Schlagwort: K. J. Charles

Lese-Eindrücke Mai 2024

Im Mai habe ich vor allem Fortsetzungen gelesen, was nicht gerade zu vielen Rezensionen geführt hat. Aber ein paar Einzelbände gab es doch, zu denen ich hier noch was sagen kann. Außerdem dachte ich mir, ich könnte hier auch mal Anmerkungen dazu hinterlassen, ob die von mir gelesenen Fortsetzungen mit den ersten Bänden mithalten konnten.

K. J. Charles: Death in the Spires

K. J. Charles gehört zu den Autor*innen, von denen ich seit Jahren immer wieder günstige/kostenlose eBooks runterlade und dann doch erst einmal nicht lese. Umso amüsanter fand ich es, dass mein erster gelesener Roman dann nicht nur eine Neuveröffentlichung, sondern K. J. Charles‘ erster Ausflug ins Krimigenre war. „Death in the Spires“ spielt 1905 und wird aus der Perspektive von Jeremy (Jem) Kite erzählt, der vor zehn Jahren zu einer Gruppe von viel versprechenden Oxford-Student*innen gehörte. Als einer von ihnen ermordet wurde, bedeutete das für Jem das Ende seines Studiums. Die Tatsache, dass der Täter nie gefunden wurde, und die Frage, ob Jem vielleicht der Mörder gewesen sein könnte, verhindertete in den vergangenen Jahren jede Hoffnung auf eine einigermaßen sichere berufliche Position. Als er erneut seinen Arbeitsplatz verliert, ist Jem wild entschlossen endlich herauszufinden, wer seinen Freund Toby damals ermordet hat.

Ich muss zugeben, dass ich normalerweise diese Art von Geschichten wirklich nicht mag. Ich habe einfach schon zu viele Krimis gelesen/gesehen, die an Universitäten spielen und in denen in einer Gruppe eng befreundeter Studenten ein Verbrechen passiert (und manchmal auch vertuscht wird). Trotzdem habe ich mich von „Death in the Spires“ gut unterhalten gefühlt, weil K. J. Charles so viele Aspekte in die Geschichte einfließen lässt, die bei anderen Autor*innen in der Regel keine Erwähnung finden. Ihre Figuren haben unterschiedliche gesellschaftliche Hintergründe, sind queer, behindert oder Schwarz und zwei von ihnen gehören zu den ersten Frauen, die in Oxford studieren durften. Das alles führt dazu, dass in dem relativ kurzem Buch (ca. 270 Seiten) sehr viele Elemente für Unterströmungen sorgen, die dem – anfangs etwas naiven Protagonisten – erst nach und nach auffallen. Auch wenn ich als Leserin Jem da regelmäßig voraus war, hat mich das weiterhin neugierig auf die noch kommenden Entwicklungen gemacht, und so war das Buch deutlich befriedigender zu lesen als „klassische“ Varianten dieses Krimithemas.

H.L. Macfarlane und Adie Hart (Hrsg.): Once Updon a Season 3 – Once Upon a Spring (Anthologie)

Eine Anthologie mit sechzehn sehr unterschiedlichen Geschichten rund um das Thema „Frühling“. Während ich normalerweise einen extra Anthologie-Beitrag anlege, um meine Eindrücke und Gedanken zu den einzelnen Geschichten festzuhalten, bin ich hier auf zu viele Texte gestoßen, die mich nicht überzeugen konnten. Ich mochte von Adie Hart „Far Far Away“, eine ungewöhnliche Dornröschen-Variante, in der eine Bibliothekarin das „Dornröschen“ rettet, indem sie ihm hilft, die verlorenen 100 Jahre an Wissen aufzuholen. Das war eine sehr süße Geschichte, die ich mir Freude bereitet hat. Oh, und die Hades-und-Persephone-Geschichte „She Vanishes“ von Josie Jaffrey war auch sehr nett zu lesen, aber sonst haben die meisten Beiträge leider wenig (gute) Eindrücke bei mir hinterlassen.

Caroline O’Donoghue: The Gifts that Bind Us (The Gifts 2)/Caroline O’Donoghue: Every Gift a Curse (The Gifts 3)

Im Prinzip kann ich hier noch einmal wiederholen, was ich zum ersten Band („All Our Hidden Gifts“) geschrieben hatte: Ich mochte den zweiten und dritten Teil der The-Gifts-Trilogie, auch wenn ich mir wieder relativ viel Zeit mit dem Lesen gelassen habe, weil ich es so unangenehm fand, mehr über die „konservative/religiöse“ Gruppe zu lesen, die in diesen Romanen die Gegenspieler der Protagonistin Maeve und ihrer Freunde sind. Genau genommen finde ich sogar, dass die Geschichte mit jedem Band besser wird, weil Maeve sich – auch wenn sie immer wieder Mist baut – definitiv weiterentwickelt und erwachsener wird. Außerdem führt Caroline O’Donoghue neue Charaktere ein, die den fantastischen Teil ihrer Welt erweitern und so zu überraschenden Lösungen für das eine oder andere Problem sorgen. Ich habe mich mit der Trilogie sehr gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, wie sich die Bücher für mich bei einem Reread irgendwann anfühlen werden.

Sandra Wickham: Death Coach, Vampires (Death Coach 2)

Noch eine Fortsetzung, zu der ich eigentlich all das, was ich schon zum ersten Band („Death Coach“) geschrieben hatte, noch einmal wiederholen könnte. Aber da ich mich so darüber gefreut hatte, dass Sandra Wickham das Niveau ihres Debütromans mit dieser Fortsetzung halten kann, wollte ich das hier noch einmal extra betonen. In diesem zweiten Teil der Death-Coach-Reihe lernt die Protagonistin Amy mehr über all die fantastischen Elemente in der Welt, die sie bis vor kurzem ignoriert hatte. Genau genommen lernt sie deutlich mehr über Vampire und über die Geister, mit denen sie kommunizieren kann. Außerdem findet sie sich immer mehr in ihrer Rolle als Death Coach zurecht und sammelt weitere Personen um sich herum, die ihr dabei helfen. Ich muss zugeben, dass ich die Nebenfiguren dieses Mal interessanter fand als Amy selbst, aber das ist ja nicht schlimm. Alles in allem ist das eine ungewöhnliche Urban-Fantasy-Reihe, die ich so unterhaltsam finde, dass ich sie weiter im Auge behalten werde.