Kategorie: Rezension

Shelly Jay Shore: Rules for Ghosting

„Rules for Ghosting“ war eins der ersten eBooks, die ich mir in diesem Jahr gekauft habe, und dann habe ich das Lesen immer wieder vor mir her geschoben – und kann gar nicht mal sagen, woran das lag. Vielleicht daran, dass ich wusste, dass es in dem Roman zu einem nicht unerheblichen Teil um Trauer geht, während ich gerade vor allem fluffige Geschichten bevorzuge, die nicht besonders viel Aufmerksamkeit von mir fordern. Aber nachdem Susanne im Juni den Roman gelesen und gemocht hatte, habe ich ihn etwas höher auf die Leseliste gesetzt und im August dann auch wirklich während einer Bahnfahrt angefangen zu lesen. Das war nicht die beste Idee, die ich je hatte. Denn die erste Hälfte des Romans hat regelmäßig dafür gesorgt, dass ich aufpassen musste, dass ich nicht das gesamte Ruheabteil mit meinem ständigen Auflachen störte. Bei der zweiten Hälfte war ich dann allerdings froh, dass ich die zu Hause auf dem Sofa las, weil mir Tränen übers Gesicht strömten. Die Geschichte hat bei mir wirklich für ein emotionales Auf und Ab gesorgt, was ich allerdings auch sehr genossen habe.

Die Handlung wird aus der Sicht von Ezra Friedman erzählt, einem jüdischen trans Mann, der nach dem Tod seines Großvaters entdeckt, dass er Geister sehen kann, was für einer überraschend herausfordernde Kindheit sorgt, denn das Leben seiner Familie dreht sich zu einem Großteil um das Bestattungsinstitut, das Ezras Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet hatte. So ist es kein Wunder, dass Ezra als Erwachsener so wenig wie möglich mit dem Familiengeschäft zu tun haben will und seinen Lebensunterhalt lieber als Yoga-Lehrer und Doula (eine nicht-medizinische Geburtsbegleitung – in Ezras Fall für queere Personen) verdient. Doch als er seinen Job also Yoga-Lehrer verliert und kurz darauf seine Mutter verkündet, dass sie ihren Mann verlässt, um mit ihrer heimlichen Geliebten zusammenzuziehen, übernimmt Ezra vorübergehend die Aufgaben seiner Mutter als Buchhalter im Bestattungsinstitut. Was nicht nur dazu führt, dass er sich mit den Geistern im Institut und seinem komplizierten Verhältnis zu seiner Familie auseinandersetzen muss, sondern auch immer wieder Jonathan über den Weg läuft, der dort ehrenamtlich tätig ist. Dabei weiß Ezra nicht so recht, wie er mit den Gefühlen, die er für Jonathan entwickelt, umgehen soll, da dieser vor gerade mal zwei Jahren seinen Ehemann bei einem Autounfall verloren hat und immer noch sichtbar trauert.

Während Ezra sich mit seiner Fähigkeit, Geister zu sehen, seiner Familie und seiner frischen Verliebtheit auseinandersetzen muss, steht ihm sein wirklich wunderbarer (queerer) Freundeskreis zur Seite. Dieser Freundeskreis – zu denen auch Ezras Ex-Freund Ollie gehört – bietet mit einer perfekten Mischung aus Unterstützung, offenen Ohren und regelmäßigen Anstupsern, damit Ezra endlich aktiv wird, einen wunderbaren und amüsanten Ausgleich zu Ezras Gefühlschaos. Ich kann nicht beurteilen, wie angemessen Ezra und die anderen queeren Charaktere in dieser Geschichte dargestellt werden, aber für mich fühlte es sich an, als ob Shelly Jay Shore mit sehr viel Feingefühl diese Figuren und die Herausforderungen ihres Lebens beschrieben hat. So gibt es zum Beispiel Momente, in denen Ezra sich damit auseinandersetzen muss, dass sein Körper nicht seinem Selbstbild entspricht, oder in denen er mit einer Person intimer wird und dabei mit seinem Gegenüber klären muss, was für ihn als trans Mann beim Sex okay ist und was nicht. Dabei macht Shelly Jay Shore immer wieder deutlich, dass dieses ständige Abwägen, welche Informationen er wem geben muss, um angemessen behandelt zu werden, sehr belastend für ihn ist – eine Belastung, die zu den ganzen weiteren Problemen rund um Beruf und Familie dazukommt und so Ezras Alltag noch ein bisschen komplizierter macht, als es nötig wäre.

Das klingt jetzt, als wäre „Rules For Ghosting“ voller großer und wichtiger Szenen rund um Ezras Queerness, statt eine flüssig lesbare und überraschend amüsante Geschichte rund um einen Mann, der sich mit seiner anstrengenden, aber doch irgendwie liebenswerten Familie auseinandersetzen muss, während er gleichzeitig mit seinen aufkeimenden Gefühlen für Jonathan jongliert. Ach, und um die Tatsache, dass er Geister sehen kann … Aber das ist wirklich nicht der Fall, da es Shelly Jay Shore gelingt, all diese Elemente ganz selbstverständlich in Ezras Alltag einzuflechten, so dass sie mir häufig erst nach dem Lesen wirklich aufgefallen sind (wenn nicht gerade Ezras Perspektive dafür sorgte, dass mir ein Aspekt bewusst vor die Nase geführt wurde). Stattdessen habe ich beim Lesen regelmäßig an Filme wie „Familienfest und andere Schwierigkeiten“ oder „The Family Stone“ denken müssen, weil eben Ezras Familie so sehr im Mittelpunkt der Handlung steht. Diese Mischung aus Verzweiflung und Zuneigung gegenüber seinen Lieben ist wirklich nachvollziehbar geschrieben und sorgte dafür, dass ich ständig zwischen Lachen und schwerem Schlucken wechseln musste. Ich habe die Figuren in dieser Geschichte – selbst die, die auf den ersten Blick über einen eher herausfordernden Charakter verfügten – wirklich ins Herz geschlossen und meine Zeit mit diesem Roman sehr genossen.

Shelly Jay Shore gelingt es, überraschend viele Themen in eine wirklich amüsante und flüssig zu lesende, aber definitiv nicht oberflächliche Geschichte zu packen. Und während ich anfangs das Gefühl hatte, dass Ezras Fähigkeit, Geister zu sehen, ein ungewöhnliches, aber eher überflüssiges Element ist, war ich am Ende überrascht davon, wie wichtig diese Geister und Ezras späte Auseinandersetzung mit seiner Fähigkeit für die Handlung waren. „Rules for Ghosting“ ist ein überraschend vielseitiger Roman voller Höhen und Tiefen für den Protagonisten Ezra und gelungenen, fließenden Übergänge zwischen diesen emotionalen Extremen. Nach dem Lesen dieses Romans bin ich sehr neugierig auf die nächste Veröffentlichung von Shelly Jay Shore, obwohl ich den Klappentext von „Love Me Like a Rock Song“ ursprünglich eher verwirrend als ansprechend fand. Außerdem überlege ich, ob ich mir noch die Taschenbuchausgabe von „Rules for Ghosting“ zulege, weil ich den Roman gern nicht nur auf dem eReader, sondern auch greifbar (und verleihbar!) im Regal stehen hätte.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 2)

Hier ist dann der zweite Teil meiner Lese-Eindrücke für Mai – diese Runde hätte ich eigentlich gleich „die verschiedenen Varianten von cozy fantasy nennen können“. 😉 Den ersten Teil der Mai-Lese-Eindrücke findet ihr HIER.

Celia Lake: Unknown Depths (Liminal Mysteries 3)

Celia Lake gehört schon seit einiger Zeit zu den Autor*innen, deren Titel ich mir direkt bei Veröffentlichung besorge (und in der Regel auch sofort lese). Die „Liminal Mysteries“ können – wie so viele Titel der Autorin – unabhänging voneinander gelesen werden, spielen aber alle in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Celia Lakes magischer Parallelgesellschaft Albion. Das bedeutet, dass die Figuren in irgendeiner Form mit den Folgen des Krieges zu kämpfen haben oder ihr Handeln von den Erfahrungen, die sie im Krieg gesammelt haben, geprägt wird. Die Protagonistin Rowena hat eine Ausbildung zum Portal Keeper gemacht. Da so viele Personen im Zweiten Weltkrieg in Gefahrengebieten strandeten, weil es keine Möglichkeit gab, neue magische Portale zu errichten, die über Wasserflächen führen, hat Rowena dieses Thema zu ihrem Forschungsschwerpunkt gemacht. Der Protagonist Thom hingegen ist ein Selkie und sucht Hilfe, da etwas mit den Gewässern rund um Orkney nicht in Ordnung ist – und zwar mehr als nur die Unzahl an Minen, die immer noch unter der Wasseroberfläche lauern. Wie immer habe ich es sehr genossen mitzuverfolgen, wie die beiden Hauptfiguren der Geschichte einander kennenlernen, mehr über die Stärken und Schwächen des anderen herausfinden und gemeinsam Lösungen für Probleme finden, die für alle Bewohner von Albion eine Rolle spielen. Celia Lake hat einfach ein Händchen dafür, sympathische Figuren, die gut (aber definitiv nicht unfehlbar) in ihrem Fachgebiet sind, vor unerwartete und interessante Probleme zu stellen. Ich mag ihre Charaktere wirklich gern, ich finde es großartig, dass ihre magische Parallel-Welt immer komplexer wird, und es gelingt ihr regelmäßig, mich über (historische) Dinge stolpern zu lassen, über die ich vorher noch nie nachgedacht habe.

Rosalie Oaks: The Lady Jewel Diviner

Von Rosalie Oaks hatte ich vor einiger Zeit (ähm … vor zwei Jahren) den Titel „Lady Avely’s Guide to Truth and Magic“ gelesen, in der es um Lady Judith Avely geht – die die Mutter der Protagonistin Elinor von „The Lady Jewel Deviner“ ist. In diesem Roman muss Elinor, nachdem sie dank ihrer geheimen magischen Fähigkeit in einen Skandal verwickelt wurde, einige Wochen fern der Londoner Saison verbringen. Doch statt sich ruhig und gesittet zu verhalten, bis ihr Ruf wieder hergestellt ist, lässt sie sich in einem kleinen Küstenort in ein Abenteuer rund um Schmuggler und Piraten verwickeln – und benimmt sich dabei so ungeschickt, dass sie sich genauso gut ein Schild um den Hals hängen könnte mit der Aufschrift „Ich habe die magische Fähigkeit, Juwelen aufzuspüren!“. Ich fürchte, ich bin hier so gar nicht mit der Protagonistin warmgeworden, und selbst ihre Mutter, die ich in „Lady Avely’s Guide to Truth and Magic“ sympathisch fand, ging mir in diesem Band entsetzlich auf die Nerven. Immerhin habe ich jetzt ein weiteres ungelesenes Buch von meinem eReader entfernt – und kann sagen, dass Rosalie Oaks‘ Art, eine fantastische Regency-Geschichte zu erzählen, leider nicht meinem Geschmack entspricht.

Tansy Rayner Roberts: The Curse of Bronze/Tomb of Brass (The Family Cursebreaker 1+2)

A Taste for Skulls (A Family Cursebreaker 1.5)/House of Gargoyles (A Family Cursebreaker 2.5)/Hags, Portents & Parasols (A Family Cursebreaker Bonus Story)

Wie so oft bei Tansy Rayner Roberts hatte ich auch bei dieser Serie das Gefühl, dass die Autorin sich beim ersten Band erst einmal etwas warmschreiben musste – nur um dann diverse Kurzgeschichten zu veröffentlichen, die die fantastische Welt und die Familie Hathaway, um die sich die Handlung dreht, deutlich ausbauen. Das soll nicht bedeuten, dass „The Curse of Bronze“ unbefriedigend zu lesen gewesen wäre – die folgenden Titel sind nur die perfekte Ergänzung für einen vielversprechenden und amüsanten Anfang der Reihe. Alles beginnt damit, dass die berühmte Fluchbrecherin Charlotte Hathaway in eine Bronzestatue verflucht wird. Was dazu führt, dass ihre Nichte Bella Charlottes (sehr eigentümliches) Haus und ihren Job als Fluchbrecherin erbt. Allerdings hat Bella keinerlei Ausbildung in dem Bereich, und ihre erste Herausforderung ist es herauszufinden, wer Tante Charlotte auf dem Gewissen hat. Es gibt einen Haufen Flüche in diesen Geschichten, so einige Personen, die nach vielen Jahren entflucht werden – und dann damit zurechtkommen müssen, dass die Welt sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat -, rivalisierende Archäologen und gefährliche Gargoyles und sehr viele amüsante Situationen, die aus all diesen Elementen resultieren. Ich kann ehrlich sagen, dass ich diese Serie, die verschiedenen Charaktere und den Humor in den Geschichten jedes Mal wieder sehr genieße und nach dem Lesen von zwei (viel zu kurzen) Romanen und diversen Kurzgeschichten immer noch nicht genug davon hatte. Zum Glück ist die Fortsetzung „Those Haunted Hathaways“ schon fürs Jahresende angekündigt, auch wenn es noch keinen konkreten Veröffentlichungstermin gibt.

T. L. Stone: Tusks, Tails & Teacakes/Sorcery, Swords & Scones/Cauldrons, Charms & Chai (Tales from the Tavern 1-3)

Die „Tales from the Tavern“-Reihe von T. L. Stone fühlt sich sehr danach an, als ob sie von „Legends & Lattes“ von Travis Baldree inspiriert wurde, und beginnt damit, dass die Halb-Elfin Lira nach vielen Jahren als Abenteurerin in den kleinen Ort zurückkehrt, in dem sie aufgewachsen ist. Lange Zeit war sie vollkommen glücklich damit, als „Schurkin“ Teil einer kleinen Gruppe von Abenteuern zu sein, doch bei ihrer letzten Quest kam es zu einem unglücklichen Todesfall, und nun will sich Lira zur Ruhe setzen. Vorher muss sie allerdings noch das Rezeptbuch ihrer verstorbenen Großmutter bergen, das sie vor Jahren im Keller des örtlichen Wirtshauses verborgen hatte. Das führt letztendlich dazu, dass Lira gemeinsam mit der Zwergin Sass das Wirtshaus „The Tusk & Tail“ renoviert und die Küche wieder in Betrieb nimmt. Im Laufe der Zeit tauchen dann noch diverse Personen aus Liras (und Sass‘) Vergangenheit auf, um sich ebenfalls in dem idyllischen Örtchen anzusiedeln. Die „Tales from the Tavern“-Bücher erzählen wunderbar entspannte Geschichten rund um einen aufmerksamen Freundeskreis und sich langsam entwickelnde, süße Liebesgeschichten. Das Ganze ist dann noch durchzogen von Beschreibungen von leckerem Essen und Trinken und den Erinnerungen der verschiedenen Figuren an vergangene Abenteuer und gemeinsam überwundene Herausforderungen. Ich finde diese Veröffentlichungen wirklich sehr nett und entspannend zu lesen. Sie sind deutlich vorhersehbarer als z. B. die Titel von Tansy Rayner Roberts, aber manchmal ist das genau das Richtige, wenn mein Kopf zu voll mit allem Möglichen ist und ich einfach nur eine erholsame Zeit mit (zum Großteil) schrecklich netten Figuren verbringen will.

Tao Wong: The Nameless Restaurant (Hidden Dishes 1)

„The Nameless Restaurant“ von Tao Wong ist bei einer Aktion mit kostenlosen/reduzierten eBooks auf meinem Reader gelandet, und ich dachte, dass eine Geschichte rund um ein verborgenes, magisches Restaurant in Toronto nett klang. Die Handlung dreht sich um einen Abend in dem namenlosen Restaurant, an dem die verschiedenen Gäste von dem Inhaber und Koch Mo Meng mit traditioneller malaiischer Küche versorgt werden. Es werden die verschiedenen Gäste und ihre (magischen) Hintergründe vorgestellt und es wird detailliert beschrieben, wie die verschiedenen Gerichte zubereitet werden. Das führte zu einer netten, aber für mich ziemlich unbefriedigenden Mischung, weil ich das Gefühl hatte, dass ich nicht genug über die fantastischen Elemente und Figuren dieser Welt erfuhr, während mir mehr Details über das Kochen erzählt wurden, als ich gebraucht hätte. Dabei genieße ich normalerweise detaillierte Zubereitungsbeschreibungen, aber hier kam es mir vor, als ob diese für Personen geschrieben wurden, die sich noch nie in ihrem Leben mit asiatischer Küche (oder überhaupt mit Kochen) beschäftigt haben. Alles in allem fühlte es sich für mich unausgewogen an und ich habe keine Lust, auch noch zu den drei Fortsetzungen dieser Geschichte zu greifen.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 1)

Die Tatsache, dass ich in diesem Jahr versuche, meiner ungelesenen eBooks etwas Herr zu werden, hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich ziemlich viel gelesen habe, sondern auch dafür, dass ich mir sehr viele neue Bücher gekauft habe. Im Mai war meine Impulskontrolle in der Beziehung nicht sehr ausgeprägt, weshalb hier in diesem Monat so einige Reihen erwähnt werden. Außerdem habe ich so viel gelesen, dass ich die Lese-Eindrücke für Mai lieber in zwei Teilen veröffentliche.

Lois McMaster Bujold: Darksight Dare (Penric & Desdemona 16)

Der aktuellste „Penric & Desdemona“-Band war genauso amüsant wie all die anderen davor – wobei ich es angenehm fand, dass ein nicht geringer Teil der Handlung aus der Perspektive einer neu eingeführten Person erzählt wurde. Das bedeutete nicht nur, dass all die Dinge, die für Penric inzwischen vollkommen normal sind, von dieser Person ganz anders wahrgenommen wurden, sondern auch, dass wir als Leser*innen eine weitere Beziehung zwischen einem Menschen und einem Dämonen miterleben konnten. Das war ein guter Ansatz, um einer so lange laufenden Reihe einen erfrischenden Dreh zu geben. Ich hoffe sehr, dass Lois McMaster Bujold noch so einige Bände mit Penric und Desdemona schreiben wird – ich habe wirklich viel Spaß mit der Reihe.

Zoe Chant: Bun in a Million (Virtue Shifters 13)

Der aktuellste Band der Virtue-Shifter-Reihe bietet eine sehr süße Fake-Dating-Geschichte zwischen der Architektin Sabrina und dem Kaninchen-Gestaltwandler Luke, wobei ich es auch hier wieder einmal bevorzugt hätte, wenn sich das Kennenlernen der beiden Figuren länger hingezogen hätte und nicht auf „Fated Mate – also sind drei Tage genug, um sich für einander zu entscheiden“ hinausgelaufen wäre. Immerhin habe ich inzwischen erfahren, dass der Unterschied zwischen den ersten Virtue-Shifter-Bänden (mit deutlich längerer Kennenlernphase und interessanterer Hintergrundgeschichte) und den aktuellen Bänden dieser Reihe an den Bedingungen liegen, die mit dem geteilten Pseudonym einhergehen. Das führt dazu, dass es demnächst eine Reihe unter einem anderen Pseudonym der Autorin C.E. Murphy geben wird, die in derselben Stadt spielt und komplexere Geschichten beinhalten wird.

Marissa Doyle: Countess of Shadows (The Ladies of Almack’s Omnibus 1)

Von Marissa Doyle mochte ich die Leland-Sisters-Romane sehr gern, hatte die Autorin aber in den letzten zehn Jahren aus den Augen verloren, bis ich im Mai über die „Ladies of Almack’s“-Reihe stieß. Dieser Band beinhaltet die Geschichten „The Forgery Furore“, „The Vanishing Volume“ und „Lyrics and Larceny“, und zusammen umfassen sie gerade mal 326 Seiten. Ich muss zugeben, dass ich die Geschichten rund um Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) nicht so bezaubernd fand wie die um die Leland-Schwestern, aber sie waren nett genug, um irgendwann mehr davon zu lesen. Die Grundidee ist, dass die Ladies of Almack’s nicht nur den Ton in der gehobenen Gesellschaft angeben, sondern alle auch eine (jeweils unterschiedliche) besondere magische Begabung haben, die ihnen hilft, im Geheimen Probleme zu lösen. Dabei reichen in dieser Sammlung die Probleme von gefälschten Vouchers für Almack’s über eine nicht erhältliche Fortsetzung eines beliebten Romans bis zum Diebstahl von Juwelen. Allein schon die Kürze der jeweiligen Geschichten sorgt dafür, dass die Herausforderungen sich jedes Mal recht schnell auflösen. Aber es ist nett und entspannend zu lesen, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sich mit jedem Band ein bisschen besser in ihrer neuen Reihe zurechtfand, und die kleinen Anmerkungen zu den historischen Hintergrunden am Ende der jeweiligen Episode waren teilweise überraschend interessant..

Miles English: Scarred/Illusionist/Nightmares/Benighted (Bog Standard Isekai 1-4)

Bei meiner Suche nach weiteren Isekai-Geschichten, die mich gut unterhalten könnten, bin ich über „Bog Standard Isekai“ (der seltsame Reihentitel wird im Laufe des ersten Bands erklärt) gestolpert, was dazu führte, dass ich in vier Tagen 2500 Seiten gelesen habe, weil mich die Reihe nicht so recht losließ. Der Protagonist Mark stirbt als erwachsener Mann in unserer Welt und wird als junger Teenager in einem fantastischen Reich wiedergeboren – dummerweise passiert das in einem abgelegenen kleinen Ort im Sumpf, der gerade von Untoten überrannt wurde. Nach einigen Tagen voller traumatischer Erlebnisse wird Mark gerettet, aber damit sind die Gefahren noch nicht vorbei. Die „Bog Standard Isekai“-Geschichten sind deutlich brutaler als die Isekai-Veröffentlichungen, die ich sonst bevorzuge, aber das macht für mich auch ihren Reiz aus. Mark gehört zu den Isekai-Protagonisten, deren Fähigkeiten überproportional besser sind als die der anderen Bewohner dieser fantastischen Welt. Aber es gelingt Miles English, das Ganze nicht nur mit Marks Wissen aus seinem früheren Leben zu begründen, sondern auch mit den vier einflussreichen und mächtigen Personen, die ihn aus dem Dorf im Sumpf gerettet hatten und sich deshalb für sein weiteres Leben und seine Ausbildung verantwortlich fühlen. Den Ausgleich für Marks Fähigkeiten bieten all die Gefahren, mit denen er sich herumschlagen muss, und die physisch und psychisch ihre Spuren hinterlassen. Beim Lesen hat mich die Handlung immer wieder an das Videospiel „Diablo III“ erinnert, das sich genauso düster und hoffnungslos anfühlte wie diese Welt (und mit dem ich vor einigen Jahren erschreckend viele Stunden verbracht habe). Mit seinen Adoptiveltern und all den Freunden, die er findet, ist Mark immerhin nicht alleine mit all den Herausforderungen – was einen dringend nötigen Ausgleich zu den Schlachten und ähnlichen Ereignissen bildet. Ich habe keine Ahnung, wie lang die Reihe werden wird, kann aber sagen, dass ich den fünften Band direkt vorbestellt hatte, nachdem ich mit Band vier fertig war – und nun bin ich sehr gespannt darauf, wie der Kampf gegen die jahrtausendealte böse Königin des Nachbarreichs verlaufen wird und ob damit die Reihe zu einem Ende findet oder nicht …

Murphy Lawless: OctoBEARfest/Partridge in a Bear Tree (Renaissance Shifters 1+2)

Nachdem ich mit den „Bog Standard Isekai“-Romanen so viel Düsteres gelesen hatte, brauchte ich eine etwas fluffigere Lektüre und befreite deshalb „OctoBEARfest“ vom eReader. Die „Renaissance Shifters“-Reihe ist ein Ableger der Virtue-Shifters-Romane und die Geschichten drehen sich um die Bären-Gestaltwandler-Brüder (bzw. in Band 2 um seine Cousine) von Steven aus „Hold My Bear“. Auch wenn C. E. Murphy hier nicht unter dem geteilten Pseudonym Zoe Chant schreibt, sondern als Murphy Lawless, so folgen die Geschichten doch demselben Schema wie die Virtue-Shifter-Romane. Aber es sind süße und amüsante Geschichten, perfekt zum Entspannen (oder um sich von einer etwas aufreibenderen Lektüre zu erholen). Die Reihe wird mit fünf Bänden abgeschlossen sein und alle Teile spielen entweder rund um eine Brauerei mit angeschlossenem Pub oder einen am selben Ort stattfindenden Mittelaltermarkt. Während ich mir bei den Beziehungen oft wünschte, dass die Autorin sich bei diesen Liebesromanen mehr Zeit mit der Kennenlernphase lassen würde, kann ich mich über den Humor in diesen Geschichten wirklich nicht beschweren. Ich kichere beim Lesen die ganze Zeit vor mich hin, was dann auch der Grund ist, wieso ich immer wieder zu diesen Gestaltwandler-Romanen zurückkehre.

Lese-Eindrücke April 2026

Auch im April habe ich überraschend viel gelesen, was vor allem daran lag, dass ich mich durch die Perfectly-Pixie-Reihe und die Necromancer Tales von MJ May gelesen habe. Wenn ich nicht noch ein paar andere Lese-Eindrücke hier gesammelt hätte, hätte ich den Beitrag einfach mit „MJ May und ihre diversen Reihen“ betiteln können. 😉

MJ May: Perfectly Perfect Pixie/Perfectly Charmed Pixie/Perfectly Perplexing Zombie/Purrfectly Peculiar Pixie (Perfect Pixie Series 2-5)

Ich hatte im vergangenen August den ersten Band der Reihe („Perfectly Imperfect Pixie“) gelesen und wirklich nett gefunden. Als ich also im April überlegte, was sich als (weitere) Fast-Food-Lektüre eignen könnte, habe ich mir den zweiten Band der Serie geholt und danach nicht aufgehört, die Reihe zu lesen. Jede Geschichte dreht sich um zwei männliche Personen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, die sich in einem Urban-Fantasy-Setting näherkommen. Ich muss zugeben, dass ich die (mal mehr, mal weniger) vorhandenen Sexszenen nicht gebraucht hätte, aber ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie die Figuren sich besser kennenlernten, sich ihren Vorurteilen (in der Regel bezüglich der Rasse des anderen) stellen mussten und gemeinsam an der Lösung eines Problems arbeiteten. Außerdem kann ich sagen, dass ich das Geplänkel zwischen all den unterschiedlichen Charakteren wirklich gern gelesen habe. Dabei ging es mir nicht nur um die Protagonisten und ihre langsam wachsenden Beziehungen, sondern auch um alte und neue Freundschaften, die sehr den Ton der Geschichten prägen. Da alle fünf Bände in derselben Region und rund um einen festen Freundeskreis spielen, gibt es regelmäßige Wiedersehen mit den Protagonisten und Nebenfiguren der vorhergehenden Bücher, was wirklich nett zu lesen ist. Ich will nicht behaupten, dass die Reihe besonders ungewöhnlich ist, aber ich habe mich gut amüsiert und war neugierig genug auf weitere Entwicklungen, dass ich nicht nur abends konzentriert gelesen, sondern auch tagsüber in meinen Pausen zum eReader gegriffen haben. Oh, und die dazugehörige Sammlung von Kurzgeschichten („Perfectly Petite Shorts“) war auch sehr nett für zwischendurch.

MJ May: Deadly Lineage/Deadly Deception/Deadly Avarice/Deadly Arrogance (Necromancer Tales 1-4)

Nach den ganzen Pixie-Geschichten dachte ich, ich teste mal die Leseprobe von „Deadly Lineage“ von MJ May an – und das führte dazu, dass ich auch diese Reihe hintereinander weg gelesen habe. Die Handlung spielt in derselben Welt wie die Perfect-Pixie-Serie, und auch hier gibt es eine Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten Erasmus Boone (Necromancer) und Franklin O’Hare (menschlicher Detective bei der Abteilung für Mordermittlungen). Allerdings zieht sich diese Liebesgeschichte über alle vier Bände, während die Haupthandlung sich um einen oder mehrere Kriminalfälle dreht. Auch wenn ich es stellenweise sehr offensichtlich fand, wer der Bösewicht in der Geschichte war, so mochte ich es mitzuverfolgen, wie Franklin und Erasmus ermittelten und (wenn möglich) gemeinsam ihre Schlüsse zogen. Besonders nett fand ich Erasmus‘ persönliche Fähigkeit als Necromancer, die darin besteht, dass er die Seele eines/r Verstorbenen zurückholen kann. Das bedeutet, dass er regelmäßig von Angehörigen engagiert wird, die noch etwas mit einer zu früh verstorbenen Person zu regeln haben (und sei es nur die Frage nach dem geliebten Marmeladenrezept). Manchmal bieten diese Jobs allerdings eher den Verstorbenen die Möglichkeit, noch ein paar Dinge loszuwerden, die sie ihren Familienmitgliedern bislang nicht direkt ins Gesicht gesagt hatten, was sehr amüsant zu lesen war. Alles in allem bot diese Reihe für mich eine gute Mischung aus humorvollen und emotionalen Momenten, die zu einer intensiveren Handlung führten als bei den Pixie-Romane. Die Beziehung zwischen Erasmus und Franklin war schön zu verfolgen – gerade weil die beiden sich auf Augenhöhe begegneten, obwohl Franklins Arbeit und Erasmus‘ Herkunft als Necromancer (was in diesen Romanen sowohl eine Rassen- als auch eine Fähigkeitenbezeichnung ist) für so einige Hürden sorgten. Die nächste Reihe der Autorin wird sich um Erasmus‘ Vater drehen, der ein Warlock und – nach allem, was ich bislang über ihn gelesen habe – eine ungewöhnliche Wahl für eine Hauptfigur ist. Was mich zu der Frage bringt, ob ich den ersten Band bald mal anteste oder lieber warte, bis die Reihe vollständig ist, damit ich die dann im Zweifelsfall auch in einem Rutsch lesen kann.

MJ May: No Good Deed (Maverick Insurance Mystery 1)

Nachdem ich gut eine Woche so intensiv mit Romanen von MJ May verbracht hatte, dachte ich mir, ich sollte auch noch die früheren Veröffentlichungen der Autorin antesten. Deshalb habe ich den ersten Band der Maverick-Insurance-Mysteries gelesen, um danach sagen zu können, dass der für mich längst nicht so gut funktioniert wie die vorher gelesenen Urban-Fantasy-Geschichten von MJ May. „No Good Deed“ wird aus der Sicht von Perry Atherton und Detective Nathanial Harmon erzählt. Perry wäre drei Jahre vor Beginn der Handlung beinahe gestorben, als er versuchte, einem Fremden, der in einer Gasse überfallen worden war, zur Hilfe zu eilen. Inzwischen hat Perry sein Leben wieder so einigermaßen im Griff, aber die schwere Kopfverletzung und der Schuss ins Knie haben Spuren hinterlassen, die bis heute sein Leben beeinträchtigen. Deshalb ist er umso glücklicher, dass er endlich einen Arbeitgeber gefunden hat, der bereit ist, ihn zumindest als Hausmeister einzustellen. Das führt dazu, dass Perry sich eigentlich nicht einmischen und das Ganze ignorieren will, als er eine Nachricht findet, die andeutet, dass einer der anderen Angestellten ein Mörder ist. Nate hingegen war vor drei Jahren der erste Polizist vor Ort und konnte bis heute den jungen Mann, der heldenhaft in eine Gasse eilte und dafür beinah mit seinem Leben bezahlt hätte, nicht vergessen – nur um ihm erneut zu begegnen, als er einem anonymen Hinweis auf einen Mörder in einem Versicherungsunternehmen nachgeht. Die Beziehung zwischen Nate und Perry fand ich eigentlich ganz süß zu lesen, aber für mich funktionierte bei Perry diese Mischung aus Naivität, Scheuklappen und Ermittlungseifer am Arbeitsplatz nicht so recht. Außerdem überzeugten mich die Hintergründe rund um den vermutlichen Mörder sowie die gesamte Dynamik innerhalb der Versichung leider ebenfalls nicht. Deshalb habe ich die Serie für mich abgeschrieben und stattdessen noch einen weiteren ersten Band ausprobierte …

MJ May: Sow What You Reap (Reaping Coventous 1)

„Sow What You Reap“ wird aus der Perspektive der 22jährigen Leah McKnight erzählt, die Geister sehen und mit ihnen kommunizieren kann. Außerdem wurden vor sechs Jahren ihre Eltern von Leahs Zwillingsbruder Bobby ermordet – wobei bis heute ungewiss ist, was Bobby zu dieser Tat veranlasst hat, weil dieser seit jener Nacht verschwunden ist. Leah ist also so ziemlich auf sich allein gestellt, während die Hälfte des Ortes davon überzeugt ist, dass sie mit Bobby gemeinsame Sache gemacht haben muss, und sie dementsprechend schlecht behandelt … Ich gebe zu, dass es ein paar interessante und ungewöhnliche Elemente in der Geschichte gab (gerade rund um die Reaper, denen Leah im Laufe der Handlung begegnet und die die Seelen von Verstorbenen abholen). Außerdem ist es durchaus stimmig, dass eine Person in Leahs Situation mit psychischen Problemen kämpft, während ihre Kleinstadt-Nachbarn lieber davon ausgehen, dass sie irgendwie mitschuldig am Tod ihrer Eltern sein muss, statt ihr zur Seite zu stehen. Daneben gab es durchaus ein paar Personen wie Leahs Arbeitgeber, ihren besten Freund aus Kindheitstagen oder ihren Onkel und ihre Cousine, die an Leahs Unschuld glauben und für sie da sind. Aber insgesamt fand ich Leahs Perpektive viel zu deprimierend und die Andeutungen rund um weitere Entwicklungen am Ende des Romans nicht verlockend genug, um noch die weiteren sechs Romane der Reihe lesen zu wollen …

Hazel Smith: Mystery Maid

Nachdem ich im April dann schon so viel Geld für eBooks ausgegeben hatte, wurde es Zeit, mal einen der vielen ungelesenen Titel anzugehen, die seit Längerem auf dem eReader schlummern. Den ersten (und zweiten) Band der Mystery-Maid-Serie habe ich irgendwann vor drei Jahren umsonst heruntergeladen. Es handelt sich dabei um eine typische Cozy-Mystery-Geschichte, die in diesem Fall in einem Hotel in London spielt. Die (amerikanische) Protagonistin Ivy Stone hat zu Beginn der Handlung ihren ersten Tag als Zimmermädchen in dem berühmten Hotel LaFontaine, als sie im namengebenden Springbrunnen über eine Leiche stolpert. Gemeinsam mit einigen weiteren Hotel-Angestellten beginnt sie zu ermitteln, während gleichzeitig im Hotel eine Fashion Show stattfindet, die für so einige Aufregung sorgt. Es ist lange her, dass ich bei einem Cozy Mystery nicht weit vor der Auflösung wusste, wer der Täter war, weshalb ich diesen Titel in dieser Hinsicht wirklich loben muss. Allerdings fand ich die Motivation des Täters weniger überzeugend, was dann wiederum etwas schade war. Auch muss ich gestehen, dass ich es zwar eigentlich angenehm zu lesen finde, wenn eine Protagonistin ein nettes Arbeitsumfeld hat, aber hier wurde es mir ein bisschen zu unglaubwürdig mit all dem Entgegenkommen durch den Besitzer des Hotels und den vielen Möglichkeiten für Ivys neue Freundinnen, sich von ihren Arbeitsplätzen zu entfernen, um mal eben zu ermitteln. Ich werde bestimmt irgendwann noch den zweiten Teil lesen, da er ja eh schon auf meinem eReader schlummert, mir aber vermutlich keine weiteren Bände der Reihe besorgen. (Oh, und was die Reihennummer angeht: Als ich den Titel auf den eReader lud, lief er als Band 1, während mir inzwischen eine andere Geschichte als Band 1 der Mystery-Maid-Reihe auf den diversen Plattformen angezeigt wird. Ich bleibe bei Band 1 – und sei es nur, weil die gesamte Reihe nach diesem Band benannt wurde.)

Kat Kinnley: Light My Pyre (Everwood Falls 1)

„Light My Pyre“ gehörte zu den kostenlosen Büchern, die ich Anfang März runtergeladen (und damit dann auch schon alle gelesen) hatte, und entpuppte sich als nette paranormal romance zwischen Asher Heath (Feuer-Magier und zur Hälfte Fae) und Gwyneth Drake (Drachen-Gestaltwandlerin). Beide treffen in Everwood Falls aufeinander, einem abgelegenen Ort in den Rocky Mountains, der in der paranormalen Gesellschaft als Zuflucht für diejenigen dient, die eine zweite Chance benötigen. Wobei diese zweite Chance entweder nötig ist, weil die Betroffenen andere paranormale Personen in Gefahr gebracht haben oder riskierten, dass Menschen herausfinden, dass es paranormale Wesen gibt. Ich muss zugeben, dass weder die Hintergrund-Geschichten der beiden Figuren noch der Weltenbau oder die Liebesgeschichte in irgendeiner Form groß erinnerungswert waren. Aber die Figuren waren (fast) alle sympathisch und der Roman war nett und entspannend zu lesen. Da die weiteren Titel der Reihe aktuell für gerade mal 99 Cent pro Band zu bekommen sind, könnte es also sein, dass ich da doch irgendwann einmal für den Preis zugreifen werde, wenn ich wieder auf der Suche nach netter Fast-Food-Lektüre sein sollte.

Rachel Morgan: The Charmed Leaf Legacy 1-3

Ich weiß nicht mehr, wo ich über diese Reihe von Rachel Morgan gestolpert bin, aber die „The Charmed Leaf Legacy“-Bücher sind einfach bezaubernd, wohltuend und amüsant. Rachel Morgen lässt diese Romane in einer fantastischen Regency-Welt spielen, in der die Fae mit all ihrer Magie der Adelsschicht entsprechen, während die Menschen – aufgrund ihres Mangels an Magie – im besten Fall die Mittelschicht erreichen können. Das bedeutet natürlich, dass Ehen zwischen Fae und Menschen – und ebenso eventuelle Kinder aus solch einer Verbindung – dementsprechend skandalös sind. Die Protagonistin des ersten Bandes „Tempest & Tea Leaves“ ist das Ergebnis einer solchen Ehe, und während ihr Fae-Vater und ihre menschliche Mutter sehr liebevoll und sehr stolz auf Iris sind, ist die Fae-Gesellschaft wenig entgegenkommend, als Iris während der Bloom Season ihre Magie vorstellen soll.

Ich fand die Ähnlichkeit zwischen „Tempest & Tea Leaves“ und „Pride and Prejudice“ von Jane Austen bei der ersten Begegnung zwischen Iris und ihrem Gegenstück Lord Jasvian Rowanwood schon sehr auffällig. Aber zum Glück geht die Handlung dann schnell ihren eigenen Weg – vor allem, da Lord Jasvians Großmutter Lady Rivenna beschließt, dass Iris eine geeignete Nachfolgerin für die Leitung ihres „Charmed Leaf Tea House“ sein könnte. Während Iris von Lady Rivenna ausgebildet wird, müssen sie und Lord Jasvian im selben Büro arbeiten – was natürlich dazu führt, dass die beiden sich besser kennenlernen und ihre gegenseitigen Vorurteile überwinden. Ich mochte diese Mischung aus (magischer) Ausbildung, Geplänkel zwischen Iris und Lord Jasvian, die ungewöhnliche Magie rund um das Teehaus und Iris‘ – auf den ersten Blick – nutzloser Fähigkeit wirklich sehr. „Tempest & Tea Leaves“ war – trotz all der unschönen Begegnungen, die Iris mit einigen Fae hatte – eine rundum amüsante und wohltuende Lektüre, die mir wirklich Spaß gemacht hat. Deshalb war ich sehr froh, dass ich mir nach dem Lesen der Leseprobe gleich den Sammelband mit den ersten drei Teilen der Reihe gegönnt hatte.

Dabei muss ich zugeben, dass ich Mariselle Brightcrest, die Protagonistin von „Deals & Dreams“, im ersten Band sehr unangenehm fand und mir nicht vorstellen konnte, dass ich ihre Liebesgeschichte gern lesen würde. Aber schon auf den ersten Seiten sorgt Rachel Morgan dafür, dass Mariselle in einem ganz neuem Licht erscheint – was dafür sorgt, dass ihre Fake-Verlobungs-Geschichte mit Evryn Rowanwood mir überraschenderweise am Ende noch besser gefiel als der erste Band der Reihe. Das lag auch daran, dass sich Mariselle und Evryn ständig gegenseitig alberne Streiche spielen. was zu sehr vielen unerwarteten und amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig wird trotz all der lustigen Momenten deutlich, dass beide Figuren nicht glücklich mit ihrer Position innerhalb ihrer Familien sind und sich nach jemandem sehnen, der sie so respektiert, wie sie sind – wobei Evryn sich immerhin sicher sein kann, dass seine Familie ihn liebt. Gerade weil Mariselle innerhalb ihrer Familie auf keine Unterstützung hoffen kann, ist es umso schöner zu verfolgen, wie Evryn ihr – trotz der unglücklichen Umstände, die zur ihrer Fake-Verlobung geführt haben – zur Seite steht. Das war berührend und amüsant und wirklich schön zu lesen – weshalb ich auch dieses Mal am Ende nicht davon ausging, dass mir der nächste Band annähernd so gut gefallen könnte.

Damit hatte ich mich aber erneut getäuscht, denn auch „Love & Letter Charms“ konnte mich nicht nur mindestens ebenso gut unterhalten wie die ersten beiden Bänden, sondern auch damit überraschen, wie gut Aurelise Rowanwood (die jüngste Schwester von Jasvian und Evryn) und Prinz Ryden zusammenpassen. Dabei ist die unglaublich schüchterne Aurelise zutiefst schockiert, als verkündet wird, dass in dieser Bloom Season alle debütierenden Fae-Damen für einige Wochen in den Palast eingeladen werden, damit der Prinz unter ihnen seine zukünftige Frau auswählen kann. Auch bei dieser Geschichte gelingt es Rachel Morgan, im Laufe der Handlung zu zeigen, dass ihre Figuren deutlich mehr Tiefe haben, als der erste Eindruck andeutet, und während ich es anderen Autor*innen vermutlich nicht so schnell verzeihen würde, dass der Protagonist Aurelise eine wichtige Information vorenthält, konnte ich es hier erstaunlich gut nachvollziehen und es Prinz Ryden (ebenso wie der Autorin) nachsehen.

Insgesamt habe ich drei rundum befriedigende Tage mit den drei Bänden der „The Charmed Leaf Legacy“-Reihe verbracht, während derer ich meine Lektüre kaum aus der Hand legen mochte. Jeder der drei Romane hatte einen ganz anderen thematischen Schwerpunkt, und sie fühlten sich beim Lesen überraschend unterschiedlich an, obwohl sie alle drei eine gute Mischung aus berührenden und amüsanten Szenen hatten. Ich mochte die Hauptfiguren und die Personen, von denen sie unterstützt werden, wirklich sehr – so sehr, dass es mir jedes Mal schwerfiel, mir vorzustellen, dass ich die Protagonisten des nächsten Teils ebenso ins Herz schließen würde, nur um dann eines Besseren belehrt zu werden. Es sind schon zwei weitere „The Charmed Leaf Legacy“-Bände angekündigt (und von mir vorbestellt) worden, und ich hoffe sehr, dass sie mir ebenso gut gefallen werden wie die ersten drei Teile der Reihe. Wobei ich da wirklich optimistisch bin, denn es ist wirklich selten, dass ich nach dem Lesen von Fortsetzungen das Gefühl habe, dass die Geschichten immer besser werden.

Oh, und für diejenigen, die Interesse an der Reihe haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: Es gibt deutsche Ausgaben der ersten drei Bände, die von der Autorin selbst veröffentlicht wurden. Allerdings kann ich nichts zur Qualität der Übersetzung sagen – nur, dass sich der deutsche Klappentext für mich unrunder anfühlt als der englische, aber das liegt vermutlich daran, dass ich inzwischen so viel mehr auf Englisch lese.

Kate Stradling: Yes, Your Serpentine Excellency

„Yes, Your Serpentine Excellency“ ist der aktuellste Roman von Kate Stradling und der erste aus ihrer Feder, den ich gelesen habe, wobei mir die Geschichte rund um Joanna Marlow so gut gefiel, dass ich mir direkt einige Leseproben anderer Veröffentlichungen der Autorin auf den eReader geladen habe. „Yes, Your Serpentine Excellency“ beginnt damit, dass die Protagonistin Joanna Marlow ihrem aktuellen Liebhaber zu einem Spielclub folgt, nachdem dieser ein Erbstück von ihr gestohlen hat. In der Hoffnung, dass sie ihr Erbstück zurückbekommt, ohne ihn zur Rede stellen zu müssen, dringt Joanna mit Hilfe ihrer Magie in den Spielclub ein – wo sie nicht nur einen Aufruhr verursacht, sondern auch die Aufmerksamkeit eines Drachen auf sich zieht. Zur ihrer großen Überraschung folgt dieser Drache Joanna nach Hause und betreibt kurz darauf nicht nur sein Wahrsager-Geschäft in ihrem Hinterhof, sondern sorgt auch dafür, dass sich in den nächsten Tagen so einige gefährlichen Personen in Joannas Leben mischen.

Dank ihres unerwünschten neuen Mitbewohners muss Joanna sich mit einer egozentrischen Erbin, mehreren Verbrecher-Organisationen, einem korrupten königlichem Inspektor und einem verwöhnten Prinzen, der denkt, dass alle Drachen im Königreich ihm gehören sollten, herumschlagen. Zum Glück gehört Joanna zur Familie der Marlows, die zwar gesetzestreue und unauffällige Untertanen des Königs sind, aber auch über eine Magie verfügen, die es ihnen ermöglicht, sich sowohl gegen Verbrechersyndikate als auch die Soldaten des Königs zu stellen. Mehr möchte ich über diese magische Fähigkeit eigentlich nicht verraten, weil es einfach zu nett war, im Laufe der Handlung Genaueres dazu zu erfahren, aber ich kann schon mal sagen, dass es ein reines Vergnügen war zu lesen, wie die Marlows am Ende des Romans ihre Fähigkeiten vollständig ausspielen.

Kate Stradling hat für ihren Roman eine fantastische Welt erschaffen, in der jedes Wirken von Magie einen Preis erfordert, und in der sich das Königreich, in dem die Geschichte spielt, in einer prekären Balance zwischen königlicher Regentschaft und einflussreichen Verbrecherorganisationen befindet. Das führt dazu, dass sich durch die gesamte Handlung das Gefühl zieht, dass sich Joanna, ihre Freunde und ihre Familienmitglieder in Gefahr befinden. Trotzdem ist die Geschichte vor allem amüsant zu lesen, weil Joanna und all die anderen Figuren voller überraschender Einfälle sind und so die Handlung immer wieder in Richtungen treiben, die ich unerwartet und wirklich lustig fand. Ich mochte Joanna und wie sie mit ihrem überraschenden neuen Mitbewohner umging, ich habe mich gut unterhalten gefühlt von Joannas Auseinandersetzung mit ihrer (liebe-, aber nicht gerade sehr verständnisvollen) Familie, und ich habe mich selten so gut über einen Haufen Verbrecher amüsiert, die alle ihre ganz eigenen Ziele verfolgten.

Für mich persönlich funktionierte die Mischung aus lustigen Momenten und – im Laufe der Handlung immer größer werdenden – Gefahren wirklich sehr gut, was dazu führte, dass ich die über 500 Seiten in gerade mal 24 Stunden ausgelesen hatte und dann enttäuscht war, dass ich nicht noch weiterlesen konnte. „Yes, Your Serpentine Excellency“ von Kate Stradling verfügt über einen stimmigen und interessanten Weltenbau, der mich in vielen Elementen an das Viktorianische Zeitalter erinnerte, und bei dem die Kirche – vor allem der Erzbischof – mal nicht eine engstirnige Institution, sondern eine unerwartete Stimme der Vernunft darstellt. Joanna ist eine sympathische Protagonistin, deren Perspektive ich gerne gefolgt bin, und es gab angenehm viele interessante und ungewöhnliche Nebenfiguren. Dazu kamen noch so einige überraschende Wendungen und ein Humor, der für mich hervorragend funktioniert hat. Ich weiß nicht, ob „Yes, Your Serpentine Excellency“ mich einfach nur in genau der richtigen Stimmung erwischt hat, aber ich hätte wirklich gern noch mehr Geschichten von Kate Stradling, die in dieser Welt und mit diesen Figuren spielen.

Esme Symes-Smith: Sir Callie and the Champions of Helston

Die Handlung von „Sir Callie and the Champions of Helston“ von Esme Symes-Smith erinnert mich in vielen Elementen an die Alanna-von-Trebond-Reihe von Tamora Pierce. Allerdings machen sich die 40 Jahre, die zwischen der Veröffentlichung von „Alanna – The First Adventure“ und „Sir Callie and the Champions of Helston“ liegen, deutlich bemerkbar. Sir Callies Geschichte ist komplexer, queerer und konzentriert sich nicht nur auf die Hauptfigur, sondern auch auf all die anderen Personen, die – so wie Callie – unter der Bigotterie ihrer Umgebung leiden. Callie wächst in einer Welt auf, in der die adligen Mädchen traditionell den Umgang mit (dekorativer und/oder heilender) Magie lernen, während die adligen Jungen im Umgang mit dem Schwert trainiert werden. Callie träumt davon, eine Ausbildung zum Ritter zu machen, und gemeinsam mit dem Vater, der der Champion des Königs ist, das Königreich Helston vor seinen Feinden zu beschützen.

Doch natürlich ist ein Königreich, in dem den Bürger*innen schon bei der Geburt ihre Rollen zugeschrieben werden, nicht gewillt, eine nicht-binäre Person zur Knappen-Ausbildung zuzulassen. Als Callies Vater an den Hof gerufen wird, um den jungen Prinzen auf ein Turnier vorzubereiten, findet Callie heraus, wie fürchterlich die Situation in Helston in den zwei Jahren seit dem Verschwinden des aktuellen Königs für all die anderen „Außenseiter“ geworden ist. Während die adligen Mädchen regelrecht in den Gemächern der Königin eingesperrt werden, werden die Jungen auf einen Krieg gegen das benachbarte Dunmoor vorbereitet, und der Prinz wird tagtäglich bei diesem Waffentraining misshandelt – unter dem Vorwand, dass er „männlicher“ und „königlicher“ werden muss. Für Callie ist es unerträglich, diese Situation mitanzusehen, und das führt im Laufe des Romans zu so einigen Kämpfen (mit Waffen und Wörtern), aber auch zu neuen Freundschaften mit Gleichaltrigen am Hof.

Ich mochte es sehr, Callies Perspektive zu folgen, auch wenn es aufreibend zu lesen ist, wie sehr Callie (und Callies neue Freund*innen) unter einer engstirnigen, binären Gesellschaft leidet, die alles dafür tut, um ihre Bewohner*innen in enge Formen zu pressen. Umso wohltuender ist es, Callies Entschlossenheit und Dickköpfigkeit zu verfolgen und mitzuerleben, wie sehr Callie sich für andere Personen einsetzt – wenn auch regelmäßig auf Kosten des eigenen Wohlergehens. Für Callie ist es sehr schwierig mitanzusehen, wenn Unrecht geschieht, während die Erwachsenen drumherum ständig vermeintlich gute Gründe für das Verhalten des Bösewichts und seiner Schergen finden.

Ich fand es ziemlich frustrierend zu lesen, wie Callie immer wieder von den Personen, die eigentlich an Callies Seite hätten stehen müssen, gebremst wurde. Immer wieder wird deutlich, dass Kompromisse in einer Situation, in der es um das Leben einer (minderjährigen) Person geht, unangebracht sind – wenn auch leider sehr realistisch. Auf der anderen Seite hat Esme Symes-Smith beim Schreiben eine gute Balance zwischen diesen frustrierenden Momenten in der Handlung und den wohltuenden/amüsanten Szenen mit Callies Freund*innen gefunden. Das führte dazu, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen mochte und mich ständig dabei ertappte, dass ich „nur eben kurz ein Kapitel“ gelesen habe, während ich eigentlich andere Dinge zu tun hatte. Und nun warte ich darauf, dass der zweite Band, „Sir Callie and the Dragon’s Roost“, bei mir eintrifft, damit ich herausfinden kann, wie es Callie und all den anderen weiter ergeht.

Lese-Eindrücke März 206

In den letzten zwei Märzwochen habe ich so viel und intensiv gelesen, dass ich alle paar Tage innehalten und meine diversen Leselisten aktualisieren musste. Ich gebe zu, dass der Großteil der gelesenen Romane „Fast Food“-Lektüre war, aber es hat mir wirklich gutgetan, mal wieder so sehr im Lesen zu versinken. Bei der Menge an gelesenen Büchern ist natürlich auch einiges zusammengekommen, was nicht genug Eindruck für eine ausführliche Rezension hinterlassen hat, aber wozu ich hier trotzdem noch ein paar Zeilen festhalten möchte. Oh, und Anlass für die Menge an gelesenen Büchern war eine Aktion, bei der viele erste Bände von Serien kostenlos angeboten wurden, von denen ich mir zum Monatsanfang einige runtergeladen hatte.

Ava Grace Bentley: A Billionaire’s Tail (Heiress of the Dawn 1)

Ich muss gestehen, dass ich „A Billionaire’s Tail“ wegen des – meiner Meinung nach wirklich suboptimalen – Titels beinah nicht runtergeladen hätte. Aber zu meiner Überraschung hat sich die Geschichte von Ava Grace Bentley als wirklich solide, actionreiche Urban Fantasy herausgestellt, und ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. In „A Billionaire’s Tail“ verbergen sich die „Others“ (übernatürliche Personen) vor den Menschen, während gleichzeitig ein Machtkampf zwischen den „normalen Others“ (wie Werwölfe, Vampire usw.) und den „Omens“ (besonders starke übernatürliche Wesen, deren Geheimnis erst im Laufe des Romans enthüllt wird) stattfindet. Die Protagonistin ist seit Jahren auf der Flucht vor dem Mann, der ihre Familie getötet hat, und deshalb zu Beginn der Geschichte physisch, psychisch und finanziell ziemlich am Ende, aber natürlich wendet sich ihr Schicksal in den ersten Kapiteln zum Besseren. Insgesamt ist die Handlung schon relativ vorhersehbar (und wieso die Protagonistin nicht kapiert, dass die drei Personen, die alle gleich riechen, „überraschenderweise“ ein und dieselbe Person in unterschiedlichen Identitäten sind, muss ich nicht verstehen), aber ich hatte trotzdem eine so gute Zeit mit dem Roman, dass ich mir nach dem Lesen von „A Billionaire’s Tail“ den zweiten Teil vorbestellt habe, der am 30. Juni erscheinen wird.

Kenley Davidson: Dragon Chained (The Dragon of 23rd Street 1)

Noch ein kostenloser erste Band einer Reihe und noch eine Geschichte, mit der ich mich überraschend gut amüsiert habe, obwohl der Humor mir stellenweise etwas zu gewollt war. Protagonistin Kira Everleigh ist eine Drachin, die gemeinsam mit ihrer Tante in Menschengestalt in einer kleinen Wohnung über einer Buchhandlung in Oklahoma City lebt. Während ihre Tante verreist ist, kümmert sich Kira um den Laden, bis eines Tages ein Elf das Geschäft betritt und nach ihrer Tante sucht. Im Laufe der Geschichte findet Kira raus, dass sie deutlich weniger über ihre Herkunft, über ihre Tante und all die anderen magischen Rassen weiß, als sie dachte, während sie sich gleichzeitig mit einem Elfen-Assassinen auf die Suche nach ihrer verschwundenen Tante macht und einige Abenteuer erlebt. Es gab einige wirklich nette Momente in der Geschichte, und die Handlung hat sich sehr schön flüssig weglesen lassen. Aber es gab auch zu viele Szene, bei denen ich mit den Augen gerollt habe, weil sie geradezu „schau, ist das nicht lustig?!“ schrien. Alles in allem nett, aber nicht gut genug, um Geld für die beiden Fortsetzungen auszugeben … Oh, und noch eine kleine Anmerkung: Laut Klappentext ist die Trilogie schon mal unter dem Pseudonym Haley Ryan veröffentlicht worden.

Jen Lynning: Lady of Truth (The Great Balance World)

„Lady of Truth“ von Jen Lynning gehörte nicht zu den schon erwähnten kostenlosen eBooks, sondern war eine Empfehlung aus einem Autorinnen-Newsletter – und ich fand die Grundidee, dass die Protagonistin Eleya nicht lügen kann, reizvoll. Die Geschichte beginnt damit, dass sich Eleya nachts in das Schlafzimmer des Mannes schleicht, bei dem ihr Bruder Schulden hat, um diese Schulden auf … handfeste Weise „abzuarbeiten“. Doch Prinz Dmir hat nicht vor, Eleya auszunutzen oder gar Geld von einem Mann einzutreiben, den das in Schwierigkeiten bringen würde – was am Ende dazu führt, dass er Eleya als Sekretärin beschäftigt. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander, und ich fand es etwas unbefriedigend, dass ich in dem (gerade mal 120 Seiten langen) Roman das bessere Kennenlernen der beide nicht wirklich miterleben konnte. Dafür hat die Autorin halt mehr Seiten für den „steamy“ Teil dieser „Steamy Steampunk Novella“ aufgewandt, was unterhaltsam war, aber nicht das, was mir an diesem Roman wirklich gefiel. Ich mochte die Idee einer Welt, in der Balance eine wichtige Rolle spielt, mir gefiel die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Bruder und die zu ihrer besten Freundin, und das waren die Teile der Geschichte, von denen ich gern noch mehr gelesen hätte. Die anderen Bände der Reihe sind länger, aber so ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob ich weiterlesen mag.

Kimberly A. Rogers: Threats by Numbers (Rogue Spotter 1)

Ich hatte unter meinen kostenlosen eBooks überraschend viele Titel, mit denen ich mich gut amüsiert habe, aber „Threats by Numbers“ von Kimberly A. Rogers gehörte leider nicht dazu. Auch dieser Urban-Fantasy-Roman hatte eine Grundidee, die ich in ihrer Ungewöhnlichkeit eigentlich ganz reizvoll fand. Die Protagonistin Lauren ist ein „Spotter“ – was bedeutet, dass sie eine Person ist, deren übernatürliche Fähigkeit darin besteht, die Gefährlichkeit einer anderen Person anhand einer Zahl (die für sie über deren Kopf zu sehen ist) erkennen zu können. Das Gefahrenpotenzial der meisten Personen liegt bei 3 oder 4, weshalb Lauren unglaublich alarmiert ist, als sie eines Tages bei der Arbeit eine 10 sieht. Wie gesagt, ich fand die Idee eigentlich ganz lustig, aber meinem Gefühl nach hat Kimberly A. Rogers überhaupt nichts daraus gemacht. Ich persönlich finde es zum Beispiel vollkommen unglaubwürdig, dass das Gefahrenpotenzial einer Person immer gleich sein soll – glaubt mir, wenn ich müde oder hungrig bin, bin ich definitiv gefährlicher als satt und ausgeschlafen. 😉 Ebenso fiel es mir schwer zu glauben, dass es Lauren seit Jahren gelingt, sich nicht als Spotter zu outen, wenn sie sich gleichzeitig bei jedem einzelnen Vorfall in der Handlung so ungeschickt anstellt. Das einzige, was ich postiv anmerken kann, ist, dass sich die Beziehung zwischen ihr und „Mr 10“ langsam entfaltet, nachdem die beiden so einige Verabredungen hatten. Wobei ich mich beim Lesen durchgehend fragte, wieso Lauren auf der einen Seite ständig daran denkt, dass eine 10 unfassbar gefährlich ist, und sich auf der anderen Seite durchgehend eingestehen muss, dass dieser Mann einfach nur aufmerksam, rücksichtvoll, fürsorglich und freundlich ist und sie sich in seiner Gegenwart ausnahmsweise einmal sicher fühlt. Am Ende des Romans war ich so genervt von dem Widerspruch zwischen dem Verhalten der Protagonistin und dem, was mir die Autorin die ganze Zeit weismachen wollte, dass ich froh war, dass das Buch nur knapp 200 Seiten lang war.

Dusty Rose: Wanted: Vampire’s Assistant (Moonhaven Cove 1)

Da ich diesen Beitrag dieses Mal nach meiner alphabetischen Leseliste zusammengestellt habe, kommt hier erst das erste kostenlose eBook, das ich im März gelesen hatte. „Wanted: Vampire’s Assisstant“ von Dusty Rose ist genau die Art von leichter, fantastischer Liebesgeschichte, die der Titel vermuten lässt. Protagonistin Mia Durran verliert zu Beginn der Geschichte ihren Job und droht, auch ihr Apartment zu verlieren. Deshalb nimmt sie ein absurd klingendes Jobangebot als Assistentin eines Vampires an – obwohl Mia anfangs nicht glauben kann, dass es übernatürliche Wesen überhaupt gibt. Dieser neue Job führt sie in den kleinen Ort Moonhaven Cove, der eine Zuflucht für alle möglichen Arten von übernatürlichen Wesen darstellt, wo sie nicht nur neue Freunde findet, sondern sich auch in ihren Chef Draven Leto verliebt. Aber natürlich ist auch in Moonhaven Cove nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und so müssen Mia und Draven herausfinden, wer Anschläge auf den Vampir und/oder seine neue Assistentin verübt. Das alles ist nett, aber so vorhersehbar, dass ich zum Monatsende schon ganz vergessen hatte, dass ich den Roman gelesen hatte. Die Moonhaven-Cove-Reihe ist definitiv keine Reihe, die ich fortsetzen muss.

Rin Chupeco: Wicked as You Wish (A Hundred Names for Magic 1)

Mit „Wicked as You Wish“ von Rin Chupeco habe ich Anfang März mal wieder ein Buch vom SuB gefischt, das da schon ein paar Jahre drauf lag. Lustigerweise habe ich zwei Bücher von Rin Chupeco auf dem SuB gehabt, obwohl ich bislang noch nie etwas von der Person (they/them-Pronomen sind im Deutschen wirklich schwierig) gelesen hatte. „Wicked as You Wish“ spielt in einer alternativen, fantastischen Welt, die in vielen Elementen (Technologie, Politik, Musik, Filme usw.) unserer Welt entspricht, in der Magie aber einen selbstverständlichen Einfluss auf das Leben der Menschen hat – sogar in den Ländern, die die Nutzung von Magie stark einschränken. Die Protagonistin Tala Makiling ist in dem kleinen Ort Invierno, Arizona, in den Royal States of Amerika aufgewachsen, in dem Magie durch einen lokalen Effekt unterdrückt wird. Talas Eltern haben diesen Ort bewusst als Wohnort gewählt, in der Hoffnung, dass er helfen würde, Talas besondere magische Fähigkeit (andere Magie auszulöschen) verborgen zu halten, solange sie noch zu jung und unerfahren ist, um diese im Griff zu haben.

Die Handlung selbst beginnt mit der Ankunft von Alex in Invierno. Alex ist der Kronprinz von Avalon und lebt – seit sein Land vor zwölf Jahren von der Schneekönigin angegriffen wurde – im Verborgenen. Außerdem wird Alex ziemlich schnell zu Talas bestem Freund, weshalb sie einige Monate später – gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Teenager – auch in all die Abenteuer reingezogen wird, die mit Alex‘ Versuch, Avalon vom Fluch der Schneekönigin zu befreien, einhergehen. Ich mochte die Welt, die sich Rin Chupeco für ihre „A Hundred Names for Magic“-Trilogie ausgedacht hat, wirklich gern. Neben den realen Dingen aus unserer Welt (ICE ist in diesem Roman, der im Jahr 2021 erschienen ist, die große böse Organisation auf amerikanischem Boden) gibt es eine wilde Mischung aus Märchen- und Sagen-Elementen, die von Rin Chupeco mit sehr viel Fantasie eingesetzt werden. „The Cheshire“ ist z. B. der letzte überlebende Adelige des Wunderlands und nun derjenige, der den Widerstand gegen die Schneekönigin koordiniert. Flüche gehören ganz normal zum Leben der einflussreicheren Bewohner der diversen magischen Länder – auch wenn sie manchmal ganz schön lästig sind – und das Wirken von Magie erfordert einen Preis (und nicht immer sind sich die Personen, die diesen Preis zahlen, bewusst, was sie damit verlieren).

Ebenso reizvoll wie die Welt fand ich die vielen verschiedenen Charaktere, die diesen Roman bevölkern. Auch wenn Talas Familie nur aus ihr und ihren Eltern besteht, so wächst sie doch in einer Nachbarschaft voller Titas und Titos auf, die sie mindestens ebenso liebevoll erziehen, wie ihre Eltern es tun. Dazu kommt die Gruppe von Jugendlichen, die den Auftrag bekommen hatte, Alex aus Invierno zu holen und in Sicherheit zu bringen – und die stattdessen gemeinsam mit dem Kronprinzen und Tala durch das verfluchte Avalon reisen. Ich will nicht behaupten, dass diese Figuren klischeefrei gestaltet wurden, aber ich mochte sie und habe mich bei all dem Geplänkel zwischen ihnen gut unterhalten gefühlt (selbst wenn der Gestaltwandler ein wenig zu oft daran erinnert werden musste, dass er sich nach seiner Rückverwandlung doch bitte etwas anziehen soll). Ein bisschen nervig fand ich es, dass sowohl der Klappentext als auch eine Prophezeiung innerhalb der Geschichte betonen, dass es einen Verräter innerhalb der Gruppe gibt. Denn natürlich sind die offensichtlich wirkenden Kandidat*innen nicht die Personen, die Alex und Avalon verraten würden, und das liegt im Prinzip von Anfang an auf der Hand. Ich persönlich bevorzuge es, wenn solche „unvorhersehbaren“ Enthüllungen in der Handlung auch wirklich überraschend kommen, statt mit Fanfaren angekündigt zu werden, in dem vergeblichen Versuch, mit diesem Handlungselement Spannung aufzubauen.

Insgesamt war „Wicked as You Wish“ aber ein wirklich nettes und unterhaltsames Jugendbuch (und ja, es ist wirklich ein Jugendbuch und nicht „Young Adult“ – was ich sehr angenehm fand). Gerade weil Rin Chupeco nicht davor zurückschreckt, auch schwierige Themen anzusprechen, wie zum Beispiel Flucht aus Kriegsgebieten und die Art und Weise, wie Schutzsuchende von ihren Zielländern oft behandelt werden, habe ich die Geschichte gern gelesen. Ich fand die Handlung jetzt nicht so spannend, dass ich den Roman nicht hätte aus der Hand legen können, aber ich habe mich über all die kleinen kreativen Details rund um die magischen Elemente in der Geschichte gefreut. Außerdem mochte ich es, endlich mal wieder ein Jugendbuch zu lesen, in dem sich die Teenager (zumindest meinem Gefühl nach) altersgerecht verhalten haben und trotzdem nicht unerträglich für mich zu lesen waren. Ich bin neugierig, wie es mit Tala und den anderen weitergeht und ob es Alex gelingen wird, Avalon in Zukunft vor der Schneekönigin zu beschützen. Was bedeutet, dass ich direkt nach dem Beenden dieses Romans die Fortsetzung „An Unreliable Magic“ bestellt habe und hoffentlich dann bald lesen kann. Mal schauen, ob mich die Trilogie bis zum Ende gut unterhält – und was ich danach zu „The Bone Witch“ von Rin Chupeco sagen kann, was auch noch auf meinem SuB liegt.

Nicole Glover: The Conductors (Murder & Magic 1)

Wie schon im vergangenen Jahr versuche ich auch 2026, häufiger und bewusster zu den älteren Titeln im SuB zu greifen. „The Conductors“ von Nicole Glover wartete seit 2021 darauf, von mir gelesen zu werden, und ich bin froh, dass ich das im Februar endlich auf die Reihe bekommen habe (auch wenn das direkt zur Bestellung der Fortsetzung führte *g*). Nicole Glovers Debütroman wird aus der Sicht von Henrietta „Hetty“ Rhodes erzählt und spielt im Jahr 1871 in einem alternativen (fantastischen) Philadelphia. Nachdem Hetty 1858 als Fünfzehnjährige von der Plantage fliehen konnte, auf der sie als Sklavin lebte, hat sie Jahre damit zugebracht, als Teil der Underground Railroad anderen zur Flucht zu verhelfen.

Doch die Zeiten haben sich geändert, und die Conductors der Underground Railroad werden seit einem Erlass, der den Besitz von Sklaven verbietet, nicht mehr benötigt. Weshalb Hetty und ihr Ehemann Benjy inzwischen ihre Fähigkeit einsetzen, um die Probleme der Schwarzen Bewohner von Philadelphia zu lösen, für die sich die Polizei nicht zuständig fühlt. So ist es nicht ungewöhnlich, dass eines Nachts ein Mann an ihre Tür klopft, um ihnen den Fund eines Mordopfers zu melden. Doch der Leichnam weist nicht nur ein magisches Fluchzeichen auf, sondern der Verstorbene gehörte auch zu Hettys und Benjys Freundeskreis, was die Ermittlungen für die beiden überraschend kompliziert macht, weil es nicht gerade einfach ist, die Menschen, mit denen einen seit vielen Jahren komplizierte Beziehungen verbinden, des Mordes zu verdächtigen. Je mehr Hetty über die Geheimnisse des getöteten Charlie herausfindet, desto muss sie sich fragen, wie gut sie ihre Freunde wirklich kennt.

Es gibt ein paar Elemente an „The Conductors“, bei denen es sich meiner Meinung nach bemerkbar macht, dass dieser Roman das Debüt von Nicole Glover ist. So braucht die Handlung ziemlich lange, bis sie so weit anzieht, dass ich das Gefühl hatte, die Mordermittlung würde eine nennenswerte Rolle in der Geschichte spielen. Außerdem fand ich die Mischung aus aktuellen Ereignissen und Rückblenden etwas unausgewogen und musste gerade am Anfang immer mal wieder zurückblättern, um herauszufinden, welche der vielen Figuren in Hettys Freundeskreis in der gerade gelesenen Rückblende eine Rolle spielte. Nachdem ich mich aber auf das langsamere Tempo und das Gefühl eingelassen hatte, überhaupt keine Ahnung zu haben, was hier gerade los ist, habe ich „The Conductors“ wirklich genossen. Auch wenn es seine Zeit dauert, bis man beim Lesen eine greifbare Vorstellung von den vielen Charakteren bekommt, so mochte ich doch die vielen verschiedenen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten. Vor allem Hetty ist nicht gerade eine Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt, aber gerade weil sie so einen herausfordernden Charakter hat, macht es Spaß, die Geschichte aus ihrer Perspektive zu verfolgen.

Wirklich spannend fand ich die Magie, die sich Nicole Glover für ihre „Murder & Magic“-Reihe ausgedacht hat. Auf der einen Seite gibt es Zauberei, die von Weißen mit Zauberstäben ausgeführt wird und für Schwarze Personen verboten ist, und auf der anderen Seite gibt es „celestial magic“, deren Basis aus Legenden, Überlieferungen und Sternzeichen besteht, die seit Generationen weitergegeben werden und in denen sich viele verschiedene Regionen widerspiegeln. Auf diese Art von Magie musste ich mich erst einmal einlassen, weil sie so ungewöhnlich war und so wenig Regeln unterworfen zu sein schien. Aber ich fand die Tatsache, dass diese „celestial magic“ so sehr in den Alltag aller Personen eingebunden war, sehr faszinierend. So nutzen Hetty und Benjy ihre Magie nicht nur, um ihr Badewasser zu wärmen und ihr Zimmer zu erleuchten, sondern auch, um schützende Symbole in ihre Kleidung einzuweben. Ein weiterer Aspekt an dieser Geschichte, den ich sehr interessant fand, war, dass Nicole Glover darauf einging, wie das Leben für die verschiedenen ehemaligen Sklaven Jahre nach ihrer Flucht ausschaute.

Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich ein Buch las, das sich nicht mit dem Leben in Sklaverei oder der Underground Railroad beschäftigte, sondern mit den Folgen, die diese Erlebnisse für die betroffenen Personen haben. Die Geschichte beschreibt, wie es war, wenn man vor langer Zeit verkaufte Familienmitglieder suchte, wie schwierig es war, Informationen zu finden, und welche Wege dafür offenstanden. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn jemand zum ersten Mal in seinem Leben die Hoffnung auf Besitz und materielle Sicherheit hat. Wie schwierig es ist, sich ein neues Leben aufzubauen, wenn jemand sich nicht sicher sein kann, dass all die belastenden Dinge aus der Vergangenheit wirklich zu Ende sind. Nicole Glover hat wirklich sehr viele dieser Elemente in diesen einen Roman gepackt, aber auch wenn die Krimihandlung und das Tempo darunter gelitten haben, so habe ich diese Mischung auf fantastischen und realen Elementen, aus sympathischen und herausfordernden Charakteren und aus aktuellen und vergangenen Ereignissen wirklich genossen. Ich bin gespannt, wie die Autorin Hettys und Benjys Geschichte weiterführen wird (und würde im Moment sagen, dass ich in Zukunft auch noch zu den beiden weiteren Fortsetzungen, die in den 1920ern und 1960er Jahren spielen, greifen werde).