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Danie Stirling: Crumbs (Comic)

Den Comic „Crumbs“ von Danie Stirling habe ich schon im Januar gelesen, es aber bislang nicht auf die Reihe bekommen, den Titel zu rezensieren. Was ein bisschen daran liegt, dass die Geschichte (ebenso wie die Zeichnungen) einfach nur „nett“ sind. Auf der anderen Seite freue ich mich immer, wenn mein Blick auf den Band fällt, eben weil er so nett zu lesen war, weshalb ich hier doch noch etwas dazu sagen möchte. Die Handlung dreht sich um Ray und Laurie, die sich kennenlernen, da Ray eine Stammkundin in der Bäckerei von Lauries Tante Marigold ist. Die Welt, in der die beiden Charaktere leben, ist voller Magie, und ich mochte all die kleinen und größeren Details rund um diese fantastischen Alltagselemente. So bietet Marigold in ihrer Bäckerei Gebäck an, das einem hilft, wenn es um Selbstsicherheit, Liebe oder ähnliches geht, jedes Smartphone hat seine ganz eigene kleine Persönlichkeit, die – solange sie nicht zu alt ist – neue Zauber lernen kann, und sobald eine Person alt genug ist, kann sie ihre Lizenz zum Fliegen mit einem Besen erwerben.

Ebenso gefiel mir, dass Ray und Laurie schon zu Beginn der Geschichte eine Beziehung eingingen und die Handlung sich eher um die Frage dreht, ob die unterschiedlichen Träume, die die beiden für ihre jeweilige Zukunft haben, verhindern könnten, dass daraus eine langfristige Sache wird. Ray bereitet sich schon seit ihrer Grundschulzeit auf eine Ausbildung für das „Grand Council of Sorcerers“ vor, doch wenn sie dafür angenommen wird, würde das bedeuten, dass sie alle Verbindungen zu ihrer Familie und Freunden abbrechen müsste. Laurie hingegen träumt von einer Karriere als Musiker, auch wenn er Schwierigkeiten damit hat, sich einigen Herausforderungen, die damit einhergehen, zu stellen. Ich mochte sowohl Ray als auch Laurie als Charaktere – und gerade rund um Laurie gibt es mit seinen Tanten und seinem Freundeskreis sehr viele sympathische Nebencharaktere.

Das führte dazu, dass die Herausforderungen, die Ray und Laurie bewältigen müssen, weniger aus ihrer eigenen Taten (auch wenn Laurie ein bisschen an sich zu arbeiten hat) entstanden als aus der allgemeinen Umstände. Beiden Figuren ist es wichtig, dass die jeweils andere Person ihre Träume verwirklichen kann, auch wenn das vielleicht bedeutet, dass sie keinen Weg finde, um ihre Beziehung fortzusetzen. Diese gegenseitige Unterstützung las sich wirklich angenehm, und auch wenn es zwischendurch ein paar bittersüße Momente gab, hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte wunderbar optimistisch endete. Keines dieser Kapitel war so bewegend, dass ich mich noch Wochen später daran im Detail erinnere, aber wann immer ich den Comic sehe, denke ich daran, wie nett diese Geschichte rund um das Erwachsenwerden der beiden Figuren und die schwierige Balance zwischen den eigenen Träumen und den Kompromissen, die eine Beziehung erfordert, zu lesen war.

Auch die Zeichnungen passen zu dieser rundum „netten und wohltuenden“ Atmosphäre, die die Handlung von „Crumbs“ vermittelt. Die matte Farbpalette und das eher weiche Charakterdesign sorgen für ansprechende, aber nicht sehr einprägsame Darstellungen. Es ist immer schwierig, eine angemessene Rezension zu schreiben, wenn eine Geschichte nur „nett“ ist. Aber ich kann sagen, dass ich das Lesen genossen habe, dass ich die Zeichnungen gern betrachtet habe und dass ich das wohltuende Gefühl, das beides in mir hervorgerufen hat, sofort wieder präsent habe, wenn ich nur das Cover des Comics sehe. Ich freue mich darüber, dass ich den Titel in meiner Sammlung habe und dass ich jederzeit darauf zurückgreifen kann, wenn ich Lust auf genau diese Art von Geschichte verspüre.

K. O’Neill: A Song for You & I (Comic)

K. O’Neill ist schon seit einiger Zeit jemand, von dem ich jeden neuen Comic kaufe, weil ich die vorhergehenden Arbeiten so sehr mochte. „A Song for You & I“ ist Anfang März erschienen und erzählt die Geschichte einer jungen Person, die zum Ranger ausgebildet wird. Ranger dienen als Brücke zwischen der Natur und den Menschen, sie helfen in Notsituationen, sie dokumentieren Flora und Fauna und zu ihrer Tätigkeit gehört eine enge Bindung zur ihrem geflügelten Pferd. Doch die Hauptfigur in diesem Comic trifft zu Beginn der Geschichte eine unüberlegte Entscheidung, die dafür sorgt, dass ihr Pferd Kestrel verletzt wird. Da Kestrel einige Zeit lang nicht in der Lage ist zu fliegen, müssen die beiden in den Wochen nach der Verletzung in der Nähe ihrer Ausbildungsstätte bleiben.

Das führt dazu, dass die Hauptfigur R. sehr viel Zeit mit dem jungen Schäfer Leone verbringt, obwohl sie bislang immer auf ihn herabgeschaut hat. Leone verbringt den ganzen Tag mit den Schafen seiner Familie auf der Weide. Doch statt sich aufmerksam um die Tiere zu kümmern, beschäftigt er sich lieber mit seiner Geige. Je besser sich die beiden Charaktere kennenlernen, desto mehr fangen sie an, Verständnis füreinander zu empfinden und sich gegenseitig zu helfen. Und da R. im Laufe der Geschichte Leone bei seinen Auslieferungen hilft, kommt es auch immer wieder zu Begegnungen mit neuen Figuren, die dafür sorgen, dass R. einen anderen Blick auf die Tätigkeit als Ranger, auf das Leben anderer Personen oder auf die Natur in ihrer Region werfen kann.

Was die Zeichnungen betrifft, so ist „A Song for You & I“ – wie schon K. O’Neills vorhergehenden Veröffentlichungen (z. B. die „Tea Dragon Society“-Titel) – in weichen, matten Farbtönen gehalten, während bei den Panels selbst der Fokus weniger auf feine Details als auf die Gesamtatmosphäre gesetzt wurde. Ich persönlich mag diesen bilderbuchartigen Charakter von K. O’Neills Werken und nehme mir gern Zeit, die einzelnen Panels zu betrachten – vielleicht gerade weil sie so wenig Anlass zur Reibung bieten und einfach „nur“ wohltuend sind. Auch die Handlung ist nicht gerade herausfordernd, aber die Geschichte ist so niedlich und nett zu verfolgen. Es liegt schnell auf der Hand, was für Probleme R. und Leone in ihrem Leben haben, und es gibt – trotz Kestrels Verletzung zu Beginn des Comics – so gut wie kein Drama in der Geschichte.

So lässt sich beim Lesen entspannt mitverfolgen, wie die beiden Figuren nach und nach die Erkenntnisse gewinnen, die ihnen helfen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihre Träume zu verwirklichen. So eine süße Geschichte ist sehr erholsam zu lesen, was für sich genommen ja vollkommen ausreichend ist, aber normalerweise auch dafür sorgt, dass eine Handlung mit so wenig Ecken und Kanten nicht lange in meiner Erinnerung haften bleibt. Doch wenn ich nach den Tieln gehen kann, die ich bisher von K. O’Neill gelesen habe, dann werde ich mich in den nächsten Monaten immer wieder dabei ertappen, dass ich an einen unbedeutend wirkenden Moment, eine Nebenfigur oder eine andere Kleinigkeit aus „A Song for You & I“ zurückdenken werde. Ich bin gespannt, welches Element bei mir dieses Mal dafür sorgt, dass ich mich immer wieder an den Comic erinnere. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass ich den Comic auch in den kommenden Jahren häufiger aus dem Regal ziehen werde, um mich an den hübschen Zeichnungen und den sympathischen Figuren zu erfreuen.

Rebecca Burgess: Speak Up! (Comic)

„Speak Up!“ wird aus der Sicht der zwölfjährigen Mia erzählt, die von ihren Klassenkamerad*innen gemobbt wird. Ihre (alleinerziehende) Mutter ist ihr dabei keine Hilfe, denn auf der einen Seite will ihrer Mutter sie vor allem beschützen, und auf der anderen Seite sagt sie Mia immer, dass sie sich nur anders verhalten muss, um nicht mehr gemobbt zu werden. Mia selbst kann nicht verstehen, dass so viele Personen ein Problem mit ihr haben, weil sie autistisch ist. Für sie ist es eben ihre Normalität, dass sie zum Beispiel von zu viel Lärm überwältigt wird und deshalb Kopfhörer trägt, um damit fertigzuwerden, und dass sie bestimmte Verhaltensweisen anwenden muss, um im Alltag zurechtzukommen.

Einzig Charlie hat keinerlei Schwierigkeiten damit, dass Mia autistisch ist. Charlie und Mia sind schon lange Zeit miteinander befreundet und kennen einander sehr gut. Sie unterstützen sich gegenseitig und verbringen den Großteil ihrer Freizeit miteinander. Außerdem haben sie in den letzten Monaten unter dem Pseudonym „Elle-Q“ mit ihren gemeinsamen Youtube-Videos so einige Follower gefunden. Zusammen machen die beiden Musik, wobei Mia verkleidet vor der Kamera steht und singt, während Charlie die Songs komponiert und für das Filmen zuständig ist. Als Charlie aber mit Mia an einem Talentwettbewerb teilnehmen will, kriselt die Freundschaft der beiden, da Mia sich nicht zutraut, auf der Bühne zu stehen, während das für Charlie die Erfüllung eines wirklich großen Traums wäre.

Ich mochte den Comic sehr gern und fand es sehr berührend, von Mias Alltag, ihren Problemen und ihren Träumen zu lesen. Viele Figuren – gerade unter Mias Klassenkameradinnen – waren etwas sehr klischeehaft dargestellt. Aber da es Rebecca Burgess vor allem darum ging, den Alltag einer autistischen Person zu zeigen, fand ich das nicht schlimm. Außerdem vermute ich, dass sich die eigentliche Altersgruppe (Leser*innen zwischen 8 und 12 Jahren) daran deutlich weniger stören wird als ich. Innerhalb der Geschichte lässt Rebecca Burgess von Mia immer wieder bestimmte Aspekte zum Thema Autismus kindgerecht erklären, ohne dass diese Erklärungen von der Handlung ablenken würden. Da diese Dinge zu Mias Leben gehören und sie genau dafür gemobbt wird, ist es umso wichtiger, dass diese kleinen Einschübe in den Comic eingebaut wurden.

Die Handlung selbst fand ich wirklich sehr süß, und ich habe mich über jeden kleinen Fortschritt, den Mia machte, gefreut und gehofft, dass sie irgendwann einen für sie passenden Weg findet, um mit ihren Klassenkamerad*innen umzugehen. Es gibt immer wieder amüsante Szenen, wenn Mia und Charlie zusammen etwas machen, und es war so großartig, in der Geschichte über Szenen mit Charakteren zu stolpern, die sich ernsthaft Mühe geben, auf Mias Bedürfnisse einzugehen und respektvoll mit ihr umzugehen. Der Zeichenstil von Rebecca Burgess ist nett und gefällig, aber auch relativ beliebig. Hier macht es sich bemerkbar, dass der Comic weniger für eine erwachsene Comicleserin wie mich gedacht ist als für jüngere Leser*innen, die auf unterhaltsame Weise mit Informationen rund um Autismus versorgt werden sollen. Was die Zeichnungen nicht schlecht macht – sie haben bei mir nur keinerlei anhaltenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt ist „Speak Up!“ ein wirklich süßer und informativer Comic, der mich während des Lesens gut unterhalten hat.

Faith Erin Hicks: Hockey Girl Loves Drama Boy (Comic)

Nachdem mir die „The Nameless City“-Comics von Faith Erin Hicks so gut gefallen hatten, hatte ich mir im vergangenen Jahr zu Weihnachten „Hockey Girl Loves Drama Boy“ gewünscht. Die Handlung dreht sich um Alix und Ezra, die beide auf dieselbe kanadische Highschool gehen. Während Ezra im Theaterclub aktiv ist, gehört Alix zum erfolgreichen Eishockey-Team der Schule. Zu Beginn der Geschichte gerät Alix in Schwierigkeiten, als sie Lindsay, die Kapitänin ihres Teams, angreift, nachdem diese sie zum wiederholten Male vor den Augen ihrer Mitspielerinnen verbal fertiggemacht hat. Als sie am nächsten Tag in der Schule mitbekommt, wie Ezra überraschend lässig und schlagfertig auf den homofeindlichen Mobbingversuch eines Mitschüler reagiert, hofft Alix, dass er ihr beibringen kann, weniger aggressiv mit Lindsays Lästereien umzugehen.

Ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie Alix und Ezra sich immer besser kennenlernen, wie sie sich über persönliche Dinge unterhalten und sich Mühe geben, füreinander da zu sein. Dabei spricht Faith Erin Hicks viele verschiedene Themen an, angefangen bei Ezras Aussage „I’m attracted to lots of different people, not just guys“ über Alix‘ Probleme mit ihren (geschiedenen) Eltern und ihrer Überzeugung, dass sie keinerlei Fähigkeiten außer Eishockey spielen hat, bis zu traumatischen Erlebnissen in Ezras Vergangenheit. Sowohl Alix als auch Ezra – der nur zu Beginn ein bisschen zu perfekt wirkt – sind Charaktere, die sich für mich wie realistische Teenager angefühlt haben. Gerade Alix mit all ihren Unsicherheiten, ihren Temperamentausbrüchen und den vielen unbeantworteten Fragen konnte mich überzeugen. Aber ich fand auch Ezra glaubwürdig in seinen Bemühungen, sich aufmerksam und respektvoll zu verhalten, nur um dann festzustellen, dass er trotzdem Menschen verletzt, die ihm am Herzen liegen.

Die Zeichnungen von Faith Erin Hicks sind auch in diesem Comic wieder geprägt von sehr harten Outlines und ebenso hart schraffierten Schatten, was ich normalerweise nicht so ansprechend finde, was aber bei dieser Künstlerin inzwischen für mich funktioniert. Wirklich beeindruckend fand ich die Dynamik in den Eishockey-Szenen, die einen wirklich hervorragenden Eindruck von der Schnelligkeit (und Härte) des Spiels vermittelten. Aber mir gefielen auch die vielen ruhigeren Zeichnungen, in denen sich Alix und Ezra miteinander oder mit anderen Personen unterhalten haben und in denen sehr viel über Gestik und Mimik erzählt wurde. Bei diesen Szenen fand ich es auch immer wieder beeindruckend, auf wie viele kleine Dinge Faith Erin Hicks bei ihren Zeichnungen achtet, so dass es selbst in den – auf den ersten Blick – eher übersichtlicheren Panels immer wieder liebevolle Details rund um die Charaktere zu entdecken gibt.

Noch ein Hinweis zu „Hockey Girl Loves Drama Boy“: Es gibt zwei verschiedene Taschenbuchausgaben des Comics! Einmal eine US-Ausgabe, die mit dem Verlagsnamen „St. Martin’s Press“ veröffentlicht wurde, und dann eine UK-Ausgabe, die unter „Macmillan“ veröffentlicht wurde (St. Martin’s Press gehört zur Macmillan Verlagsgruppe). Da mir nicht bewusst war, dass es Unterschiede zwischen den Ausgaben gibt, hatte ich die Ausgabe von Macmillan auf meinen Wunschzettel gesetzt. Aber bei diesem Taschenbuch sind die Zeichnungen nur schwarz-weiß(-grau) gehalten, während die Zeichnungen in der US-Version blaue Akzente aufweisen. Ich finde es nicht schlimm, dass ich die „farblosere“ Variante habe, aber wenn ich vorher von diesem Unterschied gewusst hätte, hätte ich mir die lebhafter wirkende US-Ausgabe gewünscht.

K. O’Neill: The Moth Keeper (Comic)

„The Moth Keeper“ von K. O’Neill dreht sich um Anya, die in einer kleinen Gemeinschaft in einer Wüste lebt. Anya und ihre Nachbarn gehören zum Nightvillage, also zu den Personen, die nachts wach sind und deren Leben sich um den Night-Flower Tree und all die Produkte, die mit dieser Pflanze zusammenhängen, dreht. Genau genommen beginnt Anya auf den ersten Seiten der Geschichte ihre Ausbildung zum Moth Keeper und lernt unter der Anleitung des aktuellen Moth Keepers Yeolen, sich um die Motten des Moon-Spirits zu kümmern und diesem in der Nacht Gesellschaft zu leisten.

Doch das Leben als Moth Keeper ist einsam und die Tatsache, dass Anya Angst vor der Dunkelheit hat und sich nach der Sonne sehnt, macht ihre Aufgabe nicht einfacher. Dabei hat Anya sich bewusst dafür entschieden als Moth Keeper ihrer Gemeinschaft zu Diensten zu sein. Sie weiß genau, wie wichtig die Motten nicht nur für das Nightvillage, sondern auch für all die Pflanzen und Tiere in der Wüste sind. Das ändert aber nichts daran, dass sie sich allein und ängstlich fühlt, wenn sie in der Nacht die Motten hütet und dafür sorgt, dass diese vor Sonnenaufgang wieder sicher in ihre Behausung zurückgekehrt sind. Ich mochte es sehr, wie K. O’Neill Anyas Zwiespalt zwischen ihrer selbstgewählten Aufgabe und ihrer Sehnsucht nach Gesellschaft und Anerkennung dargestellt hat. Immer wieder wird deutlich, wie jung Anya ist und wie schwer es ihr fällt, um Hilfe zu bitten, obwohl sie welche benötigt.

Trotz aller Sorgen, die Anya sich macht, und trotz aller Einsamkeit, die sie fühlt, ist „The Moth Keeper“ alles andere als eine traurige Geschichte. Es gibt so viele kleine Szenen, die deutlich machen, dass Anya in einer liebevollen Gemeinschaft lebt, in der die Bewohner des Nightvillage füreinander da sind. Auch wenn nicht allen von Anfang an bewusst ist, dass Anya Hilfe benötigt, so ist es unübersehbar, wie viele Personen bereit sind, ihr zur Seite zu stehen, sobald sie es zulässt. Ich mochte all die kleinen und großen Szenen zwischen den verschiedenen Charakteren, sei es mit Anya, die zum Beispiel verzweifelt versucht, ihrer besten Freundin Estell keine Sorgen zu machen, oder mit Anyas Nachbarn, die sich darüber unterhalten, wie sie sich gemeinsam um Anya kümmern können.

K. O’Neills Zeichenstil ist in „The Moth Keeper“ häufig skizzenhafter als in „The Tea Dragon Society“, aber das passt sehr gut zu dieser nächtlichen Welt, in der sich Anya bewegt. Ich mag die Figuren, die auch in dieser Geschichte neben ihrer menschlich anmutenden Gestalt kleine tierische Elemente (wie Ohren, Schnäbel oder Flügel) aufweisen. Und ich finde es großartig, wie K. O’Neill immer wieder in der Geschichte kleine Details zu den Pflanzen in der Wüste aufgreift – hier wird deutlich, wie sehr „The Moth Keeper“ (wie im Nachwort erwähnt) von der neuseeländischen Natur im Tongariro Nationalpark und Kā Tiritiri o te Moana beeinflusst wurde. Auch die Farben, die K. O’Neill für diesen Comic verwendet, sind etwas gedämpfter und dunkler als bei den Teedrachen, aber das passt ganz wunderbar zu der traumartigen Atmosphäre in der Geschichte.

Harmony Becker: Himawari House (Comic)

Nachdem „Himawari House“ von Harmony Becker fast ein Jahr auf dem Stapel mit ungelesenen Comics lag, wurde es Anfang November endlich Zeit, den Titel zu lesen. Die Handlung von „Himawari House“ dreht sich um drei junge Frauen aus verschiedenen Ländern, die zusammen in einem Gemeinschaftshaus in Tokio leben. Nao – aus deren Sicht die Geschichte beginnt – wurde in Japan geboren, ist aber in den USA aufgewachsen und nimmt sich nach Abschluss der High School ein Jahr Zeit, um (erneut) Japanisch zu lernen und mehr über ihr Geburtsland herauszufinden. Naos Mitbewohnerin Hyejung stammt aus Korea, während Tina aus Singapur nach Japan gekommen ist. Neben diesen drei Frauen leben noch die beiden Brüder Shinichi und Masakun im Himawari House, und gemeinsam erleben diese fünf Figuren mehr oder weniger alltägliche Dinge, die davon erzählen, wie es ist, (als Ausländer*in) in Japan zu leben.

Fast alle Episoden, die Nao und die anderen erleben, drehen sich um Sprache und Kommunikation. Darum, wie schwierig es ist, eine fremde Sprache zu lernen, darum, wie sehr Sprache beeinflusst, wer wir sind und wie wir uns verhalten, wie Sprache beeinflusst, wie wir von unserer Umgebung wahrgenommen werden und wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Dabei ist es Harmony Becker – wie sie auch im Nachwort erwähnt – sehr wichtig gewesen, Akzente nicht als „Witz“ darzustellen, sondern aufzuzeigen wie beeindruckend es ist, wenn eine Person mehrere Sprache beherrscht, selbst wenn dies nicht fehlerfrei sein sollte. Ich muss zugeben, dass ich es manchmal etwas schwierig fand, einen Satz mit Akzent zu verstehen und mir dann das Geschriebene erst einmal gesprochen vorstellen musste. Aber insgesamt war es spannend zu sehen, wie in „Himawari House“ die verschiedenen Sprachen dargestellt werden und wie leicht anhand der Schriftzeichen zu sehen ist, ob eine Figur sich in Japanisch, Koreanisch, Chinesisch/Singlish oder Englisch unterhält. (Bei den Sätzen in einer der asiatischen Sprache steht der englische Text dann wie ein „Untertitel“ direkt unter den dementsprechenden Schriftzeichen.)

Aber auch wenn das Thema „Sprache“ immer sehr präsent in den verschiedenen Kapiteln ist, so habe ich den Comic doch vor allem wegen der wunderbaren Charaktere und ihrer unterschiedlichen Erlebnisse in Japan genossen. Jede der drei weiblichen Figur hat ihre ganz eigenen Gründe, wieso sie nun in Tokio lebt. Was dazu führt, dass nach und nach die Hintergrundgeschichten der drei Frauen erzählt werden und man miterleben kann, wie sie sich im Laufe eines Jahres weiterentwickeln. Ich fand es vor allem schön zu lesen, wie sich Nao, Hyejung und Tina miteinander anfreunden und gegenseitig unterstützen, obwohl sie so unterschiedlich sind. Die fünf Bewohner des Himawari House erleben so viele verschiedene Dinge, sie müssen sich mit ihrer Vergangenheit, ihren ganz persönlichen Eigenheiten und eben auch mit den Herausforderungen, die das Leben in einem fremden Land mit sich bringt, auseinandersetzen. Das führt zu so vielen kleinen amüsanten oder berührenden Szenen, dass ich die 380 Seiten überraschend schnell gelesen habe, weil ich nicht aufhören konnte, „nur mal eben zu schauen, wie es im nächsten Kapitel weitergeht“.

Harmony Becker wurde bekannt dafür, dass sie „They Called Us Enemy“, George Takais Erinnerungen an seine Kindheit in den US-Internierungslagern während des Zweiten Weltkriegs, gezeichnet hat. Für „Himawari House“ verwendet sie ein sehr klares und realtiv realistisches Charakterdesign, das – je nach Schwerpunkt einer Szene – auch mal mit etwas vereinfachteren oder überzogeneren Elementen variiert wird. Das sorgt nicht nur dafür, dass die Figuren selbst auf einen flüchtigen Blick wiedererkennbar sind, sondern auch dafür, dass selbst kleine Gefühlsregungen an Gestik und Mimik erkennbar sind. Detailliert ausgearbeitete Hintergründe gibt es nur selten, aber wenn sie zu sehen sind, bringen sie sehr viel Atmosphäre mit sich, weil sie „typisch“ japanische Elemente und Architektur zeigen. Mir persönlich hat Harmony Beckers Zeichenstil im diesem Comic – ebenso wie die Handlung – sehr gut gefallen, und ich bin neugierig, was die Zeichnerin in Zukunft noch so veröffentlichen wird.

Faith Erin Hicks: The Nameless City (Comic)

Ich weiß nicht, wo ich über die „The Nameless City“-Comics von Faith Erin Hicks gestolpert bin, aber nachdem ich den ersten Band gelesen habe, bin ich fest entschlossen, mir auch noch die anderen beiden Teile der Reihe zu besorgen. Die Geschichte spielt in der titelgebenden „Nameless City“, die auf der einen Seite viele Namen hat, weil sie im Laufe ihres Bestehens immer wieder erobert und dann mit einem neuen Namen versehen wurde, und auf der anderen Seite namenlos ist, weil ihre Bewohner die ständig wechselnden Namen ihrer Eroberer nicht anerkennen. Diese kleine Stadt ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Handel mit den verschiedenen Reichen und seit dreißig Jahren in der Hand der Dao. Die Handlung beginnt an dem ersten Tag, den der Dao-Junge Kaidu (Kai) in der Stadt verbringt. Wie es Tradition bei den Dao ist, soll der Junge in der Stadt zum Krieger ausgebildet werden, doch Kaidu selbst hat wenig Freude am Kämpfen und hat vor allem deshalb den Weg in die Stadt gewählt, um endlich seinen Vater Andren kennenzulernen, der dort stationiert ist.

Als Kai endlich mit Andren zusammentrifft, stellt er fest, dass seinem Vater die Stadt mit all ihren unterschiedlichen Bewohnern ans Herz gewachsen ist. Im Gegensatz zu den anderen Dao-Soldaten geht er häufiger durch die Straßen der Stadt, genießt das Essen an den verschiedenen Ständen und versucht, mehr über die Menschen dort herauszufinden. Da auch Kai wissbegierig ist, nimmt er sich ein Beispiel an seinem Vater und freundet sich so mit dem Mädchen Rat an. Rat hasst die Dao, da diese für den Tod ihrer Eltern verantwortlich sind, aber gegen Kais Hartnäckigkeit und Freundlichkeit kommt sie mit ihrer abweisenden Art nicht an. Stattdessen zeigt sie ihm im Laufe der folgenden Wochen ihre Seite der Stadt, sie erzählt ihm von den Mönchen, die ihr im Stone Heart Obdach geben, und bringt ihm bei, über die Dächer der Stadt zu laufen.

Ich mochte es sehr, Kai dabei zu begleiten, wie er die Stadt, die vorerst sein Zuhause sein wird, kennenlernt, wie er die verschiedenen Menschen trifft und mehr über ihre Sicht auf die Stadt erfährt, und natürlich wie er sich nach und nach mit Rat anfreundet. Es gelingt Faith Erin Hicks, dabei all die vielen verschiedenen Verhältnisse zwischen Eroberern und Eroberten darzustellen, ohne plakativ zu betonen, wie schwierig das Zusammenleben für diese unterschiedlichen Gruppen ist. Besonders schön fand ich es dabei, dass die Künstlerin die ganze Zeit in ihrer Geschichte mitschwingen lässt, dass keine der gezeigten Personen sich so einfach in eine Schublade packen lässt. Da gibt es auf der einen Seite den General, dessen Einsatz entscheidend für die Eroberung der Stadt war, aber der auch in der Lage ist, all die Leben zu betrauern, die diese Eroberung gekostet hat, während es auf der anderen Seite Soldaten gibt, die die Bewohner der Stadt nicht als „echte Menschen“ wahrnehmen, weil sie ja keine Dao sind.

Diese kleinen Details rund um die unterschiedlichen Charaktere haben mir fast mehr Freude bereitet als die relativ geradlinige erzählte Handlung, weil in all den kleinen Szenen und Zeichnungen so vielschichtige Elemente mitschwangen. Den Zeichenstil selbst fand ich für mich persönlich etwas gewöhnungsbedürftig, da die Künstlerin mit harten Outlines und ebenso hart schraffierten Schatten arbeitet, was ich nicht so ansprechend finde. Auf der anderen Seite passen die harten Linien sehr gut zur erzählten Geschichte und dem entbehrungsreichen Leben in der Stadt. Gemildert wird die Härte der Zeichnungen etwas durch die warmen Erdtöne, in denen Jordie Bellaire den Comic koloriert hat. Nachdem ich mich etwas „eingesehen“ hatte, habe ich den Kontrast zwischen den Zeichnungen und der Koloration und zwischen den vielen dynamischen und den ruhigeren Panels sehr genossen. Und am Ende des Comics bin ich sehr neugierig darauf zu erfahren, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird und was aus all den Charakteren wird, deren überraschende Freundschaft, deren Zwiespalt zwischen Loyalität und Gerechtigkeitsinn oder deren Wille, ungewöhnliche Wege zu gehen, die Welt und das Leben in der Stadt verändern könnten.

Ein paar Leseeindrücke

Da ich in diesem Monat bislang vor allem zu sehr kurzen Büchern, Comics und Manga und „netten“ Romanen gegriffen habe, komme ich zahlenmäßig in den ersten zwei Februarwochen sogar auf eine ganz befriedigende Anzahl an gelesenen Titeln. (Ich darf nur nicht so genau hinschauen, wenn es um die Seitenzahlen geht. *g*) Allerdings bieten diese Titel nur selten genügend Stoff für eine richtige Rezension, obwohl ich es schade fände, wenn sie keine Erwähnung auf dem Blog bekommen würden. Also gibt es hier nach sehr langer Zeit mal wieder eine Sammlung von Leseeindrücken:

W. R. Gingell: Gothel and the Maiden Prince
Im vergangenen Jahr habe ich von R. W. Gingell schon die „Shards of a Broken Sword“-Trilogie gelesen und war fasziniert davon, wie die Autorin mit klassischen Fantasy-/Märchenthemen umgeht. Ich mochte ihre Figuren und die ungewöhnlichen Wendungen, die ihre Geschichten nahmen, weshalb einige andere Bücher von der Autorin auf dem Merkzettel gelandet sind. „Gothel and the Maiden Prince“ ist eine Rapunzel-Variante, bei der Prinz Lucien (von seinem Vater und seinen Brüdern nur verächtlich Maiden Prince genannt, weil er ihnen nicht „männlich“ genug ist) sich aufmacht, um eine Prinzessin aus dem magischen Turm einer bösen Zauberin zu befreien. Doch da Lucien jemand ist, der Fragen stellt und zuhört, findet er schnell heraus, dass die Zauberin gar nicht so böse ist, und dass die Prinzessin wild entschlossen ist in der Obhut ihrer Entführerin zu bleiben. Die gerade mal 131 Seiten lange Geschichte dreht sich vor allem darum, wie sich Prinz Lucien und die Zauberin Gothel besser kennenlernen, wobei es so einige amüsante Szenen zwischen den beiden, aber auch mit den Bewohnern eines angrenzenden Dorfes gibt. Abgesehen von einigen (sehr vagen) Erwähnungen rund um Kindesmissbrauch (der in der Vergangenheit liegt und dessen Opfer inzwischen in Sicherheit ist) ist „Gothel and the Maiden Prince“ einfach nur eine wunderbar wohltuende Geschichte, die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Lydia M. Hawke: A Gathering of Crones (Crone Wars 2)
„A Gathering of Crones“ ist die Fortsetzung von „Becoming Crone“ das mir im vergangenen Sommer viel Freude bereitet hatte. Während die Protagonistin Claire im ersten Band damit fertig werden muss, dass sie eine Hexe ist, muss sie nun damit umgehen lernen, dass ihre Magie nicht wie erwartet funktioniert und dass ihre Position sie in das Zentrum eines Krieges rückt. Außerdem lernt Claire ihre Kolleginnen kennen und hier mochte ich es sehr, dass all diese Frauen schon älter sind, mitten im Leben stehen und gelernt haben mit Rückschlägen und sich nicht erfüllenden Erwartungen umzugehen. Dieser Band ist weniger ruhig als der erste Teil, da das Leben für Claire inzwischen deutlich gefährlicher ist, aber ich mochte es all die Details zur Magie zu lesen und zu sehen wie die Protagonistin so langsam in ihre Rolle hineinfindet. Auch wenn ihr letzteres nicht gerade einfach gemacht wird, weil ihre Position sehr ungewöhnlich ist und die Personen um sie herum nicht so recht wissen, wie sie mit ihr umgehen sollen. Und weil ich diesen Band so gern gelesen habe und sehr neugierig auf die weiteren Entwicklungen bin, habe ich prompt gleich den dritten Teil vorbestellt, auch wenn er erst im Herbst erscheinen wird.

Farrah Rochon: The Boyfriend Project
Über „The Boyfriend Project“ von Farrah Rochon bin ich gestolpert, weil die Autorin und ihre Romane mit Talia Hibbert verglichen wurden. „The Boyfriend Project“ dreht sich um Samiah, die dank einer Frau, die ihr aktuelles Date auf Twitter live kommentiert, herausfindet, dass ihr Freund Craig sich auch noch mit anderen Frauen trifft. Genau genommen trifft sich Craig auch noch mit Taylor und London (die mit ihren Tweets das Ganze angestoßen hatte). Was mir an der Geschichte gut gefiel, ist, dass Craig danach eigentlich kein Thema mehr ist, wenn man davon absieht, dass die Konfrontationsszene mit ihm im Restaurant auf Youtube viral ging und so Samiah, Taylor und London zu einer kurzzeitigen und ungewollten Berühmtheit verhilft. Stattdessen freunden sich die drei Frauen an und beschließen sich gegenseitig dabei zu helfen, sich in den kommenden Monaten um sich selbst zu kümmern, die Suche nach einem Freund sein zu lassen und dafür Dinge zu tun, die sie bislang immer aufgeschoben haben. Was natürlich bedeutet, dass Samiah kurz darauf einen neuen Arbeitskollegen kennenlernt, der einfach perfekt zu sein scheint … Alles in allem fand ich „The Boyfriend Project“ wirklich nett, ich mochte die Figuren, ich mochte die Grundidee und es gab tolle Szenen zwischen Samiah und ihrem Arbeitskollegen Daniel, in denen sich die beiden besser kennenlernten und langsam aufeinander zugingen. Trotzdem muss ich sagen, dass Farrah Rochon für mich nicht an Talia Hibbert herankommt, denn ich fühlte mich zwar ganz gut unterhalten von ihrem Roman, aber ich war nicht emotional involviert. Ich war nicht wirklich gespannt darauf, wie die Handlung weitergeht, ich habe nicht um die Beziehung von Samiah und Daniel gebangt und ich bin nicht wirklich neugierig darauf, wie es mit Taylor und London in den nächsten Bänden weitergehen wird.

Bali Rai: The Royal Rebel – The Life of Suffragette Princess Sophia Duleep Singh
„The Royal Rebel“ ist ein biografischer Roman für Kinder über das Leben von Prinzessin Sophia Duleep Singh. Sophia Alexandra Duleep Singh war die jüngste Tochter des letzten Sikh-Maharadschas von Punjab und wuchs in Großbritannien auf, wo sie vor allem für ihr Engagement für die Gleichberechtigung von Frauen bekannt wurde. „The Royal Rebel“ erzählt in einfachen und kindgerechten Sätzen die Lebensgeschichte der Prinzessin. Angefangen bei ihrer Kindheit in dem luxuriösen Anwesen Elveden, über die Zeit, in der die Schulden ihres Vaters die Familie außer Landes trieb, über ihre Suche nach ihren Wurzeln in Indien bis zu dem Tag, an dem Großbritannien Frauen das Wahlrecht gewährt. Dabei lässt Bali Rai zwar sehr viele Details über das Leben von Sophia Duleep Singh aus, bietet aber meinem Gefühl nach für junge Leser.innen einen guten und altersgemäßen Einblick in das Leben der Prinzessin, die Folgen, die die britische Herrschaft für Indien hatte, und in die Herausforderungen, die die Frauen, die für ihre Rechte kämpften, zu bewältigen hatten. Ich mochte, wie viele kritische Themen in dem Buch angeschnitten werden, obwohl es für jüngere Kinder geschrieben wurde und nicht sehr umfangreicht ist.

K. O’Neill: The Tea Dragon Society 2 – The Tea Dragon Festival (Comic)
Im Prinzip könnte ich zu „The Tea Dragon Festival“ einfach meine Rezension zum ersten Tea-Dragon-Comic kopieren, denn dieser Band ist genauso bezaubernd, wohltuend und hübsch gezeichnet wie der erste. Die Handlung spielt deutlich vor „The Tea Dragon Society“ und dreht sich um Eriks Nichte Rinn, die gemeinsam mit ihrer Großmutter in einem kleinen Dorf in den Bergen lebt und hofft, dass sie eines Tages eine Ausbildung als Köchin beginnen kann. Die Tea Dragons spielen in dieser Geschichte keine so große Rolle, dafür gibt es eine andere Drachen-Variante und einen Einblick in das Leben von Erik und Hesekiel, als diese noch als Kopfgeldjäger aktiv waren. Hach, ich mag die Tea-Dragon-Geschichten und da es noch eine Weile dauern wird, bis auch der dritte Comic als Taschenbuch erscheint, muss ich mich wohl damit begnügen, dass ich in den nächsten Tagen den ersten Band mal wieder aus dem Regal ziehe.

Marieke Nijkamp/Manuel Preitano: The Oracle Code (Comic)

„The Oracle Code“ von Marieke Nijkamp (Story) und Manuel Preitano (Zeichnungen) ist eine für sich stehende Geschichte, die theoretisch im DC-Universum spielt, auch wenn man davon beim Lesen nicht viel mitbekommt. So darf man nicht erwarten, dass sich die Handlung von „The Oracle Code“ auf Barbara Gordons Zeit als Batgirl oder ihre darauf folgende Aktivität als Oracle bezieht. Veröffentlicht wurde dieser Titel im Original als „DC Graphic Novel for Teenagers“ und ich vermute, dass diese Reihe der Versuch ist, neue Leser für klassische DC-Comics zu finden, weshalb hier Geschichten erzählt werden, die keinerlei Vorwissen über das DC-Universum vorraussetzen. Für diejenigen, die nicht auf Englisch lesen mögen: Eine deutsche Ausgabe des Comics – mit dem Titel „Der Oracle Code“ – ist im Herbst 2020 von Panini veröffentlicht worden.

Das größte Hobby der Teenagerin Barbara „Babs“ Gordon ist es, gemeinsam mit ihrem Freund Benjamin zu hacken – bis zu dem Tag, an dem sie einem Räuber, der auf der Flucht ist, in die Quere kommt und angeschossen wird. Von nun an ist Babs auf einen Rollstuhl angewiesen, um sich fortzubewegen, und sie hat einige Probleme damit, sich an all die Veränderungen zu gewöhnen, die damit einhergehen. Also beschließt Babs‘ Vater, dass sie gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen im „Arkham Center for Independence“ lernen soll, mit ihrer Verletzung und dem damit einhergehenden Trauma umzugehen. Doch es fällt Babs schwer, sich auf die verschiedenen Therapien im Center einzulassen, und noch weniger ist sie bereit, neue Freundschaften zu schließen, obwohl ein paar Mädchen auf ihrem Flur sich wirklich Mühe mit ihr geben. Erst als einige seltsame Vorfälle in der Therapie-Einrichtung Babs Misstrauen wecken und ein Mädchen verschwindet, lernt Babs, dass der Rollstuhl sie nicht daran hindert, Rätsel zu knacken oder sich Herausforderungen zu stellen.

Wenn man die Handlung für sich betrachtet und nicht erwartet, dass „The Oracle Code“ eine Batgirl-Hintergrundstory erzählt, bekommt man eine berührende – und stellenweise wirklich amüsante – Geschichte über ein Mädchen, das lernen muss, mit seiner Behinderung umzugehen. Ich mochte die Offenheit, mit der Babs‘ Zimmernachbarinnen auf sie zugegangen sind, und die Unterstützung, die sie ihr geboten haben, obwohl Babs anfangs alles dafür tut, um diese Mädchen zu verscheuchen. Ebenso gefiel es mir, Babs‘ Entwicklung mitzuverfolgen – von der anfänglichen Wut und Frustration über den immer sichereren Umgang mit dem Rollstuhl bis hin zu dem Punkt, an dem sie sich weder von ihren eigenen Ängsten noch von den sie zurückhaltenden Erwachsenen daran hindern lässt, das Rätsel um die verschwundenen Kinder zu lösen. Mit all ihrer Frustration und Wut und anfänglichen Hilflosigkeit verfügt Marieke Nijkamps Barbara Gordon über viele Ecken und Kanten, und gerade das macht sie zu einem wirklich sympathischen Charakter, dessen Geschichte ich gern verfolgt habe.

Die Zeichnungen von Manuel Preitano sind für meinen Geschmack etwas zu gefällig und geben mir das Gefühl, dass er für diese Veröffentlichung ausgewählt wurde, weil sein Stil auch Personen zusagen könnte, die normalerweise nicht so schnell zu einem Comic greifen würden. Aber ihm gelingt es definitiv, den jugendlichen Charakteren in ihren vielen verschiedenen Stimmungen gerecht zu werden, was gerade bei Babs sehr deutlich zu sehen ist. Ich mochte besonders die kleinen Elemente (wie die unterschiedlichen Frisuren von Babs), die neben Gestik und Mimik viel über die Figur und ihre jeweilige Stimmung verraten. Außerdem gibt es dann noch die Passagen, in denen Babs Geschichten erzählt bekommt, die einen angemessen märchenhaft-gruseligen Zeichenstil aufweisen und so sehr zur Atmosphäre des Comics beitragen. Alles in allem habe ich mich mit „The Oracle Code“ gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, ob es in Zukunft weitere Comics mit Storys von Marieke Nijkamp geben wird.

K. O’Neill: The Tea Dragon Society (Comic)

Um „The Tea Dragon Society“ von K. O’Neill schleiche ich schon sehr lange herum, aber erst als in diesem Jahr die Taschenbuchausgabe des Bandes erschienen ist, habe ich den Comic auch wirklich auf meinen Wunschzettel gesetzt. Denn so sehr ich den Zeichenstil in „Princess Princess Ever After“ mochte und so sehr mich Tee-Drachen als fantastische Kreaturen reizten, so fand ich den Hardcoverpreis für einen 72-Seiten-Comic doch etwas heftig. Nach dem Lesen des Comics muss ich gestehen, dass ich sehr hoffe, dass die folgenden beiden Titel der Reihe auch bald als Taschenbücher erscheinen, denn sonst werde ich wohl doch noch das Geld für die HC-Ausgaben zusammenkratzen müssen. 😉 „The Tea Dragon Society“ ist einfach bezaubernd und wohltuend, gerade weil kaum etwas in der Geschichte passiert. K. O’Neill erzählt in vier Kapiteln (Spring/Summer/Autumn/Winter) und einem Epilog von dem jungen Goblinmädchen Greta, das eines Tages über einen Tea Dragon stolpert und in den folgenden Monaten mehr über diese seltenen Kreaturen lernt.

Die Tea Dragons sind nicht gerade einfach zu haltende Haustiere, doch zum Glück gibt es da noch Hesekiel und Erik, die sich gemeinsam um die Drachen der ehemaligen Tea Dragon Society kümmern. Außerdem freundet sich Greta mit der jungen Minette an, die seit einigen Monaten im Gartenhaus von Hesekiel lebt und ihre ganz eigene Vorgeschichte hat. Ich mochte es, dass all die Charaktere in dieser Geschichte so nett und freundlich sind, dass sie sich um die Drachen kümmern, obwohl die kleinen Wesen ganz schön herausfordernd sein können, und dass sie den Tee (und die damit verbundene Magie) der Drachen so sehr genießen. Obwohl recht wenig passiert und alle so liebevoll miteinander umgehen, gibt es auch den einen oder anderen düsteren Moment in „The Tea Dragon Society“, wenn es um die Vergangenheit von Hesekiel und Erik oder die von Minette geht, aber da diese Szenen eben in der Vergangenheit liegen, trüben sie den harmonischen Gesamteindruck überhaupt nicht.

Neben den Figuren und der sehr entspannten Handlung gefiel mir die Welt, die K. O’Neil für die Geschichte geschaffen hat. Greta und ihre Familie sind Goblins, Erik scheint ein Mensch zu sein, und was Hesekiel und Minette genau sind, wird nicht näher erwähnt, aber alle leben und arbeiten friedlich nebeneinander. Außerdem werden (so wie es sein sollte, aber viel zu selten passiert) ganz selbstverständlich Figuren mit Behinderung oder LGBTQ+-Charaktere in die Geschichte eingeflochten. Ich finde es schön, dass es überhaupt kein Thema ist, dass Erik im Rollstuhl sitzt oder dass Minette ganz eigene Probleme hat, die ihren Alltag erschweren. Stattdessen stehen die Freundschaft, die sich zwischen all diesen unterschiedlichen Charakteren entwickelt, die liebevolle Aufmerksamkeit, die sie den zauberhaften Drachen schenken, und die Wertschätzung, die traditionelles Handwerk verdient, im Mittelpunkt der Geschichte.

Der relativ einfache, aber ausdrucksstarke Zeichenstil von K. O’Neill und die atmosphärische Kolorierung unterstreichen dabei den heimeligen und wohltuenden Charakter der Geschichte, und die fehlenden Outlines geben den Zeichnungen eine märchenhaft anmutende Weichheit, die ich so bei anderen Künstler*innen noch nicht gesehen habe. Ergänzt wird der Comic am Ende mit ein paar Auszügen aus dem Tea-Dragon-Handbuch, die einem mehr über die ungewöhnlichen Drachen und ihre Haltung und Pflege erzählen (und in mir den Wunsch nach einem Peppermint Tea Dragon wecken 😉 ). Ich bin mir sicher, dass ich „The Tea Dragon Society“ in Zukunft regelmäßig aus dem Regal ziehen werde, wenn ich eine kleine wohltuende Auszeit benötige, und freue mich darüber, dass ich irgendwann noch zwei weitere Bände lesen kann, die in dieser bezaubernden Welt spielen.