Schlagwort: Hörbuch

Seanan McGuire: Velveteen vs. The Multiverse (Hörbuch)

Im September hatte ich mit „Velveteen vs. The Junior Super Patriots“ den ersten Teil rund um Velma „Velveteen“ Martinez gehört und sehr genossen. Da Ariana so lieb war und unter den Teilnehmern ihrer Hörbuch-Challenge einen Gewinn verlost hat, startete für mich das Jahr gleich mit meinem gewonnenen Hörbuch. Seanan McGuire erzählt mit ihren Kurzgeschichten rund um ihre Spielzeug-belebende Superheldin, nicht nur von dem Kampf einer einzelnen Person gegen eine übermächtige Organisation (hier „The Super Patriots, Inc.“), sondern auch von den vielen kleinen alltäglichen Problemen im Leben eines Superhelden. Denn nur weil Velveteen inzwischen einen festen Job als städtische Heldin von Portland hat, sind ihre Probleme noch lange nicht vorbei.

Mal muss sie sich mit reisenden Superhelden auseinandersetzen, bei denen nicht ganz klar ersichtlich ist, ob sie Held oder Schurke sind. Dann wieder pfuschen ihr die Super Patriots ins Handwerk, weil sie es nicht zulassen können, dass eine ihrer ehemaligen Junior-Heldinnen sich ihrem Einfluss entzieht, oder jemand ernennt sich zu Velveteens Erzschurken und macht Ärger in ihrer Stadt. Aber auch das Liebesleben eines Superhelden ist kompliziert, was schon allein sehr schön deutlich wird bei der Frage, wann der Zeitpunkt zur gegenseitigen Demaskierung gekommen ist. Doch vor allem muss sich Velveteen durch verschiedene Paralleluniversen inklusive diverser Herausforderungen kämpfen, um in ihrem Leben endlich an einen Punkt zu kommen, an dem sie das Gefühl hat, dass so langsam alles in Ordnung kommt.
Und natürlich gibt es auch in „Velveteen vs. The Multiverse“ wieder Episoden, die in Velmas Kindheit spielen. Dabei fand ich ihre erste Begegnung mit Jackie Frost (der zukünftigen Schneekönigin) und dem Weihnachtsmann besonders berührend, weil hier deutlich wird wie einsam Velma als Kind war und wie verstörend es für sie war von der Organisation der Super Patriots aufgezogen zu werden und wie sehr es sie verletzt hat, dass ihre Eltern sie an diese Firma verkauft haben. 
Auch dieses Hörbuch wird von Allison McLemore gelesen und ich hatte anfangs wieder etwas Probleme mich an ihren Akzent zu gewöhnen. Trotzdem hatte ich beim Hören nicht das Gefühl, ich hätte was verpasst. Außerdem mag ich ihre Art den verschiedenen Charakteren Profil zu verleihen und den Humor und die absurden Ereignisse in der Geschichte zu lesen. Die Kombination aus Seanan McGuires Schreibweise und Allison McLemores Arbeit als Sprecherin hat mich nicht nur regelmäßig beim Hören kichern lassen, sondern mir stiegen auch immer wieder Tränen in die Augen, weil ich so sehr mit Velveteen und ihren Freunden mitgelitten habe. 
Ich genieße die Geschichten rund um Velveteen, die anscheinend immer noch nicht so recht weiß, wer sie wirklich ist und wohin ihr Weg sie führen wird, sehr. Ich mag ihre Häschen, Barbiepuppen, Spielzeugsoldaten und Teddybären, die für sie kämpfen und nach Feierabend die Wohnung aufräumen und dafür sorgen, dass Velma nicht ohne Kuscheltier schlafen muss. Und ich amüsiere mich herrlich mit Velveteens Freunden, die alle ihre ganz eigene Rolle in einer Welt voller übernatürlicher Elemente spielen müssen – und diese oft auf sehr ungewöhnliche Weise interpretieren. Und ich freue mich darüber, dass Velveteens Geschichte noch lange nicht beendet ist, denn Seanan McGuire schreibt und veröffentlicht immer wieder neue Kurzgeschichten rund um ihre ungewöhnliche Superheldin. Mit etwas Glück bedeutet das, dass ich irgendwann in ferner Zukunft ein weiteres Velveteen-Hörbuch zu hören bekomme und das wäre einfach toll!

(Oh, und falls doch noch einer von euch neugierig auf die Geschichten geworden sein sollte, sich aber nicht das Hörbuch leisten will, der kann HIER anfangen zu lesen. Ich persönlich lasse mir Velveteens-Abenteuer lieber vorlesen. 😉 

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Hong Kong Buddha (Hörbuch)

In Mrs. Pollifax Leben gab es in den letzten Geschichten einige Entwicklungen, die zu Beginn von „Mrs. Pollifax and the Hong Kong Buddha“ dazu führen, dass sich Emily Pollifax mit Handwerkern herumschlagen darf, die ihr neues Haus umbauen sollen. Da passt es eigentlich überhaupt nicht, dass Mr. Carstairs Assistent Bishop plötzlich auftaucht und sie bittet für die CIA nach Hong Kong zu reisen. Aber Mrs. Pollifax hat ja schon früher ihre Spontanität bewiesen und so befindet sie sich kurz darauf in Hong Kong, um ein Treffen mit dem jungen Chinesen Shang Ti zu arrangieren.

Den jungen Mann hatte Emily kennengelernt, als sie vor wenigen Monaten mit einer Reisegruppe in China unterwegs war. Auch aufgrund ihrer Hilfe hat Shang Ti es inzwischen nach Hong Kong geschafft und dort eine Anstellung bei einem Diamentenhändler gefunden. Genau genommen bei einem Diamantenhändler und Informanten der CIA in Hong Kong. Doch seit einiger Zeit kommen nur noch sehr seltsame Berichte bei Mr. Carstairs an und so soll Mrs. Pollifax – mit Shang Tis Hilfe herausfinden, was in Hong Kong los ist. Doch nicht nur Shang Ti trifft die rüstige Spionin in Hong Kong wieder, es kommt auch zu einem Wiedersehen mit dem ehemaligen Juwelendieb Robin, der ebenfalls beruflich in der Region unterwegs ist.

Ich muss zugeben, dass diese Geschichte relativ wenige Spuren in meiner Erinnerung hinterlassen hatte (wobei ich mich inzwischen frage, ob ich den Titel wirklich habe oder ob ich ihn früher nur aus der Bibliothek geliehen hatte) und so fühlte sich das Hören des Hörbuches beinah so an, als ob ich Mrs. Pollifax Abenteuer in Hong Kong zum erste Mal miterleben würde. Die Handlung verläuft lange Zeit sehr ruhig, während Mrs. Pollifax darauf wartet, dass sie Kontakt zu Shang Ti aufnehmen kann. Währenddessen lernt sie einen Mann kennen, der in Hong Kong mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten einen verschwundenen Polizisten finden solle und frischt ihre Bekanntschaft mit Robin wiederauf.

Das Ganze fühlt sich ein bisschen schwammig an, weil weder Emily noch der Hörer lange Zeit überhaupt eine Ahnung haben, was überhaupt vor Ort los ist und worum sich die gesamte Angelegenheit dreht – als allerdings dann klar wird, welche Gefahr für die Stadt hinter den seltsamen Vorgängen steckt, wird es auch sehr dramatisch für Mrs. Pollifax. So ist die Geschichte nicht ganz so amüsant wie die anderen Folgen, die ich in den letzten Monaten gehört habe, und man braucht hier ein bisschen Geduld mit der Handlung. Trotzdem habe ich es genossen Mrs. Pollifax immer größer werdende Professionalität als Spionin zu verfolgen und mehr über Robin und Shang Ti herauszufinden.

Zu Barbara Rosenblat muss ich vermutlich nicht mehr viel sagen, obwohl ich doch anmerken möchte, dass ihre „Chinesen“, „Araber“ und „Osteuropäer“ immer mal wieder über ähnliche „Akzente“ verfügen, was mir bei den Asiaten dann doch nicht ganz so stimmig vorkommt. 😉

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax on the China Station (Hörbuch)

In diesem Monat habe ich mir meine Mrs. Pollifax für besonders unangenehme Arbeiten aufgehoben und die nicht ganz so schlimmen Tätigkeiten entweder ohne Ablenkung oder mit Stephen Kings „Der Anschlag“ auf den Ohren verbracht. Trotz der längeren Pausen und der nicht so schönen Beschäftigung nebenbei, habe ich „Mrs. Pollifax on the China Station“ von Dorothy Gilman wieder sehr genossen. Dieses Mal wird die rüstige Rentnerin von ihrem Auftraggeber Mr. Carstairs nach China geschickt, wobei von Anfang an feststeht, dass ihre Aufgabe nicht ganz ungefährlich ist und dass sie – unter anderem – mit dem Job beauftragt wurde, weil sie spontan handeln kann, auf andere Menschen vertrauenserweckend wirkt und bewiesen hat, dass sie bei Folter (!) nicht so schnell einbricht.

Obwohl Mrs. Pollifax auch auf dieser Reise mit einer geführten Reisegruppe unterwegs ist, so wie schon in „Mrs. Pollifax on Safari“, erwarten sie deutlich größere Herausforderungen. Erst einmal soll sie mit einem anderen – ihr unbekannten – CIA-Mitarbeiter zusammenarbeiten, dann reisen sie nach China, wo sie als westliche Touristen ständig unter Beobachtung stehen, und zuletzt besteht ihr Auftrag darin, dass sie einen chinesischen Ingenieur aus einem Arbeitslager befreien sollen, wo er seit Jahren gefangen gehalten wurde. All die Unwägbarkeiten machen Emily Pollifax verhältnismäßig unsicher, doch trotzdem versucht sie die Reise nach China zu genießen und so viel Kultur wie möglich zu sehen.

Eigentlich beginnt die Geschichte für den Hörer ganz harmlos. Gemeinsam mit Mrs. Pollifax kann man darüber grübeln, welcher mitreisende Person wohl ebenfalls von der CIA ist, während man die unterschiedlichen Figuren immer besser kennenlernt. Und Emiliys erste Begegnung mit Einheimischen, die nicht tagtäglich mit Ausländern zu tun haben, sind auch ganz wunderbar beschrieben, ebenso ihre Begeisterung für die Geschichte und Kultur. Doch dann wird die Frage immer drängender, wie wohl der zu befreiende Ingenieur aus dem Arbeitslager rausgeholt werden kann – und wer wohl das Gepäck von Mrs. Pollifax durchsucht hat …

„Mrs. Pollifax on the China Station“ ist trotz vieler amüsanter und liebenswerter Momente nicht ganz so leicht geschrieben wie die vorhergehenden „Mrs. Pollifax“-Geschichten. Emily vermisst den Mann, den sie bei ihrem Abenteuer in Afrika kennengelernt hat und muss feststellen, dass es für sie nicht mehr so einfach ist ihr Leben zu riskieren, wenn es doch einen so wichtigen Menschen in ihrem Leben gibt. Auch fühlt sie sich lange Zeit allein auf ihrer Reise, da die Identität ihres Kollegen erst spät gelüftet wird. Was das Lokalkolorit angeht, so gibt es viele atmosphärische Szenen, doch vor allem konzentriert sich die Autorin dabei auf die lange Historie des Landes und weniger auf aktuelle Ereignisse – vielleicht, weil um 1980 zwar viel in China passierte, aber sich nur wenig davon gut in einem Roman darstellen lässt.

Aber auch so mag ich die Geschichten rund um Mrs. Pollifax und freue mich weiterhin darüber, dass ich noch einige Hörbücher mit ihr vor mir habe. Über die Sprecherin Barbara Rosenblat muss ich inzwischen ja wohl nichts mehr sagen – ich mag ihre Stimme und ich mag ihre Art die verschiedenen Figuren darzustellen.

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax on Safari (Hörbuch)

Auch in diesem Monat gab es für mich ein neues Mrs.-Pollifax-Hörbuch – dieses Mal bekam meine Lieblingsspionin den Auftrag nach Afrika zu reisen und die Mitglieder einer Fotosafari-Gruppe zu fotografieren. Ganz ungefährlich für die ältere Dame, so ist sich ihr Auftraggeber Mr. Carstairs sicher. Und wenn sie schon mal in Sambia ist, dann kann sie auch gleich die Augen nach John Sebastian Farrell aufhalten und den – inzwischen aus dem Dienst ausgetretenen – Geheimagenten überreden erneut für den CIA zu arbeiten.

Ich habe ja schon häufiger erwähnt, dass die Mrs.-Pollifax-Romane mich immer wieder dazu animiert haben, mich intensiver mit den Ländern auseinanderzusetzen, in denen die Geschichten spielen. So war auch „Mrs. Pollifax an Safari“ für mich vor vielen Jahren der Anlass, mich mit etwas intensiver mit der Geschichte Afrikas zu beschäftigen – auch wenn mein Wissen da immer noch riesige Lücken aufweist. Der Stand der Autorin ist der Mitte der 1970er Jahre und dementsprechend bewegt sich sehr viel im Land, da die Unabhängigkeit von Großbritannien gerade erst vor zehn Jahren zustande kam. Während Mrs. Pollifax sich also darüber freut, dass sie die faszierende Tierwelt Afrikas sehen wird, nimmt sie während ihrer Reise auch immer wieder die kleinen Dinge wahr, die zeigen, wie sehr das Land im Umbruch ist. Aber sie erfährt auch viel über die Kämpfe an den Grenzen, die Rebellen, die in den Nachbarländern aktiv sind und deren Aktivitäten auch Auswirkungen auf Sambia haben, und ein wenig über das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen im Land. Das alles ist sehr dezent in die Geschichte eingebaut, wenn es nicht gerade direkten Handlungsbezug hat, aber gerade das mag ich an dieser Serie.

Daneben gibt es natürlich auch noch die Haupthandlung rund um Emily Pollifax und ihr Wissen darum, dass einer ihrer Mitreisenden ein gefürchteter Auftragsmörder ist. So kann sie es sich natürlich nicht verkneifen neue Bekanntschaften zu schließen, muss sich aber bei jedem Gespräch fragen, ob ihr Gegenüber vielleicht ein Söldner ist, der skrupellos für Geld tötet. Dazu kommen noch ihre – vergeblichen – Bemühungen mit John Sebastian Farrell Kontakt aufzunehmen und all die wunderbaren kleinen Begebenheiten rund um diese ungewöhnliche Seniorin.

Ich liebe ihre kleinen Eigenheiten wie ihre Leidenschaft für Hüte. So bedauert sie es sehr, als ihr mitgeteilt wird, dass in Afrika keine Tropenhelme mehr getragen werden – nur um beim Einkauf vor der Reise doch noch einen Hut zu ergattern, dessen Form zumindest dem eines Tropenhelm ähnelt. Dass der Hut eine rote Feder hat, die sich von hinten bis zur vorderen Krempe spannt, und dass so eine Feder perfekt mit dem riesigen regenbogenfarbenden Regens (alles eine Frage der Perspektive!) Sonnenschirm harmoniert, versteht sich ja von selbst. Ebenso ist es natürlich vorherzusehen, dass es mit dem entzückenden Hut einen amüsanten Zwischenfall geben wird, der seine Eleganz ein wenig beeinträchtigt.

Auch dieses Hörbuch wird wieder wunderbar von Barbara Rosenblat gelesen – auch wenn ich mir den ehemaligen Richter Cyrus etwas anders vorgestellt hätte. Ich muss vermutlich nicht noch einmal betonen, wie viel Spaß mir diese Hörbuchversionen der Mrs.-Pollifax-Romane machen … 😉

Seanan McGuire: Velveteen vs. The Junior Super Patriots (Hörbuch)

Die „Velveteen“-Geschichten sind umsonst auf Seanan McGuires Homepage einsehbar, aber sie wurden von der Autorin für eine Veröffentlichung im Taschenbuchformat überarbeitete. Die Abenteuer von Velma „Velveteen“ Martinez spielen in einer Welt, in der Superhelden schon sehr jung von „The Super Patriots, Inc.“ aufgenommen, trainiert und vermarktet werden. Doch Velma ist nicht glücklich mit einem Leben als bezahlte und kontrollierte Werbefigur und verlässt die Gesellschaft. Doch dummerweise ist „The Super Patriots, Inc.“ der Meinung, dass Velma immer noch ihnen gehört und versucht sie wieder in ihre Gewalt zu bekommen.

Als ich von der Taschenbuchveröffentlichung hörte, hatte ich gehofft, dass ich die Geschichten in gedruckter Form in die Finger bekomme, aber es war überraschend schwierig die beiden Bände importieren zu lassen. Inzwischen habe ich die Hörbuchversion davon auf meinem mp3-Player und habe mich auf diese Weise in den letzten Tagen mit den skurrilen Erlebnissen von Velma gut amüsiert. Obwohl ich „Velveteen vs. The Junior Super Patriots“ deutlich schwieriger zu verstehen finde als ein Mrs.-Pollifax-Hörbuch, habe ich Allison McLemores Lesung genossen. Die Sprecherin verleiht den verschiedenen Figuren Individualität und betont die Absurdität und den Humor in den verschiedenen Geschichten.

Velma wuchs unter der Obhut der Gesellschaft auf und wurde berühmt als „Velveteen“ – eine Superheldin mit der Fähigkeit Spielzeug zum Leben zu erwecken. Nach ihrer Flucht aus der „Junior Super Patriots, Inc.“ versucht sie ein ganz normales Leben zu führen, während sie sich mit schlecht bezahlten Aushilfsjob über Wasser hält. Aber immer wieder stolpert sie über ehemalige Kollegen, fanatische Fans oder Unrecht, das nur durch einen Superhelden wieder gutgemacht werden kann. So gerät Velma regelmäßig in kritische Situationen, bei denen sie ihre Deckung auffliegen lässt oder sich entscheiden muss, ob sie die Rolle des Superhelden oder des Superschurken einnehmen möchte.

Erzählt wird Velmas Geschichte in zwei verschiedenen Zeitebenen. Ein Teil der Handlung geschieht aktuell, während Velma versucht ein normales Leben zu führen und immer wieder über neue Hindernisse stolpert, die restlichen Kapitel bringen den Hörer zurück in Velmas Vergangenheit und erzählen wie sie als Mädchen von ihren Eltern verkauft wurde, wie sie versuchte in der „Junior Super Patriots, Inc.“ zurechtzukommen und wie sie sich mit den anderen Superhelden anfreundet (oder eben auch nicht).

Ich fand die verschiedenen Kapitel sehr kurzweilig, sehr Seanan-McGuire-haft und freu mich sehr, dass ich in den kommenden Monaten noch ein weiteres Hörbuch mit Velma-Geschichten vor mir habe. Ich habe mit Velma gelitten, als sie von ihren Eltern an die Super Patriots verkauft wurde und habe mich gefreut, als sie neue Freunde fand und sich verliebte, aber noch spannender finde ich die Teile der Handlung, die sie als erwachsene Frau erlebt. Wenn sie mal wieder versucht einen Vorstellungstermin einzuhalten und dabei beinah von einer Gruppe jugendlicher Superhelden gefangen wird oder wenn sie doch nur nach dem Weg fragen möchte und stattdessen die Eroberungspläne eines Schurken aufhalten muss. Es gibt immer wieder überraschende Wendungen, skurrile Momente und neue Details zu den verschiedenen Charakteren.

Dorothy Gilman: A Palm for Mrs. Pollifay (Hörbuch)

Mit „A Palm for Mrs. Pollifax“ bekommt Emily Pollifax zum ersten Mal einen Auftrag, der über eine reine Kuriertätigkeit hinausgeht. Ihr Vorgesetzter bei der CIA, Mr. Carstairs, ist – ebenso wie sein Kollege Schönbeck von Interpol – besorgt über zwei Diebstähle, die in den letzten Tagen stattgefunden haben. In beiden Fällen wurde waffenfähiges Plutonium gestohlen, aber es gelingt den Behörden nicht herauszufinden, wohin das brisante Diebesgut geschafft wurde. Allerdings gibt es einen vagen Hinweis auf ein Klinik-Hotel in der Schweiz und einen ermordeten Agenten, der diesem Hinweis nachging.

Da Mr. Carstairs der Meinung ist, dass dieser Fall weniger Erfahrung als ein gewisses Gespür für Menschen erfordert, schickt er seine Mrs. Pollifax in die Schweiz. Getarnt als erholungsbedürftige Schwiegermutter, die nach einem schweren Fall von Hongkong-Grippe wieder auf die Beine kommen soll, soll Mrs. Pollifax sich das Klinik-Hotel inklusive der Angstellten, Gäste und Patienten anschauen. Ausgerüstet wird sie dafür mit einem – als Schmuckkoffer – getarnten Geigerzähler und ihre Absicherung besteht in einem Kellner, der für Interpol arbeitet, und einem „Kontaktmann“, mit dem sie jeden Abend Lichtsignale austauscht. Schließlich will Mr. Carstairs kein Risiko eingehen, wenn er eine so unerfahrene und impulsive Agentin in einen solchen Einsatz schickt.

Während Mrs. Pollifax nachts in Pyjama und Pantoffeln durch das Gebäude schleicht und versucht mit ihrem Geigerzähler eine Spur von dem verschwundenen Plutonium zu finden, knüpft sie tagsüber enge Kontakte zu den Gästen. Dabei lernt sie eine ziemlich gemischte Gruppe von Menschen kennen, von der zurückhaltenden Court, die Tag für Tag in den Bergen rund um den Genfer See wandert, über den Playboy Robin, der in dem Klinik-Hotel etwas fehl am Platz wirkt, über den ehemaligen Chef der Sûreté bis zu einem kleinen umtriebigen Jungen, der auf der Suche nach Freunden zu sein scheint.

Ich mag an diesem Roman gleich zwei Aspekte: Auf der einen Seite scheint Mrs. Pollifax in relativer Sicherheit zu agieren. Sie hat Agenten, die sie im Auge behalten, sie beschäftigt sich mit dem Klinikalltag und den anderen Gästen und nachts stapft sie durch menschenleere Korridore und hält ihren Geigerzähler im Blick. Auf der anderen Seite gibt es diese Mischung aus Untertönen und Humor. Als Leser weiß man halt, dass irgendwas an diesem Klinik-Hotel nicht koscher ist und so wirkt jeder Gast verdächtig. Dazu kommen die Momente, in denen z.B. Marcel, der Interpol-Mann, der als Kellner im Hotel arbeitet, Mrs. Pollifax als unprofessionelle alte Dame abtut, die sich von ihren Muttergefühlen vom  Job ablenken lässt, oder in denen andere Gäste Aspekte über Emily herausfinden, die sie von einer älteren Amerikanerin so nicht erwartet hätten.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass die umtriebige Rentnerin in Gefahr gerät und den einen oder anderen schrecklichen Moment durchmachen muss, aber – wie es sich für einen Mrs.-Pollifax-Roman gehört – sie findet auch immer wieder ungewöhnliche Lösungen für ihre Probleme. Ich amüsiere mich so sehr bei diesen Geschichten, dass ich sie einfach nur jedem ans Herz legen möchte, der mal humorvolle Cozy-Spionageromane ausprobieren mag. Und ich kann versichern, dass die Geschichten auch beim wiederholten Lesen oder Hören immer noch genauso gut funktionieren wie beim ersten Mal.

Zu Barbara Rosenblat muss ich ja nach den vorherigen Rezensionen eigentlich gar nichts mehr sagen, kann aber auch hier noch einmal wiederholen, dass die Sprecherin ihre Sache ganz wunderbar macht. Sie verleiht Mrs. Pollifax eine glaubwürdige „Alte Dame“-Stimme, kann aber auch als neunjähriger Junge oder leichtlebiger Playboy überzeugen. Ich freu mich jetzt schon auf den Oktober, der mir „Mrs. Pollifax on Safari“ bringen wird – eine Geschichte, in der Emily einen Auftragsmörder stellen muss und einen überraschenden Verbündeten findet.

Dorothy Gilman: The Elusive Mrs. Pollifax (Hörbuch)

Ich dachte ja eigentlich, dass zwei Rezensionen zu den Mrs.-Pollifax-Hörbüchern auf meinem Blog vollkommen ausreichen würden – mehr liest doch eh niemand zu einer schon älteren Reihe. Aber es macht mir so viel Spaß über Mrs. Pollifax und ihre Abenteuer zu schreiben und ich freue mich jeden Monat darauf die nächste Geschichte im Original hören zu können, dass es nun doch mehr Texte zu dieser ungewöhnlichen Spionin geben wird.

Zu Beginn von „The Elusive Mrs. Pollifax“ wird Mr. Carstairs von seinem Assistenten daran erinnert, dass er Mrs. Pollifax nie wieder einsetzen wollte, weil sie alle Regeln brechen würde, weil sie nicht einmal wüssten, an welche Regeln sie sich als Agentin zu halten hätte und weil Carstairs jedes Mal um zehn Jahre altern würde, wenn sie im Einsatz wäre. Sie sei all die Sorgen einfach nicht wert, hätte Carstairs gesagt – doch der erfahrene CIA-Mitarbeiter wischt alle diese Einwände beiseite und ist sich sicher, dass dieses Mal mit Mrs. Pollifax alles glatt laufen würde. Es ist ja nur ein simpler Kurierjob … 😀

So reist Emily Pollifax hinter den Eisernen Vorhang nach Bulgarien, um in einem wunderschönen Vogelnest-Hut für eine bulgarische Widerstandsgruppe acht Pässe ins Land zu schmuggeln – ohne zu wissen, dass die CIA aus Sparsamkeit die Gelegenheit nutzt und heimlich Geldbündel in ihren Steppmantel eingenäht hat. Doch es wird nicht so einfach für den Empfänger an dieses Geld zu kommen, da Mrs. Pollifax aufmerksam genug ist, um jedes Eindringen in ihr Hotelzimmer zu bemerken und eventuelle Eindringlinge in die Flucht zu schlagen. Neben all den unerwarteten Einbrechern, muss sich Emily auch noch mit Nevana von der bulgarischen Tourismusbehörde herumschlagen, die ganz genaue Vorstellungen davon hat, welche Sehenswürdigkeit Mrs. Pollifax unter welchen Umständen zu besichtigen hat – und die gar nicht glücklich darüber ist, dass diese dickköpfige amerikanische Touristen gegen all ihre Anweisungen handelt.

Außerdem macht sich Emily Gedanken um den jungen Phil Trenda – ein Student, der gemeinsam mit einer ganzen Gruppe von jungen Rucksacktouristen unterwegs ist und der bei der Einreise nach Bulgarien von der Geheimpolizei inhaftiert wurde. Spionage wird dem jungen Mann vorgeworfen und die amerikanische Botschaft in Sofia scheint nicht besonders hilfreich zu sein. Zwischen ihren Versuchen mit den bulgarischen Widerstandskämpfern in Kontakt zu treten und den Diebstahl ihres Hab und Guts zu verhindern, muss Mrs. Pollifax also auch noch dafür sorgen, dass der amerikanische Botschafter sich um das Wohlergehen von Phil kümmert.

An dieser Geschichte mag ich nicht nur, dass ihre gesamte Umgebung an Mrs. Pollifax verzweifelt, weil sie so unberechenbar handelt (oft natürlich nur aus Unwissen um die eigentliche Situation heraus), sondern auch, dass verschiedenen Handlungsstränge, die definitiv nichts miteinander zu tun haben, durch Emily verbunden werden. Dass geschmuggelte Geld, der inhaftierte Student und die Pässe für die Widerstandsgruppe werden nur durch Mrs. Pollifax zu einer Geschichte – und führen so langfristig zu ungewöhnlichen und unvorhersehbaren Bündnissen, die für den Hörer mehr als amüsant zu verfolgen sind.

Emily bringt eine neue Sicht auf vertraute Vorgänge und sorgt so dafür, dass auch ihre Mitstreiter umdenken, sich mehr zutrauen und ungewöhnliche Wege gehen. Ich mag es einfach, dass sie selten etwas als gegeben hinnimmt, aber auf der anderen Seite auch weiß, wann sie die Entscheidung eines Menschen akzeptieren muss. Dazu kommt noch, dass sie in diesem Teil der Serie etwas persönlicher gezeigt wird. Man erfährt von ihrer Einsamkeit nach dem Tod ihres Mannes und es gibt eine wunderschöne kleine Szene, in der deutlich wird, dass sie sich wieder auf einen anderen Mann einlassen könnte, wenn die Umstände nicht so wären wie sie sind.

Ach ja, Barbara Rosenblat liest die Geschichte gewohnt gut. Ich mag die Sprecherin wirklich und ich finde es wunderbar, wie gut ich sie verstehen kann! 😉

Dorothy Gilman: The Amazing Mrs. Pollifax (Hörbuch)

Nachdem ich im Juni solchen Spaß mit „The Unexpected Mrs. Pollifax“ hatte, musste ich mir in diesem Monat gleich das zweite Hörbuch rund um diese ungewöhnliche „Hobbyagentin“ besorgen. Seitdem Mrs. Pollifax aufgrund einer kleinen Verwechslung ihren ersten Auftrag von Mr. Carstairs bekommen hat, ist einige Zeit vergangen. Inzwischen lebt sie ganz zufrieden mit all den Verpflichtungen, die eine aktive Rentnerin so umtreibt, vom Gartenclub bist zum Kunstverein – wobei man die wöchentlichen Karatestunden, die Emily Pollifax inzwischen belegt hat, nicht unterschlagen sollte.

Von der CIA hat sie seit ihrem kleinen Kurierauftrag nicht mehr gehört, bis eines Vormittags das Telefon bei ihr klingelt und sie gefragt wird, ob sie innerhalb von zwanzig Minuten abreisebereit sein könne. Auch dieses Mal sucht Mr.Carstairs eine vertrauenswürdige und zuverlässige Person, die in Agentenkreisen unbekannt ist. So reist Mrs. Pollifax Hals über Kopf von ihrem gemütlichen Vorortleben in New Jersey nach Istanbul, um sich in einer Hotellobby mit einer kommunistischen Agentin zu treffen, die anscheinend überlaufen will. Damit Emily nicht wieder spurlos verschwindet und weil schon einer von Carstairs‘ Männern um Leben gekommen ist, bekommt die rüstige Rentnerin einen Aufpasser zur Seite gestellt, doch viel hilft das natürlich nicht.

So sieht sich Mrs. Pollifax wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Istanbul von der Polizei befragt, von Unbekannten mit Waffen bedroht und überhaupt in großen Schwierigkeiten, die ihr allen möglichen Einfallsreichtum abverlangen. Zum Glück neigt diese ungewöhnliche Agentin dazu, immer wieder unerwartete Freundschaften zu schließen und so bekommt sie regelmäßig Hilfe von Menschen, von denen man das nicht hätte erwarten können. Viel mehr will ich über den Inhalt gar nicht sagen, denn dann würde ich zu viele amüsante Wendungen vorweg nehmen.

Abgesehen davon, dass ich ein wenig das Kartendeck vermisst habe, das Mrs. Pollifax in ihrem ersten Abenteuer stets begleitete, habe ich mich wieder großartig mit dieser Geschichte amüsiert. Es ist schon wieder ein paar Jahre her, dass ich die Romanvorlage gelesen habe, und obwohl ich mich an viele Details noch erinnerte (oh, dieser Hubschrauberflug oder das „love in“! :D), gab es immer wieder Momente, in denen mich die Ereignisse überrascht haben weil ich bestimmte Elemente nicht mehr parat hatte. Dorothy Gilman versteht es eine witzige Agentengeschichte zu erzählen, ohne dabei die schrecklichen oder bedrohlichen Momente zu vergessen. Dazu kommen noch einige wunderbar sympathische Charaktere, ein angenehmes 70er-Jahre-Feeling und Mrs. Pollifax angenehmer vorurteilsfreier Umgang mit anderen Menschen.

Wie schon beim ersten Teil (und bei „Crocodile on the Sandbank“) sagte mir die Lesung durch Barbara Rosenblat sehr zu. Ihre Mrs. Pollifax klingt alt, aber nicht gebrechlich, und auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob ihre Art Akzenten dazustellen wirklich so ganz korrekt ist, so sorgt es für eine angemessene Atmosphäre. Es hat wirklich Spaß gemacht zuzuhören. Bei diesem Hörspiel habe ich mal wieder gemerkt wie viel leichter mir meine Arbeit (die letzten Stunden Tapetenkratzen mit der Flurtapete) von der Hand geht, wenn ich ein gutes Hörbuch auf den Ohren habe und wie viel eher ich das Ganze um einen Tag verschiebe, wenn ich auf mein Hörbuch – sei es wegen des Sprechers oder der Geschichte an sich – nicht ganz so viel Lust habe.

Höreindrücke im Juni

„Tod auf dem Nil“ von Agatha Christie ist eines von gleich mehreren Agatha-Christie-Hörbüchern, das ich in den letzten Tagen gehört habe. Wenn der Kopf voll ist, dann halte ich mich eben doch eher an vertraute Autoren. „Tod auf dem Nil“ ist eine Poirot-Geschichte und nach dem Anfang, der in einem britischen Herrenhaus und einem Klub in London spielt, findet ein Großteil der Handlung auf einem Nil-Kreuzfahrtschiff statt. Ich mag den Roman, aber bei der von Gerd Anthoff gelesenen Hörbuchversion musste ich hier und da die Zähne zusammenbeißen. Der Sprecher ist nicht nur dann, wenn er die Frauen spricht, nur schwer erträglich. Immerhin fand ich seine Poirot-Interpretation gar nicht so schlimm, gerade das manchmal durchschimmernde „väterliche“ Verhalten des Belgiers, wenn er zwar die Gefühlsaufwallungen der jüngeren Mitreisenden versteht, aber eben auch weiß, dass das alles nicht so schlimm ist, wie es der Person in diesem Moment erscheint, war sogar ganz passend rübergebracht. Trotzdem werde ich um Gerd Anthoff als Hörbuchsprecher demnächst erst einmal einen großen Bogen machen!

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An „Crocodile on the Sandbank“ von Elizabeth Peters habe ich mich gewagt, nachdem ich „The Unexpected Mrs. Pollifax“ gehört und doch überraschend gut verstanden hatte. Nachdem ich im März oder April erst eine deutsche Hörbuchversion von „Im Schatten des Todes“ gehört hatte, hatte ich auch die Details der Geschichte noch so präsent, dass ich die erste Stunde durchgehalten habe, obwohl ich da noch deutlich weniger folgen konnte als bei Mrs. Pollifax. Da machte es sich deutlich bemerkbar, dass Elizabeth Peters doch einen anderen Schreibstil hat als Dorothy Gilman, denn an der Sprecherin konnte es nicht liegen, die war in beiden Fällen die gleiche. Barbara Rosenblat liest wunderbar – ich mag ihre Betonung, ich mag ihre Stimme und ich mag ihre Interpretation der Figuren. Ihre Evelyn war sanft, aber nicht weichlich, ihre Amelia war energisch, tatkräftig, aber auch an den richtigen Stellen etwas unsicher und auch ihre Männer waren überzeugend – vor allem Emerson war hinreißend und überzeugend (!) aufbrausend.

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„Emma im Knopfland – Eine verknöpft und zugenähte Geschichte“ von Ulrike Rylance ist eine niedliche kleine Geschichte mit gerade mal 2 Stunden und 41 Minuten Laufzeit. Hauptfigur Emma verschlägt es, als sie sich in ihren Ferien bei Onkel Hubert und Tante Mechthild langweilt, in ein Zimmer voller Knöpfe. Bevor Emma sich noch groß umgucken kann, fällt ihr ein großer goldener Knopf auf, der vor ihr davon zu rennen scheint – und als sie diesen berührt, landet sie im Knopfland. Dort muss Emma ein paar Abenteuer bestehen und schließt neue Freundschaften, bevor sie einen Weg zurück in das Knopfzimmer findet.

Eigentlich ist die Geschichte nett und unterhaltsam, aber mir gab es dabei einfach zu viele „Anlehnungen“ an bekannte Kinderbücher. Vor allem „Alice im Wunderland“ wurde immer wieder von der Autorin herangezogen, so dass Hofdame Isolde (der große goldene Knopf) eine gewisse Ähnlichkeit mit der Herzkönigin hat, während Emma natürlich im Laufe der Handlung auch in eine Teeparty platzt und weitere Elemente dem Hörer immer wieder auffallen. Hätte ich das Gefühl, dass Ulrike Rylance aus diesen Dingen eine eigene Geschichte gemacht hätte, wäre das bezaubernd gewesen. Aber ohne eine spürbare individuelle Note ärgere ich mich eher über all die vertraut wirkenden Szenen. Gelesen wird das Hörbuch (bei dem ich übrigens nicht rausfinden konnte, ob es für diese Umsetzung bearbeitet wurde) von Fritzi Haberlandt. Die Sprecherin macht ihre Sache eigentlich sehr gut, verleiht den verschiedenen Charakteren eine eigene Note und sorgt dafür, dass selbst die Nebenfiguren einen recht hohen Wiedererkennungswert haben. Da ich das Hörbuch – trotz seiner Kürze – über einige Tage verteilt gehört habe, kam mir das wirklich zugute.

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„Das Böse unter der Sonne“ von Agatha Christie hat mich mehrere Tage lang sehr gut unterhalten. Ich mag die Geschichte (ich mag sogar die Verfilmung mit Ustinov, obwohl er definitiv nicht mein „Poirot“ ist, aber es gibt tolle andere Darsteller in dem Film und die Atmosphäre passt) und mit der ungekürzten Version hätte mir nur noch der Sprecher das Ganze verderben können. Aber stattdessen hat Jürgen Tarrach das Hörspiel – besonders Poirot, aber überraschenderweise auch die diversen Frauenrollen – wunderbar gelesen. Einzig seine Aussprache des Vornamen „Odell“ klang eher nach Oddl, aber ansonsten habe ich nichts zu kritisieren. Dank der tollen Umsetzung habe ich viele amüsante Stunden mit „Das Böse unter der Sonne“ verbracht – ich finde die Tatdurchführung immer wieder genial ausgedacht und mag die wunderbare Darstellung der vielen verschiedenen Figuren. Beim Hören kam mir übrigens der Gedanke, dass Agatha Christie wohl Schuld daran ist, dass ich bei vielen Krimis immer recht schnell auf den Täter komme, denn sie hat dafür gesorgt, dass ich in diesem Genre jede Nebenbemerkung als potenziell wichtig abspeichere.

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„Die Tote in der Bibliothek“ von Agatha Christie ist – wie all die anderen Hörbücher in diesem Beitrag – wieder einmal eine Leihgabe von Natira und ich hatte mich sehr auf mein – vorerst letztes – Agatha-Christie-Hörbuch gefreut. Die Geschichte ist ja recht bekannt und ich mag sie sehr. Alles beginnt mit dem Fund einer Mädchenleiche in der Bibliothek des Herrenhauses der Bantrys und während Mrs. Bantry anfangs das Ganze noch spannend findet (sie liest gern Kriminalromane), geht ihr nach kurzer Zeit auf, dass das gesamte Dorf ihren Mann verdächtigt. So animiert sie ihre Freundin Miss Marple sich des Falls intensiv anzunehmen und die Unschuld von Colonel Bantry zu beweisen. Wie gesagt, ich mag den Roman, aber dieses Mal habe ich die (auch noch gekürzte) Handlung nicht so genossen wie sonst, da mir die Sprecherin nicht so zusagte. Ich kann Traudel Sperber gar nichts konkretes „vorwerfen“. Ihre Stimme ist mir nur zu weich und zu jung für das Hörbuch und weder ihre Interpretation der Charaktere, noch ihre Betonung insgesamt sagt mir wirklich zu.

Barbara Sichtermann (und Klaus Binder): Gerstenbergs 50 Klassiker – Schriftstellerinnen (Buch und Hörbuch)

Dieses Buch hatte ich schon im Februar ausgelesen, und wie das so ist, wenn man eine Rezension vor sich herschiebt, so dauert es ewig, bis man sich dazu aufraffen kann, sie doch zu schreiben. Zwischendurch habe ich immer wieder die Notizen zum Hörbuch aus diesem Beitrag rauskopiert und in einen separaten Beitrag gepackt, nur um dann doch wieder alles zusammenzufassen. Jetzt sind es aber nur noch wenige Tage bis zum Challenge-Zwischenziel und deshalb muss ich mich wohl jetzt mal dazu durchringen und das Buch (plus Hörbuch) besprechen. 😉

Für mich waren die „Schriftstellerinnen“ der erste Titel aus der Reihe der „50 Klassiker“ von Gestenberg (ich habe allerdings noch einen weiteren Band davon ungelesen im Regal stehen) und so bin ich ohne große Erwartungen an das Buch herangegangen. Vom Aufbau her scheinen sich die Klassiker zu ähneln, wenn ich da nach Hermias Rezension zu den „Deutschen Schriftstellern“ gehen kann. Erst gibt es einen Essay zu der jeweiligen Person, der zwei bis fünf Seiten lang ist und zu dem auch Fotos der Schriftstellerinnen gehören, dann kommt eine Seite mit konkreten Daten und Fakten sowie Empfehlungen bezüglich der Werke der Autorin und Bücher/Filme über die Autorin.

Mit den Essays hatte ich stellenweise meine Probleme. So fiel mir schon ganz zu Beginn bei dem Beitrag zu Sophie von La Roche die Behauptung ins Auge, dass sie eine „gute“ Ehe führte, obwohl die Ehefrau bei der Hochzeit noch in einen anderen verliebt war. Einziger „Beleg“ dazu: Die Dame bekam acht Kinder, von denen fünf aufwachsen durften (die Formulierung lasse ich mal so stehen, den so wird es im Buch ausgedrückt …). So eine Aussage reicht mir persönlich aber nicht, um so eine Behauptung aufzustellen. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Hintergrund gewünscht, gerade weil diese Passagen so „persönlich“ geschrieben wurden.

Bei anderen Autorinnen, mit denen ich mich schon ausgiebiger beschäftigt habe, fand ich die eine oder andere nicht ganz so richtige oder längst wiederlegte Behauptung. Das ist jetzt kein großes Drama, man kann nicht erwarten, dass jemand für so einen Band intensivste Recherche betreibt, hat aber mein Vergnügen an diesem Sachbuch etwas getrübt. Trotz dieser Kritikpunkte fand ich „Schriftstellerinnen“ wirklich sehr interessant. Bei einigen Beiträgen habe ich mir Lesetipps aufgeschrieben, um mein Wissen zu vertiefen, andere Autorinnen waren mir vollkommen unbekannt und klangen durchaus spannend. Als Appetitanreger ist der Band hervorragend geeignet, wobei ich die reinen Faktenseiten fast fesselnder fand als die Essays und mich immer wieder dabei ertappte, dass ich Zettelchen in den Band steckte, damit ich irgendwann daran denke, dass ich mir einen Roman oder eine Biografie ausleihe oder eine neu entdeckte Autorin nicht aus den Augen verlor. (Ich erwähne jetzt mal nicht, dass so ein Zettelwust irgendwann etwas unübersichtlich wird. 😀 Aber hey, vielleicht wäre ja das Lesen dieser Autorinnen eine Challenge-Idee für das kommende Jahr …)

Parallel zum Sachbuch habe ich mir das Hörbuch vorgenommen. Ich war gespannt, wieweit sich die beiden Ausgaben dieses Titels voneinander unterscheiden und wie diese Art von Sachbuch als Hörbuch wirkt. Sehr glücklich war ich mit der Hörbuch-Umsetzung allerdings nicht. Statt 50 Schriftstellerinnen werden einem mit dem Hörbuch nur 25 Autorinnen vorgestellt, wobei sich mir nicht erschließt, warum man welche Personen in die Auswahl hineingenommen oder eben herausgelassen hat. Dafür finde ich es durchaus verständlich, dass man sich bei der Hörbuchversion auf die Essays beschränkt und die rein faktischen Texte weggelassen hat. Bei mir sorgte das dafür, dass ich nach den ersten Passagen Buch und Hörbuch zeitgleich nutzte. Ich ließ mir die Essays vorlesen, während ich gleichzeitig die Fotos im Buch betrachtete und den eine oder andere Absatz mitlas. Dann machte ich eine Pause beim Hörbuch und beschäftigte mich mit den kleinen eingeschobenen Infokästen, der Fakten-Zusammenfassung und den Lesetipps (oft genug noch mit dem Netbook bei der Hand, um zu gucken, was davon in der Bibliothek zu beziehen sei – was doch erschreckend wenig ist).

Letztendlich kann ich nicht behaupten, dass eine Hörbuchversion von „Schriftstellerinnen“ notwendig gewesen wäre. Nicht nur die Kürzungen mindern den Informationswert des Hörbuchs, auch die Sprecherin finde ich schlecht gewählt. Sigrid Burkholder liest die einzelnen Passagen, als ob sie Märchen für Kinder vortragen würde. Das lässt die Essays nicht nur sehr geschwollen klingen, sondern hatte auf mich auch eine erschreckend einschläfernde Wirkung. Hätte ich nur hingehört und mich nicht auch gleichzeitig mit dem Buch beschäftigen können, wäre bei mir wohl nicht viel hängen geblieben. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch das Geklimper – pardon, die entspannende Musik – zwischen den Passagen rund um die einzelnen Autorinnen. Da ich von den „50 Klassikern“ nicht nur das Buch, sondern auch das Hörbuch zur „Römischen Antike“ noch im Schrank stehen habe, werde ich da wohl auch noch reinhören (vor allem, da das von einem mir noch nicht bekannten Sprecher aufgenommen wurde), aber im Moment bin ich der Meinung, dass es zu dieser Reihe keine Hörbuch-Umsetzungen benötigt.