Sommer bedeutet für mich, dass ich vor allem zu eBooks greife, auch wenn in diesem Jahr vor allem der Juli angenehmerweise kühl genug war, um immer wieder einen gedruckten Roman in die Hand nehmen zu können. Die meisten gelesenen eBooks stammten aus der Feder von Celia Lake (12 Romane! *uff*), und zu der Autorin habe ich eigentlich auf dem Blog schon genug geschrieben. Aber zwischendurch habe ich mich natürlich auch mit anderen Autor*innen beschäftigt, und für die Titel, zu denen ich bestimmt keine Rezension schreiben werde, gibt es hier wieder ein paar Lese-Eindrücke:
Tam May: The Case of the Washed-Up Corpse (Grave Sisters Mysteries Book 1)
„The Case of the Washed-Up Corpse“ hatte mich gereizt, weil es mir als 20er-Jahre-Mystery mit drei Schwestern als Protagonistinnen ans Herz gelegt wurde. Die Graves-Schwestern führen in einer kleinen Stadt im Norden von Kalifornien ein Bestattungsinstitut, das sie von ihrem Vater geerbt haben. In die Ermittlungen in einem Mordfall werden die beiden älteren Schwestern verwickelt, als der Staatsanwalt Oliver Clarke sie bittet, sich eine Leiche anzuschauen, die gerade aus dem Fluss gefischt wurde. All die kleinen Dinge, die den beiden auffallen, führen dazu, dass vor allem Eve (die älteste der Schwestern) im Laufe der nächsten Tage immer wieder von Oliver um Hilfe gebeten wird, wenn es um die Befragung von Zeugen geht. Es gab einige Elemente, die ich an der Geschichte mochte, aber leider auch nicht wenige, die mich beim Lesen eher gestört haben. Mir gefielen sowohl der Schauplatz als auch die Tatsache, dass die Handlung in den 1920er Jahren spielt. Ebenso mochte ich die Beziehung der drei Schwestern zueinander sehr, ebenso wie ihr Verhältnis zu ihrer Haushälterin, die die drei mitaufgezogen hat.
Ich weiß, dass es schwierig ist, bei Kriminalromanen die richtige Mischung aus Hinweisen und Verschleierung hinzubekommen, so dass die Leser*innen neugierig auf die Handlung bleiben und am Ende trotzdem nicht das Gefühl haben, dass die Auflösung aus dem Nichts kommt. Aber wenn ich mir beim ersten Auftreten des Mörders/der Mörderin sicher bin, dass diese Person verantwortlich für den Tod des Opfers ist, dann verliere ich die Geduld mit der Geschichte – vor allem, wenn ich mich dann auch noch über das Verhalten einer der Protagonistinnen ärgere. Die mittlere Schwester Helena ist sehr gebildet, hat Medizin studiert (auch wenn sie als Frau nicht praktizieren darf) und ist vor allem hinter den Kulissen des Bestattungsinstituts tätig, weil sie besser mit Toten als mit Lebenden zurechtkommt. Trotzdem hätte ich erwartet, dass sie nicht bei jeder Gelegenheit jede Person, die offiziell an den Ermittlungen beteiligt ist, provoziert und verärgert. Dieses Verhalten sollte vermutlich zeigen, wie intelligent und feministisch diese Figur ist. Aber es hat bei mir vor allem das Gefühl hervorgerufen, dass es Helena nicht darum geht, den Mörder zu finden, sondern sie nur zu zeigen will, wie viel klüger als alle anderen sie ist. Dazu kam dann noch, dass der Handlungsbogen (ebenso wie viele der Nebenfiguren) sehr schablonenhaft konstruiert wurde, so dass ich erschreckend froh war, als ich den Roman endlich beendet hatte.
Tansy Rayner Roberts: Crown Tourney – Ten tales of deadly damsels, cursed castles and edged weapons
Zu „Crown Tourney“ hatte ich am Lese-Sonntag im Juni schon etwas geschrieben. Der Band ist eine Sammlung von zehn märchenhaften Geschichten, die Tansy Rayner Roberts im Laufe ihrer Karriere geschrieben hat. Ich mochte eigentlich alle Geschichte in dem Band, gerade weil sie ziemlich unterschiedlich waren, und ich fand es spannend, die Anmerkungen der Autorin dazu zu lesen. Dort schreibt sie darüber, was sie inspiriert hat, wie sie heute über die älteren ihrer Geschichten denkt (und was sie so nicht mehr schreiben würde) und gibt zusätzlich einen Haufen Lese-Empfehlungen, für Personen, die märchenhafte Geschichten oder Neuinterpretationen von Märchen mögen. Perfekt für Leute, die mal schauen möchten, was die Autorin so schreibt und wie unterschiedlich ihre Veröffentlichungen sein können, auch wenn es bei ihr einige Elemente gibt, die immer wieder vorkommen.
C. L. Polk: Witchmark und Stormsong (Kingston Cycle 1+2)
Im Juni hatte ich mir als Teil meines „lies ältere Sachen vom SuB“-Vorhabens „Stormsong“ ins Auge gefasst, weshalb ich erst einmal erneut zu „Witchmark“ griff, um meine Erinnerung an die Geschichte aufzufrischen. Mir hat das Lesen von „Witchmark“ auch dieses Mal viel Spaß gemacht, und während ich nach dem ersten Lesen nicht bereit für den Wechsel zum zweiten Band war, war ich dieses Mal wirklich neugierig darauf, wie die Handlung mit Miles‘ Schwester Grace als Protagonistin weitergeht. Grundsätzlich mochte ich auch den zweiten Band dieser Reihe, aber ich muss zugeben, dass mich Romane, in denen gefühlt 99% aller Personen aus Eigeninteresse handeln, deutlich weniger erfreuen, als Bücher, in denen die Figuren weniger egozentrisch sind. Das trifft vor allem dann zu, wenn es sich bei den handelnden Personen zum Großteil um Politiker handelt. Das fühlt sich doch ein bisschen zu nah an der aktuellen Realität an, um erträglich zu sein. Außerdem gab es etwas, das die Protagonistin Grace auf der Suche nach einer Erklärung für ein bestimmtes Phänomen nicht als relevant erachtete, das für mich aber bei der allerersten Erwähnung bereits als entscheidendes Element auf der Hand lag – weshalb ich bis kurz vorm Ende des Romans ungeduldig darauf wartete, dass sie auch endlich darauf kommt. Danach brauchte ich wieder eine kleine Pause von der Reihe, aber ich bin wild entschlossen, im August endlich den dritten Band des Kingston-Cycles zu lesen.
Mira Grant: Final Girls (Hörbuch)
„Final Girls“ ist eine der vielen kurzen Veröffentlichungen von Mira Grant (Seanan McGuire), die bei Subterranean Press erschienen sind und die ich deshalb aus Kostengründen lieber als Hörbuch konsumiert habe. Diese Novella dreht sich um ein Virtual-Reality-Programm, mit dem die Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Web in ihrem Institut psychische Verletzungen ihrer Klient*innen heilen will – und dem die Journalistin Esther Hoffman sehr skeptisch gegenübersteht. Während Esther selbst eine solche VR-Sitzung für einen kritischen Artikel über Dr. Webs Methoden testet, kommt es zu einem Vorfall, der dazu führt, dass die beiden Frauen eng zusammenarbeiten müssen, um zu überleben. Es gibt so einige Elemente in der Geschichte, die für jemanden, der schon mehrere Veröffentlichungen von Mira Grant gelesen hat, sehr vertraut waren. Das war für mich aber vollkommen in Ordnung, weil ich die Erzählweise der Autorin mag und es faszinierend finde, wie sie diese Elemente in die jeweilige Handlung einbettet. Es ist nicht Mira Grants beste Geschichte, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich mochte das Ende sehr. Dazu kam, dass die Sprecherin Jennifer Pickens den verschiedenen Figuren genügend Individualität und Glaubwürdigkeit verliehen hat, dass ich selbst nach einer längeren Hörpause (verursacht durch ein paar Wochen Hitze zwischen zwei Puzzle-Runden) kein Problem hatte, die unterschiedlichen Charaktere einzuordnen.
Lilith Saintcrow: Rose & Thunder
Eine Urban-Fantasy-Variante von „Die Schöne und das Biest“, die begeistert von einer Autorin empfohlen wurde, deren Bücher ich gern mag. Ich muss zugeben, dass ich von „Rose & Thunder“ nicht so angetan war, obwohl ich den Roman ausgelesen habe. Grob zusammengefasst dreht sich die Handlung um einen Mann, auf dem ein Fluch lastet und der einen Ley-Linien-Knotenpunkt bewachen muss, und um eine Hexe, die dahin reist, wohin der Wind sie ruft, um Probleme zu lösen (oder vor ihren eigenen Problemen wegzulaufen). Ich mochte die Grundidee, fand aber die Protagonistin und ihre Erzählstimme unerträglich. Dass ich die Geschichte beendet habe, lag vor allem daran, dass ich herausfinden wollte, wieso jemand das Buch so begeistert empfehlen würde. Ich glaube, dass die Grundidee und all die eher ruhigen Szenen zwischen den beiden Hauptpersonen in der Bibliothek einen großartigen „cozy Fantasy“-Roman hergegeben hätten. Aber den dann bitte mit einer Protagonistin, die sich nicht durchgehend verzweifelt selbst beweisen muss, was für eine hartgesottene, coole Person sie ist, während sie einem die ganze Zeit erzählt, dass sie ja in ihrem Leben schon so viele gefährliche Situationen mit Bravour gemeistert hat. Immerhin weiß ich jetzt wieder, wieso ich Lilith Saintcrow als „keine Autorin für mich“ im Hinterkopf hatte, obwohl ich bislang nicht viel (und vor allem Kurzgeschichten in Anthologien) von ihr gelesen habe.
