Megaera C. Lorenz: The Shabti

Über „The Shabti“ von Megaera C. Lorenz habe ich schon beim letzten Lese-Sonntag einiges geschrieben. Die Geschichte spielt 1934 in den USA und wird aus der Sicht von Dashiel Quicke erzählt. Dashiel war bis vor wenigen Jahren als „Medium“ unterwegs und verdient sich nun – mehr schlecht als recht – seinen Lebensunterhalt damit, dass er Vorträge über die Tricks und Methoden seiner ehemaligen Kolleg*innen hält. Während eines seiner Vorträge trifft er auf Hermann Goschalk, der als Professor für Ägyptologie nicht nur für das Unterrichten von Student*innen, sondern auch für das kleine Museum des College verantwortlich ist – und Hermann ist davon überzeugt, dass dieses Museum über ein Artefakt verfügt, das von einem Geist besessen ist.

„The Shabti“ ist ein ungewöhnlicher Roman, und es fällt mir sehr schwer, die Geschichte einem einzelnen Genre zuzuschreiben. Der Anfang, bei dem man mehr über Dashiel und seine Vergangenheit als „Medium“ (und die damit zusammenhängenden Betrugsmaschen) erfährt, fühlt sich sehr nach einem roman noir an. Dann kommen dazu die Elemente rund um den realen Spuk, die der Handlung einen Anstrich von altmodischen Horrorfilmen verleihen, und zuletzt ist da noch die Beziehung, die sich zwischen Dashiel und Hermann entwickelt. Diese Liebesgeschichte zwischen dem (ehemaligen) Schwindler und dem sehr respektablen und unauffälligen Professor ist überraschend süß zu verfolgen und der Grund, wieso Dashiel bei all den Herausforderungen, die er im Roman durchstehen muss, nicht wieder in alte Verhaltensweisen zurückfällt und davonläuft.

Die ersten zwei Drittel von „The Shabti“ habe ich sehr langsam und genussvoll gelesen, während ich mich gleichzeitig immer wieder fragte, wie weit Megaera C. Lorenz wohl den Horror- oder Krimianteil der Geschichte treiben würde. Gleichzeitig fand ich es spannend, von der Autorin, die unter anderem Ägyptologin ist, mehr über Hermanns Tätigkeit als Professor und Museumskurator – und natürlich über die Ausstellungstücke in seiner Obhut, zu denen das verfluchte Shabti gehört – zu erfahren. Überraschenderweise gab es auch so einige amüsante Momente in dieser Geschichte voller (für die Charaktere) gruseliger und aufreibender Ereignisse, und zu meinem eigenen Erstaunen musste ich an einem Punkt sehr laut auflachen, weil ich mich so über eine unerwartete Enthüllung amüsierte. Nach dieser Wendung in der Handlung konnte ich den Roman dann auch nicht mehr aus der Hand legen, bis ich ihn beendet hatte, weil ich wirklich wissen wollte, wie die Figuren damit umgehen würden.

Am Ende war die Lösung für Dashiels und Hermanns Probleme dann doch recht offensichtlich, aber es fühlte sich sehr stimmig an, wie die Autorin die verschiedenen Puzzleteile der Handlung zu einer schlüssigen Auflösung zusammenbrachte. Nach dem Lesen habe ich das Buch rundum befriedigt aus der Hand gelegt, was ich nicht so oft sagen kann. Mit „The Shabti“ hat Megaera C. Lorenz eine wirklich ungewöhnliche und sehr reizvolle Geschichte erzählt, in der verschiedene Genre-Elemente gelungen miteinander verwoben werden. Wer sich für Ägyptologie, roman noir, eine mlm-Liebesgeschichte oder (relativ harmlosen) Horror interessiert, findet hier auf jeden Fall einen interessanten und unterhaltsamen Roman. Ich bin mir sicher, dass ich das Buch nicht zum letzten Mal gelesen habe, und vor allem bin ich neugierig darauf, was die Autorin (hoffentlich) in Zukunft noch veröffentlicht wird.

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