Adventsstimmung

So richtig bin ich in diesem Jahr nicht in Vorweihnachtsstimmung, was auch der Grund ist, warum ich nicht an Arianas Adventslesen teilnehme. Dabei genieße ich sonst diese letzten Wochen im Jahr sehr und nutze die Zeit, um langsam runterzufahren, Pläne für das kommende Jahr zu machen und mir Zeit für mich und meine Lieben zu nehmen. Außerdem habe ich im Laufe des Jahres das eine oder andere Buch zur Seite gelegt, weil ich dachte, dass es perfekt in die Advents-/Winterzeit passen würde, und es wäre zu ärgerlich, wenn ich diese Romane noch ein Jahr auf dem SuB liegenlassen würde, nur weil ich gerade das Gefühl habe, ich wäre nicht in der richtigen Stimmung.

Mit dem Dekorieren wird es vermutlich nichts in diesem Jahr. Durch die neuen Regale, das Ausräumen der Kisten und Umräumen der Inhalte, die keine Bücher sind, ist die Weihnachtdeko an einem Ort gelandet, der dafür sorgt, dass das Rausholen mehr Arbeit verursacht, als ich mir gerade damit machen will. Aber ich versuche trotzdem ein paar „Traditionen“ durchzuziehen und zu genießen und ich habe meine „aufgesparten“ Bücher auf einen separaten Stapel gelegt und mir vorgenommen, immer mal wieder eins davon anzulesen und zu schauen, ob mit den ersten Seiten doch noch die richtige Stimmung zum Lesen kommt.

Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
Abi Elphinstone: Sky Song
Robin Stevens: Jolly Foul Play (A Murder Unladylike Mystery 4)
Sarah Rees Brennan: In Other Lands
Catherine Fischer: Clockwork Crow
Stephanie Burgis: Congress of Secrets
Kate Milford: Ghosts of Greenglass House

 

Wenn ich mich in den nächsten Tagen noch zum Plätzchenbacken aufraffen kann, wird das vielleicht ja doch noch etwas mit der Vorweihnachtsstimmung bis zum 24. Dezember! 😉

Euch wünsche ich auf jeden Fall eine gemütliche, stressfreie und atmosphärische Zeit bis zu den Feiertagen!

Andrew Sean Greer: Mister Weniger

Ich muss gestehen, dass „Mister Weniger“ von Andrew Sean Greer kein Buch ist, das ich von mir aus spontan in der Bibliothek ausgeliehen hätte. Aber Helma hatte so eine liebevolle Rezension zu dem Titel geschrieben, dass ich doch Lust bekam, die Geschichte zu lesen und deshalb den Roman in der Bibliothek vormerkte. Arthur Weniger ist ein liebenswerter, etwas chaotischer und häufig überraschend hilflos wirkender Autor, dessen Flucht vor der Hochzeit seines Geliebten Reise ich gern verfolgt habe. Neun Jahre lang hatten Arthur und Freddy eine lockere Beziehung, und erst als Freddy verkündet, dass er einen anderen Mann heiraten wird und Arthur deshalb nicht wiedersehen kann, wird Arthur bewusst, was für ein großer Verlust das für ihn sein wird. Um nicht auf der Hochzeit auftauchen und gute Miene zu dieser neuen Entwicklung machen zu müssen, nimmt Arthur lauter Reiseangebote an, die er normalerweise ablehnen würde.

So reist Arthur Weniger quer durch die Welt und moderiert eine Veranstaltung in New York, die zu Ehren anderer Autoren abgehalten wird, wird zu einer anderen Veranstaltung in Mexiko eingeladen, um über einen berühmten Autor zu reden, mit dem er viele Jahre zusammenlebte, und besucht eine Preisverleihung in Italien, von der er noch nie zuvor gehört hatte. Außerdem übernimmt Arthur eine Dozentenstelle in Berlin, macht Urlaub in Marokko, versucht in Indien einen Roman zu schreiben und bespricht ein traditionelles Menü in Kyoto. So vielfältig wie seine Reiseziele und Tätigkeiten sind auch die großen und kleinen Probleme, mit denen sich Arthur auf seiner Reise konfrontiert sieht, was zu einigen wunderbar amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig bekommt man Stück für Stück Arthurs Erinnerungen rund um sein Liebesleben und seine Entwicklung als Autor präsentiert und lernt zu verstehen, was den Charme dieses unbeholfenen Mannes ausmacht und wieso er trotz all seiner Ängste bislang immer irgendwie seinen Weg durchs Leben gefunden hat.

Helma hatte auf jeden Fall recht, als sie den Roman als „Wohlfühlbuch“ bezeichnete, und ich fand das Lesen wirklich angenehm. Zwischendurch hatte ich sogar überlegt, warum ich nicht häufiger solche Bücher lese, kam dann aber zu der Erkenntnis, dass diese Variante – so unterhaltsam sie auch geschrieben sein mag – in der Regel von mittelalten weißen Männern erzählt, und das ist ein Thema, das ich nicht so häufig im Zentrum meiner Romane haben mag. Es ist schade, dass es keine vergleichbaren Geschichten aus weiblicher Sicht gibt – oder kennt einer von euch einen ähnlichen Roman von einer Autorin? Oder ist diese melancholisch-ironisch-intellektuelle Perspektive einzig Männern vorenthalten, während Frauen sich auf fluffig-amüsante Romane beschränken (müssen?), in denen die Protagonistin von einem Tag auf den anderen ihre erfolgreiche, aber ungeliebte Karriere oder ihr Leben als unerfülltes Hausmütterchen hinwirft und ihr belächeltes Hobby erfolgreich zum Beruf macht oder ein Café eröffnet?

Aber nun gut, ich möchte nicht an „Mister Weniger“ auslassen, dass in bestimmten Bereichen nur bestimmte Autoren veröffentlicht werden, denn Andrew Sean Greer kann ja nichts dafür, dass mir beim Lesen seines Romans und angesichts des auffälligen Mangels an weiblichen Figuren so viele Gedanken über den Buchmarkt durch den Kopf gingen. Genauso wenig kann man dem Autor vorwerfen, dass der deutsche Verlag beschlossen hat, den Namen des Protagonisten von „Less“ in Weniger zu ändern oder dass vermutlich einiges an Wortwitz durch die Übersetzung verloren ging. Zumindest fällt es mir anhand des deutschen Textes schwer zu verstehen, warum gerade diese Geschichte mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich Arthur gern auf seiner Reise durch die Welt begleitet und seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Gegenwart interessiert verfolgt habe.

Mira Grant: Into the Drowning Deep

Mira Grants (Seanan McGuires) Romane gehören zu den wenigen Horrorgeschichten, bei denen ich mich auf das Lesen wirklich freue, obwohl Horror eigentlich so gar nicht mein Genre ist. Aber bei dieser Autorin gibt es immer eine spannende Mischung aus Wissenschaft und Horror, aus ruhigen Passage, die die Welt und die Figuren einführen, und diesen Momenten, die dir als Leser das Herz brechen. Bei „Into the Drowning Deep“ nimmt sich Mira Grant erst einmal Zeit, um die Vorgeschichte zu erzählen (die Geschichte der Atargatis wurde 2015 von Subterranean Press mit dem Titel „Rolling in the Deep“ veröffentlicht) und die Charaktere einzuführen.

Wer bei einem „Horrorroman“ auf die erste Leiche hinfiebert, muss sich bei „Into the Drowning Deep“ fast 150 Seiten lang gedulden. Stattdessen bekommt der Leser eine Welt der nahen Zukunft vorgestellt, in der die anhaltende Umweltverschmutzung zu gravierenden Veränderungen im Lebensstil der Menschen geführt hat und in der die Unterhaltungsfirma Imagine unter anderem mit Dokumentationen, in denen diversen mythischen Wesen nachgespürt wird, ein Vermögen gemacht hat. Dass bei diesen Filmen immer nur herauskommt, dass es mythische Wesen wie Einhörner und ähnliches nicht gibt, scheint einen besonderen Reiz dieser Dokus auszumachen – zumindest bis zu dem Tag, an dem die Crew des Schiffs Atargatis mitsamt dem darauf befindlichen Filmteam und diversen Wissenschaftlern spurlos verschwindet, nachdem sie sich auf die Suche nach Meerjungfrauen gemacht hatten. Einzig einige Filmaufnahmen, die automatisch in eine Cloud hochgeladen wurden, gaben einen Hinweis darauf, was mit all den Personen geschehen sein könnte – und darauf, dass die Legenden rund um Meerjungfrauen nicht ganz so absurd und vor allem deutlich schrecklicher sein könnten, als je ein Mensch vermutet hätte.

Sieben Jahre später stattet Imagine ein riesiges Forschungsschiff aus, um sich noch einmal auf die Spur der Meerjungfrauen zu machen. Die Firma hat den Image-Verlust durch die gescheiterte Atargatis-Mission nicht verwunden, und auch die finanziellen Einbußen machen sich bemerkbar. Eine neue Forschungsreise, mit der nicht nur die Existenz – und somit die Unschuld Imagines an dem Schicksal der Besatzung der Atargatis – bewiesen werden kann, würde nicht nur den Ruf des Konzerns wiederherstellen, sondern auch so einige Möglichkeiten bieten, um die Verluste der letzten Jahre und die Kosten der Reise wieder auszugleichen. Für den Leser beginnt die Handlung kurz vor dem Auslaufen der Melusine damit, dass er die verschiedenen Beteiligten und ihre Motivation für ihre Teilnahme an einer so riskanten Forschungsreise kennenlernt.

Ich mochte die verschiedenen Figuren sehr, gerade weil sie Ecken und Kanten haben, weil sie zum Teil verbissen an der Vergangenheit festhalten oder ihr ganzes Leben auf ihre wissenschaftliche Forschung ausgerichtet haben. Auch fand ich den – nicht gerade geringen – Anteil an wissenschaftlichen Elementen in dem Roman sehr interessant. Aufgrund des Schwerpunktes der Reise und der Tatsache, dass der Großteil der Beteiligten nun einmal Forscher sind, gibt es sehr viele Passagen mit leicht verständlichen und faszinierenden Beschreibungen vom Umgang mit wissenschaftlichen Entdeckungen und dem Interpretieren von Daten für den jeweiligen Forschungsschwerpunkt des Charakters.

Dieser wissenschaftliche Schwerpunkt hat es mir persönlich auch leichter gemacht, mit dem Horror in der Geschichte umzugehen, denn das ist ja – wie schon erwähnt – eigentlich nicht so mein Genre. Hier hingegen fand ich es spannend zu verfolgen, wie sich die Menschen auf der Melusine auf die Suche nach Meerjungfrauen machten, während man als Leser genau weiß, dass es diese Kreaturen gibt und dass ein Zusammentreffen zwischen dem Schiff und den Wasserwesen unausweichlich ist und definitiv kein gutes Ende nehmen kann. Und während ich den Anfang von „Into the Drowning Deep“ eher gemütlich gelesen und häufig aus der Hand gelegt habe, um die verschiedenen Perspektiven nachklingen zu lassen, konnte ich im letzten Drittel der Geschichte nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, ob einer der Beteiligten (und wenn ja, wer) das Ganze überleben würde und was dieses Zusammentreffen mit den Meerjungfrauen für die Zukunft der Menschen bedeuten würde.

„Into the Drowning Deep“ ist ein wirklich cooles Buch, mit interessanten Charakteren, überraschend vielen humorvollen Szenen, unglaublich unheimlichen und dabei erschreckend realistischen Monstern, faszinierenden wissenschaftlichen Elemente und sehr vielen spannenden Entwicklungen. Die eine oder andere Träne habe ich auch vergossen, denn selbstverständlich kommt es in einem solchen Roman zu Todesfällen und wenn das dann eine Person betrifft, die ich in den wenigen Szenen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt hatte, sehr ins Herz geschlossen habe, dann berührt mich diese Wendung in der Handlung natürlich. Insgesamt bin ich wirklich begeistert von „Into the Drowning Deep“ und möchte den Roman jedem in die Hand drücken, der sich auch nur ein bisschen für einen der von mir genannten Aspekte interessiert.

Die Geschichte der Atargatis soll demnächst verfilmt werden und wenn der Film wirklich gedreht wird (bei all den Ankündigungen, aus denen am Ende keine Filme wurden, bin ich dann doch etwas skeptisch) und in die Kinos kommt, werde ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben Geld in die Hand nehmen, um gezielt in einen Horrorfilm gehen …

Dezember-SuB 2018

Mein Geburtstag hatte in der vergangenen Woche die vorhergesagten Auswirkungen auf meinen SuB – ganze 17 Bücher (bzw. 16 Bücher und eine Box mit Hammetts gesammelten Werken) sind bei mir eingezogen. Immerhin sind nicht all diese Titel „SuB-relevant“, aber trotzdem steuere ich so langsam wieder auf einen dreistelligen Stapel mit ungelesenen Büchern zu. Was sich ganz schnell ändern ließe, wenn ich all diese Romane, auf die ich gerade so viel Lust habe, sofort lesen würde. Dem steht nur gerade ein sehr hoher Stapel mit Bibliotheksbüchern entgegen, die alle einen festen Abgabetermin haben und nicht verlängert werden können. *g* Mal schauen, ob ich es trotzdem im Dezember schaffe, Zeit mit meinen neuen Schätzen zu verbringen oder ob ich mit einem dreistelligen SuB ins neue Jahr starten werde – denn schließlich steht Ende Dezember wieder Weihnachten an und meine Lieben werden auch diesen Anlass dazu nutzen meinen Bücherwunschzettel zu plündern. 😉

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  3. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  4. Kelly Barnhill: The Unlicensed Magician
  5. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  6. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  7. Lila Bowen: Wake of Vultures (Shadow Series 1)
  8. Rhys Bowen: Royal Flush (Royal Spyness 3)
  9. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  10. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  11. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  12. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  13. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  14. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  15. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  16. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  17. Stephanie Burgis: Congress of Secrets
  18. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  19. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  20. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  21. Vivien Chien: Death by Dumpling
  22. Deborah Crombie: Beklage deine Sünden (Kincaid und James 17)
  23. Abi Elphinstone: Sky Song
  24. Louise Erdrich: The Birchbark House
  25. Catherine Fisher: The Clockwork Crow
  26. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  27. Jasmine Gower: Moonshine
  28. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  29. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  30. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  31. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  32. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  33. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  34. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  35. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  36. Rachel Hartman: Seraphina
  37. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  38. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  39. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  40. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  41. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  42. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  43. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  44. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  45. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  46. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  47. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  48. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  49. Diana Wynne Jones: Power of Three
  50. Diana Wynne Jones: The Game
  51. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  52. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  53. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  54. Kelly McCullough: Die erste Klinge
  55. Kelly McCullough: Der Schwur der Klinge
  56. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  57. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  58. Seanan McGuire: Deadlands – Boneyard
  59. Kelly Meding: Stray Magic
  60. Kate Milford: The Boneshaker
  61. Kate Milford: Ghosts of Greenglass House
  62. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  63. Bishop O’Connell: The Stolen
  64. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  65. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  66. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  67. S. A. Patrick: A Darkness of Dragons
  68. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  69. Cindy Pon: Serpentine
  70. Philip Reeve: Larklight
  71. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  72. John Scalzi: Fuzzy Nation
  73. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  74. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  75. Robin Stevens: Jolly Foul Play (A Murder Unladylike Mystery 4)
  76. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 5)
  77. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  78. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  79. Charles den Tex: Die Zelle
  80. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  81. Sarah Tolcser: Song of the Current
  82. Tiffany Trent: Unnaturalist
  83. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  84. Catherynne M. Valente: The Refrigerator Monologues
  85. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  86. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  87. Xinran: Gerettete Wort
  88. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

86 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

 

Stephanie Burgis: The Girl with the Dragon Heart

„The Girl with the Dragon Heart“ ist nach „The Dragon with a Chocolate Heart“ der zweite Roman von Stephanie Burgis, der in der Stadt Drachenburg spielt. Dieses Mal dreht sich die Handlung um Silke, die im ersten Buch zur besten Freundin der Drachin Aventurine wurde. Theoretisch kann man diese Geschichte unabhängig vom ersten Band lesen, doch natürlich gibt es das eine oder andere Detail in „The Girl with the Dragon Heart“, das einem schon etwas über den Ausgang von Aventurines Abenteuer verraten würde. Wer „The Dragon with a Chocolate Heart“ schon gelesen hat, wird Silke als unerschrockenes und kreatives Mädchen kennengelernt haben, das immer eine Lösung für die Probleme ihrer Freunde findet und das ganz hervorragend mit Worten umgehen kann. In „The Girl with the Dragon Heart“ lernt man hingegen ganz neue Seiten an Silke kennen, denn der Weg nach Drachenburg war auch für sie nicht ganz einfach, und ihre Vergangenheit belastet und beeinflusst sie bis zum heutigen Tag.

Ich mochte Silke schon in dem ersten Roman, in dem sie auftauchte, aber in „The Girl with the Dragon Heart“ habe ich sie richtig ins Herz geschlossen. Sie ist manchmal etwas engstirnig und begreift lange Zeit nicht, dass es mehrere Wege gibt, um ihre Ziele im Leben zu erreichen, aber Stephanie Burgis gelingt es sehr gut, aufzuzeigen, warum Silke so ist und so handelt, wie sie es tut. Auch wenn das Mädchen nie darüber redet, so ist sie doch traumatisiert davon, dass vor vielen Jahren – als ihre Familie aus einem entfernteren Königreich nach Drachenburg flüchtete – ihre Eltern im Elfenwald verschwanden. Seit dieser Zeit lebt Silke unter der Obhut ihres großen Bruders Dieter am Flußufer von Drachenburg, einer der ärmsten Gegenden der Stadt. Doch Silke lässt es nicht zu, dass ihr Leben auf einen kleinen Teil der Stadt beschränkt wird. Sie hat die vergangenen Jahre damit zugebracht, alle Viertel Drachenburgs zu durchstreifen, Schleichwege zu finden und Kontakte zu knüpfen. Sie ist wild entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sich einen Platz im Leben zu erobern, der ihr die Sicherheit bietet, die sie in den vergangenen Jahren vermisst hat. Und ein Auftrag der Kronprinzessin, die eine unauffällige Spionin sucht, um die Geheimnisse einer Delegation der Feen zu enthüllen, scheint trotz aller damit verbundenen Gefahren die perfekte Gelegenheit zum Erreichen von Silkes Zielen zu sein.

Für mich hat bei „The Girl with the Dragon Heart“ die Mischung aus Spannung, Humor und Emotionen genau gestimmt. Ich fand es schön, einen Blick hinter Silkes selbstbewusste Fassade zu werfen und mitzuverfolgen, welche Gedanken ihr durch den Kopf gehen, wenn ihr vorlautes Mundwerk sie mal wieder in Schwierigkeiten gebracht hat, oder zu spüren, wie sehr Aventurine und die Betreiber des Schokoladenhauses ihr ans Herz gewachsen sind. Es hat mich sehr berührt, davon zu lesen, wie sehr sie unter dem Verlust ihrer Eltern leidet und wie dieser Vorfall im Elfenwald und die wenigen Erinnerungen, die sie noch an ihre Mutter hat, ihr Leben beeinflusst haben. Erst im Laufe der Geschichte lernt Silke, dass sie nicht immer alles alleine schaffen muss und dass auch zerbrechliche Dinge ein solides Fundament für ein Leben sein können, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diesen Lernprozess zu verfolgen.

Dazu kamen noch all die kleinen, wunderbaren fantastischen Elemente, die diese Welt so besonders machen, und diese schrecklich verlockenden Passagen rund um (heiße) Schokolade, die dazu geführt haben, dass ich ständig das Gefühl hatte, ich müsste in die Küche springen und mir zumindest einen Kakao kochen, und natürlich diese vielen stimmigen Charaktere rund um Silke, die die Geschichte nicht nur bereichert haben, sondern auch sehr viel Reibungsfläche für ein so selbstbewusstes und eigensinniges Mädchen geboten haben. Ich freu mich jetzt schon darüber, dass es im kommenden Jahr noch einen weiteren Roman von Stephanie Burgis geben wird, der die jüngere Prinzessin und Aventurines Bruder Jasper zum Thema haben wird.

Warum ich Debütromane so mag

Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass ich immer relativ schnell bereit bin, interessant wirkende Debütromane auf meine Wunschliste zu setzen. Das liegt natürlich auch daran, dass Debütromane den Vorteil haben, dass ich bei Gefallen nicht vor einer endlosen Backlist stehe, die ich mir gern auch noch anschaffen möchte. Aber häufig sind die Debütromane (oder erste Veröffentlichungen) auch die Titel meiner Lieblingsautoren, die mir langfristig am besten gefallen. Natürlich bietet ein guter Debütroman immer auch die Möglichkeit, dass man da einen Autor für sich entdeckt hat, der viele Jahre an seinem Erstlingswerk gearbeitet hat und unter Zeitdruck oder nach einem ersten Erfolg nicht in der Lage ist, noch einmal ein so gutes Buch zu schreiben. Aber selbst bei den Autoren, die mit jeder Veröffentlichung besser werden und deren Werke ich über Jahre hinweg in all ihren Entwicklungsstadien sehr genieße, muss ich mir realtiv oft eingestehen, dass es die frühen und unvollkommeneren Geschichten dieser Autoren sind, die mir besonders am Herzen liegen.

Vom Kopf her ist mir das manchmal unangenehm, denn ich sehe ja den Qualitätsunterschied zwischen den früheren und den späteren Werken. Ich sehe die Verbesserung in der Erzählweise, die zunehmende Komplexität der Charaktere, den stimmigeren Weltenbau und ganz allgemein die höhere Professionalität. Auf der anderen Seite bin ich eine sehr emotionale Leserin, und oft fällt mir auf, dass eine höhere Professionalität bei einem Autor auch bedeuten kann, dass er meine Gefühle nicht mehr so anspricht wie mit seinen früheren Werken. Ich brauche das nicht unbedingt, um von einer Geschichte begeistert zu sein, aber ich genieße es sehr, wenn ich beim Lesen auch emotional involviert bin. Trotz dieser Erkenntnisse (und des leichten Unbehagens darüber, dass ich Qualität vielleicht nicht ganz so zu würdigen weiß, wie sie es verdient hätte 😉 ) habe ich nie eine treffende Beschreibung für dieses ganz bestimmte Element gefunden, dass mir häufig in späteren Werken eines Autors fehlt.

Und dann bin ich kürzlich über einen Twitter-Thread von Kelly McCullough gestolpert, der darüber schrieb, dass er die Zeit vermisst, als er noch ein relativ unerfahrener Autor war. Die Phase, als er schon wusste, was (für ihn) funktioniert, um eine Geschichte zu erzählen, aber noch nicht so viel übers Schreiben gelernt hatte, dass er eine anhaltende Kontrolle über sein Tun hat. Sein Fazit war:

„I think that what I’m doing is much better now, and I know it’s more sophisticated and that I’m accomplishing more with fewer words, but there is a raw freshness to those early stories that is all but impossible to replicate from a place of experience.“ (Kelly McCullough in einem Tweet vom 20. November 2018)

Ich glaube wirklich, dass es diese „raw freshness“ ist, die mich bei Debütromanen so anmacht, und die sich nur wenige Autoren auch langfristig erhalten, indem sie immer wieder experimentieren und sich auf eine Weise herausfordern, die dafür sorgt, dass sie nie so ganz in Professionalität und Routine versumpfen. Während einige andere Autoren anscheinend so glücklich sind mit dem Weg, den sie für sich gefunden haben, dass sie mich als Leserin irgendwann verlieren, weil ich das Gefühl habe, dass sie immer wieder die gleiche Geschichte mit den gleichen Elementen erzählen – nur eben ohne diesen Funken, der in ihren ersten Veröffentlichungen zu finden war.

Ich bin dann mal für ein paar Tage beschäftigt! ;)

Nachdem es ja in der letzten Woche Lieferprobleme gab, erreichte mich heute Abend dann doch noch mein neues Spielzeug. Inzwischen ist die Switch eingerichtet und ich warte nur noch darauf, dass die Controller (plus Pokéball) vollständig geladen sind, damit Evoli und ich uns auf den Weg machen können, um Kanto zu erkunden und Pokémon zu fangen!

Wie ich mich kenne, werde ich ein paar Tage mit dem neuen Spielzeug versumpfen und nicht viel anderes in meiner Freizeit auf die Reihe bekommen, was auch bedeutet, dass es hier auf dem Blog ein bisschen ruhiger wird. Vor allem, da ich mir heute Abend auch noch ein zweites Spiel („Yonder – The Cloud Catcher Chronicles“) besorgen werde – denn natürlich kann ich mich bei einer neuen Konsole nicht auf ein einziges Spiel beschränken, wenn es so viele nette Dinge zu entdecken gibt. Nur gut, dass mein Mann und ich zusammen Pokémon spielen können, sonst wäre es doch ein kleines bisschen unfair. 😉

Lese-Sonntag im November

Heute ist wieder der dritte Sonntag im Monat und somit wieder Lese-Tag! Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich am heutigen Tag sehr viel Zeit mit dem Controller in der Hand verbringen würde, da wir eine Switch vorbestellt hatten, die am Freitag geliefert werden sollte. Doch statt abends mit dem neuen Spielzeug in der Hand von der Arbeit zu kommen, rief mein Mann am Vormittag an und meldete, dass die Lieferung mit den vorbestellten Konsolen verschollen zu sein scheint und nun niemand sagen kann, wann das Gerät eintrifft. Nun, dann muss ich mich heute immerhin nicht zwischen „Pokémon – Let’s Go Evoli!“ oder „Yonder – The Cloud Catcher Chronicles“ und einem meiner Bücher entscheiden, sondern kann gleich mit Stephanie Burgis in den Tag starten.

Am Donnerstag kam der Fahrradkurier vorbei und brachte mir „The Girl with the Dragon Heart“ – auf das Buch hatte ich mich gefreut, seitdem Stephanie Burgis angekündigt hatte, dass es einen Roman aus der Perspektive von Silke, die eine Nebenfigur in „The Dragon with a Chocolate Heart“ war, geben wird. Allerdings habe ich mit der Geschichte noch nicht angefangen, weil ich erst noch einmal den Band rund um die Drachin Aventurine lesen wollte, um meine Erinnerungen an Silke wieder aufzufrischen. Und da ich den Roman gerade mit Konzentration auf Silke lese, fallen mir nun auch so hübsche Beschreibungen besonders ins Auge wie „I liked the way she broke the human rules of behavior by wearing male clothings, and I like her strength and determination, even if she tried to use them to trick me. She might be a human, but there was definitely a touch of dragon to her.“ (Seite 63).

Update 12:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich „The Dragon with a Chocolate Heart“ beendet und mich darüber gefreut, dass Aventurines Geschichte auch beim zweiten Lesen so gut für mich funktioniert. Stellenweise hatte ich beim Lesen sogar mehr Spaß als beim ersten Mal, weil ich schon wusste was kommt (oder mich daran erinnerte, dass eine unangenehme Situation sich bald auflösen würde). Ich mag Aventurines Sicht auf das Leben unter Menschen und in der Stadt und ihre Leidenschaft für Schokolade und ihre Bereitschaft hart dafür zu arbeiten, die beste Schokolade der Stadt herzustellen. Einzig ihre Schwäche für Heiße Schokolade mit Chili kann ich nicht ganz so nachvollziehen – ich mag meine Schoko lieber mit weniger scharfen Zutaten. 😉 Frühstück (sehr leckeres Porridge mit Zimt und Apfelmus) gab es auch schon für mich und dazu die ersten drei Kapitel von „The Girl with the Dragon Heart“. Es ist spannend mal eine andere Sicht auf Silke zu bekommen. Aus Aventurines Perspektive hat man das Gefühl, dass Silke für jedes Problem eine Lösung weiß und sich von keiner Situation einschüchtern lässt, aus Silkes Perspektive hingegen lernt man schnell, welche Probleme und Sorgen das Mädchen hat und warum sie durchs Leben geht, als ob sie keine Ängste kennen würde.

Christie ist auch schon versorgt ist und mein Mann wird sich weiter mit Doctor Who beschäftigen – er hat von einem Freund „The Dalek Invasion of Earth“ geschenkt bekommen und ist nicht ganz so hingerissen davon, wenn ich nach seinem regelmäßigem Grummeln gehen kann. Auf jeden Fall habe ich so noch zwei ruhige Stündchen mit meinem Buch, bevor wir heute wieder eine Runde „Gloomhaven“ spielen. An den vergangenen Wochenenden hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, so dass wir immer noch das nächste Abenteuer mit meinem Brute in der Stadt vor uns haben.

Update 16:30 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich nicht nur weiter gelesen, sondern eine kleine Blogrunde gedreht – um 14 Uhr war es dann aber soweit, dass es mit Gloomhaven losging. Dank all der Erwähnungen bezügliche „Heißer Schokolade“ in meinen Büchern, habe ich mir dazu auch eine gemacht (naja, genau genommen einen Kakao mit zwei gehäuften Teelöffeln Backkakao und einem Löffel Zucker, da ich keine dunkle Schokolade mehr im Haus habe) und diesen Energieschub brauchte ich angesichts des heutigen Szenario auch. *g* Obwohl mein Brute inzwischen mit 18 Lebenspunkten gut gewappnet sein sollte und auch seine Item-Sammlung beachtlich ist, hatten es die heutigen Gegner wirklich in sich und ich habe ein Item nach dem anderen zum Schutz einsetzen müssen, während gleichzeitig meine Lebenspunkte radikal abnahmen. Am Ende kamen dann noch eine Menge neuer Gegner dazu und während ich eine Aktions-Karte nach der anderen abwarf, um mein Überleben irgendwie zu sichern, war ich nur froh, dass wir dieses Mal nicht alle Gegner töten, sondern nur bestimmte Punkte auf dem Spielfeld erreichen mussten. *g*

Jetzt wärme ich mir erst einmal die Füße auf dem Sofa und schaue, was die anderen beiden heute Nachmittag so gemacht haben. Sehr viel zum Lesen komme ich vor dem Kochen vermutlich nicht mehr, aber dafür haben wir (bislang) noch keine Pläne für den Abend. Mal schauen, ob ich meinen Mann dazu überreden kann sich mit sich selber zu beschäftigen oder ob wir uns später für einen Film entscheiden. 😉

Update 21:15 Uhr

Nach dem letzten Update bin ich wirklich nicht mehr viel zum Lesen gekommen, weil ich mich dann doch relativ früh zum Kochen und Abwaschen aufraffen musste. Immerhin wird die heute gekochte „Allgäuer Kartoffelsuppe“ (Kartoffeln, Lauch, Möhren mit Majoran und Kräuter-Schmelzkäse) auch für morgen und vielleicht sogar noch für Dienstag reichen. Da mein Mann zum Essen eine der aufgenommenen Quizsendungen der letzten Woche angemacht hat, habe ich danach erst einmal zu „Animal Crossing“ gegriffen – mitraten und dabei Blümchen gießen klappt ganz gut, während Christie ein paar Streicheleinheiten eingefordert hat. Nachdem ich eben schon bei Sunny und Natira vorbeigeflitzt bin, war das hier auch mein letztes Update für heute. Immerhin werde ich so noch ein paar Seiten vor dem Schlafengehen schaffen, was sehr gut ist, denn gerade ist die Elfendelegation am Hof angekommen und Silke darf nun mit ihrer Aufgabe als Spionin der Kronprinzessin richtig loslegen. Die letzten Tage waren für sie etwas langweilig, weil sie erst einmal lernen musste sich am Hof richtig zu benehmen, damit sie zwischen all den Adeligen nicht auffällt – allerdings muss ich zugeben, dass Silke immerhin die Nächte aktiv genutzt hat, um die diversen Geheimgänge des Palastes aufzustöbern und zu erkunden. Ich bin gespannt, was die Kronprinzessin zu so viel Eigenintiative sagt, wenn sie es herausbekommen sollte (und gehe davon aus, dass die Dame nicht sehr erfreut darüber sein wird :D).

Ich wünsche euch einen guten und stressfreien Start in die Woche! Bleibt oder werdet gesund (aktuell scheint ja so gut wie jeder angeschlagen zu sein) und passt gut auf euch auf. 🙂

***

Heutige Mitleserinnen:

Natira
Sunny

Hope Larson und Brittney Williams: Goldie Vance Vol. 1 (Comic)

„Goldie Vance“ hatte mir mein Mann schon vor längerer Zeit unter die Nase gehalten, als er die Reihe im Comic-Katalog entdeckte, aber die Beschreibung hatte mich damals nicht so sehr gereizt. Trotzdem ist mir der Comic immer wieder über den Weg gelaufen, und je mehr ich darüber erfuhr, desto neugieriger wurde ich. Den letzten Ausschlag gab dann Rikes Meinung zu der Comicreihe. Der Comic dreht sich um die Erlebnisse der sechzehnjährigen Marigold „Goldie“ Vance, die für den Parkservice des „Crossed Palms Resort“ arbeitet. Das „Crossed Palms Resort“ ist ein Hotel in dem fiktiven Ort St. Pascal in Florida, das von Goldies Vater Arthur Vance geleitet wird, und das nicht nur über diverse Angebote zur Entspannung der Gäste, sondern mit Walter Tooey auch über seinen eigenen Hoteldetektiv verfügt.

Als selbsternannte Assistentin von Walter Tooey kann Goldie ihrer eigentlichen Leidenschaft nachgehen und einen – mehr oder weniger skurrilen – Fall nach dem anderen lösen. Dabei wird sie von Walter nur toleriert, auch wenn er zugeben muss, dass sie ihm regelmäßig die Lösung seiner Fälle auf dem Tablett serviert, während er noch nach dem richtigen Weg für den Start seiner Ermittlungen sucht. Ein Grund, warum Goldie so erfolgreich als Detektivin ist, liegt darin, dass sie nicht nur im Hotel, sondern auch im Ort gut vernetzt ist und so von allen Seiten Informationen erhält, die ihr weiterhelfen. Im Hotel steht ihr vor allem ihre Freundin Cheryl Lebeaux zur Seite, die nicht nur für den Empfang der Gäste verantwortlich ist, sondern heimlich von einer Karriere als Astronautin träumt.

Insgesamt ist der Ton in dem Comic sehr locker und amüsant, aber regelmäßig lässt Hope Larson als Autorin der Geschichten auch ernste Themen durchblitzen, wie zum Beispiel bei einem Moment zwischen Goldie und ihrer Mutter, als das Mädchen seine Mutter fragt, wie denn ihr neuer Verehrer auf die Tatsache reagiert habe, dass ihre Tochter nicht weiß sei. Doch solche Elemente blitzen nur kurz zwischen all den seltsamen und witzigen Fällen auf, mit denen sich Goldie konfrontiert sieht. Dabei ist Goldie bei ihren Ermittlungen so auf ihr Ziel fokussiert, dass sie nicht immer wählerisch bei den Wegen ist, die sie geht, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. So ist es kein Wunder, dass sich das Mädchen im Laufe des ersten Bandes nicht nur mit einem eigentlich harmlosen Dieb, feindlichen Agenten und einer geheimnisvollen Organisation herumschlagen muss, sondern auch ihren Vater in ernsthafte Schwierigkeiten bringt.

Ich habe Goldies Abenteuer mitsamt den ganzen abwegigen Elementen wirklich genossen und konnte dabei gut darüber hinwegsehen, dass nicht jede Entwicklung in der Handlung logisch und glaubwürdig war. Auch mochte ich die vielen verschiedenen Freunde und Verbündeten, denen Goldie im Laufe der Geschichte begegnet. Wobei es angesichts der vielen sympathischen und stimmigen Charaktere umso bedauerlicher ist, dass Goldies Gegenspielerin Sugar Marple schrecklich klischeehaft als herzlose, reiche, weiße Zicke dargestellt wird, aber vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden (auch wenn ich ehrlich gesagt nicht damit rechne).

Die Zeichnungen von Brittney Williams sind wunderbar dynamisch und sehr gefällig anzuschauen. Der Zeichnerin gelingt es sehr schön, die verschiedenen Stimmungen einzufangen, egal, ob die jeweilige Szene einen nachdenklichen Moment, ein entspanntes Zusammentreffen mit Freunden oder eine Autoverfolgungsjagd zeigt. Ergänzt werden die Zeichnungen durch die Farbgebung von Sarah Stern, die ein stimmiges 60er-Jahre-Feeling vermittelt, ohne es dabei zu sehr mit den Pastelltönen zu übertreiben, und stattdessen immer wieder zu dunkleren Farben greift, die den jeweiligen Szenen eine realistischere (und ernsthaftere) Atmosphäre verleiht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich die Geschichte und die Charaktere nach diesem abgedrehten Start in den weiteren Bänden noch entwickeln und freue mich darüber, dass ich noch ein paar Bände mit „Goldie Vance“ vor mir habe.

Stephanie Burgis: Masks and Shadows

Von Stephanie Burgis habe ich in den letzten Jahren fast alle Veröffentlichungen gelesen. Was mir bislang aber noch fehlte, waren ihre ersten beiden Romane für Erwachsene („Masks and Shadows“ und „Congress of Secrets“). „Masks und Shadows“ spielt im Jahr 1779 und wird zu einem großen Teil aus der Perspektive der frisch verwitweten Charlotte von Steinbeck erzählt. Zusätzlich kann man noch die Sicht des Kastraten Carlo Morelli sowie einige weitere Personen verfolgen. Alle Beteiligten sind zu Gast (oder Angestellte) im Palast des ungarischen Prinzen Nikolaus, dessen offizielle Geliebte Charlottes Schwester Sophie ist. Charlotte und Carlo stolpern unabhängig voneinander über seltsame Vorgänge im Palast, die anscheinend mit den beiden anwesenden Alchemisten in Verbindungen stehen und in die auch einige Mitglieder des Gesangsensembles des Opernhaus des Prinzen verwickelt zu sein scheinen.

Ich muss gestehen, dass ich den Titel aus dem Regal gezogen hatte, weil ich etwas Abwechslung zu den eher düsteren Geschichten haben wollte, die ich Ende Oktober gelesen habe – und dann musste ich feststellen, dass „Masks and Shadows“ auf seine Weise nicht weniger düster war als „Into the Drowning Deep“ und „Der Besucher“. Von Anfang an ist die Situation für Charlotte unangenehm, nachdem sie feststellen muss, dass ihre Schwester nicht nur die Geliebte des Prinzen Esterházy ist, sondern auch öffentlich als seine Begleiterin und Gastgeberin bei seinen Veranstaltungen auftritt. Die Prinzessin Esterházy hingegen wurde von ihrem Mann in ihre Gemächer verbannt und scheint auf den ersten Blick bei Hof keine Rolle mehr zu spielen. Dass dieser erste Eindruck täuscht, wird Charlotte schnell bewusst, denn in diesem Palast scheint das Überleben davon abhängig zu sein, wie gut man informiert ist und wie gut man sich bei all den Intrigen behaupten kann.

Für Carlo sind die Vorgänge weniger überraschend als für Charlotte, die seit ihrer Verheiratung in einem sehr abgeschiedenen und ländlichen Umfeld gelebt hat. Der musico hingegen hat nur deshalb eine so erfolgreiche Karriere führen können, weil er die Vorgänge an den verschiedenen Höfen Europas in der Regel schnell durchschaute und sich darauf einstellen konnte. Doch was unter dem Dach des Prinzen Esterházy vor sich geht, ist auch für Carlo nicht so einfach zu entschlüsseln. Ich fand es sehr faszinierend, die verschiedenen Informationen und Perspektiven zu verfolgen, immer mehr Details über die Charaktere und ihre Motivation zu bekommen und mir meine Gedanken darüber zu machen, welcher der Beteiligten wohl welchen seiner Verbündeten hintergehen wird.

Stephanie Burgis spart dabei nicht an Szenen, die deutlich machen, wie willkürlich die Regentschaft des Prinzen Nikolaus war und wie gefährlich das Leben an einem solchen Hof sein konnte, wenn man weder Einfluss noch mächtige Verbündete hatte. Sehr schön fand ich dabei, wie unterschiedlich Charlotte und Carlo viele Szenen wahrnahmen, denn obwohl Charlotte für ihre Zeit relativ offen ist und ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeit von Standesunterschieden hat, so ist sie doch von ihrer Erziehung und ihrer Umgebung beeinflusst. Carlo hingegen ist als Sohn armer italienischer Bauern geboren worden und weiß, welche Entbehrungen für das einfache Volk damit verbunden sind, wenn ihr Prinz zum Beispiel beschließt, dass er ein Stück Land trockenlegen lassen will, um dort einen neuen Prachtbau errichten zu lassen. Dabei ist sich Carlo durchaus der Tatsache bewusst, dass er – dadurch, dass er sich von den diversen Adelshäusern engagieren lässt – ebenso seinen Vorteil aus diesem System zieht.

Ausgeglichen werden die düsteren Szenen rund um die Intrige, die im Palast gesponnen wird, und die kritischen Elemente bezüglich des Verhaltens der Adeligen am Hof durch die Liebe zur Musik, die sich durch die gesamte Geschichte zieht. Dass für Carlo die Musik mehr ist als eine Tätigkeit, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ist mehr als offensichtlich. Dass diese Musik ihm auch etwas genommen hat, das dafür sorgt, dass ihn viele Menschen nicht als gleichwertig oder gar als Mann wahrnehmen, ebenso. Trotzdem liebt er die Musik, liebt es, zu singen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Auch Charlotte und viele andere haben ein besonderes Verhältnis zur Musik und so sind diese Passagen selbst dann schön zu lesen, wenn man – so wie ich – relativ wenig mit Opern anfangen kann. Ebenso mochte ich es, Charlottes Entwicklung zu verfolgen, die zum ersten Mal in ihrem Erwachsenenleben vor mehreren möglichen Wegen steht und für sich entscheiden muss, wie sie ihre Zukunft gestaltet und auf wessen Gefühle und Erwartungen sie dabei Rücksicht nehmen kann und möchte.

Ein weiterer Pluspunkt in der Geschichte war für mich der Schauplatz. Schloss Esterházy galt zu seiner Zeit als ungarisches Versailles, und seine prachtvollen Bauten waren berühmt (wenn auch anscheinend nicht unbedingt geschmackvoll eingerichtet, wenn ich nach den Beschreibungen der Autorin gehe). Auch hatte Prinz Nikolaus in seinem Palast einige der berühmtesten Künstler seiner Zeit versammelt, wie zum Beispiel den Komponisten Joseph Haydn, der jahrelang exklusiv für den Prinzen arbeitete. Diese Mischung aus Möglichkeiten und Gefahren, die sich durch eine solche Anstellung für die Künstler ergaben, hat Stephanie Burgis meiner Meinung nach gerade anhand von Haydns Beispiel gut eingefangen, was für einen wirklich atmosphärischen Rahmen für ihre Geschichte sorgt.

Insgesamt hat mir „Masks and Shadows“ zwar nicht die erhoffte Abwechslung von meiner eher düsteren Lektüre geboten, aber dafür habe ich den unverbrauchten Schauplatz und die realistischen (und of genug auch sympathischen) Charaktere sehr gemocht, während die unheimliche, von den Alchemisten beschworene Gefahr und die damit verbundene Intrige für Spannung sorgte. Insgesamt habe ich die Geschichte wirklich gern gelesen und mich dabei immer wieder darüber gefreut, wie gut es Stephanie Burgis dabei meiner Ansicht nach gelingt, Spannung und Grusel aufkommen zu lassen und doch immer wieder kleine Momente einzubauen, in denen man als Leser hoffen kann, dass die eine oder andere Figur vielleicht doch noch davonkommt oder vielleicht sogar gestärkt und gereift aus all den schrecklichen Situationen hervorgeht.