Alle Artikel von Konstanze

Auralee Wallace: In the Company of Witches (Evenfall Witches B&B 1)

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich über „In the Company of Witches“ gestolpert bin, aber da das Buch als „herbstlich“, „cozy“ und „wohltuend“ beworben wurde, habe ich es mir als Herbstlektüre besorgt. Am vergangenen Montag dachte ich, dass das der passende Titel wäre, um mich von einem ziemlich frustrierenden Tag zu erholen, und ich fürchte, dass ich damit nicht ganz richtig lag. Das lag aber eher an meinen Erwartungen an den Roman als an der Geschichte, die ich vermutlich mehr genossen hätte, wenn ich nicht so sehr im Hinterkopf gehabt hätte, dass sie „heimelig“ und „wohltuend“ sei, um dann über Elemente zu stolpern, die ich persönlich definitiv nicht in diese Kategorien stecken würde.

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Brynn Warren, die gemeinsam mit ihren beiden Tanten Nora und Izzy das Bed & Breadfast „Ivywood Hollow“ führt, in dem auch ihr Onkel Gideon lebt. Brynn ist 31 Jahre alt und seit dem überraschenden Tod ihres Mannes Adam vor über einem Jahr verwitwet. Außerdem ist sie – ebenso wie der Rest der Familie – eine Hexe und sorgt wie schon ihrer Vorfahren dafür, dass es den Anwohnern des kleinen Ortes, in dem sie leben, gut geht, auch wenn natürlich niemand wissen darf, dass die Warrens Hexen sind. Dummerweise wird dann Constance Graves, die wegen einer Renovierung ihres eigenen Hauses im B&B wohnt, ermordet, und bei all den Gerüchten rund um den Mord fällt der Verdacht nicht nur auf Brynns Tante Nora, sondern es gibt natürlich auch die eine oder andere Person, die zu einer Hexenjagd aufruft. Klingt wirklich gemütlich, nicht wahr? 😉

Lustigerweise gibt es wirklich viele schöne und heimelige Elemente in „In the Company of Witches“. Ich mochte es sehr, wie die Magie der Warrens beschrieben wurde, ich habe gern von Brynns Zuneigung zu ihrer Familie und von ihrer Liebe zu ihrem verstorbenen Mann gelesen, und ich habe mich amüsiert über all die Geplänkel zwischen Nora und … ach, eigentlich dem gesamten Rest der Welt. Sehr vieles daran hat mich an den Film „Practical Magic“ erinnert, aber auch bei dem würde ich halt nicht sagen, dass er rundum wohltuend und heimelig ist, denn schließlich gibt es da all die unverarbeitete Trauer von Sally und einen Geist, der ausgetrieben werden muss. So ist es im Prinzip auch bei „In the Company of Witches“, wo Brynns Trauer um ihren Mann der Grund dafür ist, dass sie ihr Leben (und ihre Magie) fast vollständig aufgegeben hat, während die Ermordung von Constance dafür sorgt, dass Brynn nicht nur ihre Beziehung zu ihrer Familie – vor allem zu ihren sich ständig einmischenden Tanten – aufarbeiten, sondern sich auch noch mit Constances vollkommen miteinander verfeindeten Geschwistern beschäftigen muss.

So ist dieser Roman zwar definitiv von einer herbstlichen Atmosphäre geprägt und es gibt viele schöne Momente rund um Brynns Familie und ihre Magie, die ich sehr genossen habe, aber die Geschichte war für mich definitiv nicht „fluffy“ oder „gemütlich“ zu lesen. Dafür gibt es zu viele Szenen, die von Trauer, von Wut oder der kleinlichen Rache von Familienmitgliedern geprägt sind, es gibt zu viele verletzte Gefühle und zu viele Geheimnisse. Natürlich mischen sich darunter auch einige lustige und wohltuende Momente, außerdem habe ich Brynns Familie sehr gemocht, und das, obwohl ihre Tanten in ihrer Zuneigung für Brynn stellenweise wirklich fürchterlich übergriffig handeln. Insgesamt denke ich sogar, dass ich dem zweiten Band der Reihe eine Chance geben werde, nachdem ich nun weiß, dass es weniger „cozy“ sein wird, als ich ursprünglich gedacht hatte. Es waren wirklich vor allem meine Erwartungen an das Buch, die mir den Spaß daran etwas verdorben haben. Wenn ich gewusst hätte, was für Themen in der Geschichte dominieren, hätte ich nicht an einem Tag dazu gegriffen, an dem ich etwas Tröstendes lesen wollte. Wer also kein Problem damit hat, in „In the Company of Witches“ von unverarbeiteter Trauer und von einander hassenden Familienmitgliedern eines Mordopfers zu lesen, wird mit dieser Cozy-Mystery-Variante von „Practical Magic“ bestimmt viel Spaß haben

Katherine Addison: The Witness for the Dead (The Cemeteries of Amalo 1)

Nachdem mir schon „The Goblin Emperor“ von Katherine Addison sehr gut gefallen hatte und ich im Mai die Kurzgeschichte „Min Zemerin’s Plan“ gelesen hatte, war klar, dass ich mir in absehbarer Zeit auch noch „The Witness for the Dead“ (und „The Grief of Stones“) besorgen müsste. „The Witness for the Dead“ wird aus der Perspektive von Thara Celehar, der in „The Goblin Emperor“ eine wichtige Nebenrolle spielte, erzählt. Nach den Ereignissen rund um Maias Thronbesteigung hat der Prälat eine neue Aufgabe zugeteilt bekommen, die ihn in die Stadt Amalo geführt hat. Dort arbeitet er nun in seiner Eigenschaft als Witness for the Dead, was bedeutet, dass er, wenn er darum gebeten wird, als Zeuge/Fürsprecher der Verstorbenen handelt. Seine besondere Gabe verleiht Celehar dabei die Fähigkeit, Erinnerungen oder Eindrücke von (frisch) Verstorbenen wahrzunehmen, aber wenn dies nicht mehr möglich ist oder keine hilfreichen Antworten liefert, dann muss der Geistliche auf ganz normale Ermittlungen zurückgreifen, um Probleme zu klären.

In „The Witness for the Dead“ hat Celehar gleich mehrere Angelegenheiten, die ihn beschäftigen. So setzt der Geistliche seine besondere Fähigkeit in einem Erbstreit ein, um herauszufinden, welchem seiner Söhne ein verstorbener Händler sein Geschäft hinterlassen hat, er sucht das Grab einer Frau, von der ihr Bruder vermutet, dass sie von ihrem Mann ermordet wurde, und er versucht herauszufinden, von wem und warum eine Opernsängerin getötet worden sein könnte. Obwohl Celehar mit so vielen unschönen Fällen beschäftigt ist und sich zusätzlich noch mit Kirchenpolitik herumschlagen muss, liest sich dieser Roman überraschend entspannt und wohltuend, was vor allem an der Persönlichkeit des Protagonisten liegt. Celehar ist ein ernsthafter Mann, der die Aufgaben, die in sein Arbeitsgebiet fallen, mit großer Professionalität und Entschlossenheit behandelt. Er gibt sich große Mühe, vorurteilsfrei an seine Fälle heranzugehen, und auch wenn manche Aspekte seiner Arbeit mühsam und unschön sind, so sind sie halt Teil seiner Berufung und verdienen deshalb in seinen Augen die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Respekt wie die Dinge, die einfacher und befriedigender zu erledigen sind.

Ich habe es sehr genossen, Celehars Perspektive zu verfolgen und mich überraschend oft amüsiert, wenn der arme Geistliche einen möglichst taktvollen Weg finden musste, um eine Information zu übermitteln, oder wenn er sich mit anderen Würdenträgern herumschlagen muss, obwohl er doch einfach nur seinen Job erledigen wollte. Und obwohl es im Laufe der Handlungen zu Morden, Ghul-Angriffen, Explosionen und ähnlichen Dingen kommt, liest sich die Geschichte sehr entspannt, weil sich Katherine Addison vor allem auf das Innenleben ihres Protagonisten und all die kleinen Dinge, die er über die Personen um sich herum rausfindet, konzentriert. Die Tatsache, dass ich von Anfang an Celehar so sehr ins Herz geschlossen habe, hat dafür gesorgt, dass ich selbst bei den eher gemächlichen Passagen mit voller Konzentration dabei war, weil ich nicht nur neugierig auf die Ergebnisse seiner Ermittelungen, sondern auf seine persönliche Reaktion darauf war. Ich fand es schön mitzuverfolgen, wie er im Laufe des Romans ein wenig Frieden mit den Ereignissen aus seiner Vergangenheit schließt und wie er zaghaft neue Freundschaften knüpft.

Außerdem bin ich weiterhin fasziniert von der Welt, die die Autorin rund um ihre Elven und Goblins geschaffen hat, auch wenn mich auch dieses Mal das Problem mit den unterschiedlichen Anreden für die verschiedenen Personen fertiggemacht hat. Es ist nicht gerade einfach, bei einer solch großen Gruppe von Charakteren den Überblick zu behalten, wenn die Anreden davon abhängen, in welchem Verhältnis die miteinander sprechenden Personen stehen, welches Statusgefälle eine Rolle spielt oder ob die Figuren sich gerade privat oder in ihrer offiziellen Funktion miteinander unterhalten. Aber da es sich schon bei „The Goblin Emperor“ bewährt hat, wenn ich mir da keinen Stress gemacht habe und einfach darauf wartete, dass mir die folgenden Absätze schon erklären werden, welcher Charakter da gerade mit dem Protagonisten redet, habe ich das auch dieses Mal einfach hingenommen. In der Regel klappte das auch ganz gut – was aber auch daran lag, dass ich „The Witness for the Dead“ so sehr mochte, dass ich den Roman wirklich zügig gelesen habe. Am Ende ist es mir überraschend schwer gefallen, Celehar und seine Welt zu verlassen – weshalb ich direkt im Anschluss zu „The Grief of Stones“ gegriffen habe.

Lese-Sonntag im September 2022

Es ist wirklich unglaublich, wie viel besser es mir geht, seitdem die Temperaturen deutlich unter 30 Grad gefallen sind. In den letzten Tagen habe ich so viel auf die Reihe bekommen und nebenbei noch Zeit gehabt, um zu Puzzeln und zu Lesen – das war wirklich schön! Es gibt nichts Netteres als Nachmittags auf dem Sofa zu sitzen, den Regen zu hören und dabei mit der Nase im Buch zu versinken. Ich habe sogar schon meine Sofadecke und die Wollsocken wieder rausgeholt, auch wenn es nur ein bisschen Sonneneinstrahlung benötigt, damit es dafür wieder deutlich zu warm wird. *g* Was den heutigen Tag angeht, so werde ich hoffentlich einige Zeit mit meinem aktuellen Roman („The Grief of Stones“ von Katherine Addison) verbringen, vormittags mit meinem Mann eine Runde spielen und nachmittags eine schnelle Backrunde einlegen. Aber erst einmal gönne ich mir einen langsamen Start in den Tag … 🙂

 

Update 10:00 Uhr

Links die Taschenbuchausgabe von "The Grief of Stones" und rechts eine große Tasse Chai mit Milchschaum.

Der Morgen ist überraschend schnell vergangen, dabei habe ich doch nur geduscht, meine nächtliche TL aufgelesen und den Abwasch erledigt, der von gestern Abend übrig geblieben ist. Außerdem habe ich mich einige Zeit mit meinem Mann über Spiele unterhalten, was nicht nur spannend war, sondern auch dazu führte, dass wir heute kein Brettspiel spielen werden, weil wir nicht so recht wissen, welches wir spielen sollen. Die meisten „schnellen“ Spiele haben wir in letzter Zeit ziemlich oft gespielt und eins von den komplexeren Spielen wollen wir gerade nicht wieder neu anfangen, weil wir beide ein bisschen darauf warten, dass uns „Flamecraft“ geliefert wird und wir dafür dann alle anderen Spiele erst einmal liegen lassen würden. Und ja, uns ist schon bewusst, dass es etwas absurd ist, dass wir nicht spielen, weil wir auf ein Spiel warten, von dem wir nicht einmal wissen, wann es bei uns ankommt. 😉

Ich werde mich jetzt also erst einmal mit „The Grief of Stones“ und einer Tasse Chai auf dem Sofa einrollen und gemütlich lesen …

 

Update 12:00 Uhr

Oh, ich mag dieses Buch wirklich gern! „The Grief of Stones“ schließt inhaltlich direkt an „The Witness for the Dead“ (die Rezension dazu ist für den 21. geplant *g*) an. Der Protagonist Thara Celehar ist ein Geistlicher, der in der Lage ist Erinnerungen und Informationen von Verstorbenen zu bekommen. Also, solange der Tod noch nicht zu lange her ist und die eventuell gesuchten Informationen der verstorbenen Person noch relativ präsent waren. Außerdem übernimmt er in seiner Aufgabe als Witness for the Dead eine Art Ermittlerrolle in seiner Fantasywelt, wobei er dafür einen Auftrag von einem Familienangehörigen oder einer anderen Person bekommen muss. Der Großteil des Romans, den ich gerade lese, beschäftigt sich mit eher unschönen Dingen wie dem Mord an einer alten Herzogin, den Lebensumständen von Waisenkindern – gerade die Mädchen haben in dieser Welt relativ wenig Möglichkeiten – und (Kinder-)Pornografie, aber trotzdem liest sich die Geschichte erstaunlich behaglich, weil Celehar so ein wunderbar sympathischer Charakter ist. Außerdem gibt es immer wieder kleine Szenen, die das Ganze auflockern, wie die Passage, die ich gerade gelesen habe, in der Celehar versuchen sollten von einem verstorbenen Bäcker das Geheimnis seiner berühmten Scones zu erfahren.

Bevor ich mir Frühstück mache und dann weiterlese, drehe ich erst einmal eine Blogrunde – inzwischen haben sich ja doch wieder einige Personen meinem Lese-Sonntag angeschlossen. Schön! 🙂

 

Update 15:30 Uhr

Links ein angeschalteter eReader, der Titelseite von "Blood Dance" zeigt, rechts eine zartgrüne Schale mit (Schoko-)Porridge und Banane.

Zum Frühstück (Porridge mit einer leider sehr grünen Banane) habe ich eine Kurzgeschichte gelesen. „Blood Dance“ von Vela Roth gehört zur „Once Upon a Forbidden Desire“-Anthologie, die vor kurzem erst erschienen ist, und so gern ich mich von den unterschiedlichen Märchenvarianten überraschen lasse, die es in den Once-Upon-Anthologien zu finden gibt, so gewinne ich langsam den Eindruck, dass ich auf den „Desire“-Schwerpunkt dieser Anthologie hätte verzichten können. 😉 „Blood Dance“ liest sich wie ersten „sexy“ Vampirgeschichten, die vor einigen Jahren den Markt überschwemmten, und ich muss gestehen, dass ich davon ziemlich die Nase voll habe. Weshalb ich sehr froh war, dass ich nach dem Essen wieder die Hände frei hatte für mein Taschenbuch und weiter in „The Grief of Stones“ gelesen habe. Inzwischen gab es so einige Ereignisse, die dramatisch gewesen wären, wenn sie nicht in Celehars sachlich-distanzierter Erzählweise geschildert worden wären, und es fühlt sich an, als stehe die Geschichte kurz vor ihrem Ende. Allerdings habe ich noch siebzig Seiten vor mir, ich bin also gespannt, was da noch kommt …

Eine gläserne Auflaufform mit frisch gebackenem Apple Crumble.

Zwischendurch habe mein Lesen noch unterbrochen, um Apple Crumble zu machen. Den habe ich gerade aus dem Ofen gezogen und sobald er ausreichend abgekühlt ist, gönnen wir uns den. Vorher drehe ich aber noch eine Blog- und Kommentarrunde und schaue, wie es euch heute Nachmittag bislang so ergangen ist.

 

Update 18:30 Uhr

Links eine Schale mit Apple Crumble und Sahne, rechts eine große Tasse mit Milchtee

Obwohl ich ja das Gefühl hatte, dass der große Handlungsstrang in „The Grief of Stones“ eigentlich schon abgeschlossen wäre, gab es in den folgenden Kapiteln noch so viele Dinge, die dafür gesorgt haben, dass ich das Buch nur widerstrebend aus der Hand gelegt habe, als mein Mann den Apple Crumble servierte. Ich liebe es sehr, dass es in diesen Romane von Katherine Addison weniger darum geht, dass Verbrechen aufgeklärt werden, als darum wie die Figuren mit all den Dingen fertig werden, die sie sehen und erleben. Es gibt so viele Dinge, die außerhalb von Celehars Einfluss liegen, sowohl deshalb, weil er als Geistlicher einen relativ niedrigen Rang hat, als auch weil die fantastische Welt in diesen Büchern so sehr von Hierachien und Regeln dominiert wird, die er nicht missachten kann. Aber obwohl das alles so viele Herausforderungen für Celehar mit sich bringt, geht er mit so viel Würde und Ernsthaftigkeit und so viel Respekt für Personen um sich herum durch sein Leben. Stellenweise sogar zu respektvoll gegenüber anderen, weil dies dafür sorgt, dass er sich und sein Leben geringer schätzt als er es verdient hätte. So dreht sich „The Grief of Stones“ in gewisser Weise auch darum, dass der Protagonist lernt sich seine eigene Trauer/seinen Kummer über vergangene Ereignisse einzugestehen – und das war am Ende sehr bewegend (und weiterhin überraschend wohltuend) zu lesen.

 

Update 22:00 Uhr (letztes Update)

Ein Teller mit zwei Paprikahälften, die mit Käse überbacken wurden. Neben der einen Paprika ist etwas herausgefallene Füllung zu sehen.

Nach dem letzten Update (und der darauf folgenden Blogrunde) bin ich erst einmal in die Küche gewandert und habe das heutige Abendessen gekocht. Da die Paprika, die es in dieser Woche mit der Gemüsekiste gab, ziemlich klein waren, war das Füllen heute etwas herausfordernd, aber das Ergebnis war sehr lecker. Gefüllt wurden die Paprika mit einer Mischung aus Reis und Mais, die ich mit einer etwas schärferen Sweet-Chili-Sauce, Salz und Pfeffer gewürzt hatte, und dann wurde das Ganze noch mit Käse überbacken. 😀 Nach dem Essen fiel mir erst auf, dass ich heute gar nicht „Animal Crossing“ gespielt hatte, aber da ich momentan nur ungern nach 18 Uhr spiele, fiel das heute dann also mal aus. Stattdessen habe ich mir ein paar Bücher aus dem Regal gezogen und – nach dem Anlesen von „The Midnight Howl“ – noch einmal zu „The Midnight Hour“ gegriffen. Die Geschichte hatte ich im vergangenen Jahr schon gelesen, aber ich glaube, es ist einfacher wenn ich den Roman noch einmal lese, um dann für den zweiten und dritten Teil alle Details wieder präsent zu haben. Die nette und dezent unheimliche Handlung ist auf jeden Fall ein ziemlich starker Kontrast zu „The Grief of Stones“ und genau das habe ich nach dem intensiven Nachmittag gesucht.

Die drei Bücher "Midnight Hour", "Midnight Howl" und "Midnight Hunt" auf einer orangen Decke.

Sehr lange werde ich heute aber nicht mehr aufbleiben, da ich morgen früh einen Arzttermin habe, weshalb das hier mein letztes Update für heute ist. Es war wieder sehr schön den Tag mit euch gemeinsam zu verbringen und ich hoffe, ihr habt euch gut entspannt!

Habt einen guten Start in die Woche – und wenn ihr Lust habt, können wir uns im Oktober ja etwas häufiger lesen. 🙂

 

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Heutige Mitleserinnen:

Neyasha
Natira
Anette
Kiya
Jacquy
Sayuri

Ankündigung: Herbstlesen im Oktober 2022

Auch in diesem Jahr wird es auf meinem Blog wieder das „Herbstlesen im Oktober“ geben, an dem ich (hoffentlich mit ein paar Mitleser*innen) an den Wochenenden viel Zeit mit den Dingen verbringen möchte, die mir Freude bereiten. Wie schon 2021 stehen uns dafür ganze fünf Wochenenden zur Verfügung, und da ich normalerweise recht lange Beiträge pro Tag zusammenbekomme, gibt es von mir wieder einen Beitrag pro Herbstlesen-Tag (also je einen Post an jedem Samstag und an jedem Sonntag im Oktober). Wer sich mir anschließt, muss natürlich nicht so viel bloggen, wie ich es tue – es reicht auch ein Sammelbeitrag pro Wochenende oder Ähnliches. Wichtig ist mir nur, dass ihr an den Tagen, an denen ihr euch mir anschließt, einen Kommentar mit einem Hinweis auf eure Teilnahme unter meinem aktuellen Beitrag hinterlasst, damit ich euch verlinken kann. Der Austausch mit den anderen „Herbstlesern“ ist schließlich immer einer der nettesten Aspekte dieser Aktion, und wenn es einen zentralen Ort gibt, an dem alle Links gesammelt werden, geht das am besten.

Herbstlesen-Logo, das herbstlich verfärbte Bäume vor blauem Himmel zeigt und im Himmel steht der Text "Herbstlesen im Oktober 2022".

Wie immer geht es beim Herbstlesen weniger darum, möglichst viele Stunden mit Lesen zu verbringen, als sich bewusst für die Dinge, die einem Freude bereiten, gemütliche Auszeiten zu gönnen und diese dann über den Blog mit anderen zu teilen. Für meinen Herbstlesen-Oktober habe ich mir neben einem ganzen Stapel mit Büchern auch wieder einige Brettspielrunden mit meinem Mann vorgenommen – es wird definitiv Zeit, dass wir mal wieder etwas längere Sachen in Angriff nehmen! Außerdem habe ich ein paar Spiele für die Switch, die ich gern etwas intensiver spielen würde, und große Lust aufs Handarbeiten habe ich gerade auch wieder. Ich werde die Oktober-Wochenende also gewiss rundum mit schönen und erholsamen Tätigkeiten gefüllt bekommen.

In diesem Jahr geht es mit dem Herbstlesen 2021 am 1. Oktober (Samstag) los, und der letzte Herbstlesen-Tag wird der 30. Oktober (Sonntag) sein. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch mir wieder (oder neu) anschließen mögt, und bin schon neugierig darauf, womit ihr euch die Wochenenden im Oktober „schön und erholsam“ gestalten werdet.

Angela Slatter: Vigil (Verity Fassbinder 1)

Um die Verity-Fassbinder-Trilogie von Angela Slatter bin ich schon länger herumgeschlichen, und nachdem ich vor kurzem große Lust auf Urban Fantasy hatte, habe ich zu „Vigil“ gegriffen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Verity Fassbinder erzählt, einer Frau, die zur Hälfte „Normal“ und zur Hälfte „Weyrd“ ist – genau genommen war ihr Vater Grigor ein sogenannter „Kinderfresser“, und auch wenn sie keine seiner Verwandlungsfähigkeiten geerbt hat, so ist Verity doch ganz besonders stark. Außerdem hat sie das Gefühl, sie müsse die Verbrechen ihres Vaters wieder gutmachen, da dieser nicht nur (normale) Kinder tötete, sondern sich auch noch dabei erwischen ließ und somit die Existenz der Weyrd in Gefahr brachte. So arbeitet Verity als eine Art private Ermittlerin für die Weyrd, wobei ihr Hauptauftraggeber der Rat ist, der dafür sorgt, dass all die verschiedenen übernatürlichen Wesen sich zumindest an ein paar Grundregeln halten.

Ich muss zugeben, dass ich – obwohl mir „Vigil“ grundsätzlich sehr gut gefallen hat – ein paar Probleme mit dem Roman hatte. Zum einen jongliert Verity von Anfang an mit einem ganzen Haufen Fälle. Sie muss ermitteln, wer illegalen Wein anbietet, der aus den Tränen von (dabei getöteten) Kindern hergestellt wurde, sie muss einen (oder mehrere) Mörder finden, der Sirenen vernichtet, sie bekommt den Auftrag, einen verschwundenen jungen Mann zu suchen, und dann gibt es da noch eine unheimliche Wesenheit, der mehrere Personen in den Straßen von Brisbane zum Opfer fallen. All diese vielen verschiedenen Fälle laufen parallel, und dazu gibt es noch so einige Altlasten, mit denen Verity fertigwerden muss, wie zum Beispiel eine Verletzung, die sie sich bei ihrem letzten Auftrag zugezogen hat. Das alles ist ganz schön viel auf einmal, vor allem, da nebenbei noch von der Autorin die Urban-Fantasy-Welt vorgestellt wird, in der Verity lebt, sowie Veritys eigene Vergangenheit und welchen Einfluss ihr Vater (und seine Verbrechen) auf ihr heutiges Leben haben.

Trotz dieser Masse an Handlungselementen und vieler wirklich eindrucksvoll und atmosphärisch geschriebener Passagen hatte ich aber immer wieder das Gefühl, dass die Spannung nachlassen und sich die Geschichte stellenweise sogar etwas dahinschleppen würde. Erst nach Beenden des Romans fiel mir auf, dass es sich angefühlt hat, als ob die Autorin an einige Handlungsstränge herangegangen wäre, als ob es sich dabei um Kurzgeschichten handeln würde. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, dass Angela Slatter ihre Karriere mit ziemlich erfolgreichen Kurzgeschichten begonnen hat und „Vigil“ der erste Roman ist, den sie allein geschrieben hat. Diese „Kurzgeschichten“ innerhalb des Romans fand ich sehr überzeugend erzählt, und sie waren voller Elemente, die ich nachts mit in meine Träume genommen habe, aber zwischen diesen wirklich coolen Passagen gab es eben auch immer wieder Übergänge, die mich nicht so überzeugen konnten und die ein bisschen „zusammengebastelt“ wirkten. Vor allem in der ersten Hälfte des Romans fand ich das wirklich auffällig, während ich das letzte Drittel – vielleicht auch weil sich dort die diversen Handlungsstränge endlich zusammenfügten – deutlich besser lesbar fand.

Von diesen etwas zähen Übergängen abgesehen hatte ich aber viel Spaß mit „Vigil“. Angela Slatters Urban-Fantasy-Geschichte spielt nicht nur in einer (für mich) ungewöhnlichen Stadt, was dazu führte, dass ich all die Details rund um Brisbane sehr genossen habe, sondern die Autorin verwendet auch wirklich viele fantastische Wesen auf eine erfrischend andere Art und Weise. Ich mochte die drei Nornen (und ihr Café), ich fand die Details rund um die Sirenen spannend zu lesen, und ich habe große Lust, noch mehr Zeit in Veritys fantastischer Variante von Brisbane zu verbringen. Angela Slatter hat sich für ihre übernatürlichen Wesen eindeutig von den düstereren Seiten der diversen Märchen und Mythologien inspirieren lassen und schafft es trotzdem (oder gerade deshalb?) hervorragend, all diese Figuren in unsere moderne Welt zu transportieren und dort ihre ganz eigenen Nischen finden zu lassen. Dazu kommt, dass Verity die Art von Kick-Ass-Heldin ist, von der ich gerne lesen, und dass der „romantische Anteil“ der Geschichte so gar nicht „sexy“ oder romantisch ist, sondern daraus besteht, dass die Protagonistin einen wirklich netten Mann kennenlernt, mit dem sie sich stundenlang unterhalten kann. Dass es in dieser sich anbahnenden Beziehung – trotz all der Probleme, die Veritys Leben mit sich bringt – so gar kein Drama gibt, fand ich wunderbar erholsam und wirklich schön zu lesen. Insgesamt fühlte ich mich mit diesem Auftaktband der Reihe gut genug unterhalten, dass ich mir direkt im Anschluss die Fortsetzung „Corpselight“ besorgt habe (weshalb ich sagen kann, dass sich dieser Teil dann auch von Anfang an flüssiger lesen lässt).

Cat Gray: Spellstoppers

Ich habe keine Ahnung mehr, wo ich über „Spellstoppers“ von Cat Gray gestolpert bin, aber so lange kann das Buch noch nicht auf meinem eReader geschlummert haben, als ich es im August gelesen habe. Die Handlung wird aus der Sicht des zwölfjährigen Max erzählt, der seit Jahren ein riesiges Problem hat. Jedes elektrische Gerät, das er berührt, geht kaputt, während er selbst einen heftigen und sehr schmerzhaften Schlag bekommt. Nachdem er – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – mit dem neuen elektrischen Auto seiner Mutter in Berührung kam, sieht seine Mutter ein, dass es so nicht weitergehen kann, und schickt Max in den kleinen Ort Yowling zu seinem Großvater Bram. Zu seiner großen Überraschung eröffnet Bram ihm, dass es so etwas wie Magie wirklich gibt und dass Max selbst von einer langen Linie von Spellstoppern abstammt.

Spellstopper sind Personen, die in der Lage sind, die Magie anderer zu neutralisieren. Und da Elektrizität und Magie sich nicht unähnlich sind, muss Max seine Fähigkeit in den Griff bekommen, bevor er noch einmal den Umgang mit elektrischen Geräten riskieren kann. Bram ist auch nicht der einzige Bewohner von Yowling, der über eine magische Fähigkeit verfügt. Der gesamte Küstenort wird von Personen bewohnt, die Magie besitzen oder selbst magisch sind. Dabei zittern sämtliche Bewohner von Yowling seit Generationen vor den Keepern, die die Aufsicht über das magische Schloss vor der Küste des Ortes haben und so mächtig sind, dass sie alle anderen Einwohner terrorisieren können. Als Bram entführt wird, um für den aktuellen Keeper zu arbeiten, muss Max gemeinsam mit seiner neuen Freundin Kit alles versuchen, um seinen Großvater zu retten – auch wenn das bedeutet, dass er seine gerade erst entdeckte Magie gegen eine unvorstellbar böse Macht einsetzen muss.

Es gibt viele Elemente in „Spellstoppers“, die mir sehr viel Spaß gemacht haben. Die Beschreibungen des kleinen Ortes Yowling habe ich zum Beispiel sehr genossen, ebenso wie die Begegnungen mit vielen der Einwohner, die Max im Laufe der Zeit kennenlernt. Überhaupt gibt es in der Geschichte wirklich viele schöne magische Elemente, die den Alltag in Yowling prägen, während gleichzeitig auch jemand wie Kit, die über keine Magie zu verfügen scheint, einen festen Platz in der magischen Gemeinschaft finden kann. Auf der anderen Seite hatte ich immer wieder ein Problem mit dem Handeln der verschiedenen Charaktere. So finde ich es auch einige Zeit nach dem Lesen des Romans noch immer unglaublich, dass die Mutter von Max ihn jahrelang mit seinem Problem kämpfen ließ und dabei zusah, wie er immer einsamer wurde, obwohl sie genau wusste, dass ihr Vater dem Jungen helfen könnte. Selbst wenn sie nicht wieder nach Yowling zurückkehren wollte, so habe ich nicht das Gefühl, dass eine liebevolle Mutter ein solches Problem ihres Sohnes ignorieren würde, um zu hoffen, dass er schon nicht deshalb sterben wird. Cat Gray lässt die Mutter zwar am Ende noch einmal deutlich sagen, dass sie all das nur getan hat, weil sie Max vor der dunklen Seite der Magie beschützen wollte, aber mich überzeugt das einfach nicht.

Auch bei Max gibt es immer wieder Momente, in denen er auf eine Art und Weise handelt, die ich für ihn als Charakter unglaubwürdig finde und bei denen ich das Gefühl hatte, dass das für die Autorin halt der einfachste Weg war, um die Handlung weiterzuführen. Was dazu führt, dass ich mich, obwohl ich „Spellstoppers“ insgesamt eigentlich nett fand, immer wieder schrecklich über bestimmte Szenen geärgert habe. Deshalb werde ich wohl nicht zu einem weiteren Buch von Cat Gray greifen, obwohl die Autorin so viele hübsche fantastische Ideen verwendet hat. Es ärgert mich einfach zu sehr, wenn Charaktere so widersprüchlich dargestellt werden, obwohl es so viele andere Möglichkeiten gäbe, um diese Elemente innerhalb der Geschichte zu klären. Ganz ehrlich, mir sind auf Anhieb drei verschiedene Ideen einfallen, die problemlos erklären könnten, wieso die Mutter Max nicht früher mit ihrem Vater in Verbindung gebracht hat und bei denen sie weiterhin als liebevolle und sympathische Person dastehen würde. Wenn eine Autorin es nicht auf die Reihe bekommt, aus ihren Charakteren glaubwürdige Figuren zu machen, dann finde ich das als Leserin wirklich unbefriedigend.

Jane Harper: The Lost Man

Nachdem Neyasha im vergangenen Dezember so begeistert über „The Lost Man“ von Jane Harper geschrieben hatte, hatte ich mir direkt das eBook besorgt. Da aber die Autorin nicht gerade die heimeligsten Geschichten schreibt, hat es eine Weile gedauert, bis ich Lust auf diese Art von Roman hatte. „The Lost Man“ gehört nicht zu den Veröffentlichungen rund um den Polizisten Aaron Falk („Hitze“ und „Ins Dunkel“), sondern ist ein eigenständige Geschichte, die aus der Perspektive von Nathan Bright erzählt wird. (Allerdings gibt es einen kleinen Verweis auf Aaron Falks Geburtsort Kiewarra, aus dem auch Nathans Mutter stammt.) Die Handlung in „The Lost Man“ beginnt damit, dass Nathan und sein jüngerer Bruder Bub vor einem alten Grabstein am Rande einer australischen Wüste im Südwesten von Queensland stehen – und neben diesem Grabstein liegt die Leiche ihres gemeinsamen Bruders Cameron. Schnell steht fest, dass Cameron der Hitze zum Opfer gefallen ist und dass sein Tod grauenhaft war.

Doch vor allem lässt Nathan die Frage nicht los, wieso Cameron überhaupt sein Auto verlassen hatte und das auch noch, ohne jegliche Wasservorräte mit sich zu führen. Die Rätsel rund um Camerons Tod führen dazu, dass Nathan sich nicht nur mit dem Leben seiner Familienmitglieder – die er seit Monaten nicht mehr gesehen hatte – auseinandersetzen muss, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit. Jane Harper schreibt Geschichten von Menschen, die in unmenschlichen Umgebungen versuchen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren – und häufig genau daran scheitern. So gab es vor zehn Jahren in Nathans Leben einen Moment, in dem er eines der eisernen Gesetze seiner Gemeinschaft verletzte und dafür von seinen Nachbarn aus eben dieser Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. Was genau Nathan damals getan hat, verschweigt Jane Harper ziemlich lange, und ich muss gestehen, dass ich deshalb im Laufe der Zeit mit der Autorin ziemlich ungeduldig wurde. Es ist für mich vollkommen in Ordnung, wenn Elemente verschwiegen werden, weil der Erzähler selbst keine Details weiß. Aber hier wusste so gut wie jeder Charakter, was Nathan damals getan hat, aber trotzdem wird lange drumherumgeredet, um künstlich Spannung aufrecht zu halten. So haben mich in dieser Phase vor allem die ungemein atmosphärischen Beschreibungen des Lebens am Rande einer Wüste bei der Stange gehalten.

Hier fand ich es sehr schön, wie Jane Harper Informationen, die Nathan und sein Bruder dem ortsfremden Polizisten zukommen lassen, als dieser sich den Schausplatz von Camerons Tod anschaut, mit kleinen Gedanken und Nebenbemerkungen des Erzählers mischt. So wird schnell deutlich, dass es bestimmte Dinge gibt, die kein Einheimischer vernachlässigen oder vergessen würde, so wie es zum Beispiel selbstverständlich ist, dass bei solch gefährlichem Gelände niemand nachts mit dem Auto fährt oder dass für eine zweitägige Fahrt ein ganzer Kofferraum voller Wasserflaschen und Nahrungsmittel mitgenommen wird. Immer wieder gibt es diese kleinen Momente, die zeigen, wie selbstverständlich die Gefahren eines solchen Lebens für die Einheimischen sind, während sich mir bei dem Gedanken, dass es im Notfall im optimalsten Fall mindestens drei Stunden dauern würde, bis Hilfe aus der nächsten Stadt eintreffen könnte, der Magen umdreht. All diese Details lassen einen nur zu gut nachvollziehen, wieso ein solches Leben die besten und die schlimmsten Seiten eines Menschen zum Vorschein bringen kann. So ist es auch nicht besonders überraschend, dass Nathan und seine Brüder selbst keine besonders glückliche Kindheit hatten, und auch wenn er selbst nicht die gleichen Fehler wie sein gewalttätiger Vater begangen hat, hat er dafür mit anderen Problemen zu kämpfen.

Ich will beim besten Willen nicht behaupten, dass „The Lost Man“ eine schöne Geschichte ist. Es gibt so viele zutiefst deprimierende und frustrierende Elemente, wenn es um den Schatten geht, den Nathans seit langem verstorbener Vater bis zum aktuellen Tag auf die gesamte Familie wirft. Aber ich fand es schön zu verfolgen, wie Nathan sich im Laufe des Romans weiterentwickelt hat. Je mehr er sich mit dem Tod von Cameron, mit den Problemen seiner Familie und sogar mit seinem Verhältnis zu seiner Ex-Frau Jacqui und seinem Sohn Xander auseinandersetzt, desto eher scheint er in der Lage zu sein, auch mal positive Gedanken und Gefühle zuzulassen. Wirkt Nathan anfangs geradezu lebensmüde, nach all den Jahren, die er isoliert von der Gemeinschaft verbracht hat, so führen all die Ereignisse rund um Camerons Tod dazu, dass er so langsam in der Lage ist, sich (und anderen) zu verzeihen und in die Zukunft zu blicken. So steht für mich in diesem Roman nicht Camerons Tod, sondern Nathans Entwicklung im Mittelpunkt der Geschichte, was dazu führt, dass ich es auch nicht schlimm fand, dass so viele „überraschende“ Wendungen rund um Camerons Ableben für mich deutlich leichter vorhersehbar waren als die Handlungsentwicklungen in den anderen beiden Büchern von Jane Harper. Die Autorin hat wirklich ein Händchen für realistische Charaktere voller Graustufen ebenso wie für wunderbar atmosphärische Beschreibungen des Lebens in den unwirtlicheren Ecken Australiens und hat es damit auch bei „The Lost Man“ geschafft, mich damit so sehr zu packen, dass ich den Roman zügig gelesen habe, obwohl ich ein paar andere Aspekte in dieser Geschichte nicht ganz so gelungen gefunden habe.

Mur Lafferty: The Shambling Guide to New York City (The Shambling Guide 1)

In den letzten Wochen habe ich so einige „nette“ Romane gelesen, die noch auf meinem eReader schlummerten (oder von mir spontan heruntergeladen wurden 😉 ). „The Shambling Guide to New York City“ von Mur Lafferty gehört definitiv in die Kategorie „nette Romane“ und hat mich gut unterhalten. Die Protagonistin Zoë Jennifer Norris sucht zu Beginn der Geschichte dringend einen neuen Job, nachdem sie ihren letzte Arbeitgeber wegen persönlicher Differenzen (vor allem mit der Ehefrau ihres Vorgesetzten) verlassen musste. Da Zoë sich als Autorin und Redakteurin auf Reiseführer für Städtereisen spezialisiert hat, ist sie hingerissen, als sie bei einem Ausflug in New York in einer seltsamen kleinen Buchhandlung über einen Aushang stolpert, in dem ein neu gegründeter Reisebuch-Verlag jemanden mit ihren Erfahrungen sucht. Doch obwohl Zoë sich sicher ist, dass sie ein Glücksfall für Underground Publishing sein müsste, will der Verlagsinhaber Phillip Rand ihre Bewerbung nicht einmal annehmen. Erst als deutlich wird, dass Zoë nicht so schnell aufgeben wird, kommt es zu einem Vorstellungsgespräch, bei dem sie herausfindet, dass der Verlag von Monstern Cotterie geführt wird.

Nachdem sie den ersten Schock darüber überwunden hat, dass es Vampire, Zombies, Todes-Göttinnen und ähnliche übernatürlich Wesen (allgemein als Cotterie bezeichnet) wirklich gibt, beschließt Zoë, dass die Arbeit für Underground Publishing eine Herausforderung darstellt, die sie wirklich reizt. Allerdings ist es nicht ganz einfach für sie, in einer solchen Umgebung Fuß zu fassen, vor allem, da es unter den Kolleg*innen nicht wenige gibt, die sich von Menschen ernähren. Ich fand es sehr unterhaltsam zu lesen, wie Zoë mehr über diese – ihr bislang vollkommen unbekannte – Parallelgesellschaft der Cotterie erfährt und wie sie sich bei jeder Begegnung mit einer neuen Spezies Gedanken um Etikette macht. Auch war es nett zu verfolgen, wie sie sich mit zwei Kolleginnen anfreundet, während andere Mitarbeiter sie vor größere Herausforderungen gestellt haben. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich nach ca. 100 Seiten fragte, worauf die Autorin mit ihrer Geschichte eigentlich hinauswill, weil ich das Gefühl hatte, dass so langsam etwas passieren müsste. Ein Kapitel später war es dann auch so weit und Zoë begegnet ihrem neuen Kollegen Wesley, der nicht nur ein Konstrukt (in diesem Fall ein aus Leichenteilen zusammengesetztes Wesen) ist, sondern der auch eine Verbindung zu Zoës Vergangenheit hat. Ab diesem Moment nimmt die Handlung etwas mehr Fahrt auf, auch wenn ich sie insgesamt immer noch recht gemütlich zu lesen fand.

Vor allem lebt die Geschichte von „The Shambling Guide to New York City“ von all den größeren und kleineren Begegnungen, die Zoë mit den verschiedenen Cotterie-Varianten hat. Häufig überschätzt die Frau ihr angelesenes Wissen über die verschiedenen Kreaturen, was zu amüsanten Momenten führt, dann wieder trifft sie auf Cotterie, von denen sie vorher noch nie etwas gehört hat und bei denen die Protagonistin sich unsicher ist, wie sie sich verhalten muss, um heil aus der Situation herauszukommen. Dazu kommen all die verschiedenen Nebencharaktere, die mir wirklich viel Spaß gemacht haben, wie Zoës Kolleg*innen oder die alte Granny Good Mae, die Zoë in Selbstverteidigung unterrichtet. Mur Lafferty hat wirklich viele ungewöhnliche Ideen in ihren Roman gepackt, so dass ich immer wieder über überraschende neue Elemente in ihrer Version von New York stolpern konnte. Dazu kommen dann noch all die kleinen Einträge aus dem Reiseführer, an dem Zoë die ganze Zeit arbeitet, die noch weitere Details zu dieser Urban-Fantasy-Welt zufügen. Ich fand es nett, von den alltäglichen Problemen der Cotterie zu lesen, wenn es um die Nahrungsbeschaffung oder Übernachtungsoptionen auf Reisen geht, muss aber auch zugeben, dass all diese Elemente eben auch dazu geführt haben, dass der Roman stellenweise etwas zu gemächlich dahinplätscherte. Wer also eine eher gemütliche Urban-Fantasy-Geschichte mit amüsanten Städteführer-Auszügen sucht, hat mit „The Shambling Guide to New York City“ den passenden Roman gefunden. Wer lieber etwas mit mehr Action liest, sollte definitiv zu einem anderen Buch greifen.

September-SuB 2022

In der zweiten Augusthälfte habe ich richtig viel gelesen und auch wenn ich damit noch nicht an meine monatliche „Wohlfühlgesamtseitenzahl“ herankam, hat das richtig gut getan. Allerdings waren es ausschließlich eBooks, da die sich nun einmal in der verdunkelten Wohnung am Besten lesen lassen, was bedeutet, dass sich beim SuB nur wenig getan hat … Immerhin finde ich es spannend zu sehen, wie selbstverständlich die eBooks inzwischen zu meinem Lesen dazu gehören – was nicht nur an all den kostenlosen/billigen „Probier ich mal aus“-Romanen, sondern auch an all den Kickstarter- und Patreon-Titeln liegt, die ich ausschließlich als eBooks bekomme.

Für den September hoffe ich, dass ich weiterhin viel zum Lesen komme und dass die (hoffentlich anhaltenden) kühleren Temperaturen dafür sorgen, dass ich auch wieder mehr zum gedruckten Buch greifen kann. Es gibt so einige Titel auf dem SuB (gerade unter denen, die in den letzten Wochen eingetroffen sind), die ich doch endlich lesen will. Außerdem will ich meinen SuB mal gründlich durchsortieren und meine Listen auf einen aktuellen (und übereinstimmenden) Stand bringen. Irgendwo versteckt sich da ein Fehler und auch wenn ich in den letzten Monaten nicht die Energie hatte, um den zu suchen, stört er mich doch sehr. *g* Oh, und bei der Gelegenheit werde ich wohl auch den einen oder anderen Titel anlesen und entscheiden, ob ich ihn nach all den Jahren wirklich noch lesen oder einfach ungelesen aussortieren will. Mal schauen, wie mein SuB am Ende des Monats ausschaut … Oo

 

Belletristik-SuB:

  1. Julie Abe: Eva Evergreen and the Cursed Witch
  2. Katherine Addison: The Witness for the Dead (The Cemeteries of Amalo 1)
  3. Katherine Addison: The Grief of Stones (The Cemeteries of Amalo 2)
  4. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  5. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  6. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  7. Kaia Anderson: Sisters in Arms
  8. Sophie Anderson: The Thief Who Sang Storms
  9. Kelley Armstrong: The Gryphon’s Lair (A Royal Guide to Monster Slaying 2)
  10. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  11. Kelly Barnhill: The Ogress and the Orphans
  12. Kelly Barnhill: When Women Were Dragons
  13. Kalynne Bayron: This Poison Heart
  14. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  15. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  16. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  17. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  18. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  19. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Spyness 6)
  20. Nicholas Bowling: Song of the Far Isles
  21. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  22. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  23. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  24. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  25. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  26. Rachel Caine: Paper and Fire (The Great Library 2)
  27. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  28. Jennifer Carson: To Find a Wonder
  29. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  30. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  31. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  32. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  33. Orlagh Collins: All the Invisible Things
  34. Alyssa Colman: The Gilded Girls (Gilded Magic 1)
  35. April Daniels: Dreadnought (Nemesis 1)
  36. Benjamin Dean: Me, My Dad and the End of the Rainbow
  37. Sarah Driver: Once we were Witches
  38. Sarah Beth Durst: Race the Sands
  39. Joseph Elliott: The Good Hawk (Shadow Skye 1)
  40. Louise Erdrich: The Birchbark House
  41. Catherine Fisher: The Velvet Fox (The Clockwork Crow 2)
  42. Anita Frank: The Lost Ones – Some Houses are Never at Peace
  43. Francesca Gibbons: A Clock of Stars 1 – The Shadow Moth
  44. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  45. Nicole Glover: The Conductors
  46. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  47. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  48. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  49. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  50. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  51. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  52. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  53. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  54. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  55. Alexis Hall: The Affair of the Mysterious Letter
  56. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  57. Rachel Hartman: Seraphina
  58. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  59. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  60. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  61. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  62. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  63. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  64. Sharna Jackson: The Good Turn
  65. Catherine Johnson: A Nest of Vipers (abgebrochen und aussortiert)
  66. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  67. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  68. Diana Wynne Jones: Power of Three
  69. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  70. Michelle Ruiz Keil: All of Us with Wings
  71. Celine Kiernan: Geisterpfade
  72. Celine Kiernan: Königspfade
  73. Celine Kiernan: The Little Grey Girl (The Wild Magic Trilogy 2)
  74. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  75. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  76. Sarah Kuhn: From Little Tokyo with Love
  77. R. F. Kuang: The Poppy War
  78. L.D. Lapinski: The Strangeworlds Travel Agency 3 – The Secrets of the Stormforest
  79. Patrice Lawrence: The Elemental Detectives
  80. Yoon Ha Lee: Dragon Pearl
  81. Y.S. Lee: The Body at the Tower (The Agency 2)
  82. Darcie Little Badger: Elatsoe
  83. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  84. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  85. Janelle McCurdy: Mia and the Lightcasters (Umbra Tales 1)
  86. Seanan McGuire: Middlegame
  87. Seanan McGuire: Angel of the Overpass (Ghost Roads 3)
  88. Seanan McGuire: Spelunking Through Hell (InCryptid 11)
  89. Seanan McGuire: When Sorrows Come (October Day 15)
  90. Hilary McKay: The Time of Green Magic
  91. Robin McKinley: Sunshine
  92. Robin McKinley: Dragonhaven
  93. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  94. Wendy McLeod MacKnight: The Copycat
  95. Karen M. McManus: Two can Keep a Secret
  96. Sangu Mandanna: Kiki Kallira Breaks a Kingdom
  97. Kate Milford: The Boneshaker
  98. Kate Milford: Bluecrowne
  99. Kate Milford: The Thief Knot
  100. Ashia Monet: The Black Veins (Black Magic 1)
  101. Maya Montayne: Nocturna
  102. Bethany C. Morrow: A Song Below Water
  103. Tamsyn Muir: Gideon the Ninth
  104. Julie Murphy: Faith – Taking Flight
  105. Julie Murphy: Faith – Greater Hights
  106. Bishop O’Connell: The Stolen
  107. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  108. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  109. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  110. Natalie C. Parker: Seafire
  111. S. A. Patrick: A Vanishing of Griffins (Song of Magic 2)
  112. Leslye Penelope: The Monsters We Defy
  113. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  114. C. L. Polk: Stormsong (Kingston Cycle 2)
  115. C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)
  116. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  117. Sarah Prineas: Dragonfell
  118. Benjamin Read & Laura Trinder: The Midnight Howl (The Midnight Hour 2)
  119. Benjamin Read & Laura Trinder: The Midnight Hunt (The Midnight Hour 3)
  120. Philip Reeve: Larklight
  121. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  122. Rebecca Roanhorse: Race to the Sun
  123. John Scalzi: Fuzzy Nation
  124. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  125. Barbara Sleigh: The Kingdom of Carbonel
  126. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  127. Jessica Spotswood/Tess Sharpe: Toll and Trouble – 15 Tales of Women and Witchcraft (Anthologie)
  128. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  129. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  130. Charles den Tex: Die Zelle
  131. Aiden Thomas: Cemetery Boys
  132. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  133. Sarah Tolcser: Song of the Current
  134. Jessica Townsend: Hollowpox – The Hunt for Morrigan Crow
  135. Tiffany Trent: Unnaturalist
  136. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  137. Renee Watson: Piecing Me Together
  138. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  139. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  140. Martha Wells: The Cloud Roads
  141. J.T. Williams: Drama and Danger (The Lizzie and Belle Mysteries 1) (abgebrochen und aussortiert)
  142. Jen Williams: The Ninth Rain (The Winnowing Flame Trilogy 1)
  143. Kate Williams: The Babysitter Coven 2 – For Better or Cursed
  144. Amy Wilson: Angel and Bavar
  145. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  146. Katherine Woodfine: Peril in Paris (Taylor and Rose 1)
  147. Xinran: Gerettete Worte
  148. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  149. Jy Yang: The Black Tides of Heaven
  150. Kelly Yang: Front Desk
  151. Damaris Young: The Switching Hour
  152. Katie Zhao: The Dragon Warrior
  153. Xiran Jay Zhao: Iron Widow
  154. Xiran Jay Zhao: Zachary Ying and the Dragon Emperor
  155. Ibi Zoboi: Pride

154 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

Sachbuch-SuB: (immer noch unvollständig)

  1. Bernadette Banner: Make, Sew and Mend
  2. Francis Burney: Journals and Letters
  3. Caroline Criado Perez: Invisible Women – Exposing Data Bias in a World Designed for Men
  4. Brunhilde Dähn: Berlin Hausvogteiplatz
  5. Ruth Goodman: How to be a Victorian
  6. Molly Guptill Manning: When Books Went to War
  7. Lindsey Fitzharris: The Butchering Art – Joseph Lister’s Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine
  8. Kameron Hurley: The Geek Feminist Revolution
  9. Jennifer Kloester: Georgette Heyer’s Regency World
  10. Bea Koch: Mad & Bad – Real Heroines of the Regency
  11. Lily Koppel: The Astronaut Wives Club
  12. Natalie Livingstone: The Mistresses of Cliveden
  13. Gail MacColl/Carol McD. Wallace: To Marry an English Lord
  14. Philip Mansel: Prince of Europe – The Life of Charles-Joseph de Ligne
  15. Leo Marks: Between Silk and Cyanide – A Code Maker’s War 1941-45
  16. Molly Peacock: The Paper Garden – An Artist Begins Her Life’s Work at 72
  17. Michael du Preez und Jeremy Dronfield: Dr. James Barry – A Woman Ahead of Her Time
  18. Hallie Rubenhold: Lady Worsley’s Whim – An Eigtheenth-Century Tale of Sex, Scandal and Divorce
  19. Ronen Steinke: Der Muslim und die Jüdin – Die Geschichte einer Rettung in Berlin
  20. Lauren Stowell/Abby Cox: The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking

20 Titel auf dem SuB zum Montatsanfang

Catherine Coles: Murder at the Manor (Tommy & Evelyn Christie 1)

„Murder at the Manor“ von Catherine Coles ist der erste Teil einer (bislang) achtteiligen Krimi-Reihe rund um Evelyn und Tommy Christie. Die Handlung spielt in den 1920ern in Yorkshire, und es gelingt der Autorin meiner Meinung nach recht gut, die Atmosphäre klassischer britischer Cozies einzufangen. Die Geschichte wird zum Großteil aus der Sicht von Evelyn erzählt, die vor einigen Jahren Tommy Christie geheiratet hat, der zur Familie des Earl of Northmoor gehört. Dabei wird schon recht früh deutlich, dass weder Evelyn noch Tommy besonders angetan von Tommys Verwandtschaft sind und beide – statt den Beginn der Jagdsaison auf dem Familiensitz zu verbringen – lieber gemütlich zuhause in ihrem kleinen Cottage wären. Als dann der Earl of Northmoor stirbt und schnell der Verdacht im Raum steht, dass er vergiftet worden sein könnte, versucht das Ehepaar mehr über die Personen herauszufinden, die das Wochenende über im Haus waren.

Ich fand „Murder at the Manor“ wirklich sehr nett zu lesen, auch wenn (oder gerade weil?) die Handlung ein bisschen vor sich hinplätschert. Evelyn ist eine sympathische Figur, deren Perspektive ich gern verfolgt habe. Ich mochte, dass sie häufig unsicher ist, weil sie wenig mit den Traditionen von Tommys adeliger Familie anfangen kann, sich aber trotzdem bemüht, all diese Dinge zu respektieren. Und noch mehr mochte ich, dass sie trotz all ihrer Unsicherheit Rückgrat hat und Grenzen setzen kann, wenn eines von Tommys Familienmitglieder zu weit geht. Sehr viele Elemente in der Handlung erinnern an all die Romane von Agatha Christie, in denen im engen Familien- und Freundeskreis ein Mord begangen wird, wobei Catherine Coles‘ Erzählweise – besonders wenn es um zwischenmenschliche Elemente und Evelyns Gedanken zu ihrer eigenen Position als Frau in der Gesellschaft geht – immer wieder verrät, dass dieser Roman erst vor wenigen Jahren geschrieben wurde.

Ein wenig schmunzeln musste ich zum Beispiel bei all den Szenen, in denen Evelyn die Dienstboten zu diversen Themen und Vorfällen befragt und dabei recht gemütlich mit ihnen schwatzt, weil diese Momente so gar nicht mit den Eindrücken zusammenpassen, die ich in den letzten Monaten durch das Lesen von „The Cook’s Tale“ und „Below Stairs“ zum Verhältnis zwischen Dienerschaft und Herrschaft bekommen habe. Aber innerhalb des Romans funktionieren Evelyns Versuche, ein freundschaftliches Verhältnis zu Köchin, Küchenmädchen und Haushälterin aufzubauen, sehr gut, also konnte ich definitiv damit leben. Spannend fand ich es auch, dass Catherine Coles der Polizei keine nennenswerte Rolle in diesem Kriminalroman einräumte. Auf der einen Seite ist es schon wichtig, dass sowohl Tommy als auch Evelyn früher für die Polizei gearbeitet haben, nun aber aufgrund ihrer Verstrickungen mit der Familie nicht in die Ermittlungen einbezogen werden dürfen, auf der anderen Seite gibt es keinerlei Szenen, in denen Polizeiarbeit beschrieben wird.

Auch bei der Auflösung des Falls scheint es weniger wichtig zu sein, belegbare Beweise für die Polizei (und ein späteres Gerichtsverfahren) zusammenzubringen, statt die Unschuld derjenigen zu beweisen, die ohne eigenes Zutun von den Verbrechen profitiert haben. Dann ist da noch all das Beziehungschaos innerhalb von Familie und Freundeskreis, das es aufzuräumen gilt, um den Fall zu klären, wobei Tommy die Polizei immer informiert, wenn er oder seine Frau etwas Wichtiges für die Ermittlungen erfahren haben, so dass die offiziellen Ermittler zwar nur eine geringe Rolle spielten, aber auch nicht als unfähig oder gar feindlich dargestellt werden. Insgesamt fand ich es überraschend unterhaltsam und entspannend, mit Evelyn (und Tommy) durch das Herrenhaus zu streifen und die Geheimnisse all der anwesenden Personen zu entdecken. Auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass der Roman einen langanhaltenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, so kann ich mir doch gut vorstellen, in Zukunft weitere Geschichten mit Evelyn und Tommy zu lesen (und dabei herauszufinden, wie viel Gin Tonic Tommys Tante Em wohl benötigen wird, um den nächsten Mordfall zu überstehen).