den Veränderungen in seinem Leben. Dazu kommt, dass Amaya um ihre Mutter trauert, die bei einem Feuer umkam, und befürchten muss, dass sie sich irgendwann nicht mehr ausreichend an die Verstorbene erinnern kann. Als Kaleb dann auch noch verschwindet, ist Amaya wild entschlossen, ihn zu retten. Doch um das zu erreichen, muss sie all ihren Mut zusammennehmen und gemeinsam mit ihren Gefährten einige Herausforderungen überwinden.

So spannend es auch war, von den größeren Gefahren wie den Raubtieren und dem Wassermangel zu lesen, so mochte ich doch vor allem die kleinen, persönlichen Momente, die Amaya erlebt. Für mich fühlte sie sich wie eine reale Person mit allen möglichen Stärken und Schwächen an, die sich im Laufe ihrer Suche immer wieder den kleinen Lügen, die sie sich selbst erzählt hat, stellen muss. Ihre Begleiterin Molly fand ich etwas weniger überzeugend gestaltet (da ihre Hintergrundgeschichte für mich zu offensichtlich war), aber ich mochte das Zusammenspiel der beiden Mädchen und die – nicht ganz einfache – Freundschaft, die sich im Laufe der drei Tage zwischen ihnen entwickelt. Die Ziege Tau hingegen ist der heimliche Star der Geschichte, da das Tier nicht nur immer wieder für kleine amüsante Momente sorgt, sondern auch deutlich dazu beiträgt, dass die beiden Mädchen ihre Suche zu Ende bringen können. Doch vor allem bleibt mir nach dem Lesen von „The Switching Hour“ die Atmosphäre der Geschichte in Erinnerung. Damaris Young beschreibt die Dürre, den Durst der Figuren und die Ängste, die Badeko auslöst, so eindringlich, dass all diese Elemente nach dem Beenden des Romans noch eine ganze Weile in mir nachklangen.

Lese-Eindrücke Dezember 2024

Ich habe im Dezember so viele gute Bücher gelesen, das war schön! Da einige davon Reihenfortsetzungen oder eben doch nur „nett“ waren, gibt es wieder die dazugehörigen Lese-Eindrücke.

Kalyn Josephson: Hollowthorn (Ravenfall 2)

Nachdem mir im Oktober „Ravenfall“ so gut gefallen hatte, hatte ich mir zum Geburtstag die Fortsetzung gewünscht – die ich dann direkt im Dezember gelesen habe. Die Handlung in „Hollowthorn“ setzt wenige Wochen nach den Ereignissen im ersten Band ein. Genau genommen beginnt die Geschichte mit dem jüdischen Lichterfest und damit, dass der Großteil von Annas Familie eine Woche lang nicht im Inn Ravenfall sein wird. So sollen Colin, Anna und ihr Vater Henry eigentlich die Stellung halten und sich um die Gäste kümmern, als der Raven Salem Henry um Hilfe bei einer Mission im Hollowthorn bittet. Ich muss zugeben, dass ich es ein bisschen schade fand, dass nur ein Teil der Handlung im Inn spielte (wobei das Inn dieses Mal immerhin in ein paar Kapitel seine eigene „Sicht“ äußern kann). Ansonsten habe ich die Darstellung der Otherworld genossen, mochte es, Annas und Colins Weg (mit all ihren Problemen) zu verfolgen, und bin überraschend neugierig darauf, wie es mit den beiden weitergeht. Leider ist der dritte Band der Reihe („Witchwood“) gerade erst als Hardcover erschienen, und eine Taschenbuchausgabe ist noch nicht angekündigt.

S. Usher Evans: Drinks and Sinkholes (The Weary Dragon Inn 1)

„Drinks and Sinkholes“ ist der erste Band einer zehnteiligen Cozy-Fantasy-Mystery-Reihe, die sich rund um Bev(erage Wench) dreht. Wenn ich von der bemüht-amüsanten Namensgebung der diversen Personen absehe, habe ich mich mit diesem Band wirklich gut unterhalten gefühlt. Bev ist vor fünf Jahren – ohne jegliche Erinnerung an ihre Vergangenheit – in den kleinen Ort Pigsend gekommen. In Pigsend wurde sie von den Anwohnern freundlich aufgenommen und fand einen Job beim Weary Dreagon Inn, das sie nach dem Tod des Vorbesitzers erbte. In diesem Band wird (nicht nur) ihr Gasthaus von überraschend auftreten Erdlöchern bedroht.

Da die Bürgermeisterin und der örtliche Polizist alle Hände voll mit den besuchenden Soldaten der Königin zu tun haben, wird Bev mit der Ermittlung beauftragt. Was in erster Linie dazu gedacht war, die Anwohner des Ortes zu beruhigen, weil ja nun etwas getan wird, führt dazu, dass Bev all ihre Energie in die Ursachenforschung steckt und so überraschend viele Geheimnisse ihrer Nachbarn herausfindet. Die fantastische Welt, in der die Geschichte spielt, wirkt zu Beginn relativ magiearm, und Bev entdeckt erst nach und nach, dass in ihrer Nachbarschaft mehr übernatürliche Wesen leben, als sie geahnt hat. Das ist stellenweise etwas vorhersehbar, aber trotzdem sehr nett und unterhaltsam zu lesen. Genau die richtige Lektüre für einen entspannten Leseabend – und ich fürchte, ich werde mir demnächst den Sammelband mit den ersten drei Bänden holen mussen, um irgendwann weiterlesen zu können.

Toshikazu Kawaguchi: Before We Forget Kindness (Before the Coffee Gets Cold 5)

Der inzwischen fünfte Band rund um das kleine Café in Tokyo, in dem Besucher für einige Minuten durch die Zeit reisen können. Nichts an diesen Geschichten war neu oder überraschend, und ich muss zugeben, dass das nicht mein Lieblingsband der Reihe war. Aber grundsätzlich genieße ich weiterhin diese kleinen Episoden, die sich rund um kleine menschliche Momente drehen, um die vielen verschiedenen Arten von Beziehungen und die vielen kleinen (oder großen) Dinge, die schieflaufen können und die später bereut werden. Ich freue mich über ein Wiedersehen mit den Charakteren, die – sei es als Personal oder als Stammgäste – immer wieder auftauchen, und ich teile mir bewusst die Geschichten eines neuen Bandes so ein, dass ich mehrere Tage etwas davon habe. Wie schon bei den anderen Büchern von Toshikazu Kawaguchi empfand ich auch das Lesen von „Before We Forget Kindness“ als wohltuend.

Lynn Strong: Chai and Cat-Tales

„Chai and Cat-Tales“ von Lynn Strong enthält drei Geschichten, die in einer vom Mittleren Osten inspirierten Fantasywelt spielt. Jede der drei Episoden dreht sich um eine andere Figur, aber da alle Geschichten in derselben Stadt spielen, gibt es Charaktere, die sich durch den gesamten Band ziehen – sei es, dass sie persönlich auftauchen oder nur erwähnt werden. Ich fand es spannend, drei so unterschiedliche „cozy“ Erzählungen zu lesen, deren Gemeinsamkeit vor allem im Schauplatz besteht, die mich aber alle drei beim Lesen erfreut und überrascht haben. Lynn Strongs Charaktere sind sehr divers angelegt, und ich habe das Gefühl gehabt, dass sie sehr aufmerksam und bewusst mit schwierigeren Themen umgeht, während ich mich gleichzeitig großartig beim Lesen amüsiert habe. „Chai and Cat-Tales“ hat mich wirklich überrascht, und ich bin sehr gespannt darauf, ob Lynn Strong es wirklich schafft, 2025 ihren im Nachwort erwähnten Roman zu veröffentlichen. Wenn das so sein sollte, werde ich ihn mir auf jeden Fall bestellen!

Linda Urban: Almost There and Almost Not

Die Geschichte in „Almost There and Almost Not“ wird von der elfjährigen California Poppy erzählt, die zu Beginn des Romans von ihrer Tante Isabelle bei der ihr bislang unbekannten Tante Monica abgeladen wird. Relativ schnell wird deutlich, dass Californias Vater sie – ohne Vorwarnung – bei Isabelle einquartiert hatte, weil er für unbestimmte Zeit unterwegs sein würde. Ebenso rasch wird deutlich, dass California für Tante Isabelle nur eine lästige Verantwortung war, die sie so schnell wie möglich – und ohne mit California darüber zu reden – an jemand anderen weiterreichen will. Obwohl sie sich sicher ist, dass auch ihr Aufenthalt bei Monica nur eine Zwischenstation sein wird, fängt California gemeinsam mit ihrer Tante an, die Unterlagen, die Monicas verstorbener Ehemann über seine Vorfahrin Eleanor Fontaine gesammelt hatte, zu sichten. Darunter befindet sich auch ein Buch aus dem Jahr 1922 über das richtige Verfassen von Briefen, das California dazu inspiriert, Briefe an diverse Personen zu schreiben, die zusammen mit den Ereignissen, die von den Leser*innen direkt verfolgt werden können, nach und nach ein klares Bild von Californias Vergangenheit heraufbeschwören.

Außerdem sieht California regelmäßig nicht nur den Geist von Eleanor Fontaine, sondern auch einen ungewöhnlichen kleinen Hund im Garten von Tante Monica, der ihr immer wieder Papierschnipsel bringt, die im Zusammenhang mit Eleanors Leben stehen. Diese fantastischen Elemente sorgen immer wieder für wunderbare Momente zum Schmunzeln, was einen schöner Ausgleich zu Californias aktuellem Leben bildet, das sich unsicher und fragil anfühlt. So ganz kann California nicht verstehen, wieso ihr Vater sie einfach bei Tante Isabelle geparkt hat, und sie hat das Gefühl, dass sie Schuld daran ist, weil ihr Verplappern zu dem Official Meeting an ihrer Schule geführt hat. Was genau bei diesem Termin in der Schule besprochen wurde und wieso er überhaupt nötig war, wird erst im Laufe der Geschichte enthüllt (und ist nicht so schlimm, wie ich ursprünglich befürchtet hatte).

Aber es war für mich ziemlich frustrierend zu lesen, wie selten die Erwachsenen in Californias Leben mit ihr reden und wie viel über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Trotzdem habe ich dieses Buch wirklich genossen, weil California so eine berührende – und manchmal wunderbar biestige – Protagonistin ist, die versucht, sich so gut wie möglich in einer für sie ganz schön herausfordernden Welt zurechtzufinden. Parallel zu Californias Vergangenheit erfahren die Leser*innen auch immer mehr über Eleanor und ihre Lebensgeschichte, die wesentlich ungewöhnlicher war, als nach ihrem ersten Auftreten in dem Roman zu erahnen ist. Je häufiger Eleanor in der Geschichte vorkam, desto mehr wuchs sie mir ans Herz, und ich fand es wunderbar zu verfolgen, wie sie und California im Laufe der Zeit so etwas wie Freundinnen wurden (auch wenn das bei einem Geist, der sich nur bruchstückhaft an das vorherige Treffen erinnert, vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist).

Alles in allem war „Almost There and Almost Not“ eine wirklich berührende Geschichte, die ich wirklich gern gelesen habe. Ich habe über die diversen amüsanten Momente gelacht, ich habe mit California um ihre Mutter getrauert, ich habe gespannt auf all die kleinen Enthüllungen rund um Eleanor gewartet und musste immer wieder schlucken, wenn neue Details rund um Californias Vergangenheit zum Vorschein kamen. Als erwachsene Leserin hätte ich mir manchmal gewünscht, dass Linda Urban die erwachsenen Nebenfiguren vielleicht ein bisschen mehr ausgearbeitet hätte. Aber auf der anderen Seite ist das eine Geschichte, die sich um eine Elfjährige dreht und die für ein Publikum geschrieben wurde, das ungefähr Californias Alter hat und für das die Erwachsenen in der Handlung deshalb auch weniger Gewicht haben als für mich. Außerdem hat mich dies definitiv nicht davon abgehalten, diesen Roman zu genießen und am Ende mit Tränen in den Augen aus der Hand zu legen, um direkt zu schauen, was Linda Urban sonst noch für Bücher geschrieben hat.

Ann Sei Lin: Rebel Skies

„Rebel Skies“ ist der Debütroman von Ann Sei Lin und der Auftakt einer Trilogie (deren Abschlussband gerade erschienen ist). Die Geschichte in „Rebel Skies“ wird zum Großteil aus der Perspektive von Kurara erzählt, die – gemeinsam mit ihrem Kindheitsfreund Haru – seit Jahren als Küchenmädchen in dem Himmelsschloss Midori lebt und arbeitet. Das Leben in Midori ist hart, aber da das Dorf, aus dem Kurara und Haru stammen, von Shikigami (die in diesem Buch vor allem riesige Tiere, die aus Papier und Magie geschaffen wurden, sind) zerstört wurde, müssen die beiden dankbar für die Zuflucht sein, die sie dort gefunden haben. Doch an dem Tag, an dem die Handlung für die Leser*innen beginnt, wird das im Himmel schwebende Schloss Midori von einem Drachen-Shikigami angegriffen, und Kurara begegnet dem Crafter Himura, der ihr eröffnet, dass die Magie, die es ihr ermöglicht, Papier zu beeinflussen, eine Crafter-Fähigkeit ist und dass er sie darin ausbilden kann.

Himuras Bereitschaft, Kurara unter seine Fittiche zu nehmen, und die Tatsache, dass Haru auf der Flucht vor dem Drachen schwer verletzt wurde, sorgen in den folgenden Tagen für so einigen Aufruhr in Kuraras Leben. Sie ist wild entschlossen, alles dafür zu tun, um Haru zu helfen, und wenn das bedeutet, dass sie auf einem Schiff, das Shikigami jagt, arbeiten und dabei den Umgang mit ihrer Magie meistern muss, dann ist das eben der Weg, den sie einschlägt. Doch dieser Weg bringt so einige Enthüllungen mit sich, die Kurara an all den Dingen zweifeln lassen, die ihr über ihre Kindheit erzählt wurden, und in ihr die Frage aufkommen lässt, ob es überhaupt richtig ist, Shikigami zu jagen – selbst wenn diese für unglaubliche Zerstörungen im Kaiserreich Mikoshima verantwortlich sind.

„Rebel Skies“ beinhaltet eine wunderbare Mischung aus vertrauten (japanischen) Elementen und überraschenden Ideen, die von Ann Sei Lin zu einer ungewöhnlichen Geschichte verwoben wurden. Mir gefiel die Idee mit den Shikigami-Wesen aus Papier, die auf der einen Seite immer wieder die Bewohner von Mikoshima bedrohen und auf der anderen Seite für die Crafter so etwas wie nützliche Haustiere sein können. Die Welt, die die Autorin für ihren Roman geschaffen hat, ist nicht gerade komplex, aber sie ist so gestaltet, dass es sich beim Lesen nach einer Welt anfühlt, die eine schon lange Geschichte voller Kriege, Kolonisation und Machtspiele innerhalb der verschiedenen Klassen hinter sich hat. Kurara ist dieser Welt ziemlich ausgeliefert. Sie hat keine Besitztümer, keine Beziehungen, und ihr einziger Freund benötigt dringend ihre Hilfe, statt dass er ihr zur Seite stehen kann.

Aber Kurara lernt nach Verlassen des Schloss Midori so viel über sich und ihre Fähigkeiten, sie findet neue Freund*innen und stolpert immer wieder über neue Fragen und Rätsel, nach deren Antworten sie noch suchen muss, dass ich das überraschend spannend zu lesen fand. Ich bin sehr neugierig darauf, wie sich die Ereignisse in „Rebel Fire“ und „Rebel Dawn“ noch entwickeln und was das dann für Kurara und die Personen in ihrem Umfeld bedeutet. Ich bin mir sicher, ich weiß, was es mit den Shikigami auf sich hat, aber ich bin gespannt auf die Hintergründe und welche Auswirkungen all die Enthüllungen auf die politische Situation in Mikoshima mit sich bringen werden. So schade es ist, dass ein Roman, der mich so gut unterhalten hat, so lange auf meinem SuB lag, so schön ist es auch, dass ich nun die Chance habe, direkt die anderen beiden Bände zu lesen.

Lese-Eindrücke Oktober 2024 (Teil 2)

Da mir mein Beitrag mit Lese-Eindrücken aus dem Oktober ein bisschen zu lang wurde, habe ich ihn für die Veröffentlichung zweigeteilt. Wer den ersten Teil sucht, wird HIER fündig.

Kate Williams: For Better or Cursed (The Babysitters Coven 2)

Im Oktober habe ich auch den ersten und zweiten Teil der „The Babysitters Coven“-Bücher gelesen und obwohl ich mich eigentlich gut unterhalten gefühlt habe, glaube ich nicht, dass ich mir auch noch den dritten Band besorgen werde. Während ich bei „The Babysitters Coven“ die erste Hälfte hindurch das Gefühl hatte, ich würde neben den fantastischen und den ernsthafteren Elementen zu viel Teenie-Drama lesen, strotzte „For Better or Cursed“ vor Erwachsenen, die nicht zuhörten und ihren Job nicht richtig erledigten. Da es aber ihr Job war, sich um die Sitter zu kümmern, die in unsere Welt eindringende Dämonen bekämpfen, fand ich das entsetzlich frustrierend zu lesen. Erschreckenderweise war dieses Mal Protagonistin Esme die – zumindest im Rahmen der Umstände – vernünftigste Person in der Geschichte. Und während sie versuchte, all die verschiedenen herausfordernden Dinge in ihrem Leben auf die Reihe zu bekommen und immer wieder diejenigen um Hilfe bat, die sie unterstützen sollten, wurden ihre Probleme entweder ignoriert oder durch die Verantwortlichen in ihrem Umfeld verschlimmert. Da halfen weder die diversen amüsanten Szenen rund um die unterschiedlichen magischen Fähigkeiten (oder Missgeschicke) noch die wohltuenden Momente, in denen es um die Freundschaft zwischen Esme und ihre besten Freundin Janis ging. Wie schon beim ersten Band mochte ich das Ende von „For Better or Cursed“ wirklich, aber ich glaube nicht, dass ich noch einmal so viele frustrierende Kapitel lesen möchte, nur um dann die Auflösung der ganzen Situation endlich genießen zu können.

W.R. Gingell: Staff and Crown (The Two Monarchies 3)

Wie schon „Blackfoot“ wird auch „Staff and Crown“ aus der Perspektive von Annabel erzählt. Allerdings sind inzwischen fast drei Jahre seit den Ereignissen in der magischen Schlossruine vergangen, und so findet sich Annabel zu Beginn der Geschichte in einer Finishing School wieder, wo sie angemessen damenhaftes Benehmen lernen soll, bevor sie offiziell der gehobenen Gesellschaft vorgestellt wird. Ihr zur Seite steht dabei Isabelle (die ich schon sehr mochte, als sie einen Auftritt in „Spindle“ hatte). Diese ist nicht nur in Adelskreisen aufgewachsen, sondern hat auch als Tochter eines Diplomaten viele unschätzbare Erfahrungen gemacht, von denen Annabel in den nächsten Monaten profitieren soll. Ich will hier nicht zu viel zu Annabels Situation schreiben, weil das ein Spoiler für die Reihe wäre, aber ich habe mich großartig dabei amüsiert, wie die beiden jungen Frauen die Regeln ihrer Schule immer wieder so verbiegen, dass sie ihre eigenen Ziele verfolgen können, während gleichzeitig die Schule von Spionen der Revolutionären und der Monarchisten infiltriert wird und es zu diversen Entführungsversuchen kommt. Weder Annabel noch Isabella verfügen über (nennenswerte) Magie, aber mit all ihrem Einfallsreichtum und ihren Beziehungen brauchen sie auch keine Magie, um gegen die diversen Gruppierungen anzukommen. Ich hatte sehr viel Spaß an den kleineren und größeren Abenteuern, die die beiden erlebten, vor allem, da das alles in einer wunderbaren Mischung aus klassischen Schulszenen, politischen Intrigen und (Gegen-)Spionage-Elementen stattfand. Inzwischen habe ich auch die letzten drei Bände der Reihe auf meinem eReader und der einzige Grund, wieso ich zwischendurch noch was anderes lese, besteht darin, dass ich mir die Geschichte so langsam ein bisschen einteilen will, damit ich länger etwas davon habe. 😉

Hafsah Faizal: A Tempest of Tea (Blood and Tea 1)

Ich gebe zu, dass ich „A Tempest of Tea“ vor allem deshalb vorbestellt hatte, weil ich das Cover so sehr mochte. Aber natürlich hätte ich das nicht gemacht, wenn ich nicht auch den Klappentext reizvoll gefunden hätte. Heist-Geschichten mag ich eigentlich und eine Mischung aus Teestube und nächtlicher verbotener „Blutbank“ für Vampire klang ungewöhnlich genug, um mich neugierg zu machen. Allerdings zog sich die erste Hälfte des Romans dann ziemlich hin. Ich fand es schwierig zu lesen, dass die fünf Personen, die an dem Diebstahl beteiligt waren, wild entschlossen waren, einander übers Ohr zu hauen. Ich mag es lieber, wenn bei einer solchen Geschichte alle – wenn auch vielleicht widerwillig/gezwungenermaßen – an einem Strang ziehen, selbst wenn es am Ende zu einem „Verrat“ innerhalb der Gruppe kommt. Außerdem fand ich es schade, dass die Planung des Coups im Prinzip in einer Nacht passierte (auch wenn es danach noch ein paar – mehr oder weniger amüsante – Szenen mit Vorbereitungen gab). Spannender wurde die Geschichte dann, als es wirklich mit dem Diebstahl losging und dabei einige der Dinge enthüllt wurden, die die Charaktere voreinander verborgen hatten. Das letzte Drittel des Roman habe ich dann an einem Stück gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Am Ende kann ich sagen, dass ich die erste Hälfte zwar nicht genossen habe, ich aber nach dem letzten Kapitel neugierig auf die weitere Entwicklung der Handlung bin. Dazu kommt, dass ich die Welt, die sich Hafsah Faizal für „A Tempest of Tea“ ausgedacht hat, wirklich faszinierend finde. Ich werde mir also irgendwann auch noch die Fortsetzung besorgen – allerdings hat die auf Englisch noch keinen Erscheinungstermin, während der zweite Band auf Deutsch für Oktober 2025 angekündigt wird.

Helenka Stachera: Fin and the Memory Curse

Nachdem „Fin and the Memory Curse“ von Helenka Stachera fast zwei Jahre auf meinem SuB lag, habe ich das Buch in diesem Oktober endlich gelesen. Dabei habe ich den Roman so sehr genossen, dass ich überlege, mir nun auch noch die Debütveröffentlichung („The Ice Whisperers“) der Autorin zu besorgen, obwohl Eiszeit-Geschichten mich – selbst wenn sie fantastisch sind – wenig interessieren. „Fin and the Memory Curse“ spielt im Jahr 1866 und wird aus der Perspektive von Fin erzählt, die vor elf Jahren in Zeitungspapier eingewickelt und in der Gesellschaft eines Jack Russell Terriers auf den Stufen von Ma Stump gefunden wurde. Gemeinsam mit zwei weiteren Waisenkindern (George und Snot) wird sie von Ma Stump aufgezogen und lernt schnell, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Als sie eines Tages Blutegel, die sie frisch für einen Apotheker gefangen hat, abliefern soll, begegnet sie Lady Worth, die in Fin ihre verloren geglaubte Nichte Magdalena Kaminski erkennt.

So findet sich Fin von einem Tag auf den anderen in einem Schloss am Rande des Marschlands wieder und muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sie von einer adeligen polnischen Familie abstammt, die vor ca. 25 Jahren in England Fuß gefasst hat. Es ist nicht so ganz einfach für Fin, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, obwohl ihre Cousine Emily und ihr – gerade erst aus Polen angereister – Cousin Eryk wirklich nett zu sein scheinen. Aber ihre Tante Lady Worth ist eine kühle und abweisende Person, die in allen Belangen auf den unheimlichen Arzt Doktor Hunt hört, und dann ist da noch der Fluch, der seit Jahrhunderten auf der Familie liegt. Was den Fluch – und eventuellen Schutz davor – angeht, so will ich nicht zu viel verraten, aber Helenka Stachera hat sich dafür von den Legenden ihres polnischen Vaters inspirieren lassen.

So lernt Fin eine Menge von ihrem Cousin Eryk über die wahre Natur des Fluchs, die Personen, die damit verbunden sind, und all die Schutzmaßnahmen, die in seinem polnischen Dorf gegen solch ein übernatürliches Böse angewandt wurden. Ich mochte diese unheimlichen Elemente in der Geschichte sehr, aber noch mehr mochte ich es, wie Fin sich damit auseinandersetzt. Sie verspürt anfangs verständlicherweise keinerlei Loyalität gegenüber einer Familie, die sie nicht kennt, während sie sich gleichzeitig nach der – nicht immer gewaltfreien, aber immerhin vertrauten – Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, sehnt. Doch die Freundschaft, die zwischen Fin, Eryk und Emily entsteht, und die Erkenntnis, dass dieser Fluch nicht nur in der Vergangenheit schon so viel Unglück verursacht hat, sondern auch in Zukunft Personen darunter leiden werden, wenn nicht jemand dem Ganzen ein Ende bereitet, sorgen bei Fin für überraschend große Motivation, gegen diesen Fluch vorzugehen. Und Fin ist – gerade weil sie nicht von der seit langer Zeit in der Familie der Kaminskis verbreitenden Legende beeinflusst wurde – genau die richtige Person, um den Fluch zu brechen.

Es ist nicht einfach für Fin, sich in ihrer neuen Familie zurechtzufinden, aber ich habe gern verfolgt, wie sie die verschiedenen Familienmitglieder kennenlernte und für sich herausfand, wer nicht nur vertrauenswürdig ist, sondern mit wem sie auch in Zukunft verbunden sein will. Außerdem gefiel es mir, dass Fin zwar den Kaminskis eine Chance geben will, aber nicht das Gefühl hat, sie müsse dankbar sein oder sich gar vollständig verstellen, um den Erwartungen von Lady Worth gerecht zu werden. Dabei hat Helenka Stachera ein wirklich gutes Händchen für all die kleinen Dinge, die für Fin zu überwältigend sind, während sie die ersten Tage im Haus ihrer Familie verbringt. Fin hat keine einfache Vergangenheit, und sie sieht nicht ein, dass sie sich dafür schämen soll. All das hat dafür gesorgt, dass ich ihre Perspektive wirklich gern verfolgt habe. „Fin and the Memory Curse“ ist ein wunderbar atmosphärischer Roman voller unheimlicher Elemente und Bedrohungen und voller sympathischer Charaktere, die ihr Bestes geben, um die Personen in ihrem Umfeld zu beschützen – und er hat mir einfach Spaß gemacht.

Kalyn Josephson: Ravenfall

Es ist lustig, dass „Ravenfall“ von Kalyn Josephson fast ein Jahr auf meinem SuB lag, weil ich im vergangenen Herbst einfach nicht in der Stimmung für das Buch war, nur damit ich es dann in diesem Jahr am letzten Herbstlesen-Samstag verschlingen konnte. Ich finde es immer wieder spannend, wie groß der Einfluss ist, den die richtige Stimmung auf mein Leseverhalten hat. Die Handlung in diesem Roman wird abwechselnd von Anna und Colin erzählt und spielt in dem Inn „Ravenfall“, das von Annas Familie betrieben wird. Dabei verfügen so gut wie alle Personen in Annas Familie über magische Fähigkeiten, aber während die anderen „nützliche“ Fähigkeiten haben, kann die dreizehnjährige Anna – wenn sie eine Person berührt – nur sehen, wie jemand stirbt (vorausgesetzt, dass die berührte Person schon einmal Zeuge eines Todesfalls war).

Der vierzehnjährige Colin hingegen kommt auf der Suche nach seinem älteren Bruder Liam nach Ravenfall. Vor wenigen Tagen erst mussten Colin und Liam miterleben, wie ihre Eltern in einem Motel ermordet wurden. Liam ist nach der Tat den Mördern hinterhergejagt, während Colin allein entscheiden musste, wie es für ihn weitergeht. Da er seit diesem Tag von Liam nichts mehr gehört hat und ihre Eltern ihnen von Kindesbeinen an eingetrichtert haben, dass sie sich in Ravenfall treffen würden, wenn irgendwann einmal etwas passieren würde, hat sich Colin auf den Weg zum Inn gemacht. In Ravenfall angekommen, muss Colin so einige Dinge über seine Eltern (und sich selbst) lernen, die ihn überraschen, aber nichts davon hilft ihm, Liam zu finden. Zeitgleich wird deutlich, dass an Samhain – das nur noch wenige Tage entfernt ist – etwas Großes passieren wird, das nicht nur Colin, sondern alle Bewohner des Inns in Lebensgefahr bringen wird.

Trotz all der unheimlichen Details rund um den Tod von Colins Eltern, seine Angst um seinen Bruder Liam und die Bedrohung, der Colin, Anna und ihre Familie gegenüberstehen, habe ich die Geschichte rundum genossen. Es gibt so viele amüsante und heimelige Elemente, die die unheimlichen Szenen ausgleichen, und diese Mischung sorgt dafür, dass der Roman nie langweilig wird. Das Inn Ravenfall hat eine ganz eigene Persönlichkeit, die sich durch jede einzelne Szene, die in dem Gebäude spielt, zieht. So hilft das Haus seinen Bewohnern an allen Ecken und Enden, benötigt aber auch Aufmerksamkeit und Anerkennung und ist dabei in der Lage, über lange Zeit einen Groll gegen eine Person zu hegen. Annas Familie mit all ihren Fähigkeiten ist rundum magisch, und ich fand es spannend, mehr über all die Details, die damit verbunden waren, herauszufinden.

Überhaupt mochte ich die Figuren in dieser Geschichte wirklich gern. Anna und Colin sind wunderbare, facettenreiche Charaktere, und es war schön, ihre aufkeimende Freundschaft mitzuverfolgen. Annas eigentlich sehr liebevolle Familienmitglieder sind großartig, auch wenn sie nicht sehr gut darin sind, Anna das Gefühl zu geben, dass weder sie als Person noch ihre Fähigkeiten unwichtig sind. Dazu kommen noch die vielen kleinen fantastischen (keltischen) Elemente, die den magischen Teil von Annas (und Colins) Welt ausmachen und die ich sehr genossen habe. Viele dieser Figuren und Fähigkeiten kenne ich schon aus anderen fantastischen Romanen, aber Kalyn Josephson hat immer wieder einen Weg gefunden, um diese übernatürlichen Wesen auf eine ungewöhnliche Art in ihre Geschichte einzubauen, was ich wirklich zu schätzen wusste.

All diese vielen verschiedenen Elemente haben aus „Ravenfall“ einen Roman gemacht, bei dem ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie es wohl weitergeht – und ich muss zugeben, dass das mit dem Ende des ersten Bandes nicht vorbei war. Ich bin wirklich gespannt, was für ungewöhnliche Ideen Kalyn Josephson noch für das Inn und seine Bewohner hat, ich bin neugierig was für Abenteuer Anna und Colin noch erleben werden, und ich bin gespannt, ob die Autorin noch mehr über Annas verschiedene (bislang nur wenig erwähnte) Familienmitglieder zu erzählen hat und was für Überraschungen (und Fähigkeiten) die dann zur Handlung beizutragen haben. Nur gut, dass es schon zwei weitere Bände („Hollowthorn“ und „Witchwood“) gibt, auch wenn der dritte Teil gerade erst als Hardcover erschienen ist und noch keine Taschenbuchausgabe angekündigt wurde.

Lese-Eindrücke Oktober 2024 (Teil 1)

Im Oktober habe ich vor allem Bücher von meiner „Herbstliste“ gelesen, die aus all den eher unheimlichen Geschichten bestand, die ich in meinem SuB finden konnte. Außerdem hatte ich versucht, ein paar ältere Titel von meinem eReader zu lesen, um da mal einen besseren Überblick über meinen Bestand zu bekommen. Daran bin ich dann aber gescheitert, da ich nach „Wolfskin“ unbedingt noch weiteren Bände der „The Two Monarchies“-Reihe anschaffen und lesen musste. *g*

Und da ich zu so vielen Büchern auch was zu erzählen hatte, gibt es in diesem Monat den Lese-Eindruck-Beitrag in zwei Teilen. Teil 2 verlinke ich HIER, wenn er erschienen ist.

Ali K. Mulford/K. Ellen Morrison: Pumpkin Spice & Poltergeist (Maple Hollow 1)

„Pumpkin Spice & Poltergeist“ war eine „sapphic paranormal cozy mystery rom-com“, die wirklich viele nette (fantastische) Elemente beinhaltete. Die Geschichte dreht sich um Jordyn, die eine Hexe und eine von zwei Apothekerinnen in Maple Hollow ist, und Harlow, die gerade erst in Maple Hollow angekommen ist und nun als Barista in dem Café ihrer Schwester arbeitet. Während Jordyn immer noch um ihre vor einem Jahr verstorbene Ex-Freundin Lou trauert, hat Harlow das Gefühl, dass sie in ihrem Leben bislang immer nur gescheitert ist und nie etwas richtig machen kann. Als Jordyn den Geist von Lou beschwört und diese erst wieder gehen will (oder kann), wenn Jordyn eine neue Beziehung eingegangen ist, sieht Jordyn sich gezwungen, Harlow um ein Date zu bitten. Natürlich ist von Anfang an klar, dass die beiden Frauen ein gutes Paar wären, ebenso wie schnell deutlich wird, dass hinter Lous Tod mehr als ein Unfall steckt. So besteht die Geschichte zum Großteil aus wirklich niedlichen Szenen mit zwei unbeholfenen, aber sehr aneinander interessierten Frauen und dem einen oder anderen – nicht gerade dezent eingestreuten – Hinweis auf einen Kriminalfall. Dazu kommen noch sehr viele fantastische und überraschend ungewöhnliche Elemente rund um die magische Gemeinschaft von Maple Hollow, und ich habe mich (trotz der Tatsache, dass relativ schnell offensichtlich war, wer hinter Lous Ableben steckte) wirklich gut unterhalten gefühlt. Kein Roman, dessen Details lange im Gedächtnis bleiben, aber trotzdem ein Titel, an den ich mich gern erinnere.

Phil Hickes: The Whispering Walls (Shadowhall Academy 1)

Da ich von Phil Hickes die Aveline-Jones-Romane sehr mochte, musste ich mir natürlich auch seinen neuesten Titel besorgen. „The Whispering Walls“ dreht sich um Lilian Jones, die zu Beginn der Geschichte ihr erstes Jahr an der Internatsschule „Shadowhall“ beginnt. Die Schule befindet sich in einem ehemaligen Herrenhaus, das kalt, zugig und voller unheimlicher Geräusche ist, und gleich in ihrer ersten Woche wird Lilian erzählt, dass eine ehemalige Schülerin in den Wänden des Gebäudes spuken soll. Da sie befürchten muss, dass dieser Geist eine ihrer Zimmergenossinnen bedroht, macht sich Lilian (gemeinsam mit ihren neu gewonnenen Freundinnen) auf, um mehr über die gruselige Vergangenheit der Schule herauszufinden. Ich fand das Buch wirklich nett und fühlte mich beim Lesen gut unterhalten. Aber ich muss auch Kiya recht geben, die während des ersten Herbstlesen-Sonntags meinte, dass Phil Hickes hier sehr auf vertraute Grusel-Elemente gesetzt hat, statt wie bei seinen Aveline-Jones-Büchern etwas sehr Eigenes zu schaffen. Außerdem habe ich es zwar sehr genossen, von den Freundinnen, die Lilian in der Schule findet, zu lesen, aber diese enge Bindung zwischen den Schülerinnen sorgte auch dafür, dass die Ereignisse sich nicht so richtig unheimlich anfühlten. Insgesamt war die Geschichte unterhaltsam genug, dass ich die Reihe fortsetzen werde, aber sie ist deutlich weniger gruselig und ungewöhnlich als die Aveline-Jones-Romane.

W.R. Gingell: Wolfskin (The Two Monarchies Prequel)

„Wolfskin“ ist ein Roman, der in derselben Welt wie die anderen „The Two Monarchies“-Geschichten spielt, und (sehr entfernt) an „Rotkäppchen“ angelehnt wurde. Genau genommen dreht sich die Geschichte um Rose, die als Lehrling bei der örtlichen Hexe Akiva aufgenommen wird. Schnell findet sie heraus, dass der Wald, in dem Akivas Häuschen steht, magisch ist und Akiva zu den Wächter*innen des Waldes gehört. Außerdem lernt Rose, dass es sich bei dem großen Wolf, der in dem Wald lebt, eigentlich um einen verfluchten Mann handelt. Die Handlung selbst zieht sich über mehrere Jahre hin, in denen Rose mehr über Magie herausfindet, den Wolf (Bastian) besser kennenlernt und miterlebt, dass immer wieder Wächter*innen des Waldes angegriffen werden oder verschwinden. Ich fand die Lösung hinter diesen Angriffen/Morden ziemlich offensichtlich, aber trotzdem habe ich mich gut von Rose und ihren Abenteuern unterhalten gefühlt. W.R. Gingells Erzählweise in den „The Two Monarchies“-Romanen erinnert mich (nach „Spindle“) auch dieses Mal an Diana Wynne Jones‘ Art, eine Geschichte zu erzählen. Immer wieder mäandert die Handlung ein wenig vor sich hin, ohne dass es je langweilig würde, weil es so viele kleine und größere Momente rund um die Magie des Waldes oder Rose und all die Personen, die sie im Laufe der Zeit kennenlernt, gibt.

W.R. Gingell: Blackfoot (The Two Monarchies 2)

Da ich „Wolfskin“ so gern gelesen hatte, habe ich dann gleich auch noch zu „Blackfoot“ gegriffen. „Blackfoot“ spielt nach den Ereignissen von „Spindle“ und wird aus der Perspektive von Annabel erzählt, die bei einer unheimlichen Hexe aufwächst und deren bester Freund Peter ist. Peter kommt anfangs nicht so unglaublich sympathisch rüber, weil er nicht nur davon überzeugt ist, dass er einfach alles weiß, sondern auch keine Wertschätzung für seine Magie empfindet und stattdessen von technischen Erfindungen fasziniert ist. Annabel hingegen verfügt über keinerlei Magie, abgesehen davon, dass sie in ihren Gedanken ihren schwarzen Kater – der Titel-gebende Blackfoot – sprechen hören kann, wobei Blackfoot sich sowieso nur selten wie eine normale Katze benimmt und es ziemlich klar ist, dass es an ihm und nicht an Annabel liegt, dass die beiden miteinander kommunizieren können. Nach einem Vorfall mit Annabels böser „Pflegemutter“ suchen Annabel, Peter und Blackfoot in einer nahegelegenen Schlossruine Schutz. Doch ein Zauber, der auf dem Schloss liegt, sorgt dafür, dass die drei das Gelände nicht mehr verlassen können. So müssen sie mehr über die Geschichte und die Magie des Schlosses herausfinden, während sie gleichzeitig von einem unheimlichen Gegner gejagt werden und das Schloss ein überraschendes Eigenleben zu entwickeln scheint. Auch das Lesen von „Blackfoot“ hat bei mir Erinnerungen an diese ganz bestimmte wunderbare Art von altmodischen und ungewöhnlichen Fantasygeschichten geweckt, wie sie DWJ geschrieben hat. Ich mag diese Art von Romanen so gerne – überrascht es da jemanden, dass ich mir spontan auch noch den dritten Teil („Staff and Crown“) gegönnt habe? *g*

Claribel A. Ortega: Ghost Squad

„Ghost Squad“ von Claribel A. Ortega habe ich am zweiten Herbstlesen-Wochenende angefangen und das Lesen sehr genossen. Die Geschichte wird aus der Sicht der zwölfjährigen Lucely Luna erzählt, deren Familie aus ihr, ihrem Vater Simon und den unzähligen Geistern ihrer verstorbenen Familienmitgliedern besteht. Diese Geister verbringen den Großteil ihrer Zeit als Glühwürmchen rund um eine besondere Weide im Garten des Hauses der Lunas, doch sie sind auch in der Lage, menschliche Gestalt anzunehmen. Allerdings kann nur Lucely sie in ihrer menschlichen Form sehen, da ihr Vater nach einem traumatischen Ereignis vor einigen Jahren seine Fähigkeit, Geister zu sehen, verloren hat.

Obwohl Lucely und ihr Vater relativ arm sind, da er mit seinen Geister-Touren durch die Stadt nicht gerade viel Geld verdient, wächst Lucely inmitten so vieler (wenn auch zum Großteil schon verstorbener) Familienmitglieder ziemlich behütet auf. Umso erschreckender ist es für Lucely, als sie herausfindet, dass die Bank kurz davor ist, ihrem Vater das Haus wegzunehmen. Als dann noch eine unheimliche Bedrohung ihre Geister verstört, beschließt Lucely gemeinsam mit ihrer besten Freundin Syd, dass nur Magie ihre Familie retten kann. Doch der Zauber, den die beiden Mädchen wirken, scheint die Lage eher noch zu verschlimmern. Von nun an schweben nicht nur Lucelys Geister in Gefahr, sondern die gesamte Stadt scheint von bösen Mächten überrannt zu werden.

Es gibt so einige bedrohliche Elemente und eine Menge unheimliche Schauplätze in „Ghost Squad“, aber trotzdem stehen in der Geschichte vor allem die Freundschaft zwischen Lucely und Syd sowie Lucelys Liebe zu ihrer Familie im Vordergrund. Dabei hat Claribel A. Ortega meiner Meinung nach in ihrem Debütroman ein großartiges Händchen für die verschiedenen Charaktere bewiesen. Lucely und Syd sind ein wunderbares Gespann. Die beiden unterstützen sich gegenseitig, ohne auch nur einen Moment darüber nachdenken zu müssen, und sie beweisen so viel Einfallsreichtum bei ihrer Suche nach Informationen, dass ich viel Spaß hatte, sie bei all ihren (häufig nächtlichen) Abenteuern zu begleiten.

Dann sind da noch die vielen (verstorbenen) Familienmitglieder von Lucely, die alle ihre Ecken und Kanten haben und von mir – selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt in der Geschichte hatten – schnell ins Herz geschlossen wurden. All dieser Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Figuren ist wunderbar zu lesen, sorgt aber auch dafür, dass sich die Handlung nie so richtig bedrohlich anfühlt, obwohl es eine Menge Szenen und Schauplätze in der Geschichte gibt, die das Potenzial für anständige Gruselmomente hätten. Alles in allem hinterließ „Ghost Squad“ bei mir (auch dank der vielen Anspielungen auf den Film „The Goonies“ – inklusive einem Katzen-Sidekick namens „Chunk“) am Ende eher das Gefühl, eine Halloween-Komödie statt einer Gruselgeschichte gelesen zu haben. Aber das war für mich auch vollkommen in Ordnung so, weil ich diese Mischung aus leicht gruseligen und sehr komischen Momenten – ebenso wie die vielen wunderbaren Charaktere und ihr Zusammenspiel – sehr genossen habe.

Hilary McKay: The Time of Green Magic

Hilary McKay gehört zu den Autor*innen, über die ich immer wieder stolpere und von denen ich auch den einen oder anderen Titel interessant finde, die dann aber aus irgendeinem Grund auf der Merkliste versauern. Zumindest war das so, bis ich über „The Time of Green Magic“ gestolpert bin, das ich dann auch – nach gerade mal drei Jahren auf dem SuB – in diesem Sommer gelesen habe. (Nur gut, dass ich inzwischen versuche, meine Neuzugänge zeitnäher zu lesen. Wenn es jetzt noch mit dem zeitnahen Rezensieren klappen würde …) „The Time of Green Magic“ ist eigentlich die perfekte Geschichte für den Spätherbst, falls ihr dafür noch ein Kinderbuch mit einem Hauch von Magie suchen solltet. Die Handlung wird aus der Perspektive der elfjährigen Abi erzählt, deren Leben in den vergangenen Monaten ziemlich auf den Kopf gestellt wurde, nachdem ihr verwitweter Vater Theo sich verliebt und erneut geheiratet hat.

Abis geliebte Granny Grace nahm diese Heirat zum Anlass, um nach all den Jahren, die sie sich in London um ihre Enkelin gekümmert hat, nach Jamaika zu reisen, während Abi und ihr Vater nach der Hochzeit mit seiner neuen Frau Polly und ihren beiden Söhnen Max (13 Jahre) und Louis (6 Jahre) in ein gemeinsames Haus ziehen und sich alle erst einmal an die veränderten Umstände gewöhnen müssen. Schnell stellen Abi und Louis fest, dass etwas an dem kleinen efeu-überwachsenen Haus ungewöhnlich ist: Abi hat zwar schon immer in Büchern eine Zuflucht vor der realen Welt gefunden, aber noch nie zuvor haben sich die Ereignisse in den Geschichten so real angefühlt. Für Louis hingegen bietet der Einzug in das neuen Haus die Gelegenheit, sich mit einem ganz besonderen vierbeinigen Besucher anzufreunden. Doch als dieser Freund immer größer wird, müssen sich Abi und Max zusammentun, um Louis vor seinem mysteriöse Besucher zu beschützen.

Hilary McKay nimmt sich in „The Time of Green Magic“ viel Zeit, um die verschiedenen Figuren und ihre Reaktion auf die neuen Familienverhältnisse zu beschreiben. Während Theo und Polly mit viel Optimismus an die Sache herangehen und dabei schon mal übersehen, welche Herausforderungen das Leben in einer Patchwork-Familie für die Kinder mit sich bringt, müssen die Kinder sich erst einmal gut genug kennenlernen, um herauszufinden, wie sie überhaupt in diese neue Familie passen. Dabei ziehen sich die ganze Zeit über kleine Elemente durch die Handlung, bei denen lange Zeit nicht ganz sicher ist, ob sie auf die Fantasie der Kinder oder auf einen Hauch von Magie zurückzuführen sind. Ich persönlich mochte diese Mischung aus fantastischen und realen Momenten, mit denen sich Abi, Louis und (später auch) Max auseinander setzen müssen.

Dabei muss ich zugeben, dass sich „The Time of Green Magic“ beim Lesen überraschend vertraut angefühlt hat und mich immer wieder an (britische) Kinderbuchklassiker erinnert hat, die ich als Kind gelesen habe. Obwohl die Handlung in der aktuelle Zeit spielt, fühlt sich die Geschichte mit ihrem Schwerpunkt auf dem Verhältnis der Kinder zueinander und dem Mangel an Erklärungen rund um die fantastischen Ereignisse überraschend altmodisch an und erinnerte mich immer wieder an Geschichten von Edith Nesbit. Ich fand das anfangs ziemlich überraschend, habe es aber genossen, über so eine ungewöhnliche Mischung aus „traditionellen fantastischen Kinderbuch-Elementen“ und modernen, chaotischen Familienverhältnissen inklusive all der Herausforderungen, die das für Abi, Louis und Max mit sich bringt, zu stolpern.

So dreht sich die Handlung eben nicht nur um die ungewöhnlichen Ereignisse in dem neuen Haus, sondern auch darum, dass Abi ihre Großmutter vermisst und es ihr schwerfällt, ihren Vater mit den neuen Familienmitgliedern zu teilen. Auch für Louis, der anfangs derjenige zu sein scheint, der am besten mit der neuen Situation klarkommt, gibt es so einige Herausforderungen, während Max nicht nur damit kämpft, dass er nun Teil einer Patchwork-Familie ist, sondern auch mit dem ersten Verliebtsein und einem ernsthaften Streit mit seinem besten Freund. Das alles führt dazu, dass in Hillary McKays „The Time of Green Magic“ gar nicht so viel Großes und Dramatisches passiert, aber all die kleinen Wendungen dafür sorgten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte und immer wieder noch ein paar Seiten gelesen habe, um herauszufinden, wie eine Situation für die Figuren ausgeht.