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Zetta Elliott: Dragons in a Bag

Auf „Dragons in a Bag“ von Zetta Elliott bin ich schon vor einigen Jahren aufmerksam geworden, als der Verlag die Veröffentlichung ankündigte – und dann habe ich so lange gebraucht, um mir das Buch zu kaufen, dass inzwischen schon die beiden Folgebände erschienen sind. Immerhin bedeutet das auch, dass ich demnächst weitere Abenteuer lesen kann, in denen Jaxon und seine Freunde sich mit fantastischen Herausforderungen herumschlagen dürfen. 😉 „Dragons in a Bag“ ist eine wirklich unterhaltsame und wohltuende Geschichte für Kinder (Alterseinschätzung des Verlags ist 8 bis 12 Jahre), die damit beginnt, dass der neunjährige Protagonist Jaxon von seiner Mutter für einen Tag bei einer ihm unbekannten alten Frau untergebracht wird. Anfangs kommen Jax und „Ma“, wie die alte Frau genannt wird, so gar nicht miteinander aus. Aber als Jax herausfindet, dass Ma eine Hexe ist und den Auftrag hat, drei gerade geschlüpfte Drachen von Brooklyn in eine magische Welt zu liefern, ist er wild entschlossen, Ma bei ihrem Lieferjob zu unterstützen.

Natürlich geht von diesem Moment an alles Mögliche schief, obwohl Jax sich wirklich Mühe gibt, und keines der folgenden Probleme seine Schuld ist. Ich habe es sehr genossen zu lesen, wie Jax erst einmal herausfindet, dass es Magie wirklich gibt und dass Ma eine Hexe ist, und wie er dann mit dieser neuen Erkenntnis umgeht. Doch vor allem fand ich es schön mitzuverfolgen, wie sehr Jaxon all die Abenteuer, die er erlebt, genießt, obwohl er sich gleichzeitig die ganze Zeit mit seinen Ängsten herumschlagen muss. Wirklich gruselig wird die Geschichte nicht, schließlich ist sie doch für ein recht junges Publikum geschrieben, aber auch als erwachsene Leserin konnte ich gut nachvollziehen, welche Sorgen sich Jax gemacht hat, und ich mochte es, wie er trotzdem immer weiter nach Lösungen für seine Probleme suchte. Dabei ist Jaxon nicht auf sich allein gestellt, sondern kann auf die Hilfe von neuen Bekannten und alten Freunden zählen. Gerade mit Jax‘ bestem Freund Vikram gibt es ein paar Momente, die ich wirklich genossen habe, auch wenn ich hier nicht mehr dazu schreiben möchte, um nicht zu viele Details dieses (für meinen persönlichen Geschmack viel zu dünnen) Romans zu verraten.

Mir hat es wirklich gefallen, wie die Autorin auf der einen Seite zeigte, wie unglaublich großartig es für Jax ist zu erleben, dass es Magie wirklich gibt, und wie leicht es dem Jungen auf der anderen Seite fällt, so eine große Entdeckung zu akzeptieren. Neben all den fantastischen Elementen, die sich überraschend stimmig in das heutige Brooklyn einfügen, gibt es auch eine Menge „realistischer“ Details in der Geschichte, wie die Probleme, die Jaxons Mutter mit ihrem Vermieter hat und die von Ma beschriebene Entwicklung in ihrem Mietshaus. Genauso haben all die verschiedenen Charaktere Ecken und Kanten, die sie glaubwürdig und häufig auch sehr sympathisch erscheinen lassen. Am Ende habe ich es wirklich bedauert, dass die Geschichte schon so schnell vorbei war, weil ich gern mehr Zeit mit Ma, Jax und all den anderen Figuren verbracht hätte (und Jaxons Probleme auch noch nicht ganz vorbei waren). Dank der Leseprobe zu „The Dragon Thief“ kann ich immerhin sagen, dass die Geschichte dort lückenlos weitererzählt wird. Allerdings ist die Taschenbuchausgabe aktuell nicht bei meinem Buchhändler gelistet und ich befürchte, dass die hübschen Illustrationen von Geneva B bei einem eBook nicht ausreichend zur Geltung kommen, weshalb ich wohl nicht so schnell erfahren werde, wie es weitergeht …

Lana Harper: Payback’s a Witch (The Witches of Thistle Grove 1)

Anfang des Jahres war „Payback’s a Witch“ von Lana Harper meine „in kleinen Häppchen lesbare und sehr nette Wohlfühlgeschichte“, zu der ich gegriffen habe, wenn ich weder Zeit noch Konzentration genug für eines meiner anderen Bücher hatte. Dabei dachte ich, als ich den Roman anfing, dass eine (amüsante) Rache-Geschichte mich gewiss genügend fesseln würde, um mal etwas länger bei einem Buch zu bleiben. Doch obwohl die Ausgangssituation in „Payback’s a Witch“ ist, dass die drei Hexen Emmy Harlow, Linden Thorn und Talia Avramov sich an dem Mann rächen wollen, der sie alle drei verletzt hat, geht es weniger um dieses Thema als um Freundschaft, Familie und die Suche nach einem eigenen Platz im Leben. Dazu kommt, dass Lana Harper sich sehr viel Zeit lässt, um Emmys Situation und ihr Verhältnis zu den verschiedenen Charakteren zu erklären, so dass der Roman – gerade im Mittelteil – ein bisschen vor sich hinplätschert.

Emmy, Linden und Talia sind – ebenso wie Gareth Blackmoore – Angehörige der Gründungsfamilien von Thistle Grove, einem kleinen Ort voller Magie, der vor über dreihundert Jahren als Zuflucht für Hexen gegründet wurde. Während die Familie Blackmoore für ihren beeindruckenden (und furchterregenden) Umgang mit den Elementen bekannt ist, die Familie Thorn sich auf den Umgang mit Pflanzen und Tieren spezialisiert hat und die Avramovs Geister beschwören, sind die Harlows so etwas wie … Stadtschreiber, Archivare und diejenigen, die aufpassen, dass die Regeln eingehalten werden. Was bedeutet, dass sie über keine nennenswerte Magie verfügen, was Emmy ihr gesamtes Leben lang Minderwertigkeitskomplexe eingeflößt hat. Diese Minderwertigkeitskomplexe haben zusammen mit dem schrecklichen Ende ihrer Beziehung zu Gareth Blackmoore dazu geführt, dass sie nach dem Abschluss der High School den Ort verlassen hat und – bis zu Beginn der Geschichte – nicht wieder zurückgekehrt ist. Dabei verliert eine Hexe, die Thistle Grove für längere Zeit den Rücken kehrt, die Fähigkeit, Magie zu wirken.

Doch nun ist es Zeit für den alle hundert Jahre stattfindenden Wettbewerb, in dem die Blackmoores, Thorns und Avramovs darum streiten, welche der Familien für die kommenden hundert Jahren den Ton im Ort angeben wird, und in dem die Erbin der Harlows als Schiedsrichterin anwesen sein muss. Da Emmy als Schiedsrichterin bei diesem Wettbewerb fungiert, ist es natürlich besonders brisant, dass sie bereit ist, sich mit Linden, die auch nach all den Jahren in unterschiedlichen Städten immer noch ihre beste Freundin ist, und Talia, die Emmy schon in der High School sehr attraktiv fand, zusammenzutun, um sich an Gareth zu rächen. Aber da Lana Harper die Magie in Thistle Grove dafür sorgen lässt, dass Emmy ihre Position getreu ausüben muss, und sämtliche Regelbeugungen nur die Tatsache ausnutzen, dass sich zuvor keine Familien zusammengetan haben, um gegen einen gemeinsamen Gegner anzutreten, konnte ich gut damit leben. Diese Art von „magischer Kontrollinstanz“, ebenso wie einige andere „übernatürliche Elemente“ kamen mir zwar nicht gerade ausreichend durchdacht vor, aber die kleinen Ungereimtheiten in diesem Teil der Geschichte haben mich nicht gestört, weil ich einfach all die vielen netten Szenen, in denen die Charaktere miteinander interagierten so sehr genossen habe.

Denn – wie schon gesagt – es geht in „Payback’s a Witch“ weniger um Magie und Rache als darum, dass Emmy sich mit den Dingen auseinandersetzen muss, vor denen sie durch ihr Verlassen der Stadt geflohen ist. Sie ist alt genug, um ihr Leben nicht mehr von einem schrecklichen Ex-Freund bestimmen zu lassen, sondern all die Gefühle aufzuarbeiten, die das Ende ihrer Beziehung mit Gareth in ihr ausgelöst haben. Und sie ist erwachsen genug, um sich einzugestehen, dass sie mit ihren Handlungen ihre Familie und ihre Freunde nicht weniger verletzt hat, als Gareth es damals mit ihr getan hat. Ich mochte es sehr, dass es Emmy zwar nicht gefällt, sich mit ihren Gefühlen, ihrer Vergangenheit und ihrem Verhalten auseinanderzusetzen, aber dass sie trotzdem nicht davor zurückscheut. Es gibt in dieser Geschichte keinen Moment, in dem sie wütend davonstürmt, wenn ihr jemand sagt, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung war. Im „schlimmsten“ Fall benötigt sie etwas Zeit und eine Person, die ihr hilft, eine andere Perspektive einzunehmen – und wenn das passiert ist, dann geht Emmy los und versucht, die Angelegenheit (so weit es geht) wieder in Ordnung zu bringen.

Auch ihre – sich sehr langsam entwickelnde – Beziehung zu Talia läuft nach diesem Schema ab. Beide Frauen kennen sich seit ihrer Kindheit und müssen doch feststellen, dass sie eigentlich nur eine Vorstellung von der andere Person haben, statt sie wirklich zu kennen. So gibt es einige Szenen, in denen sich Emmy und Talia Zeit lassen, um herauszufinden, was ihrem Gegenüber durch den Kopf geht und welche Wünsche und Bedürfnisse die andere Frau hat. Und natürlich steht die Frage im Raum, wie eine Beziehung zwischen ihnen funktionieren könnte, obwohl Emmy wild entschlossen ist, nach dem Wettbewerb Thistle Grove wieder zu verlassen, während Talia sich nicht vorstellen kann, je ihre Familie hinter sich zu lassen. Ich mochte dabei sehr, dass es bei dieser Beziehung – trotz einer vorhandenen körperlichen Anziehung zwischen diesen beiden Charakteren – vor allem um den Aufbau einer Freundschaft ging. Die Autorin sagt im Nachwort, dass das Schreiben dieser Geschichte für sie eine Zuflucht, ein sicherer Hafen in einem schrecklichen und schwierigen Jahr war, und ich muss zugeben, dass der Roman dieselbe Funktion für mich erfüllt hat – zumindest nachdem ich verstanden hatte, dass die „Rache-Geschichte“ nur ein Aufhänger für all die anderen wohltuenden Elemente in der Handlung war.

B. B. Alston: Amari and the Night Brothers (Supernatural Investigations 1)

Auf das Lesen von „Amari and the Night Brothers“ von B. B. Alston habe ich mich fast ein Jahr lang gefreut, weil ich erst einmal auf die Taschenbuch-Ausgabe warten wollte und diese dann auch erst ein paar Monate nach dem Veröffentlichungstermin von meinem Buchhändler geliefert wurde. Immerhin kann ich nun sagen, dass die lange Wartezeit sich durchaus gelohnt hat, ich habe die Geschichte – nach einem etwas holprigen Start – nämlich sehr genossen. Die Handlung beginnt am Tag vor den Sommerferien, als Amari sich im Büro ihres Schuldirektors dafür verantworten muss, dass sie eine Klassenkameradin geschubst hat. Dass diese Amari schon seit Monaten damit „aufzieht“, dass Amaris verschwundener Bruder Quinton bestimmt längst tot ist, zählt weder für den Direktor noch für Amaris Mutter als ausreichende Entschuldigung, und so beendet das Mädchen das Schuljahr mit der Aussicht auf einen Schulverweis und Hausarrest. Doch dann sorgt eine überraschende Nachricht von Quinton, die er vor seinem mysteriösen Verschwinden auf den Weg gebracht hatte, dafür, dass Amari an einem ungewöhnlichen Sommercamp teilnehmen darf.

Dabei ist dieses Sommercamp nur die Tarnung für den Start einer Ausbildung zum Junior Agent des „Bureau of Supernatural Affairs“ und so sieht sich Amari von einem Tag auf den anderen nicht nur mit der Tatsache konfrontiert, dass es Magie und magische Wesen gibt, sondern auch damit, dass Quinton ein Agent des Büros war und in Ausübung seiner Pflicht von bösen Magiern entführt wurde. Während Amari noch versucht, mit all den neuen Dingen in ihrem Leben fertigzuwerden, stellt sich heraus, dass sie über die gleiche Magie verfügt wie die Magier – was dazu führt, dass viele Personen innerhalb des Büros sie automatisch als „böse“ einstufen und sie von der gerade begonnenen Ausbildung zum Junior Agent ausschließen wollen. So muss Amari nicht nur Wege finden, um Quinton aus der Gewalt der bösen Magier zu befreien, sondern auch um ihren Verbleib in der magischen Gesellschaft kämpfen.

Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte zu Beginn (während der Erklärungen rund um die magische Parallelgesellschaft) häufig an den Anfang der „Percy Jackson“-Romane von Rick Riordan denken ließ, während die weitere Entwicklung innerhalb des „Bureau of Supernatural Affairs“ bei mir starke Assoziationen an die Nevermoor-Reihe von Jessica Townsend weckte. Aber trotz dieser Nähe zu zwei Buchreihen, die ich sehr mochte bzw. mag, gelingt es B. B. Alsons immer wieder, so viele eigene Elemente in „Amari and the Night Brothers“ einzubauen, dass ich die Geschichte sehr genossen habe. Amari ist sowohl in ihrer Schule (als Schwarzes Mädchen, das mit einem Stipendium an einer eher elitären Schule gelandet ist) als auch in der magischen Gesellschaft (als geborene Magierin) eine Außenseiterin, aber sie findet nicht nur während des Sommercamps gute Freunde (ich fand ihre Werdrachen-Mitbewohnerin einfach großartig), sondern ihre Position erlaubt ihr auch eine ungewöhnliche Perspektive auf viele Elemente innerhalb des Büros.

Ich habe mit Spannung die vielen verschiedenen Herausforderungen verfolgt, denen sich Amari und ihr Partner während der Ausbildung stellen mussten, und ich habe die vielen ungewöhnlichen Elemente, die der Autor in seine fantastische Seite der Welt eingebaut hat, sehr genossen. Auch kann ich – zu meiner eigenen Überraschung – sagen, dass ich in „Amari and the Night Brothers“ kein Problem mit all den zwischenmenschlichen Problemen rund um Amari hatte. Denn so unschön es war, dass Amari sowohl in der Schule als auch im Sommercamp gemobbt wurd, so dreht sich die Handlung doch um Amaris Entschlossenheit, ihren Bruder wiederzufinden. Das führte dazu, dass ich die Passagen besonders genossen habe, in denen Amari Freunde und Verbündete findet und in denen sie sich wieder ein kleines Stückchen Anerkennung erkämpft hat, während ich mir bei den Szenen, in denen sie sich mit Vorurteilen und Intrigen konfrontiert sah, überraschend sicher war, dass sich eine Protagonistin wie Amari von solchen Gegnern nicht aufhalten lassen würde. Und da es am Ende des Romans noch so einige offene Fragen gibt, auf die ich wirklich gern die Antworten wüsste, geht für mich jetzt das Warten auf die Veröffentlichung der Taschenbuch-Ausgabe von „Amari and the Great Game“ los (dabei erscheint die Hardcover-Ausgabe dieser Fortsetzung erst im Mai *g*).

Abi Elphinstone (Hrsg.): Winter Magic (Anthologie)

Wie immer, wenn ich eine Anthologie lese, gibt es hier einen Sammelbeitrag, in dem ich ein paar Sätze zu den jeweiligen Geschichten festhalte. Als ich nach Weihnachten zum ersten Mal zu „Winter Magic“ griff, fiel mir erst auf, dass ich doch relativ selten Anthologien lese, die mit Geschichten von (verschiedenen) Kinder- und Jugendbuchautoren gefüllt sind. Der Großteil meiner Anthologien ist ja doch eher Urban Fantasy für erwachsene Leser … *g* Einige der in diesem Band gesammelten Kurzgeschichten wurden schon an anderer Stelle veröffentlicht, aber für mich waren sie alle neu, obwohl ich viele der Autor.innen schon von anderen Werken kannte.

 

Emma Carroll: A Night at the Frost Fair
„A Night at the Frost Fair“ ist eine süße Geschichte über ein Mädchen, das nach dem Besuch ihrer Großmutter in einem Altersheim eine kleine und überraschende Zeitreise unternimmt. Vor allem dreht sich die Handlung um das Thema Familie, aber auch um einen offenen und verständnisvollen Umgang mit anderen Menschen, darum, dass Menschen gewisse Freiheiten benötigen und dass die besten Absichten kein Ersatz sind für Respekt und die Bereitschaft zuzuhören und zu verstehen. Eigentlich mochte ich die Geschichte, aber ich musste mich beim Lesen auch daran erinnern, dass sie für Kinder geschrieben wurde und ich deshalb der Autorin nicht vorwerfen sollte, dass sie bestimmte Aspekte nicht anspricht und dass sich am Ende ganz einfach alles zum Guten wendet. Die zynische, erwachsene Seite in mir war aber ein bisschen grummelig, weil sie bestimmte Elemente unrealistisch fand (und damit meine ich nicht den fantastischen Anteil der Handlung) und denkt, dass das besser hätte gelöst werden müssen.

Amy Alward (Amy McCulloch): The Magic of Midwinter
Eine sehr süße Geschichte über Freundschaft, Wichtelmagie, Alchemie und der Suche nach dem perfekten Geschenk für eine Person, die schon alles zu haben scheint. Und da „The Magic of Midwinter“ Teil der Potion-Diaries-Serie ist und ich die Charaktere sehr mochte und die Handlung wirklich niedlich fand, habe ich „The Potion Diaries“ mal auf meine Merkliste gesetzt, obwohl mich der Klappentext normalerweise nicht reizen würde. Aber ich mochte in „The Magic of Midwinter“ die Protagonistin Sam und ihren Tonfall sehr gern und bin durch diese Kurzgeschichte neugierig auf die Mischung aus Magie, Fabelwesen und „modernen Elementen“ geworden, die in der Potion-Diaries-Trilogie zu finden ist.

Michelle Harrison: The Voice in the Snow
Diese Kurzgeschichte spielt in der Welt von Michelle Harrisons Roman „The Other Alice“ (eine der wenigen Titel der Autorin, die ich nicht kenne,) und ich habe es sehr genossen, wie viele Märchenmomente in der Handlung aufgegriffen werden, ohne dass es dabei auch nur ansatzweise zu einer Art Nacherzählung kommt. Ich mochte die Protagonistin Gypsy (auch wenn ich die Namenswahl ziemlich unglücklich finde) und mir gefiel, wie sie darauf reagierte, dass ihre Stimme gestohlen wurde. Doch vor allem hat mich eine Nebenfigur neugierig gemacht, die nur eine sehr kleine Rolle hatte und von der ich mich frage, ob sie in „The Other Alice“ vielleicht noch einmal vorkommt. Nur gut, dass das Buch eh schon auf meinem Merkzettel sitzt und irgendwann wohl von mir gelesen werden wird. 😉

Geraldine McCaughrean: The Cold-Hearted
Ich muss gestehen, dass ich nicht so recht weiß, was ich von dieser Geschichte halten soll. Die Handlung wird aus der Sicht von Fergal erzählt, der – wenige Minuten, nachdem er gemeinsam mit dem Hund den Wagen verlassen hat – zusehen muss, wie seine Familie im Auto von einer Lawine begraben wird. Im Laufe der Geschichte entdeckt er ein ganzes Dorf voller Menschen, die seit Jahrhunderten unterirdisch leben, und versucht dann alles, um diese dazu zu bewegen, ihm zu helfen. Insgesamt war das nicht schlecht erzählt, aber irgendwie haben mich weder die Grundidee noch die Figuren gepackt …

Katherine Woodfine: Casse-Noisette
Eine sehr süße (fiktive) Geschichte rund um die Uraufführung des Balletts „Der Nussknacker“, die aus der Sicht der zwölfjährigen Tänzerin Stanislava Belinskaya geschrieben wurde, die damals die Clara tanzte. Die Handlung ist etwas kitschiger, als ich es von der Autorin gewohnt bin, aber ich mochte die Grundidee und die Protagonistin sehr und fand die Geschichte überraschend berührend.

Berlie Doherty: Someone Like the Snow Queen
Ich bin etwas zwiegespalte, wenn es um diese Geschichte geht. Auf der einen Seite mochte ich den etwas moderneren Touch, den der „Schneeköniginnen-Anteil“ der Handlung am Anfang hatte, auf der anderen Seite gefiel mir die Ausgangssituation (Teenager-Mädchen ist für die Aufsicht über ihren fünfjährigen Bruder zuständig und vernachlässigt ihre Pflichten) nicht. Ich glaube, ich hätte „Someone Like the Snow Queen“ lieber gemocht, wenn ich nicht zu Beginn so frustriert wegen der Protagonistin gewesen wäre, dass es mir schwerfiel, Mitleid für ihre Situation zu empfinden. So habe ich den Großteil meiner Lesezeit damit verbracht, mir zu überlegen, welche Elemente die Autorin meiner Meinung nach besser hätte machen können.

Lauren St. John: The Room With the Mountain View
Oh, mit dieser Geschichte habe ich wirklich viel Spaß gehabt, obwohl sie so was wie ein „Hallmark-Movie für 11jährige, der sich anfangs als Krimi verkleidet“ war. Ich mochte die Protagonistin Lexie auf Anhieb, weil sie so glücklich über ihren Beinbruch während ihrer Skiferien war (schließlich konnte sie so auf einige Stunden ungestörte Lesezeit hoffen), ich habe gern verfolgt, wie sie überraschend eine neue Freundin fand, und wie die beiden Mädchen – ganz wie in „Das Fenster zum Hof“ – über einen vermeintlichen Mord stolperten. Dabei greift Lauren St. John zwar so einige Klischees (wie das emotional vernachlässigte „arme“ reiche Mädchen) auf, aber die Art und Weise, in der die Handlung erzählt wurde, hat dafür gesorgt, dass ich mich wunderbar dabei amüsiert habe.

Michelle Magorian: Snow
Keine Kurzgeschichte, sondern ein süßes Gedicht über Schnee.

Jamila Garvin: Into the Mountain
Eine Variante des Rattenfängers von Hameln, die ich sehr nett fand, die aber nicht lange in meiner Erinnerung haften blieb.

Piers Torday: The Wishing Book
Eine seltsame kleine Geschichte rund um ein Mädchen, das mit seiner Stief-Großmutter nicht zurechtkommt. Ich mochte den Anfang und Ende von „The Wishing Book“, aber den Mittelteil fand ich ziemlich absurd und die Auflösung zu simpel. Ich weiß nicht, ob ich nach dieser Kurzgeschichte mehr von dem Autoren lesen würde, wenn ich nicht schon einen Roman von Piers Torday gelesen hätte, der mir gut gefallen hat.

Abi Elphinstone: The Snow Dragon
„The Snow Dragon“ erzählt von einem ganz besonderen magischen Weihnachtsabend für ein Waisenkind, von der Hoffnung, eine Familie zu finden, von alltäglicher und besonderer Magie und davon, wie kostbar Fantasie ist. Auf der einen Seite war die Geschichte wirklich süß zu lesen, auf der anderen Seite war mir die böse Waisenhausleiterin zu klischeebefrachtet und übertrieben dargestellt und das Happy End ein bisschen zu vorhersehbar. Aber ich mochte den Drachen und den tanzenden Dackel!

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Insgesamt bot mir „Winter Magic“ eine bunte Mischung aus sehr unterschiedlichen Winter- und Weihnachtsgeschichten. Ich habe zwar nur eine neue Autorin durch diese Anthologie für mich entdeckt (mein SuB wird sich darüber freuen), aber das ist ja für mich auch nicht unbedingt das Ziel, wenn ich Anthologien lese. Ich habe dafür wieder einmal feststellen müssen, dass ich mich in stressigen Zeiten viel leichter auf eine Kurzgeschichte einlassen kann als auf ein paar Seiten eines Romans, und dass ich es mag, dass ich so gar nicht weiß, was die nächste Geschichte mir bringen wird. Abgesehen von einem groben Grundthema gibt es eine Menge Überraschungen in so einer Kurzgeschichtensammlung, und das genieße ich sehr!

Eiko Kadono: Kiki’s Delivery Service

Obwohl der Ghibli-Film „Kiki’s Delivery Service“ zu meinen Lieblings-Wohlfühlfilmen zählt, brauchte es erst einen Hinweis von Kiya vor einiger Zeit, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass der Anime auf einem Roman von Eiko Kadono basiert. Nachdem ich das Buch am vergangenen Sonntag gelesen habe, bin ich sehr glücklich über diesen Hinweis, denn die Originalgeschichte hat mir noch besser gefallen als der Ghibli-Film. Vor allem bietet der Roman so viel mehr Hintergrundinformationen und Erklärungen zu Kikis Fähigkeiten als Hexe, als es der Anime tut (obwohl all diese Dinge dort problemlos hätten eingebaut werden können). So steht im Buch von Anfang an fest, dass es nicht Kikis Schuld ist, dass sie über keine weitere magische Begabung als das Fliegen verfügt, denn im Laufe der Zeit haben die Hexen einfach viele ihrer Fertigkeiten verloren – und da Kikis Vater über keinerlei Magie verfügt, wurde sie eben nur mit einer einzigen Fähigkeit geboren. Ich finde es deutlich netter so, da klar wird, dass es nicht an Kikis Unfähigkit oder gar Faulheit liegt, dass sie über so wenig Magie verfügt, und dass das Fliegen nun mal der einzige Weg für sie ist, um sich ein selbstständiges Leben fern von ihren Eltern aufzubauen.

Ich fand es sehr wohltuend, Kiki auf ihrem Flug in eine große Stadt am Meer zu begleitet und mitzuerleben, wie sie dort Fuß fasst, neue Freunde findet und einen florierenden Lieferdienst aufbaut. Die Geschichte wird in mehreren kleinen Episoden erzählt und in der Regel gibt es bei jeder etwas zum Schmunzeln. Ich muss gestehen, dass ich – gerade weil ich den Anime so mag – beim Lesen immer wieder nach Unterschieden zum Trickfilm geschaut habe. Dabei gab es so viele Elemente im Roman zu entdecken, bei denen ganz deutlich wurde, woher die Inspiration für den Anime kamen, die mir aber im Buch so viel besser gefielen. Was auch daran liegt, dass ich bei der Ghibli-Version der Geschichte die Momenten nicht mag, in denen Kiki sich wie ein trotziger Teenager benimmt, und das führt dann dazu, dass irgendetwas schiefläuft, was nicht hätte schieflaufen müssen. Im Roman hingegen gibt es zwar auch Szenen, in denen kleine Katastrophen passieren, aber eher weil so etwas eben passiert und weniger weil die Protagonistin Mist gebaut hat. Und als Kiki im Buch doch einmal etwas tat, von dem sie genau wusste, dass sie es nicht hätte tun sollen, gesteht sie am Ende alles der Person, der sie Unrecht getan hat, und gewinnt so eine neue Freundin.

Insgesamt habe ich bei der Roman-Kiki eher das Gefühl, dass das eine Person ist, die trotz ihrer gerade mal dreizehn Jahre auf eigenen Beinen stehen kann. Es ist auch für sie nicht einfach und sie ist oft entmutigt oder hat Heimweh, aber sie rappelt sich dann wieder auf und macht weiter. Dagegen habe ich bei der Anime-Kiki häufig das Gefühl, dass sie sich mit ihrem schmollenden oder trotzigen Verhalten so viele Möglichkeiten verbaut und es eher den Menschen um sie herum zu verdanken ist, dass sie trotzdem einigermaßen in der Stadt zurechtkommt. Vielleicht ist die Anime-Kiki die realistischere Darstellung eines Teenagers, aber ich fühle mich mit der Original-Kiki deutlich wohler und habe so das Lesen des Romans rundum genossen. Ich habe all die Personen, die Kiki im Laufe ihres Jahres in der Stadt am Meer kennengelernt hat, ins Herz geschlossen, ich mochte die – teils skurrilen – Herausforderungen, die sie zu bewältigen hatte, und ich fand es wunderschön zu verfolgen, wie Kiki an ihrem neuen Wohnort Fuß fasst. Ich bin mir sicher, dass ich den Roman in den kommenden Jahren noch oft aus dem Regal ziehen werde, wenn ich mal wieder das Bedürfnis nach einer rundum wohltuenden Geschichte habe.

Phil Hickes: The Bewitching of Aveline Jones (Aveline Jones 2)

Nachdem ich „The Haunting of Aveline Jones“ von Phil Hickes Anfang des Jahres gelesen hatte, bekam ich große Lust auf weitere unheimliche Geschichten mit Aveline. In „The Bewitching of Aveline Jones“ verschlägt es das Mädchen gemeinsam mit seiner Mutter in den Sommerferien nach Norton Wick. Der kleine Ort liegt in der Nähe von Bristol, wo die beiden wohnen, und so ist Aveline nicht ganz so begeistert davon, dass sie ihren Urlaub dort verbringen soll, statt wie ihre Mitschüler an den Strand oder gar ins Ausland zu fahren. Zum Glück gibt es direkt hinter ihrem Ferienhaus die mysteriösen Witch Stones, und so ist Aveline fest entschlossen, in den kommenden Tagen gemeinsam mit ihrem Freund Harold mehr über diesen uralten Steinkreis herauszufinden. Doch bevor Harold, sein Großonkel Ernst Liebermann und Avelines Tante Lilian in Norton Wick eintreffen können, macht Aveline schon die Bekanntschaft von Hazel Browne.

Hazel ist ein Mädchen, das anscheinend ebenso an übernatürlichen und unheimlichen Dingen interessiert ist wie Aveline selbst. Mit Hazel befreundet zu sein, ist für Aveline etwas ganz Aufregendes und Neues, und so dauert es seine Zeit, bis sie dahinterkommt, dass Hazels Freundschaft vielleicht doch nicht so unkompliziert und ungefährlich ist, wie sie anfangs glaubte. Für den Leser hingegen wird schon recht früh deutlich, was mit Hazel los ist, aber ich muss sagen, dass mich diese Diskrepanz zwischen meiner eigenen Wahrnehmung und Avelines Naivität nicht gestört hat. Stattdessen hat es Phil Hickes geschafft, dass ich mich darüber amüsierte, dass Aveline ständig auf der Suche nach gruseligen Dingen ist, aber dann doch so rationell ist, dass sie für all die unheimlichen Vorfälle in Norton Wick immer wieder eine ganz „vernünftige“ Erklärung findet. Außerdem habe ich gespannt darauf gewartet, dass Aveline all die kleinen Hinweise und Informationen, die sie im Laufe der Geschichte erhält, zu einem stimmigen Bild zusammensetzt – und welche Folgen das dann wohl auf ihre Freundschaft zu Hazel haben wird.

So schön ich all die atmosphärischen Beschreibungen und unheimlichen Szenen fand, so habe ich doch vor allem wieder das Verhältnis zwischen Aveline und Harold sowie zwischen ihr und ihren Familienmitgliedern genossen. Aveline und ihre Mutter gehen offen und respektvoll miteinander um, und auch wenn ihre Mutter ihr nicht immer alles glaubt, so kann sich Aveline sicher sein, dass ihre Mutter sie liebt und für sie da ist. Harold hingegen glaubt Aveline nicht nur, wenn sie ihm von all ihren abwegigen und gruseligen Erlebnissen erzählt, er unterstützt sie auch die ganze Zeit. Selbst als er zwischendurch von Aveline zugunsten von Hazel „vernachlässigt“ wird, ist er ihr nicht böse. Stattdessen hört er Aveline zu, als sie ihm erklärt, wie es dazu gekommen ist, dass sie ihn alleingelassen hat, um Zeit mit Hazel zu verbringen. Und natürlich besorgt Harold für Aveline all die Bücher rund um Steinkreise, Druiden, Hexen und den Ort Norton Wick, in denen die beiden all die wichtigen Informationen finden, die Aveline dringend benötigt.

Obwohl die Handlung Ende August spielt und die sommerliche Hitze immer wieder ein Thema ist, hat sich die Geschichte auch ganz wunderbar Ende Oktober lesen lassen, als ich Lust auf etwas (herbstlich) Gruseliges hatte. Weshalb ich mich wirklich sehr gefreut habe, als ich am Ende des Buches eine Ankündigung für einen dritten Aveline-Jones-Roman entdeckt habe, dieses Mal mit dem Titel „The Vanishing of Aveline Jones“. Es steht leider nicht dabei, wann das Buch erscheinen wird, aber ich vermute, ich kann mich darauf verlassen, dass ich auch im nächsten Jahr im Herbst wieder eine unterhaltsame und unheimliche Aveline-Jones-Geschichte neu entdecken kann. Oh, und wer nun Lust auf die Romane hat, aber lieber auf Deutsch liest: Beide schon erschienen Bücher sind beim Arena Verlag veröffentlicht worden, der erste Band mit dem Titel „Aveline Jones und die Geister von Stormhaven“ und der zweite mit dem Titel „Aveline Jones im Bann der Hexensteine“. Leider wurden die tollen Illustrationen von Keith Robinson, die mir in den Originalausgaben so gut gefallen haben, nicht vom deutschen Verlag übernommen, aber dafür gibt es Zeichnungen der Illustratorin Katja Reinki. Wobei ich zugeben muss, dass ich ihren Stil nicht ganz so atmosphärisch und etwas zu gefällig finde. Aber es ist grundsätzlich schön, wenn Verlage sich die Mühe machen, Geschichten ausgiebig zu illustrieren, und vielleicht gefallen euch die Zeichnungen ja besser als mir.

Michelle Harrison: A Tangle of Spells

Nach „A Pinch of Magic“ und „A Sprinkle of Sorcery“ ist „A Tangle of Spells“ der dritte Roman von Michelle Harrison rund um die drei Widdershins-Schwestern Betty, Fliss (Felicity) und Charlie (Charlotte). Zum ersten Mal spielt dabei die Geschichte nicht auf der düsteren Insel Crowstone (oder einer der anderen Inseln in den Marschen), sondern auf dem Festland in dem kleinen Ort Pendlewick. Dort hat Großmutter Bunny nach den Ereignissen in „A Sprinkle of Sorcery“ ein kleines Cottage gekauft, um der Familie einen Neustart zu ermöglichen. Auch wenn es nicht allen drei Schwestern leichtfällt, das alte Wirtshaus „The Poacher’s Pocket“ hinter sich zu lassen, so freut sich die dreizehnjährige Betty sehr darauf, endlich Crowstone hinter sich lassen und neue Gebiete entdecken zu können.

Doch der erste Blick auf ihr neues Cottage ist eher desillusionierend. Blackbird Cottage ist anscheinend schon länger vernachlässigt worden, der Garten ist vollkommen überwuchert, die Böden sind schief und Spinnenweben durchziehen das gesamte Haus. Und dann sind da noch die neuen Nachbarn, die zwar recht freundlich zu sein scheinen, aber bei bestimmten Themen – besonders, wenn jemand Magie erwähnt – doch etwas extrem reagieren. Schon bald hören Betty und ihre Schwestern erste Geschichten über die böse Hexe Eliza Bird und ihre Untaten sowie über den „Hungry Tree“, der aus Elizas Knochen wuchs, nachdem diese auf dem Dorfplatz erhängt wurde. Kurz darauf taucht auch noch eine unheimliche Gestalt im Garten des Cottage auf und legt einen Fluch auf Fliss, doch weder Bettys Großmutter noch ihr Vater glauben den Mädchen, als es von all den unheimlichen Ereignissen berichten. So bleibt Betty und Charlie nichts anderes übrig, als gemeinsam mehr über die Hexen von Pendlewick und den Fluch, der auf Fliss liegt, herauszufinden, um ihre große Schwester zu retten.

Ich habe es sehr genossen, dass die Handlung dieses Mal in einem scheinbar idyllischen kleinen Ort auf dem Festland spielt und sich doch ebenso unheimlich und bedrohlich liest wie die ersten beiden Teile der Trilogie. Nur weil Pendlewick voller hübscher kleiner Häuser ist und inmitten gepflegter Felder liegt, bedeutet das nicht, dass der Ort nicht ebenfalls über eine schreckliche Geschichte verfügt. Erst nachdem Betty mehr über all die Ereignisse in der Vergangenheit herausgefunden hat und versteht, was die Hexen dem kleinen Ort angetan haben, ist sie in der Lage, etwas gegen den Fluch, der auf Fliss liegt, zu unternehmen. Doch all diese Informationen sind natürlich nicht so einfach zu finden, sodass Betty und Charlie immer wieder in Gefahren geraten, aus denen sie auch ihr ganz eigenes kleines Stück Magie nicht so einfach herausholen kann. Dabei mag ich es sehr, wie die Autorin immer wieder Elemente aus den vorherigen Romanen aufgreift und zeigt, wie sehr Betty aus früheren Ereignissen gelernt hat und wie viel sie aus ihrem Leben auf Crowstone doch mit nach Pendlewick genommen hat.

Während in „A Pinch of Magic“ und „A Sprinkle of Sorcery“ die düsteren Elemente der Handlung durch das enge Verhältnis der drei Widdershins-Schwester aufgelockert wurde, ist es in „A Tangle of Spells“ deutlich schwieriger für Betty, einen Ausgleich für all die Bedrohungen zu finden. Der Fluch, der auf Fliss liegt, beeinflusst auch die anderen Familienmitglieder und sorgt dafür, dass Betty dieses Mal keinen Rückhalt bei ihrer Familie (abgesehen von der siebenjährigen Charlie) findet. Auf der anderen Seite haben all die früheren Ereignisse dafür gesorgt, dass Betty sich sicher sein kann, dass ihre Familie – trotz ihres aktuellen abweisenden Verhaltens – sie liebt, weshalb sie immer wieder genügend Rückgrat und Dickköpfigkeit aufbringt, um auch gegen den stärksten Fluch angehen zu können. Es ist ja selten so, dass eine Trilogie mit jedem Band immer besser wird, aber nachdem mir schon „A Sprinkle of Sorcery“ noch etwas besser als der erste Teil gefallen hatte, muss ich zugeben, das Michelle Harrison sich mit „A Tangle of Spells“ noch weiter gesteigert hat. Damit ist das Buch definitiv ein würdiger Abschluss für eine wunderbare Trilogie voller unheimlicher, magischer und wohltuender Elemente, und ich hoffe sehr, dass die Autorin auch in Zukunft Geschichten schreibt, die ich so sehr genießen kann wie diese drei Romane.

Jo Spurrier: Daughter of Lies and Ruin (Tales of the Blackbone Witches 2)

„Daughter of Lies and Ruin“ von Jo Spurrier ist die Fortsetzung von „A Curse of Ash and Embers“, und ich muss sagen, dass ich es sehr mag, wie die Autorin erst mit einem Überfall durch Banditen beginnt und dann so nach und nach dezent Informationen über die Ereignisse im ersten Band in die Geschichte einfließen lässt. Ebenso gefällt es mir, wieder die Perspektive der Protagonistin Elodie (Dee) einzunehmen, die sich nach all den Wochen als Lehrling der Hexe Aleida immer noch nicht daran gewöhnt hat, dass es Magie in ihrem Leben gibt. Ihr ganzes (junges) Leben lang war Dee nichts anderes als ein Dienstmädchen – erst für ihre Familie, dann für ihre neue Arbeitgeberin – und so fällt es ihr natürlich schwer, sich selbst anders wahrzunehmen. Gemeinsam mit Aleida ist Dee zu Beginn der Geschichte zu einem Kloster unterwegs, das sich um Frauen in Not kümmert, um dort eine Spende zu überreichen. Beide Frauen sind der Meinung, dass das Kloster gute Arbeit leistet, auch wenn weder Aleida noch Dee sich vorstellen könnten, an einem solch streng geführten Ort Zuflucht zu suchen.

Ebenso scheint es Kara zu gehen, die nicht freiwillig im Kloster untergekommen ist, nachdem ihr Vater vor einigen Wochen verschwand. Das Mädchen will nichts anderes als den Schutz des Klosters verlassen, um sich auf die Suche nach ihrem Vater begeben zu können. Doch während Dee sofort bereit wäre, Kara zu helfen, besteht Aleida darauf, dass sie niemanden in ihrem Wagen mitnimmt, der ihr nicht die Wahrheit sagt. So steht von Anfang an fest, dass hinter der Situation von Kara, hinter dem Verhalten der Banditen und all den anderen seltsamen Vorfällen in der Gegend rund um das Kloster mehr steckt, als Dee und Aleida anfangs sehen können. Erst nach und nach decken die beiden Frauen die verschiedenen Geheimnisse auf, und je mehr sie über all die Vorgänge erfahren, desto ratsamer scheint es, einfach wieder nach Hause zu fahren und sich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen. Auf der anderen Seite sind da all die Menschen in Not, und so hilflos und unerfahren sich Dee häufig fühlt, so ist sie doch wild entschlossen, niemanden im Stich zu lassen, der ihre Hilfe benötigt.

Ich muss mich anfangs immer ein bisschen an die langsame und – angesichts all der Kämpfe und Auseinandersetzungen – überraschend ruhige Erzählweise von Jo Spurrier gewöhnen, aber ich liebe es, Elodies Perspektive zu verfolgen und mit ihr zusammen mehr über all die rätselhaften Vorgänge herauszufinden. Für mich ist sie eine stimmig dargestellte junge Frau, die Probleme damit hat, sich daran zu gewöhnen, dass sie nicht mehr die ungewollte älteste Tochter im Haushalt ihres Stiefvaters oder ein Dienstmädchen ist, sondern eine Person mit Macht. Natürlich ist Dee im Vergleich zu Aleida, die schon einige Jahre als Hexe aktiv ist, noch sehr unwissend und unfähig, aber sie verfügt über Magie und über die richtigen Instinkte, um diese Magie auch zu nutzen. Besonders schön finde ich es, wie die Autorin mit all den Gegensätzen zwischen Elodie und Aleida spielt. Die eine Frau ist eine erfahrene und recht skrupellose Hexe, die andere ihre etwas naive und unsichere Auszubildende. Und während Dee ein weiches Herz hat und jedem zu Hilfe eilen will, hält Aleida sich lieber zurück, beäugt kritisch die hilfesuchende Person und überlegt, welche Risiken und welcher Nutzen mit der ganzen Angelegenheit verbunden sind.

Beide Frauen können viel voneinander lernen und ergänzen sich wunderbar innerhalb der Geschichte. Die – nicht immer einfache – Freundschaft der beiden ist für mich einer der schönsten Aspekte in diesen Romane. Aber ich mag auch all die anderen, überzeugend dargestellten und häufig sehr fehlerbehafteten Figuren, die dafür sorgen, dass die Handlung vorangetrieben wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Geschichten sind all die fantastischen Elemente, die die Autorin in ihre Romane einbaut. Ich weiß nicht, ob ich den Weltenbau so ganz überzeugend finde, was daran liegt, dass ich viele Dinge, die mir unrund vorkommen, nur aus Erzählungen von Aleida kenne. Aber es ist mir überraschend egal, ob der Weltenbau wirklich stimmig ist, da ich diese Mischung auf dem einfachem Leben, das die beiden Frauen führen, ihrer Nähe zur Natur, die für viele magische Handlungen notwendig ist, und die Selbstverständlichkeit, mit der Dämonen und andere fantastische Monster in diesen Geschichten vorkommen, wirklich sehr genieße. Eine Wendung am Ende von „Daugther of Lies and Ruin“ führt eine neue potenzielle Gegenspielerin ein, weshalb ich hoffe, dass es einen weiteren Band rund um die Blackbone-Hexen geben wird, auch wenn dieser noch nicht angekündigt ist. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ich noch mehr über Elodie und Aleida lesen und Dee bei ihrem Weg, eine „richtige“ Hexe zu werden, begleiten könnte.

Gwenda Bond und Christopher Rowe: The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy

Ich habe keine Ahnung, wo ich über die „The Supernatural Sleuthing Service“-Reihe gestolpert bin, aber grundsätzlich reizte mich die Grundidee rund um einen „Kriminalfall“ in einem Hotel für fantastische Wesen. Die Geschichte in „The Lost Legacy“ wird aus der Sicht des elfjährigen Stephen Lawson erzählt, der mit seinem Vater Michael von Chicago nach New York gezogen ist, damit Michael den Arbeitsplatz seiner verstorbenen Mutter übernehmen kann. Stephens Großmutter Nanette (von ihm Chef Nana genannt) war – wie schon viele Lawson-Generationen vor ihr – Küchenchefin im Hotel New Harmonia. Doch das ist alles, was Stephen über Chef Nanas Job und ihre Familie weiß, so dass es eine große Überraschung für ihn ist, als er herausfindet, dass das Hotel New Harmonia einer übernatürlichen Klientel zur Verfügung steht. So muss Stephen nicht nur damit fertig werden, dass es Supernaturals wirklich gibt, sondern auch damit, dass seine Familie väterlicherseits zu den (in ihrem Fall kulinarischen) Rittern gehört, die den Frieden zwischen den verschiedenen übernatürlichen Völkern bewahren. Und dann ist da noch die Tatsache, dass Stephens Mutter kein Mensch war und dass sein Vater deshalb zehn Jahre lang im Exil leben musste.

Während Stephen noch versucht, mit all den Veränderungen in seinem Leben fertigzuwerden, wird ein unersetzbares Artefakt gestohlen und fast alle im Hotel sind sich sicher, dass Stephen der Täter ist. Nun ist es an Stephen, seine Unschuld zu beweisen und dafür zu sorgen, dass er und sein Vater eine Zukunft im New Harmonia haben. Zum Glück gibt es da noch Sofia und Ivan, die nicht nur beschlossen haben, dass sie Stephens neue Freunde sind, sondern auch ihr gesamtes Leben im Hotel verbracht haben und sich deshalb ziemlich gut auskennen mit all den übernatürlichen Gästen und Angestellten. Ich muss gestehen, dass ich das Hotel New Harmonia als Kulisse für diese Geschichte bein Lesen wirklich geliebt habe. Das Hotel an sich fühlt sich ebenso magisch an wie seine Gäste, angefangen bei dem Drachen im Keller über den Aufzug („Please do not engage the elevator in conversation!“) bis zu dem kleinen ländlich wirkenden Dorf auf dem Dach des Gebäudes, in dem die Angstellten leben.

Ebenso mochte ich die Angestellten und Gäste des Hotels, auch wenn nicht alle von ihnen wirklich sympathisch oder gar harmlos waren. Aber es fühlte sich für mich an, als ob Gwenda Bond und Christopher Rowe da eine stimmige bunte Mischung an Charakteren mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansichten versammelt hätten. Doch besonders stach für mich das Verhältnis zwischen Stephen und seinem Vater und die entstehende Freundschaft zwischen Stephen, Sofia und Ivan hervor. Stephen ist natürlich enttäuscht darüber, dass sein Vater ihm zehn Jahre lang nichts über seine Familiengeschichte und die übernatürlichen Wesen, mit denen dieser aufgewachsen war, erzählt hat. Auf der anderen Seite liebt und vertraut er seinem Vater, und daran ändert sich auch nichts. Um so wichtiger ist es natürlich, dass Stephen seinem Vater beweist, dass er unschuldig ist, und dass er dafür sorgt, dass Michael seinen Traumjob als Chefkoch des Hotels behalten kann. Und was die Freundschaft zwischen Stephen und den anderen beiden Kindern angeht, so ist es nicht mal so, dass sich die drei auf Anhieb leiden können, aber Sofia und Ivan sind davon überzeugt, dass Stephen die Wahrheit sagt und nicht der Dieb ist, und das bedeutet, dass sie ihn dabei unterstützen müssen, seine Unschuld zu beweisen.

Ich mochte es sehr, wie Stephen seine beiden Verbündeten im Laufe der Zeit immer besser kennenlernt und die Kinder immer wieder füreinander einstehen. Dabei ist der Umgang der drei miteinander wunderbar offen und respektvoll, auch wenn Sofia Ivan manchmal mit seiner Angst vor Untoten (wie dem Ghoul-Nachtportier) aufzieht. Jeder einzelne der drei hat Macken und Schwachpunkte, aber zu dritt gelingt es ihnen, diese gegenseitig auszugleichen und einander zu helfen. Das alles sorgt dafür, dass man beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl hat, dass schon alles gut ausgehen wird, selbst als Stephens Leben in Gefahr gerät oder als am Ende allen drei Kindern droht, dass sie das Hotel verlassen müssen. Außerdem gibt es immer wieder wunderbar amüsante Momente mit all den besonderen Elementen des Hotels – und ich muss gestehen, dass ich in den ersten Kapiteln des Romans nicht gedacht hätte, dass mir der Aufzug so ans Herz wachsen würde. Insgesamt ist „The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy“ ein wunderbar kurzweiliger Roman voller fantastischer Elemente, amüsanter Szenen und wirklich sympathischer Charaktere, und ich freue mich jetzt schon auf das Lesen des zweiten (und wohl leider letzten) Teils mit dem Titel „The Sphinx’s Secret“.

Stephanie Burgis: Scales and Sensibility (Regency Dragons 1)

„It was a truth universally acknowledged that any young lady without a dragon was doomed to social failure.“

Dies ist der erste Satz in „Scales and Sensibility“ von Stephanie Burgis und eigentlich wisst ihr damit über den Ton der Geschichte schon fast alles, was ihr wissen müsst. 😉 Dieser Titel ist die aktuellste Veröffentlichung der Autorin, obwohl sie die erste Version des Manuskripts schon vor vielen Jahren geschrieben hatte. Aber damals hieß es, dass es keinen Markt für fantastische Regency-Romane gäbe, weshalb sich Stephanie Burgis lieber auf andere Ideen konzentrierte. Wenn ich an all die Jahre denke, in denen ich fantastische Regency gesucht habe, frage ich mich, wie irgendein Agent oder Verlag auf die Idee kommen konnte, dass der Markt dafür nicht reif wäre … aber nun gut … „Scales and Sensibility“ wird aus der Perspektive von Elinor Tregarth erzählt, die nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Tante aufgenommen wurde. Elinor sehnt sich nicht nur sehr nach ihren beiden jüngeren Schwestern, die von zwei anderen Verwandten aufgenommen wurden, sondern auch nach einer liebevollen und respektvollen Umgebung. Sowohl ihr Onkel als auch ihre Cousine Penelope lassen Elinor ständig spüren, dass sie nur die arme Verwandte ist und dankbar sein muss, dass sie überhaupt aufgenommen wurde.

Die Tatsache, dass Elinor Penelope bei ihrer ersten Saison helfen soll (obwohl sie selbst bislang kein Debüt hatte) und von ihrer Cousine ebenso schlecht wie die Dienstmädchen behandelt wird, macht es für die junge Frau nicht einfacher. Und dann gibt es da noch den kleinen Drachen Sir Jessamyn, der – wie es sich bei einer Dame der Gesellschaft gehört – dekorativ auf Penelopes Schulter sitzen sollte, aber stattdessen so viel Angst vor seiner Besitzerin hat, dass er regelmäßig seinen Darm auf ihren Kleidern entleert. Als Penelope ihn deswegen beinah verletzt, platzt Elinor der Kragen, was zur Folge hat, dass sie gemeinsam mit Sir Jessamyn das Haus verlässt. Ohne Geld, ohne eine Unterkunft in Aussicht und mit einem (gestohlenen) Drachen auf der Schulter scheint Elinors Schicksal besiegelt, doch dann überrascht Sir Jessamyn die junge Frau mit einer unerwarteten Fähigkeit, und außerdem macht Elinor die Bekanntschaft von Benedict Hawkins, dessen Geldsorgen ihn dazu bringe, dass er die Hand von Penelope gewinnen will. Mit der Hilfe von Sir Jessamyn, und um Benedict bei seinem Vorhaben zu unterstützen, landet Elinor inmitten einer trubeligen Hausparty, bei der sie jederzeit als Hochstaplerin und Diebin eines kostbaren Drachens enttarnt werden könnte. Dazu kommt noch, dass es auch noch andere Gäste bei dieser Gesellschaft gibt, die sich mit ganz eigenen (unlauteren) Motiven dort eingefunden haben.

Mir hat „Scales and Sensibility“ wirklich viel Freude beim Lesen bereitet, auch wenn ich die ganze Zeit sehr mit Elinor mitgelitten habe. Die junge Frau ist eigentlich ein sehr ehrlicher und offenherziger Mensch, und die Scharade, die sie mit allen Anwesenden bei dieser Hausparty spielen muss, gefällt ihr so gar nicht. Aber jedes Mal, wenn sie offen und ehrlich sein will, passiert etwas, das dafür sorgen würde, dass ein anderer Mensch darunter leiden müsste, wenn sie ihre Identität aufdecken würde. Also wird Elinor immer weiter gezwungen, Theater zu spielen und gleichzeitig Wege zu finden, um mit den diversen Erpressungen und Bedrohungen umzugehen und natürlich Benedict bei seinen Bemühungen um Penelopes Hand zu unterstützen. Trotz all dieser unangenehmen Situationen für Elinor ist die Geschichte wirklich lustig und ich habe ständig vor mich hingekichert, während es zu Missverständnissen zwischen den verschiedenen Figuren, etwas zu offenherzigen Aussagen von Elinors Tante und ähnlichen Momenten kam. Doch vor allem mochte ich einige der Charaktere wirklich gern und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Allen voran natürlich Elinor, deren Zuneigung zu ihren Schwestern und Sir Jessamyn wirklich schön zu lesen war, auch wenn sie beides immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat. Ebenso mochte ich Benedict Hawkins sehr gern, der zwar ein Mitgiftjäger ist, aber nicht nur gute Gründe dafür hat, sondern auch ein freundlicher, ehrbarer und hilfsbereiter Mensch ist. Dazu kommen noch Figuren wie Benedicts bester Freund Cornelius Aubrey, dessen geistesabwesende Gelehrsamkeit vielleicht etwas übertrieben ist, aber für wunderbar amüsante Momente sorgt, oder Elinors Tante, die im Laufe der Geschichte entdeckt, wie befreiend es doch sein kann, einfach nur offen die eigene Meinung zu äußern. Ich mochte diesen Roman wirklich gern und ich habe große Lust, mehr von Elinor, ihren beiden Schwestern (die bislang nur durch Elinors Erinnerungen bekannt sind) und natürlich diese ungewöhnlichen kleinen Drachen und ihre überraschenden Fähigkeiten zu lesen. Zum Glück plant Stephanie Burgis zwei weitere Regency-Dragon-Romane, in denen dann Elinors Schwestern die Protagonistinnen sein werden.