Schlagwort: Tansy Rayner Roberts

Lese-Eindrücke Juni/Juli 2025

Sommer bedeutet für mich, dass ich vor allem zu eBooks greife, auch wenn in diesem Jahr vor allem der Juli angenehmerweise kühl genug war, um immer wieder einen gedruckten Roman in die Hand nehmen zu können. Die meisten gelesenen eBooks stammten aus der Feder von Celia Lake (12 Romane! *uff*), und zu der Autorin habe ich eigentlich auf dem Blog schon genug geschrieben. Aber zwischendurch habe ich mich natürlich auch mit anderen Autor*innen beschäftigt, und für die Titel, zu denen ich bestimmt keine Rezension schreiben werde, gibt es hier wieder ein paar Lese-Eindrücke:

Tam May: The Case of the Washed-Up Corpse (Grave Sisters Mysteries Book 1)

„The Case of the Washed-Up Corpse“ hatte mich gereizt, weil es mir als 20er-Jahre-Mystery mit drei Schwestern als Protagonistinnen ans Herz gelegt wurde. Die Graves-Schwestern führen in einer kleinen Stadt im Norden von Kalifornien ein Bestattungsinstitut, das sie von ihrem Vater geerbt haben. In die Ermittlungen in einem Mordfall werden die beiden älteren Schwestern verwickelt, als der Staatsanwalt Oliver Clarke sie bittet, sich eine Leiche anzuschauen, die gerade aus dem Fluss gefischt wurde. All die kleinen Dinge, die den beiden auffallen, führen dazu, dass vor allem Eve (die älteste der Schwestern) im Laufe der nächsten Tage immer wieder von Oliver um Hilfe gebeten wird, wenn es um die Befragung von Zeugen geht. Es gab einige Elemente, die ich an der Geschichte mochte, aber leider auch nicht wenige, die mich beim Lesen eher gestört haben. Mir gefielen sowohl der Schauplatz als auch die Tatsache, dass die Handlung in den 1920er Jahren spielt. Ebenso mochte ich die Beziehung der drei Schwestern zueinander sehr, ebenso wie ihr Verhältnis zu ihrer Haushälterin, die die drei mitaufgezogen hat.

Ich weiß, dass es schwierig ist, bei Kriminalromanen die richtige Mischung aus Hinweisen und Verschleierung hinzubekommen, so dass die Leser*innen neugierig auf die Handlung bleiben und am Ende trotzdem nicht das Gefühl haben, dass die Auflösung aus dem Nichts kommt. Aber wenn ich mir beim ersten Auftreten des Mörders/der Mörderin sicher bin, dass diese Person verantwortlich für den Tod des Opfers ist, dann verliere ich die Geduld mit der Geschichte – vor allem, wenn ich mich dann auch noch über das Verhalten einer der Protagonistinnen ärgere. Die mittlere Schwester Helena ist sehr gebildet, hat Medizin studiert (auch wenn sie als Frau nicht praktizieren darf) und ist vor allem hinter den Kulissen des Bestattungsinstituts tätig, weil sie besser mit Toten als mit Lebenden zurechtkommt. Trotzdem hätte ich erwartet, dass sie nicht bei jeder Gelegenheit jede Person, die offiziell an den Ermittlungen beteiligt ist, provoziert und verärgert. Dieses Verhalten sollte vermutlich zeigen, wie intelligent und feministisch diese Figur ist. Aber es hat bei mir vor allem das Gefühl hervorgerufen, dass es Helena nicht darum geht, den Mörder zu finden, sondern sie nur zu zeigen will, wie viel klüger als alle anderen sie ist. Dazu kam dann noch, dass der Handlungsbogen (ebenso wie viele der Nebenfiguren) sehr schablonenhaft konstruiert wurde, so dass ich erschreckend froh war, als ich den Roman endlich beendet hatte.

Tansy Rayner Roberts: Crown Tourney – Ten tales of deadly damsels, cursed castles and edged weapons

Zu „Crown Tourney“ hatte ich am Lese-Sonntag im Juni schon etwas geschrieben. Der Band ist eine Sammlung von zehn märchenhaften Geschichten, die Tansy Rayner Roberts im Laufe ihrer Karriere geschrieben hat. Ich mochte eigentlich alle Geschichte in dem Band, gerade weil sie ziemlich unterschiedlich waren, und ich fand es spannend, die Anmerkungen der Autorin dazu zu lesen. Dort schreibt sie darüber, was sie inspiriert hat, wie sie heute über die älteren ihrer Geschichten denkt (und was sie so nicht mehr schreiben würde) und gibt zusätzlich einen Haufen Lese-Empfehlungen, für Personen, die märchenhafte Geschichten oder Neuinterpretationen von Märchen mögen. Perfekt für Leute, die mal schauen möchten, was die Autorin so schreibt und wie unterschiedlich ihre Veröffentlichungen sein können, auch wenn es bei ihr einige Elemente gibt, die immer wieder vorkommen.

C. L. Polk: Witchmark und Stormsong (Kingston Cycle 1+2)

Im Juni hatte ich mir als Teil meines „lies ältere Sachen vom SuB“-Vorhabens „Stormsong“ ins Auge gefasst, weshalb ich erst einmal erneut zu „Witchmark“ griff, um meine Erinnerung an die Geschichte aufzufrischen. Mir hat das Lesen von „Witchmark“ auch dieses Mal viel Spaß gemacht, und während ich nach dem ersten Lesen nicht bereit für den Wechsel zum zweiten Band war, war ich dieses Mal wirklich neugierig darauf, wie die Handlung mit Miles‘ Schwester Grace als Protagonistin weitergeht. Grundsätzlich mochte ich auch den zweiten Band dieser Reihe, aber ich muss zugeben, dass mich Romane, in denen gefühlt 99% aller Personen aus Eigeninteresse handeln, deutlich weniger erfreuen, als Bücher, in denen die Figuren weniger egozentrisch sind. Das trifft vor allem dann zu, wenn es sich bei den handelnden Personen zum Großteil um Politiker handelt. Das fühlt sich doch ein bisschen zu nah an der aktuellen Realität an, um erträglich zu sein. Außerdem gab es etwas, das die Protagonistin Grace auf der Suche nach einer Erklärung für ein bestimmtes Phänomen nicht als relevant erachtete, das für mich aber bei der allerersten Erwähnung bereits als entscheidendes Element auf der Hand lag – weshalb ich bis kurz vorm Ende des Romans ungeduldig darauf wartete, dass sie auch endlich darauf kommt. Danach brauchte ich wieder eine kleine Pause von der Reihe, aber ich bin wild entschlossen, im August endlich den dritten Band des Kingston-Cycles zu lesen.

Mira Grant: Final Girls (Hörbuch)

„Final Girls“ ist eine der vielen kurzen Veröffentlichungen von Mira Grant (Seanan McGuire), die bei Subterranean Press erschienen sind und die ich deshalb aus Kostengründen lieber als Hörbuch konsumiert habe. Diese Novella dreht sich um ein Virtual-Reality-Programm, mit dem die Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Web in ihrem Institut psychische Verletzungen ihrer Klient*innen heilen will – und dem die Journalistin Esther Hoffman sehr skeptisch gegenübersteht. Während Esther selbst eine solche VR-Sitzung für einen kritischen Artikel über Dr. Webs Methoden testet, kommt es zu einem Vorfall, der dazu führt, dass die beiden Frauen eng zusammenarbeiten müssen, um zu überleben. Es gibt so einige Elemente in der Geschichte, die für jemanden, der schon mehrere Veröffentlichungen von Mira Grant gelesen hat, sehr vertraut waren. Das war für mich aber vollkommen in Ordnung, weil ich die Erzählweise der Autorin mag und es faszinierend finde, wie sie diese Elemente in die jeweilige Handlung einbettet. Es ist nicht Mira Grants beste Geschichte, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich mochte das Ende sehr. Dazu kam, dass die Sprecherin Jennifer Pickens den verschiedenen Figuren genügend Individualität und Glaubwürdigkeit verliehen hat, dass ich selbst nach einer längeren Hörpause (verursacht durch ein paar Wochen Hitze zwischen zwei Puzzle-Runden) kein Problem hatte, die unterschiedlichen Charaktere einzuordnen.

Lilith Saintcrow: Rose & Thunder

Eine Urban-Fantasy-Variante von „Die Schöne und das Biest“, die begeistert von einer Autorin empfohlen wurde, deren Bücher ich gern mag. Ich muss zugeben, dass ich von „Rose & Thunder“ nicht so angetan war, obwohl ich den Roman ausgelesen habe. Grob zusammengefasst dreht sich die Handlung um einen Mann, auf dem ein Fluch lastet und der einen Ley-Linien-Knotenpunkt bewachen muss, und um eine Hexe, die dahin reist, wohin der Wind sie ruft, um Probleme zu lösen (oder vor ihren eigenen Problemen wegzulaufen). Ich mochte die Grundidee, fand aber die Protagonistin und ihre Erzählstimme unerträglich. Dass ich die Geschichte beendet habe, lag vor allem daran, dass ich herausfinden wollte, wieso jemand das Buch so begeistert empfehlen würde. Ich glaube, dass die Grundidee und all die eher ruhigen Szenen zwischen den beiden Hauptpersonen in der Bibliothek einen großartigen „cozy Fantasy“-Roman hergegeben hätten. Aber den dann bitte mit einer Protagonistin, die sich nicht durchgehend verzweifelt selbst beweisen muss, was für eine hartgesottene, coole Person sie ist, während sie einem die ganze Zeit erzählt, dass sie ja in ihrem Leben schon so viele gefährliche Situationen mit Bravour gemeistert hat. Immerhin weiß ich jetzt wieder, wieso ich Lilith Saintcrow als „keine Autorin für mich“ im Hinterkopf hatte, obwohl ich bislang nicht viel (und vor allem Kurzgeschichten in Anthologien) von ihr gelesen habe.

Lese-Eindrücke September 2024

Meine Lektüre im September bestand vor allem aus Büchern, die ich eigentlich im Sommer lesen und die ich nicht ein weiteres Jahr auf dem SuB liegen lassen wollte. Aber das sind Romane, die ich eigentlich noch „richtig“ rezensieren will, während hier vor allem die eBooks landen, die ich parallel zu meinen SuB-Titeln gelesen habe.

Meghan Ciana Doidge: Cupcakes, Trinkets, and Other Deadly Magic (Dowser Series Book 1)

Bei dem Titel (und nach der Leseprobe) hatte ich von „Cupcakes, Trinkets, and Other Deadly Magic“ einen netten Cozy Mystery mit fantastischen Elementen erwartet und war umso überraschter, dass sich das Buch als solide Urban-Fantasy-Geschichte entpuppte. Ich mochte die Protagonistin Jade, auch wenn sie ab und an etwas arg naiv dachte und handelte, außderdem gefielen mir die fantastischen Elemente, die die Autorin sich für diesen Roman ausgedacht hat. Und obwohl ich die Identität des Mörders am Ende des ersten Kapitels schon erahnen konnte (und da war der Mord im Buch noch nicht einmal passiert!), habe ich mich gut genug unterhalten gefühlt, dass ich den zweiten Band der Reihe auf meine Merkliste gesetzt habe. Es ist gerade schwierig genug für mich, neue Urban-Fantasy-Autor*innen zu finden (vor allem welche, die keinen „Romance-Schwerpunkt“ in ihre Handlung einbauen), so dass ich über die paar nicht so gelungenen Punkte hinwegsehen kann und dem zweiten Teil eine Chance geben mag.

Baroness Orczy: The Old Man in the Corner

Baroness Orczy ist eine der Krimiautorinnen der 1920er Jahre, die mir bislang noch nicht untergekommen war, und ich fand, dass die Grundidee (junge Journalistin bekommt von einem alten Mann in einem Café die Hintergründe zu aktuellen Verbrechen erklärt) ganz reizvoll klang. Leider konnte mich diese Sammlung von kurzen Geschichten dann doch nicht überzeugen. Der Aufbau jeder Geschichte ist gleich: Der namenlose alte Mann fasst im ersten Kapitel für die Journalistin zusammen, was für ein Verbrechen begangen wurde, um dann im zweiten Kapitel die Informationen zu ergänzen, die durch die Ermittlungen der Polizei und eventuelle Gerichtsverhandlungen aufgedeckt wurden. Zum Abschluss erzählt er der jungen Frau dann, was seiner Meinung nach die Lösung des Ganzen ist – Mansplaining in Reinkultur also und deutlich weniger unterhaltsam als erhofft.

Das ist jetzt nicht so viel anders als andere Cozy Mysteries, aber hier fand ich viele Auflösungen ziemlich durchschaubar, und es frustrierte mich, dass ich als Leserin nie erfuhr, ob der alte Mann recht hatte. Das Gespräch mit der Journalistin schien am Ende keinerlei Folgen für den/die Verbrecher oder die Opfer zu haben, so dass sich durch diese Denkspiele nichts änderte, während sich gleichzeitig der alte Mann auf die Schulter klopfte, weil er so viel klüger als alle anderen ist und einfach nur keine Lust hat, der Polizei auf die Sprünge zu helfen … Dazu kamen noch so einige ableistische und rassistische Elemente, die ich bei anderen Autor*innen dieser Zeit nicht (so gehäuft) gefunden habe. Das alles führt dazu, dass ich nicht noch mehr von Baroness Orczy lesen möchte.

Tansy Rayner Roberts: This Enchanted Island (Teacup Magic 6)

„This Enchanted Island“ ist der sechste Teil der Teacup-Magic-Reihe, und während sich theoretisch jeder Band einzeln lesen lässt, würde ich doch empfehlen, die Veröffentlichungsreihenfolge einzuhalten, um keine Spoiler für weitere Handlungsentwicklungen zu bekommen. Die erste Hälfte dieser Geschichte spielt auf der Caliban, einem Schiff, das von Freibeutern der Königin gesteuert wird, und auf dem Metis Seabourne Zuflucht findet. Die Besatzung besteht aus einem Haufen sehr individueller Personen, und es hat mir viel Spaß gemacht, Metis Abenteuern mit den unterschiedlichen Charakteren auf der Caliban zu folgen. Richtig amüsant wurde es dann aber, als sie alle miteinander auf einer verzauberten Insel landeten und sich die Handlung in eine Richtung entwickelte, die eine sehr deutliche „Alice im Wunderland“-Atmosphäre mit ein paar Sprenkeln von Shakespeares „Sommernachtstraum“ aufkommen ließ. Ich mag die Teacup-Magic-Geschichten wirklich gern und habe das Gefühl, dass Tansy Rayner Roberts sich mit jedem Band noch einmal steigert. 🙂

Cathy Yardley: Role Playing

Ich weiß nicht mehr, wer auf Bluesky „Role Playing“von Cathy Yardley erwähnt hatte, aber ich hatte den Eindruck gewonnen, dass es sich dabei um eine amüsante Liebesgeschichte mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation handelte, und das schien mir passend für meine Laune Anfang September. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der 48jährigen Maggie und des 50jährigen Aiden erzählt, die sich über ein Online-RPG angefreundet haben. Allerdings denkt Maggie, dass Aiden ein Collegestudent um die 20 ist, während er glaubt, dass sie eine um die 80 Jahre alte Rentnerin ist (und ich muss Cathy Yardley hoch anrechnen, dass sie diese Idee glaubwürdig rüberbringt!). Als die beiden dann herausfinden, wie sehr sie sich in ihrer Einschätzung geirrt haben, wird es wirklich lustig – auch weil parallel von ihrem Umfeld die ganze Zeit Bemühungen laufen, die beiden (mit anderen Personen!) zu verkuppeln. Was mich zu dem Teil der Geschichte bringt, der weniger amüsant und leicht ist, sondern sich ernsthaft damit beschäftigt, wie sehr die Erwartungen von Familie und Freundeskreis – selbst wenn es gut gemeint ist – eine Person verletzten können.

Ich mochte es zu verfolgen, wie die Freundschaft zwischen Maggie und Aiden dazu führt, dass beide sich selbst etwas besser kennenlernen, mehr über die eigenen Bedürfnisse herausfinden und im Anschluss dann eben auch in der Lage waren, darüber nachzudenken, was für eine Beziehung sie eigentlich führen wollen. Mir gefiel es sehr, dass die beiden Charaktere definitiv erwachsene Personen mit einer Vergangenheit, die sie geprägt hat, waren und dass das dazu führte, dass sich nur sehr langsam aus einer überraschenden Freundschaft mehr entwickelte. Ich fand beide Charaktere wirklich sympathisch – Aiden, der eine gutmütige und aufmerksame Person ist, ebenso wie Maggie, die sich immer wieder auf einer Gratwanderung zwischen grumpiger Einsiedlerin und „in dieser Situation muss ich meinem Sohn zuliebe höflich sein“ wiedergefunden hat. Insgesamt war „Role Playing“ sehr lustig und voller wunderbarer Szenen mit den beiden Hauptfiguren. Außerdem habe ich beim Lesen immer wieder innegehalten, um über bestimmte Aspekte in der Geschichte nachzudenken, und mehr kann ich von einem Liebesroman wirklich nicht erwarten.

Tansy Rayner Roberts: Die Teacup-Magic-Reihe

Nachdem ich in den vergangenen Tagen die fünf Teacup-Magic-Titel von Tansy Rayner Roberts gelesen und dann festgestellt habe, dass ich hier noch gar nichts dazu geschrieben hatte, gibt es hier eine (kleine) Vorstellung der Reihe. Bislang hat die Autorin fünf Titel in dieser Reihe veröffentlicht (im August erscheint der sechste Teil). Die ersten drei Bände („Tea and Sympathetic Magic“, „The Frost Fair Affaire“ und „Spellcrackers Honeymoon“) werden aus der Perspektive von Mnemosyne Seabourne erzählt, die zu Beginn von „Tea and Sympathetic Magic“ die Nase voll hat von der Saison und der Suche nach einem passenden Ehemann. Doch dann kommt es während einer Hausparty, die von ihrem Cousin Henry (dem Duke of Storm) veranstaltet wird, zu einer Entführung. Gemeinsam mit Henrys Spellcracker Thornbury (und diversen jungen Damen der Gesellschaft) macht sich Mneme zur Rettung des Entführungsopfers auf und beweist dabei eine Menge Einfallsreichtum.

Das Land, in dem Tansy Rayner Roberts ihre Teacup-Magic-Geschichten spielen lässt, besteht aus einem Haufen Inseln, die in vielen Aspekten sehr an die Regency-Zeit erinnern und auf denen die Anwendung von Magie zum Alltag gehört. So reisen die Herren der Gesellschaft per magischem Portal von einem Ort zum anderen (während die Damen für ihre Reisen auf Schwanenboote und Kutschen angewiesen sind), beim Versuch, einen potenziellen Ehemann für sich zu gewinnen, werden Zauber eingesetzt, die größere Sympathie erzeugen sollen, und natürlich wird mit Magie dafür gesorgt, dass der Tee immer die richtige Temperatur hat. Während die Geschichten sich anfangs noch um relativ „übliche“ Themen drehen wie die Suche einer Dame der Gesellschaft nach einem Ehemann, wird die Reihe im Laufe der Zeit immer absurder (und somit auch amüsanter). Mnemosyne versucht im zweiten Band etwas für die Rechte der Frauen zu erreichen und bekommt es dabei mit dem Geheimdienst der Königin zu tun, und im dritten Band ist sie an der Aufklärung eines magischen Mords – auf einer angeblich magiefreien Insel – beteiligt.

Bei den folgenden Bänden wechseln dann die Protagonistinnen. Der vierte Band („Lady Liesl’s Seaside Surprise“) wird aus der Sicht von Lady Liesl erzählt, die in vorherigen Geschichten schon als Nebenfigur auftauchte. Lady Liesl versucht darin einen Diamantendiebstahl zu klären, um die zweite Ehe ihres Vaters zu retten. Dabei begibt sich Liesl in die Gesellschaft von freigeistigen Künstlern und ungewöhnlichen Dienstboten, sie schreibt Unmengen von Briefen an diverse Freunde und Verwandte (lebende und tote! – was ich sehr amüsant fand) und findet nebenbei noch heraus, was sie eigentlich mit ihrem Leben anfangen will. Mit dem bislang aktuellsten Titel („Have Spirit, Will Duchess“) gibt es überaus überraschende Informationen über das Vorleben der aktuellen Duchess of Storm, einen Haufen Geister (besonders beeindruckend ist dabei die verstorbene Duchess of Storm – und ja, das ist definitiv eine Herzogin zu viel!), einen Assassinen und ein Schiff voller Freibeuter. Außerdem brachte die fünfte Geschichte einige Andeutungen für den sechsten Band mit sich, so dass ich es kaum erwarten kann, dass „This Entchanted Island“ endlich im Spätsommer erscheint.

Ich gebe zu, dass keine dieser (zwischen 80 und 190 Seiten langen) Geschichten so sehr herausstechend ist, dass sie einen lang anhaltenden Eindruck bei mir hinterlässt, der über „das war so nett!“ hinausgeht. Aber auf der anderen Seite sind die Teacup-Magic-Titel so wunderbar absurd und amüsant, dass ich immer wieder darauf zurückkomme, wenn ich den Kopf abschalten und mich erholen will. Außerdem mag ich die Charaktere und ihre Erzählstimmen wirklich gern, und es macht mir Spaß, meine Zeit mit ihnen zu verbringen. Die ersten drei Teacup-Magic-Bände gibt es inzwischen auch als Bundle (und aktuell kostet das gerade mal 99 Cent), und im August, wenn der sechste Band erscheint, wird es auch noch ein zweites Bundle mit den restlichen drei Geschichten geben.

Livia Day: Dyed and Buried (Fashionably Late 1)

„Dyed and Buried“ von Livia Day (Tansy Rayner Roberts) ist der Auftaktband einer Cozy-Reihe, die in der tasmanischen Hauptstadt Hobart spielt. Ich muss gestehen, dass ich an der ersten Reihe von Cozy-Romanen der Autorin nach den ersten zwei Bänden etwas das Interesse verloren hatte. Aber da ich grundsätzlich gute Erfahrungen mit Tansy Rayner Roberts gemacht habe, die Inhaltsangabe verlockend fand und große Lust auf entspannte Lektüre hatte, hatte ich „Dyed and Buried“ nicht nur schon länger vorbestellt, sondern auch direkt nach Veröffentlichung gelesen. Wobei der Roman mit gerade mal 158 Seiten auch nicht besonders viel Lesezeit beansprucht hat … Das Buch dreht sich um Samantha „Sam“ Sullivan, die vor Kurzem einen neuen Job bei der Boutique „Fashionably Late“ angefangen hat und zu Beginn der Geschichte von ihrer ehemaligen Schulkameradin Jeena fünfzehn Hochzeitskleider kauft, damit diese für das Geschäft upgecycled werden können.

Dummerweise stellt sich wenig später heraus, dass Jeena die Kleider gar nicht hätte verkaufen dürfen – und so müssen Sam und ihre Chefin nicht nur gegenüber einem der berühmtesten Fashion-Magazine erklären, wieso ein Teil der neuen Hochzeitskleid-Kollektion des berühmten Designers Chameleon grün gefärbt wurde, sondern auch herausfinden, wohin Hochzeitskleid Nr. 16 verschwunden ist. Wobei ich betonen muss, dass es überraschend wenig Drama für Sam rund um diesen Vorfall mit den Hochzeitskleidern gibt. Ihre Chefin hatte einen Vertrag mit Jeena, Sam selbst hat nur auf Anweisung gehandelt, und so gibt es keine ernsthaften Drohungen gegenüber „Fashionably Late“. Auf der anderen Seite ist Sam die ganze Angelegenheit sehr unangenehm und natürlich würde sie gern wissen, wieso Jeenas verstorbener Ehemann Ethan diese fünfzehn Hochzeitskleider in seinem Besitz hatte, wer der mysteriöse Designer Chameleon ist und nicht zuletzt wohin das fehlende Hochzeitskleid verschwunden ist.

Dabei mag ich es, dass Sam zwar neugierig ist und die ganze Zeit über Informationen sammelt, aber nicht die treibende Kraft hinter diesen privaten Ermittlungen ist. Ihr wäre es sogar lieber, sie könnte sich aus der ganzen Angelegenheit raushalten, denn sie hat keine Lust, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, nachdem der Skandal über ihren (in mehrfacher Hinsicht) betrügerischen Ex-Mann gerade erst abgeklungen war. Aber da sie sich nicht ganz raushalten kann, nutzt sie alle sich ergebenden Gelegenheiten, um mehr über den verstorbenen Ethan und all die anderen Beteiligten herauszufinden. Dabei muss ich der Autorin zu Gute halten, dass einige Elemente der Geschichte zwar vorhersehbar waren, aber am Ende genügend weitere Wendungen und Enthüllungen zum Vorschein kamen, dass ich die ganze Zeit über an der weiteren Entwicklung der Handlung interessiert blieb. Auch mochte ich den Großteil der Charaktere wirklich sehr, angefangen bei Sam, die wirklich viel Freude an ihrem neuen Job hat, bis zu den Personen, mit denen sie arbeitet, ihrer Schwester und sogar dem ermittelnden Polizisten.

Was mich auf einen Punkt bringt, auf den ich in Cozys ja oft etwas kritisch reagiere, nämlich das Verhältnis zwischen Protagonistin und Polizei. Auch hier ist es so, dass Sam relativ wenig Vertrauen in die Polizei hat, da sie wegen ihres Ex-Mannes gerade erst ein Gerichtsverfahren hinter sich bringen musste, in dem sie angeklagt wurde, an seinen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein. Aber statt dass sie die Polizei an sich als Feind betrachtet, nimmt sie zähneknirschend hin, dass sie schon wieder mit Polizisten zu tun hat, und arbeitet so gut sie kann mit ihnen zusammen. Es gibt kein Vorenthalten von Informationen, keine „das kann ich besser als die Profis“-Gedanken, sondern ein vorsichtiges Miteinander, das ich wirklich nett zu lesen fand. Oh, und es gab weder ein Flirten mit dem Polizisten noch seltsam feindseliges Verhalten von Sams Seite oder vonseiten der Ermittler, was ebenfalls sehr erholsam war.

Ich muss gestehen, dass ich Livia Days/Tansy Rayner Roberts‘ fantastische Romane amüsanter finde als ihre Cozys, aber „Dyed and Buried“ hat mir ein paar wirklich entspannte und unterhaltsame Stunden verschafft. Es gab so viele sympathische und sich realistisch anfühlende Charaktere, sehr viele Beschreibungen rund um das Leben in Hobart (und Tasmanien dient ja nun nicht gerade häufig als Kulisse für Romane) und so viele Details rund um Stoffe und Kleidung. Nicht so viele, dass sich jemand, der sich nicht für Mode, Stoffverarbeitung oder Färben interessiert, meiner Meinung nach langweilen würde, aber definitiv genug, um jemanden zu befriedigen, der sehr viel Spaß an solchen Dingen hat. Für 2022 ist schon eine Fortsetzung mit dem Titel „Drop Dead in Red“ angekündigt, und ich bin schon neugierig darauf, wie Sam dann in einen Mordfall rund um eine vor vierzehn Jahren verschollene Filmemacherin und ein rotes Abendkleid verwickelt wird.

Tansy Rayner Roberts: Power and Majesty (The Creature Court 1)

Obwohl ich bislang von Tansy Rayner Roberts vor allem humorvolle Fantasy gelesen habe, war es lustigerweise die Creature-Court-Reihe, die mich überhaupt erst auf die Autorin gebracht hatte. Irgendwie war ich über einen Kickstarter der Autorin gestolpert, mit dem sie die Neuauflage der drei Romane und die Veröffentlichung einer neuen Novella finanzieren wollte und weil die Bücher gut klangen und ich sehr viele Geschichten für einen überschaubaren finanziellen Beitrag bekommen sollte, habe ich mitgemacht. Am Ende hat das dazu geführt, dass ich mich seit ein paar Monaten mehr oder weniger systematisch durch Tansy Rayner Roberts‘ Veröffentlichungen lese und relativ hemmungslos die eBooks nachkaufe, die mir zur Vervollständigung der verschiedenen Reihen fehlen – für die Autorin hat sich mein Anteil an diesem Kickstarter definitiv gelohnt und ich beschwere mich auch nicht über all die Lesestunden, in denen ich mich bislang gut unterhalten gefühlt habe. 😉

Während bislang eigentlich alles sehr humorvoll gehalten war, was ich von Tansy Rayner Roberts gelesen habe, ist die Creature-Court-Reihe eher düstere Fantasy mit „Flappers“, Gestaltwandlern und einer nächtlichen Welt voller Kämpfe, Intrigen und Gefahren. Ich muss gestehen, dass bei „Power and Majesty“ der Flapper-Anteil relativ spät kommt und ich die Geschichte anfangs – dank der diversen Feiertage und Bezeichnungen – grob in „modernen“ römischen Zeiten einordnete. Aber auch ohne spürbaren 20er-Jahre-Anteil in den ersten Kapiteln fand ich die Grundidee hinter dieser Geschichte und den Ausbau der Welt von der ersten Seite an sehr cool. Den Großteil der Handlung verfolgt man aus den Perspektiven von Velody und Ashiol, die anfangs zwei vollkommen gegensätzliche Leben führen.

Während Velody zur Schneiderin ausgebildet wird und ihre größten Probleme in den ersten Jahren darin liegen, dass sie sich in der – für ein Mädchen aus einer Kleinstadt – überwältigend großen Stadt Aufleur nicht wohlfühlt, in die sie für sieben Jahre zur Ausbildung geschickt wird, kämpft Ashiol nachts über den Dächern von Aufleur um das Überleben der Stadt und gegen den Wahnsinn seines Herrschers. Velody weiß ebensowenig wie die restlichen Bewohner von Aufleur von den Ereignissen, die Nacht für Nacht unter und über der Stadt stattfinden. Ihr Leben wird von eher alltäglichen Begebenheiten und den diversen Feiertagen, die in Aufleur begangen werden, bestimmt. Einzig die Tatsache, dass sie – ebenso wie ihre beiden Freundinnen Delphine und Rhian – einige Erinnerungslücken bezüglich ihrer Vergangenheit hat, beunruhigt Velody. Erst als sie gegen ihren Willen in die Ereignisse rund um den Creature Court verwickelt wird, findet sie heraus, was diese Erinnerungslücken verursacht hat und welche Kämpfe in der Nacht gefochten werden.

Wirklich neu ist die Idee rund um den Creature Court eigentlich nicht. Die Autorin mischt da eine Gruppe von Gestaltwandlern mit einer gewalttätigen Lebensweise, seltsamen Abhängigkeitsverhältnissen, Sex und einer Spur von Vampirismus und packt dazu den großen nächtlichen Kampf gegen den Himmel. Keines dieser Elemente würde mich packen, wenn Tansy Rayner Roberts nicht auf der einen Seite wirklich toller Charaktere geschaffen hätte und es auf der anderen Seite nicht immer wieder großartige und überraschende Entwicklungen zwischen Velody und dem Creature Court geben würde. Da Velody erst als erwachsene Frau zu dieser dunklen Gesellschaft stößt und vollkommen unbelastet ist von all den Vorgeschichten, Intrigen und Verbindungen, sind ihre Handlungen für die anderen Beteiligten unberechenbar, während sie selbst alles dafür tut, um innerhalb der Möglichkeiten, die der Creature Court bietet, so menschlich wie möglich zu bleiben.

Durch all die überraschenden und ungewöhnlichen Elemente in „Power and Majesty“ fand ich diese Fantasygeschichte erstaunlich packend und erfrischend zu lesen. Ich habe die verschiedenen Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen schnell ins Herz geschlossen, und vor allem freue ich mich sehr, dass ich mit „The Shattered City“, „Reign of Beasts“ und „Cabaret of Monsters“ noch einige Geschichten in dieser seltsamen und düsteren Welt vor mir habe und noch mehr Abenteuer mit Velody, Ashiol und den anderen Mitglieder des Creature Court erleben darf. Ich freu mich wirklich darüber, dass es der Autorin so gut gelungen ist, aus vertrauten und inzwischen eigentlich wenig reizvollen Urban-Fantasy-Aspekten eine solch ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte zu schaffen.

Tansy Rayner Roberts: Belladonna-University-Serie

Die Belladonna-University-Serie besteht aus einer Reihe von (ca. 40-110 Seiten langen) Geschichten rund um eine Gruppe von Studenten an einer magischen Universität. Wobei „magische Universität“ nicht ganz korrekt ist, denn die Belladonna University hat einen magischen und einen unmagischen Campus, und die Studenten können für ihr Studium Kurse in beiden Bereichen belegen. Tansy Rayner Roberts hat diese Universität in einer Variante von Australien angesiedelt, in der Magie eine alltägliche Sache ist, auch wenn nicht jeder Mensch über Magie verfügt. Die Handlung dreht sich um die Mitglieder der Band „Fake Geek Girl“ und ihren (erweiterten) Freundeskreis. Sängerin der Band ist Holly, die das Leben ihrer Zwillingsschwester Hebe anscheinend vor allem als Inspiration für ihre Songs sieht, der Drummer von „Fake Geek Girl“ ist Sage, Hebes schwuler Ex-Freund, und ergänzt wird die Gruppe noch von der Cellistin Juniper, deren große Leidenschaft für die Romane von Jane Austen sich auch immer wieder in ihren Tagebucheinträgen widerspiegelt.

Jede Story hat ihr eigenes Grundthema, aber alle Geschichten werden aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, so dass der Leser in der Regel mehr weiß als die jeweiligen Erzähler, und immer spielt die Freundschaft zwischen allen Beteiligten (und die Angst, dass diese Freundschaft eines Tages ein Ende nehmen könnte) eine große Rolle. Es ist schwierig, mehr über die Handlung zu schreiben, denn die Geschichten setzten sich eher aus vielen kleinen Dingen zusammen. Selbst in „The Bromancers“, wo die Band bei einem Festival auftritt und gleich zwei Bandmitgliedern etwas Schlimmes zustößt, hatte ich nicht das Gefühl, dass es eine große Handlung gäbe, sondern viele parallel laufende Elemente rund um die verschiedenen Charaktere, die zu einer unterhaltsamen und spannenden Geschichte führten.

Ich mochte die Art und Weise, in der Tansy Rayner Roberts in dieser fantastischen Welt Magie verwendet (und die Tatsache, dass Kaffee als Magie-Dämpfer wirkt), und mindestens ebenso sehr habe ich den Humor genossen, der sich durch alle „Belladonna University“-Titel zieht. Dass ein paar Charaktere ein sehr intensives Sexualleben führen, hätte ich nicht unbedingt in dieser Häufigkeit in den Geschichten haben müssen, aber auch da gab es den einen oder anderen amüsanten Moment, so dass ich auch mit dem relativ wahllosen Sex (gerade bei zwei ansonsten recht sympathischen Figuren) leben konnte. Doch vor allem habe ich es geliebt, von den unterschiedlichen Facetten von Freundschaft zu lesen, die in dieser Gruppe zu finden sind. Sich so gern zu haben, über einen so langen Zeitraum eine Freundschaft aufrechtzuhalten, zusammen zu leben und eine Band zu haben (oder intensiv in die Belange von „Fake Geek Girl“ eingebunden zu sein), ist auch in diesen Geschichten nicht einfach.

Immer wieder gibt es Momente, wo sich jemand verletzt fühlt oder wo eine Eigenart einer Person das Zusammenleben und -arbeiten schwierig macht, aber am Ende sind sie alle immer noch befreundet und verstehen sich wieder ein Stückchen besser als zuvor, und das war wirklich gut zu lesen. Dazu gibt es noch viele Momente rund um Magie, Musik und Geektum, die diese Welt wirklich bereichern und mit denen ich mich – auch ohne einen solchen Bezug zu Magie und Musik zu haben *g* – ein Stückchen identifizieren konnte. Alles in allem waren diese Geschichten eine wunderbar unterhaltsame Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen mochte und die ich sehr genossen habe. Ich hoffe nur, dass die Autorin noch mehr Titel veröffentlicht, die mich zur „Belladonna University“ führen, denn die Charaktere sind mir wirklich ans Herz gewachsen, und ich wüsste gern, wie es mit ihnen (und natürlich auch der Band) weitergeht.

Wer jetzt neugierig auf die „Belladonna University“ geworden ist, findet die Geschichten online als eBooks. Die ersten vier Teile gibt es als Bundle, das zur Zeit günstig für den Kindle zu haben ist. Es enthält die Titel „Fake Geek Girl“ (Teil 1), „Unmagical Boy Story“ (Teil 2), „The Bromancers“ (Teil 3) und „The Alchemy of Fine“ (Teil 0,5 – der im Bundle nach Teil 3 kommt und für mich so auch gut funktioniert hat). Die aktuellste Veröffentlichung, „Halloween Is Not A Verb“, ist gerade erst Ende Oktober erschienen und deshalb bislang nur als Einzeltitel zu haben.

Tansy Rayner Roberts: Let Sleeping Princes Lie (A Castle Charming 3)

Je länger eine Castle-Charming-Geschichte, desto ernsthafter scheint sie zu sein – so ist es kein Wunder, dass „Let Sleeping Princes Lie“ von Tansy Rayner Roberts mit 134 Seiten der bislang dramatischte Band der Castle-Charming-Geschichten ist. Nach der herbstlichen Ballsaison („Glass Slipper Scandal“) und der winterlichen „Sportsaison“ („Dance, Prince, Dance“) ist nun der Frühling im Königreich Charming herangebrochen und damit auch die Spinnrad-Phase. Jedes Jahr um diese Zeit werden alle Spinnräder eingesammelt und verbrannt und trotzdem tauchen rund ums Schloss lauter Spinnräder auf und bedrohen die Prinzen und die Prinzessin. Für den Reporter Kai, der erst seit wenigen Monaten im Königreich lebt, ist das Ganze anfangs nur eine interessante Story – doch dann versucht er, Prinz Chase vor einem plötzlich auftauchenden Spinnrad zu retten und fällt selbst dem Fluch zum Opfer. Während Kais Freund Dennis, seine Kollegen von der Palastwache und Chase, Cyrus und Camilla Charming verzweifelt einen Weg suchen, um Kai aus seinem Zauberschlaf zu retten, findet sich Kai in einem verzauberten Schloss voller tödlicher Monster wieder.

Gemeinsam mit der wehrhaften L und dem Xix-Prinzen Zuo-lin muss der Reporter ununterbrochen kämpfen, um nicht von diesen unheimlichen Wesen getötet zu werden. Ich mochte die Idee sehr, dass die Personen, die dem Fluch der Spinnräder zum Opfer fallen, nicht einfach nur schlafen, sondern in einem albtraumhaften Schloss Tag für Tag um ihr Leben kämpfen müssen. Dies sorgt – ebenso wie die Enthüllungen rund um den Fluch, der für Kais Entführung und das Schicksal von Königin Ella verantwortlich ist – für eine düstere und bedrückende Atmosphäre, ohne dass Tansy Rayner Roberts vollkommen auf die kleinen amüsanten Szenen verzichtet, die von Anfang an den Ton der Castle-Charming-Geschichten ausgemacht haben. Dazu kommen noch die überraschenden Erkenntnisse rund um den Ursprung des Fluchs und um die Identität von Kais Pflegemutter und einige neue und unvorhersehbare Entwiklungen rund um die Palastwächterin Ziggy, die für eine spannende Weiterführung der Handlung sorgen.

Ich mochte es sehr, wie stimmig die Autorin die Handlung weiterentwickelt hat. Obwohl schon von Anfang in den Geschichten mitschwingt, dass die gesamte Königsfamilie (und somit auch das Königshaus) unter dem Fluch leidet, wird erst in „Let Sleeping Princes Lie“ deutlich, wie viele Geheimnisse und unausgesprochene Vorwürfe damit verbunden sind und wie sehr das Ganze die Königsfamilie beeinflusst hat. Am Ende dieser Geschichte müssen sie nicht nur mit der Vernachlässigung durch den König und die Abwesenheit ihrer Mutter fertigwerden, sondern auch mit all den Dingen, die ihr Vater ihnen bislang vorenthalten hat und die fast alles, was sie bislang über ihrer Familiengeschichte zu wissen glaubten, auf den Kopf stellten. So scheint das Brechen des Fluchs für die Zukunft mehr Probleme aufzuwerfen, als das Leben mit dem Fluch eh schon mit sich brachte. Ich bin wirklich neugierig, wie es im Königreich Charming weitergeht und ob es am Ende doch noch so etwas wie ein Happy End für die Königsfamilie (und die Mitglieder der Palastwache) geben wird – dummerweise wird der vierte Teil der Serie erst im kommenden Jahr veröffentlicht, und so muss ich mich noch eine ganze Weile gedulden.

Tansy Rayner Roberts: Dance, Prince, Dance (A Castle Charming 2)

„Dance, Prince, Dance“, der zweite Teil der Castle-Charming-Geschichten von Tansy Rayner Roberts, ist mit 73 Seiten etwas länger als „Glass Slipper Scandal“ – was dem Ganzen meiner Meinung nach guttut. Dieses Mal wird der Leser direkt in die Handlung geworfen – es wird eindeutig vorausgesetzt, dass man die Figuren schon aus der ersten Geschichte kennt -, während man als Erstes den jährlichen winterlichen Wettstreit zwischen den Prinzen und ihren „Hunden“ (der Palastwache) auf dem Spielfeld kennenlernt. So amüsant die Geschichte mit einer Runde „Rookery“ anfängt, bei der zwei gut gerüstete Parteien um drei mit Eisenstacheln besetzte Bälle spielen, so wird schnell deutlich, dass „Dance, Prince, Dance“ insgesamt einen deutlich düstereren Unterton hat als „Glass Slipper Scandal“.

Dieses Mal bekommt man als Leser auch die Perspektive von Prinz Chase Charming mit, der Nacht für Nacht von einem ungewöhnlichen Ball träumt, an dem er und sein Bruder Prinz Cyrus teilnehmen. Während sich der Rest des Landes noch fragt, was es mit der mysteriösen Bestellung von Tanzschuhen auf sich hat, ermitteln der Palastwächter Dennis, seine neue Kollegin Ziggy und der Reporter Kai auf eigene Faust. So stolpern diese drei nicht nur über den Hersteller der Schuhe, sondern auch über einen Soldaten, der schon früher mit massenhaft zertanzten Schuhen zu tun hatte und mehr über die Hintergründe dieses speziellen Rätsels zu wissen scheint. Obwohl Tansy Rayner Roberts diese Geschichte immer noch mit vielen amüsanten kleinen Momenten spickt, ist der Grundton deutlich melancholischer als bei dem ersten Castle-Charming-Teil, was mir gut gefallen hat.

Zwar mag ich den Humor der Autorin sehr, und die Tatsache, dass dieses magische Königreich so viele Elemente für skurrile Szenen bietet, aber die Perspektive von Prinze Chase fügt dem Ganzen mehr Realismus zu und lässt einen hinter die Fassade des leichtlebigen jungen Mannes blicken. So verleiht Tansy Rayner Roberts nicht nur allen Prinzen deutlich mehr Tiefgang, sondern bietet dem Leser auch einen Einblick in die Vergangenheit des Kommandanten der Palastwache und seiner Beziehung zu der Feen-Patin, die für den Glass-Slipper-Skandal verantwortlich war. Ein wenig ausgeglichen werden diese düsteren Elemente durch die sich weiter entwickelnde Beziehung von Dennis und Kai, die sich – trotz der Probleme, die sich durch ihre Berufe ergeben – endlich ein bisschen näher kommen. Dabei bleibt ein großes Geheimnis am Ende der Geschichte immer noch ungelüftet, so dass genügend Fragen offen bleiben, um einen neugierig auf „Let Sleeping Princes Lie“, den dritten Castle-Charming-Band, zu machen.

Tansy Rayner Roberts: Glass Slipper Scandal (A Castle Charming 1)

Vor einiger Zeit hatte ich eine Kickstarter-Kampagne entdeckt, bei der die Autorin Tansy Rayner Roberts Geld sammelte, um ihre Creature-Court-Serie noch einmal auf den Markt bringen zu können. Als Belohnung gab es nicht nur die Creature-Court-Titel, sondern auch noch weitere Veröffentlichungen der Autorin, die in den letzten Tagen bei mir (als eBooks) eingetroffen sind. „Glass Slipper Scandal“ ist eine 40seitige Geschichte rund um die aktuelle Saison in Castle Charming. Aus mehreren Perspektiven erlebt man eine Geschichte rund um diese ganz besonders verrückte Zeit im Jahr, in der lauter ausländische Prinzessinnen auf dem Schloss eintreffen, in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit eines der beiden Prinzen auf sich zu ziehen. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht einer der Prinzessinnen (Ziyi), eines der neuen Palastwächter (Dennis) und eines – ebenfalls neu in seinem Job seienden – Reporters (Kai).

Obwohl die Geschichte so kurz ist, habe ich die verschiedenen Erzähler ebenso wie die diversen Nebenfiguren schnell ins Herz geschlossen. Ziyi zum Beispiel ist es vollkommen egal, ob sie einen Prinzen heiratet, sie will nur, dass diese demütigende Reise von Saison zu Saison und von Königreich zu Königreich endlich ein Ende hat. Kai hingegen entdeckt, dass man als Reporter eine ganze Menge Dinge erfährt, die man nie schreiben kann, weil es nicht nur darum geht, die Wahrheit zu erzählen, sondern auch darum, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Und Dennis stellt fest, dass man als Leibwächter des Prinzen weniger Angst vor Attentätern als vor dem Benehmen seines Schützlings haben muss. Dazu kommt, dass das gesamte Königreich traumatisiert ist durch die Liebesgeschichte des aktuellen Königs und seiner Frau. Die beiden haben eine klassische „Glass Slipper“-Romanze gehabt, doch wie es nun einmal bei Liebesgeschichten der Fall ist, die durch die Hilfe von Feen zustandekamen, war das Ende recht tragisch. Niemand im gesamten Königreich will so etwas noch einmal miterleben – weshalb es umso alarmierender ist, als am ersten Ballabend eine geheimnisvolle Prinzessin mit gläsernen Schuhen auftaucht und mit dem ältesten Prinzen tanzt.

Auch wenn „Glass Slipper Scandal“ kaum mehr als der Prolog der Geschichte rund um Castle Charming ist, habe ich mich wunderbar über all die märchenhaften Elemente, die überraschenden Hintergründe zu den diversen Personen und die unterhaltsamen kleinen Wendungen in der Handlung amüsiert. Ich fand die Anziehung zwischen Dennis und Kai wunderschön beschrieben, ich mochte Prinzessin Ziyis wilde Entschlossenheit, alles dafür zu tun, damit sie nicht zurück in ihre Heimat muss, und ich musste über den armen Kai schmunzeln, der über die Story seines Lebens stolpert, nur um festzustellen, dass er das so niemals veröffentlichen können wird. Es gibt so viele Nebenfiguren in dieser kurzen Geschichte, über deren Leben ich gern mehr erfahren würde, ebenso wie ich gern mehr über all die kleinen fantastischen Dinge wissen würde, wie zum Beispiel die magische Tinte, die für das Schreiben des „Charming Heralds“ verwendet wird. Alles in allem war „Glass Slipper Scandal“ ein wunderbarer kleiner Blick in ein ungewöhnliches märchenhaftes Königreich und ich freue mich sehr, dass ich mit „Dance, Prince, Dance“ und „Let Sleeping Princes Lie“ zwei weitere (wenn auch wieder recht kurze) Geschichten rund um Castle Charming vor mir habe.