Sommerpause

Ich habe beschlossen, dass mein Blog ab sofort eine Sommerpause einlegt. Der Grund dafür ist, dass ich bei diesen Temperaturen weder lesen noch kommunizieren mag. Bevor die Gradzahlen nicht für ein paar Tage (und Nächte!) am Stück deutlich fallen, kann man mit mir nichts mehr anfangen. Hinzu kommt, dass wir – wie schon erwähnt – Besuch erwarten und mein Mann in den kommenden Wochen auch Urlaub haben wird.

Ich weiß nicht, ob ich bis zum Lese-Sonntag am 19. August wieder aus meiner Pause zurück sein werde – aktuell spricht die (nicht sehr zuverlässige) 14-Tage-Wettervorhersage eher dagegen, aber ihr könnt ja den Lese-Sonntag im Zweifelsfall auch ohne mich abhalten. 🙂

Macht’s gut, bis spätestens im September!

August-SuB 2018

Mein Lesen im Juli war vor allem vom Mangel an Konzentration geprägt: Leichte Lektüre mit einer Schrift, mit der ich auch bei verdunkelter Wohnung und vor Müdigkeit brennenden Augen keine Probleme hatte – es gibt schönere Auswahlkritierien fürs Lesen. 😉 Je heißer es wurde, desto weniger habe ich gelesen und mich stattdessen in meiner Freizeit von Netflix mit Sendungen berieseln lassen, die einfach nur sehr, sehr „nett“ waren (wie „Queer Eye“ oder „Big Dreams Small Spaces“) und definitiv gegen meine chronische schlechte Laune halfen. Für August gibt es keine Lesevorhaben. Ich will einfach nur noch diesen Sommer hinter mich bringen und trotz der Hitze eine gute Zeit mit unserem Besuch und meinem Urlaub habenden Mann verbringen …

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigates 2 – Rubies and Runaways
  5. Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigates 3 – Hounds and Hauntings
  6. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  8. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  9. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  11. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  12. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  13. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  14. Stephanie Burgis: Masks and Shadows
  15. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  16. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  17. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  18. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  19. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  20. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  21. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  22. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  23. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  24. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  25. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  26. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  27. Rachel Hartman: Seraphina
  28. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  29. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  30. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  31. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  32. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  33. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  34. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  35. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  36. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  37. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  38. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  39. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  40. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  41. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  42. Seanan McGuire: The Girl in the Green Silk Gown
  43. Kate Milford: The Boneshaker
  44. Kate Milford: Ghosts of Greenglass House
  45. Bishop O’Connell: The Stolen
  46. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  47. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  48. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  49. Cindy Pon: Serpentine
  50. Philip Reeve: Larklight
  51. John Scalzi: Fuzzy Nation
  52. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  53. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  54. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  55. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  56. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  57. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  58. Charles den Tex: Die Zelle
  59. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  60. Sarah Tolcser: Song of the Current
  61. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  62. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  63. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  64. Xinran: Gerettete Wort
  65. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

62 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Elizabeth Bear: Karen Memory (Karen Memory 1)

Erst bin ich lange Zeit um „Karen Memory“ von Elizabeth Bear rumgeschlichen, weil ich mir nicht sicher war, ob die Geschichte was für mich ist, dann lag der Roman noch einige Monate auf dem Sub, während ich auf die richtige Stimmung wartete. Als ich aber endlich mit „Karen Memory“ anfing, mochte ich den Anfang der Geschichte genauso gern wie beim Lesen von „Madam Damnable’s Sewing Circle“ im vergangenen Frühjahr und habe – weil ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte – mal eben die ersten 90 Seiten am Stück verschlungen. Die Ereignisse werden von Karen Memory erzählt, die als „Schneiderin“ im Hôtel Mon Cherie in Rapid City (das zum Teil an das historische Seattle erinnert) arbeitet. Das Etablissement wird von Madame Damnable geleitet, die den Mädchen für gerade mal 60 Prozent ihrer Einnahmen Kost, Logis und Schutz zur Verfügung stellt.

Karen hat sich bewusst für dieses Leben entschieden, nachdem ihr Vater bei einem Unfall umgekommen war und sie einen Weg finden musste, um zu überleben. Viele Alternativen bietet das Leben in dieser letzten Station vor den Goldgräber-Feldern in Alaska nicht, schon gar nicht zu einer Zeit, die dem Ende unseres 19. Jahrhunderts entspricht und in der ein Menschenleben nicht viel wert zu sein scheint. Aus Karens Perspektive gewinnt man den Eindruck, dass es in Rapid City nur wenige ehrliche Menschen gibt. Sie selbst hat großes Glück gehabt, dass sie bei Madame Damnable gelandet ist, andere Prostituierte arbeiten unter weitaus schlimmeren Bedingungen, und dass in einigen Häusern am Hafen versklavte (ausländische) Frauen angeboten werden, ist zumindest innerhalb des Gewerbes eine bekannte Tatsache.

Als eines Nachts Priya, die dank der Aktivistin Merry Lee aus einem dieser Häuser am Hafen fliehen konnte, vor der Tür des Hôtel Mon Cherie landet, stellen sich Karen und ihre Kolleginnen gegen die Verfolger der beiden Frauen und lösen damit einen Zermürbungskrieg gegen ihr Etablissement aus. Doch nicht nur von Priyas ehemaligem „Besitzer“ Peter Bantle droht Gefahr, sondern auch von einem Serienmörder, der seit einiger Zeit sein Unwesen in Rapid City treibt und es auf Prostituierte abgesehen hat. Vor allem fallen ihm Frauen zum Opfer, die allein in den Straßen arbeiten, doch da er ihre Leichen gezielt vor den Türen der Bordelle der Stadt platziert, fühlt sich niemand, der diesem Gewerbe nachgeht, noch sicher. Nach und nach findet Karen gemeinsam mit Marshal Bass Reeves und seinem indianischen Begleiter Tomoatooah mehr über die Identität des Mörders und die Machenschaften von Peter Bantle heraus.

Es gibt so vieles, was ich an diesem Roman wirklich mochte. Mir gefiel es, die Geschichte aus Karens Perspektive zu verfolgen, weil die junge Frau auf der einen Seite dank ihres Jobs schon erschreckend viel vom Leben gesehen hat, auf der anderen Seite aber ständig neue Erfahrungen macht und dabei viel über sich und über die Situation, in der andere Menschen sich befinden, lernt. Ich mochte das Western-Steampunk-Setting der Geschichte und fand es sehr passend, dass der Schauplatz der Handlung so sehr an Seattle rund um 1900 erinnert, als die Straßen der Stadt aufgeschüttet wurden, um zukünftige Überflutungen zu verhindern, und die Menschen zum Teil zehn Meter Differenz zwischen der Straße und dem Erdgeschoss ihres Hauses überwinden mussten. Ich mochte auch, dass sich die Handlung langsam und realistisch entwickelte. Egal, wie angesehen ein Bordelle sein mag, allen Beteiligten ist bewusst, dass sie keinen Einfluss und kein Ansehen in der Stadt haben und deshalb unter schwierigen Bedingungen vorsichtig agieren müssen.

Erst, als es zu einem dramatischen Vorfall kommt und weder Madame Damnable noch ihre „Mädchen“ viel zu verlieren haben, kann Karen einen Teil ihrer Kolleginnen davon überzeugen, dass es eine Chance gibt, Peter Bantles Pläne zu stören und den Serienmörder zu stoppen. Hier spielt dann auch der Steampunk-Anteil des Romans eine entscheidende Rolle, weil Karen und ihre Mitstreiter einen Weg finden müssen, um gegen eine Übermacht von Männern anzukommen. Ich habe es wirklich genossen, Karens Perspektive durch all die Ereignisse zu folgen, ich habe die verschiedenen Personen, die zum Hôtel Mon Cherie gehören, ebenso ins Herz geschlossen wie Marshal Bass Reeves und Tomoatooah, und ich würde wirklich gern wissen, wie das Leben nach all diesen dramatischen Vorfällen für Karen und ihre Freunde weitergeht – nur gut, dass die Fortsetzung „Stone Mad“ schon erschienen ist.

Tansy Rayner Roberts: Let Sleeping Princes Lie (A Castle Charming 3)

Je länger eine Castle-Charming-Geschichte, desto ernsthafter scheint sie zu sein – so ist es kein Wunder, dass „Let Sleeping Princes Lie“ von Tansy Rayner Roberts mit 134 Seiten der bislang dramatischte Band der Castle-Charming-Geschichten ist. Nach der herbstlichen Ballsaison („Glass Slipper Scandal“) und der winterlichen „Sportsaison“ („Dance, Prince, Dance“) ist nun der Frühling im Königreich Charming herangebrochen und damit auch die Spinnrad-Phase. Jedes Jahr um diese Zeit werden alle Spinnräder eingesammelt und verbrannt und trotzdem tauchen rund ums Schloss lauter Spinnräder auf und bedrohen die Prinzen und die Prinzessin. Für den Reporter Kai, der erst seit wenigen Monaten im Königreich lebt, ist das Ganze anfangs nur eine interessante Story – doch dann versucht er, Prinz Chase vor einem plötzlich auftauchenden Spinnrad zu retten und fällt selbst dem Fluch zum Opfer. Während Kais Freund Dennis, seine Kollegen von der Palastwache und Chase, Cyrus und Camilla Charming verzweifelt einen Weg suchen, um Kai aus seinem Zauberschlaf zu retten, findet sich Kai in einem verzauberten Schloss voller tödlicher Monster wieder.

Gemeinsam mit der wehrhaften L und dem Xix-Prinzen Zuo-lin muss der Reporter ununterbrochen kämpfen, um nicht von diesen unheimlichen Wesen getötet zu werden. Ich mochte die Idee sehr, dass die Personen, die dem Fluch der Spinnräder zum Opfer fallen, nicht einfach nur schlafen, sondern in einem albtraumhaften Schloss Tag für Tag um ihr Leben kämpfen müssen. Dies sorgt – ebenso wie die Enthüllungen rund um den Fluch, der für Kais Entführung und das Schicksal von Königin Ella verantwortlich ist – für eine düstere und bedrückende Atmosphäre, ohne dass Tansy Rayner Roberts vollkommen auf die kleinen amüsanten Szenen verzichtet, die von Anfang an den Ton der Castle-Charming-Geschichten ausgemacht haben. Dazu kommen noch die überraschenden Erkenntnisse rund um den Ursprung des Fluchs und um die Identität von Kais Pflegemutter und einige neue und unvorhersehbare Entwiklungen rund um die Palastwächterin Ziggy, die für eine spannende Weiterführung der Handlung sorgen.

Ich mochte es sehr, wie stimmig die Autorin die Handlung weiterentwickelt hat. Obwohl schon von Anfang in den Geschichten mitschwingt, dass die gesamte Königsfamilie (und somit auch das Königshaus) unter dem Fluch leidet, wird erst in „Let Sleeping Princes Lie“ deutlich, wie viele Geheimnisse und unausgesprochene Vorwürfe damit verbunden sind und wie sehr das Ganze die Königsfamilie beeinflusst hat. Am Ende dieser Geschichte müssen sie nicht nur mit der Vernachlässigung durch den König und die Abwesenheit ihrer Mutter fertigwerden, sondern auch mit all den Dingen, die ihr Vater ihnen bislang vorenthalten hat und die fast alles, was sie bislang über ihrer Familiengeschichte zu wissen glaubten, auf den Kopf stellten. So scheint das Brechen des Fluchs für die Zukunft mehr Probleme aufzuwerfen, als das Leben mit dem Fluch eh schon mit sich brachte. Ich bin wirklich neugierig, wie es im Königreich Charming weitergeht und ob es am Ende doch noch so etwas wie ein Happy End für die Königsfamilie (und die Mitglieder der Palastwache) geben wird – dummerweise wird der vierte Teil der Serie erst im kommenden Jahr veröffentlicht, und so muss ich mich noch eine ganze Weile gedulden.

Sujata Massey: Die Tote im Badehaus (Rei Shimura 1)

„Die Tote im Badehaus“ von Sujata Massey gehört zu den Romanen, die einem wirklich immer unterkommen, wenn man nach Krimis sucht, die in Japan spielen. Die Autorin selbst ist eine deutsch-indische Engländerin, die einen Größteil ihrer Kindheit in Amerika verbracht hat und nach ihrem Studium zwei Jahre in Japan lebte, um dort die Sprache zu lernen – so ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass ihre Hauptfigur Rei Shimura, die Handlung aus der Perspektive einer japanischstämmige Amerikanerin erzählt, die zwar ein Verständnis für die japanische Kultur mitbringt, aber doch für Japaner immer eine Ausländerin sein wird.

Rei arbeitet als Englischlehrerin für einen japanischen Konzern, und als sie einen Ort sucht, an dem sie über Neujahr Urlaub machen kann, wird ihr von ihrem Vorgesetzten eine kleine Pension empfohlen. Dort trifft die junge Frau auf eine bunte Mischung von Gästen, vom wohlhabenden japanischen Salaryman mit seiner Frau und seinem schottischen Geschäftsfreund über ein junges japanisches Ehepaar bis zu einer älteren amerikanischen Touristin, die kein Wort japanisch spricht. Schon am ersten Abend wird klar, dass die Gruppe nicht gerade gut miteinander harmoniert, doch dass Rei am nächsten Tag beim Morgenspaziergang über eine Leiche stolpert, hätte sie natürlich trotzdem niemals gedacht. In den folgenden Stunden wird Rei als unfreiwillige Übersetzerin für die Polizei in die ersten Vernehmungen verwickelt, und als sich dann herausstellt, dass die örtliche Polizei in dem Schotten Hugh den Hauptverdächtigen sieht, schnüffelt Rei recht hemmungslos im Leben aller Beteiligten rum, um mehr über die anderen Gäste der Pension und ihre möglichen Motive für einen Mord herauszufinden.

Ich hatte von enthusiastisch lobenden bis „Das war nett zu lesen“-Äußerungen eigentlich alles Mögliche zu „Die Tote im Badehaus“ mitbekommen und kann mich diesen positiven Aussagen leider nicht anschließen. Ein Punkt dabei ist, dass viele Rezensenten, die von diesem Roman angetan waren, betonen, dass es so spannend sei, mehr über den japanischen Alltag und das Leben als Ausländerin in Japan mitzubekommen, aber ich hatte nicht das Gefühl, ich würde besonders viel Neues erfahren. Vor zwanzig Jahren, als das Buch erschien, wäre das bestimmt anders gewesen, aber inzwischen habe ich zu viele Romane gelesen, die in Japan spielen (und von Japanern geschrieben wurden), und zu viele Blogs von Ausländerinnen, die in Japan leben. Auch fand ich den Kriminalfall nicht besonders spannend, da schon früh für mich feststand, dass all die Spuren, die die Autorin in Richtung organisiertes Verbrechen und Industriespionage legte, nur von einer bestimmten Person und einem relevanten Punkt im Leben der ermordeten Frau ablenken sollten.

Dazu kam, dass ich die Protagonistin nicht besonders sympathisch fand, was es mir eh immer schwer macht, mich auf einen auch sonst nicht so spannenden Roman einzulassen. Ich konnte weder die „Beziehung“ zwischen Rei und Hugh (dem schottischen Anwalt) nachvollziehen, noch ihr Verhältnis zu ihrem (schwulen) Mitbewohner Richard. Dieser ist angeblich Reis bester Freund, aber von der Tatsache abgesehen, dass er sich die Wohnung mit ihr teilt und ihre Gäste beschäftigen darf, während sie ermittelt, scheint er absolut keine Rolle in ihrem Leben zu spielen. Ich habe mich beim Lesen regelmäßig über Reis Verhalten und Gedanken aufgeregt, und der einzige Grund, warum ich „Die Tote im Badehaus“ nicht abgebrochen habe, war, dass ich nach all den positiven Rezensionen dachte, dass da noch irgendwas kommen müsste. In Nachhinein kann ich immerhin sagen, dass ich die Autorin ausprobiert und beschlossen habe, dass ich keinen weiteren Roman von ihr lesen muss.

Robin McKinley: Spindle’s End

„Spindle’s End“ von Robin McKinley hatte ich mir ursprünglich für eine Leserunde besorgt, die dann doch nicht zustandekam. Beim Auspacken meiner ganzen Buchkartons fiel mir der Roman dann vor ein paar Wochen wieder in die Hände, und so habe ich ihn nach all den Jahren endlich auch mal gelesen. „Spindle’s End“ ist eine Dornröschen-Variante, und anfangs fand ich die Erzählweise etwas gewöhnungsbedürftig, weil Robin McKinley zu Beginn mehr erklärende Einschübe zum Weltenbau und der Magie einfließen lässt, als ich es von ihren anderen Titeln gewohnt bin. Das ist zwar amüsant zu lesen, sorgt aber auch dafür, dass es ziemlich lange dauert, bis die eigentliche Handlung anfängt.

Die Geschichte spielt in einem Land, in dem so viel Magie präsent ist, dass sie wie eine dicke Staubschicht alles bedeckt und dementsprechend auch viel Einfluss auf alle Lebenwesen und Dinge in diesem Teil der Welt hat. Obwohl die Magie so überpräsent ist, gibt es nur wenige Personen (in der Regel Magier und Feen), die sie bewusst anwenden können. Die Mitglieder des Könighauses gehören nicht zu diesem Personenkreis – denn es ist Gesetz, dass das Land von jemandem regiert wird, der keinerlei Magie besitzt. Bei einem solch magischen Königreich ist es nicht überraschend, dass die Prinzessin und Thronerbin bei ihrer Taufe von einer Fee verflucht wird – ungewöhnlich ist hingegen, dass sie, kurz nachdem der Fluch ausgesprochen wird, von einem Mädchen, das die Gabe hat, mit Tieren zu kommunizieren, in Sicherheit gebracht wird.

Dieses Mädchen ist Katriona, aus deren Sicht die Geschichte zu Beginn auch erzählt wird. Katriona ist eine Waise, die von ihrer Tante aufgezogen wurde, welche wiederum in ihrem abgelegenen Heimatort eine der mächtigsten Feen ist. Gemeinsam mit dieser Tante gelingt es ihr, die Identität der Prinzessin geheimzuhalten und das kleine Mädchen als ihre Cousine Rosie aufzuziehen. Rosie entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einer selbstbewussten jungen Frau, die – dank der ungewöhnlichen Ereignisse rund um ihre Taufe – die Gabe hat, mit Tieren zu sprechen. Obwohl die böse Fee, die sie verflucht hat, sie all die Jahre sucht, sorgt Katriona gemeinsam mit ihrer Tante dafür, dass Rosie eine wunderbare (und sehr gewöhnliche) Kindheit erleben kann. Sie steht Rosie auch nicht im Weg, als diese vom Schmied des Ortes zur Pferdeheilerin ausgebildet wird. Doch mit Rosies herannahendem 21. Geburtstag lässt sich ihre Herkunft nicht länger verbergen, und so muss die junge Frau sich – gemeinsam mit einigen ungewöhnlichen Verbündeten – am Ende gegen die böse Fee stellen, um nicht nur ihr eigenes Leben zu retten.

Robin McKinley konzentriert sich in „Spindle’s End“ lange Zeit darauf, von Rosies Heranwachsen zu erzählen und von all den Dingen, die das Mädchen so liebt und die so gar nicht prinzessinnenhaft sind. Ihre Gewöhnlichkeit und die Tatsache, dass sie mit Tieren kommunzieren kann, sind für Rosie der beste Schutz gegen die Suchzauber der bösen Fee, und so gibt es für den Leser viele kleine Szenen mit den wilden und zahmen Tieren der Umgebung, mit den Menschen im Dorf, die natürlich keine Ahnung von Rosies wahrer Herkunft haben, und mit Rosies kleiner „Pflegefamilie“, die das Mädchen liebt, als wäre es ihr Fleisch und Blut. All diese Elemente werden von Robin McKinley so liebevoll erzählt, dass ich sie gern gelesen habe. Gleichzeitig habe ich mich immer wieder gefragt, wie ein solches Mädchen irgendwann einmal in die Rolle einer Prinzessin schlüpfen soll. Doch natürlich hat die Autorin auch dafür am Ende eine stimmige Lösung gefunden.

Ich mochte es sehr, dass es in dieser Dornröschen-Variante zwar die klassischen Elemente wie den Zauberschlaf gab, aber nicht in der vertrauten Märchenversion, sondern als eine Folge des Suchzaubers, den die böse Fee jahrelang einsetzt. Auch gibt es zwar einen Prinzen am Ende der Geschichte, aber nicht für Rosie, die (wenn auch nicht ganz allein) diejenige ist, die selbst gegen die böse Fee kämpft, um sich und ihr Königreich zu retten. Robin McKinleys Dornröschen ist definitiv keine zarte Prinzessin, die in einem von Dornen umringten Schloss auf Rettung wartet, sondern eine mutige junge Frau, die einen ungewöhnlichen und gefährlichen Weg einschlägt, um gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen und so diejenigen zu retten, die sie liebt.

Ich mochte Rosie ebenso gern wie die vielen Verbündeten, die ihr zur Seite standen. Doch besonders gefallen haben mir all die vielen kleinen, stimmigen Elemente, die sonst in den verschiedenen Dornröschen-Varianten gar keine Beachtung finden. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, welche Folgen ein Fluch hat, der durch eine Spindel ausgelöst werden soll, in einem Land und einer Zeit, in dem die Verarbeitung von Fasern nun einmal zu den überlebensnotwendigen alltäglichen Verrichtungen gehören. Auch wenn ich mich erst auf die ruhigere und ausführliche Erzählweise einlassen musste, habe ich diese Geschichte wirklich genossen – es war schön, mal eine so stimmige Dornröschen-Version zu lesen.

Tansy Rayner Roberts: Dance, Prince, Dance (A Castle Charming 2)

„Dance, Prince, Dance“, der zweite Teil der Castle-Charming-Geschichten von Tansy Rayner Roberts, ist mit 73 Seiten etwas länger als „Glass Slipper Scandal“ – was dem Ganzen meiner Meinung nach guttut. Dieses Mal wird der Leser direkt in die Handlung geworfen – es wird eindeutig vorausgesetzt, dass man die Figuren schon aus der ersten Geschichte kennt -, während man als Erstes den jährlichen winterlichen Wettstreit zwischen den Prinzen und ihren „Hunden“ (der Palastwache) auf dem Spielfeld kennenlernt. So amüsant die Geschichte mit einer Runde „Rookery“ anfängt, bei der zwei gut gerüstete Parteien um drei mit Eisenstacheln besetzte Bälle spielen, so wird schnell deutlich, dass „Dance, Prince, Dance“ insgesamt einen deutlich düstereren Unterton hat als „Glass Slipper Scandal“.

Dieses Mal bekommt man als Leser auch die Perspektive von Prinz Chase Charming mit, der Nacht für Nacht von einem ungewöhnlichen Ball träumt, an dem er und sein Bruder Prinz Cyrus teilnehmen. Während sich der Rest des Landes noch fragt, was es mit der mysteriösen Bestellung von Tanzschuhen auf sich hat, ermitteln der Palastwächter Dennis, seine neue Kollegin Ziggy und der Reporter Kai auf eigene Faust. So stolpern diese drei nicht nur über den Hersteller der Schuhe, sondern auch über einen Soldaten, der schon früher mit massenhaft zertanzten Schuhen zu tun hatte und mehr über die Hintergründe dieses speziellen Rätsels zu wissen scheint. Obwohl Tansy Rayner Roberts diese Geschichte immer noch mit vielen amüsanten kleinen Momenten spickt, ist der Grundton deutlich melancholischer als bei dem ersten Castle-Charming-Teil, was mir gut gefallen hat.

Zwar mag ich den Humor der Autorin sehr, und die Tatsache, dass dieses magische Königreich so viele Elemente für skurrile Szenen bietet, aber die Perspektive von Prinze Chase fügt dem Ganzen mehr Realismus zu und lässt einen hinter die Fassade des leichtlebigen jungen Mannes blicken. So verleiht Tansy Rayner Roberts nicht nur allen Prinzen deutlich mehr Tiefgang, sondern bietet dem Leser auch einen Einblick in die Vergangenheit des Kommandanten der Palastwache und seiner Beziehung zu der Feen-Patin, die für den Glass-Slipper-Skandal verantwortlich war. Ein wenig ausgeglichen werden diese düsteren Elemente durch die sich weiter entwickelnde Beziehung von Dennis und Kai, die sich – trotz der Probleme, die sich durch ihre Berufe ergeben – endlich ein bisschen näher kommen. Dabei bleibt ein großes Geheimnis am Ende der Geschichte immer noch ungelüftet, so dass genügend Fragen offen bleiben, um einen neugierig auf „Let Sleeping Princes Lie“, den dritten Castle-Charming-Band, zu machen.

Lese-Sonntag im Juli

Heute starte ich sehr früh in den Lese-Sonntag, da ich seit ein paar Wochen wieder morgens um 4:30 Uhr aufstehe, um die Wohnung gründlich durchlüften zu können, bevor die Sonne ab halb sieben wieder auf die Fassade knallt. Ohne die dadurch entstehende Abkühlung ist es hier tagsüber wirklich unerträglich. Nachdem ich die ersten Wochen das Gefühl hatte, ich würde vor lauter Übermüdung nie wieder denken können, habe ich mich inzwischen immerhin einigermaßen an meinen aktuellen zweigeteilten Schlafrhythmus gewöhnt (schwierig wird es nur, wenn der ausgiebige Mittagsschlaf wegfällt). Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich nie im Schichtdienst arbeiten musste und bin voller Bewunderung für jeden, der das einige Jahre lang ohne größere Probleme auf die Reihe bekommt.

Viel Konzentration fürs Lesen bleibt trotzdem gerade nicht übrig, weshalb ich in den letzten Tagen vor allem Kinder- und Jugendbücher (und weiterhin Manga) zur Hand genommen habe. Auch heute zieht es mich in die Richtung, nachdem ich in der vergangenen Woche doch noch meine „Qualze“-Bücher gefunden habe, von denen ich schon befürchtet hatte, dass sie beim vorletzten großen Ausmisten von mir in die Bibliothek gebracht wurden. Mal schauen, ob ich auch über zehn Jahre nach dem letzten Lesen dieser Geschichten die Abenteuer der acht Kinder von König Grostro, die sich gegen die Qualze behaupten müssen, genießen kann. Aber erst einmal schaue ich, was sich nach meinem Schlafengehen noch so online getan hat und lese – bis die Lichtverhältnisse besser sind – weiter in „Velveteen vs. The Seasons“. 😉

Update 08:45 Uhr

… und dann ging dem Tablet mal wieder der Saft aus, während ich mitten in der Geschichte war. *grummel* Es gibt definitiv Gründe, warum ich gedruckte Bücher immer noch lieber lese als eBooks. In meiner Timeline war über Nacht auch nicht viel los, aber da das Licht inzwischen zum Lesen ausreichte, habe ich zu „Die Qualze – Im Reich von König Gommelick“ von Helga Weymar gegriffen. Dieses Buch fand ich – ebenso wie die Fortsetzung „Die Qualze – Der wachsende Berg“ – als Kind so knuffig, dass ich mir die beiden Titel kaufen musste, nachdem ich sie in der Bibliothek entdeckt hatte. Die Erzählweise und viele kleine Elemente in den Qualze-Büchern erinnern mich an Geschichten von Max Kruse, ohne dass ich das Gefühl habe, die Autorin hätte sich direkt von dem Autor inspirieren lassen.

Die Handlung beginnt damit, dass König Grostro mal wieder über seine acht Kinder jammert, die alle nicht so geraten sind, wie er sich das gewünscht hätte. Seine Tochter Xargarixa setzt mit Schmollen, Weinen und Wutanfällen ständig ihren Willen durch und seine sieben Söhne verbringen den Tag mit allerlei unnützen Dingen. Die ältesten (die Zwillinge Hager und Mager) spielen allen ständig Streiche, der klügste Sohn (Spring) weiß nichts mit all seiner Klugheit anzufangen, Schwobb hält sich für einen Dichter, Mupi schläft Tag und Nacht, Plex eifert den Zwillingen nach und der jüngste Sohn, Acht, ist so gutmütig, dass mit ihm auch nicht viel anzufangen ist. Zu Beginn von „Die Qualze – Im Reich des König Gommelick“ lässt sich König Grosto von seiner Tochter überreden einen Liebesbrief-Wettbewerb auszurichten, um einen Ehemann für sie zu finden, und während er noch darüber jammert, dass das eine dumme Idee sei und wie es sein kann, dass er dem zugestimmt hat, erklingt ein geheimnisvollen (und auch etwas unheimliches) Kichern im Thronsaal, dass alle Anwesenden sofort der Qualze zuschreiben. Die Qualze ist eine Hexe, die in allen Ländern Afraliens ihr Unwesen treibt und von der man nicht weiß, ob sie gut oder böse ist. Es steht nur fest, dass sie das Leben aller Beteiligten kräftig auf den Kopf stellt, wenn sie sich erst einmal einmischt …

Mir hat es wirklich Spaß gemacht die Abenteuer der von der Qualze in verschiedene bunte Wesen (oder Dinge) verzauberteten Prinzen zu verfolgen und mitzuerleben, wie sie einen Weg finden müssen, um den auf ihnen liegenden Zauber wieder aufzuheben. Manchmal haben sie dabei Hilfe von anderen Personen, die ebenfalls Opfer der Qualze wurden, bekommen, dann wieder hatten sie das Glück und trafen auf einen ihrer Brüder, der ihnen beistehen konnte, oder sie haben ganz allein herausgefunden, welches Mittel ihnen ihre alte Gestalt wieder zurück bringt. Und da der erste Band so nett und die Geschichte damit noch nicht abgeschlossen war, habe ich gleich zu „Die Qualze – Der wachsende Berg“ gegriffen und das Buch auch noch gelesen. Ich mag es, dass die Qualze zwar keine besonders sympathische Figur ist, aber im Laufe der beiden Bücher klar wird, dass sich langfristig das Leben all der von ihr verzauberten Personen verbessert hat, weil sie durch ihre Erlebnisse so viel gelernt und sich weiterentwickelt haben. 🙂

Update 11:30 Uhr

Nach dem letzten Update gab es erst einmal Frühstück für mich und dazu haben mein Mann und ich die gestrige Folge von „Kids Baking Championship“ gesehen – immer wieder spannend, was diese Kinder für Techniken beherrschen (auch wenn die gestrige Folge in der Beziehung nicht soooo beeindruckend war). Außerdem ging es mit „Velveteen vs. The Seasons“ von Seanan McGuire – genauer gesagt mit der Geschichte „Velveteen Presents The Princess vs. Public Relations“ – weiter. Diese dritte Sammlung von Velveteen-Kurzgeschichten dreht sich um die Zeit, die Velveteen bei den Jahreszeiten verbringen muss, um für die Hilfe zu bezahlen, die sie von diesen bekommen hat. Velveteen hat sich verpflichtet eine Saison pro Jahreszeit zu dienen, in der Hoffnung, dass sie danach noch rechtzeitig kommt, um ihren Liebsten aus seinem magischen Schlaf zu retten. Die Jahreszeiten – allen voran Winter – hingegen hoffen, dass sie Velveteen für immer für sich gewinnen können. Die schon von mir gelesenen Geschichten drehten sich um die Zeit, die Velveteen im Winter verbracht hat, und darum, wie sie die schreckliche Seite des Winters entdeckte, nachdem diese Jahreszeit sie von klein auf nur mit den schönen Elementen verwöhnt hat (um sie in ihren Dienst zu locken).

Das Testbrot für dieses Wochenende ist Haselnuss-Brot – sehr lecker, sowohl mit Käse, als auch mit Aronia-Gelee. 🙂

„The Princess vs. Public Relations“ dreht sich hingegen nicht um Velveteen (die Winter gerade verlassen hat und auf dem Weg zum Frühling ist), sondern um „The Princess“, eine der besten Freundinnen von Velveteen und eine der wenigen Superheldinnen, die nicht von klein auf zu den Super Patriots gehörte. Ich fand es schön mehr über „The Princess“ zu erfahren, die ich bislang zwar als Freundin von Velveteen mochte, die aber bislang relativ wenig Profil und so gut wie keinen Hintergrund bekommen hatte. Schön fand ich die beiläufige Bemerkung, dass „The Princess“ (getauft auf den Namen Scott Miller) seit ihrem sechsten Lebensjahr Carrabelle hieß, und die Beschreibung des Moments, als ihre Magie in einem märchenhaften Themenpark erwachte. Ich glaube, ich finde diese Elemente deshalb so besonders, weil ich mir bei Seanan McGuire sicher bin, dass für sie der Charakter von Anfang an genau diesen Hintergrund hatte und dass sie nur jetzt erst dazu kam, die Geschichte dieser Figur zu erzählen. (Wobei man da auch in Betracht ziehen muss, dass die Velveteen-Kurzgeschichten von der Autorin nicht chronologisch geschrieben und für die Anthologien überarbeitet und passend sortiert wurden.)

Weil es so selten ist, dass ich Christie mal beim Schmusen (mit meinem Mann) festhalten kann, packe ich das Bild trotz der schlechten Lichtverhältnisse durch die Verdunklung in unserer Wohnung mal hier rein. Noch schöner ist das Bild, bei dem sie ihren Kopf an seinem Kinn reibt, aber das möchte er nicht veröffentlicht haben. *g* Bis zum Katzenfüttern lese ich noch in den schon rausgelegten Criminal-Comics von Brubaker. Mein Mann hatte vor einiger Zeit mal seine Brubaker-Hefte für mich rausgesucht und heute habe ich endlich Lust mir mal die nächste Serie davon vorzunehmen. Mal schauen, wie weit ich damit komme, bevor Christie ihr Futter verlang. Nach dem Katzefüttern werde ich vermutlich den langsam notwendigen Mittagsschlaf einlegen …

Update 16:00 Uhr

Katze gefüttert, Mittagsschlaf beendet, Internetrunde gedreht … jetzt Kekse und wenn „Die Traumhaus-Challenge: Irland“, die mein Mann gerade laufen hat, zuende ist, greife ich wieder zu den Comics. 😉

Update 18:45 Uhr

Der Comic („Second Chance From Hell“), den ich heute Mittag gelesen hatte, drehte sich um zwei junge Männer (Jake und Sebastian), deren Väter zusammen die kriminelle Macht in der Stadt in der Hand hielten. Und während Sebastian in die Fußstapfen seines Vaters treten will, versucht Jake als Profi-Boxer eine ehrbare Karriere zu starten. Doch natürlich entkommen sie dem Erbe ihrer Väter nicht – schon gar nicht, als ganz „klassisch“ die Liebe zu einer Frau (Danica) ihrer beider Freundschaft zerstört. Das zweite Heft, „A Wolf Among Wolves“, dreht sich nicht – wie ich erwartet hatte (schon blöd, wenn man dank gezeichneter Verletzungen die blonden Figuren nicht auseinanderhalten kann *g*) um Sebastian, sondern um Teeg Lawless (dessen Sohn kenne ich schon aus einer anderen Criminal-Reihe von Brubaker). Teeg ist gerade erst aus dem Krieg zurückgekehrt und hat mehr Erinnerungen mitgenommen, als er erwartet hatte. Schon vor dem Vietnam-Krieg war er kein besonders gesetztestreuer Mensch, nun aber gerät er – dank Spielschulden und einem kleinen Rest von Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Frau und den beiden Söhnen – in eine rasante Abwärtsspirale. Da ich mir Namen so schlecht merken kann, hat es bis zum zweiten Heft gedauert, bis ich feststellte, dass ich auch Jake schon kannte … 😀

Heft Nummer drei („Female Of The Species“) wird dann aus Danicas Sicht erzählt und klärt die Frage, warum sie nach fünf Jahren überhaupt wieder in die Stadt gekommen ist. Ich mag die Noir-Stimmung in diesem Comics, ich mag viele der Figuren, auch wenn sie ständig die falsche Entscheidung treffen, und ich mag wie die verschiedenen Geschichten verknüpft sind (auch wenn das herausfordernd sein kann, wenn man immer so viel Zeit zwischen den einzelnen Reihen verstreichen lässt). Aber ich muss auch zugeben, dass ich für all diese Hoffnungslosigkeit und Gewalt in den Criminal-Comics in der richtigen Stimmung sein muss, obwohl die Geschichten wirklich cool erzählt werden. Aktuell passt es, aber nach diesen sieben zusammengehörigen Heften gibt es für mich vermutlich wieder eine kleine Brubaker-Pause. 😉

Bevor ich aber die vier Teile von „Bad Night“ beende, sollte ich in die Küche wandern und Abendessen kochen. Heute gibt es Pita-Taschen mit würziger Karotten-Kichererbsen-Füllung und Joghurt-Sauce… nur ohne Pita-Taschen (dafür mit Fladenbrot) und auch sonst fehlen mir ein paar Zutaten, weil es beim gestrigen Wochenend-Einkauf mal wieder nur sehr, sehr wenig Auswahl im Viertel gab. Die Hälfte der geplanten Essen für die kommende Woche musste ich spontan streichen, weil so exotische Zutaten wie Parmesan oder Frühlingszwiebeln nicht zu bekommen waren. *grummel*

Update 21:15 Uhr

Das Abendessen war lecker, wenn auch etwas herausfordernd zu essen – so viel kullernde Kichererbsen! *g* Außerdem war die Menge schon recht großzügig, obwohl ich weniger gemacht hatte, als im Rezept für zwei Personen veranschlagt worden war. Nebenbei haben wir eine Doku über Bettina Tietjen laufen gehabt, die es vor kurzem im Fernsehen gab, und so ging die Zeit bis jetzt gut vorbei. 😉 Nach einer letzten Blogrunde, werde ich gleich die letzten beiden Criminal-Hefte lesen, um die Geschichte zu beenden, und dann vor dem Schlafengehen nur noch etwas mit dem DS spielen.

Es war schön, heute wieder gemeinsam mit euch zu lesen! Habt einen guten Start in die Woche und gönnt euch möglichst viel Erholungs- und Lesezeit bis zum nächsten Lese-Sonntag im August! 🙂

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Heutige Mitleser:

Natira
Kiya
Sayuri

Tansy Rayner Roberts: Glass Slipper Scandal (A Castle Charming 1)

Vor einiger Zeit hatte ich eine Kickstarter-Kampagne entdeckt, bei der die Autorin Tansy Rayner Roberts Geld sammelte, um ihre Creature-Court-Serie noch einmal auf den Markt bringen zu können. Als Belohnung gab es nicht nur die Creature-Court-Titel, sondern auch noch weitere Veröffentlichungen der Autorin, die in den letzten Tagen bei mir (als eBooks) eingetroffen sind. „Glass Slipper Scandal“ ist eine 40seitige Geschichte rund um die aktuelle Saison in Castle Charming. Aus mehreren Perspektiven erlebt man eine Geschichte rund um diese ganz besonders verrückte Zeit im Jahr, in der lauter ausländische Prinzessinnen auf dem Schloss eintreffen, in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit eines der beiden Prinzen auf sich zu ziehen. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht einer der Prinzessinnen (Ziyi), eines der neuen Palastwächter (Dennis) und eines – ebenfalls neu in seinem Job seienden – Reporters (Kai).

Obwohl die Geschichte so kurz ist, habe ich die verschiedenen Erzähler ebenso wie die diversen Nebenfiguren schnell ins Herz geschlossen. Ziyi zum Beispiel ist es vollkommen egal, ob sie einen Prinzen heiratet, sie will nur, dass diese demütigende Reise von Saison zu Saison und von Königreich zu Königreich endlich ein Ende hat. Kai hingegen entdeckt, dass man als Reporter eine ganze Menge Dinge erfährt, die man nie schreiben kann, weil es nicht nur darum geht, die Wahrheit zu erzählen, sondern auch darum, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Und Dennis stellt fest, dass man als Leibwächter des Prinzen weniger Angst vor Attentätern als vor dem Benehmen seines Schützlings haben muss. Dazu kommt, dass das gesamte Königreich traumatisiert ist durch die Liebesgeschichte des aktuellen Königs und seiner Frau. Die beiden haben eine klassische „Glass Slipper“-Romanze gehabt, doch wie es nun einmal bei Liebesgeschichten der Fall ist, die durch die Hilfe von Feen zustandekamen, war das Ende recht tragisch. Niemand im gesamten Königreich will so etwas noch einmal miterleben – weshalb es umso alarmierender ist, als am ersten Ballabend eine geheimnisvolle Prinzessin mit gläsernen Schuhen auftaucht und mit dem ältesten Prinzen tanzt.

Auch wenn „Glass Slipper Scandal“ kaum mehr als der Prolog der Geschichte rund um Castle Charming ist, habe ich mich wunderbar über all die märchenhaften Elemente, die überraschenden Hintergründe zu den diversen Personen und die unterhaltsamen kleinen Wendungen in der Handlung amüsiert. Ich fand die Anziehung zwischen Dennis und Kai wunderschön beschrieben, ich mochte Prinzessin Ziyis wilde Entschlossenheit, alles dafür zu tun, damit sie nicht zurück in ihre Heimat muss, und ich musste über den armen Kai schmunzeln, der über die Story seines Lebens stolpert, nur um festzustellen, dass er das so niemals veröffentlichen können wird. Es gibt so viele Nebenfiguren in dieser kurzen Geschichte, über deren Leben ich gern mehr erfahren würde, ebenso wie ich gern mehr über all die kleinen fantastischen Dinge wissen würde, wie zum Beispiel die magische Tinte, die für das Schreiben des „Charming Heralds“ verwendet wird. Alles in allem war „Glass Slipper Scandal“ ein wunderbarer kleiner Blick in ein ungewöhnliches märchenhaftes Königreich und ich freue mich sehr, dass ich mit „Dance, Prince, Dance“ und „Let Sleeping Princes Lie“ zwei weitere (wenn auch wieder recht kurze) Geschichten rund um Castle Charming vor mir habe.

Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back

Über „Moxie – Moxie Girls Fight Back“ von Jennifer Mathieu war ich irgendwann im vergangenen Jahr gestolpert und fand den Klappentext (und das Cover der HC-Ausgabe) sehr ansprechend, aber da ich nur selten in der Stimmung für „High School“-Geschichten – selbst wenn sie ungewöhnlich sein sollen – bin, hat es eine Weile gedauert, bis ich den Roman aus dem SuB befreit hatte. Die Protaginistin in diesem Roman ist die 16jährige Vivian (Viv) Carter, die auf eine angeblich ganz normale texanische Kleinstadt-High-School geht. Für sie ist es Alltag, dass das Football-Team von allen Seiten gesponsert wird, während die Schulbücher veraltet sind, in den naturwissenschaftlichen Fächern wichtige Materialien fehlen und andere („mädchenhaftere“) Sportarten selbst sehen müssen, wie sie an neue Trikots oder Ausstattung kommen. Ebenso selbstverständlich ist es für sie, dass die Jungs vom Football-Team sich alles erlauben dürfen (inklusive dem Tragen von sexistischen Sprüchen auf ihren T-Shirts und „bump’n’grabs“-Aktionen). Die Mädchen müssen sich regelmäßigen und ziemlich willkürlichen Kleiderkontrollen unterziehen lassen, damit dafür Sorge getragen wird, dass sie nicht zu viel Haut zeigen oder gar zu enge Kleidung tragen und so die Jungen vom Unterricht „ablenken“ oder gar in Versuchung führen.

Für Vivian ist dies alles Alltag, und so ist es kein Wunder, dass sie in der Schule alles dafür tut, um nicht aufzufallen. Sie gehört zu einer Gruppe von „netten“ Mädchen, die sie seit ihrer Kindergarten- oder Grundschulzeit kennt und sie nimmt alle Termine (inklusive der verhassten Freitagabend-Spiele des High-School-Football-Teams) wahr, die in ihrer Kleinstadt zum Alltag gehören. Aber sie hegt auch eine heimliche Schwäche für die Punkbands, die ihre Mutter Lisa während ihrer Riot-Grrrl-Zeit gehört hat. Als sie sich eines Abends besonders über den sexistischen Alltag an ihrer Schule aufregt, nimmt sie die „Erinnerungsbox“ ihrer Mutter als Inspirationsquelle, um ein Zine (eigentlich ist es kaum mehr als ein Flyer) mit dem Titel „Moxie“ zu fabrizieren, das gegen die ungerechte Behandlung der Schülerinnen und das Benehmen der Mitglieder des Foodball-Teams wettert. Langsam nimmt von diesem Moment an eine Entwicklung ihren Lauf, die dazu führt, dass Vivian gemeinsam mit Gleichgesinnten gegen den Sexismus an ihrer Schule angeht.

Dabei finde ich es stimmig, dass Vivian erst einmal Impulse von außen benötigt, um nach und nach ihre eigene Stimme zu finden. Obwohl sie von klein auf mit der Vergangenheit ihrer Mutter aufgewachsen ist, hat sie sich selbst nie mit dem Thema Feminismus beschäftigt. Erst als Viv die verstörte Reaktion ihrer neuen Mitschülerin Lucy auf die an der Schule üblichen Regeln wahrnimmt, gelingt es ihr zum ersten Mal – wenn auch anonym -, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Und als es erste positive Reaktionen von ein paar Schülerinnen auf „Moxie“ gibt, weiß Vivian anfangs nichts damit anzufangen. Sie hat nur dieses vage Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann, sie entwickelt sich aber nicht von einem Moment auf den anderen zur selbstbewussten Revolutionärin. Doch je mehr sie über die Umstände an ihrer Schule nachdenkt, desto wütender wird sie, und je mehr sie über diese Dinge redet, desto mehr stellt sie fest, dass sie nicht die einzige Schülerin ist, die voller Wut und Unsicherheit und Frustration ist und das Bedürfnis hat, etwas zu verändern.

Ich mochte es sehr, wie in „Moxie“ aus ein paar voller Frustration und Wut geschriebenen Kopien einer einzigen Person langsam eine Bewegung entsteht, wie immer mehr Schülerinnen sich – über die früher herrschenden ungeschriebenen Grenzen hinweg – zusammenfinden, um zu protestieren, um einander zu unterstützen und um endlich einmal gehört zu werden. Weniger schön, aber dafür vermutlich umso realistischer fand ich, dass einer der wenigen Jungen auf der Schule, die grundsätzlich auf der Seite der „Moxie“-Girls stehen, immer wieder mit dem Argument kommt, dass nicht alle Jungs wie die Football-Spieler sind. Ich glaube, dieser Teil wäre für mich einfacher zu lesen gewesen, wenn es mehr sympathische männliche Nebenfiguren gegeben hätte, deren Meinung man mitbekommt. So hat Jennifer Mathieu einen einzigen sympathischen Schüler geschaffen, den man als Leser überhaupt per Namen kennt, nur um ihm dann all die fadenscheinigen und schädlichen Argumente unterzuschieben, die von eigentlich „aufmerksamen“ Männern verwendet werden, die trotz aller Beweise und Gespräche nicht glauben können, dass das Leben für Frauen in einer männerdominierten Welt so herausfordernd ist.

Im Gegenzug dazu fand ich die Beschreibungen der Protagonistin und ihrer Freundinnen und Mitschülerinnen durchgehend gelungen, und ich habe die Vielfalt dieser Mädchen genossen. Viv entwickelt sich spürbar weiter innerhalb dieses Romans, ohne dabei ein vollkommen anderer Mensch zu werden, und genauso ist es mit ihrer Beziehung zu ihren Freundinnen. Ich fand es stimmig, wie Jennifer Mathieu die vielen verschiedenen Meinungen der Schülerinnen darstellt, von „ja, das ist schlimm, aber es war schon immer so“ bis „ich hatte da eine Idee und habe was auf die Beine gestellt“. Sie verschweigt nicht, dass für einige Frauen das Wort „Feminismus“ so mit Vorurteilen behaftet ist, dass sie damit nichts zu tun haben wollen, sie zeigt auf, dass es Mut kostet, sichtbar zu sein, aber auch, dass es viel einfacher ist, etwas zu bewirken, wenn man zusammenhält und sich dem Gegenwind gemeinsam entgegenstellt. Dabei verpackt die Autorin all diese gewichtigen und erschreckend aktuellen Themen in einen unterhaltsamen und fluffig zu lesenden High-School-Roman inklusive einer süßen Liebesgeschichte – und vor allem sehr schönen Szenen rund um Freundschaft und Erwachsenwerden.