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Phil Hickes: The Bewitching of Aveline Jones (Aveline Jones 2)

Nachdem ich „The Haunting of Aveline Jones“ von Phil Hickes Anfang des Jahres gelesen hatte, bekam ich große Lust auf weitere unheimliche Geschichten mit Aveline. In „The Bewitching of Aveline Jones“ verschlägt es das Mädchen gemeinsam mit seiner Mutter in den Sommerferien nach Norton Wick. Der kleine Ort liegt in der Nähe von Bristol, wo die beiden wohnen, und so ist Aveline nicht ganz so begeistert davon, dass sie ihren Urlaub dort verbringen soll, statt wie ihre Mitschüler an den Strand oder gar ins Ausland zu fahren. Zum Glück gibt es direkt hinter ihrem Ferienhaus die mysteriösen Witch Stones, und so ist Aveline fest entschlossen, in den kommenden Tagen gemeinsam mit ihrem Freund Harold mehr über diesen uralten Steinkreis herauszufinden. Doch bevor Harold, sein Großonkel Ernst Liebermann und Avelines Tante Lilian in Norton Wick eintreffen können, macht Aveline schon die Bekanntschaft von Hazel Browne.

Hazel ist ein Mädchen, das anscheinend ebenso an übernatürlichen und unheimlichen Dingen interessiert ist wie Aveline selbst. Mit Hazel befreundet zu sein, ist für Aveline etwas ganz Aufregendes und Neues, und so dauert es seine Zeit, bis sie dahinterkommt, dass Hazels Freundschaft vielleicht doch nicht so unkompliziert und ungefährlich ist, wie sie anfangs glaubte. Für den Leser hingegen wird schon recht früh deutlich, was mit Hazel los ist, aber ich muss sagen, dass mich diese Diskrepanz zwischen meiner eigenen Wahrnehmung und Avelines Naivität nicht gestört hat. Stattdessen hat es Phil Hickes geschafft, dass ich mich darüber amüsierte, dass Aveline ständig auf der Suche nach gruseligen Dingen ist, aber dann doch so rationell ist, dass sie für all die unheimlichen Vorfälle in Norton Wick immer wieder eine ganz „vernünftige“ Erklärung findet. Außerdem habe ich gespannt darauf gewartet, dass Aveline all die kleinen Hinweise und Informationen, die sie im Laufe der Geschichte erhält, zu einem stimmigen Bild zusammensetzt – und welche Folgen das dann wohl auf ihre Freundschaft zu Hazel haben wird.

So schön ich all die atmosphärischen Beschreibungen und unheimlichen Szenen fand, so habe ich doch vor allem wieder das Verhältnis zwischen Aveline und Harold sowie zwischen ihr und ihren Familienmitgliedern genossen. Aveline und ihre Mutter gehen offen und respektvoll miteinander um, und auch wenn ihre Mutter ihr nicht immer alles glaubt, so kann sich Aveline sicher sein, dass ihre Mutter sie liebt und für sie da ist. Harold hingegen glaubt Aveline nicht nur, wenn sie ihm von all ihren abwegigen und gruseligen Erlebnissen erzählt, er unterstützt sie auch die ganze Zeit. Selbst als er zwischendurch von Aveline zugunsten von Hazel „vernachlässigt“ wird, ist er ihr nicht böse. Stattdessen hört er Aveline zu, als sie ihm erklärt, wie es dazu gekommen ist, dass sie ihn alleingelassen hat, um Zeit mit Hazel zu verbringen. Und natürlich besorgt Harold für Aveline all die Bücher rund um Steinkreise, Druiden, Hexen und den Ort Norton Wick, in denen die beiden all die wichtigen Informationen finden, die Aveline dringend benötigt.

Obwohl die Handlung Ende August spielt und die sommerliche Hitze immer wieder ein Thema ist, hat sich die Geschichte auch ganz wunderbar Ende Oktober lesen lassen, als ich Lust auf etwas (herbstlich) Gruseliges hatte. Weshalb ich mich wirklich sehr gefreut habe, als ich am Ende des Buches eine Ankündigung für einen dritten Aveline-Jones-Roman entdeckt habe, dieses Mal mit dem Titel „The Vanishing of Aveline Jones“. Es steht leider nicht dabei, wann das Buch erscheinen wird, aber ich vermute, ich kann mich darauf verlassen, dass ich auch im nächsten Jahr im Herbst wieder eine unterhaltsame und unheimliche Aveline-Jones-Geschichte neu entdecken kann. Oh, und wer nun Lust auf die Romane hat, aber lieber auf Deutsch liest: Beide schon erschienen Bücher sind beim Arena Verlag veröffentlicht worden, der erste Band mit dem Titel „Aveline Jones und die Geister von Stormhaven“ und der zweite mit dem Titel „Aveline Jones im Bann der Hexensteine“. Leider wurden die tollen Illustrationen von Keith Robinson, die mir in den Originalausgaben so gut gefallen haben, nicht vom deutschen Verlag übernommen, aber dafür gibt es Zeichnungen der Illustratorin Katja Reinki. Wobei ich zugeben muss, dass ich ihren Stil nicht ganz so atmosphärisch und etwas zu gefällig finde. Aber es ist grundsätzlich schön, wenn Verlage sich die Mühe machen, Geschichten ausgiebig zu illustrieren, und vielleicht gefallen euch die Zeichnungen ja besser als mir.

Stephanie Burgis: Scales and Sensibility (Regency Dragons 1)

„It was a truth universally acknowledged that any young lady without a dragon was doomed to social failure.“

Dies ist der erste Satz in „Scales and Sensibility“ von Stephanie Burgis und eigentlich wisst ihr damit über den Ton der Geschichte schon fast alles, was ihr wissen müsst. 😉 Dieser Titel ist die aktuellste Veröffentlichung der Autorin, obwohl sie die erste Version des Manuskripts schon vor vielen Jahren geschrieben hatte. Aber damals hieß es, dass es keinen Markt für fantastische Regency-Romane gäbe, weshalb sich Stephanie Burgis lieber auf andere Ideen konzentrierte. Wenn ich an all die Jahre denke, in denen ich fantastische Regency gesucht habe, frage ich mich, wie irgendein Agent oder Verlag auf die Idee kommen konnte, dass der Markt dafür nicht reif wäre … aber nun gut … „Scales and Sensibility“ wird aus der Perspektive von Elinor Tregarth erzählt, die nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Tante aufgenommen wurde. Elinor sehnt sich nicht nur sehr nach ihren beiden jüngeren Schwestern, die von zwei anderen Verwandten aufgenommen wurden, sondern auch nach einer liebevollen und respektvollen Umgebung. Sowohl ihr Onkel als auch ihre Cousine Penelope lassen Elinor ständig spüren, dass sie nur die arme Verwandte ist und dankbar sein muss, dass sie überhaupt aufgenommen wurde.

Die Tatsache, dass Elinor Penelope bei ihrer ersten Saison helfen soll (obwohl sie selbst bislang kein Debüt hatte) und von ihrer Cousine ebenso schlecht wie die Dienstmädchen behandelt wird, macht es für die junge Frau nicht einfacher. Und dann gibt es da noch den kleinen Drachen Sir Jessamyn, der – wie es sich bei einer Dame der Gesellschaft gehört – dekorativ auf Penelopes Schulter sitzen sollte, aber stattdessen so viel Angst vor seiner Besitzerin hat, dass er regelmäßig seinen Darm auf ihren Kleidern entleert. Als Penelope ihn deswegen beinah verletzt, platzt Elinor der Kragen, was zur Folge hat, dass sie gemeinsam mit Sir Jessamyn das Haus verlässt. Ohne Geld, ohne eine Unterkunft in Aussicht und mit einem (gestohlenen) Drachen auf der Schulter scheint Elinors Schicksal besiegelt, doch dann überrascht Sir Jessamyn die junge Frau mit einer unerwarteten Fähigkeit, und außerdem macht Elinor die Bekanntschaft von Benedict Hawkins, dessen Geldsorgen ihn dazu bringe, dass er die Hand von Penelope gewinnen will. Mit der Hilfe von Sir Jessamyn, und um Benedict bei seinem Vorhaben zu unterstützen, landet Elinor inmitten einer trubeligen Hausparty, bei der sie jederzeit als Hochstaplerin und Diebin eines kostbaren Drachens enttarnt werden könnte. Dazu kommt noch, dass es auch noch andere Gäste bei dieser Gesellschaft gibt, die sich mit ganz eigenen (unlauteren) Motiven dort eingefunden haben.

Mir hat „Scales and Sensibility“ wirklich viel Freude beim Lesen bereitet, auch wenn ich die ganze Zeit sehr mit Elinor mitgelitten habe. Die junge Frau ist eigentlich ein sehr ehrlicher und offenherziger Mensch, und die Scharade, die sie mit allen Anwesenden bei dieser Hausparty spielen muss, gefällt ihr so gar nicht. Aber jedes Mal, wenn sie offen und ehrlich sein will, passiert etwas, das dafür sorgen würde, dass ein anderer Mensch darunter leiden müsste, wenn sie ihre Identität aufdecken würde. Also wird Elinor immer weiter gezwungen, Theater zu spielen und gleichzeitig Wege zu finden, um mit den diversen Erpressungen und Bedrohungen umzugehen und natürlich Benedict bei seinen Bemühungen um Penelopes Hand zu unterstützen. Trotz all dieser unangenehmen Situationen für Elinor ist die Geschichte wirklich lustig und ich habe ständig vor mich hingekichert, während es zu Missverständnissen zwischen den verschiedenen Figuren, etwas zu offenherzigen Aussagen von Elinors Tante und ähnlichen Momenten kam. Doch vor allem mochte ich einige der Charaktere wirklich gern und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Allen voran natürlich Elinor, deren Zuneigung zu ihren Schwestern und Sir Jessamyn wirklich schön zu lesen war, auch wenn sie beides immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat. Ebenso mochte ich Benedict Hawkins sehr gern, der zwar ein Mitgiftjäger ist, aber nicht nur gute Gründe dafür hat, sondern auch ein freundlicher, ehrbarer und hilfsbereiter Mensch ist. Dazu kommen noch Figuren wie Benedicts bester Freund Cornelius Aubrey, dessen geistesabwesende Gelehrsamkeit vielleicht etwas übertrieben ist, aber für wunderbar amüsante Momente sorgt, oder Elinors Tante, die im Laufe der Geschichte entdeckt, wie befreiend es doch sein kann, einfach nur offen die eigene Meinung zu äußern. Ich mochte diesen Roman wirklich gern und ich habe große Lust, mehr von Elinor, ihren beiden Schwestern (die bislang nur durch Elinors Erinnerungen bekannt sind) und natürlich diese ungewöhnlichen kleinen Drachen und ihre überraschenden Fähigkeiten zu lesen. Zum Glück plant Stephanie Burgis zwei weitere Regency-Dragon-Romane, in denen dann Elinors Schwestern die Protagonistinnen sein werden.

Lesezeit (2) – At Bertram’s Hotel

Meine heutige „Lesezeit“ verbringe ich mit „At Bertram’s Hotel“ von Agatha Christie – einem meiner Lieblings-Miss-Marple-Titel, auch wenn ich den Kriminalfall an sich etwas offensichtlich finde. Aber man erfährt in diesem Roman so viele Kleinigkeiten über Miss Marple, über ihr Leben und über ihre Familie, dass ich das Gefühl habe, dass ich bei jedem erneutem Lesen wieder eine neue kleine Facette über diese Figur mitnehmen kann. Viel Zeit habe ich heute Nachmittag nicht zum Lesen, aber ich habe Lust auch diesen Reread hier zu kommentieren, also gönne ich mir dafür einen weiteren „Lesezeit“-Beitrag.

Links die Taschenbuchausgabe von "At Bertram's Hotel", rechts eine große Tasse mit Milchkaffee und dazwischen liegt ein kleines japanisches KitKat (Geschmacksrichtung Schoko-Orange)

Ich liebe es, wie Agatha Christie in den ersten Absätzen das Hotel und sein (früheres) Klientel vorstellt. Obwohl ich weder die Zeit erlebt habe, noch je solche Personen getroffen habe, kann ich mir trotzdem genau vorstelle, was für Menschen im Bertram’s wohnten. Diese kurze Erwähnung von verwitweten Landadeligen, religiösen Würdenträgern, Schulmädchen, die auf dem Weg von ihrem oder in ihr gehobenes Internat sind, – alles so ehrbar, altmodisch und Edwardianisch, obwohl sich doch sonst alles im Laufe der Zeit verändert hat. Und alle Beschreibungen erfolgen aus der Sicht einer älteren Dame – nicht, weil Miss Marple schon eingeführt wurde, sondern weil einen die Autorin dazu bringt durch die Augen einer älteren, rheumatischen Person das Hotel zu betrachten. Und dementsprechend weiß man auch als Leser, der sonst vielleicht nicht auf solche Details achtet, den höflichen Portier, die von Kohlenfeuern erwärmte Eingangshalle und die bequemen, hohen Sessel, die dort stehen, zu schätzen.

Außerdem finde ich es großartig, wie Agatha Christie von Anfang an klarstellt, dass die altmodische Atmosphäre im Bertram’s nichts anderes als eine Kulisse ist. Ein kleines Gespräch zwischen dem Manager Mr. Humfries und dem zu Gast seienden Colonel Luscombe und schon weiß der Leser, dass das Bertram’s für manche Gäste „Sonderpreise“ einrichtet, weil diese eben zu den Personen gehören, die für die traditionelle, gediegene Atmosphäre sorgen. Und als Kontrast dann die erste Szene mit Jane Marple, die darüber nachdenkt, dass in St. Mary Mead eben nicht alles beim Alten geblieben ist und dass Veränderung nun einmal unabwendbar ist … Ich sollte vermutlich mehr lesen und weniger schreiben, aber genau dies sind diese kleinen Elemente, die ich bei Agatha Christies Geschichten so sehr liebe, und es bereitet mir Freude all diese kleinen Beobachtungen aufzuschreiben, statt sie nur beim Lesen kurz zu registrieren und dann weiterzublättern …

Oh, ich freu mich schon darauf in den nächsten Tagen Zeit mit diesem Buch zu verbringen. 🙂

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Dienstag (05.10.) – Kapitel 6 bis 10

Obwohl in den ersten fünf Kapiteln alle wichtigen Figuren vorgestellt wurden und man einen Eindruck von den ersten Verwicklungen bekommen hat, muss ich gestehen, dass ich in den letzten Tagen eigentlich nur über die Dinge nachgedacht habe, die diese ersten Kapitel von „At Bertram’s Hotel“ über Miss Marple verraten. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mir vorher noch nie Gedanken darüber gemacht habe, dass ihr Vater anscheinend in ihrem Leben keine große Rolle gespielt hat. Was den Verdacht nahelegt, dass er früh verstorben ist, aber wenn ich mich richtig erinnere, gibt es darüber keine Informationen. Stattdessen verweist Jane Marple immer wieder auf Aussagen und Grundsätze ihrer Mutter und den Besuch in Bertram’s Hotel, den sie als vierzehnjähriges Mädchen so sehr genossen hat, verdankte sie einem Onkel. Außerdem habe ich mir – mal wieder – Gedanken über Miss Marples Status gemacht. Jane Marple ist nicht wirklich reich, sie ist darauf angewiesen, dass ihre wohlhabenden Freundinnen oder ihr erfolgreicher Neffe für größere Reisen zahlt und auch der aktuelle Aufenthalt im Bertram’s ist ein Geschenk gewesen. Auf der anderen Seite hat sie gemeinsam mit wirklich reichen und/oder adeligen Mädchen eine Schweizer Mädcheninternat besucht und genug Geld von ihren Eltern geerbt, dass sie nie arbeiten musste und sich sogar immer ein Dienstmädchen leisten konnte.

Ansonsten muss ich zugeben, dass ich die Figur Elvira Blake einfach nicht leiden kann und da ein Großteil der Handlung sich um sie dreht bzw. von ihr ausgelöst wird, ist es wirklich schwierig diese Passagen zu genießen. Umso schöner finde ich es, wie sich Jane Marple bei ihrem Einkauf in „The Army & Navy Shop“ an ihre Tante Helen erinnert und wie diese früher dort Vormittage verbrachte, an denen sie für alle möglichen Gelegenheiten in den kommenden Monaten einkaufte. Durch all diese Erinnerungen an vergangene Zeiten, erfährt man in diesem Buch so unglaublich für über Jane Marples Familie und ihre Kindheit und Jugend. Und dann natürlich noch die Person, deren Vergesslichkeit am Ende zur Auflösung des Falles beitragen wird, Canon Pennyfather. Dieser wird von Agatha Christie so rührend in seiner Hilflosigkeit beschrieben, dass ich am Liebsten jedes Mal dafür sorgen würde, dass er jemanden zur Seite gestellt bekommt, der dafür sorgt, dass er seine Termine, seine Mahlzeiten und alles andere auf die Reihe bekommt. *g*

Grundsätzlich muss ich aber zugeben, dass ich Agatha Christies Romane lieber mag, wenn sich der Kern der Geschichte weniger um „Wer schläft/schlief mit wem?“ dreht …

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Dienstag (12.10.) Kapitel 11 bis 15

Inzwischen wird Canon Pennyfather von seiner Haushälterin vermisst, während Miss Marple sich rundum in London vergnügt. Ich finde es sehr passend, dass ihre Ansicht von Vergnügen keine kulturellen Veranstaltungen oder ähnliches beinhalten, sondern die Suche nach Porzellan und Leinen und natürlich das Auffrischen von Erinnerungen. Letzteres tut sie natürlich, indem sie schaut, ob sie einige der Geschäfte wiederfindet, die sie von früher kennt. Und natürlich versucht sie beim Verlassen des Hotels den Pförtner zu vermeiden, der der Meinung ist, sie müsse unbedingt ein Taxi nehmen statt mit dem Bus oder der U-Bahn zu fahren. *g*

Was mir nicht so gut gefällt, ist, dass Miss Marple schon zum zweiten Mal zufällig über ein Paar stolpert, dass in einem altmodischen Café bzw. Teesalon absolut fehl am Platz ist. Das ist mir doch etwas viel Zufall in einer Stadt wie London und ich hätte es schöner gefunden, wenn Agatha Christie eine bessere Möglichkeit gefunden hätte, um ihre Hinweise in die Geschichte einzustreuen. Aber nun gut, wir hatten ja schon mehr zufällige Begegnungen, ohne die der Krimianteil des Romans überhaupt nicht zustande gekommen wäre, da stören zwei weitere Zufälle auch nicht mehr.

Und ich mag den erfahrenen Polizisten (Chief-Inspector „Father“ Davy), der das Bertram’s auf dem Kieker hat. Für unauffällige, aber fähige Polizisten hat Agatha Christie in ihren Romanen ja eine Schwäche und hier zweifeln sogar die etwas unerfahrenderen Untergebenen an der Genialität ihres Vorgesetzten. Was mich auf einen weiteren Punkt bringt, den ich an Miss Marple mag: Sie ist überraschend diskret, obwohl sie doch so viel auszuplaudern scheint. Aber solange etwas nur seltsam ist oder sie das Gefühl hat, dass sie nicht das Recht hat sich einzumischen (zum Beispiel weil jeder Mensch nun einmal seine eigenen Fehler machen muss), behält sie viele Beobachtungen für sich und denkt sich einfach nur ihren Teil. Es ist nicht so, dass sie gar nicht tratschen würde, aber sie ist nie diejenige, die von sich aus Klatsch verbreitet. (Es sei denn, sie ermittelt gerade aktiv, aber das ist dann eher … eine Ausnahmesituation.)

Es bleibt dabei, es ist nicht der beste Kriminalfall, denn sich Agatha Christie da ausgedacht hat, aber ich mag die Idee so eine Geschichte rund um ein Hotel wie das Bertram’s zu spinnen, ich mag all die Informationen rund um Miss Marple und ich mag den ermittelnden Polizisten. Alles in allem fühle ich mich als wieder gut unterhalten.

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Dienstag (19.10.) Kapitel 16 bis 20

So langsam kommt Bewegung in die ganze Angelegenheit! Der arme Canon Pennyfather ist inzwischen wieder aufgetaucht und erinnert sich natürlich an gar nichts und Chief-Inspector Davy wendet sich an einen ganz hohen Finanzmenschen (Auftritt Mr. Robinson – ich finde es schön, dass Agatha Christie immer wieder auf ihn zurückkommt), um mehr über die Hintergründe des Hotels zu erfahren. Alles in allem passiert gar nicht so viel in diesen Kapiteln, abgesehen davon, dass der Chief-Insector Informationen sammelt, noch einmal mit Miss Marple redet (die überlegt, ob sie ihr Herz ausschütten soll, weil sie sich Sorgen um eine junge Frau macht) und Ohrenzeuge eines Mordes wird, gerade als er Miss Marple versichert, dass es keinen Mord geben wird …

Ich bleibe dabei, dass ich es sehr schön finde, wie immer wieder in dem Roman durchschimmert, dass eine Person sich vielleicht nach „der guten alten Zeit“ zurücksehnen kann, dass es aber selbst in einem Hotel wie dem Bertram’s unmöglich ist wirklich die Zeit zurückzudrehen … Oh, und ich liebe die kleine Geschichte, die Miss Marple über ihre Großmutter und einen gemeinsamen Ausflug mit ihr und ihrer Mutter nach Paris erzählt! Ob das wohl auf einer eigenem Erlebnis mit Agatha Christies Großmutter basierte? Eine sehr hübsche Szene! 🙂 Nur noch eine Nachmittags-Leserunde mit dem Buch und dann ist es auch schon wieder vorbei.

Dienstag (26.10.) Kapitel 21 bis Ende

Kapitel 21 beginnt mit einem Mutter-Tochter-Vergleich, der nicht sehr schmeichelhaft für Elvira ausfällt. Ich glaube, ich hätte es wirklich lieber gemocht, wenn Agatha Christie diesen Charakter sympathischer angelegt hätte, gerade weil es so viele andere Figuren in der Geschichte gibt, die (stellenweise etwas fischig, aber) ungemein charmant sind. Im Kontrast zu diesen Figuren kann Elvira nur verlieren, was bei mir dazu führt, dass ich grundsätzlich das Schlimmste von ihr erwarte – und deshalb auch erwartet hätte, dass Miss Marple weniger Mitleid mit der jungen Frau hätte. Ansonsten finde ich es wunderschön, wie der Chief-Inspector fleißig einen Hinweis nach dem anderen sammelt, immer wieder Bestätigungen für seine Theorien findet und dann am Ende mit Miss Marple redet und zu seiner Überraschung feststellen muss, dass sie – natürlich – sehr viele dieser gesammelten Details schon längst wusste (oder vermutete). Und am Ende der Geschichte bleibt ihr nur so etwas wie Trauer – Trauer für eine Zeit, die schon lange vergangen ist, und für ein Kunstwerk wie „Bertram’s Hotel“.

Ich bleibe dabei, dass das definitiv nicht Agatha Christies bester Roman ist, aber ich mag all die kleinen Elemente rund um Miss Marples Kindheit und um ihre Familie, die in dieser Geschichte erwähnt werden, und ich habe mich auch dieses Mal beim Lesen wieder wunderbar unterhalten gefühlt. 🙂

L. D. Lapinski: The Strangeworlds Travel Agency

„The Strangeworlds Travel Agency“ von L. D. Lapinski gehört zu den Büchern, um die ich eine ganze Weile herumgeschlichen bin, weil ich mir nicht sicher war, ob es was für mich sein würde. Grundsätzlich mag ich ja fantastische Middle-Grade-Geschichten, aber die Sache mit den vielen verschiedenen Welten und dem Reisen durch Koffer hatte mich etwas abgeschreckt. Als dann aber Anfang des Jahres so viel Werbung rund um den zweiten Titel („The Edge of the Ocean“) gemacht wurde, bin ich doch schwach geworden und kann inzwischen sagen, dass meine Vorurteile sich nicht bestätigt haben- was wohl daran liegt, wie die Autorin die magischen Elemente ihrer Geschichte vorstellt. Nach einem kleinen Einblick in Jonathan Mercators Alltag als Custodian der fantastischen Strangeworlds Society lernt man durch die Augen der zwölfjährigen Flick (Felicity Hudson) die Strangeworlds Travel Agency kennen und erfährt ein bisschen mehr über die Hintergründe des Multiversums und der Spalten (Schism), die – in Koffern eingeschlossen – das Reisen in andere Welten ermöglichen.

Ich mochte Flicks Perspektive sehr gern und fand es schön mitzuerleben, wie sie durch die Bekanntschaft mit Jonathan einen Weg findet, um ihrem doch recht verantwortungsvollen Alltag zu entfliehen. Flicks Leben ist definitiv nicht schlecht, sie liebt ihre Familie und sie versteht, dass ihre Eltern ihr so viele Pflichten aufbürden, weil sie keine andere Wahl haben. Aber natürlich wäre es ihr deutlich lieber, wenn sie sich nicht täglich um die Wäsche, das Essenkochen und andere Sachen kümmern müsste und stattdessen einfach freie Zeit für sich hätte. Flick träumt schon seit Langem davon, Fernreisen zu unternehmen, und Jonathan lässt diesen Traum für sie wahr werden – dafür muss sie nur ein paar Stunden Zeit freischaufeln, in denen sie dann ein ganz besonderes Abenteuer erleben kann. Doch natürlich ist nicht alles rund um die Strangeworlds Society eitel Sonnenschein. Von Anfang an wird deutlich, dass Jonathan mit seiner ererbten Aufgabe ziemlich überfordert ist und dass das Verschwinden seines Vaters mit seltsamen Vorfällen im Multiversum zusammenhängt. Auch gibt es immer wieder Momente, in denen seine Erklärungen und Erzählungen Lücken aufzuweisen scheinen, von denen einem beim Lesen natürlich bewusst ist, dass diese Auslassungen noch gravierende Folgen für ihn und Flick haben werden.

So schwingt selbst bei den heiteren, magischen Momenten immer eine Spur von Bedrohlichkeit mit, die ich persönlich sehr genossen habe. Mir gefiel diese Mischung aus amüsanten Szenen und Andeutungen von drohender Gefahr, ebenso wie der Kontrast aus Flicks sehr pragmatischem Alltag und all den wundervollen und fantastischen Dingen, die sie beim Reisen erleben darf. Dazu kommt noch, dass L. D. Lapinski mit Flick und Jonathan glaubwürdige Figuren geschaffen hat, die grundsätzlich liebenswert, aber definitiv nicht ohne Fehler und Macken sind. Die wachsende Freundschaft zwischen den beiden ist wirklich schön zu verfolgen, ebenso wie das Kennenlernen all der Bekanntschaften, die Flick (und Jonathan) im Laufe der Zeit in den anderen Welten machen. Ich muss gestehen, dass ich sehr hoffe, dass einige dieser Nebenfiguren in den weiteren Bänden noch eine Rolle spielen werden, denn ich habe viele dieser Charaktere ins Herz geschlossen. Insgesamt habe ich mich von „The Strangeworlds Travel Agency“ wirklich gut unterhalten gefühlt, weshalb ich mich schon sehr auf die kommenden beiden Teile der Trilogie freue und gespannt bin, welche Entdeckungen es noch rund um diese ungewöhnliche Society geben wird.

Oh, und auf Deutsch gibt es den ersten und zweiten Band auch schon mit den Titeln „Strangeworlds – Öffne den Koffer und spring hinein!“ und „Strangeworlds – Reise ans Ende der Welt“. Ich verkneife mir an dieser Stelle erneut eine Anmerkung zu den deutschen Titeln … *seufz*

Barbara Sleigh: Carbonel

Über „Carbonel“ von Barbara Sleigh bin ich vor vielen Jahren bei Kiya gestolpert, und da der Titel nicht nur sehr lange auf meiner Wunschliste saß, sondern dann auch noch über ein Jahr auf meinem SuB lag, habe ich nun das Problem, dass ich den dritten Carbonel-Band nicht mehr bestellen kann. Dabei gefiel mir der erste Teil rund um Rosemary, ihren neu gewonnenen Freund John und den König der Katzen so gut, dass ich gern noch mehr Abenteuer mit den dreien lesen würde. Die Geschichte beginnt damit, dass die zehnjährige Rosemary sich überlegt, dass sie in ihren Sommerferien mit Putzen Geld verdienen könnte. Doch dafür benötigt sie erst einmal die notwendigen Utensilien, und so kauft sie auf einem Gebrauchtmarkt von einer etwas wunderlichen alten Frau einen Besen.

Da die Dame auch noch günstig einen schwarzen Kater abzugeben hatte und Rosemary schon immer eine Katze wollte, nimmt sie diesen auch noch mit, ohne zu wissen, dass sie damit in Besitz eines Hexenbesens und des passenden Hexenkaters gekommen ist. Doch Carbonel ist mehr als nur ein einfacher Hexenkater. Er ist ein Prinz der Katzen, der als Kätzchen von der Hexe gestohlen und verflucht wurde. Erst wenn der Fluch gebrochen ist, kann er den Thron seines verstorbenen Vaters in Besitz nehmen und über die Katzen von London herrschen. Natürlich erklärt sich Rosemary bereit, alles dafür zu tun, dass Carbonels Fluch gebrochen wird. Dies führt dazu, dass sie in den kommenden Wochen quer durch London unterwegs ist, um die notwendigen Dinge für den Zauber aufzutreiben. Doch diese Aufgabe ist nicht so einfach, und so ist es nur gut, dass Rosemary in ihrem neu gefundenen Freund John jemanden hat, der mit ihr gemeinsam Informationen sammelt und Abenteuer erlebt.

Die Geschichte wurde von Barbara Sleigh das erste Mal 1955 veröffentlicht, und natürlich merkt man der Handlung ihr Alter auch an. Barbara und John müssen zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem – leider ziemlich altersschwachen – Hexenbesen all ihre Wege hinter sich bringen. Und um überhaupt den ganzen Tag unterwegs sein zu können, benötigen sie die Erlaubnis von Johns Tante und Rosemarys Mutter. So verstreicht zwischen den verschiedenen Unternehmungen immer wieder Zeit, und es gibt Tage, an denen die beiden Kinder einfach nur gemeinsam im Garten von Johns Tante spielen, weil sie eben diese Erlaubnis nicht bekommen haben. Das sorgt dafür, dass „Carbonel“ eher ruhig erzählt wird, aber gerade das habe ich sehr gemocht. Ich habe eine Schwäche für altmodische britische Kinderbücher voller Magie und Alltagsszenen, und genau das habe ich hier gefunden. Ich mochte all die fantastischen Elemente ebenso sehr wie die eher alltäglichen Momente, mir gefielen die verschiedenen Charaktere, und ich fand es großartig, dass Carbonel arrogant und fordernd ist und wenig Verständnis für die begrenzten Möglichkeiten eines zehnjährigen Mädchens hat.

Es gab beim Lesen immer wieder Punkte, die mich an die Mary-Poppins-Romane von P.L. Travers oder an die Geschichten von Edith Nesbit erinnert haben, die ich als Kind so geliebt habe. Dabei hatte ich jedoch nie das Gefühl, dass Barbara Sleigh sich von diesen Autorinnen hat inspirieren lassen. „Carbonel“ ist eine ganz eigene Geschichte mit einer wunderbar warmherzigen Atmosphäre, vielen amüsanten Wendungen und (Neben-)Charakteren, die ich wirklich mochte. Für diejenigen, die nun auch Lust auf „Carbonel“ bekommen haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: 2013 ist eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Carbonel – König der Katzen“ bei Ravensburger erschienen und auch wenn das Buch nur noch gebraucht zu bekommen ist, so scheint das Angebot an günstigen und gut erhaltenen Exemplaren gar nicht so gering zu sein.

Sharna Jackson: High-Rise Mystery

Der Roman „High-Rise Mystery“ von Sharna Jackson stand schon ziemlich lange auf meinem Wunschzettel, bis ich ihn im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt bekam. So ist es kein Wunder, dass es inzwischen auch eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Highrise Mystery – Ein Tödlicher Sommer“ und im englischen Original eine Fortsetzung („Mic Drop“) gibt. Erzählt wird die Handlung von der elfjährigen Anika „Nik“ Alexander, die gemeinsam mit ihrer dreizehnjährigen Schwester Norva den Mord an ihrem Nachbarn Hugo Knightley-Webb aufklären will. Die beiden Mädchen interessieren sich schon länger für Kriminalfälle und führen seit fast einem Jahr eine Datei, in der sie alle Vorkommnisse, die sich in dem Hochhaus-Komplex „The Tri“ ereignen, festhalten. So stehen den beiden für ihre Ermittlungen von Anfang an eine ganze Menge Daten über ihre Nachbarn zur Verfügung, und doch haben sie keine Ahnung, wer als potenzieller Mörder in Frage kommt. Deshalb bleibt Nik und Norva nichts anderes übrig, als systematisch zu ermitteln. Als dann noch ihr eigener Vater von der Polizei verdächtigt wird, wird es umso wichtiger, den Mörder zu finden.

Ich habe Nik und Norva auf Anhieb sympathisch gefunden, obwohl die – gerade sehr verliebte – Norva weder für mich noch für die erzählende Nik immer einfach zu ertragen war. Aber ich mochte es, wie gegensätzlich die beiden Schwestern dargestellt waren und wie gut sie sich deshalb ergänzt haben. Nik geht systematisch vor und arbeitet sich Punkt für Punkt durch ihre Ermittlungen, auch wenn das bedeutet, dass sie unangenehme Fragen klären oder gar ihren eigenen Vater verdächtigen muss. Norva hingegen ist deutlich implusiver, emotionaler und scheut auch schon mal davor zurück, das Alibi und Motiv einer Person zu untersuchen, von der sie sicher ist, dass sie unschuldig sein muss. Norvas Einfallsreichtum sorgt allerdings auch dafür, dass die beiden Schwestern manchmal ungewöhnliche Wege bei der Suche nach Informationen gehen, was bedeutet, dass man als Leser ständig über sie schmunzeln kann. Für mich haben sich Nik und Norva mit all ihren Stärken und Schwächen überraschend realistisch angefühlt. Auch ihre Ermittlungsmethoden sind von Sharna Jackson stimmig dargestellt worden. So haben die Schwestern zum Beispiel keinerlei Zugang zu Informationen, die die Polizei hat, wenn man von dem einen oder anderen belauschten Gespräch absieht, und sind in der Regel auf eigene Beobachtungen und die Aussagen ihrer Nachbarn angewiesen.

Dabei würde die Geschichte so nicht funktionieren, wenn die Autorin nicht so eine großartige Kulisse dafür gewählt hätte. The Tri ist ein etwas vernachlässigter Hochhauskomplex in London voller unterschiedlicher Mieter, die definitiv nicht zur Oberschicht gehören. Das Geld für Reparaturen ist knapp, das Treppenhaus riecht nach Urin und es kann schon mal passieren, dass die Aufzüge übers gesamte Wochenende defekt sind, so dass die Bewohner die (mindestens) 22 Stockwerke zu Fuß hochlaufen müssen. Auf der anderen Seite gibt es einen Gemeinschaftsraum, in dem unter anderem Kunst- oder Yogakurse angeboten werden, es wird gemeinsam von den Anwohnern Geld für dringende Projekte gesammelt, und die Hilfsbereitschaft einiger Nachbarn ist wunderbar. Gerade weil Nik und Norva so vertraut mit und so stolz auf ihr Zuhause sind, bietet dieser Hochhauskomplex so einen tollen Hintergrund für diese Kriminalgeschichte und die Ermittlungen von Nik und Norva.

Auch der Kriminalfall ist solide von Sharna Jackson konstruiert worden, und da die erzählende Nik so betroffen von Hugos Tod ist, fühlt es sich von Anfang an wirklich dringlich an, dass sein Mord aufgeklärt wird. Dabei stehen den Schwestern nur eingeschränkte Mittel für ihre Ermittlungen zur Verfügung, aber aus diesen machen sie wirklich das Beste. Immer wieder überarbeiten sie ihre Listen und Tabellen, so dass man auch als Leser einen guten Überblick über den aktuellen Wissenstand und die neusten Informationen hat. Insgesamt hat mir „High-Rise Mystery“ wirklich sehr gut gefallen. Das einzige (und nicht sehr relevante) Problem, das ich beim Lesen hatte, war, dass der eine oder andere Slangausdruck, der in dem Roman verwendet wird, für mich nicht auf Anhieb verständlich war. Ich habe mich aber im Laufe der Zeit recht gut an diese ungewohnten Ausdrücke der Mädchen (und ihres Freundes George) gewöhnt, und angesichts des Alters der Protagonistinnen fand ich es auch definitiv stimmig, dass sie ihre eigene Ausdrucksweise hatten. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung „Mic Drop“  und bin gespannt, wie Nik und Norva dann im Rahmen eines Musikvideo-Drehs in The Tri ermitteln.

Talia Hibbert: The Brown Sisters 1-3

In den vergangenen Wochen habe ich die drei Romane von Talia Hibbert gelesen, die die Autorin um die Schwestern Cloe, Dani und Eve Brown geschrieben hat. Da alle drei Geschichten sehr ähnliche Elemente haben, dachte ich mir, dass ich mal eine „Sammelrezension“ dazu veröffentlichen könnte. Die Bücher von Talia Hibbert fallen unter „contemporary romance“ (gibt es dafür einen deutschen Begriff?), weshalb es für mich umso überraschender war, dass sie mir so gut gefallen haben, weil ich bei dem Genre doch normalerweise immer was zu kritisieren finde. In jedem der Bände steht eine andere der Brown-Schwestern im Mittelpunkt, und jede dieser Protagonistinnen hat ganz eigene Probleme, die sie – ihrer eigenen Meinung nach – für eine Beziehung ungeeignet machen.

In „Get a Life, Cloe Brown“ (auf Deutsch „Kissing Cloe Brown“) beschließt Cloe, nachdem sie beinahe in einen schrecklichen Autounfall verwickelt worden wäre, dass es Zeit wird, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Also zieht sie bei ihren Eltern aus und erstellt eine Liste mit Dingen, die sie erleben will. Aber so richtig kommt sie mit ihrer Liste nicht voran, bis sie den Hausmeister (und Künstler) Redford „Red“ Morgan näher kennenlernt. Ihr Schwester Danika hingegen will sich ganz auf ihrer Universitätskarriere konzentrieren und sucht in „Take a Hint, Dani Brown“ nur einen Mann, mit dem sie ab und an etwas Dampf im Bett ablassen kann. Dummerweise lernt sie mit dem Sicherheitsmann Zafir Ansari einen hoffnungslosen Romantiker kennen, der definitiv mehr als nur Sex von ihr will. Die jüngste Brown-Schwester Eve ist in „Act Your Age, Eve Brown“ auf der Flucht vor ihrem aktuellsten beruflichen Versagen und der damit einhergehenden Enttäuschung ihrer Eltern, als sie aus Versehen den Betreiber eines B&Bs anfährt. Da Jacob Wayne mit seinen Verletzungen nicht in der Lage ist, seine Frühstückspension zu führen, springt Eve ein und lernt so nicht nur ihren neuen Boss besser kennen, sondern auch mehr über ihre eigenen Stärken und Schwächen.

Jeder dieser drei Romane ist wunderbar lustig und auf eine realistische und wohltuende Weise romantisch. Was die Bücher für mich aber zu etwas Besonderem gemacht haben, ist die Tatsache, dass sowohl die Protagonistinnen als auch die Protagonisten diverse Probleme im Leben haben, ohne dass diese Dinge zu einem großen Drama aufgebaut werden. Cloe ist chronisch krank und muss mit ihrer Energie bewusst haushalten, während Red eine toxische Beziehung hinter sich hat, die Spuren hinterließ, die sich nicht so einfach abschütteln lassen. Dani denkt aufgrund früherer Erlebnisse, sie sei beziehungsunfähig, während Zafir durch seine ehemalige Sportkarriere (und die damit verbundene Medienberichterstattung über ihn) traumatisiert wurde. Jacob ist Autist und wurde als Kind von seinen Eltern vernachlässigt und Eve hat nicht nur gravierende Konzentrationsprobleme, sondern auch eine ziemlich gestörte Selbstsicht. All diese Probleme haben zwar immer wieder einen deutlichen Einfluss auf das Leben der Protagonist.innen, sind aber in erster Linie einfach nur ein Teil ihrer Persönlichkeit bzw. ihres Lebens, ebenso wie der Humor, die Fürsorglichkeit, die Leidenschaft für Literatur oder Sport oder andere Elemente, die einen Charakter formen.

Ich mochte auch sehr, wie die Figuren miteinander umgingen. Es gibt so viele wunderbar lustige Szenen, und selbst die „dramatischen“ Elemente wurde von der Autorin so geschrieben, dass man ein bisschen über die jeweilige Person schmunzeln kann. Die Figuren gehen in der Regel respektvoll miteinander um, und wenn es in diesen Geschichten zu Missverständnissen kommt, dann nicht durch irgendein gekünsteltes „nicht miteinander reden“, sondern durch Szenen, die zeigen, dass zwei Menschen sich eben auch mal missverstehen können. Und sobald die verletzten Gefühle etwas gehätschelt wurden und die jeweilige Figur etwas Zeit zum Nachdenken hatte, gehen Talia Hibberts Figuren wieder aufeinander zu und reden miteinander. Ich habe die Dialoge in diesen Romanen so genossen, weil immer wieder deutlich wird, dass es nicht einfach reicht, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass man da ein Problem oder vielleicht falsch gehandelt hat, sondern dass man sich immer wieder damit auseinandersetzen und an sich arbeiten muss. Genauso wird immer wieder deutlich, dass auch eine funktionierende Beziehung nicht etwas ist, das von ganz alleine entsteht, wenn sich zwei Personen lieben, sondern dass das etwas ist, woran beide Parteien immer wieder arbeiten müssen. Dabei gelingt es der Autorin, dieses „gemeinsame Arbeiten an einer Beziehung“ als etwas sehr Schönes – und für den Leser unterhaltsam zu Lesendes – darzustellen.

Mein einziger Kritikpunkt an allen drei Romanen besteht darin, dass Talia Hibberts Wortwahl, wenn es um die Sexszenen bzw. die Gedanken geht, die die jeweiligen Figuren bezüglich der körperlichen Vorzüge ihrer potenziellen Partner.innen haben, für meinen persönlichen Geschmack etwas zu direkt ist. Wenn ich allerdings an die eine oder andere Sendung denke, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe, scheint diese Wortwahl im alltäglichen britischen Sprachgebrauch nicht so abwegig zu sein. Grundsätzlich hat mich die Sprache auch nicht davon abgehalten, die Geschichten zu genießen, aber da mir dieser Punkt negativ aufgefallen ist, wollte ich ihn hier auch nicht unterschlagen. Insgesamt habe ich alle drei Romane wirklich gern gelesen, ich habe mit den verschiedenen Charakteren mitgelitten, ihren Umgang miteinander genossen und mich großartig über all die lustigen Szenen mit ihnen amüsiert.

Dean Atta: The Black Flamingo

Wenn man „The Black Flamingo“ von Dean Atta beginnt, fällt sofort die ungewöhnliche Erzählweise ins Auge, die der Autor für seine Geschichte gewählt hat. Denn Dean Atta ist in erster Linie ein Poet und so hat er auch sein Buch als eine „verse novel“ geschrieben, bei der die einzelnen (häufig kurzen) Gedichte von verschiedenen Momenten in dem Leben des Protagonisten Michael erzählen. Dabei begleitet der Leser Michael von seinem sechsten bis zu seinem neunzehnten Lebensjahr und erfährt so viel darüber, welche Wege dieser auf der Suche nach seiner eigenen Identität einschlägt. Denn Michael ist nicht nur ein schwarzer Brite mit jamaikanisch-zypriotischer Abstammung, der sich weder jamaikanisch noch griechisch-zypriotisch genug fühlt, um wirklich zu einer dieser Zuwanderergruppen zu gehören, sondern Michael ist auch schwul und hat von klein auf mit den dementsprechenden Vorurteilen und Anfeindungen zu kämpfen.

I Want to Be a Pink Flamingo

Pink. Definitely pink.
I want my feathers to match
the hue you imagine.
I want to blend in.
Nothing but flamingoness.

David Attenborough would say,
„Here we see the most typical flamingo.“

Though I don’t want to be the most,
just typical. A wrapping-paper pattern.
I don’t want to stand apart.
Nothing different about my parts.
My beak just a beak, my head just a head.
My neck, body, wings. Simply fit for purpose.
Standing on one leg, just like the rest.
Pink. Definitely pink. (Seite 194)

Ich fand Michaels Geschichte sehr berührend zu lesen, gerade weil er im Laufe der Zeit immer wieder darüber nachdenkt, wie andere Menschen ihn eigentlich sehen und was diese Sicht der anderen mit ihm selber macht. Außerdem war es spannend, die vielen unterschiedlichen Gedichtformen zu lesen und zu sehen, wie jedes einzelne dieser Gedichte für sich stehen kann und doch gleichzeitig einen wichtigen Teil des Gesamtbilds darstellt. Dean Attas Spiel mit der englischen Sprache habe ich wirklich genossen, und seine Zeilen haben noch einige Zeit nach dem Lesen in mir nachgeklungen. So gelingt es dem Autoren, Michael nicht nur als Protagonisten, sondern auch als Künstler innerhalb der Geschichte wachsen zu lassen. Dabei muss Michael sich mit seinen eigenen Vorurteilen und Schwächen ebenso auseinandersetzen wie mit seinen Stärken und Wünschen. Das bringt auf diese Weise den Leser fast beiläufig dazu, ebenfalls über sein Verhalten und seinen Umgang mit sich selbst und anderen nachzudenken.

Only one name comes to mind. It’s like
I’ve said it before: „I am The Black Flamingo
and my pronouns are he and him,“ I declare.
I’m sure of this for the first time ever.

They look at each other, then at me,

Then Mzz B asks, „So are you a king,
a queen or …?“

„Neither,“ I say. „I’m just a man and I want
to wear a dress and make-up on stage,
I want to know how it feels to publicly
express a side of me I’ve only felt privately
when playing with my Barbie as a boy.
It was only at home that I’d play with that toy;
I knew my Mum loved me more than
anyone else and with her I could be myself.
I didn’t think boys could do ballet, certainly
not a black boy and definitely not me.
I was already suspicious that people were
nice to me despite me being different.
I never wanted to take my difference too far.“
[…] (Seite 206)

Faszinierend war es auch zu sehen, wie viele unterschiedliche Themen Dean Atta in diesem Buch anspricht und dass sich dies beim Lesen anfühlt, als ob er nur eine helfende Hand reichen will, damit der Leser seinen Horizont etwas erweitert kann. Dabei kann man wohl davon ausgehen, dass Dean Atta sehr viele Elemente seiner eigenen Biografie in Michaels Geschichte verarbeitet hat, denn auch der Autor ist schwarz und schwul und Drag-Künstler. Ich muss gestehen, dass es mir überraschend schwerfällt, über dieses Buch zu schreiben, weil es so viel beinhaltet, dass ich gar nicht auf alle Aspekte eingehen kann. Ich kann nur sagen, dass „The Black Flamingo“ mich sehr berührt hat, und deshalb wünsche ich diesem Titel viele Leser, die gemeinsam mit Michael ein kleines bisschen wachsen und ihre Flügel ausbreiten dürfen.

Annabelle Sami: Agent Zaiba Investigates 1 – The Missing Diamonds

Bei dem ersten „Agent Zaiba Investigates“-Band von Annabelle Sami weiß ich gar nicht mehr, wie ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Aber die Inhaltsangabe klang nett, und ich teste gern neue Kriminalromane für Kinder bzw. Jugendliche an, weil ich davon eigentlich immer einen Vorrat auf Lager haben mag. Die Handlung wird erzählt aus der Sicht der elfjährigen Zaiba, die mit ihrer Familie (sowie ihrer besten Freundin Poppy) die Mehndi-Feier ihrer älteren Cousine Sam (Samirah) und deren Verlobten Tanvir im Royal-Star-Hotel besucht. Doch nicht nur die gesamte Großfamilie ist in dem Hotel untergebracht, sondern auch eine mysteriöse Berühmtheit, deren Identität Zaiba unbedingt herausfinden will. Denn Zaibas größter Wunsch ist es, einmal eine ebenso erfolgreiche Privatdetektivin zu sein wie ihre Tante Fouzia, und um dieses Ziel zu erreichen, nutzt sie all das Wissen, das sie aus den Romanen rund um die Detektivin Eden Lockett (und dem Eden-Lockett-Detektiv-Handbuch) gewinnen kann.

Gemeinsam mit Poppy und ihrem jüngeren Bruder Ali versucht sie, mehr über die Berühmtheit im Hotel herauszufinden, doch dann verschwindet ein wertvolles Diamant(hunde)halsband, und aus der spielerischen Ermittlung wird schnell ein ernsthaftes Unterfangen – vor allem, da all der Trubel Samis Mehndi-Feier bedroht. Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte in der ersten Hälfte des Romans nicht so recht packen konnte. Ich mochte Zaibas pakistanisch-britische Familie, ich fand es nett, wie die drei Kinder durchs Hotel stromerten, und hier und da habe ich etwas schmunzeln müssen. Als dann die Handlung aber etwas mehr anzog, es immer mehr Hinweise auf das Verbrechen gab und man mehr über Zaiba und all die anderen Charaktere erfuhrt, hatte ich wirklich Spaß mit dem Buch. Der Kriminalfall ist zwar nicht gerade herausfordernd (was ich bei einem Buch für eine Zielgruppe zwischen 10 und 12 Jahren auch nicht erwartet hätte), aber so konzipiert, dass man gut mitraten kann. Außerdem mochte ich die ganzen Verweise auf die Eden-Lockett-Geschichten und die Tatsache, dass diese Romane schon Zaibas verstorbener Mutter und ihrer Tante Fouzia viel bedeutet haben, als diese noch Kinder waren.

Überhaupt spielt Zaibas Familie eine große Rolle in der Geschichte, und ihre Verwandtschaft wird so liebevoll (und trotzdem realistisch) dargestellt, dass man am liebsten Teil ihrer Familie sein würde. Ich fand es auch sehr schön zu sehen, dass Zaibas Freundin Poppy und Ali einen wichtigen Part bei den Ermittlungen spielen. Obwohl Zaiba eindeutig die Anführerin ist, würde sie ohne die Hilfe ihrer beiden „Assistenten“ deutlich mehr Fehler machen oder sich – und das sollte keine gute Detektivin! – in Spekulationen verrennen, ohne die bekannten Fakten noch einmal nachzuprüfen. Sowohl Poppy als auch Ali bringen ihre ganz eigenen Interessen und Stärken ein und überwinden im Laufe des Buches immer wieder (größere oder kleinere) Ängste, um die Suche nach den verschwundenen Diamanten voranzubringen. Dabei mochte ich es nicht nur, dass sich die drei immer wieder gegenseitig unterstützen, sondern auch, dass sie sich gegenseitig auf Fehler und Irrtümer aufmerksam machten, ohne dass das zu Zerwürfnissen führte.

Insgesamt hat mir „The Missing Diamonds“ deutlich mehr Freude bereitet, als ich das in der ersten Hälfte des Buches erwartet hätte, und so ist inzwischen auch der zweite Band („The Poison Plot“) auf meinem Wunschzettel gelandet. Zum Schluss muss ich noch die wirklich ansprechenden Schwarz-weiß-Illustrationen von Daniela Sosa (von der auch das Cover ist) erwähnen, die sich durch das gesamte Buch ziehen und mir richtig gut gefallen haben, weil sie Zaiba und all die anderen so lebendig und stimmig darstellen. Man bekommt auf den Bildern nicht nur die verschiedenen Schlüsselszenen präsentiert, sondern auch einen ganz wunderbar atmosphärischen Eindruck von dem eleganten Hotel, der ausgelassenen Mehndi-Feier und den verschiedenen Nebenfiguren, so dass die Zeichnungen die erzählte Geschichte wirklich schön ergänzen.

Magid Magid: The Art of Disruption – A Manifesto for Real Change

Über Magid Magid bin ich gestolpert, als mir ein Zeitungsartikel über ihn in die Timeline gespült wurde, in dem auch dieses Buch erwähnt wurde. Magid Magid war von Mai 2018 bis Mai 2019 Oberbürgermeister von Sheffield (und somit der erste Oberbürgermeister somalischer Abstammung, der erste, der einer grünen Partei angehört, und auch noch der bislang jüngste Oberbürgermeister von Sheffield), und von Juli 2019 bis Januar 2020 war er Mitglied des EU-Parlaments, bis seine Mitgliedschaft durch den Brexit beendet wurde. „The Art of Disruption – A Manifesto for Real Change“ ist ein Aufruf, etwas zu verändern und die aktuellen Entwicklungen in der Politik nicht einfach hinzunehmen. Dabei ist das Buch in zehn Kapitel aufgeteilt, die sich an zehn „Geboten“ orientieren, die Magid Magid während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister für einen Plakatentwurf eines örtlichen Musik-Festivals aufgeschrieben hatte.

Diese zehn Gebote lauten: Be Kind, Dont’t Be a Prick, Do Epic Shit, See the Good, Don’t Lose Hope, Do It Differently, Always Buy Your Round, Don’t Kiss a Tory, Tell Ya Ma You Love Her und You’ve Got This! Dabei erklärt Magid Magid erst einmal, was er mit jedem Punkt meint, und erzählt dazu verschiedene Begebenheiten aus seinem Leben, die zeigen sollen, wieso er dieses „Gebot“ für wichtig hält und wie er es auslegt. Vor allem aber geht es dem Autor darum, aufzuzeigen, dass jeder Mensch auch mit kleinen Dingen die Welt ein wenig verändern kann. Ihm ist bewusst, dass nicht jeder für große Politik gemacht ist, auch wenn er sich wünschen würde, dass mehr Menschen in die Politik gehen würden, für die das nicht selbstverständlich ist. Aber er fordert den Leser auf, sich darüber Gedanken zu machen, wie man auf seine Art und Weise seine Umgebung beeinflussen kann. „The Art of Disruption“ wird so zu einer gut zu lesenden Mischung aus Motivationsbuch und Biografie, auch wenn ich zugeben muss, dass ich für mich persönlich wenig Neues bzw. Nützliches daraus ziehen konnte und vor allem den biografischen Anteil spannend fand.

Aber dafür hat mir das Buch in den Tagen vor der diesjährigen US-Präsidentschaftswahl gutgetan, weil Magid Magid in seinen Texten so viel Hoffnung auf Veränderung mitschwingen lässt. Umso spannender war es dann, kurz nach dem Lesen von „The Art of Disruption“ zu sehen, dass viele der kleineren Dinge, die der Autor in seinen Texten erwähnt, wenn er über die Politik in Sheffield schreibt, in den USA dazu geführt haben, dass die Demokraten dank des „grassroot movement“ so viele Stimmen bekommen haben. Aber ich bin auch immer wieder beim Lesen über Passagen gestolpert, bei denen ich dachte, dass mir für so ein Verhalten die Naivität bzw. die Furchtlosigkeit fehlt – zwei Eigenschaften, die Magid Magid bislang erstaunlich weit gebracht haben. Außerdem macht es sich natürlich bemerkbar, dass seine politische Erfahrung auf dem System in Großbritannien basiert, und so habe ich mich immer wieder gefragt, wie bestimmte Elemente wohl in Deutschland gehandhabt werden, oder welche Schritte man wohl gehen müsste, um bestimmte Dinge hierzulande umsetzen zu können.

Insgesamt hat es mir gutgetan, „The Art of Disruption“ zu lesen, und ich fand es spannend, Magid Magid kennenzulernen und mehr über seinen Lebensweg zu erfahren. Außerdem kann ich definitiv sagen, dass er mich dazu gebracht hat, über einige Dinge noch etwas intensiver nachzudenken (und mal wieder etwas zum Thema Regionalpolitik zu recherchieren, denn mir wurde nach dem Lesen des Buches bewusst, dass ich da erstaunlich wenig informiert bin). Auf der anderen Seite gehören viele seiner „so kannst du dich engagieren“-Vorschläge zu den Dingen, die ich schon vor Jahren für mich verworfen habe, so dass ich nicht das Gefühl habe, dass das Buch mich persönlich ein Stück weitergebracht hätte auf der Suche nach einem Weg, etwas zu verändern.