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Jane Austen: Emma (Hörbuch)

Ich weiß, dass es mehrere Leser meines Blogs gibt, die „Emma“ von Jane Austen sehr mögen. Bei mir hingegen hat Jane Austen ihr Ziel erreicht, eine Figur zu schaffen, die nur die Autorin mögen kann. Dabei kann ich die Erzählweise, die Grundidee und viele kleine Szenen und Dialoge wirklich würdigen, ich habe aber ein so großes Problem mit der Protagonistin, dass ich mich jedes Mal wieder zwingen muss, die Geschichte überhaupt anzufangen – und mich bis zu einem Punkt durchzuarbeiten, an dem ich Emma erträglich finde.

Vielleicht weil Emma in dieser Geschichte so sehr im Mittelpunkt steht und deshalb in meiner Wahrnehmung die vernünftigeren Figuren so wenig präsent sind und mir keine ausreichende Ruhepause vor Emma bieten können. Da hilft es auch nicht, dass ich weiß, dass sie sich weiterentwickelt und einsichtiger wird. Trotzdem habe ich, als mir vor ein paar Wochen bewusst wurde, dass ich gerade riesige Entscheidungsprobleme habe und mich nicht auf ein neues Hörbuch festlegen konnte, zu „Emma“ gegriffen, in der Hoffnung, dass Eva Mattes Vortrag mir über die für mich schwierigen Teile der Geschichte hinweghelfen kann.

Eva Mattes hat ihre Arbeit wie gewohnt gut gemacht. Sie hat die verschiedenen Charaktere wunderbar gelesen und es war ein Vergnügen ihr zuzuhören – trotzdem habe ich Wochen für das Hörbuch benötigt und zwischendurch lieber ohne Unterhaltung etwas gemacht als weiterzuhören. Dabei kann ich es gar nicht mal Emma zum Vorwurf machen, dass sie so von sich überzeugt ist. Ihr Vater, ihre Gouvernante und ihre restliche Umgebung haben sie ihr Leben lang darin bestätigt, dass sie unfehlbar sei. Und als noch die – von ihr eigentlich nur flüchtig angedachte – Verbindung zwischen ihrer Gouvernante Miss Taylor und Mr. Weston zustande kommt, fühlt sie sich in dieser Überzeugung nur noch bestärkt. In den folgenden Monaten versucht Emma weitere Ehen zu stiften und es ist am Ende nicht ihr zu verdanken, dass es für alle Beteiligten gut ausgeht.

Erst ab dem Zeitpunkt, an dem Mrs. Elton und ihr „innerer Reichtum“ auftauchen, kann ich mich mit Emma aussöhnen. Im Vergleich mit dieser Figur wird sie geradezu sympathisch. Denn trotz ihres Selbstbewusstseins, ihres Standesdünkels und ihrer Überzeugung, dass es ihr Recht sei, anderer Menschen Leben zu beeinflussen, ist sie nicht boshaft. Sie ist sogar in der Lage sich selbst gegenüber – wenn sie ihr denn überhaupt bewusst werden – ihre Fehler einzugestehen und daraus (zumindest für kurze Zeit) zu lernen. Trotzdem fällt es mir schwer, ihr ihre Einmischungen zu verzeihen und die Probleme, die sie damit anderen Menschen bereitet. Dabei finde ich schon, dass Emma einige vernünftige Ansichten hat – nur ist sie nicht erwachsen und reif genug, um zu verstehen, dass sie den Personen in ihrer Umgebung keinen Gefallen mit ihren Einmischungen und Beeinflussungen tut.

Komischerweise ist „Emma“ auch der einzige Jane Austen Roman, bei dem sich im Laufe der Zeit meine Sicht auf die Figuren und die Geschichte nicht verändert. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich in meinem Leben schon genügend Menschen kennengelernt habe, die anderen keine eigenen Entscheidungen zugestehen wollten. Bei allen anderen Werken der Autorin finde ich bei jedem neuen Lesen andere Aspekte, die mich faszinieren, oder Personen, die mir dieses Mal näher stehen als beim vorherigen Lesen. „Emma“ hingegen ist jedes Mal wieder eine Herausforderung für mich und – wie ich inzwischen sagen kann – es ist egal, ob ich die Geschichte lese oder höre, es fällt mir schwer mich darauf einzulassen.

Andreas Föhr: Schafkopf (Hörbuch)

„Schafkopf“ ist die zweite Geschichte rund um Kommissar Wallner und Polizeiobermeister Kreuthner von Andreas Föhr und das dritte Hörbuch („Der Prinzessinnenmörder“, „Karwoche“ und „Schwarze Piste“), das ich aus der Reihe höre. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang immer etwas Probleme habe mich zurecht zu finden, weil ich erst einmal wieder Wallners aktuelle Lebensumstände in den richtigen Zusammenhang bringen muss – das ist aber auch der einzige Nachteil, wenn man die Teile in durcheinandergewürfelter Reihenfolge hört. 😉

Zu Beginn der Geschichte findet man Kreuthner in ungewohnter Situation: Er joggt einen Berg hinauf! Natürlich stolpert er kurz darauf über eine Leiche und schon laufen die Untersuchungen mit der gewohnten Mischung aus Kompetenz (auf Seiten Wallners) und bayrischer Individualität (von Kreuthners Seite) an. Wie gewohnt wird die Geschichte auf mehreren Ebenen erzählt. Auf der einen Seite erlebt man die aktuellen Ermittlungen von Wallner und seinem Team – ebenso wie die privaten Szenen zwischen Wallner und seinem Großvater -, auf der anderen Seite gibt es Rückblicke auf Ereignisse, die vor mehreren Jahren passiert sind. Der Großteil dieser Rückblicke dreht sich um das Verschwinden einer jungen Frau vor zwei Jahren. Während ihr Freund die ganze Zeit davon überzeugt war, dass jemand die Kathi entführt hat, denkt ihr Umfeld, dass die Frau davongelaufen ist und sich deshalb nicht mehr gemeldet hat, damit ihr gewalttätiger Freund ihr nicht auf die Spur kommt.

Ich muss gestehen, dieses Mal hat Andreas Föhr mich erwischt und ich bin beim Hören einfach nicht auf die Lösung gekommen. Die vielen involvierten Personen, die alle ihre ganz eigenen Motive für ihre Handlungen haben, die Zeitsprünge und in einem Fall wohl auch der Wunsch, dass diese Person nichts mit der Sache zu tun haben mag, haben dazu geführt, dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wohin die Geschichte führen wird. Auch fand ich Kreuthner dieses Mal weniger peinlich als in den anderen Bänden der Reihe. Natürlich geht er wieder seinen eigenen Weg und dieser führt ihn immer wieder in Bereiche, die nicht ganz in Ordnung sind, aber die größten Schnitzer, die ihm passieren, waren irgendwie nachvollziehbar und haben bei mir deutlich weniger Fremdscham ausgelöst als sonst. (Aber vielleicht erwarte ich auch inzwischen einfach Schlimmeres von dieser Figur. 😉 )

Der Sprecher Michael Schwarzmeier hat seine Sache gewohnt gut gemacht. Seine Frauenstimmen finde ich zwar oft etwas zu fiepsig, aber da das bei zweien der Figuren gut gepasst hat, hat mich das dieses Mal auch nicht ganz so sehr gestört. 😉 Ansonsten ist es schon sehr angenehm wie individuell er die verschiedenen Charaktere anlegt, so dass man selbst bei einer Kartenrunde voller Bayern (inklusive dem dazu gehörigen Dialekt) jederzeit weiß, wer gerade spricht.

Mary Roberts Rinehart: The Swimming Pool (Hörbuch)

Ich verspreche, das hier ist erst einmal die letzte Mary-Roberts-Rinehart-Rezension für die nächsten Wochen. Aber die Autorin macht mir gerade so viel Spaß und die Hörbücher sind so schön lang und füllen so einige Arbeitsstunden aufs angenehmste … „The Swimming Pool“ ist die bislang „jüngste“ Geschichte, die ich von der Autorin gehört habe, denn sie entstand 1952, aber sie fühlt sich nicht moderner an als zum Beispiel „The Great Mistake“.

Erzählerin in „The Swimming Pool“ ist die siebenundzwanzigjährige Kriminalschriftstellerin Lois – wobei ich es amüsant finde, wie Mary Roberts Rinehart durch diese Figur die Romane, in denen nach Hinweisen und Fußspuren gesucht wird, auf die Schippe nimmt. Lois ist die jüngste von insgesamt vier Geschwistern und wohnt mit ihrem deutlich älteren Bruder Philip in dem ehemaligen Sommerhaus der Familie. Ihre älteste Schwester Anne ist mit einem erfolglosen Architekten verheiratet und Mutter von zwei Kindern und auch ihre zweite Schwester (Judith), die bis zu Lois‘ Geburt das Nesthäkchen der Familie war, ist schon vor über zwanzig Jahren aus dem Haus ausgezogen, um einen reichen Geschäftsmann zu ehelichen.

Der Vater der vier Geschwister hat vor über zwanzig Jahren Selbstmord begangen, angeblich weil er bei der großen Wirtschaftskrise das Vermögen der Familie verloren hat, und auch Lois Mutter ist schon vor einiger Zeit gestorben. Mit Mühe und Not gelingt es Lois und Philip das Sommerhaus so weit zu erhalten, dass sie darin leben können, und sogar den Swimming Pool, den die Mutter für die damals siebzehnjährige Judith hatte bauen lassen, konnten sie vor kurzem soweit renovieren, dass er wieder nutzbar ist. Trotzdem ist Judith entsetzt, als sie nach ihrer aufsehnerregenden Scheidung zu ihren Geschwistern ins Sommerhaus zieht. Ihr war all die Jahre nicht bewusst, in welch heruntergekommenen Zustand das Gebäude ist – trotzdem kommt ihr nicht in den Sinn, dass sie Lois und Philip (finanziell) helfen könnte. So werden Judiths Ansprüche an ihre Familie und ihre Umgebung schnell zu einer Belastung für Lois und Philip und einzig die Tatsache, dass sich ihre Schwester anscheinend in großer psychischer Not befindet, sorgt dafür, dass die beiden Judith nicht vor die Tür setzen.

Lois nimmt im Laufe der Geschichte immer wieder Kontakt zu einem Psychiater auf, der Judith schon seit einiger Zeit behandelt. Aber selbst gemeinsam finden sie keinen Grund für die Paranoia, die Angstattacken und die Zusammenbrüche von Judith. Alles, was Lois weiß, ist, dass ihre Schwester bei ihrer Abreise aus Reno (wo die Scheidung stattfand) zusammenbrach und seitdem Todesangst hat. Auch O’Brian, ein ehemaliger Soldat und Polizist, den Lois im Zug von Reno nach Hause kennenlernt, gibt der jungen Frau Rätsel auf. Auf der einen Seite scheint er Judith beschützen zu wollen, auf der anderen Seite kann er Lois nicht erklären, warum ihre Schwester in solcher Angst lebt. Als dann noch eine – der Familie unbekannte – Frau ermordet in ihrem Swimming Pool aufgefunden wird, muss Lois mehr über ihre Familie und die Vergangenheit herausfinden.

Ich finde es spannend, dass Mary Roberts Rinehart bestimmte Muster immer wieder verwendet. Da ist die Familie, die vor der Wirtschaftskrise reich und angesehen war, oder der Vater, der Selbstmord beging (so wie auch Mary Roberts Rineharts Vater sich selber tötete) oder die dominante Mutter, die die gesamte Familie nach ihren Launen tanzen lässt. Und obwohl diese Elemente immer wieder auftauchen, fühlt sich jede Geschichte unterschiedlich an. Mir ist bewusst. dass die Autorin mit diesen Kriminalgeschichten „Massenware“ produziert hat, aber dabei hat sie es geschafft für jedes Buch einen eigenen Ton zu treffen und jede Hauptfigur mit einem ganz eigenen Charakter auszustatten. Wie schon bei den vorhergehenden Geschichten mochte ich auch in „The Swimming Pool“ die Atmosphäre und die Darstellung der Zeit, die vor allem in solchen kleinen Begebenheiten zum Tragen wie bei einem Hauskäufer, der wegen der Atombombe nicht mehr in der Stadt leben will. Diese Details lassen mich, ebenso wie die Sprache und die Dialoge gern darüber hinwegsehen, dass ich in der Regel relativ schnell die Auflösung erahnen kann. Und ich mag es, dass der Fall eben nicht durch Spuren, Hinweise und wissenschaftliche Elemente gelöst wird, sondern durch das Wissen um den Charakter einer Person – und diesen Aspekt beherrscht Mary Roberts Rinehart wirklich.

Gelesen wurde die Geschichte wieder von Laurel Lefkow, die auch schon die Sprecherin bei „The Great Mistake“ war. Auch dieses Mal habe ich ihre Arbeit genossen und ihr gern zugehört. Sie verleiht den verschiedenen Figuren einen ganz eigenen Klang, ohne dabei zu übertreiben, und ich fühle mich sehr wohl mit ihrer Art des Vorlesens. Inzwischen habe ich mir noch ein paar weitere Titel mit ihr auf den Merkzettel gepackt – mal schauen, ob mich einer davon in den nächsten Monaten locken kann.

Mary Roberts Rinehart: The Great Mistake (Hörbuch)

Abgesehen davon, dass ich gerade diese ruhigen amerikanischen Krimis gern mag, haben diese Hörbücher den Vorteil, dass sie mit über elf Stunden relativ lange „halten“ und so deutlich mehr Arbeitsstunden füllen als die meisten anderne Titel auf meinem Wuschzettel. „The Great Mistake“ wurde 1940 von Mary Roberts Rinehart geschrieben und man merkt der Geschichte auch an, dass sie später spielt als „The Album“ oder „The Circular Staircase“. Die Handlung hat eine andere Atmosphäre, wirkt moderner und die Figuren sind weniger traditionsverhaftet und die Frauen wirken großteils deutlich selbstbewusster.

Bislang mag ich es sehr, wie sich die Geschichte der Autorin im Laufe der Zeit verändern, obwohl die grundsätzliche Erzählweise (chronologisch und mit dem jeweiligen Wissen, dass die Erzählerin zu dem Zeitpunkt hatte) gleich bleibt. Protagonistin in „The Great Mistake“ ist die fünfundzwanzigjährige Patricia „Pat“ Abbott. Die junge Frau hat früh ihre Eltern verloren und war dadurch gezwungen ihren Lebensunterhalt als Schreibkraft zu verdienen. Als sie in ihrem Heimatort Beverly (genauer gesagt auf dem „Hill“, während sie selber als Mitglied einer alteingesessenen Familie aus dem Valley stammt) einen Job als persönliche Sekretärin von Maud Wainwright und ihrem charmanten Sohn Tony ergattern kann, scheint ihr Leben deutlich besser zu werden.

Doch dann wird ein Mann im „Playhouse“ der Wainwrights ermordet, Tonys geldgierige Ehefrau Bessie taucht nach langer Zeit wieder auf und Maud scheint einen großen Schock verarbeiten zu müssen, über den sie mit niemanden reden kann. Pat ist bei den ganzen Ereignissen anfangs vor allem nur als Beobachterin dabei, aber durch ihre Freundschaft zu Maud (und ihre Gefühle für Tony) wird sie – ebenso wie durch ihre Bekanntschaft mit dem Polizeichef von Beverly – immer tiefer in die Sache verwickelt.

So sehr es mich sonst nervt, wenn bei einer solchen Geschichte mit Andeutungen der weiteren Entwicklung („hätte ich gewusst, dass diese vier Ereignisse zusammenhängen“ oder ähnliches) gearbeitet wird, finde ich es hier so gut in die Erzählstimme eingebunden ist, dass es mir Spaß macht und meine Neugier auf die weitere Handlung weiter anfacht. So habe ich mich dieses Mal lange Zeit gefragt, wie der nette kleine Polizist angeschossen wurde, und durfte die Auflösung des Mordes ebenso wie die Protagonist erst einige Zeit nach der Ergreifung des Täters erfahren.

Ich mag es, wie die Autorin in ihrem vertrauten Rahmen immer wieder Abwechslung in die Erzählung bringt, und ich mag die verschiedenen Figuren. Ich stelle mir gern vor wie ihr Leben verläuft und lasse mir Details daraus erzählen und ich finde es spannend, wie die Verbrechen den Alltag der verschiedenen Personen erschüttert. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich bei diesem Hörbuch die verschiedenen Geheimnisse, Motive und die Identität des Mörders relativ schnell durchschaut hatte. So hat mich „The Great Mistake“ weniger miträtseln lassen (auch wenn es noch genügend Punkte gab, bei denen mich die genauen Details überrascht haben), als dass ich interessiert verfolgt habe, wie die Ereignisse nach und nach aufgelöst wurden.

Die Sprecherin Laurel Lefkow hat ihre Arbeit sehr gut gemacht. Ich mochte sie sowohl in der Rolle der vernünftige Pat, als auch in der des pragmatischen Polizeichefs Jim oder all den anderen Figuren. Sie hat mir nie das Gefühl gegeben, sie würde übertreiben oder unangemessen betonen. Egal, ob sie Frauen- oder Männerstimmen verkörperte, ich habe ihr die Figur abgenommen – und es hat Spaß gemacht ihr zuzuhören.

Mary Roberts Rinehart: The Album (Hörbuch)

„The Album“ wurde von Mary Roberts Rinehart schon im Jahr 1933 geschrieben – und schon damals galt die von ihr dargestellte Gesellschaft als altmodisches Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Dass ihr Leben nicht so ganz normal ist, ist auch der Protagonistin Louisa Hall in den vergangenen Jahren immer wieder klar geworden. Sie lebt mit ihren 28 Jahren noch immer bei ihrer Mutter und ist ebenso im alltäglichen Trott verfangen wie die anderen vier Familien, die in der kleinen abgeschiedenen Sackgasse leben. Aufgrund der jahrelangen Vertrautheit miteinander, kennt man einander sehr gut und akzeptiert die Eigenheiten der Nachbarn kommentarlos.

Erst als ein Mord im Nachbarhaus geschieht und die Polizei anfängt zu ermitteln, wird Louisa bewusst, wie ungewöhnlich ihr Lebensstil ist und wie seltsam es ist, dass zum Beispiel die eine Nachbarin darauf besteht, dass absolut alles ständig abgeschlossen wird und sie die Schlüssel hütet, oder das Ehepaar in dem anderen Nachbarhaus seit über 20 Jahren nicht mehr miteinander geredet hat. Als dann noch Louisas ehemaliger Verlobter Jim Wellington sich verdächtig macht und ihr bewusst wird, wie wenig sie letztendlich über die Menschen weiß, mit denen sie aufgewachsen ist, versucht sie mehr über ihre Nachbarn herauszufinden.

Es ist sehr lange her, dass ich „Das Album“ gelesen habe und ich mochte sowohl dieses, als auch „Die Wendeltreppe“ von Mary Roberts Rinehart, das Buch, das ich danach gelesen hatte. Leider sind die deutschen Ausgaben nur noch gebraucht zu bekommen und als ich früher danach suchte, musste ich feststellen, dass auch die englischen Ausgaben zum Großteil vergriffen waren – und so habe ich damals nicht mehr Romane von der Autorin lesen können. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich vor kurzem mehrere Hörbücher mit ihren Titeln fand und da mir beim Anhören der Hörprobe die Sprecherin von „The Album“ am Besten gefiel, habe ich da zugegriffen.

Inhaltlich hat mir die Geschichte immer noch so gut gefallen wie beim ersten Lesen. Louisa ist vielleicht naiver als andere Frauen ihres Alters und hat sich jahrelang von ihrer Mutter kleinhalten lassen, aber da ihr Jims Verteidigung wirklich wichtig ist, entwickelt sie bei der Suche nach der Wahrheit (und somit auch dem Mörder) einen überraschenden Dickkopf. So tauscht sie sich immer wieder mit dem Kriminologen Herbert Dean aus, der ebenfalls von Jims Unschuld überzeugt ist, und teilt ihr Wissen über die Gewohnheiten und Hintergründe der Nachbarn mit ihm. Aber auch ihre Nachbarn kommen immer wieder auf Louisa zu, um ihr ihr Herz auszuschütten und ihre Erlebnisse mit einer „neutralen“ Partei zu teilen.

Ich mag es, wie sich die Geschichte entwickelt. Es kommt zu überraschend vielen Todesfällen, es gibt einen Haufen Leute, die theoretisch einen Grund für die verschiedene kriminelle Taten hätten haben können – und doch scheint keiner der Verdächtigen wirklich für all die Verbrechen in Frage zu kommen. Es gibt immer wieder den einen oder anderen Punkt, der darauf hinweist, dass eine Person vielleicht doch – mehr oder weniger – unschuldig ist oder vielleicht gar nicht erst für eine Tat verurteilt werden kann, wenn sie sie denn überhaupt begangen hat. Dabei bleibt man die ganze Zeit in Louisas Perspektive und erfährt erst nach und nach von den verschiedenen (vergangenen und aktuellen) Ereignissen und kann sich so seine Gedanken zu dem Gehörten machen.

Allerdings hat mir die Sprecherin Lucy Scott nicht ganz so gut gefallen. Bei der Hörprobe kam vor allem ihre Stimme als Erzählerin (also Louisa), die im Nachhinein von den Ereignissen berichtet, zu tragen und da fand ich die Stimme angenehm und gut verständlich. Aber an den Stellen, an denen sie Dialoge spricht, hat mich Lucy Scott häufig geärgert. Nicht nur, dass ihre Interpretation stellenweise schlecht verständlich war (gerade wenn es um die Dienstboten geht, verwendet die Autorin immer mal wieder Dialekt), sie hat auch nicht zu den Figuren gepasst. Obwohl Louisa eine eher zurückhaltende Frau ist, habe ich sie im Roman immer als eine Person empfunden, die Haltung bewahrt und die aufgrund ihrer Erziehung und ihrer Umgebung Gefühle für sich behält. Bei Lucy Scott hingegen klingt Louisa in so gut wie jedem Gespräch während der ersten acht von über elf Stunden jämmerlich und kindlich – sie winselt regelrecht, wenn sie über die dramatischen Ereignisse redet, und das ist wirklich unangenehm zu hören. Ich verstehe nicht, warum an diesen Stellen überhaupt die Stimme verstellt werden musste, wenn Louisa doch in Dialogen problemlos genauso hätte klingen können wie als Erzählerin. Zum Glück hielten sich diese Passagen in Grenzen, aber es hat mich trotzdem geärgert.

Patricia Highsmith: Trautes Heim (Hörbuch)

Mit „Trautes Heim“ wurden vom Diogenes Verlag vier Kurzgeschichten von Patrica Highsmith in einem Hörbuch veröffentlicht. Gesprochen werden die Geschichten alle von Franziska Pigulla, die ihre Arbeit insgesamt sehr gut macht. Die Titelgeschichte „Trautes Heim“ handelt von Olivia Amory, die ihrem Mann versprochen hat, dass sie ihrer Ehe noch eine Chance geben will und deshalb ihren Geliebten drei Monate nicht kontaktieren wird. Doch die Trennung scheint ihr so sehr aufs Gemüt zu schlagen, dass sie seitdem zu Unfällen neigt – zumindest gewinnt ihr Mann diesen Eindruck.

„Die Schildkröte“ wird aus der Perspektive des elfjährigen Victors erzählt, dessen recht dominante Mutter als Illustratorin ihr Geld verdient. Sehr glücklich ist der Junge mit seiner Mutter nicht, scheint sie doch vollkommen zu ignorieren, dass er älter wird und nicht mehr wie ein Kleinkind behandelt werden sollte – und sei es nur, damit ihn die gleichaltrigen Nachbarsjungen nicht immer hänseln.

Clive, die Hauptfigur aus „Woodrow Wilsons Krawatte“, würde sich hingegen definitiv nicht hänseln lassen. Der junge Mann verdient sein Geld als Lieferbote für einen Händler, trifft sich abends mit seinen Kumpels in der Kneipe und besucht in seiner Freizeit mit großem Vergnügen die Verbrecherabteilung des örtlichen Wachsfigurenkabinett. Dort findet er auch Inspiration für eine Tat, die ihn eigentlich berühmt machen sollte.

In „Ein seltsamer Selbstmord“ ergibt es sich, dass Dr. Steven McCullough nach langer Zeit Roger Rane wiedersieht. Roger ist der Mann, der vor 15 Jahren Stevens große Liebe geheiratet hatte, nachdem er die Frau anlog und behauptete Steven würde sie betrügen. Dieses Verhalten hat ihm der Arzt bis heute nicht verziehen und so denkt er auf der Fahrt zu Rogers Wohnort darüber nach, wie man wohl vorgehen müsste, um einen Mord zu begehen, bei dem man nicht überführt werden kann.

Jede einzelne dieser vier Geschichten ist wunderbar bitterböse von Patricia Highsmith konzipiert worden und ich habe mich sehr gut mit den verschiedenen Figuren und den jeweiligen Mordfällen unterhalten. Allerdings muss ich auch zugeben – und das ist meinem Gefühl nach der Tatsache geschuldet, dass ich die Kurzgeschichten gehört habe und da nicht ganz so intensiv dabei war wie beim Lesen -, dass ich nach ein paar Tagen schon gut überlegen musste, welche Geschichten bei diesem Hörbuch dabei waren und welche Figuren aus welchen Gründen wie handelten. Dabei sind die jeweiligen Inhalte und Charaktere vollkommen verschieden und eigentlich nicht zu verwechseln.

Auch die Sprecherin unterstreicht die Unterschiedlichkeit der Kurzgeschichten und verleiht jeder der unterschiedlichen Personen einen angenehm individuellen Ton. Einzig bei den Schweizer Polizisten, die in der letzen Geschichte vorkommen, kann mich Franziska Pigulla nicht ganz überzeugen. Der Akzent ist nicht ausgeprägt genug, um die beiden Herren auf Anhieb als Schweizer zu identifizierend, aber doch so weit vorhanden, dass ich ob der seltsamen Betonung und langsamen Sprechweise irritiert war.

Der einzige weitere Punkt, der mich gestört hat, war, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Geschichten zu abrupt waren. So brauchte ich manchmal einen Moment, um zu kapieren, dass die eine Episode zu Ende war und mir gerade schon der Titel der nächsten Geschichte vorgelesen wurde. Da hätte man von Seiten der Produktion ruhig etwas Mut zur Pause beweisen dürfen, um den ansonsten sehr atmosphärisch vorgetragenen Geschichten auch den nötigen Raum zum Ausklingen zugeben. Ach ja, insgesamt hatte das Hörbuch eine Gesamtdauer von 2 Stunden 16, was eine schöne Länge ist, um zwischendurch zur Abwechslung mal eine etwas andere Art Geschichte zu hören.

Lauren Graham: Lieber jetzt als irgendwann (Hörbuch)

Das Hörbuch zu „Lieber jetzt als irgendwann“ habe ich geliehen bekommen und dachte, dass es doch bestimmt ganz nett sei, eine Geschichte zu hören, die von Lauren Graham (die Schauspielerin, die die Lorelei Gilmore bei den „Gilmore Girls“ spielte) geschrieben und von Melanie Pukaß (Lauren Grahams Synchronsprecherin) gesprochen wurde. Irgendwie nett war es auch, aber leider nicht so nett oder gar amüsant, dass ich große Lust hätte die Geschichte weiter zu hören. Diese mangelnde Motivation die Geschichte zu beenden führte dazu, dass sich das Ganze für mich endlos zog. Dabei hätte die Grundidee eine hübsche Basis für ein unterhaltsames Hörbuch bilden können.

Die Hauptfigur Franny (Francis) Banks lebt seit 2,5 Jahren in New York und versucht ihren Traum von einer Karriere als Schauspielerin zu verwirklichen. Dabei hat sie sich einen Zeitraum von drei Jahren gesetzt, denn sie will nicht endlos erfolglos Energie in dieses Ziel stecken, wenn sich vielleicht herausstellt, dass sie nicht geeignet für ihren Traum von der Bühne ist. Wenn alles scheitern sollte, so hat sie es sich vorgenommen, dann würde sie ihren Studienfreund Clark heiraten, wie ihr Vater Englisch unterrichten und als Vorortehefrau glücklich werden. Doch das es nicht darauf hinauslaufen wird, ist dem Hörer eigentlich von Anfang an klar und so verfolgt man sechs Monate lang Frannys Leben.

Sechs Monate, in denen Franny sich verliebt, in denen sie Vorsprechtermine und Schauspielunterricht hat, Erfahrungen bei Werbespotdreharbeiten sammelt, einen Agenten sucht und immer wieder darauf hoffen muss, noch einen Kellnerjob zu ergattern, damit sie die nächste Miete zahlen kann. Zwischen den verschiedenen Episoden gibt es immer wieder größere Pausen, was dazu führte, dass ich mich immer wieder neu orientieren musste, um herauszufinden, was gerade in Frannys Leben aktuell ist. (In der Buchversion scheint das einfacher zu verfolgen zu sein, da es da – laut den diversen Rezensionen – Kalenderseiten gibt, die mit Diätplänen und Terminen gefüllt sind, um die Lücken zu füllen.) Außerdem gibt es häufig zu Beginn eines neuen Abschnitts Anrufbeantworterpassagen, in denen Frannys Vater und diverse Personen, die beruflich mit ihr zu tun haben, Nachrichten hinterlassen.

Eigentlich war das alles ganz nett (irgendwie komme ich von diesem Wort einfach nicht weg), aber es gab so wenig Höhen und Tiefen. Franny hat als kleines Mädchen ihre Mutter verloren und eine besondere Beziehung zu ihrem Vater, aber ich als Hörer bekam nur seine eher informativen Anrufbeantworternachrichten mit. Franny geht zu einem Casting und statt sich auf die Rolle vorzubereiten, unterhält sie sich mit einer Kollegin (und beneidet diese um Figur, Größe und Frisur) – und anstatt das dieses Verhalten nun irgendwelche Folgen für Franny hätte, geht doch noch irgendwie alles gut. Wenn Franny peinliche Fragen stellt, dann finden die Leute sie witzig, wenn sie unvorbereitet ist, dann findet sie ganz aus Versehen doch den richtigen Ton für das Vorsprechen und so geht es immer weiter.

Natürlich fällt sie auch die eine oder andere falsche Entscheidung, aber nichts davon scheint wirklich spürbare Auswirkungen zu haben. Vielleicht liegt es an den Zeitsprüngen zwischen den verschiedenen Kapiteln, vielleicht auch an der Übersetzung, ich kann mir schon vorstellen, dass einige Szenen im Original pointierter rüberkommen (zumindest hoffe ich das!), aber insgesamt plätschert das alles so vor sich hin und mir ist es egal, ob Franny Erfolg hat oder nicht. Abgesehen davon, dass ich mir wünschte, sie würde hier und da die Klappe halten und erst einmal beobachten, was gerade los ist, statt gleich mit einer naiven Frage rauszuplatzen, berührte sie mich so gar nicht.

Auch die Sprecherin konnte mich nicht überzeugen – es ist zwar theoretisch Lauren Grahams deutsche Stimme, aber die Leistung von Melanie Pukaß als Hörbuchsprecherin ist bedauerlicherweise deutlich schlechter als ihre Arbeit als Synchronsprecherin. Es ist, als ob ihr die Bilder gefehlt hätten, um zu wissen, wie sie jetzt reagieren sollte und welche Stimmung sie den verschiedenen Charakteren jetzt verleihen muss. Jeder einzelne Satz war so gleichförmig „lustig-verzweifelt“, dass es auch hier an Höhen und Tiefen fehlte und ich eventuelle Scham oder Verzweiflung oder Freude nicht wirklich wahrnehmen konnte.

Oh, und die Botschaft des Ganzen? „Gib nicht auf und hör auf dein Bauchgefühl!“ – also ne, das habe ich in anderen Geschichten schon so viel besser, überzeugender und amüsanter verpackt gesehen! Ich kann mir zwar vorstellen, dass die Handlung selber gelesen etwas besser funktioniert, aber ich glaube nicht, dass ich Lauren Graham als Autorin nach diesem Hörbuch noch eine Chance geben möchte.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Second Thief (Hörbuch)

Die zehnte Geschichte rund um Mrs. Pollifax führt die engagierte Rentnerin nach Sizilien, da ihr ehemaliger Kollege John Sebastian Farrell einen Hilferuf an die CIA geschickte hat und darum bat, Emily und Cyrus so schnell wie möglich zu ihm zu schicken. Da Cyrus nicht mitkommen kann, besteht er darauf, dass die CIA Emily eine erfahrene Begleitung mitgibt – schließlich hat er in den vergangenen Jahren oft genug mitbekommen, dass scheinbar einfache Aufträge bei seiner Frau schnell zu lebensgefährlichen Herausforderungen werden.

Und wirklich ist es so, dass Mrs. Pollifax und ihre Kollegin Kate Rossiter gleich von drei Parteien verfolgt werden, nachdem sie Kontakt mit Farrell aufgenommen haben. Dieser wiederum kann keine Auskunft darüber geben, wer ihn im Auge behält und warum – er weiß nur, dass er von einem Mann damit beauftragt wurde, einen Safe zu knacken und eine Kunstexpertise zu einem darin befindlichen Gegenstand abzugeben. Doch bevor er noch das gesuchte Schriftstück in den Händen halten konnte, wurde auf ihn geschossen und nun ist er seit zwei Tagen auf der Flucht vor seinen Angreifern.

Dazu kommt, dass Farrell meint, dass er vor ein paar Tagen einen Mann getroffen hat, der zur selben Zeit wie Mrs. Pollifax und er in Sambia war. So recht kann Farrell nicht glauben, dass diese Person sich wirklich in Sizilien befindet und deshalb soll Emily den Mann unter die Lupe nehmen. Doch solche Ermittlungen sind schwierig durchzuführen, wenn man auf Schritt und Tritt verfolgt und angegriffen wird. Zum Glück hat Kate Rossiter eine Tante, die in Sizilien lebt und den dreien Zuflucht gewähren kann.

Mit dieser Geschichte hat Dorothy Gilman wieder einen ganz neuen Ansatz gefunden, um eine „Mrs. Pollifax“-Episode zu erzählen und so ist „Mrs. Pollifax and the Second Thief“ weniger ein Spionageroman als eine Kriminalgeschichte, bei der es diverse Verdächtige gibt und man herausfinden muss, welche Person welches Motiv für welche Handlung hat. Besonders nett ist dabei das Umfeld, in dem die Geschichte spielt, denn Emily und Farrell verlassen überraschend selten das Anwesen von Kates Tante – und auch um die Villa Franca rankt sich das eine oder andere Geheimnis.

Während ich bei anderen Bänden der Reihe Emilys Sicht auf die verschiedenen Länder gern teile, weil diese für mich ebenso fremd sind wie für sie, finde ich es hier stellenweise lustig, wie sie auf manche örtliche Gepflogenheit oder die italienische Sprache reagiert, während ich das Gefühl hatte, dass andere Elemente (gerade bei der Architektur) mir – dank des einen oder anderen Italienurlaubs – sehr vertraut waren. Ein wenig habe ich es vermisst, den Bösewicht richtig kennenzulernen, aber das wird ausgeglichen durch verschiedene Überraschungsmomente und atmosphärische Szenen rund um die Villa Franca. Überhaupt ist Kates Tante Franca eine Erscheinung für sich, die ich immer wieder gern neu kennenlerne – ebenso wie den eigenwilligen Gast im Keller des Gebäudes, über den ich leider so gar nichts schreiben kann, wenn ich nicht die Handlung total spoilern will.

Auch dieses Hörbuch wurde von Barbara Rosenblat gelesen und sie hat ihre Arbeit eigentlich wie immer sehr gut gemacht. Allerdings passt ihre Interpretation der Franca nicht zu meiner Vorstellung von der Frau. Barbara Rosenblats Franca ist zu leise, zu zurückhaltend und zu gemächlich beim Sprechen, während ich sie mir immer als eine energische Dame vorgestellt habe, die kein Wort zu viel von sich gibt und genau weiß, was sie will.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Whirling Dervish (Hörbuch)

Nachdem Mrs. Pollifax sich in den letzten Folgen vor allem im asiatischen Raum rumgetrieben hat, führt sie ihr aktueller Auftrag nach Marokko. In „Mrs. Pollifax and the Whirling Dervish“ soll Emily Pollifax nur als Begleiterin fungieren, da ihr Auftraggeber Mr. Carstairs der Meinung ist, dass der örtlichen Agent Max Janko aussieht, als wäre er zu arrogant, um seine Aufgabe durchzuführen ohne anzustoßen. Und wirklich entpuppt sich Janko als unfreundlicher und anstrengender Begleiter für eine Fahrt quer durch die Wüste.

Während Mrs. Pollifax sich noch mit den Umständen anzufreunden versucht, muss sie sich gleichzeitig Sorgen um ihren Auftrag machen. Denn sie und Janko sollen die Mitglieder eines Informantennetzwerks aufsuchen und sicherstellen, dass keine der sieben Personen durch einen Spitzel ausgetauscht wurden. Dummerweise scheint jemand den beiden auf den Fersen zu sein und die Informanten der Atlas-Gruppe kurz nach ihrer Identifizierung durch Mrs, Pollifax und Max Janko zu ermorden.

So gern ich die asiatischen Bände rund um Mrs. Pollifax mag, so schön finde ich es, dass sie nun wieder in der Wüste unterwegs ist. Trotz der Todesfälle ist diese Geschichte wieder amüsanter als die davor. Mrs. Pollifax ärgert sich über Jankos anmaßendes Verhalten und gibt ihm auf ihre – in der Regel noch überraschend höfliche – Art Kontra. Und dann gibt es wieder diese kleinen Momente, in denen sie es genießt ein fremdes Land kennenzulernen, mit neuen Menschen Kontakt aufzunehmen und eine ihr unbekannte Kultur zu erfahren. Ich mag Emily in der Wüste einfach …

Sehr schön finde ich es auch, dass Emily Pollifax es sich zu Beginn der Geschichte nicht leicht macht, ob sie den Auftrag annimmt, da sie mit der amerikanischen Politik in Marokko nicht zufrieden ist. Letztendlich läuft es für sie darauf hinaus, ob sie Mr. Carstairs vertraut oder nicht, aber glücklich ist sie nicht damit. Oh, und es gibt ein überraschendes Wiedersehen am Ende der Folge, dass mich jedes Mal wieder zum Lächeln bringt, wenn ich daran denke. Dazu kommt wie immer die gute Leistung der Sprecherin Barbara Rosenblat – und schon habe ich ein paar wunderbare Stunden mit diesem Hörbuch verbracht und kann es kaum erwarten, dass der März mir die nächste „Mrs. Pollifax“-Folge bringt.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Golden Triangle (Hörbuch)

Der achte Band rund um die ungewöhnliche Agentin Mrs. Pollifax, „Mrs. Pollifax and the Golden Triangle“ von Dorothy Gilman, spielt in Thailand. Eigentlich wollte Mrs. Pollifax sich zusammen mit ihrem Mann Cyrus nur einen erholsamen und interessanten Urlaub in Thailand gönnen. Doch wenige Stunden vor ihrem Abflug wird sie von Mr. Bishop gebeten, in ihrem Urlaub eine Botschaft entgegen zu nehmen und an die CIA weiter zu leiten. Nur ein kleiner Kurierjob soll es sein, ganz harmlos – und so sagt Emily Pollifax zu, obwohl sie von ihren Erlebnissen in Hong Kong noch angeschlagen ist.

Doch wie es nun einmal ist, wenn Mrs. Pollifax für die CIA einen kleinen Auftrag übernehmen soll: Es läuft anders als erwartet. Am vereinbarten Treffpunkt findet die unternehmungslustige Rentnerin statt des Informanten Ruamsak eine Leiche und während sie sich noch herauszufinden versucht, was vor ihrem Eintreffen geschehen ist, wird Cyrus von zwei Unbekannten entführt. Gemeinsam mit dem Einheimischen Banchoo macht sich Emily Pollifax auf die Suche nach Cyrus. Eine Suche, die sie nicht nur in die Tiefen des thailändischen Dschungels führt, sondern auch zu den Akha und zu einem weisen Mann in einer verlassenen Klosteranlage. Oh, und während Emily und Cyrus in Thailand vermisst werden, muss sich ihr Auftraggeber Mrs. Carstairs damit herumschlagen, dass sein Vorgesetzter verschwunden ist – vermutlich um der Entlarvung krummer Geschäfte zu entgehen.

Dieser „Mrs. Pollifax“-Geschichte ist deutlich ernster und weniger heiter als die vorhergehenden Bänden, was eine schlüssige Folge der Erlebnisse ist, die Mrs. Pollifax in Hong Kong durchgemacht hat. Nach den Misshandlungen musste sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch heilen – und letzteres scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein. Auch hat Emily inzwischen viel zu viel zu verlieren, um dem Tod noch so unerschrocken ins Auge blicken zu können wie während ihres ersten Einsatzes für Mr. Carstairs und seinen Assistenten Bishop. So ist dieser Band vor allem beherrscht von Emilys unendlichen Wanderungen durch den Dschungel, von ihren mühsamen Versuchen die Hoffnung nicht aufzugeben und von ihren ungewöhnlichen Begegnungen inmitten dieser fremden und gefährlichen Welt.

Auch wenn diese Folge der Serie weniger leicht und amüsant ist als die vorhergehenden Teile, so gibt es doch immer wieder wunderbare zwischenmenschliche Momente, die das Ganze auflockern und dafür sorgen, dass man die verschiedenen Figuren schnell ins Herz schließt. Wobei auch Barbara Rosenblat wieder ihren Teil dafür tut, dass die Charaktere so schnell ein unverwechselbares Profil bekommen. Ich mag diese Hörbuchumsetzung der „Mrs. Pollifax“-Romane wirklich gern. 🙂