Schlagwort: Hörbuch

Leseeindrücke April bis Juli 2023 (Teil 2)

Nachdem ich am Sonntag schon ein paar Leseeindrücke der letzten Monate veröffentlicht hatte, gibt es hier nun den zweiten Teil:

Delemhach: The House Witch
Delemhach: The House Witch 2
Delemhach: The House Witch 3

Den ersten Band habe ich auf einer Liste mit „cozy Fantasy“ gefunden, und der Klappentext klang reizvoll genug, um „The House Witch“ eine Chance zu geben – was dafür sorgte, dass ich ziemlich schnell hintereinander alle drei Teile gelesen habe, weil ich mich damit gut unterhalten fühlte. Wobei ich es ziemlich schade fand, dass der Protagonist Finlay Ashowan sich im Laufe der Trilogie von einer „House Witch“ zu eine Art „Übermagier“ entwickelt hat, was halt auch dazu führte, dass es zu immer weniger amüsanten Szenen in einer simplen Schlossküche kam und zu immer mehr „Kriegs(vorbereitungs)szenen“. Dabei mochte ich gerade die alltäglichen Momente zu Beginn des ersten Bandes so gern, in dem die Bewohner eines Schlosses mit den exzentrischen Eigenheiten ihres neuen Kochs umzugehen lernen. Es gab viele amüsante Szenen in den drei Romanen, aber einige davon hatten einen etwas arg … pubertären Humor, und bei den Frauenfiguren hatte ich auch das Gefühl, dass sie nicht gerade viel Tiefe aufwiesen. Alles in allem sehr amüsant und mit vielen tollen Ansätzen, aber im Nachhinein nicht so großartig, dass ich mir die beiden weiteren Bände, die in der Welt spielen, besorgen musste.

H.G. Parry: The Magician’s Daughter

„The Magician’s Daughter“ kam mir auf Twitter vor die Nase, wo jemand meinte, dass die Geschichte an „Howl’s Moving Castle“ erinnern würde. Diesen Eindruck kann ich nicht so ganz teilen, auch wenn es eine Verwandlungsszene gibt, die mich an Howls Steckenbleiben in seiner vogelähnlichen Gestalt in dem Anime erinnert hat. Insgesamt hat der Roman auf mich einen angenehm altmodischen Eindruck gemacht. Das Buch bietet eine sehr ruhige Erzählweise, auf die ich mich erst einmal einlassen musste, einen ausführlichen Einstieg in die Situation, in der sich die Protagonistin Biddy befindet, eine ganz wunderbar beschriebene magische Insel, einen faszinierender Magier (der Biddys Pflegevater ist) und seinen hasenförmiger Vertrauten. Die Handlung selbst fand ich nicht so ungewöhnlich, was dazu führte, dass ich relativ wenig neugierig auf die weitere Entwicklung war, aber ich habe die Art und Weise genossen, in der mir die Geschichte durch Biddys Perspektive erzählt wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob „The Magician’s Daughter“ zu den Romanen gehört, die ich immer und immer wieder aus dem Regal ziehen werde, aber es ist auf jeden Fall ein Buch, dessen Anblick im Regal mich erfreut, weil es mich an angenehme Lesestunden erinnert.

Matthew Costello/Neil Richards: Mydworth Mysteries 1 – A Shot in the Dark (Hörbuch)
Matthew Costello/Neil Richards: Mydworth Mysteries 2 – A Little Night Murder (Hörbuch)

Die von Nathaniel Parker gelesenen Hörbücher gab es bei Audible im 2-für-1-Angebot, und auch wenn der Krimianteil der Geschichten jetzt nicht soooo qualitativ ist (beim ersten lag die Auflösung von Anfang an auf der Hand, beim zweiten war sie nicht „mit-ermittelbar“, was mich immer stört), sind es unterhaltsame 20er-Jahre-Mysteries. Der Sprecher leistet einen guten Job, die beiden Hauptfiguren sind sympathisch, und ich mag, dass die Hörbücher mit gut drei Stunden Laufzeit eine übersichtliche Länge haben. Die Mydworth Mysteries sind für mich die perfekte Hörbuch-Lösung, wenn kurz und „nett“ genau das ist, was ich gerade auf den Ohren brauche.

Michelle Manus: Guardian of Chaos (Nyx Fortuna 1)
Michelle Manus: Guardian of Shadows (Nyx Fortuna 2)
Michelle Manus: Guardian of Madness (Nyx Fortuna 3)

Der erste Nyx-Fortuna-Band hat mich während des Juli-Lese-Sonntags so gut unterhalten, dass ich das Buch an dem Tag vollständig gelesen habe – und dann habe ich die beiden weiteren Teile direkt im Anschluss verschlungen. Für mich fühlt sich die Serie sehr nach den „Innkeeper Chronicles“ von Ilona Andrews an, was an den drei folgenden Aspekte liegt: Es ist eine Mischung aus Urban Fantasy/Fantasy/Science Fiction (genau genommen spielt Nyx‘ Geschichte auf unserer Erde, in einem magischen Teil der Erde und in verschiedenen Galaxien), es gibt sympathische Charakteren, die alle ihre eigenen magischen Spezialfähigkeit haben, und das zentrale Element ist die „Grenzstation“, die sehr an das Inn in den „Innkeeper Chronicles“ erinnert (inklusive der Fähigkeit das Gebäude an die Bedürfnisse seiner jeweiligen Bewohner anzupassen und Dinge zur Verfügung zu stellen, die aktuell benötigt werden). Trotz all dieser Ähnlichkeiten gibt es genügend eigenständige Elemente, die dafür sorgen, dass ich neugierig auf den weiteren Verlauf der Reihe bin (und deshalb den vierten Band schon vorbestellt habe).

C. L. Polk: Even Through I Knew the End (Hörbuch)

Von C. L. Polk mochte ich schon „Witchmark“ sehr gern (und müsste da wirklich endlich mal die beiden Fortsetzungen lesen), weshalb ich sehr neugierig auf „Even Through I Knew the End“ war, als der Titel angekündigt wurde. Allerdings wollte ich keine 20 Euro für ein Hardcover-Ausgabe zahlen, die gerade mal um die 130 Seiten hat, weshalb ich mich für das Hörbuch entschieden habe. Gesprochen wird die Handlung von January LaVoy, der ich sehr gern zugehört habe, weil sie mit ihrer ausdrucksvollen Stimme den Figuren sehr viel Individualität verlieh und ich ihr die Emotionen der Charaktere problemlos abnahm, obwohl das bei all den zwiespältgen Situationen, in denen sich Protagonistin Helen und ihre Liebste Edith wiederfinden, nicht gerade einfach gewesen sein kann.

Die Handlung von „Even Through I Knew the End“ spielt in einer fantastischen Variante von Chicago in den 1930er Jahren. Helen ist eine Mystikerin, die vor beinahe zehn Jahren von ihrem Orden ausgeschlossen wurde, weil sie ihre Seele verkauft hat, um das Leben ihres Bruders zu retten. Inzwischen verdient sie ihren Lebensunterhalt als Privatdetektivin, wobei sie den Großteil ihres Geldes damit verdient, mit den Geistern von Ermordeten zu kommunizieren und magisch verstärkte Fotos von den Tatorten zu schießen. Zu Beginn der Geschichte wird Helen damit beauftragt, den aktuellsten Tatort eines Serienmörders zu untersuchen. Als sie den Auftrag ablehnen will, wird ihr in Aussieht gestellt, ihre Seele zurückzubekommen, falls sie den Mörder finden sollte. Allerdings hatte Helen nicht erwartet, dass ihr alter Orden ebenfalls an den Morden interessiert ist und dass ihre Liebste Edith ebenfalls in die Mordermittlungen involviert wird.

Bei gerade mal 130 Seiten Handlung ist es verständlich, dass der Weltenbau in „Even Through I Knew the End“ nicht gerade komplex ausfallen konnte, aber ich mochte diese düstere Version von Chicago, die mit all ihren fantastischen Elementen, die für Helen so alltäglich zu sein scheinen, die perfekte Kulisse für diese Geschichte bildet. Vor allem fand ich es faszinierend, dass es C. L. Polk gelingt, die perfekte Film-Noir-Atmosphäre zu kreieren und dabei trotzdem unglaublich viel Realismus in die Geschichte einfließen zu lassen. Helen ist pragmatisch und zynisch, und natürlich geht sie in eine Bar (die während der Prohibition ein Speakeasy war), wenn sie sich entspannen will. Auf der anderen Seite ist diese Bar einer der wenigen Zufluchtsorte, die es für lesbische Frauen in dieser Zeit gibt und wo Helen sich nicht einen Ehering anstecken muss, um mit Edith ausgehen zu können. Immer wieder gibt es kleine Szenen, in denen deutlich wird, wie eingeschränkt das Leben von Frauen in dieser Zeit ist und wie viel Mut und Einfallsreichtum es von Helen erfordert, einfach nur ihrem Beruf nachgehen zu können.

Bei den fantastischen Elementen setzt C. L. Polk sehr auf klassische christliche Motive mit Dämonen und Engeln, und trotzdem gibt es keine Schwarz-Weiß Zeichnungen, wenn es um all die Charaktere in dem Roman geht. Gemeinsam mit der Privatdetektivin erfährt man immer mehr über den Mörder und seine Opfer und warum es so wichtig ist, dass gerade Helen in diesem Fall ermittelt. Überhaupt ist Helen eine wunderbare Protagonistin mit all ihren Ecken und Kanten, die dafür sorgten, dass ich jederzeit die Gründe für ihr Handeln nachvollziehen konnte. Ich fand es großartig, dass die Beziehung zwischen Helen und Edith von Anfang an eine etablierte Tatsache war. Die beiden Frauen lieben sich seit langer Zeit und träumen von einer gemeinsamen Zukunft in San Francisco, und trotzdem habe ich die ganze Geschichte hindurch um ihre Beziehung gebangt – nicht, weil mich C. L. Polk daran zweifeln ließ, dass die Gefühle der beiden Figuren aufrichtig waren, sondern weil es so viele Hindernisse von außen gab, an denen alles scheitern konnte. Ich muss gestehen, dass ich es so viel reizvoller finde, eine „Liebesgeschichte“ zu lesen, wenn es nicht um das erste Verlieben geht, sondern darum, irgendwie die gemeinsame Zukunft zu retten.

Dafür, dass das Hörbuch gerade mal 3 Stunden und 50 Minuten lang ist, gibt es überraschend viele Wendungen in der Handlung und wirklich viele Elemente, die nach dem Hören noch in mir nachklangen. Und ich glaube nicht, dass es der Geschichte gutgetan hätte, wenn C. L. Polk sie länger gemacht hätte, auch wenn ich online einige Rezensionen gesehen habe, die das „schöner“ gefunden hätten. Der eher skizzenhafte Weltenbau reicht vollkommen, um einen Eindruck von den fantastischen Elementen zu geben, die Liebesgeschichte ist fundiert genug, dass die Beweggründe der beiden Frauen definitiv nachvollziehbar sind, und all die kleinen Beobachtungen und Anmerkungen von Helen sorgen für ein erschreckend realistisches Bild der Zeit, ohne von der eigentlichen Handlung abzulenken. Gerade weil so viele Elemente nur angedeutet wurden, habe ich im Nachhinein immer wieder darüber nachgedacht. Alles in allem habe ich mich von der bittersüßen Geschichte sehr gut unterhalten gefühlt, ich habe die Arbeit der Sprecherin January LaVoy genossen, und ich hätte große Lust, in Zukunft noch mehr Veröffentlichungen in dieser Art von C.L. Polk zu hören (oder zu lesen).

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 5 – The Wrong Rite (Hörbuch)

„The Wrong Rite“ von Charlotte MacLeod ist die letzte Geschichte rund um Madoc und Janet Rhys. Inzwischen sind die beiden seit sechs Jahren verheiratet und haben eine acht Monate alte Tochter, die mitkommen durfte, als Janet und Madoc nach Wales fliegen, um den 90sten Geburtstag von Madocs Großonkel Sir Caradoc Rhys zu feiern. Während Janet sich etwas erschlagen von all den angeheirateten Verwandten fühlt, die sich zur Geburtstagsfeier versammeln, muss sich Madoc mit der Frage auseinandersetzen, wer in der alten Kapelle auf dem Anwesen ein Schaf geopfert haben könnte und was es mit dem Geist eines Druiden auf sich hat, der im Herrenhaus zu spuken scheint. Nachdem Madocs Verwandtschaft den Tod des Schafes noch zugunsten einer harmonischen Geburtstagsfeier vertuschen kann, kommt es am Abend des Festes zu einem ungewöhnlichen Todesfall, bei dem die örtliche Polizei nur zu gern den Mountie Madoc Rhys als zusätzlichen Ermittler heranzieht.

Wie so oft in ihren Romanen konzentriert sich Charlotte MacLeod auch in „The Wrong Rite“ erst einmal darauf, die beteiligten Personen – in diesem Fall Madocs walisische Familie – und die Umgebung näher vorzustellen. Insgesamt scheint der walisische Teil der Familie Rhys ein kunterbunter und sympathischer Haufen zu sein, auch wenn es natürlich – wie es sich nun einmal für Familienfeiern gehört – Personen gibt, die die Geduld der Anwesenden über das tolerierbare Maß strapazieren. Ich mochte an diesem speziellen Fall, dass Madoc theoretisch mit allen Beteiligten vertraut ist, sich aber im Laufe der Ermittlungen eingestehen muss, dass gemeinsame Kindheitserinnerungen und regelmäßig Treffen bei Familienfeiern nicht ausreichen, um einen Menschen wirklich gut zu kennen.

Wie immer bei einer Charlotte-McLeod-Geschichte habe ich den Humor und die vielen kleinen Szenen, in denen man die verschiedenen Charaktere besser kennenlernt, bei „The Wrong Rite“ sehr genossen. Obwohl sich der Anfang etwas hingezogen hat, weil dieses Mal nicht nur der Leser, sondern auch Janet Rhys all die Personen neu kennenlernte und es deshalb relativ viele erklärende Passagen in der Geschichte gab, habe ich auch diesen relativ langsamen Einstieg gemocht. Für mich reichten die diversen treffenden und nicht selten spitzen Bemerkungen während dieser erklärenden Absätze, um mich gut zu amüsieren und neugierig auf weitere Figuren und Szenen zu bleiben. Am Ende gibt es noch die eine oder andere unvorhersehbare Wendung in der Handlung, bis der Fall zufriedenstellend gelöst und alle Probleme der Beteiligten (natürlich von den Übeltätern abgesehen) beseitigt sind.

William Dufris hat auch dieses Hörbuch in seiner gewohnten Qualität gelesen. Ich musste mich ja beim ersten Hörbuch erst einmal an diesen Sprecher gewöhnen, bin aber inzwischen eigentlich sehr zufrieden mit seiner Art, eine Geschichte zu lesen. Allerdings muss ich schon anmerken, dass es bei „The Wrong Rite“ stellenweise überraschend schwierig, war die ganzen walisischen Rhys-Männer auseinanderzuhalten, weil der Sprecher sie alle (natürlich) mit demselben walisischen Akzent und der selben sanften Stimmlage ausgestattet hat. Was mich mal wieder sehr froh darüber sein ließ, dass Charlotte MacLeod oft genug die Namen der jeweiligen Personen einfließen ließ, dass ich trotzdem den Überblick bei den Dialogen behielt. Ich nehme nur ungern Abschied von Janet und Madoc Rhys, da ich die beiden Protagonisten und ihr Umfeld wirklich gern mag. Auf der anderen Seite bin ich nun auch neugierig auf die letzten mir noch unbekannten Geschichten von Charlotte MacLeod – mal schauen, wann es zeitlich klappt, dass ich mich auf die Ereignisse rund um den „Grub and Stakers“-Gartenclub einlassen kann.

Alethea Kontis: Woodcutter Sisters 1/Books of Arilland 1 – Enchanted (Hörbuch)

„Enchanted“ ist der erste Band der Woodcutter-Sisters-Serie bzw. Books-of-Arilland-Serie der Autorin Alethea Kontis. Wer nun wegen der beiden Serien-Titel verwirrt ist: Die hängen damit zusammen, dass die ersten drei Veröffentlichungen („Woodcutter Sisters“) über einen Verlag passiert sind, der nicht nur die ersten Manuskripte radikaler bearbeitete, als es der Autorin lieb war, sondern auch nach dem dritten Band keine weiteren Teile mehr herausbringen wollte. Die „Books of Arilland“ hat hingegen die Autorin (soweit sie es finanzieren konnte) im Eigenverlag veröffentlicht – ohne die ersten drei Bänden, deren Rechte noch dem Verlag gehören, und in der Hoffnung, dass sie diese Rechte irgendwann einmal zurückkaufen und dann die Serie erfolgreicher bewerben kann, als dies aktuell der Fall ist. (Was man doch alles bei einem kurzen Besuch auf der Autorinnen-Homepage lernen kann. 😉 )

Die Geschichte in „Enchanted“ steht für sich und es gibt am Ende auch keinen Cliffhanger, so dass man nichts verpasst, wenn man sich auf diesen Titel beschränkt. Wobei mir das Hören des Hörbuchs (auch dank der guten Sprecherin) so viel Spaß gemacht hat und ich so neugierig auf all die anderen fantastischen Abenteuer der Familie Woodcutter geworden bin, dass ich mir wohl nach und nach die weiteren verfügbaren Hörbücher besorgen werde. Die fantastische Welt, die Alethea Kontis in dieser Geschichte beschreibt, beinhaltet all die klassischen Märchenelemente wie Feen-Patentanten, verwunschene Prinzen und einen armen Holzfäller (bzw. seine Familie), aber viele dieser Aspekte werden von der Autorin auf ungewöhnliche Weise kombiniert.

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Sunday, der jüngsten Tochter der Familie Woodcutter, und aus der Sicht des Froschs Grumble, der in einem Wunschbrunnen im Wald lebt. Sunday und Grumble, der natürlich ein verfluchter Prinz ist, freunden sich schnell miteinander an und empfinden bald tiefere Gefühle füreinander. Doch diese Gefühle scheinen nicht tief genug, um den Fluch zu brechen, und als Grumble dann doch wieder zurückverwandelt wird, ist Sunday nicht vor Ort, um dieses Wunder mitzuerleben. Da die Familie Woodcutter gute Gründe hat, um Prinz Rumbold von Arilland zu hassen, muss dieser nun einen Weg finden, um auch in menschlicher Gestalt die Zuneigung seiner geliebten Sunday zu gewinnen.

Ich mochte es sehr, dass bei Alethea Kontis die Verwandlung in ein Tier oder die Rückwandlung in einen Menschen schmerzhafte Folgen hat. Es dauert, bis der Körper und der Geist sich umgestellt haben und sich wieder mit Vertrautheit und ohne Irritation oder Schmerzen bewegen lassen. Ebenso gefiel es mir, dass es Dinge gibt, die – mehr oder weniger – allgemein bekannt sind und die jemand, der frisch zurückverwandelt ist, beachten sollte. Zauber, Feen, Flüche und Magie sind in dieser Welt weit verbreitet und doch schon allein aufgrund ihrer „Nebenwirkungen“ keine alltäglichen Dinge. Jedem ist bewusst, dass mit Magie Schreckliches bewirkt werden kann, selbst wenn eine magische Gabe noch so „harmlos“ zu sein scheint. Dazu kommt die Sichtweise, die Alethea Kontis in dieser Geschichte auf klassische Märchen wirft. Außerdem baut sie unglaublich viele Elemente ein, ohne dass es erzwungen oder überfrachtet wirkt – wie die Schneewittchen-Gegenstände (Kamm, Apfel, Schnürriemen, der hier ein Halsband ist) bei einem harmlosen Marktbesuch, die kleinen Informationen rund um den großen Bruder Jack oder die Art und Weise, in der die verzauberte Bohnenstange Beginn und Ende der Handlung verbindet.

Die Charaktere waren mir zum Großteil sehr sympathisch – von den Bösewichten natürlich abgesehen. Jeder von ihnen hat Stärken und Schwächen, und auch wenn manche von ihnen aus Sundays oder Grumbles Perspektive vielleicht etwas zu perfekt wirken, so gibt mir die Autorin doch das Gefühl, dass auch diese Figuren ihre Probleme und Eigenheiten haben. Stellenweise war mir Sundays Reaktion ein wenig zu emotional, aber auf der anderen Seite passte das ebenso zu ihrem Charakter wie zu ihrem Alter, und am Ende hat sie sich immer so weit wieder berappelt, dass ich ihrer Perspektive weiter folgen mochte. Besonders schön fand ich ihre (und später Rumbolds) Ansichten über ihre Familie, die bei allen Auseinandersetzungen und Problemen doch sehr liebevoll miteinander umging.

Ein weiteres Lob gilt der (leider in diesem Januar verstorbenen) Sprecherin Katherine Kellgren, die nicht nur die märchenhafte Sprache von Alethea Kontis wunderbar zu Geltung brachte, sondern auch den vielen verschiedenen Charakteren durch ihre Betonung einen hohen Wiedererkennungswert verlieh. Katherine Kellgren hat mit ihrem Vortrag von „Enchanted“ nicht nur zu Beginn der Geschichte all die wunderbar amüsanten Momente und rätselhaften Andeutungen in der Handlung passend vorgetragen, sondern auch den rasanten Entkampf so fesselnd gestaltet, dass ich mich dabei ertappte, wie ich beim Zuhören mit offenem Mund und mit Putzlappen und Eimer in der Hand mitten im Zimmer stand und mich minutenlang nicht gerührt hatte.

Charlotte MacLeod: Madoc und Janet Rhys 4 – Trouble in the Brasses (Hörbuch)

„Trouble in the Brasses“, das vierte Hörbuch rund um „Madoc und Janet Rhys“, muss leider ohne Janets Beteiligung auskommen, da diese gerade ihre Schwägerin zu Besuch hat, als Madoc von seinen Eltern zur Hilfe gerufen wird. Der berühmte Konzertmeister und seine ebenso berühmte Frau sind seit Wochen mit einem klassischen Orchester auf Tournee und beunruhigt, weil irgendetwas mit den Blechbläsern nicht in Ordnung ist und sie nicht herausfinden, was das sein könnte. Als Madoc beim Orchester eintrifft, kann er nur noch hilflos zusehen, wie einer der Musiker tot umfällt. Da anfangs davon ausgegangen wird, dass der Mann eines natürlichen Todes starb, darf das Orchester seine Reise zum nächsten Auftrittsort antreten – nur um unterwegs von einem Sturm überrascht zu werden und mit dem Flugzeug notlanden zu müssen.

Für Madoc bringt der Fall dieses Mal besondere Herausforderungen mit sich, da er nicht nur herausfinden muss, was mit dem verstorbenen Musiker passiert ist (und ob jemand ihn ermordet haben könnte), sondern auch von seinen Eltern mit der Versorgung des mitten in der kanadischen Wildnis gestrandeten Orchesters beauftragt wird. Auch wenn ich mich wiederhole: Charlotte MacLeod trifft meinen Humor mit ihren Geschichten jedes Mal wieder. Ich habe mich wunderbar amüsiert, während ich davon gelesen habe, wie all die Musiker sich wie egoistische kleine Raupen von Madoc versorgen ließen, wie er versucht, irgendwie die Dynamik zwischen all diesen Künstlern zu durchschauen, und wie sich das Verhältnis zwischen ihm und seinen Eltern gestaltet. Dass dieses Verhältnis trotz aller Zuneigung nicht so einfach ist, konnte man schon in den vorhergehenden Bänden der Reihe mitbekommen, schließlich ist es für eine so musikalische Familie doch sehr seltsam, einen so aus der Art schlagenden Sohn zu haben.

Natürlich stellt die Autorin die verschiedenen Figuren überspitzt dar, aber sie geht nie so weit, dass man die Figuren als unglaubwürdig empfindet. Die Orchester-Musiker stehen sich in gewisser Weise sehr nahe, da sie bei der Arbeit (und den damit verbundenen Reisen) sehr viel Zeit miteinander verbringen, aber auf der anderen Seite haben die meisten von ihnen auch ein privates Leben, das wenig mit ihrer Musikerkarriere zu tun hat. Dazu kommen Madoc, der zwar in einem Musiker-Haushalt aufgewachsen ist, aber eher mit amüsiertem Unverständnis auf dieses Leben reagiert, die beiden Piloten des Flugzeugs und der eine oder andere exzentrische Bewohner der kanadischen Wildnis – und schon ergeben sich so viele unterhaltsame Szenen, dass ich beim Hören ständig vor mich hingeschmunzelt habe. Neben all den humorvollen Elementen gehen die Mordermittlungen ein wenig unter, aber trotzdem gelingt es Charlotte MacLeod, den Fall am Ende stimmig von Madoc lösen zu lassen.

William Dufris leistet auch bei diesem Hörbuch wieder gute Arbeit (zu meinen Glück gibt es in dieser Geschichte recht wenige Personen, deren Passagen im Dialekt gelesen wurden, was für mich ja immer noch eine Herausforderung darstellt). Das einzige, was ich zu beklagen habe, ist, dass ich nun nur noch ein einziges ungehörtes Hörbuch vor mir habe, in dem Janet und Madoc eine Rolle spielen. Immerhin gibt es noch die vier „Dittany Henbit and Osbert Monk“-Hörbücher von Charlotte MacLeod, die ich auch noch nicht kenne. Eine paar unterhaltsame Hörbuchstunden mit dem typischen Humor der Autorin und einer mir unbekannten Geschichte habe ich also hoffentlich noch vor mir liegen.

Elly Griffiths: Dr. Ruth Galloway 1 – Totenpfad (Hörbuch)

Im Juli vergangenen Jahres hatte ich mir das Hörbuch „Totenpfad“ von Elly Griffiths zugelegt, dann aber keine Zeit gehabt, es auch zu hören. Nachdem Irina im Oktober dem Krimi auch nur eine durchwachsene Bewertung hatte zukommen lassen, habe ich in den vergangenen Monaten erst einmal zu anderen Hörbüchern gegriffen, bevor ich in den letzten Tagen dann doch zum Möbelaufbau diese Geschichte auf den Player gezogen habe. Die Handlung wird aus der Perspektive der 39jährigen Dr. Ruth Galloway erzählt, die als Archäologie-Professorin von der Polizei herangezogen wird, um einen Knochenfund im Salzmoor zu bestimmen. Zu Detective Chief Inspector Harry Nelsons Enttäuschung, der gehofft hatte, dass es sich bei dem Fund um die Leiche eines entführten kleinen Mädchens handeln würde, stellt Ruth fest, dass die Knochen schon seit der Bronzezeit im Salzmoor von Norfolk liegen.

Obwohl sie der Polizei dieses Mal nicht weiterhelfen konnte, wird Ruth in den folgenden Wochen immer weiter in die Ermittlungen rund um die entführte Scarlett (und die vor zehn Jahren ebenfalls entführte Lucy) hineingezogen. Nach und nach beschleicht sie der Verdacht, dass zwischen den Entführungen und den Ausgrabungen, die vor zehn Jahren im Moor stattfanden, eine Verbindung besteht und dass ihr ehemaliger Mentor und ihre damaligen Kollegen vielleicht etwas mit den anonymen Briefen und den Entführungen zu tun haben könnten. Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung habe, was ich noch zum Inhalt schreiben soll, denn obwohl das Hörbuch fast neun Stunden lang war, habe ich nicht das Gefühl, dass in der Geschichte etwas Erzählenswertes passiert.

Die Handlung plätschert so vor sich hin, es wird von Ruth viel über die Ereignisse von vor zehn Jahren nachgedacht, über ihre damaligen (und heutigen) Freunde, über ihr Leben, über ihre Eltern und vor allem darüber, was all die Menschen in ihrer Umgebung über sie denken. Letzteres vor allem deshalb, weil sie mit fast 40 Jahren alleinstehend ist, in einem einsam gelegenen Haus am Rande des Salzmoors lebt, zwei Katzen hat, übergewichtig ist und sich deshalb anscheinend als unfassbare Versagerin sieht, obwohl Ruth sich ständig erzählt, wie sehr sie ihr eigenständiges Leben doch liebt. Diese Passagen, in denen Ruth über ihr Leben und darüber, wie andere über sie denken könnten, grübelt, fand ich unglaublich nervig. Das Ganze steckte so voller Klischees, Vorurteilen und Selbstverachtung von Seiten der Protagonistin, dass ich mich beim Hören ständig aufgeregt habe.

Dazu kam dann noch der kaum vorhandene Krimianteil, der offensichtliche Täter (und die Tatsache, dass er anscheinend niemals von irgendjemandem verdächtigt wurde) und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren, was dazu führte, dass ich ständig drüber nachgedacht habe, ob ich dieses Hörbuch wirklich bis zum Ende hören will. Immerhin kann ich sagen, dass ich – im Gegensatz zu Irina – wenig Probleme damit hatte, dass sich die gesamte Handlung auf die Menschen in Ruths Umgebung konzentriert. Denn auf der einen Seite leben nun mal nicht so viele Menschen am Rande des Salzmoors und auf der anderen Seite scheint es bei den Entführungen Verbindungen zu den archäologischen Ausgrabungen im Moor zu geben und die damals an den Ausgrabungen beteiligten Personen gehören eben auch heute noch zu Ruths Freundeskreis.

Mit ein Grund, warum ich letztes Jahr das Hörbuch gekauft habe, war nicht nur eine allgemeine Krimilust, sondern auch die Sprecherin Gabriele Blum, der ich normalerweise gern zu höre. Doch bei „Totenpfad“ konnte sie auch nicht viel aus der Handlung machen, während ihre – wie ich zugeben muss – stimmige Darstellung von Ruth dafür sorgte, dass ich die Protagonistin noch weniger mochte. Ich finde es wirklich schade, dass dieser Krimi bei mir so gar nicht ankam, denn die Grundidee war wirklich nicht schlecht und das Salzmoor bildete eine wunderbar atmosphärische Kulisse für die Geschichte, aber die Perspektive der Protagonistin und die ereignislose Handlung haben mich beim Hören wirklich genervt.

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 3 – A Dismal Thing to Do (Hörbuch)

„A Dismal Thing to Do“ ist der dritte Band rund um Madoc und Janet Rhys von Charlotte MacLeod. Dieses Mal beginnt die Geschichte kurz nach der Hochzeit der beiden Protagonisten, während Janet mit ihrem neuen Auto unterwegs ist, um einen Waschtisch für ihr neues Haus aufzutreiben. Da sich ihre Schwiegermutter für einen Kurzbesuch angekündigt hat, ist es Janet sehr wichtig, das Gästezimmer so schnell wie möglich perfekt eingerichtet zu haben. Dieses Anliegen ist für sie so bedeutsam, dass sie sich trotz einer dicken Schneedecke und der eher unverständlichen Wegbeschreibung ihrer neuen Nachbarin auf den Weg zu einer Scheune macht, wo ein solcher alter Waschtisch zu finden sein soll. Doch statt heil mit ihrer Beute heimzukommen, beobachtet Janet auf einer kleinen Straße, wie vor ihr eine Art Umzugswagen aus dem Gleichgewicht gerät und umkippt.

Die Schneemassen am Straßenrand verhindern, dass sie problemlos zum Führerhaus des Wagens kommen kann, und so sucht sie in einer Scheune neben der Straße nach einer Leiter oder einem anderen Hilfsmittel, das ihr über die Schneewehen hinweghelfen kann. Noch bevor sie fündig wird, hört Janet von draußen eine Explosion und die Scheune bricht über ihr zusammen. Madoc hingegen freut sich zu Beginn der Geschichte auf ein paar Urlaubstage. Seitdem er Janet im vergangenen Jahr begegnet ist, konnten sie – trotz ihrer Heirat – nicht einmal ein paar geruhsame gemeinsame Tage miteinander verbringen, da seine Arbeit als Mountie immer wieder dazwischenkam. Doch nun sind alle aktuellen Fälle abgearbeitet und Madoc ist wild entschlossen, sich in der kommenden Woche ausschließlich auf seine Frau zu konzentrieren. Als er jedoch nach Hause kommt, fehlt von Janet jede Spur, und wenig später erhält er einen Anruf von den Kollegen, die ihm mitteilen, dass der Wagen seiner Frau unverschlossen mit all ihren Papieren darin gefunden wurde.

So dramatisch meine Inhaltsbeschreibung sich vielleicht auch anhören mag, so unterhaltsam entwickelt sich die weitere Handlung. Selbst bei den Szenen, bei denen Janet wirklich in Gefahr schwebt, gelingt es Charlotte MacLeod immer wieder, humorvolle Elemente einzubauen, die mich zum Schmunzel gebracht haben. Mir liegt der Humor der Autorin aber auch wirklich sehr, vor allem, da mir ihre Charaktere und deren Handlungen – trotz der einen oder anderen Übertreibung – immer stimmig und realistisch vorkommen. Kurz nach Janets „Unfall“ führt eine Spur Madoc nach Pitcherville (Janets Heimatort), so dass die Geschichte vor allem von dem sehr abgeschiedenen Leben in der ländlichen Gemeinde und den etwas eigenbrötlerischen Personen bestimmt wird, die man schon in „A Pint of Murder“ kennengelernt hat. Ich mag die liebevolle Art, mit der Charlotte MacLeod mit den verschiedenen Charakteren umgeht, ich mag die amüsanten kleinen Szenen, die häufig darauf beruhen, dass die Figuren die diversen Macken ihrer Nachbarn nur allzu gut kennen, und ich mag es, dass die Autorin immer wieder neue Wendungen in ihre Kriminalfälle einbaut, die dafür sorgen, dass selbst ein größerer Fall seinen Platz in einer kleinen Ortschaft wie Pitcherville findet.

Auch habe ich mich ja inzwischen gut an William Dufris‘ Art zu lesen gewöhnt und mag sogar sehr, wie individuell er die verschiedenen Figuren darstellt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich, sobald er in Dialekt verfällt – und das ist bei dieser Geschichte dank der vielen Landwirte, Schrotthändler und Handwerker, die zu Wort kommen, sehr häufig der Fall – vollkommen aufgeschmissen bin und nur noch aus dem Zusammenhang erraten kann, was gesprochen wird. Zum Glück lässt sie Madoc immer wieder das Ermittelte durchdenken oder er teilt anderen Leuten seine Erkenntnisse mit, so dass ich der Handlung trotzdem gut folgen konnte. Dennoch ist das für mich weiterhin das größte Problem, wenn ich englische Hörbücher höre. Bei einem Buch kann ich mir Zeit nehmen, um den Klang der Dialoge auf mich wirken zu lassen, so dass ich noch genügend von den Worten mitbekomme, um den Inhalt zu begreifen. Bei gesprochenem Dialakt hingegen stoße ich immer noch ganz schnell an meine Grenzen.

Bruce Coville: Always October (Hörbuch)

„Always October“ von Bruce Coville ist eigentlich die perfekte Halloween-Geschichte (für Kinder), aber da ich gerade nicht so oft Hörbücher höre, kam ich erst im Dezember dazu, mir dieses Hörbuch anzuhören. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Jacob „Jake“ Dolittle und Lily Carker erzählt. Dabei macht Lily den Anfang, da sie der Meinung ist, dass sie ihre Geschichte erzählen müssten, bevor sich Jake in ein Monster verwandelt – und wenn sie nicht mit dem Aufschreiben anfängt, dann bekommt ihr Freund das Ganze bestimmt nicht auf die Reihe. Jacob und Lily kennen sich schon viele Jahre, haben sich aber erst miteinander angefreundet, nachdem Jakes Vater vor einiger Zeit bei der Erforschung einer Höhle verschwand. Beide Kinder lieben Horrorgeschichte, besonders die, die von Jacobs Großvater geschrieben wurden (bevor auch dieser vor vielen Jahren verschwand – es liegt wohl in der Familie) und in denen er von einer Welt voller Monster erzählt, die angeblich „Always October“ heißt.

Da Lilys Großvater die Aufsicht über den örtlichen Friedhof hat, liegt es nah, dass die beiden Kinder eine Horrorbibliothek in einem der Mausoleen anlegen und dieses Mausoleum als Geheimversteck nutzen, um sich ungestört über all die Dinge austauschen zu können, die sie beschäftigen. Kurz nachdem es während einer stürmischen Nacht zu seltsamen Vorfällen in der „Mausoleums-Bibliothek“ kam, wird vor Jacobs Tür ein Säugling ausgesetzt. Während er natürlich davon ausgeht, dass seine Mutter das fremde Kind den Behörden übergibt, beschließt diese, dass sie sich um „Little Dumpling“ (kurz LD) kümmern wird, bis seine Mutter ihn wieder abholt. So kommt Jake zu einem liebenswerten kleinen Bruder, der trotz seiner ungewöhnlichen Eigenschaften (die sich vor allem bei Vollmond zeigen) sofort Jacobs Beschützerinstinkt weckt. Wenig später finden Jake und Lily heraus, dass LD eigentlich aus Always October stammt, und um LD eine sichere Zukunft zu gewährleisten, müssen die beiden durch die Monsterwelt reisen. Dort versucht gerade eine Gruppe von Monstern die Verbindung zwischen der Menschenwelt und Always October zu zerstören, was nicht nur die Opferung von LD erfordern, sondern auch für beide Welten das Ende bedeuten würde.

Das Hörbuch von „Always October“ dauert ungefähr acht Stunden und ich habe jede einzelne Minute davon genossen. Lily ist eine großartige Protagonistin mitsamt ihrer Begeisterung für Horrorgeschichten, ihrer Abenteuerlust und ihrer absoluten Loyalität zu ihren Freunden und ihrem nicht ganz einfachen Großvater. Auch Jake habe ich mit all seinen Macken und Ängsten sehr ins Herz geschlossen, gerade weil für ihn die vielen Herausforderungen, die die Reise durch Always October so mit sich bringt, besonders schwierig zu bewältigen waren. Unterstützt werden die Kinder durch eine ganze Gruppe von Helfern – besonders hervorheben möchte ich dabei Luna Marie Eleganza VI. -, die mir alle miteinander ans Herz gewachsen sind. Die Handlung ist spannend, amüsant und voller wunderbarer fantastischer Einfälle. Bruce Coville verwendet zwar ein paar Elemente, die nicht gerade „neu“ in diesem Genre sind, wie zum Beispiel die Bibliothek der Albträume, aber das hat mich in keinem Moment gestört, weil „Always October“ wunderbar kurzweilig war und mir jede einzelne Figur (na ja, abgesehen natürlich vom Bösewicht) ans Herz gewachsen ist.

Normalerweise bin ich nicht so begeistert, wenn ein Hörbuch von Kindern/Jugendlichen eingelesen wird, aber Nancy O’Connor und Zac Fletcher machen ihre Sache sehr gut und es hat mir Spaß gemacht, ihnen zuzuhören. Welche Sprecher die erwachsenen Figuren (Monster ebenso wie Menschen) übernommen haben, wird zwar im letzten Track von Bruce Coville (der ebenfalls einem der Charaktere seine Stimme verleiht) aufgezählt, aber da ich weder bei Audible noch bei Full Cast Audio eine Liste gefunden habe, beschränke ich mich hier auf die Aussage, dass auch diese Personen ihre Arbeit sehr gut gemacht und somit für mich zum Hörvergnügen beigetragen haben.

(Für diejenigen, die die Trickfilm-Serie „Die Trolljäger“ kennen: Bruce Covilles Romanvorlage zu „Always October“ ist ein paar Jahre älter als die Serie, aber einige Figuren und die Atmosphäre dieses Hörbuchs haben mich sehr daran erinnert.)

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 2 – Murder Goes Mumming (Hörbuch)

„Murder Goes Mumming“ ist der zweite Band der „Madoc and Janet Rhys“-Serie von Charlotte MacLeod (veröffentlicht unter dem Pseudonym Alisa Craig) und hier führt die Geschichte Janet Wadman und Madoc Rhys in ein abgeschiedenes Haus an der kanadischen Küste. Seit den Ereignisse in „A Pint of Murder“ sind nur wenige Monate vergangen, aber Janet und Madoc haben sich in der Zwischenzeit gut genug kennengelernt, dass der Mountie sich sicher ist, dass er in Janet die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch noch bevor er ihr einen Heiratsantrag machen kann, prescht schon seine Mutter (eine weltberühmte Opernsängerin. die wegen eines Auftritts gerade in der Nähe ist,) vor, da sie ihren Sohn verlobt sehen will, bevor sie wieder abreisen muss. So kommt es dazu, dass sich Janet und Madoc wenige Tage vor Weihnachten für alle Beteiligten überraschend verloben und nun vor der Frage stehen, wo sie die Feiertage gemeinsam verbringen können. Zum Glück werden die beiden von „Squire“ Condrycke, einem Bekannten von Madocs Mutter, eingeladen, Weihnachten mit ihm und seiner Familie in einem abgelegenen Haus an der Küste zu verbringen.

Für Madoc, der von seinen Gastgeber aufgrund der Berühmtheit seiner Mutter besondere Aufmerksamkeit erfährt (obwohl er seltsamerweise irgendwie für die Regierung arbeitet, statt ebenfalls Künstler zu sein), wird dieser Aufenthalt unerwartet herausfordernd, als sich herausstellt, dass Janets Ex-Freund ebenfalls anwesend sein wird. Zusätzlich trübt noch der unerwartete Tod der alten Mrs. Condrycke (Squires Schwiegermutter) die weihnachtliche Stimmung – vor allem, da Madoc Beweise dafür findet, dass die alte Dame keines natürlichen Todes gestorben ist. Durch einen Schneesturm vom Rest der Welt abgeschnitten verbringen Janet und Madoc also die Weihnachtstage mit einer Leiche, einer etwas exzentrischen Familie (inklusive einer alten Tante mit übernatürlichen Fähigkeiten) und einem walisischen Butler mit nicht ganz sauberer Weste, während sie herauszufinden versuchen, wer ein Motiv hatte, Mrs. Condrycke zu töten.

Auch wenn Charlotte MacLeod ihre Krimis immer in relativ kleinen Gemeinschaften spielen lässt, so ist dies doch die erste Geschichte (wenn ich mich recht erinnere), in der die Autorin auf die klassische Hausgesellschaft, die durch Wetterbedingungen von der Außenwelt abgeschnitten wurde, zurückgreift. Ich habe die Geschichte wirklich gern gehört und mich so langsam auch an den Sprecher William Dufris gewöhnt. Ich mochte es, wie Janet und Madoc miteinander umgingen – gerade weil ihre Situation durch das Eingreifen von Madocs Mutter doch etwas ungewöhnlich ist – und wie sie gemeinsam auf der Suche nach dem Mörder sind, ohne dass Janet dabei wagemutiger vorgeht, als es für ihren Charakter angemessen wäre, während Madoc – trotz aller Bemühungen, sie zu beschützen – immer wieder einsehen muss, dass seine Verlobte ganz gut auf sich selbst aufpassen kann. Wie immer habe ich auch all die kleinen amüsanten Momente genossen, die Charlotte MacLeod in ihre Geschichten einbaut. Der Humor dieser Autorin liegt mir wirklich, ebenso wie ich es mag, dass sie sich bei ihren Krimis auf Charaktere konzentriert, die trotz diverser Eigenheiten und der einen oder anderen Übertreibung überraschend realistisch wirken.

So macht auch bei „Murder Goes Mumming“ vor allem die Interaktion der verschiedenen Condryckes untereinander einen besonders großen Reiz der Geschichte aus, ebenso wie Janets und Madocs Reaktion auf diese Familie und ihre ganz eigenen Weihnachtsgebräuche. Wobei ich betonen muss, dass auch die Auflösung dieses Mal nicht ganz so offensichtlich war wie bei „A Pint of Murder“. Dass der Täter beim ersten Teil relativ leicht erahnbar war, hatte mich zwar nicht gestört, aber es war nett, dass ich beim Hören der Fortsetzung etwas mehr mitraten konnte. Ich freu mich jetzt schon auf das nächste Madoc-und-Janet-Rhys-Hörbuch, auch wenn ich vermutlich vor dem Weiterhören erst einmal etwas anderes auf den Player packen werden. Schließlich will ich mir die wenigen Geschichten, die ich von Charlotte MacLeod noch neu zu entdecken habe, noch ein bisschen einteilen.

Charlotte MacLeod: Madoc und Janet Rhys 1 – A Pint of Murder (Hörbuch)

„A Pint of Murder“ von Charlotte MacLeod ist der erste Teil der „Madoc und Janet Rhys“-Krimis, die die Autorin unter dem Pseudonym „Alisa Craig“ verfasste. Ich muss gestehen, dass ich eine Weile um dieses Hörbuch herumgeschlichen bin, weil ich die Hörprobe dank des Sprechers William Dufris nicht so verlockend fand. Da mir aber diese Romane in meiner Charlotte-MacLeod-Sammlung fehlen und die Hörbücher die günstigste Variante sind, um an die Geschichten zu kommen, habe ich in den letzten Wochen dann doch zugeschlagen.

Die Handlung beginnt – wie so oft bei einem Charlotte-MacLeod-Krimi – mit einem relativ harmlos wirkenden Todesfall. Die alte Agatha Treadway wird tot auf ihrem Küchenfußboden aufgefunden, nachdem sie anscheinend durch eine unsachgemäß eingemachte Portion Brechbohnen vergiftet wurde. Ihre Nachbarin Janet Wadman hätte den Vorfall als Unfall abgetan, wenn sie nicht genau gewusst hätte, dass Agatha Treadway mehr als vorsichtig beim Einmachen war. Die alte Dame lebte nicht nur schon seit mehreren Jahrzehnten als Selbstversorgerin, nachdem ihr Mann durch eine Lebensmittelvergiftung gestorben war, sie erlaubte auch niemandem, ihr beim Einmachen, Kochen und Backen zu helfen, weil sie sichergehen wollte, dass die Lebensmittel auch korrekt verarbeitet wurden. Als Janet dann noch im Keller der Verstorbenen ein Glas mit Schnibbelbohnen findet, obwohl ihrer Nachbarin immer nur Brechbohnen eingekocht hat, ist sie sich sicher, dass Agatha ermordet wurde. Als es dann noch zu einem weiteren verdächtigen Todesfall kommt, wird Detective Inspector Madoc Rhys von den Mounties herangezogen, um in dieser Angelegenheit zu ermitteln. Er muss schnell feststellen, dass es erstaunlich viele Verdächtige gibt.

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Janet Wadman und Madoc Rhys und so bekommt man als Leser sowohl die Ansichten einer Person, die mit all den potenziellen Verdächtigen sehr vertraut ist, als auch die eines Außenstehenden, was ich persönlich sehr unterhaltsam fand. Gerade bei Janets Passagen schwingt immer mit, dass man in einer so kleinen ländlichen Gemeinde die Eigenheiten und Macken der Nachbarn sehr gut kennt und gelernt hat, damit umzugehen. So hat Janet auch keine Probleme, die Verwandtschaft ihrer verstorbenen Nachbarin – unabhängig davon, ob ihr jemand sympathisch ist oder nicht – durchgehend verdächtig zu finden und sich darüber Gedanken zu machen, welche Beweggründe jeder für einen Mord an Agatha Treadway gehabt haben könnte. Auch wenn es etwas sehr offensichtlich war, wer die Morde begangen hat, so habe ich es genossen, den Gedankengängen von Janet und Madoc zu folgen und mich wunderbar über all die kleinen humorvollen Szenen amüsiert, die einfach zu einem Charlotte-MacLeod-Roman gehören. „A Pint of Murder“ ist ein gemütlicher Krimi, bei dem der Schwerpunkt eher auf den verschiedenen Charakteren und ihrer Beziehung zueinander liegt als auf der Jagd nach dem Täter. Solch eine Herangehensweise bei einem Krimi mag ich ganz besonders gern, vor allem, wenn eine Autorin so ein gutes Händchen für die Darstellung der verschiedenen Figuren hat und einem als Leser die erzählenden Personen so sympathisch sind.

Leider bin ich mit dem Sprecher William Dufris nicht so glücklich gewesen. Er hat zwar grundsätzlich eine angenehme Stimme, aber seine Betonung des Textes hat es mir stellenweise schwierig gemacht, ihn zu verstehen. Eigentlich dachte ich, dass mein Hörverständnis bei englischsprachigen Hörbüchern inzwischen recht gut wäre, und ich konnte der Handlung auch gut genug folgen, um die Details zu genießen, aber ich habe erschreckend oft einzelne Wörter nicht verstanden oder hatte stellenweise aufgrund der Betonung Mühe, einem Satz zu folgen. (Sehr schön war der Moment, an dem mir aufging, dass die eine Person keine „ducks“, sondern „dogs“ züchtete – mich hatte es nämlich irritiert, dass das Gespräch ständig zwischen Geflügel und Welpen wechselte.) Solche Probleme hatte ich weniger bei den Textpassagen, die im Dialekt geschrieben wurden, wo ich es ja noch verstanden hätte, sondern vor allem bei normalen Dialogen. Auch fand ich die unterschiedlichen Stimmlagen, die William Dufris für die verschiedenen Frauenfiguren verwendete, in der Regel eher unangenehm statt unterhaltsam, auch wenn ich ihm zugestehen muss, dass man so die verschiedenen Figuren gut auseinanderhalten konnte. Da mir die Geschichte insgesamt aber Spaß gemacht hat, werde ich mir trotz des Sprechers auch die vier anderen „Janet und Madoc Rhys“-Hörbücher anhören – und wer weiß, vielleicht gewöhne ich mich ja irgendwann an William Dufris‘ Art, einen Text vorzulesen.