Schlagwort: Historischer Roman

Stephanie Burgis: Snowspelled (The Harwood Spellbook 1)

„Snowspelled“ ist die aktuellste Veröffentlichung von Stephanie Burgis und eine wirklich wunderbare, unterhaltsame Mischung aus Fantasy und Historical. Die Protagonistin Cassandra Harwood ist die erste Frau, der es in Angland erlaubt wurde, Magie zu studieren. Denn normalerweise beschäftigen sich die adeligen Frauen dieser Gesellschaft mit Politik („It was a truth universally acknowledged that women were the more pragmatic sex; that was why we were expected to run the government, …“), während die Männer mit ihrer Magie die Frauen in ihrer wichtigen Aufgabe nur unterstützen durften („… while men attended to the more mystical and imaginative realm of magic.“). So musste Cassandra sehr dafür kämpfen, dass sie überhaupt diesen Weg gehen durfte und das macht es umso schlimmer, dass sie seit einem selbstverschuldeten Vorfall vor vier Monaten keine Zauber mehr wirken darf, wenn sie nicht ihr Leben riskieren will.

Eine weitere Folge dieses Vorfalls war, dass Cassandra ihre Verlobung mit Mr. Rajaram Wrexham gelöst hat, weil sie der Meinung ist, dass sie ohne ihre Magie keine angemessene Ehefrau für einen der besten Magier Anglands abgeben würde. Denn in ihren Augen bestand ein Großteil ihrer Beziehung auch darin, sich in der Magie zu messen oder gemeinsam große Sprüche wirken zu können, und ohne diese gemeinsamen Aktivitäten muss ihrer Ansicht nach seine Bereitschaft, an der Verlobung festzuhalten, vor allem auf Mitleid basieren. Dass Cassandra Mr. Wraxham trotzdem immer noch liebt, ist für den Leser unübersehbar, aber da sie sich ja nicht für den Rest ihres Lebens in ihrem Zimmer verstecken kann, bringt ihre Schwägerin Amy sie dazu, trotzdem an einer Wochenendgesellschaft teilzunehmen, zu der auch Mr. Wraxham eingeladen wurde. Während Cassandra der Gesellschaft (und Mr. Wraxham) beweisen will, dass ihr Leben weitergeht und sie keinerlei Gefühle mehr für ihren Ex-Verlobten hegt, wird sie von einem Elfenlord überlistet und muss nun innerhalb einer Woche herausfinden, wer den Frieden zwischen den Elfen und den Menschen gefährdet.

Ich mochte die „umgedrehte“ Regency-Welt, die Stephanie Burgis für diese Geschichte geschaffen hat, wirklich gern. Auf der einen Seite sind es die Frauen, die die Politik bestimmen, während die Männer zwar wichtige Zuarbeit leisten, aber nicht wirklich große Entscheidungen fällen dürfen. (Sehr schön war da die Szene, in der die Frauen sich nach dem Essen zurückzogen, um in Ruhe über Politik zu diskutieren, während die Männer erst folgen durften, nachdem ein Dienstmädchen ihnen signalisiert hat, dass die wichtigen Gespräche nun vorbei sind.) Aber die Autorin macht auch an Cassandras Beispiel deutlich, dass eine solch klare Trennung zwischen den Geschlechtern selbst für diejenigen ungut ist, die theoretisch dem einflussreicheren Geschlecht angehören

Dazu kommen noch die vielen kleinen und großen fantastischen Elemente, die von der Existenz der Elfen (und anderer nichtmenschlichen Wesen) zeugen. So werden die Straßen im Auftrag der Elfen von Trollen bewacht (um sicherzugehen, dass die jährliche Steuer für die Benutzung gezahlt wird), und es gibt traditionelle Zeremonien, die gewährleisten sollen, dass die Verträge mit den Elfen eingehalten werden. Es gibt Güter wie Lampen oder Seide, die von den Elfen zu horrenden Preisen bezogen werden, und natürlich die vielen kleinen Dinge, die ein Mensch beachten sollte, um nicht beim Kontakt mit Elfen in eine Falle zu geraten. Letzteres wird Cassandra zum Verhängnis, als sie in einer kritischen Situation ein Versprechen gibt, das anders ausgelegt werden konnte, als sie es beabsichtigt hatte.

Insgesamt beweist Stephanie Burgis in dieser Geschichte wieder, dass sie ein Händchen für glaubwürdige Charaktere hat, die nicht ganz in ihre Zeit und Gesellschaft passen und trotzdem versuchen, ihren Weg zu finden. Dazu gehört nicht nur Cassandra mit ihrer Leidenschaft für Magie, sondern auch ihr Bruder, der sich statt mit Magie mit Geschichte beschäftigt, oder die beiden Damen, die ebenfalls zur Wochenendgesellschaft gehören und einen Weg suchen, um zu heiraten, ohne dass die eine von ihnen auf ihren erhofften Platz in der Boudiccate (Regierung) verzichten muss. Auch Mr. Wrexham, bei dem nur der Vorname und die Tatsache, dass er sich aus eigener Kraft vom Hafenviertel Zugang zum Magiestudium erarbeitet hat, erahnen lassen, dass seine Familie (oder zumindest nicht alle Teile davon) nicht schon seit Jahrhunderten in Angland leben, finde ich mit seinen Stärken und Unsicherheiten stimmig gestaltet.

Ich mochte diese Mischung aus Regency-ähnlichem EAngland, Fantasy und Liebesgeschichte, ich mochte die Figuren und die Tatsache, dass die Autorin ganz selbstverständlich in einen „historischen“ Roman ein gleichgeschlechtliches Paar einbaut (wenn auch unter Bedingungen, die bei einer solch konservativen Gesellschaft erwartbar sind). Doch vor allem mochte ich es, zu verfolgen, wie sich Cassandra im Laufe der Geschichte verändert. Anfangs ist sie nur noch ein Schatten ihrer selbst, weil sie das Gefühl hat, dass sie ohne Magie keinen Wert mehr hat – vor allem, da sie den klassischen Weg für eine Frau der Gesellschaft nicht gehen will. Doch dann entdeckt sie nach und nach, dass es nicht nur einige Dinge gibt, die ihr Leben trotzdem noch lebenswert machen, sondern dass sie auch ohne ihre Magie noch etwas bewirken und ein Ziel für die Zukunft finden kann.

Bei diesen vielen wirklich hübsch gemachten Elementen und Entwicklungen in der Geschichte kam leider das eigentliche Problem (das Versprechen gegenüber dem Elfenlord) etwas zu kurz. So ist mein größter Kritikpunkt am Ende von „Snowspelled“, dass die Geschichte so viel mehr Potenzial gehabt hätte und dass die gerade mal 168 Seiten für meinen Geschmack eindeutig zu kurz waren, um der Handlung und den verschiedenen Figuren, über die ich gern noch mehr erfahren hätte, wirklich gerecht zu werden. Da ich mich aber insgesamt gut amüsiert habe und die Welt und die Charaktere wirklich mochte, freu ich mich jetzt schon, dass es irgendwann im kommenden Jahr eine Fortsetzung zu „Snowspelled“ geben wird.

Alex Grecian: The Yard (Scotland Yard’s Murder Squad Series 1)

Vor einem Jahr habe ich mit „The Harvest Man“ einen Wühltischfund gelesen, der mir so gut gefallen hatte, dass ich auch die weiteren Bände der „Scotland Yard’s Murder Squad Series“ lesen wollte. Da „The Yard“ der erste Teil der Reihe ist, fiel es mir dieses Mal deutlich leichter, die verschiedenen Figuren zuzuordnen und mich auf die Geschichte einzulassen, obwohl die Handlung selbst sich unter anderem um die Entführung und die Misshandlung von Kindern dreht, was nicht gerade mein bevorzugtes Krimithema ist. Doch zu Beginn der Geschichte wird erst einmal der Leichnam eines ermordeten Polizisten gefunden. Inspector Little war Teil der – nach den Ereignissen rund um Jack the Ripper – neu eingerichteten „Murder Squad“ und wurde mit einem spitzen Gegenstand erstochen. Besonders erschreckend für seine Kollegen ist die Tatsache, dass der Mörder die Augen und den Mund des Getöteten zugenäht hat.

Mit den Ermittlungen wird Detective Inspector Walter Day beauftragt. Er ist das neuste Mitglied der „Murder Squad“ und gerade erst mit seiner Frau Claire nach London gezogen, und so bekommt man als Leser einiges über ihn und sein Privatleben mit. Neben seiner Perspektive kann man auch noch die von Constable Nevil Hammersmith und die des Mörders verfolgen, wobei es auch immer wieder kleine Szenen gibt, in denen man die Tätigkeiten anderer Personen mitbekommt. So entsteht für den Leser ein Gesamtbild, das den ermittelnden Polizisten fehlt, was die Spannung aber nicht mildert. Denn es geht in den Romanen von Alex Grecian weniger darum herauszufinden, wer etwas getan hat, als darum warum etwas getan wurde und wie der Verbrecher doch noch gefunden und überführt werden kann.

Alex Grecian beweist bei „The Yard“ ein Händchen für die verschiedenen Charaktere und ich mochte es sehr, wie er glaubwürdige – und zum Großteil sympathische – Figuren erschafft. Gerade unter den Polizisten gibt es viele verschiedene Typen, die alle ihre eigene Art haben, um mit ihrer endlosen und frustrierenden Arbeit fertig zu werden. In meiner Rezension zu „The Harvest Man“ hatte ich angemerkt, dass mich der Roman ein wenig an Anne Perry erinnerte, aber eigentlich finde ich die Geschichten von Alex Grecian deutlich besser. Der Autor erschafft ein deutlich vielfältigeres Bild von London im Jahr 1889, als es Anne Perry in den von mir gelesenen Büchern getan hat, und führt den Leser nicht nur durch die diversen gesellschaftlichen Schichten (wobei man es eher wenig mit den vermögenderen Teilen der Londoner Bevölkerung zu tun bekommt), sondern vermittelt mir das Gefühl, dass seine Figuren den angemessenen Wissensstand für diese Zeit haben und auch dementsprechend denken und handeln.

So viel Spaß mir das Lesen von „The Yard“ gemacht hat, so gibt es eine Sache, die mir bei den Romanen von Alex Grecian wirklich fehlt, und das ist ein Nachwort, in dem der Autor etwas über seine Recherche schreibt. Ich würde gern wissen, wieso er bestimmte Ermittlungsmethoden erwähnt hat (wenn auch nur als spinnerte Idee des „Polizeiarztes“ Dr. Kinsley) oder welche Quellen er herangezogen hat, um über bestimmte Aspekte des Lebens in London im Jahr 1889 zu recherchieren. Und ich würde wirklich gern wissen, ob die Monate nach den Jack-the-Ripper-Morden für die Polizei so schwierig waren wie in dieser Geschichte beschrieben. Ich mag es einfach, wenn mir ein Autor am Ende eines guten historischen Romans erzählt, wo er sich vielleicht Freiheiten genommen hat und was ich als historisch korrekte Darstellung ansehen darf. Gerade wenn es um die Weiterentwicklung der Polizeiarbeit geht, gibt es doch eine Menge Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, die aber vor gut hundert Jahren noch absolutes Neuland waren und nicht ernst genommen wurden. Außerdem sind solche informativen Anhänge für mich auch immer wieder eine gute Quelle, um interessante Sachbücher für die Merkliste zu finden. So musste ich mich erst einmal damit begnügen, den zweiten Teil der Reihe auf die Liste zu setzen, weil ich auf jeden Fall wissen will, wie es mit Inspector Day und seinen Kollegen weitergeht.

Emily Larkin: Unmasking Miss Appleby (Baleful Godmother 1)

Ich hatte vorher weder etwas von der Autorin noch von dem Roman gehört, als ich Ende Mai über einen „habe ich genossen, gibt es gerade kostenlos“-Link bei Twitter gestolpert bin. Weil sich die Inhaltsangabe nett anhörte, habe ich die Geschichte auf meinen eReader geladen und wollte sie dann nur kurz anlesen. Inzwischen habe ich vier Titel aus der Baleful-Godmother-Reihe gelesen und freue mich, dass ich noch mindestens zwei weitere Bücher vor mir habe. 😉

Emily Larkin hat mit „Unmasking Miss Appleby“ einen wunderbaren Historical geschrieben, der mehrere ungewöhnliche Elemente aufweist. So beginnt die Geschichte an dem Tag im Jahr 1805, an dem die Protagonistin, Charlotte Appleby, ihren 25 Geburtstag feiert und sich auf einmal ihrer Feen-Patentante gegenübersieht. Wie jede vernünftige Frau glaubt sie eigentlich nicht an Feen und hatte auch keine Ahnung, dass eine Vorfahrin dafür verantwortlich ist, dass jedes weibliche Mitglied ihrer Familie von einer Fee einen Wunsch gewährt bekommt. Doch nachdem Charlotte sich sicher ist, dass die unheimliche Frau, die in ihr Zimmer eingedrungen ist, wirklich eine Fee ist, geht sie sehr sachlich und überlegt an die Sache heran und entscheidet sich letztendlich für die Gabe der „Metamorphose“.

Seit vor einigen Jahren ihr Eltern gestorben sind, lebt sie als unbezahlte/s Hausmädchen/Gesellschafterin/Gouvernante im Haushalt ihres Onkels. Und obwohl dieser ihrem Vater versprochen hatte, dass Charlotte von ihrer Tante in die Londoner Gesellschaft eingeführt würde, hat der Onkel sein Versprechen nie eingehalten. So wünscht sich Charlotte nichts mehr, als irgendwie auf eigenen Füßen stehen und sich ihren Unterhalt selbst verdienen zu können. Durch die Gabe der Metamorphose ist sie nun in der Lage, sich in einen jungen Mann zu verwandeln und sich als Sekretär bei Lord Cosgrove zu bewerben. Sie ist sich sicher, dass sie die Arbeit gut verrichten kann – schließlich hat sie für ihren Vater schon eine ähnliche Position eingenommen. Allerdings war ihr nicht bewusst, wie wenig sie über das Leben als Mann in der Londoner Gesellschaft weiß und wie schwierig es werden würde, sich nicht zu verraten.

Lord Cosgrove (Marcus) hingegen ist dringend auf der Suche nach einem neuen Sekretär, nachdem sein früherer Angestellter bei einem Anschlag im Park schwer verletzt wurde. Dieser Anschlag galt dem Adeligen – und ist nur ein Ereignis in einer ganzen Reihe von Unerfreulichkeiten, die von eingeschlagenen Glasfenstern und Unrat auf seiner Türschwelle bis zu nächtlichen Angriffen reichen. Marcus selbst weiß nicht, wer für all diese Taten verantwortlich ist, verfügt aber über eine lange Liste von Verdächtigen, die aus politischen oder privaten Gründen etwas gegen ihn haben. Zu seiner großen Überraschung ist der junge Christopher Albin nicht nur bereit, die Stellung bei ihm als Sekretär anzunehmen, obwohl die Position nicht ohne Risiken ist, sondern Christopher kommt im Laufe der Zeit auch immer wieder an Informationen heran, die dem Lord wirklich helfen. Natürlich weiß Marcus nicht, dass sein neuer Sekretär eigentlich eine Frau ist und erst recht nicht, dass Charlotte ihre Gabe der Verwandlung nutzt, um für ihren neuen Arbeitgeber zu ermitteln.

Es gibt eine ganze Menge Dinge, die ich an diesem Roman mochte. Nicht nur fand ich die Protagonisten sympathisch, ich konnte ihr Verhalten in der Regel auch gut nachvollziehen (was ja nicht immer bei einem historischen Liebesroman gegeben ist) und mochte es, dass Charlotte ihre neu entdeckte Freiheit so wichtig war (und zwar so sehr, dass ihr ihr Job wichtiger ist als ihre Gefühle für ihren Arbeitgeber). Überhaupt ist Charlotte angenehm intelligent und vernünftig und testet – wenn sie die Zeit und Möglichkeit hat – jede neue Gestalt erst einmal, bevor sie sie wirklich einsetzt. Auch der „Beziehungsteil“ ist überraschend stimmig, wenn man bedenkt, dass Charlotte Marcus ja anfangs nur in männlicher Gestalt kennenlernt. Durch Lord Cosgrove entdeckt sie Ecken von London, von denen sie zuvor nie gehört hat, was nicht nur dazu führt, dass sie sich stellenweise sehr naiv anstellt, sondern auch, dass sie Einblick in das Leben und Denken von Männern bekommt, wie es für ihre Zeit und Stellung nun mal ungewöhnlich ist.

Das bringt sie dazu, dass sie Schritte ergreift, um Marcus – in ihrer realen Gestalt – näher kennenzulernen, die ich stimmiger finde, als in so manch anderem Roman. Auch verrate ich wohl nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es mehr als eine Sexszene zwischen den beiden Protagonisten gibt – und dass dieser Körperkontakt nicht von Anfang an für die beiden großartig und wiederholenswert ist. Für Charlotte ist der erste Sex in ihrem Leben sogar so unangenehm, dass sie es dabei durchaus belassen würde, wenn er nicht bei einem weiteren Treffen die Initiative ergreifen würde. Der Krimianteil ist jetzt nicht so wahnsinnig ausgefeilt, bietet Emily Larkin aber genügend Gelegenheiten, um die verschiedenen Figuren vorzustellen und Charlotte in die unterschiedlichsten Stadtteile von London zu führen – und damit ihre Geschichte nicht nur in gehobenen Adelskreisen spielen zu lassen. Ich habe mich wirklich wunderbar mit „Unmasking Miss Appleby“ amüsiert und mehr als einmal beim Lesen vor mich hingekichert, weil für Charlotte die Zusammenarbeit mit Marcus nicht immer einfach war und sie ständig auf der Hut sein musste (oder mitten ins Fettnäpfchen trat).

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Zum Schluss noch eine Anmerkung zu den weiteren drei Teilen, die ich bislang gelesen habe:
Sowohl „Resisting Miss Merryweather“ (Baleful Godmother 2), als auch „Claiming Mister Kemp“ (Baleful Godmother 4) sind deutlich kürzer als „Unmasking Miss Appleby“ und „Trusting Miss Trentham“ (Baleful Godmother 3), was sich auch auf die Qualität der Geschichten auswirkt. „Resisting Miss Merryweather“ war nett, aber nicht mehr als ein langer Anhang zum ersten Band, damit eine der Nebenfiguren noch ein Happy End bekommt. Sowohl die Tatsache, dass Miss Merryweather erst zum Schluss ihre magische Gabe bekommt, als auch die Handlung an sich haben mich nicht so sehr überzeugen können wie die Geschichte von Charlotte und Marcus.

„Trusting Miss Trentham“ habe ich hingegen wieder rundum genossen und mochte die Charaktere ebenso wie die Geschichte (inklusive den Ermittlungen rund um die Frage, wer bei einer Schlacht in Portugal wohl die Engländer verraten haben mag). Und obwohl „Claiming Mister Kemp“ einige Dinge aus „Trusting Miss Trentham“ wiederholt, so fand ich es schön mal eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern zu lesen, die in dieser Zeit spielt. Das ändert nichts daran, dass auch hier die Handlung etwas dünn ist und das Ganze ebenfalls geschrieben wurde, damit auch hier zwei Nebenfiguren noch etwas mehr Raum bekommen, als es in dem dritten Band der Reihe möglich war.

Es gibt noch vier weitere Geschichten, die Jahrhunderte vor den „Baleful Godmother“-Romanen spielen und erzählen, wie es überhaupt zu der Verbindung zwischen dieser Familie und den Feen kommt. Aber bislang kann ich dazu noch nichts sagen, weil ich erst einmal wieder etwas Abwechslung benötigte. Wer aber neugierig auf die Autorin und „Unmasking Miss Appleby“ geworden ist, kann den ersten Baleful-Godmother-Band und „The Fey Quartet“ kostenlos bekommen, wenn er sich für Emily Larkins Newsletter anmeldet.

Patricia C. Wrede: A Matter of Magic

„A Matter of Magic“ von Patricia C. Wrede beinhaltet die beiden Romane „Mairelon the Magician“ und „The Magician’s Ward“. Obwohl es keine Jahresangaben in den Geschichten gibt, bezeichnet die Autorin die Romane als „Regency Magic“ – und die Welt fühlt sich (ebenso wie die Beziehung, die die Menschen zu Magie haben,) sehr nach den „Cecelia und Kate“-Büchern an und auch die Erwähnung des „Royal College of Wizards“ in London deutet auf das gleiche Setting hin. (Und wenn ich nach dem Umzug wieder Zugriff zu meinen Cecy-und-Kate-Romanen habe, muss ich mal nachschauen, ob mindestens eine der zum College gehörigen Personen auch da erwähnt wird.)

Protagonistin der beiden Geschichten ist die siebzehnjährige Kim, die ihr gesamtes bisheriges Leben in den Slums von London verbracht hat. Dabei hat die Frau, bei der sie aufgewachsen ist, darauf geachtet, dass Kim von allen für einen Jungen gehalten wird, weil sie so für die „Pflegemutter“ nützlicher war. Als Kim klein war, hat sie zusammen mit einer Bande anderer Kinder auf den Straßen die Geldbeutel von Passanten geleert, aber seitdem die „Pflegemutter“ tot ist, versucht Kim auf legalere Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei ist sie vollkommen auf sich allein gestellt, was nicht gerade einfach ist, weil die diversen Banden Bedarf für einen Jungen mit ihren flinken Händen hätten. (Und wenn sie wüssten, dass Kim ein Mädchen ist, hätten sie gleich doppelte Verwendung für sie – ich mag, dass die Autorin solche Elemente in ihren Romanen nicht ausspart.)

So kann Kim nicht widerstehen, als sie von einem Mann engagiert wird, um in den Wagen eines reisenden Zauberers einzubrechen. Vor allem, da die Bezahlung hoch genug ist, dass sie Monate davon leben könnte, und ihr Auftraggeber nicht mehr von ihr wünscht, als dass sie eine genauen Blick auf das Inventar des Schaustellers wirft und ihm darüber Bericht erstattet. Obwohl eine innere Stimme sie warnt, dass so ein Einbruch nicht gerade ein kluger Schritt ist, lockt sie die Aussicht auf einen Neuanfang, den sie mit dem versprochenen Geld wagen könnte. Doch dummerweise wird sie von dem Magier Mairelon erwischt, wie sie seine Sachen durchsucht, und findet sich zu ihrer eigenen Überraschung kurz darauf in seinen Diensten wieder. Schnell erfährt sie, dass Mairelon auf der Suche nach einer Gruppe von magischen Gegenständen ist und deshalb von diversen Parteien gejagt wird.

Mehr möchte ich über die Handlung der beiden Romane gar nicht sagen, weil es einfach zu viel Spaß macht selber all die Details und Hintergründe zu entdecken. Ich kann aber noch mitteilen, dass der Zauberer Mairelon natürlich nicht nur die erwartbaren Bühnentricks beherrscht, sondern auch über echte magische Fähigkeiten verfügt. Wobei ich persönlich die Bühnentricks in der Geschichte häufig deutlich nützlicher fand als die Magie. 😉 Anfangs entwickelt sich die Handlung eher gemächlich, während Kim, Mairelon und sein Diener Hunch einander besser kennenlernen, Kim Unterricht bekommt (was dank ihrer Grammatik und ihrer Verwendung von Diebesslang schon etwas sehr Eliza-Doolittle-haftes hat) und die Weichen für die weiteren Ereignisse gestellt werden.

Doch je mehr Figuren eingeführt werden, desto mehr Vorfälle gibt es, bei denen Kim mehr Aufregung erlebt als ihr lieb ist. Dabei beweist Patricia C. Wrede ein Händchen dafür eine Situation so auf die Spitze zu treiben, dass ich mich dabei wunderbar amüsiert habe. Es gibt so viele Charaktere in der Geschichte, die alle gegeneinander arbeiten und einander bespitzeln, und dann wieder Figuren, die ganz eigene Motive für ihre Handlungen haben und komplett ahnungslos sind, was überhaupt vorgeht – und gerade deshalb natürlich immer wieder die Pläne aller anderen durchkreuzen. Bei vielen anderen Autoren wäre mir das vielleicht zu viel geworden, aber hier habe ich mich – vor allem am Ende der jeweiligen Romane – wunderbar unterhalten gefühlt und lieber bis tief in die Nacht hinein gelesen als das Buch gerade an einer so amüsanten Stelle aus der Hand zu legen.

Kims Diebesslang ist in der Regel gut zu verstehen, etwas mehr Probleme hatte ich bei der Dialogzeilen von Mairelons Diener Hunch, aber insgesamt kam ich bei den Dialogen eigentlich immer ganz gut mit. Außerdem muss ich zugeben, dass mir „Mairelon the Magician“ ein bisschen besser gefallen hat als „The Magician’s Ward“, weil der zweite Roman sehr viele Szenen hat, die in der Londoner Gesellschaft spielen, was gut geschrieben ist, aber nicht so erfrischend war wie Kims Ansichten über das Landleben, die man im ersten Band mitbekommt. Wenn ich mich richtig erinnere, dann erwähnte Patricia C. Wrede in einem ihrer Bücher, dass sie Georgette Heyer sehr gern liest, und in diesen beiden Romanen gibt es so einige Momente, in denen man das meiner Meinung nach auch merkt. So habe ich das Ganze nicht nur für sich genommen genossen, sondern mir beim Lesen auch immer mal wieder Gedanken gemacht, ob die Autorin gerade auf ein paar meiner Georgette-Heyer-Lieblingsszenen anspielt oder nicht.

Stephanie Burgis: Kat, Incorrigible (Kat, Incorrigible 1)

„Kat, Incorrigible“ von Stephanie Burgis ist mal wieder ein Neuzugang, an dem Kiya Schuld ist, nachdem sie den Schuber mit der Trilogie in einem ihrer „Gelesen/Gekauf“-Beiträge erwähnt hatte. Wie man an dem verlinkten Beitrag sehen kann, hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich den Titel von der Merkliste auf meinen (Geburtstags-)Wunschzettel gepackt habe und nach dem Lesen bedauere ich es fast, dass ich da nicht eifriger war – und habe gleich mal die beiden Fortsetzungen bei meinem Buchhändler geordert. *g* Als der Leser Katherine (Kat) Ann Stephenson kennenlernt, versucht die Zwölfjährige sich gerade mitten in der Nacht aus ihrem Elternhaus zu schleichen. Gekleidet in den abgelegten Kleidungsstücken ihres älteren Bruders und mit frischgekürzten Haaren hofft sie, dass sie sich bis London durchschlagen könnte, um sich dort einen Arbeitsplatz zu suchen.

Dummerweise erwischen ihre beiden älteren Schwestern Elissa und Angeline sie und verhindern Kats unbedachten wohldurchdachten Rettungsplan für Elissa. Denn nachdem Kats älterer Bruder Charles mit seinen Verlusten am Spieltisch die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat, gibt es aus Sicht der Stiefmutter nur eine Rettung: Elissa muss einen sehr reichen Ehemann finden, der gewillt ist, der Familie seiner Braut finanziell beizustehen. Einen passenden Kandidaten hat die Stiefmutter mit Sir Neville auch schon bei der Hand, wobei Kat es alarmierend findet, dass der potenzielle Bräutigam nicht nur alt genug ist, um der Vater ihrer Schwester Elissa zu sein, sondern dass es auch heißt, er hätte seine erste Frau umgebracht.

Nachdem Kats erster Plan an der Aufmerksamkeit ihrer Schwestern scheiterte, denkt sie natürlich über alternative Methoden nach, um Elissa zu retten, und verfällt auf die Magie, die sie – hoffentlich – von ihrer verstorbenen Mutter Olivia geerbt hat. Doch so einfach ist es nicht Magie zu wirken, außerdem ist die Anwendung von Magie in diesem Regency-artigem England überaus verpönt. Und dazu gibt es noch mehrere Parteien, die Kat große Schwierigkeit bereiten, als sie dahinterkommen, dass das Mädchen mit Magie experimentiert. Ich mag ja immer wieder diese Mischung aus sehr geregeltem Gesellschaftsleben, wie man es nun mal in Regencyromanen findet, und den Unberechenbarkeiten, die sich aus der Anwendung von Magie durch ungeübte Protagonisten ergeben.

Außerdem ist Kat eine wunderbare Figur, die – ebenso wie ihre beiden Schwestern – gegen ihre Stiefmutter rebelliert, ihre ganz eigenen Prioritäten hat, wenn es um das Glück ihrer Familie geht, und die doch bei allem Selbstbewusstsein ständig in Situationen landen, in denen sie sich wünscht, sie könnte einfach im Boden verschwinden. Da die Geschichte aus Kats Sicht erzählt wird, hatte ich überraschenderweise die größten Probleme mit ihren beiden Schwestern. Sie nehmen Kat nicht ernst, hören ihr nicht zu und schließen sie regelmäßig aus, weil sie denken, dass Kat zu klein ist, um bestimmte Dinge zu verstehen. Würden die drei Mädchen offen miteinander reden, wären viele Schwierigkeiten viel einfacher zu lösen – allerdings gäbe es dann auch nicht so viele wunderbar amüsante Szenen für den Leser.

Zur Autorin wird im Buch erwähnt, dass sie Jane Austen und Georgette Heyer liebt – und gerade von der letztgenannten Schriftstellerin finde ich viel in „Kat, Incorrigible“ wieder. Es gibt die junge Frau, die sich für den liebenswerten, aber unzuverlässigen Bruder opfern muss, die Liebe zwischen den Schwestern, die sich zwar nicht immer verstehen, aber doch am Ende füreinander da sind, es gibt Wegelagerer, Hausgesellschaften inklusive Klatsch und Tratsch und all die anderen Dinge, die man in einem amüsanten historischen Liebesroman normalerweise findet – nur dass sie hier aus der Perspektive einer Zwölfjährigen geschildert werden, die die Vorstellung von einem Wegelagerer nun einmal deutlich reizvoller findet, als ein steifes Abendessen inmitten von älteren Personen, denen die Etikette wichtiger ist als ein interessantes Gesprächsthema.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht Kat bei all ihren Abenteuern zu folgen. Sie ist eine angenehm eigenwillige Figur und ich mochte es, dass sie grundsätzlich erst einmal misstrauisch ist, wenn jemand ihr sagen will, was sie tun soll. Obwohl sich Kat so viel Mühe gibt, sind ihre Aktionen selten durchdacht, so dass es zu vielen amüsanten – aber selten zu zu überspitzten – Situationen kommt, die ich sehr genossen habe. Ich freu mich schon jetzt darauf, dass ich demnächst die Fortsetzungen in die Finger bekomme und dann weiter verfolgen kann, wie es Kat und ihrer Familie so ergeht.

Alex Grecian: The Harvest Man (Scotland Yard’s Murder Squad Series 4)

Da ich gerade definitiv ein Händchen bei der Auswahl neuer „Testromane“ habe, habe ich auch bei der „Scotland Yard’s Murder Squad“-Serie von Alex Grecian den vierten Band erwischt. Das Buch war ein Wühltischfund und da mich der Klappentext sehr neugierig gemacht hatte, bin ich das Risiko eingegangen, auch wenn ich die vorhergehenden drei Teile nicht kenne. Die Geschichte spielt im Frühling 1890 und die Handlung wird rund um die Ermittlungen gegen einen Serienmörder gesponnen. „The Harvest Man“ – benannt nach der englischen Bezeichnung für Weberknecht – schleicht sich tagsüber in die Häuser seiner Opfer und versteckt sich auf dem Dachboden, bis sie abends eingeschlafen sind. Dann betäubt er sie mit Äther, verstümmelt und tötet sie. Dabei fällt auf, dass seine Opfer immer Ehepaare sind, und obwohl er auch alle weiteren Bewohner des jeweiligen Haushaltes tötet, scheinen ihm diese anderen Toten nicht wichtig zu sein.

Ich mochte die Erzählweise von Alex Grecian und die Art und Weise, wie das Leben um 1890 in London beschrieben wurde (auch wenn ich mich stellenweise fragte, ob zum Beispiel die Größe der Häuser wirklich realistisch ist), aber ich muss zugeben, dass ich bei diesem Roman große Anfangsschwierigkeiten hatte. Es gibt häufige Änderungen in der Perspektive und eine Menge „Personal“, das ich nicht richtig einordnen konnte, weil ich die ersten drei Bände nicht kannte. Zwar erklärt der Autor viel zu den jeweiligen Figuren (und ich fürchte, dass ich einige Aspekte der vorhergehenden Bücher deshalb vielleicht nicht genießen können werde, weil ich schon gespoilert wurde), aber das reicht natürlich nicht, um ein wirkliches Gefühl für komplexere zwischenmenschliche Verhältnisse zu bekommen.

Trotzdem sind mir die Charaktere im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen. Inspektor Walter Day und sein ehemaliger Kollege Nevil Hammersmith haben in der Vergangenheit einiges durchgemacht und sind nun körperlich und seelisch versehrt. Trotzdem versuchen sie beide, weiter Polizeiarbeit zu leisten, unabhängig davon, ob ihnen das körperlich oder rechtlich überhaupt noch möglich ist. Inspektor Day konzentriert sich dabei auf seine „Beratertätigkeit“ bei der Suche nach dem Harvest Man, während Hammersmith mit „unredlicher“ Unterstützung nach Jack the Ripper fahndet, der für den schlechten Zustand der beiden Polizisten verantwortlich ist. Ich muss gestehen, dass ich es inzwischen etwas ermüdend finde, wenn ein Autor schon wieder Jack the Ripper aufgreift. Aber da Alex Grecian das Jack-the-Ripper-Motiv zwar als roten Faden benutzt, aber sich die Ermittlungen in diesem Band auf den neuen Serienmörder konzentrieren, konnte ich hier damit ganz gut leben.

Je sympathischer ich die Figuren fand, je besser mein Gefühl für ihre jeweiligen Persönlichkeiten wurde, desto mehr Luft hatte ich auch, mich auf die verschiedenen Ermittlungen und Erzählebenen zu konzentrieren. So wurde die Geschichte nach dem (für mich) etwas anstrengenden Anfang wirklich spannend und mitreißend. Außerdem macht mich der Cliffhanger am Ende des Romans ganz kirre, weil ich nun entscheiden muss, ob ich die Serie irgendwann von vorn anfange und mich dann bis zu diesem Punkt lese oder ob ich einfach mit Band 5 weitermache, um herauszufinden, wie es mit Inspektor Day und all den anderen Personen weitergeht. Denn dass ich die Serie weiterlese, steht für mich fest. Ich habe mich nach langer Zeit endlich mal wieder mit einem historischen Kriminalroman richtig gut unterhalten gefühlt und freue mich deshalb sehr über meine Zufallsentdeckung.

Noch eine Anmerkung: Ein bisschen erinnert mich die Serie an die „Charlotte und Thomas Pitt“-Bücher von Anne Perry. Aber die Reihe hatte ich nach ein paar Jahren abgebrochen, weil ich das Gefühl hatte, die Autorin würde immer die gleiche Geschichte schreiben, ihre Morde immer in der gleichen Gesellschaft verankern und das Ganze zu steril angehen. Bei „The Harvest Man“ gibt es eine gute Mischung aus „gehobener Gesellschaft“ und „weniger ehrbaren Bürgern“, und ich mochte die stellenweise schon fast an Dickens erinnernde Atmosphäre in den weniger schönen Ecken Londons ebenso wie die Heimeligkeit eines gepflegten Hauses oder die aufkommende Bürokratie bei Scotland Yard.

Loretta Chase: Lord of Scoundrels (The Scoundrels Series 3)

Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel gelesen, der sich damit beschäftigt hat, wie man einen „Bad Boy“ als glaubwürdigen Protagonisten eines Liebesromans darstellt. Da ich den Artikel über einen Link bei Twitter gefunden habe, finde ich nicht mehr heraus, wo es den gab oder wer den geschrieben hat. Auf jeden Fall waren in diesem Artikel auch sehr viele Bücher erwähnt worden, die als gute Beispiele herhalten mussten. Eines dieser Bücher war „Lord of Scoundrels“ von Loretta Chase und die Beschreibung hatte mich neugierig genug gemacht, um mir den Roman auszuleihen und zu lesen. (Nachtrag 10.04.2016: HIER ist der von mir erwähnte Artikel zu finden.) 

Die Autorin beginnt mit der Geschichte von Lord Dains Eltern, um zu verdeutlichen, welche Ereignisse dazu geführt haben, dass sich der Protagonist zu einem egozentrischen, rücksichtslosen, rumhurenden Mistkerl entwickelt hat. So kann man ihn als erwachsenen Menschen zwar nicht sympathisch finden, versteht aber wieso aus dem vernachlässigten und misshandelten kleinen Jungen so ein Mann geworden ist. Die Protagonistin, Jessica Trent, hingegen wurde davon beeinflusst, dass sie in einer Familie aufgewachsen ist, in der vor allem Jungen zur Welt gebracht wurden, so dass sie sich nicht nur ihr Leben lang gegen gleichaltrige oder ältere Brüder und Cousins durchsetzen musste, sondern auch als Tante (und unbezahltes Kindermädchen) viel Erfahrungen mit der Erziehung kleiner Jungen sammeln konnte. Auf der anderen Seite wurde sie nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Großmutter aufgezogen, die schon mehrere Ehemänner (und Geliebte) überlebt hat und ihr diesbezügliches Wissen großzügig mit ihrer Enkelin geteilt hat.

Jessicas größter Wunsch ist es eines Tages unabhängig von ihrer Familie zu sein und so arbeitet sie seit Jahren darauf hin, einen Antiquitätenladen für die gehobene Gesellschaft zu eröffnen. Ihr ist bewusst, dass sie so ein Geschäft nur führen kann, wenn sie über einen einwandfreien Ruf verfügt und keinen Ehemann hat, der ihr diesen Plan verbieten könnte. Da sie bislang jeden Heiratsantrag (und davon gab es nicht wenige, da sie sehr hübsch ist und aus guter Familie kommt) abgelehnt hat, sieht sie sich mit 27 Jahren kurz vor der Verwirklichung ihres Traums. Doch dann wird sie nach Paris gerufen, um ihren Bruder Bertie aus dem Einfluss von Lord Dain zu befreien. Bei Versucht mit dem skrupellosen Wüstling mitzuhalten, hat Bertie in den letzten Monaten nicht nur seine Gesundheit ruiniert, sondern auch einen viel zu großen Teil seines Vermögens verschleudert.

Die folgende Geschichte ist eigentlich recht vorhersehbar. Obwohl sich die beiden Protagonisten schnell zueinander hingezogen fühlen, machen sie sich gegenseitig erst einmal das Leben schwer. Während Dain sich auf der einen Seite nichts von einer Frau sagen lassen mag und sich andererseits von Jessica in eine Falle gelockt fühlt, könnte Jessica ganz gut damit leben, dass sie den Wüstling begehrt, wenn er nicht ihren Bruder in den Ruin treiben würde. Auch wenn sich diese Inhaltsbeschreibung kaum von denen anderer Historicals unterscheidet, mochte ich es doch wie Loretta Chase die beiden Protagonisten beschrieben hat. Beide sind selbstbewusst, intelligent und dickköpfig, was zu wunderbaren Dialogen führt. Auch gefiel es mir sehr, dass es zwar immer wieder zu Missverständnisse kommt (weil Dain grundsätzlich das Schlimmste annimmt, während sie anfangs keine Ahnung davon hat, wie gestört er ist), dass auf diesen Missverständnissen aber nicht endlos rumgeritten wird. Entweder kommen die beiden – wie vernünftige erwachsene Menschen – von selber zu dem Schluss, dass sie sich geirrt und etwas falsch verstanden haben, oder sie reden darüber was passiert ist und klären so die Sache. Das ist eine so angenehme Art und Weise mit diesem Handlungselement umzugehen, dass ich es immer wieder bedauerlich finde, dass andere Historical-Autorinnen nicht auf die Idee kommen.

So entsteht nach und nach aus der anfangs vorhandenen Lust zwischen den beiden Protagonisten eine wirklich süße Liebesgeschichte, bei der sich die beiden Beteiligten immer besser kennenlernen und weiterentwickeln. Naja, vor allem er entwickelt sich weiter, den sie ist von Anfang an so perfekt, dass da nicht mehr viel Entwicklung nötig ist. Was langweilig wäre, wenn sie dadurch nicht so einen hübschen Gegenpart zu ihm bieten würde, und wenn es da nicht die Momente gäbe, in denen sie auf ihn schießt oder mit Porzellan durch die Gegend wirft. Außerdem war der Roman ja als Beispiel für einen gelungenen „Bad Boy“-Protagonisten genannt worden und nicht als Beispiel für eine überzeugende Protagonistin. 😉 Alles in allem hat mir das Lesen wirklich Spaß gemacht – und nun bin ich neugierig, ob die anderen Bücher der Autorin auch so unterhaltsam sind.

Marissa Doyle: Betraying Season (Leland Sisters #2)

Nach „Bewitching Season“ und „Courtship and Curses“ ist „Betraying Season“ der dritte Roman von Marissa Doyle, den ich gelesen habe. Während sich die anderen beiden Geschichten mit der ersten Londoner Saison der jeweiligen Protagonistin beschäftigen, ist Pen (Penelope) schon vor einem Jahr in die Gesellschaft eingeführt worden und nimmt sich nun eine Auszeit, um in Irland mit ihrer ehemaligen Gouvernante zu studieren. Doch so ganz läuft dieses Studienjahr nicht nach Pens Vorstellungen ab, da Ally zu krank ist, um sie zu unterrichten, und ihr „Ersatzlehrer“ zwar sehr versiert im Umgang mit Magie ist, aber seine Schüler sind nicht gerade davon begeistert, dass nun eine Frau und dann auch noch eine Engländerin an ihrem Unterricht teilhaben soll.

Für Pen ist das eine schwierige Zeit. Sie hat niemanden, mit dem sie sich wirklich austauschen kann, was dazu führt, dass sie ihrer frischverheiratete Zwillingsschwester Persy umso mehr vermisst, und sie fühlt sich minderwertig, was auch eine ganz neue Erfahrung für sie ist. Ihr Leben lang war sie immer der Zwilling, der mehr Aufmerksamkeit bekam und mehr Erfolg hatte. Doch nach den Ereignissen im letzten Jahr, als ihre schüchterne Schwester die Einzige war, die einen Anschlag auf Prinzessin Victorias Leben verhindern konnte, hat Pen das Gefühl, sie müsse ihren Wert beweisen, in dem sie genügend Magie lernt, um mit ihrer gebildeten Schwester gleichziehen zu können.

Doch da das Leben nicht aus Unterricht allein besteht, nimmt sie dankbar die herzlichen Einladungen ihrer neuen Bekanntschaft Lady Keating an – wobei es auch nicht schadet, dass die Dame einen attraktiven und sympathischen Sohn hat. Niall Keating hingegen wird von seiner Mutter, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt auf Pen angesetzt und soll das einsame Mädchen in sich verliebt machen. Dabei sahen die Pläne seiner Mutter allerdings nicht vor, dass auch Niall sich verlieben könnte – und seine Zuneigung zu der jungen Engländerin deutlich größer ist als seine Angst vor seiner überaus bestimmenden Mutter.

Wie schon in den anderen Geschichten ist die Handlung von „Betraying Season“ relativ vorhersehbar, aber dafür gibt es wunderbare (Neben-)Figuren – inklusive Geist, Kobold und Göttin(nen) -, amüsante Dialoge und viele kleine Szenen zum Genießen. Bei dieser Autorin reicht es mir wirklich, dass ihre Romane nur „nett“ sind, da ich sie wirklich entspannend, unterhaltsam und erholsam finde. Außerdem mochte ich bei diesem Band, dass sich die Handlung mal nicht um die erste Saison dreht, sondern um Pens Unterricht und – wenn auch nur oberflächlich – die Spannungen zwischen Irland und England.

Dazu kommt noch, dass sich die Magie, so wie Pen sie in Irland kennenlernt, etwas von der bislang von Marissa Doyle dargestellten Zauberei unterscheidet, was zu einigen hübschen Szenen führt. Auch lernt Pen einen Clurichaun kennen, der bei ihren Gastgebern im Keller lebt und für die Verwaltung der Spirituosen verantwortlich ist – und den ich sehr mochte, gerade weil er etwas bodenständiger war, als die meisten anderen Figuren in dieser Geschichte. Insgesamt gibt es in diesem Band eine Menge neuer Facetten der magischen-historischen Welt, die Marissa Doyle für ihre Geschichten entworfen hat, und die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden Teilen, ohne dabei an Unterhaltungswert zu verlieren. So hat es mir wieder großen Spaß gemacht, eine der beiden Leland-Schwestern bei ihrer Suche nach dem richtigen Weg und dem richtigen Mann zu begleiten.

Patricia C. Wrede: Snow White and Rose Red

Am vergangenen Sonntag habe ich „Snow White and Rose Red“ von Patricia C. Wrede angefangen und es hat bis Mittwoch gedauert, bis ich den Roman beendet hatte, was vor allem an der Sprache lag, die die Autorin verwendet hat. Im Nachwort sagt sie, dass sie versucht hat einen zeitgemäßen Ton zu finden und trotzdem noch für moderne Leser verständlich zu bleiben – und verständlich war es, aber für mich auch sehr gewöhnungsbedürftig und gerade am Anfang überraschend anstrengend. Außerdem habe ich hin und wieder den Humor vermisst, denn ich aus den „Zauberwald“-Geschichten der Autorin so sehr mag. Wobei ich zugeben muss, dass sich die Handlung in „Snow White and Rose Red“ nicht gerade für humorvolle Szenen eignet.

Im Nachwort erwähnt Patricia C. Wrede, dass „Schneeweißchen und Rosenrot“ schon immer ihr Lieblingsmärchen gewesen ist, dass sie aber beim erneuten Lesen für diesen Roman überrascht davon war, wie episodenhaft die Handlung aufgebaut ist. Umso schöner fand ich es, wie sie es geschafft hat, diese episodenhafte Erzählweise aufzugreifen und in eine deutlich stimmigere Form zu pressen. Die Handlung von „Snow White and Rose Red“ zieht sich über viele Monate hinweg und beginnt an einem Halloween-Abend. Zeitlich ist die Geschichte im elisabethanischem England einzuordnen und Patricia C. Wrede hat sowohl auf den damals lebenden Hofastrologen John Dee zurückgegriffen, als auch reale Gegebenheiten um diese Figur in ihre Handlung eingebunden.

An dem Halloween-Abend, an dem die Geschichte beginnt, sprechen John Dee und sein jüngerer Kollege Edward Kelly im Wald einen Zauber aus, der die beiden Männer in Besitz von Feenmagie bringen soll. Denn es ist allseits bekannt, dass in dem Wald, der an das Örtchen Mortlak angrenzt, ein Übergang zur Feenwelt zu finden ist. Beobachtet werden die beiden Männer in ihrem Tun von Blanche und Rosamund, den Töchter der Witwe Arden, die für ihre Mutter im Wald Kräuter suchten. Doch da allgemein bekannt ist, dass John Dee ein Zauberer ist, der – auch aufgrund der Protektion der Königin – schon zwei Anklagen wegen Hexerei überstanden hat, und die Mutter der beiden Mädchen große Angst davor hat, das jemals jemand sie und ihr Töchter der Hexerei beschuldigen würde, erzählen die drei Frauen niemandem von dem, was die Mädchen gesehen haben.

Parallel dazu lernt der Leser die beiden Brüder John (eigentlich Thomas) und Hugh kennen, deren Mutter die Königin der Feen ist. Während der jüngere Prinz sehr zufrieden mit seinem Leben im Feenreich ist, wandert John regelmäßig in der Welt der Menschen umher. Beide Männer werden von einigen Feen misstrauisch beäugt, da ihr Vater ein Mensch ist und John und Hugh somit keine reinrassigen Feen sind. So versucht eine kleine Gruppe von Verschwörern das Wissen um den Zauber, der von John Dee und Edward Kelly gesprochen wird, zu nutzen, um sich der beiden Halbfeen zu entledigen. Doch der Zauber beeinflusst nur Hugh und nimmt dem jungen Mann innerhalb weniger Tage seine Gestalt, so dass er am Ende – in der Form eines Bären – aus dem Feenland verbannt wird.

Im Laufe der folgenden Monate treffen Hugh und die beiden Mädchen natürlich aufeinander, ebenso wie John irgendwann herausfindet, dass es da eine Verbindung zwischen seinem Bruder und der Familie Arden gibt. Während diese fünf Personen nun alles versuchen, um den Zauber aufzuheben, der Hugh so sehr verändert hat, experimentieren Dee und Kelly mit der Macht, die sie durch ihr Tun gewonnen haben. Aber auch die Verschwörer auf der Feenseite bleiben nicht untätig, haben sie doch gerade mal einen Teilerfolg errungen. Gleichzeitig kommen im Ort Mortlak aus mehreren Gründen immer wieder Gerüchte über Hexerei und Zauberei auf, was die Anwohner immer nervöser und misstrauischer werden lässt.

Ich fand es spannend, was für eine komplexe Welt Patricia C. Wrede für die Neuerzählung dieses Märchen gewählt hat und wie viele Personen in dieser Geschichte vorkommen, wenn man überlegt, dass es im Märchen gerade mal sechs Figuren sind, die eine Rolle spielen. Man bekommt eigentlich von allen Parteien mit, was sie gerade planen und denken und wie sie in den nächsten Wochen vorgehen wollen, aber gerade das machte es für mich auch so fesselnd. Während die einen sich auf eine Aufgabe konzentrieren und gerade mal befürchten müssen, dass sie dabei von jemandem beobachtet werden, weiß man schon, dass weitere Parteien auf den selben Zeitpunkt hinarbeiten, aber vollkommen anderen Ziele verfolgen – und natürlich sorgt das dafür, dass irgendetwas schief läuft. Aber was genau schief laufen wird und wer zu diesem Zeitpunkt davon profitiert, muss man natürlich erst noch herausfinden.

Auch der Teil mit der Hexenverfolgung war gut gemacht. Während die Witwe, die nun mal lebenserfahrener ist, immer befürchtete, dass irgendwann einmal sie und ihre Töchter der Vorwurf trifft, sind Blanche und Rosamund verhältnismäßig sorglos. Sie machen schließlich nichts Böses und vertrauen auf Gott und gehen regelmäßig in die Kirche. Allein ihre Zuneigung zu ihrer Mutter sorgt dafür, dass sie trotzdem immer wieder Vorsicht walten und sich von dem einen oder anderen riskanteren Plan wieder abbringen lassen. Trotzdem kommen all diese Gerüchte über Zauberei irgendwann den falschen Leuten zu Ohren, so dass Ermittler in Mortlak auftauchen, die die ganze Angelegenheit verkomplizieren.

Emotional hat mich „Snow White and Rose Red“ weniger angesprochen, auch weil man den Figuren nicht so nahe kommt wie bei manch anderer Geschichte. Aber es hat mich nicht gestört, weil ich so fasziniert davon war, was Patricia C. Wrede aus dem Märchen gemacht hat. Schön fand ich es auch, dass vor jedem Kapitel eine Passage des Märchens vorgestellt war, so dass man sich das Original noch einmal in Erinnerung rufen und dann beim Lesen mit der neuen Version vergleichen konnte. Ich weiß allerdings auch nach ein paar Tagen noch nicht, ob ich mit der letzten Wendung am Ende wirklich zufrieden bin. Es entspricht zwar dem Märchen, aber ich hätte mir eine „grenzübergreifendere“ Lösung gewünscht. Insgesamt hatte ich aber wirklich viel Spaß mit dem Roman und habe es geliebt herauszufinden, was die Autorin aus den jeweiligen Märchenpassagen gemacht hat und zu sehen wie sie die Geschichte mit keltischen Sagenelementen verwoben hat.

Marissa Doyle: Courtship and Curses

„Courtship and Curses“ von Marissa Doyle wird anscheinend in der Regel als dritter Roman rund um die „Leland Sisters“ angeführt. Da die Geschichte aber einige Jahre früher (1815 statt 1837) spielt und die einzige Gemeinsamkeit die Figur der Lady Parthenope besteht, die später einmal die Mutter der Leland-Geschwister sein wird, sehe ich das Buch nicht als Fortsetzung der Reihe an. „Courtship and Curses“ dreht sich um die achtzehnjährige Lady Sophie Rosier, die kurz vor ihrer Einführung in die Londoner Gesellschaft steht. Schon seit Jahren freut sich Sophie auf diesen Moment, hat ihre Mutter ihr doch von klein auf von der Saison in London vorgeschwärmt und sie mit Hilfe eines extra engagierten Tanzlehrers auf diese Zeit vorbereitet.

Doch dann starben Sophies Mutter und ihre kleine Schwester vor zwei Jahren an einer schweren Erkrankung, die auch Sophie befallen hatte. Das Mädchen hat zwar überlebt, aber seitdem ist ihr eines Bein schwächer und verdreht, so dass sie nur noch mit Hilfe und einem unübersehbaren Hinken laufen kann – und an Tanzen ist mit dem Bein gar nicht erst zu denken. Trotzdem ist Sophie wild entschlossen die Saison zu genießen, auch wenn es immer wieder Momente gibt, in denen sie sich leid tut oder in denen sie mit den Menschen in ihrer Umgebung hadert, weil sie sie behandeln, als wäre nicht nur ihr Bein behindert. Einzig in der Gesellschaft von Madame Amélie Carswell fühlt sie sich wohl, und so ist es ein Glück, dass die Französin, die mit dem besten Freund von Sophies Vater verheiratet war, für einige Zeit als Gast in ihrem Haushalt lebt.

Für Sophie bietet die Saison einige Herausforderungen, die unabhängig von ihrer körperlichen Verfassung entstehen. So vermisst sie nicht nur ihrer Mutter und wünscht sich, ihr Vater würde weniger Zeit im Kriegsministerium, für das er arbeitet, verbringen, sondern sie muss sich auch mit ihren beiden wohlwollenden Tanten auseinandersetzen, die ganz eigene Vorstellungen davon haben, wie ihre Nichte sich zu benehmen und auszusehen hat. Zum Glück findet Sophie schon auf ihrem ersten Ball mit Lady Parthenope eine gute Freundin, die ihr (inklusive spitzer Zunge und Hauspapagei) bei all den Abenteuern in den nächsten Wochen zur Seite steht.

Die impulsive Parthenope bringt frischen Wind in die Geschichte, während Sophie sich immer wieder bemüht die Freundin etwas zu zügeln, ohne dass sie dabei langweilig wirkt. Schließlich ist den beiden Freundinnen schon früh bewusst, dass etwas Seltsames vorgeht. Sie haben sogar den Verdacht, dass es jemand auf das Leben der Mitglieder des Kriegsministeriums abgesehen hat – was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass der Krieg gegen Frankreich gerade wieder aufgenommen wurde. So besteht der „magische“ Anteil der Geschichte vor allem darin, dass Sophie, die vor ihrer Erkrankung zaubern konnte, an den Schauplätzen der diversen „Unfälle“ den Einfluss von Magie spürt. Aber sie kann niemanden davon erzählen, schließlich weiß nicht einmal ihr Vater darüber Bescheid, dass diese Begabung in der Familie ihrer Mutter vorkommt.

Ich fand es wirklich hübsch gemacht, wie sehr der Fokus der Geschichte auf Sophie und ihren – eigentlich ganz normalen – Schwierigkeiten bei ihrer Einführung in die Gesellschaft liegt und wie sehr ihre Freundschaft mit Parthenope thematisiert wird. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte in diesem Roman, wobei der betreffende junge Herr sich – auch wenn er sonst für sein diplomatisches Geschick bekannt ist – recht unbeholfen anstellt, so dass Sophie lange Zeit nicht weiß, ob er sie wirklich mag oder nur Mitleid mit ihr hat. Trotzdem fand ich diese Passagen nicht peinlich, gerade weil Parthenope, die seine Cousine ist, mit ihrer spitzen Zunge immer wieder für erfrischende Szenen sorgt.

Was den „Krimianteil“ angeht, so ist es schon recht offensichtlich gewesen, wer hinter den verschiedenen Anschlägen steckt. Aber ich muss zugeben, dass ich trotzdem den Großteil der Geschichte gehofft hatte, die Autorin würde noch irgendeine Wendung einbauen, die für eine der beteiligten Personen ein Happy End bringen würde. Insgesamt hat mir „Courtship and Curses“ noch besser gefallen als „Bewitching Season“ was unter anderem an den wunderbaren Dialogen mit Parthenope lag und daran, dass mir Sophie als Charakter noch ein bisschen mehr lag als Persy. Außerdem muss man einfach einen Roman mögen, in dem Lord Wellington eine verängstigte junge Frau zusammenstaucht. 😉