Schlagwort: Urban Fantasy

Lese-Eindrücke März 206

In den letzten zwei Märzwochen habe ich so viel und intensiv gelesen, dass ich alle paar Tage innehalten und meine diversen Leselisten aktualisieren musste. Ich gebe zu, dass der Großteil der gelesenen Romane „Fast Food“-Lektüre war, aber es hat mir wirklich gutgetan, mal wieder so sehr im Lesen zu versinken. Bei der Menge an gelesenen Büchern ist natürlich auch einiges zusammengekommen, was nicht genug Eindruck für eine ausführliche Rezension hinterlassen hat, aber wozu ich hier trotzdem noch ein paar Zeilen festhalten möchte. Oh, und Anlass für die Menge an gelesenen Büchern war eine Aktion, bei der viele erste Bände von Serien kostenlos angeboten wurden, von denen ich mir zum Monatsanfang einige runtergeladen hatte.

Ava Grace Bentley: A Billionaire’s Tail (Heiress of the Dawn 1)

Ich muss gestehen, dass ich „A Billionaire’s Tail“ wegen des – meiner Meinung nach wirklich suboptimalen – Titels beinah nicht runtergeladen hätte. Aber zu meiner Überraschung hat sich die Geschichte von Ava Grace Bentley als wirklich solide, actionreiche Urban Fantasy herausgestellt, und ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. In „A Billionaire’s Tail“ verbergen sich die „Others“ (übernatürliche Personen) vor den Menschen, während gleichzeitig ein Machtkampf zwischen den „normalen Others“ (wie Werwölfe, Vampire usw.) und den „Omens“ (besonders starke übernatürliche Wesen, deren Geheimnis erst im Laufe des Romans enthüllt wird) stattfindet. Die Protagonistin ist seit Jahren auf der Flucht vor dem Mann, der ihre Familie getötet hat, und deshalb zu Beginn der Geschichte physisch, psychisch und finanziell ziemlich am Ende, aber natürlich wendet sich ihr Schicksal in den ersten Kapiteln zum Besseren. Insgesamt ist die Handlung schon relativ vorhersehbar (und wieso die Protagonistin nicht kapiert, dass die drei Personen, die alle gleich riechen, „überraschenderweise“ ein und dieselbe Person in unterschiedlichen Identitäten sind, muss ich nicht verstehen), aber ich hatte trotzdem eine so gute Zeit mit dem Roman, dass ich mir nach dem Lesen von „A Billionaire’s Tail“ den zweiten Teil vorbestellt habe, der am 30. Juni erscheinen wird.

Kenley Davidson: Dragon Chained (The Dragon of 23rd Street 1)

Noch ein kostenloser erste Band einer Reihe und noch eine Geschichte, mit der ich mich überraschend gut amüsiert habe, obwohl der Humor mir stellenweise etwas zu gewollt war. Protagonistin Kira Everleigh ist eine Drachin, die gemeinsam mit ihrer Tante in Menschengestalt in einer kleinen Wohnung über einer Buchhandlung in Oklahoma City lebt. Während ihre Tante verreist ist, kümmert sich Kira um den Laden, bis eines Tages ein Elf das Geschäft betritt und nach ihrer Tante sucht. Im Laufe der Geschichte findet Kira raus, dass sie deutlich weniger über ihre Herkunft, über ihre Tante und all die anderen magischen Rassen weiß, als sie dachte, während sie sich gleichzeitig mit einem Elfen-Assassinen auf die Suche nach ihrer verschwundenen Tante macht und einige Abenteuer erlebt. Es gab einige wirklich nette Momente in der Geschichte, und die Handlung hat sich sehr schön flüssig weglesen lassen. Aber es gab auch zu viele Szene, bei denen ich mit den Augen gerollt habe, weil sie geradezu „schau, ist das nicht lustig?!“ schrien. Alles in allem nett, aber nicht gut genug, um Geld für die beiden Fortsetzungen auszugeben … Oh, und noch eine kleine Anmerkung: Laut Klappentext ist die Trilogie schon mal unter dem Pseudonym Haley Ryan veröffentlicht worden.

Jen Lynning: Lady of Truth (The Great Balance World)

„Lady of Truth“ von Jen Lynning gehörte nicht zu den schon erwähnten kostenlosen eBooks, sondern war eine Empfehlung aus einem Autorinnen-Newsletter – und ich fand die Grundidee, dass die Protagonistin Eleya nicht lügen kann, reizvoll. Die Geschichte beginnt damit, dass sich Eleya nachts in das Schlafzimmer des Mannes schleicht, bei dem ihr Bruder Schulden hat, um diese Schulden auf … handfeste Weise „abzuarbeiten“. Doch Prinz Dmir hat nicht vor, Eleya auszunutzen oder gar Geld von einem Mann einzutreiben, den das in Schwierigkeiten bringen würde – was am Ende dazu führt, dass er Eleya als Sekretärin beschäftigt. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander, und ich fand es etwas unbefriedigend, dass ich in dem (gerade mal 120 Seiten langen) Roman das bessere Kennenlernen der beide nicht wirklich miterleben konnte. Dafür hat die Autorin halt mehr Seiten für den „steamy“ Teil dieser „Steamy Steampunk Novella“ aufgewandt, was unterhaltsam war, aber nicht das, was mir an diesem Roman wirklich gefiel. Ich mochte die Idee einer Welt, in der Balance eine wichtige Rolle spielt, mir gefiel die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Bruder und die zu ihrer besten Freundin, und das waren die Teile der Geschichte, von denen ich gern noch mehr gelesen hätte. Die anderen Bände der Reihe sind länger, aber so ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob ich weiterlesen mag.

Kimberly A. Rogers: Threats by Numbers (Rogue Spotter 1)

Ich hatte unter meinen kostenlosen eBooks überraschend viele Titel, mit denen ich mich gut amüsiert habe, aber „Threats by Numbers“ von Kimberly A. Rogers gehörte leider nicht dazu. Auch dieser Urban-Fantasy-Roman hatte eine Grundidee, die ich in ihrer Ungewöhnlichkeit eigentlich ganz reizvoll fand. Die Protagonistin Lauren ist ein „Spotter“ – was bedeutet, dass sie eine Person ist, deren übernatürliche Fähigkeit darin besteht, die Gefährlichkeit einer anderen Person anhand einer Zahl (die für sie über deren Kopf zu sehen ist) erkennen zu können. Das Gefahrenpotenzial der meisten Personen liegt bei 3 oder 4, weshalb Lauren unglaublich alarmiert ist, als sie eines Tages bei der Arbeit eine 10 sieht. Wie gesagt, ich fand die Idee eigentlich ganz lustig, aber meinem Gefühl nach hat Kimberly A. Rogers überhaupt nichts daraus gemacht. Ich persönlich finde es zum Beispiel vollkommen unglaubwürdig, dass das Gefahrenpotenzial einer Person immer gleich sein soll – glaubt mir, wenn ich müde oder hungrig bin, bin ich definitiv gefährlicher als satt und ausgeschlafen. 😉 Ebenso fiel es mir schwer zu glauben, dass es Lauren seit Jahren gelingt, sich nicht als Spotter zu outen, wenn sie sich gleichzeitig bei jedem einzelnen Vorfall in der Handlung so ungeschickt anstellt. Das einzige, was ich postiv anmerken kann, ist, dass sich die Beziehung zwischen ihr und „Mr 10“ langsam entfaltet, nachdem die beiden so einige Verabredungen hatten. Wobei ich mich beim Lesen durchgehend fragte, wieso Lauren auf der einen Seite ständig daran denkt, dass eine 10 unfassbar gefährlich ist, und sich auf der anderen Seite durchgehend eingestehen muss, dass dieser Mann einfach nur aufmerksam, rücksichtvoll, fürsorglich und freundlich ist und sie sich in seiner Gegenwart ausnahmsweise einmal sicher fühlt. Am Ende des Romans war ich so genervt von dem Widerspruch zwischen dem Verhalten der Protagonistin und dem, was mir die Autorin die ganze Zeit weismachen wollte, dass ich froh war, dass das Buch nur knapp 200 Seiten lang war.

Dusty Rose: Wanted: Vampire’s Assistant (Moonhaven Cove 1)

Da ich diesen Beitrag dieses Mal nach meiner alphabetischen Leseliste zusammengestellt habe, kommt hier erst das erste kostenlose eBook, das ich im März gelesen hatte. „Wanted: Vampire’s Assisstant“ von Dusty Rose ist genau die Art von leichter, fantastischer Liebesgeschichte, die der Titel vermuten lässt. Protagonistin Mia Durran verliert zu Beginn der Geschichte ihren Job und droht, auch ihr Apartment zu verlieren. Deshalb nimmt sie ein absurd klingendes Jobangebot als Assistentin eines Vampires an – obwohl Mia anfangs nicht glauben kann, dass es übernatürliche Wesen überhaupt gibt. Dieser neue Job führt sie in den kleinen Ort Moonhaven Cove, der eine Zuflucht für alle möglichen Arten von übernatürlichen Wesen darstellt, wo sie nicht nur neue Freunde findet, sondern sich auch in ihren Chef Draven Leto verliebt. Aber natürlich ist auch in Moonhaven Cove nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und so müssen Mia und Draven herausfinden, wer Anschläge auf den Vampir und/oder seine neue Assistentin verübt. Das alles ist nett, aber so vorhersehbar, dass ich zum Monatsende schon ganz vergessen hatte, dass ich den Roman gelesen hatte. Die Moonhaven-Cove-Reihe ist definitiv keine Reihe, die ich fortsetzen muss.

Lese-Eindrücke September 2024

Meine Lektüre im September bestand vor allem aus Büchern, die ich eigentlich im Sommer lesen und die ich nicht ein weiteres Jahr auf dem SuB liegen lassen wollte. Aber das sind Romane, die ich eigentlich noch „richtig“ rezensieren will, während hier vor allem die eBooks landen, die ich parallel zu meinen SuB-Titeln gelesen habe.

Meghan Ciana Doidge: Cupcakes, Trinkets, and Other Deadly Magic (Dowser Series Book 1)

Bei dem Titel (und nach der Leseprobe) hatte ich von „Cupcakes, Trinkets, and Other Deadly Magic“ einen netten Cozy Mystery mit fantastischen Elementen erwartet und war umso überraschter, dass sich das Buch als solide Urban-Fantasy-Geschichte entpuppte. Ich mochte die Protagonistin Jade, auch wenn sie ab und an etwas arg naiv dachte und handelte, außderdem gefielen mir die fantastischen Elemente, die die Autorin sich für diesen Roman ausgedacht hat. Und obwohl ich die Identität des Mörders am Ende des ersten Kapitels schon erahnen konnte (und da war der Mord im Buch noch nicht einmal passiert!), habe ich mich gut genug unterhalten gefühlt, dass ich den zweiten Band der Reihe auf meine Merkliste gesetzt habe. Es ist gerade schwierig genug für mich, neue Urban-Fantasy-Autor*innen zu finden (vor allem welche, die keinen „Romance-Schwerpunkt“ in ihre Handlung einbauen), so dass ich über die paar nicht so gelungenen Punkte hinwegsehen kann und dem zweiten Teil eine Chance geben mag.

Baroness Orczy: The Old Man in the Corner

Baroness Orczy ist eine der Krimiautorinnen der 1920er Jahre, die mir bislang noch nicht untergekommen war, und ich fand, dass die Grundidee (junge Journalistin bekommt von einem alten Mann in einem Café die Hintergründe zu aktuellen Verbrechen erklärt) ganz reizvoll klang. Leider konnte mich diese Sammlung von kurzen Geschichten dann doch nicht überzeugen. Der Aufbau jeder Geschichte ist gleich: Der namenlose alte Mann fasst im ersten Kapitel für die Journalistin zusammen, was für ein Verbrechen begangen wurde, um dann im zweiten Kapitel die Informationen zu ergänzen, die durch die Ermittlungen der Polizei und eventuelle Gerichtsverhandlungen aufgedeckt wurden. Zum Abschluss erzählt er der jungen Frau dann, was seiner Meinung nach die Lösung des Ganzen ist – Mansplaining in Reinkultur also und deutlich weniger unterhaltsam als erhofft.

Das ist jetzt nicht so viel anders als andere Cozy Mysteries, aber hier fand ich viele Auflösungen ziemlich durchschaubar, und es frustrierte mich, dass ich als Leserin nie erfuhr, ob der alte Mann recht hatte. Das Gespräch mit der Journalistin schien am Ende keinerlei Folgen für den/die Verbrecher oder die Opfer zu haben, so dass sich durch diese Denkspiele nichts änderte, während sich gleichzeitig der alte Mann auf die Schulter klopfte, weil er so viel klüger als alle anderen ist und einfach nur keine Lust hat, der Polizei auf die Sprünge zu helfen … Dazu kamen noch so einige ableistische und rassistische Elemente, die ich bei anderen Autor*innen dieser Zeit nicht (so gehäuft) gefunden habe. Das alles führt dazu, dass ich nicht noch mehr von Baroness Orczy lesen möchte.

Tansy Rayner Roberts: This Enchanted Island (Teacup Magic 6)

„This Enchanted Island“ ist der sechste Teil der Teacup-Magic-Reihe, und während sich theoretisch jeder Band einzeln lesen lässt, würde ich doch empfehlen, die Veröffentlichungsreihenfolge einzuhalten, um keine Spoiler für weitere Handlungsentwicklungen zu bekommen. Die erste Hälfte dieser Geschichte spielt auf der Caliban, einem Schiff, das von Freibeutern der Königin gesteuert wird, und auf dem Metis Seabourne Zuflucht findet. Die Besatzung besteht aus einem Haufen sehr individueller Personen, und es hat mir viel Spaß gemacht, Metis Abenteuern mit den unterschiedlichen Charakteren auf der Caliban zu folgen. Richtig amüsant wurde es dann aber, als sie alle miteinander auf einer verzauberten Insel landeten und sich die Handlung in eine Richtung entwickelte, die eine sehr deutliche „Alice im Wunderland“-Atmosphäre mit ein paar Sprenkeln von Shakespeares „Sommernachtstraum“ aufkommen ließ. Ich mag die Teacup-Magic-Geschichten wirklich gern und habe das Gefühl, dass Tansy Rayner Roberts sich mit jedem Band noch einmal steigert. 🙂

Cathy Yardley: Role Playing

Ich weiß nicht mehr, wer auf Bluesky „Role Playing“von Cathy Yardley erwähnt hatte, aber ich hatte den Eindruck gewonnen, dass es sich dabei um eine amüsante Liebesgeschichte mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation handelte, und das schien mir passend für meine Laune Anfang September. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der 48jährigen Maggie und des 50jährigen Aiden erzählt, die sich über ein Online-RPG angefreundet haben. Allerdings denkt Maggie, dass Aiden ein Collegestudent um die 20 ist, während er glaubt, dass sie eine um die 80 Jahre alte Rentnerin ist (und ich muss Cathy Yardley hoch anrechnen, dass sie diese Idee glaubwürdig rüberbringt!). Als die beiden dann herausfinden, wie sehr sie sich in ihrer Einschätzung geirrt haben, wird es wirklich lustig – auch weil parallel von ihrem Umfeld die ganze Zeit Bemühungen laufen, die beiden (mit anderen Personen!) zu verkuppeln. Was mich zu dem Teil der Geschichte bringt, der weniger amüsant und leicht ist, sondern sich ernsthaft damit beschäftigt, wie sehr die Erwartungen von Familie und Freundeskreis – selbst wenn es gut gemeint ist – eine Person verletzten können.

Ich mochte es zu verfolgen, wie die Freundschaft zwischen Maggie und Aiden dazu führt, dass beide sich selbst etwas besser kennenlernen, mehr über die eigenen Bedürfnisse herausfinden und im Anschluss dann eben auch in der Lage waren, darüber nachzudenken, was für eine Beziehung sie eigentlich führen wollen. Mir gefiel es sehr, dass die beiden Charaktere definitiv erwachsene Personen mit einer Vergangenheit, die sie geprägt hat, waren und dass das dazu führte, dass sich nur sehr langsam aus einer überraschenden Freundschaft mehr entwickelte. Ich fand beide Charaktere wirklich sympathisch – Aiden, der eine gutmütige und aufmerksame Person ist, ebenso wie Maggie, die sich immer wieder auf einer Gratwanderung zwischen grumpiger Einsiedlerin und „in dieser Situation muss ich meinem Sohn zuliebe höflich sein“ wiedergefunden hat. Insgesamt war „Role Playing“ sehr lustig und voller wunderbarer Szenen mit den beiden Hauptfiguren. Außerdem habe ich beim Lesen immer wieder innegehalten, um über bestimmte Aspekte in der Geschichte nachzudenken, und mehr kann ich von einem Liebesroman wirklich nicht erwarten.

Lese-Eindrücke Juli 2024

Meine Lektüre im Juli war eine Mischung aus „ich nutze die kühleren Tage für die Scavenger Hunt TBR Book Challenge und SuB-Abbau“ und „ich müsste mich wirklich mal mit den älteren ungelesenen Titeln auf meinem eReader beschäftigen“. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass der Großteil der gelesenen Romane nur „nett“ war und nicht herausragend. Aber ein paar Worte will ich zu den Titeln, die ich nicht noch mit einer einzelnen Rezension bedenken möchte, doch verlieren.

Megan Bannen: The Undermining of Twyla and Frank (Hart and Mercy 2)

„The Undermining of Twyla and Frank“ ist Anfang Juli 2024 veröffentlicht worden und eine Geschichte, die unabhängig von „The Undertaking of Hart and Mercy“ lesbar ist, aber in derselben Stadt (und nach den Ereignissen rund um Hart und Mercy) spielt. Genau genommen sind Twyla und Frank Kollegen von Hart, und nach den Vorkommnissen im ersten Band müssen sie damit zurechtkommen, dass sich ihre Rolle als Tanrian Marshals deutlich verändert hat. Ich mochte, dass es sich dieses Mal um eine „old friends to lovers“-Geschichte handelte, auch wenn ich beide Figuren ab und an gern geschüttelt hätte, weil sie so sehr darauf beharrten, dass sie doch nur Freunde sind.

Außerdem fand ich es spannend, mehr über die Welt, die Megan Bannen für ihre Romane geschaffen hat, zu erfahren – vor allem über den Bereich, in dem vor langer Zeit die Götter eingesperrt waren und in dem es noch so einiges zu entdecken gibt. Auf das Buch hatte ich mich gefreut und es dann auch direkt nach Erscheinen genossen. Den Weltenbau finde ich wirklich faszinierend und die Liebesgeschichte hat mich (trotz der immer mal wieder vorkommenden Begriffsstutzigkeit der Charaktere) gut unterhalten. Den dritten Band („The Undercutting of Rosie and Adam“), der im Juli 2025 erscheinen soll, habe ich dann auch schon mal vorbestellt!

T. Kingfisher: Summer in Orcus

„Summer in Orcus“ lag schon längere Zeit auf meinem eReader, und bei dem Titel dachte ich, dass es ein guter Sommerroman sein könnte. Doch dann habe ich den Roman angefangen und festgestellt, dass Summer der Name der Protagonistin ist. 😉 Genau genommen ist Summer eine Elfjährige, die ihr ganzes Leben lang von ihrer überängstlichen Mutter in Watte eingepackt wurde und an deren Haus eines Tages Baba Yaga in ihrer Hütte vorbeikommt. Ein Handel mit Baba Yaga soll Summer die Erfüllung ihres Herzenswunsches bringen und führt dazu, dass sich das Mädchen in der fantastischen Welt Orcus wiederfindet. Orcus ist voller wunderbarer Kreaturen und magischer Dinge, aber die Bewohner werden von der Königin und ihrem unheimlichen Houndbreaker terrorisiert. In den meisten anderen Jugendfantasy-Romanen wäre Summer nun die langerwartete Heldin, die gegen die Königin und ihren Houndbreaker kämpfen muss, aber Summer ist definitiv keine klassische Heldin.

Ich liebe es, wie T. Kingfisher (Ursula Vernon) in diesem Roman mit den diversen Portal-Fantasy-Elementen spielt und sich dabei weigert, ausgetretene Wege zu beschreiten. Stattdessen entpuppt sich Summer als eine wunderbare Mischung aus kindlicher Neugier/Unerfahrenheit/Gerechtigkeitssinn und einem Pragmatismus, der aus dem Aufwachsen mit einer Mutter entstanden ist, deren Verhalten dafür sorgt, dass Summer regelmäßig in die Rolle der „Erwachsenen“ in ihrer Familie schlüpfen musste. Der Ton in „Summer in Orcus“ richtet sich eher an jüngere Leser*innen als die meisten anderen Bücher der Autorin, aber die Geschichte strotzt trotzdem von unheimlichen und bedrückenden Elementen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie T. Kingfisher es schafft, all diese fürchterlichen Dinge in wunderbar absurde, fantastische Ideen und humorvolle Szenen einzubetten, so dass ich ihre Romane gleichzeitig rundum genießen und trotzdem (oder gerade deshalb) eine Menge ernsthafter Gedankenanstöße mitnehmen kann.

Juliet E. McKenna: The Green Man’s Heir (Green Man 1)/The Green Man’s Foe (Green Man 2)

Die Green-Man-Romane von Juliet E. McKenna werden mir seit Jahren immer wieder in die Timeline gespült – gern auch mit dem Hinweis auf günstige eBook-Ausgaben. Was dazu geführt hat, dass ich 2020 Band 2 und 2023 Band 1 angeschafft habe, um sie jetzt im Juli dann endlich auch zu lesen. Der Protagonist der Urban-Fantasy-Reihe ist Daniel Mackmain, der Sohn eines Menschen und einer Dryade, der vom „Green Man“ zu seinem persönlichen Problemlöser ernannt wurde. Ich mochte Daniel wirklich gern, gerade weil er sich nicht so sehr von anderen Menschen unterscheidet – abgesehen davon, dass seine Verletzungen schneller heilen und er in der Lage ist, übernatürliche Wesen zu sehen. Seine Verbindung zum Green Man hingegen ist für ihn häufig eine Herausforderung, denn sie sorgt dafür, dass er eigentlich nicht sesshaft werden kann.

In „The Green Man’s Heir“ muss Daniel in der ersten Hälfte den Mord an einer jungen Frau lösen, und in der zweiten Hälfte gibt es einen neuen Fall – was mich ehrlich gesagt anfangs etwas irritiert, aber nicht so sehr gestört hat, dass ich nicht hätte weiterlesen wollen. In „The Green Man’s Foe“ hingegen muss sich Daniel um unheimliche Ereignisse rund um ein altes Herrenhaus kümmern. Insgesamt fand ich es wirklich nett, dass ich mit den zwei Romanen drei so unterschiedliche „Fälle“ zu lesen bekam. Juliet E. McKenna bietet eine unterhaltsame und spannende Mischung aus fantastischen Elementen (mit dem Schwerpunkt britische Mythologie) und realistischen (Alltags-)Problemen in unserer heutigen modernen Welt – und das aus der Perspektive eines Mannes, der eine Möglichkeit finden muss, diese beiden gegensätzlichen Seiten seines Lebens auf die Reihe zu bringen. Spätestens nach dem Lesen von „The Green Man’s Foe“ bin ich gespannt darauf, wie es mit Daniel weitergeht und welchen Wesen er sonst noch so begegnen wird.

Jessie Mihalik: Books and Broadswords

„Books and Broadswords“ von Jessie Mihalik wurde im Juni von Stephanie Burgis in ihrem monatlichen „Dragons‘ Book Club“ (auf Patreon) empfohlen. Auf gerade mal 149 Seiten finden sich in dieser Veröffentlichung zwei fantastische, cozy Liebesgeschichten, die ich wirklich entspannend und amüsant fand. In der ersten Geschichte verlieben sich eine Drachin und ein ungewöhnlicher Ritter ineinander, in der zweiten dreht sich die Handlung um einen Drachen und eine Herdhexe, die wild entschlossen ist, sein vernachlässigtes Schloss in Ordnung zu bringen. Ich hätte es lieber gesehen, wenn Jessie Mihalik die Handlung/Welt/Protagonist*innen mehr ausgebaut und sich dafür etwas mehr Zeit genommen hätte. Aber ich mochte, dass die Drachen in dieser Welt ihren Hort nach bestimmten persönlichen Kriterien wählen, ich konnte mit dem InstaLove-Element leben und fand das Ganze so nett, dass ich noch mehr davon lesen würde. Oh, und für diejenigen, die lieber keine Sexszenen lesen: Jessie Mihalik hat in den Geschichten selber darauf verzichtet, während diejenigen, die explizite Sexszenen in ihren Liebesgeschichten bevorzugen, für jede Geschichte einen dementsprechenden Epilog lesen können.

Natalie C. Parker: Seafire

Ich habe keine Ahnung mehr, wo ich über „Seafire“ gestolpert bin, aber der Roman lag fünf Jahre auf meinem SuB – und in der Zeit hatte ich vollkommen vergessen, dass es sich dabei um ein Jugendbuch handelt. Es gab viele Elemente, die ich an der Geschichte mochte: Ein Piratenschiff voller junger Frauen, die versuchen, in einer Welt zu überleben, die von einem mächtigen Warlord und seiner Marine beherrscht wird, die Freundschaft zwischen der Protagonistin und ihrer besten Freundin sowie das Zusammenspiel der verschiedenen Personen auf dem Schiff. Dazu sind da noch die verschiedenen (mehr oder weniger freiwilligen) Verbündeten, die die Piratinnen im Laufe der Geschichte finden.

Womit ich allerdings regelmäßig ein Problem hatte, war das unprofessionelle Verhalten der Protagonistin. Ich konnte es der Autorin einfach nicht abnehmen, dass ihre Hauptfigur in wenigen Jahren eine großartige Crew zusammengestellt hat, dass diese Piratin eine Herausforderung für Marineschiffe darstellte und dass sie eine unglaubliche Strategin sein soll. Was vor allem daran lag, dass sie sich den Großteil der Zeit total kindisch verhielt, ein „Geheimnis“ hütete, das von Anfang an auf der Hand lag, und auf den ersten Typen flog, der sich wie ein einigermaßen anständiger Mensch verhielt (und deshalb ihre gesamte Crew wie Dreck behandelte). Ich bin zu alt für diese Art von Protagonistin …

Lese-Eindrücke Mai 2024

Im Mai habe ich vor allem Fortsetzungen gelesen, was nicht gerade zu vielen Rezensionen geführt hat. Aber ein paar Einzelbände gab es doch, zu denen ich hier noch was sagen kann. Außerdem dachte ich mir, ich könnte hier auch mal Anmerkungen dazu hinterlassen, ob die von mir gelesenen Fortsetzungen mit den ersten Bänden mithalten konnten.

K. J. Charles: Death in the Spires

K. J. Charles gehört zu den Autor*innen, von denen ich seit Jahren immer wieder günstige/kostenlose eBooks runterlade und dann doch erst einmal nicht lese. Umso amüsanter fand ich es, dass mein erster gelesener Roman dann nicht nur eine Neuveröffentlichung, sondern K. J. Charles‘ erster Ausflug ins Krimigenre war. „Death in the Spires“ spielt 1905 und wird aus der Perspektive von Jeremy (Jem) Kite erzählt, der vor zehn Jahren zu einer Gruppe von viel versprechenden Oxford-Student*innen gehörte. Als einer von ihnen ermordet wurde, bedeutete das für Jem das Ende seines Studiums. Die Tatsache, dass der Täter nie gefunden wurde, und die Frage, ob Jem vielleicht der Mörder gewesen sein könnte, verhindertete in den vergangenen Jahren jede Hoffnung auf eine einigermaßen sichere berufliche Position. Als er erneut seinen Arbeitsplatz verliert, ist Jem wild entschlossen endlich herauszufinden, wer seinen Freund Toby damals ermordet hat.

Ich muss zugeben, dass ich normalerweise diese Art von Geschichten wirklich nicht mag. Ich habe einfach schon zu viele Krimis gelesen/gesehen, die an Universitäten spielen und in denen in einer Gruppe eng befreundeter Studenten ein Verbrechen passiert (und manchmal auch vertuscht wird). Trotzdem habe ich mich von „Death in the Spires“ gut unterhalten gefühlt, weil K. J. Charles so viele Aspekte in die Geschichte einfließen lässt, die bei anderen Autor*innen in der Regel keine Erwähnung finden. Ihre Figuren haben unterschiedliche gesellschaftliche Hintergründe, sind queer, behindert oder Schwarz und zwei von ihnen gehören zu den ersten Frauen, die in Oxford studieren durften. Das alles führt dazu, dass in dem relativ kurzem Buch (ca. 270 Seiten) sehr viele Elemente für Unterströmungen sorgen, die dem – anfangs etwas naiven Protagonisten – erst nach und nach auffallen. Auch wenn ich als Leserin Jem da regelmäßig voraus war, hat mich das weiterhin neugierig auf die noch kommenden Entwicklungen gemacht, und so war das Buch deutlich befriedigender zu lesen als „klassische“ Varianten dieses Krimithemas.

H.L. Macfarlane und Adie Hart (Hrsg.): Once Updon a Season 3 – Once Upon a Spring (Anthologie)

Eine Anthologie mit sechzehn sehr unterschiedlichen Geschichten rund um das Thema „Frühling“. Während ich normalerweise einen extra Anthologie-Beitrag anlege, um meine Eindrücke und Gedanken zu den einzelnen Geschichten festzuhalten, bin ich hier auf zu viele Texte gestoßen, die mich nicht überzeugen konnten. Ich mochte von Adie Hart „Far Far Away“, eine ungewöhnliche Dornröschen-Variante, in der eine Bibliothekarin das „Dornröschen“ rettet, indem sie ihm hilft, die verlorenen 100 Jahre an Wissen aufzuholen. Das war eine sehr süße Geschichte, die ich mir Freude bereitet hat. Oh, und die Hades-und-Persephone-Geschichte „She Vanishes“ von Josie Jaffrey war auch sehr nett zu lesen, aber sonst haben die meisten Beiträge leider wenig (gute) Eindrücke bei mir hinterlassen.

Caroline O’Donoghue: The Gifts that Bind Us (The Gifts 2)/Caroline O’Donoghue: Every Gift a Curse (The Gifts 3)

Im Prinzip kann ich hier noch einmal wiederholen, was ich zum ersten Band („All Our Hidden Gifts“) geschrieben hatte: Ich mochte den zweiten und dritten Teil der The-Gifts-Trilogie, auch wenn ich mir wieder relativ viel Zeit mit dem Lesen gelassen habe, weil ich es so unangenehm fand, mehr über die „konservative/religiöse“ Gruppe zu lesen, die in diesen Romanen die Gegenspieler der Protagonistin Maeve und ihrer Freunde sind. Genau genommen finde ich sogar, dass die Geschichte mit jedem Band besser wird, weil Maeve sich – auch wenn sie immer wieder Mist baut – definitiv weiterentwickelt und erwachsener wird. Außerdem führt Caroline O’Donoghue neue Charaktere ein, die den fantastischen Teil ihrer Welt erweitern und so zu überraschenden Lösungen für das eine oder andere Problem sorgen. Ich habe mich mit der Trilogie sehr gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, wie sich die Bücher für mich bei einem Reread irgendwann anfühlen werden.

Sandra Wickham: Death Coach, Vampires (Death Coach 2)

Noch eine Fortsetzung, zu der ich eigentlich all das, was ich schon zum ersten Band („Death Coach“) geschrieben hatte, noch einmal wiederholen könnte. Aber da ich mich so darüber gefreut hatte, dass Sandra Wickham das Niveau ihres Debütromans mit dieser Fortsetzung halten kann, wollte ich das hier noch einmal extra betonen. In diesem zweiten Teil der Death-Coach-Reihe lernt die Protagonistin Amy mehr über all die fantastischen Elemente in der Welt, die sie bis vor kurzem ignoriert hatte. Genau genommen lernt sie deutlich mehr über Vampire und über die Geister, mit denen sie kommunizieren kann. Außerdem findet sie sich immer mehr in ihrer Rolle als Death Coach zurecht und sammelt weitere Personen um sich herum, die ihr dabei helfen. Ich muss zugeben, dass ich die Nebenfiguren dieses Mal interessanter fand als Amy selbst, aber das ist ja nicht schlimm. Alles in allem ist das eine ungewöhnliche Urban-Fantasy-Reihe, die ich so unterhaltsam finde, dass ich sie weiter im Auge behalten werde.

W. R. Gingell: „The City Between“-Serie

Die „The City Between“-Serie von W. R. Gingell besteht aus zehn relativ kurzen Romanen (194 bis 284 Seiten) und einem elften Band, in dem die zur Serie gehörenden Kurzgeschichten gesammelt wurden. Auf den ersten Blick unterscheidet sich diese Reihe gar nicht so sehr von anderen Urban-Fantasy-Reihen mit Kick-ass-Heldinnen. Aber es gibt so einige Details in der Geschichte, die ich auf diese Weise selten oder noch gar nicht in anderen Veröffentlichungen gefunden habe und die mir sehr gefallen haben. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von „Pet“, die eines Morgens aufwacht und die Leiche eines ihrer Nachbarn vor ihrem Fenster hängen sieht. Nachdem sie (anonym) die Polizei verständigt hat, fallen ihr drei Männer auf, die mit der Polizei am Tatort auftauchen, die aber definitiv nicht zu den offiziellen Gesetzteshütern gehören.

Relativ schnell findet Pet heraus, dass diese drei Männer keine Menschen sind, sondern zur Welt „Behind“ gehören und zwei davon Fae („Zero“ und Athelas) sind und einer ein Vampir (JinYeong) ist. Und als die drei sich in ihrem – offiziell leerstehenden – Haus einnisten, bleibt der Siebzehnjährigen nichts anderes übrig, als einen Vertrag als „Pet“ mit ihnen einzugehen, um nicht obdachlos zu werden. Was dazu führt, dass sie von Zero, Athelas und JinYeong als eine Mischung aus Haushälterin und … ähm … Haustier behandelt wird und deutlich mehr über die Schichten der Welt, die parallel zum „normalen“ menschlichen Teil existieren, lernt, als gut für einen Menschen ist.

When you get up in the morning, the last thing you expect to see is a murdered bloke hanging outside your window. Things like that tend to draw the attention of the local police, and when you’re squatting in your parents’ old house until you can afford to buy it, another thing you can’t afford is the attention of the cops.

Oh yeah. Hi. My name is Pet. It’s not my real name, but it’s the only one you’re getting. Things like names are important these days.

And it’s not so much that I’m Pet. I am a pet. A human pet: I belong to the two Behindkind fae and the pouty vampire who just moved into my house. It’s not weird, I promise—well, it is weird, yeah. But it’s not weird weird, you know?

Klappentext von „Between Jobs“ (The City Between 1)

In vielen Aspekten ist diese Reihe wie jede andere Urban-Fantasy-Reihe auch. Es gibt eine fantastische und ziemlich grausame Parallelwelt, in der die Protagonistin sich zurechtfinden muss, es gibt einen Mörder, der von Zero, Athelas und JinYeong gesucht wird, und Pets ständige Weigerungen, die „traditonellen Regeln“ der Welt „Behind“ mitzuspielen, sorgt immer wieder für Wendungen, die die deutlich mächtigeren Personen in ihrem Leben so nicht vorhergesehen haben. Letzteres hat mir wirklich viel Spaß gemacht, war aber nicht der Hauptgrund, wieso mich diese Reihe im März so sehr gepackt hat, dass ich alle Bände davon (plus die Kurzgeschichten-Sammlung … plus die bisher noch gar nicht von mir erwähnte, fünfteilige Spin-off-Reihe) hintereinander verschlungen habe. Was die Geschichte definitiv von vergleichbaren Veröffentlichungen unterschied, waren auf der einen Seite der Schauplatz (Hobart in Tasmanien), der neben einer unverbrauchten Kulisse auch dafür sorgte, dass immer wieder ungewöhnliche übernatürliche Wesen auftauchten, und auf der anderen Seite die Charaktere, die W. R. Gingell für diese Reihe geschaffen hat.

Während in anderen Urban-Fantasy-Reihen irgendwann ein jugendlicher Sidekick auftaucht, der von der Hauptfigur (oft genug vor den eigenen impulsiven Aktionen) beschützt werden muss, wird in dieser Reihe die Handlung aus der Sicht dieses „jugendlichen Sidekicks“ erzählt. Ich mochte Pet als Person wirklich gern, weil sie glaubwürdige Ecken und Kanten hatte und weil ihr häufig bewusst war, dass sie Dinge tat, die unklug waren, die sie aber nicht anders machen konnte, weil das gegen ihre Grundsätze verstoßen hätte. Mir gefiel es sehr, dass die Autorin es schafft, dass sich zum Beispiel eine Figur wie JinYeong im Laufe der Zeit so sehr weiterentwickelt, wenn es um Respekt und Beziehungen geht, ohne dass er dabei seinen grundlegenden Charakter verliert. Es gibt so viele Szenen in diesen Büchern, die sich um die found family der Protagonistin drehen, die bitter(süß) und durch und durch glaubwürdig sind. W. R. Gingell beweist immer wieder ein unglaublich gutes Händchen für Charaktere und die Beziehungen, die sie zueinander haben, und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, das zu lesen.

Auch mochte ich es, dass eine Figur wie Pet zum Beispiel verhältnismäßig schwach ist, aber trotzdem Tag für Tag im Schwertkampf trainiert wird, damit sie in einem Kampf lange genug überleben kann, bis einer ihrer Verbündeten ihr zur Hilfe kommt. Die Autorin erzählt mir das nicht nur, sondern ich kann das beim Lesen immer wieder miterleben. Obwohl sich das dann stellenweise etwas wiederholt, gefällt mir das deutlich besser, als wenn ich in einem Roman lese, dass die Hauptfigur großartig kämpfen kann, ich aber nie gezeigt bekomme, dass diese Figur auch dafür trainieren muss. Ebenso gibt es immer wieder alltägliche häusliche Szenen, die sich um Pets Haushaltstätigkeiten und um das Zusammenleben von so unterschiedlichen Personen drehen, und auch das fand ich unterhaltsam und habe mich gefreut, dass das nicht zugunsten „actionreicherer“ Momente gestrichen wurde. Das Negativste, was ich über diese Romane sagen kann, ist, dass die Identität des Mörders, der so viele Bände hindurch gesucht wurde, relativ offensichtlich war. Aber da es am Ende der Geschichte weniger darum ging, den Mörder zu entlarven, als darum, wie alle Beteiligten mit dieser Enthüllung und den daraus folgenden Ereignissen umgehen, konnte ich damit eigentlich gut leben.

Noch eine Anmerkung zur Hörbuchversion der Reihe: Da es die City-Between-Bücher nur bei Amazon gibt und es bei der deutschen Seite einen Fehler bei Band 9 gibt, der dazu führt, dass ich das eBook nicht kaufen konnte, habe ich den Teil als Hörbuch gehört. Und ich muss zugeben, dass ich wirklich hingerissen von der Sprecherin Zehra Jane Naqvi bin, die ganz großartig als siebzehnjährige Pet ist, auch wenn ich ihren australischen Akzent nicht immer so ganz einfach zu verstehen fand. Aber das liegt daran, dass ich relativ selten australischen Akzent höre – ihre Stimme und ihre Interpretation von Pet fand ich wirklich hinreißend.

Eine weitere Anmerkung zur Spin-off-Reihe: Die Worlds-Behind-Reihe besteht aus fünf Büchern, die aus der Sicht von zwei verschiedenen Personen (Athelas und YeoWoo) erzählt werden. Da ich die direkt im Anschluss an die City-Between-Bücher gelesen habe, war der Wechsel zu diesen Protagonisten überraschend schwierig für mich. Aber auch hier fand ich es toll, mal eine Urban-Fantasy-Geschichte zu lesen, die mit Seoul an einem – für mich – ungewohnten Schauplatz stattfand, in der immer wieder ungewöhnliche fantastische Wesen auftauchten und in der sich ein Großteil der Handlung um die Beziehung zwischen sehr unterschiedlichen Charakteren drehte. Wenn jetzt jemand von euch neugierig auf diese Reihen geworden sein sollte: Ich kann beide empfehlen, wenn ihr auf der Suche nach etwas anderer Urban Fantasy seid, würde aber auch anraten, zwischen den beiden Serien etwas Zeit verstreichen zu lassen, damit der Wechsel zwischen den Schausplätzen und Protagonisten beim Lesen von „A Whisker Behind“ sich etwas weniger irritierend anfühlt.

Lese-Eindrücke Februar 2024

Ich habe im vergangenen Monat definitiv zu viele (kostenlose/günstige) eBooks gelesen und deshalb viel zu wenig SuB-Abbau betrieben. 😉 Damit diese eBooks nicht einfach aus meiner Erinnerung schwinden, gibt es hier ein paar Lese-Eindrücke dazu (plus eine Anmerkung zum aktuellen Band einer seit Längerem laufenden Reihe).

Leslie Gail: The Magic of Death (Dead End Witches 1)

Das war ein sehr netter cozy mystery rund um eine Frau Ende Dreißig mit dem Namen Star Bell, in deren Familie (fast) alle Personen übernatürliche Fähigkeiten haben. Stars Fähigkeit besteht darin, die Geister von Verstorbenen zu sehen, was für sie okay wäre, wenn sich nicht ausgerechnet der Geist ihrer jüngeren Schwester vor ihr zu verstecken scheinen würde. Als ihre Nichte, die von Star nach dem Tod ihrer Schwester aufgezogen worden war, in einen Mordfall verwickelt wird, nutzt sie ihre Fähigkeit, um mehr über die ermordete Person und ihr Umfeld herauszufinden. Ich mochte die Charaktere (auch wenn manche Eigenheit der älteren Generation etwas arg überzogen war), ich mochte den Mordfall und die Ermittlungen, und mir gefiel der kleine Ort, der seinen Namen „Dead End“ nutzt, um Touristen anzuziehen. Einzig die Tatsache, dass Leslie Gail noch keinen weiteren Roman veröffentlicht hat, hält mich davon ab, weitere Bände rund um die Dead-End-Witches zu lesen.

Seanan McGuire: Mislaid in Parts Half-Known (Wayward Children)

Schon der neunte „Wayward Children“-Band, und so langsam fühlt es sich für mich an, als ob Seanan McGuire sich auf das Ende der Serie vorbereiten würde. „Mislaid in Parts Half-Known“ ist eine der Geschichten, die in „Eleanor West’s Home For Wayward Children“ starten und eine Gruppe von Schüler*innen in verschiedene Welten führt. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass es erstmals durchdachtere und ausführlichere Erklärungen zu den Türen, die in die magischen Welten führen, gibt, ebenso wie zu den „Auswahlkriterien“ für Kinder, die ihren Weg in diese Welten finden. Außerdem bringt dieser Band erstaunlich viele Personen nach Hause und gibt mir zum ersten Mal das Gefühl, dass Seanan McGuire so langsam die Geschichte von Kade einleitet. Am Schluss bin ich etwas zwiegespalten, weil ich diese Welt(en) noch lange nicht verlassen will, es aber auch immer sehr befriedigend finde, wenn eine Reihe, die ich so sehr mag, ein gutes Ende findet. Mal schauen, wie viele Bände hier noch veröffentlicht werden …

Sarah Painter: The Night Raven (Crow Investigations 1)

„The Night Raven“ von Sarah Painter habe ich schon ziemlich lange auf meinem eReader und bin irgendwie nie dazu gekommen, das Buch zu lesen, obwohl ich immer wieder auf der Suche nach Urban-Fantasy-Geschichten „für zwischendurch“ bin. Als ich im Februar dann feststellte, dass es die Reihe für Audible-Abonnenten umsonst zu hören gibt, habe ich mir dann doch mal den Roman vorgenommen und mich überraschend gut damit unterhalten gefühlt. Die Protagonistin Lydia Crow gehört zu einer von fünf Familie, die eine Art „magische Mafia“ bilden, die früher London beherrschte. Lydia selbst hat mit dem Familiengeschäft nichts zu tun und die letzten Jahre als Privatdetektivin in Edinburgh gearbeitet. Doch nun ist ihre Cousine Maddie verschwunden, und Lydia versucht herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Ich mochte diese Mischung aus klassischer Kriminalgeschichte plus Mafia-Familienmitgliedern und einem Hauch von Magie. Lydia hat nicht viel von den magischen Fähigkeiten ihrer Familie mitbekommen, aber es reicht, um mit ihrem geisterhaften Mitbewohner zu kommunizieren und den einen oder anderen extra Hinweis zu bekommen. Insgesamt habe ich mich von „The Night Raven“ gut unterhalten gefühlt und werde die Reihe wohl demnächst mit den Hörbüchern fortsetzen.

Hanna Sandvig: The Frost Gate (Faerie Tale Romances)

Hanna Sandvig habe ich im vergangenen Frühling für mich entdeckt und ihre Märchen-Neuerzählungen ziemlich zügig hintereinander verschlungen. „The Frost Gate“ ist der fünfte Band ihrer „Faerie Tale Romances“, und obwohl die Geschichte für sich stehend gelesen werden kann, gibt es so viele Verweise auf vorhergehende Ereignisse, dass ich das Lesen in der Veröffentlichungsreihenfolge empfehlen würde. Die Handlung ist dieses Mal an das Märchen „Schneewittchen“ angelehnt, und die Protagonistin Neve ist nicht gerade begeistert, als sie erfährt, dass sie die Thronprinzessin eines magischen Landes ist. Noch weniger gefällt es ihr, dass von ihr erwartet wird, eine böse Hexe zu besiegen, um ihre Untertanen zu retten, während sie doch eigentlich nur das Café ihrer Adoptiveltern betreiben möchte. Ich mag diese Mischung aus Charakteren, die sich – statt nach der Schule zum College zu gehen – in einem magischen Land wiederfinden und in der Regel recht pragmatisch damit umgehen, aus erster (und überraschend unkitschiger „ewiger“) Liebe und amüsantem Geplänkel. Dazu gefällt es mir, wie Hanna Sandvig die diversen Märchenelemente in ihre Geschichten einbaut und wie ihre Feenwelt mit jeder Veröffentlichung ein bisschen runder wirkt. Für mich sind diese Jugendbücher die perfekte Entspannungslektüre, wenn mein Kopf voll ist und ich Erholung suche!

Leseeindrücke April bis Juli 2023 (Teil 2)

Nachdem ich am Sonntag schon ein paar Leseeindrücke der letzten Monate veröffentlicht hatte, gibt es hier nun den zweiten Teil:

Delemhach: The House Witch
Delemhach: The House Witch 2
Delemhach: The House Witch 3

Den ersten Band habe ich auf einer Liste mit „cozy Fantasy“ gefunden, und der Klappentext klang reizvoll genug, um „The House Witch“ eine Chance zu geben – was dafür sorgte, dass ich ziemlich schnell hintereinander alle drei Teile gelesen habe, weil ich mich damit gut unterhalten fühlte. Wobei ich es ziemlich schade fand, dass der Protagonist Finlay Ashowan sich im Laufe der Trilogie von einer „House Witch“ zu eine Art „Übermagier“ entwickelt hat, was halt auch dazu führte, dass es zu immer weniger amüsanten Szenen in einer simplen Schlossküche kam und zu immer mehr „Kriegs(vorbereitungs)szenen“. Dabei mochte ich gerade die alltäglichen Momente zu Beginn des ersten Bandes so gern, in dem die Bewohner eines Schlosses mit den exzentrischen Eigenheiten ihres neuen Kochs umzugehen lernen. Es gab viele amüsante Szenen in den drei Romanen, aber einige davon hatten einen etwas arg … pubertären Humor, und bei den Frauenfiguren hatte ich auch das Gefühl, dass sie nicht gerade viel Tiefe aufwiesen. Alles in allem sehr amüsant und mit vielen tollen Ansätzen, aber im Nachhinein nicht so großartig, dass ich mir die beiden weiteren Bände, die in der Welt spielen, besorgen musste.

H.G. Parry: The Magician’s Daughter

„The Magician’s Daughter“ kam mir auf Twitter vor die Nase, wo jemand meinte, dass die Geschichte an „Howl’s Moving Castle“ erinnern würde. Diesen Eindruck kann ich nicht so ganz teilen, auch wenn es eine Verwandlungsszene gibt, die mich an Howls Steckenbleiben in seiner vogelähnlichen Gestalt in dem Anime erinnert hat. Insgesamt hat der Roman auf mich einen angenehm altmodischen Eindruck gemacht. Das Buch bietet eine sehr ruhige Erzählweise, auf die ich mich erst einmal einlassen musste, einen ausführlichen Einstieg in die Situation, in der sich die Protagonistin Biddy befindet, eine ganz wunderbar beschriebene magische Insel, einen faszinierender Magier (der Biddys Pflegevater ist) und seinen hasenförmiger Vertrauten. Die Handlung selbst fand ich nicht so ungewöhnlich, was dazu führte, dass ich relativ wenig neugierig auf die weitere Entwicklung war, aber ich habe die Art und Weise genossen, in der mir die Geschichte durch Biddys Perspektive erzählt wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob „The Magician’s Daughter“ zu den Romanen gehört, die ich immer und immer wieder aus dem Regal ziehen werde, aber es ist auf jeden Fall ein Buch, dessen Anblick im Regal mich erfreut, weil es mich an angenehme Lesestunden erinnert.

Matthew Costello/Neil Richards: Mydworth Mysteries 1 – A Shot in the Dark (Hörbuch)
Matthew Costello/Neil Richards: Mydworth Mysteries 2 – A Little Night Murder (Hörbuch)

Die von Nathaniel Parker gelesenen Hörbücher gab es bei Audible im 2-für-1-Angebot, und auch wenn der Krimianteil der Geschichten jetzt nicht soooo qualitativ ist (beim ersten lag die Auflösung von Anfang an auf der Hand, beim zweiten war sie nicht „mit-ermittelbar“, was mich immer stört), sind es unterhaltsame 20er-Jahre-Mysteries. Der Sprecher leistet einen guten Job, die beiden Hauptfiguren sind sympathisch, und ich mag, dass die Hörbücher mit gut drei Stunden Laufzeit eine übersichtliche Länge haben. Die Mydworth Mysteries sind für mich die perfekte Hörbuch-Lösung, wenn kurz und „nett“ genau das ist, was ich gerade auf den Ohren brauche.

Michelle Manus: Guardian of Chaos (Nyx Fortuna 1)
Michelle Manus: Guardian of Shadows (Nyx Fortuna 2)
Michelle Manus: Guardian of Madness (Nyx Fortuna 3)

Der erste Nyx-Fortuna-Band hat mich während des Juli-Lese-Sonntags so gut unterhalten, dass ich das Buch an dem Tag vollständig gelesen habe – und dann habe ich die beiden weiteren Teile direkt im Anschluss verschlungen. Für mich fühlt sich die Serie sehr nach den „Innkeeper Chronicles“ von Ilona Andrews an, was an den drei folgenden Aspekte liegt: Es ist eine Mischung aus Urban Fantasy/Fantasy/Science Fiction (genau genommen spielt Nyx‘ Geschichte auf unserer Erde, in einem magischen Teil der Erde und in verschiedenen Galaxien), es gibt sympathische Charakteren, die alle ihre eigenen magischen Spezialfähigkeit haben, und das zentrale Element ist die „Grenzstation“, die sehr an das Inn in den „Innkeeper Chronicles“ erinnert (inklusive der Fähigkeit das Gebäude an die Bedürfnisse seiner jeweiligen Bewohner anzupassen und Dinge zur Verfügung zu stellen, die aktuell benötigt werden). Trotz all dieser Ähnlichkeiten gibt es genügend eigenständige Elemente, die dafür sorgen, dass ich neugierig auf den weiteren Verlauf der Reihe bin (und deshalb den vierten Band schon vorbestellt habe).

Leseeindrücke April bis Juli 2023 (Teil 1)

Es gibt so einige Bücher, die ich in den letzten Wochen gelesen habe, zu denen mir nicht genug für eine Rezension einfällt, die ich aber nicht ganz unerwähnt lassen möchte. Und da doch einiges an Text zusammenkam, als ich mich endlich ans Schreiben dieses Sammelbeitrags machte, habe ich ihn lieber aufgeteilt. 😉

Stella Bixby: Downward Death (Magical Mane Mystery 1)
Stella Bixby: Bowling Blunder (Magical Mane Mystery 2)

Die „Magical Mane Mysterys“ von Stella Bixby gehören eindeutig dazu – nicht, weil diese Cozy-Paranormal-Mystery-Reihe insgesamt so besonders wäre, sondern weil ich die von der Autorin entwickelten Figuren so gerne mochte. Die Grundidee für diese Serie ist ein bisschen absurd. Die Protagonistin Ellie Vanderwick hat von klein auf das Problem, dass ihre Haare auf ihre Gefühle reagieren und so von einer Minute auf die andere die Farbe (und „Lockigkeit“) ändern – was dazu führt, dass sie von allen Personen, die dies bislang gesehen haben, verlassen wurde. Wie gesagt, die Grundidee ist etwas absurd, und dazu kommt, dass auch die Lösungen der Mordfälle relativ offensichtlich sind. Aber die Geschichten sind unterhaltsam und ich finde es wunderbar, wie Stella Bixby die verschiedenen Figuren anlegt und mit dem Kontrast zwischen „so wirkt die Person auf Außenstehende“ und „so ist die Person wirklich“ spielt. Auch hat die Autorin keine Hemmungen, selbst sehr sympathische Charaktere im Laufe ihrer Geschichte zu ermorden, was ich definitiv anerkennen kann.

Eryn Scott: A Crafty Crime (Stoneybrook Mystery 1)

„A Crafty Crime“ von Eryn Scott hat viele typische Cozy-Mystery-Elemente wie zum Beispiel die frisch getrennte/geschiedene Protagonistin, die über eine Leiche stolpert. Der Schauplatz ist ein kleiner, idyllisch wirkender Ort und es gibt viele heimelige Elemente – hier zum Beispiel der Handwerkermarkt und die Tatsache, dass Hadley James ihren Lebensunterhalt mit ihrer selbstgemachten Marmelade bestreitet. Was ich sehr schön fand, ist die Tatsache, dass Hadley nicht in Verdacht gerät, die Täterin zu sein, und deshalb die Ermittlungen aufnimmt. Stattdessen ist ihr Zwillingsbruder der in dem Ort stationierte Deputy Sheriff, und da sein Vorgesetzter die Ermittlungen regelrecht behindert, forschen die Zwillinge gemeinsam mit einer Jugendfreundin inoffiziell nach dem Mörder. Den Teil mochte ich sehr gern, aber da ich einige Facetten der Protagonistin (vor allem von der Autorin „amüsant“ gemeinte „jede Frau denkt doch so“-Gedanken) ziemlich nervig fand, werde ich diese Reihe definitiv nicht weiter verfolgen.

Sarah Addison Allen: Lost Lake
Sarah Addison Allan: Garden Spells (Waverly Sisters 1)
Sarah Addison Allen: First Frost (Waverly Sisters 2)

Sarah Addison Allen schreibt sehr nette und erholsame Romane mit einem Hauch von Magie und zum Teil großartigen Nebenfiguren. Die Geschichten selbst sind ziemlich vorhersehbar, aber das fand ich beim Lesen nicht weiter schlimm, vor allem da ich viele der magischen Elemente in den Büchern ziemlich genossen habe, ebenso wie die diversen „alten Frauen“ und die Dialoge, die es mit ihnen gab. Ich glaube, die Handlung in „Lost Lake“ hat mir bislang am besten gefallen, während ich die magischen Gaben (und das Haus inklusive dem temperamentvollem Apfelbaum) in den Waverly-Sisters-Romanen besonders hübsch fand. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Titel der Autorin lesen, wenn ich das Bedürfnis nach „anspruchsloser Wohlfühllektüre mit einem Hauch von Magie“ habe (und sei es nur, weil die eBooks wirklich günstig zu kaufen sind).

Sandra Wickham: Death Coach

Ein Urban-Fantasy-Roman, den ich so sehr gern gelesen habe, dass ich die Augen nach einer Fortsetzung aufhalten werde. Die Protagonistin Amy kann mit Geistern kommunizieren, hat diese Fähigkeit aber nach einer traumatisierenden Erfahrung seit ihren Teenagerjahren nicht mehr eingesetzt. Als nun eine ihrer Klientinnen sich das Leben nimmt und Amy vorgeworfen wird, dass ihr Lifecoaching dafür verantwortlich gewesen sei, muss sie auf ihre ungewöhnliche Gabe zurückgreifen, um mehr über die Verstorbene herauszufinden. Für mich hielt „Death Coach“ einen überraschend interessanten Umgang mit Amys Gabe bereit, außerdem mochte ich die Protagonistin (und die Tatsache, dass ihr in der Regel durchaus klar war, wenn sie Mist gebaut hatte, und dann wie eine vernünftige Person versuchte, das wieder in Ordnung zu bringen). Zusätzlich gibt es noch eine Nebenfigur (Amys Cousine Carme) mit Down Syndrom, die als selbstständige junge Frau mit Stärken und Schwächen dargestellt wurde statt als „niedliche Person mit geistiger Behinderung“ und die auch kein Problem damit hatte, z. B. ableistisches Verhalten von Amy zu benennen und zu kritisieren.

 

Den zweiten Teil gibt es am 26. Juli – und ich verlinke den Text dann hier, wenn er veröffentlicht wurde: TEIL 2

Aislinn O’Loughlin: Big Bad Me

Ich muss zugeben, dass „Big Bad Me“ von Aislinn O’Loughlin mir deutlich mehr Spaß gemacht hat, als ich erwartet hatte, so dass ich den Großteil des Buchs an einem Tag verschlungen habe. Gekauft habe ich den Roman, weil es in meiner englischsprachigen Timeline so einige Stimmen gab, die die Beziehung der beiden Schwestern, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird, positiv erwähnt hatten, und ich muss zustimmen, dass das einer der größte Pluspunkte einer insgesamt unterhaltsamen Geschichte ist. Zu Beginn des Romans wird die (fast) sechzehnjährige Evie von einem unheimlichen Stalker nach Hause verfolgt. Während dieser Stalker ihr noch einreden will, dass ihre Familie sie seit Jahren belügt und als Versuchskaninchen missbraucht, wird Evie von ihrer älteren Schwester Kate gerettet.

Gemeinsam fliehen die beiden aus dem Haus und machen sich auf die Suche nach ihrer Mutter, die vor Wochen aus beruflichen Gründen verreist ist – das ist es zumindest, was Evie gesagt wurde. Wenig später findet Evie heraus, dass der unheimliche Stalker damit recht hatte, dass ihre Familie ihr ein großes Geheimnis vorenthalten hat, denn Evie ist nicht – wie sie ihr Leben lang dachte – an einer sehr seltenen Form von Diabetes erkrankt, sondern sie ist eine Werwölfin. Gemeinsam mit Kate findet Evie Zuflucht in einem Gästehaus in dem kleinen Ort Brightside, wo ihre Mutter zuletzt gesehen wurde. Während Kate alles versucht, um Evie zu beschützen und ihre Mutter zu finden, muss Evie lernen, mit ihrer übernatürlichen Seite umzugehen. Dann ist da noch die Tatsache, dass in Brightside in den letzten Monaten sehr viele Jugendliche getötet oder entführt wurden, und dass der – ziemlich junge – Manager des Gästehauses überraschend viel über Werwölfe zu wissen scheint.

Wie schon erwähnt wird die Handlung abwechselnd aus Evies und Kates Perspektive erzählt, und das sorgt – zusammen mit dem Prolog – dafür, dass wir von Anfang an wissen, was mit Evie los ist, ebenso dass ihre Mutter verschwunden ist und dass in Brightside irgendwas Unheimliches vor sich geht. Aber dass es kaum überraschende Wendungen gibt, macht die Geschichte nicht weniger packend. Die Spannung wird eher dadurch erzeugt, dass man sich beim Lesen fragt, wie die Charaktere mit den heranziehenden Problemen umgehen werden. Wobei ich es wirklich besonders schön fand zu lesen, wie Evie und Kate miteinander umgehen und wie wichtig es ihnen ist, einander zu beschützen. Dabei gehen die beiden auch immer wieder zu weit, wenn sie zum Beispiel Details voreinander verheimlichen, weil sie fürchten, dass sie die andere verletzten oder zu unüberlegten Handlungen verleiten würden. Aber selbst diese Momente waren schön zu lesen, weil so viel Fürsorge und Zuneigung dahintersteckt, und wenn dann doch mal ein Geheimnis auffliegt, sorgt das nicht für ein Zerbrechen der schwesterlichen Beziehung, sondern für ein offenes Gespräch.

Dieses Grundvertrauen der beiden Schwestern zueinander fand ich wirklich wohltuend und mal eine angenehme Abwechslung zu all den schwierigen Geschwisterverhältnissen in den diversen Jugendbüchern. Ich muss aber auch zugeben, dass die anderen Charaktere neben Evie und Kate ein bisschen verblassen, auch wenn die beiden Schwestern im Laufe der Geschichte neue Freundschaften (und mehr) finden. Aber neben den unheimlichen Ereignissen, mit denen Evie und Kate zu kämpfen haben, und den übernatürlichen Elementen, die sie neu kennenlernen, ist das auch kein Wunder. Insgesamt ist der Roman eine gute Mischung aus temporeichen und heimeligen Szenen, und es gibt darin so einige Elemente, die an „Buffy“ erinnern – und das nicht nur, weil immer wieder Bezug auf die Serie genommen wird. Mir hat es Spaß gemacht mitzuerleben, wie Evie und Kate sich im Laufe der Geschichte verändern und wie sie trotz allem, was sie durchmachen, die ganze Zeit füreinander da sind und sich gegenseitig beschützen wollen. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich einen fantastischen YA-Roman gelesen habe, bei dem der Schwerpunkt nicht auf einer romantischen Beziehung (die es allerdings auch gibt) lag, sondern auf dem Verhältnis zweier Schwestern zueinander, aber ich habe genau das sehr genossen.

Angela Slatter: Vigil (Verity Fassbinder 1)

Um die Verity-Fassbinder-Trilogie von Angela Slatter bin ich schon länger herumgeschlichen, und nachdem ich vor kurzem große Lust auf Urban Fantasy hatte, habe ich zu „Vigil“ gegriffen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Verity Fassbinder erzählt, einer Frau, die zur Hälfte „Normal“ und zur Hälfte „Weyrd“ ist – genau genommen war ihr Vater Grigor ein sogenannter „Kinderfresser“, und auch wenn sie keine seiner Verwandlungsfähigkeiten geerbt hat, so ist Verity doch ganz besonders stark. Außerdem hat sie das Gefühl, sie müsse die Verbrechen ihres Vaters wieder gutmachen, da dieser nicht nur (normale) Kinder tötete, sondern sich auch noch dabei erwischen ließ und somit die Existenz der Weyrd in Gefahr brachte. So arbeitet Verity als eine Art private Ermittlerin für die Weyrd, wobei ihr Hauptauftraggeber der Rat ist, der dafür sorgt, dass all die verschiedenen übernatürlichen Wesen sich zumindest an ein paar Grundregeln halten.

Ich muss zugeben, dass ich – obwohl mir „Vigil“ grundsätzlich sehr gut gefallen hat – ein paar Probleme mit dem Roman hatte. Zum einen jongliert Verity von Anfang an mit einem ganzen Haufen Fälle. Sie muss ermitteln, wer illegalen Wein anbietet, der aus den Tränen von (dabei getöteten) Kindern hergestellt wurde, sie muss einen (oder mehrere) Mörder finden, der Sirenen vernichtet, sie bekommt den Auftrag, einen verschwundenen jungen Mann zu suchen, und dann gibt es da noch eine unheimliche Wesenheit, der mehrere Personen in den Straßen von Brisbane zum Opfer fallen. All diese vielen verschiedenen Fälle laufen parallel, und dazu gibt es noch so einige Altlasten, mit denen Verity fertigwerden muss, wie zum Beispiel eine Verletzung, die sie sich bei ihrem letzten Auftrag zugezogen hat. Das alles ist ganz schön viel auf einmal, vor allem, da nebenbei noch von der Autorin die Urban-Fantasy-Welt vorgestellt wird, in der Verity lebt, sowie Veritys eigene Vergangenheit und welchen Einfluss ihr Vater (und seine Verbrechen) auf ihr heutiges Leben haben.

Trotz dieser Masse an Handlungselementen und vieler wirklich eindrucksvoll und atmosphärisch geschriebener Passagen hatte ich aber immer wieder das Gefühl, dass die Spannung nachlassen und sich die Geschichte stellenweise sogar etwas dahinschleppen würde. Erst nach Beenden des Romans fiel mir auf, dass es sich angefühlt hat, als ob die Autorin an einige Handlungsstränge herangegangen wäre, als ob es sich dabei um Kurzgeschichten handeln würde. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, dass Angela Slatter ihre Karriere mit ziemlich erfolgreichen Kurzgeschichten begonnen hat und „Vigil“ der erste Roman ist, den sie allein geschrieben hat. Diese „Kurzgeschichten“ innerhalb des Romans fand ich sehr überzeugend erzählt, und sie waren voller Elemente, die ich nachts mit in meine Träume genommen habe, aber zwischen diesen wirklich coolen Passagen gab es eben auch immer wieder Übergänge, die mich nicht so überzeugen konnten und die ein bisschen „zusammengebastelt“ wirkten. Vor allem in der ersten Hälfte des Romans fand ich das wirklich auffällig, während ich das letzte Drittel – vielleicht auch weil sich dort die diversen Handlungsstränge endlich zusammenfügten – deutlich besser lesbar fand.

Von diesen etwas zähen Übergängen abgesehen hatte ich aber viel Spaß mit „Vigil“. Angela Slatters Urban-Fantasy-Geschichte spielt nicht nur in einer (für mich) ungewöhnlichen Stadt, was dazu führte, dass ich all die Details rund um Brisbane sehr genossen habe, sondern die Autorin verwendet auch wirklich viele fantastische Wesen auf eine erfrischend andere Art und Weise. Ich mochte die drei Nornen (und ihr Café), ich fand die Details rund um die Sirenen spannend zu lesen, und ich habe große Lust, noch mehr Zeit in Veritys fantastischer Variante von Brisbane zu verbringen. Angela Slatter hat sich für ihre übernatürlichen Wesen eindeutig von den düstereren Seiten der diversen Märchen und Mythologien inspirieren lassen und schafft es trotzdem (oder gerade deshalb?) hervorragend, all diese Figuren in unsere moderne Welt zu transportieren und dort ihre ganz eigenen Nischen finden zu lassen. Dazu kommt, dass Verity die Art von Kick-Ass-Heldin ist, von der ich gerne lesen, und dass der „romantische Anteil“ der Geschichte so gar nicht „sexy“ oder romantisch ist, sondern daraus besteht, dass die Protagonistin einen wirklich netten Mann kennenlernt, mit dem sie sich stundenlang unterhalten kann. Dass es in dieser sich anbahnenden Beziehung – trotz all der Probleme, die Veritys Leben mit sich bringt – so gar kein Drama gibt, fand ich wunderbar erholsam und wirklich schön zu lesen. Insgesamt fühlte ich mich mit diesem Auftaktband der Reihe gut genug unterhalten, dass ich mir direkt im Anschluss die Fortsetzung „Corpselight“ besorgt habe (weshalb ich sagen kann, dass sich dieser Teil dann auch von Anfang an flüssiger lesen lässt).