Nachdem mir die „The Nameless City“-Comics von Faith Erin Hicks so gut gefallen hatten, hatte ich mir im vergangenen Jahr zu Weihnachten „Hockey Girl Loves Drama Boy“ gewünscht. Die Handlung dreht sich um Alix und Ezra, die beide auf dieselbe kanadische Highschool gehen. Während Ezra im Theaterclub aktiv ist, gehört Alix zum erfolgreichen Eishockey-Team der Schule. Zu Beginn der Geschichte gerät Alix in Schwierigkeiten, als sie Lindsay, die Kapitänin ihres Teams, angreift, nachdem diese sie zum wiederholten Male vor den Augen ihrer Mitspielerinnen verbal fertiggemacht hat. Als sie am nächsten Tag in der Schule mitbekommt, wie Ezra überraschend lässig und schlagfertig auf den homofeindlichen Mobbingversuch eines Mitschüler reagiert, hofft Alix, dass er ihr beibringen kann, weniger aggressiv mit Lindsays Lästereien umzugehen.
Ich mochte es sehr mitzuverfolgen, wie Alix und Ezra sich immer besser kennenlernen, wie sie sich über persönliche Dinge unterhalten und sich Mühe geben, füreinander da zu sein. Dabei spricht Faith Erin Hicks viele verschiedene Themen an, angefangen bei Ezras Aussage „I’m attracted to lots of different people, not just guys“ über Alix‘ Probleme mit ihren (geschiedenen) Eltern und ihrer Überzeugung, dass sie keinerlei Fähigkeiten außer Eishockey spielen hat, bis zu traumatischen Erlebnissen in Ezras Vergangenheit. Sowohl Alix als auch Ezra – der nur zu Beginn ein bisschen zu perfekt wirkt – sind Charaktere, die sich für mich wie realistische Teenager angefühlt haben. Gerade Alix mit all ihren Unsicherheiten, ihren Temperamentausbrüchen und den vielen unbeantworteten Fragen konnte mich überzeugen. Aber ich fand auch Ezra glaubwürdig in seinen Bemühungen, sich aufmerksam und respektvoll zu verhalten, nur um dann festzustellen, dass er trotzdem Menschen verletzt, die ihm am Herzen liegen.
Die Zeichnungen von Faith Erin Hicks sind auch in diesem Comic wieder geprägt von sehr harten Outlines und ebenso hart schraffierten Schatten, was ich normalerweise nicht so ansprechend finde, was aber bei dieser Künstlerin inzwischen für mich funktioniert. Wirklich beeindruckend fand ich die Dynamik in den Eishockey-Szenen, die einen wirklich hervorragenden Eindruck von der Schnelligkeit (und Härte) des Spiels vermittelten. Aber mir gefielen auch die vielen ruhigeren Zeichnungen, in denen sich Alix und Ezra miteinander oder mit anderen Personen unterhalten haben und in denen sehr viel über Gestik und Mimik erzählt wurde. Bei diesen Szenen fand ich es auch immer wieder beeindruckend, auf wie viele kleine Dinge Faith Erin Hicks bei ihren Zeichnungen achtet, so dass es selbst in den – auf den ersten Blick – eher übersichtlicheren Panels immer wieder liebevolle Details rund um die Charaktere zu entdecken gibt.
Noch ein Hinweis zu „Hockey Girl Loves Drama Boy“: Es gibt zwei verschiedene Taschenbuchausgaben des Comics! Einmal eine US-Ausgabe, die mit dem Verlagsnamen „St. Martin’s Press“ veröffentlicht wurde, und dann eine UK-Ausgabe, die unter „Macmillan“ veröffentlicht wurde (St. Martin’s Press gehört zur Macmillan Verlagsgruppe). Da mir nicht bewusst war, dass es Unterschiede zwischen den Ausgaben gibt, hatte ich die Ausgabe von Macmillan auf meinen Wunschzettel gesetzt. Aber bei diesem Taschenbuch sind die Zeichnungen nur schwarz-weiß(-grau) gehalten, während die Zeichnungen in der US-Version blaue Akzente aufweisen. Ich finde es nicht schlimm, dass ich die „farblosere“ Variante habe, aber wenn ich vorher von diesem Unterschied gewusst hätte, hätte ich mir die lebhafter wirkende US-Ausgabe gewünscht.
