„The Fire in the Glass“ ist eins von zwei Büchern von Jacqueline Benson, die bei einer Werbeaktion für verschiedene Fantasy-Untergenres auf meinem eReader gelandet sind. Ich habe mich eigentlich gut von der Geschichte unterhalten gefühlt, aber so recht weiß ich noch nicht, ob ich die Reihe weiter verfolgen will. Die Protagonistin Lilith (Lily) Albright lebt im Jahr 1914 in London und verfügt über die Gabe, Katastrophen vorhersehen zu können. Allerdings hat sie in ihrem gesamten bisherigen Leben nichts mit dieser Gabe anfangen können, und die Tatsache, dass sie die Ermordung ihrer Mutter vorhersehen, aber nicht verhindern konnte, plagt sie bis heute. Außerdem hat Lily ein Problem damit, dass sie die illegitime Tochter eines einflussreichen Lords ist und sie zwar die Erziehung einer höheren Tochter genossen hat, aber niemals als potenzielle Ehefrau für einen Mann von Rang angesehen werden kann.
Zu Beginn der Geschichte sieht Lily voraus, dass ihre Nachbarin Estelle ermordet wird, während vor den Fenstern Schnee fällt. Da gerade Februar ist, kann sie sich nicht sicher sein, ob der Mord in den nächsten Tagen oder erst in einigen Monaten stattfinden wird, außerdem geht sie sowieso davon aus, dass sie die Tat nicht verhindern kann. Estelle hingegen, die als Medium ihr Geld verdient, merkt, dass Lily etwas vor ihr verheimlichtm und bringt sie zu einer Gesellschaft von „Charismatics“ (Personen mit ungewöhnlichen/übernatürlichen Begabungen). Obwohl Lily sich weiterhin sicher ist, dass sie nichts an Estelles Ermorung ändern kann, ist sie fasziniert von den Informationen, die sie dort über ihre Begabung und die der anderen erhält. Außerdem erfährt sie, dass in den letzten Wochen so einige Personen, die ihren Lebensunterhalt mit (angeblichen oder wirklich vorhandenen) übernatürlichen Fähigkeiten verdienten, umgebracht wurden.
Um mehr über den Mörder herauszufinden, müsste Lily die anderen Charismatics um Hilfe bitten – vor allem die besondere Begabung von Lord Strangford könnte ihr entscheidende Hinweise bieten – doch Lily fällt es schwer, sich anderen Personen anzuvertrauen und nicht alles allein in Angriff zu nehmen. Und damit wären wir dann schon bei den zwei Problemen, die ich mit der Geschichte hatte: 1. Lily ist sich sicher, dass die Tatsache, dass sie (bekannterweise) die Tochter eines Lords und seiner Schauspielerinnen-Geliebten ist, dafür sorgt, dass niemand sie jemals als potenzielle Partnerin sehen kann, und 2. ist Lily besessen davon, sich auf niemanden zu verlassen, weil sie in ihrem Leben ja schon soooo oft enttäuscht wurde. Ich bin mir sicher, dass der Roman locker 100 (von 500) Seiten kürzer hätte sein können, wenn diese Handlungselemente nicht immer wieder wiederholt worden wären, ohne dass ich irgendein wichtiges Element in der Geschichte verpasst hätte.
Wenn ich also diesen Teil von Lilys Persönlichkeit in Betracht ziehe, dann kann ich definitiv sagen, dass ich die Serie nicht weiterlesen möchte. Auf der anderen Seite mochte ich, wie Jacqueline Benson das Leben in London darstellte und sich dabei quer durch alle Schichten bewegte. Es gibt eine ziemlich coole Szene, in der Lily und ein paar andere Personen illegal ein Grab öffnen, es gibt Beschreibungen von Krankenhäusern, die ziemlich erschütternd sind, und dann als großer Gegensatz eine Ausstellungseröffnung in einer Galerie, bei der sich die crème de la crème tummelt. Außerdem fand ich die diversen unterschiedlichen Begabungen der „Charismatics“ sehr spannend und würde gern mehr über diese Charaktere lesen. Es ist von Anfang an offensichtlich, wer hinter den Morden steckt (und welches Motiv die Person dafür hat). Aber ich finde es anerkennenswert, dass es Jacqueline Benson trotzdem gelang, Lilys Bemühungen, Beweise gegen den Täter zu finden, so fesselnd zu schreiben, dass ich trotz meiner beiden großen Kritikpunkte immer weiter gelesen habe. Das Ende gab mir dann sogar die Hoffnung, dass Lily ihre Lektion gelernt hat und bereit ist, in Zukunft mit anderen zusammenzuarbeiten (und sich sogar auf eine Beziehung einzulassen) – ich weiß nur nicht, ob ich dieser Hoffnung genug vertraue, um mir den zweiten Band zu besorgen …
