Schlagwort: Fantasy

Rachel Morgan: The Charmed Leaf Legacy 1-3

Ich weiß nicht mehr, wo ich über diese Reihe von Rachel Morgan gestolpert bin, aber die „The Charmed Leaf Legacy“-Bücher sind einfach bezaubernd, wohltuend und amüsant. Rachel Morgen lässt diese Romane in einer fantastischen Regency-Welt spielen, in der die Fae mit all ihrer Magie der Adelsschicht entsprechen, während die Menschen – aufgrund ihres Mangels an Magie – im besten Fall die Mittelschicht erreichen können. Das bedeutet natürlich, dass Ehen zwischen Fae und Menschen – und ebenso eventuelle Kinder aus solch einer Verbindung – dementsprechend skandalös sind. Die Protagonistin des ersten Bandes „Tempest & Tea Leaves“ ist das Ergebnis einer solchen Ehe, und während ihr Fae-Vater und ihre menschliche Mutter sehr liebevoll und sehr stolz auf Iris sind, ist die Fae-Gesellschaft wenig entgegenkommend, als Iris während der Bloom Season ihre Magie vorstellen soll.

Ich fand die Ähnlichkeit zwischen „Tempest & Tea Leaves“ und „Pride and Prejudice“ von Jane Austen bei der ersten Begegnung zwischen Iris und ihrem Gegenstück Lord Jasvian Rowanwood schon sehr auffällig. Aber zum Glück geht die Handlung dann schnell ihren eigenen Weg – vor allem, da Lord Jasvians Großmutter Lady Rivenna beschließt, dass Iris eine geeignete Nachfolgerin für die Leitung ihres „Charmed Leaf Tea House“ sein könnte. Während Iris von Lady Rivenna ausgebildet wird, müssen sie und Lord Jasvian im selben Büro arbeiten – was natürlich dazu führt, dass die beiden sich besser kennenlernen und ihre gegenseitigen Vorurteile überwinden. Ich mochte diese Mischung aus (magischer) Ausbildung, Geplänkel zwischen Iris und Lord Jasvian, die ungewöhnliche Magie rund um das Teehaus und Iris‘ – auf den ersten Blick – nutzloser Fähigkeit wirklich sehr. „Tempest & Tea Leaves“ war – trotz all der unschönen Begegnungen, die Iris mit einigen Fae hatte – eine rundum amüsante und wohltuende Lektüre, die mir wirklich Spaß gemacht hat. Deshalb war ich sehr froh, dass ich mir nach dem Lesen der Leseprobe gleich den Sammelband mit den ersten drei Teilen der Reihe gegönnt hatte.

Dabei muss ich zugeben, dass ich Mariselle Brightcrest, die Protagonistin von „Deals & Dreams“, im ersten Band sehr unangenehm fand und mir nicht vorstellen konnte, dass ich ihre Liebesgeschichte gern lesen würde. Aber schon auf den ersten Seiten sorgt Rachel Morgan dafür, dass Mariselle in einem ganz neuem Licht erscheint – was dafür sorgt, dass ihre Fake-Verlobungs-Geschichte mit Evryn Rowanwood mir überraschenderweise am Ende noch besser gefiel als der erste Band der Reihe. Das lag auch daran, dass sich Mariselle und Evryn ständig gegenseitig alberne Streiche spielen. was zu sehr vielen unerwarteten und amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig wird trotz all der lustigen Momenten deutlich, dass beide Figuren nicht glücklich mit ihrer Position innerhalb ihrer Familien sind und sich nach jemandem sehnen, der sie so respektiert, wie sie sind – wobei Evryn sich immerhin sicher sein kann, dass seine Familie ihn liebt. Gerade weil Mariselle innerhalb ihrer Familie auf keine Unterstützung hoffen kann, ist es umso schöner zu verfolgen, wie Evryn ihr – trotz der unglücklichen Umstände, die zur ihrer Fake-Verlobung geführt haben – zur Seite steht. Das war berührend und amüsant und wirklich schön zu lesen – weshalb ich auch dieses Mal am Ende nicht davon ausging, dass mir der nächste Band annähernd so gut gefallen könnte.

Damit hatte ich mich aber erneut getäuscht, denn auch „Love & Letter Charms“ konnte mich nicht nur mindestens ebenso gut unterhalten wie die ersten beiden Bänden, sondern auch damit überraschen, wie gut Aurelise Rowanwood (die jüngste Schwester von Jasvian und Evryn) und Prinz Ryden zusammenpassen. Dabei ist die unglaublich schüchterne Aurelise zutiefst schockiert, als verkündet wird, dass in dieser Bloom Season alle debütierenden Fae-Damen für einige Wochen in den Palast eingeladen werden, damit der Prinz unter ihnen seine zukünftige Frau auswählen kann. Auch bei dieser Geschichte gelingt es Rachel Morgan, im Laufe der Handlung zu zeigen, dass ihre Figuren deutlich mehr Tiefe haben, als der erste Eindruck andeutet, und während ich es anderen Autor*innen vermutlich nicht so schnell verzeihen würde, dass der Protagonist Aurelise eine wichtige Information vorenthält, konnte ich es hier erstaunlich gut nachvollziehen und es Prinz Ryden (ebenso wie der Autorin) nachsehen.

Insgesamt habe ich drei rundum befriedigende Tage mit den drei Bänden der „The Charmed Leaf Legacy“-Reihe verbracht, während derer ich meine Lektüre kaum aus der Hand legen mochte. Jeder der drei Romane hatte einen ganz anderen thematischen Schwerpunkt, und sie fühlten sich beim Lesen überraschend unterschiedlich an, obwohl sie alle drei eine gute Mischung aus berührenden und amüsanten Szenen hatten. Ich mochte die Hauptfiguren und die Personen, von denen sie unterstützt werden, wirklich sehr – so sehr, dass es mir jedes Mal schwerfiel, mir vorzustellen, dass ich die Protagonisten des nächsten Teils ebenso ins Herz schließen würde, nur um dann eines Besseren belehrt zu werden. Es sind schon zwei weitere „The Charmed Leaf Legacy“-Bände angekündigt (und von mir vorbestellt) worden, und ich hoffe sehr, dass sie mir ebenso gut gefallen werden wie die ersten drei Teile der Reihe. Wobei ich da wirklich optimistisch bin, denn es ist wirklich selten, dass ich nach dem Lesen von Fortsetzungen das Gefühl habe, dass die Geschichten immer besser werden.

Oh, und für diejenigen, die Interesse an der Reihe haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: Es gibt deutsche Ausgaben der ersten drei Bände, die von der Autorin selbst veröffentlicht wurden. Allerdings kann ich nichts zur Qualität der Übersetzung sagen – nur, dass sich der deutsche Klappentext für mich unrunder anfühlt als der englische, aber das liegt vermutlich daran, dass ich inzwischen so viel mehr auf Englisch lese.

Kate Stradling: Yes, Your Serpentine Excellency

„Yes, Your Serpentine Excellency“ ist der aktuellste Roman von Kate Stradling und der erste aus ihrer Feder, den ich gelesen habe, wobei mir die Geschichte rund um Joanna Marlow so gut gefiel, dass ich mir direkt einige Leseproben anderer Veröffentlichungen der Autorin auf den eReader geladen habe. „Yes, Your Serpentine Excellency“ beginnt damit, dass die Protagonistin Joanna Marlow ihrem aktuellen Liebhaber zu einem Spielclub folgt, nachdem dieser ein Erbstück von ihr gestohlen hat. In der Hoffnung, dass sie ihr Erbstück zurückbekommt, ohne ihn zur Rede stellen zu müssen, dringt Joanna mit Hilfe ihrer Magie in den Spielclub ein – wo sie nicht nur einen Aufruhr verursacht, sondern auch die Aufmerksamkeit eines Drachen auf sich zieht. Zur ihrer großen Überraschung folgt dieser Drache Joanna nach Hause und betreibt kurz darauf nicht nur sein Wahrsager-Geschäft in ihrem Hinterhof, sondern sorgt auch dafür, dass sich in den nächsten Tagen so einige gefährlichen Personen in Joannas Leben mischen.

Dank ihres unerwünschten neuen Mitbewohners muss Joanna sich mit einer egozentrischen Erbin, mehreren Verbrecher-Organisationen, einem korrupten königlichem Inspektor und einem verwöhnten Prinzen, der denkt, dass alle Drachen im Königreich ihm gehören sollten, herumschlagen. Zum Glück gehört Joanna zur Familie der Marlows, die zwar gesetzestreue und unauffällige Untertanen des Königs sind, aber auch über eine Magie verfügen, die es ihnen ermöglicht, sich sowohl gegen Verbrechersyndikate als auch die Soldaten des Königs zu stellen. Mehr möchte ich über diese magische Fähigkeit eigentlich nicht verraten, weil es einfach zu nett war, im Laufe der Handlung Genaueres dazu zu erfahren, aber ich kann schon mal sagen, dass es ein reines Vergnügen war zu lesen, wie die Marlows am Ende des Romans ihre Fähigkeiten vollständig ausspielen.

Kate Stradling hat für ihren Roman eine fantastische Welt erschaffen, in der jedes Wirken von Magie einen Preis erfordert, und in der sich das Königreich, in dem die Geschichte spielt, in einer prekären Balance zwischen königlicher Regentschaft und einflussreichen Verbrecherorganisationen befindet. Das führt dazu, dass sich durch die gesamte Handlung das Gefühl zieht, dass sich Joanna, ihre Freunde und ihre Familienmitglieder in Gefahr befinden. Trotzdem ist die Geschichte vor allem amüsant zu lesen, weil Joanna und all die anderen Figuren voller überraschender Einfälle sind und so die Handlung immer wieder in Richtungen treiben, die ich unerwartet und wirklich lustig fand. Ich mochte Joanna und wie sie mit ihrem überraschenden neuen Mitbewohner umging, ich habe mich gut unterhalten gefühlt von Joannas Auseinandersetzung mit ihrer (liebe-, aber nicht gerade sehr verständnisvollen) Familie, und ich habe mich selten so gut über einen Haufen Verbrecher amüsiert, die alle ihre ganz eigenen Ziele verfolgten.

Für mich persönlich funktionierte die Mischung aus lustigen Momenten und – im Laufe der Handlung immer größer werdenden – Gefahren wirklich sehr gut, was dazu führte, dass ich die über 500 Seiten in gerade mal 24 Stunden ausgelesen hatte und dann enttäuscht war, dass ich nicht noch weiterlesen konnte. „Yes, Your Serpentine Excellency“ von Kate Stradling verfügt über einen stimmigen und interessanten Weltenbau, der mich in vielen Elementen an das Viktorianische Zeitalter erinnerte, und bei dem die Kirche – vor allem der Erzbischof – mal nicht eine engstirnige Institution, sondern eine unerwartete Stimme der Vernunft darstellt. Joanna ist eine sympathische Protagonistin, deren Perspektive ich gerne gefolgt bin, und es gab angenehm viele interessante und ungewöhnliche Nebenfiguren. Dazu kamen noch so einige überraschende Wendungen und ein Humor, der für mich hervorragend funktioniert hat. Ich weiß nicht, ob „Yes, Your Serpentine Excellency“ mich einfach nur in genau der richtigen Stimmung erwischt hat, aber ich hätte wirklich gern noch mehr Geschichten von Kate Stradling, die in dieser Welt und mit diesen Figuren spielen.

Esme Symes-Smith: Sir Callie and the Champions of Helston

Die Handlung von „Sir Callie and the Champions of Helston“ von Esme Symes-Smith erinnert mich in vielen Elementen an die Alanna-von-Trebond-Reihe von Tamora Pierce. Allerdings machen sich die 40 Jahre, die zwischen der Veröffentlichung von „Alanna – The First Adventure“ und „Sir Callie and the Champions of Helston“ liegen, deutlich bemerkbar. Sir Callies Geschichte ist komplexer, queerer und konzentriert sich nicht nur auf die Hauptfigur, sondern auch auf all die anderen Personen, die – so wie Callie – unter der Bigotterie ihrer Umgebung leiden. Callie wächst in einer Welt auf, in der die adligen Mädchen traditionell den Umgang mit (dekorativer und/oder heilender) Magie lernen, während die adligen Jungen im Umgang mit dem Schwert trainiert werden. Callie träumt davon, eine Ausbildung zum Ritter zu machen, und gemeinsam mit dem Vater, der der Champion des Königs ist, das Königreich Helston vor seinen Feinden zu beschützen.

Doch natürlich ist ein Königreich, in dem den Bürger*innen schon bei der Geburt ihre Rollen zugeschrieben werden, nicht gewillt, eine nicht-binäre Person zur Knappen-Ausbildung zuzulassen. Als Callies Vater an den Hof gerufen wird, um den jungen Prinzen auf ein Turnier vorzubereiten, findet Callie heraus, wie fürchterlich die Situation in Helston in den zwei Jahren seit dem Verschwinden des aktuellen Königs für all die anderen „Außenseiter“ geworden ist. Während die adligen Mädchen regelrecht in den Gemächern der Königin eingesperrt werden, werden die Jungen auf einen Krieg gegen das benachbarte Dunmoor vorbereitet, und der Prinz wird tagtäglich bei diesem Waffentraining misshandelt – unter dem Vorwand, dass er „männlicher“ und „königlicher“ werden muss. Für Callie ist es unerträglich, diese Situation mitanzusehen, und das führt im Laufe des Romans zu so einigen Kämpfen (mit Waffen und Wörtern), aber auch zu neuen Freundschaften mit Gleichaltrigen am Hof.

Ich mochte es sehr, Callies Perspektive zu folgen, auch wenn es aufreibend zu lesen ist, wie sehr Callie (und Callies neue Freund*innen) unter einer engstirnigen, binären Gesellschaft leidet, die alles dafür tut, um ihre Bewohner*innen in enge Formen zu pressen. Umso wohltuender ist es, Callies Entschlossenheit und Dickköpfigkeit zu verfolgen und mitzuerleben, wie sehr Callie sich für andere Personen einsetzt – wenn auch regelmäßig auf Kosten des eigenen Wohlergehens. Für Callie ist es sehr schwierig mitanzusehen, wenn Unrecht geschieht, während die Erwachsenen drumherum ständig vermeintlich gute Gründe für das Verhalten des Bösewichts und seiner Schergen finden.

Ich fand es ziemlich frustrierend zu lesen, wie Callie immer wieder von den Personen, die eigentlich an Callies Seite hätten stehen müssen, gebremst wurde. Immer wieder wird deutlich, dass Kompromisse in einer Situation, in der es um das Leben einer (minderjährigen) Person geht, unangebracht sind – wenn auch leider sehr realistisch. Auf der anderen Seite hat Esme Symes-Smith beim Schreiben eine gute Balance zwischen diesen frustrierenden Momenten in der Handlung und den wohltuenden/amüsanten Szenen mit Callies Freund*innen gefunden. Das führte dazu, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen mochte und mich ständig dabei ertappte, dass ich „nur eben kurz ein Kapitel“ gelesen habe, während ich eigentlich andere Dinge zu tun hatte. Und nun warte ich darauf, dass der zweite Band, „Sir Callie and the Dragon’s Roost“, bei mir eintrifft, damit ich herausfinden kann, wie es Callie und all den anderen weiter ergeht.

Lese-Eindrücke März 206

In den letzten zwei Märzwochen habe ich so viel und intensiv gelesen, dass ich alle paar Tage innehalten und meine diversen Leselisten aktualisieren musste. Ich gebe zu, dass der Großteil der gelesenen Romane „Fast Food“-Lektüre war, aber es hat mir wirklich gutgetan, mal wieder so sehr im Lesen zu versinken. Bei der Menge an gelesenen Büchern ist natürlich auch einiges zusammengekommen, was nicht genug Eindruck für eine ausführliche Rezension hinterlassen hat, aber wozu ich hier trotzdem noch ein paar Zeilen festhalten möchte. Oh, und Anlass für die Menge an gelesenen Büchern war eine Aktion, bei der viele erste Bände von Serien kostenlos angeboten wurden, von denen ich mir zum Monatsanfang einige runtergeladen hatte.

Ava Grace Bentley: A Billionaire’s Tail (Heiress of the Dawn 1)

Ich muss gestehen, dass ich „A Billionaire’s Tail“ wegen des – meiner Meinung nach wirklich suboptimalen – Titels beinah nicht runtergeladen hätte. Aber zu meiner Überraschung hat sich die Geschichte von Ava Grace Bentley als wirklich solide, actionreiche Urban Fantasy herausgestellt, und ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. In „A Billionaire’s Tail“ verbergen sich die „Others“ (übernatürliche Personen) vor den Menschen, während gleichzeitig ein Machtkampf zwischen den „normalen Others“ (wie Werwölfe, Vampire usw.) und den „Omens“ (besonders starke übernatürliche Wesen, deren Geheimnis erst im Laufe des Romans enthüllt wird) stattfindet. Die Protagonistin ist seit Jahren auf der Flucht vor dem Mann, der ihre Familie getötet hat, und deshalb zu Beginn der Geschichte physisch, psychisch und finanziell ziemlich am Ende, aber natürlich wendet sich ihr Schicksal in den ersten Kapiteln zum Besseren. Insgesamt ist die Handlung schon relativ vorhersehbar (und wieso die Protagonistin nicht kapiert, dass die drei Personen, die alle gleich riechen, „überraschenderweise“ ein und dieselbe Person in unterschiedlichen Identitäten sind, muss ich nicht verstehen), aber ich hatte trotzdem eine so gute Zeit mit dem Roman, dass ich mir nach dem Lesen von „A Billionaire’s Tail“ den zweiten Teil vorbestellt habe, der am 30. Juni erscheinen wird.

Kenley Davidson: Dragon Chained (The Dragon of 23rd Street 1)

Noch ein kostenloser erste Band einer Reihe und noch eine Geschichte, mit der ich mich überraschend gut amüsiert habe, obwohl der Humor mir stellenweise etwas zu gewollt war. Protagonistin Kira Everleigh ist eine Drachin, die gemeinsam mit ihrer Tante in Menschengestalt in einer kleinen Wohnung über einer Buchhandlung in Oklahoma City lebt. Während ihre Tante verreist ist, kümmert sich Kira um den Laden, bis eines Tages ein Elf das Geschäft betritt und nach ihrer Tante sucht. Im Laufe der Geschichte findet Kira raus, dass sie deutlich weniger über ihre Herkunft, über ihre Tante und all die anderen magischen Rassen weiß, als sie dachte, während sie sich gleichzeitig mit einem Elfen-Assassinen auf die Suche nach ihrer verschwundenen Tante macht und einige Abenteuer erlebt. Es gab einige wirklich nette Momente in der Geschichte, und die Handlung hat sich sehr schön flüssig weglesen lassen. Aber es gab auch zu viele Szene, bei denen ich mit den Augen gerollt habe, weil sie geradezu „schau, ist das nicht lustig?!“ schrien. Alles in allem nett, aber nicht gut genug, um Geld für die beiden Fortsetzungen auszugeben … Oh, und noch eine kleine Anmerkung: Laut Klappentext ist die Trilogie schon mal unter dem Pseudonym Haley Ryan veröffentlicht worden.

Jen Lynning: Lady of Truth (The Great Balance World)

„Lady of Truth“ von Jen Lynning gehörte nicht zu den schon erwähnten kostenlosen eBooks, sondern war eine Empfehlung aus einem Autorinnen-Newsletter – und ich fand die Grundidee, dass die Protagonistin Eleya nicht lügen kann, reizvoll. Die Geschichte beginnt damit, dass sich Eleya nachts in das Schlafzimmer des Mannes schleicht, bei dem ihr Bruder Schulden hat, um diese Schulden auf … handfeste Weise „abzuarbeiten“. Doch Prinz Dmir hat nicht vor, Eleya auszunutzen oder gar Geld von einem Mann einzutreiben, den das in Schwierigkeiten bringen würde – was am Ende dazu führt, dass er Eleya als Sekretärin beschäftigt. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander, und ich fand es etwas unbefriedigend, dass ich in dem (gerade mal 120 Seiten langen) Roman das bessere Kennenlernen der beide nicht wirklich miterleben konnte. Dafür hat die Autorin halt mehr Seiten für den „steamy“ Teil dieser „Steamy Steampunk Novella“ aufgewandt, was unterhaltsam war, aber nicht das, was mir an diesem Roman wirklich gefiel. Ich mochte die Idee einer Welt, in der Balance eine wichtige Rolle spielt, mir gefiel die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Bruder und die zu ihrer besten Freundin, und das waren die Teile der Geschichte, von denen ich gern noch mehr gelesen hätte. Die anderen Bände der Reihe sind länger, aber so ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob ich weiterlesen mag.

Kimberly A. Rogers: Threats by Numbers (Rogue Spotter 1)

Ich hatte unter meinen kostenlosen eBooks überraschend viele Titel, mit denen ich mich gut amüsiert habe, aber „Threats by Numbers“ von Kimberly A. Rogers gehörte leider nicht dazu. Auch dieser Urban-Fantasy-Roman hatte eine Grundidee, die ich in ihrer Ungewöhnlichkeit eigentlich ganz reizvoll fand. Die Protagonistin Lauren ist ein „Spotter“ – was bedeutet, dass sie eine Person ist, deren übernatürliche Fähigkeit darin besteht, die Gefährlichkeit einer anderen Person anhand einer Zahl (die für sie über deren Kopf zu sehen ist) erkennen zu können. Das Gefahrenpotenzial der meisten Personen liegt bei 3 oder 4, weshalb Lauren unglaublich alarmiert ist, als sie eines Tages bei der Arbeit eine 10 sieht. Wie gesagt, ich fand die Idee eigentlich ganz lustig, aber meinem Gefühl nach hat Kimberly A. Rogers überhaupt nichts daraus gemacht. Ich persönlich finde es zum Beispiel vollkommen unglaubwürdig, dass das Gefahrenpotenzial einer Person immer gleich sein soll – glaubt mir, wenn ich müde oder hungrig bin, bin ich definitiv gefährlicher als satt und ausgeschlafen. 😉 Ebenso fiel es mir schwer zu glauben, dass es Lauren seit Jahren gelingt, sich nicht als Spotter zu outen, wenn sie sich gleichzeitig bei jedem einzelnen Vorfall in der Handlung so ungeschickt anstellt. Das einzige, was ich postiv anmerken kann, ist, dass sich die Beziehung zwischen ihr und „Mr 10“ langsam entfaltet, nachdem die beiden so einige Verabredungen hatten. Wobei ich mich beim Lesen durchgehend fragte, wieso Lauren auf der einen Seite ständig daran denkt, dass eine 10 unfassbar gefährlich ist, und sich auf der anderen Seite durchgehend eingestehen muss, dass dieser Mann einfach nur aufmerksam, rücksichtvoll, fürsorglich und freundlich ist und sie sich in seiner Gegenwart ausnahmsweise einmal sicher fühlt. Am Ende des Romans war ich so genervt von dem Widerspruch zwischen dem Verhalten der Protagonistin und dem, was mir die Autorin die ganze Zeit weismachen wollte, dass ich froh war, dass das Buch nur knapp 200 Seiten lang war.

Dusty Rose: Wanted: Vampire’s Assistant (Moonhaven Cove 1)

Da ich diesen Beitrag dieses Mal nach meiner alphabetischen Leseliste zusammengestellt habe, kommt hier erst das erste kostenlose eBook, das ich im März gelesen hatte. „Wanted: Vampire’s Assisstant“ von Dusty Rose ist genau die Art von leichter, fantastischer Liebesgeschichte, die der Titel vermuten lässt. Protagonistin Mia Durran verliert zu Beginn der Geschichte ihren Job und droht, auch ihr Apartment zu verlieren. Deshalb nimmt sie ein absurd klingendes Jobangebot als Assistentin eines Vampires an – obwohl Mia anfangs nicht glauben kann, dass es übernatürliche Wesen überhaupt gibt. Dieser neue Job führt sie in den kleinen Ort Moonhaven Cove, der eine Zuflucht für alle möglichen Arten von übernatürlichen Wesen darstellt, wo sie nicht nur neue Freunde findet, sondern sich auch in ihren Chef Draven Leto verliebt. Aber natürlich ist auch in Moonhaven Cove nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und so müssen Mia und Draven herausfinden, wer Anschläge auf den Vampir und/oder seine neue Assistentin verübt. Das alles ist nett, aber so vorhersehbar, dass ich zum Monatsende schon ganz vergessen hatte, dass ich den Roman gelesen hatte. Die Moonhaven-Cove-Reihe ist definitiv keine Reihe, die ich fortsetzen muss.

Rin Chupeco: Wicked as You Wish (A Hundred Names for Magic 1)

Mit „Wicked as You Wish“ von Rin Chupeco habe ich Anfang März mal wieder ein Buch vom SuB gefischt, das da schon ein paar Jahre drauf lag. Lustigerweise habe ich zwei Bücher von Rin Chupeco auf dem SuB gehabt, obwohl ich bislang noch nie etwas von der Person (they/them-Pronomen sind im Deutschen wirklich schwierig) gelesen hatte. „Wicked as You Wish“ spielt in einer alternativen, fantastischen Welt, die in vielen Elementen (Technologie, Politik, Musik, Filme usw.) unserer Welt entspricht, in der Magie aber einen selbstverständlichen Einfluss auf das Leben der Menschen hat – sogar in den Ländern, die die Nutzung von Magie stark einschränken. Die Protagonistin Tala Makiling ist in dem kleinen Ort Invierno, Arizona, in den Royal States of Amerika aufgewachsen, in dem Magie durch einen lokalen Effekt unterdrückt wird. Talas Eltern haben diesen Ort bewusst als Wohnort gewählt, in der Hoffnung, dass er helfen würde, Talas besondere magische Fähigkeit (andere Magie auszulöschen) verborgen zu halten, solange sie noch zu jung und unerfahren ist, um diese im Griff zu haben.

Die Handlung selbst beginnt mit der Ankunft von Alex in Invierno. Alex ist der Kronprinz von Avalon und lebt – seit sein Land vor zwölf Jahren von der Schneekönigin angegriffen wurde – im Verborgenen. Außerdem wird Alex ziemlich schnell zu Talas bestem Freund, weshalb sie einige Monate später – gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Teenager – auch in all die Abenteuer reingezogen wird, die mit Alex‘ Versuch, Avalon vom Fluch der Schneekönigin zu befreien, einhergehen. Ich mochte die Welt, die sich Rin Chupeco für ihre „A Hundred Names for Magic“-Trilogie ausgedacht hat, wirklich gern. Neben den realen Dingen aus unserer Welt (ICE ist in diesem Roman, der im Jahr 2021 erschienen ist, die große böse Organisation auf amerikanischem Boden) gibt es eine wilde Mischung aus Märchen- und Sagen-Elementen, die von Rin Chupeco mit sehr viel Fantasie eingesetzt werden. „The Cheshire“ ist z. B. der letzte überlebende Adelige des Wunderlands und nun derjenige, der den Widerstand gegen die Schneekönigin koordiniert. Flüche gehören ganz normal zum Leben der einflussreicheren Bewohner der diversen magischen Länder – auch wenn sie manchmal ganz schön lästig sind – und das Wirken von Magie erfordert einen Preis (und nicht immer sind sich die Personen, die diesen Preis zahlen, bewusst, was sie damit verlieren).

Ebenso reizvoll wie die Welt fand ich die vielen verschiedenen Charaktere, die diesen Roman bevölkern. Auch wenn Talas Familie nur aus ihr und ihren Eltern besteht, so wächst sie doch in einer Nachbarschaft voller Titas und Titos auf, die sie mindestens ebenso liebevoll erziehen, wie ihre Eltern es tun. Dazu kommt die Gruppe von Jugendlichen, die den Auftrag bekommen hatte, Alex aus Invierno zu holen und in Sicherheit zu bringen – und die stattdessen gemeinsam mit dem Kronprinzen und Tala durch das verfluchte Avalon reisen. Ich will nicht behaupten, dass diese Figuren klischeefrei gestaltet wurden, aber ich mochte sie und habe mich bei all dem Geplänkel zwischen ihnen gut unterhalten gefühlt (selbst wenn der Gestaltwandler ein wenig zu oft daran erinnert werden musste, dass er sich nach seiner Rückverwandlung doch bitte etwas anziehen soll). Ein bisschen nervig fand ich es, dass sowohl der Klappentext als auch eine Prophezeiung innerhalb der Geschichte betonen, dass es einen Verräter innerhalb der Gruppe gibt. Denn natürlich sind die offensichtlich wirkenden Kandidat*innen nicht die Personen, die Alex und Avalon verraten würden, und das liegt im Prinzip von Anfang an auf der Hand. Ich persönlich bevorzuge es, wenn solche „unvorhersehbaren“ Enthüllungen in der Handlung auch wirklich überraschend kommen, statt mit Fanfaren angekündigt zu werden, in dem vergeblichen Versuch, mit diesem Handlungselement Spannung aufzubauen.

Insgesamt war „Wicked as You Wish“ aber ein wirklich nettes und unterhaltsames Jugendbuch (und ja, es ist wirklich ein Jugendbuch und nicht „Young Adult“ – was ich sehr angenehm fand). Gerade weil Rin Chupeco nicht davor zurückschreckt, auch schwierige Themen anzusprechen, wie zum Beispiel Flucht aus Kriegsgebieten und die Art und Weise, wie Schutzsuchende von ihren Zielländern oft behandelt werden, habe ich die Geschichte gern gelesen. Ich fand die Handlung jetzt nicht so spannend, dass ich den Roman nicht hätte aus der Hand legen können, aber ich habe mich über all die kleinen kreativen Details rund um die magischen Elemente in der Geschichte gefreut. Außerdem mochte ich es, endlich mal wieder ein Jugendbuch zu lesen, in dem sich die Teenager (zumindest meinem Gefühl nach) altersgerecht verhalten haben und trotzdem nicht unerträglich für mich zu lesen waren. Ich bin neugierig, wie es mit Tala und den anderen weitergeht und ob es Alex gelingen wird, Avalon in Zukunft vor der Schneekönigin zu beschützen. Was bedeutet, dass ich direkt nach dem Beenden dieses Romans die Fortsetzung „An Unreliable Magic“ bestellt habe und hoffentlich dann bald lesen kann. Mal schauen, ob mich die Trilogie bis zum Ende gut unterhält – und was ich danach zu „The Bone Witch“ von Rin Chupeco sagen kann, was auch noch auf meinem SuB liegt.

Nicole Glover: The Conductors (Murder & Magic 1)

Wie schon im vergangenen Jahr versuche ich auch 2026, häufiger und bewusster zu den älteren Titeln im SuB zu greifen. „The Conductors“ von Nicole Glover wartete seit 2021 darauf, von mir gelesen zu werden, und ich bin froh, dass ich das im Februar endlich auf die Reihe bekommen habe (auch wenn das direkt zur Bestellung der Fortsetzung führte *g*). Nicole Glovers Debütroman wird aus der Sicht von Henrietta „Hetty“ Rhodes erzählt und spielt im Jahr 1871 in einem alternativen (fantastischen) Philadelphia. Nachdem Hetty 1858 als Fünfzehnjährige von der Plantage fliehen konnte, auf der sie als Sklavin lebte, hat sie Jahre damit zugebracht, als Teil der Underground Railroad anderen zur Flucht zu verhelfen.

Doch die Zeiten haben sich geändert, und die Conductors der Underground Railroad werden seit einem Erlass, der den Besitz von Sklaven verbietet, nicht mehr benötigt. Weshalb Hetty und ihr Ehemann Benjy inzwischen ihre Fähigkeit einsetzen, um die Probleme der Schwarzen Bewohner von Philadelphia zu lösen, für die sich die Polizei nicht zuständig fühlt. So ist es nicht ungewöhnlich, dass eines Nachts ein Mann an ihre Tür klopft, um ihnen den Fund eines Mordopfers zu melden. Doch der Leichnam weist nicht nur ein magisches Fluchzeichen auf, sondern der Verstorbene gehörte auch zu Hettys und Benjys Freundeskreis, was die Ermittlungen für die beiden überraschend kompliziert macht, weil es nicht gerade einfach ist, die Menschen, mit denen einen seit vielen Jahren komplizierte Beziehungen verbinden, des Mordes zu verdächtigen. Je mehr Hetty über die Geheimnisse des getöteten Charlie herausfindet, desto muss sie sich fragen, wie gut sie ihre Freunde wirklich kennt.

Es gibt ein paar Elemente an „The Conductors“, bei denen es sich meiner Meinung nach bemerkbar macht, dass dieser Roman das Debüt von Nicole Glover ist. So braucht die Handlung ziemlich lange, bis sie so weit anzieht, dass ich das Gefühl hatte, die Mordermittlung würde eine nennenswerte Rolle in der Geschichte spielen. Außerdem fand ich die Mischung aus aktuellen Ereignissen und Rückblenden etwas unausgewogen und musste gerade am Anfang immer mal wieder zurückblättern, um herauszufinden, welche der vielen Figuren in Hettys Freundeskreis in der gerade gelesenen Rückblende eine Rolle spielte. Nachdem ich mich aber auf das langsamere Tempo und das Gefühl eingelassen hatte, überhaupt keine Ahnung zu haben, was hier gerade los ist, habe ich „The Conductors“ wirklich genossen. Auch wenn es seine Zeit dauert, bis man beim Lesen eine greifbare Vorstellung von den vielen Charakteren bekommt, so mochte ich doch die vielen verschiedenen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten. Vor allem Hetty ist nicht gerade eine Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt, aber gerade weil sie so einen herausfordernden Charakter hat, macht es Spaß, die Geschichte aus ihrer Perspektive zu verfolgen.

Wirklich spannend fand ich die Magie, die sich Nicole Glover für ihre „Murder & Magic“-Reihe ausgedacht hat. Auf der einen Seite gibt es Zauberei, die von Weißen mit Zauberstäben ausgeführt wird und für Schwarze Personen verboten ist, und auf der anderen Seite gibt es „celestial magic“, deren Basis aus Legenden, Überlieferungen und Sternzeichen besteht, die seit Generationen weitergegeben werden und in denen sich viele verschiedene Regionen widerspiegeln. Auf diese Art von Magie musste ich mich erst einmal einlassen, weil sie so ungewöhnlich war und so wenig Regeln unterworfen zu sein schien. Aber ich fand die Tatsache, dass diese „celestial magic“ so sehr in den Alltag aller Personen eingebunden war, sehr faszinierend. So nutzen Hetty und Benjy ihre Magie nicht nur, um ihr Badewasser zu wärmen und ihr Zimmer zu erleuchten, sondern auch, um schützende Symbole in ihre Kleidung einzuweben. Ein weiterer Aspekt an dieser Geschichte, den ich sehr interessant fand, war, dass Nicole Glover darauf einging, wie das Leben für die verschiedenen ehemaligen Sklaven Jahre nach ihrer Flucht ausschaute.

Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich ein Buch las, das sich nicht mit dem Leben in Sklaverei oder der Underground Railroad beschäftigte, sondern mit den Folgen, die diese Erlebnisse für die betroffenen Personen haben. Die Geschichte beschreibt, wie es war, wenn man vor langer Zeit verkaufte Familienmitglieder suchte, wie schwierig es war, Informationen zu finden, und welche Wege dafür offenstanden. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn jemand zum ersten Mal in seinem Leben die Hoffnung auf Besitz und materielle Sicherheit hat. Wie schwierig es ist, sich ein neues Leben aufzubauen, wenn jemand sich nicht sicher sein kann, dass all die belastenden Dinge aus der Vergangenheit wirklich zu Ende sind. Nicole Glover hat wirklich sehr viele dieser Elemente in diesen einen Roman gepackt, aber auch wenn die Krimihandlung und das Tempo darunter gelitten haben, so habe ich diese Mischung auf fantastischen und realen Elementen, aus sympathischen und herausfordernden Charakteren und aus aktuellen und vergangenen Ereignissen wirklich genossen. Ich bin gespannt, wie die Autorin Hettys und Benjys Geschichte weiterführen wird (und würde im Moment sagen, dass ich in Zukunft auch noch zu den beiden weiteren Fortsetzungen, die in den 1920ern und 1960er Jahren spielen, greifen werde).

Lese-Eindrücke Februar 2026

Im Februar habe ich nicht sehr viel gelesen, wozu ich etwas zu erzählen hätte. Aber ein paar Lese-Eindrücke gibt es dann doch, die ich hier festhalten will.

Ilona Andrews: Beast Business (Hidden Legacy 6.5)

Soweit ich weiß, gibt es keine offizielle Zählung für diese Romane, und in den meisten Lese-Apps gilt der Band als Teil 7 der „Hidden Legacy“-Reihe, aber für mich ist „Beast Business“ kein „vollwertiger“ Teil der Serie. Der Titel beinhaltet die beiden (Kurz-)Geschichten „Beast Business“ und „Arabella Saves the Day“ sowie ein paar Extras, die schon auf der Homepage von Ilona Andrews veröffentlicht worden waren. „Beast Business“ wird aus der Perspektive von Augustine Montgomery erzählt, der in den vorherigen sechs Bände eine Nebenrolle einnahm und von dem man hier nun zum ersten Mal persönlichere Details erfährt, was mich sehr gut unterhalten hat und dazu führte, dass ich die ersten sechs Hidden-Legacy-Bände noch einmal gelesen habe. Fast noch netter fand ich aber die Kurzgeschichte rund um Arabella Baylor, die sich überraschenderweise mit einer jungen Frau anfreundet, deren Familie mit den Baylors bislang nicht gerade auf gutem Fuß stand. Gerade weil Arabella von ihren älteren Schwestern – aus deren Perspektive die anderen sechs Bücher geschrieben waren – häufig als impulsiv und unberechenbar abgetan wird, fand ich es spannend, mal ihre Gedankengänge zu verfolgen, wenn sie einem Job nachgeht. Diese gerade mal 30 Seiten haben mir große Lust gemacht, endlich mal einen Roman aus der Perspektive der jüngsten Baylor-Schwester zu lesen – ich hoffe sehr, dass Ilona Andrews daran schon schreibt, auch wenn bislang nichts dazu angekündigt wurde. Dieses Ehepaar arbeitet einfach an zu vielen Reihen gleichzeitig … *seufz*

Katherine Addison: The Orb of Cairado (Hörbuch)

Ich mochte sowohl „The Goblin Emperor“ als auch die „Cemetery of Amalo“-Trilogie von Katherine Addison sehr – weshalb ich natürlich auch gern die Novella „The Orb of Cairado“, die in derselben Welt spielt, gelesen hätte. Dummerweise ist die Geschichte bei Subterranean Press erschienen, was nicht nur hohe Preise für wenig Seiten bedeutet, sondern auch häufig dazu führt, dass eine gedruckte Version in Deutschland nur schwer erhältlich ist. Also habe ich zum Hörbuch gegriffen, in dem Bewusstsein, dass ich die Sprecherin Zehra Jane Naqvi schon von anderen Veröffentlichungen kannte und mochte. Die Geschichte rund um einen Gelehrten, der Jahre, nachdem er wegen eines Diebstahlverdachts aus der Universität ausgeschlossen wurde, die Chance erhält, seinen Namen reinzuwaschen, hat mir sehr gut gefallen. Ich mochte die Hauptfigur Ulcetha, ich mochte das Geheimnis rund um den titelgebenden Orb of Cairado und ich habe es sehr genossen, mal wieder etwas Zeit in dieser fantastischen Welt zu verbringen. „The Orb of Cairado“ ähnelt in vielen Dingen den Romanen rund um Thara Celehar, nur dass Ulcetha natürlich eine ganz andere Herangehensweise an ein Rätsel/einen Mordfall hat als ein „Witness for the Dead“. Allerdings muss ich zugeben, dass ich hier und da etwas Probleme hatte, die Figuren zuzuordnen, was an den Namen (und Anrede-Regeln), die Katherine Addison für diese Welt verwendet, liegt. Mir fällt es deutlich leichter, die Namen (inklusive ihrer verschiedenen Versionen) wiederzuerkennen, wenn ich sie gedruckt vor mir sehe und nicht höre – vor allem, wenn ich drei Tage brauche, um das relativ kurze Hörbuch zu beenden.

Jee-Hye Kim: Yu-jins Bücherküche der großen Träume

Meine Mutter hatte in den letzten Wochen darüber geklagt, dass sie Probleme beim Lesen hat und sich nicht auf ihre Romane konzentrieren kann. Als ich dann in der Buchhandlung im Viertel über „Yu-jins Bücherküche der großen Träume“ von Jee-Hye Kim stolperte, dachte ich, dass das vielleicht das richtige für sie sein könnte. Um sicherzugehen, dass die Geschichte keine fantastischen Elemente oder ähnliche Dinge, die sie nicht mag, beinhaltet, habe ich den Roman vor dem Abschicken gelesen. Die Handlung wird in mehreren – locker zusammenhängenden – Episoden erzählt, die im Laufe eines Jahres rund um eine neu gegründete (fiktive) Buchhandlung im ländlichen Südkorea stattfinden. Jede dieser Episoden stellt eine (oder mehrere) Figur(en) vor, die gerade an einem schwierigen Punkt in ihrem Leben stehen und entweder ein Auszeit oder einen Richtungswechsel benötigen. Ganz ehrlich, diese entspannten Alltagsgeschichten ähneln sich doch alle sehr – aber ich lese sie trotzdem gern, gerade weil sie einem das Gefühl geben, dass manchmal nur ein Innehalten oder ein kleiner Anstoß von Außen reicht, um ein Leben zum Besseren zu wenden. Und zwischen all den wohltuenden kleinen Momenten gibt es immer wieder spannende Details zum Leben im heutigen Südkorea. Das war ein nettes und entspannendes Buch – und ich hoffe, dass meine Mutter das genauso sehen wird.

Lese-Eindrücke Januar 2026

Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown

„The Coldest Girl in Coldtown“ hatte ich Ende Dezember halb gelesen zur Seite gelegt, und dann kamen ein paar Tage, in denen ich aus verschiedenen Gründen nur zu eBooks gegriffen habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die Geschichte rund um Tana zwar mochte und mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt habe, aber mich das Vampirthema eigentlich recht wenig fesselte. Was etwas schwierig ist bei einem Roman, in dem die Protagonistin versuchen muss, in einer Welt voller Vampire zu überleben, während sie gleichzeitig fürchtet, dass sie selbst sich in eine Vampirin verwandeln wird. Die zweite Hälfte des Buchs habe ich dann wieder an zwei Abenden gelesen und mich definitiv nicht dabei gelangweilt, aber es fehlten auch ein wenig die überraschenden oder reizvollen Elemente – die Elemente, die aus einer düsteren Urban-Fantasy-Vampir-Geschichte etwas machen, was mich fesselt und dafür sorgt, dass der Roman eine langanhaltende Erinnerung bei mir hinterlässt. Jetzt bin ich fast versucht, „The Darkest Part of the Forest“ von der Autorin noch einmal zu lesen, um zu schauen, ob mir der Roman heute noch ebenso gefällt wie vor (fast) neun Jahren.

Emily Krempholtz: Violet Thistlewaite is Not a Villain Anymore

„Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“ ist eine wirklich süße Geschichte, die aus den Perspektiven der Blumenhändlerin Violet und des Alchemisten Nathaniel erzählt wird. Die beiden lernen sich kennen, als Violet in den Ort Dragon’s Rest zieht, der bis vor kurzem von der Anwesenheit des bösen Zauberers Guy Shadowfade überschattet wurde. Nachdem Guy besiegt und seine Verbündeten in alle Winde zerstreut wurden, beschließt Violet (früher bekannt als die tödliche Thornwitch), ihr Leben als „gute Person“ in dem kleinen Ort zu beginnen. Doch es ist nicht so einfach, all die Dinge aus ihrer Vergangenheit vor ihren Nachbarn verborgen zu halten und sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Vor allem ihr grummeliger Vermieter Nathaniel macht es Violet nicht gerade einfach – und natürlich liegt das daran, dass er sich zu seiner Mieterin hingezogen fühlt. Ich hatte viel Spaß mit „Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“, denn auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Violet und Nathaniel etwas arg vorhersehbar war, so mochte ich, wie sich die beiden im Laufe der Zeit über ihre Probleme und Sorgen austauschten (so weit das eben geht, wenn eine Person versucht, ihre Vergangenheit geheim zu halten). Vor allem aber habe ich den kleinen Ort Dragon’s Rest und all seine Bewohner ins Herz geschlossen. Violets neue Nachbarn sind vielleicht nicht immer ganz einfach, aber es sind genau die richtigen Personen, damit sich eine ehemaligen Thornwitch unter ihnen zuhause fühlen kann. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin im Zukunft noch so schreiben wird!

Leslie Gail: The Drama of Death (Dead End Witches 2)

„The Drama of Death“ ist nach „The Magic of Death“ der zweite Teil einer wirklich netten Cozy-Mystery-Reihe von Leslie Gail. Die Handlung wird weiterhin aus der Perspektive von Star Bell erzählt, die dieses Mal damit fertig werden muss, dass ihre Schwester Daisy zurück nach Dead End kommt – um Aufnahmen für eine Fernsehserie zu drehen. Das Verhältnis zwischen Star und Daisy ist schwierig, da Daisy berühmt geworden ist, indem sie vortäuschte, über Stars magische Fähigkeiten (Geister sehen und mit ihnen kommunizieren können) zu verfügen. Eine weitere Herausforderung ist, dass die Fernsehserie, für die Daisy vor der Kamera steht, berühmt dafür ist, Personen zu entlarven, die übernatürliche Fähigkeiten vortäuschen. Als dann auch noch die Moderatorin der Serie ermordet wird, muss Star sich nicht nur endlich wieder Daisy annähern, sondern auch noch herausfinden, wer den Mord verübt hat. Während ich beim ersten Teil noch die Eigenheiten der älteren Generation der Bell-Hexen etwas kritisiert hatte, kann ich hier anmerken, dass nur Stars Großmutter ein paar Auftritte bekommt, die sich auch alle im Rahmen halten. Ansonsten mochte ich die vielen verschiedenen Figuren, und ich habe mich gut darüber amüsiert, wie Star versucht, Informationen rund um den Mord zu sammeln. Auch wenn ich es recht offensichtlich fand, wer die Tat begangen hat, so hatte ich doch Spaß daran, Stars Weg zur Auflösung zu verfolgen. Soweit ich weiß, wird es irgendwann auch noch einen dritten Teil der Reihe geben, der sich um den Mord an Stars und Daisys dritter Schwester dreht, und ich freu mich schon darauf.

Rebekah Isert: The Heart of the Matter

Normalerweise bestelle ich keine Liebesgeschichten vor, aber „The Heart of the Matter“ von Rebekah Isert klang so reizvoll, dass ich hier eine Ausnahme machte. Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Summer von ihrer Familie sechs Paar-Therapiestunden geschenkt bekommt, die sie mit ihrem Freund besuchen soll. Dummerweise ist der Freund, über den sich Summer gegenüber ihrer Familie regelmäßig beklagt, nur ausgedacht – weil sie nicht wusste, wie sie sonst mit all dem Druck umgehen soll, den ihre Familie ihr bezüglich ihres Single-Daseins machte. Statt nun ihre Familie darüber aufzuklären, dass sie gelogen hat, sucht Summer einen Mann, der mit ihr zur Paartherapie geht. Der Protagonist hingegen ist Chase, dessen letzte Beziehung vor einem halben Jahr endete und dessen Ex-Freundin ihm vorwarf, dass sein Verhalten toxisch gewesen sei. Das führte dazu, dass Chase sein Benehmen gegenüben allen Personen hinterfragt und das Gefühl hat, er müsse an sich arbeiten, weshalb er bereit ist, mit Summer zur Therapie zu gehen. Natürlich lernen sich die beiden während dieser Therapiestunden (und bei den Hausaufgaben, die sie dafür aufbekommen) sehr gut kennen, und das fand ich wirklich sehr nett zu verfolgen. Die Idee, eine Liebegeschichte mit einer Paar-Therapie beginnen zu lassen, funktionierte überraschend gut für mich, und ich mochte es, den gemeinsamen Weg von Summer und Chase zu verfolgen.

W.R. Gingell: Lady of Weeds (Lady 2)

Nachdem ich im Januar schon „Lady of Dreams“ gelesen hatte, habe ich auch noch zum zweiten Teil der Reihe „Lady of Weeds“ gegriffen. Diese Geschichte spielt an der Küste von Sunderland und wird aus der Perspektive von Carys erzählt. Carys ist die Wächterin eines Strandabschnitts und beschützt mit ihrer Arbeit das naheliegende Fischerdorf vor den Selkie, die an der Küste ihren Schabernack treiben (und damit eine tödliche Gefahr für die Anwohner sind). Eines Tages findet Carys einen jungen verletzten Mann in einem der Salzwasserteiche an der Küste und versorgt ihn in ihrer kleinen Hütte am Strand. Eurion (wie Carys ihn nennt) leidet unter Gedächtnisverlust, trägt aber überraschend kostbare Gegenstände bei sich und einen Ring, den Carys aus ihrer Vergangenheit wiedererkennt. Deshalb behält Carys Eurion bei sich, in der Hoffnung, dass er seine Erinnerungen wiedererlangt und ihr ihre Fragen zu dem Ring beantworten kann. Gleichzeitig erreichen Gerüchte den kleinen Ort von einem Anschlag auf einen der Kronprinzen und von untergegangenen Schiffen, und mehrere Fremde stellen Fragen zu dem, was das Meer in den letzten Tagen so angespült hat … Im Kern ist auch „Lady of Weeds“ eine Liebesgeschichte, aber während sich „Lady of Dreams“ fast ausschließlich um eine Handvoll potenzieller Paare und ihre Gefühle und Hintergründe drehte, gibt es bei „Lady of Weeds“ durch die Ereignisse außerhalb von Carys‘ kleinem Küstenort eine deutlich politischere Note. Ich habe es sehr genossen, mich mit dem Rätsel um Eurions Herkunft, mit all den Fragen rund um Carys‘ Vergangenheit und den verschiedenen Neuankömmlingen im Ort zu beschäftigen. Letztere sorgten dann auch für ein Wiedersehen mit ein paar Figuren, die ich schon aus „Lady of Dreams“ kannte, was ich sehr nett fand, mich aber auch neugierig darauf machte, mehr über ihren Weg von Eppa nach Sunderland zu erfahren. Ich würde wirklich gern noch mehr über diese fantastische Welt lesen und mich mit diesen süßen Liebesgeschichten beschäftigen – zu schade, dass es keine Erwähnung der beiden weiteren (ursprünglich) geplanten Titel zu finden gibt.

W.R. Gingell: Lady of Dreams (Lady Series 1)

„Lady of Dreams“ habe ich gekauft, ohne irgendetwas darüber zu wissen, abgesehen davon, dass der Roman von W. R. Gingell geschrieben wurde und ich die Geschichten der Autorin bislang alle mochte. Auf den ersten Seiten wird deutlich, dass die Handlung aus der Sicht von Clovis erzählt wird. Clovis ist eine junge Frau, die nicht gehen kann und den Großteil ihres Lebens in Träumen verbringt. Wobei diese „Träume“ Dinge sind, die Menschen in ihrer Umgebung gerade aktuell passieren und die sie – zumindest zum Teil – beeinflussen kann. Clovis lebt den Großteil des Jahres in Scandia, dem Land, aus dem ihre Mutter stammte und über das wir als Leser*innen nicht besonders viel erfahren. Aber für die Sommermonate reist sie nach Eppa, wo ihr Vater und ihr Stiefbruder leben, um mit diesen Zeit zu verbringen.

Nach und nach wird deutlich, dass Magie (und damit meine ich nicht Clovis‘ Träume) in diesen Ländern existiert, auch wenn sie nicht alltäglich ist, und dass parallel dazu so etwas wie Dampfkraft die Technik bestimmt. Außerdem ist das Land Eppa im Prinzip eine fantastische Variante von (Süd-)Korea (vermutlich in den 1920er Jahren), was sich auch in den vielen koreanischen Anreden/Titeln/Ausrufen wiederspiegelt. Auch die Handlung entfaltet sich in „Lady of Dreams“ nur langsam, während Clovis erzählt, wie sie in diesem Sommer nicht nur von ihrem jüngeren Bruder Jessamy träumte, sondern auch von dem Schriftsteller Park Hyun-jun, dem Komponisten Ma Yong-hwa und der rätselhaften Ae-jung. Während sich die Geschichte zwischen diesen Personen langsam entwickelte, stellt ich zu meiner Überraschung fest, dass „Lady of Dreams“ im Prinzip nichts anderes als ein ruhig erzähltes K-Drama ist – und ich muss zugeben, dass ich das sehr genossen habe.

Lange Zeit beobachtet Clovis nur, wie sich die drei Männer immer mehr für Ae-jung interessieren, während die junge Frau nur in Ruhe arbeiten und ihr ganz persönliches Geheimnis bewahren will. Doch als für Clovis der Sommer in Eppa beginnt, greift sie immer wieder in das Leben (nicht nur) dieser vier Personen ein, was zu so einigen sehr amüsanten Momenten führt. Ich habe mich mit der ruhigen Erzählweise, den unterschiedlichen Charakteren und den diversen Liebesgeschichten, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, wunderbar unterhalten gefühlt. „Lady of Dreams“ ist kein Roman gewesen, denn ich in einem Rutsch verschlingen wollte, sondern eine Geschichte, die ich mir für einen entspannenden Tagesausklang gegönnt habe, während ich tagsüber immer wieder gern an die Figuren und am Vortag gelesene Momente zurückdachte. Am Ende des Romans kündigte W. R. Gingell an, dass dies die erste von vier Veröffentlichungen in dieser Welt sei, aber der zweite Teil, „Lady of Weeds“, wurde schon vor sechs Jahren veröffentlicht, und danach gab es keinen weiteren Band in der Reihe.

Megaera C. Lorenz: The Shabti

Über „The Shabti“ von Megaera C. Lorenz habe ich schon beim letzten Lese-Sonntag einiges geschrieben. Die Geschichte spielt 1934 in den USA und wird aus der Sicht von Dashiel Quicke erzählt. Dashiel war bis vor wenigen Jahren als „Medium“ unterwegs und verdient sich nun – mehr schlecht als recht – seinen Lebensunterhalt damit, dass er Vorträge über die Tricks und Methoden seiner ehemaligen Kolleg*innen hält. Während eines seiner Vorträge trifft er auf Hermann Goschalk, der als Professor für Ägyptologie nicht nur für das Unterrichten von Student*innen, sondern auch für das kleine Museum des College verantwortlich ist – und Hermann ist davon überzeugt, dass dieses Museum über ein Artefakt verfügt, das von einem Geist besessen ist.

„The Shabti“ ist ein ungewöhnlicher Roman, und es fällt mir sehr schwer, die Geschichte einem einzelnen Genre zuzuschreiben. Der Anfang, bei dem man mehr über Dashiel und seine Vergangenheit als „Medium“ (und die damit zusammenhängenden Betrugsmaschen) erfährt, fühlt sich sehr nach einem roman noir an. Dann kommen dazu die Elemente rund um den realen Spuk, die der Handlung einen Anstrich von altmodischen Horrorfilmen verleihen, und zuletzt ist da noch die Beziehung, die sich zwischen Dashiel und Hermann entwickelt. Diese Liebesgeschichte zwischen dem (ehemaligen) Schwindler und dem sehr respektablen und unauffälligen Professor ist überraschend süß zu verfolgen und der Grund, wieso Dashiel bei all den Herausforderungen, die er im Roman durchstehen muss, nicht wieder in alte Verhaltensweisen zurückfällt und davonläuft.

Die ersten zwei Drittel von „The Shabti“ habe ich sehr langsam und genussvoll gelesen, während ich mich gleichzeitig immer wieder fragte, wie weit Megaera C. Lorenz wohl den Horror- oder Krimianteil der Geschichte treiben würde. Gleichzeitig fand ich es spannend, von der Autorin, die unter anderem Ägyptologin ist, mehr über Hermanns Tätigkeit als Professor und Museumskurator – und natürlich über die Ausstellungstücke in seiner Obhut, zu denen das verfluchte Shabti gehört – zu erfahren. Überraschenderweise gab es auch so einige amüsante Momente in dieser Geschichte voller (für die Charaktere) gruseliger und aufreibender Ereignisse, und zu meinem eigenen Erstaunen musste ich an einem Punkt sehr laut auflachen, weil ich mich so über eine unerwartete Enthüllung amüsierte. Nach dieser Wendung in der Handlung konnte ich den Roman dann auch nicht mehr aus der Hand legen, bis ich ihn beendet hatte, weil ich wirklich wissen wollte, wie die Figuren damit umgehen würden.

Am Ende war die Lösung für Dashiels und Hermanns Probleme dann doch recht offensichtlich, aber es fühlte sich sehr stimmig an, wie die Autorin die verschiedenen Puzzleteile der Handlung zu einer schlüssigen Auflösung zusammenbrachte. Nach dem Lesen habe ich das Buch rundum befriedigt aus der Hand gelegt, was ich nicht so oft sagen kann. Mit „The Shabti“ hat Megaera C. Lorenz eine wirklich ungewöhnliche und sehr reizvolle Geschichte erzählt, in der verschiedene Genre-Elemente gelungen miteinander verwoben werden. Wer sich für Ägyptologie, roman noir, eine mlm-Liebesgeschichte oder (relativ harmlosen) Horror interessiert, findet hier auf jeden Fall einen interessanten und unterhaltsamen Roman. Ich bin mir sicher, dass ich das Buch nicht zum letzten Mal gelesen habe, und vor allem bin ich neugierig darauf, was die Autorin (hoffentlich) in Zukunft noch veröffentlicht wird.