Schlagwort: Leseeindrücke

Leseeindrücke – Die „Cozy“-Variante (2)

Nachdem ich im Juni meine Eindrücke zu den ersten fünf Romanen von „Sleuthing Women – 10 First-in-Series Mysteries“ veröffentlicht hatte, gibt es hier meine Anmerkungen zu den restlichen Geschichten aus dem Bundle.

6. Susan Santangelo: Retirement Can Be Murder (A Baby Boomer Mystery 1)

Was für eine öde Geschichte! Die Protagonistin Carol befürchtet, dass ihr Mann Jim vorzeitig in den Ruhestand gehen will und dann ihren Tagesablauf stören würde, weshalb sie ihn dazu bringt, zu einem „Retirement Coach“ zu gehen. Dummerweise wird dieser Coach dann ermordet und ihr Mann steht (angeblich) als Hauptverdächtiger da. Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, ob er wirklich verdächtigt wird oder ob nur seine Frau befürchtet, dass dem so ist. Ich habe den Roman abgebrochen, nachdem ich neun Kapitel durchgehalten habe von dem ersten Absatz mit „ein Mord ist passiert“ über „das geschah in den Wochen davor“ bis „ein Mord ist passiert und mein Mann benimmt sich nicht so, wie ich das erwarte“.

Als auch im zehnten Kapitel nichts anderes passierte, als dass Carol über ihren Mann meckerte und Jim Carol ständig erzählte, dass sie keine Ahnung habe, alles überdramatisieren würde und überhaupt doof sei (nicht wortwörtlich, aber es schwang in den Dialogen mit), habe ich die Nase voll gehabt. Ich hätte noch etwas mehr Geduld mit der Geschichte gehabt, wenn ich auch nur eine einzige Person sympathisch gefunden hätte oder die Autorin mir zumindest gezeigt hätte, dass Carol und Jim ein bisschen Zuneigung zueinander empfunden hätten. Aber ohne einigermaßen nette Figuren und ohne nennenswerte Handlung sehe ich nicht ein, dass ich mich durch den Rest der 230 Seiten quälen soll.



7, Mary Kennedy: Dead Air (A Talk Radio Mystery 1)

„Dead Air“ fing eigentlich nett an. Die Protagonistin ist eine Psychologin, die vor einiger Zeit ihre Praxis aufgeben hat und nun eine tägliche Psychologie-Radiosendung moderiert. Die ersten Seiten fand ich unterhaltsam, die Protagonistin okay und dass sich der Mordfall um einen Selbsthilfe-Guru dreht, fand ich im Prinzip auch nicht schlecht. Dummerweise gingen mir die Protagonistin sowie ihre Mutter und der ermittelnde Polizist schon nach sehr, sehr kurzer Zeit auf die Nerven. Ein typischer Fall von „Protagonistin glaubt, dass die Polizei ihre Arbeit nicht richtig macht“ kombiniert mit „Protagonistin hat keine drei Wörter mit dem Polizisten gesprochen, würde aber auf der Stelle mit ihm ins Bett gehen, weil er so gut aussieht“ und dazu noch eine Prise von „Polizist denkt, dass Psychologen nur dazu da sind, um von Anwälten für Aussagen bezahlt zu werden, die der Polizei das Leben schwer machen“. Da ich mir das nicht länger antun musste, ging es weiter zum nächsten Krimi!




8. R.P. Dahlke: A Dead Red Cadillac (A Dead Red Mystery 1)

Endlich mal wieder eine Geschichte, die ich mochte! Die Protagonistin Lalla ist ein zweimal geschiedenes Ex-Model, das vor einiger Zeit die „crop duster“-Firma (ich glaube nicht, dass es dafür einen deutschen Begriff gibt) des Vaters übernommen hat. Sie ist vor kurzem mit dem Flugzeug abgestürzt und hat sich dabei zum Glück nur den Fuß gebrochen. Das wäre eigentlich Aufregung genug, doch dann wird eine Bekannte von ihr ermordet in Lallas rotem Caddy aufgefunden. Um zu beweisen, dass weder sie noch diverse andere Personen mit dem Mord zu tun haben, beginnt Lalla herumzuschnüffeln.

Ich muss gestehen, dass es ein paar Aspekte an „A Dead Red Cadillac“ gab, die mich bei einer anderen Autorin vermutlich gestört hätten, die ich hier aber angesichts der Protagonistin stimmig dargestellt fand. So ist Lalla besessen von ihrem anstehenden vierzigsten Geburtstag und unternimmt die eine oder andere unüberlegte Aktion, weil sie ihrem Kindheitsfreund Caleb, der der örtliche Sheriff ist, etwas beweisen will. Da diese Handlungselemente aber gut zu Lallas Persönlichkeit passen und so geschrieben wurden, dass ich sie nicht als peinlich empfand, habe ich mich bei diesem Krimi wirklich gut unterhalten gefühlt. Ich mochte die Figuren und ich mochte die Art und Weise, wie der aktuelle Mordfall mit Ereignissen aus der Vergangenheit verknüpft war. Das war wirklich nett zu lesen.

9. Heather Haven: Murder is a Family Business (An Alvarez Family Murder Mystery 1)

Diese Geschichte mochte ich nicht nur, die fand ich sogar richtig gut! Die Protagonistin Liana Alvarez ist eine Privatdetektivin, die für die familieneigene auf Computerkriminalität spezialisierte Firma arbeitet. Als ihre Mutter sie auf den vermutlich untreuen Ehemann einer Freundin ansetzt, stolpert Liana über die erste Leiche ihres Lebens und ist dementsprechend schockiert. Da sie sich fragt, ob sie diesen Tod irgendwie hätte verhindern können, lässt sie dieser Mord nicht los, und so ermittelt sie in Bereichen, die für die Polizei nicht relevant sind. Liana will weder der Polizei in die Quere kommen, noch hat sie das Gefühl, sie würde den Job besser machen als die Polizisten, sie geht nur kleinen Details nach, die auf den ersten Blick nicht viel mit dem Mord zu tun haben.

Ich mochte nicht nur die Protagonistin und ihre Familie (endlich mal eine wunderbar normale warmherzige Familie, die zwar nicht immer einfach ist, aber nicht so übertrieben oder lächerlich dargestellt wurde), sondern auch den Ton, in dem die Geschichte erzählt wurde. Und obwohl für den Leser sowohl das „Geheimnis“ des Ermordeten als auch der Täter selber recht offensichtlich waren, gab es genügend weitere Elemente, die für Spannung gesorgt haben, so dass ich diese unübersehbaren Hinweise auf die Auflösung locker verzeihen konnte. Ich habe mich mit dieser Geschichte so gut unterhalten gefühlt, dass ich direkt nach dem Beenden von „Murder is a Family Business“ gleich den folgenden Teil der Serie gekauft habe.

10. Vinnie Hansen: Murder, Honey (A Carol Sabala Mystery 1)

Es gab eine Menge Dinge, die ich an dieser Geschichte nicht mochte, obwohl sie nicht richtig schlecht war. Aber es gefiel mir nicht, wie die Protagonistin Carol mit anderen Menschen umging, und ich fand die Darstellung einer Restaurantküche nicht besonders glaubwürdig, was ein Problem war, da der größte Teil der Handlung dort spielte. Dann hat mich auch noch die Handlung selbst einfach gleichgültig gelassen, so dass ich am Ende nur noch quer gelesen habe, um herauszufinden, wer den Chefkoch umgebracht hat. Das war definitiv nicht meine Art von Krimi …

Leseeindrücke – Die „Cozy“-Variante (1)

Vor einigen Wochen habe ich das kostenlosen eBook-Bundle „Sleuthing Women – 10 First-in-Series Mysteries“ runtergeladen, weil ich hoffte, ich würde über Autorinnen in diesem Genre stolpern, die mir gut gefallen. Um meine Gedanken zu den zehn Romanen festzuhalten und auch mal zwischen den verschiedenen Titeln Vergleiche ziehen zu können, gibt es (aufgrund der Menge) gleich zwei Sammelposts mit „Leseeindrücken“. Der zweite Teil wird freigeschaltet, wenn ich die nächsten fünf Romane gelesen habe – nach den ersten fünf Titeln brauche ich erst einmal wieder Abwechslung beim Lesen. 😉



1. Lois Winston: Assault With a Deadly Glue Gun (An Anastasia Pollack Crafting Mystery 1)

Hätte mir jemand vorher gesagt, was Anastasia Pollack in dieser Geschichte alles erleben würde, ich hätte vermutlich die Finger von dem Roman gelassen, weil ich das Ganze für zu überzogen gehalten hätte. Lois Winston hält definitiv kein Maß, wenn sie ihrer Protagonistin Schwierigkeiten bereiten will. So ist Anastasia dank ihres verstorbenen Mannes überschuldet und darf sich mit einem Kredithai rumschlagen. Außerdem teilt sie sich das Haus nicht nur mit ihren beiden Teenager-Söhnen, sondern auch mit ihrer Schwiegermutter (überzeugte Kommunistin und Besitzerin eines französischen Bulldogge), ihrer Mutter (angebliche Nachfahrin des russischen Zarenhauses und Halterin einer Perserkatze) und einem geerbten, Shakespeare-zitierenden Papagei. Da das Ganze noch nicht genug ist, wird auch noch Anastasias Kollegin ermordet und die Polizei ist sich sicher, dass sie die Mörderin ist.

Trotz dieser extrem überzogenen Handlung war „Assault With a Deadly Glue Gun“ wirklich nett zu lesen und ich habe immer wieder vor mich hingeschmunzelt, weil einfach klar war, dass an der nächsten Ecke wieder irgendeine Katastrophe auf Anastasia warten würde, die zu weiteren Komplikationen führt. Außerdem mochte ich, dass die Protagonistin sich nicht unterkriegen ließ und je nachdem stoisch, wütend oder schlagfertig mit den verschiedenen Situationen und Figuren umging. Es fühlte sich beim Lesen auch überraschend stimmig an, dass Anastasia die einzige normale und bodenständige Person inmitten lauter skurriler Gestalten und Ereignisse war. Ich bin selbst ganz überrascht, wie entspannend und unterhaltsam ich diesen Roman fand, wo ich doch sonst gern mal von überzogenen Elementen genervt bin.

2. Jonnie Jacobs; Murder Among Neighbors (A Kate Austen Suburban Mystery 1)

„Murder Among Neighbors“ war nett zu lesen, solange ich dabei war, aber danach auch schnell wieder vergessen. Ich muss aber zugeben, dass ich es mochte, wie Jonnie Jacobs das Leben ihrer Protagonistin ausbalancierte. Kate Austen hat eine Tochter, die ihr sehr wichtig ist und mit der es auch so was wie Alltag in der Geschichte gab. Aber dieser Alltag behinderte die Handlung nicht, sondern sorgte dafür, dass die „Ermittlungen“ vorwärts ging. So gab es zum Beispiel Gespräche mit anderen Müttern oder mit Kindermädchen von Schulfreundinnen, in denen Kate neue Informationen über ihre ermordete Nachbarin sammeln konnte,

Auch hält sich Kate nicht für besser als die Polizei, sondern sie erzählt dem ermittelnden Polizisten in der Regel jedes Detail, das sie herausgefunden hat (inklusive Informationen, von denen sie sich nicht sicher ist, ob sie überhaupt relevant sein könnten). Zum Teil hängt das natürlich auch damit zusammen, dass sie sich zu dem Ermittler hingezogen fühlt und ein Verhältnis mit ihm beginnt, aber es liest sich so, als ob sie auch ohne diese Beziehung kein Problem damit gehabt hätte, alles der Polizei zu überlassen. Ich fand es schön, mal wieder ein Buch mit einer angenehm normalen, sympathischen und vernünftig handelnden Protagonistin zu lesen.

3. Judy Alter: Skeleton in a Dead Space (A Kelly O’Connell Mystery by Judy Alter 1)


„Skeleton in a Dead Space“ hätte eigentlich meine Art von Cozy sein müssen, da es nicht nur um den Fund eines Skeletts geht, sondern auch um alte Häuser, Renovierungen und Einrichtungen. Doch Judy Alter hat es geschafft, mir mit ihrer Protagonistin so auf die Nerven zu gehen, dass ich das Buch beinah abgebrochen hätte und nur dabei bleib, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich 245 Seiten so hinziehen können. Man begleitet Kelly O’Connell als Leser nicht nur bei sämtlichen Alltagserledigungen (sehr viel die beiden Töchter hin und her fahren und ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ihnen ständig Fast Food zu essen gibt, statt richtig zu kochen, sowie die – nicht sehr realistisch dargestellte – Arbeit als Marklerin), sondern darf dank der Ich-Perspektive auch all ihre Gedanken zum Skelett-Fund mitverfolgen.

Gedanken, die nahelegen, dass die Protagonistin das Gefühl hat, sie sei die einzige Person, die ein Interesse daran hat, dass die Tote identifiziert und ihr Mörder gefunden wird. Dabei gibt es nicht einen einzigen Moment, in dem die Polizei (speziell der mit ihr befreundete Polizist Mike) Desinteresse oder Unfähigkeit zeigt. Ich bin mir auch sicher, dass die Polizei ebenfalls in der Lage ist, alte Datenbanken nach Hauseigentümern und Steuerunterlagen zu durchsuchen – und das sogar, ohne die beiden Töchter der Protagonistin in Gefahr zu bringen. Je besser ich Kelly kennenlernte, desto weniger konnte ich diese Figur leiden und desto weniger konnte ich ihre Motive, ihre Gedanken und ihre Taten nachvollziehen. Ne, das war definitiv kein Roman für mich – vor allem, da ich gerade erst mit „Murder Among Neighbors“ ein so viel besseres Beispiel einer „ermittelnden Mutter“ hatte!

Oh, noch einen Aufreger hielt der Roman für mich bereit, da die Autorin anscheinend irgendwann die Geschichte von der 3. Person in die Ich-Perspektive umgeschrieben hat – und dabei ab der Hälfte der Kapitel beim Nachbearbeiten diverse Sätze übersehen hatte, bei denen man dann raten durfte, ob die Protagonistin oder irgendjemand anders gerade redet. Das passierte auch gern mal innerhalb eines Satzes mit gerade mal neun Wörtern inklusive Nebensatz – und trieb mich beim Lesen alle paar Minuten auf die Palme.

4. Maggie Toussaint: In for a Penny (A Cleopatra Jones Mystery 1)

Uuuund Auftritt der unerträglichen Protagonistin Nummer 2! Ich weiß nicht, was ich beim Lesen schlimmer fand: Die Tatsache, dass Cleo in dem Moment, in dem sie beim Golfspielen über eine Leiche stolpert, ihre Libido wiederfindet und sich am liebsten an Ort und Stelle vom Golftrainer vernaschen lassen würde, oder dass sie auf der einen Seite ach so rational sein soll (sie ist Steuerberaterin) und auf der anderen Seite grundsätzlich jede Person verdächtigt, der Mörder/die Mörderin zu sein. Außerdem gibt es auch in dieser Geschichte eine total amüsant gemeinte Mutter, die der Protagonistin das Leben schwer macht, nachdem Cleo nach ihrer Scheidung mit ihren beiden Töchtern dort eingezogen ist. Und dazu noch die beste Freundin, die in mir das Gefühl aufkommen lässt, dass die beiden Frauen nur deshalb befreundet sind, weil Cleo neben ihrer Freundin besser dasteht – oder sollten all die Momente, in denen sich die beiden am liebsten gegenseitig an den Hals gegangen wären, lustig sein? Überhaupt fürchte ich, dass ganze viele Szenen, die ich unerträglich fand, weil sie von der Dummheit/Ignoranz/Verklemmtheit der Protagonistin zeugten, humorvoll gemeint waren. Nachdem ich mich dabei ertappte, dass ich nach ein paar Absätzen das Buch immer aus der Hand legte, weil ich Cleo nicht länger ertragen konnte (und jedes Mal auch noch meinem Mann erzählte, wie bescheuert die letzten Absätze waren), habe ich den Roman abgebrochen. Das Durchhalten hätte sich hier höchstens gelohnt, wenn ich ein „Kapitelweise“ daraus hätte machen wollen.

5. Camille Minichino: The Hydrogen Murder (A Periodic Table Mystery 1)

Nach den vorherigen beiden Romanen war „The Hydrogen Murder“ eine Wohltat! Die Protagonistin Gloria ist eine 55jährige Physikerin, die ihre Stelle in einer Forschungseinrichtung erst einmal an den Nagel gehängt hat, um nach 30 Jahren Abwesenheit in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Gloria will sich ein Jahr gönnen, um darüber nachzudenken, was sie mit ihrem Leben anfangen will. In der Zwischenzeit wohnt sie über dem Bestattungsinstitut von Freunden und arbeitet unter anderem als wissenschaftliche Beraterin für die Polizei. So wird sie auch herangezogen, als ein Physiker in seinem Labor erschossen wird, und kann der Polizei nicht nur mit ihrem beruflichen Wissen nutzen, sondern den Ermittlern auch den einen oder anderen privaten Einblick auf die Beteiligten gewähren, da sie viele davon durch gemeinsame Forschungsprojekte kannte.

Es war so schön, endlich mal wieder eine Geschichte mit einer vernünftigen, realistisch dargestellten, intelligenten Protagonistin zu lesen. Der Fall selbst dreht sich auf den ersten Blick vor allem um die Frage, ob bei der Forschung, die der Tote mit seinem Mentor betrieb, alles mit rechten Dinge zuging, was einige – auch für den Laien gut erklärte – Passagen über Physik mit sich bringt, die ich erstaunlich interessant fand. Auch fand ich es schön, dass Gloria zwar in die Ermittlungen involviert war – und unbedingt herausfinden wollte, wer ihren Bekannten umgebracht hatte -, aber gleichzeitig auch sehr bemüht war, keine Grenzen zu überschreiten. Glorias Privatleben hängt zwar in der Schwebe, aber das ist ein bewusst von ihr gewählter Zustand, und der Polizist, mit dem sie zusammenarbeitet, ist weder ein Idiot noch ein unwiderstehlicher Adonis. Sie fühlt sich zwar sehr zu ihm hingezogen und würde ihn gern besser kennenlernen, aber ganz ohne Teenie-hafte Schwärmerei, ohne irgendwelchen idiotischen Aktionen oder andere Dinge, die mich bei andere Romanen so gern die Palme hochtreiben. Insgesamt war ich überraschend zufrieden mit dieser Geschichte und könnte mir vorstellen, langfristig noch mehr von der Autorin zu lesen.

Leseeindrücke im Juli

Da ich noch ein paar weitere Leihgaben von Natira im Haus hatte, begann der Juli für mich mit dem Comic „Der Araber von morgen – Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)“ von Riad Sattouf. Ich hatte von dem Comic vorher nichts gehört, kann mich auch nicht erinnern, dass Natira mir irgendetwas darüber erzählt hätte und bin deshalb recht unbefangen an die Geschichte herangegangen. Grundsätzlich war ich davon ausgegangen, dass es interessant sein müsste mehr über den Nahen Osten zu dieser Zeit zu erfahren. Dummerweise beginnt der Autor die Geschichte nicht nur mit dem Kennenlernen seiner Eltern, sondern man bekommt als Leser in diesem ersten Teil alle Ereignisse aus der Perspektive eines Kleinkindes erzählt. So gibt es zwar Textblöcke, die über die jeweilige aktuelle politische Situation informieren, aber der Autor selber kann darüber nicht viel anderes sagen als wie die Leute gerochen haben, dass er nicht aus dem Haus gehen durfte, dass er kein Arabisch (oder kein syrisches Arabisch) verstehen konnte, dass die anderen Kinder ihn schikaniert haben, weil er blond war, und ähnliches. Wäre er wenigstens wirklich in den jeweiligen Gebieten aufgewachsen und hätte aus der Sicht eines direkt Betroffenen (wie z.B. Marjane Satrapi mit „Persepolis“) erzählen können, dann wäre es vermutlich interessanter geworden. Aber so war er zu jung und zu sehr Außenseiter, als dass ich seine Erfahrungen wirklich interessant gefunden hätte.

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Auch „Moresukine – Wöchentlich aus Tokyo“ von Dirk Schwieger ist ein Comic aus Natiras Bestand, wobei ihre Rezension dazu etwas zwiespältig klang. Aber das hat mich natürlich nicht davon abgehalten mir eine eigen Meinung dazu bilden zu wollen. In dem Band wurden Blogbeiträge veröffentlicht, die der Autor während seines Aufenthalts Japan verfasst (und gezeichnet) hatte, in denen er beschreibt, wie er sich den verschiedenen Aufgaben, die ihm seine Blogleser aufgetragen hatten, gestellt hatte. Ich muss gestehen, dass ich das Ganze nur bedingt unterhaltsam und den Zeichenstil nicht wirklich ansprechend fand. Viele dieser Aufgaben drehten sich um Klischees, die mit Japan verbunden werden, und das fand ich eher langweilig. Außerdem hat es mich beim Lesen wirklich kirre gemacht, dass in der vorliegenden Ausgabe regelmäßig die unteren Sprechblasen abgeschnitten wurden. Selbst bei den Blasen, bei denen ganz deutlich zu erkennen war, dass man den Inhalt nicht lesen muss, weil er nur als Beispiel für etwas dient, hat mich das ungemein gestört. Insgesamt ein Comic, den man meiner Meinung nach nicht gelesen haben muss …

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Bislang haben die Romane aus dem Modern-Magic-Bundle ja immer eine vollständige Rezension bekommen, aber zu „Touch a Dark Wolf“ von Jennifer St. Giles fällt mir nicht genug ein, um einen längeren Text zu rechtfertigen. Der Titel ist der Auftaktband zur vierteiligen Shadowmen-Reihe und eine „Romantasy“-Geschichte. Während ich die Grundidee etwas verschwurbelt, aber ganz reizvoll fand, weil dadurch eine wirklich erfrischende Variante des Vampir-Werwolf-Themas verwendet wurde, fand ich die Protagonisten und die vielen Sexszenen nicht sehr überzeugend. Es fehlte den beiden Hauptfiguren definitiv an Ecken und Kanten, die sie interessant gemacht hätten. Das Ganze hat sich schnell lesen lassen, was nicht nur an dem Umfang von gerade mal 200 Seiten, sondern auch an der flüssigen Erzählweise lag, aber am Ende stand ich da und fragte mich, ob das alles an Handlung gewesen sei. Hätte die Autorin die Sexszenen ansprechender geschrieben und die Geschichte nur als verbindendes Element dazwischen verwendet, wäre es okay gewesen. Noch lieber wäre es mir gewesen, wenn sie die ungewöhnliche Grundidee tiefer ausgearbeitet und innovativer für die Handlung genutzt hätte. Auch hätte ich auf das unbefriedigende, da zu abrupte Ende und auf 2/3 der Sexszenen verzichten können. Wirklich neugierig haben mich eigentlich nur die Nebenfiguren gemacht, aber ich befürchte, dass diese in den Fortsetzungen (in denen sie dann der Reihe nach die Hauptfiguren spielen dürfen) keine tiefere Charakterisierung erleben werden.

Leseeindrücke im Juni

Mit Rainer Wittkamps Roman „Stumme Hechte“ wollte ich den Autor mal ausprobieren. Schließlich gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass ich doch noch mal wieder einen deutschen Krimi lese, der mir zusagt. Bei diesem Titel war mir allerdings nicht aufgefallen, dass es schon der vierte in der Reihe rund um den Polizisten Martin Nettelbeck ist. So war ich mir anfangs nicht sicher, ob es am fehlenden Vorwissen  rund um die Figuren lag, dass ich einige Passagen rund um die Charaktere mehr nervig als gut zu lesen fand. Dabei lässt sich der Roman flüssig lesen und die kurzen Kapitel haben diese „nur noch ein paar Seiten, bevor ich das Buch aus der Hand lege“-Wirkung. Auch den Fall und die Ermittlungen an sich fand ich nicht schlecht. Steht anfangs noch nicht fest, ob der gewaltsame Tod eines hohen Polizeibeamten auf einem Berliner Campingplatz Mord oder Selbstmord ist, kommt es den ermittelnden Polizisten im Laufe der Zeit immer seltsamer vor, dass die drei Begleiter des Toten – ebenfalls hohe Polizeibeamte – nichts von der Tat mitbekommen haben.

Auch scheinen einige Aussagen der drei Zeugen den im Laufe der folgenden Tage ans Licht kommenden Informationen zu widersprechen, was Martin Nettelbeck natürlich misstrauisch macht. Der Ermittlungsalltag ist angenehmerweise recht realistisch dargestellt, das Privatleben der Polizisten auch (soweit es Erwähnung findet), aber es tauchen immer wieder Figuren auf, die ich als überzogen und nervig dargestellt empfand. Da war zum Beispiel die Chefin von Nettelbeck, die besessen von ihren Fischtrophäen zu sein scheint und die meinem Gefühl nach nur sehr wenig zur Handlung beigetragen hat. Wenn diese Fisch-Sache lustig gewesen sein soll, dann ist das total an mir vorbeigegangen – vielleicht, weil mir die vorhergehenden drei Bände fehlen, in denen schon etwas dazu gesagt wurde? Weitere Momente gab es mit den Campingplatzbesitzern, die eigentlich von einem FKK-Platz geträumt hatten, was sich als nicht lukrativ erwiesen hatte, und mit einem Typen, der moderne Kunst sammelt – solange sie nur grau ist. Das war einfach aufgesetzt und hat meinen Humor definitiv nicht angesprochen. Von solchen „lustig gemeinten“ Szenen abgesehen war das Buch okay, aber ich muss keine weiteren Titel von dem Autor lesen.

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Ein weiterer „Autorentest“ war „Quercher und das Seelenrasen“ von Martin Calsow. Wie „Stumme Hechte“ aus dem Grafit Verlag, weil ich den Verlag immer noch mit einigen der wenigen deutschen Krimis verbinde, die mir gut gefallen haben, und wieder habe ich es geschafft, damit den vierten Band einer Reihe in die Finger zu bekommen. Anfangs fand ich die Figur des Polizisten Max Quercher und viele der anderen Charaktere zu bemüht bayrisch-urig-komisch – so verpasst der LKA-Beamte einen verabredeten Termin, weil er mit einem Kollegen versumpft und zu besoffen ist, um sich noch an diese Verabredung zu erinnern -, aber das hat sich im Laufe der Geschichte zum Glück etwas gelegt. Am Ende war ich überrascht, wie viele aktuelle Ereignisse der Autor in den Roman gesteckt hat und wie wenig platt er z.B. mit dem Thema „Geflüchtete in Deutschland“ umgeht. Die Auflösung des Falles selbst war zwar wenig überraschend, aber es gab genügend unvorhersehbare Wendungen in der Geschichte, dass mir das Lesen Spaß gemacht hat und ich neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung war.

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„Die tödliche Tugend der Madame Blendel“ von Marie Pellissier war eine Leihgabe von Natira. Die Geschichte dreht sich um Lucie, die als Gardienne in einem gehobenen Mietshaus in Paris arbeitet. Als eine ihrer Mieterinnen ermordet wird, fürchtet Lucie, dass die Polizei ihr vorwerfen würde, dass sie Spuren verwischt hat, weil sie – ohne Erlaubnis der Ermordeten – das Schlafzimmer ihrer Mieterin aufgeräumt hatte, als sie ihre Bügelwäsche zurückbrachte. Um sich von vornherein von einem eventuellen Verdacht freizusprechen, stellt Lucie ihre eigenen Ermittlungen an. Das Ganze war sehr nett zu lesen, Lucie konnte ich mit all ihren Ecken und Kanten recht gut leiden, allerdings habe ich ab der Mitte des Buches die ganzen Orts- und Wegbeschreibungen, die vermutlich Lokalkolorit schaffen sollten, und die Essensüberlegungen des eines Polizisten nur noch quer gelesen, weil die mich erschreckend schnell gelangweilt haben.

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Auch „Der böse Ort“ von Ben Aaronovitch ist ein vierter Band – immerhin kannte ich da vor dem Lesen schon die vorhergehenden Teile der Peter-Grant-Reihe. Ich muss zugeben, dass ich den Roman nicht beendet hätte, wenn ich nicht die ersten drei Bücher schon gelesen hätte, denn „Der böse Ort“ hat mich eher weniger unterhalten. Keiner der Peter-Grant-Romane wurde von Ben Aaronovitch temporeich oder wirklich spannend erzählt, aber immerhin fand ich die Geschichten sonst unterhaltsam, weil ich den Humor, die skurrilen Informationen über London und die fantastischen Figuren mochte. Diesen Band hingegen fand ich deutlich weniger lustig, es gab kaum neue interessante Charaktere, und Handlung war auch kaum vorhanden.

Durch die Einführung des „Gesichtslosen“ scheint sich Ben Aaronovitch gezwungen zu sehen, jeden magischen Vorfall in Großbritannien mit dieser Figur in Verbindung zu bringen – und das führt zu lauter kleinen, belanglosen Szenen, in denen einfach keine Spannung aufkommen wollte. Auch die Konzentration in dieser Geschichte auf einen fiktiven Wohnkomplex, der von einem deutschen magiekundigen Architekten gebaut wurde, tut dem Roman nicht gut, da diesem Gebäude einfach der Charme der realen Bezirke, die von Aaronovitch in den früheren Bänden beschrieben wurden, fehlt. Da hilft es auch nicht, dass auf den letzten Seiten sogar endlich was passiert und eine überraschende Wendung vorkommt, auf die ich allerdings gut hätte verzichten können.

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Und da mir die Bibliothek beide Aaronovitch-Titel auf einmal geliefert hat, habe ich kurz darauf auch noch „Fingerhut-Sommer“ gelesen. Diesen Teil der Peter-Grant-Reihe mochte ich lieber als „Der böse Ort“. Peter ermittelt dieses Mal auf dem Land in einem Fall, bei dem zwei Mädchen eines Nachts aus ihren jeweiligen Schlafzimmern spurlos verschwunden sind. Da Peter sich auf unvertrautem Gebiet befindet und mehr über die Region und ihre Bewohner herausfinden muss, gibt es weniger skurrile Details – auch wenn es die eine oder andere Abschweifung zum Thema Vegetation und Entwicklung des Gebietes gibt – und dafür deutlich mehr Handlung als in dem vorhergehenden Roman. Auch kommt der gesichtslose Magier in diesem Band nicht vor, was der Geschichte in meinen Augen nur gut tut. Nachdem ich nach dem Lesen von „Der böse Ort“ schon kurz davor war, die Reihe abzubrechen, bin ich nun bereit, den nächsten Band (der Anfang 2017 erscheinen soll) auch noch irgendwann zu lesen.

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(Bevor jemand fragt: Nein, ich habe in den letzten Wochen nicht absichtlich mit „Prime Time“, „Stumme Hechte“, „Quercher und das Seelenrasen“, „Böse Absichten“ und  „The Harvest Man“ zu lauter vierten Bänden gegriffen, um neue Krimiautoren bzw. Reihen auszuprobieren. Ich bezweifle nämlich, dass das die beste Methode dafür ist, aber irgendwie hat es sich trotzdem so ergeben. *g*)

Leseeindrücke im Mai

„Eleanor und Park“ von Rainbow Rowell ist eines dieser Bücher, von denen anscheinend alle begeistert sind – was mich dann wieder abschreckt. Am Ende hat mich Tines Rezension dazu gebracht, den Roman in der Bibliothek vorzumerken und zu lesen. Und nun habe ich ein Problem, weil es mir schwer fällt meine Meinung zu der Geschichte in Worte zu fassen. Anfangs fand ich es sehr niedlich Eleanor und Park kennenzulernen und zu sehen, wie sich die beiden in kleinen Schritten näher kommen. Sie erfährt am ersten Tag im Schulbus nur Ablehnung, er hingegen ist zu höflich, um sie genauso fies zu behandeln wie die anderen Schüler es tun, und so landet sie auf dem Sitz neben ihm. Erst liest sie seine Comics mit, dann fangen sie irgendwann an sich über das Gelesene zu unterhalten, sich über Musik auszutauschen, sie werden Freunde und aus dieser Freundschaft wird Verliebtsein. Das war sehr hübsch zu lesen, auch weil es nicht zu harmonisch und rosarot beschrieben wurde, sondern es gibt immer wieder sehr realistische Momente, wenn es zum Beispiel Park bei all seiner Verliebtheit unangenehm ist, dass seine Freunde sehen könnten, dass er gerade mit Eleanor Händchen im Bus hält.

Dann kam der Moment, an dem mir auffiel, dass ich aus irgendeinem Grund beim Anlesen des Buches eine Seite überblättert hatte. Eine Seite, auf der man eine Passage lesen kann, die eigentlich relativ am Ende des Buches steht. Von diesem Moment an konnte ich die Geschichte nicht mehr genießen, weil ich nicht mehr unvoreingenommen war. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass was dramatisches zwischen Eleanor und Park passiert, obwohl das so wie ich es erwartet hatte am Ende gar nicht kam. Dass meine Erwartungen da nicht erfüllt wurden, macht mich sehr dankbar, aber ich ärgere mich sehr darüber, dass diese Passage aus dem Zusammenhang gerissen, mir so ein schlechtes Gefühl beim Lesen verursacht hat. Mit den eigentlichen Ereignissen am Schluss kam ich gut zurecht, es war eine stimmige Entwicklung und ein gutes Ende für den Roman. Nur kann ich aufgrund meiner eigenen Erwartungen beim Lesen die Geschichte selbst im Rückblick nicht wirklich beurteilen … Ich würde deshalb wirklich empfehlen mit dem Lesen erst auf Seite 9 anzufangen und die Geschichte unvoreingenommen zu genießen. 😉

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Ich müsste nachschauen, um zu wissen wie viele „Leseeindrücke“ ich schon zu Benny-Griessel-Romanen verfasst habe, aber mehr als fünf können es nicht sein, da die Reihe bislang nicht mehr Bände hat. 😉 Beim Lesen von „Icarus“ kam es mir so vor, als ob ich schon viel länger ein Teil von Benny Griessels Leben wäre, weil mir inzwischen all die Polizisten, mit denen er zusammenarbeitet, so vertraut sind. Da Benny in dieser Geschichte eine kleinere Rolle als sonst spielt, war es auch gut, dass ich mich so wohl mit seinen Kollegen fühle. Während diese – was vor allem aus Cupidos Sicht geschildert wird – intensiv die Ermordung eines erfolgreichen Geschäftsmanns untersuchen, muss Benny damit fertig werden, dass ein guter Kollege sich und seine Familie erschossen hat. Für Benny bedeutet dies, dass er nach 602 Tagen zum ersten Mal wieder zur Flasche greift. Ich hatte schon einmal erwähnt, dass ich normalerweise ein Problem mit alkoholkranken Protagonisten habe (besonders dann, wenn sie Polizisten sind), aber bei einem Deon-Meyer-Roman kann ich sogar damit leben, wenn der Charakter nach erfolgreichem Entzug rückfällig wird.

So bekommt man auch in „Icarus“ drei Erzählebenen geboten und während man auf der einen Seite Cupido bei seinem ersten Fall, denn er alleine leitet, begleitet und zusehen muss, wie Benny Griessel sich von neuem mit seiner Sucht auseinandersetzen muss, erfährt man gleichzeitig die Geschichte eines Winzers und seiner Familie, die dieser seiner Anwältin erzählt. Dabei gelingt es Deon Meyer geschickt dafür zu sorgen, dass alle drei Handlungsebenen auf ihre Weise spannend sind, während der Autor bestimmte  – schon fast erwartbare – Wendungen meidet und so immer wieder überraschende Enthüllungen für die Ermittler und den Leser bereit hält. Und auch wenn dieses Mal die politische Situation in Kapstadt so gut wie kein Thema ist, gibt es doch wieder interessante Aspekte über Südafrika, die einem einen weiteren Einblick in das Land und seine Gesellschaft bieten. Ich mag diese Reihe wirklich sehr gern und hoffe sehr, dass der Autor noch einige Romane um Benny Griessel und seine Kollegen schreibt.

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„Solange wir lügen“ von E. Lockhart ist wie „Eleanor und Park“ eines dieser Jugendbücher, um die man auf Blogs einfach nicht herum kommt und die mich gerade deshalb eigentlich nicht reizen. Aber Neyashas Rezension zu dem Buch hat mich dann doch neugierig gemacht und ich kann ihr nach dem Lesen des Romans vollkommen zustimmen. Die Geschichte rund um Cadence und ihre WASP-Familie, die jeden Sommer auf einer eigenen kleinen Insel vor Marthas Vineyard verbringt, hat mich überraschend gut unterhalten. Cadence hat seit einem Unfall vor zwei Jahren kaum noch Erinnerungen an den damaligen Sommer und nur wenig Kontakt zur Familie bis sie in diesem Jahr wieder auf die Insel zurückkehrt und versucht mehr darüber herauszufinden, was damals passiert ist. Die Erzählweise fand ich gewöhnungsbedürftig, die Sommer- und Familienszenen sehr atmosphärisch und die Auflösung des Ganzen wirklich überraschend! 🙂

(Gesammelte) Leseeindrücke

„Die raunende Maske“ von Jonathan Stroud ist der dritte „Lockwood & Co.“-Band und obwohl ich die Reihe eigentlich sehr gern mag und unterhaltsam finde, war ich mit diesem Teil nicht ganz so zufrieden wie mit den anderen beiden Romanen. Beim ersten Band mochte ich, dass man die Welt (geplagt von Geistern, die nur von Kindern mit der richtigen Gabe bekämpft werden können) und die Figuren kennenlernen konnte und bei der Fortsetzung fand ich es interessant, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Lucy, Lockwood und George entwickelt und wie sich die Agentur so nach und nach doch einen Ruf erwirbt. Aber in dem aktuellen Teil fand ich den Einstieg überraschend zäh und Lucys Auseinandersetzungen mit dem neuem Teammitglied nahmen zu viel Raum in der Geschichte ein. So richtig gepackt hat mich die Handlung erst, als Lockwood & Co. endlich in die Aktionen rund um die großen Geistererscheinungen in Chelsea involviert waren, die die gesamte Stadt seit Monaten beschäftigen. Wobei ich es da auch nicht hilfreich fand, dass die Inhaltsbeschreibung schon sämtliche relevante Daten vorweg nimmt und es so kaum noch Überraschungsmomente für den Leser gibt. Insgesamt hätte es dem Roman gut getan, wenn es weniger um Lucys Gefühlsleben und mehr um die Erscheinungen in Chelsea oder gar um die konkurrierenden Agenturen mitsamt ihren Besonderheiten gegangen wäre.

(gelesen im November 2015)

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„Emily Feather and the Enchanted Door“ von Holly Webb ist der erste Band um die zehnjährige Emily Feather, die herausfindet, dass es in ihrem Zuhause eine magische Tür gibt. Wobei diese Entdeckung für Emily relativ spät in der Geschichte kommt und von einer noch größeren Überraschung eingeleitet wird. Die vierteilige Reihe rund um Emily Feather ist für Kinder ab acht Jahren und das macht sich in der Erzählweise (, dem Seitenumfang und der Schriftgröße) natürlich bemerkbar. Aber ich habe mich mit Emily und ihrer Familie sehr wohlgefühlt und hatte viel Spaß die Eigenheiten der verschiedenen Familienmitglieder kennenzulernen, die Beschreibungen von Emilys Zuhause zu verfolgen und mit ihr einen kleinen Blick in eine für sie neue Welt zu werfen. Sehr niedlich, sehr erholsam und voller schöner kleiner Details! Ich freu mich jetzt schon auf die Fortsetzungen.

(gelesen im Januar 2016)

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„Charles Bewitched“ von Marissa Doyle ist ein 90 Seiten langes eBook, in der der Bruder der Leland-Schwestern noch einen Auftritt (und in gewisser Weise auch seine Liebesgeschichte) bekommt. Ich mochte die Grundidee (der 16jährige Charles kommt von Eton im Sommer nach Hause und ärgert sich, weil er in seinen Ferien Geschichte lernen muss – am Ende ist aber genau dieses Geschichtswissen überlebenswichtig für ihn und seine Schwester Persy) und ich mochte es, dass die Autorin ihr viktorianisches England um die Feenwelt erweitert hat. Allerdings hat die Geschichte deutlich darunter gelitten, dass sie so kurz war. So gab es weder glaubwürdige Charakterentwicklungen, noch konnten die diversen Wendungen in der Handlung wirklich befriedigend erklärt werden. Ich habe mich beim Lesen zwar wohlgefühlt, aber im Nachhinein gibt es ein paar Punkte, die mich ärgern. So ist Persy hier viel zu passiv (irgendwie scheint Marissa Doyle nicht in der Lage zu sein zwei aktive Protagonisten zu beschreiben), was mir auch nicht ausreichend mit „Magie“ erklärt werden konnte, es gibt definitiv ein Happy End zu viel, während ich bei Persys Dienstmädchen das Gefühl hatte, sie würde am Ende „entsorgt“, weil ja irgendeine Lösung für das Feenproblem gefunden werden musste. Außerdem stört mich der „das wurde aus allen Beteiligten“-Anhang, in dem aufgezählt wird, wie viele Kinder welches Paar im Laufe der Zeit noch bekommt. Bei so vielen Kritikpunkten habe ich das Gefühl, ich müsste noch einmal betonen, dass mir das Lesen wirklich Spaß gemacht hat – nur im Nachhinein hätte ich mir bei einigen Punkten eine andere Lösung oder eine Weglassung gewünscht!

(gelesen im Februar 2016)

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„Cobra“ von Deon Meyer ist ein weiterer Roman rund um den südafrikanischen Polizisten Bennie Griessel. Ich finde es lustig, dass ich die Kriminalromane von Deon Meyer zwar unheimlich toll finde, mir die Bücher aber nicht kaufe und immer nur Leseeindrücke dazu schreibe. Beim Lesen habe ich dieses Mal sehr darüber nachgedacht, warum mir Bennie Griessel trotz der Tatsache, dass er (trockener) Alkoholiker ist, so viel sympathischer ist als die diversen skandinavischen Ermittler mit Alkoholproblemen – und ich glaube, es liegt daran, dass Bennie deutlich aktiver ist. Er ist nur selten melancholisch und viel häufiger erlebt man bei ihm einfach eine zähe Grundhaltung, die dafür sorgt, dass er seinen Alltag durchhält und sein Bestes gibt. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Momente und viele Dinge in seinem Leben, die er genießt, die ihm wichtig sind und die ihn immer wieder widerstehen lassen, wenn das Bedürfnis nach Alkohol zu groß wird. Dazu gibt es noch all die spannenden Details zum Leben in Südafrika, zu den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und den Veränderungen, die immer wieder durch die jeweils aktuelle politische Situation entstehen. Auch für die Kriminalfälle beweist der Autor ein gutes Händchen, wobei die dargestellte Brutalität (die meinem Gefühl nach für einen Kriminalroman nicht übertrieben verwendet wird) zum Land und zur gesellschaftlichen Situation gut zu passen scheint. In „Cobra“ geht es auf den ersten Blick „nur“ um die Entführung eines wohlhabenden Engländers und die Ermordung seiner beiden Leibwächter, was für Bennie schon herausfordernd genug wäre, denn Fälle, in die Ausländer verwickelt sind, haben immer ihre eigene Brisanz. Dieses Mal kommen aber noch einige weitere erschwerende Faktoren hinzu, was die Sache doch deutlich komplizierter macht. Umso schöner fand ich es, dass Bennie Griessel sich eigentlich nur auf seinen Fall konzentriert und versucht alles andere so weit wie möglich zu ignorieren – und so letztendlich seinen eigenen Weg findet, um die Morde aufzuklären und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

(gelesen im Februar 2016)

Leseeindrücke im September und Oktober

„Wer im Dunklen bleibt“ von Deborah Crombie ist schon der sechzehnte Roman rund um die beiden Ermittler Duncan Kincaid und Gemma James und bietet gewohnt-qualitative Krimikost. Ich mag die Figuren, ich mag dieses Gefühl von Realismus, das mir die Serie vermittelt, und ich mag wie die Fälle aufgebaut sind und erzählt werden. Mit den Titeln werde ich mich allerdings nie anfreunden, ich kann daran nie sagen, welcher Band welcher ist und worum es darin geht. Irgendwann muss ich einmal ausführlicher über die Reihe schreiben, hier möchte ich nur kurz festhalten, dass es mir gut gefällt, wie abwechslungsreich die Fälle sind und wie sich die Charaktere im Laufe der Zeit entwickelt haben. Bei einigen Rezensionen wird kritisiert, dass der Roman mehr „Familiengeschichte“ als Kriminalfall wäre, aber für mich fühlt sich das stimmig an. Wenn eine Reihe schon so lange läuft und im Laufe der Zeit immer mehr Figuren hinzukommen, muss diesen Charakteren eben auch immer wieder Raum in der Geschichte zugesprochen werden. Ebenso finde ich es gut, dass manchmal die Polizeiarbeit unter den aktuellen Familienereignissen leidet oder die Arbeit – zumindest in Gedanken – mit nach Hause genommen wird. Gemma und Duncan sind eben zwei ganz normale Menschen, mit mehr oder weniger normalen Problemen, die einem herausfordernden Job nachgehen, und genau das lese ich gern.

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„Ein Gentleman für Mma Ramotswe“ von Alexander McCall Smith musste ich mir aus der Bibliothek aus leihen, nachdem ich „Ein Krokodil für Mma Ramotswe“ schon so unterhaltsam fand. Im Prinzip lässt sich alles, was ich zum ersten Band gesagt habe, hier wiederholen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass im zweiten Band weniger Fälle eine kritische Entscheidung von Mma Ramotswe verlangen. Aber es kann sein, dass mir das nur so vorkam, weil ich diese Art von Wendung am Ende einer Episode schon erwartet habe. Schön fand ich es auf jeden Fall wie es mit der Beziehung zwischen ihr und ihrem Verlobten weiterging und welche Gedanken sich die beiden über ihr zukünftiges Zusammenleben gemacht haben. Die Mma-Ramotswe-Romane sind auf jeden Fall unterhaltsame Wohfühllektüre und werden von mir auch in Zukunft immer mal wieder aus der Bibliothek mitgenommen – zum Glück gibt es davon dort noch einige Bände, wenn auch leider nicht in meiner Zweigstelle.

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„Das Nebelhaus“ von Eric Berg hatte ich aufgrund von Neyashas Rezension zum Hörbuch aus der Bibliothek ausgeliehen – und dann habe ich das Buch monatelang immer wieder unterbrochen, weil ich die Protagonisten so schrecklich fand und gar nicht wissen wollte, wie es mit ihnen weitergeht. Im Gegensatz zu Neyasha war es mir sogar egal, wer von den Beteiligten am Ende der Geschichte ermordet worden war. Allerdings konnte ich den Roman auch nicht vollständig abbrechen, sondern habe ihn zwischendurch dann doch wieder in die Hand genommen – auch weil ich wissen wollte, was andere Leser daran so fasziniert hat. Vielleicht hätte mir die Geschichte vorgelesen von zwei guten Sprechern besser gefallen, so hatte ich aufgrund meiner Abneigung gegenüber (so gut wie allen) vorkommenden Charakteren wirklich ein Problem mit dem Roman.

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Mit gerade mal 120 Seiten würde ich das eBook „Snow White and Rose Red – The Curse of the Huntsman“ von Lilly Fang als eine „Novelette“ bezeichnen, was auch dafür sorgte, dass die Geschichte gerade mal für einen Wartezimmeraufenthalt reichte. Dafür war die Handlung aber so hübsch erzählt, dass ich mich trotz der unangenehmen Umgebung gut unterhalten fühlte. Lilly Fang siedelt die Geschichte rund um die beiden Schwestern in einem kleinen Dorf inmitten eines verwunschenen Waldes an. Die Ansiedlung überlebt an diesem entlegenen Ort nur aufgrund der einzigartigen Rosen, die das Dorf umgeben und aus denen so exquisite Produkte hergestellt werden, dass einmal im Jahr Besucher den Weg durch den Wald wagen, um diese Waren zu erstehen. Während die ältere Schwester Snow das hübscheste Mädchen im Dorf ist (und ihr Aussehen als Fluch empfindet), ist die jüngere Rose regelmäßig neidisch auf all die Aufmerksamkeit, die ihre Schwester bekommt. Trotzdem sind sich die beiden Schwestern nah und kümmern sich gut umeinander – was besonders wichtig wird, als Fremde zum jährlichen Rosenfest kommen, während Monster die Bewohner des Dorfes bedrohen. Doch, das war eine besonders nette Variante dieses Märchens, vor allem, weil ich der Autorin die Figuren und ihre Motive abnahm und weil sie Elemente anderer Märchen so in ihre Geschichte verwoben hat, dass sie gleichzeitig vertraut und überraschend wirkten. Ich werde mir bestimmt auch noch die Fortsetzung zulegen.

Leseeindrücke im August

„Stirb“ von Hanna Winter war eine Spontanausleihe aus der Bibliothek. Der Klappentext klang soweit okay und ich versuche zur Zeit ja immer wieder neue (deutsche) Krimiautoren anzutesten. Doch obwohl sich der Roman zügig lesen ließ, werde ich wohl zu keinem weiteren Buch der Autorin greifen. Die Figuren waren mir gleichgültig, die Handlung hat mich nicht gepackt und den Fall fand ich – ebenso wie die Auflösung – zu konstruiert und unglaubwürdig. Außerdem hat es mich gestört, dass die Autorin (damit die Grundidee überhaupt funktionieren konnte) sämtliche Männer in der Geschichte dubios wirken lassen musste und dafür häufig auf einen billigen Kniff zurückgriff. Alles in allem kein Buch, das man gelesen haben müsste.

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Über „Fluch“ von Michael Ridpath war ich bei Neyasha gestolpert, die von dem Krimi sehr angetan war. Die Idee mit der Saga und der Verknüpfung mit Tolkiens „Herrn der Ringe“ fand ich auch nett gemacht, die Protagonisten waren soweit okay, aber so richtig gezündet hat bei mir die Geschichte nicht. Ich glaube, mir hätte der Roman besser gefallen, wenn ich nicht erst in diesem Jahr zwei Island-Krimis von Quentin Bates gelesen hätte. Sowohl in Bates‘ „In eisigem Wasser“, als auch in „Fluch“ ist die Finanzkrise ein Thema und in beiden Romanen gibt es Vorgesetzte bzw. Kollegen, die sich ungern etwas sagen lassen und so zu einem Störfaktor für den Protagonisten werden. Aber im direkten Vergleich zu „In eisigem Wasser“ fand ich „Fluch“ – auch wegen der größeren und komplexeren Thematik – beliebiger. Der Roman war nicht schlecht, aber er hat mir nicht so viel Vergnügen bereitet wie erhofft.

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Tanya Huffs Roman „Der Hexenladen“ war ein ReRead, den ich sehr genossen habe. Ich hatte mir den Roman rausgesucht, weil ich die Fortsetzungen („The Wild Ways“ und „The Future Falls“) endlich lesen wollte. Da ich sehr viele Details vergessen hatte und den Humor von Tanya Huff sehr mag, hat mir die Geschichte wieder sehr viel Spaß gemacht. Dazu kommt, dass ich dieses Mal schon wusste, wie das Magie-System der Gale-Familie aufgebaut war, welche Rolle die Kreise spielten und in welchem Verhältnis die verschiedenen Familienmitglieder zueinander stehen. So musste ich mich nicht so sehr auf diese Aspekte der Handlung konzentrieren und konnte deshalb die vielen kleinen amüsanten Szenen genießen. „The Wild Ways“ habe ich gleich im Anschluss gelesen und – nachdem ich mich an den Wechsel der Hauptfigur gewöhnt hatte – ebenso gemocht wie den ersten Band. Tanya Huff hat einfach ein Händchen für gute Urban Fantasy, humorvolle Geschichten und Protagonisten, die ein bisschen außerhalb der Norm stehen. Und bei „The Wild Ways“ kommt – ebenso wie bei dem im September gelesenen „The Future Falls“ – noch dazu, dass die Autorin ständig auf Musiktitel anspielt, was mir ebenfalls gut gefallen hat.

Leseeindrücke im Februar und März

Im November zog „Die Monster, die ich rief“ von Larry Correia bei mir ein und als ich im Februar auf der Suche nach weiterem Lesestoff war, habe ich den Roman aus dem Regal gezogen, angelesen und dann innerhalb von 24 Stunden beendet. Das Buch handelt von Owen Pitt, einem Buchprüfer, der eines Abends seinen Vorgesetzten aus dem Fenster wirft, nachdem dieser sich in einen Werwolf verwandelt hatte. Nach diesem Ereignis klopft eine private Organisation bei ihm an, die ihn als Monsterjäger engagieren will – und natürlich geht Owen auf dieses Angebot ein.

„Die Monster, die ich rief“ ist alles andere als große Kunst, aber für mich war es genau der richtige Roman an diesem Tag. Wie in einem anspruchslosen, aber unterhaltsamen Actionfilm (dessen Hauptfigur sich vermutlich normalerweiser als Wrestler sein Geld verdient :D) hangelt sich die Handlung von einem Kampf zum Nächsten, dazu kommen ein paar nicht gerade klischeefreie, aber sympathische Charaktere, eine Prophezeiung, liebenswerte Orks, asoziale Elfen und eine Hauptfigur, die nicht gerade fantasiebegabt ist, aber dafür einen guten Soldaten abgibt. Keine Geschichte, bei der man mitdenken muss, und ein Humor, der nicht gerade ausgereift ist, aber eine angenehm entspannende Lektüre, bei der man ständig das Gefühl hat, man sollte sich noch eben schnell eine große Portion Popcorn bereitstellen. 😉

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Über „Blutrecht“, den ersten Band der Greatcoats-Serie von Sebastien de Castell, bin ich bei Tine gestolpert, die eine begeisterte Rezension zu dem Roman geschrieben hatte und so meine Neugier weckte. Inzwischen habe ich das Buch gelesen und muss sagen, dass ich nicht ganz so begeistert bin wie sie, aber mich beim Lesen gut unterhalten habe. Die Idee mit den Greatcoats, den besonderen Mänteln, die den Magistern des Königs Schutz und Platz für allerlei Nützliches bieten, hat mir gefallen und auch der Humor in der Geschichte sagte mir zu – wenn er auch häufig vorhersagbar war und auf der ziemlich klischeebehafteten Charakterisierung der Figuren basierte. Die von Tine gelobten Kampfszenen waren wirklich gut geschrieben, mir aber stellenweise schon fast zu ausführlich. Insgesamt habe ich mich aber gut amüsiert und das Buch sehr zügig gelesen.

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Das Gleiche wie für „Blutrecht“ gilt eigentlich auch für den nächsten Roman, den ich gelesen habe. Auch „Wind“ von Alexey Pehov (Auftaktband der „Chroniken von Hara“) habe ich bei Tine entdeckt, die auch zu diesem Roman eine begeisterte Rezension geschrieben hat. Doch während Tine folgende Aussage zu „Wind“ machte: „… trotzdem hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, die Geschichte so – nur etwas anders – schon einmal woanders gelesen zu haben„, hatte ich genau den gegenteiligen Eindruck. Ich fand den Roman zwar unterhaltsam und mochte den Weltenbau, hatte aber das Gefühl, ich hätte all das schon mal in leichter Abwandlung (und mit Figuren, die mir mehr ans Herz gewachsen sind) bei einem anderen Autoren gelesen. Es ist eben nicht einfach für mich, etwas „Neues“ im High-Fantasy-Bereich zu finden, nachdem ich zwanzig Jahre lang fast jeden High-Fantasy-Roman verschlungen habe, der mir in die Finger geriet. Ansonsten mochte ich die Magievarianten und die offenen Fragen am Ende von „Wind“.

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„O du Mörderische“, „Mörderische Familienbande“ und „Mörderische Verstrickungen“ von Anne George habe ich an zwei Nachmittagen gelesen, nachdem ich zufällig in der Bibliothek darüber gestolpert war. Eigentlich hatte ich nur ein Buch zum Antesten mitnehmen wollen, war aber vor Ort zu faul herauszufinden, welcher Titel der erste von den vorhandenen wäre. Die Romane rund um die beiden Schwestern Mary Alice (genannt Schwesterherz) und Patricia Anne (genannt Maus) bieten wunderbar entspannende Wohlfühlgeschichten aus Alabama. Die beiden Schwestern sind über sechzig Jahre alt und während Patricia Anne glücklich verheiratet ist, hat Mary Alice schon drei Männer zu Grabe getragen (und hätte grundsätzlich nichts gegen einen vierten Ehemann). Zusammen stolpern die beiden – dank ihres großen Familien- und Freundeskreises – immer wieder über seltsame Begebenheiten und Leichen. Dabei ermitteln die beiden nicht professionell, sondern unterhalten sich nur immer wieder mit Freunden, Verwandten und neuen Bekannten über die Vorfälle, bis sie dadurch so sehr in Schwierigkeiten geraten, dass der Fall irgendwie gelöst wird. Der Krimianteil ist also wirklich nicht mehr als der Rahmen rund um zwei liebenswerte Protagonistinnen, etwas Südstaatenfeeling und viele unterhaltsame (und witzige) Szenen. Mir haben die Romane wirklich gut getan. 

Leseeindrücke im Januar

Im Januar habe ich den dritten Mumins-Band gelesen und die Zeit, die ich im Mumin-Tal verbracht habe, wieder sehr genossen. Trotzdem fand ich „Die Mumins – Eine drollige Gesellschaft“ von Tove Jansson nicht ganz so schön wie die ersten beiden Teile. Erst einmal wird in dem Buch nicht eine durchgehende Geschichte erzählt, sondern verschiedene Episoden, die damit beginnen, dass Mumin und seine Freunde den Zylinder eines Zauberers finden und sich dann über mehrere Monate ziehen, und dann gibt es immer wieder Fußnoten, in denen der Leser aufgefordert wird, seine Mutter wegen diesem oder jenem Detail zu fragen. Das hat mich wirklich gestört – mir hätte es besser gefallen, wenn die Autorin diese Sachen einfach offen gelassen hätte. Trotzdem war es schön Mumin und all die anderen Bewohner des Mumin-Tals wiederzusehen und mit ihnen kleine und große Abenteuer zu erleben. 
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Da ich ja meinen englischen SuB abbauen will, habe ich mir für Januar die Harry-Dresden-Romane von Jim Butcher vorgenommen, die ich zum Geburtstag und zu Weihnachten bekommen habe. Ich bin sehr froh, dass ich gerade diese drei Bücher „am Stück“ lesen konnte, denn in „Changes“, „Ghost Story“ und „Cold Days“ geschehen einige wirklich gravierende Dinge, die Harrys Welt ganz schön auf den Kopf stellen. Ich will nicht spoilern, kann aber verraten, dass mich „Changes“ beim Lesen richtig fertig gemacht hat. So eine schreckliche Geschichte, ich habe ständig geweint, weil Harry immer wieder Dinge erfuhr, die ihn verletzten, oder Entscheidungen treffen musste, vor die kein Mensch (nicht mal eine Romanfigur 😉 ) je gestellt werden sollte. Trotzdem fand ich die Handlungsentwicklung genau so richtig und schlüssig und bin der Meinung, dass es gut ist, dass einige Handlungsstränge durch diesen Band beendet wurden.

„Ghost Story“ war im Vergleich zu „Changes“ eine überraschend emotionslose Geschichte. So einige Szenen fand ich sehr lustig, doch vor allem habe ich mich die ganze Zeit gefragt, worauf der Autor nun hinaus wollte und wie er die Kurve wieder kriegen will, um weitere Harry-Dresden-Geschichten zu erzählen. Eindeutig ein Roman, den ich mehr mit dem Kopf als mit dem Bauch gelesen habe (was ich von dieser Serie eigentlich nicht gewohnt bin), aber das war nach der emotionalen Achterbahn des vorhergehenden Bandes auch sehr erholsam. „Cold Days“ hingegen bedeutet in gewisser Weise einen Neuanfang für Harry Dresden. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob das auch beinhaltet, dass man sich von den vertrauten (Neben-)Figuren trennen muss, aber natürlich hat sich das schnell geklärt und es gab ein Wiedersehen mit Harrys Freunden (und Feinden). Im März kommt der nächste Band der Reihe als Taschenbuch raus – bis dahin genieße ich erst einmal die Tatsache, dass ich ausnahmsweise bei Harry Dresden auf dem aktuellen Stand bin. 😉

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„Das Ende des Bengalischen Tigers“ von Yoko Ogawa habe ich bei Hermia entdeckt, als sie darüber schrieb, dass sie das Buch gern bald lesen würde. Die Inhaltsangabe klang interessant und da ich gern (für mich) neue japanische Autoren entdecke, habe ich das Buch in der Bibliothek vorgemerkt und erstaunlich schnell auch ausleihen können. Nach dem Lesen der elf Geschichten (deren Protagonisten alle in gewisser Weise miteinander verbunden sind) kann ich allerdings nicht so recht sagen, ob mir dieser Band gefallen hat. Manche Erzählungen fand ich faszinierend, manche Beschreibungen fand ich wunderschön und poetisch, andere Geschichten haben mich vor allem verwirrt oder abgestoßen zurückgelassen – und ich finde es sehr schade, dass drei Tage nach dem Lesen vor allem letztere in mir nachklingen. Ich hätte das Buch lieber mit den schönen oder skurrilen Momenten in Erinnerung behalten und weniger mit den Szenen, die mir – auf die eine oder andere Weise – zu viel waren. Im Moment kann ich noch nicht sagen, ob ich irgendwann einmal einem der Romane der Autorin eine Chance gebe oder ob ich es bei dieser Sammlung von Kurzgeschichten belasse.

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Da ich nach dem Lesen von „Das Ende des Bengalischen Tigers“ ein neues Zwischendurch- und Wartebuch benötigte, habe ich dann „Todeszeichen“ von Saskia Berwein angefangen. Den Roman hatte ich im November bei Irina entdeckt und vor ein paar Tagen aus der Bibliothek nach Hause schleppen können. Die Anfangsszene fand ich nicht so schlimm wie Irina und insgesamt habe ich mich mit dem Buch gut unterhalten gefühlt. Es ist kein Krimi, bei dem man groß mitermitteln kann, stattdessen verfolgt man die Arbeit der Polizistin Jennifer Leitner (und des sie begleitenden neuen Staatsanwalts Oliver Grohmann) und die Perspektive einer jungen Frau, deren Mutter von einem Serienmörder umgebracht wurde. Insgesamt eine angenehm unaufgeregte Erzählweise, flüssig geschrieben und – trotz des problematischen Privatlebens der Beteiligten – relativ dramafrei. Keine Reihe, die ich mir kaufen würde, dafür haben mich weder die Figuren, noch die Handlung genügend berührt, aber wenn die Bibliothek mehr als den ersten Band im Bestand hätte, würde ich die Fortsetzungen auch noch ausleihen und lesen.