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Halo Summer: Aschenkindel – Das wahre Märchen (Hörbuch)

In den vergangenen Monaten bin ich immer wieder auf den diversen Blogs über die Bücher von Halo Summer gestolpert. Irgendwann bin ich dann bei dem Hörbuch von „Aschenkindel – Das wahre Märchen“ schwach geworden, weil ich dachte, dass das eine gute Möglichkeit sei, um den Schreibstil der Autorin kennenzulernen. Schließlich mag ich Märchen und Märchenadaptionen und ein Einzeltitel ist zum Ausprobieren auch weniger riskant als der Auftakt einer Reihe. Dummerweise bin ich aber mit der Geschichte nicht so recht warm geworden, was nicht nur an der – in meinen Augen unausgereiften – Protagonistin und ihrem Schwarm lag.

Aber erst einmal zu den Hintergründen: Die Geschichte von Clairie Farnflee spielt in derselben Welt wie die „Sumpfloch-Saga“ der Autorin, es gibt ein Kaiserreich, das den Großteil der Welt beherrscht, und ein paar wenige kleine Königreiche, die sich bislang noch gegen das Kaiserreich behaupten (oder einfach Glück hatten, dass der Kaiser sie noch nicht erobert hat). In Clairies Heimatkönigreich ist das Leben relativ einfach, Magie spielt keine besonders große Rolle, obwohl es gute Feen gibt (die anscheinend nicht mehr sind als magiebegabte Frauen, die als eine Art Patentante fungieren), Clairie einen Flugwurm hat (den stelle ich mir ein wenig wie einen chinesischen Drachen mit sechs Beinen vor) und es in dem an die Stadt angrenzenden Wald Vampire gibt. Alles in allem also relativ wenig Magie, dafür eine nette und bunte Mischung aus märchenhaften und fantastischen Elementen.

Clairie hat vor sechs Jahren ihren Vater verloren, der ein lebenslustiger Kaufmann war und auf einer seiner Reisen mit seinem Schiff (und leider auch seinem Vermögen) unterging. Seitdem führt die inzwischen Siebzehnjährige ihrer Stiefmutter und den beiden Stiefschwestern den Haushalt. Das Verhältnis zwischen dem „Aschenkindel“ und ihrer Stieffamilie ist zwar nicht besonders gut und Clairie ist den ganzen Tag auf den Beinen, um den Haushalt alleine einigermaßen in den Griff zu bekommen, aber sie hat immerhin Zeit, um Freundschaften zu schließen oder in den Wald zu gehen (wenn auch nur, um unter Lebensgefahr Leckereien für die Stieffamilie zu sammeln). Ihre „gute Fee“ ist anscheinend die einzige, die sich um Clairies Wohlergehen sorgt und somit ist sie es auch, die dem Mädchen eine Einladung zum Ball des Prinzen besorgt. Dummerweise hat Clairie kurz zuvor erst im Wald einen Fremden kennengelernt, der ihr Herz höher schlagen lässt. Warum auch immer ihr Herz das tut … Immerhin geht sie trotzdem auf den Ball und kommt mit dem Prinzen ins Gespräch, obwohl sie ihn aus seiner Kindheit noch als unerträglich verwöhnten Jungen in Erinnerung hat.

Wie gesagt, die Welt, in der das Ganze spielt, fand ich nett (wenn auch stellenweise etwas bemüht, wenn es um „exotische Zutaten“ oder ähnliches ging), auch mochte ich den einen oder anderen Nebencharakter (wie zum Beispiel die gute Fee oder den Prinzen). Nett fand ich auch, dass all die bürgerlichen jungen Frauen erst einmal einen Benimmkurs mitmachen musste, bevor sie auf das Schloss durften – so ein Hauch von Realität tat der Geschichte wirklich gut. Außerdem gab es hier und da Szenen, die ich sogar amüsant fand – erschreckend oft war dabei ein Frettchen oder ein anderes Tier involviert. Aber es gab auch viele Aspekte, die ich an dieser Geschichte als so ungesund und unangenehm empfunden habe, dass ich das Hören immer wieder unterbrechen musste, um mich abzuregen.

Ein Punkt, den ich wirklich schlimm fand, war die Szene, in der der Fremde, in den sich Clairie verliebt hat, ihr gesteht, dass er sie wochenlang heimlich beobachtet hat, um mehr über sie herauszufinden. Einen kurzen Moment lang regt sie sich auf, nur um sich dann auch noch geschmeichelt zu fühlen. Stalking ist nicht romantisch! Da ist es mir egal, welche Motivation dahintersteckt und ob es mit Magie oder auf anderem Weg passiert. Ich will nicht mal wissen, ob er ihr bei seinen Stalkingrunden ins Schlafzimmer gefolgt ist oder nicht – das ist kein akzeptables Benehmen für irgendeinen Menschen! Und wenn das dann auch noch als romantisch dargestellt wird, dann werde ich richtig wütend.

Ich kann ja noch verstehen, dass eine Siebzehnjährige Lust mit Liebe verwechselt, vor allem, da es das erste Mal ist, dass ein Mann ihr zeigt, dass er sie begehrt. Aber wenn sie wirklich so vernünftig wäre, wie es sie selbst ständig über sich sagt (und die Autorin anscheinend mit all den bissigen Bemerkungen in Clairies Gedanken und ihrer Beherrschung des anstrengenden Haushalts zeigen will), dann sollte es ihr bewusst sein, dass Lust keine Entschuldigung für sein Verhalten und keine zuverlässige Basis für eine langfristige Beziehung ist. Vor allem, da der Stalker nicht der einzige Mann ist, der an der Protagonistin interessiert ist, und sein Rivale ist nicht nur deutlich sympathischer, sondern nimmt sich auch die Zeit, die Freundschaft von Clairie zu gewinnen.

Der Stalker erklärt gegen Ende der Geschichte, als er und Clairie sich über das Kaiserreich und die Gefahren für ihr Heimatland unterhalten, dass es doch ein Glück für jedes kleine Königreich sein müsse, wenn das Kaiserreich es annektiere. Denn als Teil des Kaiserreichs würden die Bewohner des kleinen Königreichs von der großen Gemeinschaft der Weltmacht profitieren, es gäbe weniger Armut, die importieren Produkte wären günstiger und überhaupt ginge es allen Menschen besser (vom König vielleicht abgesehen, der nun keinen Einfluss auf sein Land mehr hat). So gut das alles vielleicht klingt, so gibt es doch einen deutlichen Unterschied zwischen einem freiwilligen Zusammenschluss unterschiedlicher Länder, die gemeinsam dafür sorgen wollen, dass es ihnen besser geht, oder der Unterwerfung kleinerer oder technisch angeblich rückständiger Länder, die sich nach der Einverleibung in ein großes Reich den dort herrschenden Regeln und Gesetzen unterwerfen müssen. Spontan fällt mir zumindest kein Beispiel ein, bei dem eines der vielen Länder, die z.B. zu einem der vielen Kolonialreiche gehörten, die in der Vergangenheit existierten, langfristig glücklich mit dieser Politik war. Stattdessen gibt es viele Probleme, die durch eine solche Machtpolitik entstanden sind und die bis heute den diversen ehemaligen Großmächten und den früher von ihnen beherrschten Gebieten Kopfzerbrechen bereiten. Aber was soll’s, „Aschenkindel“ ist ja schließlich ein Märchen und der Stalker der Held der Geschichte, da muss man seine Handlungen und Aussagen ja nicht weiter hinterfragen, oder?

Arthur Schnitzler: Fräulein Else (Hörbuch)

Das Hörbuch „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler ist eine Leihgabe von Ariana, deren Rezension mich vor einiger Zeit auf den Titel neugierig gemacht hat. Ich muss gestehen, dass ich über die Geschichte nicht viel wusste – abgesehen davon, dass sie in den 1920er Jahren geschrieben wurde – und deshalb recht unbefangen an das Hörbuch heranging. Man trifft die neunzehnjährige Protagonistin Else in Südtirol, wo sie mit einer Tante und ihrem Cousin Paul Urlaub macht. Schon früh wird deutlich, dass es eine Gefälligkeit der Tante ist, dass Else sich diese Reise gönnen kann, obwohl sie eine Tochter aus einem gebildeten und eigentlich nicht unvermögenden Haushalt zu sein scheint.

Die gesamte Handlung erlebt man aus Elses Sicht, genauer gesagt verfolgt man ihre Gedanken. Anfangs war mir Else eher unsympathisch, denn sie scheint oberflächlich, undankbar und sehr kritisch gegenüber ihren Mitmenschen zu sein. Später hingegen erfährt man mehr über ihre familiäre Situation, wodurch ihre Persönlichkeit zumindest für mich nachvollziehbarer wurde. Während dieses Urlaubs bekommt Else dann einen Brief ihrer Mutter, in dem diese berichtet, dass Elses Vater Gelder veruntreut hat und ins Gefängnis kommt, wenn er nicht innerhalb weniger Tage seine Schulden bezahlt. Die einzige Möglichkeit, an Geld zu kommen, so die Aussage der Mutter, besteht darin, dass Else den ebenfalls im Hotel anwesenden Kunsthändler Dorsday um Begleichung der Schulden bittet. Der Kunsthändler sei ein alter Freund des Vaters und hätte schon bei früheren Gelegenheiten ausgeholfen – außerdem würde er Else mögen, was ihn ihrer Bitte gegenüber gewogener machen sollte.

Nach diesem Brief weiß Else nicht so recht, was sie tun soll. Waren ihre Gedanken vorher vor allem oberflächlicher Natur, bei der nur selten die Sorgen der jungen Frau durchschimmerten, so spielt sie nun alle Möglichkeiten, die sie hat, im Kopf durch und findet keinen Ausweg. Der Kunsthändler Dorsday ist in ihren Augen ein widerlicher Mensch, die Vorstellung, überhaupt jemanden um Geld bitten zu müssen, um den Vater vor seinen eigenen Fehlern zu bewahren, ist ihr auch entsetzlich unangenehm, aber auf der anderen Seite fühlt sie sich ihrer Familie verpflichtet. Außerdem hätte es natürlich auch für sie schlimme Folgen, wenn ihr Vater im Gefängnis landen würde. Am Ende wählt sie einen recht extremen Weg für ihren Versuch, ihren Vater zu retten, und Arthur Schnitzler lässt offen, welche Folgen dies für Else hat.

Natürlich ist die Kritik an einer Gesellschaft, in der Geld oder das Ansehen des Vaters mehr bedeuten als die Unversehrtheit einer jungen Frau, unübersehbar in der Geschichte. Vor allem haben sich meine Gedanken um die Eltern der Protagonistin gedreht – ehrlich gesagt sogar mehr als um die Frage, was wohl am Ende aus ihr wird -, weil es da so viele kleine Bemerkungen in Elses Gedanken gibt, die von zwei unfassbar egozentrischen Personen zeugen, die sich (wenn man Elses Aussagen glauben darf) kaum um ihre Tochter gekümmert haben. Wenn man dann den Charakter ihrer Eltern in Betracht zieht, ist es wiederum kein Wunder, dass aus Else eine Frau wurde, die an dem zerbricht, was ihre Eltern und ihre Umgebung von ihr fordern. Insgesamt finde ich es auf jeden Fall spannend, was alles in dieser – relativ kurzen – Erzählung steckt und wie viele Gedanken ich mir beim Hören über das Ganze gemacht habe.

Gelesen wurde die Geschichte von Senta Berger, die die Else hervorragend verkörpert hat. Obwohl die Schauspielerin deutlich älter als 19 Jahre war, als sie das Hörbuch eingelesen hat, habe ich ihr die sprunghaften Gedanken und extremen Stimmungsschwankungen von Fräulein Else abgenommen. Vor allem aber war es beeindruckend, wie schnell Senta Berger innerhalb eines Satzes von einem Extrem ins andere fallen konnte. Else wechselt innerhalb von Sekundenbruchteilen von Verzweiflung, Hilflosigkeit bis zum Übermut und ich bin mir sicher, dass es nicht leicht war, das überzeugend vorzutragen, aber die Sprecherin hat es geschafft. Zum Hören war das stellenweise etwas anstrengend, aber eben auch zum Text und zur Handlung passend.

John Scalzi: Miniatures (Hörbuch)

„Miniatures – The Very Short Fiction of John Scalzi“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von John Scalzi, die dieser im Laufe seiner Autorenkarriere geschrieben hat. Darunter befindet sich nicht nur die erste veröffentlichte Geschichte des Autors, sondern auch ein Gedicht, das er noch zu Collegezeiten geschrieben hat (was man dem Text auch anmerkt). Ich habe die Hörbuchversion der Anthologie gehört und neben John Scalzi (Vorwort und Einleitungen zu den Geschichten) werden die Texte von Luke Daniels, Peter Ganim, Khristine Hvam, Greg Cope White und Fred Berman gesprochen. Dabei musste ich mich an den einen oder anderen Sprecher zwar gewöhnen, wenn eine neue Geschichte anfing, aber insgesamt haben sie alle ihre Arbeit sehr gut gemacht. Auch haben sie meinem Gefühl nach den Humor der verschiedenen Geschichten durch ihre Leistung weiter betont, ohne dass es mir übertrieben vorkam.

Die Spanne der Themen reicht von einem Gespräch mit Pluto, der über seine Herabstufung vom „Planeten“ zum „Zwergplanet“ nicht besonders glücklich ist, über „außerirdische Tiergeschichten“ oder „Verhaltensregeln für Supermarktmitarbeiter beim Kontakt mit außerirdischer Kundschaft“ bis zu den Dingen, die unsere „intelligenten Haushaltsgeräte“ über uns denken. Bei jeder dieser Geschichten ist der Science-Fiction-Anteil unübersehbar und bei jeder habe ich mich sehr über den Einfallsreichtum von John Scalzi gefreut. Ich muss auch gestehen, dass diese Geschichten für mich in die selbe Kategorie fallen wie die Science-Fiction-Anthologiebeiträge, die ich als Teenager gelesen habe und an die ich heute noch Erinnerung habe. Je skurriler und humorvoller, desto länger scheinen SF-Geschichten bei mir hängenzubleiben. Während ich zu den eher gewichtigeren Romanen, die ich zur selben Zeit aus dem Genre gelesen habe, nur noch wenige Wissensfragmente aufrufen kann. Vielleicht liegt es daran, dass humorvolle Geschichten es dem Leser selber überlassen den bitteren Kern hinter den auf den ersten Blick amüsanten Geschehnissen zu entdecken.

Interessant fand ich auch die Einleitungen zu den Geschichten, in denen John Scalzi von der Zeit und der Idee hinter der Handlung erzählt. Ich mag solche kleinen Hintergründe und hier passten sie gut als Übergang zwischen den vielen unterschiedlichen Geschichten. Denn während ich bei einem Buch relativ wenige Probleme damit habe, wenn ich es nach ein paar Seiten wieder aus der Hand lege, so bleibe ich bei einem Hörbuch doch in der Regel länger dabei, und ohne diese Übergänge bestände bei „Miniatures“ eher die Gefahr, dass die verschiedenen Aspekte der Geschichten miteinander verschwimmen und man – trotz der unterhaltsamen Erzählweise und den unterschiedlichsten Grundideen – das Ganze nicht mehr richtig würdigen könnte. Auch so habe ich immer mal wieder eine kleine Pause zwischen den Geschichten eingelegt, wenn ich das Gefühl hatte, es wären zu viele Figuren und Ideen auf einmal, um die sich nun meine Gedanken drehten, damit ich die verschiedenen Handlungen nachklingen zu lassen konnte. Insgesamt habe ich mich gut amüsiert und werde bestimmt irgendwann noch einmal zu diesem Hörbuch greifen und mich von John Scalzis ungewöhnlichen Geschichten unterhalten lassen.

Lee Goldberg: King City (Hörbuch)

Nachdem ich bislang in diesem Jahr keine Hörbücher gehört hatte, habe ich gerade einen richtigen Lauf und bin schon beim vierten Hörbuch in diesem Monat. „King City“ von Lee Goldberg wird nicht jedem Hörer gefallen, denn die Handlung ist unrealistisch, simpel gestrickt und voller amerikanischer Ideale. Wer aber kein Problem mit Geschichten hat, in denen ein guter, aufrechter Polizist gegen eine durch und durch korrupte Stadt antritt, in der sich die Gangster und die Politiker nichts nehmen, der bekommt mit „King City“ ein gut eingelesenes und unterhaltsames Hörbuch. Ich muss gestehen, dass ich mir beim Zuhören immer wieder Clint Eastwood als den Protagonisten Tom Wade vorgestellt habe (und zwar weniger wegen der „Dirty Harry“-Filme als wegen seiner Rolle in „Gran Torino“).

Zu Beginn von „King City“ bekommt man mit, wie der Polizist Tom Wade seine Kollegen wegen Korruption verpfeift und deshalb fast zwei Jahre vom Dienst freigestellt wird. Nachdem der Prozess abgeschlossen ist, gibt es keinen Grund mehr, ihn nicht wieder in den aktiven Dienst zu stellen – doch niemand möchte mit jemandem zusammenarbeiten, der seine eigenen Kollegen an die Justizbehörde meldet. Um Tom Wade auf die eine oder andere Art loszuwerden, bekommt er die neu eingerichtete Polizeistelle in „Darwin Gardens“ (einer Gegend, in der nur die Stärksten überleben) zugeteilt. Gemeinsam mit zwei Kollegen, die gerade erst ihre Ausbildung beendet haben, soll er in dem schlimmsten Viertel der Stadt wieder für Recht und Ordnung sorgen. Dass man mit gerade mal drei Personen keinen Stadtteil abdecken kann, ist dabei sowohl Tom als auch seinen Vorgesetzten bewusst, aber um den viel zu aufrechten Polizisten loszuwerden, ist dem Polizeichef jedes Mittel recht.

Ich gebe zu, ich finde es ab und an sehr erholsam, einer Figur zuzuhören, die voller Ideale und Überzeugungen ist und die zu nicht immer gesetzeskonformen Mitteln greift, um für das Gute zu streiten. Bei „King City“ sind die in der Stadt herrschenden Regeln wirklich extrem. So wird die Südstadt inzwischen nicht mehr auf Stadtplänen ausgewiesen und es gibt auch keine Streifenbeamten oder sonstige Rechtsvertreter, die in diesem Teil der Stadt für Ordnung sorgen. Stattdessen ist es üblich, die Obdachlosen, Verwirrten oder lästige Kriminelle dieser und umliegender Städte in „Darwin Gardens“ abzuladen und darauf zu hoffen, dass sich die mit diesen Personen verbundenen Probleme so von selbst lösen. So kämpft Tom Wade in den ersten Tagen auf seiner neuen Wache vor allem darum, den wenigen alteingesessenen Anwohnern zu zeigen, dass die Polizei wieder präsent ist und von nun an dafür sorgen wird, dass Recht und Ordnung ins Viertel zurückkehren werden. Dass er sich dabei mit dem örtlichen Gangsterboss ebenso wie mit seinen Vorgesetzten anlegt, versteht sich dabei von selbst.

Für etwas Auflockerung in dieser Geschichte sorgt das Verhältnis von Tom Wade zu seinen beiden jungen Kollegen. Der häufig naiv wirkende Billy nimmt anscheinend alles auf die leichte Schulter und findet es eher cool, wenn die Gefahr besteht, dass er angeschossen wird. Die deutlich ernsthaftere Charlotte hingegen ist anfangs überaus empört darüber, dass man sie in diesen Stadtteil abgeschoben hat, obwohl sie die besten Noten auf der Polizeischule hatte. Vor allem ist sie wütend darüber, da ihr nur zu bewusst ist, dass sie diesen Posten der Tatsache zu verdanken hat, dass sie sowohl farbig als auch eine Frau ist. Für sie sind Tom Wades Regelbrüche – selbst wenn sie nachvollziehen kann, warum er sie begeht – nur schwer erträglich. Auf der anderen Seite ist sie gewillt, gegen all die Ungerechtigkeiten, die sie Tag für Tag in „Darwin Gardens“ sieht, vorzugehen. Ich mochte das Verhältnis dieser drei Figuren zueinander und die unterschiedlichen Sichtweisen dieser Charaktere auf die diversen Vorfälle.

Gesprochen wird das Hörbuch von Klaus-Dieter Klebsch, dessen dunkle raue Stimme gut zur Atmosphäre in „King City“ passt. Seine ruhige Erzählweise betont die lakonische Art von Tom Wade, es gelingt dem Sprecher aber auch, den ausführlichen Gedanken, die sich der Protagonist zum Verfall von „Darwin Gardens“ oder zu den Verhaltensweisen der verschiedenen Personen macht, gerecht zu werden. Obwohl es mit einer so tiefen Stimme für einen Sprecher eher schwierig ist, eine Frau darzustellen, hatte ich nie das Gefühl, dass das leichte Anheben der Stimme, das Klaus-Dieter Klebsch in diesen Passagen verwendete, gekünstelt oder unangenehm klingen würde. Insgesamt habe ich mich mit „King City“ wirklich gut unterhalten gefühlt und wenn ich mal wieder Lust auf diese spezielle Art von Geschichte habe, werde ich schauen, ob ich weitere Hörbücher von Lee Goldberg (und mit etwas Glück gesprochen von Klaus-Dieter Klebsch) finde.

John Scalzi: The Dispatcher (Hörbuch)

„The Dispatcher“ von John Scalzi ist eine Geschichte, die von dem Autor direkt als Hörbuch konzipiert wurde und die im ersten Veröffentlichungsmonat kostenlos bei Audible heruntergeladen werden konnte. Besorgt hatte ich mir das Hörbuch zum Veröffentlichungstermin im Oktober letzten Jahres, aber da ich in den vergangenen Monaten nicht in der Stimmung für Hörbücher war, hat es bis zum vergangenen Freitag gedauert bis ich die kurze Geschichte endlich angefangen habe. Mit 2 Stunden und 18 Minuten ist „The Dispatcher“ perfekt für einen Nachmittag, an dem man in der Stimmung für eine Handlung ist, die mich stark an eine „hardboiled detective novel“ erinnerte, obwohl sie eigentlich – vom Erzählton abgesehen – keine Merkmale dieses Genres aufweist.

Die Geschichte spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Menschen nur noch sterben, wenn sie durch einen natürlich Tod oder Selbstmord getötet werden. Jeder Person, die Opfer eines Mordes wird, wacht kurze Zeit später unbekleidet in ihrer Wohnung auf. Nachdem die Menschen sich sicher waren, dass diese unerwarteten Überlebenden keine Einzelfälle waren, wurden sogenannte „Dispatcher“ ausgebildet, um unter anderem in Krankenhäusern Dienst als professioneller Mörder zu tun. Denn stirbt eine Person während einer OP, so bleibt sie tot, wird sie aber kurz vor ihrem absehbaren Ableben ermordet, dann bekommt sie eine weitere Chance auf eine erfolgreiche medizinische Behandlung. Wirklich beliebt sind die Dispatcher nicht und neben den vorhersehbaren Vorurteilen gibt es weitere Schattenseiten seines Berufs, wie der Protagonist Tony Valdez schnell herausfindet, nachdem ein Kollege von ihm spurlos verschwindet.

Ich fand die Welt, die John Scalzi für diese Geschichte geschaffen hat, sehr spannend, und ebenso faszinierend waren all die Konsequenzen, die sich aus einer Welt ergeben, in der Mordopfer nicht mehr sterben. Und obwohl die Menschen schon seit über acht Jahren mit der wundersamen Tatsache leben, dass Mordopfer nicht sterben, gibt es sehr viele Fragen rund um dieses Phänomen, die noch lange nicht geklärt sind. Dabei bemerkt man vor allem in den Dialogen zwischen Tony und seiner Begleiterin, welche theologischen, ethischen und philosophischen Aspekte die Menschen dank dieser Ereignisse beschäftigen. Doch noch mehr als diese fantastische Grundidee mochte ich den Ton in „The Dispatcher“. Tony gerät gegen seinen Willen in die Ermittlungen rund um das Verschwinden seines Kollegen, und je mehr die Handlung voranschreitet, desto mehr erinnerte mich seine stoische Art, mit den Ereignissen umzugehen, an einen Erzählton, den ich so sonst vor allem aus amerikanischen Detektivgeschichten der 1930er und -40er Jahren kenne und den ich sehr mag.

Gelesen wird das Hörbuch von Zachary Quinto, dessen leicht raue Stimme wunderbar zu der Geschichte passt. Ich muss gestehen, dass ich den Schauspieler bislang in keinem einzigen Film gesehen habe, aber ich bin sehr beeindruckt von seiner Leistung als Hörbuchsprecher. Er verleiht den verschiedenen Figuren Charakter und verändert seine Stimme von Person zu Person ganz leicht, so dass man jede Figur sofort wiedererkennt, ohne dabei das Gefühl zu haben, er würde dabei übertreiben oder gar (bei den weiblichen Charakteren) lächerlich klingen. Allerdings musste ich mich anfangs ein wenig an seine Aussprache gewöhnen, aber das geht mir bei englischen Hörbüchern eigentlich immer so, so dass ich das nicht dem Sprecher ankreiden möchte. Ich muss gestehen, dass mir Zachary Quintos Leistung bei diesem Hörbuch so gut gefallen hat, dass er mein „amerikanischer David Nathan“ werden könnte, wenn ich mehr Hörbücher von ihm in die Finger bekommen könnte. Leider gibt es bei Audible nur einen weiteren Titel, der von ihm eingelesen wurde – und der interessiert mich so gar nicht.

Iris Grädler: Am Ende des Schmerzes (Hörbuch)

„Am Ende des Schmerzes“ von Iris Grädler ist die Fortsetzung von „Meer des Schweigens“, wobei man die Titel unabhängig voneinander hören bzw. lesen kann. Die Autorin setzt auch bei dieser Geschichte auf drei Handlungsstränge, die lange Zeit unabhängig voneinander laufen und bei denen man sich als Hörer lange fragt, wie sie zusammengehören. Die Handlung beginnt damit, dass Collin Brown zu einem Autounfall gerufen wird, bei dem ein LKW-Fahrer mit seinem Fahrzeug ein verlassenes Pförtnerhaus gerammt hat. Als die Aufräumarbeiten beginnen, wird das Skelett eines Babys in dem alten Gebäude gefunden. Nun muss Collin ermitteln, wer früher an diesem Ort gelebt hat und welche Personen als mögliche Eltern für das getötete Kind in Frage kommen, und auch seine (ehemalige) Mitarbeiterin Sandra bekommt es an ihrem neuen Arbeitsplatz mit – auf den ersten Blick geringfügigen – Fällen zu tun, die irgendwie mit der ganzen Geschichte verwoben sind.

Parallel dazu kann man die Geschichte von Jill mitverfolgen, die früher eine erfolgreiche Turnierreiterin war, bis sie bei einem Vielseitigkeitswettbewerb mit ihrem Pferd stürzte und sich schwer verletzte. Seit diesem Sturz hat sie gemeinsam mit ihrem Vater einen Hof betrieben. Doch nachdem ihr Vater einen Schlaganfall hatte und ihre Schwester nun als Alleinbevollmächtigte über den Hof regiert, muss Jill zusehen, wie Claire all das verkauft, was Jill wichtig ist.  Der dritte – und kleinere – Handlungsstrang dreht sich um Evelyn, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit den Vorgängen in England zu tun hat. Die Deutsche lebt – mehr oder weniger – zufrieden mit ihrem älteren (und sehr wohlhabenden) Mann zusammen und scheint einzig für das Sammeln von kostbaren Puppen so etwas wie Leidenschaft zu entwickeln.

Auch bei „Am Ende des Schmerzes“ konzentriert sich Iris Grädler wieder auf eine ausführliche und unaufgeregte Darstellung der Charaktere, wobei die Autorin nur sehr langsam enthüllt, warum welche Figur sich wie entwickelt hat und welche Entscheidungen das Leben dieser Personen geprägt hat. Dabei wird aber von Anfang an deutlich, dass weder Jills, noch Evelyns Vergangenheit besonders harmonisch verlaufen ist – und für Jill bietet auch die Gegenwart wenig erfreuliches. Einzig ihre Liebe zu ihrem Turnierpferd Diamond bringt sie durch einen beschwerlichen Alltag, aber auch dieses Tier wird von ihrer Schwester zum Verkauf angeboten.

Ich muss gestehen, dass das große Geheimnis hinter all den Ereignissen recht offensichtlich war – vor allem, da schon Jills Persönlichkeit viel verraten hat -, aber das hat mich nicht daran gehindert gespannt den verschiedenen Entwicklungen zu lauschen. Mir geht es bei diesen Geschichten weniger darum mitzuermitteln, als um die Art und Weise wie man mehr über die Charaktere erfährt und wie all die Details am Ende ineinandergreifen. Auch finde ich es spannend, die verschiedenen Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen. Allerdings muss ich zugeben, dass es für mich bei den Collin-Brown-Hörbüchern schwierig ist, wenn ich längere Pausen mache, weil ich durch die regelmäßigen Perspektivwechsel und die vielen Charaktere erst wieder darauf kommen muss, welche Figur jetzt in welchem Zusammenhang mit welchen Ereignissen steht. Bei einem Roman würde mir das leichter fallen, weil ich mal eben ein paar Seiten zurückblättern und querlesen könnte.

Was Gabriele Blum angeht, so mag ich ihre Art die Krimis von Iris Grädler zu lesen. Die präsentiert die Geschichte ruhig und unaufgeregt und passt sich der gemächlichen Erzählweise der Autorin an. Bei mir sorgt das dafür, dass mich manche Passagen gerade deshalb tief berühren, weil mir niemand vorgibt, wie ich dabei zu fühlen habe. Außerdem fand ich es angenehm, dass die Sprecherin jeder Figur – und es kommen nicht so wenige vor – einen eigenen Ton verliehen hat, ohne dabei in übertriebene Extreme zu gehen.

Iris Grädler: Meer des Schweigens (Hörbuch)

In den letzten Monaten hatte ich ein paar Entscheidungsprobleme, wenn es um die Wahl neuer Hörbücher ging. Am Ende habe ich mich wegen Gabriele Blum, die ich in der Regel als Sprecherin mag, entschlossen, einen Versuch mit dem ersten Teil der Collin-Brown-Krimis, „Meer des Schweigens“, von Iris Grädler zu wagen. Ich muss zugeben, es war nicht die beste Wahl für ein „Gartenhörbuch“, denn wenn ich mal ein oder zwei Tage nicht in den Garten kam, hatte ich anfangs beim Weiterhören doch erstaunlich große Probleme mich wieder an all die Figuren zu erinnern. Dabei fand ich die Charaktere und ihre jeweiligen Handlungsstränge nicht uninteressant. Es waren nur so viele Personen und es gab zwischen den drei verschiedenen Gruppen so wenig Anknüpfungspunkte, dass ich mich häufig etwas verloren fühlte, wenn schon wieder der Name eine Nebenfigur fiel, die ich nicht auf der Stelle zuordnen konnte. Hätte ich die Geschichte als Roman gelesen, hätte ich gewiss weniger Probleme gehabt, weil ich 1. schneller lese als höre und 2. die Möglichkeit gehabt hätte kurz zurückzublättern, um meine Erinnerung aufzufrischen.

Der Haupthandlungsstrang dreht sich um den Polizisten Collin Brown, der seit ein paar Jahren in Cornwall lebt und arbeitet. Er hatte seiner Heimat Southampton den Rücken gekehrt, weil er nicht mehr jeden Tag mit den Gräueltaten leben konnte, die er in seinem Beruf zu sehen bekam. In Cornwall ist sein Dienst deutlich entspannter und er kann mehr Zeit mit seiner Frau und den drei Kindern verbringen. Gestört wird Collins Ruhe als erst ein toter Hund und wenig später ein toter Mann an die Küste geschwemmt werden. Beide wurden erst vergiftet und dann verstümmelt, was nahelegt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Opfern gibt.

Parallel zu Collins Ermittlungen kann man die Geschichte von Elisabeth verfolgen, die zur Beerdigung ihres Bruders zurück nach England gekommen ist. Elisabeth hat vor vielen Jahren den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, ist nach Australien ausgewandert und hat seitdem keinen Menschen aus der alten Heimat gesprochen. Ihre Rückkehr ist ihr sehr schwer gefallen, aber sie hofft, dass ihr Bruder ihr vielleicht ein Erbe hinterlassen hat, dass ihr helfen könnte, ihren kranken Sohn besser zu versorgen. Auch bei Su dreht sich fast alles um ihr Kind. Sie arbeitet als Putzfrau, um für sich und ihre Tochter aufzukommen, schwärmt heimlich für ihren Vermieter und bis eine neue Frau ins Leben dieses Herren tritt, scheint ihr Leben endlich eine Wendung zum Positiven genommen zu haben.

Alle drei Handlungsstränge werden sehr ruhig, atmosphärisch und ausführlich erzählt, was dazu führt, dass man die verschiedenen Figuren sehr gut kennenlernt und sich bei jeder (in der Regel eigentlich sehr harmlosen) Szene fragt, wie das Ganze mit den Morden zusammenhängt. Ich hatte nicht das Gefühl, ich könnte groß mitraten, dafür wird man als Hörer zu sehr im Dunklen gelassen, aber es hat Spaß gemacht jeden Dialog, jede Aussage nachklingen zu lassen, mit der Frage, ob da nun ein Hinweis auf eine Verbindung zum Mord versteckt sein könnte oder nicht. Und am Ende kommt man als Hörer doch deutlich früher auf die Lösung des Ganzen, wobei ich zugeben muss, dass der Collin sich eher bewusst weigert die Lösung zu akzeptieren, bevor er nicht mehr Beweise als sein Bauchgefühl dafür hat.

Auch fand ich es angenehm, dass Collin ein sehr entspanntes Familienleben hat. Seine Frau unterstützt ihn, seine Kinder haben keine gravierenden Probleme, wenn man davon absieht, dass seine Tochter adoptiert ist und mit ihrem afrikanischen Aussehen in der Region sehr auffällig ist. Collins Mitarbeiter sind stellenweise herausfordernd, aber auch das fand ich relativ stimmig, da sie eher darin geübt zu sein scheinen Verkehrssünder anzuhalten als an einer Mordermittlung beteiligt zu sein. Außerdem gibt es in jedem Job Personen, denen der pünktliche Feierabend und das freie Wochenende mehr wert sind als ein Beruf, in dem die Arbeitszeiten situationsbedingt schon mal länger sein müssten. Dabei hat Iris Grädler schön dargestellt, dass eine so ernsthafte Ermittlung das Arbeiten in der kleinen Polizeigruppe deutlich verändert und keine Person unberührt aus dem Fall herausgeht. Am Ende fügen sich alle Handlungsstränge zu einem zufriedenstellenden Ende zusammen. Zwar wird nicht jede Frage beantwortet, aber dass ist ja auch nur zu erwarten, wenn die einzigen Personen, die vollkommene Aufklärung geben könnten, schon verstorben sind.

Ich mochte vor allem die ruhige und ausführliche Erzählweise und dass die verschiedenen Beteiligten (vor allem die Polizisten) so angenehm „normal“ waren. Keiner war perfekt, alle hatten ihren (zum Teil auch lästigen) Macken, aber sie fühlten sich beim Hören an, als ob man schon einmal mit ähnlichen Personen zusammengearbeitet hätte. Dazu beschäftigt einen die ganze Zeit die Frage, wie die beiden anderen Handlungsstränge mit dem Mord zusammenhängen und wann die Ermittler eine entscheidende Entdeckung machen, die sie endlich in die richtige Richtung führt. Schön fand ich es auch, dass es sich aufgrund der relativ überschaubaren Bevölkerung an der Küste von Cornwall nicht unnatürlich anfühlte, wenn Collin und seine Truppe über eine Belanglosigkeit stolperten, die am Ende doch irgendwie weiterhalf,

Gabriele Blum hat ihre Sache wieder sehr gut gemacht. Ich mag sie als Sprecherin und fand, dass sie die verschiedenen Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten sehr stimmig dargestellt hat. Es gibt Rezensionen, in denen kritisiert wird, dass sie schnieft und hustet, aber genau das machen die Figuren nun einmal in bestimmten Situationen, wie man den Gedanken des jeweiligen Erzählers entnehmen kann, und das kann und will ich der Sprecherin nicht anlasten. Schon gar nicht, wenn ich nicht kontrollieren kann, ob das nicht genauso von Iris Grädler in ihrem Roman geschrieben wurde. Insgesamt haben mir die Geschichte, die Erzählweise und die Sprecherin so gut gefallen, dass ich mir auch noch die Fortsetzung besorgt habe.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax, Innocent Tourist (Hörbuch)

Nachdem ich im März mein letztes „Mrs. Pollifax“-Hörbuch gehört habe, wird es Zeit endlich etwas darüber zu schreiben und sei es nur, damit ich alle erhältlichen Hörbücher der Reihe auf meinem Blog besprochen habe. 😉 Bis zur Mitte der Geschichte von „Mrs. Pollifax, Innocent Tourist“ von Dorothy Gilman war ich fest überzeugt, ich würde diesen Teil noch nicht kennen – und dann tauchte ein junges Mädchen mit weißen Cowboystiefeln auf, an das ich mich überraschenderweise vage erinnern konnte. Ich weiß nicht, wann ich das Buch gelesen habe, aber ich muss es vor vielen Jahren irgendwo ausgeliehen haben, denn ich habe es nicht in meinem Besitz. Es fühlte sich aber beim Hören an, als ob ich eine ganz neue Geschichte entdecken würde, denn es gab nur wenige Momente, die mir vertraut vorkamen.

In „Mrs. Pollifax, Innocent Tourist“ bittet John Sebastian Farrell Mrs. Pollifax ihn bei einer Reise nach Jordanien zu begleiten. Es ist kein Auftrag für die CIA, die ganze Angelegenheit ist nicht mal gefährlich, es geht nur darum an einem vereinbarten Treffpunkt das letzte Manuskript eines in irakischer Gefangenschaft verstorbenen Schriftstellers in Empfang zu nehmen und in die USA zu bringen. Dass Farrell Mrs. Pollifax dabei haben möchte. hängt vor allem damit zusammen, dass ein alleinreisender Amerikaner definitiv mehr Aufmerksamkeit erregt als jemand, der gemeinsam mit einer harmlos aussehenden und sympathischen älteren Dame unterwegs ist.

Doch natürlich wäre das Ganze keine „Mrs. Pollifax“-Geschichte, wenn es so einfach laufen würde wie geplant. Schon auf dem Flug nach Jordanien macht Emily Pollifax die Bekanntschaft eines etwas ausdringlichen Herren, der ihr unbedingt ein Reisesouvenir verkaufen will. Im Hotel in Amman angekommen, muss Mrs. Pollifax feststellen, dass der unangenehme Sitznachbar ihr das betreffende Stück heimlich ins Handgepäck geschmuggelt hat – und kurz darauf wird ihr Hotelzimmer von Unbekannten durchsucht. Auch mit Farrells Vorhaben läuft nicht alles glatt. Vormittag für Vormittag wartet der ehemalige CIA-Agent auf seinen Kontaktmann in der alten Kreuzritterburg von Kerak. Doch obwohl regelmäßig Besucher die Sehenswürdigkeit besichtigen, kommt niemand auf ihn zu.

Auch wenn mir Dorothy Gilmans Art eine Geschichte aufzubauen inzwischen sehr vertraut ist, finde ich es immer wieder schön, wenn aus Emily Pollifax kleinen harmlosen Auftragen eine viel größere Angelegenheit wird, die die Profis – sowohl bei der CIA, als auch im jeweiligen Land – an ihre Grenzen bringt. Gerade Mrs. Pollifax‘ Unprofessionalität und ihre Neigung spontan Freundschaften zu schließen, bringen immer wieder erfrischende Wendungen in die Handlung. So kann man hier ganz wunderbar verfolgen, wie die beiden Amerikaner ihren jungen Reiseführer Youssef und seine Familie immer besser kennenlernen und – trotz ihres seltsamen Verhaltens – im Laufe der Zeit sein Vertrauen gewinnen.

Ich mag es auch immer wieder, wie Dorothy Gilman den Nahen Osten beschreibt, wie hingerissen Mrs. Pollifax von der Wüste ist, wie stolz die alte Dame ist, dass sie mit den Beduinen im Schneidersitz sitzen kann und wie tief sie ein Sonnenaufgang über dieser kargen Landschaft bewegt. Diese Momente bereiten mir mindestens ebenso viel Freude wie all die humorvollen kleinen Szenen, in denen die „Bösen“ in der Geschichte zum Beispiel entdecken müssen, dass die harmlose alte Touristin, die sie sich für ihre Schandtaten ausgesucht haben, eine große Herausforderung bietet als erwartet.

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis ich alle „Mrs. Pollifax“-Hörbücher gehört hatte und ich habe sehr viele schöne Stunden mit dieser ganz besonderen Agentin verbracht. Es ist sehr schade, dass ich nun kein weiteres Hörbuch mehr für mich entdecken kann, aber ich bin mir sicher, dass ich noch sehr oft Zeit mit Mrs. Pollifax verbringen werden. Diese Figur ist mir schon vor so vielen Jahren ans Herz gewachsen und die Sprecherin Barbara Rosenblat erweckt sie – und all die anderen Charaktere in den verschiedenen Geschichten – so wunderbar zum Leben, dass mich schon jetzt auf den Tag freue, an dem ich Mrs. Pollifax wiederbegegne, während sie an der Kante ihres Flachdachs steht und eine gravierende Entscheidung für ihr Leben trifft

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Lion Killer (Hörbuch)

Ich weiß gar nicht mehr, was im letzten Jahr passiert ist, dass ich im November dieses Hörbuch nach vier Kapiteln abgebrochen habe. Aber ich hatte grundsätzlich in den vergangenen Monaten relativ wenig Lust ein Hörbuch zu hören. Erst an diesem Montag habe ich wieder zum Player gegriffen und mich mit Mrs. Pollifax in das fiktive afrikanische Land Ubangiba begeben. In „Mrs. Pollifax Pursued“ hatte Mrs. Pollifax gemeinsam mit ihrer überraschenden neuen Bekanntschaft Kady Hopkirk dafür gesorgt, dass Kadys Jugendfreund Sammat als Enkel des ehemaligen Königs von Ubangiba anerkannt wird.

In den zehn Monaten, die seitdem vergangen sind, war Sammat damit beschäftigt das Land, das nach dem Tod seines Großvaters von zwei Diktatoren beherrscht wurde, wieder aufzubauen. Nun soll in wenigen Tagen die Krönung des jungen Mannes stattfinden, der hofft, dass er als König in der Position sei, in seinem Heimatland ein modernes demokratisches System aufzubauen. Doch auf einmal kommen Gerüchte auf, dass Sammat ein Zauberer sei, dessen Einfluss für den Tod mehrere Personen verantwortlich sein soll, die von einem „Löwen“ niedergestreckt wurden. Und so fliegen Emily Pollifax und Kady nach Afrika, um Sammat zu unterstützen und herauszufinden, wer hinter den Todesfällen steckt – und vermutlich mit seinen Taten Sammats Krönung verhindern will.

Für Emily Pollifax und ihren Mann Cyrus ist Kady in den vergangenen Monaten zu einem Familienmitglied geworden. So steht es für die beiden auch sofort fest, dass Emily mit Kady zusammen reisen muss, obwohl sie sich um Cyrus sorgt, der sich nachdem er auf Glatteis ausgerutscht ist, nicht selbst versorgen kann. Dass Emily mit ihren Gedanken bei Cyrus ist und sich relativ wiederwillig auf die Reise macht, ist recht ungewöhnlich für sie. Auch macht sie sich Gedanken um Kady und Sammat und ist erschüttert von den Ereignissen in Ubangiba. So fehlt Mrs. Pollifax anfangs diese Neugier und diese Abenteuerlust, die sie sonst so ausgemacht haben, auch wenn es den einen oder anderen netten Moment gibt, in denen sie die einheimischen Händler mit ihrem Verhalten und ihren Wünschen irritiert.

Trotzdem hat mir die Geschichte am Ende wieder gut gefallen, auch wenn Emily Pollifax in diesem Hörbuch nicht ganz so aktiv und energisch war wie gewohnt. Denn obwohl sie sich oft hilflos fühlt, gibt sie natürlich nicht auf. Sie hilft, wo sie nur kann. Sie macht sich Gedanken um all die Menschen, die sie während ihres Aufenthalts in Ubangiba kennenlernt, und sie geht in der Regel ohne Vorurteile und dafür voller Neugier auf diese ihr fremde Kultur zu. Und trotz der relativ schrecklichen Ereignisse gibt es immer wieder amüsante Szenen, wie zum Beispiel Emilys Versuch eine Waffe bei einem Schwarzmarkthändler zu kaufen. So bekommt mich Dorothy Gilman jedes Mal wieder gepackt – wobei mich auch Barbara Rosenblats Lesung wieder überzeugen konnte – und ich freu mich schon auf das nächste (und leider letzte) Hörbuch mit Mrs. Pollifax.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax Pursued (Hörbuch)

„Mrs. Pollifax Pursued“ von Dorothy Gilman ist die elfte Geschichte rund um Mrs. Pollifax und der erste Titel, der für mich noch unbekannt war. Dabei ist die Ausgangssituation schon einmal sehr reizvoll, da Mrs. Pollifax dieses Mal nicht im Auftrag des CIA unterwegs ist, um einen eigentlich ganz harmlosen Job auszuführen, sondern es mit einem Eindringling in ihrem Haus zu tun bekommt. Genauer gesagt ist es die neunzehnjährige Kady, die sich zwei Tage lang unbemerkt von Emily Pollifax in ihrem Haus versteckt, weil sie von zwei unheimlichen Männern in einem weißen Lieferwagen verfolgt wird.

Der Lieferwagen war auch schon Mrs. Pollifax aufgefallen, die sich wunderte, dass dieses Fahrzeug (mit dem unübersehbaren Rechtschreibfehler in der Beschriftung) so häufig durch ihre ansonsten so ruhige Wohnsiedlung fährt. Kurz darauf befindet sich Emily gemeinsam mit Kady auf der Flucht und muss ihre Verbindungen zur CIA spielen lassen, um eine sichere Zuflucht für sich und die junge Frau zu finden. So landen die beiden bei einem Jahrmarkt – und mitten in den Ermittlungen rund um einen missglückten Mordanschlag.

Es hat sich etwas seltsam angefühlt eine Mrs.-Pollifax-Geschichte zu hören, bei der Emily Pollifax nicht im Auftrag der CIA aktiv wird, sondern durch einen ungewöhnlichen Zufall in eine seltsame Angelegenheit verwickelt wird. Für den Zuhörer steht natürlich von Anfang an fest, dass es eine Verbindung zwischen den diversen Ereignissen gibt, aber das macht es nur umso amüsanter, wenn man verfolgt wie Mrs. Pollifax auf der einen Seite und Mr. Carstairs von der CIA auf der anderen Seite herauszufinden versuchen, was gerade eigentlich los ist. Dabei fand ich es auch schön, dass Mr. Carstairs dieses Mal eine etwas größere Rolle in der Geschichte spielte.

Auch war es ungewöhnlich, dass Emily Pollifax dieses Mal keine fremde Kultur kennenlernt, was sonst für mich immer einen großen Reiz bei den Geschichten ausgemacht hat, sondern sich „nur“ mit der ihr fremden Jahrmarktsgesellschaft aufeinandersetzen muss. Doch auch beim Aufeinandertreffen mit den Schaustellern sorgen Emilys Neugier und ihre Unvoreingenommenheit dafür, dass sie schnell ein Gefühl für das Leben auf dem Jahrmarkt bekommt. Ich muss gestehen, dass der Fall dieses Mal für mich eine besonders kleine Rolle gespielt hat, dafür habe ich es genossen wie Emily Pollifax und ihre neue Freundin Kady den Jahrmarkt erkundeten. Besonders Emilys Freude über Kadys neuen Job und ihre Art über all ihre Erlebnisse zu reden, wenn sie wieder einmal Kontakt mit Carstairs und seinem Assistenten Bishop hatte, fand ich wunderbar unterhaltsam.

Eine Mrs.-Pollifax-Geschichte ist für mich immer wie eine Heimkehr in ein gemütliches und heiteres Zuhause. Ich mag die Figuren, ich mag die Erzählweise und ich mag den Humor in den Geschichten und so habe ich „Mrs Pllifax Pursued“ wieder sehr genossen, auch wenn ich zugeben muss, dass es nicht gerade der beste Teil der Serie ist. Ich freue mich darüber, dass der nächste Teil anscheinend die direkte Fortsetzung dieses Hörbuchs ist und dass ich so eine Menge sympathischer Charaktere wiedertreffen werde – und das dann sogar in Afrika!

Noch ein kurzes Wort zur Sprecherin: Dass Barbara Rosenblat ihr Geschäft versteht, sollte ich in all den Rezensionen eigentlich schon genügend erwähnt haben. Auch dieses Mal mochte ich ihre Art die Handlung zu lesen sehr, obwohl mir auch nach einer etwas längeren Hörpause wieder aufgefallen ist, dass bestimmte Typen bei ihr immer sehr ähnlich klingen. Aber es ist eben nicht ganz einfach den unterschiedlichen Akzenten gerecht zu werden, wenn eine Autorin so viele verschiedene kulturelle Hintergründe für ihre Figuren verwendet. 😉