Lese-Sonntag im Mai 2021

Die letzten zwei Wochen waren ganz schön stressig und viel zum Lesen bin ich in diesem Monat noch nicht gekommen. Aber vielleicht schaffe ich es ja heute diesen Mangel an Lesezeit etwas aufzuholen. Die „lästigen Pflichten“ habe ich gestern schon vor dem Schlafengehen erledigt, so dass ich direkt mit einem Buch in den Tag starten kann – zumindest wenn ich in den nächsten Minuten wach genug dafür werde. Vielleicht höre ich auch einfach nur eine Runde Musik, bis ich mich in der Lage fühle, mich für ein Buch zu entscheiden. 😉 Da ich gestern meinen angefangenen Roman („The Hatmaker“ von Tamzin Merchant) beendet habe, muss ich jetzt erst einmal herausfinden, nach welcher Art von Geschichte mir heute ist.

 

Update 11:00 Uhr

Animal-Crossing-Screenshot, auf dem Melinda zu sehen ist, die sagt: "Aber uns steht eine neue Woche bevor, und ich wünsche euch, dass sie so wird, wie ihr es euch vorstellt!".

Ich habe nach dem Schreiben des Blogbeitrags wirklich erst einmal etwas Musik gehört und als ich mich dann wach genug fühlte, habe ich „Animal Crossing“ gestartet, um nach dem heutigen Rübenpreis zu schauen und dann meinen Mann und eine Freundin auf meine Insel zu lassen, damit sie von meiner Jorna Rüben kaufen konnten. Bei der Gelegenheit habe ich dann noch meine täglichen „Pflichten“ im Spiel erledigt, damit ich da nicht mehr dran denken muss. *g* Außerdem habe ich mich für mein nächstes Buch entschieden („Death sets Sail“ von Robin Stevens – der letzte Teil der „Murder Most Unladylike“-Reihe), aber statt zum Roman zu greifen, habe ich erst einmal einige Fotos, die noch auf der Kamera ruhten, gesichtet, ausgewählt und bearbeitet und – falls sie für den Blog waren – in die jeweiligen Beitrags-Entwürfe eingefügt. Jetzt wird es aber wirklich Zeit, dass ich meine Nase ins Buch stecken, auch wenn ich mich ein bisschen vor einer im Klappentext angedeuteten Entwicklung fürchte. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich die Reihe mit jedem Band mehr genossen habe und ich gehe nicht davon aus, dass die Autorin mir das noch vermiesen wird …

Die - auf einem Holzbrett liegende - Taschenbuchausgabe von "Death sets Sail" von Robin Stevens (mit einem gold-glänzendem Cover) und rechts daneben eine grün-weiß-gemusterte Tasse mit schwarzem Tee.

 

Update 14:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich – von einer kurzen Frühstückspause abgesehen – durchgehend gelesen. Der letzte Band der „Murder Most Unladylike“-Reihe spielt in Ägypten, wo Daisy Wells und Hazel Wong gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Amina, Hazels Vater und ihren beiden Halbschwestern, sowie ihren Freunden Alexander und George eine Nil-Kreuzfahrt machen. Ebenfalls an Bord des Schiffes ist eine Gruppe, die sich „Breath of Life Society“ nennt und deren Mitglieder behaupten Pharao-Inkarnationen zu sein. Natürlich sind all die Mitglieder dieser Society weiße, wohlhabende Briten, was ihre Behauptung umso absurder wirken lässt, und die Stimmung innerhalb dieser Gruppe lässt Daisy und Hazel von Anfang an vermuten, dass es bald zu einem Verbrechen kommen wird. Außerdem lässt die Autorin Robin Stevens keinen Zweifel daran, dass eines der Mitglieder der „Wells and Wong Detective Society“ Ägypten nicht lebend verlassen wird. Was mir als Leserin die Gelegenheit gibt, mich auf diesen Moment vorzubereiten, aber auch bedeutet, dass ich die Ereignisse bislang nicht ganz so genießen kann, wie ich es unter anderen Umständen tun würde. Wobei ich zugeben muss, dass ich den Roman trotz des bevorstehenden Mordes an einer meiner Lieblingsfiguren überraschenderweise genieße.

Links ist eine Ecke von "Death Sets Sail" zu sehen, auf der rechten Seite steht ein weißer Teller mit einer aufgeschnittenen Kohlrabi und einer zusammengeklappten Scheibe Vollkornbrot mit Käse.

Ich weiß noch nicht, ob ich gleich wieder zum Buch greife oder ob ich erst noch das (graue) Tageslicht ausnutze und etwas häkel. Auf jeden Fall werde ich erst einmal eine kleine Blog- und Kommentarrunde drehen und schauen, ob die anderen schon etwas zu ihrem Lese-Sonntag zu erzählen hatten.

 

Update 17:00 Uhr

Eine angefangene Häkeldecke, mit einem Karomuster in den Farben dunkelbraun, mittelbraun und weiß. Auf der ca. 30 cm langen Decke liegen drei Wollknäule n den erwähnten Farben, eine Häkelnadel mit einem Holzgriff und ein Kopfhörer.

Nach meiner Blogrunde habe ich erst einmal zum Häkelzeug gegriffen und weiter an meiner Decke gearbeitet, während ich das Hörbuch „The Mislaid Magician: Or, Ten Years After“ von Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer gehört habe. Ich habe mir zwar gerade erst eine Empfehlung von Neyasha („The House in the Cerulean Sea“ von T.J. Klune) besorgt, aber da ich gerade nicht so viel Zeit zum Häkeln und Hören habe, dachte ich, dass eine bekannte Geschichte im Moment besser wäre – auch wenn es einige Jahre her ist, dass ich den dritten Cecy&Kate-Band gelesen habe. *g* Gegen 16:00 Uhr habe ich mir erst einmal einen Milchkaffee gekocht und wieder zum Buch gegriffen. Der erste Mord ist auf der Nil-Kreuzfahrt passiert und ich mag, dass die Geschichte (nicht ohne Grund) eine gute Spur von „Mord auf dem Nil“ aufweist. Die Autorin hatte nicht nur Agatha Christies Roman als Inspiration herangezogen, sondern sich auch eine Nil-Kreuzfahrt für Recherchezwecke gegönnt, was sich definitiv bemerkbar macht. 🙂 Ich weiß jetzt schon, dass eine meiner Lieblingsfiguren nur noch einen Tag zu leben hat, und lenke mich davon vor allem mit den Szenen ab, in denen Hazels kleine Schwester May auftaucht, die in der nächsten Serie von Robin Stevens eine der Protagonistinnen sein wird.

Ein kleiner Teller mit drei Schoko-Haferflocken-Keksen steht auf "Death Sets Sail" und verdeckt das Cover fast vollständig. Rechts von dem Teller steht eine große Tasse it Milchkaffee.

 

Update 20:30 Uhr

Eine Schüssel mit einer Portion sahniger Blumenkohlsuppe mit Petersilie.

Bis es Zeit wurde zum Kochen in die Küche zu wandern, habe ich weiter meine Nase in „Death Sets Sail“ gesteckt. Ich mag die Geschichte, ich mag die verschiedenen Figuren und ich es der Autorin sogar (fast) verzeihen, dass sie sich auf diese Art und Weise von einem entscheidenden Charakter trennt. Zum Essen gab es eine Folge „Top Chef“ – nachdem wir die zweite Staffel davon angefangen hatten, mussten wir feststellen, dass es die Serie nur noch bis zum Ende des Monats auf Netflix geben wird. Weshalb wir nun jeden Abend eine Folge schauen, damit wir wenigstens die angefangene Staffel noch beendet bekommen. Ich bin immer ein bisschen hin und her gerissen, wenn es um diese Art von „Wettkampf-Kochsendungen“ geht. Auf der einen Seite finde ich es spannend, was Profi-Köche aus den verschiedenen Challenge-Vorgaben machen, auf der anderen Seite ist mir nur zu sehr bewusst, dass der produzierende Sender durch Schnitte, die Auswahl von Szenen und sogar durch Manipulation der Juryentscheidungen dafür sorgt, dass das Ganze „dramatisch“ bleibt. Dabei könnte ich durchaus auf das Drama verzichten und mich einfach nur von interessanten Essensbildern unterhalten lassen. 😉

Ein fertiger naturfarbender Socken mit einem relativ groben Rippenmuster und einem seitlichen Zopf, bei dem ein Strang die gesamte Schaftlänge entlangläuft. Daneben ein angefangener Socken, dessen Schaft aufgerollt ist (um mir beim Stricken nicht im Weg zu sein).

Da so eine Suppe nicht für eine gut 45-Minuten-lange Serienfolge reicht, habe ich nebenbei zum Strickzeug gegriffen und weiter an meinem aktuellen Sockenpaar gearbeitet. Bevor ich den Rest des Abends mit meinem Buch verbringe, drehe ich erst einmal eine Blog- und Kommentarrunde und schaue, wie es euch so ergangen ist. 🙂

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Heutige Mitleserin:

Kiya
Anette
JED

Zoe Chant: Librarian Bear (Virtue Shifters 2)

„Librarian Bear“ von Zoe Chant (C.E. Murphy) ist der zweite Teil der Virtue-Shifters-Serie, und nachdem ich den ersten Band, „Timber Wolf“, im vergangenen Jahr als so wohltuend und erholsam empfand, hatte ich den zweiten Teil vorbestellt, sobald die Autorin ihn auf Twitter angekündigt hatte. Die Handlung wird abwechselnd aus den Perspektiven von Sarah und Matthew erzählt. Sarah ist die Leiterin der Bibliothek in Virtue und hat für einen Monat einen Archivar finanziert bekommen, der die alten Unterlagen ordnen soll, die in den Tiefen der Bibliothek aufbewahrt werden. Dieser Archivar ist der Bären-Gestaltwandler Matthew, der den Job in Virtue als Überbrückung nutzen will, bis er in wenigen Wochen seinen Traumjob in Chicago antreten wird.

Beide Charaktere fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen und zeigen dies ihrem Gegenüber auch. Dabei wird in jeder Szene deutlich, dass die beiden die Grenzen des anderen respektieren und alles dafür tun, damit sich der andere nicht unwohl mit der gezeigten Aufmerksamkeit fühlt. Ich liebe diesen freundschaftlich-respektvollen Umgang, den die Figuren in den Virtue-Shifter-Romanen miteinander pflegen, und wünschte mir wirklich, dass mehr Autorinnen kapieren, dass Charaktere, die miteinander reden und sich (relativ) langsam aneinander annähern nicht nur romantisch, sondern auch sexy sein können. Das große Hindernis in dieser sich anbahnenden Beziehung besteht in der Tatsache, dass Matthew ja nur für einen Monat in Virtue ist. Was mich als „Problem“ für eine Liebesgeschichte gestört hätte, wenn Matt und Sarah nicht im Laufe der Handlung darüber reden würden, ob sie sich auch eine Fernbeziehung vorstellen könnten.

Außerdem gibt es noch eine Landerschließungsfirma, die in Virtue Fuß fassen und dafür die Ranch von Rachels Freundin enteignen lassen will. Um dieser Firma Einhalt gebieten zu können, muss Sarah eine Abschrift des Gründungsdokuments der Stadt finden (ich hoffe, dass das mehr Sinn ergibt, wenn man sich mit US-Recht auskennt 😉 ), was natürlich den beiden Charakteren viel Zeit gibt, um gemeinsam in Archiven zu wühlen. Dieser Handlungsstrang führt dazu, dass sich Sarah und Matt mit der Geschichte der Stadt und den Besonderheiten einiger Einwohner beschäftigen müssen. So kommt es, dass der Gestaltwandler-Anteil der Reihe in „Librarian Bear“ eine entscheidende Rolle spielt, während er in „Timber Wolf“ nur ein amüsantes, aber definitiv nicht notwendiges Element war. So fühlt es sich an, als ob die Autorin in diesem Band mehr in ihrer Urban-Fantasy-Welt angekommen wäre, was mir gut gefallen hat.

Wenn ich etwas an „Librarian Bear“ kritisieren müsste, dann wäre es die unglaublich umfassende Kompetenz von Sarah. Sie ist nicht nur eine hervorragende Bibliothekarin, die nebenbei eine tägliche Kinderbetreuung in ihrer Bibliothek aufgebaut hat, das örtliche Jugendtheater mit Kostümen versorgt und diverse gemeinnützige Organisationen leitet, sondern sie näht auch all ihre Kleidung perfekt selbst und wartet und repariert ihr altes Auto. Trotzdem hat sie nebenbei noch genügend Zeit, um mit Matt stundenlang alte Papiere zu durchwühlen und die alteingesessenen Familien abzuklappern und auszufragen. Das war alles ein bisschen viel und nur deshalb erträglich, weil diese Protagonistin trotz allem überraschend sympathisch war. Außerdem lese ich solche Romane nicht für ihren Realismus, sondern für ihre wohltuende Wirkung, und so konnte ich über die überperfekte Sarah hinwegsehen und stattdessen den wunderbaren Umgang der beiden Hauptfiguren miteinander und die amüsanten kleinen Szenen zwischen diesen beiden Charakteren und all den Nebenfiguren genießen.

Elizabeth Hawes: Zur Hölle mit der Mode

Vor über achtzig Jahren erschien mit „Fashion is Spinach“ ein Titel, in dem die Designerin Elizabeth Hawes auf die Zeit zurückblickt, die sie in Paris und den USA mit dem Studium und dem Entwerfen von Mode verbracht hat. Mit „Zur Hölle mit der Mode“ ist im August 2019 die von Constanze Derham übersetzte deutsche Version des Buches herausgekommen (und die durfte dann erst einmal ein Jahr auf meinem SuB liegen, bevor ich sie endlich las 😉 ). Ich habe ja schon mehrfach auf diesem Blog erzählt, dass ich an aktueller Mode so gar nicht interessiert bin, dass ich es aber immer wieder spannend finde, mich mit Mode-Geschichte zu beschäftigen. Gerade in den Jahrzehnten vor den beiden Weltkriegen ist so viel im Bereich Mode passiert, was ich wirklich faszinierend finde, und in „Zur Hölle mit der Mode“ bekommt man einiges mit, was in den 1920er-Jahren hinter den Kulissen der Pariser Designhäuser passierte und in den 30er-Jahren rund um die Mode in den USA.

Mit Anfang zwanzig ging Elizabeth Hawes direkt nach ihrem Collegeabschluss nach Paris, in der Hoffnung, einen Weg zu finden, um als Modedesignerin arbeiten zu können. Ihr war natürlich klar, dass niemand eine unbekannte Amerikanerin engagieren würde, so dass sie jeden Job annahm, der es ihr erlaubte, die Pariser Modewelt zu studieren. Vom Juli 1925 bis August 1928 lebte sie in Frankreichs Hauptstadt und arbeitete unter anderem als Mode-Journalistin, als Mode-Zeichnerin (was bedeutete, dass sie bei den Modeschauen die Entwürfe der großen Designer „kopierte“) und letztendlich auch als Designerin, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass es sie langfristig nicht reizte, „französische Mode“ für die High Society zu entwerfen. Stattdessen versuchte Elizabeth Hawes in den folgenden neun Jahren in New York als Designerin mit einer eigenen Kollektion und hochwertigen Maßanfertigungen Fuß zu fassen. Doch um diesen Traum zu finanzieren, musste sie immer wieder Abstecher in die Welt der Massenproduktion und Kaufhäuser machen, was bedeutete, dass sie auch diese Seite der Modeherstellung überraschend gut kennenlernte.

All diese Erfahrungen, die Elizabeth Hawes in dieser Zeit gesammelt hat, führen dazu, dass „Zur Hölle mit der Mode“ zu einer faszinierenden und unterhaltsamen Abrechnung mit der Welt der Mode und den unterschiedlichsten Produzenten und Anbietern wird. Die Autorin schreibt über den Unterschied von Stil und Mode, über die Arbeitsbedingungen, über die Erwartungen der Käuferinnen und die Geschäftsgebaren der verschiedenen Betriebe, die an der Herstellung von Kleidung beteiligt sind. Dabei hat Elizabeth Hawes viele amüsante Anekdoten zu erzählen, aber auch so einige Daten und Fakten zu präsentieren, die einem beim Lesen zu denken geben. Sie rechnet auf, welche Materialien zum Beispiel für ein hochwertiges Kleid benötigt werden, welche Arbeitszeit in die Herstellung fließt, welche zusätzlichen Elemente verwendet werden und zeigt so auf, wie der Preis für ein qualitatives Kleidungsstück entsteht.

Immer wieder geht Elizabeth Hawes darauf ein, welche Tricks Produzenten anwenden, um Material zu spare, und wie sie auf minderwertige Stoffe zurückgreifen, um ihre Kleidungsstücke möglichst billig herstellen zu können – und welche Folgen das für die Käuferinnen dieser Produkte hat. Sie scheut auch nicht davon zurück zu beschreiben, unter welche Bedingungen die Näher.innen arbeiten und welchen Lohn sie für ihre hochwertige Arbeit bekommen. Dabei ist es erschreckend, wie vertraut diese Beschreibungen klingen, auch wenn heutzutage die Näher.innen nicht mehr im Umland von Paris, sondern in Bangladesch oder ähnlichen Ländern leben. Für mich war „Zur Hölle mit der Mode“ wirklich eine spannende Lektüre, denn selbst Elemente, die ich schon kannte, bekamen durch die persönliche Perspektive der Autorin noch einmal eine andere Note.

Auch muss ich zugeben, dass ich es sehr angenehm fand, mal beim Lesen ein Buch in der Hand zu halten, das sich so wertig anfühlt. Normalerweise lese ich ja doch vor allem (Mass-)Paperbacks und im Vergleich dazu fühlen sich Buchleinen, ein gerundeter Rücken und qualitativeres Papier doch gleich ganz anders an. Überhaupt ist diese Ausgabe wirklich liebevoll hergestellt und bietet nicht nur Grafiken aus Modeveröffentlichungen, die zwischen 1882 und 1922 erschienen sind, sondern auch einen Überblick, der die von Elizabeth Hawes erwähnten Namen und Geschäfte einordnet, und ein Nachwort der Übersetzerin Constanze Derham. Ebenfalls muss ich betonen, dass man beim Lesen wirklich merkt, dass sich Constanze Derham sehr gut mit Mode (und den verwendeten Materialien) auskennt und dementsprechend auch das dazugehörige Vokabular beherrscht.

Umso bedauerlicher fand ich es, dass wohl einige Kapitel in der zweiten Hälfte des Buches beim Korrekturlesen im Bereich Kommasetzung ein bisschen zu kurz gekommen sind. Bei ein paar wenigen Kommafehlern hätte ich nichts gesagt, aber hier gab es ein paar Kapitel, die für mich deswegen nicht flüssig zu lesen waren – und ich bin jemand, dem das nur auffällt, wenn wirklich grundlegende Kommaregeln missachtet werden. Von diesem kleinen Makel abgesehen hat mir „Zur Hölle mit der Mode“ rundum wirklich sehr gut gefallen und mir Lust gemacht, mich wieder mehr mit dem Thema Mode(geschichte) zu beschäftigen. Nur gut, dass ich noch „Berlin Hausvogteiplatz – Über 100 Jahre am Laufsteg der Mode“ von Brunhilde Dähn und „Creating the Illusion“ auf dem Sachbuch-SuB liegen habe.

Radiya Hafiza: Rumaysa

In den letzten Tagen wusste ich nicht so recht, auf welche Art von Geschichte ich eigentlich Lust hätte. Also habe ich testweise ein paar Bücher angelesen und bei „Rumaysa“ bin ich direkt nach den ersten Absätzen hängengeblieben. Ich mochte die ungewöhnlichen Märchenvarianten, die Radiya Hafiza in „Rumaysa“ erzählt, so sehr, dass ich mir die Geschichten eigentlich einteilen wollte – nur um dann doch immer wieder zum Buch zu greifen, um nur noch ein weiteres kleines Kapitel zu lesen. Genau genommen greift die Autorin die Märchen von „Rapunzel“, „Aschenputtel“ und „Dornröschen“ auf und spinnt daraus ganz eigene Geschichten mit starken und selbstbewussten Protagonistinnen, die Hijab tragen und das Fastenbrechen feiern, die keine Prinzen benötigen, die sie retten, sondern einfallsreich sind. Dabei ist die titelgebende Rumaysa nicht nur die erste Person, deren Geschichte in diesem Buch erzählt wird, sondern sie spielt auch eine wichtige Rolle im Leben der anderen beiden Protagonistinnen (Cinder)Ayla und (Sleeping) Sara.

Jede der drei Geschichten beginnt nicht nur mit dem klassischen „Once upon a time“-Anfang, sondern sie bieten auch sonst eine durchgehende Märchenatmosphäre. Zusätzlich gibt es aber so viele amüsante Momente und überraschende Wendungen, dass es sich immer wieder anfühlte, als ob ich die vertrauten Geschichten ganz neu entdecken dürfte. Es war so wunderbar zu lesen, wie sich Rumaysa selbst aus ihrem Turm rettet und wie sie im Anschluss an dieses erste Abenteuer anderen Mädchen zur Seite steht, die dringend Hilfe benötigen. Ich mochte es so sehr, dass der Fokus der Autorin nicht darauf lag, dass die Protagonistinnen ihren jeweiligen Prinzen bekamen, sondern dass sie Freunde fanden und einen Weg, um ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu führen.

„I’m looking for someone – a princess. Have you seen her?“
„No, I’m the only one here,“ Rumaysa replied tersely.
It was quiet for a moment. „Right, OK. Guess I’ll go, then.“
Rumaysa heard an odd whoosh in the air and then silence. She let out a breath of relief – the boy must have gone.
As she restarted her climb, she muttered, „When I need someone to break me out, no one shows for years and years. But the night I’m hanging from a sky-high tower, then some boy wants to show up.“ (Rumaysa, Seite 46)

Keine der Protagonistinnen schafft es allein, sich gegen die Widrigkeiten in ihrem Leben zu behaupten, aber sie brauchen keinen „Prinzen“, um ihre Situation zu verbessern, sie finden Freunde, die ihnen zur Seite stehen – und das ist so viel schöner zu lesen. Wie so oft bei solchen Geschichten gefielen mir vor allem die kleinen Momente, in denen zwei Freundinnen sich über ihren Tag austauschen, in denen gemeinsam gegessen wird oder in denen den Protagonistinnen bewusst wird, dass ihnen mehrere Alternativen offen stehen. Der einzige Kritikpunkt, den ich an „Rumaysa“ finden kann, besteht in dem relativ abrupten – und für Rumaysa offenen – Ende des Buches. Es wäre schön gewesen, wenn die Autorin auch für diese Figur einen runden Abschluss gefunden hätte. Aber ich hoffe, dass dies bedeutet, dass Radiya Hafiza noch weitere Märchen neu-erzählen wird, auch wenn ich bislang noch keinen Hinweis auf eine weitere Veröffentlichung gefunden habe.

Erwähnen sollte ich auch noch, dass es in dem Buch mehrere Illustrationen von Rhaida El Touny gibt und auch wenn ich nicht alle Bilder gleichermaßen mochte, so vertiefen sie doch die Atmosphäre des jeweiligen Märchens. Besonders gefielen mir die kleinen Zeichnungen über den Kapitelanfängen – vor allem die von der Eule Zabina, die einfach bezaubernd zerzaust aussieht. Aber auch die Ballszene mit den vielen unterschiedlichen Kleidungsstilen fand ich wunderbar, gerade weil Rumaysa dort mit ihrem Hijab so gut hineinpasst. Insgesamt fand ich die Illustrationen zwar nicht ganz so umwerfend wie die von Lydia Corry in „Eight Princesses and a Magic Mirror“ (was auch daran liegt, dass ihnen die Farbigkeit fehlt), aber sie haben definitiv zur märchenhaften Atmosphäre von „Rumaysa“ beigetragen.

Mai-SuB 2021

Im April ist einige Freizeit dafür draufgegangen weiter „Story of Seasons – Pioneers of Olive Town“ zu spielen und an der Decke für meinen Mann zu häkeln. Trotzdem habe ich gar nicht so wenig Zeit mit Lesen verbracht und mich dabei weiterhin (einigermaßen) an meinem (groben) Vorsatz 1/4 Neuzugänge, 1/4 ältere Bücher vom SuB, 1/4 Rereads und 1/4 eBooks zu lesen gehalten. Insgesamt las (und hörte) ich 2 Neuzugänge, 4 ältere Titel vom SuB, 3 Rereads und 4 eBooks, dazu 1 Sachbuch, 2 Kurzgeschichten, 2 Hörbücher, 2 Hörspiele und 3 Manga.

Wobei natürlich die Häkeldecke für die Stunden mit Hörbüchern und Hörspielen verantwortlich war, weshalb ich davon ausgehe, dass ich auch im Mai einige Zeit damit verbringen werde. Nur gut, dass ich noch ein paar schöne (ungehörte) Hörbücher gehamstert habe. 😉 Ansonsten werde ich deutlich weniger Zeit zum Lesen haben als in den vergangenen Monaten, da ich nach einer etwas längeren Flaute ein paar Projekte vor mir habe. Mal schauen, wie viel Lesezeit ich daneben auf die Reihe bekomme …

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Kelley Armstrong: The Gryphon’s Lair (A Royal Guide to Monster Slaying 2)
  5. Sophie Anderson: The Castle of Tangled Magic
  6. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  7. Julie Berry: The Scandalous Sisterhood of Prickwillow Place
  8. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  9. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  10. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  11. Gwenda Bond/Christopher Rowe: The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy
  12. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Spyness 6)
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  22. Patricia Briggs: Smoke Bitten (Mercy Thompson 12)
  23. Rachel Caine: Paper and Fire (The Great Library 2)
  24. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  25. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  26. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  27. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  28. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  29. Orlagh Collins: All the Invisible Things
  30. April Daniels: Dreadnought (Nemesis 1)
  31. Benjamin Dean: Me, My Dad and the End of the Rainbow
  32. Sarah Beth Durst: Race the Sands
  33. Louise Erdrich: The Birchbark House
  34. Catherine Fisher: The Velvet Fox (The Clockwork Crow 2)
  35. Anita Frank: The Lost Ones – Some Houses are Never at Peace
  36. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  37. Jasmine Gower: Moonshine
  38. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  39. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  40. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  41. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  42. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  43. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  44. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  45. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  46. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  47. Radiya Hafiza: Rumaysa – A Fairytale
  48. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  49. Michelle Harrison: A Tangle of Spells
  50. Rachel Hartman: Seraphina
  51. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  52. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  53. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  54. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  55. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  56. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  57. Sharna Jackson: Mic Drop (High-Rise Mystery 2)
  58. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  59. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  60. Diana Wynne Jones: Power of Three
  61. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  62. Michelle Ruiz Keil: All of Us with Wings
  63. Celine Kiernan: Geisterpfade
  64. Celine Kiernan: Königspfade
  65. Celine Kiernan: The Little Grey Girl (The Wild Magic Trilogy 2)
  66. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  67. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  68. R. F. Kuang: The Poppy War
  69. L. D. Lapinski: The Strangeworlds Travel Agency
  70. Yoon Ha Lee: Dragon Pearl
  71. Y.S. Lee: The Body at the Tower (The Agency 2)
  72. Darcie Little Badger: Elatsoe
  73. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  74. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  75. Seanan McGuire: Middlegame
  76. Robin McKinley: Sunshine
  77. Robin McKinley: Dragonhaven
  78. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  79. Wendy McLeod MacKnight: The Copycat
  80. Karen M. McManus: Two can Keep a Secret
  81. Kelly Meding: Stray Magic
  82. Kelly Meding: Stray Moon
  83. Tamzin Merchant: The Hatmakers
  84. Kate Milford: The Boneshaker
  85. Kate Milford: Bluecrowne
  86. Kate Milford: The Thief Knot
  87. Maya Montayne: Nocturna
  88. Julie Murphy: Faith – Taking Flight
  89. Bishop O’Connell: The Stolen
  90. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  91. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  92. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  93. Natalie C. Parker: Seafire
  94. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  95. C. L. Polk: Stormsong (Kingston Cycle 2)
  96. C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)
  97. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  98. Sarah Prineas: Dragonfell
  99. Philip Reeve: Larklight
  100. Kat Richardson: Labyrinth (Greywalker 5)
  101. Kat Richardson: Downpour (Greywalker 6)
  102. Kat Richardson: Seawitch (Greywalker 7)
  103. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  104. Rebecca Roanhorse: Race to the Sun
  105. John Scalzi: Fuzzy Nation
  106. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  107. Barbara Sleigh: The Kingdom of Carbonel
  108. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  109. Amy Sparkes: The House at the Edge of Magic
  110. Jessica Spotswood/Tess Sharpe: Toll and Trouble – 15 Tales of Women and Witchcraft (Anthologie)
  111. Robin Stevens: Death Sets Sail (A Murder Most Unladylike 9)
  112. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  113. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  114. Charles den Tex: Die Zelle
  115. Aiden Thomas: Cemetery Boys
  116. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  117. Sarah Tolcser: Song of the Current
  118. Tiffany Trent: Unnaturalist
  119. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  120. Renee Watson: Piecing Me Together
  121. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  122. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  123. Darcie Wilde: And Dangerous to Know (Rosalind Thorne 3)
  124. Amy Wilson: Angel and Bavar
  125. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
  126. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  127. Xinran: Gerettete Worte
  128. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  129. Damaris Young: The Switching Hour
  130. Ibi Zoboi: Pride

128 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

Sachbuch-SuB: (noch unvollständig)

  1. Caroline Criado Perez: Invisible Women – Exposing Data Bias in a World Designed for Men
  2. Brunhilde Dähn: Berlin Hausvogteiplatz
  3. Ruth Goodman: How to be a Victorian
  4. Lindsey Fitzharris: The Butchering Art – Joseph Lister’s Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine
  5. Kameron Hurley: The Geek Feminist Revolution
  6. Lily Koppel: The Astronaut Wives Club
  7. Erin Lewis-Fitzgerald: Geschickt geflickt
  8. Natalie Livingstone: The Mistresses of Cliveden
  9. Gail MacColl/Carol McD. Wallace: To Marry an English Lord
  10. Philip Mansel: Prince of Europe – The Life of Charles-Joseph de Ligne
  11. Molly Peacock: The Paper Garden – An Artist Begins Her Life’s Work at 72
  12. Michael du Preez und Jeremy Dronfield: Dr. James Barry – A Woman Ahead of Her Time
  13. Hallie Rubenhold: Lady Worsley’s Whim – An Eigtheenth-Century Tale of Sex, Scandal and Divorce

12 Titel auf dem SuB zum Montatsanfang

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers

Ich weiß nicht, ob es an der relativ ruhigen Erzählweise oder an der Menge an Politik und Intrigen lag, aber „Queen of Coin and Whispers“ von Helen Corcoran hat mich beim Lesen immer wieder an „The Goblin Emperor“ von Katherine Addison erinnert. Die Geschichte wird auf der einen Seite aus der Sicht der achtzehnjährigen Aurelia (Lia) erzählt, die nach langen Jahren des Wartens und Vorbereitens endlich die Krone von ihrem Onkel erbt. Als Königin will sie all die Dinge in die Hand nehmen, die ihr Onkel und ihr Großvater haben schleifen lassen, und dafür sorgen, dass die Korruption in ihrem Königreich bekämpft wird. Doch bevor sie wirklich etwas bewirken kann, muss sie erst einmal mit all den Personen fertig werden, die sich an ihre Macht klammern und alles versuchen, um die Pläne der junge Königin zu durchkreuzen. Nur zwei Menschen gibt es, denen Lia wirklich vertraut: Ihren Kindheitsfreund Matthias, mit dem sie sich schon seit vielen Jahren die Reformen ausgemalt hat, die sie vornehmen will, und die junge Xania, die für Lia die Rolle des „Whispers“ (als Leiterin von Lias Spionagenetzwerk) einnimmt.

Xanias Perspektive ist die zweite Sicht, aus der der Leser die Handlung erlebt, und so wissen wir von Anfang an, dass Xania die Position des Whispers in erster Linie annimmt, um möglichst viele Informationen über den skrupellosen und mächtigen Lord Vigrante zu sammeln. Dieser hält nicht nur alle Fäden bei Hofe in der Hand, sondern Xania ist sich auch sicher, dass er für den Mord an ihrem Vater verantwortlich ist. Als Angehörige eines niedrigen Adelshauses kann sich Xania relativ frei am Hof bewegen, und als Mitarbeiterin der Schatzkammer hat sie Einblick in die Finanzen der anderen Personen am Hofe und der wichtigsten Kaufleute des Landes, was ihr einen überraschenden Vorteil als Whispers verschafft. Auf der anderen Seite hat ihr Lia keinerlei Informationen über ihren Vorgänger und seine Agenten beschaffen können, so dass Xania von Grund auf ein neues Spionagenetzwerk aufbauen muss. Beide Frauen sind fest entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um das überschuldete Königreich auf einen besseren Kurs zu bringen, auch wenn sie hoffnungslos überfordert sind mit all den Aufgaben, die dies mit sich bringt. Dass Lia und Xania dann auch noch Gefühle füreinander entwickeln, macht die Situation definitiv nicht einfacher, denn Emotionen helfen nun einmal nicht, rationale Entscheidungen zu treffen.

Ich mochte beide Protagonistinnen sehr gern habe die Geschichte gern aus ihrer beider Sicht verfolgt. Ich fand die Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Frauen sehr süß zu verfolgen, weil sich diese Beziehung sehr langsam und voller Unsicherheiten (auch aufgrund des großen Machtunterschieds) aufbaut, und hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass dieser Teil der Handlung zu viel Raum einnehmen würde. Denn in erster Linie hat sich Helen Corcoran auf die Situation bei Hof, auf all die Intrigen, die Anschläge und politischen Machtspielchen konzentriert, mit denen Lia und Xania zu kämpfen haben. Dabei gibt es viele Szenen, in denen jemand (qualvoll) zu Tode kommt, die aber trotzdem überraschend gut zu lesen sind, weil sich die beiden Erzählerinnen nicht an den unappetitlichen Details festhalten, sondern sofort darüber nachdenken müssen, welche Konsequenzen das Ableben einer Person nach sich zieht. Und obwohl ich normalerweise keine Schwäche für sehr politische Fantasy habe, fand ich es hier sehr spannend mitzuerleben, wie sich Lia und Xania bei Hof behaupten und wie sie immer und immer wieder von Neuem herausfinden müssen, welche Partei welche Motive für ihr Handeln hat und mit welchen Mitteln jemand vielleicht dazu bewegt werden kann, sich auf die Seite der Königin zu stellen.

Dabei hat die Autorin auch stimmig dargestellt, dass so ein Leben natürlich Spuren bei den Beteiligten hinterlässt. Wenn man ständig von korrupten und skrupellosen Menschen umgeben ist, fällt es nicht immer leicht, die eigenen Ideale und Überzeugungen hochzuhalten, statt sich auf das Niveau seiner Gegner herabzubegeben. So muss sich zum Beispiel Lia im Laufe der Geschichte fragen, ob sie wirklich mit Argumenten und guten Absichten weiterkommt oder ob sie vielleicht doch auf Erpressung und Drohungen zurückgreifen sollte, um endlich etwas bewirken zu können. Und auch Xania muss regelmäßig feststellen, dass man nicht vor unangenehmen Überraschungen geschützt ist, nur weil man einen Menschen gut zu kennen glaubt und viele Informationen über ihn gesammelt hat. Ich mochte diesen Realismus und die Entwicklungen, die die beiden Frauen nehmen, muss aber auch zugeben, dass dies dafür sorgt, dass es für einen stimmigen Abschluss der Handlung auch kein uneingeschränktes „Happy End“ geben konnte. Dieser leicht bittere Beigeschmack am Ende hat aber mein Vergnügen an diesem Geschichte nicht geschmälert, sondern dafür gesorgt, dass ich mich umso mehr über die kleinen positiven Entwicklungen für die Figuren gefreut habe.

C. Gockel: Wolves (I Bring the Fire 1)

Ich hatte im März die Anthologie „Once Upon A Curse“ gelesen und mochte die Kurzgeschichte „Magic After Midnight“, die C. Gockel in der Anthologie veröffentlicht hatte, unglaublich gern. Also habe ich nach weiteren Titeln der Autorin gesucht und festgestellt, dass die Sammelausgabe von „I Bring the Fire“ (Band 1-3 plus 3.5) schon seit einiger Zeit in der riesigen ungelesenen Datensammlung meines eReaders ruhte. Ich gestehe, dass meine Erwartungen nach dieser einen Kurzgeschichte hoch waren und dass sie von „Wolves“ … nicht so ganz erfüllt wurden. Genau genommen bin ich nach dem Lesen des letzten Satzes dieses kurzen Romans (252 Seiten) in schallendes Gelächter ausgebrochen, weil die Geschichte so absurd endet – oder besser gesagt „nicht endet“, da man diesen ersten Teil definitiv nicht so für sich stehen lassen kann. Da ich mir aber noch nicht sicher bin, ob ich die anderen Teile noch lesen mag, und gern meine Gedanken ein wenig (öffentlich) ordnen will, gibt es hier also eine Rezension zum ersten Band. Ich kann ja ein Postscriptum an den Beitrag anhängen, wenn ich noch mehr lesen sollte.

Die Handlung wird auf der einen Seite aus Sicht der Veterinärmedizin-Studentin Amy Lewis erzählt, die gemeinsam mit ihrem kleinen Hund Fenrir zu Beginn der Ferien mit dem Auto von der Universität zu ihrer Großmutter Beatrice nach Chicago fährt. Dort will sie den Sommer über genügend Geld verdienen, um das kommende Semester zu finanzieren. Auf der langen Strecke bekommt sie ein Problem mit ihrem Auto, und statt Glück zu haben und von einem anderen Fahrer Hilfe zu bekommen, wird sie von einem Serienmörder gefunden. Doch bevor etwas Schlimmes passieren kann, kommt Amy ein unbekannter Mann zur Hilfe, der sich als Thor Odinson vorstellt. Womit wir zur zweiten Perspektive in dieser Geschichte kommen, der von Thor Loki. Loki ist nach einem Vorfall, bei dem Odin Lokis Söhne wegen Verrats in die Leere (ich vermute, dass damit Ginnungagap gemeint sein sollte) werfen lassen wollte, durch einen irrgeleiteten Zweig des Weltenbaums auf der Erde gelandet. Dank glücklicher Umstände kann Loki so Amy vor dem Serienmörder retten und bekommt damit eine Begleiterin, die sich nicht nur in der aktuellen Welt auskennt, sondern auch bereit ist, ihm immer wieder bei allen möglichen Dingen zu helfen. Denn Loki muss nicht nur eine Zeitlang auf der Erde überleben, sondern er versucht natürlich auch, seine Söhne doch noch zu retten oder – wenn sein Rettungsversuch zu spät sein sollte – Rache an Odin zu nehmen.

Das ist die Ausgangssituation, und viel mehr passiert in der aktuellen Handlung eigentlich nicht, bis es zum „mehr als offenen“ Ende kommt. Amy und Loki fahren zu Amys Großmutter, unternehmen gemeinsam mit dieser einen Ausflug zu den Elfen und … das ist es irgendwie. Wobei ich zugeben muss, dass es so einige amüsante Momente mit Loki gab, der sich mit moderner Technologie herumschlägt, denn das letzte Mal war er während des ersten Weltkriegs auf der Erde. Amy selbst ist etwas farblos gestaltet, aber ich fand Amys Reaktion auf Magie und all die anderen Dinge, die für Loki selbstverständlich sind, unterhaltsam zu lesen. Außerdem ist Amys Großmutter Beatrice eine wunderbare Figur, von der ich gern noch mehr gesehen hätte, auch wenn ihre Szenen nicht so viel zum Voranschreiten der Handlung beigetragen haben. Was Loki angeht, so gibt es immer wieder Passagen, in denen er sich an Ereignisse in der Vergangenheit erinnert, und diese waren wirklich gut zu lesen. Die Autorin beweist hier eine ungewöhnliche Sicht auf bekannte nordische Mythen, bei denen die vertraute Basis durch Lokis Perspektive und all die anderen Dinge, die er über die beteiligten Personen zu sagen hat, einen ganz neuen Dreh bekommt. Diese „Neuerzählungen“ mochte ich wirklich gern, und ich glaube ehrlich gesagt, dass C. Gockel mit der „I bring the Fire“-Serie eigentlich auch nur einen Weg suchte, um ihre Loki-Geschichten in einen (verkaufbaren?) Urban-Fantasy-Roman einzuflechten, ohne dass sie sich wirklich eine Handlung für den UF-Teil des Ganzen ausgedacht hatte.

Außerdem fühlt sich „Wolves“ definitiv nicht nach einem abgeschlossener Roman an, auch wenn er als erster Band der Serie vermarktet und verkauft wird. Die Geschichte liest sich eher wie ein sehr langer (und stellenweise sogar wirklich unterhaltsamer) Prolog, und kaum hat die Autorin die Grundvoraussetzungen ihrer Welt und die aktuelle Position ihrer Figuren dem Leser dargelegt, endet das Buch, ohne dass man das Gefühl hat, es sei wirklich etwas passiert. Ich vermute vielmehr, dass man die ersten drei Bände am Stück lesen muss, um einen „abgeschlossenen ersten Teil“ gelesen zu haben, aber ich muss gestehen, dass mich nur die Tatsache, dass ich eh schon die beiden nächsten Teile (plus die anschließende Novella) habe, überhaupt darüber nachdenken lässt, weiterzulesen. Wenn ich mir den zweiten Band dafür kaufen müsste, würde ich einfach mit den Schultern zucken und zu einem anderen Buch weiterwandern, weil es mir diese Geschichte definitiv nicht wert wäre, dafür extra Geld auszugeben. So hingegen habe ich ja die Fortsetzungen schon, und auch wenn ich erschreckenderweise so gar nicht neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung bin, so argumentiert ein Teil von mir mit „aber es war ja schon irgendwie nett und stellenweise amüsant“ fürs Weiterlesen.

Jo Spurrier: A Curse of Ash and Embers (Tales of the Blackbone Witches 1)

Ich hatte „A Curse of Ash and Embers“ gerade mal zu einem Drittel gelesen, als ich mir die im Juli erscheinende Fortsetzung der Geschichte vorbestellte, weil mir Jo Spurriers Erzählweise so gut gefiel. Der Roman ist die erste Veröffentlichung, die ich von der Autorin gelesen habe, und ich wusste nicht so recht, was mich da erwartet. Aber ich mochte den Klappentext, der davon sprach, dass die Geschichte um eine junge Hexe ging, die Gräultaten ihrer Vorgängerin aufräumen muss, und um ein junges Dienstmädchen, das bei ihr arbeitet. Genau genommen begleitet man die Handlung aus der Sicht von Elodie von dem Tag an, an dem sie den elterlichen Bauernhof verlässt, um eine Stelle als Dienstmädchen anzutreten. Elodie weiß nicht so recht, wie sie überhaupt zu dieser Stelle gekommen ist, aber sie ist froh, nicht länger unter der Obhut ihres Stiefvaters leben zu müssen. Dieser hat in den vergangenen Jahren alles in seiner Macht Stehende getan, um Elodie immer wieder einzubläuen, dass sie ungeschickt, nutz- und wertlos sei und ihm dankbar dafür sein müsse, dass er sich überhaupt um sie kümmert.

So ist Elodie zwar nicht gerade glücklich, als sie herausfindet, dass ihre neue Arbeitgeberin eine Hexe ist, aber solange sie nicht zurück zu ihrer Familie muss, ist sie erst einmal bereit, mit all den Herausforderungen, die so ein Hexenhaushalt mit sich bringt, fertig zu werden. Dabei sind die Aufgaben nicht gerade gering, denen sich Elodie stellen muss, da ihre neue Dienstherrin Aleida Blackbone erst vor wenigen Tagen mit der alte Hexe Gyssha gekämpft hat. Aleida hat in diesem Kampf zwar gesiegt, ist aber von ihrer Gegnerin mit einem Fluch belegt worden. So muss sie nicht nur mit den Folgen dieses Kampfes fertig werden, sondern auch mit all den Überresten von Gysshas schwarzer Magie, die die Bewohner der Gegend bedrohen. Dazu kommen noch ein Warlock, der sich um einen Handel betrogen fühlt, und weitere Gefahren, die dafür sorgen, dass die beiden jungen Frauen beide Hände voll zu tun haben.

Ich mochte es sehr, Elodies Perspektive zu verfolgen, gerade weil sie sich lange Zeit eingeredet hat, dass sie als Dienstmädchen ja nichts mit all der Magie zu tun hat, die ihre neue Dienstherrin betreibt. Elodie ist stellenweise etwas naiv und definitiv ungebildet (wofür ihr Stiefvater gesorgt hat), aber sie ist nicht dumm und sie ist voller Fragen, die dafür sorgen, dass sie im Laufe der Zeit dann doch einen ganz guten Einblick in das Leben einer Hexe erhält. Vor allem aber ist sie loyal und hilfsbereit und sorgt so dafür, dass Aleida nicht allein ist in ihrem Kampf gegen all die Dinge, die Gysshas Tod mit sich bringt. Es ist schön zu verfolgen, wie sich die beiden jungen Frauen im Laufe der Geschichte besser kennen- und verstehen lernen, wie sie sich miteinander anfreunden und gegenseitig helfen. Vor allem, da von Anfang an deutlich wird, dass die Herausforderungen, denen die beiden gegenüberstehen, so groß sind, dass eine junge Hexe allein damit wohl nicht fertig werden kann.

Die Welt, in der Elodie sich nach Antritt ihres Dienstes wiederfindet, ist voller Gefahren. Böse Hexen, Geister, Dämonen, Warlocks, Naturgeister und animierte, riesige Konstrukte, die zur Zerstörung geschaffen wurden und erst damit aufhören, wenn sie selbst in ihre Einzelteile zerlegt wurden, gehören zu den Dingen, von denen das Mädchen vorher noch nie gehört hatte und gegen die sie nun zusammen mit Aleida kämpfen muss. Dabei hat es Jo Spurrier meinem Gefühl nach sehr gut hinbekommen, dass Elodie auf der einen Seite in einem relativ friedlichen ländlichen Umfeld lebt und arbeitet und trotzdem mit all dieser dunklen Magie konfrontiert wird – und dieser Kontrast macht auch für mich den Reiz der Geschichte aus. Ebenso wie die Gegensätzlichkeit der beiden Protagonistinnen sorgt er dafür, dass die Geschichte immer spannend bleibt, weil man nie weiß, was einen als nächstes erwartet. Ich habe es sehr genossen zu sehen, wie sich Elodie weiterentwickelt und wie sie all ihr neugewonnenes Wissen anwendet. Ich mochte das wachsende Vertrauen zwischen den beiden jungen Frauen (und das in diesem Buch eben eine Frauen-Freundschaft und keine Liebesbeziehung im Mittelpunkt steht) und ich habe Jo Spurriers Erzählweise sehr genossen.

Lese-Sonntag im April 2021

Bislang kann ich meinen April zusammenfassen mit „ich bin müde, antriebslos und kommunikationsunwillig“ – was nicht gerade perfekte Voraussetzungen für einen Lese-Tag sind, aber ich reiße mich heute mal zusammen. 😉 Gelesen habe ich in den letzten Tagen nicht so viel, stattdessen verbringe ich viel Zeit mit dem Häkelzeug oder der Switch auf dem Sofa und verstecke mich vor den aktuellen Nachrichten. Angefangen habe ich in letzter Zeit „Unrest“ von M. Harrison und „4.50 from Paddington“ von Agatha Christie. „Unrest“ hatte ich mir gekauft, weil ich sowohl die aktuelle Reihe von Michelle Harrison, als auch die „Elfenseele“-Titel von der Autorin sehr mochte, aber mit „Unrest“ fühle ich mich nicht so richtig wohl. Was einerseits für die Erzählweise der Autorin spricht (schließlich geht es in der Geschichte um recht unheimliche Geistererscheinungen), andererseits gegen den Protagonisten spricht, den ich bislang nicht so recht leiden kann. Es tut mir leid, dass er seit einem Unfall Nacht für Nacht geweckt wird, weil er Geister sieht, aber er und sein Umgang mit anderen Menschen (besonders Frauen) ist mir bislang definitiv nicht sympathisch. Also habe ich parallel einen Roman angefangen, den ich mag und bei dem ich keine Angst haben muss, dass ich irgendwelche Geistererscheinungen mit in meine Träume nehme. Ich mag diesen Agatha-Christie-Roman, allerdings kenne ich ihn auch so gut, dass ich ihn relativ gut liegenlassen kann, ohne befürchten zu müssen, dass ich nicht wieder in die Handlung reinkomme … Mal schauen, wie es heute so mit dem Lesen klappt. Bevor ich zum Buch greife, gibt es für mich erst einmal all die lästigen Pflichten, die ich gern morgens als erstes erledigt habe.

 

Update 11:00 Uhr

Zwei aufeinandergestapelte Taschenbücher, bei dem unteren kann man den Autorennamen Agatha Christie erahnen, das obere zeigt ein Gebäude in einer weiß-hellblauen und verschwommenen Umgebung und hat den Titel "Unrest". Rechts davon eine große grün-weiße Tasse mit schwarzem Tee

Kurz vor zehn hatte ich all meinen Kram erledigt, mir einen Tee gekocht und wollte gerade meine Nase in eins meiner Bücher stecken, als meine Schwägerin sich meldete und fragte, wann wir die geplante gemeinsame Runde „Animal Crossing“ starten wollen. Dazu muss ich sagen, dass meine Schwiegermutter an den Wochenenden mit meiner Schwägerin zusammen auf ihrer Insel „Animal Crossing“ spielt – was immer zu sehr niedlichen Aussagen von ihr über das Spiel führt, weil sie eigentlich gar keine Spielerfahrung hat. Mein Mann und ich sind also heute zu der Insel meiner Schwägerin geflogen und hatten dabei den VoiceChat an, den das Spiel anbietet, so dass wir uns beim Spielen mit meiner Schwägerin und meiner Schwiegermutter unterhalten konnten. Das war wirklich sehr lustig und hat großen Spaß gemacht.

Ein Animal-Crossing-Screenshot, bei dem man drei Spielfiguren, in einem sehr vollgestellten Raum voller Musikinstrumente und Spielzeug sehen kann.

 

Update 14:00 Uhr

Ein Stapel aus drei Taschenbüchern, der oberste Titel lautet "Mic Drop" von der Autorin Sharna Jackson. Rechts vom Bücherstapel steht eine zartgrüne Schale mit einer Portion Milchreis, die mit Himbeersauce übergossen würde.

Nach einer Blog- und Kommentarrunde habe ich mich nach dem letzten Update an die Zubereitung meines Frühstücks gemacht. Da der Milchreis so einige Zeit benötigt, während die Himbeersauce schnell gemacht ist, hatte ich zwischendurch genügend Leerlauf, um immer wieder neue Bücher aus dem Regal zu ziehen und reinzuschnuppern. Denn ich war mir sicher, dass ich weder „Unrest“, noch meinen Agatha Christie nach dem Frühstück weiterlesen wollte. Ich habe mich dann für „Mic Drop“ von Sharna Jackson entschieden – das Buch hatte ich direkt nach dem Lesen von „High Rise“ bestellt und ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit den beiden Protagonistinnen. Allerdings hatte ich mir für mein Frühstück erst einmal wieder „The Grand Tour“ von Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer angemacht und weil ich Cecy und Kate nicht so schnell verlassen wollte, habe ich also erst einmal mein Häkelzeug rausgeholt.

Der Anfang einer gehäkelten Decke (man sieht 4 1/2 Reihen eines Karomusters), auf der eine Häkelnadel liegt. Im linken Bildbereich kann man ein dunkelbraunes Wollknäuel erahnen, an den ein Kopfhörer angelehnt wurde.

Inzwischen haben die beiden frischvermählten Paare mehr über die geheimnisvollen Vorfälle herausgefunden, allerdings sind zwei wichtige Informationsquellen inzwischen ermordet worden, so dass die vier Reisenden nun in Venedig gelandet sind und nicht so recht wissen, wohin sie ihre Reise als nächstes führen wird. Außerdem ist Cecy daran gescheitert sich einen magischen Fokus zu schaffen und Kate hat gerade erfahren, dass auch sie über Magie verfügt und dass die Tatsache, dass sie diese Magie nicht nutzt, vermutlich für ihre lebenslange Ungeschicklichkeit und ihr Talent fürs Lügen für das Erfinden von glaubwürdigen Geschichten verantwortlich sein könnte. Ich denke, ich werde nach meiner Blogrunde noch ein bisschen bei den beiden Damen bleiben und dabei weiterhäkeln.

 

Update 17:30 Uhr

Ich habe gerade so viel Spaß mit Cecy und Kate, dass ich bis es Zeit zum Kochen wird, auf jeden Fall bei den beiden bleiben werde. Außerdem muss ich doch die Tatsache nutzen, dass es Draußen etwas aufgeklart ist und das Licht gerade perfekt zum Handarbeiten ist. 😉 Cecy und Kates Ehemann sind gerade entführt worden und während Kate alle Fäden zieht, um eine ernsthafte Suche nach den beiden in Gang zu bringen, versucht Cecy mehr über die Motive ihrer Entführer herauszubringen, da sich herausgestellt hat, dass im Hintergrund eine überraschende Person für all die Dinge verantwortlich ist. Inzwischen ist also nicht mehr ganz so sicher, dass jemand Napoleon (oder seinen Sohn) wieder an die Regierung bringen will, stattdessen gibt es sehr viel Gerede über alte Götter, ursprüngliche Magie und … einen sehr verwirrten jungen Mann, der der nächste Herrscher über Europa werden könnte, wenn Cecy nicht eingreift … Nur noch 1 1/2 Stunden – ich denke, ich werde das Hörbuch heute noch beenden, wenn auch nicht mehr vor dem Kochen (aber vielleicht dabei?).

 

Update 21:00 Uhr (letztes Update)

Ein Teller mit einem Viertelstück Kartoffel-Paprika-Frittata und ein Glas, das mit Vanillepudding und Himbeersauce gefüllt ist.

Ich habe heute wirklich noch mein Hörbuch beendet und es war – wie Kate es ausdrücken würde – „utterly delightfull“. Ich mag diese Geschichten rund um die beiden Cousinen in einer magisch angehaucht Regencywelt so sehr und habe mich wunderbar amüsiert, während die beiden gemeinsam mit ihren Ehemännern versuchen die Welt (oder zumindest Europa) vor einem zweiten Napoleon zu bewahren. Zum Abendessen gab es – neben einer Kartoffel-Paprika-Frittata – eine Folge „Nailed It – Double Trouble“ (als Teamaufgabe sind die Backergebnisse zum Teil noch schrecklicher, als wenn Einzelpersonen sich daran versuchen) und eine Runde „Pul Pul Molcar“  was eine sehr seltsame, aber sehr niedliche Reihe von Kurzfilmen ist, in der gefilzte Meerschweinchen-Autos verschiedene Abenteuer erleben. *g* Bis es Zeit zum Schlafengehen wird, werde ich vermutlich – nach einer Blog- und Kommentarrunde – nur noch ein bisschen „Story of Seasons“ spielen, weshalb das hier für heute mein letztes Update sein wird.

Es war schön gemeinsam mit euch den heutigen Tag zu verbringen und hat definitiv dafür gesorgt, dass meine Grumpigkeit heute deutlich geringer war als in der vergangenen Woche. Mal schauen, ob ich die gute Laune noch ein Stückchen in die kommende Woche retten kann. 😉 Ich hoffe, ihr habt den heutigen Lese-Sonntag auch wieder genossen und die kommenden Tage bringen euch wenig Stress und möglichst viele wohltuende Momente. 🙂

 

Heutige Mitleserinnen:

Anette
JED
Neyasha
Sayuri

Barbara Sleigh: Carbonel

Über „Carbonel“ von Barbara Sleigh bin ich vor vielen Jahren bei Kiya gestolpert, und da der Titel nicht nur sehr lange auf meiner Wunschliste saß, sondern dann auch noch über ein Jahr auf meinem SuB lag, habe ich nun das Problem, dass ich den dritten Carbonel-Band nicht mehr bestellen kann. Dabei gefiel mir der erste Teil rund um Rosemary, ihren neu gewonnenen Freund John und den König der Katzen so gut, dass ich gern noch mehr Abenteuer mit den dreien lesen würde. Die Geschichte beginnt damit, dass die zehnjährige Rosemary sich überlegt, dass sie in ihren Sommerferien mit Putzen Geld verdienen könnte. Doch dafür benötigt sie erst einmal die notwendigen Utensilien, und so kauft sie auf einem Gebrauchtmarkt von einer etwas wunderlichen alten Frau einen Besen.

Da die Dame auch noch günstig einen schwarzen Kater abzugeben hatte und Rosemary schon immer eine Katze wollte, nimmt sie diesen auch noch mit, ohne zu wissen, dass sie damit in Besitz eines Hexenbesens und des passenden Hexenkaters gekommen ist. Doch Carbonel ist mehr als nur ein einfacher Hexenkater. Er ist ein Prinz der Katzen, der als Kätzchen von der Hexe gestohlen und verflucht wurde. Erst wenn der Fluch gebrochen ist, kann er den Thron seines verstorbenen Vaters in Besitz nehmen und über die Katzen von London herrschen. Natürlich erklärt sich Rosemary bereit, alles dafür zu tun, dass Carbonels Fluch gebrochen wird. Dies führt dazu, dass sie in den kommenden Wochen quer durch London unterwegs ist, um die notwendigen Dinge für den Zauber aufzutreiben. Doch diese Aufgabe ist nicht so einfach, und so ist es nur gut, dass Rosemary in ihrem neu gefundenen Freund John jemanden hat, der mit ihr gemeinsam Informationen sammelt und Abenteuer erlebt.

Die Geschichte wurde von Barbara Sleigh das erste Mal 1955 veröffentlicht, und natürlich merkt man der Handlung ihr Alter auch an. Barbara und John müssen zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem – leider ziemlich altersschwachen – Hexenbesen all ihre Wege hinter sich bringen. Und um überhaupt den ganzen Tag unterwegs sein zu können, benötigen sie die Erlaubnis von Johns Tante und Rosemarys Mutter. So verstreicht zwischen den verschiedenen Unternehmungen immer wieder Zeit, und es gibt Tage, an denen die beiden Kinder einfach nur gemeinsam im Garten von Johns Tante spielen, weil sie eben diese Erlaubnis nicht bekommen haben. Das sorgt dafür, dass „Carbonel“ eher ruhig erzählt wird, aber gerade das habe ich sehr gemocht. Ich habe eine Schwäche für altmodische britische Kinderbücher voller Magie und Alltagsszenen, und genau das habe ich hier gefunden. Ich mochte all die fantastischen Elemente ebenso sehr wie die eher alltäglichen Momente, mir gefielen die verschiedenen Charaktere, und ich fand es großartig, dass Carbonel arrogant und fordernd ist und wenig Verständnis für die begrenzten Möglichkeiten eines zehnjährigen Mädchens hat.

Es gab beim Lesen immer wieder Punkte, die mich an die Mary-Poppins-Romane von P.L. Travers oder an die Geschichten von Edith Nesbit erinnert haben, die ich als Kind so geliebt habe. Dabei hatte ich jedoch nie das Gefühl, dass Barbara Sleigh sich von diesen Autorinnen hat inspirieren lassen. „Carbonel“ ist eine ganz eigene Geschichte mit einer wunderbar warmherzigen Atmosphäre, vielen amüsanten Wendungen und (Neben-)Charakteren, die ich wirklich mochte. Für diejenigen, die nun auch Lust auf „Carbonel“ bekommen haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: 2013 ist eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Carbonel – König der Katzen“ bei Ravensburger erschienen und auch wenn das Buch nur noch gebraucht zu bekommen ist, so scheint das Angebot an günstigen und gut erhaltenen Exemplaren gar nicht so gering zu sein.