Die Parasitology-Trilogie hatte ich mir 2019 besorgt, da ich davon ausging, dass mir diese Trilogie von Mira Grant (Seanan McGuire) genauso gut gefallen würde wie ihre „Newsflesh“-Serie. Aber da ich mit dem Thema „Parasiten“ noch mehr Probleme habe als mit Zombies, habe ich in den vergangenen Jahren dann doch regelmäßig zu anderen Büchern gegriffen. Im Juli war ich dann so fest entschlossen, diese Trilogie endlich aus dem SuB zu befreien, dass ich mir nach dem Beenden des ersten Bandes die Fortsetzungen noch einmal als eBooks besorgt habe, damit ich sie bequem lesen konnte, während ich für einige Wochen nicht zu Hause war. Die Handlung beginnt im Juli 2027 und spielt in einer Welt, die sich von unserer in einem wichtigen Faktor unterscheidet: Einige Jahre zuvor hat die Firma SymboGen einen medizinischen Parasiten (basierend auf einem Bandwurm) entwickelt, der einen Großteil der gesundheitlichen Probleme der Menschheit beseitigt hat. Was natürlich dazu führte, dass so gut wie jede Person, die Zugriff zu modernen medizinischen Mitteln besaß, sich so einen „Intestinal Bodyguard“ einsetzen ließ.
Auch Sally „Sal“ Mitchell, aus deren Perspektive alle drei Romane erzählt werden, verfügt über einen solchen Parasiten, und bei ihr führte er vor einigen Jahren zu einem medizinischen Wunder, als sie nach einem Autounfall ins Koma fiel und beinah gestorben wäre. Allerdings war ihr Gehirn zu diesem Zeitpunkt schon so weit geschädigt, dass sie keinerlei Erinnerungen an ihre Vergangenheit hat und – wie ein Kleinkind – Sprechen und Gehen neu lernen musste. Da SymboGen alle anfallenden Rechnungen für folgende Therapien übernahm, wird Sal bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung beginnt, weiterhin regelmäßig von Medizinern und Wissenschaftlern untersucht, um ihre Entwicklung (und die ihres Parasiten) zu studieren. Schnell wird zu Beginn der Geschichte deutlich, dass Sal nicht gerade ein harmonisches Verhältnis zu ihren Eltern hat, vor allem da sich ihre Persönlichkeit seit dem Unfall sehr verändert hat. Ein Aspekt, über den ihre kleine Schwester Joyce sehr glücklich ist, denn früher war Sally anscheinend ein richtiges Miststück, das Joyce das Leben regelmäßig zur Hölle gemacht hat.
Auch wenn Sal wirklich froh wäre, wenn die Kontrolltermine bei SymboGen endlich enden würden, so ist sie alles in allem recht zufrieden mit ihrem Leben. Sie arbeitet für eine Tierheim, sie hat mit dem Arzt Nathan einen liebevollen Freund und sie genießt die Zeit, die sie gemeinsam mit Joyce verbringt. Allerdings fallen Sal kurz nach Beginn der Geschichte immer wieder seltsame Sachen in ihrer Umgebung auf – wie zum Beispiel ein Hund, der wenige Minuten zuvor fröhlich mit seinem Besitzer spielte, nur um dann panisch vor ihm davonzulaufen, oder eine panisch wirkende Mutter, die von ihrem kleinen, lethargisch wirkenden Kind quer durch ein Einkaufszentrum gezerrt wird. Und natürlich ist Sal nicht die einzige Person, die solche Beobachtungen macht, weshalb wenig später in den Medien immer wieder kurze Meldungen über eine „Schlafkrankheit“ auftauchen. Nichts offensichtlich Alarmierendes, nichts, was von den großen Nachrichtendiensten aufgegriffen wird, aber seltsam genug, dass Sal anfängt, nach solchen Nachrichten die Augen offenzuhalten …
Ich denke, es ist allein schon aufgrund des Hintergrunds für diese Romane (und der Tatsache, dass dies Wissenschaftshorror von Mira Gran ist) klar, dass die „Intestinal Bodyguards“ für die sogenannte Schlafkrankheit verantwortlich sind. Natürlich ist das erst der Anfang einer Geschichte, die schnell größere Ähnlichkeiten mit einem Zombie-Thriller bekommt, als ich anfangs erwartet hätte. Wie gewohnt konzentriert sich Mira Grant sehr darauf, eine wissenschaftlich stichhaltige Grundlage für all die Ereignisse in ihren Romanen zu beschreiben, was die Handlung stellenweise etwas langatmig, aber nicht weniger faszinierend macht. Ich mochte es sehr, die Wissenschaftler in dem „Untergrundlabor“, die Sal im Laufe der Handlung kennenlernt, bei ihren Entdeckungen zu verfolgen. Es war überraschend unheimlich, gemeinsam mit ihnen zu erforschen, welche Folgen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse für alle beteiligten Personen haben werden, und dabei meine eigenen Schlüsse zu weiteren Hintergründen zu ziehen. Auch war es spannend, all die „Spionage-Elemente“ mitzuerleben, wenn zum Beispiel in wissenschaftliche/medizinische/militärische Gebäude eingedrungen werden musste, um mehr über den aktuellen Wissensstand der anderen forschenden Gruppen herauszufinden. Diesen Teil fand ich sehr faszinierend und er hat dafür gesorgt, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Buch griff.
Allerdings muss ich auch zugeben, dass Sals Perspektive bei mir zu einer gewissen Distanz zur Geschichte geführt hat. Ich mochte sie als Charakter sehr, aber die Tatsache, dass sie eine erwachsene Person ist, die sich ständig erst einmal bei jemand anderem vergewissern muss, ob ein Verhalten oder eine Situation „normal“ ist oder nicht, hat für mich ihrer Perspektive sehr viel Dynamik genommen. Es ist innerhalb der Handlung in der Regel überraschend stimmig, weil sie nun mal keine Erinnerungen daran hat, wie sie aufgewachsen ist und wie sie in ihrer Jugend war. Aber es sorgte auch dafür, dass ich selbst in Szenen, in denen sie wirklich litt, eine gewisse Distanz verspürte. Dazu kommt noch ein Element, das für mich von Anfang an auf der Hand lag, und das Sal bis zum Ende des Buchs nicht einmal in Betracht gezogen hat. Warum sie diesen Punkt so vollständig ausblendet, wird im Laufe der Handlung noch von Mira Grant erklärt, aber das war für mich der unstimmigste Teil in dieser Trilogie, und er hat mich ein bisschen grummelig gemacht. Deshalb konnte die Parasitology-Trilogie bei mir leider nicht dieselbe Begeisterung auslösen wie die „Newsflesh“-Serie, auch wenn ich die Grundidee und all die wissenschaftlichen Details, die die Autorin eingebaut hat, ungemein faszinierend fand und mich alles in allem wirklich sehr gut unterhalten gefühlt habe.






























