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Victoria Jamieson: Roller Girl (Comic)

Wenn ich mich recht erinnere, dann bin ich bei Twitter über „Roller Girl“ von Victoria Jamieson gestolpert, und da ich inzwischen mit großem Vergnügen die Bouts der hiesigen Roller-Derby-Mannschaft verfolge und bislang viel Spaß mit Comics zu dem Thema hatte, musste ich den Titel natürlich auch haben. Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht der zwölfjährigen Astrid Vasquez, die zusammen mit ihrer besten Freundin Nicole von ihrer Mutter zu einem Roller-Derby-Spiel mitgenommen wurde. Mrs. Vasquez macht solche „kulturellen Bildungsausflüge“ regelmäßig mit den beiden Mädchen, doch während Astrid und Nicole die Gedichtvorträge, Museums- und Opernbesuche nicht ganz so zu würdigen wussten, ist Astrid bei ihrem ersten Roller-Derby-Spiel (Bout) gleich Feuer und Flamme.

Astrid ist sogar so begeistert von dem Sport, dass sie sich kurz darauf zu einem Roller-Derby-Sommer-Camp anmeldet – und dabei davon ausgeht, dass ihre beste Freundin Nicole ebenfalls mit dabeisein wird. Doch Nicole hat schon andere Pläne für den Sommer und diese beinhalten nicht Roller Derby, sondern ein Ballett-Camp, an dem auch Astrids Erzfeindin Rachel teilnehmen wird. So muss sich Astrid nicht nur ganz allein dem Abenteuer „Roller-Derby-Camp“ stellen, sondern auch feststellen, dass sich ihre langjährige Freundschaft zu Nicole auf einmal total verändert hat. Und weil sie sich nicht traut, ihrer Mutter von all den Dingen zu erzählen, baut sich über den Sommer eine Lüge nach der anderen auf, was Astrid immer wieder in Schwierigkeiten bringt.

Es gab viele Elemente, die ich an Astrid beim Lesen mochte. Das Mädchen ist begeisterungsfähig und beweist während des herausfordernden Roller-Derby-Camps Durchhaltevermögen. Auf der anderne Seite ist sie ihren Freundinnen gegenüber häufig ziemlich unsensibel und egoistisch, ohne zu merken, dass nicht jeder Mensch ihre Prioritäten teilt oder dass jemand anderer vielleicht auch mal Unterstützung und ein offenes Ohr benötigt. Umso schöner war es, im Laufe des Comics zu verfolgen, wie sehr Astrid sich im Laufe des Sommers entwickelte und mit welcher Hingabe sie sich dem Roller Derby zuwandte. Auch mochte ich die vielen lustigen Momente, die sich unter anderem aus Astrids kleinen Lügen ergaben. Dabei rechne ich es Victoria Jamieson hoch an, dass ich diese Szenen wirklich amüsant fand, statt Fremdscham zu empfinden, was bei mir sonst sehr schnell der Fall ist. So wurde Astrid gerade durch ihre Fehler und ihre Hilflosigkeit gegenüber dem veränderten Verhalten ihrer Freundin Nicole für mich zu einem realistischen und liebenswerten Charakter, deren Sommer im Roller-Derby-Camp ich gern verfolgt habe.

Sehr schön fand ich auch den Roller-Derby-Anteil in der Geschichte. Da hatte ich das Gefühl, dass dieser Teil sehr davon profitiert hat, dass die Autorin selbst auch spielt. So wurden die verschiedenen Regeln, die beim Roller Derby gelten, sehr schön in die Geschichte eingeflocheten, so dass jemand, der sich mit dem Thema nicht auskennt, nachvollziehen kann, was bei einem Bout so passiert, während Roller-Derby-vertraute Leser nicht das Gefühl bekommen, hier würde lehrbuchmäßig über Selbstverständlichkeiten doziert. Mir hat es auch gefallen, dass für Astrid dieser Sport nicht einfach zu lernen war und dass sie am Ende trotz aller Übungen immer noch keine besonders gute Spielerin war und sie trotzdem großen Spaß beim Roller Derby hat. Außerdem mochte ich das Zusammenspiel zwischen den Teilnehmerinnen des Camps sehr gern in dieser Geschichte. Es gibt Freundschaften und Rivalitäten, Neid und all die anderen Gefühle, die zwischen Menschen in einer Gruppe nun einmal so herrschen, aber am Ende ist es für Astrid und die anderen vor allem wichtig, dass sie als Team zusammenspielen, und dafür unterstützen sie sich trotz aller Unterschiede gegenseitig.

Nicht  nur die Handlung, sondern auch die Zeichnungen von Victoria Jamieson haben mir gut gefallen. Obwohl ich ihren Stil stellenweise etwas schlicht finde, mochte ich die Lebendigkeit der Darstellungen, wie abwechslungsreich die verschiedenen Charaktere gezeichnet waren und die in der Regel fröhliche Farbgebung, die die verschiedenen Szenen stimmig untermalt. Und während ich überzogene Mimik und Gestik häufig nicht so schön finde, fand ich diese Szenen in „Roller Girl“ angesichts Astrids teilweise extremer (pubertärer) Gefühlsausbrüche überraschend angemessen. Alles in allem hat mir dieser Comic so gut gefallen, dass ich mir gleich nach dem Lesen angeschaut habe, was Victoria Jamieson sonst noch so veröffentlich hat, und nun sitzt ihr Comic „All’s Faire in Middle School“ ganz oben auf der Merkliste.

Molly Knox Ostertag: The Witch Boy (Comic)

Den Comic „The Witch Boy“ von Molly Knox Ostertag hatte ich schon seit einiger Zeit auf dem Wunschzettel, bis mein Vater ihn mir im November zum Geburtstag schenkte. Wie immer, wenn ich so viele Neuzugänge auf einmal bekomme, hat es etwas gedauert, bis ich das Lesen des Comics auf die Reihe bekam – dafür habe ich die Geschichte dann umso mehr genossen. „The Witch Boy“ erzählt von dem dreizehnjährigen Aster, der in einer Familie aufwächst, in der jedes weibliche Wesen eine Hexe ist und jedes männliche Wesen ein Gestaltwandler. Doch Aster verspürt keinen Drang, sich zu verwandeln, und ist stattdessen von klein auf von der Magie der Hexen fasziniert. So meidet er die gröberen Spiele mit den anderen Jungen und verbringt seinen Tag lieber damit, hinter den Mädchen herzuspionieren, um so viel wie möglich von ihrem Zauber-Unterricht aufschnappen zu können.

Seine Familie tut alles, um Aster von der Hexenmagie fernzuhalten, damit aus dem Jungen nicht so ein schrecklicher Mensch wird wie aus seinem Großonkel, dessen Interesse an Hexerei ihn in ein Ungeheuer verwandelt hat. Verständnis für seine ungewöhnlichen Interessen findet Aster nur bei seiner neuen Freundin Charlie, die er kennenlernt, als er in seinem Kummer den geschützten Bereich der magischen Gemeinschaft verlässt und durch einen angrenzenden Vorort wandert. Da Charlie keinerlei Erfahrungen mit Magie hat, kann sie unvoreingenommen mit dem Thema umgehen, und da sie selbst – trotz ihrer großen Sportlichkeit – deutlich weniger Chancen im Sport bekommt als gleichaltrige Jungen, kann sie nur zu gut nachvollziehen, wie es Aster geht. So ist es Charlie, die ihn unterstützt, als Asters Cousins verschwinden und er mit Magie nach ihnen suchen will.

Mir hat bei „The Witch Boy“ gut gefallen, wie Molly Knox Ostertag auf der einen Seite in ihrer Geschichte zeigt, dass Asters Familienangehörige wenig Verständnis für sein Interesse an der Hexerei haben, sie auf der anderen Seite den Jungen aber wirklich lieben und ihm helfen wollen, ein Talent fürs Gestaltwandeln zu entwickeln. Gerade seine Eltern sind sehr liebevoll und unterstützen Aster nur deshalb nicht, weil sie Angst haben, dass ihm das Gleiche wiederfährt wie seinem Großonkel. Charlie hingegen akzeptiert ihn so, wie er ist, und nimmt es auch gelassen hin, dass er aus einer ungewöhnlichen Familie kommt (und dass es in seinem Leben Magie gibt). Erschreckenderweise habe ich das Gefühl, ich müsste hier betonen, dass zwischen Aster und Charlie „nur“ Freundschaft besteht – vielleicht weil ich in diversen englischsprachigen Kommentaren zu dem Comic Fragen nach Asters Sexualität oder zu einer romantischen Entwicklung zwischen den beiden gelesen habe. Dass beides so gar kein Thema in dieser Geschichte ist, finde ich besonders angenehm, denn so kann keine sogenannte Liebesgeschichte von dem eigentlichen Kern des Comics ablenken.

Auch die Zeichnungen haben mir bei „The Witch Boy“ gut gefallen. Die Figuren sind wunderbar individuell gestaltet und strotzen nur so vor lauter kleinen Details, die ihnen nur noch mehr Charakter verleihen. Besonders schön fand ich, dass Asters Familie aus sehr unterschiedlichen Menschen (Hautfarben, Körperformen, Neigungen) besteht und wie gut Molly Knox Ostertag es gelungen ist, dies alles in ihren Darstellungen zu transportieren. So wird bei Asters Cousins zum Beispiel in nur wenigen Panels anhand von Gestik und Mimik deutlich, wer von ihnen dazu neigt, Aster wegen seines Verhaltens zu hänseln, und wer zugunsten des gemeinsamen Ziels auf diplomatische Weise die Rolle des Anführers übernimmt. Dazu passt die Koloration, die anfangs sehr gefällig und leicht wirkt (ohne pastellig zu sein) und im Laufe der dramatischen Entwicklungen in der Handlung immer kräftiger und dominanter wird. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass es schon eine Fortsetzung zu „The Witch Boy“ gibt (und ein dritter Band schon angekündigt wurde).

Hope Larson und Brittney Williams: Goldie Vance Vol. 1 (Comic)

„Goldie Vance“ hatte mir mein Mann schon vor längerer Zeit unter die Nase gehalten, als er die Reihe im Comic-Katalog entdeckte, aber die Beschreibung hatte mich damals nicht so sehr gereizt. Trotzdem ist mir der Comic immer wieder über den Weg gelaufen, und je mehr ich darüber erfuhr, desto neugieriger wurde ich. Den letzten Ausschlag gab dann Rikes Meinung zu der Comicreihe. Der Comic dreht sich um die Erlebnisse der sechzehnjährigen Marigold „Goldie“ Vance, die für den Parkservice des „Crossed Palms Resort“ arbeitet. Das „Crossed Palms Resort“ ist ein Hotel in dem fiktiven Ort St. Pascal in Florida, das von Goldies Vater Arthur Vance geleitet wird, und das nicht nur über diverse Angebote zur Entspannung der Gäste, sondern mit Walter Tooey auch über seinen eigenen Hoteldetektiv verfügt.

Als selbsternannte Assistentin von Walter Tooey kann Goldie ihrer eigentlichen Leidenschaft nachgehen und einen – mehr oder weniger skurrilen – Fall nach dem anderen lösen. Dabei wird sie von Walter nur toleriert, auch wenn er zugeben muss, dass sie ihm regelmäßig die Lösung seiner Fälle auf dem Tablett serviert, während er noch nach dem richtigen Weg für den Start seiner Ermittlungen sucht. Ein Grund, warum Goldie so erfolgreich als Detektivin ist, liegt darin, dass sie nicht nur im Hotel, sondern auch im Ort gut vernetzt ist und so von allen Seiten Informationen erhält, die ihr weiterhelfen. Im Hotel steht ihr vor allem ihre Freundin Cheryl Lebeaux zur Seite, die nicht nur für den Empfang der Gäste verantwortlich ist, sondern heimlich von einer Karriere als Astronautin träumt.

Insgesamt ist der Ton in dem Comic sehr locker und amüsant, aber regelmäßig lässt Hope Larson als Autorin der Geschichten auch ernste Themen durchblitzen, wie zum Beispiel bei einem Moment zwischen Goldie und ihrer Mutter, als das Mädchen seine Mutter fragt, wie denn ihr neuer Verehrer auf die Tatsache reagiert habe, dass ihre Tochter nicht weiß sei. Doch solche Elemente blitzen nur kurz zwischen all den seltsamen und witzigen Fällen auf, mit denen sich Goldie konfrontiert sieht. Dabei ist Goldie bei ihren Ermittlungen so auf ihr Ziel fokussiert, dass sie nicht immer wählerisch bei den Wegen ist, die sie geht, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. So ist es kein Wunder, dass sich das Mädchen im Laufe des ersten Bandes nicht nur mit einem eigentlich harmlosen Dieb, feindlichen Agenten und einer geheimnisvollen Organisation herumschlagen muss, sondern auch ihren Vater in ernsthafte Schwierigkeiten bringt.

Ich habe Goldies Abenteuer mitsamt den ganzen abwegigen Elementen wirklich genossen und konnte dabei gut darüber hinwegsehen, dass nicht jede Entwicklung in der Handlung logisch und glaubwürdig war. Auch mochte ich die vielen verschiedenen Freunde und Verbündeten, denen Goldie im Laufe der Geschichte begegnet. Wobei es angesichts der vielen sympathischen und stimmigen Charaktere umso bedauerlicher ist, dass Goldies Gegenspielerin Sugar Marple schrecklich klischeehaft als herzlose, reiche, weiße Zicke dargestellt wird, aber vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden (auch wenn ich ehrlich gesagt nicht damit rechne).

Die Zeichnungen von Brittney Williams sind wunderbar dynamisch und sehr gefällig anzuschauen. Der Zeichnerin gelingt es sehr schön, die verschiedenen Stimmungen einzufangen, egal, ob die jeweilige Szene einen nachdenklichen Moment, ein entspanntes Zusammentreffen mit Freunden oder eine Autoverfolgungsjagd zeigt. Ergänzt werden die Zeichnungen durch die Farbgebung von Sarah Stern, die ein stimmiges 60er-Jahre-Feeling vermittelt, ohne es dabei zu sehr mit den Pastelltönen zu übertreiben, und stattdessen immer wieder zu dunkleren Farben greift, die den jeweiligen Szenen eine realistischere (und ernsthaftere) Atmosphäre verleiht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich die Geschichte und die Charaktere nach diesem abgedrehten Start in den weiteren Bänden noch entwickeln und freue mich darüber, dass ich noch ein paar Bände mit „Goldie Vance“ vor mir habe.

Leah Moore/John Reppion/Sally Jane Thompson: Conspiracy of Ravens (Comic)

Vor einiger Zeit war ich über eine Ankündigung zu diesem Comic gestolpert, und da der Klappentext gut klang, habe ich den Titel bei unserem Comic-Händler bestellt. Als er dann mit der Oktober-Lieferung bei uns eintraf, habe ich erst einmal nur einen kurzen Blick auf die Zeichnungen von „Conspiracy of Ravens“ werfen wollen und bin prompt bei der Geschichte hängengeblieben. Die Grundidee entstand, nachdem Sally Jane Thompson (die Zeichnerin des Comics) online eine Zeichnung verloste und der Gewinner (John Reppion) sich etwas „Viktorianisches mit Rabenvögeln“ wünschte. Aus der ersten Skizze entstand eine Geschichte rund um Anne, die ein magisches Erbe antritt, und deshalb gemeinsam mit einigen anderen Mädchen ganz ungewöhnliche Fähigkeiten entwickelt.

Es gab eine Menge, was ich an dem Comic mochte. Die Zeichnungen von Sally Jane Thompson sind relativ schlicht und ausschließlich in schwarz, weiß und blau gehalten, aber gerade deshalb passen sie sehr gut zur Geschichte und zur Atmosphäre von „Conspiracy of Ravens“. Auch die Figuren mochte ich gern, von der sympathischen Anne, die vor allem damit zu kämpfen hat, dass ihre geschiedenen Eltern ihr nicht zuhören, über ihre kluge Freundin Binky, das einzigartige Hausmädchen Eve, das schon für Annes verstorbene Großtante gearbeitet hat, bis zur kämpferischen Jenny. Es gibt so viele Elemente in der Geschichte, die ich wirklich mochte. Es war schön mitzuerleben, wie Anne erfährt, dass sie die Erbin ihrer verstorbenen Großtante ist, wie sie das alte Gebäude besichtigt und nach und nach die Geheimnisse, die damit verbunden sind, aufdeckt.

Ich fand es spannend, wie sie – dank der Recherchefähigkeiten von Binky – mehr über die Frauen erfährt, mit denen ihre Großtante zusammengearbeitet hat, und deren Nachfahren aufspürt. Dabei steht von Anfang an fest, dass es mindestens eine Person gibt, die unbedingt verhindern will, dass Anne ihr Erbe antritt, was zu ein paar fantastischen und gruseligen Szenen führt. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto hastiger und unstimmiger wird dieser Part in meinen Augen erzählt, genauso wie spätere Figuren nicht gerade gründlich eingeführt werden. Irgendwann hatte ich einen Punkt erreicht, wo ich zurückblättern und noch einmal nachlesen musste, was es denn mit einem der Charaktere wohl auf sich hat. Ich bin eigentlich sonst ganz gut darin, solche „Erzähllücken“ bei Comics selbst zu füllen, aber hier hat es mich irritiert, weil auf einmal wichtige Elemente so überhastet dargestellt wurden, dass sie sich nicht mehr richtig anfühlten. Da wäre es schöner gewesen, wenn der Comic mehr Seiten – und somit mehr Raum für die Handlung – gehabt hätte, oder wenn auf die eine oder andere zusätzliche Wendung verzichtet worden wäre, um dafür die restliche Geschichte etwas stimmiger zu erzählen.

Trotz dieser Kritikpunkte mochte ich „Conspiracy of Ravens“ sehr. Es ist eine niedliche Geschichte rund um ein paar Mädchen, die gemeinsam eine Aufgabe erfüllen und langfristig gute Freundinnen werden können und deren Leben dank Annes Erbe in Zukunft wohl sehr spannend sein wird. Ich mochte die Grundidee, mir waren die Charaktere sympathisch (weshalb ich wirklich gern noch mehr über sie erfahren hätte) und ich fand die Vorstellung von einem Haus wie Ravenhall inklusive all der damit verbundenen Geheimnisse toll. Ich habe definitiv eine Schwäche für Geschichten, in denen es um starke Frauenfiguren, Magie und Automaten geht. Allerdings wäre der Comic noch besser gewesen, wenn all diese Elemente ihren angemessenen Anteil bekommen hätten und in einem passenderen Tempo aufgegriffen worden wären.

Jen Wang: The Prince and the Dressmaker (Comic)

„The Prince and the Dressmaker“ von Jen Wang ist mir in den letzten Monaten immer wieder in meiner englischen Timeline untergekommen und dann recht schnell auf die Merkliste gehüpft. Ende Juni habe ich den Comic dann überraschenderweise geschenkt bekommen und gleich gelesen. Die Handlung in „The Prince and the Dressmaker“ beginnt mit einem Ball, der zu Ehren des 16jährigen Prinzen Sebastian abgehalten wird. Da der Ball recht kurzfristig angekündigt wurde, stürmen die jungen Damen, die in Paris ihre Saison verbringen, die Modesalons, um sich ein neues Kleid anfertigen zu lassen. So bekommt die junge Schneiderin Frances die Chance, ein aufsehenerregendes Kleid für eine ungewöhnliche Kundin anfertigen zu können, welches dafür sorgt, dass Frances von Prinz Sebastian als seine neue Schneiderin angestellt wird.

Der Prinz ist nämlich – gerade aufgrund der Tatsache, dass das von Frances entworfene Kleid nicht den üblichen Konventionen entspricht – geradezu hingerissen von den frischen Ideen der jungen Schneiderin. Wie Frances schnell feststellt, hat Prinz Sebastian nicht nur ein Faible für Mode, sondern er zieht (phasenweise) auch gern Damenkleidung an. Dabei ist Sebastian sich vollkommen bewusst, was für ein Skandal es wäre, wenn herauskäme, dass er Cross-Dressing betreibt. Sein Leben wäre deutlich einfacher, wenn er sich in Frauenkleidern nicht so wohlfühlen würde, aber auf der anderen Seite hat er das Bedürfnis, mit den von Frances entworfenden Kleidern zumindest eine Zeitlang diese Facette seiner Persönlichkeit voll auszuleben.

Ich fand die Geschichte wunderschön erzählt, gerade weil die beiden Protagonisten nicht immer die klügste Entscheidung treffen. Anfangs ist es vor allem bezaubernd zu verfolgen, wie Sebastian und Frances über ihr gemeinsames Interesse für Mode Freunde werden. Für Sebastian ist es das erste Mal, dass er mit jemandem so offen über ein Thema reden kann, das ihm so am Herzen liegt, während Frances sich und ihre Ideen erstmals anerkannt fühlt. Doch natürlich ist so eine Freundschaft zwischen einem Prinzen und einer Schneiderin nicht so einfach – vor allem, wenn der Prinz als Thronerbe an seinen Ruf und seine Pflicht gegenüber seiner Familie denken muss. Frances hingegen will Sebastian unterstützen, aber sie ist auch nicht bereit, dafür auf Dauer ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Sie geht im Laufe der Geschichte so einige Kompromisse ein, um endlich auch öffentliche Anerkennung für ihrer Arbeit zu bekommen, nur um dann festzustellen, dass es nicht so einfach ist, unter diesen Umständen den eigenen Stil beizubehalten.

So schön und märchenhaft die Handlung war, so hätte ich mir hier und da etwas mehr „Umfeld“ für die Figuren gewünscht – gerade bei Frances hätte ich gern noch ein bisschen über ihre Vergangenheit, ihre Familie und ihren beruflichen Weg erfahren. Aber so richtig schlimm war es auch nicht, dass die Autorin nicht auf diese Aspekte eingegangen ist, denn umso intensiver nimmt man als Leser die Beziehung zwischen Frances und Sebastian wahr und freut sich darüber, dass beide endlich jemanden haben, der ihre Interessen teilt. Spannend war es auch zu verfolgen, wie Sebastian als „Lady Crystallia“ immer selbstsicherer auftrat und wie dieses neue Selbstbewusstsein stellenweise auch in seinem Alltag als Prinz hervorblitzte. Das Ende war ein etwas arg abgedrehtes, aber dafür auch sehr lustiges Happy End, womit „The Prince and the Dressmaker“ trotz des einen oder anderen kleinen Kritikpunkts eindeutig zur Wohlfühllektüre taugt.

Was den Zeichenstil von Jen Wang angeht, so finde ich ihn ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Die Zeichnungen sind – von der einen oder anderen Darstellung der Kleider abgesehen – relativ einfach gehalten. Es gibt nur selten wirklich nennenswerte Hintergründe und auch auf Schatten und Details hat Jen Wang in der Regel verzichtet. Wie schon bei der Charakterisierung der Nebenfiguren fallen bei Gestik und Mimik immer wieder bestimmte Stereotypen ins Augen, aber da die meisten dieser Figuren wirklich nur den Rahmen für die ansonsten wirklich hübschen Handlung bilden, konnte ich damit leben – auch wenn es natürlich schöner gewesen wäre, wenn jedes Panel die gleiche Aufmerksamkeit bekommen hätte wie die wunderschönen Kleider der Lady Crystallia.

Nidhi Chanani: Pashmina (Comic)

Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, wie ich auf „Pashmina“ von Nidhi Chanani aufmerksam geworden bin, aber mir gefiel, dass sich die Geschichte laut Klappentext um eine indischstämmige Amerikanerin dreht, die gern mehr über das Heimatland ihrer Mutter erfahren würde. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht der ca. sechzehnjährigen Priyanka und zu Beginn des Comics kann man als Leser mitverfolgen, wie Pri(yanka) immer wieder mit ihrer Mutter aneinandergerät, weil diese ihr nichts über Pris Vater oder ihr Heimatland Indien erzählen will. Doch nicht nur mit ihrer Mutter hat Pri Probleme, sondern auch mit den Mitschülerinnen, die sich über ihren indischen Namen und ihre Leidschaft für Comics lustig machen.

Als Pri dann eines Tages in einem altem Koffer ihrer Mutter einen magischen Pashmina (ein traditionelles gewebtes Tuch) findet, bekommt sie die langersehnte Gelegenheit, Indien kennenzulernen. Gemeinsam mit ihren „Führern“ Kanta (einem Elefanten) und Mayur (einem Pfau) reist Pri zu allerlei Sehenswürdigkeiten und genießt eine Menge indisches Essen. Doch bei jedem dieser magischen Ausflüge wird Pri von dem Schatten einer Frau verfolgt, der ihr anscheinend etwas sagen möchte. Nachdem ihre Sehnsucht nach Indien durch diese „magischen Reisen“ nur noch mehr angefacht wurde, bekommt Pri überraschend die Möglichkeit, tatsächlich in das Heimatland ihrer Mutter zu fliegen und muss feststellen, dass der Alltag in Indien nicht ganz so bunt und berauschend ist, wie sie es sich vorgestellt hatte.

In vielerlei Hinsicht ist Pri ein typischer Teenager. Während sie in einigen Szenen erstaunlich erwachsen wirkt, gibt es auch immer wieder Momente, in denen sie deutlich zeigt, dass sie nicht alt genug ist, um mit einer ungewohnten Situation umzugehen. Aber insgesamt mochte ich Pri sehr gern, und es hat Spaß gemacht, sie auf ihrem Weg nach Indien zu begleiten. Ich mochte es, wie Nidhi Chanani in ihrem Comic all die kleinen Elemente eingeflochten hat, die deutlich machen, wie schwierig es für Priyanka ist, dass sie keiner ihrer beiden Welten wirklich angehört. Ebenso gefiel mir der Kontrast zwischen dem Bollywood-bunten Traum von Indien und dem Land, das Pri später dann doch noch persönlich kennenlernt. Hier und da hat die Autorin ihre Botschaft vielleicht etwas zu plakativ eingebaut, aber das hat mich bei all den wunderbaren Details und fantastischen Elementen aus der indischen Mythologie nicht gestört

Auch die relativ einfach gehaltenen Zeichnungen mochte ich bei „Pashmina“ sehr gern. Nidhi Chananis Figuren sind angenehm individuell gezeichnet und können sowohl in den schwarz-weißen Passagen, in denen die realistischen Szenen dargestellt werden, als auch auf den kunterbunten Seiten, in denen der Pashmina seine Magie wirkt, überzeugen. Besonders mochte ich Pris Gestik und Mimik, die so liebevoll gezeichnet wurden, dass man auch ohne Text genau sehen kann, wie es dem Mädchen gerade geht und wie sie auf ihre Umgebung reagiert. Insgesamt habe ich „Pashmina“ sehr genossen. Ich habe mich beim Lesen sehr über Priyankas Entwicklung gefreut und mich gern auf die Magie des Pashmina eingelassen.

Kristina Gehrmann: Im Eisland 1 – Die Franklin-Expedition (Comic)

Die Veröffentlichung „Im Eisland 1 – Die Franklin-Expedition“ von Kristina Gehrmann habe ich bei Neyasha entdeckt, die von dem Comic sehr angetan war. Dieser erste von drei Teilen erzählt die Geschichte der Franklin-Expedition von der Abfahrt im Mai 1845 bis zum Beginn des Jahres 1846. Von Anfang an lässt Kristina Gehrmann keinen Zweifel am traurigen Ausgang dieser Reise, so dass auch Leser, die über keine Vorkenntnisse über die Franklin-Expedition verfügen, schon mit dem Vorwissen um ihr Scheitern in die Geschichte einsteigen.

Die Zeichnerin konzentriert sich vor allem auf eine Handvoll Personen aus den verschiedenen Rängen wie Commander James Fitzjames, Kapitän Francis Crozier (Kapitän der H.M.S. Terror) oder den zwanzigjährigen Heizer John Torrington und den Schiffsjungen Tommy Evans. Man bekommt als Leser die Motivation der verschiedenen Charaktere ebenso präsentiert wie die Vorurteile und Befürchtungen, die mit der Expedition verknüpft sind, doch vor allem überwiegt anfangs die Hoffnung, dass man aufgrund der technischen Errungenschaften (es gab ein Heizungssystem für die Schiffe und große Mengen an Konservendosen, ebenso wie einen großen Vorrat an Zitronensaft, um dem Skorbut vorbeugen zu können) einen Weg durch die Arktis zu finden, die eine schnellere Reise von Europa nach Asien ermöglichen würde.

Obwohl in diesem ersten Band noch nicht viel passiert, wird deutlich, dass so eine Arktis-Expedition selbst unter optimalen Voraussetzungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Die lange Dunkelheit macht den Männern zu schaffen, die frischen Vorräte sind schon vor der Winterpause aufgebraucht und die Enge, in der die Männer leben, macht ein Miteinanderauskommen auch nicht immer leicht. Doch noch konzentrieren sich alle auf die Pläne für das kommende Frühjahr, darauf, sich gegenseitig bei Laune zu halten und die aufgezwungene Wartezeit so gut wie möglich zu verbringen. Das Ganze ist interessant zu lesen und gerade mit dem Wissen um das Scheitern der Expedition und den Tod der gesamten Teilnehmer auch sehr berührend. Gerade weil sich Kristina Gehrmann auf einzelne Charaktere konzentriert und ihnen durch kleine private Szenen (zum Beispiel die Panels, in denen John Torrington dem Schiffsjungen das Lesen und Schreiben beibringt) mehr Persönlichkeit verleiht.

Etwas schade fand ich, dass die Hintergrund-Informationen über die Expedition oft etwas steif und lehrbuchhaft eingeflochten wurden – unter anderem, indem sich zwei Personen über eine dritte unterhalten. Aber immerhin bekommt man auf diese Weise als Leser alle wichtigen Details mit und kann zum Beispiel besser einschätzen, wieso es so kritisch war, dass nur einer der beteiligten Offiziere vorher überhaupt in der zu erkundenden Region war. Auch mit den Zeichnungen war ich nicht so ganz glücklich. Zwar gelingt es Kristina Gehrmann, die vielen verschiedenen Figuren individuell genug darzustellen, dass sie einen hohen Wiedererkennungswert haben, aber all diese Darstellungen wirken schrecklich steif und ohne jegliche Dynamik. Obwohl es immer wieder Szenen gibt, wo man zum Beispiel die Mannschaft beim Essen oder bei der Arbeit sieht, erinnern die Zeichnungen eher an Stillleben und wirken nicht, als ob hier Aktivitäten festgehalten worden wären.

Auch hätte ich es schön gefunden, wenn es mehr ausgearbeitetet Hintergründe gegeben hätte, da die historischen Schiffe als Handlungsort für die Geschichte doch großartige Kulissen abgegeben hätten. Ein weiteres Problem ergibt sich beim „visuellen Alter“ der Figuren, denn obwohl bei den Expeditionsteilnehmer gewiss eine hohe Altersspanne herrschte, hat man das Gefühl, dass es (abgesehen von Sir John Franklin) nur Teenager oder aber Männer Ende Dreißig auf den Schiffen gibt – wobei ich zugeben muss, dass sehr viele Zeichner es nicht hinbekommen, den Gesichtern ihrer Figuren ein ihrem Alter entsprechendes Aussehen zu verleihen. Die Landschaftsdarstellungen hingegen fand ich ebenso wie die Szenen zu Beginn des Comics, in denen die Einheimische zu ihren Beobachtungen rund um die Franklin-Expedition befragt werden, sehr atmosphärisch.

Delilah S. Dawson/Ashley A. Woods: Ladycastle 1 (Comic)

Der erste „Ladycastle“-Sammelband von Delilah S. Dawson (Story) und Ashley A. Woods (Zeichnungen) ist ein amüsanter Comic rund um ein Schloss voller Frauen, deren Männer (und Väter und Söhne) in den Kampf gezogen sind. In der Abwesenheit der Männer halten sich die meisten Frauen brav an die Regeln und Gesetze, die König Mancastle aufgestellt hat, kümmern sich um alle anfallenden Angelegenheiten und hoffen, dass ihr Herrscher seine inzwischen achtzehnjährige Tochter Aeve nach seiner Rückkehr endlich aus dem Turm lässt, in dem sie seit sechs Jahren eingesperrt ist. Doch stattdessen erreicht der letzte lebende Ritter des Königreichs das Schloss und berichtet davon, dass der König und seine Gefolgsscharen erst zusammen mit dem restlichen Königreich verflucht und dann von einem Drachen gefressen wurden. Selbstverständlich ist dieser Ritter nun bereit, die Königskrone und alle damit verbundenen Aufgaben zu übernehmen, doch die „Lady of the Lake“ wählt die Schmiedin Merinor zum neuen König (ja, „König“ und nicht „Königin“).

Von diesem Tag an ändert sich so einiges im Schloss und der Anfang wird damit gemacht, dass Prinzessin Aeve endlich aus ihrem Gefängnis freigelassen und zum ersten weiblichen Ritter des Königreichs ernannt wird. Gemeinsam machen sich die Frauen daran, neue Regeln für ihr Königreich aufzustellen und gegen die Folgen des Fluchs zu kämpfen, die stetig über sie hereinbrechen. Egal, ob das Schloss von Feuersalamandern (natürlich in der magischen Variante) überflutet oder von Werwölfen oder Harpyien angegriffen wird, immer wieder müssen König Merinor und ihre Gefährtinnen einen Weg finden, um mit den unterschiedlichen Herausforderungen fertig zu werden. Doch nicht nur die diversen (übernatürlichen) Gegner müssen bezwungen werden, sondern auch die eigenen Selbstzweifel und Vorurteile gegenüber den anderen Frauen, während gleichzeitig die gewohnten Traditionen aufgebrochen und überdacht werden.

So amüsant ich die Kämpfe gegen die unterschiedlichen magischen Wesen fand, die nach dem Tod des Königs das Schloss einnehmen wollen, so haben mich vor allem die vielen kleinen Szenen zwischen den Frauen berührt und amüsiert. Ich mochte nicht nur die unkonventionellen Lösungen, die die Frauen gemeinsam für ihre Probleme gefunden haben, sondern auch die vielfältigen Ziele und Wünsche, die die Frauen nun in Angriff nehmen können, ohne sich fragen zu müssen, ob ihr Mann oder ihr Vater damit einverstanden wäre. Dalilah S. Dawson bringt viele wunderbare Elemente in die Geschichte ein, so hat sie zum Beispiel einen stimmigen Tagesablauf für die arme Prinzessin Aeve gefunden, die seit Jahren irgendwie ihre Zeit im Turm rumbringen muss, ohne vor lauter Einsamkeit wahnsinnig zu werden. Ich verrate hier nicht zu viel, wenn ich erzähle, dass eine ihrer Tätigkeiten darin besteht, die verschiedenen „Kummerkasten“-Briefe zu beantworten, die ihr jeden Tag in einem Korb zu ihrem Turmfenster hinaufgezogen werden (und dass das Ganze auf eine Art und Weise erzählt wird, die ganz wunderbar die ganze Singerei in Disney-Filmen parodiert).

Die Zeichnungen von Ashley A. Woods sind ein bisschen schlichter, als mir normalerweise lieb wäre, aber ansprechend und mit genügend Details, um die Handlung ausreichend zu unterstützen. Ich mochte die Vielfalt der dargestellten Personen ebenso wie die Gestik und Mimik. Dazu kommen noch die vielen kleinen Elemente, die die eh schon witzigen Momente in der Geschichte mit weiteren Details unterstützen.

Kate Leth und Megan Levens: Spell on Wheels (Comic)

Den Sammelband des Comics „Spell on Wheels“ habe ich mir zum Geburtstag gewünscht, nachdem ich ihn mehrmals in meiner US-Timeline auf Twitter gesehen hatte. Die Geschichte rund um drei Hexen, die auf der Suche nach einem Dieb durch Amerika fahren, klang, als ob sie genau in mein Beuteschema passen würde. Kate Leth (Story) und Megan Levens (Zeichnungen) lassen die Handlung in dem Moment beginnen, in dem ein junger Mann in das Haus der drei Hexen Andy Highsmith, Jo(lene) Nguyen und Claire Bettany einbricht. Die drei jungen Frauen sind zu diesem Zeitpunkt bei der Arbeit („Sister Witches – Tattoo & Tarot“), als sie spüren, dass jemand in ihr Heim eindringt, doch sie sind zu weit weg, um etwas dagegen zu unternehmen. Endlich zu Hause angekommen, müssen sie feststellen, dass der Eindringling nicht nur einen Großteil ihrer magischen Vorräte mitgenommen, sondern auch einen mächtigen Zauber gestohlen hat.

Auf der Suche nach ihrem geraubten Eigentum stolpern sie über den „Goblinmarkt“, eine dubiose Internetseite, auf der (unter anderem) ein Teil ihrer Sachen von einem anonymen Anbieter verkauft wird. Um mehr Informationen über den Dieb zu bekommen, beschließen Andy, Jo und Claire, die Käufer ihrer Besitztümer aufzusuchen, in der Hoffnung, dass sie so am Ende auch den gestohlenen Zauber wieder in ihre Obhut bringen können. Die Handlung an sich ist in „Spell on Wheels“ ziemlich simpel, da die drei Hexen nach dem Einbruch wirklich nur von einem Käufer zum nächsten fahren, um dem Dieb auf die Schliche zu kommen. Aber ich mochte die Ereignisse rund um die verschiedenen Käufer wirklich gern und noch mehr mochte ich die kleinen Szenen, die das Verhältnis von Andy, Jo und Claire zueinander beleuchten.

Dieser Band beinhaltet fünf Einzelhefte und so entwickelt sich die Geschichte auch über fünf Episoden, die vom Einbruch über das Zusammentreffen mit drei Käufer des Goblinmarkts bis zur Konfrontation mit dem Dieb gehen. Am Anfang lernt man Andy, Jo und Claire etwas besser kennen – die drei Hexen leben nicht nur zusammen in einem Haus, sondern teilen sich auch eine Jahrmarktbude, in der sie zahlenden Kunden ihre Fähigkeiten anbieten – wobei schon bei der ersten Szene mit den Frauen deutlich wird, dass sie sich auch mal über den Wunsch eines Kunden hinwegsetzen, wenn sie der Meinung sind, dass diese Person einen anderen Zauber nötiger hätte. Die drei sind sehr unterschiedlich, aber sie kümmern sich umeinander – besonders Jo und Claire, die sich anscheinend schon seit vielen Jahren kennen.

Kate Leth hat mit Jo, Claire und Andy drei wunderbare Freundinnen geschaffen, die sich mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen sehr schön ergänzen. Auch mag ich es, dass die drei Protagonistinnen in diesem Comic die verschiedenen sexuellen Präferenzen ihre Freundinnen ebenso akzeptieren wie die anderen Eigenheiten und Fähigkeiten, die zu der jeweiligen Person gehören. Dazu gehört auch, dass man als Leser nie das Gefühl hat, sie würden die verschiedenen magischen Begabungen unterschiedlich werten. Trotzdem gibt es natürlich während dieser Reise auch die eine oder andere Auseinandersetzung, die nicht nur damit zu tun hat, dass die drei Frauen den ganzen Tag im Auto aufeinanderhocken, sondern eben auch damit, dass sie Situationen und Menschen verschieden beurteilen. Einig sind sie sich aber darin, dass man denjenigen helfen muss, die ihre Hilfe benötigen, selbst wenn diese Personen unrechtmäßig in den Besitz von magischen Familienerbstücken der drei Hexen geraten sind. Ebensowenig scheuen sie aber auch davor zurück, gegen jemanden anzukämpfen, der seine Macht missbraucht.

Sympathische Protagonistinnen, eine abwechslungsreiche Handlung und Dialoge, die mich oft genug zum Schmunzeln gebracht haben, haben „Spell on Wheels“ zu einer wunderbar kurzweiligen Lektüre gemacht. Dazu kommen noch die Zeichnungen von Megan Levens, die mir auch gut gefallen haben. Der Zeichnerin gelingt es nicht nur, jeder Figur eine individuelle Gestik und Mimik zu verleihen und selbst die ungewöhnlicheren Figuren glaubwürdig erscheinen zu lassen, sie schafft auch (gemeinsam mit der Koloristin Marissa Louise) wunderbar atmosphärische Kulissen für die Handlung – egal, ob die Szene dabei in einer ausgelassenen Party, in einem klassisch-amerikanischen Vorort-Heim oder einem verfallenen Haus im Wald spielt. Ich hoffe sehr, dass langfristig noch weitere Bände mit den drei Hexen erscheinen, denn ich würde die drei Frauen und ihre Welt gern noch ein bisschen besser kennenlernen.

Kelly Thompson und Brianne Drouhard: Mega Princess 1-5 (Comic)

Auf „Mega Princess“ wurde ich durch meinen Mann aufmerksam, als er mir den US-Comic-Katalog hinhielt und meinte, dass das doch was für mich sein könnte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr über die Comics, als dass mir die Protagonistin auf dem ersten Cover gefiel und dass es inhaltlich um eine Prinzessin ging, die gern ein Detektiv sein wollte. Inzwischen habe ich die ersten fünf Hefte (und damit den Handlungsstrang rund um den verschwundenen Prinzen) gelesen und bin schwer verliebt in Prinzessin Maxine I. und ihr grumpiges Pony Justine.

Die Geschichte beginnt am zehnten Geburtstag der Prinzessin, wo sie – statt weiter in Ruhe in ihrem Baumhaus spielen zu können – an einem Reittunier teilnehmen muss. Max findet „Prinzessin-sein“ ziemlich langweilig, genauso wie die damit verbundenen Pflichten, und würde lieber ein viel aufregenderes Leben führen. So träumt sie von einer Tätigkeit als Detektivin und erfindet coole Ausstattungen für ihr – damit nicht gerade glückliches – Pony, die das Tier für Verfolgungen und Kämpfe optimieren soll. Dummerweise stehen Max nicht mehr Mittel zur Verfügung als jedem anderem Mädchen ihres Alters, und so besteht die erdachte Ausstattung bislang nur aus bemalten Pappkartons, einem Besen und anderen Elementen, die von der Kreativität des Mädchens zeugen.

Immerhin bekommt jede Prinzessin zu ihrem zehnten Geburtstag von einer guten Fee eine besondere Gabe verliehen. Und da die Fee Amber, die Max zu ihrem Ehrentag aufsucht, noch recht ungeübt in ihrem Job ist, verfügt das Mädchen kurz darauf nicht nur über alle erdenklichen Prinzessinen-Gaben auf einmal, sondern bekommt auch noch die erträumte Ausrüstung für Justine. Beides muss Max wohlüberlegt einsetzen, als sie sich auf die Suche nach ihrem entführten kleinen Bruder macht. Ihre Ermittlungen führen sie durch diverse Reiche – und bringen sie dazu, eine Menge über sich und all die anderen Bewohner ihrer Welt zu lernen.

Es gibt so viele Elemente, die ich an diesen Comics mag. Max ist ein selbstbewusstes und mutiges kleines Mädchen, das zielstrebig seinen Traum verfolgt. Und auch wenn man am Anfang eher das Gefühl hat, dass sie die Entführung ihres kleinen Bruders als Abenteuer empfindet, so ist ihr schon bewusst, dass der kleine Bobs in Gefahr ist, und sie macht sich große Sorgen um ihn. Sehr schön finde ich auch, dass Max von ihren Eltern so unterstützt wird. Ihre Mutter ist zwar eine „klassische Prinzessin“ und fände es angenehmer, wenn Max „mädchenhaftere“ Interessen hätte, aber man merkt deutlich, dass sie das kleine Mädchen nicht verbiegen will (auch wenn sie darauf besteht, dass Max ihren Prinzessinnen-Pflichten nachkommt).

Neben Max ist ihr Pony der große Star der Comics. Justine ist ein ungemein grumpiges Wesen, was mehr als verständlich ist, wenn man sieht, wie Max sie anfangs behandelt. Doch da zu den Prinzessinen-Gaben auch die Fähigkeit gehört, Tiere zu verstehen, muss Max sich im Laufe der Zeit nicht nur mit Justine anfreunden (und dabei so einige sarkastische Bemerkungen überstehen), sondern auch einsehen, dass selbst ein grumpiges Pony so seine Stärken hat. Die Geschichte ist wirklich witzig, Max und Justine sind ein großartiges Team, die fantastische Welt ist – inklusive all der popkulturellen Anspielungen auf unsere Welt – wunderbar und ich fand es sehr unterhaltsam, wie Max im Laufe der Handlung doch noch Verwendung für all die Prinzessinen-Gaben findet, die in ihrem Detektiv-Leben eigentlich keinen Platz haben. 😉

Wenn ihr Lust habt, mehr über „Mega-Princess“, die Autorin und die Zeichnerin, die feministischen Elemente und sonstige Hintergründe zu erfahren, dann könnt ihr HIER ein Interview mit den beiden Künstlerinnen (und noch ein paar Bilder aus dem Comic) finden.