Kleine Auszeit

Abgesehen von meinem „Monatsanfangs-SuB-Stand“-Beitrag wird es hier in den nächsten 14 Tagen wohl nicht viel zu lesen geben, da wir Urlaub haben und wir nicht nur viel Zeit beim japanischen Filmfest verbringen werden, sondern uns auch sonst viel vorgenommen haben.

Das werden zwei trubelige Wochen, auf die ich mich sehr freue! 🙂

Ursula Vernon: Castle Hangnail

Ursula Vernon sitzt schon so lange auf meiner Merkliste, dass es erschreckend ist, dass ich erst jetzt eines ihrer Bücher gelesen habe. Dafür habe ich die Geschichte rund um „Castle Hangnail“, die dazugehörigen Schergen und die Wicked Witch Molly sehr genossen. Die Handlung beginnt an dem Tag, an dem der Wächter des Schlosses einer potenziellen neuen Schlossherrin das Tor öffnet. Castle Hangnail ist schon lange auf der Suche nach einer neuen Herrin, denn kein böses Schloss kann ohne angemessene Herrschaft existieren, und auch wenn Hangnail in weniger düsterer Umgebung gebaut wurde, als der Wächter es angemessen fände, so ist es doch ein gutes böses Schloss und verdient eine dementsprechende Herrschaft. In den vergangenen Jahrhunderten hat der Wächter schon bösen Zauberinnen, Vampirlords, verrückten Wissenschaftlern und allen möglichen anderen Bösewichten gedient und gemeinsam mit seinen Kollegen jede damit zusammenhängende Herausforderung hervorragend gemeistert.

Doch seine potenzielle neue Herrin scheint ihn etwas zu überfordern, denn Molly nicht nur sehr jung, sie wirkt auch nicht besonders „wicked“ (irgendwie finde ich kein angemessenes deutsches Wort, dass den Unterschied zwischen „wicked“ und „evil“ so hervorhebt wie die englischen Wörter). Das einzige, was in den Augen des Wächters für sie spricht, sind ihre Stiefel – ansonsten ist es vor allem die Verzweiflung, die ihn dazu bringt, Molly Zugang zum Schloss zu gewähren. Für den Leser wird schnell deutlich, dass die Zweifel des Wächters nicht unangebracht sind. Molly ist nicht diejenige, die ursprünglich die Einladung als Schlossherrin erhalten hat, und eigentlich scheint sie auch viel zu nett zu sein, um die Herausforderungen zu bestehen, die mit der Bewerbung auf die Herrschaft über das Schloss einhergehen. Aber Molly ist hingerissen vom Castle Hangnail und gibt ihr Bestes, um ihre Aufgabe als Schlossherrin zu erfüllen.

Ich fand es großartig zu lesen, wie Molly die verschiedenen Diener im Schloss kennenlernt und wie sie sich alle Mühe gibt, um die Herausforderungen zu erfüllen. Sie findet das heruntergekommene Schloss perfekt, sie schließt die verschiedenen Diener in ihr Herz und sie gibt sich Mühe, mit den Nachbarn im Dorf gut auszukommen. Es gibt keine großen dramatischen Szenen in diesem Buch, stattdessen sehr viele Wohlfühlmomente, in denen Molly die verschiedenen Facetten eines Lebens als Schlossherrin erkundet und dabei immer gerade „wicked“ genug ist, damit ihre Bewerbung weiterhin in Betracht gezogen werden kann.

All das führt zu so vielen amüsanten und niedlichen Momenten, zu liebevoller Unterstützung durch ihre Schergen und zu genau den heimeligen Szenen, die ich wirklich in Kinderbüchern mag. Trotzdem wird es nicht langweilig, weil Molly eben die verschiedenen Herausforderungen zu bewältigen hat und am Ende um ihr Schloss (und die Loyalität des misstrauischen Wächters) kämpfen muss. Ich habe „Castle Hangnail“ von der ersten bis zur letzten Seite genossen, ich mochte die Zeichnungen, mit denen die Autorin die Geschichte illustriert hat, und ich fände es großartig, wenn das Buch noch diverse Fortsetzungen bekäme, weil ich Molly und all die anderen Charaktere beim Lesen wirklich ins Herz geschlossen habe. Außerdem hat es Ursula Vernon geschafft, in dieser süßen Geschichte so viele wichtige Themen unterzubringen, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben, dass ich mir wünschte, ich hätte „Castle Hangnail“ schon als Kind lesen können, denn ich denke, die Geschichte hätte mir – die ich viel zu brav und still war – gutgetan.

Lese-Sonntag Mai 2019

Gestern wurde es dank des ESCs etwas später, was bedeutet, dass ich gerade noch nicht so richtig wach bin. Immerhin war es mal wieder lustig die Bemerkungen in meiner Timeline zu den verschiedenen Songs zu lesen – während die Songs selber in der Regel keinen großen Eindruck hinterlassen haben …

Irgendwie war ich in den letzten zwei Woche nicht ganz so fit (keine Ahnung, was ich mir da eingefangen hatte), aber das war okay, denn ich wollte eh nur mit der Nase im Buch versinken und mal eine Weile nichts anderes sehen und hören. 😉 Nachdem ich viel Zeit mit Kinder-, Jugendbüchern und Liebesromanen verbracht habe, bin ich in den letzten Tagen wieder bei Urban Fantasy gelandet. Genau gesagt habe ich mir meinen Vorrat an ungelesenen Mercy-Thompson-Romanen von Patricia Briggs vorgenommen und entspanne mich beim Lesen ganz wunderbar. Aktuell bin ich beim zehnten Band der Reihe („Silence Fallen“) und werde damit auch heute weitermachen.

Außerdem haben mein Mann und ich für heute wieder eine Spielrunde geplant, die wohl etwas länger werden wird. Beim letzten Mal haben wir endlich die erste Herausforderung beim „Hellboy“-Brettspiel erfolgreich beendet, also haben wir uns für heute ein etwas längeres Zufallsszenario vorgenommen. Mir macht das Spiel wirklich Spaß, aber man hat als Spieler relativ wenig Einfluss darauf, ob man erfolgreich aus einer Herausforderung geht, da so viel von den gezogenen Karten und dem Würfelglück abhängt. Eigentlich würden wir auch gern mal wieder „Gloomhaven“ spielen, aber erst einmal wollten wir bei „Hellboy“ etwas regelfester werden, damit wir nicht ständig die diversen Sonderregeln nachschlagen müssen. Nun, mal schauen, was der Tag sonst noch bringt, erst einmal stecke ich meine Nase wieder in mein Buch. 😀

Update 11:00 Uhr

Irgendwie schaffe ich es an den Lese-Sonntagen immer die ersten Stunden des Tages online zu verbringen und nicht so viel Zeit mit Lesen. 😉 Dafür ist der Feedreader geleert und es gibt schon ein paar Mitleserinnen 🙂 und mein Mann und ich haben nebenbei über alles Mögliche geschwatzt. Bevor ich jetzt (wieder) zum Buch greife und endlich erfahre, ob Mercy der Ausbruch gelingt und sie vor ihren Kidnappern fliehen kann, muss ich aber erst einmal in die Küche wandern und den Berg mit Abwasch in Angriff nehmen, der sich seit gestern einfach nicht von selber erledigt hat. Ich weiß auch nicht, wie an einem Tag so viel dreckiges Geschirr entstehen kann, wenn ich doch nur auf dem Sofa sitze und lese … 😉 Danach gibt es dann auch Frühstück für mich, darauf hatte ich bislang noch keine Lust.

Update 13:30 Uhr

UF-Roman an Frühstück. 😉

Nachdem ich mich eben zum Abwasch aufgerafft hatte, kam mir noch die Idee, ich könnte spontan Kuchen für heute Nachmittag backen (schließlich waren da noch vier Eier, die aufgebraucht werden mussten). Danach gab es dann aber wirklich Frühstück für mich und noch ein paar Kapitel in „Silence Fallen“. Mercy ist inzwischen ihrem Entführer entkommen und in Prag gelandet, was für einen Koyoten nicht gerade eine vertraute Umgebung ist. Irgendwie bin ich mir sicher, dass die Geschichte sich nun nicht nur um ihre Entführung und die damit verbundenen politischen Entwicklungen drehen, sondern in Prag auch noch ein paar Dinge extra passieren werden. Immerhin weiß ich schon, dass der örtliche Alpha-Werwolf sehr, sehr alt ist (und Mercy hat als Kind beängstigende Gerüchte über ihn gehört) und sie ist schon dem Geist eines Golems begegnet. *g* Bevor ich aber weiterlese, gibt es erst einmal die geplante „Hellboy“-Runde. Aus dem Nebenzimmer kamen eben schon Beschwerden, dass unser Tisch heute eigentlich nicht ausreicht, weil das Szenario etwas größer ist dieses Mal …

Update 16:00 Uhr

Drei Froschmonster im Kampf gegen drei Agenten, während der Bossgegner aus dem Hinterhalt schießt. *g*

Die heutige „Hellboy“-Runde ging deutlich schneller, als wir erwartet hatten. Aber seitdem wir mit drei Charakteren spielen (wobei wir den dritten Charakter gemeinsam verwalten), geht es deutlich einfacher als zu zweit. Außerdem hatten wir ziemliches Glück beim Würfeln und konnten uns gegenseitig gut unterstützen (also Heilung oder Verstärkung bei Angriffen liefern). Die Aufgabe selber fand ich ziemlich lustig. Wir mussten einen antiken unterirdischen Tempel erkunden und stießen dort – natürlich – auf Monster bzw. am Ende auf Rasputin. Was wir vorher nicht wussten, war, dass sich die Räume verändern würden, wenn wir bestimmte Punkte untersuchten. So mussten wir während des Spiels zweimal das Spielbrett komplett umbauen – was uns aber am Ende wirklich zu Gute kam, weil wir so relativ ungehindert zum Endkampf stürzen konnten. *g*

Abe Sapien und der unterridische Tempel. 😀

Das nächste Szenario haben wir schon rausgesucht, aber so langsam würde ich wirklich gern wieder „Gloomhaven“ spielen, bevor es dafür während des Sommers in unserer Wohnung zu heiß wird.

Jetzt gibt es aber erst einmal Kuchen und danach greife ich wieder zum Buch. 🙂

Update 18:30 Uhr

Kirsch-Clafoutis

Lecker Kuchen und unterhaltsames Buch – ich bin mit den letzten Stunden wirklich zufrieden. 😉 Falls ihr euch wundert, wieso es hier schon wieder (also im monatlichen Abstand *g*) Clafoutis gibt: Er ist schnell zubereitet und ich hatte eh noch vor das Rezept an meine aktuellen Ofenprobleme anzupassen. In zwei kleinen, statt einer großen Form und mit einer höheren Backtemperatur klappt er hervorragend und ich könnte die kleinere Form theoretisch mit dem Kuchen einfrieren, wenn wir den Rest nicht morgen Abend zum Nachtisch essen würden. Ansonsten sieht Mercy momentan in Prag eine Menge Geister, was für sie nicht ganz so ungewöhnlich wäre, wenn es nicht seltsame Nebenwirkungen gäbe, die durch die Begegnung mit dem Golem entstanden sind.

So langsam wird es Zeit in die Küche zu wandern und mit dem Kochen anzufangen, aber bevor ich das mache, schaue ich noch mal, wie es den anderen heute ergangen ist. 🙂

Update 21:30 Uhr

Scharfer Kichererbsen-Eintopf

Zwischen Bloglesen und Kochen bin ich doch glatt noch für eine halbe Stunde auf dem Sofa eingeschlafen, die kurze Nacht macht sich bemerkbar, sobald ich mal nichts tue. *g* Zum Essen (eine scharfen Eintopf mit Kartoffeln, Kichererbsen und Paprika) gab es dann die erste Folge einer Dokumentationsreihe über asiatisches Streetfood. Wir kannten die vorgestellte Köchin aus Bangkok zwar schon (von einer Phil-Folge?), aber es war trotzdem spannend mehr über sie als Person und Streetfood in der Stadt zu erfahren. Danach habe ich „Blümchen gegossen“ und sehr viel mehr werde ich heute Abend nicht mehr tun. Vielleicht lese ich nach meiner gleich folgenden Blogrunde noch ein paar Seiten, aber grundsätzlich plane ich heute früh(er) ins Bett zu gehen.

Meine Animal-Crossing-Nachbarin hat mir ein Geschenk gemacht. *g*

Es war wieder sehr nett mit euch! Wir lesen uns hoffentlich (spätestens) im kommenden Monat wieder. 🙂

Heutige Mitleserinnen:

Natira
Neyasha
Kiya

Diana Wynne Jones: Earwig and the Witch

Auch wenn es für euch vermutlich langsam langweilig wird, so habe ich gerade ein großes Bedürfnis nach Diana-Wynne-Jones-Bücher und vergleichbaren Geschichten. „Earwig and the Witch“ ist von der Autorin eindeutig für sehr junge Leser geschrieben worden und dementsprechend geradlinig verläuft die Handlung auch. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Earwig, die sich – im Gegensatz zu den anderen Kindern in St Morwald’s Home for Children – nicht danach sehnt, adoptiert zu werden. Earwig lebt, seitdem sie ein Baby war, in dem Kinderheim, und da dort alle ihre Wünsche erfüllt werden, ist sie dort auch sehr glücklich. Eine Erklärung dafür, dass Earwigs Leben im Kinderheim für sie so befriedigend ist, könnte in der Nachricht zu finden sein, die bei ihr lag, als sie vor der Tür des Heims ausgesetzt wurde:

„Got the other twelve Witches all chasing me. I’ll be back for her when I shook them off. May take years. Her name is Earwig.“

Trotz ihrer besonderen Fähigkeiten kann Earwig nicht verhindern, dass sie eines Tages von einem sehr dubiosem Paar aus dem Kinderheim abgeholt wird. Da ihre üblichen Überredungskünste bei ihrer neuen Pflegemutter Bella Yaga nichts bewirken, muss Earwig einen Weg finden, um sich mit ihren neuen Lebensumständen abzufinden.

Die Geschichte rund um Earwig ist wirklich sehr kurz, so dass ich keine halbe Stunde zum Lesen dieses Buchs gebraucht habe. Aber diese kleine Pause mit „Earwig and the Witch“ habe ich sehr genossen, weil die Protagonistin mit viel Glück, etwas Hilfe von unerwarteter Seite und einer großen Portion Unerschrockenheit das Beste aus ihrer Situation macht. Für mich persönlich wäre es natürlich schöner gewesen, wenn die Geschichte und die Figuren etwas mehr Tiefe gehabt hätten, auf der anderen Seite mag ich es auch, wenn kleine Bemerkungen in solchen Büchern meine Fantasie anheizen.

Beim Lesen habe ich mir deshalb fast mehr Gedanken um die kleine Notiz gemacht, die ich oben zitiert habe, als um Earwigs Schicksal – vor allem, da von Anfang an klar war, dass ein so gewitzes Mädchen am Ende doch wieder auf die Füße fallen wird. Ich bin definitiv nicht die richtige Zielgruppe für eine Geschichte, die eindeutig zum Vorlesen für jüngere Kinder geschrieben wurde, aber ich habe mich trotzdem – wie eigentlich bei allen Diana-Wynne-Jones-Büchern – gut unterhalten gefühlt und es hat mir Spaß gemacht, mir vorzustellen, was es eigentlich mit den dreizehn Hexen auf sich hat und ob Bella Yaga vielleicht sogar dazugehört.

Sophie Anderson: The House with Chicken Legs

Nur selten ist es mir wichtig, welches Cover ich bei einem Buch in den Händen halte, aber bei „The House with Chicken Legs“ von Sophie Anderson wollte ich unbedingt die türkise Hardcover-Ausgabe, weil ich die Holzhütte mit den Hühnerbeinen, den Zaun mit den Totenköpfen und die Protagonistin auf der Veranda so ansprechend fand. Der Roman erzählt die Geschichte der dreizehnjährigen Marinka, die gemeinsam mit ihrer Großmutter in einem Haus mit Hühnerbeinen lebt. Ich habe mich schon auf den ersten Seiten in das Haus verliebt, das früher mit Marinka Fangen oder Verstecken gespielt hat, das alles tat, damit es seinen Bewohnerinnen gut geht, und dessen Füße nach einem langen Weg auch mal eine Abkühlung benötigten oder das in schlimmen Momenten Trost und Aufmunterung gebrauchen konnte.

Auch Marinkas Baba fand ich wunderbar, weil sie so liebevoll und fürsorglich war, obwohl das Mädchen es ihr oft nicht leicht gemacht hat. Mit Marinka hingegen hatte ich im Laufe der Handlung so einige Probleme und das nicht nur, weil ich definitiv kein Teenager mehr bin, sondern auch, weil Marinka regelmäßig Entscheidungen getroffen hat, von denen sie selbst wusste, dass sie falsch waren. Von Anfang an wird klar, dass Marinka mit dem einsamen Leben bei ihrer Großmutter nicht zufrieden ist. Sie will rausgehen, sie will andere Kinder kennenlernen, die Schule besuchen und nicht jede Nacht die Toten durch das magische Tor zu den Sternen geleiten. Das alles sind nachvollziehbare Bedürfnisse, doch statt mit ihrer Großmutter, die immer für sie da war, zu reden, beginnt sie sich in Lügen zu verstricken, gegen Regeln zu verstoßen, die nicht nur für das Überleben der Baba Yagas wichtig sind, und macht es mit jeder Entscheidung nur noch schlimmer.

Zum Glück entwickelt sich Marinka im Laufe der Geschichte weiter, und bis es endlich dazu kam, habe ich einfach diese wunderbare Variante einer Baba-Yaga-Geschichte genossen. Sophie Andersons Baba Yagas sind liebevolle Personen, die Nacht für Nacht die Seelen der Toten in ihr Haus einladen und ihr gelebtes Leben mit ihnen feiern, um sie am Ende der Nacht zu einem Tor zu geleiten, das die Seelen zu den Sternen bringt. So sind die Baba Yagas ein wichtiger Teil des Kreislaufs von Leben und Tod, wobei ihre Nähe zu den Geistern, die Magie ihres Hauses und all die Geheimnisse, die sie durch ihre Aufgabe hüten, dafür sorgen, das sie die Lebenden nicht zu nah an sich heranlassen dürfen. Und während Marinka sehr darunter leidet, dass ihre Großmutter die einzige Person ist, zu der sie eine Beziehung haben kann, scheint ihre Baba zufrieden damit zu sein, den Toten einen letzten schönen Moment zu bereiten, bevor ihre Reise weitergeht.

Es wird deutlich, dass jede Baba Yaga ihren eigenen Weg finden muss, wie sie mit ihrer Aufgabe und dem damit verbundenen einsamen Leben zurechtkommt, und ich muss zugeben, dass ich darüber gern noch mehr erfahren hätte. So hingegen habe ich vor allem Marinka dabei beobachtet, wie sie – mit vielen Umwegen und Problemen – herausfindet, wie sie das Leben in ihrem Haus mit Hühnerbeinen und all die Dinge, die sie gern tun würde, miteinander verbinden kann. Und auch wenn ich es nicht immer einfach fand, Marinka dabei zu begleiten, und regelmäßig das Bedürfnis hatte, sie zu schütteln, so mochte ich das Ende von „The House with Chicken Legs“ ebenso sehr wie all die Details zu den Baba Yagas und ihren Häusern, die Sophie Anderson sich für ihren Roman ausgedacht hat. Aber ich bin ja eh schnell für Geschichten zu begeistern, in denen solch großartige Häuser vorkommen, vor allem, wenn die Autorin drumherum auch noch eine so wunderbar ungewöhnliche Handlung rund Themen wie Verlust, Trauer, Familie, Freundschaft und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt gewoben hat.

Aliette de Bodard: In the Vanishers‘ Palace

Von Aliette de Bodard hatte ich vor „In the Vanishers‘ Palace“ nur Kurzgeschichten gelesen; da ich diese aber sehr mochte, wollte ich von der Autorin gern auch mal einen Roman lesen. „In the Vanishers‘ Palace“ spielt in einer postapokalyptischen vietnamesischen Welt, die von den „Vanishers“ ausgebeutet und zerstört wurde, bevor diese die Welt wieder verließen und es den Menschen überließen, mit all den Folgen fertig zu werden. Für die Menschen bedeutet dies ein Leben voller Hunger, Armut und Angst vor den diversen Krankheiten, die durch die Vanishers verursacht wurden. Einzige Hoffnung gegen all dies bietet die traditionelle Magie, doch das magische Wissen der Menschen ist kaum noch vorhanden, und nur wenige sind überhaupt in der Lage, Magie zu wirken. Strenge Hirachien haben sich in den verbliebenen Ortschaften ausgebildet, und wer für die Gemeinschaft nicht mehr von Nutzen ist oder an einer ansteckenden Krankheit leidet, wird aus den Dörfern vertrieben oder zeremionell getötet.

Erzählt wird die Handlung in „In the Vanishers‘ Palace“ vor allem aus der Sicht von Yên, die als Lehrerin in einem kleinen Dorf lebt und (so gut es geht) ihre Mutter unterstützt, die wiederum die Heilerin des Ortes ist. Als die Tochter einer der einflussreichsten Personen an einer tödlichen Krankheit leidet, sieht sich Yêns Mutter zu drastischen Maßnahmen gezwungen und ruft einen Drachen herbei – wohl wissend, dass ein Drache seine Magie niemals wirkt, ohne einen gerechten Preis dafür zu verlangen. Aus dieser Ausgangssituation erschafft Aliette de Bodard eine fantastische Geschichte, die die vertrauten Elemente aus „Beauty and the Beast“ als Basis hat und durch vietnamesische Sagen, zwei starke Protagonistinnen sowie eine ungewöhnliche und wunderschöne Liebesgeschichte bereichert wird.

Es gelingt der Autorin, so viele Dinge in ihre Geschichte zu packen, dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich anfangen soll und was ich überhaupt erwähnen kann, ohne zu viel über die Handlung zu verraten. Vor allem haben mich Aliette de Bodards Figuren beeindruckt, denn sie sind – unabhängig davon, wie viel Macht oder Wissen sie haben – glaubwürdig gestaltet mit Stärken und Schwächen, die im Leser nachklingen. Selbst Vu Côn, die als Drache über mehr Magie, Lebenserfahrung und Wissen verfügt als alle anderen Charaktere in diesem Roman, muss sich im Laufe der Geschichte ihren Schwächen und Fehlentscheidungen stellen und sich weiterentwickeln, und wie es dazu kommt, ist wirklich berührend zu verfolgen. Am Schluss des Romans steht vor allem die Erkenntnis, dass es eigentlich egal ist, ob jemand ein Mensch, ein Drache oder gar ein Vanisher ist, denn nicht die Herkunft und die Fähigkeiten, sondern die Entscheidungen, die eine Person trifft, machen einen aus. So ist es nur stimmig, dass „In the Vanishers‘ Palace“ kein rosiges Happy End aufweist, sondern ein Ende, das viele Wege für die Zukunft der beteiligten Figuren ermöglicht und ihnen zeigt, dass es in ihren Hände liegt, daraus das Beste zu machen.

Zen Cho: Sorcerer to the Crown

Bevor ich „Sorcerer to the Crown“ von Zen Cho überhaupt angefangen hatte, hatte ich schon von einigen Leuten gehört, dass sie von der Geschichte wirklich begeistert gewesen seien. Ich hingegen muss zugeben, dass ich den Roman zwar sehr gern gelesen habe und auch weitere Bücher von Zen Cho lesen möchte, aber die überschwengliche Begeisterung für die Geschichte nicht teilen kann. Zen Cho erzählt ihre Handlung aus zwei Perspektiven: Zacharias ist der erste schwarze Zauberer Großbritanniens und Erbe seines Adoptivvaters Sir Stephen Wythe, während Prunella ihr bisheriges Leben an einer Schule verbracht hat, an der junge Damen der Gesellschaft lernen sollen, ihre Zauberkräfte zu unterdrücken. Beide Protagonisten haben einen schweren Stand in einer Gesellschaft, in der Herkunft mehr zählt als Talent und in der weder farbige Personen noch (magiebegabte) Frauen besonders wohlgelitten sind.

Ich kann nicht behaupten, dass ich die Welt mochte, die Zen Cho für ihren Roman geschaffen hat (zumindest nicht den Teil, der von alten weißen Männern dominiert wurde 😉 ), aber mir gefiel die Art und Weise, wie die Autorin diese Welt dargestellt hat. Zacharias und Prunella leben in einem alternativen historischen Großbritannien, in dem die britischen Ressourcen im Krieg gegen Frankreich aufgerieben wurden und in dem die Regierung verzweifelt neue Wege sucht, um siegreich aus all den Kämpfen hervorzugehen. Auch die Zauberer, die sich aus rechtlichen Gründen aus dem Kriegstreiben herausgehalten haben, müssen einen eklatanten Mangel an Magie verzeichnen und deshalb um ihre Position in der Gesellschaft bangen. So muss Zacharias, der nach dem Tod seines Mentors Sir Stephen Wythe die Postion des Zauberers der Krone übernommen hat, nicht nur dieses Problem lösen, sondern auch mit dem Rassismus innerhalb der Zaubergesellschaft fertigwerden. In dieser Situation ist es nicht gerade hilfreich, dass er über eine besonders magiebegabte junge Dame stolpert und es als seine Pflicht ansieht, sie auszubilden, obwohl Frauen in dieser Welt die hohe Kunst der Zauberei eigentlich nicht erlaubt ist.

Prunella hingegen ist aus mehreren Gründen nicht gerade entzückt von der Aussicht auf ein Magiestudium. Doch da sie nicht länger in Mrs. Daubeneys Schule bleiben kann und Zacharias Prunella nach London mitnehmen will, wo sie größere Chancen hätte, einen potenziellen Ehemann zu treffen, lässt sie sich auf dieses unerwartete Ausbildungsverhältnis ein. Ich muss gestehen, dass ich Prunella als Charakter oft schwierig fand. Ich kann verstehen, dass es ihr schwerfällt, ihren Mitmenschen zu vertrauen, und dass sie relativ „egozentrisch“ handelt, weil es nun einmal schwierig für eine mittellose Frau ohne Familie oder Vermögen ist, zu überleben. Ich fand es aber auch frustrierend mitzuverfolgen, dass sie nicht ein einziges Mal ihre Pläne hinterfragte, dass sie ständig impulsiv irgendwelchen Mist baute und nie die Folgen ihres Tuns auf ihr Umfeld in Betracht zu ziehen schien. Gerade angesichts der Zeit, die sie als Mischung aus „Tochter des Hauses“, Ersatzlehrkraft und Dienstmädchen an der Schule von Mrs. Daubeney verbracht hat, hätte ich mehr Vernunft und Reife bei ihr erwartet und ein besseres Gespür für die Konsequenzen, die ihr Handeln mit sich bringt.

Zacharias hingegen ist mir schnell sympathisch gewesen mit seiner Mischung aus Pflichtbewusstsein, Dankbarkeit und verstecktem Groll. Er gibt sein Bestes, auch wenn die Bedingungen nicht einfach sind, und er ist eindeutig jemand, der die Freunde, die ihm im Laufe der Geschichte zur Seite stehen, verdient hat. Ich mochte seine Gespräche mit seinem verstorbenen Mentor Sir Stephen Wythe und die Lösung, die er am Ende für all die Probleme fand, die ihn, Prunella und die Zauberer von Großbritannien auf Trab hielten. Aber so gern ich „Sorcerer to the Crown“ gelesen habe, so gern ich die Welt kennengelernt und mich an vielen Details und Figuren erfreut habe, so hat mich der Roman emotional doch nicht gepackt. Ich kann nicht sagen, warum das der Fall ist, denn theoretisch verfügt die Geschichte über all die Elemente, die ich an fantastischen, historischen Büchern mag.

„Sorcerer to the Crown“ spielt zu einer Zeit, die ich mag, hat zwei Protagonisten, die sich im Laufe der Handlung gut ergänzen, verfügt über wunderbare fantastische Elemente und theoretisch gibt es auch einige humorvolle Szenen. Aber diese Szenen haben mich (ebenso wie die melancholischeren Momente) nicht wirklich gepackt. Ich habe die betreffenden Passagen gelesen, für nett befunden und bin weitergegangen, während ich bei anderen Autorinnen überrascht aufgelacht, gekichert oder mir eine Träne aus dem Augenwinkel gewischt hätte. Viele Entwicklungen, die Zen Cho in ihre Handlung eingebaut hatte, fand ich relativ vorhersehbar, was nicht bedeutet, dass ich sie nicht gern verfolgt hätte, aber so habe ich beim Lesen die Spannung und Überraschung vermisst, die eine gute und solide Geschichte für mich zu einem mitreißenden Roman macht. Wie schon eingangs erwähnt, habe ich mich trotzdem gut genug unterhalten gefühlt, dass ich auch weitere Bücher der Autorin lesen mag („The True Queen“ sitzt schon auf dem Wunschzettel), aber ich hoffe trotzdem, dass Zen Cho mich mit dem nächsten Roman beim Lesen auch emotional anspricht.

Diana Wynne Jones: The Game

Bei „The Game“ von Diana Wynne Jones bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich das Buch vorher schon mal gelesen hatte oder nicht. Es weckt auf jeden Fall starke Erinnerungen an andere britische Kinderbuchklassiker (die ich als Kind gelesen habe) in mir, und gerade gegen Ende gab es ein paar Szenen, die mir sehr vertraut vorkamen. Wenn ich es jemals gelesen habe, dann war es auf jeden Fall eine deutsche Ausgabe und ist schon sehr, sehr lange her. In „The Game“ erzählt Diana Wynne Jones die Geschichte der jungen Hayley, die bei ihren Großeltern aufwächst, bis sie – aus ihr unbekannten Gründen – bei ihrer Großmutter in Ungnade fällt und innerhalb weniger Stunden zur Verwandtschaft nach Irland geschickt wird. Von Anfang an wird deutlich, dass Hayley bei ihren Großeltern nicht gerade ein glückliches Leben hatte, da ihre Großmutter sehr strikte Vorstellungen davon hatte, wie Hayley sich zu benehmen hat und mit wem sie Kontakt haben darf. Das führte dazu, dass Hayley nicht nur daheim von der Großmutter unterrichtet wurde, sondern auch dazu, dass ihr einziger sozialer Umgang in den Großeltern, den ständig wechselnden Dienstmädchen und den seltenen Besuchen ihres Onkels Jolyon bestand.

Umso überwältigter ist Hayley, als sie entdeckt, dass sie in Irland Unmengen an Verwandtschaft hat, die sie vorher noch nicht kannte. Ihre diversen Tanten nehmen sie herzlich in Empfang, und auch all die Cousins und Cousinen sind zum Großteil sehr nett zu ihr und bringen ihr unter anderem die Regeln ihres ganz privaten, besonderen Spiels bei. Dieses Spiel führt Hayley in die Mythosphäre, von der ihr Großvater ihr schon erzählt hat und deren verschiedene Stränge durch all die vielen unterschiedlichen Geschichten und Legenden auf der Welt entstehen. Hayley und die anderen sind sich dabei durchaus bewusst, dass die Mythosphäre für sie verboten ist, aber die Abenteuer, die es dort zu erleben gibt, sind zu verlockend, um diesem Verbot zu folgen. Die Mythosphäre bietet dabei wunderschöne, aber auch sehr grausame Elemente, und vermutlich ist es gerade der Kitzel, der durch das Bewusstsein entsteht, wie gefährlich diese Ausflüge sind, der das Spiel so verlockend für Hayley und ihre Verwandtschaft macht. Erst im Laufe der Zeit erfährt Hayley, dass ihre Großeltern ihr in der Vergangenheit nicht nur den Zugang zur Mythosphäre, sondern auch noch viele andere Geheimnisse vorenthalten haben.

Ich mochte Hayley, ihre Familie und die diversen anderen Charaktere ebenso sehr, wie die Szenen, die in der Mythosphäre spielen. Als Leser muss man bei „The Game“ erst einmal einige Dinge hinnehmen und auch am Ende der Geschichte damit leben, dass Diana Wynne Jones nicht für jeden Vorfall und jede Figur eine Erklärung bietet. Ich habe einige Rezensionen gesehen, die dies als Kritikpunkt hervorgehoben haben und den Mangel an „Weltenbau“ beklagten, aber für mich ist das einfach ein stimmiges Mittel für diese Art von Geschichten. Zum einen bietet die Handlung so Raum für die Fantasie des Lesers, und zum anderen müssen viele Dinge nicht erklärt werden, wenn man sich mit klassischen (griechischen) Sagen auskennt. Dabei kann man „The Game“ meiner Meinung nach auch genießen, wenn man nicht all die Verweise und Anspielungen auf die griechische Götter- und Sagenwelt zuordnen kann. Außerdem gibt es zumindest in meiner Ausgabe des Buches (ISBN 9780007267132) Anhänge, die mehr über die verschiedenen Sagengestalten, über Planeten, Sternzeichen und ähnliches erzählen, um das notwendige Hintergrundwissen nachschlagen zu können, wenn man das möchte.

Grundsätzlich mag ich diese Anspielungen auf die klassische Sagenwelt und den recht respektlosen Umgang mit den diversen Göttern und ihren Geschichten. Ich glaube nicht, dass ich etwas Vergleichbares jemals in deutschen Kinderbüchern gefunden habe, während ich wirklich viele britische Kinderbücher kenne, bei denen ganz selbstverständlich und ohne jede weitere Erklärung Götter, Jahreszeiten, Planeten usw. in die Handlung eingeflochten wurde, um der Geschichte so einen fantastischen Touch zu verleihen. Wer also ebenfalls solche Elemente mag und keine detaillierten Erklärungen rund um die beschriebene fantastische Welt benötigt, der wird mit „The Game“ vermutlich viel Spaß haben. Ich persönlich mochte Hayley und den Großteil ihrer Familie ebenso wie das russische Kindermädchen, die Straßenmusiker und all die amüsanten und seltsamen Begebenheiten, die sie mit ihnen erlebte.

Mai-SuB 2019

Der April war emotional ziemlich anstrengend, auch wenn es zu Beginn des Monats einige schöne Momente mit unserem Besuch gab. Auf jeden Fall hatte ich nach der ersten Aprilwoche das dringende Bedürfnis mich mit meinen Büchern einzubuddeln, was immerhin zu einer recht befriedigenden Lesestatistik geführt hat. Noch bin ich mit dem SuB nicht wieder im zweistelligen Bereich, aber so weit bin ich davon nicht mehr entfernt. Mal schauen, was der Mai so bringt – zum Monatsende hat mein Mann Urlaub genommen, weil wir dann wieder das japanische Filmfest besuchen, ansonsten wird es bei uns (hoffentlich) mal wieder etwas ruhiger zugehen. 😉

 

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Sophie Anderson: The House with Chicken Legs
  4. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  5. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  6. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  7. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  8. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  9. Lila Bowen: Wake of Vultures (Shadow Series 1)
  10. Rhys Bowen: Royal Flush (Royal Spyness 3)
  11. Rhys Bowen: Royal Blood (Royal Spyness 4)
  12. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  13. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  14. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  15. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  16. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  17. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  18. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  19. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  20. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  21. Patricia Briggs: Frost Burned (Mercy Thompson 7)
  22. Patricia Briggs: Night Broken (Mercy Thompson 8)
  23. Patricia Briggs: Fire Touched (Mercy Thompson 9)
  24. Patricia Briggs: Silence Fallen (Mercy Thompson 10)
  25. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  26. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  27. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  28. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  29. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  30. Vivien Chien: Death by Dumpling
  31. Roshani Chokshi: Aru Shah and the End of Time
  32. Sayantani Dasgupta: The Serpent’s Secret (Kiranmala and the Kingdom Beyond 1)
  33. Louise Erdrich: The Birchbark House
  34. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  35. Jasmine Gower: Moonshine
  36. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  37. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  38. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  39. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  40. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  41. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  42. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  43. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  44. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  45. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  46. Rachel Hartman: Seraphina
  47. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  48. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  49. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  50. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  51. Tanya Huff: Valour’s Choice (Confederation Novel 1)
  52. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  53. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  54. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  55. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  56. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  57. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  58. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  59. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  60. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  61. Diana Wynne Jones: Power of Three
  62. Diana Wynne Jones: Earwig and the Witch
  63. Celine Kiernan: Geisterpfade
  64. Celine Kiernan: Königspfade
  65. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  66. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  67. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  68. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  69. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  70. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  71. Seanan McGuire: Deadlands – Boneyard
  72. Kelly Meding: Stray Magic
  73. Kelly Meding: Stray Moon
  74. Kate Milford: The Boneshaker
  75. Jill Murphy: Dumplin‘ – Go big or go home
  76. Bishop O’Connell: The Stolen
  77. Ellen Oh und Elsie Chapman (Hrsg.): A Thousand Beginnings and Endings (Anthologie)
  78. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  79. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  80. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  81. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  82. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  83. Sarah Prineas: The Lost Books – The Scroll of Kings
  84. Riley Redgate: Noteworthy
  85. Philip Reeve: Larklight
  86. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  87. John Scalzi: Fuzzy Nation
  88. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  89. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  90. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  91. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  92. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  93. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  94. Charles den Tex: Die Zelle
  95. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  96. Sarah Tolcser: Song of the Current
  97. Tiffany Trent: Unnaturalist
  98. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  99. Catherynne M. Valente: The Refrigerator Monologues
  100. Catherynne M. Valente: Space Opera
  101. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  102. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  103. Xinran: Gerettete Wort
  104. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

101 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Elena Favilli und Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls – 100 außergewöhnliche Frauen

Um „Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli und Francesca Cavallo bin ich lange Zeit herumgeschlichen, weil ich befürchtete, dass ich nicht in die allgemeinen Lobpreisungen einstimmen können würde. Das Buch stellt 100 außergewöhnliche Frauen vor, wobei jeder einzelnen Person eine Doppelseite gewidmet ist. Diese Doppelseiten bestehen aus einer Dreiviertelseite mit Text (inklusive eines „Zitats“ oder einer hervorgehobenen Passage aus dem Text) und einer Illustration, die die betreffende Frau zeigen soll. Dabei wurden sehr viele unterschiedliche Künstlerinnen für diese Darstellungen engagiert, so dass der Betrachter in den Genuß sehr vieler unterschiedlicher – von abstrakten bis fotorealistischen – Stilrichtungen kommt. Nicht jedes dieser Porträts hat mir gefallen, aber ich mochte die Vielfalt, die man so als Leserin geboten bekam.

Ebenso groß ist auch die Bandbreite bei der Auswahl der vorgestellten Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gebieten, Ländern und Zeiten stammten. So finden sich in „Good Night Stories for Rebel Girls“ Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen, Kriegerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen oder Sportlerinnen aus allen Teilen der Erde, ebenso wie historische oder gar legendäre Figuren, wobei es über letztere so gut wie keine Fakten zu erzählen gibt, sondern nur der Mythos beschrieben wird, der sich um diese Person rankt. Insgesamt überwiegt verständlicherweise die Zahl der Frauen, die in den letzten 150 Jahren lebten. Bei manchen Einträgen habe ich mich gefragt, ob die dargestellte Frau wirklich eine „Vorbildfunktion“ einnehmen kann, aber das hängt vermutlich davon ab, wie man ein Vorbild definiert, und wenn es nur darum geht, dass die jeweilige Person etwas Ungewöhnliches oder Wichtiges erreicht hat oder als eine der ersten Frauen eine bestimmte Position eingenommen hat, dann kann man wohl alle vorgestellten Personen dieser Kategorie zuordnen.

Mein größtes Problem mit dem Buch war die Frage, für welche Zielgruppe es eigentlich gedacht ist. Für erwachsene Leserinnen fand ich die Einträge oft zu unbefriedigend – gerade bei den Frauen, über die ich schon einiges wusste, war ich oft frustriert, weil aus meiner Sicht wichtige Elemente ausgelassen wurden. Welche Dinge wurden also bei Texten zu den Frauen ausgelassen, die ich vor dem Lesen des Buches noch nicht kannte? Außerdem fand ich die Texte unausgewogen, denn auf der einen Seite haben sich die Autorinnen um eine einfache Sprache bemüht, auf der anderen Seite Vokabular verwendet, das man einer jungen Leserin erst einmal ausführlich erklären müsste. Ich verstehe, dass es gerade bei den verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebieten eine Herausforderung ist, eine vereinfachte Beschreibung dafür zu finden, aber bei anderen Passagen hatten die Autorinnen anscheinend keine Hemmungen, etwas wegzulassen oder um den betreffenden Punkt drumherum zu schreiben, um eine Information leicht verständlich darzustellen.

Trotz all meiner Kritikpunkte fand ich „Good Night Stories for Rebel Girls“ unterhaltsam zu lesen und wie immer, wenn ich über solch eine Ansammlung von Kurzporträts stolpere, hatte ich ständig das Bedürfnis, nach weiteren Details zu den verschiedensten Frauen zu suchen. Es empfiehlt sich also, neben dem Buch auch gleich einen Onlinezugang bei der Hand zu haben, damit die Liste der nachzuschlagenden Frauen nicht während des Lesens zu lang wird. Nur schade, dass es keine Literaturempfehlungen am Ende des Buches gab, auch wenn das für meinen Geldbeutel vermutlich ganz gut ist. Wer Inspirationen für weitere Recherchen über außergewöhnliche Frauen sucht, ist mit diesem Buch ebenso gut bedient, wie jemand, der eine abwechslungsreiche und interessante Lektüre für eine kurze Pause „zwischendurch“ sucht.