Schlagwort: Marissa Doyle

Lese-Eindrücke August 2026

Ich wünschte, ich hätte im August mehr Zeit gehabt, um entspannt zu lesen. Aber erst war ich verreist, dann mit „wieder ankommen“ und mit einigen (Arzt-)Terminen beschäftigt, und schon war der Monat auch schon wieder rum … Trotzdem sind natürlich wieder ein paar Lese-Eindrücke zusammengekommen, die ich dieses Mal sogar (relativ) zeitnah festgehalten habe.

T. L. Stone: Potions, Pirates and Pie (Tales from the Tavern 4)

„Potions, Pirates and Pie“ ist der aktuellste Band der „Tales from the Tavern“-Reihe und die erste Geschichte, die nicht in dem kleinen Ort Wayside spielt. Stattdessen findet sich die Protagonistin Cali auf einem Piratenschiff wieder, um ein entführtes Beiboot (und eine Gruppe von Hellkin) wiederzufinden. Ich fand es sehr nett, dass zur Abwechslung die Handlung mal nicht in dem (überaus idyllischen) Dorf stattfand, sondern an Bord eines Schiffs mit all den dazugehörigen Herausforderungen inklusive Meerjungfrauen und Sirenen und natürlich langsam aufkeimenden Gefühlen zwischen Cali und der legendären Kapitänin One-Eye-Bonnie. Diese Reihe ist wirklich perfekt, wenn es Zeit ist für eine etwas absurde, amüsante und entspannende Lektüre, und ich genieße es sehr, dass mit jedem Band eine andere Figur im Mittelpunkt steht und ich so mehr über diese Gruppe von (ehemaligen) Abenteurern und ihrem immer größer werdenden Freundeskreis erfahre. Die Geschichten sind nicht gerade anspruchsvoll, aber wunderbar erholsam und wohltuend!

Celia Lake: Brave Truth (Liminal Mysteries 4)

„Brave Truth“ ist die aktuellste Veröffentlichung von Celia Lake, und auch dieses Buch habe ich wieder sehr genossen. Es war schön, mehr über das Leben von Claudio, den ich schon aus mehreren anderen Romanen (vor allem „Illusion of a Boar“) kannte, zu erfahren. Und ich habe mich gefreut, Matty kennenzulernen, der in dieser Geschichte nicht nur mit den Nachwirkungen seiner Arbeit rund um die Nürnberger Prozesse zu kämpfen hat, sondern auch damit, dass ihn seine Homosexualität außerhalb der magischen Gesellschaft von Albion ins Gefängnis bringen könnte. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie es Celia Lake gelingt, die Nachwirkungen von Kriegserlebnissen begreifbar zu machen. Ich musste mir aber auch mal wieder eingestehen, dass ich auf die Sexszenen in den Celia-Lake-Romanen verzichten könnte, obwohl ich sehe, welche Rolle sie (und die dabei passierende wichtige Kommunikation) für die Charaktere einnehmen. Da die Autorin sagt, dass 1950 der späteste Zeitpunkt ist, in dem ihre Albion-Geschichten spielen werden, hat sie die Gelegenheit genutzt und in „Brave Truth“ auch so einige Figuren eingebaut, die ich in anderen Veröffentlichungen schon mochte, was zu so einigen netten Wiedersehen geführt hat. Alles in allem habe ich auch diese Geschichte von Celia Lake wieder genossen und finde es faszinierend, mit jedem Titel eine neue Facette ihrer magischen Welt Albion kennenzulernen.

Karen M. McManus: Two Can Keep a Secret

Ich versuche weiterhin, ältere Titel von meinem SuB zu befreien, und da ich im August Lust auf Krimis/Thriller hatte, habe ich zu „Two Can Keep a Secret“ gegriffen. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: der der siebzehnjährigen Ellery, die gerade erst in den Ort Echo Ridge gezogen ist, und der von Malcolm, dessen älterer Bruder vor fünf Jahren verdächtigt wurde, seine Freundin umgebracht zu haben. Außerdem verschwand vor 25 Jahren die siebzehnjährige Sarah in Echo Ridge, die Zwillingsschwester von Ellerys Mutter Sadie, und ihr – vermutlicher – Mord ist ebenfalls nie aufgeklärt worden. Ich hatte viel Spaß damit, Ellerys und Malcolms Gedanken zu den aktuellen Drohungen und die verschiedenen Theorien, die die beiden aufstellen, zu verfolgen. Außerdem fand ich es überraschend angenehm, dass Ellery sich durchaus der Tatsache bewusst ist, dass ihr Interesse an True-Crime-Dokumentationen extrem ist und nicht gerade einen guten Einfluss auf ihr Leben und ihre Interaktionen mit anderen Menschen hat. Alles in allem habe ich mich wirklich gut mit dem Roman unterhalten gefühlt und neugierig die diversen Wendungen verfolgt. Auch fand ich Ellery und ihre Familie, ebenso wie Malcolm und seine beste Freundin Mia, sehr sympathisch. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das keine Geschichte ist, die in mir nachklingen wird oder bei der ich in einigen Jahren das Bedüfnis haben werde, noch einmal zu dem Roman zu greifen. Das bedeutet, dass Karen M. McManus keine Person ist, deren Bücher ich unbedingt in meinem Bestand behalten muss, aber deren Titel bei einem Bibliotheksbesuch durchaus mit mir nach Hause wandern dürfen.

Marissa Doyle: Marquis of Secrets – The Ladies of Almack’s Omnibus No. 2

Der zweite „Ladies of Almack’s“-Sammelband beinhaltet die Geschichten „The Cursed Canvases“, „Turmoil on the Thames“ und „An Event at Epsom“, und auch hier ermittelt Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) wieder im Auftrag der Lady Patronesses of Almack’s ungewöhnliche und magische Rätsel. Ich muss zugeben, dass ich diese kleinen fantastischen Geschichten wirklich entspannend finde. Die Probleme reichen von einer Ausstellung der Royal Academy, bei der Bilder magisch manipuliert wurden, bis zu seltsamen Ereignissen rund um eine Parade in Eton, die das Ansehen der Königlichen Familie gefährden könnten. Nichts davon ist wirklich dramatisch, selbst wenn die Protagonistin kurzfristig den Eindruck hat, dass Gefahr besteht. Stattdessen zieht sich die – sehr, sehr langsam aufkeimende – Liebesgeschichte mit einem Verehrer Annabels durch die Handlung und es gibt so einige (mehr oder weniger) kuriose Informationen, über die die Autorin bei ihrer Recherche gestolpert ist und auf die sie in den jeweiligen Nachworten näher eingeht. Mein größter Kritikpunkt an diesem Sammelband ist, dass ich auch dieses Mal einige der Nebenfiguren nicht besonders überzeugend fand. Aber nachdem ich mich damit abgefunden habe, dass es weniger um Ermittlungen und mehr darum geht, wie Annabel die verschiedenen Herausforderungen handhabt, kann ich besser damit leben. Mit knapp hundert Seiten pro Episode reicht eine solche Geschichte auf jeden Fall für einen netten und entspannten Leseabend.

Rebecca Roanhorse: Race to the Sun

„Race to the Sun“ von Rebecca Roanhorse ist vor einigen Jahren als Teil der „Rick Riordan presents“-Titel veröffentlicht worden, und ich fand es reizvoll, eine Middle-Grade-Geschichte zu lesen, die sich rund um Diné-(Navajo)-Legenden dreht. Aber so richtig kam ich bei meinen Versuchen, den Roman zu lesen, nicht in die Handlung, bis ich mir im August ein Ultimatium für das Buch gesetzt habe. Dabei kann ich nicht mal behaupten, dass die Geschichte schlecht oder uninteressant geschrieben ist. Die Protagonistin Nizhoni muss gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder und ihrem besten Freund gegen Monster kämpfen – und natürlich einige Herausforderungen bestehen, bis sie überhaupt die nötige Entwicklung durchgemacht hat, um am Ende in einen heldenhaften Kampf gegen ihre Gegner zu ziehen. Es gab so einige Elemente, die ich in Veröffentlichungen von anderen Autor*innen schon genossen habe, außerdem fand ich es wirklich spannend, mehr über den kulturellen Hintergrund der Protagonistin und ihre Familie zu erfahren. Aber selbst die theoretisch berührenden Teile der Geschichte haben mich überraschend teilnahmslos gelassen, und so richtig warm bin ich mit Nizhonis Perspektive nicht geworden – was immer ein Problem für mich ist, wenn ein Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Ich bin froh, dass ich den Roman endlich gelesen habe, aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich das nicht getan hätte. Was bedeutet, dass „Race to the Sun“ in den Öffentlichen Bücherschank wandern und hoffentlich eine/n enthusiastischere/n Leser*in finden wird. Jetzt bin ich nur gespannt, wann ich den zweiten Roman („Trail of Lightning“), der von Rebecca Roanhorse noch auf meinem SuB ruht, in Angriffe nehmen werde und ob mir die für ältere Leser*innen geschriebene Geschichte besser gefällt als dieser Middle-Grade-Titel.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 1)

Die Tatsache, dass ich in diesem Jahr versuche, meiner ungelesenen eBooks etwas Herr zu werden, hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich ziemlich viel gelesen habe, sondern auch dafür, dass ich mir sehr viele neue Bücher gekauft habe. Im Mai war meine Impulskontrolle in der Beziehung nicht sehr ausgeprägt, weshalb hier in diesem Monat so einige Reihen erwähnt werden. Außerdem habe ich so viel gelesen, dass ich die Lese-Eindrücke für Mai lieber in zwei Teilen veröffentliche.

Lois McMaster Bujold: Darksight Dare (Penric & Desdemona 16)

Der aktuellste „Penric & Desdemona“-Band war genauso amüsant wie all die anderen davor – wobei ich es angenehm fand, dass ein nicht geringer Teil der Handlung aus der Perspektive einer neu eingeführten Person erzählt wurde. Das bedeutete nicht nur, dass all die Dinge, die für Penric inzwischen vollkommen normal sind, von dieser Person ganz anders wahrgenommen wurden, sondern auch, dass wir als Leser*innen eine weitere Beziehung zwischen einem Menschen und einem Dämonen miterleben konnten. Das war ein guter Ansatz, um einer so lange laufenden Reihe einen erfrischenden Dreh zu geben. Ich hoffe sehr, dass Lois McMaster Bujold noch so einige Bände mit Penric und Desdemona schreiben wird – ich habe wirklich viel Spaß mit der Reihe.

Zoe Chant: Bun in a Million (Virtue Shifters 13)

Der aktuellste Band der Virtue-Shifter-Reihe bietet eine sehr süße Fake-Dating-Geschichte zwischen der Architektin Sabrina und dem Kaninchen-Gestaltwandler Luke, wobei ich es auch hier wieder einmal bevorzugt hätte, wenn sich das Kennenlernen der beiden Figuren länger hingezogen hätte und nicht auf „Fated Mate – also sind drei Tage genug, um sich für einander zu entscheiden“ hinausgelaufen wäre. Immerhin habe ich inzwischen erfahren, dass der Unterschied zwischen den ersten Virtue-Shifter-Bänden (mit deutlich längerer Kennenlernphase und interessanterer Hintergrundgeschichte) und den aktuellen Bänden dieser Reihe an den Bedingungen liegen, die mit dem geteilten Pseudonym einhergehen. Das führt dazu, dass es demnächst eine Reihe unter einem anderen Pseudonym der Autorin C.E. Murphy geben wird, die in derselben Stadt spielt und komplexere Geschichten beinhalten wird.

Marissa Doyle: Countess of Shadows (The Ladies of Almack’s Omnibus 1)

Von Marissa Doyle mochte ich die Leland-Sisters-Romane sehr gern, hatte die Autorin aber in den letzten zehn Jahren aus den Augen verloren, bis ich im Mai über die „Ladies of Almack’s“-Reihe stieß. Dieser Band beinhaltet die Geschichten „The Forgery Furore“, „The Vanishing Volume“ und „Lyrics and Larceny“, und zusammen umfassen sie gerade mal 326 Seiten. Ich muss zugeben, dass ich die Geschichten rund um Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) nicht so bezaubernd fand wie die um die Leland-Schwestern, aber sie waren nett genug, um irgendwann mehr davon zu lesen. Die Grundidee ist, dass die Ladies of Almack’s nicht nur den Ton in der gehobenen Gesellschaft angeben, sondern alle auch eine (jeweils unterschiedliche) besondere magische Begabung haben, die ihnen hilft, im Geheimen Probleme zu lösen. Dabei reichen in dieser Sammlung die Probleme von gefälschten Vouchers für Almack’s über eine nicht erhältliche Fortsetzung eines beliebten Romans bis zum Diebstahl von Juwelen. Allein schon die Kürze der jeweiligen Geschichten sorgt dafür, dass die Herausforderungen sich jedes Mal recht schnell auflösen. Aber es ist nett und entspannend zu lesen, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sich mit jedem Band ein bisschen besser in ihrer neuen Reihe zurechtfand, und die kleinen Anmerkungen zu den historischen Hintergrunden am Ende der jeweiligen Episode waren teilweise überraschend interessant..

Miles English: Scarred/Illusionist/Nightmares/Benighted (Bog Standard Isekai 1-4)

Bei meiner Suche nach weiteren Isekai-Geschichten, die mich gut unterhalten könnten, bin ich über „Bog Standard Isekai“ (der seltsame Reihentitel wird im Laufe des ersten Bands erklärt) gestolpert, was dazu führte, dass ich in vier Tagen 2500 Seiten gelesen habe, weil mich die Reihe nicht so recht losließ. Der Protagonist Mark stirbt als erwachsener Mann in unserer Welt und wird als junger Teenager in einem fantastischen Reich wiedergeboren – dummerweise passiert das in einem abgelegenen kleinen Ort im Sumpf, der gerade von Untoten überrannt wurde. Nach einigen Tagen voller traumatischer Erlebnisse wird Mark gerettet, aber damit sind die Gefahren noch nicht vorbei. Die „Bog Standard Isekai“-Geschichten sind deutlich brutaler als die Isekai-Veröffentlichungen, die ich sonst bevorzuge, aber das macht für mich auch ihren Reiz aus. Mark gehört zu den Isekai-Protagonisten, deren Fähigkeiten überproportional besser sind als die der anderen Bewohner dieser fantastischen Welt. Aber es gelingt Miles English, das Ganze nicht nur mit Marks Wissen aus seinem früheren Leben zu begründen, sondern auch mit den vier einflussreichen und mächtigen Personen, die ihn aus dem Dorf im Sumpf gerettet hatten und sich deshalb für sein weiteres Leben und seine Ausbildung verantwortlich fühlen. Den Ausgleich für Marks Fähigkeiten bieten all die Gefahren, mit denen er sich herumschlagen muss, und die physisch und psychisch ihre Spuren hinterlassen. Beim Lesen hat mich die Handlung immer wieder an das Videospiel „Diablo III“ erinnert, das sich genauso düster und hoffnungslos anfühlte wie diese Welt (und mit dem ich vor einigen Jahren erschreckend viele Stunden verbracht habe). Mit seinen Adoptiveltern und all den Freunden, die er findet, ist Mark immerhin nicht alleine mit all den Herausforderungen – was einen dringend nötigen Ausgleich zu den Schlachten und ähnlichen Ereignissen bildet. Ich habe keine Ahnung, wie lang die Reihe werden wird, kann aber sagen, dass ich den fünften Band direkt vorbestellt hatte, nachdem ich mit Band vier fertig war – und nun bin ich sehr gespannt darauf, wie der Kampf gegen die jahrtausendealte böse Königin des Nachbarreichs verlaufen wird und ob damit die Reihe zu einem Ende findet oder nicht …

Murphy Lawless: OctoBEARfest/Partridge in a Bear Tree (Renaissance Shifters 1+2)

Nachdem ich mit den „Bog Standard Isekai“-Romanen so viel Düsteres gelesen hatte, brauchte ich eine etwas fluffigere Lektüre und befreite deshalb „OctoBEARfest“ vom eReader. Die „Renaissance Shifters“-Reihe ist ein Ableger der Virtue-Shifters-Romane und die Geschichten drehen sich um die Bären-Gestaltwandler-Brüder (bzw. in Band 2 um seine Cousine) von Steven aus „Hold My Bear“. Auch wenn C. E. Murphy hier nicht unter dem geteilten Pseudonym Zoe Chant schreibt, sondern als Murphy Lawless, so folgen die Geschichten doch demselben Schema wie die Virtue-Shifter-Romane. Aber es sind süße und amüsante Geschichten, perfekt zum Entspannen (oder um sich von einer etwas aufreibenderen Lektüre zu erholen). Die Reihe wird mit fünf Bänden abgeschlossen sein und alle Teile spielen entweder rund um eine Brauerei mit angeschlossenem Pub oder einen am selben Ort stattfindenden Mittelaltermarkt. Während ich mir bei den Beziehungen oft wünschte, dass die Autorin sich bei diesen Liebesromanen mehr Zeit mit der Kennenlernphase lassen würde, kann ich mich über den Humor in diesen Geschichten wirklich nicht beschweren. Ich kichere beim Lesen die ganze Zeit vor mich hin, was dann auch der Grund ist, wieso ich immer wieder zu diesen Gestaltwandler-Romanen zurückkehre.

Marissa Doyle: Betraying Season (Leland Sisters #2)

Nach „Bewitching Season“ und „Courtship and Curses“ ist „Betraying Season“ der dritte Roman von Marissa Doyle, den ich gelesen habe. Während sich die anderen beiden Geschichten mit der ersten Londoner Saison der jeweiligen Protagonistin beschäftigen, ist Pen (Penelope) schon vor einem Jahr in die Gesellschaft eingeführt worden und nimmt sich nun eine Auszeit, um in Irland mit ihrer ehemaligen Gouvernante zu studieren. Doch so ganz läuft dieses Studienjahr nicht nach Pens Vorstellungen ab, da Ally zu krank ist, um sie zu unterrichten, und ihr „Ersatzlehrer“ zwar sehr versiert im Umgang mit Magie ist, aber seine Schüler sind nicht gerade davon begeistert, dass nun eine Frau und dann auch noch eine Engländerin an ihrem Unterricht teilhaben soll.

Für Pen ist das eine schwierige Zeit. Sie hat niemanden, mit dem sie sich wirklich austauschen kann, was dazu führt, dass sie ihrer frischverheiratete Zwillingsschwester Persy umso mehr vermisst, und sie fühlt sich minderwertig, was auch eine ganz neue Erfahrung für sie ist. Ihr Leben lang war sie immer der Zwilling, der mehr Aufmerksamkeit bekam und mehr Erfolg hatte. Doch nach den Ereignissen im letzten Jahr, als ihre schüchterne Schwester die Einzige war, die einen Anschlag auf Prinzessin Victorias Leben verhindern konnte, hat Pen das Gefühl, sie müsse ihren Wert beweisen, in dem sie genügend Magie lernt, um mit ihrer gebildeten Schwester gleichziehen zu können.

Doch da das Leben nicht aus Unterricht allein besteht, nimmt sie dankbar die herzlichen Einladungen ihrer neuen Bekanntschaft Lady Keating an – wobei es auch nicht schadet, dass die Dame einen attraktiven und sympathischen Sohn hat. Niall Keating hingegen wird von seiner Mutter, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt auf Pen angesetzt und soll das einsame Mädchen in sich verliebt machen. Dabei sahen die Pläne seiner Mutter allerdings nicht vor, dass auch Niall sich verlieben könnte – und seine Zuneigung zu der jungen Engländerin deutlich größer ist als seine Angst vor seiner überaus bestimmenden Mutter.

Wie schon in den anderen Geschichten ist die Handlung von „Betraying Season“ relativ vorhersehbar, aber dafür gibt es wunderbare (Neben-)Figuren – inklusive Geist, Kobold und Göttin(nen) -, amüsante Dialoge und viele kleine Szenen zum Genießen. Bei dieser Autorin reicht es mir wirklich, dass ihre Romane nur „nett“ sind, da ich sie wirklich entspannend, unterhaltsam und erholsam finde. Außerdem mochte ich bei diesem Band, dass sich die Handlung mal nicht um die erste Saison dreht, sondern um Pens Unterricht und – wenn auch nur oberflächlich – die Spannungen zwischen Irland und England.

Dazu kommt noch, dass sich die Magie, so wie Pen sie in Irland kennenlernt, etwas von der bislang von Marissa Doyle dargestellten Zauberei unterscheidet, was zu einigen hübschen Szenen führt. Auch lernt Pen einen Clurichaun kennen, der bei ihren Gastgebern im Keller lebt und für die Verwaltung der Spirituosen verantwortlich ist – und den ich sehr mochte, gerade weil er etwas bodenständiger war, als die meisten anderen Figuren in dieser Geschichte. Insgesamt gibt es in diesem Band eine Menge neuer Facetten der magischen-historischen Welt, die Marissa Doyle für ihre Geschichten entworfen hat, und die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden Teilen, ohne dabei an Unterhaltungswert zu verlieren. So hat es mir wieder großen Spaß gemacht, eine der beiden Leland-Schwestern bei ihrer Suche nach dem richtigen Weg und dem richtigen Mann zu begleiten.

Marissa Doyle: Courtship and Curses

„Courtship and Curses“ von Marissa Doyle wird anscheinend in der Regel als dritter Roman rund um die „Leland Sisters“ angeführt. Da die Geschichte aber einige Jahre früher (1815 statt 1837) spielt und die einzige Gemeinsamkeit die Figur der Lady Parthenope besteht, die später einmal die Mutter der Leland-Geschwister sein wird, sehe ich das Buch nicht als Fortsetzung der Reihe an. „Courtship and Curses“ dreht sich um die achtzehnjährige Lady Sophie Rosier, die kurz vor ihrer Einführung in die Londoner Gesellschaft steht. Schon seit Jahren freut sich Sophie auf diesen Moment, hat ihre Mutter ihr doch von klein auf von der Saison in London vorgeschwärmt und sie mit Hilfe eines extra engagierten Tanzlehrers auf diese Zeit vorbereitet.

Doch dann starben Sophies Mutter und ihre kleine Schwester vor zwei Jahren an einer schweren Erkrankung, die auch Sophie befallen hatte. Das Mädchen hat zwar überlebt, aber seitdem ist ihr eines Bein schwächer und verdreht, so dass sie nur noch mit Hilfe und einem unübersehbaren Hinken laufen kann – und an Tanzen ist mit dem Bein gar nicht erst zu denken. Trotzdem ist Sophie wild entschlossen die Saison zu genießen, auch wenn es immer wieder Momente gibt, in denen sie sich leid tut oder in denen sie mit den Menschen in ihrer Umgebung hadert, weil sie sie behandeln, als wäre nicht nur ihr Bein behindert. Einzig in der Gesellschaft von Madame Amélie Carswell fühlt sie sich wohl, und so ist es ein Glück, dass die Französin, die mit dem besten Freund von Sophies Vater verheiratet war, für einige Zeit als Gast in ihrem Haushalt lebt.

Für Sophie bietet die Saison einige Herausforderungen, die unabhängig von ihrer körperlichen Verfassung entstehen. So vermisst sie nicht nur ihrer Mutter und wünscht sich, ihr Vater würde weniger Zeit im Kriegsministerium, für das er arbeitet, verbringen, sondern sie muss sich auch mit ihren beiden wohlwollenden Tanten auseinandersetzen, die ganz eigene Vorstellungen davon haben, wie ihre Nichte sich zu benehmen und auszusehen hat. Zum Glück findet Sophie schon auf ihrem ersten Ball mit Lady Parthenope eine gute Freundin, die ihr (inklusive spitzer Zunge und Hauspapagei) bei all den Abenteuern in den nächsten Wochen zur Seite steht.

Die impulsive Parthenope bringt frischen Wind in die Geschichte, während Sophie sich immer wieder bemüht die Freundin etwas zu zügeln, ohne dass sie dabei langweilig wirkt. Schließlich ist den beiden Freundinnen schon früh bewusst, dass etwas Seltsames vorgeht. Sie haben sogar den Verdacht, dass es jemand auf das Leben der Mitglieder des Kriegsministeriums abgesehen hat – was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass der Krieg gegen Frankreich gerade wieder aufgenommen wurde. So besteht der „magische“ Anteil der Geschichte vor allem darin, dass Sophie, die vor ihrer Erkrankung zaubern konnte, an den Schauplätzen der diversen „Unfälle“ den Einfluss von Magie spürt. Aber sie kann niemanden davon erzählen, schließlich weiß nicht einmal ihr Vater darüber Bescheid, dass diese Begabung in der Familie ihrer Mutter vorkommt.

Ich fand es wirklich hübsch gemacht, wie sehr der Fokus der Geschichte auf Sophie und ihren – eigentlich ganz normalen – Schwierigkeiten bei ihrer Einführung in die Gesellschaft liegt und wie sehr ihre Freundschaft mit Parthenope thematisiert wird. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte in diesem Roman, wobei der betreffende junge Herr sich – auch wenn er sonst für sein diplomatisches Geschick bekannt ist – recht unbeholfen anstellt, so dass Sophie lange Zeit nicht weiß, ob er sie wirklich mag oder nur Mitleid mit ihr hat. Trotzdem fand ich diese Passagen nicht peinlich, gerade weil Parthenope, die seine Cousine ist, mit ihrer spitzen Zunge immer wieder für erfrischende Szenen sorgt.

Was den „Krimianteil“ angeht, so ist es schon recht offensichtlich gewesen, wer hinter den verschiedenen Anschlägen steckt. Aber ich muss zugeben, dass ich trotzdem den Großteil der Geschichte gehofft hatte, die Autorin würde noch irgendeine Wendung einbauen, die für eine der beteiligten Personen ein Happy End bringen würde. Insgesamt hat mir „Courtship and Curses“ noch besser gefallen als „Bewitching Season“ was unter anderem an den wunderbaren Dialogen mit Parthenope lag und daran, dass mir Sophie als Charakter noch ein bisschen mehr lag als Persy. Außerdem muss man einfach einen Roman mögen, in dem Lord Wellington eine verängstigte junge Frau zusammenstaucht. 😉

Marissa Doyle: Bewitching Season (Leland Sisters 1)

„Bewitching Season“ von Marissa Doyle ist der Debütroman der Autorin und eines der Bücher, bei denen es vollkommen ausreicht, dass die Geschichte einfach nur „nett“ ist. Für ihren Roman hat Marissa Doyle auf die reale britische Geschichte gesetzt, so dass sich der Teil der Handlung, der sich auf die Politik dieser Zeit bezieht, mit der – noch minderjährigen – Prinzessin Victoria, ihren Familienverhältnissen und der Vormundschaft durch John Conroy beschäftigt, während privat viel über Romane gesprochen wird wie zum Beispiel die Werke von Jane Austen.

Haupfigur in „Bewitching Season“ ist Persephone Leland, auch deren Sicht die Handlung auch erzählt wird. (Ihre Zwillingsschwester Penelope bekommt dann in „Betraying Season“ ihre eigene Geschichte.) Die siebzehnjährige Persephony, genannt Persy, und ihre Schwester sollen in dieser Season in die Londoner Gesellschaft eingeführt werden. Während Penelope (Pen) überaus enthusiastisch auf die kommenden Wochen blickt, würde sich Persy am liebsten mit einem Stapel Bücher unter ihrem Bett verstecken. Sie ist sehr schüchtern, findet sich im Vergleich zu ihrer Schwester schrecklich unbeholfen und wenig charmant, hat ein Problem damit mit fremden Menschen zu sprechen und aus all diesen Gründen hasst sie es, wenn sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll – was nun mal dazu gehört, wenn man die Saison in London verbringt, um die ersten Schritte auf dem Heiratsmarkt der höheren Gesellschaft zu machen.

Nur wenn es um Magie geht, fühlt sich Persephone selbstsicher. Aber gerade dieser Bereich ist etwas, worüber man nicht spricht. Vor gerade mal hundert Jahren wurden die letzten Hexen in England hingerichtet, und obwohl jeder sich sicher ist, dass Zauberei weiterhin existiert, so ist es keine achtbare Beschäftigung. Persy und Pen hatten noch Glück, dass sie mit Miss Allardyce eine Gouvernante hatten, die ebenfalls über Magie verfügt und ihnen die Beherrschung ihrer Gabe beibringen konnte. Doch dieser besondere Unterricht musste im Geheimen stattfinden – nicht einmal die Eltern der beiden Mädchen wissen von ihren besonderen Fähigkeiten.

Als nun Miss Allardyce (Ally) spurlos verschwindet, während sie die Ankunft der Zwillinge in London vorbereiten soll, setzen Persy und Pen auf die Magie, um ihre Gouvernante wiederzufinden. Doch ohne einen konkreten Anhaltspunkt und inmitten des Trubels rund um die Einführung in die Gesellschaft, fällt es den Mädchen schwer wirklich aktiv zu werden. So dreht sich die Handlung wirklich vor allem um Persy und ihre Probleme bei den ersten Empfängen und Bällen – Probleme, die auch daraus resultieren, dass sie schon seit Jahren in den Nachbarssohn Lochinvar (Lord Seton) verliebt ist, während dieser sich – ihrer Beobachtung nach – neuerdings für ihre Schwester Pen interessiert. Ganz verlieren die beiden Schwestern die Suche nach Miss Allardyce nicht aus den Augen, sie machen sich Sorgen um sie und vermissen regelmäßig ihren Rat und ihre Hilfe, aber da sie als minderjährige junge Frauen schon allein für einen Ausflug zu einem Buchladen Begleitung benötigen, wird selbst ein einfaches Treffen mit Allys Familie zu einer logistischen Herausforderung.

Insgesamt ist „Bewitching Season“ eine nette und unterhaltsame historische Liebesgeschichte für Jugendliche mit einem guten Schuss Magie. Mich hat es nicht gestört, dass die Magie nur relativ dezent in die Handlung eingebaut wurde, und dass der Fokus so auf Persy, ihre Einführung in die Gesellschaft und ihre hoffnungslose Liebe zu Lord Seton lag. Schön fand ich, dass Marissa Doyle es geschafft hat, dass ich die kleinen Pannen und Fehlgriffe von Persy nicht unangenehm peinlich fand, sondern eher niedlich, so dass ich eher gespannt darauf war, welche Folgen das nun für das Mädchen haben würde. Und weil ich mich so gut unterhalten gefühlt habe und Persy und ihre Famlie und Freunde so sympathisch fand, konnte ich auch gut darüber hinwegsehen, dass die Hintergründe rund um Allys Entführung von Anfang an vorhersehbar waren. Stattdessen habe ich mich an den amüsanten Dialogen und all den kleinen Momenten erfreut, in denen die Autorin einen erfrischenden Blick auf das damalige London geworfen hat. „Bewitching Season“ war eine wunderbar entspannende Lektüre und ich freu mich jetzt schon auf die weiteren Romane der Autorin, die in diesem leicht magischen England spielen.