Kategorie: Rezension

Lese-Eindrücke September 2026

Im September hatte ich (für mich) ungewöhnlich viele Termine, und dazu gab es mit Pokopia ein Spiel, das mich in meiner Freizeit ziemlich gut beschäftigt hat. Nicht so sehr, dass ich gar nicht gelesen hätte, aber genug, dass hier nicht so viele Lese-Eindrücke zusammenkommen sollten. Ansonsten kann ich stolz behaupten, dass ich hiermit alle Lese-Eindrücke und Rückblicke aufgeholt habe – jetzt muss ich nur die Zeit finden, um mal wieder Einzelrezensionen zu ein paar Büchern zu schreiben. 🙂

T. Kingfisher: The Clockwork Boys/The Wonder Engine (Clocktaur War 1+2)

Nachdem ich mitbekommen hatte, dass eine der Figuren aus der „Clocktaur War“-Duologie einer der Protagonisten in „Daggerbound“ sein würde, habe ich die beiden Romane erneut gelesen und mich auch dieses Mal sehr gut damit unterhalten gefühlt. In den Clocktaur-War-Büchern dreht sich die Handlung um Slate (eine Fälscherin), Brennen (ein Meuchelmörder) und Caliban (ein Paladin, der vor einiger Zeit von einem Dämon besessen wurde und währenddessen einige Nonnen ermordet hat). Diese drei haben den Auftrag, den Gelehrten Edmund auf seiner Reise nach Anuket City zu begleiten, um herauszufinden, wie die monströsen Maschinen-Soldaten, die die Stadt ausschickt, gestoppt werden können. Wie immer bei T. Kingfisher besticht die Handlung mit einer Mischung aus absurden, berührenden und unappetitlichen Elemente, die überraschend amüsant zu lesen ist. Und da es fünf Jahre her ist, dass ich die Bücher gelesen habe, hatte ich so einige Details vergessen (bzw. vergessen, dass diese Elemente aus diesen Romanen stammen). Ich habe mich sehr darüber gefreut, die Figuren wiederzusehen und mit ihnen die diversen Abenteuer zu erleben. Auch wenn ich nicht behaupten würde, dass es notwendig ist, diese Geschichte präsent zu haben, um „Daggerbound“ zu genießen, war es doch großartig, auf diese Weise die Entwicklung zu sehen, die Edmund in den Jahren zwischen den Romanen gemacht hat. Diesen Aspekt habe ich definitiv deutlich mehr zu schätzen gewusst, weil ich die Bücher so nah hintereinander gelesen habe.

T. Kingfisher: Daggerbound (Swordheart 2)

Wie gesagt, es ist nicht nötig die „Clocktaur War“-Bücher zu kennen, um „Daggerbound“ zu genießen (auch wenn ich mich gefreut habe, mit frischen Erinnerungen an den jüngeren Edmund in die Geschichte zu gehen). Aber ich würde auf jeden Fall empfehlen, vorher „Swordheart“ zu lesen, da hier die Grundlagen gelegt werden, um den Fluch, der auf dem Dervish liegt, zu verstehen. Im Vergleich zu „Swordheart“ hat „Daggerbound“ einen düstereren Unterton, da der Dervish im Gegensatz zu Sarkis nicht nur als Bodyguard und Krieger diente, sondern auch zum Opfer von Folter wurde. Trotzdem gelingt es T. Kingfisher auch hier wieder, so viele humorvolle Momente in die Geschichte einzubauen, dass ich den Roman als sehr wohltuend empfunden habe und – wie so oft bei ihren Büchern – beim Lesen ständig vor mich hinkicherte. Da ich den Großteil der Veröffentlichungen von T. Kingfisher nur als eBooks habe, denke ich so langsam darüber nach, sie mir noch einmal als Taschenbücher zu besorgen. Nachdem die großen Verlage die Autorin entdeckt haben, sind zumindest die Neuauflagen gut erhältlich (auch wenn ich die Cover zum Teil deutlich hässlicher finde).

Sangu Mandanna: Kiki Kallira Conquers a Curse (Kiki Kallira 2)

Der zweite Band der Kiki-Kallira-Bücher gefiel mir überraschenderweise noch besser als der erste Teil. Wieder findet sich Kiki in dem magischen Königreich wieder, das sie sich selbst ausgedacht hat. Doch dieses Mal muss sie feststellen, dass diese Welt sich von ihr löst und eine eigene Historie entwickelt hat. Leider bedeutet das auch, dass ein jahrhundertealter Fluch dafür sorgt, dass der Hauptstadt das Wasser ausgeht, während unheimliche Monster aus dem umliegenden Wald auftauchen. Wie gesagt, ich mochte diesen Band lieber als den ersten Teil, gerade weil Kiki dieses Mal nicht schon alles über ihre Welt wusste. Außerdem hat sie in den Monaten, die seit „Kiki Kallira Breaks a Kingdom“ vergangen sind, eine Therapie begonnen und so einige Hilfsmittel zur Hand, wenn es darum geht, mit ihren Ängsten und Impulsen fertigzuwerden. Ich weiß, dass ich damit in der Minderheit bin, aber ich bevorzuge definitiv Sangu Mandannas Jugendbücher. Ich genieße diese fantastische Mischung aus einer indisch inspirierter Welt mit Londoner Elementen wie Doppeldecker-Bussen, in der die Kiki-Geschichten spielen, und ich mag all die Figuren rund um Kiki wirklich sehr.

Katherine Woodfine: Peril in Paris/Spies in St. Petersburg (Taylor and Rose 1+2)

Nachdem ich im September endlich den letzten Band der „Sinclair’s Mysteries“ gelesen hatte (und er ebenso gut war wie die ersten drei Teile der Reihe), habe ich gleich mit dem Spin-Off weitergemacht. Dabei musste ich leider feststellen, dass ich die „Taylor and Rose“-Romane zwar nett und unterhaltsam finde, aber nicht so gut wie die „Sinclair’s Mysteries“ – was vor allem daran liegt, dass die beiden Protagonistinnen Sophie und Lil jetzt getrennt für den Secret Service unterwegs sind. Ich vermisse das Zusammenspiel der beiden Freundinnen und ihren (inzwischen) großen und vielfältigen Freundeskreis, und da hilft es auch nicht, wenn es hier und da eine Szene gibt, die in London spielt und in der eine Person aus diesem Freundeskreis etwas erlebt. Wobei ich es schon nett finde, mit Sophie und Lil nicht nur lauter neue Charaktere, sondern auch ganz andere Städte als London kennenzulernen. Ich bin also nicht böse, dass ich noch zwei Bände auf der Reihe auf dem SuB liegen habe, hoffe aber, dass die beiden Protagonistinnen in Zukunft wieder mehr gemeinsam erleben. Für das nächste Abenteuer geht es nach Venedig – ich bin gespannt!

Lese-Eindrücke August 2026

Ich wünschte, ich hätte im August mehr Zeit gehabt, um entspannt zu lesen. Aber erst war ich verreist, dann mit „wieder ankommen“ und mit einigen (Arzt-)Terminen beschäftigt, und schon war der Monat auch schon wieder rum … Trotzdem sind natürlich wieder ein paar Lese-Eindrücke zusammengekommen, die ich dieses Mal sogar (relativ) zeitnah festgehalten habe.

T. L. Stone: Potions, Pirates and Pie (Tales from the Tavern 4)

„Potions, Pirates and Pie“ ist der aktuellste Band der „Tales from the Tavern“-Reihe und die erste Geschichte, die nicht in dem kleinen Ort Wayside spielt. Stattdessen findet sich die Protagonistin Cali auf einem Piratenschiff wieder, um ein entführtes Beiboot (und eine Gruppe von Hellkin) wiederzufinden. Ich fand es sehr nett, dass zur Abwechslung die Handlung mal nicht in dem (überaus idyllischen) Dorf stattfand, sondern an Bord eines Schiffs mit all den dazugehörigen Herausforderungen inklusive Meerjungfrauen und Sirenen und natürlich langsam aufkeimenden Gefühlen zwischen Cali und der legendären Kapitänin One-Eye-Bonnie. Diese Reihe ist wirklich perfekt, wenn es Zeit ist für eine etwas absurde, amüsante und entspannende Lektüre, und ich genieße es sehr, dass mit jedem Band eine andere Figur im Mittelpunkt steht und ich so mehr über diese Gruppe von (ehemaligen) Abenteurern und ihrem immer größer werdenden Freundeskreis erfahre. Die Geschichten sind nicht gerade anspruchsvoll, aber wunderbar erholsam und wohltuend!

Celia Lake: Brave Truth (Liminal Mysteries 4)

„Brave Truth“ ist die aktuellste Veröffentlichung von Celia Lake, und auch dieses Buch habe ich wieder sehr genossen. Es war schön, mehr über das Leben von Claudio, den ich schon aus mehreren anderen Romanen (vor allem „Illusion of a Boar“) kannte, zu erfahren. Und ich habe mich gefreut, Matty kennenzulernen, der in dieser Geschichte nicht nur mit den Nachwirkungen seiner Arbeit rund um die Nürnberger Prozesse zu kämpfen hat, sondern auch damit, dass ihn seine Homosexualität außerhalb der magischen Gesellschaft von Albion ins Gefängnis bringen könnte. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie es Celia Lake gelingt, die Nachwirkungen von Kriegserlebnissen begreifbar zu machen. Ich musste mir aber auch mal wieder eingestehen, dass ich auf die Sexszenen in den Celia-Lake-Romanen verzichten könnte, obwohl ich sehe, welche Rolle sie (und die dabei passierende wichtige Kommunikation) für die Charaktere einnehmen. Da die Autorin sagt, dass 1950 der späteste Zeitpunkt ist, in dem ihre Albion-Geschichten spielen werden, hat sie die Gelegenheit genutzt und in „Brave Truth“ auch so einige Figuren eingebaut, die ich in anderen Veröffentlichungen schon mochte, was zu so einigen netten Wiedersehen geführt hat. Alles in allem habe ich auch diese Geschichte von Celia Lake wieder genossen und finde es faszinierend, mit jedem Titel eine neue Facette ihrer magischen Welt Albion kennenzulernen.

Karen M. McManus: Two Can Keep a Secret

Ich versuche weiterhin, ältere Titel von meinem SuB zu befreien, und da ich im August Lust auf Krimis/Thriller hatte, habe ich zu „Two Can Keep a Secret“ gegriffen. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: der der siebzehnjährigen Ellery, die gerade erst in den Ort Echo Ridge gezogen ist, und der von Malcolm, dessen älterer Bruder vor fünf Jahren verdächtigt wurde, seine Freundin umgebracht zu haben. Außerdem verschwand vor 25 Jahren die siebzehnjährige Sarah in Echo Ridge, die Zwillingsschwester von Ellerys Mutter Sadie, und ihr – vermutlicher – Mord ist ebenfalls nie aufgeklärt worden. Ich hatte viel Spaß damit, Ellerys und Malcolms Gedanken zu den aktuellen Drohungen und die verschiedenen Theorien, die die beiden aufstellen, zu verfolgen. Außerdem fand ich es überraschend angenehm, dass Ellery sich durchaus der Tatsache bewusst ist, dass ihr Interesse an True-Crime-Dokumentationen extrem ist und nicht gerade einen guten Einfluss auf ihr Leben und ihre Interaktionen mit anderen Menschen hat. Alles in allem habe ich mich wirklich gut mit dem Roman unterhalten gefühlt und neugierig die diversen Wendungen verfolgt. Auch fand ich Ellery und ihre Familie, ebenso wie Malcolm und seine beste Freundin Mia, sehr sympathisch. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das keine Geschichte ist, die in mir nachklingen wird oder bei der ich in einigen Jahren das Bedüfnis haben werde, noch einmal zu dem Roman zu greifen. Das bedeutet, dass Karen M. McManus keine Person ist, deren Bücher ich unbedingt in meinem Bestand behalten muss, aber deren Titel bei einem Bibliotheksbesuch durchaus mit mir nach Hause wandern dürfen.

Marissa Doyle: Marquis of Secrets – The Ladies of Almack’s Omnibus No. 2

Der zweite „Ladies of Almack’s“-Sammelband beinhaltet die Geschichten „The Cursed Canvases“, „Turmoil on the Thames“ und „An Event at Epsom“, und auch hier ermittelt Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) wieder im Auftrag der Lady Patronesses of Almack’s ungewöhnliche und magische Rätsel. Ich muss zugeben, dass ich diese kleinen fantastischen Geschichten wirklich entspannend finde. Die Probleme reichen von einer Ausstellung der Royal Academy, bei der Bilder magisch manipuliert wurden, bis zu seltsamen Ereignissen rund um eine Parade in Eton, die das Ansehen der Königlichen Familie gefährden könnten. Nichts davon ist wirklich dramatisch, selbst wenn die Protagonistin kurzfristig den Eindruck hat, dass Gefahr besteht. Stattdessen zieht sich die – sehr, sehr langsam aufkeimende – Liebesgeschichte mit einem Verehrer Annabels durch die Handlung und es gibt so einige (mehr oder weniger) kuriose Informationen, über die die Autorin bei ihrer Recherche gestolpert ist und auf die sie in den jeweiligen Nachworten näher eingeht. Mein größter Kritikpunkt an diesem Sammelband ist, dass ich auch dieses Mal einige der Nebenfiguren nicht besonders überzeugend fand. Aber nachdem ich mich damit abgefunden habe, dass es weniger um Ermittlungen und mehr darum geht, wie Annabel die verschiedenen Herausforderungen handhabt, kann ich besser damit leben. Mit knapp hundert Seiten pro Episode reicht eine solche Geschichte auf jeden Fall für einen netten und entspannten Leseabend.

Rebecca Roanhorse: Race to the Sun

„Race to the Sun“ von Rebecca Roanhorse ist vor einigen Jahren als Teil der „Rick Riordan presents“-Titel veröffentlicht worden, und ich fand es reizvoll, eine Middle-Grade-Geschichte zu lesen, die sich rund um Diné-(Navajo)-Legenden dreht. Aber so richtig kam ich bei meinen Versuchen, den Roman zu lesen, nicht in die Handlung, bis ich mir im August ein Ultimatium für das Buch gesetzt habe. Dabei kann ich nicht mal behaupten, dass die Geschichte schlecht oder uninteressant geschrieben ist. Die Protagonistin Nizhoni muss gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder und ihrem besten Freund gegen Monster kämpfen – und natürlich einige Herausforderungen bestehen, bis sie überhaupt die nötige Entwicklung durchgemacht hat, um am Ende in einen heldenhaften Kampf gegen ihre Gegner zu ziehen. Es gab so einige Elemente, die ich in Veröffentlichungen von anderen Autor*innen schon genossen habe, außerdem fand ich es wirklich spannend, mehr über den kulturellen Hintergrund der Protagonistin und ihre Familie zu erfahren. Aber selbst die theoretisch berührenden Teile der Geschichte haben mich überraschend teilnahmslos gelassen, und so richtig warm bin ich mit Nizhonis Perspektive nicht geworden – was immer ein Problem für mich ist, wenn ein Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Ich bin froh, dass ich den Roman endlich gelesen habe, aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich das nicht getan hätte. Was bedeutet, dass „Race to the Sun“ in den Öffentlichen Bücherschank wandern und hoffentlich eine/n enthusiastischere/n Leser*in finden wird. Jetzt bin ich nur gespannt, wann ich den zweiten Roman („Trail of Lightning“), der von Rebecca Roanhorse noch auf meinem SuB ruht, in Angriffe nehmen werde und ob mir die für ältere Leser*innen geschriebene Geschichte besser gefällt als dieser Middle-Grade-Titel.

Mira Grant: Parasite/Symbiont/Chimera (Parasitology-Trilogie)

Die Parasitology-Trilogie hatte ich mir 2019 besorgt, da ich davon ausging, dass mir diese Trilogie von Mira Grant (Seanan McGuire) genauso gut gefallen würde wie ihre „Newsflesh“-Serie. Aber da ich mit dem Thema „Parasiten“ noch mehr Probleme habe als mit Zombies, habe ich in den vergangenen Jahren dann doch regelmäßig zu anderen Büchern gegriffen. Im Juli war ich dann so fest entschlossen, diese Trilogie endlich aus dem SuB zu befreien, dass ich mir nach dem Beenden des ersten Bandes die Fortsetzungen noch einmal als eBooks besorgt habe, damit ich sie bequem lesen konnte, während ich für einige Wochen nicht zu Hause war. Die Handlung beginnt im Juli 2027 und spielt in einer Welt, die sich von unserer in einem wichtigen Faktor unterscheidet: Einige Jahre zuvor hat die Firma SymboGen einen medizinischen Parasiten (basierend auf einem Bandwurm) entwickelt, der einen Großteil der gesundheitlichen Probleme der Menschheit beseitigt hat. Was natürlich dazu führte, dass so gut wie jede Person, die Zugriff zu modernen medizinischen Mitteln besaß, sich so einen „Intestinal Bodyguard“ einsetzen ließ.

Auch Sally „Sal“ Mitchell, aus deren Perspektive alle drei Romane erzählt werden, verfügt über einen solchen Parasiten, und bei ihr führte er vor einigen Jahren zu einem medizinischen Wunder, als sie nach einem Autounfall ins Koma fiel und beinah gestorben wäre. Allerdings war ihr Gehirn zu diesem Zeitpunkt schon so weit geschädigt, dass sie keinerlei Erinnerungen an ihre Vergangenheit hat und – wie ein Kleinkind – Sprechen und Gehen neu lernen musste. Da SymboGen alle anfallenden Rechnungen für folgende Therapien übernahm, wird Sal bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung beginnt, weiterhin regelmäßig von Medizinern und Wissenschaftlern untersucht, um ihre Entwicklung (und die ihres Parasiten) zu studieren. Schnell wird zu Beginn der Geschichte deutlich, dass Sal nicht gerade ein harmonisches Verhältnis zu ihren Eltern hat, vor allem da sich ihre Persönlichkeit seit dem Unfall sehr verändert hat. Ein Aspekt, über den ihre kleine Schwester Joyce sehr glücklich ist, denn früher war Sally anscheinend ein richtiges Miststück, das Joyce das Leben regelmäßig zur Hölle gemacht hat.

Auch wenn Sal wirklich froh wäre, wenn die Kontrolltermine bei SymboGen endlich enden würden, so ist sie alles in allem recht zufrieden mit ihrem Leben. Sie arbeitet für eine Tierheim, sie hat mit dem Arzt Nathan einen liebevollen Freund und sie genießt die Zeit, die sie gemeinsam mit Joyce verbringt. Allerdings fallen Sal kurz nach Beginn der Geschichte immer wieder seltsame Sachen in ihrer Umgebung auf – wie zum Beispiel ein Hund, der wenige Minuten zuvor fröhlich mit seinem Besitzer spielte, nur um dann panisch vor ihm davonzulaufen, oder eine panisch wirkende Mutter, die von ihrem kleinen, lethargisch wirkenden Kind quer durch ein Einkaufszentrum gezerrt wird. Und natürlich ist Sal nicht die einzige Person, die solche Beobachtungen macht, weshalb wenig später in den Medien immer wieder kurze Meldungen über eine „Schlafkrankheit“ auftauchen. Nichts offensichtlich Alarmierendes, nichts, was von den großen Nachrichtendiensten aufgegriffen wird, aber seltsam genug, dass Sal anfängt, nach solchen Nachrichten die Augen offenzuhalten …

Ich denke, es ist allein schon aufgrund des Hintergrunds für diese Romane (und der Tatsache, dass dies Wissenschaftshorror von Mira Gran ist) klar, dass die „Intestinal Bodyguards“ für die sogenannte Schlafkrankheit verantwortlich sind. Natürlich ist das erst der Anfang einer Geschichte, die schnell größere Ähnlichkeiten mit einem Zombie-Thriller bekommt, als ich anfangs erwartet hätte. Wie gewohnt konzentriert sich Mira Grant sehr darauf, eine wissenschaftlich stichhaltige Grundlage für all die Ereignisse in ihren Romanen zu beschreiben, was die Handlung stellenweise etwas langatmig, aber nicht weniger faszinierend macht. Ich mochte es sehr, die Wissenschaftler in dem „Untergrundlabor“, die Sal im Laufe der Handlung kennenlernt, bei ihren Entdeckungen zu verfolgen. Es war überraschend unheimlich, gemeinsam mit ihnen zu erforschen, welche Folgen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse für alle beteiligten Personen haben werden, und dabei meine eigenen Schlüsse zu weiteren Hintergründen zu ziehen. Auch war es spannend, all die „Spionage-Elemente“ mitzuerleben, wenn zum Beispiel in wissenschaftliche/medizinische/militärische Gebäude eingedrungen werden musste, um mehr über den aktuellen Wissensstand der anderen forschenden Gruppen herauszufinden. Diesen Teil fand ich sehr faszinierend und er hat dafür gesorgt, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Buch griff.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass Sals Perspektive bei mir zu einer gewissen Distanz zur Geschichte geführt hat. Ich mochte sie als Charakter sehr, aber die Tatsache, dass sie eine erwachsene Person ist, die sich ständig erst einmal bei jemand anderem vergewissern muss, ob ein Verhalten oder eine Situation „normal“ ist oder nicht, hat für mich ihrer Perspektive sehr viel Dynamik genommen. Es ist innerhalb der Handlung in der Regel überraschend stimmig, weil sie nun mal keine Erinnerungen daran hat, wie sie aufgewachsen ist und wie sie in ihrer Jugend war. Aber es sorgte auch dafür, dass ich selbst in Szenen, in denen sie wirklich litt, eine gewisse Distanz verspürte. Dazu kommt noch ein Element, das für mich von Anfang an auf der Hand lag, und das Sal bis zum Ende des Buchs nicht einmal in Betracht gezogen hat. Warum sie diesen Punkt so vollständig ausblendet, wird im Laufe der Handlung noch von Mira Grant erklärt, aber das war für mich der unstimmigste Teil in dieser Trilogie, und er hat mich ein bisschen grummelig gemacht. Deshalb konnte die Parasitology-Trilogie bei mir leider nicht dieselbe Begeisterung auslösen wie die „Newsflesh“-Serie, auch wenn ich die Grundidee und all die wissenschaftlichen Details, die die Autorin eingebaut hat, ungemein faszinierend fand und mich alles in allem wirklich sehr gut unterhalten gefühlt habe.

Lese-Eindrücke Juni und Juli 2026

Im Juni und Juli fand ich es überraschend schwierig, mich für ein Buch zu entscheiden, was bedeutete, dass ich mich vor allem auf Reihen(fortsetzungen) konzentriert habe. Außerdem habe ich im Juli so wenig gelesen, dass die paar Lese-Eindrücke hier auch noch reinpassen.

Lois McMaster Bujold: The Sharing Knife – Complete Series

Nach dem aktuellsten „Penric & Desdemona“-Band hatte ich Lust auf mehr Geschichte von Lois McMaster Bujold, wollte aber nicht zu den Vorkosigan-Romanen greifen, weil das definitiv dazu geführt hätte, dass ich die ganze Serie am Stück gelesen hätte. Also startete ich einen Reread der beiden deutschen „Die magischen Messer“-Bände, die sich in meinem Regal befanden – nur um dann die beiden Romane nach den ersten Absätzen auszusortieren und mir den englischen Sammelband als eBook zu besorgen, weil ich die deutsche Übersetzung nicht mehr lesen mochte. Die Komplettausgabe der „Sharing Knife“-Serie beinhaltet die vier Romane „Beguilement“, „Legacy“, „Passage“ und „Horizon“ plus die Novella „Knife Children“ und erzählt die Geschichte von Dag (ein Lakewalker) und Fawn (eine Farmerin – eine Bezeichnung, die für jeden Menschen, der kein Lakewalker ist, verwendet wird). Die beiden verlieben sich ineinander, nachdem sie gemeinsam gegen eine „Malice“ (ein magisches Wesen, dass seiner Umgebung sämtliche Lebensenergie aussaugt) gekämpft haben. Dummerweise gibt es bei den Farmern keinen Platz für Dag und bei den Lakewalkern keine Zuflucht für Fawn, so dass sich das Paar gezwungen sieht, einen ganz eigenen – neuen – Weg einzuschlagen, um sich ein gemeinsames Leben aufbauen zu können. Ich mochte die Geschichte so sehr, dass ich die über 1800 Seiten in gerade mal sechs Tagen gelesen habe. Fawn und Dag bekämpfen im Laufe der Zeit weitere Malices, lernen mehr über die Kultur des jeweils anderen, finden eine Menge neuer Verbündeter und Freunde, und das alles ist durchzogen mit dem für Lois McMaster Bujold typischen Humor. Ich freu mich sehr darüber, dass ich nun alle Bände der Reihe in meinem Besitz habe und bin mir sicher, dass ich sie in Zukunft regelmäßig erneut lesen werde.

Haylock Jobson: Heretical Fishing 1-5 – A Cozy Guide to Annoying the Cults, Outsmarting the Fish, and Alienating Oneself

„Heretical Fishing“ von Haylock Jobson war ein weiterer Versuch von mir, im Juni einen Isekai-Roman zu finden, der mich gut unterhält, und ich muss zugeben, dass ich Band 1 wirklich amüsant und ungewöhnlich fand. Zu Beginn der Geschichte wird der Protagonist „Fischer“ von einem LKW überfahren, nachdem er zum ersten Mal in seinem Leben einen entspannten Nachmittag mit Angeln verbracht hat. Das führt dazu, dass er sich nach seinem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, in der das „System“ offensichtlich defekt ist (und ihm lauter Fehlermeldungen präsentiert). Er beschließt, dass er nicht im klassischen Isekai-Stil sein zweites Leben verbringen will, sondern sich lieber aufs Angeln konzentrieren möchte. Ich fand es anfangs lustig zu lesen, dass Fischer so besessen vom Angeln ist, dass es ihm auch vollkommen egal ist, dass das in dieser Welt als Häresie gilt, und wie er ständig seine neuen Nachbarn dazu bringen will, seine Fischgerichte zu probieren. Und da ich das Ganze so nett fand, habe ich mir auch noch den zweiten Band besorgt, wo der Humor dann etwas ermüdend wurde, aber am Ende die Handlung so weit anzog, dass ich auch noch die Fortsetzung las – mit der es mir wieder genauso erging, dass ich den Humor ermüdend fand, aber dann am Schluss neugierig genug auf den weiteren Verlauf der Geschichte war … Bei Band 4, den ich im Juli gelesen habe, war ich dann so weit, die Reihe abzubrechen, allerdings hatte ich dummerweise auch Band 5 schon auf dem eReader … Die Grundidee ist nett, die ersten Bände fand ich unterhaltsam, und ich fand es schön, dass Fischers Einfluss dafür sorgte, dass all seine Nachbarn magische Kräfte entwickelten und Zugang zum System bekamen. Aber der eher alberne und sich ständig wiederholende Humor, der sehr viel darauf basierte, dass sich die Figuren gegenseitig Streiche spielten, ging mir doch überraschend schnell auf die Nerven. Keine Reihe, die ich fortsetzen werde, auch wenn der fünfte Band (natürlich) wieder auf eine Art und Weise endete, die eine interessante Weiterführung der Geschichte mit sich bringen könnte.

L. D. Lapinski: The Whispering World (Artezans 2)

Ich sehe gerade, dass es schon zwei Jahre her ist, seitdem ich den ersten Band rund um die Artezans von L. D. Lapinski gelesen habe, und frage mich nun, wieso Fortsetzungen so oft bei mir auf dem SuB liegenbleiben … Immerhin habe ich in diesem Jahr endlich den zweiten Teil „The Whispering World“ gelesen und fand ihn mindestens ebenso nett wie den Auftaktband der Reihe. Da dieses Mal die magische Welt, zu der die Zwillinge Ed und Elodie gehören, nicht vorgestellt werden muss, zieht die Handlung in diesem Roman deutlich schneller an als in „The Forgotten Magic“. Zu Beginn der Geschichte erleiden die beiden Kinder mit ihren Vätern Schiffbruch und landen auf einer kleinen (und zum Glück von Magie-Nutzern bewohnten) Insel. Nachdem die kleine Familie froh ist, dass sie so viel Glück im Unglück hatten, müssen sie schnell feststellen, dass es auf der Insel nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht. Ich mochte es, all die verschiedenen Personen auf der Insel kennenzulernen, mitzuverfolgen, wie Ed und Elodie einen neuen Freund finden und wie sich die drei dann gegenseitig unterstützen, als sie gegen eine Gruppe von Personen angehen müssen, die ihre Magie stehlen will. Und ich bin sehr, sehr neugierig darauf, wie die Geschichte zu Ende geht, weshalb ich den dritten Band der Reihe inzwischen auf dem SuB habe und fest davon ausgehe, dass ich ihn in diesem Herbst lesen werde.

Rachel Morgan: Hearts & Honey Light (The Charmed Leaf Legacy 4)

Ich habe die „The Charmed Leaf Legacy“-Serie von Rachel Morgan wirklich ins Herz geschlossen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Band, der im November erscheinen soll. „Hearts & Honey Light“ dreht sich mit Kazrian Rowanwood und Lucie Fields um zwei Figuren, die schon in den vorherigen Bänden eine Rolle spielten. Lucie ist eine junge (menschliche) Frau, die eine Ausbildung als Konditorin in dem Teehaus von Kazrians Großmutter gemacht hat, und Kazrian ist ein Fae Lord, der in den vergangenen Jahren fern seiner Familie am Hof der Königin gelebt und dort seine Magie gewirkt hat. Doch nun hat ihn seine Großmutter nach Hause gerufen, weil sie in Bloomhaven ein Café eröffnen will und Kazrian sich um die von Magie hervorgerufenen Fehlfunktionen in dem Gebäude kümmern soll. Was natürlich bedeutet, dass Lucie und Kazrian so einige Zeit miteinander verbringen müssen, obwohl sie ihm vor einigen Jahren das Herz gebrochen hat, als sie ihm mitteilte, dass sie keine Gefühle für ihn hegen würde. Was natürlich nicht stimmte, obwohl sie gute Gründe für diese Lüge hatte … Ich mochte es sehr, mitzuerleben, wie die beiden Figuren sich wieder neu kennenlernen und sich so nach und nach ihren Gefühlen füreinander stellen müssen. Ich muss zugeben, dass ich den Grund für einen Teil der magischen Probleme in dem Café etwas zu auf der Hand liegend fand, und auch die Hintergründe zu Kazrians Gegenspieler war mir etwas zu offensichtlich. Aber da ich den Rest der Handlung so süß fand und bei dieser Reihe sicher sein kann, dass den Figuren nichts Schlimmes passiert, selbst wenn die Geschichte so einiges Potenzial für Drama und Unglück bietet, konnte ich damit leben.

C. A. Moss: How I Became a Therapist in Another World 1-4

Ein weiterer Versuch mit einer Isekai-Serie, dieses Mal im Juli und beworben mit den Worten „A light novel-inspired, LGBT-inclusive four-part novella series about one thing every angsty anime series and fantasy novel could use: Therapy.“ Diese vier Bände (die zusammen gerade mal um die 420 Seiten umfassen) werden alle aus der Sicht von Lavender erzählt, einer Therapeutin, die sich nach ihrem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, wo die Bewohner von Dämonen geplagt werden. Dabei sind diese Dämonen nichts anderes als ein für alle sichtbarer Ausdruck der psychischen Probleme, die die jeweilige Person (Mensch, Ork oder Elf gleichermaßen) plagen. Weshalb Lavender auch in ihrem zweiten Leben ihr Wissen als Therapeutin nutzt, um ihren Nachbarn zu helfen, ihre Dämonen zu besiegen. Außerdem gibt es da noch die attraktive Köchin in dem Wirtshaus, in dem Lavender aushilfsweise als Bedienung arbeitet, und das Rätsel um die Herkunft der Dämonen (und um den Ursprung dieser fantastischen Welt). C. A. Moss nimmt sich viel Zeit, um Lavenders neues Leben aufzubauen und die verschiedenen Personen, die sie im Laufe der folgenden Monate kennenlernt, vorzustellen. Was dazu führt, dass die Geschichten – trotz ihrer Kürze – etwas vor sich hin dümpeln. Immerhin ließ sich die Handlung so aber auch gut in kleinen Abschnitten lesen, wenn mein Kopf gerade sehr voll war und ich einfach nur ein paar Minuten in der Gesellschaft von ein paar schrecklich netten Charakteren verbringen wollte. Die Fortsetzungen (also Band 5 bis 10) habe ich deshalb im August auch noch gelesen und fand vor allem den zweiten Sammelband („Herbs and Harmonies“) sehr nett – gerade weil ab Band 5 andere Protagonist*innen als Lavender eine Rolle spielen. „The Dark Lord’s Army Wants You!“ hatte hingegen ein paar sehr amüsante Ideen, aber mir waren die unterschiedlichen Geschichten, die sich zwar um verschiedene Personen drehen, die aber alle zu derselben Armee gehören, thematisch fast schon zu ähnlich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass ich die Serie zu genau der richtigen Zeit für mich entdeckt hatte, dass ich bei einem erneuten Lesen aber nicht mehr so ganz nachvollziehen können werde, was mich in diesem Sommer daran gereizt hatte.

Sarah Brooks: The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands

Ich war mir eigentlich sicher, dass ich zu diesem Titel schon etwas auf dem Blog geschrieben hatte. Aber da ich weder eine Rezension noch einen Kommentar noch eine Anmerkung bei einem Lese-Sonntag gefunden habe, habe ich mir das wohl eingebildet. Was kein Wunder wäre, denn ich habe während und nach dem Lesen von „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ sehr viel Zeit damit verbracht, Sätze in meinem Kopf zu formulieren, um meine Meinung zu diesem Roman auszudrücken. Außerdem durfte sich mein armer Ehemann sehr viele Ausführungen zu dem Buch und seinen verschiedenen Elementen anhören, während ich versuchte, meine Gedanken zu sortieren. Bevor ich mehr zu diesem Titel schreibe, kann ich schon mal sagen, dass mir Sarah Brooks‘ Erzählweise eigentlich sehr gut gefallen hatte, ihre Geschichte aber letztendlich nicht meinen Geschmack getroffen hat, obwohl es anfangs so aussah, als ob es der richtige Roman für mich sein könnte.

Schauplatz von „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ ist der Great Trans-Siberian Express, ein Zug, der Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Peking und Moskau durch die gefährlichen Wastelands verkehrt. Die Wastelands sind in dieser Variante unserer Welt ein gefährliches Gebiet voller Magie, das jede Person, die es betritt, so sehr verändert, dass sie nicht mehr in der normalen modernen Welt existieren kann. Deshalb gelten für die Reise mit dem Great Trans-Siberian Express besondere Regeln. Regeln, zu denen sich jeder Passagier vor der Abreise vertraglich verpflichtet – und dessen Brechen die Trans-Siberia Company von jeglicher Verantwortung für die (normalerweise tödlichen) Folgen befreit. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei besonders die von Weiwei (einem Waisenmädchen, das an Bord des Zugs geboren worden war und sein ganzes bisheriges Leben dort verbracht hat) und die von Marya (die nach dem Tod ihres Vaters unter falschen Namen den Zug betritt) hervorstechen. Außerdem steht schon vor der Abreise fest, dass bei der letzten Fahrt des Great Trans-Siberian Express etwas Ungewöhnliches passiert ist, etwas, an dass sich Weiwei nicht mehr richtig erinnert und von dem Marya glaubt, dass es zum Tod ihres Vaters geführt hat.

So fühlte sich der Anfang des Romans ein bisschen wie „Murder on the Orient Express“ von Agatha Christie an, wo nach und nach die verschiedenen Figuren eingeführt werden, während die Handlung auf einen Zug begrenzt ist. Doch in „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ bestimmen neben der Frage, was während der letzten Reise des Great Trans-Siberian Express passiert sein könnte (und welche Verbrechen mit der Vertuschung der Geschehnisse verbunden sind), noch die Wastelands die Handlung. Sarah Brooks spielt mit den Gegensätzen zwischen der überbordenden, fantastischen Landschaft vor dem Zugfenster und dem von Technik beherrschten Leben im Zug und lässt dabei lange Zeit offen, ob die Magie der Wastelands wirklich real ist. Dazu kommt noch der Blick hinter die Kulissen der Reise, der durch Weiweis Kenntnisse der Hierachien innerhalb des Zugpersonals und der diversen technischen Elemente und Notwendigkeiten gewährt wird. Ich muss gestehen, dass ich die Zeichnung von der Aufteilung der Waggons zu Beginn des Romans nicht wirklich stimmig fand und mich die Ausmaße des beschriebenen Zugs immer wieder beim Lesen aus dem Tritt brachten, weil er für mich als Fahrzeug nicht funktioniert. Wenn ich mir vorstellen soll, dass der Zug 22 Waggons hat und mehrere Tage ohne Wasser- oder Kohlezuladung unterwegs sein soll, aber nur einen Waggon für Treibstoff dabei hat, dann reißt mich diese Unstimmigkeit schnell aus der Handlung …

Wenn es mir aber gelang, das Treibstoff- und Platz-Problem zu ignorieren, habe ich mich den Großteil des Romans wirklich gut unterhalten gefühlt. Es gab einige sympathische (oder zumindest interessante) Figuren in der Geschichte, deren Perspektive ich gern gefolgt bin, und die Frage, was bei der letzten Reise des Great Trans-Siberian Express passiert ist und wieso Maryas Vater von der Trans-Siberia Company zum Sündenbock erklärt wurde, hat mich so einige Zeit beschäftigt. Auch mochte ich Sarah Brooks‘ etwas ausschweifenden und bildhaften Erzählstil, obwohl ich damit bei anderen Autor*innen schon mal schnell die Geduld verlieren kann. Allerdings beschlich mich im Laufe der Zeit das Gefühl, dass ich genau wusste, worauf die Handlung hinauslaufen sollte, und dass die Auflösung rund um die Ereignisse während der letzten Zugfahrt durch die Wastelands so viel simpler sein würde, als mir lieb sein konnte. Das hat mir in der zweiten Hälfte des Romans leider das Vergnügen an der Geschichte etwas verdorben – und als meine Befürchtungen am Ende des Buchs wahr geworden waren und mich dazu noch das weitere Schicksal des Great Trans-Siberian Express wirklich enttäuschte, habe ich mich unglaublich geärgert. Für mich fühlte es sich an, als ob jemand mir eine ungewöhnliche und reizvolle Idee in wunderschöner Sprache erzählt hätte, nur um dann mit großen schwarzen Blockbuchstaben eine banale Botschaft über das Ganze zu pinseln. Es wäre für mich einfacher gewesen, wenn mir der Anfang von „The Cautious Traveller’s Guide to The Wastelands“ nicht so gut gefallen hätte, dann hätte mich das Ende der Geschichte nicht so sehr enttäuscht. So hingegen habe ich das Buch sehr frustriert beendet und bereue es ein bisschen, dass ich drei Tage lang meine Lesezeit damit verbracht habe.

Shelly Jay Shore: Rules for Ghosting

„Rules for Ghosting“ war eins der ersten eBooks, die ich mir in diesem Jahr gekauft habe, und dann habe ich das Lesen immer wieder vor mir her geschoben – und kann gar nicht mal sagen, woran das lag. Vielleicht daran, dass ich wusste, dass es in dem Roman zu einem nicht unerheblichen Teil um Trauer geht, während ich gerade vor allem fluffige Geschichten bevorzuge, die nicht besonders viel Aufmerksamkeit von mir fordern. Aber nachdem Susanne im Juni den Roman gelesen und gemocht hatte, habe ich ihn etwas höher auf die Leseliste gesetzt und im August dann auch wirklich während einer Bahnfahrt angefangen zu lesen. Das war nicht die beste Idee, die ich je hatte. Denn die erste Hälfte des Romans hat regelmäßig dafür gesorgt, dass ich aufpassen musste, dass ich nicht das gesamte Ruheabteil mit meinem ständigen Auflachen störte. Bei der zweiten Hälfte war ich dann allerdings froh, dass ich die zu Hause auf dem Sofa las, weil mir Tränen übers Gesicht strömten. Die Geschichte hat bei mir wirklich für ein emotionales Auf und Ab gesorgt, was ich allerdings auch sehr genossen habe.

Die Handlung wird aus der Sicht von Ezra Friedman erzählt, einem jüdischen trans Mann, der nach dem Tod seines Großvaters entdeckt, dass er Geister sehen kann, was für einer überraschend herausfordernde Kindheit sorgt, denn das Leben seiner Familie dreht sich zu einem Großteil um das Bestattungsinstitut, das Ezras Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet hatte. So ist es kein Wunder, dass Ezra als Erwachsener so wenig wie möglich mit dem Familiengeschäft zu tun haben will und seinen Lebensunterhalt lieber als Yoga-Lehrer und Doula (eine nicht-medizinische Geburtsbegleitung – in Ezras Fall für queere Personen) verdient. Doch als er seinen Job also Yoga-Lehrer verliert und kurz darauf seine Mutter verkündet, dass sie ihren Mann verlässt, um mit ihrer heimlichen Geliebten zusammenzuziehen, übernimmt Ezra vorübergehend die Aufgaben seiner Mutter als Buchhalter im Bestattungsinstitut. Was nicht nur dazu führt, dass er sich mit den Geistern im Institut und seinem komplizierten Verhältnis zu seiner Familie auseinandersetzen muss, sondern auch immer wieder Jonathan über den Weg läuft, der dort ehrenamtlich tätig ist. Dabei weiß Ezra nicht so recht, wie er mit den Gefühlen, die er für Jonathan entwickelt, umgehen soll, da dieser vor gerade mal zwei Jahren seinen Ehemann bei einem Autounfall verloren hat und immer noch sichtbar trauert.

Während Ezra sich mit seiner Fähigkeit, Geister zu sehen, seiner Familie und seiner frischen Verliebtheit auseinandersetzen muss, steht ihm sein wirklich wunderbarer (queerer) Freundeskreis zur Seite. Dieser Freundeskreis – zu denen auch Ezras Ex-Freund Ollie gehört – bietet mit einer perfekten Mischung aus Unterstützung, offenen Ohren und regelmäßigen Anstupsern, damit Ezra endlich aktiv wird, einen wunderbaren und amüsanten Ausgleich zu Ezras Gefühlschaos. Ich kann nicht beurteilen, wie angemessen Ezra und die anderen queeren Charaktere in dieser Geschichte dargestellt werden, aber für mich fühlte es sich an, als ob Shelly Jay Shore mit sehr viel Feingefühl diese Figuren und die Herausforderungen ihres Lebens beschrieben hat. So gibt es zum Beispiel Momente, in denen Ezra sich damit auseinandersetzen muss, dass sein Körper nicht seinem Selbstbild entspricht, oder in denen er mit einer Person intimer wird und dabei mit seinem Gegenüber klären muss, was für ihn als trans Mann beim Sex okay ist und was nicht. Dabei macht Shelly Jay Shore immer wieder deutlich, dass dieses ständige Abwägen, welche Informationen er wem geben muss, um angemessen behandelt zu werden, sehr belastend für ihn ist – eine Belastung, die zu den ganzen weiteren Problemen rund um Beruf und Familie dazukommt und so Ezras Alltag noch ein bisschen komplizierter macht, als es nötig wäre.

Das klingt jetzt, als wäre „Rules For Ghosting“ voller großer und wichtiger Szenen rund um Ezras Queerness, statt eine flüssig lesbare und überraschend amüsante Geschichte rund um einen Mann, der sich mit seiner anstrengenden, aber doch irgendwie liebenswerten Familie auseinandersetzen muss, während er gleichzeitig mit seinen aufkeimenden Gefühlen für Jonathan jongliert. Ach, und um die Tatsache, dass er Geister sehen kann … Aber das ist wirklich nicht der Fall, da es Shelly Jay Shore gelingt, all diese Elemente ganz selbstverständlich in Ezras Alltag einzuflechten, so dass sie mir häufig erst nach dem Lesen wirklich aufgefallen sind (wenn nicht gerade Ezras Perspektive dafür sorgte, dass mir ein Aspekt bewusst vor die Nase geführt wurde). Stattdessen habe ich beim Lesen regelmäßig an Filme wie „Familienfest und andere Schwierigkeiten“ oder „The Family Stone“ denken müssen, weil eben Ezras Familie so sehr im Mittelpunkt der Handlung steht. Diese Mischung aus Verzweiflung und Zuneigung gegenüber seinen Lieben ist wirklich nachvollziehbar geschrieben und sorgte dafür, dass ich ständig zwischen Lachen und schwerem Schlucken wechseln musste. Ich habe die Figuren in dieser Geschichte – selbst die, die auf den ersten Blick über einen eher herausfordernden Charakter verfügten – wirklich ins Herz geschlossen und meine Zeit mit diesem Roman sehr genossen.

Shelly Jay Shore gelingt es, überraschend viele Themen in eine wirklich amüsante und flüssig zu lesende, aber definitiv nicht oberflächliche Geschichte zu packen. Und während ich anfangs das Gefühl hatte, dass Ezras Fähigkeit, Geister zu sehen, ein ungewöhnliches, aber eher überflüssiges Element ist, war ich am Ende überrascht davon, wie wichtig diese Geister und Ezras späte Auseinandersetzung mit seiner Fähigkeit für die Handlung waren. „Rules for Ghosting“ ist ein überraschend vielseitiger Roman voller Höhen und Tiefen für den Protagonisten Ezra und gelungenen, fließenden Übergänge zwischen diesen emotionalen Extremen. Nach dem Lesen dieses Romans bin ich sehr neugierig auf die nächste Veröffentlichung von Shelly Jay Shore, obwohl ich den Klappentext von „Love Me Like a Rock Song“ ursprünglich eher verwirrend als ansprechend fand. Außerdem überlege ich, ob ich mir noch die Taschenbuchausgabe von „Rules for Ghosting“ zulege, weil ich den Roman gern nicht nur auf dem eReader, sondern auch greifbar (und verleihbar!) im Regal stehen hätte.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 2)

Hier ist dann der zweite Teil meiner Lese-Eindrücke für Mai – diese Runde hätte ich eigentlich gleich „die verschiedenen Varianten von cozy fantasy nennen können“. 😉 Den ersten Teil der Mai-Lese-Eindrücke findet ihr HIER.

Celia Lake: Unknown Depths (Liminal Mysteries 3)

Celia Lake gehört schon seit einiger Zeit zu den Autor*innen, deren Titel ich mir direkt bei Veröffentlichung besorge (und in der Regel auch sofort lese). Die „Liminal Mysteries“ können – wie so viele Titel der Autorin – unabhänging voneinander gelesen werden, spielen aber alle in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Celia Lakes magischer Parallelgesellschaft Albion. Das bedeutet, dass die Figuren in irgendeiner Form mit den Folgen des Krieges zu kämpfen haben oder ihr Handeln von den Erfahrungen, die sie im Krieg gesammelt haben, geprägt wird. Die Protagonistin Rowena hat eine Ausbildung zum Portal Keeper gemacht. Da so viele Personen im Zweiten Weltkrieg in Gefahrengebieten strandeten, weil es keine Möglichkeit gab, neue magische Portale zu errichten, die über Wasserflächen führen, hat Rowena dieses Thema zu ihrem Forschungsschwerpunkt gemacht. Der Protagonist Thom hingegen ist ein Selkie und sucht Hilfe, da etwas mit den Gewässern rund um Orkney nicht in Ordnung ist – und zwar mehr als nur die Unzahl an Minen, die immer noch unter der Wasseroberfläche lauern. Wie immer habe ich es sehr genossen mitzuverfolgen, wie die beiden Hauptfiguren der Geschichte einander kennenlernen, mehr über die Stärken und Schwächen des anderen herausfinden und gemeinsam Lösungen für Probleme finden, die für alle Bewohner von Albion eine Rolle spielen. Celia Lake hat einfach ein Händchen dafür, sympathische Figuren, die gut (aber definitiv nicht unfehlbar) in ihrem Fachgebiet sind, vor unerwartete und interessante Probleme zu stellen. Ich mag ihre Charaktere wirklich gern, ich finde es großartig, dass ihre magische Parallel-Welt immer komplexer wird, und es gelingt ihr regelmäßig, mich über (historische) Dinge stolpern zu lassen, über die ich vorher noch nie nachgedacht habe.

Rosalie Oaks: The Lady Jewel Diviner

Von Rosalie Oaks hatte ich vor einiger Zeit (ähm … vor zwei Jahren) den Titel „Lady Avely’s Guide to Truth and Magic“ gelesen, in der es um Lady Judith Avely geht – die die Mutter der Protagonistin Elinor von „The Lady Jewel Deviner“ ist. In diesem Roman muss Elinor, nachdem sie dank ihrer geheimen magischen Fähigkeit in einen Skandal verwickelt wurde, einige Wochen fern der Londoner Saison verbringen. Doch statt sich ruhig und gesittet zu verhalten, bis ihr Ruf wieder hergestellt ist, lässt sie sich in einem kleinen Küstenort in ein Abenteuer rund um Schmuggler und Piraten verwickeln – und benimmt sich dabei so ungeschickt, dass sie sich genauso gut ein Schild um den Hals hängen könnte mit der Aufschrift „Ich habe die magische Fähigkeit, Juwelen aufzuspüren!“. Ich fürchte, ich bin hier so gar nicht mit der Protagonistin warmgeworden, und selbst ihre Mutter, die ich in „Lady Avely’s Guide to Truth and Magic“ sympathisch fand, ging mir in diesem Band entsetzlich auf die Nerven. Immerhin habe ich jetzt ein weiteres ungelesenes Buch von meinem eReader entfernt – und kann sagen, dass Rosalie Oaks‘ Art, eine fantastische Regency-Geschichte zu erzählen, leider nicht meinem Geschmack entspricht.

Tansy Rayner Roberts: The Curse of Bronze/Tomb of Brass (The Family Cursebreaker 1+2)

A Taste for Skulls (A Family Cursebreaker 1.5)/House of Gargoyles (A Family Cursebreaker 2.5)/Hags, Portents & Parasols (A Family Cursebreaker Bonus Story)

Wie so oft bei Tansy Rayner Roberts hatte ich auch bei dieser Serie das Gefühl, dass die Autorin sich beim ersten Band erst einmal etwas warmschreiben musste – nur um dann diverse Kurzgeschichten zu veröffentlichen, die die fantastische Welt und die Familie Hathaway, um die sich die Handlung dreht, deutlich ausbauen. Das soll nicht bedeuten, dass „The Curse of Bronze“ unbefriedigend zu lesen gewesen wäre – die folgenden Titel sind nur die perfekte Ergänzung für einen vielversprechenden und amüsanten Anfang der Reihe. Alles beginnt damit, dass die berühmte Fluchbrecherin Charlotte Hathaway in eine Bronzestatue verflucht wird. Was dazu führt, dass ihre Nichte Bella Charlottes (sehr eigentümliches) Haus und ihren Job als Fluchbrecherin erbt. Allerdings hat Bella keinerlei Ausbildung in dem Bereich, und ihre erste Herausforderung ist es herauszufinden, wer Tante Charlotte auf dem Gewissen hat. Es gibt einen Haufen Flüche in diesen Geschichten, so einige Personen, die nach vielen Jahren entflucht werden – und dann damit zurechtkommen müssen, dass die Welt sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat -, rivalisierende Archäologen und gefährliche Gargoyles und sehr viele amüsante Situationen, die aus all diesen Elementen resultieren. Ich kann ehrlich sagen, dass ich diese Serie, die verschiedenen Charaktere und den Humor in den Geschichten jedes Mal wieder sehr genieße und nach dem Lesen von zwei (viel zu kurzen) Romanen und diversen Kurzgeschichten immer noch nicht genug davon hatte. Zum Glück ist die Fortsetzung „Those Haunted Hathaways“ schon fürs Jahresende angekündigt, auch wenn es noch keinen konkreten Veröffentlichungstermin gibt.

T. L. Stone: Tusks, Tails & Teacakes/Sorcery, Swords & Scones/Cauldrons, Charms & Chai (Tales from the Tavern 1-3)

Die „Tales from the Tavern“-Reihe von T. L. Stone fühlt sich sehr danach an, als ob sie von „Legends & Lattes“ von Travis Baldree inspiriert wurde, und beginnt damit, dass die Halb-Elfin Lira nach vielen Jahren als Abenteurerin in den kleinen Ort zurückkehrt, in dem sie aufgewachsen ist. Lange Zeit war sie vollkommen glücklich damit, als „Schurkin“ Teil einer kleinen Gruppe von Abenteuern zu sein, doch bei ihrer letzten Quest kam es zu einem unglücklichen Todesfall, und nun will sich Lira zur Ruhe setzen. Vorher muss sie allerdings noch das Rezeptbuch ihrer verstorbenen Großmutter bergen, das sie vor Jahren im Keller des örtlichen Wirtshauses verborgen hatte. Das führt letztendlich dazu, dass Lira gemeinsam mit der Zwergin Sass das Wirtshaus „The Tusk & Tail“ renoviert und die Küche wieder in Betrieb nimmt. Im Laufe der Zeit tauchen dann noch diverse Personen aus Liras (und Sass‘) Vergangenheit auf, um sich ebenfalls in dem idyllischen Örtchen anzusiedeln. Die „Tales from the Tavern“-Bücher erzählen wunderbar entspannte Geschichten rund um einen aufmerksamen Freundeskreis und sich langsam entwickelnde, süße Liebesgeschichten. Das Ganze ist dann noch durchzogen von Beschreibungen von leckerem Essen und Trinken und den Erinnerungen der verschiedenen Figuren an vergangene Abenteuer und gemeinsam überwundene Herausforderungen. Ich finde diese Veröffentlichungen wirklich sehr nett und entspannend zu lesen. Sie sind deutlich vorhersehbarer als z. B. die Titel von Tansy Rayner Roberts, aber manchmal ist das genau das Richtige, wenn mein Kopf zu voll mit allem Möglichen ist und ich einfach nur eine erholsame Zeit mit (zum Großteil) schrecklich netten Figuren verbringen will.

Tao Wong: The Nameless Restaurant (Hidden Dishes 1)

„The Nameless Restaurant“ von Tao Wong ist bei einer Aktion mit kostenlosen/reduzierten eBooks auf meinem Reader gelandet, und ich dachte, dass eine Geschichte rund um ein verborgenes, magisches Restaurant in Toronto nett klang. Die Handlung dreht sich um einen Abend in dem namenlosen Restaurant, an dem die verschiedenen Gäste von dem Inhaber und Koch Mo Meng mit traditioneller malaiischer Küche versorgt werden. Es werden die verschiedenen Gäste und ihre (magischen) Hintergründe vorgestellt und es wird detailliert beschrieben, wie die verschiedenen Gerichte zubereitet werden. Das führte zu einer netten, aber für mich ziemlich unbefriedigenden Mischung, weil ich das Gefühl hatte, dass ich nicht genug über die fantastischen Elemente und Figuren dieser Welt erfuhr, während mir mehr Details über das Kochen erzählt wurden, als ich gebraucht hätte. Dabei genieße ich normalerweise detaillierte Zubereitungsbeschreibungen, aber hier kam es mir vor, als ob diese für Personen geschrieben wurden, die sich noch nie in ihrem Leben mit asiatischer Küche (oder überhaupt mit Kochen) beschäftigt haben. Alles in allem fühlte es sich für mich unausgewogen an und ich habe keine Lust, auch noch zu den drei Fortsetzungen dieser Geschichte zu greifen.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 1)

Die Tatsache, dass ich in diesem Jahr versuche, meiner ungelesenen eBooks etwas Herr zu werden, hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich ziemlich viel gelesen habe, sondern auch dafür, dass ich mir sehr viele neue Bücher gekauft habe. Im Mai war meine Impulskontrolle in der Beziehung nicht sehr ausgeprägt, weshalb hier in diesem Monat so einige Reihen erwähnt werden. Außerdem habe ich so viel gelesen, dass ich die Lese-Eindrücke für Mai lieber in zwei Teilen veröffentliche.

Lois McMaster Bujold: Darksight Dare (Penric & Desdemona 16)

Der aktuellste „Penric & Desdemona“-Band war genauso amüsant wie all die anderen davor – wobei ich es angenehm fand, dass ein nicht geringer Teil der Handlung aus der Perspektive einer neu eingeführten Person erzählt wurde. Das bedeutete nicht nur, dass all die Dinge, die für Penric inzwischen vollkommen normal sind, von dieser Person ganz anders wahrgenommen wurden, sondern auch, dass wir als Leser*innen eine weitere Beziehung zwischen einem Menschen und einem Dämonen miterleben konnten. Das war ein guter Ansatz, um einer so lange laufenden Reihe einen erfrischenden Dreh zu geben. Ich hoffe sehr, dass Lois McMaster Bujold noch so einige Bände mit Penric und Desdemona schreiben wird – ich habe wirklich viel Spaß mit der Reihe.

Zoe Chant: Bun in a Million (Virtue Shifters 13)

Der aktuellste Band der Virtue-Shifter-Reihe bietet eine sehr süße Fake-Dating-Geschichte zwischen der Architektin Sabrina und dem Kaninchen-Gestaltwandler Luke, wobei ich es auch hier wieder einmal bevorzugt hätte, wenn sich das Kennenlernen der beiden Figuren länger hingezogen hätte und nicht auf „Fated Mate – also sind drei Tage genug, um sich für einander zu entscheiden“ hinausgelaufen wäre. Immerhin habe ich inzwischen erfahren, dass der Unterschied zwischen den ersten Virtue-Shifter-Bänden (mit deutlich längerer Kennenlernphase und interessanterer Hintergrundgeschichte) und den aktuellen Bänden dieser Reihe an den Bedingungen liegen, die mit dem geteilten Pseudonym einhergehen. Das führt dazu, dass es demnächst eine Reihe unter einem anderen Pseudonym der Autorin C.E. Murphy geben wird, die in derselben Stadt spielt und komplexere Geschichten beinhalten wird.

Marissa Doyle: Countess of Shadows (The Ladies of Almack’s Omnibus 1)

Von Marissa Doyle mochte ich die Leland-Sisters-Romane sehr gern, hatte die Autorin aber in den letzten zehn Jahren aus den Augen verloren, bis ich im Mai über die „Ladies of Almack’s“-Reihe stieß. Dieser Band beinhaltet die Geschichten „The Forgery Furore“, „The Vanishing Volume“ und „Lyrics and Larceny“, und zusammen umfassen sie gerade mal 326 Seiten. Ich muss zugeben, dass ich die Geschichten rund um Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) nicht so bezaubernd fand wie die um die Leland-Schwestern, aber sie waren nett genug, um irgendwann mehr davon zu lesen. Die Grundidee ist, dass die Ladies of Almack’s nicht nur den Ton in der gehobenen Gesellschaft angeben, sondern alle auch eine (jeweils unterschiedliche) besondere magische Begabung haben, die ihnen hilft, im Geheimen Probleme zu lösen. Dabei reichen in dieser Sammlung die Probleme von gefälschten Vouchers für Almack’s über eine nicht erhältliche Fortsetzung eines beliebten Romans bis zum Diebstahl von Juwelen. Allein schon die Kürze der jeweiligen Geschichten sorgt dafür, dass die Herausforderungen sich jedes Mal recht schnell auflösen. Aber es ist nett und entspannend zu lesen, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sich mit jedem Band ein bisschen besser in ihrer neuen Reihe zurechtfand, und die kleinen Anmerkungen zu den historischen Hintergrunden am Ende der jeweiligen Episode waren teilweise überraschend interessant..

Miles English: Scarred/Illusionist/Nightmares/Benighted (Bog Standard Isekai 1-4)

Bei meiner Suche nach weiteren Isekai-Geschichten, die mich gut unterhalten könnten, bin ich über „Bog Standard Isekai“ (der seltsame Reihentitel wird im Laufe des ersten Bands erklärt) gestolpert, was dazu führte, dass ich in vier Tagen 2500 Seiten gelesen habe, weil mich die Reihe nicht so recht losließ. Der Protagonist Mark stirbt als erwachsener Mann in unserer Welt und wird als junger Teenager in einem fantastischen Reich wiedergeboren – dummerweise passiert das in einem abgelegenen kleinen Ort im Sumpf, der gerade von Untoten überrannt wurde. Nach einigen Tagen voller traumatischer Erlebnisse wird Mark gerettet, aber damit sind die Gefahren noch nicht vorbei. Die „Bog Standard Isekai“-Geschichten sind deutlich brutaler als die Isekai-Veröffentlichungen, die ich sonst bevorzuge, aber das macht für mich auch ihren Reiz aus. Mark gehört zu den Isekai-Protagonisten, deren Fähigkeiten überproportional besser sind als die der anderen Bewohner dieser fantastischen Welt. Aber es gelingt Miles English, das Ganze nicht nur mit Marks Wissen aus seinem früheren Leben zu begründen, sondern auch mit den vier einflussreichen und mächtigen Personen, die ihn aus dem Dorf im Sumpf gerettet hatten und sich deshalb für sein weiteres Leben und seine Ausbildung verantwortlich fühlen. Den Ausgleich für Marks Fähigkeiten bieten all die Gefahren, mit denen er sich herumschlagen muss, und die physisch und psychisch ihre Spuren hinterlassen. Beim Lesen hat mich die Handlung immer wieder an das Videospiel „Diablo III“ erinnert, das sich genauso düster und hoffnungslos anfühlte wie diese Welt (und mit dem ich vor einigen Jahren erschreckend viele Stunden verbracht habe). Mit seinen Adoptiveltern und all den Freunden, die er findet, ist Mark immerhin nicht alleine mit all den Herausforderungen – was einen dringend nötigen Ausgleich zu den Schlachten und ähnlichen Ereignissen bildet. Ich habe keine Ahnung, wie lang die Reihe werden wird, kann aber sagen, dass ich den fünften Band direkt vorbestellt hatte, nachdem ich mit Band vier fertig war – und nun bin ich sehr gespannt darauf, wie der Kampf gegen die jahrtausendealte böse Königin des Nachbarreichs verlaufen wird und ob damit die Reihe zu einem Ende findet oder nicht …

Murphy Lawless: OctoBEARfest/Partridge in a Bear Tree (Renaissance Shifters 1+2)

Nachdem ich mit den „Bog Standard Isekai“-Romanen so viel Düsteres gelesen hatte, brauchte ich eine etwas fluffigere Lektüre und befreite deshalb „OctoBEARfest“ vom eReader. Die „Renaissance Shifters“-Reihe ist ein Ableger der Virtue-Shifters-Romane und die Geschichten drehen sich um die Bären-Gestaltwandler-Brüder (bzw. in Band 2 um seine Cousine) von Steven aus „Hold My Bear“. Auch wenn C. E. Murphy hier nicht unter dem geteilten Pseudonym Zoe Chant schreibt, sondern als Murphy Lawless, so folgen die Geschichten doch demselben Schema wie die Virtue-Shifter-Romane. Aber es sind süße und amüsante Geschichten, perfekt zum Entspannen (oder um sich von einer etwas aufreibenderen Lektüre zu erholen). Die Reihe wird mit fünf Bänden abgeschlossen sein und alle Teile spielen entweder rund um eine Brauerei mit angeschlossenem Pub oder einen am selben Ort stattfindenden Mittelaltermarkt. Während ich mir bei den Beziehungen oft wünschte, dass die Autorin sich bei diesen Liebesromanen mehr Zeit mit der Kennenlernphase lassen würde, kann ich mich über den Humor in diesen Geschichten wirklich nicht beschweren. Ich kichere beim Lesen die ganze Zeit vor mich hin, was dann auch der Grund ist, wieso ich immer wieder zu diesen Gestaltwandler-Romanen zurückkehre.

Lese-Eindrücke April 2026

Auch im April habe ich überraschend viel gelesen, was vor allem daran lag, dass ich mich durch die Perfectly-Pixie-Reihe und die Necromancer Tales von MJ May gelesen habe. Wenn ich nicht noch ein paar andere Lese-Eindrücke hier gesammelt hätte, hätte ich den Beitrag einfach mit „MJ May und ihre diversen Reihen“ betiteln können. 😉

MJ May: Perfectly Perfect Pixie/Perfectly Charmed Pixie/Perfectly Perplexing Zombie/Purrfectly Peculiar Pixie (Perfect Pixie Series 2-5)

Ich hatte im vergangenen August den ersten Band der Reihe („Perfectly Imperfect Pixie“) gelesen und wirklich nett gefunden. Als ich also im April überlegte, was sich als (weitere) Fast-Food-Lektüre eignen könnte, habe ich mir den zweiten Band der Serie geholt und danach nicht aufgehört, die Reihe zu lesen. Jede Geschichte dreht sich um zwei männliche Personen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, die sich in einem Urban-Fantasy-Setting näherkommen. Ich muss zugeben, dass ich die (mal mehr, mal weniger) vorhandenen Sexszenen nicht gebraucht hätte, aber ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie die Figuren sich besser kennenlernten, sich ihren Vorurteilen (in der Regel bezüglich der Rasse des anderen) stellen mussten und gemeinsam an der Lösung eines Problems arbeiteten. Außerdem kann ich sagen, dass ich das Geplänkel zwischen all den unterschiedlichen Charakteren wirklich gern gelesen habe. Dabei ging es mir nicht nur um die Protagonisten und ihre langsam wachsenden Beziehungen, sondern auch um alte und neue Freundschaften, die sehr den Ton der Geschichten prägen. Da alle fünf Bände in derselben Region und rund um einen festen Freundeskreis spielen, gibt es regelmäßige Wiedersehen mit den Protagonisten und Nebenfiguren der vorhergehenden Bücher, was wirklich nett zu lesen ist. Ich will nicht behaupten, dass die Reihe besonders ungewöhnlich ist, aber ich habe mich gut amüsiert und war neugierig genug auf weitere Entwicklungen, dass ich nicht nur abends konzentriert gelesen, sondern auch tagsüber in meinen Pausen zum eReader gegriffen haben. Oh, und die dazugehörige Sammlung von Kurzgeschichten („Perfectly Petite Shorts“) war auch sehr nett für zwischendurch.

MJ May: Deadly Lineage/Deadly Deception/Deadly Avarice/Deadly Arrogance (Necromancer Tales 1-4)

Nach den ganzen Pixie-Geschichten dachte ich, ich teste mal die Leseprobe von „Deadly Lineage“ von MJ May an – und das führte dazu, dass ich auch diese Reihe hintereinander weg gelesen habe. Die Handlung spielt in derselben Welt wie die Perfect-Pixie-Serie, und auch hier gibt es eine Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten Erasmus Boone (Necromancer) und Franklin O’Hare (menschlicher Detective bei der Abteilung für Mordermittlungen). Allerdings zieht sich diese Liebesgeschichte über alle vier Bände, während die Haupthandlung sich um einen oder mehrere Kriminalfälle dreht. Auch wenn ich es stellenweise sehr offensichtlich fand, wer der Bösewicht in der Geschichte war, so mochte ich es mitzuverfolgen, wie Franklin und Erasmus ermittelten und (wenn möglich) gemeinsam ihre Schlüsse zogen. Besonders nett fand ich Erasmus‘ persönliche Fähigkeit als Necromancer, die darin besteht, dass er die Seele eines/r Verstorbenen zurückholen kann. Das bedeutet, dass er regelmäßig von Angehörigen engagiert wird, die noch etwas mit einer zu früh verstorbenen Person zu regeln haben (und sei es nur die Frage nach dem geliebten Marmeladenrezept). Manchmal bieten diese Jobs allerdings eher den Verstorbenen die Möglichkeit, noch ein paar Dinge loszuwerden, die sie ihren Familienmitgliedern bislang nicht direkt ins Gesicht gesagt hatten, was sehr amüsant zu lesen war. Alles in allem bot diese Reihe für mich eine gute Mischung aus humorvollen und emotionalen Momenten, die zu einer intensiveren Handlung führten als bei den Pixie-Romane. Die Beziehung zwischen Erasmus und Franklin war schön zu verfolgen – gerade weil die beiden sich auf Augenhöhe begegneten, obwohl Franklins Arbeit und Erasmus‘ Herkunft als Necromancer (was in diesen Romanen sowohl eine Rassen- als auch eine Fähigkeitenbezeichnung ist) für so einige Hürden sorgten. Die nächste Reihe der Autorin wird sich um Erasmus‘ Vater drehen, der ein Warlock und – nach allem, was ich bislang über ihn gelesen habe – eine ungewöhnliche Wahl für eine Hauptfigur ist. Was mich zu der Frage bringt, ob ich den ersten Band bald mal anteste oder lieber warte, bis die Reihe vollständig ist, damit ich die dann im Zweifelsfall auch in einem Rutsch lesen kann.

MJ May: No Good Deed (Maverick Insurance Mystery 1)

Nachdem ich gut eine Woche so intensiv mit Romanen von MJ May verbracht hatte, dachte ich mir, ich sollte auch noch die früheren Veröffentlichungen der Autorin antesten. Deshalb habe ich den ersten Band der Maverick-Insurance-Mysteries gelesen, um danach sagen zu können, dass der für mich längst nicht so gut funktioniert wie die vorher gelesenen Urban-Fantasy-Geschichten von MJ May. „No Good Deed“ wird aus der Sicht von Perry Atherton und Detective Nathanial Harmon erzählt. Perry wäre drei Jahre vor Beginn der Handlung beinahe gestorben, als er versuchte, einem Fremden, der in einer Gasse überfallen worden war, zur Hilfe zu eilen. Inzwischen hat Perry sein Leben wieder so einigermaßen im Griff, aber die schwere Kopfverletzung und der Schuss ins Knie haben Spuren hinterlassen, die bis heute sein Leben beeinträchtigen. Deshalb ist er umso glücklicher, dass er endlich einen Arbeitgeber gefunden hat, der bereit ist, ihn zumindest als Hausmeister einzustellen. Das führt dazu, dass Perry sich eigentlich nicht einmischen und das Ganze ignorieren will, als er eine Nachricht findet, die andeutet, dass einer der anderen Angestellten ein Mörder ist. Nate hingegen war vor drei Jahren der erste Polizist vor Ort und konnte bis heute den jungen Mann, der heldenhaft in eine Gasse eilte und dafür beinah mit seinem Leben bezahlt hätte, nicht vergessen – nur um ihm erneut zu begegnen, als er einem anonymen Hinweis auf einen Mörder in einem Versicherungsunternehmen nachgeht. Die Beziehung zwischen Nate und Perry fand ich eigentlich ganz süß zu lesen, aber für mich funktionierte bei Perry diese Mischung aus Naivität, Scheuklappen und Ermittlungseifer am Arbeitsplatz nicht so recht. Außerdem überzeugten mich die Hintergründe rund um den vermutlichen Mörder sowie die gesamte Dynamik innerhalb der Versichung leider ebenfalls nicht. Deshalb habe ich die Serie für mich abgeschrieben und stattdessen noch einen weiteren ersten Band ausprobierte …

MJ May: Sow What You Reap (Reaping Coventous 1)

„Sow What You Reap“ wird aus der Perspektive der 22jährigen Leah McKnight erzählt, die Geister sehen und mit ihnen kommunizieren kann. Außerdem wurden vor sechs Jahren ihre Eltern von Leahs Zwillingsbruder Bobby ermordet – wobei bis heute ungewiss ist, was Bobby zu dieser Tat veranlasst hat, weil dieser seit jener Nacht verschwunden ist. Leah ist also so ziemlich auf sich allein gestellt, während die Hälfte des Ortes davon überzeugt ist, dass sie mit Bobby gemeinsame Sache gemacht haben muss, und sie dementsprechend schlecht behandelt … Ich gebe zu, dass es ein paar interessante und ungewöhnliche Elemente in der Geschichte gab (gerade rund um die Reaper, denen Leah im Laufe der Handlung begegnet und die die Seelen von Verstorbenen abholen). Außerdem ist es durchaus stimmig, dass eine Person in Leahs Situation mit psychischen Problemen kämpft, während ihre Kleinstadt-Nachbarn lieber davon ausgehen, dass sie irgendwie mitschuldig am Tod ihrer Eltern sein muss, statt ihr zur Seite zu stehen. Daneben gab es durchaus ein paar Personen wie Leahs Arbeitgeber, ihren besten Freund aus Kindheitstagen oder ihren Onkel und ihre Cousine, die an Leahs Unschuld glauben und für sie da sind. Aber insgesamt fand ich Leahs Perpektive viel zu deprimierend und die Andeutungen rund um weitere Entwicklungen am Ende des Romans nicht verlockend genug, um noch die weiteren sechs Romane der Reihe lesen zu wollen …

Hazel Smith: Mystery Maid

Nachdem ich im April dann schon so viel Geld für eBooks ausgegeben hatte, wurde es Zeit, mal einen der vielen ungelesenen Titel anzugehen, die seit Längerem auf dem eReader schlummern. Den ersten (und zweiten) Band der Mystery-Maid-Serie habe ich irgendwann vor drei Jahren umsonst heruntergeladen. Es handelt sich dabei um eine typische Cozy-Mystery-Geschichte, die in diesem Fall in einem Hotel in London spielt. Die (amerikanische) Protagonistin Ivy Stone hat zu Beginn der Handlung ihren ersten Tag als Zimmermädchen in dem berühmten Hotel LaFontaine, als sie im namengebenden Springbrunnen über eine Leiche stolpert. Gemeinsam mit einigen weiteren Hotel-Angestellten beginnt sie zu ermitteln, während gleichzeitig im Hotel eine Fashion Show stattfindet, die für so einige Aufregung sorgt. Es ist lange her, dass ich bei einem Cozy Mystery nicht weit vor der Auflösung wusste, wer der Täter war, weshalb ich diesen Titel in dieser Hinsicht wirklich loben muss. Allerdings fand ich die Motivation des Täters weniger überzeugend, was dann wiederum etwas schade war. Auch muss ich gestehen, dass ich es zwar eigentlich angenehm zu lesen finde, wenn eine Protagonistin ein nettes Arbeitsumfeld hat, aber hier wurde es mir ein bisschen zu unglaubwürdig mit all dem Entgegenkommen durch den Besitzer des Hotels und den vielen Möglichkeiten für Ivys neue Freundinnen, sich von ihren Arbeitsplätzen zu entfernen, um mal eben zu ermitteln. Ich werde bestimmt irgendwann noch den zweiten Teil lesen, da er ja eh schon auf meinem eReader schlummert, mir aber vermutlich keine weiteren Bände der Reihe besorgen. (Oh, und was die Reihennummer angeht: Als ich den Titel auf den eReader lud, lief er als Band 1, während mir inzwischen eine andere Geschichte als Band 1 der Mystery-Maid-Reihe auf den diversen Plattformen angezeigt wird. Ich bleibe bei Band 1 – und sei es nur, weil die gesamte Reihe nach diesem Band benannt wurde.)

Kat Kinnley: Light My Pyre (Everwood Falls 1)

„Light My Pyre“ gehörte zu den kostenlosen Büchern, die ich Anfang März runtergeladen (und damit dann auch schon alle gelesen) hatte, und entpuppte sich als nette paranormal romance zwischen Asher Heath (Feuer-Magier und zur Hälfte Fae) und Gwyneth Drake (Drachen-Gestaltwandlerin). Beide treffen in Everwood Falls aufeinander, einem abgelegenen Ort in den Rocky Mountains, der in der paranormalen Gesellschaft als Zuflucht für diejenigen dient, die eine zweite Chance benötigen. Wobei diese zweite Chance entweder nötig ist, weil die Betroffenen andere paranormale Personen in Gefahr gebracht haben oder riskierten, dass Menschen herausfinden, dass es paranormale Wesen gibt. Ich muss zugeben, dass weder die Hintergrund-Geschichten der beiden Figuren noch der Weltenbau oder die Liebesgeschichte in irgendeiner Form groß erinnerungswert waren. Aber die Figuren waren (fast) alle sympathisch und der Roman war nett und entspannend zu lesen. Da die weiteren Titel der Reihe aktuell für gerade mal 99 Cent pro Band zu bekommen sind, könnte es also sein, dass ich da doch irgendwann einmal für den Preis zugreifen werde, wenn ich wieder auf der Suche nach netter Fast-Food-Lektüre sein sollte.

Rachel Morgan: The Charmed Leaf Legacy 1-3

Ich weiß nicht mehr, wo ich über diese Reihe von Rachel Morgan gestolpert bin, aber die „The Charmed Leaf Legacy“-Bücher sind einfach bezaubernd, wohltuend und amüsant. Rachel Morgen lässt diese Romane in einer fantastischen Regency-Welt spielen, in der die Fae mit all ihrer Magie der Adelsschicht entsprechen, während die Menschen – aufgrund ihres Mangels an Magie – im besten Fall die Mittelschicht erreichen können. Das bedeutet natürlich, dass Ehen zwischen Fae und Menschen – und ebenso eventuelle Kinder aus solch einer Verbindung – dementsprechend skandalös sind. Die Protagonistin des ersten Bandes „Tempest & Tea Leaves“ ist das Ergebnis einer solchen Ehe, und während ihr Fae-Vater und ihre menschliche Mutter sehr liebevoll und sehr stolz auf Iris sind, ist die Fae-Gesellschaft wenig entgegenkommend, als Iris während der Bloom Season ihre Magie vorstellen soll.

Ich fand die Ähnlichkeit zwischen „Tempest & Tea Leaves“ und „Pride and Prejudice“ von Jane Austen bei der ersten Begegnung zwischen Iris und ihrem Gegenstück Lord Jasvian Rowanwood schon sehr auffällig. Aber zum Glück geht die Handlung dann schnell ihren eigenen Weg – vor allem, da Lord Jasvians Großmutter Lady Rivenna beschließt, dass Iris eine geeignete Nachfolgerin für die Leitung ihres „Charmed Leaf Tea House“ sein könnte. Während Iris von Lady Rivenna ausgebildet wird, müssen sie und Lord Jasvian im selben Büro arbeiten – was natürlich dazu führt, dass die beiden sich besser kennenlernen und ihre gegenseitigen Vorurteile überwinden. Ich mochte diese Mischung aus (magischer) Ausbildung, Geplänkel zwischen Iris und Lord Jasvian, die ungewöhnliche Magie rund um das Teehaus und Iris‘ – auf den ersten Blick – nutzloser Fähigkeit wirklich sehr. „Tempest & Tea Leaves“ war – trotz all der unschönen Begegnungen, die Iris mit einigen Fae hatte – eine rundum amüsante und wohltuende Lektüre, die mir wirklich Spaß gemacht hat. Deshalb war ich sehr froh, dass ich mir nach dem Lesen der Leseprobe gleich den Sammelband mit den ersten drei Teilen der Reihe gegönnt hatte.

Dabei muss ich zugeben, dass ich Mariselle Brightcrest, die Protagonistin von „Deals & Dreams“, im ersten Band sehr unangenehm fand und mir nicht vorstellen konnte, dass ich ihre Liebesgeschichte gern lesen würde. Aber schon auf den ersten Seiten sorgt Rachel Morgan dafür, dass Mariselle in einem ganz neuem Licht erscheint – was dafür sorgt, dass ihre Fake-Verlobungs-Geschichte mit Evryn Rowanwood mir überraschenderweise am Ende noch besser gefiel als der erste Band der Reihe. Das lag auch daran, dass sich Mariselle und Evryn ständig gegenseitig alberne Streiche spielen. was zu sehr vielen unerwarteten und amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig wird trotz all der lustigen Momenten deutlich, dass beide Figuren nicht glücklich mit ihrer Position innerhalb ihrer Familien sind und sich nach jemandem sehnen, der sie so respektiert, wie sie sind – wobei Evryn sich immerhin sicher sein kann, dass seine Familie ihn liebt. Gerade weil Mariselle innerhalb ihrer Familie auf keine Unterstützung hoffen kann, ist es umso schöner zu verfolgen, wie Evryn ihr – trotz der unglücklichen Umstände, die zur ihrer Fake-Verlobung geführt haben – zur Seite steht. Das war berührend und amüsant und wirklich schön zu lesen – weshalb ich auch dieses Mal am Ende nicht davon ausging, dass mir der nächste Band annähernd so gut gefallen könnte.

Damit hatte ich mich aber erneut getäuscht, denn auch „Love & Letter Charms“ konnte mich nicht nur mindestens ebenso gut unterhalten wie die ersten beiden Bänden, sondern auch damit überraschen, wie gut Aurelise Rowanwood (die jüngste Schwester von Jasvian und Evryn) und Prinz Ryden zusammenpassen. Dabei ist die unglaublich schüchterne Aurelise zutiefst schockiert, als verkündet wird, dass in dieser Bloom Season alle debütierenden Fae-Damen für einige Wochen in den Palast eingeladen werden, damit der Prinz unter ihnen seine zukünftige Frau auswählen kann. Auch bei dieser Geschichte gelingt es Rachel Morgan, im Laufe der Handlung zu zeigen, dass ihre Figuren deutlich mehr Tiefe haben, als der erste Eindruck andeutet, und während ich es anderen Autor*innen vermutlich nicht so schnell verzeihen würde, dass der Protagonist Aurelise eine wichtige Information vorenthält, konnte ich es hier erstaunlich gut nachvollziehen und es Prinz Ryden (ebenso wie der Autorin) nachsehen.

Insgesamt habe ich drei rundum befriedigende Tage mit den drei Bänden der „The Charmed Leaf Legacy“-Reihe verbracht, während derer ich meine Lektüre kaum aus der Hand legen mochte. Jeder der drei Romane hatte einen ganz anderen thematischen Schwerpunkt, und sie fühlten sich beim Lesen überraschend unterschiedlich an, obwohl sie alle drei eine gute Mischung aus berührenden und amüsanten Szenen hatten. Ich mochte die Hauptfiguren und die Personen, von denen sie unterstützt werden, wirklich sehr – so sehr, dass es mir jedes Mal schwerfiel, mir vorzustellen, dass ich die Protagonisten des nächsten Teils ebenso ins Herz schließen würde, nur um dann eines Besseren belehrt zu werden. Es sind schon zwei weitere „The Charmed Leaf Legacy“-Bände angekündigt (und von mir vorbestellt) worden, und ich hoffe sehr, dass sie mir ebenso gut gefallen werden wie die ersten drei Teile der Reihe. Wobei ich da wirklich optimistisch bin, denn es ist wirklich selten, dass ich nach dem Lesen von Fortsetzungen das Gefühl habe, dass die Geschichten immer besser werden.

Oh, und für diejenigen, die Interesse an der Reihe haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: Es gibt deutsche Ausgaben der ersten drei Bände, die von der Autorin selbst veröffentlicht wurden. Allerdings kann ich nichts zur Qualität der Übersetzung sagen – nur, dass sich der deutsche Klappentext für mich unrunder anfühlt als der englische, aber das liegt vermutlich daran, dass ich inzwischen so viel mehr auf Englisch lese.