W.R. Gingell: Lady of Dreams (Lady Series 1)

„Lady of Dreams“ habe ich gekauft, ohne irgendetwas darüber zu wissen, abgesehen davon, dass der Roman von W. R. Gingell geschrieben wurde und ich die Geschichten der Autorin bislang alle mochte. Auf den ersten Seiten wird deutlich, dass die Handlung aus der Sicht von Clovis erzählt wird. Clovis ist eine junge Frau, die nicht gehen kann und den Großteil ihres Lebens in Träumen verbringt. Wobei diese „Träume“ Dinge sind, die Menschen in ihrer Umgebung gerade aktuell passieren und die sie – zumindest zum Teil – beeinflussen kann. Clovis lebt den Großteil des Jahres in Scandia, dem Land, aus dem ihre Mutter stammte und über das wir als Leser*innen nicht besonders viel erfahren. Aber für die Sommermonate reist sie nach Eppa, wo ihr Vater und ihr Stiefbruder leben, um mit diesen Zeit zu verbringen.

Nach und nach wird deutlich, dass Magie (und damit meine ich nicht Clovis‘ Träume) in diesen Ländern existiert, auch wenn sie nicht alltäglich ist, und dass parallel dazu so etwas wie Dampfkraft die Technik bestimmt. Außerdem ist das Land Eppa im Prinzip eine fantastische Variante von (Süd-)Korea (vermutlich in den 1920er Jahren), was sich auch in den vielen koreanischen Anreden/Titeln/Ausrufen wiederspiegelt. Auch die Handlung entfaltet sich in „Lady of Dreams“ nur langsam, während Clovis erzählt, wie sie in diesem Sommer nicht nur von ihrem jüngeren Bruder Jessamy träumte, sondern auch von dem Schriftsteller Park Hyun-jun, dem Komponisten Ma Yong-hwa und der rätselhaften Ae-jung. Während sich die Geschichte zwischen diesen Personen langsam entwickelte, stellt ich zu meiner Überraschung fest, dass „Lady of Dreams“ im Prinzip nichts anderes als ein ruhig erzähltes K-Drama ist – und ich muss zugeben, dass ich das sehr genossen habe.

Lange Zeit beobachtet Clovis nur, wie sich die drei Männer immer mehr für Ae-jung interessieren, während die junge Frau nur in Ruhe arbeiten und ihr ganz persönliches Geheimnis bewahren will. Doch als für Clovis der Sommer in Eppa beginnt, greift sie immer wieder in das Leben (nicht nur) dieser vier Personen ein, was zu so einigen sehr amüsanten Momenten führt. Ich habe mich mit der ruhigen Erzählweise, den unterschiedlichen Charakteren und den diversen Liebesgeschichten, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, wunderbar unterhalten gefühlt. „Lady of Dreams“ ist kein Roman gewesen, denn ich in einem Rutsch verschlingen wollte, sondern eine Geschichte, die ich mir für einen entspannenden Tagesausklang gegönnt habe, während ich tagsüber immer wieder gern an die Figuren und am Vortag gelesene Momente zurückdachte. Am Ende des Romans kündigte W. R. Gingell an, dass dies die erste von vier Veröffentlichungen in dieser Welt sei, aber der zweite Teil, „Lady of Weeds“, wurde schon vor sechs Jahren veröffentlicht, und danach gab es keinen weiteren Band in der Reihe.

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