Um „All Our Hidden Gifts“ von Caroline O’Donoghue bin ich eine ganze Weile herumgeschlichen, weil ich zwar sporadisch Lust auf „Fantasy mit Tarot-Karten-Schwerpunkt“ habe (und nur selten darüber stolpere), aber normalerweise lieber Jugendbücher lese, die für ein jüngeres Publikum gedacht sind. Am Ende war ich überrascht, wie sehr ich die Perspektive der Protagonistin Maeve Chambers genossen habe, obwohl sie typische Teenager-Probleme hat und zu unüberlegten Handlungen neigt. Schon zu Beginn des Romans wird deutlich, dass Maeve ein gravierendes Problem damit hat, dass sie sich deutlich weniger intelligent, begabt und interessant findet als alle anderen, vor allem im Vergleich zu ihren Familienmitgliedern. Als kleines Kind hatte sie eine Leseschwäche und auch aktuell sind ihre Noten nicht gut genug, um dieselbe Schule zu besuchen, auf der ihre älteren Geschwister waren.
Erst als Maeve in einem Abstellraum ihrer Schule ein altes Set mit Tarot-Karten findet und sich anhand von Youtube-Videos den Umgang damit beibringt, hat sie das Gefühl, etwas „Besonderes“ zu beherrschen. Als dann auch noch ihre Mitschülerinnen sie bestürmen, ihnen die Karten zu legen, fühlt sich Maeve endlich so beliebt, wie sie es immer schon sein wollte. Doch ein Vorfall beim Kartenlegen für ihre ehemals beste Freundin Lily sorgt dafür, dass Maeve ihr Verhalten und ihre Prioritäten in Frage stellt – vor allem, da Lily zwei Tage später spurlos verschwindet. Voller Schuldgefühle versucht Maeve herauszufinden, was mit Lily geschehen ist, wobei ihr ihre neue Freundin Fiona und Lilys älterer Bruder Roe helfen. Gemeinsam mit diesen beiden findet Maeve nicht nur mehr über ihre Fähigkeiten und die Tarot-Karten heraus, sondern muss sich auch gegen die immer einflussreicher werdende Gruppierung der „Children of Brigid“ stellen.
Ich mochte es sehr, wie Caroline O’Donoghue in „All Our Hidden Gifts“ reale irische Geschichte, aktuelle „konservative Strömungen“ (und die damit einhergehenden verheerenden Folgen – nicht nur – für queere Personen) und einen Hauch von Magie zu einer stimmigen Handlung verband. Dabei war gerade der Teil, der sich rund um die „Children of Bridgid“ drehte, gar nicht so einfach zu lesen, weil diese unheimliche Mischung aus „christlicher Sekte“ und „konservativen politischen Ansichten“ sich (nicht nur mit Blick auf die USA) gerade viel zu real und nah anfühlte. Deshalb fand ich dann die Passagen in der Handlung, die sich um Maeves Suche nach Lily drehten, fast schon erholsam. Denn hier steht weniger die Magie im Mittelpunkt der Geschichte, obwohl die Tarot-Karten (und die damit verbundenen übernatürlichen Fähigkeiten von Maeve) der Auslöser für Lilys Verschwinden sind, als Maeves Zweifel an ihrem eigenen Wert und die Frage, was für ein Mensch sie eigentlich sein will.
Dabei fand ich es spannend, dass Maeve viele Dinge tat, die ich normalerweise wirklich ungern bei jugendlichen Protagonist*innen lese, die ich aber hier erstaunlich wenig störend fand. Das lag daran, dass Maeve oft durchaus bewusst war, dass sie da gerade Mist baute, ihr aber eben die Erfahrung (oder das Selbstbewusstsein) fehlte, um anders mit einer Situation umzugehen. Es gelingt der Autorin auch immer wieder aufzuzeigen, dass Maeve häufig ziemlich ignorant gegenüber der Lebensrealität anderer Personen ist, ohne dass Caroline O’Donoghue dies ihrer Protagonistin zum Vorwurf macht oder die Figur dadurch für den Leser unsympathisch wird. Ich mochte es im Gegenteil sogar sehr, dass ich so miterleben konnte, wie Maeve sich weiterentwickelte und – zumindest teilweise – ihren Tunnelblick ablegte. Überhaupt mochte ich die vielen verschiedenen Charaktere (von dem Antagonisten abgesehen) in dieser Geschichte wirklich sehr, weil sie sich so real anfühlten. Caroline O’Donoghues Figuren haben viele Facetten und kämpfen mit so vielen kleinen und großen Problemen, und doch versuchen sie immer wieder, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Bestes zu geben.
Obwohl dieses Buch der erste Teil einer Trilogie ist, kann „All Our Hidden Gifts“ meiner Meinung nach als Roman durchaus für sich alleine stehen. Es gibt zwar noch ein paar wenige offene Fäden, aber das Ende ist für sich genommen stimmig und befriedigend. Allerdings bin ich wirklich neugierig darauf, wie es mit den Charakteren sowie mit der magischen Seite von Maeve und den anderen weitergeht. Und ich muss zugeben, dass ich die an Tarot-Karten-Designs angelehnten Cover hübsch genug finde, um sie in meinem Regal haben zu wollen … weshalb ich mir direkt nach dem Lesen von „All Hour Hidden Gifts“ auch noch „The Gifts That Bind Us“ und „Every Gift a Curse“ bestellt habe und nun hoffe, dass mir diese beiden Bände ebenso gut gefallen wie der Auftakt der Trilogie.

[…] Gifts That Bind Us“ von Caroline O’Donoghue angefangen – was die Fortsetzung von „All Our Hidden Gifts“ ist. Das Buch habe ich in der vergangenen Woche geliefert bekommen und nachdem ich eben so schnell […]
Ich glaube, Fantasy mit Tarot-Karten habe ich überhaupt noch nie gelesen. Das Buch klingt aber interessant und nach schöner Lektüre.
Das Cover ist tatsächlich auch sehr hübsch, wobei ich wohl trotzdem das Ebook wählen würde.
Ich habe als Jugendliche einige Fantasy mit Tarot-Karten gelesen, bin aber in den letzten Jahren recht selten darüber gestolpert. Mir hat die Geschichte wirklich Spaß gemacht und auch der Anfang des zweiten Teils unterhält mich gut. (Ich lese gerade nur weiterhin so viel parallel, dass ich das Buch überraschend oft für andere Titel unterbreche – aber das geht auch ziemlich gut, weil die Handlung für mich präsent genug ist, um ohne Probleme wieder von mir aufgegriffen zu werden.)