Schlagwort: Cozy Fantasy

A. J. Lancaster: How to Find a Nameless Fae

Von A. J. Lancaster mochte ich schon die „Stariel“-Romane (soweit ich sie bislang gelesen habe), und so war ich neugierig genug, als „How to Find a Nameless Fae“ angekündigt wurde, um den Titel direkt vorzubestellen. Die ungewöhnliche Rumpelstilzchen-Variante wird aus der Perspektive von Prinzessin Gisele erzählt. Diese hat an ihrem vierzigsten Geburtstag die Nase voll davon, darauf zu warten, dass der Fae, mit dem ihre Mutter vor ihrer Geburt einen Handel abgeschlossen hatte, sie abholt. Gisele ist sich sicher, dass ihre einzige Chance, in Zukunft ein einigermaßen normales Leben zu führen, darin besteht, dass sie den unbekannten Fae tötet, um endlich von ihrem Fluch befreit zu werden. Doch als sie im Feenreich ankommt und auf den Fae – von ihr Malediction genannt – trifft, stellt sich heraus, dass er nicht der skrupellose Bösewicht ist, als der er immer dargestellt wurde. Stattdessen ist Malediction ein etwas planloser Gelehrter, der von Giseles Fluch ebenso betroffen ist wie sie. So scheint es nur logisch zu sein, dass Gisele bei Malediction bleibt und ihm dabei hilft, den Zauber zu lösen.

„How to Find a Nameless Fae“ beinhaltete so viele Elemente, die ich wirklich mochte. Erst einmal war es schön, mit Gisele eine schon etwas ältere Prinzessin als Protagonistin zu haben. Ihr Leben war ziemlich herausfordernd, da ihr Fluch dafür sorgte, dass kaum jemand ihre Gesellschaft für längere Zeit aushalten konnte. Aber sie hat versucht, das Beste aus der Situation zu machen, und im Laufe der Jahre allerlei hilfreiches Wissen gesammelt. Es ist nicht einfach für Gisele herauszufinden, dass nicht alles, was ihre Mutter ihr erzählt hat, wahr ist. Aber sie geht mit einem liebenswerten Pragmatismus an die Herausforderungen heran, die durch all die unbekannten Elemente im Feenland auf sie warten. Malediction hingegen war sich nicht bewusst, dass Gisele ebenso durch den Fluch litt wie er, weshalb er ein schrecklich schlechtes Gewissen ihr gegenüber hat. Der Fae ist ein wirklich liebenswerter Charakter, auch wenn er anfangs etwas gedankenlos und oberflächlich wirkt. Aber es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie er sich um sein (über eine großartige Persönlichkeit verfügendes) Haus kümmert und wie er versucht, aufmerksam mit Gisele umzugehen.

Die sich im Laufe der Zeit entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Malediction und Gisele ist sehr süß und voller kleiner Missverständnisse, die ich überraschenderweise nachvollziehbar und deshalb eher berührend fand. Da das Aufeinanderzugehen der beiden Charaktere eher langsam vonstatten ging, muss ich zugeben, dass ich die – relativ frühe – Sexszene in der Geschichte etwas irritierend fand. Wobei „Sexszene“ auch nicht der richtige Begriff ist, da es sich um einen Traum handelt. Das war für mich ein überraschender Bruch in einer ansonsten eher zurückhaltenden (und beinahe jugendfreien) Liebesgeschichte, aber immerhin hat diese Szene einige wichtige Informationen übermittelt, mit denen am Ende die Handlung ein paar Schritte vorwärts machen konnte. Ansonsten konnte „How to Find a Nameless Fae“ nicht nur mit den beiden liebenswerten Protagonisten und einem wunderbaren Haus aufwarten, sondern auch noch mit einem ganzen Haufen ungewöhnlicher – und häufig sehr sympathischer – Nebencharaktere. Ich hoffe sehr, dass A. J. Lancaster noch mehr Geschichten in dieser Welt schreiben wird, in denen wir dann noch mehr über die verschiedenen Nebenfiguren erfahren, und dass diese Romane dann ebenso amüsant und wohltuend sein werden wie „How to Find a Nameless Fae“.

Danie Stirling: Crumbs (Comic)

Den Comic „Crumbs“ von Danie Stirling habe ich schon im Januar gelesen, es aber bislang nicht auf die Reihe bekommen, den Titel zu rezensieren. Was ein bisschen daran liegt, dass die Geschichte (ebenso wie die Zeichnungen) einfach nur „nett“ sind. Auf der anderen Seite freue ich mich immer, wenn mein Blick auf den Band fällt, eben weil er so nett zu lesen war, weshalb ich hier doch noch etwas dazu sagen möchte. Die Handlung dreht sich um Ray und Laurie, die sich kennenlernen, da Ray eine Stammkundin in der Bäckerei von Lauries Tante Marigold ist. Die Welt, in der die beiden Charaktere leben, ist voller Magie, und ich mochte all die kleinen und größeren Details rund um diese fantastischen Alltagselemente. So bietet Marigold in ihrer Bäckerei Gebäck an, das einem hilft, wenn es um Selbstsicherheit, Liebe oder ähnliches geht, jedes Smartphone hat seine ganz eigene kleine Persönlichkeit, die – solange sie nicht zu alt ist – neue Zauber lernen kann, und sobald eine Person alt genug ist, kann sie ihre Lizenz zum Fliegen mit einem Besen erwerben.

Ebenso gefiel mir, dass Ray und Laurie schon zu Beginn der Geschichte eine Beziehung eingingen und die Handlung sich eher um die Frage dreht, ob die unterschiedlichen Träume, die die beiden für ihre jeweilige Zukunft haben, verhindern könnten, dass daraus eine langfristige Sache wird. Ray bereitet sich schon seit ihrer Grundschulzeit auf eine Ausbildung für das „Grand Council of Sorcerers“ vor, doch wenn sie dafür angenommen wird, würde das bedeuten, dass sie alle Verbindungen zu ihrer Familie und Freunden abbrechen müsste. Laurie hingegen träumt von einer Karriere als Musiker, auch wenn er Schwierigkeiten damit hat, sich einigen Herausforderungen, die damit einhergehen, zu stellen. Ich mochte sowohl Ray als auch Laurie als Charaktere – und gerade rund um Laurie gibt es mit seinen Tanten und seinem Freundeskreis sehr viele sympathische Nebencharaktere.

Das führte dazu, dass die Herausforderungen, die Ray und Laurie bewältigen müssen, weniger aus ihrer eigenen Taten (auch wenn Laurie ein bisschen an sich zu arbeiten hat) entstanden als aus der allgemeinen Umstände. Beiden Figuren ist es wichtig, dass die jeweils andere Person ihre Träume verwirklichen kann, auch wenn das vielleicht bedeutet, dass sie keinen Weg finde, um ihre Beziehung fortzusetzen. Diese gegenseitige Unterstützung las sich wirklich angenehm, und auch wenn es zwischendurch ein paar bittersüße Momente gab, hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte wunderbar optimistisch endete. Keines dieser Kapitel war so bewegend, dass ich mich noch Wochen später daran im Detail erinnere, aber wann immer ich den Comic sehe, denke ich daran, wie nett diese Geschichte rund um das Erwachsenwerden der beiden Figuren und die schwierige Balance zwischen den eigenen Träumen und den Kompromissen, die eine Beziehung erfordert, zu lesen war.

Auch die Zeichnungen passen zu dieser rundum „netten und wohltuenden“ Atmosphäre, die die Handlung von „Crumbs“ vermittelt. Die matte Farbpalette und das eher weiche Charakterdesign sorgen für ansprechende, aber nicht sehr einprägsame Darstellungen. Es ist immer schwierig, eine angemessene Rezension zu schreiben, wenn eine Geschichte nur „nett“ ist. Aber ich kann sagen, dass ich das Lesen genossen habe, dass ich die Zeichnungen gern betrachtet habe und dass ich das wohltuende Gefühl, das beides in mir hervorgerufen hat, sofort wieder präsent habe, wenn ich nur das Cover des Comics sehe. Ich freue mich darüber, dass ich den Titel in meiner Sammlung habe und dass ich jederzeit darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf genau diese Art von Geschichte verspüre.

Lese-Eindrücke April 2025

Ich habe im April gar nicht so wenig gelesen, aber relativ wenige Sachen, zu denen ich hier einen Lese-Eindruck festhalten kann.

Angie Thomas: The Manifestor Prophecy (Nic Blake and the Remarkables 1)

„The Manifestor Prophecy“ von Angie Thomas lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB – vor allem, da ich in den letzten Jahren einige fantastische Romane von Schwarzen Autor*innen gelesen habe, deren Inhaltsangabe ähnlich klang und ich lieber etwas Abstand beim Lesen solch vergleichbarer Büchern habe. Aber da ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mehr ältere Bücher vom SuB zu lesen, habe ich dieser Geschichte endlich eine Chance gegeben. Die Handlung dreht sich um die zwölfjährige Nic (Nichole), die zu den Remarkables (Personen mit magischen Fähigkeiten) gehört, die aber in einem „Unremarkable“-Umfeld aufwächst – was bedeutet, dass sie und ihr Vater ihre Magie verstecken müssen. Rund um ihren zwölften Geburtstag passieren dann einige unheimliche Dinge, die u. a. dazu führen, dass Nics Vater verhaftet wird, während sie mit zwei anderen Teenagern auf die Suche nach einem magischen Artefakt gehen muss.

Ich mochte Nic und die anderen Charaktere, die sich Angie Thomas für ihre Geschichte ausgedacht hat, sehr gern. Mir gefiel die magische Parallelwelt ebenso wie die diversen Anspielungen auf afrikanische Legenden sowie auf – leider häufig bedrückende – frühere und aktuelle Schwarze Historie. Außerdem gab es immer wieder wunderbar amüsante Momente als Ausgleich dafür, dass Nic und die anderen sich häufig in bedrohlichen Situationen wiedergefunden haben. Aber ich muss auch zugeben, dass mir viele Elemente in dem Roman sehr vertraut vorkamen, weil er sich jetzt nicht so sehr von anderen fantastischen Middle-Grade-Romanen (Schwarzer Autor*innen) unterschied. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und ich habe Lust, auch noch die Fortsetzung zu lesen, aber ich hoffe ein bisschen, dass Angie Thomas als Fantasyautorin in Zukunft noch einen etwas individuelleren Stil entwickeln wird.

Catie Murphy: Death of a Irish Druid (Dublin Driver Mysteries 6)

„Death of an Irish Druid“ ist der sechste (und bedauerlicherweise vorerst letzte) Band der Dublin-Drivers-Mysteries und er hat mir besonders gut gefallen. Diese cozy-mystery-Reihe dreht sich um die in Irland lebende Amerikanerin Megan Malone, die mit einem mit ihr befreundeten amerikanischen Ehepaar unterwegs ist, als sie über die Leiche eines selbsternannten Druiden stolpert. Obwohl auf den ersten Blick alles nach einem Unfall aussieht, gibt es so viele Ungereimtheiten rund um diesen Todesfall, dass Meg ihrer Neugierde nachgibt und mehr über den Verstorbenen und sein Leben herausfinden will. Ich fand es angenehm, dass dieses Mal die Vorraussetzungen für Megans Ermittlungen ganz anders waren als in den vorhergehenden Bänden. So ist ihr Freund, der für die Garda arbeitet, gerade im Ausland, dafür wird sie rundum von dem Ehepaar unterstützt, das gerade zu Besuch in Irland ist – was zu einigen amüsanten Szenen führt, wenn zum Beispiel amerikanische und irische Gepflogenheiten aufeinanderstoßen.

Das führt dazu, dass sich dieser Band anders anfühlt als die vorhergehenden, ohne dass ich auf all die Dinge, die ich sonst schon so in den Geschichten gemocht habe (all die kleine persönliche Geheimnisse, die von Megan aufgedeckt werden/das Verhältnis der Protagonistin zu ihren Freunden/Megans Fürsorge für diejenigen, die unter dem plötzlichen Verlust einer wichtigen Person leiden), verzichten musste. Dazu habe ich überraschende Details zu den unterschiedlichsten Themen wie britische Adelstitel in Irland, Irisches Erbrecht und Renaturierungsvarianten gelernt und mich dabei großartig unterhalten. Ich hoffe sehr, dass Catie/C.E. Murphy noch eine Möglichkeit findet, die weiteren vier Romane, die sie für diese Reihe schon geplant hatte, auch ohne den ursprünglichen Verlag zu veröffentlichen. Ich wüsste wirklich gern, wie es mit Megan nach diesem Band weitergeht und über welche Leichen sie in Zukunft noch stolpern wird.

Ariana Jade/Arizona Tape: The Coffee House Witch and the Grumpy Cat (The Cobblestone Coven 1)

„The Coffee House Witch and the Grumpy Cat“ hatte ich vorbestellt, als der Titel noch „The Coffee House Witch“ hieß, der Veröffentlichungstermin noch einige Wochen früher angesetzt war und das eBook noch ohne Seitenzahl gelistet wurde. Was bedeutete, dass ich keine Ahnung hatte, ob ich meine 99 Cent für eine nett klingende Kurzgeschichte oder für einen fantastischen Liebesroman ausgeben würde. Am Ende hatte die Geschichte einen Umfang von knapp über 100 Seiten und fühlte sich an, als ob ich den Anfang eines cozy Fantasy-Romans gelesen hätte. Die Handlung dreht sich um Hexe Cassiopeia, die nach zehn Jahren in „der Stadt“ zurück zu ihrer Großmutter zieht und ihr in ihrem Café hilft. Cassi weiß nicht so recht, wie es in Zukunft mit ihr weitergehen soll: Ihre Verlobung ist in die Brüche gegangen, ihren Job hat sie deshalb auch verloren (da ihre Chefs die Eltern ihrer Ex-Verlobten waren) und ihre Magie ist zur Zeit etwas wackelig.

Die Handlung war (soweit vorhanden) nett, ich mochte die Figuren rund um die Protagonistin (ehrlich gesagt mehr als Cassi selbst), ich habe grundsätzlich eine Schwäche für Geschichten, die in unserer Welt plus einem Hauch von Magie spielen, und auch wenn die diversen tierischen Familiare etwas gewollt niedlich-eigenwillig waren, war das okay zu lesen. Es störte mich auch nicht, dass von Anfang an offensichtlich war, dass Cassi im Laufe der Zeit Gefühle für ihre beste Freundin aus Kindheitstagen entwickeln wird. Was mich hingegen störte, war, dass ich mit diesem Band keine vollständige Geschichte bekommen habe. Es fühlte sich an, als ob ich eine längere Leseprobe gelesen hätte statt einer eigenständigen Novella. Und diese „Leseprobe“ war zwar ganz nett, aber jetzt nicht so überzeugend, dass es mir wert wäre, einige Wochen auf die nächste Portion der Geschichte zu warten und dafür dann drei Euro auszugeben, ohne vorhersagen zu können, ob dieser Teil sich beim Lesen dann befriedigender anfühlen wird …

Lese-Eindrücke Februar und März 2025

Da ich im Februar nicht genug gelesen hatte, dass sich ein eigener Beitrag mit Lese-Eindrücken gelohnt hätte, gibt es dieses Mal die Anmerkungen für zwei Monate.

K.B. Wagers: Behind the Throne/After the Crown/Beyond the Empire (The Indranan War 1-3)

Diese Space Opera hatte mich im Februar überraschend gefesselt. Die Handlung dreht sich um die 38jährige Prinzessin Hail(imi), die vor zwanzig Jahren von ihrem Heimatplanten Indranan geflüchtet ist und sich (unter dem Pseudonym Cressen Stone) als Gunrunner ihren Lebensunterhalt verdient hat. Zu Beginn der Trilogie wird sie von Geheimdienstmitarbeitern ihrer Mutter aufgespürt und gegen ihren Willen nach Hause geschleppt, weil in den vergangenen Monaten der Großteil der kaiserlichen Familie ausgelöscht wurde. Die Romane sind eine Mischung aus viel Planung/Ermittlung und Action, was mich recht gut unterhalten hat. Aber wirklich gepackt haben mich die Figuren, ihre komplizierten Beziehungen zueinander und die Trauer, die sich durch die gesamte Geschichte zieht.

Hail trauert um die Familienmitglieder, die sie verloren hat, darum, dass sie nie ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, und um den Mann, mit dem sie fast zwanzig Jahre zusammengelebt hat und der kurz vor ihrer Rückkehr auf ihren Heimatplaneten getötet wurde – was dazu führt, dass es (yeah!) keine Liebesgeschichte in dieser Trilogie gibt. Die engste Beziehung, die die Protagonistin in dieser Trilogie hat, knüpft sie mit dem Mann, der unter anderen Umständen ihr Schwager gewesen wäre, und mit dessen Ehemann. Dazu kommt, dass Hails Heimat sehr indisch inspiriert ist, was ich sehr reizvoll fand, auch wenn ich nicht beurteilen kann, wie angemessen die Umsetzung der Autorin da ist. Es gibt am Ende des dritten Bandes ein paar Elemente, die von der Protagonistin „übersehen“ werden, obwohl sie offensichtlich sind, was daran liegt, dass die Autorin damit schon Hinweise für die nächste Trilogie legt. Darauf hätte ich verzichten können, aber es war auch nicht so schlimm, dass es mir den Spaß an den drei Büchern verdorben hätte.

R.C. Joshua: Demon World Boba Shop

Über „Demon World Boba Shop“ hatte ich im Februar schon beim Lese-Sonntag geschrieben. Der Roman ist eine isekai-Geschichte, was bedeutet, dass sich der Protagonist Arthur nach seinem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, in der er seine Fähigkeiten wie in einem klassischen RPG aufleveln kann. Doch anders als bei den meisten isekai-Titeln verdingt Arthur sich nicht als Abenteurer, sondern eröffnet in dieser (durch und durch netten) Welt einen Shop für Bubble Tea. Das ist unglaublich erholsam zu lesen und für so einige amüsante Szenen rund um das Level-System und Arthurs sich entwickelnde Fähigkeiten sorgte. Außerdem gibt es immer wieder Dinge, bei denen Arthur sich beweisen oder jemandem helfen muss, so dass es regelmäßig Momente gibt, in denen er das Gefühl hat, dass etwas Wichtiges auf dem Spiel steht. Das sorgt dafür, dass die Handlung bei aller Nettigkeit nicht langweilig wird. (Teil 2 war übrigens im März ebenso nett zu lesen, während ich mich am Ende des dritten Bands ziemlich unzufrieden fühlte, weil so viel Potenzial ungenutzt blieb und sich so viele Herausforderungen als nichtig herausstellten. Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe danach noch fortsetzen mag.)

Martha Wells: All Systems Red (The Murderbot Diaries 1)

„All Systems Red“ habe ich 2019 geschenkt bekommen, und seitdem lag es auf dem SuB, obwohl ich davon ausging, dass mir die Geschichte gut gefallen würde. Aber es wurde damals so viel über die Murderbot Diaries geredet, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte nicht unbefangen ans Lesen gehen. Sechs Jahre später hingegen habe ich das Buch sehr genossen! Ich mochte Murderbots Erzählstimme, ich habe mich sehr über seine Sicht auf die Welt amüsiert, und ich bin gespannt, wie es mit ihm weitergeht – weshalb ich mir nach dem Lesen direkt „Artificial Condition“ bestellt habe. Ich bin mir sicher, dass der Band nach dem Eintreffen keine sechs Jahre auf dem SuB liegen wird …

Stephanie Burgis: Wooing the Witch Queen (Queens of Villainy 1)

„Wooing the Witch Queen“ ist der neuste Roman von Stephanie Burgis, und ich muss zugeben, dass ich erstaunlich wenig dazu zu sagen habe. Ich habe die Geschichte beim Lesen genossen und regelmäßig schmunzeln müssen. Ich mochte die Charaktere, ich mochte die zaghafte Liebesgeschichte zwischen der „wicked witch queen“ und dem Erzherzog, der aufgrund einer Verwechslung von ihr als Bibliothekar engagiert wurde, und ich freue mich auf die noch erscheinenden beiden Bände der Trilogie. Aber ich muss auch zugeben, dass das diese Art von „netter“ Geschichte war, bei der nicht viel haften bleibt. Obwohl sowohl die Königin als auch der Erzherzog viel Schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebt haben, war ich emotional recht wenig engagiert beim Lesen. „Wooing the Witch Queen“ ist ein wirklich netter „cozy fantasy“-Roman, aber fast schon zu cozy – dieser Geschichte hätte ein Hauch von Drama ganz gut getan.

Michiko Aoyama: What your are looking for is in the library

Michiko Aoyama erzählt in „What your are looking for is in the library“ fünf Episoden, in denen das Leben von fünf verschiedenen Personen durch eine überraschende Buchempfehlung der Bibliothekarin Sayuri Komachi eine notwendige Wendung nimmt. Ich mag diese Art von ruhigen Geschichten, die mir einen Einblick in ein (fiktives) Leben geben und am Ende mit dem Gefühl zurücklassen, dass die Person, um die es geht, in eine für sie gute Richtung weitergehen wird. Diese Mischung aus Realismus, einem Hauch Ungewöhnlichem und einem kleinen Blick in eine andere Kultur empfinde ich als wirklich wohltuend.

Lese-Eindrücke Dezember 2024

Ich habe im Dezember so viele gute Bücher gelesen, das war schön! Da einige davon Reihenfortsetzungen oder eben doch nur „nett“ waren, gibt es wieder die dazugehörigen Lese-Eindrücke.

Kalyn Josephson: Hollowthorn (Ravenfall 2)

Nachdem mir im Oktober „Ravenfall“ so gut gefallen hatte, hatte ich mir zum Geburtstag die Fortsetzung gewünscht – die ich dann direkt im Dezember gelesen habe. Die Handlung in „Hollowthorn“ setzt wenige Wochen nach den Ereignissen im ersten Band ein. Genau genommen beginnt die Geschichte mit dem jüdischen Lichterfest und damit, dass der Großteil von Annas Familie eine Woche lang nicht im Inn Ravenfall sein wird. So sollen Colin, Anna und ihr Vater Henry eigentlich die Stellung halten und sich um die Gäste kümmern, als der Raven Salem Henry um Hilfe bei einer Mission im Hollowthorn bittet. Ich muss zugeben, dass ich es ein bisschen schade fand, dass nur ein Teil der Handlung im Inn spielte (wobei das Inn dieses Mal immerhin in ein paar Kapitel seine eigene „Sicht“ äußern kann). Ansonsten habe ich die Darstellung der Otherworld genossen, mochte es, Annas und Colins Weg (mit all ihren Problemen) zu verfolgen, und bin überraschend neugierig darauf, wie es mit den beiden weitergeht. Leider ist der dritte Band der Reihe („Witchwood“) gerade erst als Hardcover erschienen, und eine Taschenbuchausgabe ist noch nicht angekündigt.

S. Usher Evans: Drinks and Sinkholes (The Weary Dragon Inn 1)

„Drinks and Sinkholes“ ist der erste Band einer zehnteiligen Cozy-Fantasy-Mystery-Reihe, die sich rund um Bev(erage Wench) dreht. Wenn ich von der bemüht-amüsanten Namensgebung der diversen Personen absehe, habe ich mich mit diesem Band wirklich gut unterhalten gefühlt. Bev ist vor fünf Jahren – ohne jegliche Erinnerung an ihre Vergangenheit – in den kleinen Ort Pigsend gekommen. In Pigsend wurde sie von den Anwohnern freundlich aufgenommen und fand einen Job beim Weary Dreagon Inn, das sie nach dem Tod des Vorbesitzers erbte. In diesem Band wird (nicht nur) ihr Gasthaus von überraschend auftreten Erdlöchern bedroht.

Da die Bürgermeisterin und der örtliche Polizist alle Hände voll mit den besuchenden Soldaten der Königin zu tun haben, wird Bev mit der Ermittlung beauftragt. Was in erster Linie dazu gedacht war, die Anwohner des Ortes zu beruhigen, weil ja nun etwas getan wird, führt dazu, dass Bev all ihre Energie in die Ursachenforschung steckt und so überraschend viele Geheimnisse ihrer Nachbarn herausfindet. Die fantastische Welt, in der die Geschichte spielt, wirkt zu Beginn relativ magiearm, und Bev entdeckt erst nach und nach, dass in ihrer Nachbarschaft mehr übernatürliche Wesen leben, als sie geahnt hat. Das ist stellenweise etwas vorhersehbar, aber trotzdem sehr nett und unterhaltsam zu lesen. Genau die richtige Lektüre für einen entspannten Leseabend – und ich fürchte, ich werde mir demnächst den Sammelband mit den ersten drei Bänden holen mussen, um irgendwann weiterlesen zu können.

Toshikazu Kawaguchi: Before We Forget Kindness (Before the Coffee Gets Cold 5)

Der inzwischen fünfte Band rund um das kleine Café in Tokyo, in dem Besucher für einige Minuten durch die Zeit reisen können. Nichts an diesen Geschichten war neu oder überraschend, und ich muss zugeben, dass das nicht mein Lieblingsband der Reihe war. Aber grundsätzlich genieße ich weiterhin diese kleinen Episoden, die sich rund um kleine menschliche Momente drehen, um die vielen verschiedenen Arten von Beziehungen und die vielen kleinen (oder großen) Dinge, die schieflaufen können und die später bereut werden. Ich freue mich über ein Wiedersehen mit den Charakteren, die – sei es als Personal oder als Stammgäste – immer wieder auftauchen, und ich teile mir bewusst die Geschichten eines neuen Bandes so ein, dass ich mehrere Tage etwas davon habe. Wie schon bei den anderen Büchern von Toshikazu Kawaguchi empfand ich auch das Lesen von „Before We Forget Kindness“ als wohltuend.

Lynn Strong: Chai and Cat-Tales

„Chai and Cat-Tales“ von Lynn Strong enthält drei Geschichten, die in einer vom Mittleren Osten inspirierten Fantasywelt spielt. Jede der drei Episoden dreht sich um eine andere Figur, aber da alle Geschichten in derselben Stadt spielen, gibt es Charaktere, die sich durch den gesamten Band ziehen – sei es, dass sie persönlich auftauchen oder nur erwähnt werden. Ich fand es spannend, drei so unterschiedliche „cozy“ Erzählungen zu lesen, deren Gemeinsamkeit vor allem im Schauplatz besteht, die mich aber alle drei beim Lesen erfreut und überrascht haben. Lynn Strongs Charaktere sind sehr divers angelegt, und ich habe das Gefühl gehabt, dass sie sehr aufmerksam und bewusst mit schwierigeren Themen umgeht, während ich mich gleichzeitig großartig beim Lesen amüsiert habe. „Chai and Cat-Tales“ hat mich wirklich überrascht, und ich bin sehr gespannt darauf, ob Lynn Strong es wirklich schafft, 2025 ihren im Nachwort erwähnten Roman zu veröffentlichen. Wenn das so sein sollte, werde ich ihn mir auf jeden Fall bestellen!

Lese-Eindrücke Januar 2024

Winter Tales from Cozy Vales (A Cozy Fantasty Collection 1)

Cozy Vales ist eine „shared world“, in der die Autor*innen L. A. Scott, Rebecca Buchanan, Selina J. Eckert, Deanna Stuart, Angela Stuart, Cassandra Stirling, K. M. Jackways, G. Glatworthy, Nathaniel Webb und Bonnie Axton schreiben. „Winter Tales from Cozy Vales“ ist eine (kostenlose) Sammlung von Geschichten, die diese Welt und ihre Bewohner vorstellen, und war für mich die perfekte Entspannung zum Jahresanfang. Nicht alle der neun Geschichten haben mir gleichermaßen gut gefallen, aber in allen davon habe ich Elemente gefunden, die mich erfreut haben, und bei überraschend vielen Texten gehe ich davon aus, dass ich weitere Cozy-Vales-Veröffentlichungen der Autor*innen lesen werde.

Alle Beiträge in dieser Collection drehen sich rund um die „Lantern Night“, die in dieser fantastischen Welt begangen wird (wobei die verschiedenen Regionen auch unterschiedliche Traditionen rund um diesen Feiertag haben), und ich mochte die winterliche Atmosphäre ebenso wie die vielen kleinen und großen magischen Elemente und Personen. Einige dieser Geschichten haben bei mir ein ähnliches Gefühl hervorgerufen wie „Legends & Lattes“, wobei es in dieser Welt grundsätzlich mehr Alltagsmagie und weniger Abenteuer zu geben scheint. Für mich die perfekte Lektüre, um abends entspannt ein bisschen zu lesen und mir dann beim Einschlafen auszumalen, wie es mit den Charakteren wohl weitergehen könnte. 😉

Lauren Gilley: Heart of Winter (Drake Chronicles 1)

„The Heart of Winter“ von Lauren Gilley ist schon vor längerer Zeit auf meinem eReader gelandet, und erst beim Erstellen meiner „Winter-Leseliste“ habe ich wieder an den Titel gedacht. Inzwischen habe ich nicht nur diesen ersten Band der „Drake Chronicles“, sondern auch den zweiten und dritten Teil gelesen, weil ich mich davon so gut unterhalten fühle. Am Anfang dreht sich die Handlung vor allem um Oliver Meacham (Bastardsohn eines Adeligen) und seine Cousine Tessa Drake, die von ihm in den Norden begleitet wird, wo sie den „barbarischen“ König Erik heiraten soll. Diese Heirat soll dafür sorgen, dass das Herzogtum Drakewell militärische Unterstützung gegen die einfallenden Sels erhält. Doch Erik ist nicht an einer Heirat interessiert und bietet Tessa stattdessen die Hand eines seiner Neffen (und Erben) an, während sich gleichzeitig eine Liebesgeschichte zwischen dem König und Oliver entwickelt.

Es gibt in diesen Romanen so einige Elemente, bei denen ich nicht genauer über den Weltenbau nachdenken darf – vor allem, wenn es um die Tiere in den verschiedenen Regionen, die Logistik beim Reisen oder gar um das Thema Nahrungsmittelanbau, -import oder -export geht. Außerdem hätte es für mich die Menge an Sex- und Schmachtszenen (m/m und f/m) nicht unbedingt benötigt, aber ich kann damit leben, weil es dabei auch immer wieder – zum Teil wirklich wichtige – Dialoge gab. Vor allem aber habe ich diese Bücher mit so großem Vergnügen gelesen, weil ich die Figuren und die Art und Weise, wie sie mit ihren Familienmitgliedern und Freunden umgehen, mochte. Für Oliver führt die Reise in den Norden nicht nur dazu, dass er Gefühle für König Erik entwickelt, sondern auch dazu, dass er zum ersten Mal mehr als nur „der Bastard“ ist.

Er und Tessa finden eine überraschend herzliche neue Familie, und auch wenn es aufgrund von unterschiedlichen Temperamenten oder kulturellen Missverständnisse mal knirscht, so reden diese Figuren doch miteinander und versuchen gemeinsam ihre Probleme zu lösen. Das ist so wohltuend zu lesen, dass die (ab dem Ende des ersten Bands) auftauchenden dramatischen Elemente wie Krieg, Nekromanten, Clan-Politik und natürlich politische Schachzüge und Verrat den wohltuenden Teil für mich nicht überschatten. So haben die ersten drei Teile der „Drake Chronicles“ bei mir für überraschend entspannte Lesestunden gesorgt und ich musste beim abendlichen Lesen aufpassen, dass ich meine Schlafenszeit nicht zu sehr in die Nacht verschob. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann auch noch die letzten beiden Teile der Reihe lesen werde.

Catie Murphy: Death by Irish Whiskey (The Dublin Driver 5)

„Death by Irish Whiskey“ ist der fünfte Band der „Dublin Driver Mysteries“ und ich mag die Reihe so sehr, dass ich den Krimi direkt nach Erscheinen (am 23. Januar) gelesen habe. Protagonistin der Bücher ist Megan Malone, eine Amerikanerin, die seit fünf Jahren in Dublin lebt und dort als Limousinen-Chauffeurin arbeitet. Im Rahmen ihrer Arbeit lernt sie nicht nur die ungewöhnlichsten Personen kennen, sondern stolpert auch immer wieder über Leichen. Dieses Mal ist sie allerdings privat unterwegs, als bei einem Wettbewerb, bei dem der vielversprechendste „Newcomer Whiskey“ des Jahres gekürt werden soll, einer der Teilnehmer ermordet wird. Obwohl Megan ihrer Freundin Jelena versprochen hatte, dass sie in Zukunft die Finger von den Mordermittlungen lässt, kann sie auch dieses Mal nicht einfach zuschauen, wie die Polizei ermittelt – schließlich gehört auch ihr Onkel Rabbie zu den Teilnehmern des Wettbewerbs und könnte deshalb in Gefahr schweben.

Nachdem ich den vierten Teil der Reihe etwas enttäuschend fand, weil es mich so genervt hat, dass Megans Liebste Jelena so extrem darauf reagierte, dass Megan immer wieder über Leichen stolperte, hat mich „Death by Irish Whiskey“ wieder rundum gut unterhalten. Jelena kommt zu dem Schluss, dass das Schicksal bestimmt hat, dass Megan Morde aufklärt, und Megan plaudert mit den diversen Personen und findet einen Hinweis nach dem anderen. Dabei finde ich es immer wieder spannend, wie Catie Murphy Megans Verhältnis zur Polizei darstellt: Auf der einen Seite besteht Megan auf ihre Rechte und lässt den Polizisten keinen (versuchten) Regelverstoß durchgehen. Auf der anderen Seite berichtet sie jede relevante Information, damit die Ermittler ihrer Arbeit in vollem Umfang nachgehen können. Vor allem aber mag ich Megan und ihren Freundeskreis und all die kleinen Beobachtungen der geborenen Amerikanerin rund um das Leben in Irland. Außerdem finde ich die vielen verschiedenen Charaktere, die sie im Laufe der Mordfälle kennenlernt, interessant und amüsiere mich immer wieder sehr über die Dialoge. Ich hoffe sehr, dass C. E. Murphy noch so einige Dublin-Driver-Krimis schreiben wird.

Casey Blair: A Coup of Tea (Tea Princess Chronicles 1)

„A Coup of Tea“ ist genau die Art von Cozy Fantasy, die mir gerade so viel Freude bereitet. Die Geschichte wurde von Casey Blair schon im Jahr 2017 als web serial veröffentlicht und dreht sich um Miyara, die die vierte von fünf Prinzessinen von Istalam ist. Die Handlung beginnt an dem Tag, an dem die Protagonistin in einer großen offiziellen Zeremonie verkünden soll, in welcher Position sie zukünftig dem Land dienen wird. Dummerweise hat Miyara keine Ahnung, welche Aufgabe sie zufriedenstellend übernehmen könnte, da sie – im Gegensatz zu ihren Schwestern – keine besondere Begabung hat, die sie perfekt für eine bestimmte Position machen würde. Stattdessen ist Miyara pflichtbewusst, wenn es um ihre Position als Prinzessin geht, stets bemüht, am Hof nicht groß aufzufallen, und trotzdem fest entschlossen, ihrem Volk zu dienen. Das alles führt dazu, dass sie aus dem Palast flieht, ihren Rang als Prinzessin hinter sich lässt und in den erstbesten Zug springt, der die Stadt verlässt. Allein und ohne Gepäck landet Miyara am anderen Ende des Landes und muss nun ohne die Unterstützung der königlichen Familie ihren Weg finden.

Ich mochte es sehr, dass es Casey Blair gelingt, Miyara als eine Person darzustellen, die über sehr viel Wissen in vielen verschiedenen Bereichen verfügt, weil sie als Prinzessin eben eine umfassende Ausbildung bekommen hat. Aber auf der anderen Seite ist sie häufig von kleinen alltäglichen Dingen überfordert ist, weil sie damit einfach noch keine Erfahrung gesammelt hat. Es hat mir viel Freude bereitet, all die kleinen Entwicklungen zu verfolgen, die Miyara durchmacht, und mitzuerleben, wie sie neue praktische Sachen lernt und wie sie zum ersten Mal in ihrem Leben Freund*innen findet. Umso schöner fand ich all das, weil die Autorin es Miyara nicht immer einfach macht, auch wenn sie schon in ihrer ersten Nacht in der neuen Stadt jemanden kennenlernt, der ihr eine Unterkunft und einen Job vermittelt. Aber nicht alle Personen in ihrer neuen Umgebung sind freundlich oder hilfsbereit, außerdem werden Rassismus, Standesdünkel und viele anderen schrecklichen Dinge, zu denen Menschen fähig sind, in dieser Geschichte angeschnitten. Aber da Miyara nicht sehr gut darin ist, keine Prinzessin mehr zu sein, versucht sie sich für die Personen in ihrer neuen Stadt zu engagieren und einen Weg zu finden, damit alle dort gemeinsam und gleichberechtigt ein Zuhause finden können.

Neben all den kleinen und größeren dramatischen Entwicklungen in der Handlung gibt es sehr, sehr viele freundschaftliche und ruhige Szenen, die dafür sorgen, dass ich mir die ganze Zeit vollkommen sicher war, dass am Ende alles gut ausgehen wird. Das macht „A Coup of Tea“ nicht gerade spannend, aber ich habe diese gemütlichen Passagen besonders genossen. Auch die Tatsache, dass Miyara einen Arbeitsplatz in einem Teehaus findet, führt zu sehr vielen schönen Szenen rund ums Teetrinken, Teezeremonien oder einfach den Alltag hinter den Kulissen eines solchen Geschäfts. Außerdem lässt Casey Blair im Laufe der Geschichte immer mehr fantastische Elemente in den Roman einfließen, die mich neugierig auf weitere Einblicke in diese Welt gemacht haben. Dass es Magie in dieser Welt gibt, ist von Anfang an klar, aber welchen Regeln diese Magie folgt, welche unterschiedlichen Varianten es gibt und welchen Einfluss das zum Beispiel auf den Alltag hat, fand ich spannend zu entdecken. Alles in allem hat die Geschichte für mich die perfekte Mischung aus sympathischen Charakteren, heimeligen Szenen und einer Handlung, die mich wirklich neugierig auf die nächsten Entwicklungen gemacht hat.

Rebecca Thorne: Can’t Spell Treason Without Tea (Tomes & Tea Cozy Fantasy 1)

„Can’t Spell Treason Without Tea“ von Rebecca Thorne wurde – wie die Autorin selbst im Nachwort anmerkt – stark von Trevis Baldrees Roman „Legends & Lattes“ inspiriert, und das ist beim Lesen auch deutlich spürbar. Ich muss zugeben, dass es einige Aspekte gab, die mir bei „Legends & Lattes“ etwas besser gefielen, aber trotzdem habe ich mich mit „Can’t Spell Treason Without Tea“ gut unterhalten gefühlt und freue mich jetzt schon darauf, dass es einen weiteren Band mit den Protagonistinnen Reyna und Kianthe geben soll. Rebecca Thorne erzählt die Handlung abwechselnd aus der Sicht ihrer beiden Protagonistinnen. Reyna ist von Kindheitsbeinen an dazu erzogen worden, ihrer Königin Tilaine als Palastwache zu dienen, während Kianthe nach dem Tod des Arcandor vom „Stone of Seeing“ zu seinem Nachfolger – und damit zur mächtigsten lebenden Magierin – erwählt wurde. Keine von beiden wäre es jemals in den Sinn gekommen, ihren Posten aufzugeben, wenn sie sich nicht ineinander verliebt und dabei entdeckt hätten, dass sie eigentlich vom Leben mehr erwarten als nur ihre Pflicht zu erfüllen.

Die einzige Möglichkeit für Reyna, den Dienst der Königin zu verlassen, besteht darin, zu sterben oder zu desertieren, und auch Kianthe kann als Arcandor nicht einfach ihre Position aufgeben. Trotzdem träumen die beiden seit Längerem davon, eine Laden zu eröffnen, in dem sie Bücher verkaufen und Tee servieren können – und nach einem Vorfall im Palast beschließt Reyna, dass es Zeit ist, diesem Traum zu folgen. Gemeinsam reisen die beiden Frauen in die abgelegene Stadt Tawney und versuchen dort, einen Laden zu eröffnen, während Kianthe gleichzeitig immer wieder dem Ruf des „Stone of Seeing“ folgen und Reyna die Augen nach den Assassinen der Königin offen halten muss. Gerade der letzte Teil klingt etwas dramatischer, als die Geschichte wirklich ist, denn obwohl es schon zu einigen Vorfällen, Kämpfen und einem Drachenangriff kommt, ist dieser Roman vor allem sehr, sehr gemütlich. Allein schon die Tatsache, dass Kianthe nun mal eine Magierin mit unglaublich großen Fähigkeiten ist, sorgt dafür, dass die beiden Frauen sehr viele Hindernisse mit Leichtigkeit bewältigen können, die andere Personen vor Herausforderungen stellen würden.

Ich muss zugeben, dass diese Leichtigkeit mir gerade am Anfang schon fast etwas zu viel war. Ich hätte im ersten Drittel gern mehr das Gefühl gehabt, dass Reyna und Kianthe wirklich für ihren Traum arbeiten müssen, statt dass ihnen sehr viele Dinge (die passenden Handwerker, neue Freunde) in den Schoß fallen. Aber nachdem mir klar wurde, dass dieses erste Drittel vor allem die Welt, die Figuren und ihre Ausgangssituation vorstellen sollte, konnte ich den Roman etwas mehr genießen. Vor allem fand ich es sehr nett, dass Reyna und Kianthe schon seit Längerem ein Paar sind, auch wenn sie diese Beziehung immer verheimlichen musste. Das sorgt dafür, dass sich so einige Passagen darum drehen, wie die beiden langfristig dafür sorgen, dass ihre Beziehung funktioniert, und dass sie immer wieder miteinander reden müssen, um herauszufinden, ob die anderen wirklich das Gleiche will. So ist es auch stimmig, dass die Kapitel abwechselnd aus Reynas und Kianthes Sicht erzählt werden, so dass nicht nur immer deutlich ist, warum welche Protagonistin wie handelt, sondern auch, wie das auf ihre Partnerin wirkt.

Es gab immer wieder Elemente in der Geschichte, die ich etwas unglaubwürdig fand (wie die Tatsache, dass ihr Laden „Tomes & Tea“ von Anfang an so erfolgreich ist, obwohl ihre Nachbarn alle nicht gerade reich sind), aber wenn ich mich auf all die netten und gemütliche Elemente konzentrierte, konnte ich den Roman wirklich genießen. Außerdem gab es immer wieder amüsante Szenen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, wenn es z. B. darum ging, mit den Banditen umzugehen, deren Hauptquartier der Laden früher war. „Can’t Spell Treason without Tea“ ist sehr gut geeigent, wenn man nicht zu viel nachdenken und einfach nur etwas entspannte Lesezeit mit Cozy Fantasy verbringen möchte – und ich liebe es, dass es mittlerweile genügend Romane in der Richtung gibt, so dass sich der Begriff inzwischen im englischsprachigen Raum etabliert hat! Es gibt sympathische Figuren, ein paar nette fantastische Elemente rund um die Welt, in der Kianthe und Reyna leben, und wenn es in der Handlung doch mal ernsthafter wird, gibt es in der Regel kurz darauf amüsante Momente, die einen schnell wieder aufheitern.