Drei Bücher, die mich im Mai am Lesen gehindert haben. ;)

Oder wäre „Drei Bücher, die ich am Ende abgebrochen habe“ ein besserer Titel gewesen? Im Mai gab es drei Romane, bei denen ich relativ früh stockte, weil mir irgendetwas an den Geschichten nicht gefiel, obwohl ich die Bücher eigentlich mögen wollte. Am letzten Mai-Wochenende hatte ich dann die Nase voll von dem Stapel mit angefangenen Büchern, bei dem sich wochenlang nichts tat, obwohl ich die Geschichten doch eigentlich lesen wollte. Also nahm ich mir vor, dass ich mich in den nächsten Tagen mit jedem dieser Romane für eine Stunde beschäftigen würde. Wenn sie mich nach einer Stunde Lesezeit immer noch nicht gepackt (oder mich erneut irritiert/geärgert) hätten, dann würde ich sie endgültig abbrechen und mir etwas Anderes zu lesen suchen. Aber diese eine Stunde Lesezeit wollte ich jeder der drei Geschichten noch gönnen.

Über „The Secret Life of Mary Bennet“ von Katherine Cowley bin ich gestolpert, als ich einen Text der Autorin bei John Scalzis „The Big Idea“ gelesen hatte, in der sie über die Idee hinter dem Roman schrieb. Sie hatte sich gefragt, welche Stärken Mary Bennet eigentlich hat und welchen Weg das Leben dieser Figur nehmen müsste, damit sie sich von ihren berühmteren Schwestern abheben kann. Ich mochte den Text und ich mochte die Idee, also habe ich mir den Roman als eBook gegönnt, obwohl ich normalerweise mit Geschichten nicht so glücklich bin, die an Jane Austens Bücher angelehnt sind. Bei „The Secret Life of Mary Bennet“ hatte ich aber kein Problem, die Handlung getrennt von Jane Austens Romanen zu betrachten, weil Marys Perspektive dafür sorgte, dass ich die vertrauten Figuren mit anderen Augen sah. Die Geschichte beginnt in den Tagen vor Mr. Bennets Beerdigung, und so habe ich anfangs den einen oder anderen für mich irritierenden Gedanken der Protagonistin auf ihre Trauer geschoben. Vor allem tat mir Mary in ihrer Unbeholfenheit leid, und ich fand es bedrückend zu sehen, wie sie von ihrer Familie abgetan und wenig geschätzt wurde.

Aber nach einem Drittel der Handlung fand ich es schwierig, Marys Verhalten weiter zu entschuldigen. Es gab immer mehr Szenen, in denen ich die Darstellung von Mary widersprüchlich (und auch schwer zu ertragen) fand. So wird sie zum Beispiel auf der einen Seite als jemand beschrieben, dem Regeln wichtig sind und Halt geben, auf der anderen Seite verstößt sie ständig (bewusst!) gegen gesellschaftliche Regeln, weil diese nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Je häufiger ich diese kleinen Widersprüche im Text sah, desto weniger Lust hatte ich, mich mit Mary Bennet und ihrem Schicksal zu beschäftigen. Ich habe das Buch abgebrochen, nachdem eine Leiche gefunden wurden, obwohl das ja normalerweise der Punkt ist, an dem eine Geschichte erst richtig anzieht. Aber es war mir so egal, wie die Handlung weitergeht, und ich hatte so wenig Lust, weiter Marys Gedanken verfolgen zu müssen, dass ich mich von diesem Buch nicht länger von genussvollerer Lektüre abhalten lassen wollte. (Stattdessen habe ich dann zu „The Daughter of the Sun“ von Effie Calvin gegriffen und an einem Tag durchgelesen.)

Der zweite Titel auf meinem „SaB“ war „Stray Magic“ von Kelly Meding. Den Roman hatte ich vor längerer Zeit schon einmal angefangen und dann mit einem „Ich bin anscheinend gerade nicht in der Stimmung für Urban Fantasy“-Gedanken zur Seite gelegt. Nachdem ich im Mai aber „Smoke Bitten“ von Patricia Briggs gelesen hatte, hatte ich definitiv große Lust auf weitere Urban-Fantasy-Titel und habe deshalb erneut meine Nase in „Stray Magic“ gesteckt – nur, um nach gerade mal 31 Seiten das Buch frustriert zur Seite zu legen. Ich mochte die „Dreg City“- und die „Cornerstone Run“-Romane der Autorin wirklich gern und hatte gehofft, dass mich „Stray Magic“ ebenso gut unterhalten würde. Doch irgendwie funktionierte diese Geschichte für mich nicht, und obwohl ich mir einzureden versuchte, dass es vielleicht nur daran lag, dass ich mich nicht richtig darauf eingelassen oder beim ersten Anlesen zu viele andere Dinge im Kopf hatte, kam ich auch beim zweiten Anlauf nicht damit zurecht.

Ich fürchte, es gibt bei „Stray Magic“ einfach zu viele Punkte, die nicht meinem Geschmack entsprechen. Ich fand die Protagonistin Shiloh regelrecht unsympathisch, und das hat es mir schwer gemacht, ihrer Erzählstimme zu folgen. Außerdem gefiel mir zwar grundsätzlich der Anfang des Romans (eine Gruppe von Vampiren nimmt die Bewohner eines Trailerparks als Geisel, um Unterstützung zu bekommen, die ihnen hilft herauszufinden, wer Vampire und Werwölfe entführt), aber die Ausführung reizte mich so gar nicht. Als dann bei meinem (inzwischen dritten Versuch mit dem Roman) noch der „untote“ Kopf von Shilohs Vorgesetztem gefunden wurde und mich ihre Trauer total kalt ließ, habe ich das Buch dann doch lieber abgebrochen. Es ist sehr schade, dass Kelly Meding mit ihren früheren Reihen nicht erfolgreicher war. Aber ich fürchte, der fehlende Erfolg der Bücher, die meinen Geschmack getroffen haben, hat dazu geführt, dass sie mit ihren Geschichten in eine Richtung gegangen ist, von der sie hoffte, dass sie eher ein Publikum findet, die mir persönlich aber einfach nicht gefällt. (Ich habe dann meine Urban-Fantasy-Lust mit dem gerade erschienenen Titel „Practical Boots“ von C.E. Murphy gestillt. 😉 )

Zuletzt hat mir noch „The Scandalous Sisterhood of Prickwillow Place“ von Julie Berry zu schaffen gemacht. Der Roman stand schon ziemlich lange auf meiner Merkliste, aber so richtig sicher war ich mir nicht, ob er wirklich in mein Beuteschema passen würde. Mir gefiel die Grundidee (sieben Schülerinnen vertuschen im viktorianischen London den plötzlichen Tod ihrer Schulleiterin, um weiterhin gemeinsam in ihrer Schule leben zu können), und grundsätzlich mag ich humorvolle Kriminalromane. Auf der anderen Seite ist es immer schwierig vorherzusagen, ob der Humor einer Autorin mit meinem kompatibel ist. Bei dieser Geschichte hat mich von Anfang an gestört, dass die sieben Protagonistinnen immer mit ihren vollen Spitznamen („Disgraceful Mary Jane“,  „Dour Elinor“, „Smooth Kitty“, „Dull Martha“, „Pocked Louise“, „Stout Alice“ und „Dear Roberta“) erwähnt wurden. Nicht ein einziges Mal gab es nur einen Vornamen zu lesen, die Namen wurden immer mit dem „Label“ zusammen erwähnt und das hat mich unglaublich genervt, weshalb ich das Buch nach 50 gelesenen Seiten erst einmal weggelegte, obwohl die sieben Schülerinnen gerade mit einem Haus voller unangekündigter Gäste zu kämpfen hatten. Außerdem wurden die Charaktere (zumindest im ersten Drittel) schrecklich eindimensional dargestellst und als ich mich dann dabei ertappte, dass ich bei meiner „ich gebe diesem Buch noch eine Chance“-Stunde mit meinen Gedanken überall anders war, aber nicht bei der Geschichte, weil mich die Erzählweise einfach nicht packen konnte, habe ich auch diesen Roman abgebrochen (und aussortiert).

***

Da der Beitrag noch in den Entwürfen ruhte, als ich mein erstes Buch im Juni abbrach, bekommt das hier auch noch eine „ehrenvolle“ Erwähnung. 😉 Ich hatte mir den ersten Teil der Twist-Reihe, „Indelible“, von Dawn Metcalf relativ spontan als eBook besorgt, weil dieses Urban-Fantasy-Jugendbuch für seine „slow burning romance“ gelobt wurde. Die Handlung wird aus der Sicht von Joy erzählt, die bei einem Diskobesuch von einem Fremden angegriffen und am Auge verletzt wird. Relativ schnell stellt sich heraus, dass der Fremde (Ink) eine Art übernatürliches Wesen ist und ihr eigentlich das Augenlicht hätte nehmen müssen. Da er daran aber scheiterte, hat sein Angriff Joy als seinen Besitz bzw. seine Gefährtin gekennzeichnet. Damit Joy nicht getötet wird, weil sie über die Fähigkeit verfügt, übernatürliche Wesen sehen zu können, und Ink nicht vernichtet wird, weil er daran gescheitert ist, die magischen Wesen vor der Entdeckung durch einen Menschen zu schützen, müssen die beiden so tun, als ob sie eine Beziehung hätten.

Ich muss zugeben, dass die Kennenlernen von Joy und Ink sich wunderbar langsam entwickelt und es im ersten Drittel des Romans überraschend intime (und jugendfreie!) Szenen mit den beiden gibt. Auch gibt es einige andere Aspekte, die die Autorin wirklich gut behandelt hat, die mich sonst häufig in (nicht nur Urban-Fantasy-)Romanen ärgern. So fand ich es zum Beispiel wunderbar zu lesen, dass sich Joy anfangs einem Polizisten anvertraut und sich halt wirklich wie ein relativ vernünftiger verängstigter Teenager verhält und nicht wie eine sich selbst überschätzende Superheldin. Aber insgesamt hat mich die Geschichte leider nicht packen können, weil mich der fantastische Teil der Handlung so gar nicht interessiert hat – und als ich mich dann dabei ertappte, dass ich lieber noch eine Runde Haushaltskram erledigte, als meine Lesezeit mit diesem Buch zu verbringen, habe ich auch diesen Roman abgebrochen. Mal schauen, wie es in den nächsten Wochen so weitergeht mit mir und dem Lesen …

Juni-SuB 2021

Der Mai brachte – wie erwartet – nicht besonders viel Lesezeit mit sich, weshalb ich eigentlich doch ganz zufrieden mit der Menge an gelesenen Büchern bin. Insgesamt habe ich 2 Neuzugänge, 2 Titel vom SuB, 1 Reread und 2 eBooks, dazu 1 Sachbuch, 4 Kurzgeschichten, 2 Comics und 4 Manga gelesen und 2 Hörbücher gehört. Und erst jetzt, da ich diesen Beitrag schreibe, fällt mir auf, dass mir nur ein Reread gefehlt hätte, um mein „Jahresvorhaben“ in diesem Monat zu erfüllen. Ich hoffe, dass das bedeutet, dass ich mich so langsam daran gewöhne, meinen unterschiedlichen Büchern einigermaßen gleichmäßig Aufmerksamkeit zu schenken. 😉

In den kommenden Tagen wird meine Freizeit vor allem mit dem japanischen Filmfestival gefüllt, das in diesem Jahr in der ersten Juniwoche stattfindet. Außerdem will ich die Tage nutzen, in denen mein Mann Urlaub hat und nicht unseren Schreibtisch mit seinem Kram belegt, um mit meiner Arbeit weiterzukommen. Ich erwarte also nicht, dass ich im Juni Lese-Rekorde brechen werde – auf der anderen Seite ist es früher ja schon ab und an vorgekommen, dass ich trubelige Zeiten mit … äh … kürzeren Nächten ausgeglichen habe, um genügend Lesestunden genießen zu können. Mal schauen, wie das im Juni so laufen wird. *g*

    1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
    2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
    3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
    4. Kelley Armstrong: The Gryphon’s Lair (A Royal Guide to Monster Slaying 2)
    5. Sophie Anderson: The Castle of Tangled Magic
    6. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
    7. Julie Berry: The Scandalous Sisterhood of Prickwillow Place
    8. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
    9. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
    10. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
    11. Gwenda Bond/Christopher Rowe: The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy
    12. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
    13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
    14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Spyness 6)
    15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
    16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
    17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
    18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
    19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
    20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
    21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
    22. Rachel Caine: Paper and Fire (The Great Library 2)
    23. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
    24. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
    25. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
    26. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
    27. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
    28. Orlagh Collins: All the Invisible Things
    29. April Daniels: Dreadnought (Nemesis 1)
    30. Benjamin Dean: Me, My Dad and the End of the Rainbow
    31. Sarah Beth Durst: Race the Sands
    32. Louise Erdrich: The Birchbark House
    33. Catherine Fisher: The Velvet Fox (The Clockwork Crow 2)
    34. Anita Frank: The Lost Ones – Some Houses are Never at Peace
    35. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
    36. Jasmine Gower: Moonshine
    37. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
    38. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
    39. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
    40. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
    41. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
    42. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
    43. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
    44. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
    45. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
    46. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
    47. Michelle Harrison: A Tangle of Spells
    48. Rachel Hartman: Seraphina
    49. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
    50. Jim C. Hines: Terminal Alliance
    51. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
    52. Tanya Huff: Wizard of the Grove
    53. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
    54. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
    55. Sharna Jackson: Mic Drop (High-Rise Mystery 2)
    56. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
    57. Diana Wynne Jones: Dogsbody
    58. Diana Wynne Jones: Power of Three
    59. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
    60. Michelle Ruiz Keil: All of Us with Wings
    61. Celine Kiernan: Geisterpfade
    62. Celine Kiernan: Königspfade
    63. Celine Kiernan: The Little Grey Girl (The Wild Magic Trilogy 2)
    64. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
    65. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
    66. R. F. Kuang: The Poppy War
    67. L. D. Lapinski: The Strangeworlds Travel Agency
    68. Yoon Ha Lee: Dragon Pearl
    69. Y.S. Lee: The Body at the Tower (The Agency 2)
    70. Darcie Little Badger: Elatsoe
    71. Cixin Liu: The Three-Body Problem
    72. Kari Maaren: Weave a Circle Round
    73. Seanan McGuire: Middlegame
    74. Seanan McGuire: Angel of the Overpass (Ghost Roads 3)
    75. Robin McKinley: Sunshine
    76. Robin McKinley: Dragonhaven
    77. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
    78. Wendy McLeod MacKnight: The Copycat
    79. Karen M. McManus: Two can Keep a Secret
    80. Kelly Meding: Stray Magic (aussortiert)
    81. Kelly Meding: Stray Moon (aussortiert)
    82. Kate Milford: The Boneshaker
    83. Kate Milford: Bluecrowne
    84. Kate Milford: The Thief Knot
    85. Maya Montayne: Nocturna
    86. Julie Murphy: Faith – Taking Flight
    87. Bishop O’Connell: The Stolen
    88. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
    89. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
    90. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
    91. Natalie C. Parker: Seafire
    92. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
    93. C. L. Polk: Stormsong (Kingston Cycle 2)
    94. C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)
    95. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
    96. Sarah Prineas: Dragonfell
    97. Philip Reeve: Larklight
    98. Kat Richardson: Labyrinth (Greywalker 5)
    99. Kat Richardson: Downpour (Greywalker 6)
    100. Kat Richardson: Seawitch (Greywalker 7)
    101. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
    102. Rebecca Roanhorse: Race to the Sun
    103. John Scalzi: Fuzzy Nation
    104. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
    105. Barbara Sleigh: The Kingdom of Carbonel
    106. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
    107. Amy Sparkes: The House at the Edge of Magic
    108. Jessica Spotswood/Tess Sharpe: Toll and Trouble – 15 Tales of Women and Witchcraft (Anthologie)
    109. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
    110. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
    111. Charles den Tex: Die Zelle
    112. Aiden Thomas: Cemetery Boys
    113. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
    114. Sarah Tolcser: Song of the Current
    115. Tiffany Trent: Unnaturalist
    116. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
    117. Renee Watson: Piecing Me Together
    118. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
    119. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
    120. Martha Wells: The Cloud Roads
    121. Darcie Wilde: And Dangerous to Know (Rosalind Thorne 3)
    122. Amy Wilson: Angel and Bavar
    123. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
    124. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
    125. Xinran: Gerettete Worte
    126. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
    127. Jy Yang: The Black Tides of Heaven
    128. Damaris Young: The Switching Hour
    129. Ibi Zoboi: Pride

     

  1. 129 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang 
  2. Sachbuch-SuB: (noch unvollständig)
    1. Caroline Criado Perez: Invisible Women – Exposing Data Bias in a World Designed for Men
    2. Brunhilde Dähn: Berlin Hausvogteiplatz
    3. Ruth Goodman: How to be a Victorian
    4. Molly Guptill Manning: When Books Went to War
    5. Lindsey Fitzharris: The Butchering Art – Joseph Lister’s Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine
    6. Kameron Hurley: The Geek Feminist Revolution
    7. Lily Koppel: The Astronaut Wives Club
    8. Natalie Livingstone: The Mistresses of Cliveden
    9. Gail MacColl/Carol McD. Wallace: To Marry an English Lord
    10. Philip Mansel: Prince of Europe – The Life of Charles-Joseph de Ligne
    11. Molly Peacock: The Paper Garden – An Artist Begins Her Life’s Work at 72
    12. Michael du Preez und Jeremy Dronfield: Dr. James Barry – A Woman Ahead of Her Time
    13. Hallie Rubenhold: Lady Worsley’s Whim – An Eigtheenth-Century Tale of Sex, Scandal and Divorce

     

  3. 12 Titel auf dem SuB zum Montatsanfang(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
    (kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Kurze Blogpause

Ich starte in den Juni mit einer kurzen Blogpause, da ich gerade viel um die Ohren habe, mein Mann in den ersten Juniwochen Urlaub hat und wieder das japanische Filmfest stattfindet. Letzteres wird dafür sorgen, dass ich meine Freizeit also mit Filmen verbringen werde, ersteres dafür, dass ich die Zeit zwischen den Filmen mit Arbeit verbringe. 😉

Für meine Statistik gibt es zum 1. Juni noch meinen SuB-Beitrag und danach wird es hier erst einmal etwas still werden. Ich werde definitiv vor dem Lese-Sonntag wieder zurück sein, so dass ihr den wieder mit mir gemeinsam erleben könnt, wenn ihr wollt.

Habt einen guten Start in den Juni und bis bald! 🙂

Tamzin Merchant: The Hatmakers

Vor ein paar Tagen habe ich „The Hatmakers“ von Tamzin Merchant beendet und mich dabei wunderbar mit diesem Debütroman amüsiert. (Wobei ich erst einmal einen Hinweis von Anette brauchte, um zu kapieren, dass ich der Autorin schon als Schauspielerin in der 2005er-Verfilmung von „Pride & Prejudice“ begegnet war. *g*) Die Geschichte wird aus der Sicht der elfjährigen Cordelia Hatmaker erzählt, deren Familie seit vielen Generationen magische Hüte anfertig. Jeder Hut, der die Werkstatt der Hatmakers verlässt, beeinflusst mit seiner Magie seinen Träger oder seine Trägerin. Cordelias Familie ist sich nur zu bewusst, welche Verantwortung sie mit der Herstellung ihrer Hüte trägt, und so wurde Cordelia von klein auf eingeprägt, wie wichtig die richtigen Materialien, die Launen der Hutmacher und natürlich die Ausgewogenheit aller Bestandteile beim Herstellen sind. Umso schlimmer ist es, dass gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem der König dringend einen „Peace Hat“ benötigt, Cordelias Vater in einem Sturm vermisst wird. Natürlich versucht Cordelia alles in ihrer Macht Stehende, um ihren Vater zu retten, und stolpert dabei über mysteriöse Ereignisse, die die Zukunft aller Maker-Familien gefährdet.

Für mich gab es am Anfang von „The Hatmakers“ so einige Elemente, die mich an Geschichten von Diana Wynne Jones erinnert haben, wie die magischen Hüte (Sophie aus „Howl’s Moving Castle“), das Zusammenleben der Hatmakers in ihrem großen Haus und die Rivalität der verschiedenen Maker-Familien untereinander (wie bei den Montana- und Petrocchi-Familien in „The Magicians of Caprona“). Aber da ich genau diese Dinge sehr mag und Tamzin Merchant aus diesen vertraut wirkenden Sachen eine wunderbare Geschichte gesponnen hat, störte mich das überhaupt nicht. Cordelia ist eine wunderbare Protagonistin, wild entschlossen, ihren Vater zu retten, und voller Einfallsreichtum, was die diversen Herausforderungen betrifft, die sie dabei zu bewältigen hat. Schon früh steht fest, dass das britische Königreich kurz vor einem Krieg mit Frankreich steht, während der König ein paar unerwartete Probleme beim Regieren hat. Und obwohl die Autorin die Gefahr, die durch diesen Krieg für die Bevölkerung entsteht, nicht verharmlost, gibt es so viele absurde und komische Momente rund um diesen Teil der Geschichte, dass ich ständig beim Lesen schmunzeln musste.

Mir gefiel auch sehr die Art und Weise, wie Tamzin Merchant Magie und Handwerk in ihrer Geschichte verknüpft hat und wie die verschiedenen Materialien und ihre Gewinnung beschrieben wurden. Und obwohl die Enthüllung der Personen, die im Hintergrund an den Fäden gezogen haben, keine Überraschung war, fand ich es spannend zu lesen, welche fiesen Taten sie sich als nächstes ausdenken würden – und wie Cordelia ihre Pläne (unwissentlich oder bewusst) sabotieren würde. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir für eine der bösen Personen ein anderes Ende gewünscht hätte (oder dass sie sich als nicht ganz so fies und rachsüchtig herausstellen würde), weil – und das ist die einzige Art, es ohne Spoiler auszudrücken – die Maker schließlich sieben Sterne in ihrem Logo haben.

Insgesamt habe ich mich aber einfach nur wohlgefühlt mit all den großen und kleinen Abenteuern, die Cordelia erlebt, ich habe mit ihr mitgelitten, wenn sie um das Leben ihres Vater gebangt hat, und mich gefreut, wenn sie eine Lösung für eines der vielen Probleme gefunden hat, die sie beschäftigen. Ich mochte Cordelia wirklich sehr als Protagonistin mit all ihrer Dickköpfigkeit, ihrem Einfallsreichtum und ihren großen und kleinen Fehlern, und auch die verschiedenen Nebenfiguren habe ich schnell ins Herz geschlossen und mich über jeden kleineren und größeren Auftritt gefreut, den sie bekamen. Da die Ideen hinter „The Hatmakers“ noch so einigen Stoff für weitere Geschichten bieten und Cordelia so eine wunderbare Protagonistin ist, freue ich mich sehr, dass im kommenden Jahr ein zweiter Band mit dem Titel „The Mapmakers“ erscheinen soll. Ich hoffe, dass es in dem Roman dann auch wieder sehr viele magische Elemente und sehr viele Szenen mit Cordelias Familie und Freunden geben wird.

Die Mischung aus …

… sehr vielen Neuzugängen in den Wintermonaten und dem Umstand, dass wir unseren Ventilator in dieser Zeit vor meinem SuB-Regal lagern, sorgt dafür, dass mein SuB ein kleines bisschen unorganisiert aussah. Die Tatsache, dass ich mich in den letzten Wochen recht selten zum Aufräumen aufraffen konnte, und dass ich ständig Bücher von einem Ort zum anderen geschleppt habe, machte die Sache nur noch schlimmer. Als ich also gestern meine (momentan sehr kostbare) Lesezeit mit einem neuen Buch verbringen wollte, hat mich der Anblick meines SuBs so genervt, dass ich statt zu Lesen lieber meinen ungelesenen Bestand aufgeräumt habe. 😉

Links die Sicht von vorne, rechts die seitliche Sicht auf mein Bücherregal. Die Bücher stehen nicht nur sehr unordentlich im Regal, sondern es stehen auch lauter Stapel vor den Buchreihen, die deutlich hervorragen. ein Ventilator mit einem übergeworfenen Tuch lässt sich in der Ecke rechts unten erahnen.

Das Chaos vor dem Aufräumen (inklusive staubgeschütztem Ventilator). *g*

Ich habe zwei Bücher gefunden, die ich aus irgendeinem Grund nicht in der SuB-Liste aufgeführt hatte („The Black Tides of Heaven“ von Jy Yang und „The Cloud Roads“ von Martha Wells). Außerdem gibt es immer noch ein paar Titel im Regal, die genau genommen nicht zum SuB gehören, die ich aber dahingepackt habe, weil ich sie lesen will, bevor ich zu anderen Büchern greife. Die kleinen Masspaperbacks dürfen vor den anderen Büchern stehenbleiben, weil sie da gut hinpassen und so keinen Extra-Platz in Anspruch nehmen.

Ein Bücherregal mit alphabetisch geordneten Büchern (und ein paar Comics). Es gibt nur noch drei kleine Stapel vor den Buchreihen und diese bestehen aus kleinen US-Masspaperbacks, die da auch genügend Platz haben, um nicht aus dem Regal zu ragen.

Nachher – nicht perfekt, aber sehr viel besser als vorher. 😉

Insgesamt bin ich ganz zufrieden mit meinem Rumräumen (und Staubwischen *g*), ich sollte aber dringend meine Lesezeit wieder mit Lesen verbringen, um etwas Platz im Regal zu schaffen. 😉

Effie Calvin: The Queen of Ieflaria (Tales of Inthya Book 1)

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund dachte ich in den vergangenen Monaten, dass „Queen of Coin and Whispers“ von Helen Corcoran und „The Queen of Ieflaria“ von Effie Calvin dasselbe Buch seien. Deshalb glaubte ich auch lange, dass es zu „Queen of Coin and Whispers“ eine Fortsetzung geben müsste, was nicht der Fall ist. Nachdem ich also den Roman von Helen Corcoran gelesen hatte, hatte ich also das Gefühl, ich sollte auch noch „The Queen of Ieflaria“ lesen, um die beiden Geschichten entgültig in getrennte Schubladen in meinem Kopf zu stecken. Jetzt kann ich also sagen, dass die beiden Romane nicht viel miteinander zu tun haben (abgesehen davon, dass bei die Protagonistinnen ungefähr gleich alt sind und es Fantasybücher sind, die sich rund um das Thema „Königin sein“ drehen). 😉

Die Handlung wird bei „The Queen of Ieflaria“ auf der einen Seite aus der Sicht der ca. 19-jährigen Esofi erzählt, die nach einer monatelangen Reise am Hof von Ieflaria eintrifft, wo nun statt einer Hochzeit die Trauerzeit um ihren Verlobten auf sie wartet. Ich mochte es sehr, dass Esofi den Tod des Thronerben Albion wirklich betrauerte. Denn obwohl sie ihren Verlobten noch nie getroffen hatte, so hat sie mit ihm in den vergangenen Jahren doch viele Briefe ausgetauscht und ihn so überraschend gut kennengelernt. Aber trotz aller Trauer ist Esofi sich auch der Tatsache bewusst, dass sie nun eine neue Verbindung zum Ieflarianischen Hof finden muss, wenn sie irgendwann die Königin des Landes werden will. Dabei geht es Esofi weniger um die Macht, die mit der Position einhergeht, als um die Magie, die sie dort wieder etablieren will, und um all die anderen Dinge, die sie für das Land und seine Bevölkerung tun kann.

Die zweite Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist die der siebzehnjährigen Adale. Adale ist die jüngere Schwester des verstorbenen Albion und diejenige in der Familie, die bislang keinerlei Verantwortung übernehmen musste. Adale liebt es, zu jagen und zu reiten, sie zieht nachts mit ihren Freunden durch die Kneipen der Stadt und scheint das Leben rundum zu genießen. Als Adale nun aufgefordert wird, sich mit Esofi zu verloben und so dafür zu sorgen, dass Esofis Fähigkeiten und Wissen Ieflaria im Kampf gegen die angreifenden Drachen zur Verfügung stehen, gerät sie in Panik. Sie fühlt sich nicht in der Lage, so viel Verantwortung zu übernehmen. Adale kann sich nicht gut ausdrücken, sie hat nie den Vergleich mit Albion bestehen können, und sie hat Angst davor, Fehler zu machen, die gravierende Folgen haben könnten. Auf der anderen Seite fühlt sie sich schnell zu Esofi hingezogen und möchte nicht, dass diese eine andere Person heiraten muss, die sie respektlos oder gar grausam behandeln würde.

„The Queen of Ieflaria“ ist meinem Gefühl nach in erster Linie eine Liebesgeschichte, auch wenn die fantastischen Elemente, die Effie Calvin für ihren Roman geschaffen hat, zahlreich und wichtig sind. Ieflaria sieht sich seit Jahren immer heftiger werdenden Angriffen von Drachen ausgesetzt, das Göttersystem ist vielfältig, die Götter können einen direkten Einfluss auf das Leben der Menschen nehmen, und Magie ist allgegenwärtig, aber trotzdem nicht selbstverständlich. Aber vor allem dreht sich die Handlung darum, wie Esofi und Adale mit der Situation fertig werden, die durch Albions überraschenden Tod hervorgerufen wurde. Esofi ist überaus pragmatisch und pflichtbewusst und wurde ihr Leben lang auf die Rolle der Königin von Ieflaria vorbereitet. Trotzdem zeigt sie immer wieder überraschende Unsicherheiten, die sie sehr sympathisch wirken lassen, und eine Sehnsucht nach Romantik, die bei einer Frau, deren ganzes Streben auf politische und religiöse Elemente ausgerichtet zu sein scheint, wirklich berührend zu lesen ist.

Adale hingegen wirkt anfangs einfach nur wie ein verwöhntes und verantwortungsloses Wesen, bis man sie als Leser besser kennenlernt und versteht, wie sehr sie sich davor fürchtet, Fehler zu machen. Sie war nie so gut wie ihr Bruder Albion, sie ist unsicher und ihr ist nur allzu gut bewusst, welche Folgen ihre Fehler auf die Menschen in ihrem Reich hätten. Dass ihre Nähe zum „normalen Volk“ ein Pluspunkt sein könnte, ist ihr ebensowenig klar wie die Tatsache, dass man als Thronerbin nicht perfekt sein muss. Ich habe es sehr genossen, die beiden Protagonistinnen immer besser kennenzulernen und mehr über sie herauszufinden – gerade weil von Anfang an deutlich wurde, dass die beiden Frauen sich wunderbar ergänzen würden, wenn sie bereit wären, aufeinander zuzugehen und miteinander zu arbeiten. Ich fand es auch spannend, dass in Effie Calvins Welt das Geschlecht einer Person keine so wichtige Rolle spielte und dass es (mindestens?) drei Geschlechter gab. Allerdings ist es schon ein Thema, dass es bei einer Ehe zwischen Esofi und Adale Probleme mit dem Nachwuchs geben könnte, wenn nicht eine von beiden in der Lage wäre, für eine gewisse Zeit auf magische Weise ihr Geschlecht zu ändern.

Es gibt relativ wenig Drama in der Handlung, auch wenn die Situation zwischen den beiden Frauen natürlich zum einen oder andere Missverständnis führt. Stattdessen sorgt die Autorin dafür, dass ich mich über die Gedanken der jeweiligen Erzählerin amüsiert und voller Vorfreude auf die Auflösung dieser Missverständnisse gewartet habe. „The Queen of Ieflaria“ ist – trotz der politischen und religiösen Elemente und der Gefahr durch die Drachen – eine überraschend entspannte und heitere Lektüre gewesen. Ich habe beim Lesen viel vor mich hingekichert. Außerdem mochte ich Esofi und Adale wirklich gern und fand es schön, die beiden bei ihrem Kennenlernen zu begleiten. Es wäre großartig, wenn irgendwann auch noch jede einzelne Hofdame der beiden Protagonistinnen ihren eigenen Roman bekäme, weil selbst diese (nicht so wichtigen) Nebenfiguren mir so viel Spaß beim Lesen gemacht haben. Genau genommen habe ich diesen Band so unterhaltsam gefunden, dass ich mir gleich nach dem Beenden den zweiten Teil der „Tales of Inthya“-Reihe, „Daughter of the Sun“, besorgt habe.

Lese-Sonntag im Mai 2021

Die letzten zwei Wochen waren ganz schön stressig und viel zum Lesen bin ich in diesem Monat noch nicht gekommen. Aber vielleicht schaffe ich es ja heute diesen Mangel an Lesezeit etwas aufzuholen. Die „lästigen Pflichten“ habe ich gestern schon vor dem Schlafengehen erledigt, so dass ich direkt mit einem Buch in den Tag starten kann – zumindest wenn ich in den nächsten Minuten wach genug dafür werde. Vielleicht höre ich auch einfach nur eine Runde Musik, bis ich mich in der Lage fühle, mich für ein Buch zu entscheiden. 😉 Da ich gestern meinen angefangenen Roman („The Hatmaker“ von Tamzin Merchant) beendet habe, muss ich jetzt erst einmal herausfinden, nach welcher Art von Geschichte mir heute ist.

 

Update 11:00 Uhr

Animal-Crossing-Screenshot, auf dem Melinda zu sehen ist, die sagt: "Aber uns steht eine neue Woche bevor, und ich wünsche euch, dass sie so wird, wie ihr es euch vorstellt!".

Ich habe nach dem Schreiben des Blogbeitrags wirklich erst einmal etwas Musik gehört und als ich mich dann wach genug fühlte, habe ich „Animal Crossing“ gestartet, um nach dem heutigen Rübenpreis zu schauen und dann meinen Mann und eine Freundin auf meine Insel zu lassen, damit sie von meiner Jorna Rüben kaufen konnten. Bei der Gelegenheit habe ich dann noch meine täglichen „Pflichten“ im Spiel erledigt, damit ich da nicht mehr dran denken muss. *g* Außerdem habe ich mich für mein nächstes Buch entschieden („Death sets Sail“ von Robin Stevens – der letzte Teil der „Murder Most Unladylike“-Reihe), aber statt zum Roman zu greifen, habe ich erst einmal einige Fotos, die noch auf der Kamera ruhten, gesichtet, ausgewählt und bearbeitet und – falls sie für den Blog waren – in die jeweiligen Beitrags-Entwürfe eingefügt. Jetzt wird es aber wirklich Zeit, dass ich meine Nase ins Buch stecken, auch wenn ich mich ein bisschen vor einer im Klappentext angedeuteten Entwicklung fürchte. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich die Reihe mit jedem Band mehr genossen habe und ich gehe nicht davon aus, dass die Autorin mir das noch vermiesen wird …

Die - auf einem Holzbrett liegende - Taschenbuchausgabe von "Death sets Sail" von Robin Stevens (mit einem gold-glänzendem Cover) und rechts daneben eine grün-weiß-gemusterte Tasse mit schwarzem Tee.

 

Update 14:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich – von einer kurzen Frühstückspause abgesehen – durchgehend gelesen. Der letzte Band der „Murder Most Unladylike“-Reihe spielt in Ägypten, wo Daisy Wells und Hazel Wong gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Amina, Hazels Vater und ihren beiden Halbschwestern, sowie ihren Freunden Alexander und George eine Nil-Kreuzfahrt machen. Ebenfalls an Bord des Schiffes ist eine Gruppe, die sich „Breath of Life Society“ nennt und deren Mitglieder behaupten Pharao-Inkarnationen zu sein. Natürlich sind all die Mitglieder dieser Society weiße, wohlhabende Briten, was ihre Behauptung umso absurder wirken lässt, und die Stimmung innerhalb dieser Gruppe lässt Daisy und Hazel von Anfang an vermuten, dass es bald zu einem Verbrechen kommen wird. Außerdem lässt die Autorin Robin Stevens keinen Zweifel daran, dass eines der Mitglieder der „Wells and Wong Detective Society“ Ägypten nicht lebend verlassen wird. Was mir als Leserin die Gelegenheit gibt, mich auf diesen Moment vorzubereiten, aber auch bedeutet, dass ich die Ereignisse bislang nicht ganz so genießen kann, wie ich es unter anderen Umständen tun würde. Wobei ich zugeben muss, dass ich den Roman trotz des bevorstehenden Mordes an einer meiner Lieblingsfiguren überraschenderweise genieße.

Links ist eine Ecke von "Death Sets Sail" zu sehen, auf der rechten Seite steht ein weißer Teller mit einer aufgeschnittenen Kohlrabi und einer zusammengeklappten Scheibe Vollkornbrot mit Käse.

Ich weiß noch nicht, ob ich gleich wieder zum Buch greife oder ob ich erst noch das (graue) Tageslicht ausnutze und etwas häkel. Auf jeden Fall werde ich erst einmal eine kleine Blog- und Kommentarrunde drehen und schauen, ob die anderen schon etwas zu ihrem Lese-Sonntag zu erzählen hatten.

 

Update 17:00 Uhr

Eine angefangene Häkeldecke, mit einem Karomuster in den Farben dunkelbraun, mittelbraun und weiß. Auf der ca. 30 cm langen Decke liegen drei Wollknäule n den erwähnten Farben, eine Häkelnadel mit einem Holzgriff und ein Kopfhörer.

Nach meiner Blogrunde habe ich erst einmal zum Häkelzeug gegriffen und weiter an meiner Decke gearbeitet, während ich das Hörbuch „The Mislaid Magician: Or, Ten Years After“ von Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer gehört habe. Ich habe mir zwar gerade erst eine Empfehlung von Neyasha („The House in the Cerulean Sea“ von T.J. Klune) besorgt, aber da ich gerade nicht so viel Zeit zum Häkeln und Hören habe, dachte ich, dass eine bekannte Geschichte im Moment besser wäre – auch wenn es einige Jahre her ist, dass ich den dritten Cecy&Kate-Band gelesen habe. *g* Gegen 16:00 Uhr habe ich mir erst einmal einen Milchkaffee gekocht und wieder zum Buch gegriffen. Der erste Mord ist auf der Nil-Kreuzfahrt passiert und ich mag, dass die Geschichte (nicht ohne Grund) eine gute Spur von „Mord auf dem Nil“ aufweist. Die Autorin hatte nicht nur Agatha Christies Roman als Inspiration herangezogen, sondern sich auch eine Nil-Kreuzfahrt für Recherchezwecke gegönnt, was sich definitiv bemerkbar macht. 🙂 Ich weiß jetzt schon, dass eine meiner Lieblingsfiguren nur noch einen Tag zu leben hat, und lenke mich davon vor allem mit den Szenen ab, in denen Hazels kleine Schwester May auftaucht, die in der nächsten Serie von Robin Stevens eine der Protagonistinnen sein wird.

Ein kleiner Teller mit drei Schoko-Haferflocken-Keksen steht auf "Death Sets Sail" und verdeckt das Cover fast vollständig. Rechts von dem Teller steht eine große Tasse it Milchkaffee.

 

Update 20:30 Uhr

Eine Schüssel mit einer Portion sahniger Blumenkohlsuppe mit Petersilie.

Bis es Zeit wurde zum Kochen in die Küche zu wandern, habe ich weiter meine Nase in „Death Sets Sail“ gesteckt. Ich mag die Geschichte, ich mag die verschiedenen Figuren und ich es der Autorin sogar (fast) verzeihen, dass sie sich auf diese Art und Weise von einem entscheidenden Charakter trennt. Zum Essen gab es eine Folge „Top Chef“ – nachdem wir die zweite Staffel davon angefangen hatten, mussten wir feststellen, dass es die Serie nur noch bis zum Ende des Monats auf Netflix geben wird. Weshalb wir nun jeden Abend eine Folge schauen, damit wir wenigstens die angefangene Staffel noch beendet bekommen. Ich bin immer ein bisschen hin und her gerissen, wenn es um diese Art von „Wettkampf-Kochsendungen“ geht. Auf der einen Seite finde ich es spannend, was Profi-Köche aus den verschiedenen Challenge-Vorgaben machen, auf der anderen Seite ist mir nur zu sehr bewusst, dass der produzierende Sender durch Schnitte, die Auswahl von Szenen und sogar durch Manipulation der Juryentscheidungen dafür sorgt, dass das Ganze „dramatisch“ bleibt. Dabei könnte ich durchaus auf das Drama verzichten und mich einfach nur von interessanten Essensbildern unterhalten lassen. 😉

Ein fertiger naturfarbender Socken mit einem relativ groben Rippenmuster und einem seitlichen Zopf, bei dem ein Strang die gesamte Schaftlänge entlangläuft. Daneben ein angefangener Socken, dessen Schaft aufgerollt ist (um mir beim Stricken nicht im Weg zu sein).

Da so eine Suppe nicht für eine gut 45-Minuten-lange Serienfolge reicht, habe ich nebenbei zum Strickzeug gegriffen und weiter an meinem aktuellen Sockenpaar gearbeitet. Bevor ich den Rest des Abends mit meinem Buch verbringe, drehe ich erst einmal eine Blog- und Kommentarrunde und schaue, wie es euch so ergangen ist. 🙂

 

Update 23:00 Uhr (letztes Update)

Ich habe nur noch einige Seiten in meinem Buch vor mir, die ich vor dem Schlafengehen auf jeden Fall noch lesen werde. Es war schön mal wieder einen Tag mit so intensiver Lesezeit zu verbringen (und micht trotzdem einige Zeit mit meiner Häkeldecke beschäftigen zu können). Ich hoffe, ihr habt den Tag auch so weit wie möglich genießen können und euch schön entspannt. Habt einen guten Start in die Woche, passt weiterhin gut auf euch auf – wir lesen uns! 🙂

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Heutige Mitleserin:

Kiya
Anette
JED

Zoe Chant: Librarian Bear (Virtue Shifters 2)

„Librarian Bear“ von Zoe Chant (C.E. Murphy) ist der zweite Teil der Virtue-Shifters-Serie, und nachdem ich den ersten Band, „Timber Wolf“, im vergangenen Jahr als so wohltuend und erholsam empfand, hatte ich den zweiten Teil vorbestellt, sobald die Autorin ihn auf Twitter angekündigt hatte. Die Handlung wird abwechselnd aus den Perspektiven von Sarah und Matthew erzählt. Sarah ist die Leiterin der Bibliothek in Virtue und hat für einen Monat einen Archivar finanziert bekommen, der die alten Unterlagen ordnen soll, die in den Tiefen der Bibliothek aufbewahrt werden. Dieser Archivar ist der Bären-Gestaltwandler Matthew, der den Job in Virtue als Überbrückung nutzen will, bis er in wenigen Wochen seinen Traumjob in Chicago antreten wird.

Beide Charaktere fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen und zeigen dies ihrem Gegenüber auch. Dabei wird in jeder Szene deutlich, dass die beiden die Grenzen des anderen respektieren und alles dafür tun, damit sich der andere nicht unwohl mit der gezeigten Aufmerksamkeit fühlt. Ich liebe diesen freundschaftlich-respektvollen Umgang, den die Figuren in den Virtue-Shifter-Romanen miteinander pflegen, und wünschte mir wirklich, dass mehr Autorinnen kapieren, dass Charaktere, die miteinander reden und sich (relativ) langsam aneinander annähern nicht nur romantisch, sondern auch sexy sein können. Das große Hindernis in dieser sich anbahnenden Beziehung besteht in der Tatsache, dass Matthew ja nur für einen Monat in Virtue ist. Was mich als „Problem“ für eine Liebesgeschichte gestört hätte, wenn Matt und Sarah nicht im Laufe der Handlung darüber reden würden, ob sie sich auch eine Fernbeziehung vorstellen könnten.

Außerdem gibt es noch eine Landerschließungsfirma, die in Virtue Fuß fassen und dafür die Ranch von Rachels Freundin enteignen lassen will. Um dieser Firma Einhalt gebieten zu können, muss Sarah eine Abschrift des Gründungsdokuments der Stadt finden (ich hoffe, dass das mehr Sinn ergibt, wenn man sich mit US-Recht auskennt 😉 ), was natürlich den beiden Charakteren viel Zeit gibt, um gemeinsam in Archiven zu wühlen. Dieser Handlungsstrang führt dazu, dass sich Sarah und Matt mit der Geschichte der Stadt und den Besonderheiten einiger Einwohner beschäftigen müssen. So kommt es, dass der Gestaltwandler-Anteil der Reihe in „Librarian Bear“ eine entscheidende Rolle spielt, während er in „Timber Wolf“ nur ein amüsantes, aber definitiv nicht notwendiges Element war. So fühlt es sich an, als ob die Autorin in diesem Band mehr in ihrer Urban-Fantasy-Welt angekommen wäre, was mir gut gefallen hat.

Wenn ich etwas an „Librarian Bear“ kritisieren müsste, dann wäre es die unglaublich umfassende Kompetenz von Sarah. Sie ist nicht nur eine hervorragende Bibliothekarin, die nebenbei eine tägliche Kinderbetreuung in ihrer Bibliothek aufgebaut hat, das örtliche Jugendtheater mit Kostümen versorgt und diverse gemeinnützige Organisationen leitet, sondern sie näht auch all ihre Kleidung perfekt selbst und wartet und repariert ihr altes Auto. Trotzdem hat sie nebenbei noch genügend Zeit, um mit Matt stundenlang alte Papiere zu durchwühlen und die alteingesessenen Familien abzuklappern und auszufragen. Das war alles ein bisschen viel und nur deshalb erträglich, weil diese Protagonistin trotz allem überraschend sympathisch war. Außerdem lese ich solche Romane nicht für ihren Realismus, sondern für ihre wohltuende Wirkung, und so konnte ich über die überperfekte Sarah hinwegsehen und stattdessen den wunderbaren Umgang der beiden Hauptfiguren miteinander und die amüsanten kleinen Szenen zwischen diesen beiden Charakteren und all den Nebenfiguren genießen.

Elizabeth Hawes: Zur Hölle mit der Mode

Vor über achtzig Jahren erschien mit „Fashion is Spinach“ ein Titel, in dem die Designerin Elizabeth Hawes auf die Zeit zurückblickt, die sie in Paris und den USA mit dem Studium und dem Entwerfen von Mode verbracht hat. Mit „Zur Hölle mit der Mode“ ist im August 2019 die von Constanze Derham übersetzte deutsche Version des Buches herausgekommen (und die durfte dann erst einmal ein Jahr auf meinem SuB liegen, bevor ich sie endlich las 😉 ). Ich habe ja schon mehrfach auf diesem Blog erzählt, dass ich an aktueller Mode so gar nicht interessiert bin, dass ich es aber immer wieder spannend finde, mich mit Mode-Geschichte zu beschäftigen. Gerade in den Jahrzehnten vor den beiden Weltkriegen ist so viel im Bereich Mode passiert, was ich wirklich faszinierend finde, und in „Zur Hölle mit der Mode“ bekommt man einiges mit, was in den 1920er-Jahren hinter den Kulissen der Pariser Designhäuser passierte und in den 30er-Jahren rund um die Mode in den USA.

Mit Anfang zwanzig ging Elizabeth Hawes direkt nach ihrem Collegeabschluss nach Paris, in der Hoffnung, einen Weg zu finden, um als Modedesignerin arbeiten zu können. Ihr war natürlich klar, dass niemand eine unbekannte Amerikanerin engagieren würde, so dass sie jeden Job annahm, der es ihr erlaubte, die Pariser Modewelt zu studieren. Vom Juli 1925 bis August 1928 lebte sie in Frankreichs Hauptstadt und arbeitete unter anderem als Mode-Journalistin, als Mode-Zeichnerin (was bedeutete, dass sie bei den Modeschauen die Entwürfe der großen Designer „kopierte“) und letztendlich auch als Designerin, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass es sie langfristig nicht reizte, „französische Mode“ für die High Society zu entwerfen. Stattdessen versuchte Elizabeth Hawes in den folgenden neun Jahren in New York als Designerin mit einer eigenen Kollektion und hochwertigen Maßanfertigungen Fuß zu fassen. Doch um diesen Traum zu finanzieren, musste sie immer wieder Abstecher in die Welt der Massenproduktion und Kaufhäuser machen, was bedeutete, dass sie auch diese Seite der Modeherstellung überraschend gut kennenlernte.

All diese Erfahrungen, die Elizabeth Hawes in dieser Zeit gesammelt hat, führen dazu, dass „Zur Hölle mit der Mode“ zu einer faszinierenden und unterhaltsamen Abrechnung mit der Welt der Mode und den unterschiedlichsten Produzenten und Anbietern wird. Die Autorin schreibt über den Unterschied von Stil und Mode, über die Arbeitsbedingungen, über die Erwartungen der Käuferinnen und die Geschäftsgebaren der verschiedenen Betriebe, die an der Herstellung von Kleidung beteiligt sind. Dabei hat Elizabeth Hawes viele amüsante Anekdoten zu erzählen, aber auch so einige Daten und Fakten zu präsentieren, die einem beim Lesen zu denken geben. Sie rechnet auf, welche Materialien zum Beispiel für ein hochwertiges Kleid benötigt werden, welche Arbeitszeit in die Herstellung fließt, welche zusätzlichen Elemente verwendet werden und zeigt so auf, wie der Preis für ein qualitatives Kleidungsstück entsteht.

Immer wieder geht Elizabeth Hawes darauf ein, welche Tricks Produzenten anwenden, um Material zu spare, und wie sie auf minderwertige Stoffe zurückgreifen, um ihre Kleidungsstücke möglichst billig herstellen zu können – und welche Folgen das für die Käuferinnen dieser Produkte hat. Sie scheut auch nicht davon zurück zu beschreiben, unter welche Bedingungen die Näher.innen arbeiten und welchen Lohn sie für ihre hochwertige Arbeit bekommen. Dabei ist es erschreckend, wie vertraut diese Beschreibungen klingen, auch wenn heutzutage die Näher.innen nicht mehr im Umland von Paris, sondern in Bangladesch oder ähnlichen Ländern leben. Für mich war „Zur Hölle mit der Mode“ wirklich eine spannende Lektüre, denn selbst Elemente, die ich schon kannte, bekamen durch die persönliche Perspektive der Autorin noch einmal eine andere Note.

Auch muss ich zugeben, dass ich es sehr angenehm fand, mal beim Lesen ein Buch in der Hand zu halten, das sich so wertig anfühlt. Normalerweise lese ich ja doch vor allem (Mass-)Paperbacks und im Vergleich dazu fühlen sich Buchleinen, ein gerundeter Rücken und qualitativeres Papier doch gleich ganz anders an. Überhaupt ist diese Ausgabe wirklich liebevoll hergestellt und bietet nicht nur Grafiken aus Modeveröffentlichungen, die zwischen 1882 und 1922 erschienen sind, sondern auch einen Überblick, der die von Elizabeth Hawes erwähnten Namen und Geschäfte einordnet, und ein Nachwort der Übersetzerin Constanze Derham. Ebenfalls muss ich betonen, dass man beim Lesen wirklich merkt, dass sich Constanze Derham sehr gut mit Mode (und den verwendeten Materialien) auskennt und dementsprechend auch das dazugehörige Vokabular beherrscht.

Umso bedauerlicher fand ich es, dass wohl einige Kapitel in der zweiten Hälfte des Buches beim Korrekturlesen im Bereich Kommasetzung ein bisschen zu kurz gekommen sind. Bei ein paar wenigen Kommafehlern hätte ich nichts gesagt, aber hier gab es ein paar Kapitel, die für mich deswegen nicht flüssig zu lesen waren – und ich bin jemand, dem das nur auffällt, wenn wirklich grundlegende Kommaregeln missachtet werden. Von diesem kleinen Makel abgesehen hat mir „Zur Hölle mit der Mode“ rundum wirklich sehr gut gefallen und mir Lust gemacht, mich wieder mehr mit dem Thema Mode(geschichte) zu beschäftigen. Nur gut, dass ich noch „Berlin Hausvogteiplatz – Über 100 Jahre am Laufsteg der Mode“ von Brunhilde Dähn und „Creating the Illusion“ auf dem Sachbuch-SuB liegen habe.

Radiya Hafiza: Rumaysa

In den letzten Tagen wusste ich nicht so recht, auf welche Art von Geschichte ich eigentlich Lust hätte. Also habe ich testweise ein paar Bücher angelesen und bei „Rumaysa“ bin ich direkt nach den ersten Absätzen hängengeblieben. Ich mochte die ungewöhnlichen Märchenvarianten, die Radiya Hafiza in „Rumaysa“ erzählt, so sehr, dass ich mir die Geschichten eigentlich einteilen wollte – nur um dann doch immer wieder zum Buch zu greifen, um nur noch ein weiteres kleines Kapitel zu lesen. Genau genommen greift die Autorin die Märchen von „Rapunzel“, „Aschenputtel“ und „Dornröschen“ auf und spinnt daraus ganz eigene Geschichten mit starken und selbstbewussten Protagonistinnen, die Hijab tragen und das Fastenbrechen feiern, die keine Prinzen benötigen, die sie retten, sondern einfallsreich sind. Dabei ist die titelgebende Rumaysa nicht nur die erste Person, deren Geschichte in diesem Buch erzählt wird, sondern sie spielt auch eine wichtige Rolle im Leben der anderen beiden Protagonistinnen (Cinder)Ayla und (Sleeping) Sara.

Jede der drei Geschichten beginnt nicht nur mit dem klassischen „Once upon a time“-Anfang, sondern sie bieten auch sonst eine durchgehende Märchenatmosphäre. Zusätzlich gibt es aber so viele amüsante Momente und überraschende Wendungen, dass es sich immer wieder anfühlte, als ob ich die vertrauten Geschichten ganz neu entdecken dürfte. Es war so wunderbar zu lesen, wie sich Rumaysa selbst aus ihrem Turm rettet und wie sie im Anschluss an dieses erste Abenteuer anderen Mädchen zur Seite steht, die dringend Hilfe benötigen. Ich mochte es so sehr, dass der Fokus der Autorin nicht darauf lag, dass die Protagonistinnen ihren jeweiligen Prinzen bekamen, sondern dass sie Freunde fanden und einen Weg, um ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu führen.

„I’m looking for someone – a princess. Have you seen her?“
„No, I’m the only one here,“ Rumaysa replied tersely.
It was quiet for a moment. „Right, OK. Guess I’ll go, then.“
Rumaysa heard an odd whoosh in the air and then silence. She let out a breath of relief – the boy must have gone.
As she restarted her climb, she muttered, „When I need someone to break me out, no one shows for years and years. But the night I’m hanging from a sky-high tower, then some boy wants to show up.“ (Rumaysa, Seite 46)

Keine der Protagonistinnen schafft es allein, sich gegen die Widrigkeiten in ihrem Leben zu behaupten, aber sie brauchen keinen „Prinzen“, um ihre Situation zu verbessern, sie finden Freunde, die ihnen zur Seite stehen – und das ist so viel schöner zu lesen. Wie so oft bei solchen Geschichten gefielen mir vor allem die kleinen Momente, in denen zwei Freundinnen sich über ihren Tag austauschen, in denen gemeinsam gegessen wird oder in denen den Protagonistinnen bewusst wird, dass ihnen mehrere Alternativen offen stehen. Der einzige Kritikpunkt, den ich an „Rumaysa“ finden kann, besteht in dem relativ abrupten – und für Rumaysa offenen – Ende des Buches. Es wäre schön gewesen, wenn die Autorin auch für diese Figur einen runden Abschluss gefunden hätte. Aber ich hoffe, dass dies bedeutet, dass Radiya Hafiza noch weitere Märchen neu-erzählen wird, auch wenn ich bislang noch keinen Hinweis auf eine weitere Veröffentlichung gefunden habe.

Erwähnen sollte ich auch noch, dass es in dem Buch mehrere Illustrationen von Rhaida El Touny gibt und auch wenn ich nicht alle Bilder gleichermaßen mochte, so vertiefen sie doch die Atmosphäre des jeweiligen Märchens. Besonders gefielen mir die kleinen Zeichnungen über den Kapitelanfängen – vor allem die von der Eule Zabina, die einfach bezaubernd zerzaust aussieht. Aber auch die Ballszene mit den vielen unterschiedlichen Kleidungsstilen fand ich wunderbar, gerade weil Rumaysa dort mit ihrem Hijab so gut hineinpasst. Insgesamt fand ich die Illustrationen zwar nicht ganz so umwerfend wie die von Lydia Corry in „Eight Princesses and a Magic Mirror“ (was auch daran liegt, dass ihnen die Farbigkeit fehlt), aber sie haben definitiv zur märchenhaften Atmosphäre von „Rumaysa“ beigetragen.