Alle Artikel von Konstanze

August-SuB 2020

Der Juli hat mir nicht nur wieder mehr „Normalität“ gebracht, sondern ausreichend viele Lesestunden, dass ich am Ende ganz zufrieden mit dem Monat bin. Meine Lektüre an sich war nicht nur von den Genres her gut gemischt, sondern auch von der Qualität, aber das hat auch dafür gesorgt, dass ich mal wieder so richtig schön öffentlich über Romane nörgeln konnte. 😉 Trotz all der gelesenen Bücher habe ich es geschafft den SuB anwachsen zu lassen, da mein in den letzten Wochen anhaltendes Gefühl von „ich muss mir was gönnen“ für ein paar Buchbestellungen gesorgt hat.

Der August beginnt für mich mit zwei Wochen „Offline-Zeit“ und ich denke, dass mir das ganz gut tun wird. Außerdem habe ich vor einigen Tagen meine ungelesenen Comics und Manga mal wieder sortiert und hoffe, dass ich denen in diesem Monat mal wieder mehr Zeit widmen werde. Gerade bei den Manga sind ein paar dabei, bei denen ich mich mal entscheiden muss, ob ich die Reihen weiterverfolgen will, während ich andere seit einiger Zeit vollständig, aber noch nie ganz gelesen habe – da wäre es ganz schön, wenn ich die bald mal lesen würde.

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Sophie Anderson: The Girl Who Speaks Bear
  5. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  6. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  7. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  8. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  9. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  10. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  11. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Spyness 6)
  12. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  13. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  14. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  15. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  16. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  17. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  18. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  19. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  20. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  21. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  22. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  23. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  24. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  25. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  26. Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers
  27. Sarah Beth Durst: Race the Sands
  28. Louise Erdrich: The Birchbark House
  29. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  30. Jasmine Gower: Moonshine
  31. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  32. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  33. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  34. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  35. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  36. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  37. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  38. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  39. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  40. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  41. Rachel Hartman: Seraphina
  42. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  43. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  44. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  45. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  46. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  47. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  48. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  49. Leah Johnson: You Should See Me in a Crown
  50. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  51. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  52. Diana Wynne Jones: Power of Three
  53. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  54. Celine Kiernan: Geisterpfade
  55. Celine Kiernan: Königspfade
  56. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  57. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  58. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  59. R. F. Kuang: The Poppy War
  60. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  61. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  62. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  63. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  64. Seanan McGuire: Middlegame
  65. Robin McKinley: Sunshine
  66. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  67. Kelly Meding: Stray Magic
  68. Kelly Meding: Stray Moon
  69. Kate Milford: The Boneshaker
  70. Kate Milford: Bluecrowne
  71. Maya Montayne: Nocturna
  72. Julie Murphy: Faith – Taking Flight
  73. Bishop O’Connell: The Stolen
  74. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  75. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  76. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  77. Natalie C. Parker: Seafire
  78. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  79. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  80. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  81. Philip Reeve: Larklight
  82. Kat Richardson: Labyrinth (Greywalker 5)
  83. Kat Richardson: Downpour (Greywalker 6)
  84. Kat Richardson: Seawitch (Greywalker 7)
  85. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  86. John Scalzi: Fuzzy Nation
  87. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  88. Barbara Sleigh: Carbonel
  89. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  90. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  91. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  92. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  93. Robin Stevens: Death Sets Sail (A Murder Most Unladylike 9)
  94. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  95. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  96. Charles den Tex: Die Zelle
  97. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  98. Sarah Tolcser: Song of the Current
  99. Tiffany Trent: Unnaturalist
  100. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  101. Renee Watson: Piecing Me Together
  102. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  103. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  104. Amy Wilson: Snowglobe
  105. Katherine Woodfine: The Jewelled Moth (The Sinclair’s Mysteries 2)
  106. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
  107. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  108. Xinran: Gerettete Worte
  109. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

107 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Sommerliche Auszeit

Auch wenn dieser Sommer bislang wirklich erträglich war und es nur wenige Tage gab, die so richtig heiß waren, fühle ich mich gerade wieder zu müde und gereizt, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Sommer ist einfach nicht meine Jahreszeit, und irgendwann erreiche ich immer den Punkt, an dem ich niemanden mehr sehen und hören mag.

Ich gönn mir also zwei Wochen ohne Blog und Twitter (wobei ich da eine Ausnahme für die Animal-Crossing-Rübengruppe machen werde, denn meine Preise trage ich natürlich weiterhin in die Liste ein und meine Insel steht euch für Käufe und Verkäufe selbstverständlich offen). Ansonsten wird es am 1. August noch meinen üblichen SuB-Beitrag zum Monatsanfang geben, und zum 16. August werde ich für den Lese-Sonntag wieder da sein, aber in der Zwischenzeit gönne ich mir einfach mal wieder etwas Offline-Zeit.

Habt einen schönen Start in den August und bis bald! 🙂

RaShelle Workman: Undercover Reaper (Eerie Valley Supernaturals 1)

„Undercover Reaper“ von RaShelle Workman ist noch ein Titel, über den ich gestolpert bin, als ich eine Liste mit (kostenlosen und 99-Cent-)Urban-Fantasy-Angeboten durchgeschaut hatte. Und ich muss zugeben, dass ich das erste Drittel dieses Romans wirklich nett und unterhaltsam fand, obwohl sich die Autorin nicht besonders viel Mühe gegeben hat, um einen einigermaßen glaubwürdigen Hintergrund für ihre Urban-Fantasy-Geschichte zu schaffen. Die Handlung dreht sich um die Polizistin Faith Ghraves, die seit einigen Monaten in der kleinen Stadt Eerie Valley (in der Nähe von Los Angeles) arbeitet. Aktuell ermittelt sie in einem Serienmörder-Fall, für den sie undercover als Stripperin arbeiten soll, und hilft nebenbei ihrem Partner Steve, den Fall eines verschwundenen Kindes zu lösen. Faith hat von ihren verstorbenen Eltern genügend Geld geerbt, um sich ein Haus in der Stadt zu kaufen, kommt in der Regel ganz gut mit ihren Kollegen aus und hat vor einiger Zeit entdeckt, dass sie übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Genau genommen bezeichnet sich Faith als „Reaper“ und beschreibt ihre Aufgabe damit, dass sie die Seelen von Toten auf ihren Weg bringt. Allerdings entdeckt Faith im Laufe der Geschichte schnell weitere Fähigkeiten, so dass sie vergangene Erlebnisse von Personen sehen kann, wenn sie diese berührt, oder von Personen in Not träumt, denen sie dann anscheinend helfen soll.

Außerdem gibt es einen wunderschönen halbnackten Mann, der regelmäßig vor ihrer Haustür auftaucht und ihr Hinweise zur Ermordung ihrer Eltern gibt oder sie auffordert, ihre Fähigkeiten „richtig“ anzuwenden. Und weil es ja zu einfach wäre, wenn er ihr sagen würde, was Sache ist, muss sie Stück für Stück seine (in der Regel unausgesprochenen) Erwartungen erfüllen, um weitere Informationen zu bekommen. Auch scheint Faith nicht die einzige Person in der Stadt zu sein, die übernatürliche Fähigkeiten hat, aber da natürlich niemand über so etwas redet, kann man das als Leser nur anhand der diversen Anspielungen (und Mordfallauflösungen) erahnen. Das alles hätte ich zwar nicht wirklich gut, aber zumindest sehr unterhaltsam gefunden, wenn nicht nach dem ersten Drittel ständig irritierende „technische“ Fehler aufgetaucht wären. Immer häufiger gab es Sätze, in denen statt „ich“ „sie“ verwendet wurde, wobei der Wechsel auch mitten im Satz vorkommen konnte, was immerhin den Vorteil hatte, dass ich mich dann nicht fragen musste, ob die Autorin da beim Perspektivwechsel nur vergessen hatte, etwas zu ändern, oder ob ich mich da auf eine Art gespaltene Persönlichkeit einlassen sollte.

Während die gesamte Handlung (theoretisch) aus der Sicht von Faith erzählt wird, gibt es ab der Hälfte des Romans auf einmal ein Kapitel, das aus der Perspektive von ihrem Partner Steve geschrieben wurden, und ein weiteres am Ende des Romans (das aus dem Blauen heraus auf einmal lauter Hintergründe erklärt) aus der Sicht von FBI-Agent Lucas Mackey. Dieser Wechsel ist nicht nur vollkommen überraschend, sondern bringt bei Steves Kapitel auch keinerlei Mehrwert für den Leser. Es ist verwirrend, weil auf einmal Dinge, die in der ersten Hälfte des Buchs ganz klar gesagt wurden, aus Steves Perspektive um gegensätzliche oder zumindest widersprüchliche Elemente ergänzt werden. Bei Lucas‘ Kapitel hingegen habe ich mich gefragt, wieso die Autorin diese Details nicht schon früher mal eingeflochten oder zumindest angedeutet hat. Auch Faith selbst wirkt in dieser zweiten Hälfte als Charakter deutlich unrunder und unstimmiger (also zusätzlich zu den Sachen, die schon zu Beginn der Geschichte nicht so unglaublich gut ausgearbeitet waren). Das letzte Viertel von „Undercover Reaper“ habe ich dann eigentlich nur noch gelesen, weil ich wissen wollte, wie schlimm das Ganze noch werden könnte (und ich kann versichern, dass es definitiv nicht besser wurde)!

Weil ich mich dann so geärgert habe, dass so etwas veröffentlicht wird, habe ich angefangen, ein bisschen zu recherchieren, und herausgefunden, dass RaShelle Workman vor fünf Jahren einen Roman mit dem Titel „Undercover Empath – Kindred Demon“ veröffentlicht hatte, dessen Protagonistin zwar erst neunzehn Jahre alt ist, Rose Hansen heißt und in Blush Valley lebt, dessen Inhaltsangabe aber ansonsten deckungsgleich mit „Undercover Reaper“ ist. So ermittelt Rose nicht nur als Polizistin in einem Serienmord, wofür sie als Stripperin auftreten muss, sowie in einem Fall mit einem verschwundenen Kind (wobei ihr Partner dieses Mal Jack heißt), sondern auch ihr erscheint ein halbnackter Typ, der ihr Informationen zum Mord an ihren Eltern gibt und sie auffordert, ihre (Empathie-)Fähigkeiten zu nutzen. Selbst wenn „Undercover Empath“ noch zu kaufen gewesen wäre, hätte ich mir die Geschichte nicht angetan, aber ich bin mir sicher, dass RaShelle Workman nur ein älteres Buch umgeschrieben hat, um mit „Undercover Reaper“ eine Neuveröffentlichung vorzuweisen zu haben. Dagegen spricht ja grundsätzlich nichts, wenn es denn auch dementsprechend von der Autorin kommuniziert wird, vor allem, da die überarbeitete Fassung – soweit ich das nach dem mir vorliegenden Roman beurteilen kann – wirklich deutlich besser hätte werden können, wenn die Überarbeitung sich nicht nur auf das erste Drittel des Buchs beschränkt hätte. So hingegen finde ich es geradezu eine Unverschämtheit gegenüber dem Leser, dass sie den Text in diesem Zustand veröffentlicht hat.

Zoe Chant: Timber Wolf (Virtue Shifters 1)

„Timber Wolf“ von Zoe Chant (das ist ein Gruppen-Pseudonym – in diesem Fall ist die Autorin C.E. Murphy) ist der erste Band einer neuen Reihe, die sich um mehrere Gestaltwandler in der kleinen Stadt Virtue dreht. Ich muss zugeben, dass ich momentan anscheinend eine Schwäche für Bücher habe, in denen nicht viel passiert (wie schon in „A Magical Inheritance“). Denn wenn man die Handlung in „Timber Wolf“ zusammenfassen will, reicht es zu sagen, dass sich die Geschichte um Mab Brannigan dreht, die gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn in ein geerbtes Farmhaus gezogen ist, um dann festzustellen, dass das Gebäude dringend restauriert werden muss, um bewohnbar zu sein. Bevor sie jedoch die dringendsten Dinge in Angriff nehmen kann, verschwindet der engagierte Handwerker mit ihren wenigen Ersparnissen. Zum Glück kehrt zu diesem Zeitpunkt der Gestaltwandler Jake Rowly nach Virtue zurück, wo er aufgewachsen ist. Jake ist nicht nur Tischler, sondern auch auf der Suche nach einer Unterkunft, so dass er und Mab sich darauf einigen, dass er ihre Scheune bewohnen kann, während er ihr hilft, das Haus wieder in Ordnung zu bringen.

Das ist im Prinzip die gesamte Handlung. Jake wohnt in der Scheune und renoviert das Haus, Mab arbeitet in ihrem Job, kümmert sich um ihren Sohn Noah und hilft in ihrer „freien“ Zeit Jake mit den Handwerksarbeiten. Das Ganze erstreckt sich über mehr als fünf Monate, und in diesen fünf Monaten lernen sich die beiden sehr gut kennen und lieben. Natürlich gibt es noch ein kleines bisschen Ärger mit einem örtlichen Makler, der Mabs Grundstück kaufen will, und auch ihr Ex-Freund, der der Vater von Noah ist, taucht kurz noch einmal auf, aber das ist eigentlich gar nicht relevant. Die Autorin konzentriert sich auf die sehr langsam ablaufende Liebesgeschichte zwischen Mab und Jake, die sich zwar auf den ersten Blick anziehend finden, aber beide gute Gründe haben, es erst einmal bei einer Freundschaft zu belassen. Das führt zu einigen sehr niedlichen und amüsanten Szenen und zu sehr vielen Momenten, in denen Jake zeigen kann, dass er kein Problem damit hat, wenn eine Frau für sich selbst einsteht, Entscheidungen trifft und eben keine Hilfe von einem großen, männlichen Typen haben will, nur weil der zur Verfügung steht.

Abgesehen von ein paar winzigen Szenen, in denen Jake in Wolfsform agiert, und diversen (unterhaltsamen) Dialogen zwischen Jake und seinem Wolf spielt es eigentlich auch keine Rolle, dass Jake ein Gestaltwandler ist. Ich fand es wunderbar erholsam, dass die Tatsache, dass Jake sich in einen Wolf verwandeln kann, überhaupt kein Drama hervorruft und so gut wie kein Thema in der Geschichte ist. Diese Fähigkeit ist angeboren und hindert ihn in keiner Weise daran, ein ganz normales Leben zu führen, seinem Handwerk nachzugehen, Liebeskummer zu haben oder einen gemütlichen Abend mit Kochen zu verbringen. Auch Mab fand ich als Figur sehr sympathisch. Sie zeigt zwar regelmäßig Unsicherheiten (dank einer früheren toxischen Beziehung, die ihr einiges an Selbstbewusstsein genommen hat), aber sie steht trotzdem auf eigenen Beinen, kümmert sich allein um all ihre Probleme und scheut auch vor Auseinandersetzungen nicht zurück. Dabei passiert es schon mal, dass sie eine falsche Entscheidung trifft, aber auch das ist kein Drama in diesem Roman, sondern eben etwas, das halt passiert und mit dem man dann umgehen muss.

Wenn ich einen Kritikpunkt an „Timber Wolf“ suchen müsste, dann ist es die Tatsache, dass die beiden Protagonisten ein bisschen sehr oft in Gedanken an den (nicht nur körperlichen!) Vorzügen des anderen hängen. Da die Handlung aber nun über mehrere Monate geht und es sehr lange dauert, bis die beiden sich näherkommen, gibt es eben auch viel Raum für solche Passagen. Aber grundsätzlich hat mich das nicht gestört, weil ich diese dramafreie Geschichte, den respektvollen Umgang zwischen Mab und Jake und all die hübschen kleinen Szenen mit den verschiedenen (Neben-)Charakteren so nett, unterhaltsam und erholsam fand. Erholsam ist, glaube ich, wirklich das passendste Wort für diesen Roman. Ich freue mich jetzt schon darüber, dass davon eine ganze Reihe angekündigt wurde, die in Virtue spielen wird, weil ich mir sicher bin, dass ich auch in Zukunft immer wieder Bedarf an erholsamen und wohltuenden Lesestunden haben werde. Und wenn ich dann mehr über die bislang kennengelernten Nebencharaktere in dieser Geschichte erfahren werde, ist das umso schöner.

Lese-Sonntag im Juli 2020

Um beim inzwischen schon traditionellen Anfang zu bleiben: Heute ist wieder der dritte Sonntag im Monat und somit Lese-Sonntag! Bei uns ist in der vergangenen Woche der Alltag zurückgekommen, nachdem mein Mann wieder Vollzeit in der Firma sein muss (obwohl die meisten Kollegen noch ein paar Wochen verkürzte Arbeitszeiten haben *seufz*). Für mich bedeutet dies etwas mehr „frei verfügbare“ Zeit, aber das auch nur theoretisch, denn in den vergangenen Monaten ist doch einiges liegengeblieben, was ich nun aufholen möchte. Heute gönne ich mir aber einen entspannten Tag und das bedeutet, dass ich möglichst viel Zeit mit Lesen und Spielen verbringen will. Genau genommen mit „Animal Crossing“ denn für „Gloomhaven“ ist es in unserer Wohnung nach zwei 30-Grad-Tagen schon wieder zu warm. In den Tag starte ich aber erst einmal mit dem Abwasch von gestern und dann mit „The Jumbie God’s Revenge“ von Tracey Baptiste, dem dritten und (vorerst?) letzten Band rund um Corinne und die Jumbies.

Update 11:00 Uhr

Die Stunden seit dem Aufstehen sind gut rumgegangen … *g* Das Geschirr von gestern Abend ist abgewaschen, die Küche aufgeräumt, meine nächtliche Timeline aufgelesen und Zeit mit den Jumbies habe ich auch schon verbracht. Ich mochte die ersten beiden Romane von Tracey Baptiste schon sehr und der zweite gefiel mir noch besser als der Auftaktband der Reihe, aber ich finde es traurig zu sehen, wie unsicher und ängstlich Corinne zu Beginn von „The Jumbie God’s Revenge“ ist. Ihr Mut war zwar einer der Hauptgründe dafür, dass sie in der Vergangenheit ständig in Schwierigkeiten geriet, aber er war eben auch eine ihrer hervorstechensten Charaktereigenschaften. Noch bin ich ziemlich am Anfang der Geschichte und ich hoffe sehr, dass sie ihr Selbstbewusstsein und ihre Tapferkeit bald wiederfindet … Ansonsten habe ich einige Zeit mit „Animal Crossing – New Horizons“ verbracht, da wir Sonntagsmorgens uns immer als Gruppe austauschen, um Rüben zu schauen, auf welcher Insel Rüben am günstigsten gekauft werden können. Das macht das Spekulieren mit Rüben nicht nur deutlich einfacher, sondern ist auch immer lustig, wenn wir als Gruppe auf einer Insel rumflitzen und uns über alle möglichen Sachen austauschen. Jetzt greife ich aber erst einmal wieder zum Buch … 🙂

Update 14:00 Uhr

Ursprünglich wollte ich zum Frühstück lesen, aber dann habe ich doch lieber mit meinem Mann ein Video über das Nähen eines viktorianischen Ballkleids geschaut. Und da mein Mann danach noch ein weiteres Video schauen wollte, das mich nicht interessierte, aber zu laut war, um nebenbei zu lesen, habe ich meine Planung für die kommende Woche angefangen. Der Essensplan für die Woche vom 25. bis 31. Juli steht auch schon, jetzt muss ich nur noch das dafür benötigte Gemüse beim Händler bestellen. (Die Tatsache, dass ich die Bestellung Anfang der Woche aufgeben muss und Freitags die Bio-Kiste bekomme, ist auch der Grund dafür, dass ich so weit im Voraus plane und mein Essensplan von Samstag bis Freitag geht. *g*) Ein paar Seiten habe ich aber dann doch noch auf einer karibischen Insel verbracht, die gerade von einem Hurrikane heftig getroffen wurde. Die Autorin Tracey Baptiste hat das Buch ihre karibischen Familienmitgliedern gewidmet, die „displaced by extreme weather“ sind. Ich fürchte, Corinne wird sich dieses Mal nicht mit einem mächtigen Jumbie, sondern gleich mit einem Gott anlegen müssen … Bevor ich mich aber wieder in die Karibik begebe, besuche ich erst einmal meinen Mann auf seiner Insel, denn da warten nicht nur blaue Rosen darauf, dass ich sie gieße, sondern auch ein Nachbar, der eine Anleitung bastelt, die ich noch nicht kenne. 😉

Update 17:20 Uhr

Nach dem letzten Update bin ich erst einmal wieder bei „Animal Crossing“ rein und habe Zeit auf den Inseln von meinem Mann und Sayuri verbracht. Weil da die Stunden immer so fliegen und ich nebenbei noch mehrmals in die Küche flitzen musste, bin ich im Spiel geblieben bis es Zeit war Kuchen zu essen. 😉 Genau genommen habe ich neben dem Spielen ein sehr kleines Fladenbrot gebacken, das wir heute als Beilage zum Abendessen essen wollen, und dann die Wärme vom Ofen genutzt, um einen Rhabarber-Clafoutis anzuwärmen, den ich gestern Abend aus dem Tiefkühler geholt hatte. Nach dem Kuchen habe ich meine Nase wieder in „The Jumbie’s God Revenge“ gesteckt und mit Corinne, ihrem Vater, ihren Freunden und Nachbarn mitgelitten, da ihre Insel nun schon seit mehreren Tagen von Hurrikanen heimgesucht wird. Inzwischen weiß Corinne, dass der Gott Huracan Schuld an den verheerenden Unwettern ist, aber noch hat sie keine Ahnung, wie sie den Zorn des Gottes besänftigen soll. Außerdem haben Bouki und Malik Familienangehörige gefunden, denen Corinne (ebenso wie ich *g*) misstraut. Ich bin mir sicher, dass ich den Roman heute noch beenden werde, auch wenn ich noch nicht weiß, wann das heute sein wird.

Update 21:00 Uhr

Mein Buch habe ich seit dem letzten Update ausgelesen – ich mag die Reihe so sehr und finde, dass sie mit jedem Band besser wird. Allerdings war das wohl wirklich der letzte Teil rund um Corinne und die Jumbies, was so wie es am Ende ist auch rund und stimmig ist, auch wenn ich gern noch mehr davon lesen würde. Dadurch, dass ich nur noch eben den Roman beenden wollte, ist es ein bisschen später mit dem Kochen geworden als geplant. Und so sind wir gerade erst mit der London-Folge der aktuellen Staffel von „Somebody Feed Phil“ fertig geworden – wir heben uns diese Folgen regelrecht auf, weil wir die Sendung so erholsam finden und es so wenige Folgen pro Staffel gibt. *g*

Rührei mit Frühlingszwiebeln und Feta und dazu etwas Fladenbrot.

Das war hier mein letztes Update für heute. Ich werde nur noch ein bisschen „Animal Crossing“ spielen und dann früh ins Bett gehen. Die To-do-Liste für die kommende Woche ist voll und da sollte ich nicht übermüdet in den Montag starten. 😉 Ich hatte heute wieder einen gemütlichen Tag und habe mich sehr darüber gefreut, dass mir Sayuri beim Lese-Sonntag Gesellschaft geleistet – und eine Runde „Animal Crossing“ mit mir gespielt hat!

***

Heutige Mitleserin:

Sayuri

Y. S. Lee: A Spy in the House (The Agency 1)

Über die Autorin Y. S. Lee bin ich in der „The Underwater Ballroom Society“-Anthologie gestolpert, und da mir ihre Kurzgeschichte „Twelve Sisters“ so gut gefiel, habe ich nach anderen Veröffentlichungen von ihr Ausschau gehalten. „A Spy in the House“ ist der Debütroman der Autorin, und mir hat die Geschichte rund um die siebzehnjährige Mary, die mit zwölf Jahren zum Tod durch den Galgen verurteilt wurde und stattdessen eine neue Identität und eine Ausbildung als Spionin bekam, sehr gut gefallen. Marys erster Auftrag führt sie in den Haushalt des Händlers Thorold, der unter dem Verdacht steht, aus Indien und China geschmuggelte Waren unterschlagen und seine Schiffe fälschlich als verloren gemeldet zu haben. Mary weiß nicht, wer den Auftrag erteilt hat, und als Anfängerin im Geschäft soll sie nur die Vorgänge in der Familie beobachten und alle verdächtigen Informationen an ihre Vorgesetzte weiterleiten. Doch natürlich möchte Mary beweisen, dass sie gut genug für diesen Job ist, und so beginnt sie, ihre Nase aktiver in die Angelegenheiten der Thorolds zu stecken, und entdeckt so einige schmutzige Geheimnisse.

Mir hat es sehr gut gefallen, dass Marys Charakter eine glaubwürdige Mischung aus Stärken und Schwächen aufweist, die dafür sorgen, dass sie immer wieder zwischen Überschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten und Zweifeln an diesen schwankt. So findet sie zwar einige Dinge über die Familie Thorold heraus, indem sie ihre „nur beobachten“-Anweisung missachtet, stört damit aber auch die Ermittlungen ihrer (ihr unbekannten) erfahreneren Kollegin. Aber nicht nur Marys Darstellung hat mir gefallen, sondern auch die verschiedenen Nebencharaktere, die selten ins Stereotypische abgleiten und dafür im Laufe der Handlung Facetten zeigen, die sie stimmig und realistisch wirken lassen. So bekommt man die Geschichte nicht nur aus der Sicht von Mary erzählt, sondern auch aus der Perspektive von James Easton, der aus ganz eigenen Gründen versucht, mehr über die Geschäfte von Mr. Thorold herauszufinden.

Ebenso beeindruckend wie die Charaktere waren die atmosphärischen Beschreibungen von Y. S. Lee rund um das alltägliche Leben im Jahr 1858 in London, inklusive des Einflusses der Themse (und ihrer Verschmutzung) auf das Klima und die aktuellen Großbaustellen der Stadt. Die Autorin streift in „A Spy in the House“ die unterschiedlichsten Themen vom Leben in einem finanziell gut gestellten bürgerlichen Haushalt über die Lebensumstände einer Familie in ärmeren Verhältnissen und das Leben von ausländischen Seemännern in London bis zur Höhe von Bestrafungen für (kleinere) Verbrechen. Marys „verbrecherische“ Karriere, ihre überraschende Aufnahme in die Agency und ihre Herkunft bieten dabei für Y. S. Lee viele Ansatzpunkte, um all diese Aspekte natürlich in die Handlung einfließen zu lassen. Außerdem hat mich die Autorin immer wieder mit humorvollen Szenen überrascht, die ich an diesen Stellen der Handlung so nicht erwartet hätte, die mich aber wunderbar unterhalten haben.

Auch der Krimianteil in „A Spy in the House“ ist solide konstruiert und mit genügend Nebensträngen versehen, so dass man schön mitraten (und sich stellenweise in die Irre führen lassen) kann. Die Identität des „großen Bösewichts“ fand ich zwar am Ende nicht so überraschend, aber die Aufdeckung – inklusive des klassischen Geständnisses gegenüber dem nächsten Opfer – war gut genug geschrieben, dass ich damit definitiv nicht unglücklich war. Insgesamt bin ich mehr als zufrieden mit dem Roman und freu mich sehr, dass die Reihe rund um Mary und „The Agency“ vier Bände umfasst, so dass ich mich auf drei weitere Bücher freuen kann, die mir hoffentlich ebenso unterhaltsame Lesestunden bereiten wie der Auftaktband.

Von Hexen, Sex und Logik-Lücken!

Ich gebe zu, dass ich nicht soooo viel Logik erwarte, wenn ich einen Urban-Fantasy-Roman lese, der anscheinend nichts anderes sein soll als eine seichte Liebesgeschichte mit einem fantastisch angehauchten Setting. Und etwas in der Art hatte ich nach dem Lesen der Inhaltsangabe von „Wicked Good Witches (Supernatural Protectors – A Legacy of Magic Books 1-3)“ von Ruby Raine erwartet – auch wenn zu Beginn des Sammelbands darauf hingewiesen wurde, dass die Handlung „strong language and adult content“ enthält und das Buch deshalb nur von Personen, die älter als 18 Jahre sind, gelesen werden sollte. *g* Das eBook gehört zu einem ganzen Haufen von Titeln, die ich vor Kurzem auf einer Liste mit kostenlosen (bzw. 99 Cent kostenden) Fantasybüchern rund um Hexen gefunden und deshalb auf meinen eReader geladen habe. Dieser Sammelband beinhaltet die drei Geschichten „Magic, Blood, and Bone“, „The Fallen Shifter“ und „Mermaid Sisters Screaming“m und alle drei Titel zusammen kommen gerade mal auf 357 Seiten. Außerdem sind die Geschichten so geschrieben, dass sie sich theoretisch schnell und flüssig lesen lassen, wenn ich nicht immer wieder innegehalten hätte, weil ich so genervt von der Handlung und den Charakteren war.

Um mehr auf Details eingehen zu können, sollte ich vermutlich erst einmal etwas zur Grundidee dieser Reihe erzählen. Die Handlung spielt auf einer Insel, deren Bewohner ebenso wie die örtliche magische Kraftquelle von der Familie Howard beschützt werden. Dabei besteht die Familie aktuell nur noch aus Charlie, Michael und Melinda sowie dem über 400 Jahre alten Vampir William Wakefield. Die Eltern der drei Geschwister sind vor vier Jahren spurlos auf der Insel verschwunden – vermutlich waren sie zu dem Zeitpunkt auf der Suche nach der Magiequelle. Ein Großteil der Inselbewohner hat – ebenso wie fast alle Touristen – angeblich keine Ahnung, dass Magie überhaupt existiert, auch wenn die Kraftquelle der Insel Magie-beherrschende und/oder übernatürliche Bewohner und Besucher … äh … magisch anzuziehen scheint. Die Howards haben nun den ererbten Job, dafür zu sorgen, dass keine Menschen durch übernatürliche Wesen zu Schaden kommen, niemand die Kraftquelle für böse Zwecke nutzt und außerdem helfen sie dem örtlichen weiblichen Sheriff bei den Ermittlungen.

Fangen wir an mit den Charakteren: Charlie ist nicht nur – wie jeder Howard – von Geburt an eine Hexe, sondern auch ein Werwolf, da er vor zehn Jahren von einem weißen Alpha-Wolf gebissen wurde. Seltsam an diesem weißen Werwolf war, dass er 1. nur zu diesem einen Zeitpunkt auf der Insel auftauchte, 2. es eigentlich auf Charlies Vater abgesehen hatte und 3. sich in einen Wolf verwandeln und jemand anderen mit dem Werwolftum anstecken konnte, obwohl kein Vollmond war. Charlie ist pflichtbewusst, sorgt sich um seine jüngeren Geschwister und kämpft jeden Tag darum, den Wolf in sich nicht Überhand nehmen zu lassen. Der Wolf ist auch der Grund dafür, weshalb Charlie keine Beziehung haben kann, denn er könnte ja aus Versehen jemanden beim Sex beißen und den Fluch so weitergeben, oder sein Wolf könnte jemanden in einem hemmungslosen Moment umbringen …

Michael ist ebenfalls eine Hexe – seine Magie besteht darin, dass er nicht nur die Gefühle (fast) aller Personen um sich herum wahrnehmen kann, er kann auch die letzten Momente eines Verstorbenen sehen/nacherleben und weiß dadurch Dinge über Tote, die … äh … die Handlung weiterbringen oder auch nicht – je nachdem, wie es der Autorin passt. Seine Empathie kann anscheinend nur durch Bösewichte und Vampire geblockt werden, was sie zu einem überraschend unzuverlässigen Werkzeug für Michael und einem sehr nützlichen Instrument für die Autorin macht … Die 21jährige Melinda hingegen ist als Hexe auf prophetische Träume spezialisiert, und weil sie sich Vorwürfe macht, dass sie das Verschwinden ihrer Eltern nicht vorhergesehen hatte (bzw. damals ihren Albtraum nicht als Prophezeiung erkannte), hat sie in den vergangenen vier Jahren das Haus angeblich nicht verlassen. Trotzdem hat sie es irgendwie fertiggebracht (definitiv außerhalb des Hauses!), ein paar Dates mit unsympathischen Männern zu haben, aber dazu kommen wir später … Zuletzt gehört noch der sexy Vampir William zur Familie, da er sich vor einigen Generationen als Hüter der Howards verpflichtet hat, um Buße für seine (nicht näher benannten) Taten zu tun. Abgesehen davon, dass er und Melinda sich in Gedanken gegenseitig ansabbern, scheint seine Aufgabe darin zu bestehen, als Wachhund zu fungieren … Manchmal darf er auch sein extrascharfes Gehör oder seine jahrhundertealten Erinnerungen einsetzen, aber zu viel sollte man davon nicht erwarten.

Und dann gibt es noch Nebencharaktere – genau genommen Sheriff Mack, die Buchhändlerin Emily und die Cafébesitzerin Grace. Weitere Bewohner der Insel gibt es, da die Straßen ständig überfüllt sind, und das nicht nur mit Touristen – aber sie haben anscheinend alle keinen Namen oder zumindest kennen die drei Geschwister die Namen der Personen nicht, mit denen sie gemeinsam auf der Insel aufgewachsen sind. Sie wissen auch nicht, ob jemand über Magie und die Rolle, die die Howards auf der Insel spielen, Bescheid weiß oder nicht, weshalb sie jedes Mal total überrascht sind, wenn jemand sie darauf anspricht oder gar erzählt, dass die Eltern der drei ihnen mal bei einem magischen Problem geholfen haben. Es gibt auch keine Freunde in ihrem Leben, wenn man von Emily absieht, die gleichzeitig Melindas beste Freundin und Michaels große Liebe ist. Als Nebenfigur sorgt nicht einmal die Tatsache, dass die Figur einen Satz oder eine Szene in der Geschichte bekommt, dafür, dass sie einen Namen (oder gar so etwas wie Charakter) bekommt. Was es für den Leser umso einfacher macht, eventuelle „überraschende“ Enthüllungen in der Handlung vorherzusagen, sobald dann doch mal eine Figur mit einem eigenen Namen auftaucht. (Spoiler: Wir haben es dann mit dem Bösewicht oder mit dem nächsten Opfer der Geschichte zu tun – letztere dürfen zwischendurch auch mal als Liebhaber/in herhalten!)

Was mich zum Sex bringt: In „Magic, Blood, and Bone“ hatte ich das Gefühl, dass alle nur an Sex denken konnten. Egal, ob es sich um die vor einigen Wochen von einem überaus unsympathischen Typen frisch entjungferte Melinda handelt, deren heiße Träumen vom sexy Vampir William handeln, oder um Werwolf-Charlie, der natürlich grundsätzlich seinen Gelüsten nicht nachgeben kann, um William, der keine Ahnung hat, was er da überhaupt fühlt, oder um Michael, der einfach grundsätzlich kein Kostverächter ist und der seiner einzigen wahren Liebe aus ziemlich bescheuerten Gründen nicht seine Gefühle gestehen kann: Sie alle denken ständig an Sex (oder fragen sich, warum sie sich so seltsam fühlen, was bei dieser Autorin auch irgendwie auf Sex hinausläuft). Aber so viel auch alle an Sex denken, keiner hat in diesem ersten Band welchen!

In „The Fallen Shifter“ hingegen fühlt es sich an, als ob alle hemmungslos Sex mit ihnen so gut wie unbekannten Personen hätten. Und natürlich ist dieser Sex immer perfekt, was besonders für Melinda überraschend ist, da ihr erstes Mal so unangenehm war, weil sie ihre Jungfräulichkeit endlich loswerden wollte und deshalb mit dem ersten Typen ins Bett gegangen ist, der dazu bereit war. Die „ich bin 21 und muss endlich entjungfert werden“-Haltung hat mich gelinde gesagt geärgert – darf man als Jungfrau keine heißen Träume oder gar Sex mit einem Unbekannten haben? Oder brauchte die Autorin einen Grund für all die nervigen „ich wusste gar nicht, dass Sex sich so gut anfühlen kann/dass Männer so nett sein können“-Gedanken von Melinda? Die einzigen, die keinen Sex haben, sind die beiden Personen, die in „Magic, Blood, and Bone“ gerade zueinander gefunden haben. Dieses Pärchen muss sich leider auf Händchenhalten und keusche Küsse beschränken, und wenn dann doch mal ein Moment kommt, in dem deutlich wird, dass sie gern Sex hätten, dann kommt irgendein magischer Notfall dazwischen …

Verhütung, Krankheiten oder ähnliches spielen in der Geschichte selbstverständlich keine Rolle – ich bin mir sicher, dass die Magie das schon automatisch regelt … oder so … Allerdings fragt sich Melinda am Ende des dritten Bandes kurz, ob der hemmungslose Sex, den sie mit einem Typen hatte, den sie gerade mal eine halbe Stunde kannte, wohl Folgen gehabt haben könnte. Charlies Wolf scheint außerdem Sex mit Zerfleischen gleichzusetzen, weshalb er nicht nur ausführliche Szenen spendiert bekommt, als Charlie dann doch mal mit einer (durch einen magischen Ring geschützten) Person Sex haben kann, sondern Charlie sich auch sonst den ganzen Tag Sorgen um die mörderischen Triebe seines Wolfes machen muss, wenn es um Frauen geht, die er anziehend findet. Ich würde Ruby Raine gern mal eine Wolfsdoku vor die Nase halten oder zumindest fragen, welche Hintergründe sie sich eigentlich für ihre seltsamen Werwölfe vorgestellt hat, denn diese Mischung aus „alle Werwölfe in der Geschichte haben ihren Wolf voll unter Kontrolle“ und „der Wolf im Werwolf ist unglaublich aggressiv und will nichts anderes als andere Lebewesen zerfleischen“ funktionierte für mich definitiv nicht.

Die Magie scheint auch keinen genauer definierten Gesetzen zu gehorchen – oder um es direkt zu sagen: Ruby Raine passt ihre Magie den Bedürfnissen ihrer Handlung an. Magie ist einfach da und kann irgendwie durch Tränke genutzt werden oder zeigt sich in bestimmten Spezialfähigkeiten, die aber nicht jeder hat – wie sich an Charlie zeigt, der halt nur ein Tränke brauender Werwolf ist. Tränke sind anscheinden grundsätzlich für alle Personen gefährlich/tödlich, die kein Hexenblut haben. Auf der anderen Seite sorgt einer dieser Tränke dafür, dass die anderen Inselbewohner irgendwie nicht mitkriegen, dass William seit Generationen auf der Insel lebt und sich nicht verändert. Wobei es doch einige Leute gibt, die wissen, dass William ein Vampir ist und auf die demnach – so kann ich nur vermuten – dieser Trank nicht wirkt. Und die berühmte Magiequelle der Insel ist so bekannt, dass alle möglichen Magie-interessierten Personen auf die Insel kommen (also neben dem üblichen Tourismus), aber niemand weiß, wo diese Kraftquelle ist, nicht einmal die Familie Howard, die doch diese verflixte Quelle eigentlich beschützen soll. Oh, und dann gibt es noch die Szenen, in denen Michael Energiebälle abschießt, ohne dass der Leser erklärt bekommt, ob das eine weitere seiner Sonderfähigkeiten ist oder ob das jeder Magienutzer kann – und wenn Letzteres der Fall sein sollte, wieso nutzen Charlie und Melinda dann keine Energiebälle?

Wenn ich allerdings bedenke, wie wenig die in den Schutz der Insel involvierten Personen zu denken scheinen, dann ist es vielleicht kein Wunder, dass die magische Kraftquelle noch nie gefunden wurde. Sheriff Mack (die ich an sich nicht unsympathisch finde) ruft anscheinend lieber Michael zu Hilfe, statt normale Ermittlungsmethoden anzuwenden, um eine Leiche zu identifizieren. Rätselhafte Substanzen, die für einen Magieboost bei gefährlichen Kreaturen sorgen, werden zwar zur Untersuchung mitgenommen, aber dann nicht näher angeschaut. Die Leiche eines übernatürlichen Wesens wird mal eben einem vollkommen unbekannten Mann überlassen, nur weil dieser ein Buch über Magie veröffentlicht hat. Und es kommt niemandem in den Sinn, dass das Wiederauftauchen des weißen Alpha-Wolfes und die weißhaarige Touristin, die ständig in gefährlichen Situationen landet und auf die Charlies Wolf aggressiv/leidenschaftlich reagiert, irgendwie in Verbindung stehen könnten. Und obwohl angeblich kaum einer der Insebewohner von der Aufgabe der Howards weiß, wissen alle über die in „Mermaid Sisters Screaming“ eingeführte „unsere Familien waren vor 70 Jahren verfeindet, wir können euch nicht trauen“-Fehde zwischen den Howards und einer anderen magiewirkenden Familie Bescheid. Das Ganze hat dann – neben der Tatsache, dass ich solche Familien-Streitigkeiten als großes Hindernis zwischen „Liebenden“ wirklich ätzend finde – dafür gesorgt hat, dass ich am Liebsten den eReader aus dem Fenster geworfen hätte.

Lustigerweise hätte ich über so einige Dinge einfach hinweggehen können, wie zum Beispiel die Frage, wie die Howards und William eigentlich ihren Lebensunterhalt verdienen, wie groß diese Insel eigentlich ist, wenn der Sheriff gleich mehrere Deputies benötigt oder man längere Strecken mit dem Motorrad fahren kann, aber auf der anderen Seite in kürzester Zeit zu Fuß jede Stelle am Strand erreichen kann, an der gerade ein Notfall ist. Aber je häufiger ich über einen Widerspruch stolperte oder etwas unlogisch fand, desto häufiger habe ich mich dann auch im Rückblick über etwas geärgert, das ich sonst so hingenommen hätte. Und ich kann nicht mal sagen, dass das Ganze besser geworden wäre, wenn Ruby Raine pro Band mehr als 120 Seiten für die Handlung verwendet hätte. Denn all diese ärgerlichen Elemente liegen nicht an der Kürze der Geschichten, sondern daran, dass sich die Autorin anscheinend keinerlei Mühe mit ihrem Weltenbau, der Ausarbeitung ihrer Figuren oder gar mit der Einarbeitung überraschender oder spannender Wendungen in ihre Handlung gegeben hat. Und während ich anfangs noch die Hoffnung hatte, es würde besser werden, wenn die Autorin erst einmal in die Geschichte reinfindet und dann vielleicht etwas mehr aus ihrer an sich netten Grundidee macht, so war ich am Ende einfach nur noch genervt von der Vorhersagbarkeit, der Ideenlosigkeit und all den Logiklücken in der Handlung.

Tracey Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)

„Rise of the Jumbies“ von Tracey Baptiste ist die Fortsetzung von „The Jumbies“ und auch hier verwendet die Autorin wieder Legenden, die sie in ihrer Kindheit in Trinidad gehört hat, sowie Elemente afrikanischer Legenden. Die Geschichte spielt einige Wochen nach Corinnes Kampf gegen die Jumbie Severine. Für Corinne hat sich seitdem so einiges geändert. Denn jetzt, da ihre Nachbarn wissen, dass Corinnes Mutter eine Jumbie war, wird das Mädchen von vielen mit Misstrauen betrachtet und für die Angriffe der Jumbies verantwortlich gemacht.

Auch ihr Verhältnis zu ihren Freunden Dru, Malik und Bouki wurde durch diese Enthüllung etwas getrübt, denn obwohl sie ihr weiterhin zur Seite stehen, gibt es doch immer wieder Momente, in denen sie Corinnes Absichten zu hinterfragen oder sogar etwas Angst vor ihr zu haben scheinen. Trotzdem könnte das Mädchen sein Leben normal weiterführen, wenn nicht von einem Tag auf den anderen Kinder auf der Insel verschwinden würden. Die Suche nach dem Verantwortlichen für die Entführung der Kinder führt Corinne, Dru, Malik und Bouki in die Tiefen des Meeres, wo sie Mama D’Leau um Hilfe bitten. Doch Mama D’Leau ist nicht nur eine der mächtigsten Jumbies, sie gewährt ihre Hilfe auch nicht, ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen.

So gut mir „The Jumbies“ schon gefallen hatte, so fand ich „Rise of the Jumbies“ noch besser als das erste Buch rund um Corinnes Abenteuer mit den übernatürlichen Wesen. Nachdem Tracey Baptiste im Auftaktband der Reihe die Grundlagen gelegt hat, kann sie in „Rise of the Jumbies“ nicht nur tiefer in karibische und afrikanische Legenden eintauchen, sondern auch mehr Details rund um die Jumbies erzählen. Für Corinne bedeutet die Suche nach den verschwundenen Kindern und die damit verbundenen Abenteuer und Gefahren vor allem eine Suche nach ihrer eigenen Identität. Sie muss für sich herausfinden, was es bedeutet, dass sie zur Hälfte ein Mensch und zur Hälfte eine Jumbie ist, und sie muss einen Weg finden, damit ihre Nachbarn sie so akzeptieren, wie sie ist. Außerdem lernt sie – ebenso wie ihre Freunde – mehr über den Weg, den ihre Vorfahren auf die Insel genommen haben, und was mit denjenigen passierte, die nicht heil auf der Insel ankamen. Dabei flicht Tracey Baptiste kindgerecht, aber nicht beschönigend Details über den Handel mit schwarzen Menschen ein, die von Afrika aus unter schlimmsten Bedingungen in die verschiedenen Kolonien verschifft wurden.

Es gab so einige Szenen in „Rise of the Jumbies“, die mich wirklich berührt haben, und ich mochte es sehr, wie die Autorin immer wieder in ihrer Geschichte auf die Frage zurückkommt, ob „Vergessen“ oder „Erinnern und Auseinandersetzen“ der bessere Weg ist, um mit der Vergangenheit und der eigenen Identität umzugehen. Außerdem muss Corinne angesichts ihrer Herkunft und ihrer Verwandtschaft zu Severine natürlich auch darüber nachdenken, was es bedeutet, eine Familie zu sein und wie weit die Loyalität gegenüber Familienmitgliedern gehen muss, vor allem, wenn diese dir nicht so nahestehen wie andere Menschen, mit denen du nicht verwandt bist.

Mir gefällt es sehr, wie Tracey Baptiste all diese Themen anschneidet, ohne dem Leser dabei einen einfachen Weg zu bieten oder gar zu behaupten, dass es nur eine Lösung für all diese Fragen gibt. Stattdessen gestattet die Autorin dem Leser, sich seine eigenen Gedanken zu machen, mit Corinne und ihren Freunden mitzuleiden und zu hoffen, dass sie sich alle so weiterentwickeln, dass sie am Ende eine Antwort für ihre Fragen und Problemen finden werden. Und trotz all dieser nachdenklich machenden und berührenden Szenen gibt es immer wieder amüsante Dialoge oder Momente, die einen zum Schmunzeln bringen und dafür sorgen, dass die Atmosphäre in „Rise of the Jumbies“ nicht zu trüb wird und die Geschichte einen gut unterhält.

Krista D. Ball: A Magical Inheritance (Ladies Occult Society 1)

Ich muss sagen, ich habe in letzter Zeit wirklich ein gutes Händchen bei der Auswahl meiner Lektüre bewiesen, so auch bei dieser „Mannerpunk“-Geschichte. Krista D. Balls „A Magical Inheritance“ spielt in einem alternativen „Regency England“, in dem Magie bzw. das Okkulte zwar nicht in allen Kreisen gut angesehen, aber doch relativ normal ist. Die Protagonistin Elizabeth Knight ist die älteste Tochter ihrer Familie und zum großen Ärger ihres Vaters mit 28 Jahren noch immer unverheiratet, während er selbst vor einem Jahr zum dritten Mal geheiratet hat. Zu Beginn des Romans erhält Elizabeth die Nachricht, dass ihr Onkel gestorben ist und ihr nicht nur einen großzügigen Geldbetrag, sondern auch 300 Bücher, die Teil seiner okkulten Bibliothek waren, hinterlassen hat. Nur mit großer Mühe erhält sie die Erlaubnis ihres Vaters nach London zu reisen, um ihrer Tante Cass in ihrer Trauer beizustehen und sich um ihr Erbe zu kümmern. Doch als sie bei ihrer Tante ankommt, findet sie mehr als ihre 300 geerbten Bücher vor und muss zusätzlich auch noch feststellen, dass eines der Bücher mit ihr spricht. Genauer gesagt gelingt es Elizabeth unabsichtlich den in dem Buch festgehaltenen Geist einer Mrs. Egerton soweit freizusetzen, dass diese ihr bei ihren Studien des Okkulten beistehen kann.

So seltsam – und vermutlich langweilig – es sich anhört, wenn ich sage, dass sich der Großteil der Handlung darum dreht, dass Elizabeth gemeinsam mit ihrer Tante (und später weiterer Unterstützung durch Freunden) die Sammlung okkulter Bücher ihres verstorbenen Onkels sortiert, katalogisiert und zum Teil verkauft, so unterhaltsam fand ich „A Magical Inheritance“. Elizabeth Situation innerhalb ihrer Familie ist recht unschön (die beste Verbündete scheint Stiefmutter Nr. 2 zu sein, die fünf Jahre jünger als Elizabeth ist,) und gerade deshalb habe ich es genossen sowohl von den langjährigen, also auch von den neuen Freundschaften in ihrem Leben zu lesen. Dazu kommt, dass Elizabeths Leben durch die Erbschaft recht aufgewühlt wird und sie einen Weg finden muss, um ihr Geld vor den gierigen Fingern ihres Vaters zu sichern, ohne ihre Familie gegen sich aufzubringen, da diese ihr trotz aller Vorfälle in der Vergangenheit doch am Herzen liegt.

Neben sehr schön charakterisierten Figuren und amüsanten Dialogen findet man in „A Magical Inheritance“ so einige sehr atmosphärische Beschreibungen der Regency-Zeit. Krista D. Ball hat ihren Abschluss in englischer Geschichte gemacht und das merkt man dem Roman auch an. Elizabeth kommt im Laufe der Handlung mit den verschiedensten Seiten der Lebens in London in Berührung und ich habe selten so stimmige Darstellungen von den Wohn- und Lebenssituationen der verschiedensten Charaktere gelesen. Egal, ob die Protagonistin eine ehemalige Dienstbotin ihres Onkels in einem der Elendsviertel oder einen Händler besucht oder ob sich eine Szene um das Leben im Haus ihrer (sehr wohlhabenden) Tante Cass dreht, es fühlt sich aufgrund der vielen Details realistisch an. Dazu kommt, dass sich Elizabeth und ihre Freundinnen so einige Gedanken um ihre Position als Frau in einer Gesellschaft machen, in der Besitz fast ausschließlich in den Händen von Männern liegt und Bildung (oder gar die Ausübung von Magie) für eine Frau schwer zu erlangen ist. Dabei hatte ich nicht das Gefühl, das diese Frauen mit ihrem Benehmen und Überlegungen unstimmig für die dargestellte Zeit wären, sondern dass die Probleme, die ihnen ihre eingeschränkten Rechte bereiteten, so groß waren, dass sie gar nicht anders konnten als über diese großen Ungerechtigkeiten in ihrem Leben nachzudenken.

So scheut Krista D. Ball in ihrem Roman nicht vor unerfreulichen Themen und erschreckend realistischen Darstellungen der Situation in den Elendsvierteln zurück und schafft es trotzdem eine heitere Geschichte zu schreiben, die ich wirklich gern gelesen habe. Außerdem fand ich es angenehm, dass die Freundschaft zwischen Elizabeth und mehreren anderen Frauen der zentrale „Beziehungspunkt“ in dem Buch war und keine „klassische“ Liebesgeschichte. Es wird zwar erwähnt, dass es mal einen Mann in ihrem Leben gab, aber insgesamt ist eine Beziehung oder gar eine Heirat für die Protagonistin zu diesem Zeitpunkt kein Thema. Dies wiederum ist natürlich der Hauptgrund, wieso sie so auf die egoistischen und skrupellosen Männer in ihrer Familie angewiesen ist, was immer wieder in der Geschichte angesprochen wird, aber grundsätzlich fand ich es so erfrischend in einem solchen Roman keinen „Helden“ vorzufinden, der Elizabeth vor ihrer lieblosen Familie „rettet“.

Neuzugänge: April, Mai und Juni 2020

Das zweite Quartal begann bei mir relativ zurückhaltend und grundsätzlich hatte ich nicht so viele Buchkäufe für diese Monate geplant. Dann aber wurden im Mai einige meiner Vorbestellungen von meinem Buchhändler gecancelt, weil er während der „Kontaktsperre“ von einigen Verlagen nicht beliefert wurde und keine Importe durchführen konnte, und ich habe all meine Buchpläne über Bord geworfen und hemmunglos ein paar Extra-Cents, die ich in die Finger bekam, in Bestellungen von englischsprachigen Romanen gesteckt, die auf meiner Merkliste standen und ohne Import lieferbar waren. 😉

1. Tuula Karjalainen: Tove Jansson – Word and Love
Eine Biografie von Tove Jansson, die ich in der deutschen Ausgabe auf Twitter gesehen hatte. Da mir das deutsche Hardcover für einen spontanen Kauf aber zu teuer war, habe ich mich dann für das englischsprachige Taschenbuch entschieden.

2. Seanan McGuire: Middlegame
Endlich, endlich ist das Taschenbuch von diesem Titel rausgekommen. Ich folge der Autorin schon sehr lange und seit Jahren redet sie über „das eine Buch“, das sie immer wieder von vorne anfing und das sie „richtig“ hinbekommen wollte und das ich endlich lesen wollte. Trotzdem muss ich zugeben, dass mir die Hardcover-Ausgabe davon im vergangenen Jahr zu teuer gewesen war – vor allem, weil Seanan McGuire ja nicht nur einen Roman im Jahr veröffentlicht …

***

3. Sarah Beth Durst: Race the Sands
Nachdem mir „Fire and Heist“ so gut gefallen hatte, hatte ich mir die Titel der Autorin angeschaut und diesen als nächste Anschaffung auf die Merkliste gesetzt. Passend dazu gab es dann noch irgendwo eine Rezension zu Lesen, die sich darauf konzentrierte, dass die beiden Protagonistinnen nicht nur sehr schön ausgearbeitet wären, sondern auch eine gut geschriebene „Wahlfamilien“-Beziehung aufbauen würden – zwei Punkte, die ich beide reizvoll fand.

4. Amy Wilson: Snowglobe
Noch eine Autorin, von der ich vor einigen Wochen ein Buch gelesen und danach mehrere Titel von ihr auf die Merkliste gesetzt hatte. „Snowglobe“ ist es dann geworden, weil ich mich beim Bestellen nicht entscheiden konnte und es der günstigste von den Romanen auf der Liste war. 😉

5. Julia Quinn: First Comes Scandal (A Bridgerton Prequel)
Von Julia Quinn habe ich schon sehr lange nichts mehr gelesen, weil die letzten gelesenen Titel zwar „ganz nett“ waren, aber auch nicht mehr. Zu „First Comes Scandal“ hatte ich aber eine sehr, sehr begeisterte Meinung auf Twitter gefunden und deshalb spontan Lust bekommen zu dem Roman zu greifen.

6. Amy Wilson: A Girl Called Owl
Eine weitere spontane Bestellung, weil ich es in den letzten Wochen nicht geschafft habe nur einen Roman zu bestellen, wenn ich schon die Seite des Buchhändlers geöffnet hatte. Zu dem Zeitpunkt war „Snowglobe“ noch nicht bei mir angekommen und ich hatte ganz vergessen, dass ich schon ein Buch der Autorin bestellt hatte. Da ich aber immer noch im Hinterkopf hatte, dass ich mehr von der Autorin lesen wollte, habe ich also auf der Suche nach weiteren Wohlfühlbüchern „A Girl Called Owl“ vom Merkzettel gefischt. (Rezension)

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Nach all den spontanen Buchkäufen im Mai, gab es im Juni eigentlich nur noch Bücher, die ich schon länger vorbestellt hatte.

7. Kat Richardson: Poltergeist (Greywalker 2)
Den zweiten Band der Greywalker-Serie hatte ich direkt nach dem Lesen von Band 1 bei beinem Buchhändler bestellt. Wegen der Importprobleme aus den USA gab es dann noch einiges Hin und Her, aber im Juni habe ich das Buch dann doch geliefert bekommen und gleich gelesen.

8. Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers
Mich locken inzwischen relativ wenige „klassische“ Fantasybücher, aber die Inhaltsangabe von „Queen of Coin and Whispers“ fand ich schon sehr reizvoll, als ich die ersten Empfehlungen zu dem Buch auf Twitter mitbekam. Ich bin auf jeden Fall neugierig darauf, wie die Protagonistin Lia damit umgeht, dass sie ein Königreich von ihrem korrupten Onkel geerbt hat, und hoffe sehr, dass mir die Erzählweise von Helen Corcoran zusagt.