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Harmony Becker: Himawari House (Comic)

Nachdem „Himawari House“ von Harmony Becker fast ein Jahr auf dem Stapel mit ungelesenen Comics lag, wurde es Anfang November endlich Zeit, den Titel zu lesen. Die Handlung von „Himawari House“ dreht sich um drei junge Frauen aus verschiedenen Ländern, die zusammen in einem Gemeinschaftshaus in Tokio leben. Nao – aus deren Sicht die Geschichte beginnt – wurde in Japan geboren, ist aber in den USA aufgewachsen und nimmt sich nach Abschluss der High School ein Jahr Zeit, um (erneut) Japanisch zu lernen und mehr über ihr Geburtsland herauszufinden. Naos Mitbewohnerin Hyejung stammt aus Korea, während Tina aus Singapur nach Japan gekommen ist. Neben diesen drei Frauen leben noch die beiden Brüder Shinichi und Masakun im Himawari House, und gemeinsam erleben diese fünf Figuren mehr oder weniger alltägliche Dinge, die davon erzählen, wie es ist, (als Ausländer*in) in Japan zu leben.

Fast alle Episoden, die Nao und die anderen erleben, drehen sich um Sprache und Kommunikation. Darum, wie schwierig es ist, eine fremde Sprache zu lernen, darum, wie sehr Sprache beeinflusst, wer wir sind und wie wir uns verhalten, wie Sprache beeinflusst, wie wir von unserer Umgebung wahrgenommen werden und wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Dabei ist es Harmony Becker – wie sie auch im Nachwort erwähnt – sehr wichtig gewesen, Akzente nicht als „Witz“ darzustellen, sondern aufzuzeigen wie beeindruckend es ist, wenn eine Person mehrere Sprache beherrscht, selbst wenn dies nicht fehlerfrei sein sollte. Ich muss zugeben, dass ich es manchmal etwas schwierig fand, einen Satz mit Akzent zu verstehen und mir dann das Geschriebene erst einmal gesprochen vorstellen musste. Aber insgesamt war es spannend zu sehen, wie in „Himawari House“ die verschiedenen Sprachen dargestellt werden und wie leicht anhand der Schriftzeichen zu sehen ist, ob eine Figur sich in Japanisch, Koreanisch, Chinesisch/Singlish oder Englisch unterhält. (Bei den Sätzen in einer der asiatischen Sprache steht der englische Text dann wie ein „Untertitel“ direkt unter den dementsprechenden Schriftzeichen.)

Aber auch wenn das Thema „Sprache“ immer sehr präsent in den verschiedenen Kapiteln ist, so habe ich den Comic doch vor allem wegen der wunderbaren Charaktere und ihrer unterschiedlichen Erlebnisse in Japan genossen. Jede der drei weiblichen Figur hat ihre ganz eigenen Gründe, wieso sie nun in Tokio lebt. Was dazu führt, dass nach und nach die Hintergrundgeschichten der drei Frauen erzählt werden und man miterleben kann, wie sie sich im Laufe eines Jahres weiterentwickeln. Ich fand es vor allem schön zu lesen, wie sich Nao, Hyejung und Tina miteinander anfreunden und gegenseitig unterstützen, obwohl sie so unterschiedlich sind. Die fünf Bewohner des Himawari House erleben so viele verschiedene Dinge, sie müssen sich mit ihrer Vergangenheit, ihren ganz persönlichen Eigenheiten und eben auch mit den Herausforderungen, die das Leben in einem fremden Land mit sich bringt, auseinandersetzen. Das führt zu so vielen kleinen amüsanten oder berührenden Szenen, dass ich die 380 Seiten überraschend schnell gelesen habe, weil ich nicht aufhören konnte, „nur mal eben zu schauen, wie es im nächsten Kapitel weitergeht“.

Harmony Becker wurde bekannt dafür, dass sie „They Called Us Enemy“, George Takais Erinnerungen an seine Kindheit in den US-Internierungslagern während des Zweiten Weltkriegs, gezeichnet hat. Für „Himawari House“ verwendet sie ein sehr klares und realtiv realistisches Charakterdesign, das – je nach Schwerpunkt einer Szene – auch mal mit etwas vereinfachteren oder überzogeneren Elementen variiert wird. Das sorgt nicht nur dafür, dass die Figuren selbst auf einen flüchtigen Blick wiedererkennbar sind, sondern auch dafür, dass selbst kleine Gefühlsregungen an Gestik und Mimik erkennbar sind. Detailliert ausgearbeitete Hintergründe gibt es nur selten, aber wenn sie zu sehen sind, bringen sie sehr viel Atmosphäre mit sich, weil sie „typisch“ japanische Elemente und Architektur zeigen. Mir persönlich hat Harmony Beckers Zeichenstil im diesem Comic – ebenso wie die Handlung – sehr gut gefallen, und ich bin neugierig, was die Zeichnerin in Zukunft noch so veröffentlichen wird.