Kategorie: Rezension

Jana DeLeon: Happily Everlasting 1 – Dead Man Talking

Nachdem mich das Happily-Everlasting-Spin-Off „Better Haunts and Garden Gnomes“ von Michelle M. Pillow so gut unterhalten hatte, habe ich prompt direkt zu „Dead Man Talking“ von Jana DeLeon gegriffen, um zu schauen, ob ich mich damit auch so gut amüsiere. Die Geschichte dreht sich um die Meterologin Zoe Parker, die in den vergangenen sechs Jahren in L.A. gelebt und jede Rückkehr in ihren Geburtsort Everlasting vermieden hat. Doch nun liegt ihre Großtante Sapphire nach einem Sturz im Krankenhaus, und Zoe muss sich nun nicht nur um Sapphire kümmern, sondern auch um den ehemaligen Leuchtturm, in dem die Großtante lebt, um ihre zehn Katzen und um den Geist Cornelius. Außerdem liegt schnell der Verdacht auf der Hand, dass Sapphires Sturz kein Unfall war, sondern dass Einbrecher dabei ihre Hand im Spiel hatten. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Dane Stanton nimmt Zoe die Ermittlungen auf, nachdem das Büro des Sheriffs sich als nicht besonders hilfreich herausgestellt hat.

Tja … Wenn ich ehrlich bin, dann ist „Dead Man Talking“ eigentlich besser geschrieben als „Better Haunts and Garden Gnomes“, aber so richtig gut unterhalten habe ich mich nicht gefühlt. Jana DeLeon bietet dem Leser einen Grund, wieso es Magie in dem kleinen Ort Everlasting gibt (und an anderen Orten nicht), sie hat ihre Figuren deutlich tiefer charakterisiert als Michelle M. Pillow, und der kleine Kriminalfall ist auch besser ausgearbeitet (wenn auch die Lösung wieder ziemlich offensichtlich war). Zoe und Dane werden als wirklich nette Menschen dargestellt, es gibt keine großen Missverständnisse, sondern einen respektvollen Umgang zwischen den beiden, und die beiden reden sogar miteinander, um mehr über die Wünsche und Ziele des anderen herauszufinden. Allerdings fand ich die beiden auch schrecklich langweilig, weil sie so nett waren, so wenige Ecken und Kanten hatten und ihre „Beziehung“ so gar nichts zur Geschichte beizutragen hatte, auch wenn sie durch ihre gemeinsame Vergangenheit immerhin eine stimmige Basis für ihre „Liebesgeschichte“ hatten.

Was mich noch gestört hat, war die Erklärung für die Magie, die in diesem Buch auftaucht. Die Legende mit dem magischen Smaragd, der König Arthur gehört haben soll und der für die Magie im Ort verantwortlich ist, ist schon für sich betrachtet nicht gerade schlüssig. Wenn man dann aber noch die Tatsache im Hinterkopf hat, dass Magie in „Better Haunts and Garden Gnomes“ vererbbar und nicht örtlich begrenzt ist, dass dort viele übernatürliche Personen vorkamen, die in Everlasting keine Rolle spielen, und dass Tante Polly in dem Spin-Off hemmungslos mit Magie um sich wirft und kein Geheimnis daraus macht, dass sie eine Hexe ist, während sie in Everlasting nur als exzentrische Bäckerin erwähnt wird, dann ist das insgesamt so unstimmig, dass ich mich beim Lesen regelrecht geärgert habe.

Ein weiterer Punkt, der mich richtig gefuchst hat, war, wie die Autorin mit den zehn Katzen im Buch umging. Obwohl Zoe auch nach Everlasting zurückkehrt, um sich um die Katzen zu kümmern, werden die Viecher morgens von Dane gefüttert, der gerade Sapphires Küche umbaut, und dann verschwinden die Tiere spurlos für den Rest des Tages (und das, obwohl sie freien Zugang zum gesamten Gebäude haben). Da die Katzen – wie ständig betont wird – so trainiert sind, dass sie das menschliche Klo und sogar die Wasserspülung benutzen (Magie macht’s möglich!), gibt es keine Katzenklos zu reinigen, und abends lässt sich Zoe dann doch dazu herab, selbst Futter zu verteilen. Aber wenn nicht gerade Einbrecher auftauchen, gibt es keine einzige Erwähnung mehr, dass Katzen im Haus sind. Selbst wenn Zoe die Tiere nicht mag, würde ich doch erwarten, dass sie bei all den alltäglichen Dingen, die beschrieben werden, irgendwann mal vorkommen! Man kann nicht mit zehn Katzen in einem Gebäude mit relativ kleiner Grundfläche leben, ohne ständig über eine zu stolpern oder die gesamte Kleidung voller Haare zu haben oder zumindest hier und da mal ein Geräusch zu hören, das andeutet, dass man nicht allein im Haus ist.

Ähnlich ist es auch mit dem Hausgeist, der zwar wichtig für die Geschichte ist und mir grundsätzlich auch sympathisch war, aber die gesamte Handlung hindurch ohne Hosen rumlaufen musste, damit die Autorin ganz am Anfang eine „witzige“ Szene einbauen konnte. So gab es immer wieder Elemente, die mir das Gefühl gaben, dass Jana DeLeon sie für einen einzigen Punkt in der Geschichte lieblos reingestopft hat, ohne darüber nachzudenken, dass sie in der gesamten Handlung funktionieren müssen. Ich habe mich jetzt beim Lesen nicht durchgehend geärgert, aber ich bin immer wieder über solche Dinge gestolpert und es gab sonst nichts, was mich darüber hingeweggetröstet hätte. Selbst ohne diese kleinen Ärgernisse wäre „Dead Man Talking“ nur irgendwie ganz nett gewesen, ohne einen größeren Eindruck zu hinterlassen. Vor allem muss ich aber sagen, dass „Better Haunt and Garden Gnomes“ – trotz aller unübersehbaren Mängel – deutlich charmanter war als dieser Roman. Nach „Dead Man Talking“ bin ich mir sicher, dass ich die Happily-Everlasting-Reihe (trotz wechselnder Autorinnen) nicht weiterlesen werde, während ich den Nachfolger von „Better Haunt and Garden Gnomes“ noch nicht von der Merkliste gestrichen habe.

Michelle M. Pillow: (Un)Lucky Valley 1 – Better Haunts and Garden Gnomes

Vor einigen Tagen bin ich über eine Liste mit „Hexen“-Romanen gestolpert und fand die Inhaltsangabe von „Better Haunts and Garden Gnomes“ so nett, dass ich mir die eBook-Version davon gekauft und direkt gelesen habe. Es gibt eine Menge Punkte, die ich an dem Buch kritisieren könnte, aber bevor ich mich daran mache, kann ich schon mal sagen, dass ich die Geschichte rund um Lily Goode einfach nur wunderbar anspruchslos und genau deshalb sehr erholsam fand. Erst nach dem Lesen habe ich herausgefunden, dass die beiden „(Un)Lucky Valley“-Romane wohl ein Spin-Off der „The Happily Everlasting Series“ sind und dass diese Serie von insgesamt vier Autorinnen geschrieben wurde (und den ersten Band davon habe ich zu meiner großen Überraschung sogar bei den ungelesenen Titeln auf meinem eReader gefunden). Da ich bislang noch nichts aus der „The Happily Everlasting Series“ gelesen habe, weiß ich nicht, ob dort vielleicht etwas ausführlicherer Weltenbau betrieben wurde, aber in „Better Haunts and Garden Gnomes“ ist das definitiv nicht der Fall.

Als Leser wird man ohne weitere Hintergründe in eine Welt hineingeworfen, in der übernatürliche Personen in kleinen abgeschiedenen Gemeinden neben unserer „normalen“ Welt leben. Es gibt keinerlei Erklärungen, wie Magie funktioniert und wo die ganzen übernatürlichen Personen herkommen, man muss das als Leser einfach so hinnehmen – ebenso wie die Protagonistin Lily. Diese ist gemeinsam mit ihren beiden Geschwistern vor langer Zeit von ihrer Mutter vor einer Feuerwehrwache ausgesetzt worden, und obwohl Lily damals erst acht Jahre alt war, hat sie von diesem Tag an die Verantwortung für ihren Bruder Dante und ihre Schwester Jesse übernommen. Nach vielen Jahren und einer Kindheit, die von verschiedenen Pflegestellen geprägt war, erfährt Lily, dass sie von ihrer Mutter ein altes Gebäude am Rand des Örtchens Lucky Valley geerbt hat. Doch niemand im Ort ist erfreut darüber, dass eine Goode-Hexe wieder in das alte Gebäude ziehen will, und so muss Lily nicht nur mit damit fertigwerden, dass sie ein baufälliges Haus, eine exzentrische Verwandte und Magie, über die sie keinerlei Kontrolle hat, geerbt hat, sondern auch mit Vandalismus und ähnlichen „Vertreibungsmaßnahmen“.

Eine dieser „Vertreibungsmaßnahmen“ ist der dicke Stapel mit Gemeindevorschriften, die durch das baufällige Gebäude und vernachlässigte Grundstück verletzt werden, den ihr der Werwolf Nolan Dawson direkt nach Übernahme ihres Erbes überreichte. Nolan soll im Auftrag der Gemeinde dafür sorgen, dass Lily wieder verschwindet, doch stattdessen entwickelt er Gefühle für die energische Frau und will ihr (nicht nur) bei den notwendigen Renovierungen helfen. Insgesamt sind weder die Welt noch die Charaktere besonders detailliert oder hintergrundreich dargestellt, aber dafür gibt es viele ungewöhnliche Anwohner in Lucky Valley, einen Haufen Geister und natürlich Lilys Tante Polly, ihren Hummer Hermann und ihre Armee von Gartenzwergen, die alle zusammen für so einige absurde Situationen und Dialoge verantwortlich sind. Das Rätsel um die verschiedenen Anschläge auf Lilys Haus ist nicht gerade komplex, dafür bieten die diversen Vandalismusfolgen immer wieder Möglichkeiten für amüsante Szenen mit den Einheimischen.

Wenn ich ehrlich bin, dann gibt es nichts an diesem Roman, wo ich sagen könnte, dass Michelle M. Pillow einen richtig guten Job gemacht hat. Aber irgendwie ist das gar nicht schlimm, denn trotz aller Oberflächlichkeit, Unlogik und Durchschaubarkeit war „Better Haunts and Garden Gnomes“ die perfekte Lektüre, um ein paar Stunden abzuschalten, um mich zu entspannen und mich immer wieder über die eine oder andere Szene zu amüsieren. Vielleicht liegt es sogar daran, dass es so wenig greifbare Beschreibungen und Informationen gab, aber irgendwie hatte ich nach dem Lesen Lust, gleich wieder nach Lucky Valley zurückzukehren und vielleicht andere Facetten dieses Ortes zu entdecken. Doch bevor ich das mache, lese ich wohl besser erst einmal „Dead Man Talking“ von Jana Deleon, da ich das Buch noch auf dem eReader habe und das der erste Band der „The Happily Everlasting Series“ ist – wer weiß, vielleicht bietet mir die Geschichte ja dann mehr Hintergründe oder zumindest ein paar ebenso nette Lesestunden wie „Better Haunts and Garden Gnomes“.

Darcie Wilde: A Purely Private Matter (Rosalind Thorne Mystery 2)

Zu meiner großen Überraschung ist es schon über ein Jahr her, dass ich „A Useful Woman“ von Darcie Wilde gelesen habe. Ich war mir sicher, dass ich das erst vor wenigen Wochen gelesen hatte, auch weil ich noch sehr lebhafte Erinnerungen an den Roman habe. Doch so gut mir der Auftaktband der Rosalind-Thorne-Mysterys gefallen hat, nach dem Lesen von „A Purely Private Matter“ kann ich sagen, dass der zweite Teil der Reihe definitiv noch besser ist. Dieses Mal wird Rosalind von ihrer Freundin Alice Littlefield gebeten, sich um die Probleme ihrer Bekannten Margaretta Seymore zu kümmern. Mrs. Seymore ist eine schöne und charismatische Frau, die für ihre romantischen Gedichte bekannt geworden ist. Doch ihre Stellung in der Gesellschaft (und die Zukunft ihres ungeborenen Kindes) wird dadurch gefährdet, dass ihr Mann (Captain William Seymore) den berühmten Schauspieler Fletcher Cavendish auf Schadensersatz verklagen will, da dieser – laut der Vorwürfe des Captains – ein Verhältnis mit Margaretta haben soll. Bevor Rosalind noch viel mehr über die Hintergründe dieser unschönen Geschichte erfahren kann, wird Mr. Cavendish in der Garderobe seines Theaters ermordet.

Das Grundthema ist auch in diesem Roman wieder die unsichere Stellung von Frauen der Gesellschaft in der Georgianischen Zeit, denn nicht nur Margaretta Seymores Position, sondern auch Rosalinds Stellung – die für ihre Arbeit immens wichtig ist – wird immer wieder durch die Ereignisse rund um den Mord gefährdet. So muss Rosalind bei ihren Ermittlungen rund um den Tod von Fletcher Cavendish immer wieder gut abwägen, wie weit sie gehen kann und ob sie es riskieren darf, eine höherstehende Person – wie zum Beispiel Margarettas Schwager Lord Bertram – zu verärgern. Darcie Wilde zeichnet in „A Purely Private Matter“ das Bild einer Familie, die durch interne Machtspiele und Eifersüchteleien zerrüttet ist und in der jeder seine eigenen Intrigen zu spinnen scheint. Dazu kommt, dass Rosalind sich von Anfang an der Tatsache bewusst ist, dass ihre Klientin ihr nicht die ganze Wahrheit (oder vielleicht sogar direkte Lügen) erzählt hat. Mir hat es sehr viel Spaß bereitet, all die verschiedenen Familienmitglieder der Seymores kennenzulernen und herauszufinden, wer vielleicht ein Motiv hätte, Margaretta zu kompromittieren oder ihren Mann gegen sie aufzuhetzen.

So gut mir „A Useful Woman“ schon gefallen hat, so muss ich zugeben, dass in diesem ersten Band um Rosalind die Handlung recht gemächlich erzählt wurde, weil auch erst einmal die Vorgeschichte der Protagonistin eingeflochten werden musste. In „A Purely Private Matter“ wird die Handlung dem Lesern deutlich dichter präsentiert, und auch den Kriminalfall fand ich besser konstruiert. Immer wieder gibt es neue Figuren, die weitere Informationen zu dem Fall beitragen, und nie kann sich Rosalind darauf verlassen, dass Margarette ihr (oder den offiziellen Ermittlern) dieses Mal die Wahrheit sagen wird. Dafür bekommt sie aus der einen oder anderen unerwarteten Quelle Hilfe bei ihren Nachforschungen (und ich hoffe sehr, dass diese Nebenfiguren auch in dem nächsten Roman wieder einen Auftritt haben werden, da sie einfach wunderbar waren)! Das alles sorgt für eine zügig zu lesende und wirklich unterhaltsame Geschichte mit der einen oder anderen überraschenden Wendung. Mir gefällt es, wie Darcie Wilde ihre Charaktere gestaltet und mir so das Gefühl gibt, dass das realistische Personen mit Stärken und Schwächen sind, und wie vielfältig sie die Gesellschaft in London im Jahr 1818 darstellt. In ihren Bücher kommen ebenso selbstverständlich Personen vor, die im Rang aufgestiegen sind, wie Figuren, die von einem Tag auf dem anderen tief gefallen sind, und auch wenn nicht jeder von ihnen sympathisch dargestellt wird, so bekommt man doch ein Gefühl für ihr Leben und für ihre Motive.

Was mir noch angenehm aufgefallen ist: Rosalind fällt hier und da aus der Rolle. Sie ist von Anfang an wütend, weil sie das Gefühl hat, sie wurde von Margaretta benutzt. Und während sie im ersten Band froh war, dass ihr die gesellschaftlichen Regeln Halt und Sicherheit bieten, so ist sie inzwischen so weit, dass sie es stellenweise fast genießt, wenn sie aus diesen Regeln ausbrechen kann. Ich finde es spanned, wie sie sich als Figur entwickelt, und hoffe, dass die Autorin das auch im kommenden Band so weiterführen wird. Worauf ich persönlich hätte verzichten können, ist die – zum Glück nicht so dominierende – „Dreiecksgeschichte“ zwischen Rosalind, ihrer ersten großen Liebe, dem Duke of Casselmain, und dem Bow Street Runner Adam Harkness. Für beide Männer empfindet Rosalind etwas (und diese für sie), aber mit keinem von beiden kann sie sich eine Zukunft vorstellen. Mir wäre es lieber, wenn sich einfach alle Beteiligten auf eine respektvolle Freundschaft einigen würden. Aber da das nicht wahrscheinlich ist, werde ich weiterhin damit leben müssen, dass es hier und da kleine Szenen gibt, in denen all die (un)ausgesprochenen Gefühle zu unbehaglichen Situationen führen. Da dieses „romantische Element“ in der Geschichte aber keine so große Rolle spielt und ich alles andere an diesem Roman wirklich sehr mochte, freue ich mich jetzt schon darauf, dass ich in ein paar Monaten die Taschenbuchausgabe des dritten Teils der Reihe, „And Dangerous to Know“, in den Händen halten kann.

Molly Knox Ostertag: The Witch Boy 2 – The Hidden Witch (Comic)

Obwohl mir „The Witch Boy“ von Molly Knox Ostertag im vergangenen Jahr so gut gefallen hatte, hat es doch wieder etwas gedauert, bis ich die Fortsetzung gelesen habe (und ich fürchte ein bisschen, dass es mit dem im November 2019 erschienenen dritten Band „The Midnight Witch“ ebenso laufen wird), weil ich mir die Comics gern für die richtige Stimmung aufhebe. In den letzten Tagen war ich aber in der passenden Stimmung für diese Art von Geschichte, und so habe ich „The Hidden Witch“ sehr genossen. Nachdem Aster im ersten Band darum kämpfen musste, dass er entgegen aller Traditionen als Hexe ausgebildet wird, versucht er nun all die Dinge nachzuholen, die er in den vergangenen Jahren verpasst hat. Doch seine Lehrerin ist nicht gerade hilfsbereit, und so muss er einen anderen Weg finden, um all das Wissen nachzuholen, das ihm aufgrund des verweigerten Unterrichts fehlt.

Asters Freundin Charlie hingegen muss feststellen, dass ihre Schulfreundinnen im Laufe des Sommers, in dem sie wegen ihres gebrochenen Beins nicht ins Ferienlager fahren konnte, neue Interessen entwickelt haben. Zum Glück gibt es die Mitschülerin Ariel, mit der sich Charlie auf Anhieb versteht, auch wenn diese sich manchmal etwas seltsam benimmt. So könnte es für Charlie und Aster – trotz all der Dinge, die sie in den vergangenen Wochen erlebt haben – eigentlich ganz gut laufen, wenn nicht auf einmal ein Fetch (eine Art böses Schattenwesen) auftauchen würde, um Charlie zu schaden, während sich Aster zeitgleich damit auseinandersetzen muss, dass seine Großmutter es sich in den Kopf gesetzt hat, ihrem Bruder zu helfen, sich von einem Monster wieder in einen Menschen zu verwandeln.

Auch nach diesem Band bleibt es dabei, dass ich die Geschichten rund um Aster und Charlie sehr mag. Die Moral der Geschichte wird zwar stellenweise etwas plakativ rübergebracht, aber das kann ich angesichts der vielen hübschen Details und der stimmigen Charaktere wirklich verzeihen. Ich mag Aster und Charlie und ihre Familie und kann sogar bei denjenigen Figuren, die mir nicht so sympathisch sind, verstehen, warum sie so handeln, wie sie es tun. Außerdem spricht mich diese Mischung aus lustigen, nachdenklichen und gefährlichen Momenten an, sowie die Art und Weise, in der sich die verschiedenen Figuren im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Auch wenn Aster und Charlie stellenweise etwas zu unbedarft auf Menschen zugehen, finde ich das angesichts der recht behüteten Umgebungen, in denen die beide aufgewachsen sind, immer noch stimmig. Und am Ende hat man als Leser das Gefühl, dass alles gut werden könnte, aber nicht unbedingt gut werden muss, weil die Charaktere zu realistisch ausgearbeitet wurden, um immer die richtige Entscheidung zu treffen.

Wie schon beim ersten Band habe ich nicht nur die Handlung an sich, sondern auch die schönen Zeichnungen genossen. Bei den verschiedenen Charakteren gibt es immer wieder schöne, ausdrucksstarke Momente, wenn es um Mimik und Gestik geht, und außerdem beweist die Zeichnerin ein gutes Händchen, wenn es um die kleinen Details geht, die eine Figur zu einem Individuum machen. Bei der Koloration greift Molly Knox Ostertag auf die Farbpaletten zurück, die schon den ersten Band beherschten, und so bekommt man als Betrachter gefällig und leicht wirkende Seiten für die heiteren und alltäglichen Szenen und düstere und kräftig gehaltene Panels für die Teile der Geschichte, in denen mächtige und nicht gerade wohlwollende Kräfte walten. Insgesamt gehören die „The Witch Boy“-Bände für mich definitiv zu den Wohlfühl-Comics, obwohl dort so einige Themen angesprochen werden, mit denen (nicht nur) Jugendliche zu kämpfen haben.

Marika McCoola/Emily Carroll: Baba Yaga’s Assistant (Comic)

„Baba Yaga’s Assistant“ von Marika McCoola ist kein Comic, der mich spontan angesprochen oder den ich mir selbst gekauft hätte, da mich die Zeichnungen von Emily Carroll nicht so sehr reizen. Da ich den Titel aber als Leihgabe im Haus habe und Comics gerade die richtige Art von Unterhaltung für mich zu sein scheinen, habe ich den Band in den letzten Tagen gelesen. Die Handlung dreht sich um Masha, die nach dem Tod ihrer Großmutter recht einsam ist. Ihre Mutter starb schon, als Masha sehr klein war, und da ihr Vater sich in seiner Trauer um seine Frau (und vergraben in seine Arbeit) nicht um seine Tochter kümmern konnte, hat die Großmutter Masha aufgezogen und ihr den notwendigen emotionalen Halt nach dem Verlust ihrer Mutter gegeben.

Doch nun scheint Masha ganz allein in der Welt zu stehen, denn nicht nur ist ihre Großmutter tot, sondern ihr Vater hat auch eine neue Frau kennengelernt, die er heiraten will. Dabei muss ich anmerken, dass die potenzielle Stiefmutter wirklich nett – wenn auch eindeutig überfordert mit ihrer eigenen kleinen Tochter – dargestellt wird, was auch Masha anerkennen kann. Aber die Tatsache, dass ihr Vater ihr nichts von dieser Frau erzählt hat, bis die Verlobung schon stand, und dass er sich regelmäßig die Zeit genommen hat, um mit seiner neuen Familie zu essen, während sie allein zu Hause war, verletzt das Mädchen so sehr, dass sie beschließt, ihr Heim zu verlassen und sich als Assistentin bei der Baba Yaga zu bewerben. Über die Baba Yaga gibt es viele Geschichten, und Masha hat sie alle von ihrer Großmutter gehört, die selbst eine Zeitlang bei der berühmen Hexe im Wald gelebt hat. Dass die Baba Yaga gerade jetzt eine Annonce geschaltet hat, in der sie eine neue Assistentin sucht, scheint für Masha wie ein Wink des Schicksals zu sein. Doch es ist für Masha nicht so einfach, all die Herausforderungen zu meistern, die die Baba Yaga für ihre potenzielle Assistentin bereithält.

Ich muss zugeben, dass ich mich im Laufe der Zeit an den Stil von Emily Carroll gewöhnt habe und auch anerkennen kann, dass sie in einigen Panels eine wirklich ausdrucksvolle Mimik und Gestik zeigt, aber so richtig warm geworden bin ich mit ihren Zeichnungen nicht. Die Geschichte hingegen, die Marika McCoola mit diesem Comic erzählt, fand ich sehr süß. Auf der einen Seite verweist sie immer wieder auf verschiedene klassische Märchen rund um die Baba Yaga, auf der anderen Seite zeigt sie eine Facette dieser unheimlichen Hexe, die überraschend sympathisch ist. Und je mehr Mühe sich Masha mit der Bewältigung ihrer „Aufnahmeprüfungen“ geben muss, desto mehr wächst das Mädchen an ihren Herausforderungen. Am Ende gibt es sogar eine Art Versöhnung mit ihrem Vater, wobei ich finde, dass dieser viel zu leicht aus der ganzen Sache herauskommt. Dass er viele Jahre lang seine Tochter vernachlässigt hat, dass er sich mit seiner potentiellen neuen Familie deutlich mehr Mühe gibt als mit dem Mädchen, das gerade erst seine Großmutter verloren hat, all das ist eigentlich gar kein Thema mehr. Das zieht eine ansonsten süße Geschichte leider etwas runter.

 

Shannon Hale/Dean Hale/Victoria Ying: Diana – Princess of the Amazons (Comic)

Auf „Diana – Princess of the Amazons“ bin ich aufmerksam geworden, weil die Zeichnerin Victoria Ying an dem Comic beteiligt ist und ich ihre Illustrationen für das Spiel „Bargain Quest“ sehr mag. Der Comic wurde von Shannon Hale und Dean Hale geschrieben, von Victoria Ying gezeichnet und von Lark Pien koloriert. Zu Beginn der Geschichte ist Diana ziemlich allein, sie ist zu alt, um noch ständig von ihrer Mutter und all den Tanten im Auge be- und unterhalten zu werden, und zu jung, um mit den anderen Amazonen zu trainieren und zu arbeiten. Sie langweilt sich schrecklich und es gibt niemanden auf der Insel, der in ihrem Alter ist und mit ihr Sachen unternehmen könnte. In ihrer Einsamkeit formt Diana ein Mädchen aus Lehm und haucht ihr Leben ein, um endlich eine Freundin zu haben. Doch so schön es ist, mit Mona – so nennt Diana ihre neue Freundin – über die Insel zu stromern und endlich gemeinsam Sachen zu erleben: Mona scheint eine boshafte Seite zu haben, die Diana Unbehagen bereitet. Trotzdem lässt sie sich von ihr zu gefährlichen Aktionen überreden, nur um dann mit den Folgen ihrer eigenen Tat fertig werden zu müssen.

Ich mochte sehr, wie die Handlung sich langsam entwickelt, wie anfangs gezeigt wird, wieso sich Diana so einsam fühlt und wie sich ihr Leben (erst einmal zum Besseren) verändert, als sie endlich eine „gleichaltrige“ Freundin hat. Auch wenn schon früh klar wird, dass Monas Moralempfinden nicht dem von Diana gerecht wird, ist es verständlich, dass Diana lange Zeit darüber hinwegsieht. Erst als Mona und Diana mit ihren gemeinsamen Taten die gesamte Insel der Amazonen in Gefahr bringen, muss Diana sich gegen ihre Freundin stellen und Verantwortung für ihre Taten übernehmen. Dieser Comic ist für eine recht junge Zielgruppe (ab 6 Jahren, würde ich sagen) gedacht, aber ich hatte wirklich viel Freude beim Lesen. Diana ist eine sympathische Protagonistin, und ihre Gefühle und Handlungen sind nachvollziehbar dargestellt, auch wenn für den Leser von Anfang an klar ist, dass sie sich irgendwann gegen Mona und ihre boshafte Seite stellen muss. Ihr Wohlergehen hat mich berührt, sie tat mir in ihrer Einsamkeit leid, ich fand es wunderbar zu sehen, wie Diana die Gesellschaft ihrer neuen Freundin genießt und ich war stolz auf sie, als sie sich am Ende entscheidet, sich den Folgen ihrer Taten zu stellen.

Dass ich die Zeichnungen von Victoria Ying grundsätzlich mag, sagte ich ja schon, und auch hier habe ich ihren Stil sehr genossen. Gestik und Mimik der verschiedenen Figuren finde ich wunderbar aussagekräftig und die ganzen Tiere, die in der Geschichte vorkommen, sind einfach nur bezaubernd. Doch vor allem mag ich den Humor und das Tempo in ihren Zeichnungen. Die Kolorationen von Lark Pien sind da die perfekte Ergänzung. Die leuchtenden, aber nicht zu grellen Farben erzeugen eine heitere Atmosphäre, ohne dass man dabei als Betrachter die Bedrohungen, die der Insel durch Dianas und Monas Taten bevorstehen, nicht ernstnehmen würde. Insgesamt bin ich überraschend glücklich mit „Diana – Princess of the Amazons“ und freu mich sehr darüber, dass ich diesen Comic durchgehend genießen konnte.

Amy Wilson: A Girl Called Owl

Nachdem mir „The Shadows of Winterspell“ von Amy Wilson so gut gefallen hatte, habe ich auch die anderen Bücher der Autorin auf meinen Merkzettel gesetzt. „A Girl Called Owl“ ist der Debütroman von Amy Wilson (und es gibt diese Geschichte auch noch mit dem Titel „The Lost Frost Girl“ als Hardcover-Ausgabe). Die Handlung dreht sich um die gerade mal dreizehnjährige Owl, die es seit Jahren unangenehm findet, dass ihre Mutter ihr einen Namen gegeben hat, der aus der Masse heraussticht. Doch natürlich bleibt es nicht bei einem ungewöhnlichen Namen (und dem dazu passenden Aussehen), sondern Owl muss zu Beginn des Romans feststellen, dass sie über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Immer wieder überziehen Eisblumen ihre Haut, und sie erzeugt um sich herum Frost, ohne darüber Kontrolle zu haben. Nicht einmal mit ihrer besten Freundin Mallory kann sie sich über all die seltsamen Dinge austauschen, die ihr passieren, denn diese muss mit ihren ganz eigenen persönlichen Problemen fertigwerden.

Einzig der neue Mitschüler (und ja, das ist ein sehr häufig verwendetes Klischee, aber es ist nett geschrieben!) Alberic scheint zu verstehen, wie es Owl gerade geht. Er ist es auch, der ihr als erster von den großen Elementaren erzählt, vom Hof der Fey und davon, dass (Halb-)Menschen dort nicht gerade gern gesehen sind. Dabei ist Alberic ebenfalls zur Hälfte menschlich und am Hof der Fey aufgewachsen, weshalb er genau weiß, welche Risiken Owl eingeht, als sie beschließt, ihren Vater zu suchen. Wie schon in „The Shadow of Winterspell“ ist auch in dieser Geschichte die Welt der übernatürlichen Wesen keine einfache oder gar ungefährliche, aber es gibt so viele wunderschöne und magische Momente, die die Autorin rund um die Elementare und die Naturgeister spinnt, dass man vollkommen davon verzaubert wird. Gemeinsam mit Owl lernt man mehr über die verschiedenen Aufgaben, die die Elementare haben, und über die Rivalitäten zwischen den verschiedenen Jahreszeiten. Und während man als Leser all diese vielen fantastischen Details einfach nur genießen kann, muss Owl darum kämpfen, mehr über sich und ihre Fähigkeiten lernen zu können und sich nicht in all den neuen Erfahrungen zu verlieren.

Doch nicht nur diese neue magische Welt bringt für Owl Herausforderungen mit sich, denn bei all den gravierenden Ereignissen in ihrem Leben ist es für sie nicht einfach, ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter oder ihren Freunden aufrechtzuerhalten. Ich mag diese Mischung aus Magie und Normalität, die Amy Wilson in ihre Geschichten einbaut, ebenso wie die kleinen Szenen, in denen die man mehr über Owl und ihre Mutter oder Owls Freundschaft zu Mallory erfährt. Dass der Frost in diesem Roman eine nicht gerade geringe Rolle spielt, kommt mir auch entgegen, und so habe ich mich beim Lesen all dieser atmosphärischen Herbst- und Winterszenen die ganze Zeit nach dem Anblick von Herbstlaub, dem Geruch von Holzfeuern und vor allem nach dem ersten Frost des Herbsts gesehnt, der den Winter ankündigt und die Luft so wunderbar frisch und ein kleines bisschen beißend sein lässt. Ich bin mir sicher, dass ich im Herbst wieder zu „A Girl Called Owl“ greifen und all diese schönen Szenen, sympathischen Charaktere und fantastischen Details erneut genießen werde. Und bis es soweit ist, habe ich mit „Snowglobe“ noch ein weiteres Buch der Autorin auf dem SuB, das bestimmt perfekt für den anstehenden Sommer geeignet sein wird. 😉

Diana Wynne Jones: Archer’s Goon

So langsam arbeite ich mich durch meine Sammlung von Diana-Wynne-Jones-Titeln, die ich noch nicht kenne. In den vergangenen Tagen war das Buch „Archer’s Goon“ an der Reihe, das folgendes verspricht:

This book will prove the following ten facts:

1. A Goon is a being who melts into the foreground and sticks there.
2. Pigs have wings, making them hard to catch.
3. All power corrupts, but we need electricity.
4. When an irresistible force meets an immovable object, the result is a family fight.
5. Music does not always soothe the troubled breast.
6. An Englishman’s home is his castle.
7. The female of the species is more deadly than the male.
8. One black eye deserves another.
9. Space is the final frontier, and so is the sewage farm.
10. It pays to increase your word power.

Die Geschichte beginnt damit, dass der dreizehnjährige Howard Sykes eines Tages von der Schule kommt und Archer’s Goon in seiner Küche vorfindet, der behauptet, dass Howards Vater seinem Boss noch 2000 Wörter schuldet. Weder Howards kleine Schwester Awful noch die Studentin Fifi, die mit im Haus wohnt und nachmittags dafür sorgt, dass die beiden Kinder ihren Tee serviert bekommen, wissen, wer Archer ist oder was er mit den 2000 Wörtern tut, die ihm Mr. Sykes schulden. Doch so richtig seltsam wird die ganze Angelegenheit für Howard, nachdem sein Vater seine Schulden bezahlt hat und der Goon trotzdem bei Howards Schule auftaucht und darauf besteht, dass er und Howard nun Freunde seien, während gleichzeit diverse andere Personen auf einmal Interesse an Mr. Sykes‘ Wörtern entwickeln. Doch je mehr Personen von ihm einen Text geschrieben haben wollen, desto störrischer wird der Autor und verweigert jegliche Mitarbeit – was zu einigen dramatischen Entwicklungen für seine Familie (und sehr amüsanten Momenten für den Leser) führt.

Ich liebe die Charaktere in diesem Buch. Besonders Howards kleine Schwester Awful (eigentlich Anthea) ist so schrecklich, wie ihr Name andeutet, und dabei so großartig, dass ich jede einzelne Szene mit ihr genossen habe. Nicht alle Figuren sind detailliert ausgearbeitet, aber das macht überhaupt nichts, weil man schon bei einem kleinen Auftritt in der Regel ein genaues Gefühl für den Charakter bekommt. Dazu kommt ein kompliziertes Geflecht von Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren, das so nach und nach enthüllt wird, und ich war wieder einmal hingerissen von der Fähigkeit der Autorin, all diese kleinen zwischenmenschlichen Momente zu erfassen, die das Agieren verschiedener Menschen miteinander so sehr bestimmen. Dazu kommt, dass Howard, je intensiver er die Personen in seiner Umgebung und ihre Reaktion auf andere Menschen beobachtet, eine ganze Menge über sich selbst und seine Familie lernt.

Wie es sich für ein richtig gutes Diana-Wynne-Jones-Buch gehört, ist auch „Archer’s Goon“ voller skurriler und amüsanter Entwicklungen, die einem innerhalb dieser Romanwelt überraschend stimmig vorkommen. Dabei greift die Autorin wieder einmal auf Figuren zurück, die über Magie verfügen und dank ihrer Fähigkeiten gleich eine ganze Stadt unter ihrer Herrschaft haben. Da es sich jedes Mal neu und ungewöhnlich anfühlt, wenn Diana Wynne Jones mit dieser Idee spielt, kann ich sehr gut damit leben, dass sie immer wieder dieselbe Grundvoraussetzung in ihre Geschichten einbaut. In „Archer’s Goon“ gab es so viele überraschende und bizarre Momente, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, mir würde die perfekte Mischung aus vertrauten und geliebten Elementen und unverbrauchten Ideen präsentiert. So sehr ich die Romane der Autorin wie „Howl’s Moving Castle“ mag, die durchgehend in einer Fantasywelt angesiedelt sind: Ich genieße die Geschichten, die „britischen Alltag“ mit einer Spur von Magie versehen, doch noch ein bisschen mehr.

Kelley Armstrong: A Royal Guide to Monster Slaying

Um Kelley Armstrong schleiche ich schon sehr lange herum, da ich einige Kurzgeschichten von der Autorin gelesen habe, die mir sehr gut gefielen. Auf der anderen Seite hatte mir der Anfang ihrer Urban-Fantasy-Geschichte „Bitten“ so wenig gefallen, dass ich den Roman abgebrochen und weggegeben hatte. „A Royal Guide to Monster Slaying“ schien mir unter diesen Umständen eine gute Wahl, um einen weiteren Roman der Autorin anzutesten, denn ich ging (zu recht) davon aus, dass das Thema Beziehungen in einer Geschichte, deren Protagonistin gerade mal zwölf Jahre alt ist, keine so große Rolle spielen würde. Genau genommen dreht sich die Handlung um Prinzessin Rowan, der Thronfolgerin des Clan Dacre, die statt Königin zu werden lieber eine Zukunft als Monsterjägerin anstreben würde.

Diese Voraussetzung für eine Geschichte klingt nicht gerade innovativ, vor allem, wenn man noch bedenkt, dass Rowan einen zwei Minuten jüngeren Zwillingsbruder hat, der perfekt für die Rolle des Königs geeignet wäre, aber entgegen seiner Fähigkeiten und Neigungen der Traditionen ihres Clans folgend zum Monsterjäger ausgebildet wird. Doch aus dieser eher ausgereizten Grundidee spinnt Kelley Armstrong eine überraschende, amüsante und immer wieder nachdenklich machende Geschichte, die mir wirklich sehr gut gefallen hat. Rowan ist eine mutige und etwas zu waghalsige Protagonistin, die schon früh in der Handlung eine Monsterjagd miterlebt, bei der so einige Dinge schrecklich schief laufen. Am Ende dieser Jagd wird nicht nur Rowans gesamtes Leben auf den Kopf gestellt, sondern ihre Familie droht sogar den Thron an jemanden zu verlieren, der mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als Tyrann über das Land herrschen würde. Um dies zu verhindern, begibt sich Rowan in ungewöhnlicher Gesellschaft auf eine beschwerliche Reise, auf der sie nach und nach erwachsen wird.

Ich mochte es sehr, dass die unerschrockene und impulsive Rowan so früh im Roman lernt, Angst zu haben – Angst um diejenigen, die ihr am Herzen liegen, und um die Zukunft des Landes, ebenso wie Angst vor dem, was da alles auf sie wartet, und vor den Monstern, denen sie im Laufe ihres Lebens gegenüberstehen wird. Aber sie lernt noch so viel mehr über sich selbst und über die Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet, und ich fand es wirklich wunderbar zu verfolgen, wie sie so langsam erwachsener wird, ohne dabei all die Charaktereigenschaften zu verlieren, die sie zu einer so sympathischen Protagonistin machen. Neben den Figuren (zu Rowan gesellen sich einige Nebenfiguren, die von Kelley Armstrong nicht immer sympathisch, aber definitiv stimmig dargestellt wurden,) mochte ich auch die fantastische Welt, in der die Geschichte spielt. Für Rowan ist es recht normal, dass Einhörner und Pegasi (beide nicht gerade freundliche Kreaturen), Jackaroo, Wargen oder Greife existieren. Keine dieser Tierarten ist so weit verbreitet, dass sie zu einer alltäglichen Bedrohung werden, aber sie sind häufig und gefährlich genug, dass das Königreich auf die Monsterjäger angewiesen ist, die diese Tiere im besten Fall vertreiben oder im schlimmsten Fall töten.

Doch natürlich geht die größte Gefahr für die Prinzessin nicht von all den vielen Monstern aus, sondern von den verschiedenen Personen, die es auf den Thron und deshalb auf ihre Freiheit oder gar ihr Leben abgesehen haben. Das macht es für sie nicht einfach, Verbündete oder gar Freunde zu finden, aber ihre Zielstrebigkeit, ihre Hilfsbereitschaft und ihr wachsendes Verständnis für andere Personen (und Monster) sorgen dafür, dass sie im Laufe der Zeit eine bunte Gruppe an Begleitern um sich schart. Die unterschiedlichen Vorgeschichten der verschiedenen Figuren und ihre voneinander abweichenden Ansichten dazu, wie man in den jeweiligen Situationen vorgehen sollte, sorgen für so einige amüsante Wortwechsel. So sind es am Ende vor allem die unerwarteten Freundschaften, die mir von diesem Buch in Erinnerung bleiben, und die Neugier darauf, was wohl in Zukunft aus Rowan und ihren Begleitern werden wird, hat dafür gesorgt, dass ich die demnächst erscheinende Fortsetzung ganz oben auf den Merkzettel geschoben habe.

Diana Wynne Jones: Wilkins‘ Tooth

Am Wochenende hatte ich mal wieder Lust auf etwas „fluffigere“, kürzere Lektüre und landete beim Blick über meinen SuB bei „Wilkins‘ Tooth“ von Diana Wynne Jones. Dieses Buch der Autorin kannte ich noch nicht, aber es ist mir in den vergangenen Monaten regelmäßig untergekommen, weil in meiner englischsprachigen Timeline immer mal wieder darauf verwiesen wurde. Ein bisschen hatte ich vor dem Lesen den Verdacht, dass man diesen Roman als Kind gelesen haben muss, um ihn so lang anhaltend in Erinnerung zu behalten wie all die Personen, die den Titel erwähnten, und ich fürchte, dass sich dieser Verdacht beim Lesen bestätigt hat, aber das ändert nichts daran, dass „Wilkins‘ Tooth“ eine sehr amüsante Geschichte ist.

Die Handlung wird erzählt aus der Sicht der Geschwister Frank und Jess Pirie, die vor kurzem einen neuen Stuhl ihrer Eltern zerbrochen haben und nun für vier lange Monate kein Taschengeld bekommen werden. Da ihr Vater ihnen auch die Suche nach richtigen Nebenjobs verbietet, gründen die beiden eine  „Vergeltungsgesellschaft“ („Own Back Inc.“). Doch was anfangs nach einer guten Idee klingt, entwickelt sich schnell zu einer deutlich anstrengenderen und komplizierteren Angelegenheit, als die beiden gedacht hätten. So möchten sie eigentlich schon nach dem ersten Auftrag ihre Gesellschaft wieder auflösen, kommen aber nicht so einfach aus der Sache wieder raus. Jeder einzelne Job zieht wieder neue Entwicklungen nach sich, die dafür sorgen, dass Frank und Jess nur noch eine Sache erledigen müssen oder noch ein kleines bisschen mehr verschuldet sind, als sie es zu Beginn der Geschichte schon waren. Dabei hilft es auch nicht, dass sie sich mit ihren Tätigkeiten unabsichtlich in die Geschäfte der örtlichen Hexe gemischt haben und nun auch noch mit dem Unmut dieser Person fertigwerden müssen.

Ich habe Franks und Jess‘ kleine und größere Herausforderungen gern begleitet und mich wunderbar amüsiert, wenn die beiden mal wieder mit den besten Absichten das größte Chaos anstellten. Dabei lernen sie im Laufe der Zeit weitere Kinder kennen, deren Aufträge sie erfüllen sollen und mit denen sie sich dann nach und nach anfreunden, was dazu führt, dass am Ende mehr als ein Dutzend Personen versuchen, gemeinsam gegen die Hexe Biddy Iremonger vorzugehen. Denn die örtliche Hexe, von der Jess‘ und Franks Eltern glauben, dass sie nur eine etwas wunderliche arme Frau sei, wird von Diana Wynne Jones als wirklich schrecklich boshafte, rachsüchtige und machthungrige Person dargestellt, deren Magie deutlich stärker ist, als die beiden Kinder (und der Leser) anfangs ahnen können. Allerdings muss ich zugeben, dass es sich die Autorin hier an manchen Stellen in meinen Augen etwas zu einfach gemacht hat, denn natürlich ist die seltsame ältere Frau, die in einer schäbigen Hütte am Fluss lebt, die Böse, und auch ihr Motiv für ihre Rache an der Familie Adams – mit deren Töchtern sich Jess und Frank anfreunden – ist ziemlich einfallslos.

Auf der anderen Seite ist die Geschichte voller amüsanter Szenen, bei denen man nur zwischen leichter Fassungslosigkeit und hämischer Vorfreude die Pläne der Kinder verfolgt. Bei einer meiner Lieblingsstellen bekommt man als Leser nicht einmal direkt die Vorgänge beschrieben, sondern man bekommt das Ganze nur aus der Perspektive von Jess und Frank erzählt, die anhand der Geräusche und Gesprächsfetzen, die sie hören, erraten, was gerade in den angrenzenden Räumen (und dem Garten und auf dem Dach) alles los ist. Wenn ich so etwas lese und mich dabei so gut unterhalten fühle (und dann noch bedenke, dass „Wilkins‘ Tooth“ wohl das erste Buch war, das sie für Kinder geschrieben hat), dann kann ich Diana Wynne Jones auch die kleinen Dinge verzeihen, die mich beim Lesen gestört haben. Alles in allem war diese Geschichte inklusive dieser wunderbaren Slapstick-haften Pasagen perfekt für ein paar entspannte und unterhaltsame Lesestunden.