Schlagwort: Liebe und Romantik

Rachel Morgan: The Charmed Leaf Legacy 1-3

Ich weiß nicht mehr, wo ich über diese Reihe von Rachel Morgan gestolpert bin, aber die „The Charmed Leaf Legacy“-Bücher sind einfach bezaubernd, wohltuend und amüsant. Rachel Morgen lässt diese Romane in einer fantastischen Regency-Welt spielen, in der die Fae mit all ihrer Magie der Adelsschicht entsprechen, während die Menschen – aufgrund ihres Mangels an Magie – im besten Fall die Mittelschicht erreichen können. Das bedeutet natürlich, dass Ehen zwischen Fae und Menschen – und ebenso eventuelle Kinder aus solch einer Verbindung – dementsprechend skandalös sind. Die Protagonistin des ersten Bandes „Tempest & Tea Leaves“ ist das Ergebnis einer solchen Ehe, und während ihr Fae-Vater und ihre menschliche Mutter sehr liebevoll und sehr stolz auf Iris sind, ist die Fae-Gesellschaft wenig entgegenkommend, als Iris während der Bloom Season ihre Magie vorstellen soll.

Ich fand die Ähnlichkeit zwischen „Tempest & Tea Leaves“ und „Pride and Prejudice“ von Jane Austen bei der ersten Begegnung zwischen Iris und ihrem Gegenstück Lord Jasvian Rowanwood schon sehr auffällig. Aber zum Glück geht die Handlung dann schnell ihren eigenen Weg – vor allem, da Lord Jasvians Großmutter Lady Rivenna beschließt, dass Iris eine geeignete Nachfolgerin für die Leitung ihres „Charmed Leaf Tea House“ sein könnte. Während Iris von Lady Rivenna ausgebildet wird, müssen sie und Lord Jasvian im selben Büro arbeiten – was natürlich dazu führt, dass die beiden sich besser kennenlernen und ihre gegenseitigen Vorurteile überwinden. Ich mochte diese Mischung aus (magischer) Ausbildung, Geplänkel zwischen Iris und Lord Jasvian, die ungewöhnliche Magie rund um das Teehaus und Iris‘ – auf den ersten Blick – nutzloser Fähigkeit wirklich sehr. „Tempest & Tea Leaves“ war – trotz all der unschönen Begegnungen, die Iris mit einigen Fae hatte – eine rundum amüsante und wohltuende Lektüre, die mir wirklich Spaß gemacht hat. Deshalb war ich sehr froh, dass ich mir nach dem Lesen der Leseprobe gleich den Sammelband mit den ersten drei Teilen der Reihe gegönnt hatte.

Dabei muss ich zugeben, dass ich Mariselle Brightcrest, die Protagonistin von „Deals & Dreams“, im ersten Band sehr unangenehm fand und mir nicht vorstellen konnte, dass ich ihre Liebesgeschichte gern lesen würde. Aber schon auf den ersten Seiten sorgt Rachel Morgan dafür, dass Mariselle in einem ganz neuem Licht erscheint – was dafür sorgt, dass ihre Fake-Verlobungs-Geschichte mit Evryn Rowanwood mir überraschenderweise am Ende noch besser gefiel als der erste Band der Reihe. Das lag auch daran, dass sich Mariselle und Evryn ständig gegenseitig alberne Streiche spielen. was zu sehr vielen unerwarteten und amüsanten Szenen führt. Gleichzeitig wird trotz all der lustigen Momenten deutlich, dass beide Figuren nicht glücklich mit ihrer Position innerhalb ihrer Familien sind und sich nach jemandem sehnen, der sie so respektiert, wie sie sind – wobei Evryn sich immerhin sicher sein kann, dass seine Familie ihn liebt. Gerade weil Mariselle innerhalb ihrer Familie auf keine Unterstützung hoffen kann, ist es umso schöner zu verfolgen, wie Evryn ihr – trotz der unglücklichen Umstände, die zur ihrer Fake-Verlobung geführt haben – zur Seite steht. Das war berührend und amüsant und wirklich schön zu lesen – weshalb ich auch dieses Mal am Ende nicht davon ausging, dass mir der nächste Band annähernd so gut gefallen könnte.

Damit hatte ich mich aber erneut getäuscht, denn auch „Love & Letter Charms“ konnte mich nicht nur mindestens ebenso gut unterhalten wie die ersten beiden Bänden, sondern auch damit überraschen, wie gut Aurelise Rowanwood (die jüngste Schwester von Jasvian und Evryn) und Prinz Ryden zusammenpassen. Dabei ist die unglaublich schüchterne Aurelise zutiefst schockiert, als verkündet wird, dass in dieser Bloom Season alle debütierenden Fae-Damen für einige Wochen in den Palast eingeladen werden, damit der Prinz unter ihnen seine zukünftige Frau auswählen kann. Auch bei dieser Geschichte gelingt es Rachel Morgan, im Laufe der Handlung zu zeigen, dass ihre Figuren deutlich mehr Tiefe haben, als der erste Eindruck andeutet, und während ich es anderen Autor*innen vermutlich nicht so schnell verzeihen würde, dass der Protagonist Aurelise eine wichtige Information vorenthält, konnte ich es hier erstaunlich gut nachvollziehen und es Prinz Ryden (ebenso wie der Autorin) nachsehen.

Insgesamt habe ich drei rundum befriedigende Tage mit den drei Bänden der „The Charmed Leaf Legacy“-Reihe verbracht, während derer ich meine Lektüre kaum aus der Hand legen mochte. Jeder der drei Romane hatte einen ganz anderen thematischen Schwerpunkt, und sie fühlten sich beim Lesen überraschend unterschiedlich an, obwohl sie alle drei eine gute Mischung aus berührenden und amüsanten Szenen hatten. Ich mochte die Hauptfiguren und die Personen, von denen sie unterstützt werden, wirklich sehr – so sehr, dass es mir jedes Mal schwerfiel, mir vorzustellen, dass ich die Protagonisten des nächsten Teils ebenso ins Herz schließen würde, nur um dann eines Besseren belehrt zu werden. Es sind schon zwei weitere „The Charmed Leaf Legacy“-Bände angekündigt (und von mir vorbestellt) worden, und ich hoffe sehr, dass sie mir ebenso gut gefallen werden wie die ersten drei Teile der Reihe. Wobei ich da wirklich optimistisch bin, denn es ist wirklich selten, dass ich nach dem Lesen von Fortsetzungen das Gefühl habe, dass die Geschichten immer besser werden.

Oh, und für diejenigen, die Interesse an der Reihe haben, aber nicht auf Englisch lesen mögen: Es gibt deutsche Ausgaben der ersten drei Bände, die von der Autorin selbst veröffentlicht wurden. Allerdings kann ich nichts zur Qualität der Übersetzung sagen – nur, dass sich der deutsche Klappentext für mich unrunder anfühlt als der englische, aber das liegt vermutlich daran, dass ich inzwischen so viel mehr auf Englisch lese.

Lese-Eindrücke März 206

In den letzten zwei Märzwochen habe ich so viel und intensiv gelesen, dass ich alle paar Tage innehalten und meine diversen Leselisten aktualisieren musste. Ich gebe zu, dass der Großteil der gelesenen Romane „Fast Food“-Lektüre war, aber es hat mir wirklich gutgetan, mal wieder so sehr im Lesen zu versinken. Bei der Menge an gelesenen Büchern ist natürlich auch einiges zusammengekommen, was nicht genug Eindruck für eine ausführliche Rezension hinterlassen hat, aber wozu ich hier trotzdem noch ein paar Zeilen festhalten möchte. Oh, und Anlass für die Menge an gelesenen Büchern war eine Aktion, bei der viele erste Bände von Serien kostenlos angeboten wurden, von denen ich mir zum Monatsanfang einige runtergeladen hatte.

Ava Grace Bentley: A Billionaire’s Tail (Heiress of the Dawn 1)

Ich muss gestehen, dass ich „A Billionaire’s Tail“ wegen des – meiner Meinung nach wirklich suboptimalen – Titels beinah nicht runtergeladen hätte. Aber zu meiner Überraschung hat sich die Geschichte von Ava Grace Bentley als wirklich solide, actionreiche Urban Fantasy herausgestellt, und ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. In „A Billionaire’s Tail“ verbergen sich die „Others“ (übernatürliche Personen) vor den Menschen, während gleichzeitig ein Machtkampf zwischen den „normalen Others“ (wie Werwölfe, Vampire usw.) und den „Omens“ (besonders starke übernatürliche Wesen, deren Geheimnis erst im Laufe des Romans enthüllt wird) stattfindet. Die Protagonistin ist seit Jahren auf der Flucht vor dem Mann, der ihre Familie getötet hat, und deshalb zu Beginn der Geschichte physisch, psychisch und finanziell ziemlich am Ende, aber natürlich wendet sich ihr Schicksal in den ersten Kapiteln zum Besseren. Insgesamt ist die Handlung schon relativ vorhersehbar (und wieso die Protagonistin nicht kapiert, dass die drei Personen, die alle gleich riechen, „überraschenderweise“ ein und dieselbe Person in unterschiedlichen Identitäten sind, muss ich nicht verstehen), aber ich hatte trotzdem eine so gute Zeit mit dem Roman, dass ich mir nach dem Lesen von „A Billionaire’s Tail“ den zweiten Teil vorbestellt habe, der am 30. Juni erscheinen wird.

Kenley Davidson: Dragon Chained (The Dragon of 23rd Street 1)

Noch ein kostenloser erste Band einer Reihe und noch eine Geschichte, mit der ich mich überraschend gut amüsiert habe, obwohl der Humor mir stellenweise etwas zu gewollt war. Protagonistin Kira Everleigh ist eine Drachin, die gemeinsam mit ihrer Tante in Menschengestalt in einer kleinen Wohnung über einer Buchhandlung in Oklahoma City lebt. Während ihre Tante verreist ist, kümmert sich Kira um den Laden, bis eines Tages ein Elf das Geschäft betritt und nach ihrer Tante sucht. Im Laufe der Geschichte findet Kira raus, dass sie deutlich weniger über ihre Herkunft, über ihre Tante und all die anderen magischen Rassen weiß, als sie dachte, während sie sich gleichzeitig mit einem Elfen-Assassinen auf die Suche nach ihrer verschwundenen Tante macht und einige Abenteuer erlebt. Es gab einige wirklich nette Momente in der Geschichte, und die Handlung hat sich sehr schön flüssig weglesen lassen. Aber es gab auch zu viele Szene, bei denen ich mit den Augen gerollt habe, weil sie geradezu „schau, ist das nicht lustig?!“ schrien. Alles in allem nett, aber nicht gut genug, um Geld für die beiden Fortsetzungen auszugeben … Oh, und noch eine kleine Anmerkung: Laut Klappentext ist die Trilogie schon mal unter dem Pseudonym Haley Ryan veröffentlicht worden.

Jen Lynning: Lady of Truth (The Great Balance World)

„Lady of Truth“ von Jen Lynning gehörte nicht zu den schon erwähnten kostenlosen eBooks, sondern war eine Empfehlung aus einem Autorinnen-Newsletter – und ich fand die Grundidee, dass die Protagonistin Eleya nicht lügen kann, reizvoll. Die Geschichte beginnt damit, dass sich Eleya nachts in das Schlafzimmer des Mannes schleicht, bei dem ihr Bruder Schulden hat, um diese Schulden auf … handfeste Weise „abzuarbeiten“. Doch Prinz Dmir hat nicht vor, Eleya auszunutzen oder gar Geld von einem Mann einzutreiben, den das in Schwierigkeiten bringen würde – was am Ende dazu führt, dass er Eleya als Sekretärin beschäftigt. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander, und ich fand es etwas unbefriedigend, dass ich in dem (gerade mal 120 Seiten langen) Roman das bessere Kennenlernen der beide nicht wirklich miterleben konnte. Dafür hat die Autorin halt mehr Seiten für den „steamy“ Teil dieser „Steamy Steampunk Novella“ aufgewandt, was unterhaltsam war, aber nicht das, was mir an diesem Roman wirklich gefiel. Ich mochte die Idee einer Welt, in der Balance eine wichtige Rolle spielt, mir gefiel die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Bruder und die zu ihrer besten Freundin, und das waren die Teile der Geschichte, von denen ich gern noch mehr gelesen hätte. Die anderen Bände der Reihe sind länger, aber so ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob ich weiterlesen mag.

Kimberly A. Rogers: Threats by Numbers (Rogue Spotter 1)

Ich hatte unter meinen kostenlosen eBooks überraschend viele Titel, mit denen ich mich gut amüsiert habe, aber „Threats by Numbers“ von Kimberly A. Rogers gehörte leider nicht dazu. Auch dieser Urban-Fantasy-Roman hatte eine Grundidee, die ich in ihrer Ungewöhnlichkeit eigentlich ganz reizvoll fand. Die Protagonistin Lauren ist ein „Spotter“ – was bedeutet, dass sie eine Person ist, deren übernatürliche Fähigkeit darin besteht, die Gefährlichkeit einer anderen Person anhand einer Zahl (die für sie über deren Kopf zu sehen ist) erkennen zu können. Das Gefahrenpotenzial der meisten Personen liegt bei 3 oder 4, weshalb Lauren unglaublich alarmiert ist, als sie eines Tages bei der Arbeit eine 10 sieht. Wie gesagt, ich fand die Idee eigentlich ganz lustig, aber meinem Gefühl nach hat Kimberly A. Rogers überhaupt nichts daraus gemacht. Ich persönlich finde es zum Beispiel vollkommen unglaubwürdig, dass das Gefahrenpotenzial einer Person immer gleich sein soll – glaubt mir, wenn ich müde oder hungrig bin, bin ich definitiv gefährlicher als satt und ausgeschlafen. 😉 Ebenso fiel es mir schwer zu glauben, dass es Lauren seit Jahren gelingt, sich nicht als Spotter zu outen, wenn sie sich gleichzeitig bei jedem einzelnen Vorfall in der Handlung so ungeschickt anstellt. Das einzige, was ich postiv anmerken kann, ist, dass sich die Beziehung zwischen ihr und „Mr 10“ langsam entfaltet, nachdem die beiden so einige Verabredungen hatten. Wobei ich mich beim Lesen durchgehend fragte, wieso Lauren auf der einen Seite ständig daran denkt, dass eine 10 unfassbar gefährlich ist, und sich auf der anderen Seite durchgehend eingestehen muss, dass dieser Mann einfach nur aufmerksam, rücksichtvoll, fürsorglich und freundlich ist und sie sich in seiner Gegenwart ausnahmsweise einmal sicher fühlt. Am Ende des Romans war ich so genervt von dem Widerspruch zwischen dem Verhalten der Protagonistin und dem, was mir die Autorin die ganze Zeit weismachen wollte, dass ich froh war, dass das Buch nur knapp 200 Seiten lang war.

Dusty Rose: Wanted: Vampire’s Assistant (Moonhaven Cove 1)

Da ich diesen Beitrag dieses Mal nach meiner alphabetischen Leseliste zusammengestellt habe, kommt hier erst das erste kostenlose eBook, das ich im März gelesen hatte. „Wanted: Vampire’s Assisstant“ von Dusty Rose ist genau die Art von leichter, fantastischer Liebesgeschichte, die der Titel vermuten lässt. Protagonistin Mia Durran verliert zu Beginn der Geschichte ihren Job und droht, auch ihr Apartment zu verlieren. Deshalb nimmt sie ein absurd klingendes Jobangebot als Assistentin eines Vampires an – obwohl Mia anfangs nicht glauben kann, dass es übernatürliche Wesen überhaupt gibt. Dieser neue Job führt sie in den kleinen Ort Moonhaven Cove, der eine Zuflucht für alle möglichen Arten von übernatürlichen Wesen darstellt, wo sie nicht nur neue Freunde findet, sondern sich auch in ihren Chef Draven Leto verliebt. Aber natürlich ist auch in Moonhaven Cove nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und so müssen Mia und Draven herausfinden, wer Anschläge auf den Vampir und/oder seine neue Assistentin verübt. Das alles ist nett, aber so vorhersehbar, dass ich zum Monatsende schon ganz vergessen hatte, dass ich den Roman gelesen hatte. Die Moonhaven-Cove-Reihe ist definitiv keine Reihe, die ich fortsetzen muss.

Lese-Eindrücke Januar 2026

Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown

„The Coldest Girl in Coldtown“ hatte ich Ende Dezember halb gelesen zur Seite gelegt, und dann kamen ein paar Tage, in denen ich aus verschiedenen Gründen nur zu eBooks gegriffen habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die Geschichte rund um Tana zwar mochte und mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt habe, aber mich das Vampirthema eigentlich recht wenig fesselte. Was etwas schwierig ist bei einem Roman, in dem die Protagonistin versuchen muss, in einer Welt voller Vampire zu überleben, während sie gleichzeitig fürchtet, dass sie selbst sich in eine Vampirin verwandeln wird. Die zweite Hälfte des Buchs habe ich dann wieder an zwei Abenden gelesen und mich definitiv nicht dabei gelangweilt, aber es fehlten auch ein wenig die überraschenden oder reizvollen Elemente – die Elemente, die aus einer düsteren Urban-Fantasy-Vampir-Geschichte etwas machen, was mich fesselt und dafür sorgt, dass der Roman eine langanhaltende Erinnerung bei mir hinterlässt. Jetzt bin ich fast versucht, „The Darkest Part of the Forest“ von der Autorin noch einmal zu lesen, um zu schauen, ob mir der Roman heute noch ebenso gefällt wie vor (fast) neun Jahren.

Emily Krempholtz: Violet Thistlewaite is Not a Villain Anymore

„Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“ ist eine wirklich süße Geschichte, die aus den Perspektiven der Blumenhändlerin Violet und des Alchemisten Nathaniel erzählt wird. Die beiden lernen sich kennen, als Violet in den Ort Dragon’s Rest zieht, der bis vor kurzem von der Anwesenheit des bösen Zauberers Guy Shadowfade überschattet wurde. Nachdem Guy besiegt und seine Verbündeten in alle Winde zerstreut wurden, beschließt Violet (früher bekannt als die tödliche Thornwitch), ihr Leben als „gute Person“ in dem kleinen Ort zu beginnen. Doch es ist nicht so einfach, all die Dinge aus ihrer Vergangenheit vor ihren Nachbarn verborgen zu halten und sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Vor allem ihr grummeliger Vermieter Nathaniel macht es Violet nicht gerade einfach – und natürlich liegt das daran, dass er sich zu seiner Mieterin hingezogen fühlt. Ich hatte viel Spaß mit „Violet Thistlewaite ist Not a Villain Anymore“, denn auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Violet und Nathaniel etwas arg vorhersehbar war, so mochte ich, wie sich die beiden im Laufe der Zeit über ihre Probleme und Sorgen austauschten (so weit das eben geht, wenn eine Person versucht, ihre Vergangenheit geheim zu halten). Vor allem aber habe ich den kleinen Ort Dragon’s Rest und all seine Bewohner ins Herz geschlossen. Violets neue Nachbarn sind vielleicht nicht immer ganz einfach, aber es sind genau die richtigen Personen, damit sich eine ehemaligen Thornwitch unter ihnen zuhause fühlen kann. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin im Zukunft noch so schreiben wird!

Leslie Gail: The Drama of Death (Dead End Witches 2)

„The Drama of Death“ ist nach „The Magic of Death“ der zweite Teil einer wirklich netten Cozy-Mystery-Reihe von Leslie Gail. Die Handlung wird weiterhin aus der Perspektive von Star Bell erzählt, die dieses Mal damit fertig werden muss, dass ihre Schwester Daisy zurück nach Dead End kommt – um Aufnahmen für eine Fernsehserie zu drehen. Das Verhältnis zwischen Star und Daisy ist schwierig, da Daisy berühmt geworden ist, indem sie vortäuschte, über Stars magische Fähigkeiten (Geister sehen und mit ihnen kommunizieren können) zu verfügen. Eine weitere Herausforderung ist, dass die Fernsehserie, für die Daisy vor der Kamera steht, berühmt dafür ist, Personen zu entlarven, die übernatürliche Fähigkeiten vortäuschen. Als dann auch noch die Moderatorin der Serie ermordet wird, muss Star sich nicht nur endlich wieder Daisy annähern, sondern auch noch herausfinden, wer den Mord verübt hat. Während ich beim ersten Teil noch die Eigenheiten der älteren Generation der Bell-Hexen etwas kritisiert hatte, kann ich hier anmerken, dass nur Stars Großmutter ein paar Auftritte bekommt, die sich auch alle im Rahmen halten. Ansonsten mochte ich die vielen verschiedenen Figuren, und ich habe mich gut darüber amüsiert, wie Star versucht, Informationen rund um den Mord zu sammeln. Auch wenn ich es recht offensichtlich fand, wer die Tat begangen hat, so hatte ich doch Spaß daran, Stars Weg zur Auflösung zu verfolgen. Soweit ich weiß, wird es irgendwann auch noch einen dritten Teil der Reihe geben, der sich um den Mord an Stars und Daisys dritter Schwester dreht, und ich freu mich schon darauf.

Rebekah Isert: The Heart of the Matter

Normalerweise bestelle ich keine Liebesgeschichten vor, aber „The Heart of the Matter“ von Rebekah Isert klang so reizvoll, dass ich hier eine Ausnahme machte. Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Summer von ihrer Familie sechs Paar-Therapiestunden geschenkt bekommt, die sie mit ihrem Freund besuchen soll. Dummerweise ist der Freund, über den sich Summer gegenüber ihrer Familie regelmäßig beklagt, nur ausgedacht – weil sie nicht wusste, wie sie sonst mit all dem Druck umgehen soll, den ihre Familie ihr bezüglich ihres Single-Daseins machte. Statt nun ihre Familie darüber aufzuklären, dass sie gelogen hat, sucht Summer einen Mann, der mit ihr zur Paartherapie geht. Der Protagonist hingegen ist Chase, dessen letzte Beziehung vor einem halben Jahr endete und dessen Ex-Freundin ihm vorwarf, dass sein Verhalten toxisch gewesen sei. Das führte dazu, dass Chase sein Benehmen gegenüben allen Personen hinterfragt und das Gefühl hat, er müsse an sich arbeiten, weshalb er bereit ist, mit Summer zur Therapie zu gehen. Natürlich lernen sich die beiden während dieser Therapiestunden (und bei den Hausaufgaben, die sie dafür aufbekommen) sehr gut kennen, und das fand ich wirklich sehr nett zu verfolgen. Die Idee, eine Liebegeschichte mit einer Paar-Therapie beginnen zu lassen, funktionierte überraschend gut für mich, und ich mochte es, den gemeinsamen Weg von Summer und Chase zu verfolgen.

W.R. Gingell: Lady of Weeds (Lady 2)

Nachdem ich im Januar schon „Lady of Dreams“ gelesen hatte, habe ich auch noch zum zweiten Teil der Reihe „Lady of Weeds“ gegriffen. Diese Geschichte spielt an der Küste von Sunderland und wird aus der Perspektive von Carys erzählt. Carys ist die Wächterin eines Strandabschnitts und beschützt mit ihrer Arbeit das naheliegende Fischerdorf vor den Selkie, die an der Küste ihren Schabernack treiben (und damit eine tödliche Gefahr für die Anwohner sind). Eines Tages findet Carys einen jungen verletzten Mann in einem der Salzwasserteiche an der Küste und versorgt ihn in ihrer kleinen Hütte am Strand. Eurion (wie Carys ihn nennt) leidet unter Gedächtnisverlust, trägt aber überraschend kostbare Gegenstände bei sich und einen Ring, den Carys aus ihrer Vergangenheit wiedererkennt. Deshalb behält Carys Eurion bei sich, in der Hoffnung, dass er seine Erinnerungen wiedererlangt und ihr ihre Fragen zu dem Ring beantworten kann. Gleichzeitig erreichen Gerüchte den kleinen Ort von einem Anschlag auf einen der Kronprinzen und von untergegangenen Schiffen, und mehrere Fremde stellen Fragen zu dem, was das Meer in den letzten Tagen so angespült hat … Im Kern ist auch „Lady of Weeds“ eine Liebesgeschichte, aber während sich „Lady of Dreams“ fast ausschließlich um eine Handvoll potenzieller Paare und ihre Gefühle und Hintergründe drehte, gibt es bei „Lady of Weeds“ durch die Ereignisse außerhalb von Carys‘ kleinem Küstenort eine deutlich politischere Note. Ich habe es sehr genossen, mich mit dem Rätsel um Eurions Herkunft, mit all den Fragen rund um Carys‘ Vergangenheit und den verschiedenen Neuankömmlingen im Ort zu beschäftigen. Letztere sorgten dann auch für ein Wiedersehen mit ein paar Figuren, die ich schon aus „Lady of Dreams“ kannte, was ich sehr nett fand, mich aber auch neugierig darauf machte, mehr über ihren Weg von Eppa nach Sunderland zu erfahren. Ich würde wirklich gern noch mehr über diese fantastische Welt lesen und mich mit diesen süßen Liebesgeschichten beschäftigen – zu schade, dass es keine Erwähnung der beiden weiteren (ursprünglich) geplanten Titel zu finden gibt.

W.R. Gingell: Lady of Dreams (Lady Series 1)

„Lady of Dreams“ habe ich gekauft, ohne irgendetwas darüber zu wissen, abgesehen davon, dass der Roman von W. R. Gingell geschrieben wurde und ich die Geschichten der Autorin bislang alle mochte. Auf den ersten Seiten wird deutlich, dass die Handlung aus der Sicht von Clovis erzählt wird. Clovis ist eine junge Frau, die nicht gehen kann und den Großteil ihres Lebens in Träumen verbringt. Wobei diese „Träume“ Dinge sind, die Menschen in ihrer Umgebung gerade aktuell passieren und die sie – zumindest zum Teil – beeinflussen kann. Clovis lebt den Großteil des Jahres in Scandia, dem Land, aus dem ihre Mutter stammte und über das wir als Leser*innen nicht besonders viel erfahren. Aber für die Sommermonate reist sie nach Eppa, wo ihr Vater und ihr Stiefbruder leben, um mit diesen Zeit zu verbringen.

Nach und nach wird deutlich, dass Magie (und damit meine ich nicht Clovis‘ Träume) in diesen Ländern existiert, auch wenn sie nicht alltäglich ist, und dass parallel dazu so etwas wie Dampfkraft die Technik bestimmt. Außerdem ist das Land Eppa im Prinzip eine fantastische Variante von (Süd-)Korea (vermutlich in den 1920er Jahren), was sich auch in den vielen koreanischen Anreden/Titeln/Ausrufen wiederspiegelt. Auch die Handlung entfaltet sich in „Lady of Dreams“ nur langsam, während Clovis erzählt, wie sie in diesem Sommer nicht nur von ihrem jüngeren Bruder Jessamy träumte, sondern auch von dem Schriftsteller Park Hyun-jun, dem Komponisten Ma Yong-hwa und der rätselhaften Ae-jung. Während sich die Geschichte zwischen diesen Personen langsam entwickelte, stellt ich zu meiner Überraschung fest, dass „Lady of Dreams“ im Prinzip nichts anderes als ein ruhig erzähltes K-Drama ist – und ich muss zugeben, dass ich das sehr genossen habe.

Lange Zeit beobachtet Clovis nur, wie sich die drei Männer immer mehr für Ae-jung interessieren, während die junge Frau nur in Ruhe arbeiten und ihr ganz persönliches Geheimnis bewahren will. Doch als für Clovis der Sommer in Eppa beginnt, greift sie immer wieder in das Leben (nicht nur) dieser vier Personen ein, was zu so einigen sehr amüsanten Momenten führt. Ich habe mich mit der ruhigen Erzählweise, den unterschiedlichen Charakteren und den diversen Liebesgeschichten, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, wunderbar unterhalten gefühlt. „Lady of Dreams“ ist kein Roman gewesen, denn ich in einem Rutsch verschlingen wollte, sondern eine Geschichte, die ich mir für einen entspannenden Tagesausklang gegönnt habe, während ich tagsüber immer wieder gern an die Figuren und am Vortag gelesene Momente zurückdachte. Am Ende des Romans kündigte W. R. Gingell an, dass dies die erste von vier Veröffentlichungen in dieser Welt sei, aber der zweite Teil, „Lady of Weeds“, wurde schon vor sechs Jahren veröffentlicht, und danach gab es keinen weiteren Band in der Reihe.

Megaera C. Lorenz: The Shabti

Über „The Shabti“ von Megaera C. Lorenz habe ich schon beim letzten Lese-Sonntag einiges geschrieben. Die Geschichte spielt 1934 in den USA und wird aus der Sicht von Dashiel Quicke erzählt. Dashiel war bis vor wenigen Jahren als „Medium“ unterwegs und verdient sich nun – mehr schlecht als recht – seinen Lebensunterhalt damit, dass er Vorträge über die Tricks und Methoden seiner ehemaligen Kolleg*innen hält. Während eines seiner Vorträge trifft er auf Hermann Goschalk, der als Professor für Ägyptologie nicht nur für das Unterrichten von Student*innen, sondern auch für das kleine Museum des College verantwortlich ist – und Hermann ist davon überzeugt, dass dieses Museum über ein Artefakt verfügt, das von einem Geist besessen ist.

„The Shabti“ ist ein ungewöhnlicher Roman, und es fällt mir sehr schwer, die Geschichte einem einzelnen Genre zuzuschreiben. Der Anfang, bei dem man mehr über Dashiel und seine Vergangenheit als „Medium“ (und die damit zusammenhängenden Betrugsmaschen) erfährt, fühlt sich sehr nach einem roman noir an. Dann kommen dazu die Elemente rund um den realen Spuk, die der Handlung einen Anstrich von altmodischen Horrorfilmen verleihen, und zuletzt ist da noch die Beziehung, die sich zwischen Dashiel und Hermann entwickelt. Diese Liebesgeschichte zwischen dem (ehemaligen) Schwindler und dem sehr respektablen und unauffälligen Professor ist überraschend süß zu verfolgen und der Grund, wieso Dashiel bei all den Herausforderungen, die er im Roman durchstehen muss, nicht wieder in alte Verhaltensweisen zurückfällt und davonläuft.

Die ersten zwei Drittel von „The Shabti“ habe ich sehr langsam und genussvoll gelesen, während ich mich gleichzeitig immer wieder fragte, wie weit Megaera C. Lorenz wohl den Horror- oder Krimianteil der Geschichte treiben würde. Gleichzeitig fand ich es spannend, von der Autorin, die unter anderem Ägyptologin ist, mehr über Hermanns Tätigkeit als Professor und Museumskurator – und natürlich über die Ausstellungstücke in seiner Obhut, zu denen das verfluchte Shabti gehört – zu erfahren. Überraschenderweise gab es auch so einige amüsante Momente in dieser Geschichte voller (für die Charaktere) gruseliger und aufreibender Ereignisse, und zu meinem eigenen Erstaunen musste ich an einem Punkt sehr laut auflachen, weil ich mich so über eine unerwartete Enthüllung amüsierte. Nach dieser Wendung in der Handlung konnte ich den Roman dann auch nicht mehr aus der Hand legen, bis ich ihn beendet hatte, weil ich wirklich wissen wollte, wie die Figuren damit umgehen würden.

Am Ende war die Lösung für Dashiels und Hermanns Probleme dann doch recht offensichtlich, aber es fühlte sich sehr stimmig an, wie die Autorin die verschiedenen Puzzleteile der Handlung zu einer schlüssigen Auflösung zusammenbrachte. Nach dem Lesen habe ich das Buch rundum befriedigt aus der Hand gelegt, was ich nicht so oft sagen kann. Mit „The Shabti“ hat Megaera C. Lorenz eine wirklich ungewöhnliche und sehr reizvolle Geschichte erzählt, in der verschiedene Genre-Elemente gelungen miteinander verwoben werden. Wer sich für Ägyptologie, roman noir, eine mlm-Liebesgeschichte oder (relativ harmlosen) Horror interessiert, findet hier auf jeden Fall einen interessanten und unterhaltsamen Roman. Ich bin mir sicher, dass ich das Buch nicht zum letzten Mal gelesen habe, und vor allem bin ich neugierig darauf, was die Autorin (hoffentlich) in Zukunft noch veröffentlicht wird.

Lese-Eindrücke Oktober 2025

Dank der Herbstlesen-Wochenenden habe ich im Oktober trotz einiger stressiger Wochen nicht gerade wenig Bücher gelesen. Nicht alle davon geben genug Stoff für eine ausführliche Rezension, aber einen Lese-Eindruck möchte ich hier trotzdem noch festhalten.

You Yeong-Gwang: The Rainfall Market

„The Rainfall Market“ habe ich am zweiten Herbstlesen-Sonntag gelesen und konnte schon da nicht viel mehr zu dem Roman sagen, als dass ich ihn genossen habe. Die Handlung dreht sich um die ca. 16jährige (ich schätze das Alter anhand der Schuljahre in Südkorea) Serin, deren Leben in den letzten Jahren ziemlich hart war. Ihr Vater ist früh verstorben und ihre Mutter schafft es kaum, mit ihrem Einkommen die Familie über Wasser zu halten. Vor einem Jahr ist auch noch Yerin weggelaufen, die nicht nur Serins kleine Schwester, sondern auch ihre beste Freundin war. Der Zugang zum magischen Rainfall Market soll Serins Leben eine ganz neue Wendung geben, was dafür sorgt, dass sie dort so einige Abenteuer erlebt. Das Ganze war wirklich sehr nett zu lesen, vor allem, da die Dokkaebi (Bewohner des Rainfall Markets) alle ihre ganz besonderen Eigenarten haben. Erwartbarerweise bringt jede Begegnung mit den koboldartigen Wesen Serin eine neue Erkenntnis, auch wenn ihr erst am Ende aufgeht, was sie alles während ihrer Zeit im Rainfall Market gelernt hat. Das ist sehr vorhersehbar, aber eben auch sehr süß zu lesen, wobei es mich überrascht hat, dass sich die Geschichte anfühlte, als wäre sie eher für ein Middle-Grade-Publikum geschrieben worden. Obwohl ich das nicht erwartet hatte, habe ich meinen Tag mit diesem Buch sehr genossen – es war genau das Richtige für einen entspannten Sonntag.

Claire Trella Hill: Black and Deep Desires – A Gothic Vampire Romance (Bonds of Blood 1)

Ich muss zugeben, dass ich den Titel „Black and Deep Desires“ eher abschreckend finde. Da die Autorin Claire Trella Hill aber schon seit einiger Zeit immer wieder von unterschiedlichen Autorinnen empfohlen wird, habe ich mir im Oktober mal die Leseprobe dieses Romans angeschaut – nur um dann direkt das Buch zu kaufen und zu lesen. Die Geschichte hat eine wunderbare „Gothic“-Atmosphäre mit einer neunzehnjährigen Protagonistin, die – seit einer Krankheit in ihrer Kindheit – behindert ist, von ihrem Vater und ihren Brüdern vernachlässigt wird und trotzdem versucht, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Doch dann entdeckt sie, dass ihr wissenschaftlich interessierter Vater und ihre Brüder (von denen einer ein sadistisches Arschloch ist) eine Person für Experimente im Keller gefangen halten. Da unsere Heldin Claire nicht nur weichherzig, sondern auch mutig ist, führt das zu einer überraschend süßen Liebesgeschichte mit einem Vampir – ohne dass der Gothic-Anteil, die Kämpfe gegen die Bösewichte und all die anderen unterhaltsamen Elemente zu kurz kommen. Ich habe mich wirklich sehr gut mit der Geschichte unterhalten gefühlt, ich mochte die Charaktere und ich habe nun definitiv Lust, mehr von Claire Trella Hill zu lesen. (Was bedeutet, dass ich inzwischen nicht nur eine Kurzgeschichte rund um zwei Nebenfiguren, die ich in „Black and Deep Desires“ schon mochte, gelesen habe, sondern auch die Fortsetzung „Every Longing Heart“ vorbestellt hatte. Die hebe ich mir dann aber für Dezember auf, um das Weihnachtsthema richtig zu genießen. *g*)

Becky Chambers: A Closed and Common Orbit (Wayfarers 2)

Nachdem ich „The Long Way to a Small, Angry Planet“ gelesen hatte, war ich ein bisschen enttäuscht, als ich feststellte, dass mir „A Closed and Common Orbit“ nicht mehr über die Crew der Wayfarer erzählen würde. Deshalb bin ich froh, dass ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt und abgewartet habe, bis ich grundsätzlich in der richtigen Stimmung für diesen Roman war. Das war am dritten Herbstlesen-Sonntag im Oktober der Fall, und gerade mal drei Tage später hatte ich die Geschichte beendet. Es gibt in dem Roman zwei Handlungsstränge. Der eine begleitet Sidras aktuelle Erlebnisse, der andere erzählt die Geschichte von Jane 23, die mit zehn Jahren aus einer Fabrik flüchtete, in der sie arbeitete, um von da an auf einem riesigen Schrottplatz zu leben. Faszinierenderweise fand ich beide Handlungsstränge gleich fesselnd, obwohl ich bei Jane 23 schon wusste, dass sie irgendwann dem Schrottplatz entkommen wird. Aber ich wusste nicht genau, wie es dazu kommen würde und welche Herausforderungen Jane 23 in der Zwischenzeit bewältigen musste … Ich will eigentlich gar nicht mehr zu dem Roman schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass es besser ist, ohne großes Vorwissen in die Geschichte zu gehen. Aber Becky Chambers‘ Erzählweise hat mich wieder gut unterhalten, und ich finde es großartig, wie sie mich beim Lesen dazu gebracht hat, darüber nachzudenken, was eine Person ausmacht, und mitzufühlen, was Sidra und Jane 23 jeweils durchmachen. Schön, dass ich noch drei weitere Titel der Autorin auf meinem SuB habe.

Jane Glatt: Lost and Found (Wrap-It-Up Magic 1)

„Lost and Found“ von Jane Glatt war mir als ungewöhnlicher Cozy-Mystery empfohlen worden, und da ich mir nach dem Klappentext so gar nicht vorstellen konnte, worum es genau in dem Roman geht, habe ich (mal wieder) zur Leseprobe gegriffen, was dann zum Kauf führte. Die Geschichte dreht sich um die 62jährige Barbara, die vor einigen Monaten feststellen musste, dass ihr Mann ein Betrüger im ganz großen Stil ist. Während er vor Beginn der Ermittlungen flüchten konnte, wurde Barbara verdächtigt, seine Komplizin zu sein. Auch wenn sie nicht verurteilt wurde, hat sie den Großteil ihres Besitzes, ihr Haus und die Beziehung zu ihren beiden Söhnen verloren. Die einzige Person, die noch an Barbaras Seite steht, ist ihre Freundin Kat, bei der sie zu Beginn des Romans auch einzieht. Kurz darauf stellt Barbara fest, dass sie unter ganz bestimmten (magischen) Umständen verlorene Dinge/Personen/Tiere finden kann – was ein wirklich seltsames, aber unterhaltsames Element in einem ansonsten durchgehend realistischen Roman ist. Ich mochte Barbara, die wild entschlossen ist, diesen Schicksalsschlag als Chance zu sehen, sehr gern, ebenso wie ihre Freundin Kat und deren Tochter, die beide Barbara unterstützen. Ich fand die Art und Weise, in der Barbara ihr übernatürliches Talent entdeckt, unterhaltsam, und es war erfrischend ungewöhnlich, dass sich die Handlung weniger um ein aktuelles Verbrechen und große Dramen dreht als darum, dass Barbara mehr über ihr Talent herausfindet – und dann versucht, diese Gabe dazu zu nutzen ihren Mann der Justiz zu übergeben. Das war auf genau die richtige Weise eine wirklich „nette“ Geschichte.

A. J. Lancaster: How to Find a Nameless Fae

Von A. J. Lancaster mochte ich schon die „Stariel“-Romane (soweit ich sie bislang gelesen habe), und so war ich neugierig genug, als „How to Find a Nameless Fae“ angekündigt wurde, um den Titel direkt vorzubestellen. Die ungewöhnliche Rumpelstilzchen-Variante wird aus der Perspektive von Prinzessin Gisele erzählt. Diese hat an ihrem vierzigsten Geburtstag die Nase voll davon, darauf zu warten, dass der Fae, mit dem ihre Mutter vor ihrer Geburt einen Handel abgeschlossen hatte, sie abholt. Gisele ist sich sicher, dass ihre einzige Chance, in Zukunft ein einigermaßen normales Leben zu führen, darin besteht, dass sie den unbekannten Fae tötet, um endlich von ihrem Fluch befreit zu werden. Doch als sie im Feenreich ankommt und auf den Fae – von ihr Malediction genannt – trifft, stellt sich heraus, dass er nicht der skrupellose Bösewicht ist, als der er immer dargestellt wurde. Stattdessen ist Malediction ein etwas planloser Gelehrter, der von Giseles Fluch ebenso betroffen ist wie sie. So scheint es nur logisch zu sein, dass Gisele bei Malediction bleibt und ihm dabei hilft, den Zauber zu lösen.

„How to Find a Nameless Fae“ beinhaltete so viele Elemente, die ich wirklich mochte. Erst einmal war es schön, mit Gisele eine schon etwas ältere Prinzessin als Protagonistin zu haben. Ihr Leben war ziemlich herausfordernd, da ihr Fluch dafür sorgte, dass kaum jemand ihre Gesellschaft für längere Zeit aushalten konnte. Aber sie hat versucht, das Beste aus der Situation zu machen, und im Laufe der Jahre allerlei hilfreiches Wissen gesammelt. Es ist nicht einfach für Gisele herauszufinden, dass nicht alles, was ihre Mutter ihr erzählt hat, wahr ist. Aber sie geht mit einem liebenswerten Pragmatismus an die Herausforderungen heran, die durch all die unbekannten Elemente im Feenland auf sie warten. Malediction hingegen war sich nicht bewusst, dass Gisele ebenso durch den Fluch litt wie er, weshalb er ein schrecklich schlechtes Gewissen ihr gegenüber hat. Der Fae ist ein wirklich liebenswerter Charakter, auch wenn er anfangs etwas gedankenlos und oberflächlich wirkt. Aber es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie er sich um sein (über eine großartige Persönlichkeit verfügendes) Haus kümmert und wie er versucht, aufmerksam mit Gisele umzugehen.

Die sich im Laufe der Zeit entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Malediction und Gisele ist sehr süß und voller kleiner Missverständnisse, die ich überraschenderweise nachvollziehbar und deshalb eher berührend fand. Da das Aufeinanderzugehen der beiden Charaktere eher langsam vonstatten ging, muss ich zugeben, dass ich die – relativ frühe – Sexszene in der Geschichte etwas irritierend fand. Wobei „Sexszene“ auch nicht der richtige Begriff ist, da es sich um einen Traum handelt. Das war für mich ein überraschender Bruch in einer ansonsten eher zurückhaltenden (und beinahe jugendfreien) Liebesgeschichte, aber immerhin hat diese Szene einige wichtige Informationen übermittelt, mit denen am Ende die Handlung ein paar Schritte vorwärts machen konnte. Ansonsten konnte „How to Find a Nameless Fae“ nicht nur mit den beiden liebenswerten Protagonisten und einem wunderbaren Haus aufwarten, sondern auch noch mit einem ganzen Haufen ungewöhnlicher – und häufig sehr sympathischer – Nebencharaktere. Ich hoffe sehr, dass A. J. Lancaster noch mehr Geschichten in dieser Welt schreiben wird, in denen wir dann noch mehr über die verschiedenen Nebenfiguren erfahren, und dass diese Romane dann ebenso amüsant und wohltuend sein werden wie „How to Find a Nameless Fae“.

Lese-Eindrücke August 2025

Nachdem ich im Juni und Juli schon fast alle für den Sommer gekauften Celia-Lake-eBooks gelesen hatte, habe ich im August meine Abende mit einer etwas bunteren Mischung an Romanen verbracht. Was bedeutet, dass ich auch wieder so einige Lese-Eindrücke sammeln konnte …

Kara Buchanan: Magica Riot (Maidensong Magica 1)

„Magica Riot“ ist eine „magical girl“-Geschichte, die mich wirklich gut unterhalten hat. Die Handlung wird aus der Sicht von Claire Ryland erzählt, die nach einem aufregenden Abend – inklusive einer Schlägerei in einer Seitengasse – in die Band „Magica Riot“ aufgenommen wird. Doch „Magica Riot“ ist nicht nur eine Band, sondern auch Teil der „Starlight Alliance“, deren Kämpferinnen die Welt (oder – wie im Fall von „Magica Riot“ – die Stadt Portland) vor Monstern beschützen. Ich habe Claire gern dabei begleitet, wie sie sich mit den anderen Bandmitglieder angefreundet und mehr über ihre Aufgabe als magical girl gelernt hat. Die trans Keytar-Spielerin ist natürlich anfangs ziemlich überwältigt von all den Veränderungen in ihrem Leben, aber ich habe es wirklich genossen mitzuverfolgen wie Claire immer mehr zu sich selbst und ihren Platz zwischen den anderen vier magical girls findet. Der Roman ist mit etwas über 200 Seiten relativ kurz, verfügt aber über all die Elemente, die zu einer „magical girl“-Geschichte gehören. Das führte dazu, dass ich mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten gefühlt habe, sondern auch auf angenehme Weise an die diversen Manga und Anime erinnert wurde, die ich eigentlich mal wieder lesen/sehen könnte.

Becky Chambers: The Long Way to A Small Angry Planet (Wayfarers 1)

Nachdem ich „Monk & Robot“ von Becky Chambers so mochte, dachte ich, es wäre Zeit, auch die Wayfarers-Romane auszuprobieren. Auch diese Reihe gehört zu den Büchern, über die so viel gesprochen wurde, dass ich erst einmal Abstand vom Hype brauchte, um überhaupt Lust auf ein erstes Antesten zu haben. Als ich dann also endlich damit anfing, habe ich die Handlung rund um das Raumschiff Wayfarer und seine Crew sehr genossen. Beginnend mit der Ankunft des neusten Crewmitglieds Rosemary Harper, begleitet die Geschichte die Wayfarer auf ihrem Weg in eine erst kürzlich befriedete Zone – und auf der langen Reise gibt es viele Details rund um die verschiedenen Personen, ihre Vergangenheit und ihre Planeten zu entdecken. Das war – trotz der diversen Gefahren – wunderbar wohltuend zu lesen, und ich freue mich, dass ich noch vier weitere Bücher von Becky Chambers auf dem SuB habe. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich – aufgrund des Perspektiv- und Schauplatzwechsels – etwas Zeit zwischen den einzelnen Romanen benötige und deshalb „A Closed and Common Orbit“ nach einem ersten Anlesen erst einmal zur Seite gelegt habe. Mal schauen, ob ich im September damit weitermache …

Sharna Jackson: The Good Turn

Nachdem ich die „High Rise„-Mysteries von Sharna Jackson so mochte, hatte ich mir „The Good Turn“ direkt mit der Veröffentlichung im Mai 2022 gekauft. Bei einem ersten Anlesen bin ich dann aber nicht mit der Protagonistin Josie warm geworden, und so lag der Roman erst einmal eine Zeitlang auf meinem SuB. Nachdem ich „The Good Turn“ nun endlich zu Ende gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich die Geschichte zwar mochte, aber Josies Perspektive weiterhin ungern verfolgt habe. Sie entwickelt sich (natürlich) im Laufe des Buchs weiter, und grundsätzlich würde ich sagen, dass Josies Verhalten realistisch und nachvollziehbar für eine Elfjährige ist, aber ich habe sie – im Gegensatz zu den Figuren aus „High Rise“ – nicht so sehr ins Herz geschlossen. Von Josie abgesehen gab es aber so einiges, was ich an der Handlung genossen habe. So ist es zum Beispiel immer wieder beeindruckend, wie es Sharna Jackson gelingt, die liebenswerten Seiten einer heruntergekommenen Gegend zu beschreiben, ohne dabei jemals unrealistisch zu werden. Auch Josies – nicht immer einfache – Freundschaft zu Wallace und Margot, die beide in Josies Nachbarschaft leben, fand ich stimmig. Außerdem sind die Herausforderungen für die Kinder (wie Rassismus, Einwanderungspolitik, Armut, Überforderung eines alleinerziehenden Elternteils), die Sharna Jackson in „The Good Turn“ aufgreift, leider ziemlich aktuell und somit Dinge, die wohl so einige (nicht nur) jugendliche Leser*innen beschäftigen. Grundsätzlich bin ich also immer noch überzeugt von Sharna Jacksons Erzählweise, aber ich weiß nicht, ob ich noch weitere Romane aus Josies Perspektive lesen möchte.

M. J. May: Perfectly Imperfect Pixie (Perfect Pixie 1)

Von „Perfectly Imperfect Pixie“ hatte ich vor einiger Zeit eine Leseprobe gelesen, die ich wirklich nett fand. Und da ich während der heißesten Tage im August kaum etwas auf die Reihe bekommen habe, das anstrengender war, als meinen eReader zu halten, hatte ich auch Bedarf an neuen Romanen, die wenig Konzentrationsfähigkeit erforderten. „Perfectly Imperfect Pixie“ (der Titel ist schon etwas lästig zu tippen) ist eine süße Geschichte, deren beiden Protagonisten dringende Probleme in ihrem Leben haben. Phil(odendron) ist ein Pixie, dessen ungewöhnliche Größe dafür sorgt, dass er nicht für die traditionellen Jobs eines Haus-und-Herd-Pixies engagiert wird, während der Werwolf Sed(rick) sich nach dem Tod seines Bruders und dessen Frau um seine Nichte Ruthie und seinen Neffen Dillon kümmern muss. Außerdem steckt Sed mitten in einem Sorgerechtsstreit, da der skrupellose Großvater der beiden Kinder das Testament der verstorbenen Eltern angefochten hat. Um zu beweisen, dass er sich gut um Dillon und Ruthie kümmert, empfielt Seds Anwalt ihm, einen Haus-und-Herd-Pixie zu engagieren. So dreht sich die Handlung in „Perfectly Imperfect Pixie“ vor allem darum, wie sich Phil und Sed um Dillon und Ruthie kümmern, Phil mit den diversen Herausforderungen rund um Seds Haushalt fertig wird und Sed sich mit all den Intrigen, die der Großvater der Kinder spinnt, auseinandersetzen muss. Ich mochte die verschiedenen Figuren, und das Ganze ist überraschend amüsant und wohltuend zu lesen. Natürlich gibt es immer wieder gefährliche Situationen, die durchgestanden werden müssen, aber da es recht schnell abzusehen ist, dass es für Sed und Phil (die sich am Ende endlich eingegestehen müssen, dass sie Gefühle füreinander entwickelt haben) gut ausgeht, haben diese Gefahren vor allem dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht zu zuckersüß wurde.

Alice Coldbreath: The Unlovely Bride (Brides of Karadok 2)

Über „The Unlovely Bride“ von Alice Coldbreath bin ich in einem YT-Video gestolpert. Nach dem Lesen der Leseprobe war ich mir ziemlich sicher, dass ich die Warnung der Autorin („Please do not purchase if you are offended by strong language and or sex scenes.“) ignorieren konnte und stattdessen viel Spaß mit der Liebesgeschichte haben würde. Die Handlung dreht sich um Lenora, deren gefeierte Schönheit nach einer Pocken-Erkrankung verschwunden ist, und um Garman, der bei jedem Turnier den Preis des unbeliebtesten Ritters gewinnen könnte. Da selbst Lenoras Eltern der Meinung sind, dass sie ohne ihre ehemalige Makellosigkeit besser an ihrer Krankheit verstorben wäre, bietet Lenora Garman an, dass er über ihre großzügige Mitgift verfügen kann, wenn er mit ihr durchbrennt. Von Anfang an ist klar, dass Garman eigentlich ein netter – wenn auch etwas ungehobelter – Kerl ist, und ich fand es sehr schön zu verfolgen, wie er und Lenora sich besser kennenlernen. Ich muss zugeben, dass ich eine etwas weniger derbe Ausdrucksweise von seiner Seite bevorzugt hätte, aber nichts davon war so irritierend, dass es mich beim Lesen wirklich gestört hätte. Stattdessen habe ich mit Vergnügen verfolgt, wie Lenora nach dem Verlust ihrer Schönheit entdeckt, dass sie eine ziemlich willenstarke und einfallsreiche Person ist, der es Freude bereitet, sich für andere einzusetzen. Garman hingegen muss ziemlich schnell mit der Erkenntnis fertigwerden, dass er sich Hals über Kopf in seine Frau verliebt hat, obwohl das doch so gar nicht in seine Pläne passt. Das war sehr süß und amüsant zu lesen, und ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft noch weitere Titel der „Brides of Karadok“-Reihe ausprobieren werde.

C. L. Polk: Soulstar (Kingston Cycle 3)

Im August habe ich mit „Soulstar“ endlich auch den dritten Band des Kingston-Cycle gelesen. Dieser Teil gefiel mir deutlich besser als „Stormsong“, weil trotz aller bedrückenden Ereignisse so viele Personen vorkamen, die sich für eine gerechtere Gesellschaft engagierten. Außerdem mochte ich die Perspektive von Robin, die in den vorhergehenden Büchern zwar als sympathische Nebenfigur vorkam, von deren Leben aber bislang nicht sehr viel erzählt worden war. Insgesamt war dieser Roman ein wirklich befriedigender Abschluss für die Trilogie – und trotzdem überlege ich, ob ich die drei Bücher aussortieren soll. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich die Romane noch einmal lesen möchte, weil der zweite Teil für mich so unfassbar frustrierend beim Lesen war. Für die Trilogie-übergreifende Handlung waren all diese frustrierenden Elemente gut und richtig (wenn ich von dieser einen offensichtlichen und ärgerlichen Auflösung eines bestimmten Aspekts absehe). Aber obwohl ich die Figuren und die Welt sehr mochte und definitiv der Meinung bin, dass C. L. Polk sehr gut darin ist, ihren Geschichten Leben einzuhauchen, schrecke ich momentan bei der Vorstellung zurück, „Stormsong“ noch einmal zu lesen. Wenn ich den zweiten Band des Kingston Cycle aber nicht noch einmal lesen möchte, dann muss ich „Witchmark“ und „Soulstar“ eigentlich auch nicht im Regal stehen lassen, obwohl sie mir wirklich gut gefallen haben.

Lese-Eindrücke November 2024

Nachdem ich in den ersten zwei Novemberwochen so gut wie gar nicht gelesen hatte, habe ich es in der zweiten Monatshälfte immerhin noch geschafft, mich in ein paar Bücher zu vertiefen und dementsprechend auch ein paar Lese-Eindrücke zu sammeln.

W.R. Gingell: The Clockwork Magician (The Two Monarchies 4)

Erst einmal ging es für mich weiter mit der „Two Monarchies“-Serie von W.R. Gingell, und ich muss zugeben, dass mir dieser Band nicht so gut gefallen hat wie all die anderen zuvor. Das lag vor allem daran, dass der Protagonist Peter mir entsetzlich auf die Nerven ging. Das war schon so, als er nur eine Nebenfigur in „Blackfoot“ war, aber da spielte er keine so große Rolle und die Geschichte wurde aus Annabels Perspektive erzählt, was sein Verhalten erträglicher machte. Auf der anderen Seite lagen meine Probleme mit „The Clockwork Magician“ daran, dass es fast durchgehend um das Thema Zeitreise und die dahinterstehende Magietheorie ging – und ich bin weder ein Fan von Zeitreisegeschichten, noch verfügte ich beim Lesen über die notwendige Geduld und Konzentration, um mich mit Magietheorie zu beschäftigen. Außerdem wusste ich durch die ganzen Andeutungen in den vorhergehenden Romanen schon, wie Peters Geschichte enden wird, was dazu führte, dass ich nicht einmal darauf neugierig war. Lieber hätte ich die Ereignisse aus der Perspektive der Person gelesen, die von Peter in die ganze Angelegenheit hineingezogen wurde, das hätte es vermutlich für mich amüsanter gemacht. Nur gut, dass beim nächsten Band der Serie Annabels Freundin Isabella im Mittelpunkt steht, die ich bislang bei jedem ihrer Auftritte sehr mochte!

Lyssa Kay Adams: The Bromance Book Club

Auf der Suche nach einem netten, unterhaltsamen Roman, der von mir nicht viel Denkfähigkeit erfordert, bin ich bei „The Bromance Book Club“ gelandet. Die Geschichte beginnt damit, dass der Baseballspieler Gavin Scott von seiner Frau Thea um die Scheidung gebeten wird. Er ist total verzweifelt und will alles tun, um seine Ehe zu retten, und zum Glück eilen ihm einige andere Männer (u.a. aus seinem Team) zur Hilfe. Diese anderen Männer sind Mitglieder eine Buchclubs, in dem sie Liebesromane lesen, weil diese in der Regel von Frauen für Frauen geschrieben werden und sie so herausfinden können, was die Frauen in ihrem Leben wirklich wollen. Ich muss zugeben, dass mir Gavin und Thea als Figuren ziemlich egal waren, außerdem fand ich es ziemlich nervig, dass die beiden nicht nur ständig auf die körperlichen Vorzüge des anderen fixiert waren, sondern auch im Rahmen des Liebesromanlesens lauter Klischees reproduziert wurden, die mich irritierten. Aber es gab auch so einige Szenen mit den Buchclub-Mitgliedern, die ich überraschend amüsant oder gar berührend fand. Alles in allem kein Roman, den ich weiterempfehlen würde (wo kommen all die guten Bewertungen dafür her?!), aber ich ärgere mich jetzt auch nicht übermäßig über die damit verbrachte Zeit.

W.R. Gingell: Masque (The Two Monarchies 5)

Wie erwartet hat mir dieser Band wieder deutlich besser gefallen als „The Clockwork Magician“! In „Masque“ ermittelt Isabelle in einer Reihe von rätselhaften (und vermutlich magisch ausgeführten) Morden, was zu einem überraschend spannenden fantastischen Kriminalroman führt. Eigentlich wollte Isabelle nur ihren Vater, der der Abgesandte der neuen Königin von New Civet ist, unterstützen, während dieser mit dem Nachbarland einen Kooperationsvertrag aushandelt. Aber da sie nicht nur diejenige ist, die während eines Balls das erste Opfer des Mörders entdeckt, sondern dieses Opfer auch noch ihr Kindheitsfreund war, mischt sie sich – entgegen aller Vorbehalte des örtlichen Anführers der Wache – in die Ermittlungen ein. Ich fand es nicht nur überaus unterhaltsam, aus Isabelles Sicht die ganze Geschichte zu verfolgen, sondern habe mich auch darüber amüsiert, dass W. R. Gingell es geschafft hat, diese Handlung in eine „Beauty and the Beast“-Variante einzubetten. Besonders unterhaltsam war, dass das dazu führte, dass Isabelle einen nicht unerheblichen Teil der Handlung als Gefangene der Wache verbringt – und diese Zeit erst reicht nutzt, um mehr über die Morde und die verschiedenen Verdächtigen herauszufinden. Oh, und dann gibt es da noch die Liebesgeschichte mit dem Anführer der Wache … Jetzt finde ich es wieder sehr schade, dass ich nur noch einen einzigen Teil der Reihe vor mir habe, freue mich aber darüber, dass dieser Band dann aus der Perspektive von Isabelles jüngerer Schwester erzählt wird.

Zayaan Schroeder: A Grumpy Witch’s Guide to Finding Love (Hemlock Harbor 1)

Ein Fall von „ich mag den Titel, ich mag (oft genug) paranormal romance – mal schauen, was das für eine Geschichte ist“. „A Grumpy Witch’s Guide to Finding Love“ dreht sich um die Hexe Zoe und den Werwolf Daniel. Zoe ist vor einiger Zeit von ihrem Coven verbannt worden, weshalb ihre Magie kurz davor ist zu verschwinden, während Daniel gerade erst (nach einem Vorfall mit seiner Familie) von London in die kleine amerikanische Hafenstadt Hemlock Harbor gezogen ist. Beide fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen, aber natürlich gibt es Gründe, wieso sie dieser Anziehung nicht nachgeben können. Puhhh … Ich mochte die Grundidee, ich mochte sehr viele der (Neben-)Figuren, ich kann im Prinzip sagen, dass ich all die Urban-Fantasy-Elemente in der Geschichte mochte, auch wenn die nicht immer besonders gründlich/logisch ausgearbeitet wurden. Eigentlich war sogar die Liebesgeschichte ganz nett zu lesen, abgesehen davon, dass mich (mal wieder) die ganzen Szenen, in denen sich Zoe und Daniel über die körperlichen Vorzüge der anderen Person Gedanken machten, ebenso wie der größte Teil der Sexszenen genervt haben. Das alles gab mir das Gefühl, dass für die beiden Protagonisten die Persönlichkeit des anderen eher Nebensache neben all den sexy Äußerlichkeiten war. Vor allem aber wäre es eher nach meinem Geschmack gewesen, wenn all der Aufwand der Autorin, der in die unterschiedlichen Beschreibungen von Muskelpaketen und sexy Körperteilen geflossen ist, stattdessen in Weltenbau und stimmigere Fantasyelemente investiert worden wären.

Lese-Eindrücke März 2024

Eigentlich wollte ich im März keine neuen eBooks kaufen, aber das ist irgendwie nach hinten losgegangen. Ich habe nicht nur einen Haufen (14! *uff*) Romane von W. R. Gingell angeschafft, damit ich die „The City Between“-Reihe am Stück lesen kann, sondern bin auch bei ein paar weiteren eBooks schwach geworden. Nur gut, dass ich insgesamt so viel gelesen habe, dass ich diese Käufe (irgendwie) vor mir rechtfertigen konnte. 😉

Sierra Cross: Fangs and Frenemies (Blue Moon Bay Witches 1)

„Fangs and Frenemies“ habe ich mal bei einer Aktion mit kostenlosen ersten Bänden mitgenommen. Die Geschichte wird aus Sicht der Hexe Hazel Greenwood erzählt, die in einer netten, kleinen Stadt ein – scheinbar – perfektes Leben führt. Hazel wohnt in einem hübschen, kleinen Haus, ist beruflich vollkommen zufrieden und seit ein paar Monaten ist sie mit einem wirklich netten Mann zusammen. Allerdings verschwindet dann eine Frau, mit der Hazel zur Highschool ging, und sie muss sich mit zwei ihrer „Frenemies“ zusammentun, um dieses Verschwinden aufzuklären. Ich mochte es, dass sich die Handlung sehr darum dreht, wie Hazel im Rahmen ihrer Ermittlungen herausfindet, was zu einem Bruch mit ihrer ehemals besten Freundin geführt hat. Der Schwerpunkt der Handlung war definitiv die Beziehung dieser drei Frauen zueinander. Für mich war es angenehm und unterhaltsam zu lesen, wie sich die drei Frauen (erneut) anfreunden, ein paar (fantastische/magische) Geheimnisse klären und sich gegenseitig unterstützen. Allerdings gab es auch viele sehr vorhersehbare Elemente in der Geschichte, was dazu führt, dass ich das Ganze zwar sehr nett fand, aber nicht so gut, dass ich für die weiteren Bände den vollen Preis zahlen wollen würde.

Lydia Sherrer: Love, Lies and Hocus Pocus – Beginnings (A Lily Singer Cozy Fantasy Adventure 1)

„Love, Lies and Hocus Pocus – Beginnings“ wurde mir in den vergangenen Wochen von mehreren Seiten empfohlen, und den Klappentext klang nett genug, dass ich spontan zugeschlagen habe. Die Protagonistin Lily Singer ist eine (magische) Bibliothekarin, ihr bester Freund Sebastian ist das personifizierte (ebenfalls magische) Chaos, und gemeinsam versuchen die beiden zu Beginn der Geschichte einen Fluch aufzuheben, was natürlich ein paar weitere Abenteuer zur Folge hat. Die Handlung wird in drei Teilen erzählt – der erste und der letzte Part aus der Sicht der Protagonistin Lily, der mittlere Teil aus der Sicht ihres „Sidekicks“ Sebastian. Grundsätzlich fand ich es eine gute Idee der Autorin, dass Lily zu den Personen gehört, die mit Magie geboren wurden, während Sebastian nur Magie wirken kann, wenn er auf (nicht immer ganz legale) Tricks zurückgreift, weil das dazu führte, dass die Autorin verschiedene Magievarianten in ihre Geschichte einbauen konnte, die ich interessant und unterhaltsam fand.

Überhaupt mochte ich die Grundidee für diese Geschichte mit einem Fluch, der auf einem Herrenhaus lag, und einem Geist, der in diesem Haus spukt, weil er verhindern will, dass andere Personen dem Fluch zum Opfer fallen, wirklich sehr. Auch fand ich Sebastian – gerade in dem Teil, der aus seiner Perspektive geschrieben wurde – sehr sympathisch und habe mich über ihn immer wieder gut amüsiert. Dummerweise habe ich die Passagen, die aus Lilys Sicht geschrieben wurden (und die den Großteil der Geschichte ausmachten) relativ ungern verfolgt, weil sie sich für mich nicht wie eine „reale Person“ anfühlte, sondern wie der Prototyp einer „überkorrekten und von Regeln besessenen Bibliothekarin, die besser mit Büchern als mit Menschen umgehen kann“. Mal davon abgesehen, dass Bibliothekarinnen bei der Arbeit fast mehr Zeit mit Menschen als mit Büchern verbringen müssen, ist so eine Perspektive nicht gerade unterhaltsam für mich zu verfolgen, wenn mir die Protagonistin mit ihren Gedankengängen das Gefühl gibt, dass sie sich sicher ist, dass sie allen anderen Personen überlegen sei.

R. L. Medina: The Fae’s Bride (Silveri Sisters 1)

„The Fae’s Bride“ ist schon im vergangenen Jahr erschienen, kam mir aber erst im vergangenen Monat vor die Nase (vermutlich weil der vierte Band gerade erschienen ist). Die Grundidee der Serie mit „cozy Liebesgeschichten in einem italienisch inspirierten Fantasy-Setting“ fand ich sehr ansprechend. Ebenso gefiel mir die Idee, dass ein Graf, der aufgrund seiner zweifelhaften Fae-Herkunft eher gemieden wird, sich in eine – ebenfalls von der Gesellschaft wenig geachtete – Hexe verliebt. Ich mochte die Welt und fand einen Haufen Charaktere sehr sympathisch, auch gefiel es mir, dass die Handlung abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt wurde. Seine Perspektive habe ich wirklich gern gelesen, bei ihrer Perspektive hatte ich aber das Gefühl, dass es immer wieder Widersprüche gab, unter anderem bei dem, was über eine Nebenperson gesagt/gedacht wurde und was von dieser Person gezeigt wurden. Alles in allem war der kurze Roman unterhaltsam zu lesen (und einige Szenen erinnerten mich an „Encanto“-Fanfiction, was ich auch nett fand), aber irgendwie hat das Ganze bei mir keinen besonders großen Eindruck hinterlassen, weshalb ich nach diesem ersten Teil nicht das Bedürfnis habe, weitere Bände der Reihe zu lesen.

Mara Webb: Cakes to Die For/A Brunch With Death (Compass Cove 1+2)

Den ersten Band der „Compass Cove“-Mysteries hatte ich vor ungefähr einem Jahr schon mal gelesen, als ich einen ganzen Haufen Paranormal-Cozy-Mysteries umsonst bei einer Werbeaktion heruntergeladen hatte. Da ich die Geschichte damals ganz nett fand, habe ich mir vor Kurzem gleich die gesamte zehnteilige Reihe als Bundle für 99 Cent gekauft und Band 1 und 2 gelesen, während ich bei meiner aktuellen Serie („The City Between“) zum Hörbuch wechseln musste, weil es beim neunten eBook ein Problem beim Kauf in Deutschland gab. In „Cake to Die For“ erbt die Protagonistin Zora Wick eine Bäckerei von einer verstorbenen Tante, wobei sie von der Existenz dieser Tante (und den verschiedenen anderen Familienangehörigen) erst durch dieses Erbe erfährt. Außerdem lernt Zora, dass sie eine Hexe ist (ebenso wie die anderen Mitglieder der Familie Wick), dass sie auch den – ziemlich sarkastischen – Familiar ihrer Tante geerbt hat und dass sie herausfinden soll, wer ihre Tante ermordet hat.

Auch wenn ich den Humor manchmal etwas arg überzogen fand, so war der Mystery-Anteil in der Geschichte ganz unterhaltsam und ich mochte, dass sich ein großer Teil der Handlung darum drehte, dass Zora ihre neuen Familienmitglieder kennenlernt. Es gibt im ersten Band einen Hauch von „Romance“, der allerdings nur darin besteht, dass Zora einen der Verdächtigen sehr attraktiv findet und es genießt, wenn er mit ihr flirtet. Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, obwohl es ein paar Szenen gab, die mir etwas zu albern waren. In „A Brunch With Death“ hingegen wird Zora Wick verdächtigt, einen ihrer Kunden vergiftet zu haben, und muss nun ihren Namen reinwaschen – was ein häufig verwendetes Motiv in Cozy Mysteries ist, das ich wirklich nicht leiden kann. Außerdem konzentriert sich die Autorin noch mehr auf die „lustigen“ Elemente in ihrer Geschichte, ebenso wie auf die Rivalität zwischen zwei Männern, mit denen Zora häufig zu tun hat – was bedeutet, dass sich für mich mit diesem Band die Reihe in eine Richtung entwickelt hat, die mir eigentlich nicht gefällt. Das Buch war immer noch nett genug, dass ich es beendet habe (und für 99 Cent bereue ich den Kauf auch nicht), aber ich werde mir gut überlegen, ob und wann ich zum dritten Teil greife.