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Agatha Christie: 16 Uhr 50 ab Paddington (Hörbuch)

Auch wenn ihr es vermutlich nicht mehr sehen könnt: Ich habe mal wieder ein Hörbuch mit einer Agatha-Christie-Geschichte gehört und ja, ich schreibe eine Rezension dazu. 😀 „16 Uhr 50 ab Paddington“ gehört meinem Gefühl nach zu den bekanntesten Miss-Marple-Geschichten – vor allem aufgrund der Verfilmung mit Margaret Rutherford, die nicht so ganz werkgetreu erfolgte. Die Handlung beginnt in dieser Geschichte mit Mrs. McGillicuddy, einer älteren Dame, die in London ihre Weihnachtseinkäufe erledigt, um dann eine Freundin auf dem Land zu besuchen. Während der Zugfahrt beobachtet sie, während ihr Zug und eine zweite Eisenbahn ein Stückchen parallel fahren, einen Mord an einer jungen Dame. Da sie den Täter nur von hinten sieht, kann sie ihn nicht besonders gut beschreiben. Allerdings hat sie den Eindruck, dass es sich bei ihm um einen großen Mann um die 40 Jahre handeln müsste.

Als sie ihre Beobachtung dem Zugpersonal meldet, glaubt ihr der Schaffner ebensowenig wie der Bahnhofsvorsteher der nächsten Haltestelle. Einzig Miss Marple, zu der Mrs. McGillicuddy unterwegs war, ist davon überzeugt, dass ihre Freundin sich nichts eingebildet hat (und sei es nur, weil Elspeth McGillicuddy die Fantasie dafür fehlen würde). Und obwohl sie ihren Einfluss bei der örtlichen Polizei gelten macht, muss auch sie zugeben, dass die Ordnungshüter in einem Mord nur dann ermitteln können, wenn sie zumindest eine Leiche vorzuweisen haben. So rekonstruiert sie gemeinsam mit Mrs. McGillicuddy soweit wie möglich die Ereignisse, grenzt das Tatgebiet ein und engagiert Lucy Eyelesbarrow, um in dem fraglichen Gebiet nach einer Frauenleiche zu suchen.

Lucy Eyelesbarrow ist eine gehobene Haushälterin, die vor einiger Zeit von Miss Marples Neffen beauftragt worden war, die alte Dame zu pflegen, während sie sich von einer Krankheit erholt. Beide Frauen haben eine hohe Meinung voneinander und so verschiebt die 32jährige Lucy ihren geplanten Urlaub und sucht sich eine Stelle in dem Anwesen Rutherford Hall. Schnell steht fest, dass das Verbrechen mit dem Herrenhaus und seinen Bewohnern zu tun hat, zu denen der alte Luther Crackenthorpe, seine Tochter Emma und die – nicht mehr daheim lebenden – Söhne Harold, Cedric und Alfred gehören. Außerdem sieht man sehr oft den ehemaligen Piloten Bryan Eastley, der mit Emmas verstorbener Schwester verheiratet war, seinen Sohn Alexander und den hiesigen Arzt Dr. Quimper auf dem Anwesen.

Ich mag die Geschichte sehr gern, bietet sie Agatha Christie doch die Gelegenheit sehr viele verschiedene Charaktertypen und ihre Stellung innerhalb einer nicht ganz einfach Familienkonstellation zu präsentieren. Auch Lucy ist mir schon beim ersten Lesen des Romans ans Herz gewachsen und das hat sich in all der Zeit nicht geändert. Die Frau ist patent, energisch und weiß, was sie will. So hat sie nach einem erfolgreich abgeschlossenem Mathematikstudium die Tätigkeit der Haushälterin aufgenommen, weil sie so nicht nur mehr Geld verdienen kann als mit ihrem studierten Beruf, sondern auch tagtäglich mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun hat. Ich glaube, „16 Uhr 50 ab Paddington“ zeigt einfach besonders schön, wie es der Autorin gelingt mit nur wenigen Worten einen Menschen lebendig werden zu lassen. Mrs. McGillicuddy zum Beispiel spielt eigentlich nur eine kleine Rolle zu Beginn (und eine noch kürzere zum Ende) der Geschichte und doch hat man nach diesen wenigen Momenten schon das Gefühl, man könne sie genau einschätzen, wüsste genau wie ihr Leben bisher verlaufen ist und in Zukunft verlaufen wird. Dass der Krimianteil gut konstruiert ist, muss ich vermutlich gar nicht mehr erwähnen, aber ich finde, dass einen die Autorin schön auf falsche Fährten schickt und doch dafür sorgt, dass die Auflösung des Falls stimmig und gut fundiert ist.

Katharina Thalbach als Sprecherin dieses Hörbuchs … nun, ich hätte sie nicht gewählt, muss aber zugeben, dass sie ihre Sachen deutlich besser gemacht hat als in „Ruhe unsanft“. Zu Mrs. McGillicuddy passte ihre Geschichte sehr gut und sogar Alexanders Freund James fand ich mit ihrer Stimme überraschend überzeugend. Trotzdem finde ich ihre Stimme und ihre Art ein Hörbuch zu lesen nicht gerade für diese Geschichte geeignet. Lucy und die verschiedenen Männer klangen bei ihr nur selten überzeugend, ihre Aussprache der englischen Namen war zwar auch besser als in dem anderen Hörbuch, aber nicht immer ausreichend. So wunderte ich mich, dass der Hausherr keinen „Benny“ für den Erhalt des Anwesens investierte (und ja, ich stand auf dem Schlauch, denn es hat wirklich gedauert bis ich darauf kam, dass Penny gemeint war) und die verstorbene Edith wurde anfangs auch gern mal „Ääädith“ ausgesprochen. Auch gab es diverse Stellen, an denen der Text Reaktionen vorgibt wie „sagte sie energisch“ – während Katharina Thalbach die Figur in dem Moment eher panisch klingen ließ.

[Kurz und knapp] Harald Schneider: Tote Beete (Hörbuch)

„Tote Beete“ von Harald Schneider ist – wie ich im Nachhinein erfahren habe – der zehnte Teil einer Krimiserie rund um den Polizisten Reiner Palzki. Die Romanvorlage ist im Gmeiner Verlag erschienen, die Hörbuchumsetzung bei Radioropa und gelesen wurde das Ganze von Manfred Callsen. Für die Inhaltsangabe bemühe ich mal den Klappentext des Hörbuchs:

„Hauptkommissar Reiner Palzki besucht mit seiner Familie nicht ganz freiwillig die Landesgartenschau in Landau, als plötzlich eine gewaltige Explosion das Gelände erschüttert. Ein Besucher ist tot, ein Gärtnermeister verletzt. Bei seinen Ermittlungen stößt Palski auf dubiose Vorgänge, in die der Gärtner verwickelt war. Aber auch der bekannte Salathersteller, bei dem der Tote als Prokurist arbeitete, hat mehr als ein finsteres Geheimnis …“

Regionalkrimis sind ja immer so eine Sache. Manche finde ich wunderbar (z.B. „Frau Maier fischt im Trüben“), andere zumindest ganz nett und dann gibt es die, bei denen ich mir ernsthaft vornehme nie wieder einen Regionalkrimi anzufassen. Leider gehört „Tote Beete“ zur letzteren Kategorie – was nicht nur meinen Blutdruck in den letzten Tagen regelmäßig in die Höhe getrieben hat, sondern auch dafür sorgte, dass mein Mann sich nach den ersten Minuten weigerte auch noch ein weiteres Kapitel dieses Machwerks zu ertragen.

Sollte unter euch jemand sein, der diese Geschichte (oder die Vorgängerromane) mochte, den bitte ich mir zu erklären, was daran unterhaltsam sein soll! Dass der Kriminalfall unlogisch und banal gestaltet wurde, ist kein Problem für mich, ist dieser Teil der Handlung doch eh in diesem Fall nebensächlich. Was ich aber wirklich schlimm fand, war die Charaktergestaltung. Palzki ist ein aufgeblasender Idiot, der für seine Umwelt nur Verachtung übrig hat, und der Rest der Figuren besteht entweder aus farblosen Randerscheinungen (z.B. seine Kollegen, die im Gegensatz zu ihm wenigstens ab und an arbeiten) und vollkommen abgedrehten Personen, die so extrem „überzogen“ dargestellt werden, dass es einfach nicht mehr witzig ist.

Harald Schneider spielt in seiner Geschichte nicht mit Klischees, sondern arbeitet anscheinend eine Liste mit „witzigen“ Vorurteilen ab. Witze über VegetarierInnen/VeganerInnen? Erledigt! Witze über Frauen, die Handarbeiten? Erledigt! Witze über geldgierige Ärzte? Erledigt! Witze über Vorgesetzte? Erledigt! – und so könnte man endlos fortfahren. Das Ganze ist dabei so platt und billig dargestellt, dass es einfach nicht amüsant ist. Dazu wird jede „humorvolle“ Bemerkung so lange erklärt, dass selbst eine Amöbe irgendwann den „Witz“ dahinter verstanden haben sollte – was es wirklich nicht lustiger macht.

Außerdem ist die ganze Geschichte sehr dialoglastig, was kein Problem wäre, wenn die diversen Figuren eine eigene Stimme hätten. Aber alle Personen klingen gleich, verwenden die gleichen Satzstrukturen, die gleichen Redewendungen und haben die gleiche Art sich auszudrücken. Dazu kommt noch eine unerträgliche Belanglosigkeit der Gespräche, die häufig überhaupt erst deshalb entstehen, weil Palzki quer durch die Gegend fährt, um dann vier Sätze mit einem Zeugen oder Verdächtigen auszutauschen, und dann wieder wegzugehen, weil er keine Lust mehr hat zu arbeiten. Das Ganze ist definitiv nicht meine Art von Humor – und wenn man den Humor nicht mag, dann gibt es wirklich nichts Erträgliches an „Tote Beete“.

Auch wenn mir das Hörbuch so gar nicht gefallen hat, muss ich zugeben, dass Manfred Callsen seine Arbeit – im Rahmen dessen, was die Geschichte nun mal hergibt – gut gemacht hat. Die ganze Zeit hatte der Sprecher einen angemessenen amüsierten Unterton, während er die Geschichte gelesen hat und seine Stimme habe ich als angenehm klar empfunden. Achja, das Hörbuch beinhaltet neben dem Krimi noch drei „Bonus“-Kapitel (übrigens als Extra-Bonus bezeichnet – was ja wohl ein bisschen doppelgemoppelt ist), die eine kurze „Mitrategeschichte“, eine Kurzgeschichte und einen Vortrag des Autors zu seinen Krimis beinhalten. Alles miteinander hält das „Niveau“ des Krimis und ist ebenso „lustig“ anzuhören.

[Kurz und knapp] Agatha Christie: Ruhe unsanft (Hörbuch)

Wer meinen Blog etwas aufmerksamer verfolgt, wird jetzt vermutlich stutzen und sich fragen, warum ich nach gerade mal sieben Monaten schon wieder eine Rezension von Agatha Christies „Ruhe unsanft“ veröffentliche. Aber da ich mit der Version, die von Katharina Thalbach eingelesen wurde, nicht so glücklich war, habe ich dankbar die Chance ergriffen, als mir Natira eine Variante lieh, die von Gabriele Blum gelesen wurde. Wer sich über den Inhalt informieren will, kann gern auf die oben verlinkte Rezension zurückgreifen, ansonsten möchte ich hier nur kurz auf die Unterschiede zwischen beiden Versionen und auf die Leistung von Gabriele Blum eingehen.

Diese Version von „Ruhe unsanft“ ist nicht nur ungekürzt – was ganz wunderbar ist, weil so die verschiedenen Charaktere erst richtig vom Hörer erfasst werden können -, sondern transportiert auch eine ganz andere Stimmung als das Hörbuch mit Katharina Thalbach. „Ruhe unsanft“ ist eine recht ruhige Geschichte, bei der sehr viele Szenen zwischen Gwenda und Giles, einem jungen Ehepaar aus Neuseeland, und wechselnden dritten Personen spielen. In diesen Gesprächen versucht das Paar Informationen über Geschehnisse zu erhalten, die schon 18 Jahre in der Vergangenheit liegen. Das führt dazu, dass ihnen ihre Gesprächspartner auf der einen Seite mit Verwunderung und Irritation begegnen, aber auf der anderen Seite auch neugierig oder gar erfreut darüber, dass sie mal wieder über frühere Zeiten sprechen können.

Gabriele Blum hat bei all den vielfältigen Reaktionen, bei den unterschiedlichen Charakteren und in den verschiedenen Szenen meinem Gefühl nach so gut wie immer den richtigen Ton getroffen. Anfangs fand ich ihre Miss Marple ein klein wenig zu bedächtig, aber so ist es mir lieber, als wenn sie zu forsch klingt. Auch bei Gwenda hätte ich mir die eine oder andere kleine Nebenbemerkung etwas lebhafter vorstellen können, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit der Sprecherin. Ganz dezent hat sie den Figuren unterschiedliche Facetten verliehen und die Atmosphäre des Romans wunderbar für dieses Hörbuch umgesetzt. Oh, und an ihrer englischen Aussprache hatte ich auch nichts auszusetzen. 😉 Ich fand ihre Interpretation der Geschichte wirklich wunderbar und habe jede Minute genossen und hoffe sehr, dass mir noch mehr Hörbücher mit der Sprecherin unterkommen.

(Bei meiner Suche nach weiteren Hörbüchern mit Gabriele Blum, bin ich darüber gestolpert, dass sie anscheinend eine ungekürzte Jane-Eyre-Version eingelesen hat. Wenn also einer von euch Audible-Abo-Besitzern damit mal einen Versuch wagen würde, wäre ich sehr neugierig darauf, wie das geworden ist.)

Caroline Vermalle: Denn das Glück ist eine Reise (Hörbuch)

Inzwischen ist es drei Jahre her, dass ich den Roman „Denn das Glück ist eine Reise“ von Caroline Vermalle gelesen habe. Und da mir die Geschichte so gut gefallen hatte und ich gern ein Wiedersehen mit Georges und Charles feiern wollte, habe ich dankbar zugegriffen, als mir Natira das Hörbuch als Leihgabe anbot. Ich muss gestehen, dass ich mir anfangs nicht vorstellen konnte, dass die Passagen, in denen Georges SMS schreibt, vorgelesen funktionieren könnten, hatte mich da aber zum Glück getäuscht. So saß ich vorgestern da und mir kullerten dicke Tränen übers Gesicht, während ich beim Tapetenkratzen die letzte Etappe von Georges und Charles ganz persönlicher Tour de France verfolgte. Ganz ehrlich, wenn man weiß was passieren wird, dann ist diese Geschichte fast noch rührender als beim ersten Lesen …

Da die Hörbuch-Version von „Denn das Glück ist eine Reise“ ungekürzt ist, durfte ich wieder jede einzelne Etappe, die Georges und Charles auf ihrer Reise zurücklegen, genießen. Gelesen wurde das Hörbuch von Tobias Dutschke, der seine Sache ganz wunderbar gemacht hat, auch wenn ich mich anfangs etwas an seine Stimme gewöhnen musste. Das aber liegt daran, dass man die ersten Passagen aus der Sicht von Georges Enkelin Adèle erlebt und zu einer 23jährigen Frau passt die charismatische Männerstimme nicht ganz so gut wie zu dem 83jährigen Georges und seinem deutlich jüngerem (76! *g*) Nachbarn Charles.

Die beiden Herren erfüllen sich einen Jugendtraum und fahren die Etappen der Tour de France mit dem Auto nach. Zwei Monate nehmen sie sich Zeit, um all die Orte anzusehen, die sie nur aus dem Fernsehen kennen. Charles und Georges treiben sehr unterschiedliche Motive an und während man Charles Gründe für die Reise erst spät in der Geschichte herausfindet, so steht von Anfang an fest, dass Georges dieses Vorhaben als letztes Abenteuer seines Lebens geplant hat. Er ist schon seit vielen Jahren gesundheitlich angeschlagen, hat sich entmutigen lassen und seine Lebensfreude verloren. Für ihn ist diese Tour de France eine Möglichkeit noch einmal etwas zu erleben, statt eines Tages tot in seinem Sessel im Wohnzimmer gefunden zu werden.

Dass die Tour anstrengend sein würde, hatte Georges erwartet, doch dass ihm all die neuen Menschen, die er kennenlernt und die wunderschöne Natur der Bretagne neuen Lebensmut geben würden, hatte er nicht erwartet. Dazu kommt noch, dass ihm seine Enkelin Adèle auf die Schliche kommt und darauf besteht, dass er ihr jeden Tag eine SMS mit seinem Aufenthaltsort schickt. Aus diesen kleinen Nachrichten entsteht eine ganz neue Beziehung zwischen den beiden, nachdem sie in den letzten zehn Jahren kaum Kontakt hatten. Obwohl ich die Geschichte ja schon kannte, habe ich es genossen, wenn Georges und Charles sich einen gemütlichen Abend in einem Restaurant gegönnt habe oder wenn sie wieder einen schönen Strand, ein Hafenstädtchen oder ein Hotel mit einem gemütlichen Bett gefunden haben.

Doch vor allem die Beziehung zwischen Georges und Adèle, die Freundschaft zwischen Georges und Charles und all die Dinge, die Georges über sich selber herausfindet, machen dieses Hörbuch so hörenswert. Umso mehr, da Tobias Dutschke all diesen kleinen und größeren Momenten ganz wunderbar zum Ausdruck bringt. Neugierig wie ich bin, habe ich auf einer Seite, auf der man ihn buchen kann, mal sein Profil angeschaut, dort wird er für ein „Sprachalter von 30 bis 45 Jahren“ empfohlen – ich würde diese Empfehlung locker um 40 Jahre raufsetzen. Seine „Altherrenstimme“ ist wunderbar warm, schwankt zwischen Zerbrechlichkeit und Kraft und überzeugt sowohl bei den ruhigeren und bedächtigeren Passagen, als auch bei den emotionalen, spontanen und wütenden Momenten. Für mich werden Georges und Charles von nun an immer so klingen wie in diesem Hörbuch – und das macht mich sehr glücklich.

Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage (Hörbuch)

„Sieben verdammt lange Tage“ von Jonathan Tropper hockt schon sehr lange auf meinem SuB, aber so richtig habe ich mich nie in der Stimmung für das Buch gefühlt. Umso erfreuter habe ich zugegriffen, als mir Natira das Hörbuch als Leihgabe angeboten hat. Grundsätzlich mag ich diese Art von Familiengeschichten sehr – vielleicht, weil mir meine Familie im Vergleich den Foxmans gleich sehr viel normaler vorkommt. Aber nach dem Hören dieses Hörbuchs, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich eine Protagonistin benötige, um mich mich wohlzufühlen. Und sei es nur, weil ich dann nicht ständig mit dem fehlenden Sexleben der Hauptfigur und seinen Gedanken und Reaktionen auf jedes einigermaßen attraktive weibliche Wesen konfrontiert werde.

Aber vielleicht sollte ich erst einmal ein paar Worte zur Handlung verlieren. In „Sieben verdammt lange Tage“ dreht sich die Handlung um Judd, der vor ein paar Wochen herausgefunden hat, dass seine Frau Jen ihn mit seinem Chef betrügt. Pikanterweise hat er Jen prompt an ihrem Geburtstag mit ihrem Liebhaber in in ihrem Ehebett erwischt, als er sie früher von der Arbeit kam, um sie mit einer Torte zu überraschen. Die Torte mitsamt den brennenden Kerzen landete dann im Hintern des Chefs und das war es dann mit Judds Ehe. Kurz darauf stirbt Judds Vater, der schon längere Zeit krank war, und um den letzten Wunsch des Toten zu erfüllen, sollen Judd und seine drei Geschwister – wie es sich nach dem traditionellen jüdischen Glauben gehört – sieben Tage Schiwa sitzen.

Während dieser sieben Tage, in denen sich die Mitglieder der Familie Foxman kaum aus dem Weg gehen können, kommen viele Gefühle hoch, die seit Jahren von allen totgeschwiegen wurden, und alte und aktuelle Konflikte lassen sich nicht länger ignorieren. Während Judds ältere Schwester Wendy von ihrem vielbeschäftigen Ehemann Barry mit den drei kleinen Kindern ständig allein gelassen wird und ihrem Jugendfreund hinterhertrauert, wirft sein Bruder Paul ihm vor, dass er seinetwegen nicht aufs College gehen konnte. Außerdem ist Paul mit Judds Ex-Freundin Alice verheiratet und die beiden versuchen seit Jahren vergeblich Kinder zu bekommen, während Judds Frau Jen gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist. Einzig Phillip, der jüngste der Foxman-Geschwister, scheint unbelastet durchs Leben zu gehen, doch natürlich trügt der Anschein.

Wie schon erwähnt, mochte ich die Familienszenen in dieser Geschichte. Die Liebe zwischen den Geschwistern ist ebenso greifbar wie all die größeren und kleineren Verletzungen, die sie sich gegenseitig – mal mehr, mal weniger absichtlich – zugefügt haben. Auch das Verhältnis zu den Eltern ist nicht ganz ungetrübt und so langsam wird Judd und seinen Geschwistern klar, dass sie ihren Vater verloren haben und keine Gelegenheit mehr haben werden, um ihm näher zu kommen. Was ich nicht mochte – und ich muss zugeben, dass ich grundsätzlich ein Problem damit habe – ist die … ähm … sexuelle Bedürftigkeit von Judd. Seit der Trennung von Jen hat er mit keiner Frau mehr geschlafen (wobei im Laufe der Geschichte klar wird, dass der letzte Sex keine drei Monate her ist) und ist so „bedürftig“, dass er anscheinend an nichts anderen mehr denken kann. Ständig betrachtet und beurteilt er Busen, Beine und Hintern und das hinterlässt bei mir einen ziemlich fiesen Nachgeschmack …

Der Sprecher, Andreas Pietschmann, liefert solide Arbeit. Ich fand seine Lesung passend und unterhaltsam und er verlieh den einzelnen Charakteren einen ausreichenden Wiedererkennungswert. Dass die Frauenstimmen immer mal wieder etwas unnatürlich klangen, fällt nicht so schwer ins Gewicht, da er bei diesen Passagen nicht so extrem die Stimme verstellte wie manch anderer Sprecher – da kann ich das verzeihen. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich jetzt weder die Stimme von Andreas Pietschmann, noch seine Leistung so herausstechend fand, dass er für mich einen Wiedererkennungswert besitzt.

Celia L. Grace: Die Heilerin von Canterbury und die Bruderschaft des Todes (Hörbuch)

Da mich „Die Heilerin von Canterbury und das Buch des Hexers“ so gut unterhalten hatte und so schnell gehört war, habe ich den folgenden Teil, „Die Heilerin von Canterbury und die Bruderschaft des Todes“, gleich hinterhergeschoben. Dieses Mal dreht sich die Handlung um Spione und Intrigen, um Mönche und Königinnen – eine ganz nette Zusammenstellung, wie ich finde. Kathryn wird von dem Erzbischof von Canterbury mit einer ungewöhnlichen Aufgabe betraut, bei der sie sich intensiv mit den Vorgängen in einem Kloster auseinandersetzen muss. Dort verstarb vor einigen Tagen der älterer Mönch Bruder Adworth, was nicht weiter bemerkenswert gewesen wäre, wäre der alte Mann nicht der Beichtvater der Königinmutter Cecily von York gewesen.

Noch pikanter wird die Angelegenheit durch diverse „Wunder“, die der Verstorbene nach seinem Tod bewirkt haben soll. Um nun die Heiligsprechung von Roger Adworth in die Wege leiten zu können, müssen die Vorfälle genau untersucht werden – wobei Kathryn als „advocata diaboli“ fungiert. Sie findet nicht nur schnell heraus, dass der verstorbene Bruder getötet wurde, sondern auch, dass eine Verbindung zu der Ermordung eines Spions besteht, der sich mit Column, dem Beauftragten des Königs in Canterbury, hätte treffen sollen.

Auch für diese Hörbuchumsetzung wurde die Buchvorlage gekürzt wiedergegeben, und auch dieses Mal hatte ich nicht das Gefühl, dass ich für die Lösung des Kriminalfalls relevante Details verpassen würde. Deshalb vermutete ich anfangs, dass sich die Kürzungen vor allem auf die kleinen persönlichen Szenen beziehen, die dem Roman noch etwas mehr Atmosphäre verleihen und auf Details des Alltagslebens zu dieser Zeit eingehen. Allerdings habe ich in der Zwischenzeit herausbekommen, dass es in der Romanvorlage einen zweiten Handlungsstrang gibt, der sich um eine Rattenplage in Canterbury dreht. Das wäre bestimmt auch interessant gewesen, wenn man bedenkt, welche Risiken damit im 15. Jahrhundert verbunden waren.

Insgesamt fand ich das Hörbuch wieder sehr unterhaltsam, denn auch ohne die diversen Details und den zweiten Handlungsstrang bekommt man immer noch eine Menge Informationen über das Leben und den Alltag zu dieser Zeit in Canterbury, erhält einen Einblick in die internen Probleme der königlichen Familie und in die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man als normaler Bürger in die Angelegenheiten der Herrschenden hineingezogen wird. Diese Mischung aus historischen Details und sympathischen fiktiven Figuren hatte mir schon bei den Romanen gefallen, außerdem fühlen sich die Kriminalfälle stimmig an. Motive, Täter und Durchführung der Tat wirken auf mich nicht totkonstruiert, sondern passend für die Zeit und die technischen Mittel.

Wie schon bei „Das Buch des Hexers“ wurde auch dieses Hörbuch von Renate Kohn gesprochen, die ihre Sache wieder sehr gut gemacht hat. Auch mit der Tonqualität und der Trackeinteilung war ich zufrieden (auf die genaue Tracklänge habe ich dieses Mal nicht geachtet, weil ich beim Hören mit Gewächsen aus der Hölle kämpfte). Ach, einen Punkt hatte ich bei der letzten Rezension ganz unterschlagen: Die Übergänge zwischen den Tracks werden von mittelalterlicher Musik (mal rein instrumental, mal mit Gesang) begleitet, die ich zwar ganz nett finde, auf die man meinetwegen aber auch hätte verzichten können.

Celia L. Grace: Die Heilerin von Canterbury und das Buch des Hexers (Hörbuch)

Vor einigen Jahren habe ich gern historische Kriminalromane gelesen, darunter auch Bücher aus der Reihe „Die Heilerin von Canterbury“ von Celia L. Grace. Hinter dem Autorennamen „Celia L. Grace“ verbirgt sich der Historiker Paul Doherty, der unter weiteren Pseudonymen noch viele andere historische Romane geschrieben hat – ich muss aber zugeben, dass ich die weiteren Reihen nicht kenne. Die Hörbuchversion von „Die Heilerin von Canterbury und das Buch des Hexers“ wurde vom Eichborn Verlag deutlich gekürzt, was aber nicht dafür gesorgt hat, dass man der Handlung nicht mehr folgen kann. Alle Passagen rund um die Ermittlungen fügen sich gut zusammen, und wenn man nicht wüsste, dass der Autor gern kleine Alltagsszenen in die Geschichte einbaut, würde man vermutlich gar nichts vermissen.

In diesem Band der Reihe rund um die Heilerin von Canterbury muss sich Kathryn Swinbrooke mit der Ermordung des Magiers Tenebrae auseinandersetzen. Die verwitwete Ärztin wird inzwischen regelmäßig von der Ratsversammlung von Canterbury herangezogen, um gemeinsam mit Culumn, dem Sonderbeauftragten von König Edward IV., in Todesfällen zu ermitteln, die die Mächtigen des Landes in Unruhe versetzen. Der Rosenkrieg ist gerade mal ein Jahr her, und noch immer versucht England, mit den neuen – und noch unsicheren – Machtverhältnissen zurechtzukommen.

Der Tod Tenebraes und das Verschwinden seines magischen Buches alarmieren nicht nur die diversen Pilger, die den Magier aufsuchen wollten, sondern auch die Königin, die sich immer wieder ratsuchend an den Magier gewandt hatte. Denn Tenebrae war nicht nur für seine Magie berühmt, sondern auch für all die Geheimnisse, die er seinen Klienten entlockt und zu seinen Gunsten verwendet hatte. Dieses Wissen über die Schwachstellen und Verfehlungen seiner Kunden sammelte der unangenehme Mann in seinem schwarzen Buch und erpresste so Geld und Gefälligkeiten. Auch die Pilgergruppe, die den Mager am Vormittag seines Todes aufgesucht hatte, musste Tenebraes Wissen fürchten – und so steht für Kathryn und Culumn schnell fest, dass sich der Mörder unter ihnen befindet.

Was den Krimianteil angeht, so ist diese Geschichte jetzt nicht so wahnsinnig spannend. Aber ich fand es interessant, die verschiedenen Verhöre und Gespräch zu verfolgen und mir meine eigenen Gedanken zum Ablauf des Mordes zu machen. Noch reizvoller waren die vielen Szenen, in denen der Alltag in einer Stadt wie Canterbury rund um 1470 dargestellt wird. Auch wenn es davon in diesem Hörbuch deutlich weniger Momente gab als in den Romanen, hatte ich doch das Gefühl, dass mir hier auf beiläufige und wenig plakative Weise das ganz normale Leben nähergebracht wurde – und das nicht nur aus Kathryns Sicht, die als relativ gebildete Frau ein recht privilegiertes Leben führt.

Die Sprecherin Renate Kohn war mir vor diesem Hörbuch – wenn ich mich richtig erinnere – noch nicht untergekommen, aber sie hat mir gut gefallen. Ich mochte ihre Stimme, sie hat die verschiedenen Szenen lebendig, aber nie übertrieben gelesen und den verschiedenen Charakteren dezent Individualität verliehen. So hat ihre Leistung dazu geführt, dass ich mir die Geschichte sehr gern vorlesen ließ und mich schon auf das zweite Hörbuch rund um die Heilerin von Canterbury freue.

Laini Taylor: Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten (Hörbuch)

Vor ungefähr zwei Jahren ging dieser Titel durch diverse Blogs und reizte mich überhaupt nicht, obwohl ich ja grundsätzlich ein Menge mit Urban-Fantasy-Titeln anfangen kann. Dann aber habe ich für Arianas Hörbuch-Challenge ein paar Hörbücher geliehen bekommen, unter denen sich auch „Daughter of Smoke and Bone – Zwischen den Welten“ von Laini Taylor befand – und dachte, dass das eine gute Begleitung zum endlosen Tapetenkratzen im Flur sein könnte.

Anfangs lernt der Hörer die junge Karou kennen, die in Prag lebt, an einer kleinen privaten Kunstakademie studiert und bei Chimären aufgewachsen ist. Für sie ist es normal, dass sie diese beiden Teile ihres Lebens getrennt hält und ihren menschlichen Bekanntschaften die Porträts ihrer „Familie“ als Darstellung fiktiver Figuren präsentiert. Dass Karou keine unauffällige Person ist mit ihren Tatoos, ihren blauen Haaren und ihrer Verschwiegenheit über ihr Privatleben, wird allgemein akzeptiert. Für sie selbst gehört die Frage, woher sie stammt und wie es kam, dass sie von Chimären aufgezogen wurde, schon immer zu ihrem Leben. Aber da ihre Familie ihr keine Fragen zu ihrer Herkunft, den Chimären oder dem rätselhaften Geschäft des Wunscherfüllens, dem ihr Pflegevater Brimstone nachgeht, beantwortet, lebt sie gezwungenermaßen mit all diesen Wissenslücken.

Doch dann kommt der Tag, an dem die magischen Portale zu Brimstones Laden von drei „Engeln“ zerstört werden und so Karou jeglicher Möglichkeit berauben ihre Familie wiederzusehen. Nur gut, dass Akiva, einer der Seraphim, kurz zuvor noch auf Karou stieß, sie als Teil der Chimären identifizierte und deshalb mit ihr kämpfte. Später geht beiden dieser Kampf nicht mehr aus dem Sinn und während Karou nach einem Weg in die Welt der Chimären sucht, sucht Akiva Karous Nähe, um mehr über sie und die Anziehung, die sie auf ihn ausübt, herauszufinden.

Das Hörbuch war eine nette Begleitung beim Tapetenkratzen. Aber bei einer etwas weniger lästigen Beschäftigung hätte ich es wohl abgebrochen, da die Handlung für mich unsagbar vorhersehbar war. Besonders lästig fand ich es, dass all die interessanten Details über die Welt der Seraphim und Chimären erst im letzten Drittel erzählt wurden, als ich mir den Großteil schon längst zusammengereimt hatte und keine ausufernden Beschreibungen der verschiedenen Biografien, Historien und Legenden mehr hören wollte. Dabei finde ich die Welt, die sich Laini Taylor für ihre Geschichte ausgedacht hat, in großen Teilen wirklich reizvoll.

Die Seraphim gehören zu eine Art „römischen“ Imperium und erobern seit Jahrhunderten die Länder der verschiedenen „barbarischen“ Chimärenvölker. Durch den gemeinsamen Feind wurden die Chimären gezwungen zusammenzuarbeiten und eine Möglichkeit zu ersinnen in diesem Krieg zu bestehen. Warum der Krieg ursprünglich ausbrach wird eigentlich nicht geklärt, Akiva meint Karou gegenüber aber in einem Gespräch, dass die Seraphim den Chimären eigentlich nur die Segnungen der Zivilisation gebracht hätten – und reagiert nicht gerade fröhlich darüber, dass sie meint, dass Krieg und Sklaverei dafür doch ein etwas hoher Preis wären.

Schön fand ich die Beschreibungen der Chimären, von den rein tierischen Mischwesen bis zu den sogenannten „hochmenschlichen“ Mischwesen, die neben den verschiedenen tierischen Körperelementen über menschliche Oberkörper und Gesichter verfügen. Dabei finde ich es aber sehr schade, dass die Autorin die Gelegenheit nicht genutzt hat, um ein eigenes Schönheitsideal für so eine Gesellschaft zu finden, statt das „hochmenschliche“ Aussehen als besonders erstrebenswertes Schönheitsideal anzupreisen – und die damit verbundene Wendung in der Handlung fand ich unpassend und enttäuschend. Überhaupt ist dieses „daraus hätte man mehr machen können“-Gefühl etwas, das mich die ganze Geschichte über begleitet hat und neben der fehlenden Spannung zu einer gewissen Unzufriedenheit geführt hat.

Gelesen wurde die Geschichte von Julia Nachtmann, die ihre Sache allerdings wirklich gut gemacht hat. Ihre junge und doch hin und wieder spröde Stimme passte gut zur 17jährigen Karou und war angenehm zu hören, aber auch alle anderen Figuren habe ich ihr abgenommen. Obwohl die Sprecherin ihre Stimme kaum verstellt hat, wusste ich bei jedem Wiedereinstieg nur anhand der Stimmlage sofort, welche Figur gerade zu Wort kam. Mit der Tonqualität war ich auch zufrieden, ebenso wie mit der Tracklänge von durchschnittlich 5 Minuten.

Ulrich Hefner: Blutinsel (Hörbuch)

Da meldet man sich im Januar zu einer Hörbuch-Challenge an, weil man ja doch noch ein paar ungehörte Hörbücher im Regal stehen hat und weil das so eine angenehme Unterhaltung beim Nähen ist und weil das so eine nette Challenge ist und überhaupt bekommt man ja auch so freundliche Leihangebote – und dann greift man prompt als erstes zu einem Hörbuch, das nicht gerade zum Weiterhören animiert. 😉 Und weil „man“ – also ich – so dämlich war und weil 16 Stunden und 39 Minuten viel Zeit lassen, um sich aufzuregen, zu langweilen und Notizen zu machen, gibt es jetzt einen etwas längeren Text zu „Blutinsel“ von Ulrich Hefner.

Über das Hörbuch bin ich gestolpert, als ich gerade in einer „ich würde gern mal wieder so was Thrillerartiges lesen“-Stimmung war. Der Klappentext klang zwar etwas ausgelutscht, aber ich hoffte, dass das Ganze recht unterhaltsam werden würde. Der Autor Ulrich Hefner ist übrigens Polizist und mit Autoren, die einen solchen Hintergrund haben, habe ich zumindest bei ein paar amerikanischen Krimireihen ganz gute Erfahrungen gemacht. Für eine erste Übersicht zitiere ich mal den Klappentext:

„Detective Cathy Ronsted und ihr Kollege Brian Stockwell werden auf die einsame Insel Hell’s Kitchen gerufen, um eine mysteriöse Mordserie aufzuklären. Abergläubisch und in eine schuldhafte Vergangenheit verstrickt, begegnen ihnen die Inselbewohner abweisend, ja feindlich. Während die Ermittlungen ins Stocken geraten, fliehen auf dem amerikanischen Festland, 300 Meilen entfernt, vier Schwerverbrecher aus einem Gefängnis. Sie hinterlassen eine Spur aus Blut und Gewalt, die schließlich nach Hell’s Kitchen Island führt. Dort verfolgen die Ausbrecher und der Killer einen grausamen Plan …“

Dass die Gefangenen nicht aus dem Gefängnis, sondern bei einem Transport zum Arzt fliehen, der „Ausbruch“ und der erste Mord parallel verlaufen, dass zwei der vier Verbrecher nichts mit der Insel zu tun haben, dass die vier Typen von US-Marshalls verfolgt werden, dass die Feindseligkeit der Inselbewohner eher damit zu tun haben, dass Cathy eine Frau und eine Farbige (und eine entsetzlich dumme Person) ist und dass „die Spur aus Blut und Gewalt“ sich in gerade mal einem angeschossenen Deputy, einem entführten Tierarzt und einer durch die US-Marshalls angefangenen Schießerei äußert, möchte ich gar nicht mal groß kommentieren. Vor allem den Teil rund um die vier wahnsinnig gefährlichen Ausbrecher, der einen ermüdend großen Teil der ersten zwei Drittel der Erzählung einnimmt, kann man komplett vergessen und hätte man meiner Meinung nach für dieses Hörbuch radikal wegkürzen können.

Dann wären von der Handlung noch folgende Aspekte übrig geblieben:

1. Der Prolog, in dem der Hörer verfolgen kann, wie 1971 ein Schiff bei der Fahrt vom Festland zur Hell’s Kitchen Island (nein, ich sage nichts zu dem Namen … gar nichts … auch nichts dazu, dass die örtliche Kneipe „Hell’s End“ heißt und der einzige Ort auf der Insel „(The) Village“ … boah!) untergeht und mit dem Schiff die vierköpfige Mannschaft und vierzig asiatische Passagiere, die in der Fischfabrik auf der Insel arbeiten sollten.

2. Die aktuelle Handlung, die 2007 spielt und die damit beginnt, dass einer der Schäfer auf der Insel einer geisterhaften und unheimlichen Figur begegnet, in der er einen Piratenkapitän zu erkennen glaubt, der vor dreihundert Jahren die Gegend unsicher machte. Besagte Sagengestalt wird dann auch für den bestialischen Mord an dem ehemaligen Leuchtturmwärter (und seiner Frau, aber die zählt nicht, die wurde ja nur die Klippen runtergestoßen und nicht gefoltert, gekreuzigt und mit einem Stauerhaken erschlagen) sowie für die Morde an diversen weiteren Herren (zum Teil ebenfalls inklusive Ehefrau, aber die zählen ja – wie schon erwähnt – nicht) verantwortlich gemacht. Ermitteln darf Cathy Ronsted, die bislang bei der Drogenfahndung war und keinerlei Erfahrung mit Mordermittlungen hat, weshalb ihr der altgediente Brian Stockwell zur Seite gestellt wird. Sehr zuträglich für die Zusammenarbeit ist es, dass Cathy sich ständig verfolgt und angegriffen fühlt, weil sie farbig, weiblich und eine doofe Kuh mordermittlungsunerfahren ist, während Brian für ihren gemeinsamen Chef spionieren darf und Cathys sämtliche Fehler per Handy weiterleitet.

Immerhin macht Brian Cathy anfangs darauf aufmerksam, dass sämtliche Inselbewohner inklusive der vier Mönche/Priester im Kloster auf der Insel zu den Verdächtigen gehören – und das war es dann erst einmal mit sämtlicher Vernunft bei der Ermittlungsarbeit. Zumindest für die ersten fünf Tage (in denen es natürlich weitere Morde gibt, denn der Täter lässt sich von zwei so unfähigen Polizisten nicht in seinem Tun stören). Dann erst lässt sich Cathy von Brian erklären, wie man in einem Mordfall vorgeht, dass man nicht einer vorgefassten Meinung hinterherläuft, dass man sich alle potenziellen Verdächtigen anschauen muss, dass man Zeugenaussagen und Indizien anschauen sollte, dass Alibis zu überprüfen sind, dass … naja, eben die Dinge, die ein normaler Mensch (spätestens, wenn er mal einen einigermaßen vernünftigen Krimi gesehen oder gelesen hat) als Grundlagenwissen voraussetzen würde!

Aber selbst nach diesem Crashkurs für Polizei-Neulinge geht es mit den Ermittlungen nicht wirklich voran. Cathy nimmt ständig alles persönlich, startet Alleingänge und ist gekränkt, wenn sie nicht über jeden Mist informiert wird. Noch schlimmer wird es, wenn dank Sturm (die gesamte Geschichte über herrscht gaaaanz schrecklicher Sturm, zumindest dann, wenn der Autor die Spannung [also die, die beinah und ganz eventuell vorhanden wäre] erhöhen möchte, während das Wetter natürlich immer ganz wunderbar ist, wenn man mal wieder eine Schiffspassage oder einen Hubschrauberflug benötigt) erneut die Kommunikation lahmliegt. Das ist selbstverständlich wieder eine Kränkung, die sich ganz persönlich gegen Cathy richtet! Von den Fehlern bezüglich „sämtliche Verbindungen zum Festland inklusive Satellitenhandy sind zusammengebrochen, aber die Dame kann trotzdem Informationen per E-Mail empfangen“ möchte ich gar nicht anfangen.

Trotz dieser zum Teil sehr nervigen Charaktere (Cathy ist da nur das Extrembeispiel) hätte die Geschichte noch ganz unterhaltsam werden können, wenn nicht sämtliche Hinweise demonstrativ ignoriert würden. Statt – wie Brian anfangs so schön betonte – ALLE Verdächtigen in Betracht zu ziehen, konzentrieren sich die Ermittlungen auf eine kleine Gruppe. Mich hat das im Laufe der Zeit zur Weißglut getrieben, ebenso wie die ständige Betonung, dass der Täter Schuhgröße 9 trägt, während doch fast alle Männer auf der Insel Schuhgröße 12 tragen (und nein, natürlich konnte eine Frau unmöglich die Täterin sein). Ich bin jetzt mal so gemein und spoilere: Es gibt genau drei Männer mit Schuhgröße 9 auf der Insel und trotzdem dauert es viele, viele Tage, um den Täter zu finden – und das bei gerade mal 54 Einwohnern, von denen sich keiner versteckt, die Insel verlässt oder sonst irgendetwas tut, um sich den Ermittlungen zu entziehen!

Neben den Charakteren, die man der Reihe nach ohrfeigen möchte, und einem Fall, der eigentlich innerhalb von zwei Tagen – statt gefühlter Monate – hätte gelöst werden können, gibt es noch einen weiteren Aspekt, der mich auf Dauer ziemlich wahnsinnig machte: Der Stil des Autors. Ich kann mich ja durchaus an einem trashigen Erzählstil erfreuen, wenn er denn in einem für mich passenden Rahmen vorkommt. Ich stehe dazu, dass ich die John-Sinclair-Geschichten mit all ihren „messerscharfen Dolchen“ und ähnlichen Formulierungen lustig und unterhaltsam finde. Bei einem Krimi, der eigentlich spannend sein sollte, empfinde ich eine solche Erzählweise als – freundlich ausgedrückt – unpassend. Ein paar Beispiele gefällig?

Ein Mann, der gerade eine Leiche fand, „versprühte sein Frühstück im Unkraut“. Es blendet nicht nur die Sonne, sondern die „rötlich verfärbte Morgensonne“, eine Mail wird „mit einem harmonischen Dreiklang angekündigt“, und sehr schön ist auch: „Der Hund stob davon wie ein Jagdflugzeug, das all seine Munition verschossen hatte.“ – Was für ein Vergleich! All diese Beschreibungen wirken viel zu gewollt und blähen den Text unnötig auf. Ich muss zugeben, dass ich bei einem Buch über viele Sachen hätte hinweglesen können, aber bei einem Hörbuch bin ich nun mal gezwungen jede dieser gekünstelten Passagen bewusst wahrzunehmen.

Oft wird – dank all dieser Beschreibungen und unnötigen Details, die der Autor unbedingt auch noch erwähnen muss – das Warten auf ein Gespräch ausführlicher dargestellt als das Gespräch selbst. Außerdem fährt niemand einfach nur ein Auto, stattdessen wird jedes Gefährt mit Markenname, Farbe und Zustandsbeschreibung „vorgestellt“ – selbst wenn es nur ein einziges Mal vorkommt, um kurz darauf geschrottet zu werden. Oh, und es wird stets dafür gesorgt, dass man ja nicht vergisst, dass die Geschichte in Amerika spielt, denn ständig werden „amerikanische“ Begriffe verwendet, obwohl der deutsche Ausdruck an diesen Stellen ebenso passend wäre.

Dazu kommt noch, dass bestimmte Aspekte immer wieder wiederholt werden. So ist ein Mann namens Logan zum Beispiel „The Master Of The Island“ – was in jedem Gespräch betont wird, weil man es in den letzten zwei Minuten ja vergessen haben könnte – und in der ersten Hälfte der Geschichte erfährt man immer wieder, dass Cathys Ex-Mann hinter ihrem Rücken mit ihrer besten Freundin ins Bett gegangen ist (wäre es eigentlich besser gewesen, wenn er vor ihren Augen mit ihrer Freundin rumgemacht hätte?).

Dass die ständige Suche des Autors nach einem Ausdruck, den er nicht vor zwei Sätzen schon verwendet hat, dazu führt, dass die Polizei an der Ostküste der Staaten wohl ganz besondere Waffen, die sogenannten „Revolver-Pistolen“, besitzt, – oder wie muss ich mir das sonst vorstellen, wenn die Begriffe „Revolver“ und „Pistole“ synonym verwendet werden? 😉 – ignoriere ich einfach mal. Obwohl ich bei einem Polizisten als Autor gerade bei diesem Thema einen korrekteren Sprachgebrauch erwartet hätte.

Nach all diesem Gemecker über Inhalt und Form von „Blutinsel“ wird es Zeit, auch noch etwas zum Sprecher und zur Produktionsqualität dieses Hörbuchs zu sagen. Ich fange mal mit dem Leichteren von beiden an: Die Tonqualität war gut, auch wenn es nach der Hälfte leichte Lautstärkeschwankungen gab, die mich ab und an zur Fernbedienung haben greifen lassen. Mir gefiel die Track-Aufteilung, die im Schnitt bei um die 5 Minuten lag (der längste, den ich bewusst mitgestoppt habe, lag bei 6:40, der kürzeste Track bei 3 Minuten) und dafür sorgte, dass ich gut wieder einsteigen konnte, wenn ich eine Pause machte. Das Hörbuch gibt es vom Verlag (Radioropa) einmal als Version mit 14 CDs oder in der Variante mit 2 Daisy-MP3-CDs – Letztere ist die Ausgabe, die ich gehört habe. Die Geschichte ist übrigens ungekürzt, was ich normalerweise immer befürworte, auch wenn ich bei diesem Titel gut mit Kürzungen hätte leben können.

Gelesen wird „Blutinsel“ von Jürgen Holdorf, von dem ich bis zu diesem Titel noch nichts gehört hatte. Grundsätzlich macht er seine Arbeit als Sprecher gut, wenn auch nicht herausragend. Aber er bringt eine solide Leistung, hat im Prinzip eine angenehme Stimme und grundsätzlich hat es nicht an ihm gelegen, wenn ich mal wieder frustriert aufgeben wollte. Allerdings gibt es zwei Punkte, die ich dann doch kritisieren muss. Der erste Punkt betrifft fast jeden männlichen Sprecher, der weibliche Rollen übernehmen muss: Es klingt einfach bescheuert! Ich muss Jürgen Holdorf zugute halten, dass er seine Stimme nicht fistelig verzerrt, was ich so richtig schrecklich finde. Aber allein schon das leichte Anheben der Stimme, um „weiblicher“ zu klingen, sorgt dafür, dass diesen Passagen Tiefe und Ausdruckskraft fehlt. Da Cathy keinen kleinen Part in der Geschichte hat, kann ich über das Problem dann leider doch nicht hinweghören, da man der Figur ihre – in allen negativen Facetten vorhandenen – Emotionen bei so viel fehlendem Stimmvolumen einfach nicht abnimmt.

Zweitens hat Jürgen Holdorf – vor allem zu Beginn der Geschichte – ein großes Problem mit der Aussprache amerikanischer Wörter und Namen. Dabei darf ich noch einmal daran erinnern, dass der Autor seine Geschichte gern mit „amerikanischen“ Begriffen spickt und dass die Handlung auf einer Insel spielt, auf der alle Beteiligten englische Namen tragen. So wird der „Officer“ zum „Offizier“, der „Coroner“ zum „Korona“, und bei den Namen der diversen Figuren habe ich anfangs anhand der verschiedenen Aussprachevarianten nur raten können, dass die gleiche Person gemeint war und nicht ein weiterer Charakter, der nur einen ähnlichen Namen trägt. Nach ein paar Stunden gibt sich das Problem zumindest bei den häufiger vorkommenden Begriffen und über die einzelnen falsch ausgesprochenen Automarken oder Ähnliches konnte ich dann auch hinwegsehen.

Ich muss gestehen, dass in den nächsten Wochen noch weitere Hörbücher des Verlags bei mir eintreffen – gebt mir kein Verlagsprogramm in die Hände, wenn ich auf der Suche nach unterhaltsamen und „netten“ Hörbüchern bin – und ich bin jetzt schon gespannt, ob ich zu den weiteren Titeln auch so viel zu schreiben finde. 😉

Agatha Christie: Ruhe unsanft (Hörbuch)

„Ruhe unsanft“ ist eine meiner Lieblingsgeschichten von Agatha Christie, und so habe ich das von Katharina Thalbach gelesene Hörbuch recht schnell in den Player geworfen, nachdem es in der letzten Woche bei mir ankam. Der Roman wurde von Agatha Christie 1940 geschrieben und dann für schlechte Zeiten zur Seite gelegt. Da sie aber bis zu ihrem Tod keinen Bedarf an diesem „Notfallmanuskript“ hatte, wurde die Geschichte posthum veröffentlicht.

In „Ruhe unsanft“ dreht sich die Handlung vor allem um die frischverheiratete Neuseeländerin Gwenda, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Giles nach England ziehen will. Da Giles noch aus beruflichen Gründen aufgehalten wird, sucht Gwenda allein nach einem Haus an der Südküste und wird auch schnell fündig. Noch während der Umbauarbeiten zieht die junge Frau nach „Hillside“ und fühlt sich Tag für Tag unwohler in dem hübschen Haus, da es immer wieder zu seltsamen Vorfällen kommt. Gwenda muss nicht nur feststellen, dass all die von ihr gewünschten baulichen Veränderungen dazu führen, dass das Haus in einen früheren Zustand zurückversetzt wird, sondern sie hat auch unheimliche Erinnerungen an eine tote Frau im Treppenhaus – und dies, obwohl sie noch nie zuvor in England war. Während Gwenda so langsam befürchtet, dass sie wahnsinnig wird (oder über übernatürliche Fähigkeiten verfügt), setzt Miss Marple – die Gwenda bei einem Besuch in London kennenlernt – eher auf naheliegendere Erklärungen.

Dieser Krimi gehört nicht gerade zu den ereignisreicheren Werken von Agatha Christie, vor allem, da Gwenda, Giles und Miss Marple sich mit Geschehnissen beschäftigen, die fast zwanzig Jahre zurückliegen. Aber gerade durch diese geruhsame Erzählweise und die eigenwilligen Charaktere, die in „Ruhe unsanft“ vorkommen, finde ich diesen Roman so wunderbar. Sehr schön ist zum Beispiel ein Gespräch, das Gwenda mit dem Gärtner führt. Dieser kümmert sich schon seit Jahrzehnten um den Garten von „Hillside“ und beklagt die ständigen Veränderungen. Er finde es schrecklich, dass es einfach keine Beständigkeit mehr gibt, dass Leute heutzutage Häuser kaufen und nach zehn Jahren wieder verkaufen – und überhaupt war früher alles besser. Während dieses Lamentieren wunderbar die Veränderungen zeigt, die in den letzten Jahren den kleinen Küstenort beeinflusst haben, beweisen die Ermittlungen von Gwenda und Giles, wie viele Menschen in dem Ort fest verwurzelt sind und auch heute noch von den Ereignissen bewegt werden, die doch schon vor zwanzig Jahre passiert sind.

Für die Version, die der Hörverlag veröffentlicht hat, wurde die Geschichte auf drei CDs heruntergekürzt. Aber wer den Roman nicht kennt, wird vermutlich nicht so viel vermissen. Ich hatte auf jeden Fall nicht das Gefühl, dass die Kürzungen zu Unstimmigkeiten geführt hätten. Dafür muss ich die Wahl der Sprecherin aufs Deutlichste beklagen. Katharina Thalbach für eine Geschichte zu wählen, die vor allem aus der Sicht einer Frau Anfang Zwanzig passiert, ist mehr als unpassend. Ihre raue Stimme klingt schon sonst brüchiger und älter, als man es bei einer Frau erwartet, die nicht mal sechzig Jahre alt ist, aber hier ist es mir besonders unangenehm aufgefallen. Dazu kommt, dass ihre englische Aussprache nicht immer erträglich ist – hätte ich nicht gewusst, dass die Protagonistin Gwenda heißt, wäre ich am Ende des Hörbuchs vermutlich davon ausgegangen, dass der richtige Name „Wanda“ lautet. Ich finde Katharina Thalbach als Hörbuchsprecherin selbst dann gerade noch passabel, wenn sie passend besetzt ist, hier aber fand ich sie richtig unangenehm.