Schlagwort: Urban Fantasy

Lydia M. Hawke: Becoming Crone (Crone Wars 1)

Ich bin gerade wirklich mäkelig, wenn es ums Lesen geht, aber „Becoming Crone“ von Lydia M. Hawke hat mich in der letzten Woche überraschend gut unterhalten. Die Geschichte beginnt mit dem sechzigsten Geburtstag von Claire Emerson und fühlt sich anfangs nach einem dieser Frauenromane an, bei denen die Protagonistin (normalerweise mit Anfang 40) vor den Scherben ihres durchgeplanten und – bislang irgendwie – erfolgreichen Lebens wiederfindet. Claire ist vor sechs Monaten geschieden worden, ihr Sohn hat schon vor einigen Jahren eine eigene Familie gegründet, und ihr geht so langsam auf, dass sie immer ihre eigenen Bedürfnisse für andere zurückgesteckt hat. Sie ist frustriert und gelangweilt und sehnt sich nach einer erfüllenden Aufgabe, hat aber keine Ahnung, wie solche eine Aufgabe aussehen könnte.

Wenn das alles gewesen wäre, hätte mich die Autorin nicht dazu gebracht, nach der Leseprobe spontan das Buch zu kaufen. Aber da von Anfang an feststeht, dass Claires Leben mit einem kräftigen Schuss Magie in Aufruhr gebracht wird, habe ich gespannt und amüsiert verfolgt, wie die Protagonistin mit der Tatsache fertigwerden muss, dass sie eine Hexe ist. Genau genommen ist sie eine „Crone“, was bedeutet, dass sie eine führende Position im Kampf gegen eine Gruppe von Magiern einnehmen sollte. Und eigentlich hätte sie in den vergangenen Jahrzehnten genügend Wissen und Können rund um ihre Magie sammeln sollen, um ihre neue Rolle angemessen ausfüllen zu können. So aber sieht sich Claire mit ihren sechzig Jahren gezwungen, nicht nur damit fertigzuwerden, dass es Magie wirklich gibt und sie eine Menge dazu zu lernen hat, sondern auch damit, dass einige Magier und ihre Monster es auf sie (und ihre Familie) abgesehen haben.

Die Handlung ist nicht gerade komplex (was bei gerade mal 200 Seiten kein Wunder ist), aber es gab so viele Elemente, die ich an der Geschichte mochte, dass mich das definitiv nicht gestört hat. Ich finde es großartig, dass die Protagonistin eine sechzigjährige Frau mit all den dementsprechenden Wehwechen ist und dass sie z.B. das Grimoire, das ihr mehr über Magie und die Geschichte der Crone beibringen soll, nicht entziffern kann, wenn sie keine Lesebrille bei der Hand hat. Ich mochte es, dass Claire nicht alles nur schwarz oder weiß sieht und dass sie sich Stück für Stück an die Magie gewöhnt, statt diese anfangs vollkommen abzulehnen und dann hundertprozentig von ihrer Existenz überzeugt zu sein. Auch gefiel es mir, dass natürlich in der Geschichte so einiges schiefläuft, weil eine Hexe ohne jegliche Übung nun einmal nicht erfahren genug ist, um mit der Macht der Crone umzugehen, die Claire an ihrem Geburtstag verliehen wurde.

Dazu kommen noch all die wunderbaren Nebencharaktere wie Claires beste Freundin Edie, die Gargoyle-Dame Keven, Claires Gestaltwandler-Beschützer Lucan oder die Polizistin Kate. Ich habe die Interaktionen der verschiedenen Figuren mit Claire sehr genossen, weil in den Gesprächen häufig gegenseitiges Verständnis und Respekt mitschwingen, selbst wenn Claire regelmäßig unglücklich mit dem Ausgang dieser Unterhaltungen ist. Außerdem gibt es immer wieder amüsante kleine Elemente in der Handlung, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, wie Edies Versuche, Claire zum Fluchen zu bewegen, oder die Reaktionen von Passanten, wenn Claire mit einem Wolf an der Leine durch die Stadt geht. All das führt dazu, dass „Becoming Crone“ sich – trotz der Bedrohung durch die Magier, die Kämpfe und der im Laufe der Geschichte getöteten Charaktere – nicht sehr düster und mehr nach „Wohlfühllektüre“ anfühlt. Ich finde es auf jeden Fall schön, dass dies erst der erste Band rund um Claire war und in einem halben Jahr der nächste Teil („The Gathering of Crones“) veröffentlicht wird.

C. Gockel: Wolves (I Bring the Fire 1)

Ich hatte im März die Anthologie „Once Upon A Curse“ gelesen und mochte die Kurzgeschichte „Magic After Midnight“, die C. Gockel in der Anthologie veröffentlicht hatte, unglaublich gern. Also habe ich nach weiteren Titeln der Autorin gesucht und festgestellt, dass die Sammelausgabe von „I Bring the Fire“ (Band 1-3 plus 3.5) schon seit einiger Zeit in der riesigen ungelesenen Datensammlung meines eReaders ruhte. Ich gestehe, dass meine Erwartungen nach dieser einen Kurzgeschichte hoch waren und dass sie von „Wolves“ … nicht so ganz erfüllt wurden. Genau genommen bin ich nach dem Lesen des letzten Satzes dieses kurzen Romans (252 Seiten) in schallendes Gelächter ausgebrochen, weil die Geschichte so absurd endet – oder besser gesagt „nicht endet“, da man diesen ersten Teil definitiv nicht so für sich stehen lassen kann. Da ich mir aber noch nicht sicher bin, ob ich die anderen Teile noch lesen mag, und gern meine Gedanken ein wenig (öffentlich) ordnen will, gibt es hier also eine Rezension zum ersten Band. Ich kann ja ein Postscriptum an den Beitrag anhängen, wenn ich noch mehr lesen sollte.

Die Handlung wird auf der einen Seite aus Sicht der Veterinärmedizin-Studentin Amy Lewis erzählt, die gemeinsam mit ihrem kleinen Hund Fenrir zu Beginn der Ferien mit dem Auto von der Universität zu ihrer Großmutter Beatrice nach Chicago fährt. Dort will sie den Sommer über genügend Geld verdienen, um das kommende Semester zu finanzieren. Auf der langen Strecke bekommt sie ein Problem mit ihrem Auto, und statt Glück zu haben und von einem anderen Fahrer Hilfe zu bekommen, wird sie von einem Serienmörder gefunden. Doch bevor etwas Schlimmes passieren kann, kommt Amy ein unbekannter Mann zur Hilfe, der sich als Thor Odinson vorstellt. Womit wir zur zweiten Perspektive in dieser Geschichte kommen, der von Thor Loki. Loki ist nach einem Vorfall, bei dem Odin Lokis Söhne wegen Verrats in die Leere (ich vermute, dass damit Ginnungagap gemeint sein sollte) werfen lassen wollte, durch einen irrgeleiteten Zweig des Weltenbaums auf der Erde gelandet. Dank glücklicher Umstände kann Loki so Amy vor dem Serienmörder retten und bekommt damit eine Begleiterin, die sich nicht nur in der aktuellen Welt auskennt, sondern auch bereit ist, ihm immer wieder bei allen möglichen Dingen zu helfen. Denn Loki muss nicht nur eine Zeitlang auf der Erde überleben, sondern er versucht natürlich auch, seine Söhne doch noch zu retten oder – wenn sein Rettungsversuch zu spät sein sollte – Rache an Odin zu nehmen.

Das ist die Ausgangssituation, und viel mehr passiert in der aktuellen Handlung eigentlich nicht, bis es zum „mehr als offenen“ Ende kommt. Amy und Loki fahren zu Amys Großmutter, unternehmen gemeinsam mit dieser einen Ausflug zu den Elfen und … das ist es irgendwie. Wobei ich zugeben muss, dass es so einige amüsante Momente mit Loki gab, der sich mit moderner Technologie herumschlägt, denn das letzte Mal war er während des ersten Weltkriegs auf der Erde. Amy selbst ist etwas farblos gestaltet, aber ich fand Amys Reaktion auf Magie und all die anderen Dinge, die für Loki selbstverständlich sind, unterhaltsam zu lesen. Außerdem ist Amys Großmutter Beatrice eine wunderbare Figur, von der ich gern noch mehr gesehen hätte, auch wenn ihre Szenen nicht so viel zum Voranschreiten der Handlung beigetragen haben. Was Loki angeht, so gibt es immer wieder Passagen, in denen er sich an Ereignisse in der Vergangenheit erinnert, und diese waren wirklich gut zu lesen. Die Autorin beweist hier eine ungewöhnliche Sicht auf bekannte nordische Mythen, bei denen die vertraute Basis durch Lokis Perspektive und all die anderen Dinge, die er über die beteiligten Personen zu sagen hat, einen ganz neuen Dreh bekommt. Diese „Neuerzählungen“ mochte ich wirklich gern, und ich glaube ehrlich gesagt, dass C. Gockel mit der „I bring the Fire“-Serie eigentlich auch nur einen Weg suchte, um ihre Loki-Geschichten in einen (verkaufbaren?) Urban-Fantasy-Roman einzuflechten, ohne dass sie sich wirklich eine Handlung für den UF-Teil des Ganzen ausgedacht hatte.

Außerdem fühlt sich „Wolves“ definitiv nicht nach einem abgeschlossener Roman an, auch wenn er als erster Band der Serie vermarktet und verkauft wird. Die Geschichte liest sich eher wie ein sehr langer (und stellenweise sogar wirklich unterhaltsamer) Prolog, und kaum hat die Autorin die Grundvoraussetzungen ihrer Welt und die aktuelle Position ihrer Figuren dem Leser dargelegt, endet das Buch, ohne dass man das Gefühl hat, es sei wirklich etwas passiert. Ich vermute vielmehr, dass man die ersten drei Bände am Stück lesen muss, um einen „abgeschlossenen ersten Teil“ gelesen zu haben, aber ich muss gestehen, dass mich nur die Tatsache, dass ich eh schon die beiden nächsten Teile (plus die anschließende Novella) habe, überhaupt darüber nachdenken lässt, weiterzulesen. Wenn ich mir den zweiten Band dafür kaufen müsste, würde ich einfach mit den Schultern zucken und zu einem anderen Buch weiterwandern, weil es mir diese Geschichte definitiv nicht wert wäre, dafür extra Geld auszugeben. So hingegen habe ich ja die Fortsetzungen schon, und auch wenn ich erschreckenderweise so gar nicht neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung bin, so argumentiert ein Teil von mir mit „aber es war ja schon irgendwie nett und stellenweise amüsant“ fürs Weiterlesen.

Rachel Caine: Working Stiff (Revivalist 1)

Bislang habe ich mich eigentlich mit allen Romanen, die ich von Rachel Caine gelesen habe, gut unterhalten gefühlt, aber „Working Stiff“ konnte mich nicht so recht überzeugen. Die Handlung dreht sich um Bryn Davis, die nach einigen Jahren in der US-Armee ihren ersten zivilen Job in einem Bestattungsinstitut antritt. Nach all der Zeit, in der sie mit Kriegsopfern zu tun hatte, weiß sie, dass sie mit Leichen ebensowenig wie mit Trauer ein Problem hat. Außerdem geht sie davon aus, dass die Beschäftigung in einem Bestattungsinstitut ihr einen ruhigen und langfristigen Arbeitsplatz sichern wird. Doch bedauerlicherweise betreibt ihr neuer Arbeitgeber Mr. Fairview ein kleines illegales Nebengeschäft, das dafür sorgt, dass Bryn gleich an ihrem ersten Arbeitstag getötet wird.

Grundsätzlich habe ich ja kein Problem mit toten Protagonistinnen, davon gibt es ja so einige in den diversen Urban-Fantasy-Romanen, aber hier ist nicht Magie die Ursache für Bryns weitere Existenz, sondern eine Chemikalie mit dem Namen „Returné“, die ihren Körper weiterhin „normal“ funktionieren lässt, solange sie einmal am Tag damit versorgt wird. Doch um weiterhin Zugang zu Returné zu haben, muss Bryn für die herstellende Pharmafirma herausfinden, wer Mr. Fairview illegal mit der Chemikalie versorgt und welche seiner Kunden der Bestattungsunternehmer damit behandelt hat. Dieser Auftrag ist natürlich nicht so einfach zu erfüllen, und so muss sich Bryn nicht nur mit dem Alltag des Bestattungsgeschäfts herumschlagen, sondern auch mit skrupellosen Wissenschaftlern, paranoiden Ex-FBI-Angestellten und einer neugierigen kleinen Schwester.

Ich muss zugeben, dass „Working Stiff“ in meinen Augen gleich mehrere Probleme mit sich bringt. So fand ich die Handlung über weite Strecken nicht besonders spannend, weil es recht lange dauerte, bis die Grundsituation aufgebaut und alle wichtigen Charaktere vorgestellt waren. Aber eine eher langsam voranschreitende Geschichte stört mich normalerwiese nicht, wenn ich die Figuren sympathisch finde und genügend unterhaltsame Szenen geboten bekomme, um dabei zu bleiben. Ich mochte, dass Rachel Caine die Protagonistin (zumindest zu Beginn) mit glaubwürdigen Stärken und Schwächen versehen hat, und das hat mich über den eher zähen Einstieg hinweggetröstet. So ist Bryn zwar eine Kriegsveteranin, aber sie ist nicht immer und jederzeit kampfbereit, sondern eben ein ganz normaler Mensch, der auch mal von einem Angriff aus heiterem Himmel überrascht wird. Ebenso ist sie in unvertrauten Situationen – wie sie zum Beispiel ihr erster Arbeitstag in größeren Mengen bietet – unsicher, während sie auf der anderen Seite kein Problem damit hat, aggressiven oder übergriffigen Personen ihre Grenzen aufzuzeigen, weil das eben etwas ist, womit sie Erfahrung hat.

Trotzdem bin ich mit Bryn bis zum Schluss nicht so recht warm geworden, und ich fürchte, dass das an der Ausweglosigkeit ihrer Situation lag. Bryn stirbt relativ früh in der Geschichte, und auch wenn Returné sie wie einen lebendigen Menschen funktionieren lässt, so steht von Anfang an fest, dass es keine Heilung oder Besserung für sie gibt. Sie wird für ihre restliche Existenz darauf angewiesen sein, dass ihr einmal am Tag Returné verabreicht wird, und wenn diese Chemikalien für ein paar Tage ausbleibt, wird sie bei vollen Bewusstsein verrotten. Außerdem gibt es eine Nebenwirkung von Returné, die dafür sorgt, dass Bryn jederzeit ihren eigenen Willen verlieren kann, wenn ihr nicht einmal wöchentlich ein Gegenmittel verabreicht wird. Mit dieser Grundvoraussetzung war es für mich als Leserin erschreckend egal, dass Bryn theoretisch ein gutes Leben führen könnte – also wenn es die diversen Personen und Institutionen, die sie manipulieren und kontrollieren wollen, nicht gäbe. Dazu kommt noch, dass ihr untoter Zustand dafür sorgt, dass Bryn so gut wie unzerstörbar ist. Sie kann zwar Schmerzen spüren und das Bewusstsein verlieren, aber genügend Zeit und eine ausreichende Versorgung mit Returné führen dazu, dass ihr Körper selbst noch so schwere Verletzungen wieder reparieren kann.

Ich brauche, wenn ich solche Bücher lese, einen kleinen Funken Hoffnung, dass es für die Protagonistin am Ende noch irgendwie „besser“ werden könnte und dass es ihr gelingt, die „Bösewichte“ in der Geschichte (zumindest temporär) zu besiegen. Außerdem möchte ich zu den Charakteren eine Verbindung aufbauen, die dafür sorgt, dass ich mir Gedanken um ihr Wohlergehen mache und mich frage, wie sie wohl aus den diversen Schwierigkeiten wieder herauskommen. Bei „Working Stiff“ habe ich diese Hoffnung und dieses Mitbangen leider vermissen müssen, und das sorgte dafür, dass ich mich nicht weiter mit Bryns Schicksal auseinandersetzen mochte. Mir fehlte ein Ausgleich für all die unschönen Szenen, die die Brutalität und Skrupellosigkeit der diversen Nebenfiguren mit sich brachten, und je weiter ich las, desto weniger neugierig war ich auf das Schicksal von Bryn und ihren Freunden. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich das Buch wohl nur beendet, weil ich hoffte, dass Rachel Caine am Ende doch noch etwas aus dieser Geschichte machen würde.

Jonna Gjevre: Arcanos Unraveled

Wenn ich überlege, dass ich früher nie einen Blick auf die Cover der Bücher geworfen habe, die ich gekauft habe, dann habe ich in letzter Zeit doch erstaunlich viele „Coverkäufe“ unter meinen Neuzugängen. Auch bei „Arcanos Unraveled“ von Jonna Gjevre wurde ich durch das Cover von Kathleen Jennings (deren Designs auch alle Mund-Nasen-Schutzmasken schmücken, die ich besitze) auf den Roman aufmerksam und fand dann den Klappentext reizvoll genug, um mir das Buch recht spontan zu kaufen, obwohl ich von der Autorin vorher noch nichts gehört hatte. Die Geschichte spielt zu heutiger Zeit in Madison (Wisconsin), auch wenn man davon am Anfang kaum etwas merkt, da die Protagonistin Anya Winter in einer magischen Parallelgesellschaft lebt, die jeglichen Kontakt mit magielosen Personen meidet.

Anya ist eine Heckenhexe (und somit eine „minderwertige Magiekundige“) und hat zu Beginn des Jahres mit viel Glück eine Vertretungsstelle als Dozentin für textile Zauberei in der magischen Universität Arcanos Hall bekommen, obwohl sie selbst keinerlei Studienabschlüsse vorweisen kann. Da die magische Gesellschaft durch Kontakt mit nichtmagischen Technologien wie Smartphones, PCs und Ähnlichem ihre Magie verliert, gibt es keinerlei Austausch zwischen den beiden Welten, und so hat sich diese Parallelgesellschaft ein eher mittelalterlich anmutendes System erhalten, inklusive Königen, die gegeneinander um die Herrschaft der (magischen) Welt Krieg führen. So ist es auch kein Wunder, dass sich unter Anyas Studenten vor allem Adelige befinden, wenn man von einigen wenigen Stipendiaten absieht, und dass Anya selbst es nicht einfach hat, sich in der akademischen Welt zu behaupten.

Trotzdem liebt sie Arcanos Halls sehr und hat das Gefühl, endlich ein Zuhause gefunden zu haben, bis ihr innerhalb kürzester Zeit all die Dinge, die sie in den vergangen Monaten erreicht hat, genommen werden. Der magische Schutzschirm der Universität wird zerstört, und irgendwie gelingt es ihrem ehemaligen Liebhaber Professor Ruskin, die Schuld dafür auf Anya zu schieben. Gleichzeitig macht Anya sich (begründete) Sorgen, weil sie gerade erst ihrer Studentin Prinzessin Elena helfen musste, die Leiche eines unbekannten Mannes zu beseitigen. Da Anya nicht nur eine Heckenhexe, sondern ihr Vater auch ein magieloser Physiker ist, scheint sie den perfekten Sündenbock für die Person abzugeben, die hinter all den Vorfällen rund um die Universität steckt, weshalb Anya nichts anderes übrig bleibt, als mit der Hilfe Prinzessin Elenas und eines mysteriösen Computer-Programmierers herauszufinden, wer der wahre Schuldige ist.

Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um mich in der magischen Gesellschaft von „Arcanos Unraveled“ zurechtzufinden, aber als ich mich erst einmal reingefunden hatte, mochte ich die Geschichte sehr gern. Jonna Gjevre hat sympathische und realistische Charaktere geschaffen, und auch wenn der Konflikt zwischen „Zauberern“ und „Heckenhexen“ nicht neu ist, so hat sie diesen Teil nicht nur gut und stimmig in ihre Welt eingebaut, sondern auch für einige wichtige Handlungselemente rund um Anya und ihre Verbündeten genutzt. An Anyas Erzählstimme musste ich mich etwas gewöhnen, denn für sie verwendet die Autorin ein Stilelement, das ich normalerweise nicht so gerne mag, und das ist der bewusste Widerspruch zwischen dem, was die Protagonistin denkt, was das richtige Handeln wäre, und ihrem tatsächlichen Handeln. Aber da Anya nicht mit ihren „Fehlern“ dem Leser gegenüber kokettiert, sondern diesen Widerspruch entweder selbst irritiert beobachtet oder einem eine gute Begründung gibt (häufig in der Form ihres Vaters, dessen Paranoia als „Aluhut-Träger“ ihre Kindheit sehr geprägt hat), konnte ich in diesem Fall gut damit leben.

Statt mich also immer wieder daran aufzuhängen, dass Anya Dinge tut, die auf den ersten Blick etwas irrational erscheinen, habe ich mich über die diversen Schwierigkeiten amüsiert, in denen sich die Protagonistin wiederfand. Außerdem habe ich diverse Charaktere sehr ins Herz geschlossen und würde wirklich gern mehr über sie erfahren – so wie die Stipendiatin Bertha Bratsch oder die alte Textil-Heckenhexe Madame Olann. Überhaupt ist die Textilmagie in diesem Roman wunderbar beschrieben, von der Verarbeitung der Fasern bis hin zum Stricken oder Häkeln komplizierter Muster. Nichts davon ist so ausführlich oder speziell beschrieben, dass man Erfahrung im Handarbeiten haben muss, um das zu lesen, aber jede Seite zeugt davon, dass in dieser Welt so viele Dinge darauf basieren, dass jemand Fasern mit einfachen Werkzeugen so verarbeitet, dass Magie entsteht. Ich mochte es sehr, dass all die fliegenden Teppiche, Unsichtbarkeitsmäntel usw. in dieser Geschichte nicht einfach nur da sind, sondern sich die Autorin viele Gedanken über die Herstellung und die Rolle dieser Objekte in ihrer Welt gemacht hat. Insgesamt hat mir „Arcanons Unraveled“ so viel Spaß beim Lesen bereitet, dass ich auch noch den Debütroman der Autorin („Requiem in La Paz“) auf meinen Merkzettel gesetzt habe.

RaShelle Workman: Undercover Reaper (Eerie Valley Supernaturals 1)

„Undercover Reaper“ von RaShelle Workman ist noch ein Titel, über den ich gestolpert bin, als ich eine Liste mit (kostenlosen und 99-Cent-)Urban-Fantasy-Angeboten durchgeschaut hatte. Und ich muss zugeben, dass ich das erste Drittel dieses Romans wirklich nett und unterhaltsam fand, obwohl sich die Autorin nicht besonders viel Mühe gegeben hat, um einen einigermaßen glaubwürdigen Hintergrund für ihre Urban-Fantasy-Geschichte zu schaffen. Die Handlung dreht sich um die Polizistin Faith Ghraves, die seit einigen Monaten in der kleinen Stadt Eerie Valley (in der Nähe von Los Angeles) arbeitet. Aktuell ermittelt sie in einem Serienmörder-Fall, für den sie undercover als Stripperin arbeiten soll, und hilft nebenbei ihrem Partner Steve, den Fall eines verschwundenen Kindes zu lösen. Faith hat von ihren verstorbenen Eltern genügend Geld geerbt, um sich ein Haus in der Stadt zu kaufen, kommt in der Regel ganz gut mit ihren Kollegen aus und hat vor einiger Zeit entdeckt, dass sie übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Genau genommen bezeichnet sich Faith als „Reaper“ und beschreibt ihre Aufgabe damit, dass sie die Seelen von Toten auf ihren Weg bringt. Allerdings entdeckt Faith im Laufe der Geschichte schnell weitere Fähigkeiten, so dass sie vergangene Erlebnisse von Personen sehen kann, wenn sie diese berührt, oder von Personen in Not träumt, denen sie dann anscheinend helfen soll.

Außerdem gibt es einen wunderschönen halbnackten Mann, der regelmäßig vor ihrer Haustür auftaucht und ihr Hinweise zur Ermordung ihrer Eltern gibt oder sie auffordert, ihre Fähigkeiten „richtig“ anzuwenden. Und weil es ja zu einfach wäre, wenn er ihr sagen würde, was Sache ist, muss sie Stück für Stück seine (in der Regel unausgesprochenen) Erwartungen erfüllen, um weitere Informationen zu bekommen. Auch scheint Faith nicht die einzige Person in der Stadt zu sein, die übernatürliche Fähigkeiten hat, aber da natürlich niemand über so etwas redet, kann man das als Leser nur anhand der diversen Anspielungen (und Mordfallauflösungen) erahnen. Das alles hätte ich zwar nicht wirklich gut, aber zumindest sehr unterhaltsam gefunden, wenn nicht nach dem ersten Drittel ständig irritierende „technische“ Fehler aufgetaucht wären. Immer häufiger gab es Sätze, in denen statt „ich“ „sie“ verwendet wurde, wobei der Wechsel auch mitten im Satz vorkommen konnte, was immerhin den Vorteil hatte, dass ich mich dann nicht fragen musste, ob die Autorin da beim Perspektivwechsel nur vergessen hatte, etwas zu ändern, oder ob ich mich da auf eine Art gespaltene Persönlichkeit einlassen sollte.

Während die gesamte Handlung (theoretisch) aus der Sicht von Faith erzählt wird, gibt es ab der Hälfte des Romans auf einmal ein Kapitel, das aus der Perspektive von ihrem Partner Steve geschrieben wurden, und ein weiteres am Ende des Romans (das aus dem Blauen heraus auf einmal lauter Hintergründe erklärt) aus der Sicht von FBI-Agent Lucas Mackey. Dieser Wechsel ist nicht nur vollkommen überraschend, sondern bringt bei Steves Kapitel auch keinerlei Mehrwert für den Leser. Es ist verwirrend, weil auf einmal Dinge, die in der ersten Hälfte des Buchs ganz klar gesagt wurden, aus Steves Perspektive um gegensätzliche oder zumindest widersprüchliche Elemente ergänzt werden. Bei Lucas‘ Kapitel hingegen habe ich mich gefragt, wieso die Autorin diese Details nicht schon früher mal eingeflochten oder zumindest angedeutet hat. Auch Faith selbst wirkt in dieser zweiten Hälfte als Charakter deutlich unrunder und unstimmiger (also zusätzlich zu den Sachen, die schon zu Beginn der Geschichte nicht so unglaublich gut ausgearbeitet waren). Das letzte Viertel von „Undercover Reaper“ habe ich dann eigentlich nur noch gelesen, weil ich wissen wollte, wie schlimm das Ganze noch werden könnte (und ich kann versichern, dass es definitiv nicht besser wurde)!

Weil ich mich dann so geärgert habe, dass so etwas veröffentlicht wird, habe ich angefangen, ein bisschen zu recherchieren, und herausgefunden, dass RaShelle Workman vor fünf Jahren einen Roman mit dem Titel „Undercover Empath – Kindred Demon“ veröffentlicht hatte, dessen Protagonistin zwar erst neunzehn Jahre alt ist, Rose Hansen heißt und in Blush Valley lebt, dessen Inhaltsangabe aber ansonsten deckungsgleich mit „Undercover Reaper“ ist. So ermittelt Rose nicht nur als Polizistin in einem Serienmord, wofür sie als Stripperin auftreten muss, sowie in einem Fall mit einem verschwundenen Kind (wobei ihr Partner dieses Mal Jack heißt), sondern auch ihr erscheint ein halbnackter Typ, der ihr Informationen zum Mord an ihren Eltern gibt und sie auffordert, ihre (Empathie-)Fähigkeiten zu nutzen. Selbst wenn „Undercover Empath“ noch zu kaufen gewesen wäre, hätte ich mir die Geschichte nicht angetan, aber ich bin mir sicher, dass RaShelle Workman nur ein älteres Buch umgeschrieben hat, um mit „Undercover Reaper“ eine Neuveröffentlichung vorzuweisen zu haben. Dagegen spricht ja grundsätzlich nichts, wenn es denn auch dementsprechend von der Autorin kommuniziert wird, vor allem, da die überarbeitete Fassung – soweit ich das nach dem mir vorliegenden Roman beurteilen kann – wirklich deutlich besser hätte werden können, wenn die Überarbeitung sich nicht nur auf das erste Drittel des Buchs beschränkt hätte. So hingegen finde ich es geradezu eine Unverschämtheit gegenüber dem Leser, dass sie den Text in diesem Zustand veröffentlicht hat.

Kat Richardson: Greywalker (Greywalker 1)

Da ich die bislang gelesenen Kurzgeschichten von Kat Richardson mochte, habe ich mal einen Versuch mit ihrer Greywalker-Reihe gewagt. Diese Reihe umfasst bislang neun Bücher (und wird zur Zeit nicht fortgesetzt) und dreht sich um die Privatdetektivin Harper Blaine. Harpers Berufsleben ist normalerweise von wenig spektakulären Fällen geprägt, doch bei einem Routineauftrag wird sie von einem Mann angegriffen und so schwer verletzt, dass sie wiederbelebt werden muss. Ich muss gestehen, dass ich diese Szenen beim ersten Lesen so heftig fand, dass ich das Buch erst einmal für ein paar Tage aus der Hand gelegt habe. Auf der anderen Seite prägt dieser Angriff Harpers zukünftiges Leben sehr, so dass ich verstehen kann, dass die Autorin nicht darauf verzichten wollte. Außerdem ist das die einzige Szene in diesem Roman, in der Gewalt so detailliert und mir nahegehend beschrieben wurde.

Harpers kurzzeitiger Tod setzt eine – vorher anscheinend nur latent vorhandene – Fähigkeit bei ihr frei, so dass sie nicht nur Geister sehen und die Welt „zwischen dieser und der nächsten Welt“ betreten kann, sondern geradezu zu einem Magneten für übernatürliche Wesen wird. Als Greywalker, wie sie von den beiden Personen bezeichnet wird, die ihr helfen, mit ihrer Fähigkeit zurechtzukommen, muss sie akzeptieren, dass es so etwas wie Magie und andere übernatürliche Dinge auf der Welt gibt, was für Harper nur sehr schwer hinzunehmen ist. Ich fand es stimmig, dass die recht rationale Harper Probleme hat, sich an all die neuen Elemente in ihrem Leben zu gewöhnen und dass es immer wieder zu schwierigen Situationen kommt, weil sie nicht weiß, wie sie mit Geistern, Vampiren und anderen Elementen umgehen soll. Allerdings muss ich zugeben, dass all diese Szenen rund um Harpers Umdenken und Lernen dafür sorgen, dass die Handlung von „Greywalker“ ein recht gemächliches Tempo anschlägt. Mir persönlich hat das nichts ausgemacht, ich fand es sogar nett zu lesen, wie Harper parallel zu all den neuen Dingen in ihrem Leben versucht, weiter als Privatdetektivin zu arbeiten (und ihre Arbeit vor allem aus mühsamer Lauf- und Recherchearbeit besteht), kann mir aber vorstellen, dass diese Elemente dem einen oder anderen Leser zu langatmig sind.

Auch gibt es recht wenig überraschende Aspekte in der Handlung. Das „Geheimnis“ rund um den verschwundenen Collegestudenten lag für mich ebenso auf der Hand wie die Hintergründe rund um den Auftraggeber, der ein „Familienerbstück“ verloren hatte. Aber da ich Harpers Entwicklung gern verfolgte, die magischen Elemente in diesem Roman ebenso wie die verschiedenen Dialoge sehr mochte und auch die Nebencharaktere so einiges zu meiner Unterhaltung beigetragen haben, konnte ich gut mit der Vorhersehbarkeit dieser Handlungspunkte leben. Am Ende von „Greywalker“ bin ich gespannt darauf, wie es mit Harper und ihren neuen Fähigkeiten weitergeht und wie ihre Freundschaft zu dem Wissenschaftler-und-Hexe-Ehepaar, das ihr bei der Erforschung ihrer Kräfte hilft, weitergeht. Außerdem scheint es – wenn ich nach den Titeln der kommenden Romane gehe – noch so einige weitere übernatürliche Wesen in dieser Welt zu geben, auf die ich gespannt bin. Denn auch wenn ich ein paar Schwachpunkte beim Lesen des Romans gefunden habe, so habe ich mich insgesamt so gut amüsiert, dass ich die Fortsetzung direkt nach Beenden des Buches bestellt habe, um zu sehen, was die Autorin nun, da die Grundvoraussetzung für die Reihe geschaffen sind, aus Harper und ihren Freunden machen wird.