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T. Kingfisher: The Hollow Places

Auch wenn mein Blog „Alles außer Lyrik“ heißt, so antworte ich doch normalerweise auf die Frage, was ich lesen würde, mit „Alles außer Horror“. Aber ab und an mache ich eine Ausnahme und greife doch zu einer Horrorgeschichte – entweder weil diese ein Klassiker ist und ich das Gefühl habe, ich sollte sie mal gelesen haben, oder weil diese von einer Person geschrieben wurde, bei der ich darauf vertraue, dass die Geschichte insgesamt so gut ist, dass ich es als passenden Ausgleich für die damit einhergehenden Albträume empfinde. Und da ich von T. Kingfishers (bzw. Ursula Vernons) „The Hollow Places“ in den letzten Monaten sehr viel Gutes gehört habe und die gelesenen Bücher der Autorin bislang eigentlich alle mochte, habe ich einen Versuch mit dem Titel gewagt. Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich all den lobenden Stimmen recht geben kann: Die Geschichte ist sehr gut, sehr unheimlich und überraschend amüsant!

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Kara, die frisch geschieden ist und deshalb übergangsweise zu ihrem Onkel Earl zieht. Onkel Earl ist nicht nur ein wirklich liebenswerter Mensch, der sich schon früher liebevoll um seine Nichte gekümmert hat, sondern er benötigt auch jemanden, der sein „Glory to God Museum of Natural Wonders, Curiosities, and Taxidermy“ führt, während er sich einer Knieoperation unterziehen muss. Kara ist ganz zufrieden damit, tagsüber für das Museum verantwortlich zu sein und später am Abend als freiberufliche Grafikerin zu arbeiten, während sie überlegt, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Doch dann hinterlässt einer der Besucher des Museums ein Loch in einer der Wände, und als Kara zusammen mit Simon, dem Barista des benachbarten Coffeeshops, den Schaden beseitigen will, entdecken sie einen Weg in eine andere Welt. Eine unheimliche Welt, die von Wesen bevölkert wird, die anscheinend Gedanken hören können, und je verängstigter die Person ist, die diese Gedanken denkt, desto stärker werden diese Wesen …

Inspiriert wurde die Autorin zu „The Hollow Places“ von „The Willows“ von Algernon Blackwood und da ich die Geschichte nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, wie weit die Inspiration ging und ob sie eine ähnliche Atmosphäre getroffen hat. Mir hat die relativ ruhige Erzählweise in „The Hollow Places“ gefallen – und dass diese dazu geführt hat, dass ich mich ständig sorgte, was wohl als Nächstes passieren würde. Ich persönlich finde ja, dass es zu einer guten Horrorgeschichte gehört, dass meine Fantasie davon so sehr angeheizt wird, dass sie mir mehr gruselige Momente beschert als der Text, den ich gerade lese, und das war hier definitiv der Fall. Ich mochte auch das Verhältnis zwischen Kara und dem Barista Simon, das von einer entspannten Freundschaft geprägt wurde. Zu Beginn kennen sich die beiden noch gar nicht so gut, aber sie funktionieren gut zusammen in Gefahrensituationen, und die Dialoge zwischen diesen beiden Figuren haben regelmäßig dafür gesorgt, dass ich vor mich hinkichern musste, obwohl ich gleichzeitig um das Leben der beiden gefürchtet habe. Es war schön zu lesen, dass die beiden Figuren sich so akzeptierten, wie sie waren, und Halt darin fanden, dass sie nicht alleine all die bizzaren und beängstigenden Situationen erleben mussten.

Einige Rezensionen kritisieren, dass die Protagonistin erst sehr, sehr spät in der Geschichte merkt, welche Verbindung es zwischen dem Museum und der unheimlichen Welt, die sie dadurch erreichen kann, gibt. Mich persönlich hat es nicht gestört, dass sie dieses Element immer wieder übersah, weil die Autorin für mich glaubhaft aufgezeigt hat, dass Kara auf der einen Seite so sehr an die vielen skurrilen Objekte des Museums gewöhnt ist, dass sie sie nicht mehr als merkwürdig wahrnimmt, und auf der anderen Seite so viel um die Ohren hat, dass man so viel Aufmerksamkeit von ihr in stressigen Situationen nicht erwarten kann. Auch mit der ruhigen Erzählweise und der Tatsache, dass Kara und Simon immer wieder versuchen, ihre Situation und die Begebenheiten dieser anderen Welt(en) zu analysieren, hat T. Kingfisher meinen Geschmack getroffen. Für mich muss Horror weder actiongetrieben noch unappetitlich sein – ich finde eine langsam und atmosphärisch erzählte Geschichte definitiv beeindruckender, und „The Hollow Places“ fällt eindeutig in diese Kategorie.

März-SuB 2021

Dafür, dass ich davon ausging, dass ich nicht so viel zum Lesen kommen würde, lief der Februar dann doch gar nicht so schlecht. Was auch daran lag, dass ich den einen oder anderen Abend etwas später beendet habe als klug gewesen wäre, unter anderem weil unsere Nachbarin es sich angewöhnt hat nach 23 Uhr noch einige Zeit lang laut Musik zu hören. Ich kann damit leben, wenn ich selber noch wach bin und ein Buch vor der Nase habe. Während mich die von unten zu hörenden Geräusche ganz kirre machen, wenn ich im Bett liege und einschlafen will. Ansonsten kann ich vermelden, dass ich die Verwaltung meiner eBooks beendet habe – angespornt dadurch, dass ich mir einen neuen eReader kaufen musste, weil mein altes Schätzchen nach all den Jahren so langsam den Dienst verweigerte.

Außerdem habe ich mein – eigentlich nicht so ernsthaft vorgenommenes – Lesevorhaben 1/4 Neuzugänge, 1/4 ältere Bücher vom SuB, 1/4 Rereads und 1/4 eBooks zu lesen überraschend gut erfüllt. Genau genommen las (und hörte) ich 3 Neuzugänge, 3 ältere Titel vom SuB, 3 Rereads und 4 eBooks, dazu 1 (sehr kurzes) Sachbuch, 2 Kurzgeschichte, 1 Hörbuch und 1 Manga. Ich vermute mal, dass ich im März häufiger zum eBook greifen werden, weil der neue eReader ja schon einen Anreiz bildet und ich nun ja auch einen besseren Überblick über meine vorhandenen eBooks habe. Mal schauen, wie sich der Monat sonst so bezüglich meiner Lesezeit entwickelt – vor allem da ich jetzt schon davon ausgehe, dass ich die letzte Märzwoche über meine Freizeit ausschließlich mit dem neuen „Story of Seasons“-Spiel verbringen werde …

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Kelley Armstrong: The Gryphon’s Lair (A Royal Guide to Monster Slaying 2)
  5. Sophie Anderson: The Castle of Tangled Magic
  6. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  7. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  8. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  9. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  10. Gwenda Bond/Christopher Rowe: The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy
  11. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  12. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  13. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Spyness 6)
  14. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  16. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  17. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  19. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  20. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  21. Patricia Briggs: Smoke Bitten (Mercy Thompson 12)
  22. Rachel Caine: Paper and Fire (The Great Library 2)
  23. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  24. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  25. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  26. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  27. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  28. Orlagh Collins: All the Invisible Things
  29. Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers
  30. April Daniels: Dreadnought (Nemesis 1)
  31. Sarah Beth Durst: Race the Sands
  32. Louise Erdrich: The Birchbark House
  33. Catherine Fisher: The Velvet Fox (The Clockwork Crow 2)
  34. Anita Frank: The Lost Ones – Some Houses are Never at Peace
  35. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  36. Jasmine Gower: Moonshine
  37. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  38. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  39. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  40. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  41. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  42. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  43. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  44. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  45. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  46. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  47. Michelle Harrison: A Tangle of Spells
  48. Rachel Hartman: Seraphina
  49. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  50. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  51. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  52. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  53. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  54. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  55. Sharna Jackson: High Rise Mystery
  56. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  57. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  58. Diana Wynne Jones: Power of Three
  59. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  60. Michelle Ruiz Keil: All of Us with Wings
  61. Celine Kiernan: Geisterpfade
  62. Celine Kiernan: Königspfade
  63. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  64. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  65. R. F. Kuang: The Poppy War
  66. Yoon Ha Lee: Dragon Pearl
  67. Y.S. Lee: The Body at the Tower (The Agency 2)
  68. Darcie Little Badger: Elatsoe
  69. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  70. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  71. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  72. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  73. Seanan McGuire: The Unkindest Tide (October Daye 13)
  74. Seanan McGuire: Middlegame
  75. Seanan McGuire: Across the Green Grass Fields (Wayward Children)
  76. Seanan McGuire: Calculated Risks (InCryptid 10)
  77. Robin McKinley: Sunshine
  78. Robin McKinley: Dragonhaven
  79. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  80. Karen M. McManus: Two can Keep a Secret
  81. Kelly Meding: Stray Magic
  82. Kelly Meding: Stray Moon
  83. Kate Milford: The Boneshaker
  84. Kate Milford: Bluecrowne
  85. Kate Milford: The Thief Knot
  86. Maya Montayne: Nocturna
  87. Julie Murphy: Faith – Taking Flight
  88. Bishop O’Connell: The Stolen
  89. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  90. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  91. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  92. Natalie C. Parker: Seafire
  93. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  94. C. L. Polk: Stormsong (Kingston Cycle 2)
  95. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  96. Sarah Prineas: Dragonfell
  97. Philip Reeve: Larklight
  98. Kat Richardson: Labyrinth (Greywalker 5)
  99. Kat Richardson: Downpour (Greywalker 6)
  100. Kat Richardson: Seawitch (Greywalker 7)
  101. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  102. John Scalzi: Fuzzy Nation
  103. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  104. Barbara Sleigh: Carbonel
  105. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  106. Jessica Spotswood/Tess Sharpe: Toll and Trouble – 15 Tales of Women and Witchcraft (Anthologie)
  107. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  108. Robin Stevens: Death Sets Sail (A Murder Most Unladylike 9)
  109. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  110. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  111. Charles den Tex: Die Zelle
  112. Aiden Thomas: Cemetery Boys
  113. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  114. Sarah Tolcser: Song of the Current
  115. Tiffany Trent: Unnaturalist
  116. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  117. Dominique Valente: Starfell – Willow Moss and the Lost Day
  118. Renee Watson: Piecing Me Together
  119. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  120. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  121. Darcie Wilde: And Dangerous to Know (Rosalind Thorne 3)
  122. Amy Wilson: Angel and Bavar
  123. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
  124. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  125. Xinran: Gerettete Worte
  126. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  127. Damaris Young: The Switching Hour
  128. Ibi Zoboi: Pride

128 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

Sachbuch-SuB: (noch unvollständig)

  1. Caroline Criado Perez: Invisible Women – Exposing Data Bias in a World Designed for Men
  2. Brunhilde Dähn: Berlin Hausvogteiplatz
  3. Ruth Goodman: How to be a Victorian
  4. Lindsey Fitzharris: The Butchering Art – Joseph Lister’s Quest to Transform the Grisly World of Victorian Medicine
  5. Elizabeth Hawes: Zur Hölle mit der Mode
  6. Kameron Hurley: The Geek Feminist Revolution
  7. Lily Koppel: The Astronaut Wives Club
  8. Natalie Livingstone: The Mistresses of Cliveden
  9. Gail MacColl/Carol McD. Wallace: To Marry an English Lord
  10. Philip Mansel: Prince of Europe – The Life of Charles-Joseph de Ligne
  11. Molly Peacock: The Paper Garden – An Artist Begins Her Life’s Work at 72
  12. Michael du Preez und Jeremy Dronfield: Dr. James Barry – A Woman Ahead of Her Time
  13. Hallie Rubenhold: Lady Worsley’s Whim – An Eigtheenth-Century Tale of Sex, Scandal and Divorce

13 Titel auf dem SuB zum Montatsanfang

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

 

Deborah Blake: Furbidden Fatality (A Catskills Pet Rescue Mystery 1)

Ich habe gerade zu meiner großen Überraschung festgestellt, dass ich noch kein Buch der Autorin Deborah Blake für den Blog rezensiert habe, obwohl ich ihre Urban-Fantasy-Reihe rund um die verschiedenen nordamerikanischen Baba Yagas und ihre „Riders“ sehr gern (und vollständig) gelesen habe. Auf jeden Fall hat mich die Tatsache, dass ich ihre fantastischen Geschichten mag, dazu bewogen, ihrem ersten Versuch, einen Cozy zu schreiben, eine Chance zu geben. Die Geschichte dreht sich um die 29jährige Kari Stuart, die vor einiger Zeit wieder zurück in ihre kleine Heimatstadt in den Catskills gezogen ist. Nach einem Studienabschluss, mit dem sie keinen Job finden konnte, und einer unschönen Scheidung arbeitet sie als Kellnerin im örtlichen Diner. Bevor sie weitere Veränderungen in ihrem Leben vornimmt, möchte sie herausfinden, was sie eigentlich genau für ein Leben führen will – doch dann fallen ihr unverhofft erst ein Millionen-Lottogewinn und dann ein kleines streunerndes Kätzchen in die Hände. Als das örtliche Tierheim die Katze nicht aufnehmen will, weil es hoffnungslos überfüllt ist, erfährt sie von dem privaten Gnadenhof Serenity Sanctuary, der in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Spontan kauft Kari den Gnadenhof und darf sich von nun an nicht nur mit all den Problemen herumschlagen, die mit der Renovierung des Geländes und der Versorgung der vielen Tiere zusammenhängen, sondern auch mit dem städtischen Hundefänger Bill Myers. Dieser behauptet, dass einer von Karis Schützlingen eine Gefahr für die Allgemeinheit sei, und versucht vor Gericht die Einschläferung des Tieres durchzubringen. Während sich Kari noch fragt, wie sie beweisen kann, dass Buster ein freundlicher Hund ist, findet sie die Leiche von Bill Myers auf dem Serenity-Sanctuary-Gelände. Der Hundefänger wurde anscheinend getötet, als er gerade dabei war, ein Loch unter dem Zaun des Hundeauslaufs zu graben. Für den Sheriff gehört Kari damit – ebenso wie Daisy, von der sie den Gnadenhof gekauft hat, – zu den Hauptverdächtigen. Um ihre und Busters Unschuld zu beweisen, beginnt Kari zusammen mit diversen Freundinnen und freiwilligen Helfern des Gnadenhofs Fragen über Bill Myers und seine Arbeit als Hundefänger zu stellen.

Ich muss gestehen, dass „Furbidden Fatality“ mich jetzt nicht umgehauen hat, aber der Roman bietet eine nette und flüssig zu lesende Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Ich mochte die verschiedenen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten – sogar den Sheriff, der nicht besonders entgegenkommend und den falschen Personen gegenüber zu misstrauisch ist. Es war nett, mal einen relativ realistischen Roman zu lesen, der im Tierschutzbereich spielt und bei dem die Autorin nicht verschweigt, dass ein Großteil der Arbeit nicht im Schmusen von vernachlässigten Tieren, sondern im Beseitigen von Ausscheidungen und ähnlich lästigen Tätigkeiten besteht. Auch hat es mir gefallen, dass Deborah Blake mit der kleinen Katze Queenie zwar ihrer Protagonistin eine „tierische Ermittlerin“ zur Seite stellt, diese aber nichts tut, was man nicht auch von einer „normalen“ Katze erwarten würde. Ich muss gestehen, dass ich bei den ersten Bemerkungen der Autorin zu dem Roman befürchtet hatte, dass man (wie bei den Sneaky-Pie-Brown-Romanen von Rita Mae Brown) Passagen aus Sicht der Katze lesen würde, aber das ist nicht der Fall.

Auch gibt es zwar zwei wirklich sympathische Männer, denen Kari im Laufe der Geschichte begegnet, aber nicht einmal den Hauch einer Liebesgeschichte – was ich unglaublich erholsam bei einem aktuellen Cozy finde. Insgesamt konzentriert sich Deborah Blake, wenn es um den zwischenmenschlichen Teil der Handlung geht, eher auf die Freundschaften (zu anderen Frauen), die Kari zum Teil schon seit langer Zeit begleiten oder die sie im Laufe der Geschichte neu knüpft, und das fand ich wirklich schön zu lesen. Kritisieren könnte ich, dass die Autorin ihre Bösewichte ein bisschen zu offensichtlich gestaltet hat. Wenn eine Figur in dem Roman unsympathisch ist und mehr als einen Auftritt bekommt, kann man als Leserin eigentlich gleich davon ausgehen, dass die Person etwas mit den kriminellen Handlungen rund um Bill Myers zu tun hat. Aber damit konnte ich leben, weil „Furbidden Fatality“ insgesamt wirklich unterhaltsam war und ich angenehm entspannte Stunden mit der Geschichte verbracht habe. Ich denke, ich werde mir auch den zweiten Band (mit dem schrecklichen Titel „Doggone Deadly“) gönnen, wenn dieser im Herbst erscheint.

Rachel Caine: Working Stiff (Revivalist 1)

Bislang habe ich mich eigentlich mit allen Romanen, die ich von Rachel Caine gelesen habe, gut unterhalten gefühlt, aber „Working Stiff“ konnte mich nicht so recht überzeugen. Die Handlung dreht sich um Bryn Davis, die nach einigen Jahren in der US-Armee ihren ersten zivilen Job in einem Bestattungsinstitut antritt. Nach all der Zeit, in der sie mit Kriegsopfern zu tun hatte, weiß sie, dass sie mit Leichen ebensowenig wie mit Trauer ein Problem hat. Außerdem geht sie davon aus, dass die Beschäftigung in einem Bestattungsinstitut ihr einen ruhigen und langfristigen Arbeitsplatz sichern wird. Doch bedauerlicherweise betreibt ihr neuer Arbeitgeber Mr. Fairview ein kleines illegales Nebengeschäft, das dafür sorgt, dass Bryn gleich an ihrem ersten Arbeitstag getötet wird.

Grundsätzlich habe ich ja kein Problem mit toten Protagonistinnen, davon gibt es ja so einige in den diversen Urban-Fantasy-Romanen, aber hier ist nicht Magie die Ursache für Bryns weitere Existenz, sondern eine Chemikalie mit dem Namen „Returné“, die ihren Körper weiterhin „normal“ funktionieren lässt, solange sie einmal am Tag damit versorgt wird. Doch um weiterhin Zugang zu Returné zu haben, muss Bryn für die herstellende Pharmafirma herausfinden, wer Mr. Fairview illegal mit der Chemikalie versorgt und welche seiner Kunden der Bestattungsunternehmer damit behandelt hat. Dieser Auftrag ist natürlich nicht so einfach zu erfüllen, und so muss sich Bryn nicht nur mit dem Alltag des Bestattungsgeschäfts herumschlagen, sondern auch mit skrupellosen Wissenschaftlern, paranoiden Ex-FBI-Angestellten und einer neugierigen kleinen Schwester.

Ich muss zugeben, dass „Working Stiff“ in meinen Augen gleich mehrere Probleme mit sich bringt. So fand ich die Handlung über weite Strecken nicht besonders spannend, weil es recht lange dauerte, bis die Grundsituation aufgebaut und alle wichtigen Charaktere vorgestellt waren. Aber eine eher langsam voranschreitende Geschichte stört mich normalerwiese nicht, wenn ich die Figuren sympathisch finde und genügend unterhaltsame Szenen geboten bekomme, um dabei zu bleiben. Ich mochte, dass Rachel Caine die Protagonistin (zumindest zu Beginn) mit glaubwürdigen Stärken und Schwächen versehen hat, und das hat mich über den eher zähen Einstieg hinweggetröstet. So ist Bryn zwar eine Kriegsveteranin, aber sie ist nicht immer und jederzeit kampfbereit, sondern eben ein ganz normaler Mensch, der auch mal von einem Angriff aus heiterem Himmel überrascht wird. Ebenso ist sie in unvertrauten Situationen – wie sie zum Beispiel ihr erster Arbeitstag in größeren Mengen bietet – unsicher, während sie auf der anderen Seite kein Problem damit hat, aggressiven oder übergriffigen Personen ihre Grenzen aufzuzeigen, weil das eben etwas ist, womit sie Erfahrung hat.

Trotzdem bin ich mit Bryn bis zum Schluss nicht so recht warm geworden, und ich fürchte, dass das an der Ausweglosigkeit ihrer Situation lag. Bryn stirbt relativ früh in der Geschichte, und auch wenn Returné sie wie einen lebendigen Menschen funktionieren lässt, so steht von Anfang an fest, dass es keine Heilung oder Besserung für sie gibt. Sie wird für ihre restliche Existenz darauf angewiesen sein, dass ihr einmal am Tag Returné verabreicht wird, und wenn diese Chemikalien für ein paar Tage ausbleibt, wird sie bei vollen Bewusstsein verrotten. Außerdem gibt es eine Nebenwirkung von Returné, die dafür sorgt, dass Bryn jederzeit ihren eigenen Willen verlieren kann, wenn ihr nicht einmal wöchentlich ein Gegenmittel verabreicht wird. Mit dieser Grundvoraussetzung war es für mich als Leserin erschreckend egal, dass Bryn theoretisch ein gutes Leben führen könnte – also wenn es die diversen Personen und Institutionen, die sie manipulieren und kontrollieren wollen, nicht gäbe. Dazu kommt noch, dass ihr untoter Zustand dafür sorgt, dass Bryn so gut wie unzerstörbar ist. Sie kann zwar Schmerzen spüren und das Bewusstsein verlieren, aber genügend Zeit und eine ausreichende Versorgung mit Returné führen dazu, dass ihr Körper selbst noch so schwere Verletzungen wieder reparieren kann.

Ich brauche, wenn ich solche Bücher lese, einen kleinen Funken Hoffnung, dass es für die Protagonistin am Ende noch irgendwie „besser“ werden könnte und dass es ihr gelingt, die „Bösewichte“ in der Geschichte (zumindest temporär) zu besiegen. Außerdem möchte ich zu den Charakteren eine Verbindung aufbauen, die dafür sorgt, dass ich mir Gedanken um ihr Wohlergehen mache und mich frage, wie sie wohl aus den diversen Schwierigkeiten wieder herauskommen. Bei „Working Stiff“ habe ich diese Hoffnung und dieses Mitbangen leider vermissen müssen, und das sorgte dafür, dass ich mich nicht weiter mit Bryns Schicksal auseinandersetzen mochte. Mir fehlte ein Ausgleich für all die unschönen Szenen, die die Brutalität und Skrupellosigkeit der diversen Nebenfiguren mit sich brachten, und je weiter ich las, desto weniger neugierig war ich auf das Schicksal von Bryn und ihren Freunden. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich das Buch wohl nur beendet, weil ich hoffte, dass Rachel Caine am Ende doch noch etwas aus dieser Geschichte machen würde.

Lese-Sonntag im Februar 2021

Mal schauen, ob ich heute einen ganz normalen und gemütlichen Lese-Sonntag erlebe oder ob die Bomben-Entschärfung im Viertel noch zu etwas Aufregung führen wird. Wir liegen in der sogenannten „Schutzzone“, was bedeutet, dass wir (zum Glück) nicht evakuiert werden, aber wir dürfen ab acht Uhr das Haus nicht mehr verlassen und sollten uns nicht in der Nähe der Fenster aufhalten. Letzteres ist in unserer Wohnung etwas schwierig, aber ich hoffe mal (und das natürlich nicht nur für unsere Fenster), dass die Bombe nicht explodiert, sondern sich brav entschärfen lässt. Dabei wurden wir schon vorgewarnt, dass die Entschärfung dieses Mal länger dauern wird als sonst, da sie unter Corona-Bedingungen stattfindet – mal schauen, wann es Entwarnung geben wird. Erfahrungsgemäß dauert es ja schon mal immer deutlich länger als geplant bis das Viertel geräumt ist und die Polizei sichergestellt hat, dass auch alle Personen aus dem Gefahrenbereich verschwunden sind, so dass die Arbeiten an der Bombe beginnen können. Ich werden also heute relativ viel abgelenkt sein, weil wir immer wieder versuchen werden Informationen über den Stand der Entschärfung zu bekommen. Aber erst einmal starte ich mit dem üblichen Kram in den Tag und versuche dabei wach genug zu werden, dass ich mich für ein Buch entscheiden kann.

 

Update 11:00 Uhr

Ein Animal-Crossing-Screenshot auf dem meine Spielfigur vor einem Schneemann steht, der sagt "Unglaublich! Farbe, Glanz, Größe ... Es stimmt einfach alles!"

So, der Haushaltskram ist erledigt, auf dem Herd köchelt noch die Suppe für heute Abend und daneben zieht der Milchreis, den ich mir gleich zum Frühstück gönnen werde. Neben all dem Kram habe ich in meinem aktuellen Hörbuch, „Hero“ von Althea Kontis, weitergehört. Ich mag den Humor, die ganzen Märchenelemente und die absurden Ideen der Autorin, mein Mann hingegen hasst sowohl die Erzählweise als auch die Sprecherin, was bedeutet, dass ich gerade niemanden habe, der mein Geschirr abtrocknet, solange dabei das Hörbuch läuft. 😉 Außerdem habe ich heute schon eine kurze Runde bei „Animal Crossing“ gedreht, um wie jeden Sonntagmorgen eine Ladung Rüben zum Spekulieren zu kaufen, und vor und neben dem Kochen habe ich schon mal einige Seiten in „The Jewelled Moth“ von Katherine Woodfine gelesen.

Das Foto zeigt die Taschenbuchausgabe von "The Jewelled Moth" vn Katherine Woodfinde (schönes Cover mit Scherenschnittartigem Motiv) und daneben eine große Tasse mit schwarzem Tee.

Das ist der zweite Band der Sinclair’s-Mysteries-Reihe und diese Bücher sind ein Fall von „weil mir der erste Teil so gut gefallen hat, kaufe ich mir sofort alle Fortsetzungen und lasse sie dann im SuB stehen und freue mich jedes Mal, wenn mein Blick darauf fällt“. Bevor ich das noch ein weiteres Jahr durchziehe, dachte ich mir, dass ich „The Jewelled Moth“ doch mal endlich aus dem SuB befreie. Bislang gefällt mir die Geschichte sehr gut, es sind ein paar Monate seit den Ereignissen aus „The Clockwork Sparrow“ vergangen und inzwischen befürchtet Sophie nicht mehr, dass sie jeden Moment von dem Verbrecherboss „Baron“ angegriffen wird. Aber aufgrund der ersten Seiten, in denen man die Perspektive der jungen Mei verfolgen konnte, steht für mich schon jetzt fest, dass der Baron demnächst wieder eine wichtige Rolle spielt und die Handlung Sophie und ihre Freunde nach China Town führen wird. Ich freue mich jetzt schon wieder über all die Szenen in dem Kaufhaus, in dem Sophie und die anderen arbeiten, und darüber, dass die Autorin es schafft den Alltag einer arbeitenden jungen Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts so realistisch und trotzdem nicht zu deprimierend darzustellen. 😉

 

Update 15:00 Uhr

Nachdem die ganze Aktion mehrfach unterbrochen werden musste, weil Fußgänger im Viertel unterwegs waren, ist die Bombe jetzt entschärft worden. Unser Viertel ist jetzt also wieder sicher und die Nachbarn bevölkern die engen Fußwege – was bedeutet, dass meine Lust rauszugehen spontan verschwunden ist. 😉

Noch einmal die Taschenbuchausgabe von "The Jewelled Moth" und daneben eine zartgrüne Schale mit Himbeer-Milchreis, über den ich ein paar gehackte Mandeln gestreut habe.

Nach dem letzten Update habe ich erst einmal gefrühstückt. Nach längerer Zeit gab es mal wieder Milchreis mit Himbeeren und er war auch lecker, aber ich denke, dass diese Milchreis-Phase erst einmal wieder vorbei für mich ist. *g* Als Unterhaltung zum Frühstück habe ich mir das aktuellste Video von Bernadette Banner angeschaut (das Video drehte sich um den Entwurf eines „Mary Poppins“-Sommerkleides nach dem Vorbild edwardianischer Lingerie Gowns) – wie immer sehr informativ und unterhaltsam, aber ich muss zugeben, dass ich ihr noch lieber beim Nähen zuschaue als beim Entwerfen. 😉 Danach haben wir eine Runde „Steampunk Rally“ gespielt – das Spiel ist in dieser Woche erst bei uns angekommen und nachdem mein Mann gestern Vormittag viel Zeit darin investiert hat unseren Tisch von seiner Home-Office-Installation zu befreien, mussten wir den heutigen Tag auf jeden Fall auch noch einmal zum Spielen nutzen. (Ich will gar nicht wissen, wie lange er heute Abend braucht, um alle Geräte und Monitore wieder zu verkabeln … *g*)

Das Foto besteht aus zwei Teilen. Auf der linken Seite sieht man die Schachelt des Spiels "Steampunk Rally", daneben den Anfangsaufbau einer Spielrunde, wobei mittig das Spielbrett liegt, links davon drei große Haufen mit verschiedenen Würfeln, und rechts vier Kartenstapel.

Das Spiel ist relativ einfach und einer Spielzeit von ungefähr einer Stunde auch für unsere Verhältnisse relativ schnell spielbar. Man bekommt zu Beginn des Spiels einen Entwickler (bei mir war es heute Hertha Ayrton), der über ein zweiteiliges Fahrzeug verfügt (Cockpit plus ein weiteres Teil, das je nach Erfinder unterschiedlich ist) und muss durch das Ziehen von Karten (vier unterschiedliche Karten zu Beginn einer Spielrunde) sein Fahrzeug ausbauen und durch den Einsatz von Würfeln (die für drei verschiedenen Energiearten stehen und je nach Fahrzeugteil unterschiedliche Wirkung haben) versuchen die Rennstrecke hinter sich zu bringen. Dabei kann es durch die Rennstrecke oder zu wenig ausgereifte Fahrzeugteile zu Schäden am Fahrzeug kommen oder gegnerische Fahrer können einen behindern … Nach den ersten beiden Tagen, die wir das Spiel gespielt haben, mag ich es sehr, aber ich weiß nicht, ob ich jemals damit gewinnen werde. 😉 Heute war es so, dass meine Erfinderin mir keinerlei Schutz vor Beschädigungen zur Verfügung stellte, so dass ich nach jeder Runde so viel Schaden nahm, dass ich all die neu dazugewonnen Fahrzeugteile gleich wieder abwerfen musste. Was bedeutete, dass ich nicht viel Bewegungsspielraum hatte … Trotzdem bin ich meinem Mann zu Anfang schön davon gefahren und hätte auch gewinnen können, wenn er nicht am Ende so viele Teile gesammelt hätte, dass er mit seinem letzten Zug nicht nur die halbe Rennstrecke auf einmal hinter sich bringen, sondern mich auch noch deutlich überholen konnte. 😉

 

Update 20:30 Uhr

Ein weiteres Foto mit der Taschenbuchausgabe von "The Jewelled Moth" - dieses Mal steht auf der rechten Seite eine große Tasse mit Milchkaffee

Nachdem ich mich nach dem letzten Update noch etwas online rumgetrieben hatte, habe ich dann doch noch bis zum Abendessen Zeit mit Lesen verbracht. Ich mag, wie sich die Geschichte entwickelt und wie man aus den verschiedenen Perspektiven mehr über die aktuellen Probleme der Personen lernt. Sophie kommt dabei im Moment etwas weniger zu Wort, was ich etwas schade finde, aber es gibt wunderbar amüsante Szenen mit ihrer Freundin Lil, sehr schöne Kaufhaus-Beschreibungen rund um das Sinclair’s und als Kontrast all die Veränderungen in China Town, nachdem die Bedrohungen durch den Baron und seine „Boys“ die Existenz und Selbstständigkeit all der kleinen Geschäftsleute dort gefährdet.

Eine grüne Schale mit einer Portion Erbsensuppe.

Zum Abendessen (Erbsensuppe mit halbierten Schälerbsen, weil ich keine anderen bekommen habe) haben wir die erste Folge „Nadiya Bakes“ geschaut. Ich mag die Koch- und Backsendungen mit Nadiya Hussain, weil sie relativ einfache Gerichte zubereitet, alles so schön gefilmt ist und lecker ausschaut und Nadiya selber einfach eine sympathische Person ist – soweit ich das anhand von Kochsendungen und Interviews beurteilen kann. Dummerweise hätte ich jetzt Lust sofort in die Küche zu wandern, um eine Runde zu backen, aber das muss warten bis ich mal wieder passende Zutaten im Haus habe. 😉 Bevor ich wieder zum Buch greife, drehe ich erst einmal eine Kommentarrunde und schaue, was ihr so in den letzten Stunden so gemacht habt.

 

Update 22:30 Uhr (letztes Update)

Das Foto zeigt ein aufgeschlagenes Buch. Auf der linken Seite ist eine Zeichnung von einer Tanzkarte mit angehängtem Bleistift zu sehen, auf der anderen Seite gibt es einen kurzer Ausschnitt aus einem Benimmbuch für Debütantinnen zum Thema Bälle zu lesen.

Seit dem Abendessen habe ich eigentlich nur noch gelesen und so viele Kapitel fehlen mir in „The Jewelled Moth“ gar nicht mehr. Was ich an dem Roman wirklich mag, ist, dass es Katherine Woodfine gelingt eine Geschichte zu erzählen, die auch für jüngere Leser.innen geeignet und trotzdem spannend und unvorhersehbar ist. Es ist relativ ungewöhnlich, dass ich beim Lesen einer Middle-Grade-Novel bis kurz vor Schluss ständig frage wie die einzelnen Handlungselemente in den Kriminalfall passen und um die verschiedenen Figuren bange. Ich finde es wirklich schön, dass der Krimi-Anteil so gut konstruiert ist und trotzdem ein gewisses Groschenroman-Gefühl beim Lesen aufkommt. Da ich aber inzwischen ziemlich müde bin, gehe ich jetzt erst einmal ins Bett und hebe mir die restlichen Seiten des Romans für meine morgige Mittagspause auf.

Es war wieder sehr schön gemeinsam mit euch den Tag zu verbringen – ich hoffe, ihr habt einen angenehmen Start in die Woche! 🙂

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Heutige Mitleserinnen:

JED
Natira
Anette
Kiya

Leseeindrücke Januar und Februar 2021

Ich habe schon sehr lange keine Leseeindrücke mehr geschrieben, aber in den letzten Wochen habe ich ein paar Bücher gelesen, bei denen es nicht zu einer längeren Rezension reicht, die ich aber nicht vollständig untergehen lassen möchte.

Natasha Farrant (Story)/Lydia Corry (Illustrationen): „Eight Princesses and a Magic Mirror“

In „Eight Princesses and a Magic Mirror“ geht eine Zaubererin der Frage nach, was eine exzellente Prinzessin ausmacht, um ihrer Patentochter das passende Taufgeschenk machen zu können – was zu acht wunderbaren und sehr unterschiedlichen Märchen rund um ebensolche Prinzessinen führt. Ich mochte es sehr, dass Natasha Farrant so verschiedene Geschichten rund um die Prinzessinen gesponnen hat, und die Illustrationen von Lydia Corry passen wirklich perfekt zu den verschiedenen Figuren und ihren Welten. Ich muss aber auch zugeben, dass man hier wirklich nur „Märchen“ findet, was bedeutet, dass die Figuren nicht besonders intensiv ausgearbeitet wurden und nicht immer alle Details erklärt werden oder alles rundum stimmig in den verschiedenen Welten ist. Mir persönlich hat aber  gerade das sehr gut gefallen, so dass ich mir die einzelnen Märchen bewusst eingeteilt habe, um sie genießen und meine Fantasie von den verschiedenen Geschichten und Illustrationen anregen lassen zu können.

Auf dem Foto ist ein aufgeschlagenes Buch vor einer orangen Bettdecke zu sehen. Auf der linken Seite des Buches ist eine Illustration mit einer Figur mit hellen Zöpfen und einem blauen Kleid, die dem Betrachter den Rücken zuwendet und auf ein Schiff auf dem Meer hinausblickt, auf der rechten Seite sieht man den Titel einer Geschichte ("The Princess of the High Seas"), um den verschiedenen kleine blaue Zeichnungen (Möwe, Fisch, Papageientaucher, Boote und Muscheln) arrangiert sind.

Olivia Atwater: „Half a Soul“ (Regency Faerie Tale 1)/“Ten Thousand Stitches“ (Regency Faerie Tale 2)

Die beiden Romane „Half a Soul“ und „Ten Thousand Stitches“ erzählen zwei unabhängig voneinander lesbare Geschichten, die beide in derselben fantastischen Regency-Welt spielen, was dafür sorgt, dass Nebenfiguren aus dem ersten Band auch im zweiten Teil vorkommen. In „Half a Soul“ wurde der Protagonistin Theodora Ettings als junges Mädchen die Hälfte ihrer Seele von Elfen gestohlen, was dazu geführt hat, dass sie nur noch sehr gedämpft Gefühle wahrnehmen kann. Dieses Handicap sorgt dafür, dass sie in den Augen ihrer Familie unverheiratbar und somit eine Last ist. Nur ihre Cousine Vanessa gibt sich alle Mühe, Dora zur Seite zu stehen, als diese während Vanessas erster Saison in London einige seltsame Erlebnisse hat und immer wieder mit dem königlichen Magier aneinandergerät. Für mich als Leserin war Doras recht distanzierter Umgang mit all den Dingen, die ihr passierten, überaus amüsant zu lesen, so dass ich auch gut damit leben konnte, dass die Handlung an sich sehr vorhersehbar verlief, weil ich mich so gut von der Erzählweise und den vielen kleinen Vorfällen rund um Dora unterhalten fühlte.

Bei „Ten Thousand Stitches“ wird die Geschichte aus der Sicht der Dienstbotin Euphemia Reeves erzählt, die wider besseres Wissen einen Handel mit einem Elfen eingeht, um den Mann, in den sie sich verliebt hat, heiraten zu können. Als Bezahlung für die Hilfe, die ihr der Elf zur Verfügung stellt, muss sie ihm innerhalb von hundert Tagen seine Jacke mit 10.000 Stichen besticken – was gar nicht so einfach ist, da sie nur in den Nachtstunden nach ihrem Dienst Zeit für diese Arbeit hat. Auch hier habe ich mich wunderbar amüsiert, während der Elf voller bester Absichten eine Katastrophe nach der anderen auslöst, während Effie feststellen muss, dass ihr Handel nicht ganz so verläuft, wie sie sich das vorgestellt hatte. Neben all den unterhaltsamen und witzigen Elementen in beiden Geschichten mag ich es, dass die Autorin Olivia Atwater nicht davor zurückschreckt, in ihrern Büchern auf die Situation in den „Work Houses“ oder die Machtlosigkeit der Dienstboten gegenüber ihrer Herrschaft einzugehen. Da mir beide Bände so gut gefallen haben, habe ich den demnächst erscheinenden dritten Teil auch schon vorbestellt.

Suzanne Walker (Story)/Wendy Xu (Zeichnungen): „Mooncakes“ (Comic)

„Mooncakes“ erzählt die Geschichte von der Hexe Nova Huang und dem Werwolf Tam Lang, die sich in ihrer Kinderzeit gekannt haben und sich nun nach Jahren der Trennung wiederbegegnen. Zusammen müssen sie mit einem Dämon fertig werden, der in den nahegelegenen Wäldern sein Unwesen treibt. Trotz des Dämons ist die Geschichte einfach nur sehr, sehr süß, und ich mochte nicht nur die Freundschaft/entstehende Beziehung zwischen Nova und Tam, sondern auch all die anderen Personen, mit denen die beiden so zu tun haben. Besonders Novas Familie ist voller sehr individueller Persönlichkeiten, die alle in der Regel wunderbar liebevoll miteinander umgehen. Auch gefiel es mir, dass Novas Schwerhörigkeit und ihre Hörgeräte zwar als ein lästiger Teil ihres Alltags, aber eben nicht als ein größeres Problem dargestellt wurden. Die Zeichnungen haben nicht vollkommen meinen Geschmack getroffen, aber insgesamt mochte ich den recht weichen und liebevollen Stil von Wendy Xu und die für den Comic verwendeten warmen Farben.

Harper Lin: Love and Murder in Savannah (The Southern Sleuth 1)

„Love and Murder in Savannah“ von Harper Lin gehört zu den Büchern, über die ich beim Sichten meiner eBook-Bestände gestolpert bin. Ich kann mich nicht mehr erinnern, woher ich den Titel habe, aber ich würde behaupten, dass die beiden Punkte „20er Jahre“ und „Protagonistin kann Geister sehen“ der Grund waren, wieso ich die Geschichte lesen wollte. Rebecca „Becky“ Madeline Mackenzie ist 20 Jahre alt und die Tochter einer gehobenen Südstaaten-Familie, die in Savannah zuhause ist. Was bedeutet, dass sie relativ ungestört in den Tag hineinleben kann, solange sie die Erwartungen ihrer Mutter und der Gesellschaft einigermaßen erfüllt – und natürlich nur bis ein passender junger Mann auftaucht, der sie heiratet. Ungewöhnlich an ihr ist, dass sie von klein auf Geister sehen und mit ihnen reden kann, was mit ein Grund dafür ist, dass sie sich gern auf dem nahegelegenen alten Friedhof aufhält, um Schwätzchen zu halten und zu zeichnen. Von ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit wissen nur ihre beiden besten Freunde (Teddy und Martha), auch wenn Becky diese Kraft immer mal wieder nutzt, um ihren Nachbarn hilfreich zur Seite zu stehen. Erst als bei Marthas Geburtstagsfeier ein junger Mann ermordet wird, muss Becky feststellen, dass nicht alle Geister freundliche Wesen sind, mit denen man unterhaltsame Anekdoten austauschen kann.

Ich muss zugeben, dass diese Geschichte genau genommen nur in die Kategorie „ganz nett“ gehört – vor allem, da der Kriminalfall nicht gerade herausfordernd aufgebaut ist. Aber in der Regel ist „nett“ ja genau das, was man sucht, wenn man zu einem Cozy greift. „Love and Murder in Savannah“ liest sich unterhaltsam, was vor allem an der 20-Jahre-Atmosphäre und dem Südstaaten-Feeling liegt. Becky und ihre Freunde verbringen regelmäßig die Nächte in „Speakeasies“, wo sie tanzen und illegal gebrannten Alkohol trinken. Ansonsten ist Becky vor allem damit beschäftigt, den Plänen ihrer Mutter auszuweichen und sich über ihre unangenehme Cousine Fanny aufzuregen. Außerdem denkt sie regelmäßig darüber nach, wie sie ihre Mutter davon überzeugen kann, dass ihr Bekannter Adam White ein Gentleman ist, obwohl er aus dem Norden stammt und nicht zur oberen Schicht von Savannah gehört. So macht sich Becky anfangs auch vor allem Sorgen um ihre Freundin Martha und den Ruf von Marthas Familie, als bei der Geburtstagsfeier ein Mord geschieht, statt darüber nachzudenken, dass sie ihre Fähigkeiten nutzen könnte, um mehr über die Tat herauszufinden. Ich fand es sehr stimmig, dass die Protagonistin nicht auf den Gedanken kommt, dass sie sich in eine Polizeiermittlung einmischen könnte, sondern aus ihrer begrenzten, privilegierten Perspektive heraus auf den Mord blickt. Erst als sie über genügend seltsame Elemente stolpert, die mit dem Kriminalfall in Verbindung stehen, entwickelt sie etwas mehr Eigeninitiative und überlegt, welcher der bei der Feier Anwesenden verdächtig sein könnte.

Beckys relativ sorglose Sicht auf die Welt führt dazu, dass sich eine gewisse Leichtigkeit durch die Geschichte zieht. Natürlich ist ihr bewusst, dass sie in ihrer gesellschaftlichen und finanziellen Position sehr priviligiert ist, aber ihr persönlicher Alltag wird vor allem von den Kabbeleien mit ihrer Mutter und dem unangenehmen Verhalten ihrer Cousine bestimmt. Wenn Becky über eine Person stolpert, die vermutlich ein Verbrecher ist, dann ist dies für sie nur ein kurzer aufregender Moment, weil sie sich einfach nicht vorstellen kann, dass sie selbst irgendwie in Gefahr sein könnte. Das kann man natürlich kritisch sehen, hat bei mir aber dafür gesorgt, dass sich das Lesen von „Love and Murder in Savannah“ stellenweise wie das Anschauen einer Kriminalkomöde aus den 1930er Jahren anfühlte. Auch wenn dieser Roman leider nicht mit den wunderbaren Dialogen mithalten kann, wie sie zum Beispiel in „Der dünne Mann“ („The Thin Man“) zu finden sind, war die Atmosphäre für mich ähnlich und die Charaktere sympathisch genug, um mir ein paar unterhaltsame Stunden zu liefern und dafür zu sorgen, dass ich mir weitere Titel Autorin anschauen werde.

Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons

„The Princess Who Flew with Dragons“ ist der dritte Band von Stephanie Burgis, der in der fantastischen Stadt Drachenburg beginnt. Aber dieses Mal begleitet man nicht die Drachin Aventurine oder die Händlerin Silke bei ihren Abenteuern, sondern Prinzessin Sofia bei einer Reise, die sie in das ferne Villenne bringt. Sofia, die schon in den vorhergehenden Geschichten eine (Neben-)Rolle einnahm, sieht sich als die „unnütze“ Prinzessin von Drachenburg. Während ihre ältere Schwester Katrin schon seit Jahren die Regentschaft für ihren trauernden Vater übernommen hat, versteckt sich Sofia mit ihren Philosophiebüchern in ihrem Zimmer und versucht, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen. Dabei ist sie sich durchaus der Verantwortung bewusst, die die Königsfamilie gegenüber ihren Untertanen hat, sie weiß nur nicht, wie sie selbst etwas zum Wohl des Königsreichs beitragen könnte. Gegen diese Gefühle der Unzulänglichkeit hilft es auch nicht, dass Katrin sie immer wieder in Situationen bringt, die Sofia zu Dingen zwingen, die sie sich einfach nicht zutraut.

Genau dies ist auch der Fall, als Sofia nach Villenne reisen muss, wobei die Tatsache, dass sie sich nicht einmal auf die Reise vorbereiten durfte, die Sache nicht besser macht. Doch in Villenne angekommen muss Sofia entdecken, wie befreiend es ist, dass sie sich anonym durch diese Stadt bewegen und neue Freunde finden kann. Alles könnte so großartig sein, wenn sich nicht doch noch ihre Schwester Katrin einmischen und dann auch noch die Eisriesen aus dem Norden angreifen würden. Ich habe Sofia gern auf ihrer Reise nach Villenne und zu sich selbst begleitet. Es war berührend, von ihren Ängsten und Selbstzweifeln zu lesen, und so schön zu verfolgen, wie sie aufblüht, als sie unter ganz ungewöhnlichen Rahmenbedingungen Villenne erkundet. Für Sofia geht mit diesen sorglosen Tagen ein Traum in Erfüllung. Aber natürlich ist es für eine Prinzessin – egal, wie unnütz sie sich selbst fühlt – nicht in Ordnung, wenn sie ihre diplomatische Mission für ihr eigenes Vergnügen vernachlässigt. So ist es kein Wunder, dass eines Tages Katrin vor ihr steht und ihr den ganzen Spaß verdirbt.

Erst als Sofia sich gemeinsam mit ihrem Freund Jasper (dem kleinen Bruder von Aventurine) aufmacht, um Katrin und all die anderen zu retten, die von den Eisriesen gefangen genommen wurden, merkt sie, wie viel sie in den letzten Wochen über sich und ihre Fähigkeiten gelernt hat. Gerade weil Sofias Situation (auch während ihrer Rettungsmission) nicht gerade einfach ist, bieten sich Stephanie Burgis wunderbare Gelegenheiten für witzige Dialoge und Szenen. So habe ich beim Lesen der Geschichte regelmäßig mit Sofia mitgelitten und musste doch immer wieder vor mich hinkichern, wenn sie mal wieder ein überraschendes Abenteuer erlebte oder bewies, wie wenig sie das Leben innerhalb ihres Palastzimmers auf die reale Welt vorbereitet hatte.

Ich glaube, dass Sofia, gerade weil sie die unsicherste der drei Protagonistinnen ist, mir als Erzählerin noch besser gefallen hat als Aventurine oder Silke. Denn obwohl ich die anderen beiden auch mochte, sieht man bei Sofia besonders schön die Entwicklung, die sie im Laufe der Zeit durchmacht. Ich mochte es auch sehr, wie sich die Beziehung der beiden Schwestern am Ende wandelt und wie Sofia mehr über den Umgang mit anderen Menschen lernt, als sie sich endlich eingesteht, dass sie sich gegenüber ihren Freunden nicht verstellen muss. Wenn ich einen Kritikpunkt suchen müsste, dann vielleicht, dass sich am Ende alles ein bisschen zu schnell in Wohlgefallen auflöst. Aber „The Princess Who Flew with Dragons“ ist nun einmal ein Buch für Kinder im Grundschulalter und ich lese diese Bücher für den garantierten „Wohlfühlfaktor“, also kann ich mich definitiv nicht beschweren, wenn ich genau das auch geboten bekomme.

Jenni Spangler: The Vanishing Trick

„The Vanishing Trick“ von Jenni Spangler ist vor einigen Wochen auf meiner Merkliste gelandet, da es zu meiner aktuellen Lust auf „viktorianische und unheimliche Geschichten“ zu passen schien, und ich kann nun sagen, dass dieses Jugendbuch wirklich genau in mein momentanes Beuteschema fiel. Die Geschichte wird zum Großteil aus der Sicht des elfjährigen Leander erzählt, der seit dem Tod seiner Mutter nur mühsam mit kleinen Nebenjobs und Diebstählen über die Runden kommt. Als er in Gefähr gerät, seine Unterkunft (eine nicht mehr genutzte Bibliothek in einem stark vernachlässigten Herrenhaus) zu verlieren und schon zu viele Tage ohne Essen auskommen musste, kommt ihm das Angebot, in den Dienst der reisenden Madame Pinchbeck zu treten, gerade recht. Dabei fühlt sich Leander von Anfang an nicht wohl dabei, dass Augustina Pinchbeck den Anhänger seiner Mutter als Sicherheit dafür verlangt, dass er sie weder ausraubt noch betrügt.

Mit diesem Pfand verkauft Leander mehr als nur seine Dienste an das unheimliche Medium, denn Madame Pinchbeck verfügt über Magie und nutzt Leanders Erinnerungsstück, um den Jungen mit Leib und Leben an sich zu binden. Schnell findet Leander heraus, dass er weder der Erste noch der Einzige ist, dem dieses Schicksal widerfährt. Für all die Tricks, die Madame Pinchbeck bei ihrer Arbeit als Medium anwendet, ist sie auf ihre Magie und die Fähigkeiten der von ihr gefangengenommenen Kinder angewiesen. Doch wenn diese Kinder keinen Nutzen mehr für sie haben, verschwinden sie spurlos. Gemeinsam mit den beiden anderen Gefangenen des Mediums, der gebildeten Charlotte und dem Geiger Felix, muss Leander einen Weg finden, um die Macht, die Madame Pinchbeck über sie hat, zu brechen, ohne dass eines der Kinder dabei ums Leben kommt.

Jenni Spangler greift mit „The Vanishing Trick“ die Leidenschaft der Menschen in der vikorianischen Zeit für Séancen und ähnliche „übernatürliche“ Elemente auf. Dabei mischt die Autorin ganz wunderbar die vielen verschiedenen Tricks wie durch Doppelbelichtung entstandenen Geister-Fotos, manipulierte Kerzen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Séance erlöschen, und ähnliche Elemente mit Madame Pinchbecks unheimlicher Magie. Das alles führt zu wunderbar fesselnden Szenen, die gerade deshalb, weil man als Leserin hinter die Kulissen schauen darf, sehr atmosphärisch sind. Dazu kommt, dass man sich natürlich die ganze Zeit fragt, wie es die drei Kinder wohl schaffen werden, sich aus der magischen Gefangenschaft zu retten, in die sie geraten sind. Dabei präsentiert Jenni Spangler schon früh im Buch kleine Hinweise, die einem aber erst im Laufe der Geschichte genügend Informationen bieten, um eine Idee davon zu bekommen, was zur Befreiung der drei beitragen könnte. Mir gefiel es sehr, dass die Auflösung nicht direkt auf der Hand lag und ich mich so bei jeder Szene fragte, ob diese kleine Anektdote oder dieser Nebensatz vielleicht einen Teil des Puzzles enthalten könnte.

Auch ist es der Autorin gelungen, die Verzweiflung, die Einsamkeit und die Hilflosigkeit von Leander, Charlotte und Felix glaubwürdig darzustellen, ohne dass die Geschichte dadurch (für jüngere Leser.innen) unerträglich würde. Denn trotz der deprimierenden Lebensumstände der verschiedenen Personen und der ständig drohenden Gefahr durch Madame Pinchbeck gibt es auch immer wieder amüsante oder berührende Momente mit den drei Kindern. Ich mochte es, wie sich langsam (und von Charlottes Seite recht widerwillig) eine Freundschaft zwischen Leander und den anderen beiden entwickelt. Dank Leanders „Ausbildung“ durch Felix und Charlotte lernt man eine Menge über das Leben auf der Straße und die Techniken, die Madame Pinchbeck bei ihren Auftritten verwendet. Aber diese Szenen sorgen auch – ebenso wie die Passagen, die aus der Sicht der beiden geschrieben wurden – dafür, dass man Charlotte und Felix besser kennen und ihr Verhalten verstehen lernt. Ich habe „The Vanishing Trick“ beim Lesen wirklich sehr genossen. Die Handlung war stellenweise ganz schön unheimlich und deprimierend, aber es gab dafür auch genau die richtige Menge amüsanter und überraschender Szenen, um all die düsteren Momente wieder auszugleichen.

Kwame Mbalia: Tristan Strong Punches a Hole in the Sky (Tristan Strong 1)

„Tristan Strong Punches a Hole in the Sky“ von Kwame Mbalia gehört zu den „Rick Riordan Presents“-Veröffentlichungen, die mehr Aufmerksamkeit auf Geschichten von Own-Voice-Autor.innen lenken sollen. Der Protagonist Tristan Strong ist ein African-American-Teenager, der von seiner Großmutter sein Leben lang Geschichten gehört hat, die sich um Figuren wie John Henry, High John, Brer Rabbit oder Anansi drehen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Eddie hat Tristan diese Figuren und ihre Abenteuer immer wieder aufgegriffen, und nachdem Eddie bei einem Busunfall verstorben ist, bleibt Tristan nur noch das Notizbuch, in dem sein Freund all diese Geschichten niedergeschrieben hat. Doch Tristan ist nicht der Einzige, für den Eddies Notizbuch etwas Besonderes ist, und so ertappt er eines nachts die legendäre Gum Baby beim Klauen des Buches. Als Tristan ihr folgt, gerät er nach Alke, eine geheimnisvolle und bedrohliche Welt, in der all die Götter und Sagengestalten leben, von denen er bislang nur gehört hatte. Doch Alke steckt in Schwierigkeiten, mit denen nicht einmal diese mächtigen Götter fertig werden, und es sieht so aus, als wäre Tristan die Ursache für all die Probleme dieser fantastischen Welt.

„Tristan Strong Punches a Hole in the Sky“ erzählt eine großartige Handlung voller legendärer Helden und voller Bezüge auf afrikanische und afro-amerikanische Legenden. Obwohl so viel Schreckliches in dem Roman passiert, Tristan von Anfang an um seinen Freund Eddie trauert und nicht weiß, wie er mit all diesen negativen Gefühlen umgehen soll, gibt es eine Menge amüsante Szenen in diesem Buch. Dazu kommt die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen Tristan und seinen Mitstreitern wie der wehrhaften und mutigen Gum Baby, der Pilotin Ayanna oder gar dem Helden High John. Ich mochte es sehr, wie Kwame Mbalia die verschiedenen Sagengestalten in seiner fantastischen Welt aufgriff und wie er sie – trotz ihrer übernatürlichen Fähigkeiten – als stimmige Charaktere mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen darstellt. Es war für mich sehr spannend zu sehen, welche Elemente ich aus anderen Geschichten (wiederer)kannte und wie viele Legenden und Figuren – gerade aus den afro-amerikanischen Legenden – für mich noch vollkommen neu waren. Letzteres hat dann dazu geführt, dass ich immer wieder die Lektüre unterbrach, um online nach weiteren Informationen zu den verschiedenen Figuren zu suchen. Ich mag es, wenn Romane mich dazu bringen, noch weiter zu recherchieren und so meinen Horizont zu erweitern.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich ein kleines Problem mit dem Protagonisten hatte – wobei ich davon ausgehe, dass das vor allem daran liegt, dass ich kein Junge im Teenageralter bin. Mich hat Tristans Trauer das gesamte Buch hindurch sehr berührt, ebenso wie seine Probleme mit seinem Vater und mit seinem Großvater, und ich fand es schön zu verfolgen, wie Tristan im Laufe der Geschichte mit seinen Emotionen umzugehen lernt und mehr über sich herausfindet. Aber die Tatsache, dass Tristan sich für Eddies Tod verantwortlich fühlt, führt in der Geschichte auch dazu, dass er sich lange Zeit weigert, aktiv zu werden, weil er eben befürchtet, dass er wieder jemanden im Stich lässt. Tristan will nur noch nach Hause, und egal wie sehr es ihn entsetzt, dass andere Personen in Gefahr sind, und egal wie viele Beweise er vor die Nase gesetzt bekommt, dass er in der Lage wäre, etwas zu tun, um die Situation zu verbessern, er bleibt über sehr, sehr viele Kapitel hinweg passiv und wehleidig. Und so sehr ich normalerweise wiederwillige Helden mag, so dauerte es mir hier etwas zu lange, bis Tristan sich endlich eingesteht, dass sich an seiner Situation nichts ändern wird, wenn er nicht mal sein Verhalten ändert und seinen Teil an der Rettung Alkes übernimmt.

Als Tristan dann aber endlich seiner Rolle als „Held“ gerecht wured und so langsam lernte, mit seinen eigenen Stärken und Schwächen umzugehen, mochte ich ihn ebenso gern wie all die anderen Figuren in „Tristan Strong Punches a Hole in the Sky“. Was in mir die Hoffnung aufkommen lässt, dass mir der zweite Band („Tristan Strong Destroys the World“) der Trilogie noch besser gefallen wird als der erste Band, da Tristan sich ja nun mit seinen besonderen Fähigkeiten abgefunden hat und seine Heldenrolle vielleicht etwas weniger widerwillig übernehmen wird. Aber selbst wenn Tristan es mir als Leserin wieder etwas schwer machen sollte, so freue ich mich doch auf all die unvertrauten und spannenden Elemente aus den afrikanischen und afro-amerikanischen Legenden, die Kwame Mabalia dort aufgreifen und verwenden wird. Diesen Teil des Romans habe ich, ebenso wie die vielfältigen Nebencharaktere und die große Rolle, die (mündlich erzählte) Geschichten in der Handlung einnehmen, uneingeschränkt genossen.