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Sophie Escabasse: Witches of Brooklyn (Comic)

„Witches of Brooklyn“ von Sophie Escabasse habe ich im November zum Geburtstag bekommen und dann recht schnell aus dem Regal gezogen, weil es einfach nach einer süßen und lustigen Geschichte zum Entspannen klang – und genau das war es dann auch. Dabei ist die Situation für die elfjährige Protagonistin Effie zu Beginn alles andere als lustig, als sie mitten in der Nacht von einem Angestellten des Jugendamtes vor der Tür ihrer Tante Selimene abgeladen wird, da ihre Mutter gestorben ist. Selimene ist nicht nur alt genug, um Effies Großmutter zu sein, sondern auch eine sehr energische und nicht ganz einfache Dame. Zum Glück lebt Selimene mit ihrer Freundin Carlota zusammen, die einen deutlich ausgeglicheneren Eindruck macht – trotzdem ist sich Effie anfangs sicher, dass sie es nicht lange mit den beiden exzentrischen Frauen unter einem Dach aushalten wird. Doch im Laufe der Zeit lernt Effie ganz überraschende und liebenswerte Seiten an Selimene und Carlota kennen, und als sich auch noch herausstellt, dass die beiden älteren Damen Hexen sind, kann sich Effie kaum noch vorstellen, jemals wieder woanders zu leben.

Ich muss gestehen, dass in „Witches of Brooklyn“ gar nicht so viel passiert, obwohl der Comic 240 Seiten umfasst, aber es ist sehr, sehr niedlich zu verfolgen, wie Effie sich bei ihrer Tante Selimene und deren Freundin Carlota einlebt, wie sie im Laufe der Zeit Freunde in der Schule findet und wie sie mehr über die Fähigkeiten der beiden Hexen herausfindet. Außerdem trifft Effie im Laufe der Geschichte auf eine Sängerin, die vor ihrem nächsten Konzert dringend etwas übernatürliche Hilfe benötigt. Dabei mochte ich es sehr, dass so viele unterschiedliche Charaktere – von der sehr eigenwilligen Selimene über die Bibliothekar-Ritterrüstung bis zum kochenden Popstar-Assistenten Martin – in der Geschichte vorkommen. Immer wieder gibt es absurde oder amüsante Momente, die einen zum Schmunzeln bringen, oder berührende Szenen, in denen deutlich wird, wie sehr Effie ihre Mutter vermisst und wie schwer es ihr trotz all der tollen Freunde und Familienmitglieder fällt, sich in ihrem neuen Zuhause einzuleben.

Ich habe die Figuren in diesem Comic wirklich ins Herz geschlossen, und das lag natürlich nicht nur an der niedlichen und unterhaltsamen Handlung, sondern auch an den liebenswerten Zeichnungen von Sophie Escabasse. Einige ihrer Charaktere haben etwas überzeichnete Gesichtszüge und Körper, aber die Darstellungen fühlen sich nie negativ an, weil auch Personen, die auf den ersten Blick nicht so hübsch zu sein scheinen, im Laufe der Geschichte Szenen bekommen, in denen sie sich von ihrer besten Seite zeigen können. Ich fand es toll zu sehen, wie ausdrucksstark die Zeichnungen sind und wie schön Körpersprache und Mimik zu den verschiedenen Figuren passen. So gibt es so einige Szenen, in denen Effie oder Selimene mit großen, dramatischen Gesten ihre Worte unterstützen, wie es zu ihrem überschäumenden Temperament passt, während Effies schüchterner Freund Oliver auf fast jedem Panel, in dem er zu sehen ist, seine Arme eng am Körper hält und sich regelmäßig geradezu kleinmacht, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mir hat „Witches of Brooklyn“ wirklich viel Freude bereitet und ich hoffe sehr, dass bald ein weiterer Band rund um Effie. Selimene und Carlota erscheint.

Molly Knox Ostertag: The Witch Boy 2 – The Hidden Witch (Comic)

Obwohl mir „The Witch Boy“ von Molly Knox Ostertag im vergangenen Jahr so gut gefallen hatte, hat es doch wieder etwas gedauert, bis ich die Fortsetzung gelesen habe (und ich fürchte ein bisschen, dass es mit dem im November 2019 erschienenen dritten Band „The Midnight Witch“ ebenso laufen wird), weil ich mir die Comics gern für die richtige Stimmung aufhebe. In den letzten Tagen war ich aber in der passenden Stimmung für diese Art von Geschichte, und so habe ich „The Hidden Witch“ sehr genossen. Nachdem Aster im ersten Band darum kämpfen musste, dass er entgegen aller Traditionen als Hexe ausgebildet wird, versucht er nun all die Dinge nachzuholen, die er in den vergangenen Jahren verpasst hat. Doch seine Lehrerin ist nicht gerade hilfsbereit, und so muss er einen anderen Weg finden, um all das Wissen nachzuholen, das ihm aufgrund des verweigerten Unterrichts fehlt.

Asters Freundin Charlie hingegen muss feststellen, dass ihre Schulfreundinnen im Laufe des Sommers, in dem sie wegen ihres gebrochenen Beins nicht ins Ferienlager fahren konnte, neue Interessen entwickelt haben. Zum Glück gibt es die Mitschülerin Ariel, mit der sich Charlie auf Anhieb versteht, auch wenn diese sich manchmal etwas seltsam benimmt. So könnte es für Charlie und Aster – trotz all der Dinge, die sie in den vergangenen Wochen erlebt haben – eigentlich ganz gut laufen, wenn nicht auf einmal ein Fetch (eine Art böses Schattenwesen) auftauchen würde, um Charlie zu schaden, während sich Aster zeitgleich damit auseinandersetzen muss, dass seine Großmutter es sich in den Kopf gesetzt hat, ihrem Bruder zu helfen, sich von einem Monster wieder in einen Menschen zu verwandeln.

Auch nach diesem Band bleibt es dabei, dass ich die Geschichten rund um Aster und Charlie sehr mag. Die Moral der Geschichte wird zwar stellenweise etwas plakativ rübergebracht, aber das kann ich angesichts der vielen hübschen Details und der stimmigen Charaktere wirklich verzeihen. Ich mag Aster und Charlie und ihre Familie und kann sogar bei denjenigen Figuren, die mir nicht so sympathisch sind, verstehen, warum sie so handeln, wie sie es tun. Außerdem spricht mich diese Mischung aus lustigen, nachdenklichen und gefährlichen Momenten an, sowie die Art und Weise, in der sich die verschiedenen Figuren im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Auch wenn Aster und Charlie stellenweise etwas zu unbedarft auf Menschen zugehen, finde ich das angesichts der recht behüteten Umgebungen, in denen die beide aufgewachsen sind, immer noch stimmig. Und am Ende hat man als Leser das Gefühl, dass alles gut werden könnte, aber nicht unbedingt gut werden muss, weil die Charaktere zu realistisch ausgearbeitet wurden, um immer die richtige Entscheidung zu treffen.

Wie schon beim ersten Band habe ich nicht nur die Handlung an sich, sondern auch die schönen Zeichnungen genossen. Bei den verschiedenen Charakteren gibt es immer wieder schöne, ausdrucksstarke Momente, wenn es um Mimik und Gestik geht, und außerdem beweist die Zeichnerin ein gutes Händchen, wenn es um die kleinen Details geht, die eine Figur zu einem Individuum machen. Bei der Koloration greift Molly Knox Ostertag auf die Farbpaletten zurück, die schon den ersten Band beherschten, und so bekommt man als Betrachter gefällig und leicht wirkende Seiten für die heiteren und alltäglichen Szenen und düstere und kräftig gehaltene Panels für die Teile der Geschichte, in denen mächtige und nicht gerade wohlwollende Kräfte walten. Insgesamt gehören die „The Witch Boy“-Bände für mich definitiv zu den Wohlfühl-Comics, obwohl dort so einige Themen angesprochen werden, mit denen (nicht nur) Jugendliche zu kämpfen haben.

Marika McCoola/Emily Carroll: Baba Yaga’s Assistant (Comic)

„Baba Yaga’s Assistant“ von Marika McCoola ist kein Comic, der mich spontan angesprochen oder den ich mir selbst gekauft hätte, da mich die Zeichnungen von Emily Carroll nicht so sehr reizen. Da ich den Titel aber als Leihgabe im Haus habe und Comics gerade die richtige Art von Unterhaltung für mich zu sein scheinen, habe ich den Band in den letzten Tagen gelesen. Die Handlung dreht sich um Masha, die nach dem Tod ihrer Großmutter recht einsam ist. Ihre Mutter starb schon, als Masha sehr klein war, und da ihr Vater sich in seiner Trauer um seine Frau (und vergraben in seine Arbeit) nicht um seine Tochter kümmern konnte, hat die Großmutter Masha aufgezogen und ihr den notwendigen emotionalen Halt nach dem Verlust ihrer Mutter gegeben.

Doch nun scheint Masha ganz allein in der Welt zu stehen, denn nicht nur ist ihre Großmutter tot, sondern ihr Vater hat auch eine neue Frau kennengelernt, die er heiraten will. Dabei muss ich anmerken, dass die potenzielle Stiefmutter wirklich nett – wenn auch eindeutig überfordert mit ihrer eigenen kleinen Tochter – dargestellt wird, was auch Masha anerkennen kann. Aber die Tatsache, dass ihr Vater ihr nichts von dieser Frau erzählt hat, bis die Verlobung schon stand, und dass er sich regelmäßig die Zeit genommen hat, um mit seiner neuen Familie zu essen, während sie allein zu Hause war, verletzt das Mädchen so sehr, dass sie beschließt, ihr Heim zu verlassen und sich als Assistentin bei der Baba Yaga zu bewerben. Über die Baba Yaga gibt es viele Geschichten, und Masha hat sie alle von ihrer Großmutter gehört, die selbst eine Zeitlang bei der berühmen Hexe im Wald gelebt hat. Dass die Baba Yaga gerade jetzt eine Annonce geschaltet hat, in der sie eine neue Assistentin sucht, scheint für Masha wie ein Wink des Schicksals zu sein. Doch es ist für Masha nicht so einfach, all die Herausforderungen zu meistern, die die Baba Yaga für ihre potenzielle Assistentin bereithält.

Ich muss zugeben, dass ich mich im Laufe der Zeit an den Stil von Emily Carroll gewöhnt habe und auch anerkennen kann, dass sie in einigen Panels eine wirklich ausdrucksvolle Mimik und Gestik zeigt, aber so richtig warm geworden bin ich mit ihren Zeichnungen nicht. Die Geschichte hingegen, die Marika McCoola mit diesem Comic erzählt, fand ich sehr süß. Auf der einen Seite verweist sie immer wieder auf verschiedene klassische Märchen rund um die Baba Yaga, auf der anderen Seite zeigt sie eine Facette dieser unheimlichen Hexe, die überraschend sympathisch ist. Und je mehr Mühe sich Masha mit der Bewältigung ihrer „Aufnahmeprüfungen“ geben muss, desto mehr wächst das Mädchen an ihren Herausforderungen. Am Ende gibt es sogar eine Art Versöhnung mit ihrem Vater, wobei ich finde, dass dieser viel zu leicht aus der ganzen Sache herauskommt. Dass er viele Jahre lang seine Tochter vernachlässigt hat, dass er sich mit seiner potentiellen neuen Familie deutlich mehr Mühe gibt als mit dem Mädchen, das gerade erst seine Großmutter verloren hat, all das ist eigentlich gar kein Thema mehr. Das zieht eine ansonsten süße Geschichte leider etwas runter.

 

Shannon Hale/Dean Hale/Victoria Ying: Diana – Princess of the Amazons (Comic)

Auf „Diana – Princess of the Amazons“ bin ich aufmerksam geworden, weil die Zeichnerin Victoria Ying an dem Comic beteiligt ist und ich ihre Illustrationen für das Spiel „Bargain Quest“ sehr mag. Der Comic wurde von Shannon Hale und Dean Hale geschrieben, von Victoria Ying gezeichnet und von Lark Pien koloriert. Zu Beginn der Geschichte ist Diana ziemlich allein, sie ist zu alt, um noch ständig von ihrer Mutter und all den Tanten im Auge be- und unterhalten zu werden, und zu jung, um mit den anderen Amazonen zu trainieren und zu arbeiten. Sie langweilt sich schrecklich und es gibt niemanden auf der Insel, der in ihrem Alter ist und mit ihr Sachen unternehmen könnte. In ihrer Einsamkeit formt Diana ein Mädchen aus Lehm und haucht ihr Leben ein, um endlich eine Freundin zu haben. Doch so schön es ist, mit Mona – so nennt Diana ihre neue Freundin – über die Insel zu stromern und endlich gemeinsam Sachen zu erleben: Mona scheint eine boshafte Seite zu haben, die Diana Unbehagen bereitet. Trotzdem lässt sie sich von ihr zu gefährlichen Aktionen überreden, nur um dann mit den Folgen ihrer eigenen Tat fertig werden zu müssen.

Ich mochte sehr, wie die Handlung sich langsam entwickelt, wie anfangs gezeigt wird, wieso sich Diana so einsam fühlt und wie sich ihr Leben (erst einmal zum Besseren) verändert, als sie endlich eine „gleichaltrige“ Freundin hat. Auch wenn schon früh klar wird, dass Monas Moralempfinden nicht dem von Diana gerecht wird, ist es verständlich, dass Diana lange Zeit darüber hinwegsieht. Erst als Mona und Diana mit ihren gemeinsamen Taten die gesamte Insel der Amazonen in Gefahr bringen, muss Diana sich gegen ihre Freundin stellen und Verantwortung für ihre Taten übernehmen. Dieser Comic ist für eine recht junge Zielgruppe (ab 6 Jahren, würde ich sagen) gedacht, aber ich hatte wirklich viel Freude beim Lesen. Diana ist eine sympathische Protagonistin, und ihre Gefühle und Handlungen sind nachvollziehbar dargestellt, auch wenn für den Leser von Anfang an klar ist, dass sie sich irgendwann gegen Mona und ihre boshafte Seite stellen muss. Ihr Wohlergehen hat mich berührt, sie tat mir in ihrer Einsamkeit leid, ich fand es wunderbar zu sehen, wie Diana die Gesellschaft ihrer neuen Freundin genießt und ich war stolz auf sie, als sie sich am Ende entscheidet, sich den Folgen ihrer Taten zu stellen.

Dass ich die Zeichnungen von Victoria Ying grundsätzlich mag, sagte ich ja schon, und auch hier habe ich ihren Stil sehr genossen. Gestik und Mimik der verschiedenen Figuren finde ich wunderbar aussagekräftig und die ganzen Tiere, die in der Geschichte vorkommen, sind einfach nur bezaubernd. Doch vor allem mag ich den Humor und das Tempo in ihren Zeichnungen. Die Kolorationen von Lark Pien sind da die perfekte Ergänzung. Die leuchtenden, aber nicht zu grellen Farben erzeugen eine heitere Atmosphäre, ohne dass man dabei als Betrachter die Bedrohungen, die der Insel durch Dianas und Monas Taten bevorstehen, nicht ernstnehmen würde. Insgesamt bin ich überraschend glücklich mit „Diana – Princess of the Amazons“ und freu mich sehr darüber, dass ich diesen Comic durchgehend genießen konnte.

Ngozi Ukazu: Check, Please! 1 – #Hockey (Comic)

„Check, Please! 1 – #Hockey“ von Ngozi Ukazu ist der erste Sammelband, in dem der Online-Comic der Zeichnerin und Autorin in gedruckter Form veröffentlicht wurde. Ich muss zugeben, dass ich die Online-Veröffentlichung nicht verfolgt habe, auch wenn mir immer wieder positive Erwähnungen des Comics untergekommen sind. Als dann aber der Sammelband erschien, habe ich ihn direkt auf meine Merkliste gesetzt (und inzwischen ist auch der zweite Teil mit dem Titel „Sticks and Scones“ beim Comichändler vorbestellt). Der Titel beinhaltet viele kurze Episoden rund um Eric „Bitty“ Brittle, der zu Beginn des Comics gerade sein erstes Semster an der Samwell University angetreten hat. Eric hat aufgrund seiner Wendigkeit und Schnelligkeit auf dem Eis ein Eishockey-Stipendium erhalten, und obwohl seine bisherigen Erfahrungen mit diesem Sport nicht gerade positiv waren, ist er wild entschlossen, sein Bestes zu geben, da er nur so sein Studium finanzieren kann.

Ich bin ganz verliebt in die Grundidee, dass ein eher zierlich wirkender junger Mann, der in der Vergangenheit als Eiskunstläufer erfolgreich war, nun für ein Stipendium alles für einen Sport gibt, vor dem er eigentlich Angst hat. Eric ist wunderbar enthusiastisch, seine größte Leidenschaft gilt dem Backen, und als Leser bekommt man über seinen Vlog seine Erlebnisse vom Einzug in sein Studentenzimmer bis zum Ende des zweiten Studienjahrs erzählt. Neben Eric spielt natürlich auch noch das Samwell-Eishockey-Team eine große Rolle. Ich mag es sehr, wie verschieden die Spieler sind, die man als Leser besser kennenlernt, und wie sie alle miteinander umgehen. Einen wichtigen Teil in der Geschichte nimmt vor allem Jack Zimmermann ein, der nicht nur der Captain der Mannschaft ist, sondern sich auch vorgenommen hat, Eric von seiner Angst vor Bodychecks zu befreien. Allerdings sorgen Jacks Trainingsmethoden anfangs vor allem dafür, dass Eric ein eher zwiespältiges Verhältnis zu seinem Captain aufbaut, wobei es Ngozi Ukazu gelingt, dass man als Leser trotz Erics Gefühlen Jack recht früh ins Herz schließt und ihm – ebenso wie dem Rest des Teams – alles Gute wünscht.

Denn natürlich dreht sich nicht alles im Leben dieser vielen verschiedenen Studenten um Eishockey, dafür bietet so eine Studienzeit viel zu viele Herausforderungen. Wobei einige dieser Herausforderungen darin bestehen können, dass man die wohlmeindende Unterstützung seiner Freunde überlebt, während andere sich um Elemente wie Erwachsenwerden, Verliebtsein und … ähm … WG-Hygiene drehen können. 😉 Dafür, dass „Check, Please!“ eindeutig ein Comic ist, der mit all seinen amüsanten Episoden für gute Laune beim Lesen sorgt, spricht die Autorin überraschend viele schwierige Themen in der Geschichte an. Die Erwartungen, denen Spitzensportler ausgesetzt sind, sind dabei ebenso ein Thema wie der Druck, den Väter auf ihre sportlichen Söhne ausüben können. Und obwohl Erics Homosexualität für ihn grundsätzlich kein Problem ist, schwingt immer wieder mit, dass es für einen Jungen, der in einer Kleinstadt im Süden der USA aufgewachsen ist, nicht so einfach ist, diese Seite seiner Persönlichkeit offen auszuleben. Umso schöner ist es, von Erics Erlebnissen während der Studienzeit zu lesen und wie er dort das Gefühl hat, ganz er selbst sein zu können und – trotz seiner diversen Eigenarten – auch genauso von seinen Freunden gemocht zu werden.

Die Zeichnungen von Ngozi Ukazu sind recht klar und einfach gehalten, aber sehr charmant und atmosphärisch. Gerade Erics lebhaftes Wesen kommt wunderbar in den einzelnen Darstellungen rüber, aber auch die weniger enthusiastischen Charaktere überzeugen mit ihrer Gestik und Mimik. Bei ihrer Farbpalette beschränkt sich die Zeichnerin in der Regel auf gedeckte Erdtöne, was ich persönlich sehr angenehm finde. Insgesamt bin ich mit diesem Comic wirklich rundum glücklich. Ich habe die verschiedenen Figuren ins Herz geschlossen, ich habe mich großartig über die verschiedenen Erlebnisse, die Eric mit seinen Teamkameraden hat, amüsiert, und wenn ich den Comic in der Hand hatte, konnte ich ihn nur schwer aus der Hand legen, weil ich nur noch eben eine weiter Episode lesen musste. Ich freu mich sehr darüber, dass ich schon in wenigen Wochen den nächsten Band rund um Eric und das Samwell-Eishockey-Team in den Händen halten werde.

K. O’Neill: Princess Princess Ever After (Comic)

„Princess Princess Ever After“ von K. O’Neill ist ein zuckersüßer Comic über zwei Prinzessinnen, die sich gegenseitig „retten“, und mein größter Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass sie mit gut fünfzig Seiten einfach viel zu kurz ist. 😉 Entstanden ist „Princess Princess Ever After“ aus einem Online-Comic und ich vermute, dass das der Grund ist, warum die einzelnen Episoden, die die beiden Prinzessinnen erleben, relativ kurz sind. Diese Kürze ändert aber nichts daran, dass K. O’Neill eine süße und amüsante Geschichte über zwei junge Frauen erzählt, die auf ihre ganz eigene Weise einen Weg in der Welt finden müssen und sich gegenseitig dabei unterstützen.

Zu Beginn des Comics lebte Sadie – wie es sich für eine Prinzessin in Nöten gehört – eingesperrt in einen Turm, wo sie von einem (ziemlich süßen) Drachen bewacht wird. Die blonde Prinzessin scheint anfangs nicht allzu entzückt davon zu sein, dass schon wieder jemand gekommen ist, um sie zu retten. Doch dem Enthusiasmus von Prinzessin Amira und ihrem Plätzchen-liebenden Einhorn kann auch Sadie nicht widerstehen, und so machen sich die beiden jungen Frauen wenig später gemeinsam auf den Weg, um Amiras Mission fortzuführen und Personen zu finden, die Hilfe benötigen könnten. Auf ihrer Reise stolpern die beiden über einen Oger, der ein Dorf zerstört, einen Prinzen in Schwierigkeiten und eine böse Zaubererin und werden in der Regel auf ganz eigene Art mit all diesen Herausforderungen fertig.

Ich fand es lustig zu verfolgen, wie Amira, die wild entschlossen ist zu beweisen, dass eine Prinzessin ebenso gut (wenn nicht besser) wie ein Prinz heroische Taten vollbringen kann, auf traditionelle Weise an ein Problem heranging. Sadie hingegen ist nicht nur sehr freundlich, sondern denkt auch außerhalb der gewohnten Bahnen und zeigt Amira so immer wieder, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, um auf eine Herausforderung zu reagieren. Auf der anderen Seite hat Sadie keine besonders hohe Meinung von sich selbst, während Amira keinerlei Fehler an Sadie finden kann (wenn man von ihrer fehlenden Musikalität absieht). Auch Prinz Vladric findet durch die Bekanntschaft mit den beiden Prinzessinnen den Mut, sein Leben so zu führen, wie er es möchte, statt den Erwartungen der Gesellschaft (und seines Vaters) nachzugeben.

Im Laufe des Comics erfährt man auch ein wenig über die Gründe, die dazu geführt haben, dass Sadie so wenig Selbstvertrauen hat und dass Amira so wild entschlossen ist, ihren Weg in der Welt zu finden, ohne dass ein Prinz sie beschützt. Da ich diese beiden Charaktere so toll finde, ist es umso bedauerlicher, dass Prinz Vladric die ganze Zeit von Amira nur „Butthead“ genannt wird. Amira ist eindeutig der bessere „Prinz“ von den beiden, aber das ist für mich keine ausreichende Entschuldigung, um jemanden zu verspotten, der den gesellschaftlichen Erwartungen genauso wenig entspricht wie sie selber. Von diesem Punkt abgesehen beweist K. O’Neill bei den verschiedensten Themen ein wunderbares Fingerspitzengefühl, zum Beispiel wenn es um die Beziehung zwischen Sadie und Amira geht, um die Erwartungen der Gesellschaft an Prinzessinnen und Prinzen oder um die systematische Untergrabung von Sadies Selbstbewusstsein durch ein Familienmitglied.

Auch die Zeichnungen (inklusive Kolorierung) haben mir gut gefallen. K. O’Neills Stil ist einfach, aber ausdrucksstark, und die Atmosphäre der verschiedenen Szenen wird durch die – mal heitere, mal düstere – Farbgebung sehr schön betont. Ich mochte auch den Humor in der Geschichte und die unerwarteten Wendungen, die die Handlung immer wieder nahm. Am Ende finde ich es einerseits schade, dass es so lange gedauert hat, bis ich den Comic endlich gelesen habe, und freue mich anderseits darüber, dass es schon ein paar weitere Veröffentlichungen von K. O’Neill auf den Markt gibt, die natürlich prompt auf den Wunschzettel gewandert sind. Ich denke, als nächstes werde ich mir „The Tea Dragon Society“ gönnen – und sei es nur, weil ich den Titel so nett finde.

Victoria Jamieson: Roller Girl (Comic)

Wenn ich mich recht erinnere, dann bin ich bei Twitter über „Roller Girl“ von Victoria Jamieson gestolpert, und da ich inzwischen mit großem Vergnügen die Bouts der hiesigen Roller-Derby-Mannschaft verfolge und bislang viel Spaß mit Comics zu dem Thema hatte, musste ich den Titel natürlich auch haben. Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht der zwölfjährigen Astrid Vasquez, die zusammen mit ihrer besten Freundin Nicole von ihrer Mutter zu einem Roller-Derby-Spiel mitgenommen wurde. Mrs. Vasquez macht solche „kulturellen Bildungsausflüge“ regelmäßig mit den beiden Mädchen, doch während Astrid und Nicole die Gedichtvorträge, Museums- und Opernbesuche nicht ganz so zu würdigen wussten, ist Astrid bei ihrem ersten Roller-Derby-Spiel (Bout) gleich Feuer und Flamme.

Astrid ist sogar so begeistert von dem Sport, dass sie sich kurz darauf zu einem Roller-Derby-Sommer-Camp anmeldet – und dabei davon ausgeht, dass ihre beste Freundin Nicole ebenfalls mit dabeisein wird. Doch Nicole hat schon andere Pläne für den Sommer und diese beinhalten nicht Roller Derby, sondern ein Ballett-Camp, an dem auch Astrids Erzfeindin Rachel teilnehmen wird. So muss sich Astrid nicht nur ganz allein dem Abenteuer „Roller-Derby-Camp“ stellen, sondern auch feststellen, dass sich ihre langjährige Freundschaft zu Nicole auf einmal total verändert hat. Und weil sie sich nicht traut, ihrer Mutter von all den Dingen zu erzählen, baut sich über den Sommer eine Lüge nach der anderen auf, was Astrid immer wieder in Schwierigkeiten bringt.

Es gab viele Elemente, die ich an Astrid beim Lesen mochte. Das Mädchen ist begeisterungsfähig und beweist während des herausfordernden Roller-Derby-Camps Durchhaltevermögen. Auf der anderne Seite ist sie ihren Freundinnen gegenüber häufig ziemlich unsensibel und egoistisch, ohne zu merken, dass nicht jeder Mensch ihre Prioritäten teilt oder dass jemand anderer vielleicht auch mal Unterstützung und ein offenes Ohr benötigt. Umso schöner war es, im Laufe des Comics zu verfolgen, wie sehr Astrid sich im Laufe des Sommers entwickelte und mit welcher Hingabe sie sich dem Roller Derby zuwandte. Auch mochte ich die vielen lustigen Momente, die sich unter anderem aus Astrids kleinen Lügen ergaben. Dabei rechne ich es Victoria Jamieson hoch an, dass ich diese Szenen wirklich amüsant fand, statt Fremdscham zu empfinden, was bei mir sonst sehr schnell der Fall ist. So wurde Astrid gerade durch ihre Fehler und ihre Hilflosigkeit gegenüber dem veränderten Verhalten ihrer Freundin Nicole für mich zu einem realistischen und liebenswerten Charakter, deren Sommer im Roller-Derby-Camp ich gern verfolgt habe.

Sehr schön fand ich auch den Roller-Derby-Anteil in der Geschichte. Da hatte ich das Gefühl, dass dieser Teil sehr davon profitiert hat, dass die Autorin selbst auch spielt. So wurden die verschiedenen Regeln, die beim Roller Derby gelten, sehr schön in die Geschichte eingeflocheten, so dass jemand, der sich mit dem Thema nicht auskennt, nachvollziehen kann, was bei einem Bout so passiert, während Roller-Derby-vertraute Leser nicht das Gefühl bekommen, hier würde lehrbuchmäßig über Selbstverständlichkeiten doziert. Mir hat es auch gefallen, dass für Astrid dieser Sport nicht einfach zu lernen war und dass sie am Ende trotz aller Übungen immer noch keine besonders gute Spielerin war und sie trotzdem großen Spaß beim Roller Derby hat. Außerdem mochte ich das Zusammenspiel zwischen den Teilnehmerinnen des Camps sehr gern in dieser Geschichte. Es gibt Freundschaften und Rivalitäten, Neid und all die anderen Gefühle, die zwischen Menschen in einer Gruppe nun einmal so herrschen, aber am Ende ist es für Astrid und die anderen vor allem wichtig, dass sie als Team zusammenspielen, und dafür unterstützen sie sich trotz aller Unterschiede gegenseitig.

Nicht  nur die Handlung, sondern auch die Zeichnungen von Victoria Jamieson haben mir gut gefallen. Obwohl ich ihren Stil stellenweise etwas schlicht finde, mochte ich die Lebendigkeit der Darstellungen, wie abwechslungsreich die verschiedenen Charaktere gezeichnet waren und die in der Regel fröhliche Farbgebung, die die verschiedenen Szenen stimmig untermalt. Und während ich überzogene Mimik und Gestik häufig nicht so schön finde, fand ich diese Szenen in „Roller Girl“ angesichts Astrids teilweise extremer (pubertärer) Gefühlsausbrüche überraschend angemessen. Alles in allem hat mir dieser Comic so gut gefallen, dass ich mir gleich nach dem Lesen angeschaut habe, was Victoria Jamieson sonst noch so veröffentlich hat, und nun sitzt ihr Comic „All’s Faire in Middle School“ ganz oben auf der Merkliste.

Molly Knox Ostertag: The Witch Boy (Comic)

Den Comic „The Witch Boy“ von Molly Knox Ostertag hatte ich schon seit einiger Zeit auf dem Wunschzettel, bis mein Vater ihn mir im November zum Geburtstag schenkte. Wie immer, wenn ich so viele Neuzugänge auf einmal bekomme, hat es etwas gedauert, bis ich das Lesen des Comics auf die Reihe bekam – dafür habe ich die Geschichte dann umso mehr genossen. „The Witch Boy“ erzählt von dem dreizehnjährigen Aster, der in einer Familie aufwächst, in der jedes weibliche Wesen eine Hexe ist und jedes männliche Wesen ein Gestaltwandler. Doch Aster verspürt keinen Drang, sich zu verwandeln, und ist stattdessen von klein auf von der Magie der Hexen fasziniert. So meidet er die gröberen Spiele mit den anderen Jungen und verbringt seinen Tag lieber damit, hinter den Mädchen herzuspionieren, um so viel wie möglich von ihrem Zauber-Unterricht aufschnappen zu können.

Seine Familie tut alles, um Aster von der Hexenmagie fernzuhalten, damit aus dem Jungen nicht so ein schrecklicher Mensch wird wie aus seinem Großonkel, dessen Interesse an Hexerei ihn in ein Ungeheuer verwandelt hat. Verständnis für seine ungewöhnlichen Interessen findet Aster nur bei seiner neuen Freundin Charlie, die er kennenlernt, als er in seinem Kummer den geschützten Bereich der magischen Gemeinschaft verlässt und durch einen angrenzenden Vorort wandert. Da Charlie keinerlei Erfahrungen mit Magie hat, kann sie unvoreingenommen mit dem Thema umgehen, und da sie selbst – trotz ihrer großen Sportlichkeit – deutlich weniger Chancen im Sport bekommt als gleichaltrige Jungen, kann sie nur zu gut nachvollziehen, wie es Aster geht. So ist es Charlie, die ihn unterstützt, als Asters Cousins verschwinden und er mit Magie nach ihnen suchen will.

Mir hat bei „The Witch Boy“ gut gefallen, wie Molly Knox Ostertag auf der einen Seite in ihrer Geschichte zeigt, dass Asters Familienangehörige wenig Verständnis für sein Interesse an der Hexerei haben, sie auf der anderen Seite den Jungen aber wirklich lieben und ihm helfen wollen, ein Talent fürs Gestaltwandeln zu entwickeln. Gerade seine Eltern sind sehr liebevoll und unterstützen Aster nur deshalb nicht, weil sie Angst haben, dass ihm das Gleiche wiederfährt wie seinem Großonkel. Charlie hingegen akzeptiert ihn so, wie er ist, und nimmt es auch gelassen hin, dass er aus einer ungewöhnlichen Familie kommt (und dass es in seinem Leben Magie gibt). Erschreckenderweise habe ich das Gefühl, ich müsste hier betonen, dass zwischen Aster und Charlie „nur“ Freundschaft besteht – vielleicht weil ich in diversen englischsprachigen Kommentaren zu dem Comic Fragen nach Asters Sexualität oder zu einer romantischen Entwicklung zwischen den beiden gelesen habe. Dass beides so gar kein Thema in dieser Geschichte ist, finde ich besonders angenehm, denn so kann keine sogenannte Liebesgeschichte von dem eigentlichen Kern des Comics ablenken.

Auch die Zeichnungen haben mir bei „The Witch Boy“ gut gefallen. Die Figuren sind wunderbar individuell gestaltet und strotzen nur so vor lauter kleinen Details, die ihnen nur noch mehr Charakter verleihen. Besonders schön fand ich, dass Asters Familie aus sehr unterschiedlichen Menschen (Hautfarben, Körperformen, Neigungen) besteht und wie gut Molly Knox Ostertag es gelungen ist, dies alles in ihren Darstellungen zu transportieren. So wird bei Asters Cousins zum Beispiel in nur wenigen Panels anhand von Gestik und Mimik deutlich, wer von ihnen dazu neigt, Aster wegen seines Verhaltens zu hänseln, und wer zugunsten des gemeinsamen Ziels auf diplomatische Weise die Rolle des Anführers übernimmt. Dazu passt die Koloration, die anfangs sehr gefällig und leicht wirkt (ohne pastellig zu sein) und im Laufe der dramatischen Entwicklungen in der Handlung immer kräftiger und dominanter wird. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass es schon eine Fortsetzung zu „The Witch Boy“ gibt (und ein dritter Band schon angekündigt wurde).

Hope Larson und Brittney Williams: Goldie Vance Vol. 1 (Comic)

„Goldie Vance“ hatte mir mein Mann schon vor längerer Zeit unter die Nase gehalten, als er die Reihe im Comic-Katalog entdeckte, aber die Beschreibung hatte mich damals nicht so sehr gereizt. Trotzdem ist mir der Comic immer wieder über den Weg gelaufen, und je mehr ich darüber erfuhr, desto neugieriger wurde ich. Den letzten Ausschlag gab dann Rikes Meinung zu der Comicreihe. Der Comic dreht sich um die Erlebnisse der sechzehnjährigen Marigold „Goldie“ Vance, die für den Parkservice des „Crossed Palms Resort“ arbeitet. Das „Crossed Palms Resort“ ist ein Hotel in dem fiktiven Ort St. Pascal in Florida, das von Goldies Vater Arthur Vance geleitet wird, und das nicht nur über diverse Angebote zur Entspannung der Gäste, sondern mit Walter Tooey auch über seinen eigenen Hoteldetektiv verfügt.

Als selbsternannte Assistentin von Walter Tooey kann Goldie ihrer eigentlichen Leidenschaft nachgehen und einen – mehr oder weniger skurrilen – Fall nach dem anderen lösen. Dabei wird sie von Walter nur toleriert, auch wenn er zugeben muss, dass sie ihm regelmäßig die Lösung seiner Fälle auf dem Tablett serviert, während er noch nach dem richtigen Weg für den Start seiner Ermittlungen sucht. Ein Grund, warum Goldie so erfolgreich als Detektivin ist, liegt darin, dass sie nicht nur im Hotel, sondern auch im Ort gut vernetzt ist und so von allen Seiten Informationen erhält, die ihr weiterhelfen. Im Hotel steht ihr vor allem ihre Freundin Cheryl Lebeaux zur Seite, die nicht nur für den Empfang der Gäste verantwortlich ist, sondern heimlich von einer Karriere als Astronautin träumt.

Insgesamt ist der Ton in dem Comic sehr locker und amüsant, aber regelmäßig lässt Hope Larson als Autorin der Geschichten auch ernste Themen durchblitzen, wie zum Beispiel bei einem Moment zwischen Goldie und ihrer Mutter, als das Mädchen seine Mutter fragt, wie denn ihr neuer Verehrer auf die Tatsache reagiert habe, dass ihre Tochter nicht weiß sei. Doch solche Elemente blitzen nur kurz zwischen all den seltsamen und witzigen Fällen auf, mit denen sich Goldie konfrontiert sieht. Dabei ist Goldie bei ihren Ermittlungen so auf ihr Ziel fokussiert, dass sie nicht immer wählerisch bei den Wegen ist, die sie geht, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. So ist es kein Wunder, dass sich das Mädchen im Laufe des ersten Bandes nicht nur mit einem eigentlich harmlosen Dieb, feindlichen Agenten und einer geheimnisvollen Organisation herumschlagen muss, sondern auch ihren Vater in ernsthafte Schwierigkeiten bringt.

Ich habe Goldies Abenteuer mitsamt den ganzen abwegigen Elementen wirklich genossen und konnte dabei gut darüber hinwegsehen, dass nicht jede Entwicklung in der Handlung logisch und glaubwürdig war. Auch mochte ich die vielen verschiedenen Freunde und Verbündeten, denen Goldie im Laufe der Geschichte begegnet. Wobei es angesichts der vielen sympathischen und stimmigen Charaktere umso bedauerlicher ist, dass Goldies Gegenspielerin Sugar Marple schrecklich klischeehaft als herzlose, reiche, weiße Zicke dargestellt wird, aber vielleicht ändert sich das ja noch in den folgenden Bänden (auch wenn ich ehrlich gesagt nicht damit rechne).

Die Zeichnungen von Brittney Williams sind wunderbar dynamisch und sehr gefällig anzuschauen. Der Zeichnerin gelingt es sehr schön, die verschiedenen Stimmungen einzufangen, egal, ob die jeweilige Szene einen nachdenklichen Moment, ein entspanntes Zusammentreffen mit Freunden oder eine Autoverfolgungsjagd zeigt. Ergänzt werden die Zeichnungen durch die Farbgebung von Sarah Stern, die ein stimmiges 60er-Jahre-Feeling vermittelt, ohne es dabei zu sehr mit den Pastelltönen zu übertreiben, und stattdessen immer wieder zu dunkleren Farben greift, die den jeweiligen Szenen eine realistischere (und ernsthaftere) Atmosphäre verleiht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich die Geschichte und die Charaktere nach diesem abgedrehten Start in den weiteren Bänden noch entwickeln und freue mich darüber, dass ich noch ein paar Bände mit „Goldie Vance“ vor mir habe.

Leah Moore/John Reppion/Sally Jane Thompson: Conspiracy of Ravens (Comic)

Vor einiger Zeit war ich über eine Ankündigung zu diesem Comic gestolpert, und da der Klappentext gut klang, habe ich den Titel bei unserem Comic-Händler bestellt. Als er dann mit der Oktober-Lieferung bei uns eintraf, habe ich erst einmal nur einen kurzen Blick auf die Zeichnungen von „Conspiracy of Ravens“ werfen wollen und bin prompt bei der Geschichte hängengeblieben. Die Grundidee entstand, nachdem Sally Jane Thompson (die Zeichnerin des Comics) online eine Zeichnung verloste und der Gewinner (John Reppion) sich etwas „Viktorianisches mit Rabenvögeln“ wünschte. Aus der ersten Skizze entstand eine Geschichte rund um Anne, die ein magisches Erbe antritt, und deshalb gemeinsam mit einigen anderen Mädchen ganz ungewöhnliche Fähigkeiten entwickelt.

Es gab eine Menge, was ich an dem Comic mochte. Die Zeichnungen von Sally Jane Thompson sind relativ schlicht und ausschließlich in schwarz, weiß und blau gehalten, aber gerade deshalb passen sie sehr gut zur Geschichte und zur Atmosphäre von „Conspiracy of Ravens“. Auch die Figuren mochte ich gern, von der sympathischen Anne, die vor allem damit zu kämpfen hat, dass ihre geschiedenen Eltern ihr nicht zuhören, über ihre kluge Freundin Binky, das einzigartige Hausmädchen Eve, das schon für Annes verstorbene Großtante gearbeitet hat, bis zur kämpferischen Jenny. Es gibt so viele Elemente in der Geschichte, die ich wirklich mochte. Es war schön mitzuerleben, wie Anne erfährt, dass sie die Erbin ihrer verstorbenen Großtante ist, wie sie das alte Gebäude besichtigt und nach und nach die Geheimnisse, die damit verbunden sind, aufdeckt.

Ich fand es spannend, wie sie – dank der Recherchefähigkeiten von Binky – mehr über die Frauen erfährt, mit denen ihre Großtante zusammengearbeitet hat, und deren Nachfahren aufspürt. Dabei steht von Anfang an fest, dass es mindestens eine Person gibt, die unbedingt verhindern will, dass Anne ihr Erbe antritt, was zu ein paar fantastischen und gruseligen Szenen führt. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto hastiger und unstimmiger wird dieser Part in meinen Augen erzählt, genauso wie spätere Figuren nicht gerade gründlich eingeführt werden. Irgendwann hatte ich einen Punkt erreicht, wo ich zurückblättern und noch einmal nachlesen musste, was es denn mit einem der Charaktere wohl auf sich hat. Ich bin eigentlich sonst ganz gut darin, solche „Erzähllücken“ bei Comics selbst zu füllen, aber hier hat es mich irritiert, weil auf einmal wichtige Elemente so überhastet dargestellt wurden, dass sie sich nicht mehr richtig anfühlten. Da wäre es schöner gewesen, wenn der Comic mehr Seiten – und somit mehr Raum für die Handlung – gehabt hätte, oder wenn auf die eine oder andere zusätzliche Wendung verzichtet worden wäre, um dafür die restliche Geschichte etwas stimmiger zu erzählen.

Trotz dieser Kritikpunkte mochte ich „Conspiracy of Ravens“ sehr. Es ist eine niedliche Geschichte rund um ein paar Mädchen, die gemeinsam eine Aufgabe erfüllen und langfristig gute Freundinnen werden können und deren Leben dank Annes Erbe in Zukunft wohl sehr spannend sein wird. Ich mochte die Grundidee, mir waren die Charaktere sympathisch (weshalb ich wirklich gern noch mehr über sie erfahren hätte) und ich fand die Vorstellung von einem Haus wie Ravenhall inklusive all der damit verbundenen Geheimnisse toll. Ich habe definitiv eine Schwäche für Geschichten, in denen es um starke Frauenfiguren, Magie und Automaten geht. Allerdings wäre der Comic noch besser gewesen, wenn all diese Elemente ihren angemessenen Anteil bekommen hätten und in einem passenderen Tempo aufgegriffen worden wären.