Schlagwort: Großbritannien

Molly O’Neill: Greenteeth

Um „Greenteeth“ von Molly O’Neill bin ich eine ganze Weile drumherumgeschlichen, weil es nach Erscheinen so viele begeisterte Stimmen zu dem Roman gab, dass ich davon ausging, dass die Geschichte dieser Begeisterung nicht gerecht werden könnte. Im Mai habe ich mir doch mal die Leseprobe angeschaut und kurz danach ist das Buch bei mir eingezogen – auch wenn es dann noch bis November gedauert hat, bis ich es endlich vom SuB zog. Nachdem ich den Roman gelesen habe, kann ich sagen, dass ich die Geschichte sehr gern mochte. Ich kann die überschlagende Begeisterung, die ich teilweise gesehen habe, zwar nicht nachvollziehen, aber ich habe meine Zeit mit dem Roman und die Erzählstimme der Protagonistin wirklich genossen und mich stellenweise überraschen gut amüsiert. In vielen Elementen erinnerte mich „Greenteeth“ angenehmerweise an fantastische Romane, die ich als Jugendliche gelesen habe. Das liegt an der eher gemächlichen Entwicklung der Handlung, an den praktisch veranlagten Figuren und an der Art und Weise, in der Molly O’Neill die verschiedenen englischen, walisischen und schottischen Mythen aufgegriffen hat.

Die Handlung selbst wird von (einer) Jenny Greenteeth erzählt, die seit vielen hundert Jahren in dem See in der Nähe des Orts Chipping Appleby lebt und in der Regel die Menschen in ihrer Nähe ignoriert. Ich mochte es sehr, Jennys Gedanken zu verfolgen, gerade weil sie sich im Klaren darüber ist, dass sie ein Monster ist. Aber sie ist ein recht pragmatisches Monster, und so lockt sie zum Beispiel keine erwachsenen Menschen in ihren See, weil das zu viel Nahrung auf einmal wäre und die Überreste ihr Gewässer verschmutzen würden. Deshalb ist Jenny auch umso irritierter, als die Anwohner von Chipping Appleby eines Tages eine gefesselte Frau in ihren See werfen. Temperance Crump bekam von ihren Nachbarn vorgeworfen, eine Hexe zu sein – was natürlich stimmt, aber ihre Nachbarn nicht gestört hatte, bis der neue Priester im Ort ankam. Seine Predigten und Anklagen sind der Grund, wieso Temperance nicht nur im See gelandet ist, sondern nun auch noch um das Leben ihres Mannes und ihrer beiden kleinen Kinder fürchten muss.

Ich fand es sehr schön mitzuverfolgen, wie Jenny und Temperance sich anfreunden und sich – nachdem sie mehr über den neuen Priester herausgefunden haben – aufmachen, um eine Waffe gegen das aufkommende Böse in Chipping Appleby zu finden. Dabei machen sich die beiden gemeinsam mit dem Goblin-Händler Brackus auf die Suche nach Gwyn ap Nudd und der Wilden Jagd. Diese Suche setzt sie nicht nur den Gefahren der Wild Roads aus, sondern sorgt auch dafür, dass sie so einige Herausforderungen überstehen müssen. Dabei stehen nicht die Abenteuer, die die drei Gefährten bestehen, im Mittelpunkt der Geschichte, sondern die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen Jenny und Temperance (und Brackus). All die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser drei Figuren sorgen für viele Überraschungen in ihrer Beziehung zueinander – und jedes Mal, wenn die drei wieder ein Stückchen entspannter miteinander umgehen, passiert etwas, das sie daran erinnert, dass eine von ihnen ein Mensch, einer ein Kobold und eine ein Monster ist.

Mir hat es gefallen, dass in „Greenteeth“ die Freundschaft zweier Frauen im Mittelpunkt der Geschichte stand (und keine Romanze), und so fand ich es stimmig und unterhaltsam, dass sich die Handlung vor allem um die Interaktion zwischen Jenny, Temperance und Brackus drehte. Dies sorgte – neben dem einen oder anderen Missverständnis – für überraschend wohltuende Szenen, in denen die drei Reisenden sich gegenseitig unterstützen, und selbst kleinere Reibereien unter den Figuren konnten diese für mich angenehme Atmosphäre nicht anhaltend stören. Trotzdem zieht sich durch den gesamten Roman eine leicht bittere Note, die mit all den (von Molly O’Neill wunderbar eingesetzten) britischen Sagen-Elementen zu tun hat. Denn obwohl die drei Figuren sich den Großteil der Handlung über durch den magischen Teil ihrer Welt bewegen und dabei so vielen fantastischen Wesen begegnen, wird schnell deutlich, dass die Zeit der Fae so langsam vorbei ist. Dies sorgte dafür, dass mich beim Lesen die ganze Zeit lang weniger die Frage beschäftigt hat, ob die drei am Ende das Böse in Chipping Appleby besiegen, sondern ob es am Ende überhaupt noch eine Zukunft für Jenny geben kann. Das hat dann, trotz der überraschend wohltuenden und entspannten Atmosphäre, die durch die Freundschaft der Protagonistinnen erzeugt wurde, doch für eine gewisse Spannung gesorgte. Ich bin auf jeden Fall neugierig, was Molly O’Neill nach diesem Debütroman noch so für Geschichten veröffentlichen wird.

Lese-Eindrücke August 2025

Nachdem ich im Juni und Juli schon fast alle für den Sommer gekauften Celia-Lake-eBooks gelesen hatte, habe ich im August meine Abende mit einer etwas bunteren Mischung an Romanen verbracht. Was bedeutet, dass ich auch wieder so einige Lese-Eindrücke sammeln konnte …

Kara Buchanan: Magica Riot (Maidensong Magica 1)

„Magica Riot“ ist eine „magical girl“-Geschichte, die mich wirklich gut unterhalten hat. Die Handlung wird aus der Sicht von Claire Ryland erzählt, die nach einem aufregenden Abend – inklusive einer Schlägerei in einer Seitengasse – in die Band „Magica Riot“ aufgenommen wird. Doch „Magica Riot“ ist nicht nur eine Band, sondern auch Teil der „Starlight Alliance“, deren Kämpferinnen die Welt (oder – wie im Fall von „Magica Riot“ – die Stadt Portland) vor Monstern beschützen. Ich habe Claire gern dabei begleitet, wie sie sich mit den anderen Bandmitglieder angefreundet und mehr über ihre Aufgabe als magical girl gelernt hat. Die trans Keytar-Spielerin ist natürlich anfangs ziemlich überwältigt von all den Veränderungen in ihrem Leben, aber ich habe es wirklich genossen mitzuverfolgen wie Claire immer mehr zu sich selbst und ihren Platz zwischen den anderen vier magical girls findet. Der Roman ist mit etwas über 200 Seiten relativ kurz, verfügt aber über all die Elemente, die zu einer „magical girl“-Geschichte gehören. Das führte dazu, dass ich mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten gefühlt habe, sondern auch auf angenehme Weise an die diversen Manga und Anime erinnert wurde, die ich eigentlich mal wieder lesen/sehen könnte.

Becky Chambers: The Long Way to A Small Angry Planet (Wayfarers 1)

Nachdem ich „Monk & Robot“ von Becky Chambers so mochte, dachte ich, es wäre Zeit, auch die Wayfarers-Romane auszuprobieren. Auch diese Reihe gehört zu den Büchern, über die so viel gesprochen wurde, dass ich erst einmal Abstand vom Hype brauchte, um überhaupt Lust auf ein erstes Antesten zu haben. Als ich dann also endlich damit anfing, habe ich die Handlung rund um das Raumschiff Wayfarer und seine Crew sehr genossen. Beginnend mit der Ankunft des neusten Crewmitglieds Rosemary Harper, begleitet die Geschichte die Wayfarer auf ihrem Weg in eine erst kürzlich befriedete Zone – und auf der langen Reise gibt es viele Details rund um die verschiedenen Personen, ihre Vergangenheit und ihre Planeten zu entdecken. Das war – trotz der diversen Gefahren – wunderbar wohltuend zu lesen, und ich freue mich, dass ich noch vier weitere Bücher von Becky Chambers auf dem SuB habe. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich – aufgrund des Perspektiv- und Schauplatzwechsels – etwas Zeit zwischen den einzelnen Romanen benötige und deshalb „A Closed and Common Orbit“ nach einem ersten Anlesen erst einmal zur Seite gelegt habe. Mal schauen, ob ich im September damit weitermache …

Sharna Jackson: The Good Turn

Nachdem ich die „High Rise„-Mysteries von Sharna Jackson so mochte, hatte ich mir „The Good Turn“ direkt mit der Veröffentlichung im Mai 2022 gekauft. Bei einem ersten Anlesen bin ich dann aber nicht mit der Protagonistin Josie warm geworden, und so lag der Roman erst einmal eine Zeitlang auf meinem SuB. Nachdem ich „The Good Turn“ nun endlich zu Ende gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich die Geschichte zwar mochte, aber Josies Perspektive weiterhin ungern verfolgt habe. Sie entwickelt sich (natürlich) im Laufe des Buchs weiter, und grundsätzlich würde ich sagen, dass Josies Verhalten realistisch und nachvollziehbar für eine Elfjährige ist, aber ich habe sie – im Gegensatz zu den Figuren aus „High Rise“ – nicht so sehr ins Herz geschlossen. Von Josie abgesehen gab es aber so einiges, was ich an der Handlung genossen habe. So ist es zum Beispiel immer wieder beeindruckend, wie es Sharna Jackson gelingt, die liebenswerten Seiten einer heruntergekommenen Gegend zu beschreiben, ohne dabei jemals unrealistisch zu werden. Auch Josies – nicht immer einfache – Freundschaft zu Wallace und Margot, die beide in Josies Nachbarschaft leben, fand ich stimmig. Außerdem sind die Herausforderungen für die Kinder (wie Rassismus, Einwanderungspolitik, Armut, Überforderung eines alleinerziehenden Elternteils), die Sharna Jackson in „The Good Turn“ aufgreift, leider ziemlich aktuell und somit Dinge, die wohl so einige (nicht nur) jugendliche Leser*innen beschäftigen. Grundsätzlich bin ich also immer noch überzeugt von Sharna Jacksons Erzählweise, aber ich weiß nicht, ob ich noch weitere Romane aus Josies Perspektive lesen möchte.

M. J. May: Perfectly Imperfect Pixie (Perfect Pixie 1)

Von „Perfectly Imperfect Pixie“ hatte ich vor einiger Zeit eine Leseprobe gelesen, die ich wirklich nett fand. Und da ich während der heißesten Tage im August kaum etwas auf die Reihe bekommen habe, das anstrengender war, als meinen eReader zu halten, hatte ich auch Bedarf an neuen Romanen, die wenig Konzentrationsfähigkeit erforderten. „Perfectly Imperfect Pixie“ (der Titel ist schon etwas lästig zu tippen) ist eine süße Geschichte, deren beiden Protagonisten dringende Probleme in ihrem Leben haben. Phil(odendron) ist ein Pixie, dessen ungewöhnliche Größe dafür sorgt, dass er nicht für die traditionellen Jobs eines Haus-und-Herd-Pixies engagiert wird, während der Werwolf Sed(rick) sich nach dem Tod seines Bruders und dessen Frau um seine Nichte Ruthie und seinen Neffen Dillon kümmern muss. Außerdem steckt Sed mitten in einem Sorgerechtsstreit, da der skrupellose Großvater der beiden Kinder das Testament der verstorbenen Eltern angefochten hat. Um zu beweisen, dass er sich gut um Dillon und Ruthie kümmert, empfielt Seds Anwalt ihm, einen Haus-und-Herd-Pixie zu engagieren. So dreht sich die Handlung in „Perfectly Imperfect Pixie“ vor allem darum, wie sich Phil und Sed um Dillon und Ruthie kümmern, Phil mit den diversen Herausforderungen rund um Seds Haushalt fertig wird und Sed sich mit all den Intrigen, die der Großvater der Kinder spinnt, auseinandersetzen muss. Ich mochte die verschiedenen Figuren, und das Ganze ist überraschend amüsant und wohltuend zu lesen. Natürlich gibt es immer wieder gefährliche Situationen, die durchgestanden werden müssen, aber da es recht schnell abzusehen ist, dass es für Sed und Phil (die sich am Ende endlich eingegestehen müssen, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben) gut ausgeht, haben diese Gefahren vor allem dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht zu zuckersüß wurde.

Alice Coldbreath: The Unlovely Bride (Brides of Karadok 2)

Über „The Unlovely Bride“ von Alice Coldbreath bin ich in einem YT-Video gestolpert. Nach dem Lesen der Leseprobe war ich mir ziemlich sicher, dass ich die Warnung der Autorin („Please do not purchase if you are offended by strong language and or sex scenes.“) ignorieren konnte und stattdessen viel Spaß mit der Liebesgeschichte haben würde. Die Handlung dreht sich um Lenora, deren gefeierte Schönheit nach einer Pocken-Erkrankung verschwunden ist, und um Garman, der bei jedem Turnier den Preis des unbeliebtesten Ritters gewinnen könnte. Da selbst Lenoras Eltern der Meinung sind, dass sie ohne ihre ehemalige Makellosigkeit besser an ihrer Krankheit verstorben wäre, bietet Lenora Garman an, dass er über ihre großzügige Mitgift verfügen kann, wenn er mit ihr durchbrennt. Von Anfang an ist klar, dass Garman eigentlich ein netter – wenn auch etwas ungehobelter – Kerl ist, und ich fand es sehr schön zu verfolgen, wie er und Lenora sich besser kennenlernen. Ich muss zugeben, dass ich eine etwas weniger derbe Ausdrucksweise von seiner Seite bevorzugt hätte, aber nichts davon war so irritierend, dass es mich beim Lesen wirklich gestört hätte. Stattdessen habe ich mit Vergnügen verfolgt, wie Lenora nach dem Verlust ihrer Schönheit entdeckt, dass sie eine ziemlich willenstarke und einfallsreiche Person ist, der es Freude bereitet, sich für andere einzusetzen. Garman hingegen muss ziemlich schnell mit der Erkenntnis fertigwerden, dass er sich Hals über Kopf in seine Frau verliebt hat, obwohl das doch so gar nicht in seine Pläne passt. Das war sehr süß und amüsant zu lesen, und ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft noch weitere Titel der „Brides of Karadok“-Reihe ausprobieren werde.

C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)

Im August habe ich mit „Soulstar“ endlich auch den dritten Band des Kingston-Cycle gelesen. Dieser Teil gefiel mir deutlich besser als „Stormsong“, weil trotz aller bedrückenden Ereignisse so viele Personen vorkamen, die sich für eine gerechtere Gesellschaft engagierten. Außerdem mochte ich die Perspektive von Robin, die in den vorhergehenden Büchern zwar als sympathische Nebenfigur vorkam, von deren Leben aber bislang nicht sehr viel erzählt worden war. Insgesamt war dieser Roman ein wirklich befriedigender Abschluss für die Trilogie – und trotzdem überlege ich, ob ich die drei Bücher aussortieren soll. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich die Romane noch einmal lesen möchte, weil der zweite Teil für mich so unfassbar frustrierend beim Lesen war. Für die Trilogie-übergreifende Handlung waren all diese frustrierenden Elemente gut und richtig (wenn ich von dieser einen offensichtlichen und ärgerlichen Auflösung eines bestimmten Aspekts absehe). Aber obwohl ich die Figuren und die Welt sehr mochte und definitiv der Meinung bin, dass C. L. Polk sehr gut darin ist, ihren Geschichten Leben einzuhauchen, schrecke ich momentan bei der Vorstellung zurück, „Stormsong“ noch einmal zu lesen. Wenn ich den zweiten Band des Kingston Cycle aber nicht noch einmal lesen möchte, dann muss ich „Witchmark“ und „Soulstar“ eigentlich auch nicht im Regal stehen lassen, obwohl sie mir wirklich gut gefallen haben.

Dominique Valente: Witchspark

Nachdem ich schon die „Starfell“-Bücher von Dominique Valente sehr genossen hatte, hatte ich mir natürlich auch den aktuellsten Titel der Autorin vorbestellt. „Witchspark“ ist der Auftakt einer neuen Reihe und spielt in einem alternativen (fantastischen) Großbritannien im Jahr 1833. Nachdem einem Erdbeben vor ungefähr 100 Jahren sogenannte isle-sparks freisetzte, entwickelte ungefähr die Hälfte der Bevölkerung der britischen Inseln die Fähigkeit, Magie zu wirken. Das hat nicht nur zu einigen gesellschaftlichen Veränderungen – wie z. B. mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und weniger Rassismus – geführt, sondern die isle-sparks erweckten auch noch einige mystische Kreaturen (und magische Häuser) zum Leben. In dieser Welt leben die beiden Protagonistinnen, aus deren Sicht die Handlung von „Witchspark“ erzählt wird.

Auf der einen Seite ist da die zwölfjährige Lady Eglantine Bury, die gemeinsam mit ihrem Vater und dem Wyvern-Butler Arthur in dem magischen Haus Huswyvern lebt und die befürchten muss, dass ihr Mangel an Magie dafür sorgen wird, dass sie Huswyvern verliert. Auf der anderen Seite droht der vierzehnjährigen Prinzessin Victoria der Verlust der Krone, wenn bekannt würde, dass sie über Magie verfügt, die sie nicht kontrollieren kann. Denn nach einem Vorfall mit einem von Victorias Vorfahren hatte das Parlament ein Gesetz erlassen, das bestimmt, dass kein Mitglied der königlichen Familie jemals wieder über Magie verfügen darf.

Beide Mädchen sind so verzweifelt, dass sie auf eine Anzeige für den postalischen Hexenkurs von Miss Hegotty reagieren, in dem vollen Bewusstsein, dass dieser Kurs ganz oben auf der Liste mit von der Regierung gebannter Magie steht. Ich muss zugeben, ich liebe die Anzeige für Miss Hegottys Kurs (ebenso wie die vielen wunderbaren Illustrationen von Eleonora Asparuhova in den verschiedenen Kapiteln).

Ich weiß nicht, wie Dominique Valente es jedes Mal schafft, aber ich habe jede einzelne Seite von „Witchspark“ genossen. Mir sind Victoria (und ihr Stallbursche Eoin) ebenso ans Herz gewachsen wie Eglantine, ihr Butler Arthur und ihr großartiges Haus Huswyvern. Ich habe mich bei all den kleinen und größeren Katastrophen im Leben der beiden Protagonistinnen hervorragend amüsiert, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass für beide Mädchen sehr viel auf dem Spiel steht. Es gab so viele fantastische Ideen rund um die Magie in dieser Welt, die der ganzen Geschichte einen frischen Anstrich gaben, obwohl die Grundidee ehrlich gesagt nicht so ungewöhnlich ist. Aber gerade diese Mischung aus Vertrautem und Überraschenden hat dafür gesorgt, dass ich mich mit dem Roman so wohl gefühlt habe.

Mir gefiel auch die Tatsache, dass Eglantine und Victoria zwei vollkommen gegensätzliche Gründe haben, um sich in Miss Hagottys Kurs einzuschreiben. So war es Dominique Valente möglich, die verschiedenen Gefahren, die mit einem Mangel an Kontrolle über die Magie einhergehen, oder eben die Herausforderungen, die das Fehlen von Magie für eine Person in einer magisch geprägten Gesellschaft mit sich bringen, darzustellen. Doch vor allem waren es die vielen sympathischen Charaktere (zu denen definitiv auch das magische Haus Huswyvern gehört!), die dafür gesorgt haben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Gerade Eglantine, die schon von klein auf gelernt hat, dass sie besonders hartnäckig sein muss, um Dinge zu erreichen, die anderen Personen deutlich leichter fallen, ist eine wunderbare Protagonistin.

Die Beziehung zwischen Eglantine und Arthur ist, ebenso wie die zwischen ihr und Huswyvern, wirklich herzerwärmend. Und bei Victoria war es wunderbar zu verfolgen, wie all die Aufgaben, die mit Miss Hegottys Kurs einhergehen, dafür sorgen, dass die junge Prinzessin eine Menge Einfallsreichtum beweisen muss. Lustigerweise ist eine der für mich wichtigsten Figuren in der Geschichte Miss Hegotty, obwohl sie (fast) ausschließlich in ihren Briefen zu Wort kommt. Aber ihr Optimismus, ihr Vertrauen in ihre Schülerinnen und ihre ermutigenden Worte an Eglantine und Victoria zeugen von einer wunderbaren Lehrerin, und ich hoffe, dass sie im nächsten Band einen größeren Teil der Handlung einnimmt. Das Einzige, worüber ich mich nach dem Lesen von „Witchspark“ beschweren kann, ist, dass ich keinerlei Informationen zum Erscheinungstermin der Fortsetzung finden kann. 😉

Lese-Eindrücke Januar 2025

Hier sind wieder die Lese-Eindrücke zu den Büchern, zu denen ich wenigstens ein bisschen was schreiben wollte. Das betrifft im Januar den Großteil der Romane, die ich gelesen habe. *g*

Celia Lake: Complementary

„Complementary“ war der erste Roman, zu dem ich in diesem Jahr gegriffen habe. Celia Lakes Geschichten mochte ich bislang alle, und so war es auch mit diesem Titel. Die Handlung spielt 1910 in einer fantastischen Variante von Großbritannien und dreht sich um zwei Frauen, die im Auftrag der Wache in einer nicht-magischen Künstler-Gemeinschaft nach einem magischen Objekt suchen. Dabei ist Elizabeth ein offizielles Mitglied der Wache (und arbeitet als eine Art magische Spurensucherin), während Rosemary eine Hebamme mit Heilmagie ist.

Ich fand es reizvoll, mal eine Geschichte von Celia Lake zu lesen, in der die Protagonistinnen unter allen Umständen vermeiden müssen, dass jemand herausfindet, dass Magie existiert – während sie natürlich gleichzeitig Magie einsetzen müssen, um ihren Auftrag erledingen zu können … Außerdem habe ich wirklich gern verfolgt, wie Elizabeth (die ich schon aus anderen Romanen kannte) und Rosemary einander näherkamen. Das war eine sehr schöne Liebesgeschichte zwischen zwei Personen, die schon etwas älter und lebenserfahrener sind. Mir gefiel es auch sehr, dass beide Frauen nach einer ersten Annäherung erst einmal jede für sich überlegen mussten, ob sie bereit sind, ihren behaglichen Alltag so weit umzukrempeln, dass eine andere Person darin Platz findet.

Celia Lake: Bound to Perdition (Mysterious Arts 1)

Da ich nach „Complementary“ weiter Lust auf Celia Lake hatte, habe ich mir (für ganze 95 Cent) noch den Roman „Bound to Perdition“ gegönnt. Die Geschichte spielt 1917 und dreht sich vor allem um die Vorgänge in einer magischen Forschungseinrichtung der Regierung. Die Protagonistin Lynet ist Buchbinder-Meisterin und hat den Auftrag, ein magischen Journal zu entwickeln, das sich in größeren Mengen herstellen lässt. Diese Journale sollen u. a. die zeitnahe und direkte Kommunikation mit der Front ermöglichen, was für den Kriegsverlauf eine entscheidende Wende bringen könnte. Umso mehr verwirrt es Lynet, dass ihr von allen Seiten Hindernisse in den Weg gelegt werden. Einzig ihr Assistent Reggie (der aufgrund einer Verletzung nicht mehr an die Front zurückkehren kann) scheint kein Problem damit zu haben, dass sie einen Handwerks-Hintergrund hat, während er gleichzeitig ihre Arbeit genauso wichtig nimmt, wie sie es tut.

Ich fand es spannend, mal eine (Liebes-)Geschichte zu lesen, die sich mit den Problemen rund um Materialbeschaffung, Forschung und Ethik in Kriegszeiten beschäftigt. Reggies Teil der Handlung zeigt immer wieder, wie sehr Krieg einen Menschen (und seine Prioritäten) verändern kann, während Lynets Perspektive mich – stellvertretend für ihre Figur – häufig frustrierte. Trotzdem mochte ich, wie die Autorin mit den vielen verschiedenen „herausfordernden“ Themen umgegangen ist. Ich habe auch hier die Charaktere sehr schnell ins Herz geschlossen und ich habe es ungemein genossen, so viele Passagen rund ums Buchbinden und die damit verbundenen Techniken zu lesen.

Kat Richardson: Storm Waters

Von Kat Richardson hatte ich die Greywalker-Reihe wirklich gern gelesen, und so habe ich mich sehr gefreut, als ein neuer Roman der Autorin angekündigt wurde. „Storm Waters“ ist eine „noir urban fantasy“-Geschichte, die im Jahr 1934 in Hollywood beginnt. Der Protagonist Marty Storm besitzt gemeinsam mit seinem Partner Peter eine Firma, die sich auf Frachtschifffahrt spezialisiert hat. In dieser Firma taucht zu Beginn der Handlung ein Geist auf, der behauptet, dass er der Kapitän eines untergegangenen Schiffs gewesen sei. Marty selbst verfügt über Wassermagie, und schnell steht fest, dass hinter der Geistererscheinung etwas Größeres steckt – etwas, das dazu führt, dass er sich mit der Familie seiner Mutter in New Orleans auseinandersetzen muss.

Der Erzählton der Geschichte war anfangs wirklich sehr faszinierend, denn Kat Richardson gelingt es erstaunlich gut, die Atmosphäre eines klassischen Privatdetektiv-Romans heraufzubeschwören. Aber in der Mitte des Buchs – als sich die Handlung von Los Angeles wegbewegt – hat mich die Autorin trotzdem eine Zeitlang verloren. Den Teil, der in der Nähe von New Orleans spielt, fand ich so unrund, dass ich das Buch Anfang Dezember zur Seite gelegt und erst Mitte Januar wieder in die Hand genommen habe (um dann erleichtert festzustellen, dass sich die Handlung wieder auf L.A. zubewegte). Am Ende bin ich etwas zwiegespalten, weil ich den Anfang und den Schluss eigentlich mochte, mich der Mittelteil aber so sehr rausgerissen hatte. Aber ich würde vermutlich einem weiteren Band um Marty Storm eine Chance geben, um zu schauen, ob der dann von Kat Richardson durchgehend stimmig geschrieben wurde.

Annie Bellet: Harper’s Tale (The Twenty-Sided Sorceress 7.5)

Ein relativ kurzes Buch, das ich über Kickstarter mitfinanziert hatte, weil ich die „Twenty-Sided Sorceress“-Geschichten der Autorin gern gelesen hatte. Außerdem wollte ich wissen, wie es der Protagonistin Harper nach einem bestimmten Ereignis in der Serie ergangen war. Dieser Roman spielt zwischen zwei Bänden der Haupthandlung und dreht sich um das Verschwinden (und die Ermordung) von Youtuberinnen. Das Ganze ist eine klassische Urban-Fantasy-Geschichte, bei der die Protagonistin während der Ermittlungen weniger davon profitiert, dass sie eine Fuchs-Gestaltwandlerin ist, als davon, dass sie einen Namen und Beziehungen in der Gamer*innen-Szene hat. Obwohl der/die Bösewicht/e im Prinzip beim ersten Auftritt schon offensichtlich war/en, habe ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. Wobei ich zugeben muss, dass Geschichten, die rund um Conventions, Videospiele und Cosplay spielen, von mir immer ein paar Sentimentalitäts-Bonuspunkte bekommen.

S. Usher Evans: Fiends and Festivals (The Weary Dragon Inn 2)

Der zweite Band der „The Weary Dragon Inn“-Reihe war genauso nett wie „Drinks and Sinkholes“. Neben den schon vertrauten Figuren gab es ein paar neue Besucher in Pigsend, und das große Ereignis war dieses Mal das Herbst-Festival inklusive der dazugehörigen unterschiedlichen Wettbewerbe, bei denen auch Personen aus anderen Orten mit ihren Erzeugnissen (oder Backwaren) antreten. Was bedeutet, dass Bev unbedingt herausfinden musste, wer das Festival sabotiert (und so vielleicht dafür sorgt, dass es zukünftig in den Nachbarort verlegt wird). Ich gebe zu, dass die Identität des Saboteurs von Anfang an wirklich offensichtlich war. Aber da ich keine Ahnung hatte, was das Motiv dieser Person sein könnte, und mich ansonsten gut genug mit den größeren und kleineren Katastrophen rund ums Festival unterhalten gefühlt habe, habe ich auch diesen Band wieder genossen.

Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe fortsetzen werde, wenn ich den dritten Teil, den ich schon als eBook besitze, gelesen habe. Die Geschichten sind halt nur „nett“ – aber ich bereue die Anschaffung definitiv nicht. Es ist angenehm, mal einen fantastischen cozy mystery zu lesen, bei dem es nicht um Mord geht und bei dem das Scheitern der „Ermittlerin“ eher ärgerlich als dramatisch wäre. Oh, und ich mochte den „Hund“, der Bev im Laufe der Geschichte zugelaufen ist. Magische Hunde sind doch immer nett, auch wenn die Protagonistin endlos lange benötigte, um herauszufinden (oder sich einzugestehen), dass Mr. Biscuit kein normaler Streuner ist. Die Tatsache, dass S. Usher Evans mir das Gefühl gibt, dass die Protagonistin die ganze Zeit mit Scheuklappen rumläuft und nur aufgrund ihrer Hartnäckigkeit irgendwann die Lösung des jeweiligen Rätsels findet, ist mein größter Kritikpunkt an den Geschichten. Aber solange mich der Rest der Handlung gut unterhält, kann ich damit leben.

Alice Bell: Grave Expectations

„Grave Expectations“ von Alice Bell hatte ich im vergangenen November zum Geburtstag geschenkt bekommen und dann auch direkt Anfang Dezember gelesen. Der Roman beginnt an einem Wochenende, an dem die Protagonistin Claire Hendricks den unterhaltsamen Teil für den Geburtstag der Urgroßmutter ihrer ehemaligen Kommilitonin Figgy Wellington-Forge beisteuern soll. Genau genommen soll Claire, die seit Jahren als Medium arbeitet, am Abend von Nanas Geburtstag im großen Familien- und Freundeskreis eine Seance abhalten. Leider kommt es vor dem großen Tag zu einem Todesfall, weshalb die Feier abgesagt wird – allerdings erst, nachdem Claire in der Bibliothek einen Geist gesehen hat, der vor relativ kurzer Zeit gewaltsam ums Leben gekommen ist. Gemeinsam mit Figgys Bruder Sebastian „Basher“ Wellington-Forge (der ein Ex-Polizist ist), Alex (nicht-binäres jüngstes Mitglied der Wellington-Forge-Familie im Teenager-Alter) und Claires ältester Freundin Sophie (die leider vor einigen Jahren verstarb und deren Geist seitdem Claire begleitet) versucht das Medium, mehr über das Verbrechen herauszufinden.

„Grave Expectations“ bietet eine wirklich ungewöhnliche Mischung, was ich wirklich unterhaltsam zu lesen fand. Die Handlung spielt in unserer Zeit, aber trotzdem gelingt es Alice Bell, dass der Beginn der Geschichte, der im Herrenhaus der Wellington-Forges spielt, sich wie in einem Golden-Age-Mystery anfühlt (oder wie in einer frühen Inspector-Barnaby-Folge inklusive der eher überzogenen Humor-Elemente). So sorgen vor allem Claires Perspektive und ihre – von fast allen anderen Charakteren angezweifelte – Fähigkeit, Geister sehen zu können, dafür, dass sich dieser Roman von Anfang an von einem klassischen britischen Cozy Mystery unterscheidet. Claire fühlt sich verpflichtet herauszufinden, wer der Geist in der Bibliothek ist und wie diese Person ums Leben kam, während Alex und Basher sich aus Abenteuerlust (Alex) bzw. mit der Absicht, das Schlimmste für die Familie zu verhindern, (Basher) Claires Ermittlungen anschließen.

Neben dem stellenweise altmodischen Flair eines klassischen Kriminalromans, den absurd-amüsanten Momenten und den paranormalen Elementen gibt es immer wieder überraschend realistische Szenen, in denen Claire und die anderen bei ihren Ermittlungen daran scheitern, dass sie keine Befugnisse oder nicht genügend Ausgangsinformationen haben. Dazu kommen all die Hinweise auf Claires und Sophies gemeinsame Vergangenheit und darauf, wieso Sophie seit ihrem 17. Lebensjahr Claires ständige, geisterhafte Begleitung ist, welche ein bedrückendes Bild vom Schicksal der beiden Frauen zeichnen. All das hat dazu geführt, dass ich das Gefühl hatte, ich wäre bei der Auflösung des Kriminalfalls den Protagonisten weit voraus, ohne dass die Geschichte für mich weniger fesselnd geworden wäre. Stattdessen habe ich gespannt all die kleinen (und größeren) zwischenmenschlichen Elemente mitverfolgt.

Obwohl Basher die ganze Zeit skeptisch gegenüber Claire ist, entwickelt sich doch so etwas wie eine Freundschaft zwischen ihr, Alex und Basher – was eine Herausforderung ist, wenn eine Person davon ausgeht, dass die andere durchgehend lügt. Dann ist da noch die Beziehung zwischen Claire und Sophie, die vor Jahren beste Freundinnen waren und seitdem so gut wie jeden Tag gemeinsam verbracht haben – was nur umso deutlicher macht, dass nur eine von ihnen sich weiterentwickelt und altert, während die andere ein Teenager bleibt und keine Chance auf eine eigenständige Existenz hat. Außerdem gibt es immer wieder Szenen innerhalb der Wellington-Forge-Familie, die (auch wenn die Charaktere stellenweise etwas arg klischeehaft gestaltet wurden) zeigen, dass Familien eine komplizierte Angelegenheit sein können und dass einander sehr gut zu kennen nicht bedeutet, dass es keinerlei Geheimnisse gibt.

Die einzigen kleinen Kritikpunkte, die ich an „Grave Expectations“ habe, sind auf der einen Seite ein sehr hemmungsloser Umgang mit Alkohol bei eigentlich allen Figuren (was ich persönlich nur ungern lese), und auf der anderen Seite das stellenweise etwas gemächliche Tempo. Letzteres kam mir beim Lesen an ein paar Stellen – gerade in der zweiten Hälfte – etwas zu schleppend vor. Aber im Nachhinein konnte ich verstehen, wieso die Autorin da die Handlung nicht etwas mehr gerafft hatte, weil diese überflüssig wirkenden ruhigeren Passagen wichtig für die weitere Entwicklung der Geschichte waren. Alles in allem habe ich mich am Ende wirklich gut unterhalten gefühlt mit „Grave Expectations“ und hoffe sehr, dass Alice Bell mit der schon erschienenen Fortsetzung „Displeasure Island“ einen ebenso unterhaltsamen Roman geschrieben hat, in dem ich mehr über Claire, Sophie, Basher und Alex und ihre gemeinsamen Bemühungen, Kriminalfälle zu lösen, erfahren kann.

Helenka Stachera: Fin and the Memory Curse

Nachdem „Fin and the Memory Curse“ von Helenka Stachera fast zwei Jahre auf meinem SuB lag, habe ich das Buch in diesem Oktober endlich gelesen. Dabei habe ich den Roman so sehr genossen, dass ich überlege, mir nun auch noch die Debütveröffentlichung („The Ice Whisperers“) der Autorin zu besorgen, obwohl Eiszeit-Geschichten mich – selbst wenn sie fantastisch sind – wenig interessieren. „Fin and the Memory Curse“ spielt im Jahr 1866 und wird aus der Perspektive von Fin erzählt, die vor elf Jahren in Zeitungspapier eingewickelt und in der Gesellschaft eines Jack Russell Terriers auf den Stufen von Ma Stump gefunden wurde. Gemeinsam mit zwei weiteren Waisenkindern (George und Snot) wird sie von Ma Stump aufgezogen und lernt schnell, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Als sie eines Tages Blutegel, die sie frisch für einen Apotheker gefangen hat, abliefern soll, begegnet sie Lady Worth, die in Fin ihre verloren geglaubte Nichte Magdalena Kaminski erkennt.

So findet sich Fin von einem Tag auf den anderen in einem Schloss am Rande des Marschlands wieder und muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sie von einer adeligen polnischen Familie abstammt, die vor ca. 25 Jahren in England Fuß gefasst hat. Es ist nicht so ganz einfach für Fin, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, obwohl ihre Cousine Emily und ihr – gerade erst aus Polen angereister – Cousin Eryk wirklich nett zu sein scheinen. Aber ihre Tante Lady Worth ist eine kühle und abweisende Person, die in allen Belangen auf den unheimlichen Arzt Doktor Hunt hört, und dann ist da noch der Fluch, der seit Jahrhunderten auf der Familie liegt. Was den Fluch – und eventuellen Schutz davor – angeht, so will ich nicht zu viel verraten, aber Helenka Stachera hat sich dafür von den Legenden ihres polnischen Vaters inspirieren lassen.

So lernt Fin eine Menge von ihrem Cousin Eryk über die wahre Natur des Fluchs, die Personen, die damit verbunden sind, und all die Schutzmaßnahmen, die in seinem polnischen Dorf gegen solch ein übernatürliches Böse angewandt wurden. Ich mochte diese unheimlichen Elemente in der Geschichte sehr, aber noch mehr mochte ich es, wie Fin sich damit auseinandersetzt. Sie verspürt anfangs verständlicherweise keinerlei Loyalität gegenüber einer Familie, die sie nicht kennt, während sie sich gleichzeitig nach der – nicht immer gewaltfreien, aber immerhin vertrauten – Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, sehnt. Doch die Freundschaft, die zwischen Fin, Eryk und Emily entsteht, und die Erkenntnis, dass dieser Fluch nicht nur in der Vergangenheit schon so viel Unglück verursacht hat, sondern auch in Zukunft Personen darunter leiden werden, wenn nicht jemand dem Ganzen ein Ende bereitet, sorgen bei Fin für überraschend große Motivation, gegen diesen Fluch vorzugehen. Und Fin ist – gerade weil sie nicht von der seit langer Zeit in der Familie der Kaminskis verbreitenden Legende beeinflusst wurde – genau die richtige Person, um den Fluch zu brechen.

Es ist nicht einfach für Fin, sich in ihrer neuen Familie zurechtzufinden, aber ich habe gern verfolgt, wie sie die verschiedenen Familienmitglieder kennenlernte und für sich herausfand, wer nicht nur vertrauenswürdig ist, sondern mit wem sie auch in Zukunft verbunden sein will. Außerdem gefiel es mir, dass Fin zwar den Kaminskis eine Chance geben will, aber nicht das Gefühl hat, sie müsse dankbar sein oder sich gar vollständig verstellen, um den Erwartungen von Lady Worth gerecht zu werden. Dabei hat Helenka Stachera ein wirklich gutes Händchen für all die kleinen Dinge, die für Fin zu überwältigend sind, während sie die ersten Tage im Haus ihrer Familie verbringt. Fin hat keine einfache Vergangenheit, und sie sieht nicht ein, dass sie sich dafür schämen soll. All das hat dafür gesorgt, dass ich ihre Perspektive wirklich gern verfolgt habe. „Fin and the Memory Curse“ ist ein wunderbar atmosphärischer Roman voller unheimlicher Elemente und Bedrohungen und voller sympathischer Charaktere, die ihr Bestes geben, um die Personen in ihrem Umfeld zu beschützen – und er hat mir einfach Spaß gemacht.

Hilary McKay: The Time of Green Magic

Hilary McKay gehört zu den Autor*innen, über die ich immer wieder stolpere und von denen ich auch den einen oder anderen Titel interessant finde, die dann aber aus irgendeinem Grund auf der Merkliste versauern. Zumindest war das so, bis ich über „The Time of Green Magic“ gestolpert bin, das ich dann auch – nach gerade mal drei Jahren auf dem SuB – in diesem Sommer gelesen habe. (Nur gut, dass ich inzwischen versuche, meine Neuzugänge zeitnäher zu lesen. Wenn es jetzt noch mit dem zeitnahen Rezensieren klappen würde …) „The Time of Green Magic“ ist eigentlich die perfekte Geschichte für den Spätherbst, falls ihr dafür noch ein Kinderbuch mit einem Hauch von Magie suchen solltet. Die Handlung wird aus der Perspektive der elfjährigen Abi erzählt, deren Leben in den vergangenen Monaten ziemlich auf den Kopf gestellt wurde, nachdem ihr verwitweter Vater Theo sich verliebt und erneut geheiratet hat.

Abis geliebte Granny Grace nahm diese Heirat zum Anlass, um nach all den Jahren, die sie sich in London um ihre Enkelin gekümmert hat, nach Jamaika zu reisen, während Abi und ihr Vater nach der Hochzeit mit seiner neuen Frau Polly und ihren beiden Söhnen Max (13 Jahre) und Louis (6 Jahre) in ein gemeinsames Haus ziehen und sich alle erst einmal an die veränderten Umstände gewöhnen müssen. Schnell stellen Abi und Louis fest, dass etwas an dem kleinen efeu-überwachsenen Haus ungewöhnlich ist: Abi hat zwar schon immer in Büchern eine Zuflucht vor der realen Welt gefunden, aber noch nie zuvor haben sich die Ereignisse in den Geschichten so real angefühlt. Für Louis hingegen bietet der Einzug in das neuen Haus die Gelegenheit, sich mit einem ganz besonderen vierbeinigen Besucher anzufreunden. Doch als dieser Freund immer größer wird, müssen sich Abi und Max zusammentun, um Louis vor seinem mysteriöse Besucher zu beschützen.

Hilary McKay nimmt sich in „The Time of Green Magic“ viel Zeit, um die verschiedenen Figuren und ihre Reaktion auf die neuen Familienverhältnisse zu beschreiben. Während Theo und Polly mit viel Optimismus an die Sache herangehen und dabei schon mal übersehen, welche Herausforderungen das Leben in einer Patchwork-Familie für die Kinder mit sich bringt, müssen die Kinder sich erst einmal gut genug kennenlernen, um herauszufinden, wie sie überhaupt in diese neue Familie passen. Dabei ziehen sich die ganze Zeit über kleine Elemente durch die Handlung, bei denen lange Zeit nicht ganz sicher ist, ob sie auf die Fantasie der Kinder oder auf einen Hauch von Magie zurückzuführen sind. Ich persönlich mochte diese Mischung aus fantastischen und realen Momenten, mit denen sich Abi, Louis und (später auch) Max auseinander setzen müssen.

Dabei muss ich zugeben, dass sich „The Time of Green Magic“ beim Lesen überraschend vertraut angefühlt hat und mich immer wieder an (britische) Kinderbuchklassiker erinnert hat, die ich als Kind gelesen habe. Obwohl die Handlung in der aktuelle Zeit spielt, fühlt sich die Geschichte mit ihrem Schwerpunkt auf dem Verhältnis der Kinder zueinander und dem Mangel an Erklärungen rund um die fantastischen Ereignisse überraschend altmodisch an und erinnerte mich immer wieder an Geschichten von Edith Nesbit. Ich fand das anfangs ziemlich überraschend, habe es aber genossen, über so eine ungewöhnliche Mischung aus „traditionellen fantastischen Kinderbuch-Elementen“ und modernen, chaotischen Familienverhältnissen inklusive all der Herausforderungen, die das für Abi, Louis und Max mit sich bringt, zu stolpern.

So dreht sich die Handlung eben nicht nur um die ungewöhnlichen Ereignisse in dem neuen Haus, sondern auch darum, dass Abi ihre Großmutter vermisst und es ihr schwerfällt, ihren Vater mit den neuen Familienmitgliedern zu teilen. Auch für Louis, der anfangs derjenige zu sein scheint, der am besten mit der neuen Situation klarkommt, gibt es so einige Herausforderungen, während Max nicht nur damit kämpft, dass er nun Teil einer Patchwork-Familie ist, sondern auch mit dem ersten Verliebtsein und einem ernsthaften Streit mit seinem besten Freund. Das alles führt dazu, dass in Hillary McKays „The Time of Green Magic“ gar nicht so viel Großes und Dramatisches passiert, aber all die kleinen Wendungen dafür sorgten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte und immer wieder noch ein paar Seiten gelesen habe, um herauszufinden, wie eine Situation für die Figuren ausgeht.

Natania Barron: Netherford Hall (Love in Netherford 1)

Der Klappentext für „Netherford Hall“ beginnt mit dem Satz „Pride and Prejudice and Witches“, und während ich Geschichten mit Hexen grundsätzlich mag, so habe ich doch inzwischen festgestellt, dass Jane-Austen-Neuerzählungen normalerweise nicht mein Ding sind. Deshalb habe ich mir von diesem Roman von Natania Barron erst einmal die Leseprobe angeschaut – nur um dann innerhalb von nicht einmal 24 Stunden die gesamten 350 Seiten zu verschlingen. „Netherford Hall“ ist eine überraschende Mischung aus gemütlichen und unheimlichen Elementen. Die ersten 2/3 der Geschichte verlaufen relativ gemächlich, während die verschiedenen Personen und ihre Hintergründe vorgestellt werden. Aber obwohl in diesem Teil relativ wenig zu passieren scheint, gibt es so viele kleine zwischenmenschliche Szenen und so viele Andeutungen von Bedrohungen, dass es definitiv nie langweilig wird.

Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Perspektive der beiden Protagonistinnen Poppy Brightwell und Edith Rookwood (wobei einige Kapitel auch aus der Sicht von Ediths Onkel erzählt werden). Poppy hat den Großteil ihres Lebens mit ihrer Familie in Netherford verbracht, nachdem ihre Eltern vor fünfzehn Jahren Harrow House von den Rookwoods gemietet haben. In all diesen Jahren stand der Herrensitz, zu dem Harrow House gehört, leer, da die Rookwood-Hexen lieber in London als auf ihrem angestammten Familiensitz lebten. Doch nach einem tragischen Brand im Stadthaus der Rookwoods, bei dem der Großteil der Familie (ebenso wie alle Bediensteten) ums Leben kam, kehrt Edith Rookwood gemeinsam mit ihrem Onkel Auden Garcliffe und ihrem Cousin Henry nach Netherford Hall zurück.

It is a truth universally acknowledged that a young gentlewitch, in possesion of great magical acumen and significant landholdings, ist rarely in want of a wife. Yet that was not so for Edith Rookwood, Gentlewitch of Netherford Hall. (Seite 7)

So vertraut wie dieses Zitat fühlt sich auch der restliche Anfang von „Netherford Hall“ an. Es gibt eine verarmte Familie von Stand, deren älteste Tochter (Viola) hübsch und beliebt ist, während die jüngere Tochter (Poppy) eher eigenwillig ist. Dazu kommt eine Gentlewitch (Edith), die neu in der Gegend ist und erst einmal all die üblichen Einladungen und ähnlichen gesellschaftlichen Herausforderungen hinter sich bringen muss. Und ja, Edith und Poppy fühlen sich relativ schnell zueinander hingezogen, aber natürlich ist es nicht so einfach, wenn beider Leben voller Herausforderungen, Geheimnisse, Magie und Flüche steckt. Edith ist so gar nicht auf die Rolle vorbereitet, die sie als neues Oberhaupt der Familie und Verantwortliche für Netherford Hall und den dazugehörigen Ort Netherford erwartet. Außerdem beschäftigt sie immer noch die Frage nach der Ursache des Feuers, bei dem ihre Familie ums Leben kam, und dann ist da noch der erschütternde Zustand des Herrenhauses, in dem Edith von jetzt an wohnen wird.

Ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie Edith mehr über sich, ihre Familie und die (magischen) Eigenheiten von Netherford (und Netherford Hall) herausfindet. Ebenso wie Edith muss auch Poppy – die anfangs den Eindruck vermittelt, sie wüsste genau, wo sie im Leben steht – im Laufe der Geschichte immer wieder feststellen, wie wenig sie doch über ihre eigene Vergangenheit und ihre Familie weiß. So spielt die Liebesgeschichte zwischen diesen beiden Figuren zwar eine relevante Rolle in der Handlung, für mich bleiben aber nach dem Lesen vor allem all die fantastischen Elemente, die Natania Barron in ihren Roman eigenflochten hat, präsent. Ich musste mich erst einmal auf eine Gesellschaft einlassen, in der es neben dem „üblichen“ britischen Adel auch noch die Coven der Gentlewitches gibt, nur um dann wieder davon überrascht zu werden, dass es in dieser Welt auch noch Vampire, Werwölfe und (theoretisch) Feen gibt. Aber ich fand es faszinierend, mehr darüberherauszufinden und zu sehen, wie die verschiedenen Figuren in dieser Welt (und in der Handlung) ihren Platz finden.

Es ist wirklich überraschend herausfordernd, in Worte zu fassen, was mich an „Netherford Hall“ so gut unterhalten hat. Ich mochte die vielen verschiedenen Figuren und ihre vielen Facetten, ich mochte die magischen Elemente, die Interaktionen der vielen Charaktere miteinander und diese Mischung aus gemütlich und unheimlich. Außerdem gab es so viele unvorhersehbare Wendungen, dass ich selbst bei den Punkten, bei denen ich die Auflösung eines „Rätsels“ vorhersehen konnte, dann von den damit einhergehenden Konsequenzen immer wieder überrascht wurde. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, noch mehr von Natania Barron und zukünftigen Ereignissen rund um Netherford zu lesen. Außerdem überlege ich – trotz meiner Abneigung gegenüber „Arthurian Fantasy Romance“ – einen Blick in die „The Queen of Fate“-Trilogie der Autorin zu werfen, die sich um König Arthurs Schwester Anna dreht.

Lucy Strange: The Secret of the Nightingale Wood

Nachdem ich vor 3 1/2 Jahren (wieso ist das schon wieder so lange her?!) „The Ghost of Gosswater“ von Lucy Strange gelesen hatte, wollte ich unbedingt noch mehr von der Autorin lesen – was dazu geführt hat, dass ich Anfang des Monats „The Secret of the Nightingale Wood“ vom SuB gefischt habe. Das Buch spielt kurz nach dem Ersten Weltkrieg in Großbritannien und wird aus der Perspektive der elfjährigen Henry (Henrietta) erzählt. Von Anfang an steht fest, dass ein Vorfall rund um ihren älteren Brüder Robert Henrys Familie zutiefst erschüttert hat und dass ihr Vater deshalb mit der gesamte Familie von London in ein kleines Haus an der Küste gezogen ist. Doch der Umzug allein macht natürlich nicht alles wieder gut, und so verbringt Henry einen ziemlich einsamen Sommer, in dem sie keinen Kontakt mit ihrer kranken Mutter hat, ihr Vater beruflich im Ausland ist und sich Nanny Jane vor allem um Henrys Mutter und das Baby (mit dem Spitznamen „Piglet“) kümmert.

Es gibt viele Passagen in „The Secret of the Nightingale Wood“, die sich nach klassischen britischen Kinderbüchern anfühlen, wie zum Beispiel die Momente, in denen Henry das unvertraute Haus oder den angrenzenden Wald hinter dem Grundstück erkundet. Sie lernt so einige neue Menschen kennen, und während manche davon liebenswert skurril oder vertrauenserweckend sind, gibt es doch auch immer wieder Personen, die Henry Angst machen. Das sorgt für viele Momente, die wunderschön und heimelig zu lesen sind, ohne einen vergessen zu lassen, dass die grundsätzliche Stimmung in dieser Geschichte deutlich weniger entspannt ist. Denn neben all den altmodisch-gemütlichen Beschreibungen gibt es noch die Elemente, die auf diese Weise definitiv nicht in Kinderbuchklassikern angesprochen werden. So steht von Anfang an steht fest, dass Henrys Familie um ihren Bruder Robert trauert, auch wenn nicht genau gesagt wird, was mit ihm passiert ist.

Diese Trauer hat Henrys Mutter krank gemacht, auch wenn das Mädchen nicht genau versteht, was mit ihrer Mutter passiert. Was ihr hingegen nur zu bewusst ist, ist, dass der Arzt, der ihre Mutter behandelt, keine Person ist, der das Wohl ihrer Patient*innen am Herz liegt. Stattdessen scheint dieser Arzt davon fasziniert zu sein, dass er endlich eine Möglichkeit hat, „weibliche Hysterie“ zu erforschen. Was ich – als erwachsene Person, die genau weiß, was diese Art von „Forschung“ zu dieser Zeit beinhaltete – beim Lesen mindestens ebenso beängstigend fand wie Henry. Dazu gibt es noch einige Nebenstränge, die sich zum Beispiel um eine rätselhafte Frau im (titelgebenden) Wald drehen oder um ehemalige Soldaten, die im Krieg Verletzungen davon getragen haben. Zu viel will ich hier nicht verraten, denn ich fand es wirklich reizvoll, all diese Dinge aus Henrys Sicht zu erleben.

Henry ist eine wundervolle Protagonistin, die mit viel Fantasie und Mut versucht, ihre zerbrechende Familie zusammenzuhalten und ihre Mutter zu beschützen. Sie hat nicht immer die klügsten Ideen, aber gerade das führt regelmäßig zu unterhaltsamen Szenen, die einen Ausgleich zu den eher düsteren Passagen bilden. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich es herzzerreißend fand, diesen Roman zu lesen, und immer wieder Pausen benötigte, weil ich mit all diesen Charakteren so mitgelitten habe. Für mich als erwachsene Leserin waren einige Elemente in der Geschichte wirklich schwer zu ertragen, was definitiv daran lag, dass ich eben über mehr Wissen verfügte als Henry (oder die 10- bis 12jährige Zielgruppe des Romans). Trotzdem kann ich im Nachhinein sagen, dass ich das Lesen von „The Secret of the Nightingale Wood“ genossen habe und dass so einige Szenen immer noch in mir nachklingen – weshalb ich mir inzwischen den Roman „Sisters of the Lost Marsh“ von Lucy Strange bestellt habe (dessen Inhaltsbeschreibung nach einem wunderbar gruseligem Herbstlesebuch klingt).

Celia Lake: Pastiche (Charms of Albion 1)/Mysterious Charm 0.5 bis 7

Eigentlich hatte ich diesen Text als Teil meiner Lese-Eindrücke für den August geschrieben, aber dann wurde er so lang, dass ich ihn doch lieber in einem extra Beitrag veröffentliche:

„Pastiche“ war eins der ersten eBooks, die ich mir in diesem Jahr auf den eReader geladen hatte, und es war das Buch, das im August dafür gesorgt hat, dass ich danach in acht Tagen acht (neu angeschaffte) Bücher gelesen habe. Genau genommen habe ich im Anschluss die vollständige Mysterious-Charm-Reihe*Titel der Reihe der Autorin gelesen, weil ich nach diesem ersten Roman der „Charms of Albion“-Reihe wissen wollte, ob mir anderen Bücher von Celia Lake auch gefallen würden. Da es den ersten Band der „Mysterious Charm“-Reihe umsonst herunterzuladen (und die Vorgeschichte als Bonus für Newsletter-Abonnenten) gab, habe ich die also ausprobiert – und dann konnte ich nicht aufhören, weiterzulesen. Ich weiß nicht, ob mich die Geschichten der Autorin auch so gepackt hätten, wenn ich nicht in der Zeit so übermüdet und so verzweifelt auf der Suche nach entspannenden Romanen gewesen wäre. Aber für diesen Zustand waren sie einfach perfekt, und ich bin wild entschlossen, irgendwann noch weitere Reihen von Celia Lake zu lesen. Die Autorin schreibt Liebesgeschichten, die in Albion spielen, einer magischen Parallelgesellschaft innerhalb unserer unmagischen Welt – genau genommen im britischen Teil dieser Welt zwischen den Jahren 1880 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Einige ihre Figuren sind traumatisiert, verletzt oder behindert, und die Geschichten scheuen definitiv nicht vor all den Herausforderungen und Ungerechtigkeiten zurück, die damit einhergehen. Es gibt auf der Homepage von Celia Lake zu jeder ihrer Geschichten Content Warnings, damit jede/r Leser*in selbst entscheiden kann, ob bestimmte Themen lieber gemieden werden. Trotz dieser ernsthaften Elemente würde ich die bislang gelesenen Geschichten als „cozy“ bezeichnen, da es in der Regel darum geht, dass Personen – häufig mit sehr unterschiedlichen Hintergründen – zusammenfinden, um gemeinsam Probleme zu bewältigen. Keines dieser Probleme entsteht dadurch, dass diese Charaktere nicht miteinander reden (im Gegenteil, es gibt wirklich viel Austausch zwischen den Figuren, was ich sehr wohltuend fand) und am Ende sind in der Regel nicht nur diese Probleme gelöst, sondern diese fantastische Welt ist dadurch sogar ein kleines Stückchen besser geworden. Mir gefällt es auch, dass die Geschichten (mehr oder weniger) lose miteinander verknüpft sind. Für die von mir gelesenen Romane benötigte ich kein Vorwissen, fand es aber angenehm, immer wieder auf Figuren zu treffen, die ich aus den schon gelesenen Büchern kannte.

Eine kleine „Warnung“ sollte ich zu den Büchern vermutlich mitgeben: Die Autorin ist Bibliothekarin, und das macht sich bemerkbar! Genau genommen bedeutet das, dass es so einige Passagen in den Geschichten gab, in denen Informationen zu den verschiedenen Themen auftauchten. Gut recherchierte und sehr ausführliche Informationen – was ich persönlich genossen habe, was aber nicht gerade für eine zügig voranschreitende Handlung sorgt. Die bislang von mir gelesenen Romane von Celia Lake hatten alle eine eher gemächlich erzählte Geschichte, und häufig wurde darauf verzichtet, einen potenziellen „Endkampf“ zu beschreiben. Stattdessen gab es dann einen Sprung zu einer Aufarbeitung der Ereignisse für alle beteiligten Figuren, die dafür sorgte, dass diee Charaktere dann (mehr oder weniger) unbehelligt von den vorherigen Ereignissen in die Zukunft schauen konnten. Für mich ist das definitiv in Ordnung, auch wenn ich zugeben muss, dass ich dieses Vorgehen beim ersten Mal überraschend fand. Aber ich vermute, dass das eine Erzählweise ist, die nicht jedem liegt …

* Mysterious-Charm-Reihe: 0.5 Ancient Trust (gibt es aktuell von der Autorin für ihre Newsletter-Abonnenten), 1. Outcrossing (zur Zeit kostenlos herunterladbar), 2. Goblin Fruit, 3. Magician’s Hoard, 4. Wards of the Roses, 5. In The Cards, 6. On the Bias, 7. Seven Sisters