Schlagwort: C. L. Polk

Lese-Eindrücke August 2025

Nachdem ich im Juni und Juli schon fast alle für den Sommer gekauften Celia-Lake-eBooks gelesen hatte, habe ich im August meine Abende mit einer etwas bunteren Mischung an Romanen verbracht. Was bedeutet, dass ich auch wieder so einige Lese-Eindrücke sammeln konnte …

Kara Buchanan: Magica Riot (Maidensong Magica 1)

„Magica Riot“ ist eine „magical girl“-Geschichte, die mich wirklich gut unterhalten hat. Die Handlung wird aus der Sicht von Claire Ryland erzählt, die nach einem aufregenden Abend – inklusive einer Schlägerei in einer Seitengasse – in die Band „Magica Riot“ aufgenommen wird. Doch „Magica Riot“ ist nicht nur eine Band, sondern auch Teil der „Starlight Alliance“, deren Kämpferinnen die Welt (oder – wie im Fall von „Magica Riot“ – die Stadt Portland) vor Monstern beschützen. Ich habe Claire gern dabei begleitet, wie sie sich mit den anderen Bandmitglieder angefreundet und mehr über ihre Aufgabe als magical girl gelernt hat. Die trans Keytar-Spielerin ist natürlich anfangs ziemlich überwältigt von all den Veränderungen in ihrem Leben, aber ich habe es wirklich genossen mitzuverfolgen wie Claire immer mehr zu sich selbst und ihren Platz zwischen den anderen vier magical girls findet. Der Roman ist mit etwas über 200 Seiten relativ kurz, verfügt aber über all die Elemente, die zu einer „magical girl“-Geschichte gehören. Das führte dazu, dass ich mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten gefühlt habe, sondern auch auf angenehme Weise an die diversen Manga und Anime erinnert wurde, die ich eigentlich mal wieder lesen/sehen könnte.

Becky Chambers: The Long Way to A Small Angry Planet (Wayfarers 1)

Nachdem ich „Monk & Robot“ von Becky Chambers so mochte, dachte ich, es wäre Zeit, auch die Wayfarers-Romane auszuprobieren. Auch diese Reihe gehört zu den Büchern, über die so viel gesprochen wurde, dass ich erst einmal Abstand vom Hype brauchte, um überhaupt Lust auf ein erstes Antesten zu haben. Als ich dann also endlich damit anfing, habe ich die Handlung rund um das Raumschiff Wayfarer und seine Crew sehr genossen. Beginnend mit der Ankunft des neusten Crewmitglieds Rosemary Harper, begleitet die Geschichte die Wayfarer auf ihrem Weg in eine erst kürzlich befriedete Zone – und auf der langen Reise gibt es viele Details rund um die verschiedenen Personen, ihre Vergangenheit und ihre Planeten zu entdecken. Das war – trotz der diversen Gefahren – wunderbar wohltuend zu lesen, und ich freue mich, dass ich noch vier weitere Bücher von Becky Chambers auf dem SuB habe. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich – aufgrund des Perspektiv- und Schauplatzwechsels – etwas Zeit zwischen den einzelnen Romanen benötige und deshalb „A Closed and Common Orbit“ nach einem ersten Anlesen erst einmal zur Seite gelegt habe. Mal schauen, ob ich im September damit weitermache …

Sharna Jackson: The Good Turn

Nachdem ich die „High Rise„-Mysteries von Sharna Jackson so mochte, hatte ich mir „The Good Turn“ direkt mit der Veröffentlichung im Mai 2022 gekauft. Bei einem ersten Anlesen bin ich dann aber nicht mit der Protagonistin Josie warm geworden, und so lag der Roman erst einmal eine Zeitlang auf meinem SuB. Nachdem ich „The Good Turn“ nun endlich zu Ende gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich die Geschichte zwar mochte, aber Josies Perspektive weiterhin ungern verfolgt habe. Sie entwickelt sich (natürlich) im Laufe des Buchs weiter, und grundsätzlich würde ich sagen, dass Josies Verhalten realistisch und nachvollziehbar für eine Elfjährige ist, aber ich habe sie – im Gegensatz zu den Figuren aus „High Rise“ – nicht so sehr ins Herz geschlossen. Von Josie abgesehen gab es aber so einiges, was ich an der Handlung genossen habe. So ist es zum Beispiel immer wieder beeindruckend, wie es Sharna Jackson gelingt, die liebenswerten Seiten einer heruntergekommenen Gegend zu beschreiben, ohne dabei jemals unrealistisch zu werden. Auch Josies – nicht immer einfache – Freundschaft zu Wallace und Margot, die beide in Josies Nachbarschaft leben, fand ich stimmig. Außerdem sind die Herausforderungen für die Kinder (wie Rassismus, Einwanderungspolitik, Armut, Überforderung eines alleinerziehenden Elternteils), die Sharna Jackson in „The Good Turn“ aufgreift, leider ziemlich aktuell und somit Dinge, die wohl so einige (nicht nur) jugendliche Leser*innen beschäftigen. Grundsätzlich bin ich also immer noch überzeugt von Sharna Jacksons Erzählweise, aber ich weiß nicht, ob ich noch weitere Romane aus Josies Perspektive lesen möchte.

M. J. May: Perfectly Imperfect Pixie (Perfect Pixie 1)

Von „Perfectly Imperfect Pixie“ hatte ich vor einiger Zeit eine Leseprobe gelesen, die ich wirklich nett fand. Und da ich während der heißesten Tage im August kaum etwas auf die Reihe bekommen habe, das anstrengender war, als meinen eReader zu halten, hatte ich auch Bedarf an neuen Romanen, die wenig Konzentrationsfähigkeit erforderten. „Perfectly Imperfect Pixie“ (der Titel ist schon etwas lästig zu tippen) ist eine süße Geschichte, deren beiden Protagonisten dringende Probleme in ihrem Leben haben. Phil(odendron) ist ein Pixie, dessen ungewöhnliche Größe dafür sorgt, dass er nicht für die traditionellen Jobs eines Haus-und-Herd-Pixies engagiert wird, während der Werwolf Sed(rick) sich nach dem Tod seines Bruders und dessen Frau um seine Nichte Ruthie und seinen Neffen Dillon kümmern muss. Außerdem steckt Sed mitten in einem Sorgerechtsstreit, da der skrupellose Großvater der beiden Kinder das Testament der verstorbenen Eltern angefochten hat. Um zu beweisen, dass er sich gut um Dillon und Ruthie kümmert, empfielt Seds Anwalt ihm, einen Haus-und-Herd-Pixie zu engagieren. So dreht sich die Handlung in „Perfectly Imperfect Pixie“ vor allem darum, wie sich Phil und Sed um Dillon und Ruthie kümmern, Phil mit den diversen Herausforderungen rund um Seds Haushalt fertig wird und Sed sich mit all den Intrigen, die der Großvater der Kinder spinnt, auseinandersetzen muss. Ich mochte die verschiedenen Figuren, und das Ganze ist überraschend amüsant und wohltuend zu lesen. Natürlich gibt es immer wieder gefährliche Situationen, die durchgestanden werden müssen, aber da es recht schnell abzusehen ist, dass es für Sed und Phil (die sich am Ende endlich eingegestehen müssen, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben) gut ausgeht, haben diese Gefahren vor allem dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht zu zuckersüß wurde.

Alice Coldbreath: The Unlovely Bride (Brides of Karadok 2)

Über „The Unlovely Bride“ von Alice Coldbreath bin ich in einem YT-Video gestolpert. Nach dem Lesen der Leseprobe war ich mir ziemlich sicher, dass ich die Warnung der Autorin („Please do not purchase if you are offended by strong language and or sex scenes.“) ignorieren konnte und stattdessen viel Spaß mit der Liebesgeschichte haben würde. Die Handlung dreht sich um Lenora, deren gefeierte Schönheit nach einer Pocken-Erkrankung verschwunden ist, und um Garman, der bei jedem Turnier den Preis des unbeliebtesten Ritters gewinnen könnte. Da selbst Lenoras Eltern der Meinung sind, dass sie ohne ihre ehemalige Makellosigkeit besser an ihrer Krankheit verstorben wäre, bietet Lenora Garman an, dass er über ihre großzügige Mitgift verfügen kann, wenn er mit ihr durchbrennt. Von Anfang an ist klar, dass Garman eigentlich ein netter – wenn auch etwas ungehobelter – Kerl ist, und ich fand es sehr schön zu verfolgen, wie er und Lenora sich besser kennenlernen. Ich muss zugeben, dass ich eine etwas weniger derbe Ausdrucksweise von seiner Seite bevorzugt hätte, aber nichts davon war so irritierend, dass es mich beim Lesen wirklich gestört hätte. Stattdessen habe ich mit Vergnügen verfolgt, wie Lenora nach dem Verlust ihrer Schönheit entdeckt, dass sie eine ziemlich willenstarke und einfallsreiche Person ist, der es Freude bereitet, sich für andere einzusetzen. Garman hingegen muss ziemlich schnell mit der Erkenntnis fertigwerden, dass er sich Hals über Kopf in seine Frau verliebt hat, obwohl das doch so gar nicht in seine Pläne passt. Das war sehr süß und amüsant zu lesen, und ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft noch weitere Titel der „Brides of Karadok“-Reihe ausprobieren werde.

C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)

Im August habe ich mit „Soulstar“ endlich auch den dritten Band des Kingston-Cycle gelesen. Dieser Teil gefiel mir deutlich besser als „Stormsong“, weil trotz aller bedrückenden Ereignisse so viele Personen vorkamen, die sich für eine gerechtere Gesellschaft engagierten. Außerdem mochte ich die Perspektive von Robin, die in den vorhergehenden Büchern zwar als sympathische Nebenfigur vorkam, von deren Leben aber bislang nicht sehr viel erzählt worden war. Insgesamt war dieser Roman ein wirklich befriedigender Abschluss für die Trilogie – und trotzdem überlege ich, ob ich die drei Bücher aussortieren soll. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich die Romane noch einmal lesen möchte, weil der zweite Teil für mich so unfassbar frustrierend beim Lesen war. Für die Trilogie-übergreifende Handlung waren all diese frustrierenden Elemente gut und richtig (wenn ich von dieser einen offensichtlichen und ärgerlichen Auflösung eines bestimmten Aspekts absehe). Aber obwohl ich die Figuren und die Welt sehr mochte und definitiv der Meinung bin, dass C. L. Polk sehr gut darin ist, ihren Geschichten Leben einzuhauchen, schrecke ich momentan bei der Vorstellung zurück, „Stormsong“ noch einmal zu lesen. Wenn ich den zweiten Band des Kingston Cycle aber nicht noch einmal lesen möchte, dann muss ich „Witchmark“ und „Soulstar“ eigentlich auch nicht im Regal stehen lassen, obwohl sie mir wirklich gut gefallen haben.

Lese-Eindrücke Juni/Juli 2025

Sommer bedeutet für mich, dass ich vor allem zu eBooks greife, auch wenn in diesem Jahr vor allem der Juli angenehmerweise kühl genug war, um immer wieder einen gedruckten Roman in die Hand nehmen zu können. Die meisten gelesenen eBooks stammten aus der Feder von Celia Lake (12 Romane! *uff*), und zu der Autorin habe ich eigentlich auf dem Blog schon genug geschrieben. Aber zwischendurch habe ich mich natürlich auch mit anderen Autor*innen beschäftigt, und für die Titel, zu denen ich bestimmt keine Rezension schreiben werde, gibt es hier wieder ein paar Lese-Eindrücke:

Tam May: The Case of the Washed-Up Corpse (Grave Sisters Mysteries Book 1)

„The Case of the Washed-Up Corpse“ hatte mich gereizt, weil es mir als 20er-Jahre-Mystery mit drei Schwestern als Protagonistinnen ans Herz gelegt wurde. Die Graves-Schwestern führen in einer kleinen Stadt im Norden von Kalifornien ein Bestattungsinstitut, das sie von ihrem Vater geerbt haben. In die Ermittlungen in einem Mordfall werden die beiden älteren Schwestern verwickelt, als der Staatsanwalt Oliver Clarke sie bittet, sich eine Leiche anzuschauen, die gerade aus dem Fluss gefischt wurde. All die kleinen Dinge, die den beiden auffallen, führen dazu, dass vor allem Eve (die älteste der Schwestern) im Laufe der nächsten Tage immer wieder von Oliver um Hilfe gebeten wird, wenn es um die Befragung von Zeugen geht. Es gab einige Elemente, die ich an der Geschichte mochte, aber leider auch nicht wenige, die mich beim Lesen eher gestört haben. Mir gefielen sowohl der Schauplatz als auch die Tatsache, dass die Handlung in den 1920er Jahren spielt. Ebenso mochte ich die Beziehung der drei Schwestern zueinander sehr, ebenso wie ihr Verhältnis zu ihrer Haushälterin, die die drei mitaufgezogen hat.

Ich weiß, dass es schwierig ist, bei Kriminalromanen die richtige Mischung aus Hinweisen und Verschleierung hinzubekommen, so dass die Leser*innen neugierig auf die Handlung bleiben und am Ende trotzdem nicht das Gefühl haben, dass die Auflösung aus dem Nichts kommt. Aber wenn ich mir beim ersten Auftreten des Mörders/der Mörderin sicher bin, dass diese Person verantwortlich für den Tod des Opfers ist, dann verliere ich die Geduld mit der Geschichte – vor allem, wenn ich mich dann auch noch über das Verhalten einer der Protagonistinnen ärgere. Die mittlere Schwester Helena ist sehr gebildet, hat Medizin studiert (auch wenn sie als Frau nicht praktizieren darf) und ist vor allem hinter den Kulissen des Bestattungsinstituts tätig, weil sie besser mit Toten als mit Lebenden zurechtkommt. Trotzdem hätte ich erwartet, dass sie nicht bei jeder Gelegenheit jede Person, die offiziell an den Ermittlungen beteiligt ist, provoziert und verärgert. Dieses Verhalten sollte vermutlich zeigen, wie intelligent und feministisch diese Figur ist. Aber es hat bei mir vor allem das Gefühl hervorgerufen, dass es Helena nicht darum geht, den Mörder zu finden, sondern sie nur zu zeigen will, wie viel klüger als alle anderen sie ist. Dazu kam dann noch, dass der Handlungsbogen (ebenso wie viele der Nebenfiguren) sehr schablonenhaft konstruiert wurde, so dass ich erschreckend froh war, als ich den Roman endlich beendet hatte.

Tansy Rayner Roberts: Crown Tourney – Ten tales of deadly damsels, cursed castles and edged weapons

Zu „Crown Tourney“ hatte ich am Lese-Sonntag im Juni schon etwas geschrieben. Der Band ist eine Sammlung von zehn märchenhaften Geschichten, die Tansy Rayner Roberts im Laufe ihrer Karriere geschrieben hat. Ich mochte eigentlich alle Geschichte in dem Band, gerade weil sie ziemlich unterschiedlich waren, und ich fand es spannend, die Anmerkungen der Autorin dazu zu lesen. Dort schreibt sie darüber, was sie inspiriert hat, wie sie heute über die älteren ihrer Geschichten denkt (und was sie so nicht mehr schreiben würde) und gibt zusätzlich einen Haufen Lese-Empfehlungen, für Personen, die märchenhafte Geschichten oder Neuinterpretationen von Märchen mögen. Perfekt für Leute, die mal schauen möchten, was die Autorin so schreibt und wie unterschiedlich ihre Veröffentlichungen sein können, auch wenn es bei ihr einige Elemente gibt, die immer wieder vorkommen.

C. L. Polk: Witchmark und Stormsong (Kingston Cycle 1+2)

Im Juni hatte ich mir als Teil meines „lies ältere Sachen vom SuB“-Vorhabens „Stormsong“ ins Auge gefasst, weshalb ich erst einmal erneut zu „Witchmark“ griff, um meine Erinnerung an die Geschichte aufzufrischen. Mir hat das Lesen von „Witchmark“ auch dieses Mal viel Spaß gemacht, und während ich nach dem ersten Lesen nicht bereit für den Wechsel zum zweiten Band war, war ich dieses Mal wirklich neugierig darauf, wie die Handlung mit Miles‘ Schwester Grace als Protagonistin weitergeht. Grundsätzlich mochte ich auch den zweiten Band dieser Reihe, aber ich muss zugeben, dass mich Romane, in denen gefühlt 99% aller Personen aus Eigeninteresse handeln, deutlich weniger erfreuen, als Bücher, in denen die Figuren weniger egozentrisch sind. Das trifft vor allem dann zu, wenn es sich bei den handelnden Personen zum Großteil um Politiker handelt. Das fühlt sich doch ein bisschen zu nah an der aktuellen Realität an, um erträglich zu sein. Außerdem gab es etwas, das die Protagonistin Grace auf der Suche nach einer Erklärung für ein bestimmtes Phänomen nicht als relevant erachtete, das für mich aber bei der allerersten Erwähnung bereits als entscheidendes Element auf der Hand lag – weshalb ich bis kurz vorm Ende des Romans ungeduldig darauf wartete, dass sie auch endlich darauf kommt. Danach brauchte ich wieder eine kleine Pause von der Reihe, aber ich bin wild entschlossen, im August endlich den dritten Band des Kingston-Cycles zu lesen.

Mira Grant: Final Girls (Hörbuch)

„Final Girls“ ist eine der vielen kurzen Veröffentlichungen von Mira Grant (Seanan McGuire), die bei Subterranean Press erschienen sind und die ich deshalb aus Kostengründen lieber als Hörbuch konsumiert habe. Diese Novella dreht sich um ein Virtual-Reality-Programm, mit dem die Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Web in ihrem Institut psychische Verletzungen ihrer Klient*innen heilen will – und dem die Journalistin Esther Hoffman sehr skeptisch gegenübersteht. Während Esther selbst eine solche VR-Sitzung für einen kritischen Artikel über Dr. Webs Methoden testet, kommt es zu einem Vorfall, der dazu führt, dass die beiden Frauen eng zusammenarbeiten müssen, um zu überleben. Es gibt so einige Elemente in der Geschichte, die für jemanden, der schon mehrere Veröffentlichungen von Mira Grant gelesen hat, sehr vertraut waren. Das war für mich aber vollkommen in Ordnung, weil ich die Erzählweise der Autorin mag und es faszinierend finde, wie sie diese Elemente in die jeweilige Handlung einbettet. Es ist nicht Mira Grants beste Geschichte, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich mochte das Ende sehr. Dazu kam, dass die Sprecherin Jennifer Pickens den verschiedenen Figuren genügend Individualität und Glaubwürdigkeit verliehen hat, dass ich selbst nach einer längeren Hörpause (verursacht durch ein paar Wochen Hitze zwischen zwei Puzzle-Runden) kein Problem hatte, die unterschiedlichen Charaktere einzuordnen.

Lilith Saintcrow: Rose & Thunder

Eine Urban-Fantasy-Variante von „Die Schöne und das Biest“, die begeistert von einer Autorin empfohlen wurde, deren Bücher ich gern mag. Ich muss zugeben, dass ich von „Rose & Thunder“ nicht so angetan war, obwohl ich den Roman ausgelesen habe. Grob zusammengefasst dreht sich die Handlung um einen Mann, auf dem ein Fluch lastet und der einen Ley-Linien-Knotenpunkt bewachen muss, und um eine Hexe, die dahin reist, wohin der Wind sie ruft, um Probleme zu lösen (oder vor ihren eigenen Problemen wegzulaufen). Ich mochte die Grundidee, fand aber die Protagonistin und ihre Erzählstimme unerträglich. Dass ich die Geschichte beendet habe, lag vor allem daran, dass ich herausfinden wollte, wieso jemand das Buch so begeistert empfehlen würde. Ich glaube, dass die Grundidee und all die eher ruhigen Szenen zwischen den beiden Hauptpersonen in der Bibliothek einen großartigen „cozy Fantasy“-Roman hergegeben hätten. Aber den dann bitte mit einer Protagonistin, die sich nicht durchgehend verzweifelt selbst beweisen muss, was für eine hartgesottene, coole Person sie ist, während sie einem die ganze Zeit erzählt, dass sie ja in ihrem Leben schon so viele gefährliche Situationen mit Bravour gemeistert hat. Immerhin weiß ich jetzt wieder, wieso ich Lilith Saintcrow als „keine Autorin für mich“ im Hinterkopf hatte, obwohl ich bislang nicht viel (und vor allem Kurzgeschichten in Anthologien) von ihr gelesen habe.

C. L. Polk: Even Through I Knew the End (Hörbuch)

Von C. L. Polk mochte ich schon „Witchmark“ sehr gern (und müsste da wirklich endlich mal die beiden Fortsetzungen lesen), weshalb ich sehr neugierig auf „Even Through I Knew the End“ war, als der Titel angekündigt wurde. Allerdings wollte ich keine 20 Euro für ein Hardcover-Ausgabe zahlen, die gerade mal um die 130 Seiten hat, weshalb ich mich für das Hörbuch entschieden habe. Gesprochen wird die Handlung von January LaVoy, der ich sehr gern zugehört habe, weil sie mit ihrer ausdrucksvollen Stimme den Figuren sehr viel Individualität verlieh und ich ihr die Emotionen der Charaktere problemlos abnahm, obwohl das bei all den zwiespältgen Situationen, in denen sich Protagonistin Helen und ihre Liebste Edith wiederfinden, nicht gerade einfach gewesen sein kann.

Die Handlung von „Even Through I Knew the End“ spielt in einer fantastischen Variante von Chicago in den 1930er Jahren. Helen ist eine Mystikerin, die vor beinahe zehn Jahren von ihrem Orden ausgeschlossen wurde, weil sie ihre Seele verkauft hat, um das Leben ihres Bruders zu retten. Inzwischen verdient sie ihren Lebensunterhalt als Privatdetektivin, wobei sie den Großteil ihres Geldes damit verdient, mit den Geistern von Ermordeten zu kommunizieren und magisch verstärkte Fotos von den Tatorten zu schießen. Zu Beginn der Geschichte wird Helen damit beauftragt, den aktuellsten Tatort eines Serienmörders zu untersuchen. Als sie den Auftrag ablehnen will, wird ihr in Aussieht gestellt, ihre Seele zurückzubekommen, falls sie den Mörder finden sollte. Allerdings hatte Helen nicht erwartet, dass ihr alter Orden ebenfalls an den Morden interessiert ist und dass ihre Liebste Edith ebenfalls in die Mordermittlungen involviert wird.

Bei gerade mal 130 Seiten Handlung ist es verständlich, dass der Weltenbau in „Even Through I Knew the End“ nicht gerade komplex ausfallen konnte, aber ich mochte diese düstere Version von Chicago, die mit all ihren fantastischen Elementen, die für Helen so alltäglich zu sein scheinen, die perfekte Kulisse für diese Geschichte bildet. Vor allem fand ich es faszinierend, dass es C. L. Polk gelingt, die perfekte Film-Noir-Atmosphäre zu kreieren und dabei trotzdem unglaublich viel Realismus in die Geschichte einfließen zu lassen. Helen ist pragmatisch und zynisch, und natürlich geht sie in eine Bar (die während der Prohibition ein Speakeasy war), wenn sie sich entspannen will. Auf der anderen Seite ist diese Bar einer der wenigen Zufluchtsorte, die es für lesbische Frauen in dieser Zeit gibt und wo Helen sich nicht einen Ehering anstecken muss, um mit Edith ausgehen zu können. Immer wieder gibt es kleine Szenen, in denen deutlich wird, wie eingeschränkt das Leben von Frauen in dieser Zeit ist und wie viel Mut und Einfallsreichtum es von Helen erfordert, einfach nur ihrem Beruf nachgehen zu können.

Bei den fantastischen Elementen setzt C. L. Polk sehr auf klassische christliche Motive mit Dämonen und Engeln, und trotzdem gibt es keine Schwarz-Weiß Zeichnungen, wenn es um all die Charaktere in dem Roman geht. Gemeinsam mit der Privatdetektivin erfährt man immer mehr über den Mörder und seine Opfer und warum es so wichtig ist, dass gerade Helen in diesem Fall ermittelt. Überhaupt ist Helen eine wunderbare Protagonistin mit all ihren Ecken und Kanten, die dafür sorgten, dass ich jederzeit die Gründe für ihr Handeln nachvollziehen konnte. Ich fand es großartig, dass die Beziehung zwischen Helen und Edith von Anfang an eine etablierte Tatsache war. Die beiden Frauen lieben sich seit langer Zeit und träumen von einer gemeinsamen Zukunft in San Francisco, und trotzdem habe ich die ganze Geschichte hindurch um ihre Beziehung gebangt – nicht, weil mich C. L. Polk daran zweifeln ließ, dass die Gefühle der beiden Figuren aufrichtig waren, sondern weil es so viele Hindernisse von außen gab, an denen alles scheitern konnte. Ich muss gestehen, dass ich es so viel reizvoller finde, eine „Liebesgeschichte“ zu lesen, wenn es nicht um das erste Verlieben geht, sondern darum, irgendwie die gemeinsame Zukunft zu retten.

Dafür, dass das Hörbuch gerade mal 3 Stunden und 50 Minuten lang ist, gibt es überraschend viele Wendungen in der Handlung und wirklich viele Elemente, die nach dem Hören noch in mir nachklangen. Und ich glaube nicht, dass es der Geschichte gutgetan hätte, wenn C. L. Polk sie länger gemacht hätte, auch wenn ich online einige Rezensionen gesehen habe, die das „schöner“ gefunden hätten. Der eher skizzenhafte Weltenbau reicht vollkommen, um einen Eindruck von den fantastischen Elementen zu geben, die Liebesgeschichte ist fundiert genug, dass die Beweggründe der beiden Frauen definitiv nachvollziehbar sind, und all die kleinen Beobachtungen und Anmerkungen von Helen sorgen für ein erschreckend realistisches Bild der Zeit, ohne von der eigentlichen Handlung abzulenken. Gerade weil so viele Elemente nur angedeutet wurden, habe ich im Nachhinein immer wieder darüber nachgedacht. Alles in allem habe ich mich von der bittersüßen Geschichte sehr gut unterhalten gefühlt, ich habe die Arbeit der Sprecherin January LaVoy genossen, und ich hätte große Lust, in Zukunft noch mehr Veröffentlichungen in dieser Art von C.L. Polk zu hören (oder zu lesen).

C. L. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)

Es ist lustig, aber obwohl dieser Titel so viel besprochen und mit so viel Begeistung in meiner Timeline aufgenommen wurde, hatte ich gar keine rechte Vorstellung von „Witchmark“ von C. L. Polk, bevor ich den Roman gelesen hatte. Die Geschichte, die in einer fantastischen Welt spielt, die ein wenig an das edwardianische England erinnert, wird aus der Perspektive von Miles Singer erzählt. Dieser arbeitet (nach einem frühren Einsatz als Militär-Chirurg) als Psychiater im Beauregard-Krankenhaus und ist dort vor allem für die Betreuung von Soldaten zuständig, die von der Front im Nachbarland Laneer heimgekehrt sind. Als Miles eines Abends seine Schicht beenden will, wird von einem fremden Mann ein Sterbender eingeliefert, den dieser auf der Straße aufgefunden hatte. Bevor Miles überhaupt die Möglichkeit hat, dem mysteriösen Nick Elliott zu helfen, nimmt dieser ihm das Versprechen ab, in seinem Mordfall zu ermitteln, und verstirbt. Gemeinsam mit dem Fremden, der sich Miles gegenüber als Tristan Hunter vorstellt, versucht der Arzt, mehr über Nick Elliott und die Personen, die für seinen Tod verantwortlich sind, herauszufinden.

Da ich vorher so gar keine Vorstellungen davon hatte, was mich bei „Witchmark“ erwartet (abgesehen von „irgendwas mit Magie“ und „Veteranen“), gab es für mich beim Lesen immer wieder kleine Aha-Momente, wenn ich mal wieder über ein neues Genre-Element gestolpert bin. In dem Roman mischen sich Historisches mit Fantasy, mit Kriminal- und mit Liebesgeschichte zu einem Gesamtwerk, das ich wirklich gern gelesen habe. Ich mochte die verschiedenen Figuren (von den Antagonisten natürlich abgesehen), auch wenn nicht alle Personen, die ich gern besser kennengelernt hätte, wirklich viel Raum in der Handlung bekommen, aber ich habe mich über jede weitere Szene mit einem dieser Charaktere gefreut. Miles selbst kam mir stellenweise etwas naiv vor, aber das war aufgrund seines familiären Hintergrunds und der Art und Weise, wie die Gesellschaft in diesem Roman funktioniert, auch stimmig. Ebenso realistisch fand ich es, dass einige der sympathischen Figuren in der Geschichte nicht immer die beste oder „richtige“ Wahl getroffen habe, wenn sie Entscheidungen treffen mussten. Dabei ist es C. L. Polk gelungen, glaubwürdig darzustellen, welche Gewissenskonflikte hinter den verschiedenen Entscheidungen standen, so dass ich als Leser zwar etwas enttäuscht von dem jeweiligen Charakter war, aber trotzdem Verständnis für ihn haben konnte.

Außerdem gefiel mir der Weltenbau, der auf der einen Seite – dank vieler Elemente, die an das edwardianische England erinnern – so vertraut wirkte, aber auf der anderen Seite durch die unvertraute Geografie und Technik ebenso wie durch die Erwähnung und Anwendung von Magie genügend ungewöhnliche Bestandteile mit sich brachte, um meine Neugier beim Lesen wach zu halten. Ich habe es auf jeden Fall genossen, mehr über diese Welt herauszufinden, obwohl es – wegen der ganzen Passagen, die sich um Miles‘ Kriegserlebnisse und die Ereignisse in Laneer drehten – stellenweise ganz schön heftig wurde. Im Kontrast dazu standen dann die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Tristan und Miles, die einfach nur süß mitzuerleben war – gerade weil Miles sich eigentlich nicht darauf einlassen will und weil beide befürchten müssen, dass sie nur eine kurze Zeit miteinander haben.

Dafür, dass die Handlung nur wenige Tage umspannt, lässt sich die Autorin recht viel Zeit mit dem Erzählen der Geschichte. Es gibt immer wieder kleine Momente, in denen häusliche Szenen oder die Lebens- und Arbeitssituationen der verschiedenen Figuren beschrieben werden, und es gibt einige Passagen, in denen sich Miles und Tristan private Stunden gönnen, um einander kennenzulernen. So liest sich „Witchmark“ trotz des soliden Kriminalanteils der Geschichte und der dadurch hervorgerufenden Spannung überraschend gemütlich. Ich bezeichne den Kriminalanteil als „solide“, weil ich einige der „unerwarteten“ Wendungen relativ vorhersehbar fand. Aber das hat nichts daran geändert, dass ich diese entscheidenden Punkte in der Handlung trotzdem interessiert gelesen habe, weil die Art und Weise, wie Miles diese Elemente herausfindet, für mich unterhaltsam genug war, um mich mit der Vorhersehbarkeit zu versöhnen.

Überhaupt gibt es relativ wenig an „Witchmark“, das ich als neu oder ungewöhnlich bezeichnen würde, aber C. L. Polks Erzählweise hat dafür gesorgt, dass ich das Buch – trotz der dramatischen und schrecklichen Elemente – sehr genossen habe. Oh, und bevor ich es vergesse: Ich habe selten eine Geschichte gelesen, in der so viel mit dem Fahrrad gefahren wird, und ich habe mich ungemein darüber gefreut, weil diese Szenen stellenweise so toll geschrieben waren und weil das Fahrrad – obwohl es doch so eine wichtige Rolle in der Emanzipation der Frauen und überhaupt der Entwicklung der Menschen rund um das Ende des 19. Jahrhunderts spielte – viel zu selten eine prominente Rolle in Romanen spielt. Ich freu mich sehr darüber, dass es noch zwei weitere Bücher in der Welt gibt (der zweite Band mit dem Titel „Stormsong“ ist 2020 erschienen, der dritte Teil mit dem Titel „Soulstar“ erscheint im März 2021), auch wenn dort andere Protagonisten im Zentrum stehen.