Kategorie: Rezension

Elizabeth Hawes: Zur Hölle mit der Mode

Vor über achtzig Jahren erschien mit „Fashion is Spinach“ ein Titel, in dem die Designerin Elizabeth Hawes auf die Zeit zurückblickt, die sie in Paris und den USA mit dem Studium und dem Entwerfen von Mode verbracht hat. Mit „Zur Hölle mit der Mode“ ist im August 2019 die von Constanze Derham übersetzte deutsche Version des Buches herausgekommen (und die durfte dann erst einmal ein Jahr auf meinem SuB liegen, bevor ich sie endlich las 😉 ). Ich habe ja schon mehrfach auf diesem Blog erzählt, dass ich an aktueller Mode so gar nicht interessiert bin, dass ich es aber immer wieder spannend finde, mich mit Mode-Geschichte zu beschäftigen. Gerade in den Jahrzehnten vor den beiden Weltkriegen ist so viel im Bereich Mode passiert, was ich wirklich faszinierend finde, und in „Zur Hölle mit der Mode“ bekommt man einiges mit, was in den 1920er-Jahren hinter den Kulissen der Pariser Designhäuser passierte und in den 30er-Jahren rund um die Mode in den USA.

Mit Anfang zwanzig ging Elizabeth Hawes direkt nach ihrem Collegeabschluss nach Paris, in der Hoffnung, einen Weg zu finden, um als Modedesignerin arbeiten zu können. Ihr war natürlich klar, dass niemand eine unbekannte Amerikanerin engagieren würde, so dass sie jeden Job annahm, der es ihr erlaubte, die Pariser Modewelt zu studieren. Vom Juli 1925 bis August 1928 lebte sie in Frankreichs Hauptstadt und arbeitete unter anderem als Mode-Journalistin, als Mode-Zeichnerin (was bedeutete, dass sie bei den Modeschauen die Entwürfe der großen Designer „kopierte“) und letztendlich auch als Designerin, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass es sie langfristig nicht reizte, „französische Mode“ für die High Society zu entwerfen. Stattdessen versuchte Elizabeth Hawes in den folgenden neun Jahren in New York als Designerin mit einer eigenen Kollektion und hochwertigen Maßanfertigungen Fuß zu fassen. Doch um diesen Traum zu finanzieren, musste sie immer wieder Abstecher in die Welt der Massenproduktion und Kaufhäuser machen, was bedeutete, dass sie auch diese Seite der Modeherstellung überraschend gut kennenlernte.

All diese Erfahrungen, die Elizabeth Hawes in dieser Zeit gesammelt hat, führen dazu, dass „Zur Hölle mit der Mode“ zu einer faszinierenden und unterhaltsamen Abrechnung mit der Welt der Mode und den unterschiedlichsten Produzenten und Anbietern wird. Die Autorin schreibt über den Unterschied von Stil und Mode, über die Arbeitsbedingungen, über die Erwartungen der Käuferinnen und die Geschäftsgebaren der verschiedenen Betriebe, die an der Herstellung von Kleidung beteiligt sind. Dabei hat Elizabeth Hawes viele amüsante Anekdoten zu erzählen, aber auch so einige Daten und Fakten zu präsentieren, die einem beim Lesen zu denken geben. Sie rechnet auf, welche Materialien zum Beispiel für ein hochwertiges Kleid benötigt werden, welche Arbeitszeit in die Herstellung fließt, welche zusätzlichen Elemente verwendet werden und zeigt so auf, wie der Preis für ein qualitatives Kleidungsstück entsteht.

Immer wieder geht Elizabeth Hawes darauf ein, welche Tricks Produzenten anwenden, um Material zu spare, und wie sie auf minderwertige Stoffe zurückgreifen, um ihre Kleidungsstücke möglichst billig herstellen zu können – und welche Folgen das für die Käuferinnen dieser Produkte hat. Sie scheut auch nicht davon zurück zu beschreiben, unter welche Bedingungen die Näher.innen arbeiten und welchen Lohn sie für ihre hochwertige Arbeit bekommen. Dabei ist es erschreckend, wie vertraut diese Beschreibungen klingen, auch wenn heutzutage die Näher.innen nicht mehr im Umland von Paris, sondern in Bangladesch oder ähnlichen Ländern leben. Für mich war „Zur Hölle mit der Mode“ wirklich eine spannende Lektüre, denn selbst Elemente, die ich schon kannte, bekamen durch die persönliche Perspektive der Autorin noch einmal eine andere Note.

Auch muss ich zugeben, dass ich es sehr angenehm fand, mal beim Lesen ein Buch in der Hand zu halten, das sich so wertig anfühlt. Normalerweise lese ich ja doch vor allem (Mass-)Paperbacks und im Vergleich dazu fühlen sich Buchleinen, ein gerundeter Rücken und qualitativeres Papier doch gleich ganz anders an. Überhaupt ist diese Ausgabe wirklich liebevoll hergestellt und bietet nicht nur Grafiken aus Modeveröffentlichungen, die zwischen 1882 und 1922 erschienen sind, sondern auch einen Überblick, der die von Elizabeth Hawes erwähnten Namen und Geschäfte einordnet, und ein Nachwort der Übersetzerin Constanze Derham. Ebenfalls muss ich betonen, dass man beim Lesen wirklich merkt, dass sich Constanze Derham sehr gut mit Mode (und den verwendeten Materialien) auskennt und dementsprechend auch das dazugehörige Vokabular beherrscht.

Umso bedauerlicher fand ich es, dass wohl einige Kapitel in der zweiten Hälfte des Buches beim Korrekturlesen im Bereich Kommasetzung ein bisschen zu kurz gekommen sind. Bei ein paar wenigen Kommafehlern hätte ich nichts gesagt, aber hier gab es ein paar Kapitel, die für mich deswegen nicht flüssig zu lesen waren – und ich bin jemand, dem das nur auffällt, wenn wirklich grundlegende Kommaregeln missachtet werden. Von diesem kleinen Makel abgesehen hat mir „Zur Hölle mit der Mode“ rundum wirklich sehr gut gefallen und mir Lust gemacht, mich wieder mehr mit dem Thema Mode(geschichte) zu beschäftigen. Nur gut, dass ich noch „Berlin Hausvogteiplatz – Über 100 Jahre am Laufsteg der Mode“ von Brunhilde Dähn und „Creating the Illusion“ auf dem Sachbuch-SuB liegen habe.

Radiya Hafiza: Rumaysa

In den letzten Tagen wusste ich nicht so recht, auf welche Art von Geschichte ich eigentlich Lust hätte. Also habe ich testweise ein paar Bücher angelesen und bei „Rumaysa“ bin ich direkt nach den ersten Absätzen hängengeblieben. Ich mochte die ungewöhnlichen Märchenvarianten, die Radiya Hafiza in „Rumaysa“ erzählt, so sehr, dass ich mir die Geschichten eigentlich einteilen wollte – nur um dann doch immer wieder zum Buch zu greifen, um nur noch ein weiteres kleines Kapitel zu lesen. Genau genommen greift die Autorin die Märchen von „Rapunzel“, „Aschenputtel“ und „Dornröschen“ auf und spinnt daraus ganz eigene Geschichten mit starken und selbstbewussten Protagonistinnen, die Hijab tragen und das Fastenbrechen feiern, die keine Prinzen benötigen, die sie retten, sondern einfallsreich sind. Dabei ist die titelgebende Rumaysa nicht nur die erste Person, deren Geschichte in diesem Buch erzählt wird, sondern sie spielt auch eine wichtige Rolle im Leben der anderen beiden Protagonistinnen (Cinder)Ayla und (Sleeping) Sara.

Jede der drei Geschichten beginnt nicht nur mit dem klassischen „Once upon a time“-Anfang, sondern sie bieten auch sonst eine durchgehende Märchenatmosphäre. Zusätzlich gibt es aber so viele amüsante Momente und überraschende Wendungen, dass es sich immer wieder anfühlte, als ob ich die vertrauten Geschichten ganz neu entdecken dürfte. Es war so wunderbar zu lesen, wie sich Rumaysa selbst aus ihrem Turm rettet und wie sie im Anschluss an dieses erste Abenteuer anderen Mädchen zur Seite steht, die dringend Hilfe benötigen. Ich mochte es so sehr, dass der Fokus der Autorin nicht darauf lag, dass die Protagonistinnen ihren jeweiligen Prinzen bekamen, sondern dass sie Freunde fanden und einen Weg, um ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu führen.

„I’m looking for someone – a princess. Have you seen her?“
„No, I’m the only one here,“ Rumaysa replied tersely.
It was quiet for a moment. „Right, OK. Guess I’ll go, then.“
Rumaysa heard an odd whoosh in the air and then silence. She let out a breath of relief – the boy must have gone.
As she restarted her climb, she muttered, „When I need someone to break me out, no one shows for years and years. But the night I’m hanging from a sky-high tower, then some boy wants to show up.“ (Rumaysa, Seite 46)

Keine der Protagonistinnen schafft es allein, sich gegen die Widrigkeiten in ihrem Leben zu behaupten, aber sie brauchen keinen „Prinzen“, um ihre Situation zu verbessern, sie finden Freunde, die ihnen zur Seite stehen – und das ist so viel schöner zu lesen. Wie so oft bei solchen Geschichten gefielen mir vor allem die kleinen Momente, in denen zwei Freundinnen sich über ihren Tag austauschen, in denen gemeinsam gegessen wird oder in denen den Protagonistinnen bewusst wird, dass ihnen mehrere Alternativen offen stehen. Der einzige Kritikpunkt, den ich an „Rumaysa“ finden kann, besteht in dem relativ abrupten – und für Rumaysa offenen – Ende des Buches. Es wäre schön gewesen, wenn die Autorin auch für diese Figur einen runden Abschluss gefunden hätte. Aber ich hoffe, dass dies bedeutet, dass Radiya Hafiza noch weitere Märchen neu-erzählen wird, auch wenn ich bislang noch keinen Hinweis auf eine weitere Veröffentlichung gefunden habe.

Erwähnen sollte ich auch noch, dass es in dem Buch mehrere Illustrationen von Rhaida El Touny gibt und auch wenn ich nicht alle Bilder gleichermaßen mochte, so vertiefen sie doch die Atmosphäre des jeweiligen Märchens. Besonders gefielen mir die kleinen Zeichnungen über den Kapitelanfängen – vor allem die von der Eule Zabina, die einfach bezaubernd zerzaust aussieht. Aber auch die Ballszene mit den vielen unterschiedlichen Kleidungsstilen fand ich wunderbar, gerade weil Rumaysa dort mit ihrem Hijab so gut hineinpasst. Insgesamt fand ich die Illustrationen zwar nicht ganz so umwerfend wie die von Lydia Corry in „Eight Princesses and a Magic Mirror“ (was auch daran liegt, dass ihnen die Farbigkeit fehlt), aber sie haben definitiv zur märchenhaften Atmosphäre von „Rumaysa“ beigetragen.

Helen Corcoran: Queen of Coin and Whispers

Ich weiß nicht, ob es an der relativ ruhigen Erzählweise oder an der Menge an Politik und Intrigen lag, aber „Queen of Coin and Whispers“ von Helen Corcoran hat mich beim Lesen immer wieder an „The Goblin Emperor“ von Katherine Addison erinnert. Die Geschichte wird auf der einen Seite aus der Sicht der achtzehnjährigen Aurelia (Lia) erzählt, die nach langen Jahren des Wartens und Vorbereitens endlich die Krone von ihrem Onkel erbt. Als Königin will sie all die Dinge in die Hand nehmen, die ihr Onkel und ihr Großvater haben schleifen lassen, und dafür sorgen, dass die Korruption in ihrem Königreich bekämpft wird. Doch bevor sie wirklich etwas bewirken kann, muss sie erst einmal mit all den Personen fertig werden, die sich an ihre Macht klammern und alles versuchen, um die Pläne der junge Königin zu durchkreuzen. Nur zwei Menschen gibt es, denen Lia wirklich vertraut: Ihren Kindheitsfreund Matthias, mit dem sie sich schon seit vielen Jahren die Reformen ausgemalt hat, die sie vornehmen will, und die junge Xania, die für Lia die Rolle des „Whispers“ (als Leiterin von Lias Spionagenetzwerk) einnimmt.

Xanias Perspektive ist die zweite Sicht, aus der der Leser die Handlung erlebt, und so wissen wir von Anfang an, dass Xania die Position des Whispers in erster Linie annimmt, um möglichst viele Informationen über den skrupellosen und mächtigen Lord Vigrante zu sammeln. Dieser hält nicht nur alle Fäden bei Hofe in der Hand, sondern Xania ist sich auch sicher, dass er für den Mord an ihrem Vater verantwortlich ist. Als Angehörige eines niedrigen Adelshauses kann sich Xania relativ frei am Hof bewegen, und als Mitarbeiterin der Schatzkammer hat sie Einblick in die Finanzen der anderen Personen am Hofe und der wichtigsten Kaufleute des Landes, was ihr einen überraschenden Vorteil als Whispers verschafft. Auf der anderen Seite hat ihr Lia keinerlei Informationen über ihren Vorgänger und seine Agenten beschaffen können, so dass Xania von Grund auf ein neues Spionagenetzwerk aufbauen muss. Beide Frauen sind fest entschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um das überschuldete Königreich auf einen besseren Kurs zu bringen, auch wenn sie hoffnungslos überfordert sind mit all den Aufgaben, die dies mit sich bringt. Dass Lia und Xania dann auch noch Gefühle füreinander entwickeln, macht die Situation definitiv nicht einfacher, denn Emotionen helfen nun einmal nicht, rationale Entscheidungen zu treffen.

Ich mochte beide Protagonistinnen sehr gern habe die Geschichte gern aus ihrer beider Sicht verfolgt. Ich fand die Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Frauen sehr süß zu verfolgen, weil sich diese Beziehung sehr langsam und voller Unsicherheiten (auch aufgrund des großen Machtunterschieds) aufbaut, und hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass dieser Teil der Handlung zu viel Raum einnehmen würde. Denn in erster Linie hat sich Helen Corcoran auf die Situation bei Hof, auf all die Intrigen, die Anschläge und politischen Machtspielchen konzentriert, mit denen Lia und Xania zu kämpfen haben. Dabei gibt es viele Szenen, in denen jemand (qualvoll) zu Tode kommt, die aber trotzdem überraschend gut zu lesen sind, weil sich die beiden Erzählerinnen nicht an den unappetitlichen Details festhalten, sondern sofort darüber nachdenken müssen, welche Konsequenzen das Ableben einer Person nach sich zieht. Und obwohl ich normalerweise keine Schwäche für sehr politische Fantasy habe, fand ich es hier sehr spannend mitzuerleben, wie sich Lia und Xania bei Hof behaupten und wie sie immer und immer wieder von Neuem herausfinden müssen, welche Partei welche Motive für ihr Handeln hat und mit welchen Mitteln jemand vielleicht dazu bewegt werden kann, sich auf die Seite der Königin zu stellen.

Dabei hat die Autorin auch stimmig dargestellt, dass so ein Leben natürlich Spuren bei den Beteiligten hinterlässt. Wenn man ständig von korrupten und skrupellosen Menschen umgeben ist, fällt es nicht immer leicht, die eigenen Ideale und Überzeugungen hochzuhalten, statt sich auf das Niveau seiner Gegner herabzubegeben. So muss sich zum Beispiel Lia im Laufe der Geschichte fragen, ob sie wirklich mit Argumenten und guten Absichten weiterkommt oder ob sie vielleicht doch auf Erpressung und Drohungen zurückgreifen sollte, um endlich etwas bewirken zu können. Und auch Xania muss regelmäßig feststellen, dass man nicht vor unangenehmen Überraschungen geschützt ist, nur weil man einen Menschen gut zu kennen glaubt und viele Informationen über ihn gesammelt hat. Ich mochte diesen Realismus und die Entwicklungen, die die beiden Frauen nehmen, muss aber auch zugeben, dass dies dafür sorgt, dass es für einen stimmigen Abschluss der Handlung auch kein uneingeschränktes „Happy End“ geben konnte. Dieser leicht bittere Beigeschmack am Ende hat aber mein Vergnügen an diesem Geschichte nicht geschmälert, sondern dafür gesorgt, dass ich mich umso mehr über die kleinen positiven Entwicklungen für die Figuren gefreut habe.

C. Gockel: Wolves (I Bring the Fire 1)

Ich hatte im März die Anthologie „Once Upon A Curse“ gelesen und mochte die Kurzgeschichte „Magic After Midnight“, die C. Gockel in der Anthologie veröffentlicht hatte, unglaublich gern. Also habe ich nach weiteren Titeln der Autorin gesucht und festgestellt, dass die Sammelausgabe von „I Bring the Fire“ (Band 1-3 plus 3.5) schon seit einiger Zeit in der riesigen ungelesenen Datensammlung meines eReaders ruhte. Ich gestehe, dass meine Erwartungen nach dieser einen Kurzgeschichte hoch waren und dass sie von „Wolves“ … nicht so ganz erfüllt wurden. Genau genommen bin ich nach dem Lesen des letzten Satzes dieses kurzen Romans (252 Seiten) in schallendes Gelächter ausgebrochen, weil die Geschichte so absurd endet – oder besser gesagt „nicht endet“, da man diesen ersten Teil definitiv nicht so für sich stehen lassen kann. Da ich mir aber noch nicht sicher bin, ob ich die anderen Teile noch lesen mag, und gern meine Gedanken ein wenig (öffentlich) ordnen will, gibt es hier also eine Rezension zum ersten Band. Ich kann ja ein Postscriptum an den Beitrag anhängen, wenn ich noch mehr lesen sollte.

Die Handlung wird auf der einen Seite aus Sicht der Veterinärmedizin-Studentin Amy Lewis erzählt, die gemeinsam mit ihrem kleinen Hund Fenrir zu Beginn der Ferien mit dem Auto von der Universität zu ihrer Großmutter Beatrice nach Chicago fährt. Dort will sie den Sommer über genügend Geld verdienen, um das kommende Semester zu finanzieren. Auf der langen Strecke bekommt sie ein Problem mit ihrem Auto, und statt Glück zu haben und von einem anderen Fahrer Hilfe zu bekommen, wird sie von einem Serienmörder gefunden. Doch bevor etwas Schlimmes passieren kann, kommt Amy ein unbekannter Mann zur Hilfe, der sich als Thor Odinson vorstellt. Womit wir zur zweiten Perspektive in dieser Geschichte kommen, der von Thor Loki. Loki ist nach einem Vorfall, bei dem Odin Lokis Söhne wegen Verrats in die Leere (ich vermute, dass damit Ginnungagap gemeint sein sollte) werfen lassen wollte, durch einen irrgeleiteten Zweig des Weltenbaums auf der Erde gelandet. Dank glücklicher Umstände kann Loki so Amy vor dem Serienmörder retten und bekommt damit eine Begleiterin, die sich nicht nur in der aktuellen Welt auskennt, sondern auch bereit ist, ihm immer wieder bei allen möglichen Dingen zu helfen. Denn Loki muss nicht nur eine Zeitlang auf der Erde überleben, sondern er versucht natürlich auch, seine Söhne doch noch zu retten oder – wenn sein Rettungsversuch zu spät sein sollte – Rache an Odin zu nehmen.

Das ist die Ausgangssituation, und viel mehr passiert in der aktuellen Handlung eigentlich nicht, bis es zum „mehr als offenen“ Ende kommt. Amy und Loki fahren zu Amys Großmutter, unternehmen gemeinsam mit dieser einen Ausflug zu den Elfen und … das ist es irgendwie. Wobei ich zugeben muss, dass es so einige amüsante Momente mit Loki gab, der sich mit moderner Technologie herumschlägt, denn das letzte Mal war er während des ersten Weltkriegs auf der Erde. Amy selbst ist etwas farblos gestaltet, aber ich fand Amys Reaktion auf Magie und all die anderen Dinge, die für Loki selbstverständlich sind, unterhaltsam zu lesen. Außerdem ist Amys Großmutter Beatrice eine wunderbare Figur, von der ich gern noch mehr gesehen hätte, auch wenn ihre Szenen nicht so viel zum Voranschreiten der Handlung beigetragen haben. Was Loki angeht, so gibt es immer wieder Passagen, in denen er sich an Ereignisse in der Vergangenheit erinnert, und diese waren wirklich gut zu lesen. Die Autorin beweist hier eine ungewöhnliche Sicht auf bekannte nordische Mythen, bei denen die vertraute Basis durch Lokis Perspektive und all die anderen Dinge, die er über die beteiligten Personen zu sagen hat, einen ganz neuen Dreh bekommt. Diese „Neuerzählungen“ mochte ich wirklich gern, und ich glaube ehrlich gesagt, dass C. Gockel mit der „I bring the Fire“-Serie eigentlich auch nur einen Weg suchte, um ihre Loki-Geschichten in einen (verkaufbaren?) Urban-Fantasy-Roman einzuflechten, ohne dass sie sich wirklich eine Handlung für den UF-Teil des Ganzen ausgedacht hatte.

Außerdem fühlt sich „Wolves“ definitiv nicht nach einem abgeschlossener Roman an, auch wenn er als erster Band der Serie vermarktet und verkauft wird. Die Geschichte liest sich eher wie ein sehr langer (und stellenweise sogar wirklich unterhaltsamer) Prolog, und kaum hat die Autorin die Grundvoraussetzungen ihrer Welt und die aktuelle Position ihrer Figuren dem Leser dargelegt, endet das Buch, ohne dass man das Gefühl hat, es sei wirklich etwas passiert. Ich vermute vielmehr, dass man die ersten drei Bände am Stück lesen muss, um einen „abgeschlossenen ersten Teil“ gelesen zu haben, aber ich muss gestehen, dass mich nur die Tatsache, dass ich eh schon die beiden nächsten Teile (plus die anschließende Novella) habe, überhaupt darüber nachdenken lässt, weiterzulesen. Wenn ich mir den zweiten Band dafür kaufen müsste, würde ich einfach mit den Schultern zucken und zu einem anderen Buch weiterwandern, weil es mir diese Geschichte definitiv nicht wert wäre, dafür extra Geld auszugeben. So hingegen habe ich ja die Fortsetzungen schon, und auch wenn ich erschreckenderweise so gar nicht neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung bin, so argumentiert ein Teil von mir mit „aber es war ja schon irgendwie nett und stellenweise amüsant“ fürs Weiterlesen.

Jo Spurrier: A Curse of Ash and Embers (Tales of the Blackbone Witches 1)

Ich hatte „A Curse of Ash and Embers“ gerade mal zu einem Drittel gelesen, als ich mir die im Juli erscheinende Fortsetzung der Geschichte vorbestellte, weil mir Jo Spurriers Erzählweise so gut gefiel. Der Roman ist die erste Veröffentlichung, die ich von der Autorin gelesen habe, und ich wusste nicht so recht, was mich da erwartet. Aber ich mochte den Klappentext, der davon sprach, dass die Geschichte um eine junge Hexe ging, die Gräultaten ihrer Vorgängerin aufräumen muss, und um ein junges Dienstmädchen, das bei ihr arbeitet. Genau genommen begleitet man die Handlung aus der Sicht von Elodie von dem Tag an, an dem sie den elterlichen Bauernhof verlässt, um eine Stelle als Dienstmädchen anzutreten. Elodie weiß nicht so recht, wie sie überhaupt zu dieser Stelle gekommen ist, aber sie ist froh, nicht länger unter der Obhut ihres Stiefvaters leben zu müssen. Dieser hat in den vergangenen Jahren alles in seiner Macht Stehende getan, um Elodie immer wieder einzubläuen, dass sie ungeschickt, nutz- und wertlos sei und ihm dankbar dafür sein müsse, dass er sich überhaupt um sie kümmert.

So ist Elodie zwar nicht gerade glücklich, als sie herausfindet, dass ihre neue Arbeitgeberin eine Hexe ist, aber solange sie nicht zurück zu ihrer Familie muss, ist sie erst einmal bereit, mit all den Herausforderungen, die so ein Hexenhaushalt mit sich bringt, fertig zu werden. Dabei sind die Aufgaben nicht gerade gering, denen sich Elodie stellen muss, da ihre neue Dienstherrin Aleida Blackbone erst vor wenigen Tagen mit der alte Hexe Gyssha gekämpft hat. Aleida hat in diesem Kampf zwar gesiegt, ist aber von ihrer Gegnerin mit einem Fluch belegt worden. So muss sie nicht nur mit den Folgen dieses Kampfes fertig werden, sondern auch mit all den Überresten von Gysshas schwarzer Magie, die die Bewohner der Gegend bedrohen. Dazu kommen noch ein Warlock, der sich um einen Handel betrogen fühlt, und weitere Gefahren, die dafür sorgen, dass die beiden jungen Frauen beide Hände voll zu tun haben.

Ich mochte es sehr, Elodies Perspektive zu verfolgen, gerade weil sie sich lange Zeit eingeredet hat, dass sie als Dienstmädchen ja nichts mit all der Magie zu tun hat, die ihre neue Dienstherrin betreibt. Elodie ist stellenweise etwas naiv und definitiv ungebildet (wofür ihr Stiefvater gesorgt hat), aber sie ist nicht dumm und sie ist voller Fragen, die dafür sorgen, dass sie im Laufe der Zeit dann doch einen ganz guten Einblick in das Leben einer Hexe erhält. Vor allem aber ist sie loyal und hilfsbereit und sorgt so dafür, dass Aleida nicht allein ist in ihrem Kampf gegen all die Dinge, die Gysshas Tod mit sich bringt. Es ist schön zu verfolgen, wie sich die beiden jungen Frauen im Laufe der Geschichte besser kennen- und verstehen lernen, wie sie sich miteinander anfreunden und gegenseitig helfen. Vor allem, da von Anfang an deutlich wird, dass die Herausforderungen, denen die beiden gegenüberstehen, so groß sind, dass eine junge Hexe allein damit wohl nicht fertig werden kann.

Die Welt, in der Elodie sich nach Antritt ihres Dienstes wiederfindet, ist voller Gefahren. Böse Hexen, Geister, Dämonen, Warlocks, Naturgeister und animierte, riesige Konstrukte, die zur Zerstörung geschaffen wurden und erst damit aufhören, wenn sie selbst in ihre Einzelteile zerlegt wurden, gehören zu den Dingen, von denen das Mädchen vorher noch nie gehört hatte und gegen die sie nun zusammen mit Aleida kämpfen muss. Dabei hat es Jo Spurrier meinem Gefühl nach sehr gut hinbekommen, dass Elodie auf der einen Seite in einem relativ friedlichen ländlichen Umfeld lebt und arbeitet und trotzdem mit all dieser dunklen Magie konfrontiert wird – und dieser Kontrast macht auch für mich den Reiz der Geschichte aus. Ebenso wie die Gegensätzlichkeit der beiden Protagonistinnen sorgt er dafür, dass die Geschichte immer spannend bleibt, weil man nie weiß, was einen als nächstes erwartet. Ich habe es sehr genossen zu sehen, wie sich Elodie weiterentwickelt und wie sie all ihr neugewonnenes Wissen anwendet. Ich mochte das wachsende Vertrauen zwischen den beiden jungen Frauen (und das in diesem Buch eben eine Frauen-Freundschaft und keine Liebesbeziehung im Mittelpunkt steht) und ich habe Jo Spurriers Erzählweise sehr genossen.

Barbara Sleigh: Carbonel

Über „Carbonel“ von Barbara Sleigh bin ich vor vielen Jahren bei Kiya gestolpert, und da der Titel nicht nur sehr lange auf meiner Wunschliste saß, sondern dann auch noch über ein Jahr auf meinem SuB lag, habe ich nun das Problem, dass ich den dritten Carbonel-Band nicht mehr bestellen kann. Dabei gefiel mir der erste Teil rund um Rosemary, ihren neu gewonnenen Freund John und den König der Katzen so gut, dass ich gern noch mehr Abenteuer mit den dreien lesen würde. Die Geschichte beginnt damit, dass die zehnjährige Rosemary sich überlegt, dass sie in ihren Sommerferien mit Putzen Geld verdienen könnte. Doch dafür benötigt sie erst einmal die notwendigen Utensilien, und so kauft sie auf einem Gebrauchtmarkt von einer etwas wunderlichen alten Frau einen Besen.

Da die Dame auch noch günstig einen schwarzen Kater abzugeben hatte und Rosemary schon immer eine Katze wollte, nimmt sie diesen auch noch mit, ohne zu wissen, dass sie damit in Besitz eines Hexenbesens und des passenden Hexenkaters gekommen ist. Doch Carbonel ist mehr als nur ein einfacher Hexenkater. Er ist ein Prinz der Katzen, der als Kätzchen von der Hexe gestohlen und verflucht wurde. Erst wenn der Fluch gebrochen ist, kann er den Thron seines verstorbenen Vaters in Besitz nehmen und über die Katzen von London herrschen. Natürlich erklärt sich Rosemary bereit, alles dafür zu tun, dass Carbonels Fluch gebrochen wird. Dies führt dazu, dass sie in den kommenden Wochen quer durch London unterwegs ist, um die notwendigen Dinge für den Zauber aufzutreiben. Doch diese Aufgabe ist nicht so einfach, und so ist es nur gut, dass Rosemary in ihrem neu gefundenen Freund John jemanden hat, der mit ihr gemeinsam Informationen sammelt und Abenteuer erlebt.

Die Geschichte wurde von Barbara Sleigh das erste Mal 1955 veröffentlicht, und natürlich merkt man der Handlung ihr Alter auch an. Barbara und John müssen zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem – leider ziemlich altersschwachen – Hexenbesen all ihre Wege hinter sich bringen. Und um überhaupt den ganzen Tag unterwegs sein zu können, benötigen sie die Erlaubnis von Johns Tante und Rosemarys Mutter. So verstreicht zwischen den verschiedenen Unternehmungen immer wieder Zeit, und es gibt Tage, an denen die beiden Kinder einfach nur gemeinsam im Garten von Johns Tante spielen, weil sie eben diese Erlaubnis nicht bekommen haben. Das sorgt dafür, dass „Carbonel“ eher ruhig erzählt wird, aber gerade das habe ich sehr gemocht. Ich habe eine Schwäche für altmodische britische Kinderbücher voller Magie und Alltagsszenen, und genau das habe ich hier gefunden. Ich mochte all die fantastischen Elemente ebenso sehr wie die eher alltäglichen Momente, mir gefielen die verschiedenen Charaktere, und ich fand es großartig, dass Carbonel arrogant und fordernd ist und wenig Verständnis für die begrenzten Möglichkeiten eines zehnjährigen Mädchens hat.

Es gab beim Lesen immer wieder Punkte, die mich an die Mary-Poppins-Romane von P.L. Travers oder an die Geschichten von Edith Nesbit erinnert haben, die ich als Kind so geliebt habe. Dabei hatte ich jedoch nie das Gefühl, dass Barbara Sleigh sich von diesen Autorinnen hat inspirieren lassen. „Carbonel“ ist eine ganz eigene Geschichte mit einer wunderbar warmherzigen Atmosphäre, vielen amüsanten Wendungen und (Neben-)Charakteren, die ich wirklich mochte. Für diejenigen, die nun auch Lust auf „Carbonel“ bekommen haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: 2013 ist eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Carbonel – König der Katzen“ bei Ravensburger erschienen und auch wenn das Buch nur noch gebraucht zu bekommen ist, so scheint das Angebot an günstigen und gut erhaltenen Exemplaren gar nicht so gering zu sein.

Aisha Bushby: Moonchild – Voyage of the Lost and Found

Um „Moonchild – Voyage of the Lost and Found“ von Aisha Bushby bin ich ziemlich lange drumherumgeschlichen. Auf der einen Seite gefiel mir der Klappentext, auf der anderen Seite wurde die Geschichte regelmäßig mit den Aru-Sha-Titeln von Roshani Chokshi verglichen, und da mich der erste Teil dieser Reihe nicht so ganz überzeugen konnte, fürchtete ich, dass es mir mit „Moonchild“ ähnlich gehen würde. Am Ende muss ich gestehen, dass sich meine Befürchtungen bewahrheitet haben, obwohl es in „Moonchild“ wirklich sehr viele Elemente gab, die ich mochte. Die Geschichte dreht sich um die zwölfjährige Amira und ihren katzenartigen Jiinni Namur. Die beiden wissen seit Jahren, dass sie zusammen in einer Auster geboren wurden, die dann von zwei Seehexen aus dem Meer gefischt wurde. Diese beiden Seehexen, Dunya und Jamila, haben sich von diesem Tag an um Amira gekümmert und sie als ihre Tochter aufgezogen. Gemeinsam wohnen die drei auf einer Dau und leben von dem, was das Meer ihnen zur Verfügunge stellt, und was sie an selbstgemachten Dingen auf den verschiedenen Insel-Basaren verkaufen können.

Zu Beginn des Romans beschädigt ein Sturm das Schiff der kleinen Familie, und so müssen sie für Reparaturen im Hafen der Insel Failaka anlegen. Da Amira inzwischen alt genug ist, darf sie zum ersten Mal mit Dunya auf den Basar gehen und ihre Waren verkaufen. Dabei muss sie schnell lernen, dass die meisten Menschen – im Gegensatz zu ihrer Familie – nicht über Magie verfügen und Magie sogar etwas ist, das man eher geheim halten sollte. Als dann auch noch ein Sturmvogel auftaucht und die Insel bedroht, wird die Stimmung auf Failaka noch unangenehmer für das Mädchen. Denn Amiras Magie (und ihre Verbindung zu ihrem Jiinni Namur) ermöglicht es ihr, die Gefühle anderer Menschen zu spüren. Was auch dazu führt, dass sie genau weiß, dass ihre beiden Mütter ihr etwas Wichtiges verschweigen …

Ich habe die zweite Hälfte von „Moonchild – Voyage of the Lost and Found“ wirklich sehr genossen, aber der Weg dahin war ziemlich steinig für mich. Nach den ersten Kapiteln hatte ich sogar überlegt, ob ich das Buch nicht unbeendet in den Öffentlichen Bücherschrank stellen sollte. Dabei gab es von Anfang an so viele schöne und fantastischen Elemente in der Geschichte, die ich wirklich sehr gemocht habe. So fand ich Amiras Mütter und ihr Verhältnis zueinander sehr sympathisch, ebenso gefielen mir die Beschreibungen des Lebens auf der Dau (inklusive der dickköpfigen Ziege und der abendlichen Geschichtenerzähl-Runde) und die magischen Wesen, die es in dieser Welt gibt, haben mir mit ihren Eigenheiten viel Freude bereitet. Auch fand ich Leo, mit dem sich Amira auf Failaka anfreundet, auf Anhieb sehr nett und hatte Lust, mehr über den nervösen Jungen und sein Leben zu erfahren.

Ich hatte allerdings zwei Probleme beim Lesen des Buches. Das kleiner Problem ist die namenlose Erzählerin, die die Geschichte immer wieder an den spannendsten Stellen unterbricht, um den Leser direkt anzusprechen. Das soll natürlich an die Stilmittel traditioneller Geschichtenerzähler erinnern, kam mir aber hier so übertrieben und unrund vor, dass es mich etwas geärgert hat. Vor allem mochte ich hier nicht, dass mich diese Unterbrechungen genau an dem Punkt immer aus der Handlung gerissen haben, wenn ich endlich mal ein bisschen in der Geschichte versunken war. Und damit sind wir beim zweiten Problem: Mich in die Geschichte fallen zu lassen fiel mir nämlich wirklich schwer, weil ich Amiras Perspektive so ungern geteilt habe. Sie war ständig wütend – was wichtig für die Handlung war, aber eben auch dafür sorgte, dass sie weder mit ihren Müttern noch mit ihrem neugefundenen Freund Leo ein anständiges Gespräch führen konnte. Ich fand es wirklich anstrengend, dass ich mich die ganze Zeit beim Lesen mit ihren Gefühlen beschäftigen musste, obwohl ich immer nur denken konnte, dass ein paar ruhige klärende Worte alle Beziehungsprobleme zwischen den Figuren sofort beseitigt hätten.

Ich fand es auch nicht so toll, dass Amiras Mütter Geheimnisse vor ihr hatten, vor allem, da von Anfang an absehbar war, dass dieses Verschweigen von Wissen nur dazu führt, dass Amira in größere Schwierigkeiten als notwendig gerät. Erst als dieser Punkt aus dem Weg geräumt war und alle Charaktere zusammengearbeitet haben, um gegen die Gefahr vorzugehen, die von dem Sturmvogel ausging, zog die Handlung so weit an, dass ich all die märchenhaften Elemente wirklich genießen konnte. Vorher hat mich Amiras Verhalten so sehr gestört, dass ich ständig das Buch aus der Hand gelegt und nach einer Leseunterbrechung lieber zu einem anderen Roman mit einer weniger anstrengenden Protagonistin gegriffen habe. Ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, ob ich weitere Veröffentlichungen von Aisha Bushby lesen werde. Ich habe die ganzen kleinen Geschichten in der größeren Geschichte genossen, ich mochte die märchenhaften und „orientalischen“ Elemente in „Moonchild – Voyage of the Lost and Found“, aber insgesamt habe ich mich einfach zu sehr über die Figuren geärgert.

Sharna Jackson: High-Rise Mystery

Der Roman „High-Rise Mystery“ von Sharna Jackson stand schon ziemlich lange auf meinem Wunschzettel, bis ich ihn im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt bekam. So ist es kein Wunder, dass es inzwischen auch eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Highrise Mystery – Ein Tödlicher Sommer“ und im englischen Original eine Fortsetzung („Mic Drop“) gibt. Erzählt wird die Handlung von der elfjährigen Anika „Nik“ Alexander, die gemeinsam mit ihrer dreizehnjährigen Schwester Norva den Mord an ihrem Nachbarn Hugo Knightley-Webb aufklären will. Die beiden Mädchen interessieren sich schon länger für Kriminalfälle und führen seit fast einem Jahr eine Datei, in der sie alle Vorkommnisse, die sich in dem Hochhaus-Komplex „The Tri“ ereignen, festhalten. So stehen den beiden für ihre Ermittlungen von Anfang an eine ganze Menge Daten über ihre Nachbarn zur Verfügung, und doch haben sie keine Ahnung, wer als potenzieller Mörder in Frage kommt. Deshalb bleibt Nik und Norva nichts anderes übrig, als systematisch zu ermitteln. Als dann noch ihr eigener Vater von der Polizei verdächtigt wird, wird es umso wichtiger, den Mörder zu finden.

Ich habe Nik und Norva auf Anhieb sympathisch gefunden, obwohl die – gerade sehr verliebte – Norva weder für mich noch für die erzählende Nik immer einfach zu ertragen war. Aber ich mochte es, wie gegensätzlich die beiden Schwestern dargestellt waren und wie gut sie sich deshalb ergänzt haben. Nik geht systematisch vor und arbeitet sich Punkt für Punkt durch ihre Ermittlungen, auch wenn das bedeutet, dass sie unangenehme Fragen klären oder gar ihren eigenen Vater verdächtigen muss. Norva hingegen ist deutlich implusiver, emotionaler und scheut auch schon mal davor zurück, das Alibi und Motiv einer Person zu untersuchen, von der sie sicher ist, dass sie unschuldig sein muss. Norvas Einfallsreichtum sorgt allerdings auch dafür, dass die beiden Schwestern manchmal ungewöhnliche Wege bei der Suche nach Informationen gehen, was bedeutet, dass man als Leser ständig über sie schmunzeln kann. Für mich haben sich Nik und Norva mit all ihren Stärken und Schwächen überraschend realistisch angefühlt. Auch ihre Ermittlungsmethoden sind von Sharna Jackson stimmig dargestellt worden. So haben die Schwestern zum Beispiel keinerlei Zugang zu Informationen, die die Polizei hat, wenn man von dem einen oder anderen belauschten Gespräch absieht, und sind in der Regel auf eigene Beobachtungen und die Aussagen ihrer Nachbarn angewiesen.

Dabei würde die Geschichte so nicht funktionieren, wenn die Autorin nicht so eine großartige Kulisse dafür gewählt hätte. The Tri ist ein etwas vernachlässigter Hochhauskomplex in London voller unterschiedlicher Mieter, die definitiv nicht zur Oberschicht gehören. Das Geld für Reparaturen ist knapp, das Treppenhaus riecht nach Urin und es kann schon mal passieren, dass die Aufzüge übers gesamte Wochenende defekt sind, so dass die Bewohner die (mindestens) 22 Stockwerke zu Fuß hochlaufen müssen. Auf der anderen Seite gibt es einen Gemeinschaftsraum, in dem unter anderem Kunst- oder Yogakurse angeboten werden, es wird gemeinsam von den Anwohnern Geld für dringende Projekte gesammelt, und die Hilfsbereitschaft einiger Nachbarn ist wunderbar. Gerade weil Nik und Norva so vertraut mit und so stolz auf ihr Zuhause sind, bietet dieser Hochhauskomplex so einen tollen Hintergrund für diese Kriminalgeschichte und die Ermittlungen von Nik und Norva.

Auch der Kriminalfall ist solide von Sharna Jackson konstruiert worden, und da die erzählende Nik so betroffen von Hugos Tod ist, fühlt es sich von Anfang an wirklich dringlich an, dass sein Mord aufgeklärt wird. Dabei stehen den Schwestern nur eingeschränkte Mittel für ihre Ermittlungen zur Verfügung, aber aus diesen machen sie wirklich das Beste. Immer wieder überarbeiten sie ihre Listen und Tabellen, so dass man auch als Leser einen guten Überblick über den aktuellen Wissenstand und die neusten Informationen hat. Insgesamt hat mir „High-Rise Mystery“ wirklich sehr gut gefallen. Das einzige (und nicht sehr relevante) Problem, das ich beim Lesen hatte, war, dass der eine oder andere Slangausdruck, der in dem Roman verwendet wird, für mich nicht auf Anhieb verständlich war. Ich habe mich aber im Laufe der Zeit recht gut an diese ungewohnten Ausdrücke der Mädchen (und ihres Freundes George) gewöhnt, und angesichts des Alters der Protagonistinnen fand ich es auch definitiv stimmig, dass sie ihre eigene Ausdrucksweise hatten. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung „Mic Drop“  und bin gespannt, wie Nik und Norva dann im Rahmen eines Musikvideo-Drehs in The Tri ermitteln.

Once Upon A Curse (Anthologie)

Da ich gerade die Woodcutter-Geschichten von Alethea Kontis als Hörbücher genießen, habe ich mal aus den vielen ungelesenen Anthologien, die auf meinem eReader schlummern, eine ausgegraben, in der die Autorin auch vertreten ist. Um eine Erinnerungsstütze an die gelesenen Kurzgeschichten zu haben, schreibe ich meine Eindrücke in diesem Sammelbeitrag auf. Ihr kennt das ja schon, wenn ich Anthologien lese. 😉

1. Devon Monk: Yarrow, Sturdy and Bright
Devon Monk gehört zu den (Urban-)Fantasy-Autorinnen, über die ich regelmäßig stolpere aber von denen ich bislang nichts gelesen habe. Nach dieser wirklich hübschen Variante des Rattenfängers von Hameln denke ich, dass ich doch mal schauen sollte, wie mir die Romane der Autorin gefallen. So kurz und märchenhaft die Geschichte war, so sehr mochte ich doch die Protagonistin Yarrow und die kleinen Details rund um ihre Familie und ihren Liebsten. Jetzt bin ich neugierig, wie es ist, wenn Devon Monk längere Geschichten erzählt.

2. Anthea Sharp: Fae Horse
Auch die zweite Geschichte hat mir gut gefallen. Anthea Sharp spinnt eine Handlung rund um eine Kräuterfrau, die als Hexe gejagt wird und alles, was ihr wichtig ist, aufgibt, um ihren Liebsten zu retten. Ich mochte die Mischung aus keltischen Feenlegenden und Hexengeschichte, auch wenn das Ende nicht gerade … hoffnungsvoll war.

3. Christine Pope: The Queen of Frost and Darkness
Christine Pope erzählt eine hübsche Variante der „Schneekönigin“, die in Russland angesiedelt und insgesamt sehr nett ist. Aber auch nicht mehr als nett, so dass ich mich am Ende der Geschichte ein bisschen unbefriedigt fühlte.

4. Yasmine Galenorn: Bones
Eine wirklich gut geschriebene Geschichte über eine jugendliche Prinzessin, die ins Land des Todes gerät und dort verbleiben muss, weil der König des Landes sich in sie verliebt hat. Wie schon „Fae Horse“ geht die Handlung auch hier nicht „gut“ aus, aber ich muss zugeben, dass ich die Geschichte von Anthea Sharp lieber mochte, weil sie am Ende keinen so bitteren Unterton hatte wie diese hier.

5. C. Gockel: Magic After Midnight
C. Gockel hat hier eine ungewöhnliche Cinderella-Variante geschrieben, die aus Sicht der – alles andere als bösen – Stiefmutter erzählt wurde. Diese humorvolle, realistische und (auf die für mich perfekte Weise) romantische Geschichte war so gut, dass ich direkt im Anschluss den ersten Teil der Roman-Reihe kaufen wollte, in deren Welt diese Geschichte spielt. Zum Glück habe ich vorher noch meine (gerade erst aktualisierte *g*) eBook-Liste studiert und festgestellt, dass ich auf dem eReader schon eine Sammelausgabe der ersten drei Bände habe. Ich denke, ich weiß dann schon mal, welches eBook ich demnächst lesen werde – also sobald ich die angefangenen Titel, mit denen ich gerade beschäftigt bin, beendet habe … 😉

6. Donna Augustine: Dance with the Devil
„Dance with the Devil“ ist eine klassische „Pakt mit dem Teufel“-Geschichte, in der eine Ballerina ihre Seele für eine Karriere als Primaballerina verkauft. Das Ende dieser Kurzgeschichte ist aber überraschend und cool und hat mich noch eine Weile darüber nachdenken lassen, was wohl aus der Protagonistin geworden ist.

7. Annie Bellet: No Gift of the Words
Eine Geschichte über eine junge Frau, die eine Hexe beklaut und dafür verflucht wird. Die Handlung ist nicht besonders überraschend geschrieben, aber ich mochte die Geschichte (und als ich schaute, was die Autorin noch so geschrieben hatte, durfte ich mal wieder feststellen, dass ich auch von ihr schon einen Roman auf dem eReader gehortet hatte *g*).

8. Audrey Faye: The Grim Brother
Eine „Hänsel und Gretel“-Variante, die ich deutlich realistischer und unheimlicher fand als das Märchen der Brüder Grimm. Allerdings wäre es mir lieb gewesen, wenn Audrey Faye nicht am Ende noch extra einmal die Namen des Erzählers und seiner Schwester erwähnt hätte – so kam es mir vor, als wolle die Autorin sichergehen, dass auch wirklich jeder Leser versteht, auf welches Märchen sie sich da bezieht.

9. Danielle Monsch: Beast Inside Beauty
Ich muss zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, was ich von dieser „Die Schöne und das Biest“-Variante halte, bei der die „Schöne“ Polizistin in einer korrupten Stadt war. Ich mochte die Erzählweise, ich mochte die Protagonistin, aber ich bin mir nicht sicher, was ich von einigen Details und dem Ende der Geschichte halte. Aber grundsätzlich ist es ja nicht schlecht, wenn man eine Kurzgeschichte noch etwas nachklingen lassen muss.

10. Jenna Elizabeth Johnson: Faescorned
Auch bei „Faescorned“ bin ich mir nicht ganz sicher, was ich von der Geschichte halte. Dieses Mal liegt es in erster Linie daran, dass diese Kurzgeschichte zu einer Romanreihe der Autorin gehört und ich das Gefühl habe, dass sie für sich allein stehend nicht so gut funktioniert. Auf der anderen Seite denke ich, dass es vermutlich ziemlich cool ist, wenn man die Otherworld-Reihe der Autorin kennt und dann eine Geschichte aus Sicht der Antagonistin liest, die dafür sorgt, dass man Mitleid mit ihr verspürt.

11. Tara Maya: Drawn to the Brink (A Painted World Story)
Das war eine richtig, richtig gute Geschichte – wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich ebenso begeistert wäre, wenn die Handlung in einem anderen Rahmen gespielt hätte. Aber mir gefiel diese Welt, in der Dinge herbeigezeichnet werden können, wenn eine Person über das richtige Talent verfügt, auf Anhieb ganz besonders gut. Ebenso mochte ich die Protagonistin und wie sich ihr Verhältnis zu ihrer „Beute“ im Laufe der Geschichte änderte. Leider habe ich keinen Roman von Tara Maya gefunden, der in dieser Welt spielt, was aber vielleicht auch ganz gut ist, sonst hätte ich mir vermutlich spontan ein neues Buch zugelegt.

12. Alexia Purdy: The Variance Court
Eine ganz nette Geschichte über einen Ring, der Wünsche erfüllt, und was für ein Fluch dies doch sein kann. Beim zweiten Abschnitt der Geschichte war ich etwas überrascht über den Perspektivwechsel, aber er hat mich auch neugierig auf die weitere Entwicklung der Handlung gemacht. Dummerweise verlor ich diese Neugier ganz schnell wieder, als die beiden erzählenden Personen aufeinandertrafen, da ab diesem Zeitpunkt vollkommen klar war, worauf die Autorin hinauswollte. Nett, aber nicht gut genug, um mich neugierig auf weitere Sachen von Alexia Purdy zu machen.

13. Phaedra Weldon: The Morrigan
Oh, ich mochte die Geschichte rund um einen Studenten, der nach einem Zusammentreffen mit einer Troll-Schlägertruppe herausfindet, dass er ein Leprechaun ist (und die Morrigan ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hat *uups*)! Was bedeutet, dass ich jetzt nicht nur weiß, dass die Autorin mehrere (Urban- und Dark-)Fantasy-Serien geschrieben hat, sondern dass ich neuerdings auch den ersten Band einer fantastischen Cozy-Reihe von ihr auf dem eReader habe. *hüstel*

14. Julia Crane: Alice
Dies hier ist keine richtige Kurzgeschichte, sondern eher eine Leseprobe für einen Roman der Autorin, der eine Alice-im-Wunderland-Variante mit einer wahnsinnigen Alice erzählt, die von der Roten Königin adoptiert wurde. *seufz*

15. Sabrina Locke: Still Red
„Still Red“ ist eine Rotkäppchen-Geschichte, die auf jeden Fall sehr eigen ist. Nicht schlecht, aber auch nicht so, dass ich spontan sagen würde, dass es mir gefallen hätte. Eigen und mit sehr düsteren Untertönen – und ich vermute, dass die greise Red und ihre Erlebnisse noch eine Weile in mir nachklingen werden.

16. Jennifer Blackstream: The Final Straw
Jennifer Blackstream erzählt hier eine ungewöhnliche Rumpelstilzchen-Variante, die mir gut gefallen hat. In ihrer Geschichte will die Müllerstochter keinen König heiraten, der ihr Leben bedroht, wenn sie seine unmöglichen Aufgaben nicht erfüllt, sondern sie möchte lieber mit dem übernatürlichen Wesen fliehen, das ihr Nacht für Nacht bei der Erfüllung ihrer Aufgaben hilft. Dummerweise ist dieses Wesen von einem Dämon besessen, so dass die beiden erst einen Weg finden müssen, um diesen loszuwerden. Insgesamt war das Ganze wirklich nett zu lesen, und ich mochte die Idee, ein klassisches Märchen in einer Werwolf-Vampir-Dämon-Fantasywelt zu erzählen.

17. Alethea Kontis: The Unicorn Hunter
Eine wirklich ungewöhnliche Schneewittchen-Variante mit einer naiven Prinzessin, die auf Befehl ihrer Mutter im Wald getötet werden soll, und einem Dämon, der ganz eigene Pläne mit dem jungen Mädchen hat. Ich mochte die Entwicklung, die die beiden Figuren im Laufe der Geschichte durchliefen, ich mochte das Motiv des Dämonen und ich mochte die Erzählweise der Autorin. Was mich nicht überrascht, denn wegen ihrer Erzählweise und ihrer ungewöhnlichen Sicht auf Märchenmotive mag ich ja auch die Woodcutter-Hörbücher so gern, die ich momentan höre.

***

Grundsätzlich hat mir die Anthologie mit all den unterschiedlichen Geschichten gut gefallen, aber es hätte diesem Buch gutgetan, wenn es eine Herausgeberin gegeben hätte. Außerdem gab es bei der eBook-Version des Buches eine Sache, die mich wirklich gestört hat: Nach den verschiedenen Geschichten gab es in der Regel einen kurzen Absatz zur Autorin, zu ihren weiteren Werken und wo man den Newsletter der Person abonnieren kann, aber es gab für diesen informativen Anhang keine durchgehende Formatierung. So war dieser Teil bei einigen Autorinnen – gerade wenn zwischen der Erzählung und dem Infoteil kein Seitenwechsel lag – von der Formatierung her überhaupt nicht von der eigentlichen Geschichte unterscheidbar. Was dazu führte, dass ich häufig das Lesen mit einem Gefühl der Irritation beendet habe, weil ich – statt die Geschichte ausklingen zu lassen und ihre Atmosphäre noch einen Moment genießen zu können – direkt mit der Autoren-Info weitergelesen habe und erst mitten im Satz merkte, dass das nicht zur Handlung gehörte. Bei anderen Geschichten hingegen konnte man anhand eines trennenden Schnörkels oder einer Überschrift deutlich sehen, dass hier der Infoteil beginnt – was mich zu der Frage bringt, wieso das nicht durchgehend so gehalten wurde.

Talia Hibbert: The Brown Sisters 1-3

In den vergangenen Wochen habe ich die drei Romane von Talia Hibbert gelesen, die die Autorin um die Schwestern Cloe, Dani und Eve Brown geschrieben hat. Da alle drei Geschichten sehr ähnliche Elemente haben, dachte ich mir, dass ich mal eine „Sammelrezension“ dazu veröffentlichen könnte. Die Bücher von Talia Hibbert fallen unter „contemporary romance“ (gibt es dafür einen deutschen Begriff?), weshalb es für mich umso überraschender war, dass sie mir so gut gefallen haben, weil ich bei dem Genre doch normalerweise immer was zu kritisieren finde. In jedem der Bände steht eine andere der Brown-Schwestern im Mittelpunkt, und jede dieser Protagonistinnen hat ganz eigene Probleme, die sie – ihrer eigenen Meinung nach – für eine Beziehung ungeeignet machen.

In „Get a Life, Cloe Brown“ (auf Deutsch „Kissing Cloe Brown“) beschließt Cloe, nachdem sie beinahe in einen schrecklichen Autounfall verwickelt worden wäre, dass es Zeit wird, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Also zieht sie bei ihren Eltern aus und erstellt eine Liste mit Dingen, die sie erleben will. Aber so richtig kommt sie mit ihrer Liste nicht voran, bis sie den Hausmeister (und Künstler) Redford „Red“ Morgan näher kennenlernt. Ihr Schwester Danika hingegen will sich ganz auf ihrer Universitätskarriere konzentrieren und sucht in „Take a Hint, Dani Brown“ nur einen Mann, mit dem sie ab und an etwas Dampf im Bett ablassen kann. Dummerweise lernt sie mit dem Sicherheitsmann Zafir Ansari einen hoffnungslosen Romantiker kennen, der definitiv mehr als nur Sex von ihr will. Die jüngste Brown-Schwester Eve ist in „Act Your Age, Eve Brown“ auf der Flucht vor ihrem aktuellsten beruflichen Versagen und der damit einhergehenden Enttäuschung ihrer Eltern, als sie aus Versehen den Betreiber eines B&Bs anfährt. Da Jacob Wayne mit seinen Verletzungen nicht in der Lage ist, seine Frühstückspension zu führen, springt Eve ein und lernt so nicht nur ihren neuen Boss besser kennen, sondern auch mehr über ihre eigenen Stärken und Schwächen.

Jeder dieser drei Romane ist wunderbar lustig und auf eine realistische und wohltuende Weise romantisch. Was die Bücher für mich aber zu etwas Besonderem gemacht haben, ist die Tatsache, dass sowohl die Protagonistinnen als auch die Protagonisten diverse Probleme im Leben haben, ohne dass diese Dinge zu einem großen Drama aufgebaut werden. Cloe ist chronisch krank und muss mit ihrer Energie bewusst haushalten, während Red eine toxische Beziehung hinter sich hat, die Spuren hinterließ, die sich nicht so einfach abschütteln lassen. Dani denkt aufgrund früherer Erlebnisse, sie sei beziehungsunfähig, während Zafir durch seine ehemalige Sportkarriere (und die damit verbundene Medienberichterstattung über ihn) traumatisiert wurde. Jacob ist Autist und wurde als Kind von seinen Eltern vernachlässigt und Eve hat nicht nur gravierende Konzentrationsprobleme, sondern auch eine ziemlich gestörte Selbstsicht. All diese Probleme haben zwar immer wieder einen deutlichen Einfluss auf das Leben der Protagonist.innen, sind aber in erster Linie einfach nur ein Teil ihrer Persönlichkeit bzw. ihres Lebens, ebenso wie der Humor, die Fürsorglichkeit, die Leidenschaft für Literatur oder Sport oder andere Elemente, die einen Charakter formen.

Ich mochte auch sehr, wie die Figuren miteinander umgingen. Es gibt so viele wunderbar lustige Szenen, und selbst die „dramatischen“ Elemente wurde von der Autorin so geschrieben, dass man ein bisschen über die jeweilige Person schmunzeln kann. Die Figuren gehen in der Regel respektvoll miteinander um, und wenn es in diesen Geschichten zu Missverständnissen kommt, dann nicht durch irgendein gekünsteltes „nicht miteinander reden“, sondern durch Szenen, die zeigen, dass zwei Menschen sich eben auch mal missverstehen können. Und sobald die verletzten Gefühle etwas gehätschelt wurden und die jeweilige Figur etwas Zeit zum Nachdenken hatte, gehen Talia Hibberts Figuren wieder aufeinander zu und reden miteinander. Ich habe die Dialoge in diesen Romanen so genossen, weil immer wieder deutlich wird, dass es nicht einfach reicht, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass man da ein Problem oder vielleicht falsch gehandelt hat, sondern dass man sich immer wieder damit auseinandersetzen und an sich arbeiten muss. Genauso wird immer wieder deutlich, dass auch eine funktionierende Beziehung nicht etwas ist, das von ganz alleine entsteht, wenn sich zwei Personen lieben, sondern dass das etwas ist, woran beide Parteien immer wieder arbeiten müssen. Dabei gelingt es der Autorin, dieses „gemeinsame Arbeiten an einer Beziehung“ als etwas sehr Schönes – und für den Leser unterhaltsam zu Lesendes – darzustellen.

Mein einziger Kritikpunkt an allen drei Romanen besteht darin, dass Talia Hibberts Wortwahl, wenn es um die Sexszenen bzw. die Gedanken geht, die die jeweiligen Figuren bezüglich der körperlichen Vorzüge ihrer potenziellen Partner.innen haben, für meinen persönlichen Geschmack etwas zu direkt ist. Wenn ich allerdings an die eine oder andere Sendung denke, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe, scheint diese Wortwahl im alltäglichen britischen Sprachgebrauch nicht so abwegig zu sein. Grundsätzlich hat mich die Sprache auch nicht davon abgehalten, die Geschichten zu genießen, aber da mir dieser Punkt negativ aufgefallen ist, wollte ich ihn hier auch nicht unterschlagen. Insgesamt habe ich alle drei Romane wirklich gern gelesen, ich habe mit den verschiedenen Charakteren mitgelitten, ihren Umgang miteinander genossen und mich großartig über all die lustigen Szenen mit ihnen amüsiert.