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Graham Norton: Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton war mir bislang kein Begriff und so lag es nur an dieser Rezension, dass ich Lust hatte, den Roman „Ein irischer Dorfpolizist“ auszuprobieren. Die Handlung wird zu einem großen Teil von dem Polizisten Sergant PJ Collins bestimmt, der seit fast zwanzig Jahren in dem kleinen Dorf Duneen eine ruhige Kugel schiebt. Sein Leben wird beherrscht von den drei warmen Mahlzeiten, die ihm seine Haushälterin Mrs. Meany jeden Tag serviert, und von den Kleinigkeiten, die er in seinem Alltag als Dorfpolizist übernehmen muss. Geprägt wird sein Verhalten dabei von einer allumfassenden Unsicherheit, die nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass er sehr dick ist und sich der Tatsache bewusst ist, dass ihn kaum ein Mensch ernst nimmt. Als eines Tages bei Bauarbeiten auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs ein Skelett gefunden wird, ist sich das gesamte Dorf sicher, dass es sich dabei um die Leiche des vor über zwanzig Jahren verschwundenen Tommy Burke handelt.

Gerüchten zufolge war Tommy zwar damals nach London abgehauen, nachdem sich seinetwegen zwei Frauen vor dem Dorfladen geprügelt hatten. Doch da man nie wieder von dem jungen Mann etwas gehört hatte, hat das Rätsel um Tommy Burke die Dorfgemeinschaft nie ganz in Ruhe gelassen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen nun vor allem die beiden Frauen, denen er vor so vielen Jahren so wichtig war, dass sie sich um ihn prügelten. Weder Brid Riordan noch Evelyn Ross haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihr Glück gefunden. Während Evelyn gemeinsam mit ihren beiden älteren Schwestern im Haus ihrer verstorbenen Eltern lebt, hat Brid einen Mann geheiratet, von dem sie wusste, dass er sie nicht liebt, sondern es nur auf den vom Vater geerbten Bauernhof abgesehen hatte. Aus der Sicht dieser drei traurigen Figuren (PJ, Evelyn und Brid) wird der Großteil der Geschichte erzählt, wobei es Graham Norton gelingt, überraschend liebevoll und respektvoll mit diesen drei gescheiterten Existenzen umzugehen.

Ein paar Elemente in „Ein irischer Dorfpolizist“ erinnerten mich an den Miss-Marple-Krimi „Nemesis“ von Agatha Christie, auch da gibt es diese drei ältlichen Schwestern, die zusammen leben und zwischen denen so viel Unausgesprochenes steht und die alle drei so viel mehr in ihrem Leben hätten haben können, wenn sie es gewagt hätten, ihren eigenen Weg zu gehen. Und der Fall selbst dreht sich um eine Person, die vor vielen Jahren aus dem Leben aller Beteiligten verschwunden ist und die durch ihre Abwesenheit eine große Lücke hinterlassen hat. Eine Lücke, die bei mehr als einem Charakter zu einem Bruch im Leben geführt hat, von dem sich diese Personen nicht wieder erholt haben. Doch während Miss Marple von einem Hinweis zum nächsten geschickt wird und dabei aus den verschiedenen Erinnerungen, die ihr erzählt werden, ihre Schlüsse zieht, scheint PJ sich angesichts einer so großen Aufgabe recht hilflos zu fühlen.

Auf der einen Seite will er endlich mal zeigen, dass er als Polizist zu mehr gut ist als nur den Verkehr zu regeln und Strafzettel auszustellen, auf der anderen Seite ist PJ nicht gerade jemand, der die hinzugezogenen Ermittler aus Cork mit seinem Verstand und seinen Einfällen beeindruckt. Doch PJ strahlt – bei all seiner Unbeholfenheit – Wärme und Verständnis aus, was die Beteiligten dazu bringt, ihm im Laufe der Zeit ihr Herz auszuschütten. So ist „Ein irischer Dorfpolizist“ weniger ein Kriminalroman als eine Geschichte rund um all die verpassten Gelegenheiten, die Kümmernisse und die Hoffnungslosigkeit, die lange Zeit das Leben einiger Bewohner des Dorfes Duneen bestimmen. Ich mochte es sehr, wie Graham Norton die verschiedenen Charaktere darstellt, weil er keine seiner Figuren für irgendetwas zu verurteilen scheint. Er macht hingegen deutlich, dass hinter all den größeren und kleineren Fehler und Probleme seiner Figuren eine Geschichte steckte – und dass es nicht immer so einfach ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein anderes Leben anzufangen.

Aber dieses liebevolle Verständnis für all die gescheiterten Existenzen in diesem Roman sorgte bei mir auch für eine melancholische Stimmung beim Lesen. Es ändert sich zwar im Laufe der Geschichte etwas für alle Beteiligten, aber allein die Vorstellung, dass die meisten von ihnen zwanzig, dreißig Jahre in ihrer Einsamkeit gefangen waren und nicht wussten, wie sie etwas in ihrem Leben ändern sollten, fand ich schon etwas deprimierend. Doch im Gegensatz zu „Nemesis“, wo man am Ende das Gefühl hat, dass die Auflösung des Verbrechens den Figuren zwar Antworten auf einige wichtige Fragen bietet, aber keine Erlösung aus ihrer Einsamkeit, gibt es bei „Ein irischer Dorfpolizist“ immerhin für den einen oder anderen Charakter einen ausreichenden Anstoß im Laufe der Geschichte, um eine neue (und immer noch realistisch wirkende) Wendung im Leben einzuschlagen.

G. R. Gemin: Milchmädchen

Neyashas Kurzeindruck zu „Cowgirl“ von G. R. Gemin war der Grund dafür, dass ich mir die deutsche Ausgabe „Milchmädchen“ in der Bibliothek habe vormerken lassen. Die Geschichte wird aus Gemmas Sicht erzählt und schon zu Beginn bekommt man als Leser mit, dass ihr Leben zur Zeit nicht gerade rosig verläuft. Ihr Vater sitzt seit fast zwei Jahren im Gefängnis, ihre Mutter ist – dank anstrengendem Vollzeitjob – nur noch gestresst und will abends ihre Ruhe habe, ihr kleiner Bruder nervt und lässt sich immer häufiger mit Typen ein, deren Ideen selten legale Aktivitäten beinhalten, und überhaupt ist die Gegend, in der Gemma wohnt, nicht gerade ein Ort an dem man sich heimisch und sicher fühlen kann. Gemmas einziger Ausweg aus der Situation ist ihr Fahrrad, mit dem sie jeden Tag lange Touren unternimmt – immer auf der Suche nach dem Ort, an dem sie mit ihrer Familie mal einen wunderschönen Tag verbracht hat.

Eine Angewohnheit von Gemma ist es, sich (mit geschlossenen Augen) die Hügel ihrer walisischen Heimat runterrollen zu lassen, im vollen Bewusstsein, wie gefährlich das ist. Doch eines Tages stürzt sie, als sie einer Herde Kühe ausweichen muss, die auf der Straße steht. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass diese zwölf Kühe ihrer Mitschülerin Kate gehören. Kate, die von allen in der Schule nur „Cowgirl“ genannt wird, ist eines der Mädchen, mit denen man nicht zusammen gesehen werden will, wenn man nicht dem gleichen Mobbing ausgesetzt sein will wie die anderen Verlierer an der Schule. Trotzdem kommt es dazu, dass sich Gemma im Laufe der Zeit mit der starken und selbstbewussten Kate anfreundet und dann feststellen muss, dass auch ein Mädchen wie das „Cowgirl“ mal Hilfe benötigt. Gemeinsam mit ihrer Oma und den diversen Nachbarn verstecken Gemma und Kate die Kühe des Mädchens inmitten einer Wohnsiedlung und stoßen so einen völlig neuen Umgang der Bewohner zueinander an.

Es gab viele Elemente an „Milchmädchen“, die ich mochte. Gemmas Sicht der Ereignisse hat sich gut lesen lassen. Gemma läuft mit den „bösen Mädchen“ der Schule mit, weil sie nicht das Opfer dieser Mitschülerinnen sein will, sie flüchtet von daheim und gibt sich angenehmen Tagträumen hin, und sie hat Probleme, sich allein ihren vielen Ängsten zu stellen, was sie relativ realistisch wirken lässt. Und nachdem die Freundschaft zu Kate dafür sorgt, dass sie mal über ihren Tellerrand hinausblickt und etwas Rückgrat entwickelt, lernt Gemma, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht mitläuft, wenn man aus der Masse heraussticht und einfach mal etwas tut, was einem am Herzen liegt. Auch sonst gibt es viele sympathische Figuren in der Geschichte und die Vorstellung, dass eine ganze Siedlung eine Kuhherde versteckt und versorgt, ist wirklich sehr schön.

Trotzdem muss ich zugeben, dass dieses Jugendbuch bei mir nicht so richtig gezündet hat. Vielleicht bin ich zu zynisch, aber ich glaube nicht, dass eine Kuh im Garten von einem Tag auf den anderen dafür sorgt, dass Menschen ihre rassistischen Vorurteile ablegen, ihre Diebstähle einstellen, verantwortungsbewusste Personen werden oder auf einmal den Sonderling nebenan problemlos akzeptieren. Das Ganze lief mir in „Milchmädchen“ einfach zu glatt, es gab viel zu wenige Widerstände, viel zu wenige Hindernisse und das Ende war so perfekt und zuckersüß, dass es mich regelrecht ärgerte. Erst baut der Autor so viele und angenehm realistische Probleme in Gemmas Leben ein, und dann lösen sich all diese Probleme innerhalb weniger Tage auf, weil ein Mädchen seine Kühe nicht verlieren will. Auch wenn der Gedanke, dass es so laufen könnte, wirklich schön ist, so ist eine solche Auflösung mir doch zu unrealistisch angesichts der Tatsache, dass G. R. Gemin seine Geschichte mit sich real anfühlenden Personen und Problemen gestartet hat.

Adrian McKinty: Der katholische Bulle (Sean Duffy 1)

Den Roman „Der katholische Bulle“ von Adrian McKinty hatte glencolumbscille auf ihrem Blog rezensiert und mich so auf den Titel neugierig gemacht. Der „Nordirlandkonflikt“ hat meine gesamte Kindheit hindurch einigen Raum in den Nachrichten eingenommen und ich habe früher Filme gesehen und Romane gelesen, in denen es um dieses Thema ging. Allerdings ist das schon lange her und nur selten gab es bei diesen Geschichten eine differenziertere Darstellung der Ereignisse. In der Regel fehlten die Grautöne und stattdessen wurden dem Zuschauer oder dem Lesenden entweder Helden oder Terroristen und keine Menschen mit Stärken und Schwächen oder gar so etwas wie einem Alltag präsentiert.

Adrian McKinty hingegen zeigt in dem ersten Roman rund um Sean Duffy wie es ist, wenn man in einer Stadt lebt, in der Protestanten gegen Katholiken, IRA gegen UVF und Polizisten gegen alle kämpfen. Seine Hauptfigur ist schon für sich ein Angriffsziel, da er trotz seines katholischen Glaubens zur Polizei gegangen ist. Sean Duffy hofft, er könne so etwas dazu beitragen den Terrorismus in Belfast zu stoppen, doch dass das illusorisch ist, ist eigentlich von Anfang an klar. So ist Sean Duffy eigentlich ganz erleichtert, als er den Auftrag bekommt einen Mord aufzuklären, der anscheinend begangen wurde, weil das Opfer schwul war. Doch natürlich ist es nicht einfach herauszufinden, wer den Mann ermordet hat. Vor allem, da Sean Duffy sich doch bald wieder inmitten der verschiedenen politischen Lager findet, da das Opfer angeblich ein niedrigrangiger Handlanger der IRA war, und sich die Ermittlungen dadurch erschweren, dass keine politische Partei überhaupt zugeben mag, dass ein Homosexuelle in ihren Kreisen verkehrte. Schließlich darf man dabei nicht vergessen, dass Homosexualität zu dieser Zeit in Irland noch verboten war. Außerdem wird bald ein zweites Mordopfer gefunden, das mit hoher Wahrscheinlichkeit vom selben Täter getötet wurde, was aber die Sache für Duffy nicht einfacher macht.

Grundsätzlich mochte ich Sean Duffy als Protagonisten, auch wenn ich mir wünsche, dass Autoren nicht immer auf den gebildeten, intelligenten jungen Mann, der aus idealistischen oder persönlichen Gründen trotz anderer Berufsaussichten zur Polizei geht, zurückgreifen würden. Sean Duffy hat ursprünglich Psychologie studiert, liebt Musik und ist stolzer Besitzer eines kleinen Häuschens in einer durch und durch protestantischen Straße im Norden von Belfast. Für ihn gehört es zur morgendlichen Routine sein Auto nach Bomben abzusuchen, bevor er losfährt, oder Umwege zu fahren, wenn auch nur der Verdacht im Raum steht, dass auf der Straße eine Falle lauern könnte. Diese Aspekte hat der Autor sehr schön dargestellt. Für Sean Duffy und seine Kollegen ist der Terror schon so lange Alltag, dass sie manchmal ihre Vorsichtsmaßnahmen vergessen, obwohl sie doch zur Routine gehören, dass sie schon am Klang einer Explosion sagen können, was da hochgegangen ist, und dass sie sich nicht genötigt fühlen ihre Ermittlungen zu unterbrechen, nur weil in einer andere Ecke der Stadt eine Bombe ausgelöst wurde.

Diese Mischung aus „wir haben schon zu viel gesehen“ und „wir kommen gegen die vielen verschiedenen Parteien, die Macht in den Händen halten, nicht an“ führt zu einer harten und desillusionierenden Arbeitsrealität. Trotzdem geben Duffy und seine Kollegen ihr Bestes (auch wenn das im Vergleich zu modernen Vorgehensweise manchmal stümperhaft wirkt oder die verschiedenen Abteilungen nicht besonders gut zusammenarbeiten) und beißen sich mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit, Frustration und Gleichgültigkeit gegenüber Gefahren durch die verschiedenen Hindernisse. Die Geschichte ist rau und hart und voller Menschen, die sich gegenseitig beweisen müssen, dass sie das Sagen haben. Auch Sean Duffy ist nicht ohne Fehler, sei es, dass er seine Zeitungen kostenlos bekommt, weil er versprochen hat mit dem lokalen Schutzgelderpresser ein Wörtchen zu reden, oder weil er ohne Durchsuchungs- oder Verhaftungsbefehle bei seinen Ermittlungen vorgeht. Aber er gibt sich Mühe und ihm ist es wichtig herauszufinden, was mit den ermordeten Personen passiert ist. Zum Teil spielt da auch persönlicher Ehrgeiz mit, aber vor allem geht es ihm um so etwas wie Gerechtigkeit in einer Zeit, in der man jederzeit umkommen kann, weil die religiösen und politischen Überzeugungen deines Nachbarn von den eigenen abweichen.

Ein wenig hat mich der Roman an die BBC-Serie „Life on Mars“ (nur halt ohne die Mysteryelemente) erinnert – und das ist nicht die schlechteste Assoziation, die eine Geschichte bei mir auslösen kann. 😉

Marissa Doyle: Betraying Season (Leland Sisters #2)

Nach „Bewitching Season“ und „Courtship and Curses“ ist „Betraying Season“ der dritte Roman von Marissa Doyle, den ich gelesen habe. Während sich die anderen beiden Geschichten mit der ersten Londoner Saison der jeweiligen Protagonistin beschäftigen, ist Pen (Penelope) schon vor einem Jahr in die Gesellschaft eingeführt worden und nimmt sich nun eine Auszeit, um in Irland mit ihrer ehemaligen Gouvernante zu studieren. Doch so ganz läuft dieses Studienjahr nicht nach Pens Vorstellungen ab, da Ally zu krank ist, um sie zu unterrichten, und ihr „Ersatzlehrer“ zwar sehr versiert im Umgang mit Magie ist, aber seine Schüler sind nicht gerade davon begeistert, dass nun eine Frau und dann auch noch eine Engländerin an ihrem Unterricht teilhaben soll.

Für Pen ist das eine schwierige Zeit. Sie hat niemanden, mit dem sie sich wirklich austauschen kann, was dazu führt, dass sie ihrer frischverheiratete Zwillingsschwester Persy umso mehr vermisst, und sie fühlt sich minderwertig, was auch eine ganz neue Erfahrung für sie ist. Ihr Leben lang war sie immer der Zwilling, der mehr Aufmerksamkeit bekam und mehr Erfolg hatte. Doch nach den Ereignissen im letzten Jahr, als ihre schüchterne Schwester die Einzige war, die einen Anschlag auf Prinzessin Victorias Leben verhindern konnte, hat Pen das Gefühl, sie müsse ihren Wert beweisen, in dem sie genügend Magie lernt, um mit ihrer gebildeten Schwester gleichziehen zu können.

Doch da das Leben nicht aus Unterricht allein besteht, nimmt sie dankbar die herzlichen Einladungen ihrer neuen Bekanntschaft Lady Keating an – wobei es auch nicht schadet, dass die Dame einen attraktiven und sympathischen Sohn hat. Niall Keating hingegen wird von seiner Mutter, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt auf Pen angesetzt und soll das einsame Mädchen in sich verliebt machen. Dabei sahen die Pläne seiner Mutter allerdings nicht vor, dass auch Niall sich verlieben könnte – und seine Zuneigung zu der jungen Engländerin deutlich größer ist als seine Angst vor seiner überaus bestimmenden Mutter.

Wie schon in den anderen Geschichten ist die Handlung von „Betraying Season“ relativ vorhersehbar, aber dafür gibt es wunderbare (Neben-)Figuren – inklusive Geist, Kobold und Göttin(nen) -, amüsante Dialoge und viele kleine Szenen zum Genießen. Bei dieser Autorin reicht es mir wirklich, dass ihre Romane nur „nett“ sind, da ich sie wirklich entspannend, unterhaltsam und erholsam finde. Außerdem mochte ich bei diesem Band, dass sich die Handlung mal nicht um die erste Saison dreht, sondern um Pens Unterricht und – wenn auch nur oberflächlich – die Spannungen zwischen Irland und England.

Dazu kommt noch, dass sich die Magie, so wie Pen sie in Irland kennenlernt, etwas von der bislang von Marissa Doyle dargestellten Zauberei unterscheidet, was zu einigen hübschen Szenen führt. Auch lernt Pen einen Clurichaun kennen, der bei ihren Gastgebern im Keller lebt und für die Verwaltung der Spirituosen verantwortlich ist – und den ich sehr mochte, gerade weil er etwas bodenständiger war, als die meisten anderen Figuren in dieser Geschichte. Insgesamt gibt es in diesem Band eine Menge neuer Facetten der magischen-historischen Welt, die Marissa Doyle für ihre Geschichten entworfen hat, und die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden Teilen, ohne dabei an Unterhaltungswert zu verlieren. So hat es mir wieder großen Spaß gemacht, eine der beiden Leland-Schwestern bei ihrer Suche nach dem richtigen Weg und dem richtigen Mann zu begleiten.

Marian Keyes: Glück ist backbar

Von Marian Keyes habe ich bislang erst ein Buch („Märchenprinz„) gelesen, und das hatte mich jetzt nicht so sehr begeistert, dass ich mir weitere Romane von der Autorin holen musste. Auf der anderen Seite sah das erste  Backbuch der Autorin so verlockend aus, dass ich es unbedingt ausprobieren wollte. Mit dem Backen hatte Marian Keyes angefangen, als sie dringend eine Therapie gegen ihre Depression benötigte und dann feststellte, dass Kuchenbacken ihr hilft. In „Glück ist backbar“ finden sich dementsprechend Rezepte, die nach Marian Keyes‘ Meinung glücklich machen – beim Backen ebenso wie beim Verzehr der fertigen Kuchen, Cupcakes und anderen Leckereien.

Ich habe versucht, für meinen Text aus jedem Kapitel („Klassiker“, „Cupcakes“, „Käsekuchen“, „Flüssige Kuchen“, „Tarte, Pie & Co.“, „Baiser und Macarones“, „Plätzchen und Cookies“, „Vitaminspritzen“, „Schokolade“) etwas auszuprobieren, aber ganz habe ich es nicht geschafft. 😉

Versuch Nr. 1 – „Dreierlei Milch“-Kuchen („Flüssige Kuchen“)
[aufgrund eines Wunsches von Bibendum in einer besonderen Backform gebacken]

Aus den Zutaten ergab sich ein cremiger und lecker duftender Teig, den ich auf die von Bibendum mitgebrachte Backform und eine Kinderkuchenform von mir verteilt habe. Die Backzeit musste ich trotz der kleineren Menge deutlich verlängern, bis die Garprobe stimmte. Nach dem Abkühlen wird der Kuchen mit einer Mischung aus Créme double und süßer sowie ungesüßter Kondensmilch getränkt, wobei wir trotz mehrerer Versuche nicht die ganze Flüssigkeitsmenge in den Kuchen bekommen haben. Nach dem Anschneiden war der Kuchen erstaunlich fest, fast wie Grießpudding, aber sehr lecker – und unglaublich sättigend!

Versuch Nr. 2 – Chocolate Cheesecake Cupcakes („Cupcakes“)

[auch ein Wunsch von Bibendum]

Sehr gehaltvoll, sehr cremig, sehr schokoladig und sehr lecker! Aber meiner Meinung nach reicht ein Cupcake, um eine Großfamilie zu sättigen 😉 – Bibendum und mein Mann hingegen konnten davon deutlich mehr essen als ich. Aufgrund der Frischkäse-Problematik (siehe unten) war der Cupcake meiner Meinung nach aber etwas weich (man musste sie aus dem Papierförmchen herauslöffeln!), was dem Geschmack allerdings nicht geschadet hat!

Versuch Nr. 3 – Ungebackener Ingwer-Limetten-Käsekuchen („Käsekuchen“)

Links: So sollte es aussehen! Rechts: So sah mein Ergebnis aus …

Weder Ingwerkekse noch unbehandelte Limetten oder gar Limettenwackelpudding waren beim Einkaufen aufzutreiben … Die zum Ersatz herangezogenen Butterkekse scheinen deutlich leichter als Ingwerkekse zu sein, ich hatte ungefähr ein Drittel der Keksmasse übrig, musste dafür aber mehr Butter nehmen. Außerdem kam das mit dem (Zitronen-)Wackelpudding nicht so recht hin: Ich hatte zwar versucht, meine Pulvermenge irgendwie umzurechnen, aber die gesamte Masse wurde einfach zu fest. Und das, obwohl bei mir das „Creme in die Form geben und glattstreichen“ – wieder dank der Frischkäse-Problematik – zu „Flüssigkeit in die Form gießen und verzweifelt gucken“ wurde. Mit ganz normalem Frischkäse wurde das einfach nur eine flüssige Plörre und nichts anderes! Überraschenderweise ist das Ganze am Ende trotzdem fest geworden … *g* Wobei fest geworden kein Ausdruck mehr war: Man hatte im Mund eine so extrem gelierte Masse, dass das Essen schon fast unangenehm wurde. Da ist jeder Wackelpudding schmeichelnder für den Mund! Dazu muss ich allerdings sagen, dass meinem Mann der Kuchen gut geschmeckt hat, und er würde ihn auch noch einmal essen (aber er musste ja auch nicht die drei Fertigungsrunden hinter sich bringen 😉 ). Wenn mir irgendjemand eine auf deutsche Zutaten angepasste leckere Version zukommen lässt, dann versuche ich es noch einmal mit diesem Kuchen – bis dahin stürze ich mich lieber auf bewährte Rezepte, die sich zu ähnlichen Varianten abwandeln lassen.

Versuch Nr. 4 – Red Velvet Cupcake Swirls („Cupcakes“)

Diese Cupcakes sahen auf dem Foto im Backbuch ein wenig so aus wie ein Marmorkuchen. Sie hatten zwei deutlich getrennte, aber miteinander „verswirlte“ Teige – genauer gesagt werden ein Schokoladenteig und ein Käsekuchenteig in eine Muffinform gefüllt und dann rührt man mit einem Spieß vorsichtig um, bis sich ein „Swirl“ bildet. Bei mir stimmte von Anfang an die Konsistenz nicht: Der Schokoladenteig war sehr fest (wenn auch unglaublich lecker!), während die Frischkäsemasse wieder einmal deutlich zu flüssig war – „swirlen“ konnte man da gar nichts. Während des Backens haben sich bei mir die beiden Schichten dann komplett getrennt (sehr gut auf dem rechten Foto beim Anschnitt zu sehen), außerdem musste ich die Backzeit verdoppeln, weil das Ganze einfach nicht fest wurde. Geschmacklich war es sehr gut, aber insgesamt waren diese Cupcakes für mich etwas unbefriedigend …

Beim zweiten Versuch habe ich dann statt des Frischkäses Mascarpone verwendet, und so ließ sich das Ganze besser „verswirlen“ (kann mir bitte jemand ein deutsches Wort dafür nennen? 😉 ) und die Cupcakes wurden auch deutlich fluffiger als bei der Variante mit dem Frischkäse.

Mein Fazit zu diesen Cupcakes ist ganz simpel: Ich werde in Zukunft mein Standard-Muffinrezept in der schokoladenhaltigen Variante machen und nach dem Backen ein vanilliges Mascarpone-Topping draufsetzen. Das macht weniger Arbeit und schmeckt bestimmt noch besser!

Versuch Nr. 5 – Scones („Klassiker“)

Bislang das problemloseste Gebäck aus diesem Backbuch – allerdings hat mich die Angabe „5 cm dicker Teig“ irritiert. So hätte ich nämlich nur sechs Scones bekommen, statt der beiden Bleche, die da rauskommen sollten. So habe ich mich dann an das Foto im Backbuch gehalten und meinen Teig auf eine Dicke von ca.  2,5 cm ausgerollt. Schade finde ich es auch, dass nirgendwo etwas zum Abstand stand, mit dem man die Rohlinge aufs Blech legen sollte, genauso wenig gab es eine Angabe, ob man die beiden Bleche zusammen oder nacheinander in den Ofen tun sollte. Nacheinander wäre im Rückblick deutlich besser gewesen, denn die auf dem unteren Blech gingen so gut wie gar nicht auf … Aber geschmeckt haben die Scones! Frisch und auch nach nach zwei Tagen, mit Butter und Marmelade ebenso wie pur auf die Hand!

Versuch Nr. 6: Rita-Annes Cola-Geburtstagskuchen („Flüssige Kuchen“)

Von diesem Kuchen gibt es kein Foto! Das Ergebnis war weder appetitlich anzusehen noch schmeckte es besonders gut! Naja, ein Foto während des Backens, um das Problem zu verdeutlichen:

Der Teig war anfangs wirklich lecker. Ein geschmeidiger, appetitlicher, wenn auch etwas süßer Schokoladenteig (bei dem ich mich zwar fragte, was die Cola darin überhaupt für eine Wirkung haben soll, aber immerhin klingt ein Colakuchen ja lustig). Und dann kamen die Mini-Marshmallows … Die Mini-Marshmallows, die für „kleine klebrige Inseln purer Köstlichkeit“ sorgen sollten und für eine „besondere Konsistenz“. Im Rezept stehen 200 Gramm und ich haben das wirklich fünfmal nachgeschlagen, weil ich es nicht glauben konnte.

Und dann habe ich die Marshmallows zum zweiten Mal gewogen und dann erst habe ich diese Menge an Mini-Marshmallows unter den Teig gerührt. Ganz ehrlich, diese Mengenangabe kann nicht stimmen! Nach dem Zusammenrühren von Marshmallows und Teig hatte ich Marshmallows mit Schokoteigüberzeug und nicht einen Teig mit Marshmallows, die beim Backen kleine Löcher im Teig hinterlassen können. Das hat dann dazu geführt, dass die Marshmallowmasse beim Backen eine zusammenhängende Schicht auf dem Kuchen gebildet hat. So wurde der Teig darunter nicht richtig gebacken, was zu einer sehr klitschigen Konsistenz führte, und bevor der noch gar werden konnte, hatten die Marshmallows schon die Zustandsschritte „Karamell“ und „leicht angebranntes Karamell“ hinter sich gebracht. Und das Ganze sollte zum „krönenden“ Abschluss noch ein Topping aus Cola, Butter, Kakaopulver und einem Paket Puderzucker bekommen.

Wenn ich die Zutaten nicht schon abgewogen und in einen Topf getan hätte, hätte ich an dieser Stelle das Experiment beendet. So aber habe ich auch noch das Topping gemacht – was ebenfalls nicht so aussah wie auf dem schicken Foto im Backbuch. Heraus kam eine übersüße schokoladige Sauce, die zwar sehr appetitlich aussah, aber zu flüssig war, um sich auf dem Kuchen verstreichen zu lassen. Es hieß zwar im Rezept, dass man das Ganze abkühlen lassen sollte und es bildeten sich bei mir nach vier Stunden „Abkühlzeit“ eine Art Kruste auf der Masse, die so aussah wie das Topping auf dem Foto. Aber die Sauce unter der Kruste wollte nicht die richtige Festigkeit annehmen und letztendlich habe ich dann nach einige Stunden die Geduld verloren und den „Kuchen“ mit der „Schokosauce“ getränkt …

Auf die Deko mit sauren Cola-Fläschen habe ich dann verzichtet, weil ich nicht noch mehr Lebensmittel vergeuden wollte. „Das Schokodesaster“ ist irgendwie essbar gewesen … und ein Haufen Erstklässler wäre vielleicht begeistert davon gewesen … aber nach zwei Löffeln wäre die ganze Bande so aufgedreht vor Überzuckerung, dass für eine Woche an Schlaf nicht zu denken wäre. Von der Cola war am Ende übrigens geschmacklich auch nichts mehr festzustellen.

Versuch Nr. 7: Mams Apfeltarte („Tarte, Pie & Co.“)

Lecker, lecker, lecker! Einfach zu machen und genau richtig zwischen Süße und Säure (was auch daran lag, dass ich die perfekten Äpfel dafür bekommen habe), eine dünne, knusprige Teigdecke, die beim Essen einfach nur dahingeschmolzen ist, ein saftiger, dünner Boden und insgesamt unglaublich köstlich! Am zweiten Tag etwas weniger knusprig, aber dafür umso aromatischer … Diese Tarte wird von mir bestimmt noch so einige Male gemacht – für mich das beste Rezept von den bislang ausprobierten. Ich freu mich schon auf einen Herbst voller Apfeltarte!

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Das Problem mit dem Frischkäse

Bei allen von mir ausprobierten Rezepten mit (Doppelrahm-)Frischkäse passte die Konsistenz nicht und der jeweilige Teig wurde viel zu flüssig, dabei habe ich mit unterschiedlichen Marken gebacken. Inzwischen denke ich, dass da im Original etwas deutlich Gehaltvolleres verwendet wurde, etwas, das eine deutlich festere Konsistenz hat als der durchschnittliche (Doppelrahm-)Frischkäse. Bei meinem zweiten Versuch mit den „Red Velvet Cupcake Swirls“ habe ich deshalb Mascarpone verwendet und da war die Konsistenz wesentlich besser! Deshalb werde ich vermutlich bei weiteren Experimenten mit diesem Backbuch (und es wird noch so einige geben) gleich auf Mascarpone zurückgreifen!

Fazit

Nachdem ich sieben sehr unterschiedliche Rezepte aus diesem Backbuch ausprobiert habe, bin ich nicht so ganz davon überzeugt, aber auch nicht so richtig abgeschreckt. Es gibt noch so einige Rezepte, die ich gern ausprobieren möchte, auch wenn ich bei einigen Mengen- und Zutatenangaben unsicher bin, ob das wirklich so gemeint ist. Dank Kiya kann ich nun zwar sicher sein, dass auch im englischen Original „cream cheese“ als Zutat angegeben ist, aber da das bei meinen Versuchen selbst mit unterschiedlichen Frischkäsesorten nicht geklappt hat, bin ich etwas frustriert – gerade weil der dem Gefühl nach in jedem zweiten Kuchenrezept vorkommt.

Außerdem habe ich ein ernsthaftes Beschaffungsproblem mit einigen Zutaten – wer nicht gerade einen englischen Shop oder einen fantastisch ausgestatteten Supermarkt in seiner Nähe hat, der dürfte bei so manchen Rezepten aufgeschmissen sein. (Vor allem, da ich es nicht einsehe, für einen Kuchen Zutaten online zu bestellen und dann dafür auch noch saftiges Porto zu zahlen.) Und selbst wenn es vergleichbare deutsche Produkte gibt, so muss man in der Regel erst einmal gründlich online recherchieren, um herauszufinden, was nun genau diese eine Zutat ausmacht und was als Ersatz dafür herhalten könnte.

Und so sehr ich die therapeutische Wirkung des Backens unterschreiben kann, so stand ich oft in der Küche und habe mir das Endergebnis angeguckt und gedacht, dass ich einen gleichwertigen (oder sogar leckeren Kuchen) mit einfacheren und weniger zeit- und zutatenaufwendigen Rezepten machen kann. Ein saftiger Schokoladenkuchen mit einem cremigen Topping ist keine Kunst und lässt sich problemlos ohne die Zugabe von Cola fertigen, und wenn es etwas Erfrischend-Fruchtiges sein soll, dann würde ich doch lieber auf einen lockeren Biskuitteig mit einer erfrischenden Creme und je nach Vorliebe sogar Fruchtstücken zurückgreifen.

Auch wenn es um die Süße der verschiedenen Kuchen – besonders bei den schokoladigen – geht, wäre für mich weniger mehr gewesen. Und wer einmal gesehen hat, wie ich meinen Milchkaffee trinke, der weiß, dass ich es gern süß mag. 😉 Aber hier fehlte mir bei den meisten Rezepten einfach das Gegengewicht zur Süße. Ich muss aber auch zugeben, dass mein Mann (der ein überführter Schokoholiker ist) damit deutlich weniger Probleme hatte als ich. Ihm war nur „Das Schokodesaster“ viel zu süß – was wiederum eine Menge über diesen Kuchen aussagt. 😉

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Rezeptbeschreibungen. Marian Keyes hat zwar den einen oder anderen guten Tipp für Backanfänger, aber auch immer wieder relativ ungenaue Arbeitsschritte angegeben, so dass man sich den Text zum Teil gründlich durchlesen muss. Auch finde ich die Aufteilung der Texte nicht sehr übersichtlich. Mal stehen wichtige Punkte im Einleitungstext, mal muss man sie innerhalb der Anleitung suchen. Verschiedene Backangaben zu unterschiedlichen Herdtypen gibt es auch nicht, dabei macht es schon einen deutlichen Unterschied, ob man mit Ober- und Unterhitze oder Umluft backt. Doch vor allem hat mich die fehlende Übersichtlichkeit gestört, weil ich so nicht mal eben während des Backens mit einem Blick nachgucken konnte, ob ich die Anleitung noch richtig im Kopf habe. Gerade bei Teigen, die schnell gefertigt werden müssen, ist es lästig, wenn man dann wieder mehrere Absätze gründlich durchlesen muss, um sich zu vergewissern.

Auf der anderen Seite findet man tolle Ideen in „Glück ist backbar“ und die Fotos von den fertigen Backwaren lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Außerdem gibt es zu den Rezepten unterhaltsame Annekdoten, die wirklich nett zu lesen sind. Es gibt noch eine Menge Rezepte, die ich ausprobieren werde, weil sie so gut klingen und die – wenn man nur nach dem Lesen der Anleitung geht – einfach zu backen sind. Wer ernsthaft über die Anschaffung dieses Backbuchs nachdenkt, sollte meiner Meinung nach das Original kaufen und sich im Zweifelsfall per Internetsuche durch die Zutatenliste wühlen. So könnte man sich dann aber zumindest sicher sein, dass die Zutatenangaben genau so sind, wie es die Autorin im Sinn hatte, und kann sich einfach aufs Backen konzentrieren!

Dermot Bolger: Wo die verlorenen Seelen wohnen

Ich habe anlässlich der Themen-Challengen immer wieder über den Punkt „Das Böse oder Pakt mit dem Bösen/Teufel“ nachgedacht – vor allem, weil ich keinen zu diesem Thema auf der Hand liegenden klassischen Roman lesen wollte. Und dann habe ich mir heute endlich „Wo die verlorenen Seelen wohnen“ für den Blog vorgenommen und hätte beim Schreiben über den Roman am Liebsten mit dem Kopf auf die Tischplatte gehauen, weil ich in den letzten Wochen nicht bemerkt habe, dass dieses Buch perfekt für die Challenge passt.

Mit „Wo die verlorenen Seelen wohnen“ hat Dermot Bolger einen gruseligen und wirklich spannenden Jugendroman geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, unter anderem von Thomas, der 1932 als Junge Angst davor hat, dass die Jazz-Musik ihn in die Hölle bringen könnte, von Joey, der 2009 die Schule wechselt, weil er in seiner alten Klasse gemobbt wurde, und von Shane, der 2007 seine Seele für ein anderes Leben geben würde.

Die drei Jungen verbindet, dass sie alle drei nicht glücklich in ihrem Leben sind. Und während Thomas‘ Part die Vorgeschichte zu den Ereignissen im Jahr 2009 bildet, dreht sich die Hauptgeschichte doch vor allem um Shane und Joey. Als Joey die Schule wechselt, ist er scheußlich nervös und hat Angst, dass es in der neuen Klasse genauso schieflaufen wird wie mit seinen früheren Mitschülern. Doch stattdessen findet der schüchterne Junge in dem selbstbewussten und coolen Shane schnell einen Freund.

Einzig seine Mitschülerin Geraldine, die vor zwei Jahren mit Shane gut befreundet war, warnt Joey, dass der Junge nicht normal sei und dass er ihm nicht zu sehr vertrauen solle. Doch so sehr Joey Geraldine mag und davon träumt, dass sie sich mal mit ihm verabreden würde, so wenig kann er ihr glauben, dass Shane einen bösen Kern haben soll. Erst im Laufe der Zeit fallen Joey immer mal wieder kleine Ungereimtheiten in Shanes Geschichte auf. und auch sein Umgang mit einer Gruppe von „verlorenen“ Jungen verwundert ihn. Von Shane lässt er sich immer wieder zu Dingen aufstacheln, die er sonst niemals tun würde und die im Nachhinein ein ungutes Gefühl bei Joey hinterlassen.

Dem Leser wird einige Zeit vor Joey klar, welche Hintergründe hinter Shanes Verhalten stecken, obwohl erst einmal offen bleibt, ob Shanes Persönlichkeitsveränderung darauf zurückzuführen sind, dass der Junge auf die schiefe Bahn geraten ist, oder ob wirklich etwas Altes und Böses dahintersteckt. Und trotz der verschiedenen Verbrechen und Unglücke gelingt es Dermot Bolger, dem Leser immer wieder bewusst zu machen, dass keine der handelnden Personen abgrundtief schlecht ist, selbst wenn sie anscheinend einen Pakt mit dem Bösen eingegangen ist.

Dieses Spiel mit den Perspektiven und die damit verbundenen Zeitsprünge lassen die Geschichte zu einem spannenden Puzzle werden, bei dem die einen Personen sicher sind, dass all die Vorkommnisse nur fantastische Ausgeburten eines psychisch Kranken sind, während die anderen von der Existenz des Bösen überzeugt sind. Unabhängig davon, was genau die Ursache für die Ereignisse ist (es ist ganz schön schwierig, diese Rezension zu schreiben, ohne zu spoilern), fand ich die Geschichte wirklich mitreißend.

Die ganz Zeit über hatte ich eine deutliche Ahnung, worauf es am Ende hinauslaufen würde, und jedes Mal, wenn sich meine Befürchtungen bewahrheitet hatten, bangte ich mehr um Joey und die anderen. Dabei liegt die Stärke von Dermot Bolger vor allem in der Aufrechterhaltung eines leisen Gruselgefühls, was deutlich atmosphärischer ist, als wenn er radikale Actionszenen verwendet hätte. Auf jeden Fall werde ich die Augen nach weiteren Büchern des Autors aufhalten, weil mir diese Geschichte nicht nur gut gefallen hat, sondern sie auch nach dem Lesen noch eine Weile in mir nachgeklungen hat.