Damaris Young: The Switching Hour

Nachdem ich Ende 2020 „The Creature Keeper“ von Damaris Young gelesen hatte, hatte ich mir im folgenden Januar den Debütroman der Autorin, „The Switching Hour“ gekauft. Vier Jahre saß das Buch dann auf meinem SuB und wartete darauf, dass ich es – passend zur Atmosphäre der Geschichte – „im Sommer“ endlich lesen würde. „Im Sommer“ passte es aber nie so recht, und nachdem ich den Roman jetzt endlich gelesen habe, bin ich froh, dass ich nicht parallel zum Lesen auch noch in der Realität mit – für mich – viel zu viel Hitze zu kämpfen hatte. Da die Handlung während einer anhaltenden Dürre in einem Land spielt, das von der Kindheit der Autorin in Südafrika inspiriert wurde, wäre das für mich vermutlich zu viel gewesen, um die Geschichte noch genießen zu können.

Damaris Young ist erschreckend gut darin, zu beschreiben, wie unerträglich das Leben bei solch hohen Temperaturen und ohne einen Hauch von Regen ist. Ihre Protagonistin, die zwölfjährige Amaya, lebt seit dem Tod ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Kaleb bei ihrer Großmutter Uma. Jeden Tag bringt sie die drei Ziegen auf die Weide und verbringt dann bis kurz vor der Abenddämmerung den Tag am See. Doch von Woche zu Woche wird der See kleiner, immer mehr Menschen versuchen, die wenigen Fische, die noch im Wasser zu finden sind, zu fangen, und Amayas Chancen, selbst mit einem Fang nach Hause zu kommen, werden immer geringer. Auch der kleine Garten ihrer Großmutter Uma bringt kaum noch einen Ertrag, was bedeutet, dass es mit jedem Tag schwieriger wird, genügend Lebensmittel für eine Mahlzeit zusammenzubekommen.

Dazu kommt noch das Gerücht, dass die Dürre – nach fast hundert Jahren – für ein erneutes Auftauchen von Badeko gesorgt hat. Badeko ist ein sagenhaftes Ungeheuer, das nach Einbruch der Dämmerung kleine Kinder entführt, um sich von ihren Träumen zu ernähren. Zehn Kinder sind in den umliegenden Orten schon verschwunden, und als auch Kaleb von Badeko entführt wird, macht sich Amaya auf, um ihren kleinen Bruder zu retten. Drei Tage hat sie Zeit, bevor die sorrow sickness sie erfassen und dafür sorgen wird, dass sie Kaleb für immer vergisst. Doch glücklichweise wird Amaya auf ihrem Weg von ihrer dickköpfigen Ziege Tau begleitet und findet wenig später auch noch in der gleichaltrigen Molly eine Gefährtin, die Amaya bei ihrer Suche unterstützt.

Die Handlung in „The Switching Hour“ streift so viele verschiedene Themen, aber vor allem dreht sie sich um Verlust und Trauer und um die häufig komplizierten Gefühle, die Familienmitglieder füreinander empfinden können. Dabei fand ich, dass Damaris Young mit Amaya die perfekte Protagonistin für diese Geschichte geschaffen hat. Das Mädchen liebt seinen kleinen Bruder und seine Großmutter, aber es ist auch of überfordert mit all den Veränderungen in seinem Leben. Dazu kommt, dass Amaya um ihre Mutter trauert, die bei einem Feuer umkam, und befürchten muss, dass sie sich irgendwann nicht mehr ausreichend an die Verstorbene erinnern kann. Als Kaleb dann auch noch verschwindet, ist Amaya wild entschlossen, ihn zu retten. Doch um das zu erreichen, muss sie all ihren Mut zusammennehmen und gemeinsam mit ihren Gefährten einige Herausforderungen überwinden.

So spannend es auch war, von den größeren Gefahren wie den Raubtieren und dem Wassermangel zu lesen, so mochte ich doch vor allem die kleinen, persönlichen Momente, die Amaya erlebt. Für mich fühlte sie sich wie eine reale Person mit allen möglichen Stärken und Schwächen an, die sich im Laufe ihrer Suche immer wieder den kleinen Lügen, die sie sich selbst erzählt hat, stellen muss. Ihre Begleiterin Molly fand ich etwas weniger überzeugend gestaltet (da ihre Hintergrundgeschichte für mich zu offensichtlich war), aber ich mochte das Zusammenspiel der beiden Mädchen und die – nicht ganz einfache – Freundschaft, die sich im Laufe der drei Tage zwischen ihnen entwickelt. Die Ziege Tau hingegen ist der heimliche Star der Geschichte, da das Tier nicht nur immer wieder für kleine amüsante Momente sorgt, sondern auch deutlich dazu beiträgt, dass die beiden Mädchen ihre Suche zu Ende bringen können. Doch vor allem bleibt mir nach dem Lesen von „The Switching Hour“ die Atmosphäre der Geschichte in Erinnerung. Damaris Young beschreibt die Dürre, den Durst der Figuren und die Ängste, die Badeko auslöst, so eindringlich, dass all diese Elemente nach dem Beenden des Romans noch eine ganze Weile in mir nachklangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert