Von A. J. Lancaster mochte ich schon die „Stariel“-Romane (soweit ich sie bislang gelesen habe), und so war ich neugierig genug, als „How to Find a Nameless Fae“ angekündigt wurde, um den Titel direkt vorzubestellen. Die ungewöhnliche Rumpelstilzchen-Variante wird aus der Perspektive von Prinzessin Gisele erzählt. Diese hat an ihrem vierzigsten Geburtstag die Nase voll davon, darauf zu warten, dass der Fae, mit dem ihre Mutter vor ihrer Geburt einen Handel abgeschlossen hatte, sie abholt. Gisele ist sich sicher, dass ihre einzige Chance, in Zukunft ein einigermaßen normales Leben zu führen, darin besteht, dass sie den unbekannten Fae tötet, um endlich von ihrem Fluch befreit zu werden. Doch als sie im Feenreich ankommt und auf den Fae – von ihr Malediction genannt – trifft, stellt sich heraus, dass er nicht der skrupellose Bösewicht ist, als der er immer dargestellt wurde. Stattdessen ist Malediction ein etwas planloser Gelehrter, der von Giseles Fluch ebenso betroffen ist wie sie. So scheint es nur logisch zu sein, dass Gisele bei Malediction bleibt und ihm dabei hilft, den Zauber zu lösen.
„How to Find a Nameless Fae“ beinhaltete so viele Elemente, die ich wirklich mochte. Erst einmal war es schön, mit Gisele eine schon etwas ältere Prinzessin als Protagonistin zu haben. Ihr Leben war ziemlich herausfordernd, da ihr Fluch dafür sorgte, dass kaum jemand ihre Gesellschaft für längere Zeit aushalten konnte. Aber sie hat versucht, das Beste aus der Situation zu machen, und im Laufe der Jahre allerlei hilfreiches Wissen gesammelt. Es ist nicht einfach für Gisele herauszufinden, dass nicht alles, was ihre Mutter ihr erzählt hat, wahr ist. Aber sie geht mit einem liebenswerten Pragmatismus an die Herausforderungen heran, die durch all die unbekannten Elemente im Feenland auf sie warten. Malediction hingegen war sich nicht bewusst, dass Gisele ebenso durch den Fluch litt wie er, weshalb er ein schrecklich schlechtes Gewissen ihr gegenüber hat. Der Fae ist ein wirklich liebenswerter Charakter, auch wenn er anfangs etwas gedankenlos und oberflächlich wirkt. Aber es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie er sich um sein (über eine großartige Persönlichkeit verfügendes) Haus kümmert und wie er versucht, aufmerksam mit Gisele umzugehen.
Die sich im Laufe der Zeit entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Malediction und Gisele ist sehr süß und voller kleiner Missverständnisse, die ich überraschenderweise nachvollziehbar und deshalb eher berührend fand. Da das Aufeinanderzugehen der beiden Charaktere eher langsam vonstatten ging, muss ich zugeben, dass ich die – relativ frühe – Sexszene in der Geschichte etwas irritierend fand. Wobei „Sexszene“ auch nicht der richtige Begriff ist, da es sich um einen Traum handelt. Das war für mich ein überraschender Bruch in einer ansonsten eher zurückhaltenden (und beinahe jugendfreien) Liebesgeschichte, aber immerhin hat diese Szene einige wichtige Informationen übermittelt, mit denen am Ende die Handlung ein paar Schritte vorwärts machen konnte. Ansonsten konnte „How to Find a Nameless Fae“ nicht nur mit den beiden liebenswerten Protagonisten und einem wunderbaren Haus aufwarten, sondern auch noch mit einem ganzen Haufen ungewöhnlicher – und häufig sehr sympathischer – Nebencharaktere. Ich hoffe sehr, dass A. J. Lancaster noch mehr Geschichten in dieser Welt schreiben wird, in denen wir dann noch mehr über die verschiedenen Nebenfiguren erfahren, und dass diese Romane dann ebenso amüsant und wohltuend sein werden wie „How to Find a Nameless Fae“.
