Erika Fatland: Sowjetistan – Eine Reise durch …

 … Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan. Nachdem ich im vergangenen Jahr so begeistert von „Die Grenze“ von Erika Fatland war, habe ich mir direkt nach dem Lesen des Titels auch das erste Buch der Autorin in der Bibliothek vorgemerkt. Während sie sich in „Die Grenze“ Russland von außen nähert und schaut, welchen Einfluss das Land (im Laufe der Geschichte bis heute) auf seine Nachbarländer hatte, hat sie sich in „Sowjetistan“ auf die fünf zentralasiatischen Ländern konzentriert, die nach dem Zerfall der Sowjetunion entstanden. Zu Recht merkt die Autorin dabei in ihrem Vorwort an, dass in der Regel nur sehr, sehr wenig über diese fünf Länder bekannt ist – ich glaube, ohne die „Last Week Tonight“-Folge, in der sich John Oliver mit dem turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedov beschäftigt, und natürlich „Die Grenze“ hätte ich persönlich fast vergessen, dass diese Länder überhaupt existieren.

Auch in diesem Buch bietet Erika Fatland eine gute Mischung aus historischen Daten und Fakten, Beschreibungen der aktuellen Situation in den verschiedenen Ländern und kleinen persönlichen Szenen rund um die Menschen, die sie im Jahr 2014 auf ihrer Reise getroffen hat. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sie sich intensiver mit den einzelnen Ländern auseinandersetzen konnte, als sie es bei „Die Grenze“ getan hat – was nicht verwunderlich wäre, denn bei „Sowjetistan“ konzentriert sie sich halt auf gerade mal fünf Länder statt auf vierzehn. Bei „Die Grenze“ hatte ich das Gefühl, dass ich langfristig vor allem die kleinen Momente in Erinnerung behalte, die Begegnungen mit den Menschen, das Bild von dem Mann, der in einem Land schlafen ging und in einem anderen Land aufwachte (weil der Grenzzaun mal eben verschoben wurde), und natürlich die Beklemmungen, die einen bei einer solchen Reise begleiten, weil eben nicht jedes dieser Länder human mit Personen umgeht, die sie als Journalisten identifizieren, und weil sich einfach grundsätzlich jede Person in einer Diktatur (oder einem vergleichbaren System) nicht einen Moment des Tages in Sicherheit wiegen kann.

Auch bei „Sowjetistan“ gab es diese Momente für Erika Fatland, die Grenzüberquerungen, bei denen sie fürchten musste, dass man ihr nicht glaubt, dass sie nur eine Studentin und Touristin ist, oder die Gespräche mit den ihr zugewiesenen präsidententreuen Reisebegleitern. Doch dieses Mal bleiben mir wohl vor allem all die Absätze in Erinnerung, die (wieder einmal) zeigen, wie sehr die Sowjetunion mit ihrem Versuch der Gleichmacherei dem Land und den Menschen unter ihrer Herrschaft geschadet hat. Die verseuchten Gebiete in Kasachstan, in denen die UdSSR ihre Atomversuche durchführte, all die verödeten Landstriche, die als Kornkammern der Sowjetunion dienen sollten, aber nicht ohne Grund bis zu diesem Zeitpunkt nur als Heimat von Normaden dienten, willkürlich gezogene Landesgrenzen und natürlich die Menschen, die von einem Moment auf den anderen nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen, in einem dieser kargen Landstriche ausgesetzt wurden, in der Hoffnung, dass man so eine Volksgruppe oder eine Religion ausgelöscht bekommt. Zum Teil sind diese Vorkommnisse schon zwei oder drei Generationen oder länger her, und doch ziehen sich die Spuren, die diese Politik hinterlassen hat, durch das gesamte Buch.

Trotz dieser bedrückenden Sammlung von – historischen und aktuellen – Daten und Fakten liest sich „Sowjetistan“ aufgrund der Erzählweise von Erika Fatland und all den Begegnungen mit freundlichen, liebenswerten und skurrilen Menschen wirklich gut. Viel Szenen sind unterhaltsam und witzig – ich hätte zu gern das Gesicht der Autorin gesehen, als sie sich über den köstlichen Apfel freut, den sie in der für ihre Äpfel berühmten Stadt Alma-Ata bzw. Almaty gekauft hat, nur um dann zu erfahren, dass diese Frucht aus China importiert wurde. All diese kleinen Momente sorgen dafür, dass man neugierig auf die verschiedenen Länder und ihre Bewohner bleibt, auch wenn es einem oft genug die Sprache verschlägt, wenn man von Armut, Verfolgung oder brutalen Brautentführungen liest. Am Ende des Buches bleibt bei mir aber vor allem ein Gedanke hängen: Wie wenig ich doch über all die Länder der ehemaligen Sowjetunion weiß und wie wenig über viele von ihnen in den westlichen Medien berichtet wird. Ein bisschen habe ich diese Wissenslücke durch „Sowjetistan“ (und meine vorherige Lektüre von „Die Grenze“) ändern können, und ich hoffe, dass ich in Zukunft noch auf weitere – gut geschriebene! – Titel stoße, mit denen ich diese Wissenslücke etwas weiter schließen kann.

Seanan McGuire: Come Tumbling Down (Wayward Children)

„Come Tumbling Down“ ist die fünfte Veröffentlichung der Wayward-Children-Geschichten von Seanan McGuire, und bevor man den Band liest, sollte man am Besten die vier vorhergehenden Bücher (oder zumindest „Every Heart A Doorway“ und „Down Among the Sticks and Bones“) gelesen haben. Außerdem fürchte ich, dass diese Rezension nur für die verständlich ist, die die vorhergehenden Romane kennen. Die Handlung von „Come Tumbling Down“ führt den Leser wieder ins Moor, in die Welt, in die Jack Wolcott den Leichnam ihrer Schwester Jill zurückgebracht hat, nachdem diese aufgrund der Ereignisse in „Every Heart A Doorway“ nicht mehr in Eleanor West’s Home for Wayward Children bleiben konnte. Denn der „Tod“ ist im Moor nicht unbedingt ein endgültiger Zustand, und in einer Welt, die zum Teil von (verrückten) Wissenschaftlern und Vampiren beherrscht wird, gibt es viele Möglichkeiten für ein Leben nach dem (ersten) Tod. Doch die Rückkehr ins Moor brachte für Jack mehr Herausforderungen, als sie erwartet hatte, und so steht sie viele Monate später wieder im Keller der Schule, um für sich und ihre Welt um Hilfe zu bitten.

So kommt es, dass sich Christopher, Cora, Sumi und Kade gemeinsam mit Jack und ihrer Liebsten Alexis aufmachen, um gegen Jill und ihren Vampirmeister zu kämpfen und damit nicht nur Jacks Leben (und Verstand) zu retten, sondern gleich das gesamte Moor. Wie schon beim Lesen der anderen Wayward-Children-Bücher ging mir die ganze Zeit die Frage durch den Kopf, wie eine Autorin so viel Inhalt in so wenig Text packen kann, ohne dass es gezwungen, gedrängt oder unstimmig wirkt. Wobei Seanan McGuire in „Come Tumbling Down“ dem Leser Teile des Moors vorstellt, die in „Down Among the Sticks and Bones“ keinerlei Rolle spielten, und so sehr ich diesen Einblick in die weiteren Gebiete des Moors mochte, so hatte ich dieses Mal ein bisschen das Gefühl, dass dieser Teil (inklusive Coras Erlebnissen, die damit zusammenhingen) fast ein bisschen zu kurz kam. Das ist aber auch der einzige (und wirklich sehr kleine) Kritikpunkt, der mir zu diesem Buch einfällt, und insgesamt habe ich es sehr genossen, wieder ins Moor zurückzukehren.

Diese fantastische Welt, in der Jack und Jill ein Zuhause gefunden haben, wirkt selbst auf den zweiten Blick nicht besonders einladend, und auch für die Schwestern war das Moor nicht schon bei ihren ersten Schritten dort die Zuflucht, die es im Laufe der Zeit für sie geworden ist. Besonders für Jack, die von ihren Eltern wie ein kleines hübsches Püppchen ohne eigene Bedürfnisse behandelt worden war, bot das Moor ganz ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Sie hat dort einen Ort gefunden, an dem sie die Antworten auf ihre vielen Fragen findet, an dem sie die Grenzen zwischen Leben und Tod überschreiten kann, und an dem sie mit Alexis einen Menschen gefunden hat, der sie so liebt, wie sie ist. Hätte Jill sie nicht nach ihrer Rückkehr ins Moor auf die schlimmste Weise hintergangen, hätte Jack bis zu ihrem (vermutlich gewaltvollen und viel zu frühen) Lebensende glücklich im Moor leben können.

Wie sehr Jack diese unbarmherzige Welt, die direkt aus einem alten Horrorfilm stammen könnte, liebt, wird deutlich, als wir das Moor durch die Augen von Christopher, Sumi, Cora und Kade entdecken. Dabei bekommt der Lesern die Ereignisse in „Come Tumbling Down“ vor allem aus Christophers Sicht erzählt und sogar für ihn, dessen Welt von lebenden Skeletten bevölkert wird, ist das Moor zu düster, zu grausam und zu erbarmungslos. Im Kontrast zu all den schrecklichen Geschehnissen und zu den – für den Leser bislang unbekannten – Bedrohungen, die das Moor zu bieten hat, stehen auf der einen Seite die bedingungslose Liebe und das tiefe Verständnis zwischen Jack und Alexis und auf der anderen Seite Sumis Persönlichkeit.

Da Sumi eines der ersten Opfer in „Every Heart A Doorway“ war, hat man als Leser bislang eigentlich nur einige wenige kurze Eindrücke von ihr bekommen, die auch noch durch die Sicht der jeweils erzählenden Person getrübt waren. In „Come Tumbling Down“ hingegen entfaltet sich Sumis Charakter mit jedem weiteren Kapitel mehr. Es gibt keinen bedrückenden oder gefährlichen Moment, der nicht von Sumi kommentiert und genossen wird – wobei sie häufig beweist, dass sie (auch aufgrund ihrer Erfahrungen mit einer Nonsense-World) eigentlich einen besseren Einblick in die Logik der Welt und die Motivationen der verschiedenen Charaktere besitzt als ihre Freunde. Erstaunlich ist dabei allerdings, dass ihre Freunde immer wieder von Sumis Durchblick verblüfft sind, aber so gibt es immerhin immer wieder überraschende und witzige Momente, die diese großartig geschriebene Geschichte voller Verzweiflung, Sehnsucht, drohendem Wahnsinn und Düsternis aufhellen.

Charlotte MacLeod: Die Familiengruft (Sarah Kelling und Max Bittersohn 1)

In der letzten Woche hatte ich überraschend große Lust auf Rereads und einer der Titel, den ich in den letzten Tagen mal wieder aus dem Regal gezogen habe, war „Die Familiengruft“ von Charlotte MacLeod. Über die Reihe hatte ich vor kurzem erst in dem Beitrag „Spannung ist weiblich“ etwas geschrieben, aber wirklich viel ist zu diesen Romanen der Autorin auf meinem Blog nicht zu finden, weshalb ich die Gelegenheit mal nutze, um etwas über Sarah Kelling, ihre Familie und die Leiche in der Familiengruft zu schreiben. Zu Beginn der Geschichte ist Sarah Kelling noch keine 27 Jahre alt und seit ihrem 18. Lebensjahr mit Alexander Kelling – einem entfernten und fast doppelt so altem Cousin von ihr – verheiratet. Gemeinsam mit Alexanders tyrannischer Mutter Caroline leben die beiden in dem alten Familiensitz im Beacon Hill in Boston, und schnell wird deutlich, dass Sarah mit der Situation nicht besonders glücklich ist.

Abwechslung kommt in ihren recht eintönigen Alltag, als die schon vor Jahrzehnten stillgelegte alte Familiengruft der Kellings geöffnet wird, um Sarahs vor kurzem verstorbenen Großonkel Frederik zu beerdigen, und dort ein Skelett gefunden wird. Schnell wird die unbekannte Leiche als die vor dreißig Jahren verschwundene Nachtclubtänzerin Red Ruby identifiziert, und während die Öffentlichkeit sich vor allem damit beschäftigt, dass Red Ruby ermordet wurde, fragt sich Sarah, warum die Leiche gerade in ihrer Familiengruft gefunden wurde und wieso ihr das Muster der Ziegelsteinmauer, mit der die Gruft entgegen sämtlicher Denkmalschutzbestimmungen verschlossen wurde, so vertraut vorkam. Als sich dann auch noch ihr Mann Alexander besonders erschüttert über den traurigen Fund zeigt und sich herausstellt, dass er die Tänzerin in seiner Jugend gut gekannt hatte, fragt sich Sarah, wie viel sie überhaupt über den Mann weiß, den sie schon ihr Leben lang kennt und liebt, und ob es vielleicht möglich sein kann, dass ihre Familie in den Mord verwickelt war.

„Die Familiengruft“ erschien im Original im Jahr 1979, und es finden sich im Laufe der Reihe immer wieder Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen, Kleidung oder Musik, aber insgesamt wirken die Geschichten rund um Sarah Kelling und ihre alteingesessene Bostoner Familie sehr zeitlos. Während die Kriminalfälle – trotz diverser amüsanter oder skurriler Details – immer solide konstruiert sind und man beim Lesen schön „mitermitteln“ kann, besticht die Serie doch vor allem durch ihre Figuren und die Darstellung der Bostoner Oberschicht. Mit spitzer, aber liebevoller Feder porträtiert die Autorin eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich für etwas Besseres halten, obwohl (oder gerade weil) sie aus einem Haufen exzentrischer Personen besteht, deren Geiz legendär ist und deren Kontakt mit der restlichen Bevölkerung der Stadt sich auf Wohltätigkeitsarbeit und das Engagieren von Angestellten zu beschränken scheint. Natürlich verfügt nicht jedes Mitglied dieser alteingesessenen Familien noch über den Wohlstand, den seine Vorfahren angehäuft haben, aber gerade bei den Kellings scheint die Sparsamkeit so ausgeprägt zu sein, dass regelmäßiges Schnorren oder das Auftragen der ererbten Kleidung der Eltern zum Alltag gehört, so dass niemand sagen kann, ob die genügsame Haushaltsführung aus Not oder anerzogenem Geiz geschieht.

Vor dem Hintergrund dieser Familie wirkt Sarahs Leben – ebenso wie ihre Ehe – erstaunlich plausibel, auch wenn man sich heutzutage beim Lesen natürlich fragen muss, wieso eine vernünftige junge Frau jahrelang in solch einer Situation ausharren kann. In „Die Familiengruft“ sorgen die Ereignisse nach dem Fund der Leiche dafür, dass Sarah mehr Rückgrat entwickelt, sich immer wieder gegen ihre Schwiegermutter stellt und darüber nachdenkt, was sie eigentlich vom Leben erwartet. Ich verfolge immer wieder gern, wie Sarah sich gegen ihre Erziehung und das, was in ihrer Familie üblich ist, stellt und wie sie daran arbeitet, dass ihre Ehe mit Alexander auch langfristig weiter funktionieren kann. Obwohl die beiden eine seltsame Beziehung haben und Sarahs Liebe zu Alexander zu einem nicht geringen Teil darauf basiert, dass er als schon erwachsener Mann freundlich und großzügig mit seiner vernachlässigten kleinen Cousine umging, freue ich mich bei jedem erneuten Lesen darüber, wie die beiden sich im Laufe der Geschichte einander annähern.

Max Bittersohn (dessen Name natürlich nicht ohne Grund von mir in der Reihenbezeichnung mitaufgeführt wurde) kommt in diesem Roman relativ wenig vor, auch wenn er eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Kriminalfalls spielt. Allerdings fällt schon in diesem Debütroman schnell auf, dass er und Sarah anscheinend die einzigen bodenständigeren Personen in den Geschichten sind – und genau das liefert all die vielen kleinen und amüsanten Szenen, die dafür sorgen, dass ich seit Jahren immer wieder zu den Büchern zurückkehre und die Romane genieße. Wie Sarah immer wieder mit all den Eigenheiten (und Ansprüchen) ihrer exzentrischen Familienmitgliedern fertig werden muss, ist einfach amüsant zu lesen. Eine Familie, deren Mitglieder das Gefühl haben, dass sie über der öffentlichen Meinung stehen und die genügend Geld haben, um jeder ihrer Launen nachgehen zu können, bringt natürlich so einige skurrile Figuren hervor. Dazu kommen dann im Laufe der Zeit noch die einen oder anderen neuen Bekanntschaften, die Sarah so sammelt und die nicht weniger seltsame Eigenarten haben als ihre Familienmitglieder, und so gibt es in diesen Geschichten keinen Mangel an gut geschriebenen und sehr amüsante Szenen, in denen die Autorin die verschiedensten Charaktere aufeinandertreffen und miteinander agieren lässt.

Lese-Sonntag im Februar 2020

Schon der zweite Lese-Sonntag in diesem Jahr und ich freu mich sehr darauf, mich heute mit einem Buch einrollen zu können. Nachdem ich am Mittwoch von meiner Leseflaute und Charlotte MacLeod erzählt hatte, kann ich heute berichten, dass ich in der vergangenen Woche gleich fünf Bände der „Sarah Kelling und Max Bittersohn“-Reihe und sechs Kapitel des Deborah-Crombie-Romans „Der Rache kaltes Schwert“ gelesen habe und noch nicht weiß, ob ich heute mit Krimis weitermache, denn so langsam überkommt mich dann doch das Bedürfnis nach Abwechslung. Wie ihr seht bin ich noch etwas unentschlossen und weiß noch nicht so recht, womit ich in den Tag starten mag. Immerhin kann ich noch vermelden, dass ich am Donnerstag meine Buchstapel endlich aufgeräumt habe und somit den üblichen Lese-Sonntags-Schnappschüssen nichts im Weg steht. 😉 Vorher räume ich aber die Küche auf, damit ich dann auch wirklich für den Rest des Tages auf dem Sofa entspannen kann …

Update 10:00 Uhr

Natürlich habe ich nach dem Veröffentlichen dieses Beitrags erst einmal eine Zeitlang gebraucht, bis ich mich aufraffen konnte, aber inzwischen ist die Küche aufgeräumt, das Geschirr abgewaschen und das Essen für heute Abend soweit fertig, dass ich es nur aufwärmen und abschmecken muss. Außerdem habe ich mir einen Pfefferminztee gekocht und zwei Bücher angelesen, bei denen ich heute wohl bleiben werde. 🙂 „Wundersmith“ ist die Fortsetzung von „Nevermoor – The Trials of Morrigan Crow“, das ich Ende des vergangenen Jahres gelesen und wirklich geliebt hatte. Auch dieses Buch beginnt schon mal vielversprechend: Morrigan besucht gemeinsam mit ihrem Mentor Jupiter North einen Engel. Dabei lernt sie nicht nur wie gefährlich der Gesang eines Engels ist (er ist so schön, dass alles andere daneben bedeutungslos wird und der Zuhörer den Rest seines Lebens damit verbringt, dass er sich nach diesem Gesang sehnt – im Prinzip sind die Folgen wie beim Konsum einer sofort süchtig machenden Droge, nur dass keinerlei Entzug dafür bekannt ist), sondern auch, dass Engel selten ein „engelhaftes“ Verhalten an den Tag legen …

Und da ich wissen wollte, ob ich wirklich genug von den Sarah-Kelling-und-Max-Bittersohn-Romanen habe, habe ich noch „Ein schlichter alter Mann“ angelesen und mich so über Cousine Mabels Brief an Tante Appie amüsiert, in der Mabel mit gewohnt boshafter Zunge über die Pläne ihrer Verwandschaft – in diesem Fall Tante Emmas Vorhaben für wohltätige Zwecke eine Operettenaufführung auf die Beine zu stellen – schreibt, dass ich in dem Buch heute wohl auch noch weiterlesen werde. So müde, wie ich heute bin, ist es ganz gut, wenn ich eine Geschichte bei der Hand habe, bei der ich ein bisschen weniger aufpassen muss als bei Morrigans Abenteuern in Nevermoor.

Update 13:15 Uhr

Hach, ich bin gerade wirklich glücklich mit Morrigan Crow und ihren Erlebnissen in Nevermoor – wobei glücklich vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist, den natürlich befindet sich Morrigan mal wieder in einer unangenehmen Lage. Der erste Band drehte sich vor allem darum, dass sich Morrigan einen Platz in der Wundrous Society erkämpfen musste (um ihren Aufenthalt in der Stadt Nevermoor und somit ihr Überleben zu sichern), dabei wusste sie bis zum Schluss nicht, was ihre besondere Begabung wäre, die ihr Mentor auf den ersten Blick erkannt, ihr aber aus guten Gründen nie verraten hat. Inzwischen weiß Morrigan welche Begabung das ist und die wenigen anderen Personen, die ebenfalls davon wissen, fürchten sie deswegen. Natürlich sorgt das dafür, dass die anderen Mitglieder von Unit 919 (ihr Jahrgang an neuen Wundrous-Society-Mitgliedern) nichts mit ihr zu tun haben wollen – abgsehen von ihrem besten Freund, dem Drachenreiter Hawthorne.

Außerdem traut die für ihre Ausbildung verantwortliche Person Morrigan nicht über den Weg, was dazu führt, dass diese zu Beginn des Schuljahrs nur eine einzige Klasse belegen darf – und die dreht sich vor allem darum, dass Personen mit Morrigans Fähigkeiten in der Vergangenheit zu Katastrophen geführt haben und dass Morrigan (wenn man ihrem Professor glauben darf) dank ihrer Fähigkeit eine durch und durch böse Person sein muss … So schrecklich das alles klingt und so sehr ich bis zum Ende des Buches mit Morrigan mitleiden werde, so gibt es doch so viele wunderbare, amüsante, überraschende, magische Wohlfühlmomente und Charaktere, dass mir das Lesen einfach durchgehend Freude bereitet. Von den wunderbaren Personen, die in dem Hotel arbeiten, in dem Morrigan lebt, über ihre Conductor Cheery (und ihre Ansichten über die Einrichtung eines Unterrichts-Eisenbahnwagons und Qualität von Keksen) bis zu all die großartigen kleinen und großen magischen Elementen in dem Buch – ich genieße jede einzelne Szene und jeden einzelnen Moment.

Update 15:45 Uhr

Uff, die „kurze“ Kommentarrunde, die ich nach dem letzten Update eingelegt habe, hat prompt eine ganze Stunde gedauert, danach habe ich mich aber wieder „Wundersmith – The Calling of Morrigan Crow“ von Jessica Townsend gewidmet (der halbe Tag ist vorbei und ich habe jetzt erst gemerkt, dass ich den Titel hier noch nicht einmal ausgeschrieben hatte *g*). So langsam spitzen sich Morrigans Probleme zu: Ihr Mentor Jupiter North ist kaum Zuhause, weil er dringende Aufträge für die diversen Gesellschaften zu erledigen hat (genauer gesagt sucht er nach verschwundenen Personen), ihre Unterrichtstage sind weiterhin schrecklich und die gerade aufkeimende Freundschaft mit den anderen acht Schülerin von Unit 919 wird durch einen (natürlich unbekannten) Erpresser deutlich getrübt.

Ich mag an der Geschichte, dass man zwar die ganze Zeit mit Morrigan mitleidet, aber trotzdem all die schönen Elemente genießen kann und sich sicher ist, dass es am Ende (wenn auch wohl noch nicht zum Ende dieses Bandes) irgendwie alles gut werden wird für die Zwölfjährige. Immerhin hat sie trotz aller Herausforderungen im Personal des Hotels Deucalion eine Art Ersatzfamilie und den einen oder anderen guten Freund gewonnen und – so abwesend auch auch immer sein mag – Jupiter North glaubt an Morrigan, ihren Charakter und ihre Fähigkeiten! Da mein Mann sich einen Godzilla-Film („Godzilla – Der Urgigant: Die Mutation des Grauens bedroht die Welt …“ *g*) angemacht hat und mir zwischendurch der Magen knurrte, mache ich mir jetzt erst einen Milchreis und schaue dann, was ich als nächstes tun werde. Zum Lesen werde ich während des Films vermutlich nicht kommen, weil der Ton auf Deutsch ist (es gibt, wenn ich das richtig mitbekommen habe, leider keine japanische DVD mit englischen Untertiteln) und mich das zu sehr ablenken würde.

Update 19:00 Uhr

Dafür, dass seit dem letzten Update nicht viel passiert ist, habe ich eine Menge Fotos gemacht. 😉

Nach dem (Zimt-)Milchreis habe ich mir heute Nachmittag die Switch geschnappt, mit der ich in den letzten Wochen kaum gespielt habe. Ein Grund ist, dass mein Mann sehr viel Zeit mit dem Gerät verbringt (genau genommen hat er inzwischen mehr Spielstunden mit meiner Switch verbracht als ich), ein anderer Grund ist, dass ich so sehr auf das neue „Animal Crossing“ wartet, dass ich kein neues Spiel anfangen mag. Stattdessen habe ich die „Cat Quest II“-Demo ausprobiert, was allerdings nur wenige Minuten gedauert hat. Da mein Mann meinte, dass sein Film nur noch eine halbe Stunde ging, habe ich ihn darum gebeten mich dann zu wecken und mich für eine Runde Sofaschlaf hingelegt. Das Wecken erfolgte dann, als er auch noch alle Extras auf seiner DVD geschaut hatte – was bedeutet, dass ich fast zwei Stunden geschlafen habe. Hoffentlich bringt mich das heute Nacht nicht wieder um meinen Schlaf … Ich dreh jetzt eine Blogrunde und dann ist es auch schon Zeit in die Küche zu wandern und das Essen aufzuwärmen.

Update 22:00 Uhr

Das ist für heute das letzte Update, da ich nicht mehr so lange aufbleiben will. Zum Abendessen (Steckrübensuppe) gab es heute bei uns die aktuelle Folge von „The Great Pottery Throw Down“ – wir schauen die britische Sendung rund um eine Gruppe von Töpfern, die in verschiedenen Herausforderungen gegeneinander antreten über Youtube – und heute ging es darum klassisch-griechisch anmutende Skulpturen nach einem Model anzufertigen. Ich mag die Sendung sehr, weil es immer interessant und überraschend lustig ist, wobei heute eine Kandidatin rausflog, die bislang immer für sehr viel komische Momente gesorgt hat und bei der ich es wirklich schade fand. Allerdings hat ihre Leistung wirklich nicht für ein Weiterkommen gereicht und ich muss der Sendung insgesamt zugestehen, dass ich die Entscheidungen der Juroren eigentlich immer nachvollziehbar finde.

Danach gab es eine Runde „Animal Crossing“ – inklusive einer neuen Nachbarin – und ich muss zugeben, dass ich nach mehr als 6 1/2 Jahren, in denen ich täglich meinen Pflichten als Bürgermeisterin nachgekommen bin, wirklich reif bin für eine Auszeit auf einer Insel. 😉 (Oder auch: Noch 33 Tage bis „Animal Crossing – New Horizons“ und ja, ich zähle die Tage …) Ansonsten habe ich die kommende Woche durchgeplant (und hoffe, dass ich meine To-do-Liste auch wirklich abgearbeitet bekomme) und werde mich nun noch ein bisschen mit „Wundersmith“ einrollen. Ich hoffe, ihr hattet einen schönen und erholsamen Tag – es war wieder sehr nett mit euch gemeinsam den Sonntag zu verbringen!

 

Heutige Mitleserinnen:

Natira
Neyasha
Sunny
JED

Deborah-Crombie-Lesetag (8) – Der Rache kaltes Schwert

Es ist schon wieder ein Weilchen her, seitdem Sayuri und ich das letzte Mal zusammen einen Deborah-Crombie-Roman gelesen haben, aber Vorweihnachtsstress, Feiertage, Urlaubswochen und anderer Trubel sind dann doch ein bisschen wichtiger als das gemeinsame Lesen zwanzig Jahre alter Krimis. 😉 Wie immer gilt, dass diese Beiträge nur für Leute geeignet sind, die die Kincaid-und-James-Romane schon kennen oder nicht vorhaben sie jemals zu lesen, denn wir werden uns mit Spoilern nicht zurückhalten.

Mit „Der Rache kaltes Schwert“ kommen wir langsam in einen Bereich der Reihe, wo meine Erinnerungen etwas verschwimmen. Es gibt viele Elemente aus dem Leben von Gemma und Duncan, an die ich mich erinnere, die ich aber nicht einem bestimmten Roman zuordnen kann. Was auch daran liegt, dass ich die ersten sechs Romane (über den siebten Band rede ich dann doch lieber nicht,) während meines Studiums immer mal wieder gelesen habe. Den folgenden Romanen hing aber so ein bisschen das „Von fremder Hand“-Stigma (und eine Entwicklung von Hazel, die bald kommen wird,) nach und dazu kam, dass ich fast zehn Jahre lang den Großteil meiner Bücher in Umzugskartons aufbewahrte, so dass ich irgendwann nur noch die Neuerscheinungen las und kaum noch Rereads in Angriff nahm. Ich bin also gespannt, was mich in „Der Rache kaltes Schwert“ erwartet und welche Erinnerungen während des Lesens wieder hochkommen …

Update 12:00 Uhr

Freitagvormittag kümmere ich mich normalerweise um all den Haushaltskram, für den ich an den anderen Tagen keine Zeit habe und den ich vor dem Wochenende erledigt haben will. Und selbst wenn ich – wie in dieser Woche – das alles auf Donnerstag gelegt habe, fallen mir immer noch Dinge ein, die mich kurz vom Sofa springen lassen. Ich finde es wirklich seltsam, dass es mir so schwer fällt mich selbst bei solchen Leseverabredungen vormittags einfach hinzusetzen und längere Zeit am Stück zu lesen … Aber nun zum Buch: Faszinierenderweise fühlt es sich an, als ob ich die Geschichte noch nie gelesen hätte. In der Regel kommen bei diesen Rereads relativ schnell Erinnerungen an die Figuren zurück, wenn ich die ersten Kapitel gelesen habe, aber weder das Opfer, noch die Männer, die mit Dawn Arrowood in Verbindung standen, kommen mir irgendwie vertraut vor. Einzig bei der Tierärztin klingelte ein sehr, sehr fernes Glöckchen, aber mehr war da auch nicht, ich kann mich weder an sie als Person noch als Teil der Handlung erinnern.

Die persönlichen Momente zwischen Gemma und Duncan geben mir dafür eher ein Gefühl von „ach ja, so war das“ und „stimmt, das Haus gehörte der Schwester von Duncans Chef“ – wobei ich mich frage, ob die fünf Jahre nicht schon längst vorbei sind (also bei dem aktuellen Roman, nicht bei „Der Rache kaltes Schwert“). 😉 Außerdem mag ich, wie Deborah Crombie in diesem Band den ersten gemeinsamen Auftritt von Gemma und Duncan an einem Mordschauplatz gestaltet hat, bei dem Duncan nur die Rolle des Zuschauers übernehmen darf, und ich freu mich mehr über Doug und Melody zu lesen, die inzwischen schon so lange zum „Team“ gehören, dass ich mich gar nicht mehr an die ersten Szenen mit den beiden erinnern kann. (Wie lang es wohl dauert, bis Doug nicht mehr das Gefühl hat, dass er gegen Gemma immer verlieren wird, weil Duncan mit ihrer Arbeit soooo zufrieden war.)

Bevor ich weiterlese, räume ich erst einmal die Gemüsekiste weg, die gerade geliefert wurde, und mache mir ein Frühstück.

Update 14:00 Uhr

Nach Frühstück, Tee und ein paar weiteren Kapiteln bin ich inzwischen mehr in der Geschichte drin und genieße es einen „unvertrauten“ Deborah-Crombie-Roman zu lesen. Spannend finde ich, dass ich Dawn in den wenigen Momente, die man aus Sicht des Opfers erlebte, gar nicht sooo sympathisch fand, während sie mir nun nach ihrem Tod ans Herz wächst, weil die Menschen um sie herum so von ihr fasziniert waren. (Irgendwann würde ich allerdings gern mal einen Kriminalroman der Autorin lesen, in dem das Mordopfer einfach nur ein ganz gewöhnlicher und unauffälliger Mensch war.) Außerdem deuten sich bei Hazel schon ganz leicht die kommenden Entwicklungen an (ich bin gespannt, ob ich den Teil beim erneuten Lesen auch wieder so doof finde wie vor einigen Jahren) und Duncan rollt in typischer Duncan-Manier in Gemmas Fall hinein, ohne ihr gegenüber überhaupt vorher eine Andeutung fallen zu lassen. Wie kann er die Nacht nach dem Mord mit ihr verbringen und nicht einmal erwähnen, dass er vor einiger Zeit einen ähnlichen Mordfall hatte? Und auch nachdem er seinen Chef darum gebeten hat, dass er sich in Gemmas Mordfall einmischen darf, wartet er noch einen weiteren Tag, bis er ihr Bescheid gibt … Ganz ehrlich, da hätte ich mich an Gemmas Stelle nicht so schnell beruhigen lassen!

Ansonsten finde ich Ferns Verhalten sehr seltsam. Ich kann verstehen, dass sie Alex vor Dawns Ehemann in Sicherheit bringen will, wenn sie befürchet, dass dieser Dawn umgebracht hat, weil sie ein Verhältnis mit Alex hatte (und von ihm schwanger war). Aber wieso sie dann der Polizei nicht sagen will, wo Alex ist und solch ein Rumgeeiere mit Gemma aufführt, kann ich nicht nachvollziehen. Auf der anderen Seite gibt es gleich zwei Frauen in dieser Geschichte, die an hoffnungslosen Gefühlen für Männer festhalten, die anscheinend nichts für sie empfinden, was mir eigentlich etwas viel für einen einzigen Roman ist. 😉

Ich weiß nicht, wie lange Sayuri heute lesen will, aber ich bin gerade mit dem sechsten Kapitel fertig geworden und lege jetzt erst einmal eine Lesepause ein, um ein paar Sachen zu erledigen, und schaue dann, ob es bei Sayuri in der Zwischenzeit ein neues Update gab und ob es bei ihr dann noch weitergeht oder ob sie in den kommenden Tagen etwas „nachlesen“ möchte, bis wir uns zum nächsten gemeinsamen Lesen verabreden.

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Update Montag, der 17.02.2020

Da Sayuri und ich am Freitag mit dem zehnten Kapitel starten wollen, gibt es hier noch meine Eindrücke zu den Kapiteln sieben bis neun. Als ich heute wieder zu „Der Rache kaltes Schwert“ griff, war ich ein bisschen überrascht, dass sich der Ton – meinem Gefühl nach – so deutlich geändert hatte. Es war, als ob die ersten sechs Kapitel die Grundlagen für die Geschichten gelegt hätten (was ist passiert, welche Personen sind beteiligt und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander), während jetzt nicht nur die Ermittlungen mehr Hinweise an den Tag bringen, sondern auch die vielen Charaktere sich ernsthaft der Tatsache stellen müssen, dass so ein Mord mehr als nur die offensichtliche Folge (also den Tod eines Menschen) mit sich bringt und dass jeder von ihnen unter Verdacht steht und sich – bis zur Auflösung des Falles – fragen wird, ob er etwas hätte anders tun können, ob der Mensch, mit dem er sich gerade unterhält, in den Mord verwickelt ist und wie die Person, die einem am Herzen liegt, sich von so einem Schicksalsschlag wieder erholen kann.

Wie immer bei den Romanen, die innerhalb von London spielen, finde ich es wunderbar, wie Deborah Crombie die Geschichte des Stadtteils und die Entwicklung der Gegend in ihre Handlung miteinbezieht. Die Szenen mit Angel und Ronnie waren übrigens die ersten, die mir seitdem wir Freitag das Buch begonnen haben, vertraut vorkamen. Ansonsten bin ich mir – eigentlich seit der ersten Erwähnung der Person – sehr sicher, dass ich weiß, wer der Täter ist, auch wenn ich keine Ahnung habe, was sein Motiv ist. Ebenso finde ich es etwas arg bemüht, dass Deborah Crombie mit dem Spitznamen Angel arbeitet, um die Verbindung zwischen diese Szenen und einem der Mordopfer zu vertuschen – obwohl doch offensichtlich ist, wie der reale Name dieser Frau war – und spätestens nach dem Fotos, dass der Nachbar der ermordeten Marianne Kincaid gegeben hat, kann man sich als Leser auch denken, in wessen Beuteschema Marianne als junge Frau fiel …

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Update Freitag, der 21.02.2020
10:30 Uhr

Ich bin heute mal wieder ein bisschen spät dran, aber dafür habe ich alles erledigt, was ich diese Woche erledigen musste und kann mich nun entspannt aufs Lesen konzentrieren. Ich muss zugeben, dass ich in den vergangenen Tagen kaum an „Der Rache kaltes Schwert“ gedacht habe, weil ich das Gefühl habe, ich wüsste die Auflösung schon und dieses Mal beschäftigen mich die verschiedenen Charaktere nicht so sehr wie sonst bei einem Deborah-Crombie-Roman. Die einzigen Sachen, die mir eben beim Teekochen durch den Kopf gingen, war, dass ich 1. zu wissen glaube, wie Gemma ihr Baby verliert (bei einer Konfrontation mit dem Mörder in der Suppenküche) und 2. ging mir die Frage durch den Kopf, ob ich mich richtig erinnere, dass Wesley in Zukunft als Babysitter für Gemmas Sohn herhalten wird. Da bin ich mir nicht mehr sicher, aber spätestens als erwähnt wurde, dass er auf die Töchter des Cafébesitzers aufpasst, dachte ich, dass er mir vertraut vorkommen würde. Oh, und ich wusste gar nicht mehr wie Geordie zur Familie James-Kincaid kam und finde Gemmas spontanen Entschluss nicht nur untypisch für sie (wenn auch irgendwie liebenswert), sondern hätte mich auch gefreut, wenn sie das in der Zwischenzeit Duncan gegenüber mal angesprochen hätte. Dass die beiden auch über wichtige Punkte ihres Familienlebens kaum reden, finde ich erschreckend irritierend!

Update 13:00 Uhr

Hunger und keine Ahnung, was ich frühstücken soll – also gibt es mal wieder Zimtmilchreis. *g*

Ich mochte diesen Moment der Erkenntnis, den Fern hatte, als sie darüber nachdachte, ob sie deshalb so an Alex Dunn hing, weil diese unerwiederte Liebe ihr erlaubte in ihrer aktuellen Situation zu verharren statt sich weiterzubewegen. Während ich es schon ganz schön heftig finde, dass Gemma und Duncan Kit an seinem allerersten Abend im neuen Haus zum Babysitten verdonnern. Als ob er ein Gummiball wäre, denn man mal eben in jede beliebige Richtung schleudern kann und der heil von allen Herausforderungen zurückprallt. Er war bislang nur zu Besuch in London, kennt sich in der Gegen nicht aus, hat niemanden in der Nachbarschaft, an den er sich wenden kann, und ist verantwortlich für einen kleinen aktiven Jungen – in seinem Alter und mit seiner Vorgeschichte würde es mich nicht beruhigen, dass ich Gemma per Handy jederzeit erreichen kann. Ansonsten musste ich natürlich das Lesen unterbrechen, um mich über Stephen Ward und Christine Keeler zu informieren – das ist genau die Art von Geschichte, die mein Mann in seinen britischen Spionage-Serien so liebt. *g*

Ansonsten hätte ich gern noch mehr über Betty gelesen. Sie kommt so wenig vor in den Rückblicken, aber die wenigen Sätze, die man von ihr hört, lassen sie sehr sympathisch wirken. Mrs. Farley hingegen fand ich gruselig – so viel Fassade, so wenig Inhalt. Ich möchte mir nicht vorstellen, was sie für eine Ehe mit dem Tierarzt (so ein unangenehmer Mensch!) führt. Aber ich kann anerkennen, dass Deborah Crombie es auch hier mal wieder geschafft hat, dass man nach einem kurzen Gespräch eben doch eine erschreckend gute Vorstellung von dieser Ehe bekommt. Und dann ist da noch Marc Mitchell, der zum ersten Mal überhaupt richtig zu Wort kommt und den man sonst nur durch die Augen von Bryony erlebt. Sich selbst soweit aufzugeben, um Gutes zu tun, zeugt von einem Extremismus, den ich bedenklich finde – und kein Wort über seine Mutter, nur über seine Großmutter …

Nur noch ein paar Seiten, aber bevor ich weiterlese gibt es erst einmal Frühstück. 😉

Update 14:00 Uhr

Gemma und das Baby – ich muss gestehen, dass ich es sehr geschickt finde, dass Deborah Crombie Gemma erst allen von Schwangerschaft erzählen lässt und es wirkt, als ob alles gut ist und es keine Probleme mit der Arbeit gibt. Geschickt, aber auch herzzerreißend …

Oh, und ich habe erst als Gemma die Wohnung beschrieb daran gedacht, dass Wesley Bettys Sohn ist – das ist schon etwas sehr viel Zufall, aber ich mag es. Die Betty, die man aus Angels Perspektive kennenlernt, ist die passende Frau, um einen Sohn wie Wesley zu erziehen.

Was den Täter angeht, so wusste ich schon bei seinem Auftauchen, dass er der Täter war, aber erst als Evan erwähnt wurde, konnte man ein Motiv erahnen. Am Ende finde ich den Fall vor allem frustrierend, weil die Gier eines Mannes so viel Leid verursacht hat und weil all die Morde so sinnlos waren … und natürlich das Ende der Geschichte schrecklich traurig, auch wenn die Teekanne ein schönes Element ist. Ich finde es schön, dass sie sich in Zukunft durch fast alle Bücher zieht und dass ich mich nun daran erinnere, wofür sie steht. 🙂

Wenn sich die Bücher stapeln …

… und ich es nicht mal auf die Reihe bekomme, die vor Wochen gelesenen Titel wegzuräumen, dann ist das immer ein untrügliches Anzeichen dafür, dass ich Probleme habe, mich aufs Lesen zu konzentrieren. Genäht habe ich in den letzten zehn Tagen übrigens auch nicht mehr, was der Grund dafür ist, dass die noch nicht gesäumten Taschentücher unter dem Buchstapel regelrecht verschwinden. *g* Dabei hatte ich eigentlich sogar Lust aufs Lesen und Nähen (wenn auch nicht gerade beides gleichzeitig, das wäre dann doch selbst für mich etwas viel), aber so richtig hat es in den letzten Wochen damit nicht klappen wollen. Weshalb ich natürlich fast jeden Tag ein weiteres Buch aus dem Regal gezogen und auf den Stapel gelegt habe, in der Hoffnung, dass mich genau dieser Titel jetzt endlich wieder packen würde.

Mit Charlotte MacLeod hat das am vergangenen Sonntag dann sogar wirklich geklappt, und ich habe gestern den dritten Band der „Sarah Kelling und Max Bittersohn“-Reihe beendet, nur um im Anschluss zum vierten Teil der Reihe zu greifen. Ich finde die in Boston spielenden Krimis der Autorin momentan so erholsam und genieße diese Mischung aus solidem Kriminalfall, skurril-sympathischen Charakteren, amüsanten Szenen und wunderbar treffenden Beschreibungen. Jetzt hoffe ich nur, dass mich die Leselust nach Beenden der Reihe nicht wieder verlässt (und dass ich meinen Buchstapel vor Sonntag wieder aufgeräumt bekomme, wenn ich die Ablagefläche für meine Lese-Sonntag-Fotos benötige). 😉

Amy Wilson: Shadows of Winterspell

„Shadows of Winterspell“ von Amy Wilson ist mir im Oktober 2019 regelmäßig vor die Nase gekommen, als der Roman veröffentlicht wurde. Irgendwann bin ich dann doch neugierig genug geworden, um das Buch auf meine Wunschliste zu setzen, und passend zum herbstlich-winterlichen Thema habe ich die Geschichte dann an einem trüben und regnerischen Januarnachmittag angefangen. Protagonist ist die zwölfjährige Stella (Estelle) Briggs, die gemeinsam mit ihrer Großmutter in einem kleinen Häuschen am Rande des Waldes Winterfell lebt. Lange Zeit war Stella zufrieden mit ihrem Leben, aber so langsam sehnt sie sich nach der Gesellschaft anderer und nach einem „normalen“ Leben mit täglichem Schulbesuch und Freunden, mit denen sie ihre Freizeit verbringen kann.

Dabei ist ihr bewusst, dass sie zu viele Geheimnisse hütet, um unbefangen Freundschaft mit Menschen schließen zu können. So ist Stellas Großmutter ein (wenn auch einigermaßen stofflicher) Geist, ihr Mitbewohner ist ein Imp, und Stella selbst hat von klein auf den Gebrauch von Magie gelernt. Dazu kommt noch, dass Stella die Tochter des Königs der Schatten ist, dessen Fluch auf dem Wald Winterspell liegt und dessen Schatten dafür sorgen, dass die Fae Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen müssen. Doch Stellas Sehnsucht nach Abwechslung und Freundschaft ist so groß, dass sie sich trotz all der damit verbundenen Risiken (und der Zorn ihrer Großmutter ist darunter nicht das geringste) bei der örtlichen Schule anmeldet. Dort warten allerlei Herausforderungen und Überraschungen auf Stella, die ihr nicht nur die langersehnten Freunde bringen, sondern auch dafür sorgen, dass sie über sich hinauswächst und am Ende den Kampf gegen den König der Schatten aufnimmt.

Ich mochte dieses Buch so sehr, dass ich direkt nach dem Lesen drei weitere Titel der Autorin auf meine Merkliste gesetzt habe, obwohl mir die Klappentexte das Gefühl vermittelten, dass ihre Geschichten sich immer um sehr ähnlich Themen drehen. Aber mir gefiel die Erzählweise von Amy Wilson sehr, die dafür sorgt, dass die Handlung zwar relativ gradlinig und einfach erzählt wird, auf der anderen Seite aber immer Untertöne mitschwingen, die bei eigentlich amüsanten oder gemütlichen Szenen eine gewisse Traurigkeit oder Hilflosigkeit mit sich bringen, während man selbst bei den wirklich traurigen Momenten immer noch schmunzeln muss oder diese Geborgenheit spürt, die Wohlfühlbücher vermitteln. Auch bei ihren Charakteren findet man viele verschiedene Facetten, und selbst die Figuren, die auf den ersten Blick etwas schwierig zu sein scheinen, sind so stimmig beschrieben, dass sie einem im Laufe der Geschichte ans Herz wachsen.

Am Ende fiel es mir schwer, das kleine Häuschen am Waldrand zu verlassen, weil ich Stella, ihre Großmutter und all die anderen Charaktere so mochte und Winterspell selbst mit all seinen fantastischen Kreaturen ein großartiger Ort ist, den ich gern noch besser kennengelernt hätte. Außerdem habe ich einfach eine Schwäche für gut beschriebene gemütliche Häuser mit wohnlichen Küchen, behaglichen Schlafzimmern und einer Bibliothek voll alter Bücher. Ich mochte die verschiedenen fantastischen Wesen, die in Winterspell lebten, ebenso wie die Vorstellung, dass die Nähe zu einem „Feenwald“ eben auch die Bewohner des angrenzendes Ortes beeinflusst. Ein bisschen hat mich „The Shadows of Winterfell“ an „The Darkest Part of the Forest“ von Holly Black erinnert, nur das die Geschichte auf ein jüngeres Publikum zielt und sich deshalb – trotz aller Gefahren – nicht ganz so bedrohlich anfühlt (und die Liebesgeschichten wegfallen).

Katherine Woodfine: The Clockwork Sparrow (The Sinclair’s Mysteries 1)

Ich habe keine Ahnung, warum ich so lange um „The Clockwork Sparrow“ von Katherine Woodfinde rumgeschlichen bin (vielleicht, weil es der Auftakt einer vierteiligen Reihe ist?), aber nachdem ich den Roman angefangen hatte, konnte ich ihn nicht mehr aus der Hand legen. Lustigerweise habe ich parallel dazu das Sachbuch „Maud West, Lady Detective“ gelesen und fand in beiden Büchern Elemente, die mich an den anderen Titel erinnerten. Das führt dazu, dass ich mir schon beim Lesen sicher war, dass die Handlung in „The Clockwork Sparrow“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, auch wenn im ganzen Buch keine Jahresangabe zu finden war – erst am Ende fand ich dann die Bestätigung in einem Anhang der Autorin, in der sie auf die Eröffnung von Selfridges im Jahr 1909 verweist.

Protagonistin der Geschichte ist die vierzehnjährige Sophie Taylor(-Cavendish), eine Tochter aus gutem Hause, die nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters einen Weg finden musste, um auf eigenen Füßen zu stehen. So ist es für Sophie ein großer Glückfall, dass sie eine Anstellung als Verkäuferin in der Hutabteilung des bald neu eröffnenden Sinclair’s Department Store in London gefunden hat. Das Leben als Verkäuferin ist zwar ungewohnt und anstrengend, aber die Arbeit macht Sophie Spaß und die Vorfreude auf die Eröffnung des Kaufhauses sorgt für eine aufgeregte Spannung unter den Angestellten. Umso erschütternder ist es, als kurz nach der Eröffnung Schaustücke gestohlen werden, die in einem der Räume ausgestellt worden waren. Zu den gestohlenen Objekten gehört auch der einzigartige „Clockwork Sparrow“, ein mit Juwelen geschmückter mechanischer Vogel, der bei jedem Aufziehen eine andere Tonfolge von sich gibt.

Gemeinsam mit ihren neuen Freunden – Lilian Rose (die als Mannequin bei Sinclair’s arbeitet und gerade ihre erste Bühnenrolle ergattern konnte), Bobby Parker (der eine Ausbildung als „Porter“ bei Sinclair’s begonnen hat) und Joe (dessen Vergangenheit als Gangmitglied ihn jederzeit einholen könnte) – versucht Sophie mehr über den Diebstahl herauszufinden. Mehr möchte ich hier gar nicht über die Handlung verraten, weil es immer wieder Momente gibt, in denen Sophie in Gefahr gerät (und diese geht nicht immer von den Kriminellen aus, die den Diebstahl verübt haben,) und bei denen es gerade die nicht so spektakulären Wendungen sind, die einen als Leser mit der Geschichte mitfiebern lassen. Ich fand es wunderbar, wie Katherine Woodfine von der ersten Seite an Sophies Leben beschreibt und wie man anhand all der vielen kleinen Nebenbemerkungen ein gutes Bild davon bekommt, wie schwierig es ist, unter den Umständen zu überleben, in denen sie sich nach dem Tod ihres Vaters befindet. Umso wichtiger ist für Sophie der Arbeitsplatz bei Sinclair’s und der Rückhalt, den sie im Laufe der Geschichte durch ihre Freunde bekommt.

Ich mochte in „The Clockwork Sparrow“ diese Mischung aus Realismus und Elementen, die man eher in einem Groschenroman von Edgar Wallace erwartet hätte, und fand, dass ein übermächtig wirkender Gangsterboss ebenso wie die später in der Geschichte auftauchenden Spionage-Elemente gerade deshalb so gut in die Handlung passten, weil sie auf Sophie ebenso absurd wirken wie auf den Leser. Außerdem hat es mir gefallen, dass die Autorin es geschafft hat, dass ich regelmäßig um Sophie und ihre Freunde gebangt habe, weil ich mir nicht sicher sein konnte, dass alle heil aus der ganzen Angelegenheit herauskommen. Stattdessen habe ich nach den ersten Kapiteln jederzeit befürchten müssen, dass diesen vier Personen Dinge zustoßen, die vielleicht nicht ihr Leben, aber doch ihre Existenz bedrohen könnten.

Ich habe dieses Mitfiebern beim Lesen sehr genossen, vor allem, da es zwischendurch immer wieder die schönen Momente rund um die Freundschaften, die sich da aufbauten, und den Zauber, den so ein luxuriöses Kaufhaus ausstrahlen konnte, zum Erholen und Genießen gab. Insgesamt haben mich die Charaktere, die Erzählweise, die Handlung und die Atmosphäre in „The Clockwork Sparrow“ so sehr überzeugt, dass ich mir noch vor Beenden des Romans die drei Fortsetzungen der Reihe bei meinem Buchhändler bestellt habe, weil ich einfach nicht wollte, dass ich Sophie und ihr Leben als Verkäuferin in Sinclair’s Hutabteilung so schnell hinter mir lassen musste.

Matthias Heine: Verbrannte Wörter – Wo wir noch reden wie die Nazis und wo nicht

Ebenso wie „exit Racism“ hatte ich „Verbrannte Wörter“ von Matthias Heine im vergangenen Herbst in der Bibliothek vorgemerkt und erst zum Jahresende zur Verfügung gestellt bekommen. Das Sachbuch beschäftigt sich – wie man dem Untertitel schon entnehmen kann – mit dem Einfluss der Nazis auf unsere heutige Sprache. In seiner Einleitung betont Matthias Heine, dass es seiner Erfahrung nach zwei Gruppen von Menschen gibt: Die, die sich sicher sind, dass es Naziwörter gibt, und die, die Existenz nationalsozialistisch geprägten Vokabulars bestreiten und fürchten, man wolle ihnen vorschreiben, wie sie zu reden hätten. Die Philologen aber, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten ihrer Arbeit nachgingen, hegten keinerlei Zweifel daran, dass diese sich einer ganz eigenen Sprache und Ausdrucksweise bedienten. So verweist der Autor in diesem Buch auch regelmäßig auf Victor Klemperer, der nach der Machtergreifung der Nazis Belege für die „Sprache des Dritten Reichs“ sammelte, und andere Veröffentlichungen dieser Zeit, die sich mit der Veränderung der deutschen Sprache aufgrund des Einfluss der Nationalsozialisten beschäftigten.

Matthias Heine zeigt in diesem Vorwort auch auf, wie die Nationalsozialisten gezielt durch eigene Wörterbücher und die Lehre der nationalsozialistischen Ideologie und des dementsprechenden Vokabulars im Schulunterricht an einer Änderung der deutschen Sprache arbeiteten. So ist es natürlich nicht verwunderlich, dass diese Begriffe auch ihren Einzug in allgemeinere Wörterbücher wie den Brockhaus, den Duden oder Meyers Lexikon fanden (Letzteres war so von der Ideologie der Nazis durchzogen, dass es von den Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Bibliotheken entfernt und vernichtet wurde). Schon kurz nach dem Krieg wurden deshalb Schriften veröffentlicht, die aufzeigen sollten, wie sehr die deutsche Sprache von den Nationalsozialisten beeinflusst wurde und welche Wörter man nicht weiter nutzen sollte. In „Verbrannte Wörter“ beschäftigt sich Matthias Heine mit 87 Begriffen – von „Absetzbewegung“ bis „zersetzen“, die (teils zu Recht, teils zu Unrecht) mit den Nazis in Verbindung gebracht werden, erklärt die Herkunft der verschiedenen Wörter und beendet den jeweiligen Abschnitt dann mit einer Einschätzung darüber, ob man diesen Begriff heutzutage unbedenklich verwenden kann oder ihn besser (mit dem Wissen um die Hintergründe) aus seinem Vokabular streichen sollte.

Es gibt so einige Wörter in diesem Buch, die nicht zu meinem Wortschatz gehören und über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht hätte, weil sie für sich genommen „unschuldig“ klingen. Ein Beispiel dafür ist der Begriff „alttestamentarisch“, den ich ohne Hintergrundwissen so verstanden hätte, wie er Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet wurde, nämlich um auf etwas aus dem Alten Testament zu verweisen. Doch im Laufe der folgenden Jahrzehnte bekam dieses Wortes – mit Verweis auf die angeblich grausamen Inhalte des Alten Testaments – eine andere Bedeutung zugeschrieben, bis es während der Nazizeit gehäuft Verwendung fand, um gegen Juden zu hetzen. So schließt sich Matthias Heine in „Verbrannte Wörter“ der Deutschen Bibelgesellschaft an und empfielt stattdessen den Begriff „alttestamentlich“ zu verwenden, wenn man auf diesen Teil der Bibel verweisen möchte.

Schwierig fand ich an diesem Buch die Erwähnung verschiedener aktueller Ereignisse, die Matthias Heine in einige seinen Empfehlungen zur Verwendung der diversen Wörter einbaute. Natürlich hat der Autor recht damit, wenn er damit darauf verweist, dass in den letzten Jahren erschreckend viele Vorfälle bekannt wurden und Reden zu hören waren, die beweisen, dass das Gedankengut und die Sprache der Nazis immer noch in Deutschland aktiv sind. Aber wenn ich beim Lesen von „Verbrannte Wörter“, obwohl der Titel nicht einmal ein Jahr alt ist, Probleme habe, eine Anspielung einem (auf Lokalebene stattgefunden habenden) Ereignis oder einem bestimmten Vorfall zuzuordnen, dann hat diese so nichts in einer Veröffentlich zu suchen, die ein so wichtiges Thema behandelt und eigentlich langfristig lesbar sein müsste. In diesen Fällen hätte Matthias Heine vielleicht besser Beispiele genannt, die auf Bundesebene Aufsehen erregten, oder ganz auf diese Anspielungen verzichtet.

Insgesamt fand ich „Verbrannte Wörter“ sehr interessant, wenn auch nicht immer einfach zu lesen, weil man nun einmal keinen Titel über die Sprache der Nazis schreiben kann, ohne auf die Taten und die Propaganda dieser einzugehen. Bei einigen Einträgen war ich überrascht, dass Matthias Heine mit dem Hinweis endete, dass die Wörter eigentlich nur noch ironisch und mit dem Wissen um ihre ursprüngliche Bedeutung verwendet werden, weshalb ihr Gebrauch in Ordnung sei. Bei anderen Begriffen wiederum war ihre Verwendung während der Nazizeit ebenso offensichtlich wie die Tatsache, dass sich deshalb jede heutige Nutzung von vornherein verbietet. Hier und da bin ich über Begriffe gestolpert, bei denen ich die Verbindung zu den Nationalsozialisten nie hergestellt hätte. So hätte ich zum Beispiel nicht gedacht, dass das Wort „Eintopf“ erst durch die häufige Anwendung während des Zweiten Weltkriegs und die Einführung des „Eintopfsonntags“ so einen selbstverständlichen Platz in unserem Wortschatz eingenommen hat. Sehr viel wird sich durch das Lesen von „Verbrannte Wörter“ wohl nicht an meinem persönlichen Wortschatz ändern, aber ich habe das Gefühl, dass mich das Buch aufmerksamer gegenüber einigen Formulierungen gemacht hat und mir noch stärker deutlich wurde, wie sehr Sprache etwas über denjenigen verrät, der sie benutzt.

Februar-SuB 2020

Der Januar verlief bei mir zum Großteil recht gemütlich, was bedeutete, dass ich mir auch relativ viel Lesezeit einräumen konnte. Allerdings hatte ich zum Monatsende dann doch eher eine Phase, in der ich weniger gelesen und stattdessen meine Freizeit mit kitschigen koreanischen Serien verbracht habe. Immerhin habe ich dabei festgestellt, dass ich bei diesen Serien sogar nebenbei nähen kann ohne Untertitel zu verpassen. 😉 Die Serien haben dann auch dafür gesorgt, dass ich mit ein paar angefangenen Büchern in den Februar starte, die ich demnächst mal beenden sollte. Ich mag es nicht, wenn ich einen angefangenen Titel zu lange liegen lasse, und den SuB würde ich auch gern wieder etwas mehr schrumpfen lassen. Ansonsten habe ich schon ein paar Pläne für die kommenden Wochenenden und bin gespannt, wie viel Lesezeit mir daneben noch bleibt.

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Kelley Armstrong: A Royal Guide to Monster Slaying
  5. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  6. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (Jumbies 2)
  7. Tracy Baptiste: The Jumbie God’s Revenge (Jumbies 3)
  8. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  9. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  10. Juliet Blackwell: Bewitched and Betrothed (Witchcraft Mystery 10)
  11. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  12. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Speyness 6)
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  22. Patricia Briggs: Storm Cursed (Mercy Thompson 11)
  23. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  24. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  25. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  26. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  27. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  28. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  29. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  30. Sarah Beth Durst: Fire and Heist
  31. Louise Erdrich: The Birchbark House
  32. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  33. Jasmine Gower: Moonshine
  34. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  35. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  36. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  37. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  38. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  39. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  40. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  41. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  42. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  43. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  44. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  45. Rachel Hartman: Seraphina
  46. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  47. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  48. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  49. Sarah Jean Horwitz: The Dark Lord Clementine
  50. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  51. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  52. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  53. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  54. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  55. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  56. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  57. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  58. Diana Wynne Jones: Power of Three
  59. Diana Wynne Jones: Black Maria
  60. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  61. Diana Wynne Jones: Archer’s Goon
  62. Diana Wynne Jones: Wilkins‘ Tooth
  63. Celine Kiernan: Geisterpfade
  64. Celine Kiernan: Königspfade
  65. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  66. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  67. R. F. Kuang: The Poppy War
  68. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  69. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  70. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  71. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  72. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  73. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  74. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  75. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  76. Robin McKinley: Sunshine
  77. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  78. Kelly Meding: Stray Magic
  79. Kelly Meding: Stray Moon
  80. Kate Milford: The Boneshaker
  81. Kate Milford: Bluecrowne
  82. Maya Montayne: Nocturna
  83. Bishop O’Connell: The Stolen
  84. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  85. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  86. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  87. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  88. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  89. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  90. Philip Reeve: Larklight
  91. Kat Richardson: Greywalker
  92. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  93. John Scalzi: Fuzzy Nation
  94. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  95. Barbara Sleigh: Carbonel
  96. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  97. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  98. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  99. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  100. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  101. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  102. Charles den Tex: Die Zelle
  103. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  104. Sarah Tolcser: Song of the Current
  105. Jessica Townsend: Wundersmith – The Calling of Morrigan Crow
  106. Tiffany Trent: Unnaturalist
  107. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  108. Renee Watson: Piecing Me Together
  109. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  110. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  111. Darcie Wilde: A Purely Private Matter (Rosalind Thorne Mystery 2)
  112. Katherine Woodfine: The Jewelled Moth (The Sinclair’s Mysteries 2)
  113. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
  114. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  115. Xinran: Gerettete Worte
  116. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

114 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)