„Yes, Your Serpentine Excellency“ ist der aktuellste Roman von Kate Stradling und der erste aus ihrer Feder, den ich gelesen habe, wobei mir die Geschichte rund um Joanna Marlow so gut gefiel, dass ich mir direkt einige Leseproben anderer Veröffentlichungen der Autorin auf den eReader geladen habe. „Yes, Your Serpentine Excellency“ beginnt damit, dass die Protagonistin Joanna Marlow ihrem aktuellen Liebhaber zu einem Spielclub folgt, nachdem dieser ein Erbstück von ihr gestohlen hat. In der Hoffnung, dass sie ihr Erbstück zurückbekommt, ohne ihn zur Rede stellen zu müssen, dringt Joanna mit Hilfe ihrer Magie in den Spielclub ein – wo sie nicht nur einen Aufruhr verursacht, sondern auch die Aufmerksamkeit eines Drachen auf sich zieht. Zur ihrer großen Überraschung folgt dieser Drache Joanna nach Hause und betreibt kurz darauf nicht nur sein Wahrsager-Geschäft in ihrem Hinterhof, sondern sorgt auch dafür, dass sich in den nächsten Tagen so einige gefährlichen Personen in Joannas Leben mischen.
Dank ihres unerwünschten neuen Mitbewohners muss Joanna sich mit einer egozentrischen Erbin, mehreren Verbrecher-Organisationen, einem korrupten königlichem Inspektor und einem verwöhnten Prinzen, der denkt, dass alle Drachen im Königreich ihm gehören sollten, herumschlagen. Zum Glück gehört Joanna zur Familie der Marlows, die zwar gesetzestreue und unauffällige Untertanen des Königs sind, aber auch über eine Magie verfügen, die es ihnen ermöglicht, sich sowohl gegen Verbrechersyndikate als auch die Soldaten des Königs zu stellen. Mehr möchte ich über diese magische Fähigkeit eigentlich nicht verraten, weil es einfach zu nett war, im Laufe der Handlung Genaueres dazu zu erfahren, aber ich kann schon mal sagen, dass es ein reines Vergnügen war zu lesen, wie die Marlows am Ende des Romans ihre Fähigkeiten vollständig ausspielen.
Kate Stradling hat für ihren Roman eine fantastische Welt erschaffen, in der jedes Wirken von Magie einen Preis erfordert, und in der sich das Königreich, in dem die Geschichte spielt, in einer prekären Balance zwischen königlicher Regentschaft und einflussreichen Verbrecherorganisationen befindet. Das führt dazu, dass sich durch die gesamte Handlung das Gefühl zieht, dass sich Joanna, ihre Freunde und ihre Familienmitglieder in Gefahr befinden. Trotzdem ist die Geschichte vor allem amüsant zu lesen, weil Joanna und all die anderen Figuren voller überraschender Einfälle sind und so die Handlung immer wieder in Richtungen treiben, die ich unerwartet und wirklich lustig fand. Ich mochte Joanna und wie sie mit ihrem überraschenden neuen Mitbewohner umging, ich habe mich gut unterhalten gefühlt von Joannas Auseinandersetzung mit ihrer (liebe-, aber nicht gerade sehr verständnisvollen) Familie, und ich habe mich selten so gut über einen Haufen Verbrecher amüsiert, die alle ihre ganz eigenen Ziele verfolgten.
Für mich persönlich funktionierte die Mischung aus lustigen Momenten und – im Laufe der Handlung immer größer werdenden – Gefahren wirklich sehr gut, was dazu führte, dass ich die über 500 Seiten in gerade mal 24 Stunden ausgelesen hatte und dann enttäuscht war, dass ich nicht noch weiterlesen konnte. „Yes, Your Serpentine Excellency“ von Kate Stradling verfügt über einen stimmigen und interessanten Weltenbau, der mich in vielen Elementen an das Viktorianische Zeitalter erinnerte, und bei dem die Kirche – vor allem der Erzbischof – mal nicht eine engstirnige Institution, sondern eine unerwartete Stimme der Vernunft darstellt. Joanna ist eine sympathische Protagonistin, deren Perspektive ich gerne gefolgt bin, und es gab angenehm viele interessante und ungewöhnliche Nebenfiguren. Dazu kamen noch so einige überraschende Wendungen und ein Humor, der für mich hervorragend funktioniert hat. Ich weiß nicht, ob „Yes, Your Serpentine Excellency“ mich einfach nur in genau der richtigen Stimmung erwischt hat, aber ich hätte wirklich gern noch mehr Geschichten von Kate Stradling, die in dieser Welt und mit diesen Figuren spielen.
