Mira Grant: Parasite/Symbiont/Chimera (Parasitology-Trilogie)

Die Parasitology-Trilogie hatte ich mir 2019 besorgt, da ich davon ausging, dass mir diese Trilogie von Mira Grant (Seanan McGuire) genauso gut gefallen würde wie ihre „Newsflesh“-Serie. Aber da ich mit dem Thema „Parasiten“ noch mehr Probleme habe als mit Zombies, habe ich in den vergangenen Jahren dann doch regelmäßig zu anderen Büchern gegriffen. Im Juli war ich dann so fest entschlossen, diese Trilogie endlich aus dem SuB zu befreien, dass ich mir nach dem Beenden des ersten Bandes die Fortsetzungen noch einmal als eBooks besorgt habe, damit ich sie bequem lesen konnte, während ich für einige Wochen nicht zu Hause war. Die Handlung beginnt im Juli 2027 und spielt in einer Welt, die sich von unserer in einem wichtigen Faktor unterscheidet: Einige Jahre zuvor hat die Firma SymboGen einen medizinischen Parasiten (basierend auf einem Bandwurm) entwickelt, der einen Großteil der gesundheitlichen Probleme der Menschheit beseitigt hat. Was natürlich dazu führte, dass so gut wie jede Person, die Zugriff zu modernen medizinischen Mitteln besaß, sich so einen „Intestinal Bodyguard“ einsetzen ließ.

Auch Sally „Sal“ Mitchell, aus deren Perspektive alle drei Romane erzählt werden, verfügt über einen solchen Parasiten, und bei ihr führte er vor einigen Jahren zu einem medizinischen Wunder, als sie nach einem Autounfall ins Koma fiel und beinah gestorben wäre. Allerdings war ihr Gehirn zu diesem Zeitpunkt schon so weit geschädigt, dass sie keinerlei Erinnerungen an ihre Vergangenheit hat und – wie ein Kleinkind – Sprechen und Gehen neu lernen musste. Da SymboGen alle anfallenden Rechnungen für folgende Therapien übernahm, wird Sal bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung beginnt, weiterhin regelmäßig von Medizinern und Wissenschaftlern untersucht, um ihre Entwicklung (und die ihres Parasiten) zu studieren. Schnell wird zu Beginn der Geschichte deutlich, dass Sal nicht gerade ein harmonisches Verhältnis zu ihren Eltern hat, vor allem da sich ihre Persönlichkeit seit dem Unfall sehr verändert hat. Ein Aspekt, über den ihre kleine Schwester Joyce sehr glücklich ist, denn früher war Sally anscheinend ein richtiges Miststück, das Joyce das Leben regelmäßig zur Hölle gemacht hat.

Auch wenn Sal wirklich froh wäre, wenn die Kontrolltermine bei SymboGen endlich enden würden, so ist sie alles in allem recht zufrieden mit ihrem Leben. Sie arbeitet für eine Tierheim, sie hat mit dem Arzt Nathan einen liebevollen Freund und sie genießt die Zeit, die sie gemeinsam mit Joyce verbringt. Allerdings fallen Sal kurz nach Beginn der Geschichte immer wieder seltsame Sachen in ihrer Umgebung auf – wie zum Beispiel ein Hund, der wenige Minuten zuvor fröhlich mit seinem Besitzer spielte, nur um dann panisch vor ihm davonzulaufen, oder eine panisch wirkende Mutter, die von ihrem kleinen, lethargisch wirkenden Kind quer durch ein Einkaufszentrum gezerrt wird. Und natürlich ist Sal nicht die einzige Person, die solche Beobachtungen macht, weshalb wenig später in den Medien immer wieder kurze Meldungen über eine „Schlafkrankheit“ auftauchen. Nichts offensichtlich Alarmierendes, nichts, was von den großen Nachrichtendiensten aufgegriffen wird, aber seltsam genug, dass Sal anfängt, nach solchen Nachrichten die Augen offenzuhalten …

Ich denke, es ist allein schon aufgrund des Hintergrunds für diese Romane (und der Tatsache, dass dies Wissenschaftshorror von Mira Gran ist) klar, dass die „Intestinal Bodyguards“ für die sogenannte Schlafkrankheit verantwortlich sind. Natürlich ist das erst der Anfang einer Geschichte, die schnell größere Ähnlichkeiten mit einem Zombie-Thriller bekommt, als ich anfangs erwartet hätte. Wie gewohnt konzentriert sich Mira Grant sehr darauf, eine wissenschaftlich stichhaltige Grundlage für all die Ereignisse in ihren Romanen zu beschreiben, was die Handlung stellenweise etwas langatmig, aber nicht weniger faszinierend macht. Ich mochte es sehr, die Wissenschaftler in dem „Untergrundlabor“, die Sal im Laufe der Handlung kennenlernt, bei ihren Entdeckungen zu verfolgen. Es war überraschend unheimlich, gemeinsam mit ihnen zu erforschen, welche Folgen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse für alle beteiligten Personen haben werden, und dabei meine eigenen Schlüsse zu weiteren Hintergründen zu ziehen. Auch war es spannend, all die „Spionage-Elemente“ mitzuerleben, wenn zum Beispiel in wissenschaftliche/medizinische/militärische Gebäude eingedrungen werden musste, um mehr über den aktuellen Wissensstand der anderen forschenden Gruppen herauszufinden. Diesen Teil fand ich sehr faszinierend und er hat dafür gesorgt, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Buch griff.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass Sals Perspektive bei mir zu einer gewissen Distanz zur Geschichte geführt hat. Ich mochte sie als Charakter sehr, aber die Tatsache, dass sie eine erwachsene Person ist, die sich ständig erst einmal bei jemand anderem vergewissern muss, ob ein Verhalten oder eine Situation „normal“ ist oder nicht, hat für mich ihrer Perspektive sehr viel Dynamik genommen. Es ist innerhalb der Handlung in der Regel überraschend stimmig, weil sie nun mal keine Erinnerungen daran hat, wie sie aufgewachsen ist und wie sie in ihrer Jugend war. Aber es sorgte auch dafür, dass ich selbst in Szenen, in denen sie wirklich litt, eine gewisse Distanz verspürte. Dazu kommt noch ein Element, das für mich von Anfang an auf der Hand lag, und das Sal bis zum Ende des Buchs nicht einmal in Betracht gezogen hat. Warum sie diesen Punkt so vollständig ausblendet, wird im Laufe der Handlung noch von Mira Grant erklärt, aber das war für mich der unstimmigste Teil in dieser Trilogie, und er hat mich ein bisschen grummelig gemacht. Deshalb konnte die Parasitology-Trilogie bei mir leider nicht dieselbe Begeisterung auslösen wie die „Newsflesh“-Serie, auch wenn ich die Grundidee und all die wissenschaftlichen Details, die die Autorin eingebaut hat, ungemein faszinierend fand und mich alles in allem wirklich sehr gut unterhalten gefühlt habe.

Lese-Eindrücke Juni und Juli 2026

Im Juni und Juli fand ich es überraschend schwierig, mich für ein Buch zu entscheiden, was bedeutete, dass ich mich vor allem auf Reihen(fortsetzungen) konzentriert habe. Außerdem habe ich im Juli so wenig gelesen, dass die paar Lese-Eindrücke hier auch noch reinpassen.

Lois McMaster Bujold: The Sharing Knife – Complete Series

Nach dem aktuellsten „Penric & Desdemona“-Band hatte ich Lust auf mehr Geschichte von Lois McMaster Bujold, wollte aber nicht zu den Vorkosigan-Romanen greifen, weil das definitiv dazu geführt hätte, dass ich die ganze Serie am Stück gelesen hätte. Also startete ich einen Reread der beiden deutschen „Die magischen Messer“-Bände, die sich in meinem Regal befanden – nur um dann die beiden Romane nach den ersten Absätzen auszusortieren und mir den englischen Sammelband als eBook zu besorgen, weil ich die deutsche Übersetzung nicht mehr lesen mochte. Die Komplettausgabe der „Sharing Knife“-Serie beinhaltet die vier Romane „Beguilement“, „Legacy“, „Passage“ und „Horizon“ plus die Novella „Knife Children“ und erzählt die Geschichte von Dag (ein Lakewalker) und Fawn (eine Farmerin – eine Bezeichnung, die für jeden Menschen, der kein Lakewalker ist, verwendet wird). Die beiden verlieben sich ineinander, nachdem sie gemeinsam gegen eine „Malice“ (ein magisches Wesen, dass seiner Umgebung sämtliche Lebensenergie aussaugt) gekämpft haben. Dummerweise gibt es bei den Farmern keinen Platz für Dag und bei den Lakewalkern keine Zuflucht für Fawn, so dass sich das Paar gezwungen sieht, einen ganz eigenen – neuen – Weg einzuschlagen, um sich ein gemeinsames Leben aufbauen zu können. Ich mochte die Geschichte so sehr, dass ich die über 1800 Seiten in gerade mal sechs Tagen gelesen habe. Fawn und Dag bekämpfen im Laufe der Zeit weitere Malices, lernen mehr über die Kultur des jeweils anderen, finden eine Menge neuer Verbündeter und Freunde, und das alles ist durchzogen mit dem für Lois McMaster Bujold typischen Humor. Ich freu mich sehr darüber, dass ich nun alle Bände der Reihe in meinem Besitz habe und bin mir sicher, dass ich sie in Zukunft regelmäßig erneut lesen werde.

Haylock Jobson: Heretical Fishing 1-5 – A Cozy Guide to Annoying the Cults, Outsmarting the Fish, and Alienating Oneself

„Heretical Fishing“ von Haylock Jobson war ein weiterer Versuch von mir, im Juni einen Isekai-Roman zu finden, der mich gut unterhält, und ich muss zugeben, dass ich Band 1 wirklich amüsant und ungewöhnlich fand. Zu Beginn der Geschichte wird der Protagonist „Fischer“ von einem LKW überfahren, nachdem er zum ersten Mal in seinem Leben einen entspannten Nachmittag mit Angeln verbracht hat. Das führt dazu, dass er sich nach seinem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, in der das „System“ offensichtlich defekt ist (und ihm lauter Fehlermeldungen präsentiert). Er beschließt, dass er nicht im klassischen Isekai-Stil sein zweites Leben verbringen will, sondern sich lieber aufs Angeln konzentrieren möchte. Ich fand es anfangs lustig zu lesen, dass Fischer so besessen vom Angeln ist, dass es ihm auch vollkommen egal ist, dass das in dieser Welt als Häresie gilt, und wie er ständig seine neuen Nachbarn dazu bringen will, seine Fischgerichte zu probieren. Und da ich das Ganze so nett fand, habe ich mir auch noch den zweiten Band besorgt, wo der Humor dann etwas ermüdend wurde, aber am Ende die Handlung so weit anzog, dass ich auch noch die Fortsetzung las – mit der es mir wieder genauso erging, dass ich den Humor ermüdend fand, aber dann am Schluss neugierig genug auf den weiteren Verlauf der Geschichte war … Bei Band 4, den ich im Juli gelesen habe, war ich dann so weit, die Reihe abzubrechen, allerdings hatte ich dummerweise auch Band 5 schon auf dem eReader … Die Grundidee ist nett, die ersten Bände fand ich unterhaltsam, und ich fand es schön, dass Fischers Einfluss dafür sorgte, dass all seine Nachbarn magische Kräfte entwickelten und Zugang zum System bekamen. Aber der eher alberne und sich ständig wiederholende Humor, der sehr viel darauf basierte, dass sich die Figuren gegenseitig Streiche spielten, ging mir doch überraschend schnell auf die Nerven. Keine Reihe, die ich fortsetzen werde, auch wenn der fünfte Band (natürlich) wieder auf eine Art und Weise endete, die eine interessante Weiterführung der Geschichte mit sich bringen könnte.

L. D. Lapinski: The Whispering World (Artezans 2)

Ich sehe gerade, dass es schon zwei Jahre her ist, seitdem ich den ersten Band rund um die Artezans von L. D. Lapinski gelesen habe, und frage mich nun, wieso Fortsetzungen so oft bei mir auf dem SuB liegenbleiben … Immerhin habe ich in diesem Jahr endlich den zweiten Teil „The Whispering World“ gelesen und fand ihn mindestens ebenso nett wie den Auftaktband der Reihe. Da dieses Mal die magische Welt, zu der die Zwillinge Ed und Elodie gehören, nicht vorgestellt werden muss, zieht die Handlung in diesem Roman deutlich schneller an als in „The Forgotten Magic“. Zu Beginn der Geschichte erleiden die beiden Kinder mit ihren Vätern Schiffbruch und landen auf einer kleinen (und zum Glück von Magie-Nutzern bewohnten) Insel. Nachdem die kleine Familie froh ist, dass sie so viel Glück im Unglück hatten, müssen sie schnell feststellen, dass es auf der Insel nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht. Ich mochte es, all die verschiedenen Personen auf der Insel kennenzulernen, mitzuverfolgen, wie Ed und Elodie einen neuen Freund finden und wie sich die drei dann gegenseitig unterstützen, als sie gegen eine Gruppe von Personen angehen müssen, die ihre Magie stehlen will. Und ich bin sehr, sehr neugierig darauf, wie die Geschichte zu Ende geht, weshalb ich den dritten Band der Reihe inzwischen auf dem SuB habe und fest davon ausgehe, dass ich ihn in diesem Herbst lesen werde.

Rachel Morgan: Hearts & Honey Light (The Charmed Leaf Legacy 4)

Ich habe die „The Charmed Leaf Legacy“-Serie von Rachel Morgan wirklich ins Herz geschlossen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Band, der im November erscheinen soll. „Hearts & Honey Light“ dreht sich mit Kazrian Rowanwood und Lucie Fields um zwei Figuren, die schon in den vorherigen Bänden eine Rolle spielten. Lucie ist eine junge (menschliche) Frau, die eine Ausbildung als Konditorin in dem Teehaus von Kazrians Großmutter gemacht hat, und Kazrian ist ein Fae Lord, der in den vergangenen Jahren fern seiner Familie am Hof der Königin gelebt und dort seine Magie gewirkt hat. Doch nun hat ihn seine Großmutter nach Hause gerufen, weil sie in Bloomhaven ein Café eröffnen will und Kazrian sich um die von Magie hervorgerufenen Fehlfunktionen in dem Gebäude kümmern soll. Was natürlich bedeutet, dass Lucie und Kazrian so einige Zeit miteinander verbringen müssen, obwohl sie ihm vor einigen Jahren das Herz gebrochen hat, als sie ihm mitteilte, dass sie keine Gefühle für ihn hegen würde. Was natürlich nicht stimmte, obwohl sie gute Gründe für diese Lüge hatte … Ich mochte es sehr, mitzuerleben, wie die beiden Figuren sich wieder neu kennenlernen und sich so nach und nach ihren Gefühlen füreinander stellen müssen. Ich muss zugeben, dass ich den Grund für einen Teil der magischen Probleme in dem Café etwas zu auf der Hand liegend fand, und auch die Hintergründe zu Kazrians Gegenspieler war mir etwas zu offensichtlich. Aber da ich den Rest der Handlung so süß fand und bei dieser Reihe sicher sein kann, dass den Figuren nichts Schlimmes passiert, selbst wenn die Geschichte so einiges Potenzial für Drama und Unglück bietet, konnte ich damit leben.

C. A. Moss: How I Became a Therapist in Another World 1-4

Ein weiterer Versuch mit einer Isekai-Serie, dieses Mal im Juli und beworben mit den Worten „A light novel-inspired, LGBT-inclusive four-part novella series about one thing every angsty anime series and fantasy novel could use: Therapy.“ Diese vier Bände (die zusammen gerade mal um die 420 Seiten umfassen) werden alle aus der Sicht von Lavender erzählt, einer Therapeutin, die sich nach ihrem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, wo die Bewohner von Dämonen geplagt werden. Dabei sind diese Dämonen nichts anderes als ein für alle sichtbarer Ausdruck der psychischen Probleme, die die jeweilige Person (Mensch, Ork oder Elf gleichermaßen) plagen. Weshalb Lavender auch in ihrem zweiten Leben ihr Wissen als Therapeutin nutzt, um ihren Nachbarn zu helfen, ihre Dämonen zu besiegen. Außerdem gibt es da noch die attraktive Köchin in dem Wirtshaus, in dem Lavender aushilfsweise als Bedienung arbeitet, und das Rätsel um die Herkunft der Dämonen (und um den Ursprung dieser fantastischen Welt). C. A. Moss nimmt sich viel Zeit, um Lavenders neues Leben aufzubauen und die verschiedenen Personen, die sie im Laufe der folgenden Monate kennenlernt, vorzustellen. Was dazu führt, dass die Geschichten – trotz ihrer Kürze – etwas vor sich hin dümpeln. Immerhin ließ sich die Handlung so aber auch gut in kleinen Abschnitten lesen, wenn mein Kopf gerade sehr voll war und ich einfach nur ein paar Minuten in der Gesellschaft von ein paar schrecklich netten Charakteren verbringen wollte. Die Fortsetzungen (also Band 5 bis 10) habe ich deshalb im August auch noch gelesen und fand vor allem den zweiten Sammelband („Herbs and Harmonies“) sehr nett – gerade weil ab Band 5 andere Protagonist*innen als Lavender eine Rolle spielen. „The Dark Lord’s Army Wants You!“ hatte hingegen ein paar sehr amüsante Ideen, aber mir waren die unterschiedlichen Geschichten, die sich zwar um verschiedene Personen drehen, die aber alle zu derselben Armee gehören, thematisch fast schon zu ähnlich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass ich die Serie zu genau der richtigen Zeit für mich entdeckt hatte, dass ich bei einem erneuten Lesen aber nicht mehr so ganz nachvollziehen können werde, was mich in diesem Sommer daran gereizt hatte.

Sarah Brooks: The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands

Ich war mir eigentlich sicher, dass ich zu diesem Titel schon etwas auf dem Blog geschrieben hatte. Aber da ich weder eine Rezension noch einen Kommentar noch eine Anmerkung bei einem Lese-Sonntag gefunden habe, habe ich mir das wohl eingebildet. Was kein Wunder wäre, denn ich habe während und nach dem Lesen von „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ sehr viel Zeit damit verbracht, Sätze in meinem Kopf zu formulieren, um meine Meinung zu diesem Roman auszudrücken. Außerdem durfte sich mein armer Ehemann sehr viele Ausführungen zu dem Buch und seinen verschiedenen Elementen anhören, während ich versuchte, meine Gedanken zu sortieren. Bevor ich mehr zu diesem Titel schreibe, kann ich schon mal sagen, dass mir Sarah Brooks‘ Erzählweise eigentlich sehr gut gefallen hatte, ihre Geschichte aber letztendlich nicht meinen Geschmack getroffen hat, obwohl es anfangs so aussah, als ob es der richtige Roman für mich sein könnte.

Schauplatz von „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ ist der Great Trans-Siberian Express, ein Zug, der Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Peking und Moskau durch die gefährlichen Wastelands verkehrt. Die Wastelands sind in dieser Variante unserer Welt ein gefährliches Gebiet voller Magie, das jede Person, die es betritt, so sehr verändert, dass sie nicht mehr in der normalen modernen Welt existieren kann. Deshalb gelten für die Reise mit dem Great Trans-Siberian Express besondere Regeln. Regeln, zu denen sich jeder Passagier vor der Abreise vertraglich verpflichtet – und dessen Brechen die Trans-Siberia Company von jeglicher Verantwortung für die (normalerweise tödlichen) Folgen befreit. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei besonders die von Weiwei (einem Waisenmädchen, das an Bord des Zugs geboren worden war und sein ganzes bisheriges Leben dort verbracht hat) und die von Marya (die nach dem Tod ihres Vaters unter falschen Namen den Zug betritt) hervorstechen. Außerdem steht schon vor der Abreise fest, dass bei der letzten Fahrt des Great Trans-Siberian Express etwas Ungewöhnliches passiert ist, etwas, an dass sich Weiwei nicht mehr richtig erinnert und von dem Marya glaubt, dass es zum Tod ihres Vaters geführt hat.

So fühlte sich der Anfang des Romans ein bisschen wie „Murder on the Orient Express“ von Agatha Christie an, wo nach und nach die verschiedenen Figuren eingeführt werden, während die Handlung auf einen Zug begrenzt ist. Doch in „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ bestimmen neben der Frage, was während der letzten Reise des Great Trans-Siberian Express passiert sein könnte (und welche Verbrechen mit der Vertuschung der Geschehnisse verbunden sind), noch die Wastelands die Handlung. Sarah Brooks spielt mit den Gegensätzen zwischen der überbordenden, fantastischen Landschaft vor dem Zugfenster und dem von Technik beherrschten Leben im Zug und lässt dabei lange Zeit offen, ob die Magie der Wastelands wirklich real ist. Dazu kommt noch der Blick hinter die Kulissen der Reise, der durch Weiweis Kenntnisse der Hierachien innerhalb des Zugpersonals und der diversen technischen Elemente und Notwendigkeiten gewährt wird. Ich muss gestehen, dass ich die Zeichnung von der Aufteilung der Waggons zu Beginn des Romans nicht wirklich stimmig fand und mich die Ausmaße des beschriebenen Zugs immer wieder beim Lesen aus dem Tritt brachten, weil er für mich als Fahrzeug nicht funktioniert. Wenn ich mir vorstellen soll, dass der Zug 22 Waggons hat und mehrere Tage ohne Wasser- oder Kohlezuladung unterwegs sein soll, aber nur einen Waggon für Treibstoff dabei hat, dann reißt mich diese Unstimmigkeit schnell aus der Handlung …

Wenn es mir aber gelang, das Treibstoff- und Platz-Problem zu ignorieren, habe ich mich den Großteil des Romans wirklich gut unterhalten gefühlt. Es gab einige sympathische (oder zumindest interessante) Figuren in der Geschichte, deren Perspektive ich gern gefolgt bin, und die Frage, was bei der letzten Reise des Great Trans-Siberian Express passiert ist und wieso Maryas Vater von der Trans-Siberia Company zum Sündenbock erklärt wurde, hat mich so einige Zeit beschäftigt. Auch mochte ich Sarah Brooks‘ etwas ausschweifenden und bildhaften Erzählstil, obwohl ich damit bei anderen Autor*innen schon mal schnell die Geduld verlieren kann. Allerdings beschlich mich im Laufe der Zeit das Gefühl, dass ich genau wusste, worauf die Handlung hinauslaufen sollte, und dass die Auflösung rund um die Ereignisse während der letzten Zugfahrt durch die Wastelands so viel simpler sein würde, als mir lieb sein konnte. Das hat mir in der zweiten Hälfte des Romans leider das Vergnügen an der Geschichte etwas verdorben – und als meine Befürchtungen am Ende des Buchs wahr geworden waren und mich dazu noch das weitere Schicksal des Great Trans-Siberian Express wirklich enttäuschte, habe ich mich unglaublich geärgert. Für mich fühlte es sich an, als ob jemand mir eine ungewöhnliche und reizvolle Idee in wunderschöner Sprache erzählt hätte, nur um dann mit großen schwarzen Blockbuchstaben eine banale Botschaft über das Ganze zu pinseln. Es wäre für mich einfacher gewesen, wenn mir der Anfang von „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ nicht so gut gefallen hätte, dann hätte mich das Ende der Geschichte nicht so sehr enttäuscht. So hingegen habe ich das Buch sehr frustriert beendet und bereue es ein bisschen, dass ich drei Tage lang meine Lesezeit damit verbracht habe.

Lese-Sonntag September 2026

Guten Morgen und herzlich Willkommen zum ersten Lese-Sonntag nach meiner Sommerpause! Ich freu mich schon auf einen gemütlichen Sonntag, auch wenn ich zugeben muss, dass ich gerade eher dazu neige zur Switch zur greifen. Mein Mann hatte mir kurz vor meiner Abreise im Juli die Switch 2 und Pokopia besorgt und ich habe das Gefühl, ich habe in den letzten Tagen endlich genug Zeit und Ruhe, um mich so richtig in das Spiel zu stürzen. Ansonsten habe ich vorgestern „Spies in St. Petersburg“ von Katherine Woodfine vom SuB gezogen, bin aber noch nicht sehr weit gekommen. Ich mag die „Taylor & Rose“-Serie, aber nicht ganz so sehr wie die Vorgänger-Reihe „The Sinclair’s Mysteries“. Was vor allem daran liegt, dass die beiden Protagonistinnen Sophie Taylor und Lilian Rose nicht mehr gemeinsam mit einem Rätsel beschäftigt sind, sondern über längere Zeit getrennte Wege gehen – und ich vermisse es mitzuerleben, wie die beiden sich ergänzen und zusammen mit ihren Freunden Abenteuer erleben. Mal schauen, wann ich heute dazu greife (oder ob ich mich zu sehr von der Switch ablenken lasse), aber bevor ich richtig in den Lese-Sonntag starte, muss ich erst einmal noch etwas wacher werden, Geschirr abwaschen und die Wäsche aufhängen, die ich gestern Abend für heute morgen programmiert hatte.

Update 11:00 Uhr

Uh, heute ist ein etwas dümpeliger Tag für mich. Ich kann nicht sagen, wie lange ich heute gebraucht habe, um zwei Wäscheständer zu bestücken. Ich lasse mich nicht nur gerade von allem möglichen Ablenken (unter anderem der Recherche wie noch mal der genaue Begriff für eine bestimmte Form von Halsschmuck lautet: Torques), mir sind auch ständig die Wäschestücke auf den Boden gefallen. Nur gut, dass ich heute den Großteil des Tages auf dem Sofa verbringen werde … Ich habe nach dem Pflichtteil des Tages schon ein bisschen in „Spies in St. Petersburg“ gelesen. Im Moment dreht sich die Geschichte vor allem um Lil, die sich Sorgen um Sophie macht, nachdem diese überraschend mit einem Teilnehmer eines Flugwettbewerbs aufgebrochen ist. Inzwischen hat Lil beschlossen, dass sie bei ihrem nächsten Auftrag für den Secret Service einen Abstecher nach St. Petersburg machen will, um nach Sophie zu suchen. Bei Sophie bin ich immer noch nicht angekommen, aber das nächste Kapitel beginnt immerhin mit einer Vera Ivanova Orlov – ich hoffe also, dass Sophie bald auftauchen wird. Vorher werde ich mir aber Frühstück machen, mein Magen knurrt schon seit einiger Zeit frohlich vor sich hin.

Update 14:00 Uhr

Eine hellgrüne Schale mit Porridge und Bananenscheiben. Daneben eine große Tasse mit Milchkaffee und einer üppigen Milchschaumhaube. Links von der Schale liegt noch die Taschenbuchausgabe von Spies in St. Petersburg, deren Cover einige Figuren auf einer stilisierten Brücke zeigt.

Sehr viel habe ich in den letzten drei Stunden nicht auf die Reihe gebracht. Ich habe mir Frühstück gemacht und gegessen, während ich ein längeres Youtube-Video geschaut habe. Dann habe ich meinem Mann geholfen ein Päckchen für einen Freund zu packen und etwas Zeit mit der Switch verbracht. Wobei ich noch dabei bin meine tägliche Animal-Crossing-Runde zu drehen. Heute ist ein sehr entspannter Tag und irgendwie fühlt es sich richtig an, wenn ich mir für all die kleinen Dinge, die mir so durch den Kopf gehen, Zeit nehme. Nach diesem Update und dem Beantworten von Kommentaren, werde ich erst einmal zu „Pokopia“ wechseln, da habe ich gestern angefangen einen Strandbereich mit Stegen zu strukturieren, um langfristig eine kleine Ferienanlage am Wasser zu bauen.

Update 17:00 Uhr

Ein doppelter Wasserfall in dem Spiel Pokopia, der in ein umrandetes Becken fällt. Im Hintergrund ist ein gemauerter Bereich mit dampfendem Wasser zu sehen, im Vordergrund eine altmodische Straßenlaterne.
Eine Habitatsinformation in dem Spiel Pokopia. Das Habitat "Beerentribut" besteht aus einem Tisch, einem Stuhl, einem Kissen und einer Lampe. Alle Möbel erinnern an die verschiedenen Beeren, die es im Spiel gibt.

Während ich den Großteil der vergangenen drei Stunden gemütlich gespielt habe, wurde es draußen immer dunkler und es pladderte gemütlich der Regen herunter. Ich bin heute bei Pokopia etwas rumgewuselt, habe mit verschiedenen Pokémon gesprochen und einige neue Informationen und Mitbewohner gefunden. Das erste Bild (links) zeigt einen Bereich mit heißem Wasser, den ich als extra Becken unter einen Wasserfall gebaut habe, und ich liebe es, wenn sich da lauter Pokémon tummeln und ein Bad genießen. Das zweite Bild zeigt einen Hinweis auf ein Habitat, das ich noch nicht kenne, für das ich aber alle Teile bauen kann. Jetzt muss ich mir nur überlegen, wo ich dringend noch weitere Mitbewohner benötige. Apropo neuer Mitbewohner, auf einer Wunderinsel (eine Insel, zu der man mit einem Pokémon fliegen kann, wo es jeden Tag andere Sachen zu finden gibt) habe ich Reikou gefunden und prompt mit nach Hause genommen. Damit habe ich in dieser Woche gleich zwei legendäre Pokémon gefunden, was mich sehr freut.

Raikou in seinem neuen Zuhause. Es ist ein Pokémon in einem roten Ziegelsteingebäude zu sehen, das an eine große gelbe Raubkatze erinnert.
Der Platz vor dem Pokécenter in Welkwüstia. Im Hintergrund ist Bisasam zu sehen, dessen Rankenschnur als Seil zum Seilspringen für Ditto dient.

Als ich aufhörte zu spielen, wurde es Zeit für Tee und Kekse und während ich einen ersten Blick in „The Ninth Rain“, den ersten Band der Winnowing-Flame-Trilogie, war, hat mein Mann für mich mit Bisasam Seilspringen gespielt (um für mich ein paar Wettbewerbsbelohnungen zu erarbeiten, für die meine Reflexe und meine Geduld nicht ausreichen). „The Ninth Rain“ begann dann im Prolog schon mal mit einem Mord an einem Kind, um dann zu der Perspektive von Tormalin (Tor) zu wechseln, der seine sterbende Heimat verlässt, um seine verbleibenden Jahre (und nein, erst ist noch nicht alt und gebrechlich) in einer weniger deprimierenden Umgebung zu verbringen. Ich weiß noch nicht recht, was ich von Tor und von der fantastischen Welt, in die Jen Williams mich da wirft, halten soll, aber ich habe den ersten Band seit Jahren auf dem SuB, die vollständige Trilogie ebenfalls seit Jahren auf dem eReader und vor kurzem eine begeistete Rezension dazu gehört. Es scheint also ein guter Zeitpunkt zu sein, um diesen Büchern endlich mal eine Chance zu geben. 😉

Ein kleiner Tisch mit einer Untertasse auf der drei Kekse und eine Schokokugel liegen. Im Hintergrund ist eine dampfende Tasse Tee zu erahnen und links vom Teller ein angeschalteter eReader mit dem Cover der "The Winnowing Flame"-Trilogie von Jen Williams.

Update 20:00 Uhr

Die Zeit seit dem Update habe ich zum Teil mit Lesen von „The Ninth Rain“ (ich habe inzwischen auch Lady Vincenza „Vintage“ de Grazon kennengelernt und bin endlich in der aktuellen Zeit angekommen) verbracht und zum Teil mit … allem möglichen anderen. *g* Nachdem Neyasha und ich uns heute auf eine Woche für ihre „7 in 7“-Challenge geeinigt haben, musste ich natürlich schauen, welche Bücher dafür in Frage kommen würden. Was mich dazu brachte, dass ich mich gestern sehr darüber geärgert habe, dass ein Serien-Tracker für Romane, den ich heruntergeladen hatte, zwar als Serien-Erfassungstool ganz gut funktionierte, aber bei dem Statistik-Teil fehlen leider die ganzen Formeln (abgesehen von der ersten Zeile) und ich bin nicht gut genug in Excel, um herauszufinden wie ich das so einfügen kann, dass das automatisch auf die richtigen Informationen aus dem anderen Tab zugreifen kann. Weshalb ich natürlich versuchte herauszufinden, ob ich irgendwo anders einen Serientracker finden würde … Außerdem habe ich zwei Bettlaken bestellt, nachdem mich mein Mann daran erinnert hatte, dass unseres heute morgen beim Bettenmachen einen großen Riss aufwies. Zuletzt bin ich dann in die Küche gegangen und habe einen Kartoffel-Möhren-Eintopf gekocht, der jeden Moment fertig sein sollte. Ich melde mich vor dem Schlafengehen noch einmal, aber jetzt gibt es erst einmal Abendessen!

Update 22:30 Uhr (letztes Update)

Nach dem Abendessen habe ich wieder zu „The Ninth Rain“ gegriffen und gelesen. Ich mag das Buch bislang und es reizte mich heute deutlich mehr als „Spies in St. Petersburg“, aber ich fühle mich in der Welt noch relativ hilflos. Es gibt so viele Elemente (und Begriffe), die ich nicht zuordnen kann, und über allem liegt ein Gefühl von Verfall und drohendem Unheil. Ich bin gespannt wie es weitergeht, aber das Weiterlesen wird bis morgen oder Dienstag warten müssen, denn jetzt drehe ich nur noch eine letzte Blog- und Kommentarrunde und dann geht es für mich ins Bett.

Das war heute kein besonders intensiver Lesetag, aber ich fand es nett mich treiben und von jedem vorbeiwandernden Gedanken ablenken zu lassen. Manchmal sind solch unstrukturierte Tage einfach notwendig. Schön, dass ihr euch mir heute wieder angeschlossen habt – ich hoffe, ihr habt euren Lese-Sonntag auch genossen und wir lesen uns dann spätestens im Oktober wieder! Habt einen guten Start in die Woche. 🙂

***

Heutige Mitleser*innen:

Ankündigung: Herbstlesen im Oktober 2026

Auch in diesem Jahr wird es im Oktober auf meinem Blog wieder das „Herbstlesen“ geben. Ich muss zugeben, ich sehne mich gerade sehr nach einem entspannten Oktober, in dem ich mich auf meine Hobbies konzentriere und die Wochenenden mit Büchern, (Brett- und Video-)Spielen, Puzzlen und Handarbeiten verbringe. Und es wäre schön, wenn ich diese entspannten Wochenenden nicht alleine verbringen würde, sondern wenn sich auch in diesem Jahr wieder ein paar Mitleser*innen fänden, die sich mir anschließen und sich mit mir (und untereinander) austauschen mögen. Ich lese einfach so gerne davon, was ihr so tut, um ein möglichst entspanntes und erholsames Wochenende zu verbringen – oder auch darüber, was euch so in die Quere kommt und sämtliche Entspannungspläne verhindert. Meinem Gefühl nach ist das Herbstlesen die einzige Zeit, in der wir noch ein bisschen mehr voneinander mitbekommen, nachdem das Bloggen in den letzten Jahren bei den meisten von uns wegen anderer Dinge zurückstecken musste.

Ein goldgelbes Blatt auf grauem Asphaltboden. Darunter der Text Herbstlesen im Oktober 2026

Das Herbstlesen startet am 3. Oktober (Samstag) und endet in diesem Jahr erst am 01. November (Sonntag). Das bietet uns fünf Wochenenden, um möglichst viel Zeit mit Büchern, Spielen, Puzzles, Handarbeiten, Spaziergängen, Backen und allen möglichen anderen Dingen zu verbringen. Es wird von mir wie immer an jedem Samstag und an jedem Sonntag einen neuen Beitrag hier auf dem Blog geben, in dem ich im Laufe des Tages davon erzähle, womit ich meine Zeit so verbringe. Das könnt ihr selbst auch gern so handhaben, aber natürlich ist es auch möglich, einen Sammelbeitrag für ein Wochenende zu verfassen.

Wichtig wäre es mir, dass ihr an den Tagen, an denen ihr mitmacht, einen Kommentar mit einem Hinweis auf eure Teilnahme (und einem Link zum dementsprechenden Beitrag) unter meinem aktuellen Post hinterlasst, damit ich euch verlinken kann. Der Austausch mit den anderen „Herbstleser*innen“ ist schließlich immer einer der nettesten Aspekte dieser Aktion, und wenn es einen zentralen Ort gibt, an dem alle Links gesammelt werden, geht das am besten. (Da mir im Feedreader meine Posts mit deutlicher Verzögerung angezeigt werden, hier der Hinweis: Ich veröffentliche meine Beiträge an den Herbstlesen-Tagen vor 8 Uhr! Schaut bitte im Zweifelsfall direkt auf dem Blog nach, auch wenn euer Feedreader keinen Beitrag anzeigen sollte!)

Ich freue mich schon sehr auf diese Wochenenden im Oktober und hoffe, dass wir auch in diesem Jahr wieder eine schöne Zeit miteinander haben werden!

Shelly Jay Shore: Rules for Ghosting

„Rules for Ghosting“ war eins der ersten eBooks, die ich mir in diesem Jahr gekauft habe, und dann habe ich das Lesen immer wieder vor mir her geschoben – und kann gar nicht mal sagen, woran das lag. Vielleicht daran, dass ich wusste, dass es in dem Roman zu einem nicht unerheblichen Teil um Trauer geht, während ich gerade vor allem fluffige Geschichten bevorzuge, die nicht besonders viel Aufmerksamkeit von mir fordern. Aber nachdem Susanne im Juni den Roman gelesen und gemocht hatte, habe ich ihn etwas höher auf die Leseliste gesetzt und im August dann auch wirklich während einer Bahnfahrt angefangen zu lesen. Das war nicht die beste Idee, die ich je hatte. Denn die erste Hälfte des Romans hat regelmäßig dafür gesorgt, dass ich aufpassen musste, dass ich nicht das gesamte Ruheabteil mit meinem ständigen Auflachen störte. Bei der zweiten Hälfte war ich dann allerdings froh, dass ich die zu Hause auf dem Sofa las, weil mir Tränen übers Gesicht strömten. Die Geschichte hat bei mir wirklich für ein emotionales Auf und Ab gesorgt, was ich allerdings auch sehr genossen habe.

Die Handlung wird aus der Sicht von Ezra Friedman erzählt, einem jüdischen trans Mann, der nach dem Tod seines Großvaters entdeckt, dass er Geister sehen kann, was für einer überraschend herausfordernde Kindheit sorgt, denn das Leben seiner Familie dreht sich zu einem Großteil um das Bestattungsinstitut, das Ezras Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet hatte. So ist es kein Wunder, dass Ezra als Erwachsener so wenig wie möglich mit dem Familiengeschäft zu tun haben will und seinen Lebensunterhalt lieber als Yoga-Lehrer und Doula (eine nicht-medizinische Geburtsbegleitung – in Ezras Fall für queere Personen) verdient. Doch als er seinen Job also Yoga-Lehrer verliert und kurz darauf seine Mutter verkündet, dass sie ihren Mann verlässt, um mit ihrer heimlichen Geliebten zusammenzuziehen, übernimmt Ezra vorübergehend die Aufgaben seiner Mutter als Buchhalter im Bestattungsinstitut. Was nicht nur dazu führt, dass er sich mit den Geistern im Institut und seinem komplizierten Verhältnis zu seiner Familie auseinandersetzen muss, sondern auch immer wieder Jonathan über den Weg läuft, der dort ehrenamtlich tätig ist. Dabei weiß Ezra nicht so recht, wie er mit den Gefühlen, die er für Jonathan entwickelt, umgehen soll, da dieser vor gerade mal zwei Jahren seinen Ehemann bei einem Autounfall verloren hat und immer noch sichtbar trauert.

Während Ezra sich mit seiner Fähigkeit, Geister zu sehen, seiner Familie und seiner frischen Verliebtheit auseinandersetzen muss, steht ihm sein wirklich wunderbarer (queerer) Freundeskreis zur Seite. Dieser Freundeskreis – zu denen auch Ezras Ex-Freund Ollie gehört – bietet mit einer perfekten Mischung aus Unterstützung, offenen Ohren und regelmäßigen Anstupsern, damit Ezra endlich aktiv wird, einen wunderbaren und amüsanten Ausgleich zu Ezras Gefühlschaos. Ich kann nicht beurteilen, wie angemessen Ezra und die anderen queeren Charaktere in dieser Geschichte dargestellt werden, aber für mich fühlte es sich an, als ob Shelly Jay Shore mit sehr viel Feingefühl diese Figuren und die Herausforderungen ihres Lebens beschrieben hat. So gibt es zum Beispiel Momente, in denen Ezra sich damit auseinandersetzen muss, dass sein Körper nicht seinem Selbstbild entspricht, oder in denen er mit einer Person intimer wird und dabei mit seinem Gegenüber klären muss, was für ihn als trans Mann beim Sex okay ist und was nicht. Dabei macht Shelly Jay Shore immer wieder deutlich, dass dieses ständige Abwägen, welche Informationen er wem geben muss, um angemessen behandelt zu werden, sehr belastend für ihn ist – eine Belastung, die zu den ganzen weiteren Problemen rund um Beruf und Familie dazukommt und so Ezras Alltag noch ein bisschen komplizierter macht, als es nötig wäre.

Das klingt jetzt, als wäre „Rules For Ghosting“ voller großer und wichtiger Szenen rund um Ezras Queerness, statt eine flüssig lesbare und überraschend amüsante Geschichte rund um einen Mann, der sich mit seiner anstrengenden, aber doch irgendwie liebenswerten Familie auseinandersetzen muss, während er gleichzeitig mit seinen aufkeimenden Gefühlen für Jonathan jongliert. Ach, und um die Tatsache, dass er Geister sehen kann … Aber das ist wirklich nicht der Fall, da es Shelly Jay Shore gelingt, all diese Elemente ganz selbstverständlich in Ezras Alltag einzuflechten, so dass sie mir häufig erst nach dem Lesen wirklich aufgefallen sind (wenn nicht gerade Ezras Perspektive dafür sorgte, dass mir ein Aspekt bewusst vor die Nase geführt wurde). Stattdessen habe ich beim Lesen regelmäßig an Filme wie „Familienfest und andere Schwierigkeiten“ oder „The Family Stone“ denken müssen, weil eben Ezras Familie so sehr im Mittelpunkt der Handlung steht. Diese Mischung aus Verzweiflung und Zuneigung gegenüber seinen Lieben ist wirklich nachvollziehbar geschrieben und sorgte dafür, dass ich ständig zwischen Lachen und schwerem Schlucken wechseln musste. Ich habe die Figuren in dieser Geschichte – selbst die, die auf den ersten Blick über einen eher herausfordernden Charakter verfügten – wirklich ins Herz geschlossen und meine Zeit mit diesem Roman sehr genossen.

Shelly Jay Shore gelingt es, überraschend viele Themen in eine wirklich amüsante und flüssig zu lesende, aber definitiv nicht oberflächliche Geschichte zu packen. Und während ich anfangs das Gefühl hatte, dass Ezras Fähigkeit, Geister zu sehen, ein ungewöhnliches, aber eher überflüssiges Element ist, war ich am Ende überrascht davon, wie wichtig diese Geister und Ezras späte Auseinandersetzung mit seiner Fähigkeit für die Handlung waren. „Rules for Ghosting“ ist ein überraschend vielseitiger Roman voller Höhen und Tiefen für den Protagonisten Ezra und gelungenen, fließenden Übergänge zwischen diesen emotionalen Extremen. Nach dem Lesen dieses Romans bin ich sehr neugierig auf die nächste Veröffentlichung von Shelly Jay Shore, obwohl ich den Klappentext von „Love Me Like a Rock Song“ ursprünglich eher verwirrend als ansprechend fand. Außerdem überlege ich, ob ich mir noch die Taschenbuchausgabe von „Rules for Ghosting“ zulege, weil ich den Roman gern nicht nur auf dem eReader, sondern auch greifbar (und verleihbar!) im Regal stehen hätte.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 2)

Hier ist dann der zweite Teil meiner Lese-Eindrücke für Mai – diese Runde hätte ich eigentlich gleich „die verschiedenen Varianten von cozy fantasy nennen können“. 😉 Den ersten Teil der Mai-Lese-Eindrücke findet ihr HIER.

Celia Lake: Unknown Depths (Liminal Mysteries 3)

Celia Lake gehört schon seit einiger Zeit zu den Autor*innen, deren Titel ich mir direkt bei Veröffentlichung besorge (und in der Regel auch sofort lese). Die „Liminal Mysteries“ können – wie so viele Titel der Autorin – unabhänging voneinander gelesen werden, spielen aber alle in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Celia Lakes magischer Parallelgesellschaft Albion. Das bedeutet, dass die Figuren in irgendeiner Form mit den Folgen des Krieges zu kämpfen haben oder ihr Handeln von den Erfahrungen, die sie im Krieg gesammelt haben, geprägt wird. Die Protagonistin Rowena hat eine Ausbildung zum Portal Keeper gemacht. Da so viele Personen im Zweiten Weltkrieg in Gefahrengebieten strandeten, weil es keine Möglichkeit gab, neue magische Portale zu errichten, die über Wasserflächen führen, hat Rowena dieses Thema zu ihrem Forschungsschwerpunkt gemacht. Der Protagonist Thom hingegen ist ein Selkie und sucht Hilfe, da etwas mit den Gewässern rund um Orkney nicht in Ordnung ist – und zwar mehr als nur die Unzahl an Minen, die immer noch unter der Wasseroberfläche lauern. Wie immer habe ich es sehr genossen mitzuverfolgen, wie die beiden Hauptfiguren der Geschichte einander kennenlernen, mehr über die Stärken und Schwächen des anderen herausfinden und gemeinsam Lösungen für Probleme finden, die für alle Bewohner von Albion eine Rolle spielen. Celia Lake hat einfach ein Händchen dafür, sympathische Figuren, die gut (aber definitiv nicht unfehlbar) in ihrem Fachgebiet sind, vor unerwartete und interessante Probleme zu stellen. Ich mag ihre Charaktere wirklich gern, ich finde es großartig, dass ihre magische Parallel-Welt immer komplexer wird, und es gelingt ihr regelmäßig, mich über (historische) Dinge stolpern zu lassen, über die ich vorher noch nie nachgedacht habe.

Rosalie Oaks: The Lady Jewel Diviner

Von Rosalie Oaks hatte ich vor einiger Zeit (ähm … vor zwei Jahren) den Titel „Lady Avely’s Guide to Truth and Magic“ gelesen, in der es um Lady Judith Avely geht – die die Mutter der Protagonistin Elinor von „The Lady Jewel Deviner“ ist. In diesem Roman muss Elinor, nachdem sie dank ihrer geheimen magischen Fähigkeit in einen Skandal verwickelt wurde, einige Wochen fern der Londoner Saison verbringen. Doch statt sich ruhig und gesittet zu verhalten, bis ihr Ruf wieder hergestellt ist, lässt sie sich in einem kleinen Küstenort in ein Abenteuer rund um Schmuggler und Piraten verwickeln – und benimmt sich dabei so ungeschickt, dass sie sich genauso gut ein Schild um den Hals hängen könnte mit der Aufschrift „Ich habe die magische Fähigkeit, Juwelen aufzuspüren!“. Ich fürchte, ich bin hier so gar nicht mit der Protagonistin warmgeworden, und selbst ihre Mutter, die ich in „Lady Avely’s Guide to Truth and Magic“ sympathisch fand, ging mir in diesem Band entsetzlich auf die Nerven. Immerhin habe ich jetzt ein weiteres ungelesenes Buch von meinem eReader entfernt – und kann sagen, dass Rosalie Oaks‘ Art, eine fantastische Regency-Geschichte zu erzählen, leider nicht meinem Geschmack entspricht.

Tansy Rayner Roberts: The Curse of Bronze/Tomb of Brass (The Family Cursebreaker 1+2)

A Taste for Skulls (A Family Cursebreaker 1.5)/House of Gargoyles (A Family Cursebreaker 2.5)/Hags, Portents & Parasols (A Family Cursebreaker Bonus Story)

Wie so oft bei Tansy Rayner Roberts hatte ich auch bei dieser Serie das Gefühl, dass die Autorin sich beim ersten Band erst einmal etwas warmschreiben musste – nur um dann diverse Kurzgeschichten zu veröffentlichen, die die fantastische Welt und die Familie Hathaway, um die sich die Handlung dreht, deutlich ausbauen. Das soll nicht bedeuten, dass „The Curse of Bronze“ unbefriedigend zu lesen gewesen wäre – die folgenden Titel sind nur die perfekte Ergänzung für einen vielversprechenden und amüsanten Anfang der Reihe. Alles beginnt damit, dass die berühmte Fluchbrecherin Charlotte Hathaway in eine Bronzestatue verflucht wird. Was dazu führt, dass ihre Nichte Bella Charlottes (sehr eigentümliches) Haus und ihren Job als Fluchbrecherin erbt. Allerdings hat Bella keinerlei Ausbildung in dem Bereich, und ihre erste Herausforderung ist es herauszufinden, wer Tante Charlotte auf dem Gewissen hat. Es gibt einen Haufen Flüche in diesen Geschichten, so einige Personen, die nach vielen Jahren entflucht werden – und dann damit zurechtkommen müssen, dass die Welt sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat -, rivalisierende Archäologen und gefährliche Gargoyles und sehr viele amüsante Situationen, die aus all diesen Elementen resultieren. Ich kann ehrlich sagen, dass ich diese Serie, die verschiedenen Charaktere und den Humor in den Geschichten jedes Mal wieder sehr genieße und nach dem Lesen von zwei (viel zu kurzen) Romanen und diversen Kurzgeschichten immer noch nicht genug davon hatte. Zum Glück ist die Fortsetzung „Those Haunted Hathaways“ schon fürs Jahresende angekündigt, auch wenn es noch keinen konkreten Veröffentlichungstermin gibt.

T. L. Stone: Tusks, Tails & Teacakes/Sorcery, Swords & Scones/Cauldrons, Charms & Chai (Tales from the Tavern 1-3)

Die „Tales from the Tavern“-Reihe von T. L. Stone fühlt sich sehr danach an, als ob sie von „Legends & Lattes“ von Travis Baldree inspiriert wurde, und beginnt damit, dass die Halb-Elfin Lira nach vielen Jahren als Abenteurerin in den kleinen Ort zurückkehrt, in dem sie aufgewachsen ist. Lange Zeit war sie vollkommen glücklich damit, als „Schurkin“ Teil einer kleinen Gruppe von Abenteuern zu sein, doch bei ihrer letzten Quest kam es zu einem unglücklichen Todesfall, und nun will sich Lira zur Ruhe setzen. Vorher muss sie allerdings noch das Rezeptbuch ihrer verstorbenen Großmutter bergen, das sie vor Jahren im Keller des örtlichen Wirtshauses verborgen hatte. Das führt letztendlich dazu, dass Lira gemeinsam mit der Zwergin Sass das Wirtshaus „The Tusk & Tail“ renoviert und die Küche wieder in Betrieb nimmt. Im Laufe der Zeit tauchen dann noch diverse Personen aus Liras (und Sass‘) Vergangenheit auf, um sich ebenfalls in dem idyllischen Örtchen anzusiedeln. Die „Tales from the Tavern“-Bücher erzählen wunderbar entspannte Geschichten rund um einen aufmerksamen Freundeskreis und sich langsam entwickelnde, süße Liebesgeschichten. Das Ganze ist dann noch durchzogen von Beschreibungen von leckerem Essen und Trinken und den Erinnerungen der verschiedenen Figuren an vergangene Abenteuer und gemeinsam überwundene Herausforderungen. Ich finde diese Veröffentlichungen wirklich sehr nett und entspannend zu lesen. Sie sind deutlich vorhersehbarer als z. B. die Titel von Tansy Rayner Roberts, aber manchmal ist das genau das Richtige, wenn mein Kopf zu voll mit allem Möglichen ist und ich einfach nur eine erholsame Zeit mit (zum Großteil) schrecklich netten Figuren verbringen will.

Tao Wong: The Nameless Restaurant (Hidden Dishes 1)

„The Nameless Restaurant“ von Tao Wong ist bei einer Aktion mit kostenlosen/reduzierten eBooks auf meinem Reader gelandet, und ich dachte, dass eine Geschichte rund um ein verborgenes, magisches Restaurant in Toronto nett klang. Die Handlung dreht sich um einen Abend in dem namenlosen Restaurant, an dem die verschiedenen Gäste von dem Inhaber und Koch Mo Meng mit traditioneller malaiischer Küche versorgt werden. Es werden die verschiedenen Gäste und ihre (magischen) Hintergründe vorgestellt und es wird detailliert beschrieben, wie die verschiedenen Gerichte zubereitet werden. Das führte zu einer netten, aber für mich ziemlich unbefriedigenden Mischung, weil ich das Gefühl hatte, dass ich nicht genug über die fantastischen Elemente und Figuren dieser Welt erfuhr, während mir mehr Details über das Kochen erzählt wurden, als ich gebraucht hätte. Dabei genieße ich normalerweise detaillierte Zubereitungsbeschreibungen, aber hier kam es mir vor, als ob diese für Personen geschrieben wurden, die sich noch nie in ihrem Leben mit asiatischer Küche (oder überhaupt mit Kochen) beschäftigt haben. Alles in allem fühlte es sich für mich unausgewogen an und ich habe keine Lust, auch noch zu den drei Fortsetzungen dieser Geschichte zu greifen.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 1)

Die Tatsache, dass ich in diesem Jahr versuche, meiner ungelesenen eBooks etwas Herr zu werden, hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich ziemlich viel gelesen habe, sondern auch dafür, dass ich mir sehr viele neue Bücher gekauft habe. Im Mai war meine Impulskontrolle in der Beziehung nicht sehr ausgeprägt, weshalb hier in diesem Monat so einige Reihen erwähnt werden. Außerdem habe ich so viel gelesen, dass ich die Lese-Eindrücke für Mai lieber in zwei Teilen veröffentliche.

Lois McMaster Bujold: Darksight Dare (Penric & Desdemona 16)

Der aktuellste „Penric & Desdemona“-Band war genauso amüsant wie all die anderen davor – wobei ich es angenehm fand, dass ein nicht geringer Teil der Handlung aus der Perspektive einer neu eingeführten Person erzählt wurde. Das bedeutete nicht nur, dass all die Dinge, die für Penric inzwischen vollkommen normal sind, von dieser Person ganz anders wahrgenommen wurden, sondern auch, dass wir als Leser*innen eine weitere Beziehung zwischen einem Menschen und einem Dämonen miterleben konnten. Das war ein guter Ansatz, um einer so lange laufenden Reihe einen erfrischenden Dreh zu geben. Ich hoffe sehr, dass Lois McMaster Bujold noch so einige Bände mit Penric und Desdemona schreiben wird – ich habe wirklich viel Spaß mit der Reihe.

Zoe Chant: Bun in a Million (Virtue Shifters 13)

Der aktuellste Band der Virtue-Shifter-Reihe bietet eine sehr süße Fake-Dating-Geschichte zwischen der Architektin Sabrina und dem Kaninchen-Gestaltwandler Luke, wobei ich es auch hier wieder einmal bevorzugt hätte, wenn sich das Kennenlernen der beiden Figuren länger hingezogen hätte und nicht auf „Fated Mate – also sind drei Tage genug, um sich für einander zu entscheiden“ hinausgelaufen wäre. Immerhin habe ich inzwischen erfahren, dass der Unterschied zwischen den ersten Virtue-Shifter-Bänden (mit deutlich längerer Kennenlernphase und interessanterer Hintergrundgeschichte) und den aktuellen Bänden dieser Reihe an den Bedingungen liegen, die mit dem geteilten Pseudonym einhergehen. Das führt dazu, dass es demnächst eine Reihe unter einem anderen Pseudonym der Autorin C.E. Murphy geben wird, die in derselben Stadt spielt und komplexere Geschichten beinhalten wird.

Marissa Doyle: Countess of Shadows (The Ladies of Almack’s Omnibus 1)

Von Marissa Doyle mochte ich die Leland-Sisters-Romane sehr gern, hatte die Autorin aber in den letzten zehn Jahren aus den Augen verloren, bis ich im Mai über die „Ladies of Almack’s“-Reihe stieß. Dieser Band beinhaltet die Geschichten „The Forgery Furore“, „The Vanishing Volume“ und „Lyrics and Larceny“, und zusammen umfassen sie gerade mal 326 Seiten. Ich muss zugeben, dass ich die Geschichten rund um Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) nicht so bezaubernd fand wie die um die Leland-Schwestern, aber sie waren nett genug, um irgendwann mehr davon zu lesen. Die Grundidee ist, dass die Ladies of Almack’s nicht nur den Ton in der gehobenen Gesellschaft angeben, sondern alle auch eine (jeweils unterschiedliche) besondere magische Begabung haben, die ihnen hilft, im Geheimen Probleme zu lösen. Dabei reichen in dieser Sammlung die Probleme von gefälschten Vouchers für Almack’s über eine nicht erhältliche Fortsetzung eines beliebten Romans bis zum Diebstahl von Juwelen. Allein schon die Kürze der jeweiligen Geschichten sorgt dafür, dass die Herausforderungen sich jedes Mal recht schnell auflösen. Aber es ist nett und entspannend zu lesen, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sich mit jedem Band ein bisschen besser in ihrer neuen Reihe zurechtfand, und die kleinen Anmerkungen zu den historischen Hintergrunden am Ende der jeweiligen Episode waren teilweise überraschend interessant..

Miles English: Scarred/Illusionist/Nightmares/Benighted (Bog Standard Isekai 1-4)

Bei meiner Suche nach weiteren Isekai-Geschichten, die mich gut unterhalten könnten, bin ich über „Bog Standard Isekai“ (der seltsame Reihentitel wird im Laufe des ersten Bands erklärt) gestolpert, was dazu führte, dass ich in vier Tagen 2500 Seiten gelesen habe, weil mich die Reihe nicht so recht losließ. Der Protagonist Mark stirbt als erwachsener Mann in unserer Welt und wird als junger Teenager in einem fantastischen Reich wiedergeboren – dummerweise passiert das in einem abgelegenen kleinen Ort im Sumpf, der gerade von Untoten überrannt wurde. Nach einigen Tagen voller traumatischer Erlebnisse wird Mark gerettet, aber damit sind die Gefahren noch nicht vorbei. Die „Bog Standard Isekai“-Geschichten sind deutlich brutaler als die Isekai-Veröffentlichungen, die ich sonst bevorzuge, aber das macht für mich auch ihren Reiz aus. Mark gehört zu den Isekai-Protagonisten, deren Fähigkeiten überproportional besser sind als die der anderen Bewohner dieser fantastischen Welt. Aber es gelingt Miles English, das Ganze nicht nur mit Marks Wissen aus seinem früheren Leben zu begründen, sondern auch mit den vier einflussreichen und mächtigen Personen, die ihn aus dem Dorf im Sumpf gerettet hatten und sich deshalb für sein weiteres Leben und seine Ausbildung verantwortlich fühlen. Den Ausgleich für Marks Fähigkeiten bieten all die Gefahren, mit denen er sich herumschlagen muss, und die physisch und psychisch ihre Spuren hinterlassen. Beim Lesen hat mich die Handlung immer wieder an das Videospiel „Diablo III“ erinnert, das sich genauso düster und hoffnungslos anfühlte wie diese Welt (und mit dem ich vor einigen Jahren erschreckend viele Stunden verbracht habe). Mit seinen Adoptiveltern und all den Freunden, die er findet, ist Mark immerhin nicht alleine mit all den Herausforderungen – was einen dringend nötigen Ausgleich zu den Schlachten und ähnlichen Ereignissen bildet. Ich habe keine Ahnung, wie lang die Reihe werden wird, kann aber sagen, dass ich den fünften Band direkt vorbestellt hatte, nachdem ich mit Band vier fertig war – und nun bin ich sehr gespannt darauf, wie der Kampf gegen die jahrtausendealte böse Königin des Nachbarreichs verlaufen wird und ob damit die Reihe zu einem Ende findet oder nicht …

Murphy Lawless: OctoBEARfest/Partridge in a Bear Tree (Renaissance Shifters 1+2)

Nachdem ich mit den „Bog Standard Isekai“-Romanen so viel Düsteres gelesen hatte, brauchte ich eine etwas fluffigere Lektüre und befreite deshalb „OctoBEARfest“ vom eReader. Die „Renaissance Shifters“-Reihe ist ein Ableger der Virtue-Shifters-Romane und die Geschichten drehen sich um die Bären-Gestaltwandler-Brüder (bzw. in Band 2 um seine Cousine) von Steven aus „Hold My Bear“. Auch wenn C. E. Murphy hier nicht unter dem geteilten Pseudonym Zoe Chant schreibt, sondern als Murphy Lawless, so folgen die Geschichten doch demselben Schema wie die Virtue-Shifter-Romane. Aber es sind süße und amüsante Geschichten, perfekt zum Entspannen (oder um sich von einer etwas aufreibenderen Lektüre zu erholen). Die Reihe wird mit fünf Bänden abgeschlossen sein und alle Teile spielen entweder rund um eine Brauerei mit angeschlossenem Pub oder einen am selben Ort stattfindenden Mittelaltermarkt. Während ich mir bei den Beziehungen oft wünschte, dass die Autorin sich bei diesen Liebesromanen mehr Zeit mit der Kennenlernphase lassen würde, kann ich mich über den Humor in diesen Geschichten wirklich nicht beschweren. Ich kichere beim Lesen die ganze Zeit vor mich hin, was dann auch der Grund ist, wieso ich immer wieder zu diesen Gestaltwandler-Romanen zurückkehre.

Juni-Rückblick 2026

Der Juni begann wunderschön und mit den perfekten Temperaturen, um das japanische Filmfest zu genießen, nur um dann in einer Hitzewelle zu enden, die dafür sorgte, dass ich eine Zeitlang nicht mehr funktionsfähig war. Weshalb jetzt erst der Rückblick auf den Monat im Blog veröffentlicht wird – dieses Mal trotz der Menge an Fotos mit ein paar Anmerkungen.

Unsere kulinarische Neuentdeckung in diesem Monat war die japanische Eisdiele Kono Gelato, die auch einen Stand auf der Nippon Connection hatte. Mein Highlight waren das Schwarze-Sesam-Eis (oben im Becher) und das Hōjicha-Eis darunter, während mein Mann wirklich köstliches Yuzu- und Erdbeer-Eis genossen hat. An unserem ersten Tag des Filmfest haben wir auch gleich den Film gesehen, der für uns der Beste aus unserer Auswahl war. „Suzuki=Bakudan“ war großartig besetzt und die Handlung war sehr spannend. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen Thriller gesehen habe, den ich so gut fand (auch wenn es ein, zwei Szenen gab, wo die Kamera für meinen Geschmack zu lange auf unappetitliche Elemente fixiert war).

Der Film „Blue Boy Trial“ beschäftigte sich mit der Situation von trans Frauen in Japan während der 1960er Jahre (und den Folgen des in dem Film dargestellten Prozesses). Ein wichtiger und erschütternder Film – allerdings gab es zwei Elemente, bei denen ich mich gefragt habe, warum sie eingebaut wurden. Eines davon ist ein Happy End für eine der Personen, obwohl sich die Situation für trans Personen in Japan nach diesem Prozess eher verschlimmert hatte. Natürlich ist es schöner aus einem Film zu kommen und das Gefühl zu haben, dass zumindest eine der Figuren ein glückliches Leben führt. Aber notwendig fand ich dieses glückliche Ende für diesen Charakter nicht, gerade weil die Rechtslage nach Verkündung des Urteils für trans Personen katastrophal war.

„I Fell in Love With a Z-Grad Director in Brooklyn“ was unsere Enttäuschung des diesjährigen Filmfests. Wir haben in der Vergangenheit schon so gute Indie-Filme übers Filmemachen gesehen, aber dieser gehörte nicht dazu. Eine eher banale Geschichte rund um eine ausgebrannte, aber erfolgreiche Schauspielerin, die in NY eine Handvoll Möchtegern-Filmschaffende trifft und so die Lust an ihrer Arbeit wiederentdeckt. Vor allem war es beim Zuschauen frustrierend, dass die amerikanischen Filmfans recht oberflächliches Filmwissen an den Tag legten, wenn es um die – von ihnen angeblich so sehr gemochten – B-Horror-Movies ging. Es gab ein paar Szenen, bei denen ich aufgelacht habe, nur um dann im nächsten Moment genervt zu sein, dass daraus nicht mehr gemacht wurde. Definitiv kein Film, den ich weiterempfehlen würde.

„All Greens“ war dann der letzte Film, den wir während der Nippon Connection sehen konnten. (Aufgrund der vielen Veranstaltungsorte in diesem Jahr liefen so viele Filme parallel, dass wir einige nicht sehen konnten, die wir gern geschaut hätten.) Dieser Film drehte sich um drei Schülerinnen, die der Hoffnungslosigkeit ihres Heimatortes entfliehen wollten, und deshalb anfingen Haschisch zu verkaufen. Was natürlich nicht so reibungslos lief und zu einigen überraschenden Wendungen führte. Ich mochte den Film sehr, es gab amüsante und nachdenkliche Szenen und es wurde sehr viel mit der Erwartung der Zuschauer gespielt. Außerdem mag ich die drei Hauptdarstellerinnen (Yûko Andô, Sara Minami und Natsuki Deguchi) sehr und freue mich immer, wenn ich einen Film (oder eine Serie) mit einer davon schauen kann.