Schlagwort: Hörbuch

[Kurz und knapp] Bram Stoker: Dracula (Hörbuch)

„Dracula“ von Bram Stoker gehört zu den Klassikern, die ich als Teenager gelesen hatte. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie viele Bücher ich damals ein Mal und dann nie wieder gelesen hatte – und bei wie vielen ich mich nicht mehr an Details erinnere. Als also Ariana schrieb, dass sie ein gutes „Dracula“-Hörbuch gehört hatte, dachte ich, dass das eine gute Gelegenheit wäre, um meine Erinnerung aufzufrischen. Zum Glück gab es genau diese Ausgabe in der Bibliothek, und so habe ich in den letzten Tagen einige Stunden mit Jonathan und Mina Harker, Lucy Westenra, ihren Verehrern Arthur Holmwood, Dr. John Seward und Quincey P. Morris sowie dem genialen Professor van Helsing verbracht.

Die Handlung an sich dürfte bekannt sein, darauf muss ich wohl nicht eingehen. Dafür sind mir immer wieder Kleinigkeiten aufgefallen, die ich überraschend naiv fand. So behauptet Lucy in einem Brief an Mina, dass sie schon zwanzig sei und noch nie einen Verehrer gehabt habe bis zu dem Tag, an dem sie gleich drei Heiratsanträge bekam. Und sehr schmunzeln musste ich bei all den Bluttransfusionen für Lucy, als diese erkrankt. Jeder verfügbare Mann wurde angezapft, um Lucy Blut zu spenden, während bei mir die Frage nach Blutgruppenübereinstimmungen durch den Kopf geisterte. Dass die Transfusion als „Operation“ bezeichnet wurde, sehe ich hingegen nur als ein Beispiel von vielen für die altmodische Ausdrucksweise, die mir bei diesem Klassiker immer wieder in Ohr gesprungen ist.

Ansonsten kann ich mich Ariana nur anschließen (und könnte es mir deutlich einfacher machen, wenn ich einfach ihre oben verlinkte Rezension zitieren würde 😉 ). Die Hörbuchversion der Deutschen Grammophon scheint sich an der Erstübersetzung des Romans zu orientieren, was zu einer sehr schönen Atmosphäre beiträgt. Obwohl der Text im Vergleich zum englischen Original gekürzt wurde, gibt es keine spürbaren Lücken oder Auslassungen in der Handlung. Hier und da wird die Lesung von Musik unterstützt, was in der Regel angenehm dezent vonstatten geht, abgesehen vom Anfang und Ende einer jeden CD, aber da kann ich das akzeptieren.

Doch der größte Pluspunkt besteht in der Auswahl der Sprecher. Die verschiedenen Tagebucheinträge und Briefe werden von unterschiedlichen Sprechern und Sprecherinnen vorgetragen, die allesamt ihre Arbeit sehr gut machen. Es ist wirklich sehr selten, dass ich an gar keinem Sprecher etwas zu meckern habe, aber hier ist das der Fall. Einzig der Hall, der bei einigen Gelegenheiten verwendet wird, um eine Veränderung anzuzeigen, hätte meiner Meinung nach weggelassen werden können. Aber da dieser Effekt nicht groß stört, hat mir „Dracula“ in dieser Variante wirklich Spaß gemacht!

Maryrose Wood: Das Geheimnis von Ashton Place 1 – Aller Anfang ist wild (Hörbuch)

Ich muss zugeben, dass ich schon seit Wochen um diese Rezension herumschleiche. „Das Geheimnis von Ashton Place“ hat mich beim Anhören so gepackt, dass ich die 3 CDs fast in einem Schwung durchhören musste, weil ich wissen wollte wie die Geschichte ausgeht. Und als ich dann mit dem Hörbuch durch war, dann stand ich da und fragte mich, wie ich in Worte fassen soll, warum mich Miss Lumley und ihre Schützlinge so bezaubert haben.

Aber erst einmal zur Handlung: In den ersten Minuten begleitet man die fünfzehnjährige Miss Penelope Lumley auf dem Weg zu ihrem ersten Vorstellungsgespräch als Gouvernante. Die junge Dame hat eine ausgezeichnete Erziehung am „Swanburne Institut für kluge Mädchen aus armen Verhältnissen“ erhalten und ist nun bereit in den Berufsalltag einzusteigen. Dabei bekommt man schnell mit, dass Miss Lumley nicht nur eine sehr eigene Ausbildung genießen durfte, sondern auch erstaunlich behütet aufgewachsen ist.

Zu ihrer großen Überraschung verläuft das Vorstellungsgespräch ganz anders als sie erwartet hatte und am Ende des Tages findet sie sich als Gouvernante in Ashton Place wieder. Eingestellt wurde sie von der ebenfalls noch recht jungen Lady Ashton, die sich kurze Zeit nach ihrer Hochzeit mit drei wilden Kindern konfrontiert sieht, die ihr Mann bei der Jagd im Wald gefunden hat. Anscheinend wurden die beiden Jungen und das kleine Mädchen von Wölfen großgezogen – und da Lord Ashton seine drei „Fundstücke“ nun als sein Eigentum ansieht, benötigen sie dringend gesellschaftlichen Schliff.

Druck wird dabei nicht nur durch die – sehr unterschiedlichen – Erwartungen von Lord und Lady Ashton aufgebaut, sondern auch dadurch, dass in wenigen Wochen Weihnachten ist und die drei Kinder bei der an den Feiertagen stattfindenden Abendgesellschaft präsentiert werden sollen. So muss Miss Lumley in den wenigen Wochen all ihren Einfallsreichtum aufbringen, um aus Alexander, Beowulf und Casseiopeia (wie die armen Kinder vom Lord genannt werden) kleine brave viktorianische Kinder zu machen, die in einer Veranstaltung der feinen Gesellschaft keinen Fauxpas begehen (wie zum Beispiel Eichhörnchen kläffenden den Baum hinauf zu jagen …).

Wenn ich ehrlich bin, dann passiert kaum etwas in dieser Geschichte. Man verfolgt wie Miss Lumley (die wunderbare, süße und unerschrockene Miss Lumley) all ihre Gewitztheit aufbringt, um die drei Kinder zu erziehen. Diese hingegen sind so dankbar für die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie von ihrer Gouvernante bekommen, dass sie sich die größte Mühe geben, um alle Erwartungen zu erfüllen. Dazu kommen noch Lord und Lady Ashton, die immer wieder (unbewusst) die Erfolge von Miss Lumley sabotieren, und ein rätselhafter Angestellter, der auch nicht gerade zugunsten der Kinder aktiv zu werden scheint.

Maryrose Wood hat hier eine so unheimlich charmante und im besten Sinne altmodische Geschichte geschaffen, dass es gar keine großen Handlungshöhe oder -tiefpunkte benötigt, um gut unterhalten zu werden. Obwohl ein Hauch von Grusel in der Luft liegt (man malt sich zum Beispiel immer die schlimmste Alternative aus) passiert nichts, was nicht auch von einem extrem ängstlichen Kind gehört werden könnte. Trotzdem erinnert die Atmosphäre an eine Mischung aus Gruselgeschichte und klassischer britischer Erzählung für Kinder. Gespickt ist das Ganze dann noch mit einem wunderbaren Humor und so habe ich ständig vor mich hingekichert, während das Hörbuch lief.

Während ich es normalerweise immer ganz besonders schrecklich finde, wenn Kinder in Büchern/Hörbüchern besonders „niedlich“ sprechen, so habe ich es hier – auch dank der tollen Leistung von Katja Danowski – einfach nur niedlich gefunden, wenn die drei Kinder mal wieder wufften und wuhten und kläfften. Überhaupt hat die Sprecherin – soweit ich das beurteilen kann, ohne die Buchvorlage zu kennen – das Beste aus dem Text herausgeholt und so einiges zum Charme der Geschichte beigetragen. Ich gehe bei einer „Autorisierten Audiofassung“ davon aus, dass Kürzungen oder Veränderungen vorgenommen wurden, aber ohne den direkten Vergleich merkt man davon nichts.

Ich bin ganz verliebt in Miss Lumley und ihre Schützlinge, ich bin schrecklich neugierig auf die weiteren Teile der Geschichte, bange, dass Lord Ashton und seine Leidenschaft für die Jagd noch zu einer Katastrophe führen und bin überhaupt überzeugt davon, dass jeder mit einer Schwäche für niedliche und „britische“ Geschichten mal in „Das Geheimnis von Ashton Place“ reinhören sollten! 😉

Jennifer E. Smith: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick (Hörbuch)

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen die verschiedenen Rezensionen zu dieser Geschichte mit einem Schmunzeln überflogen habe. Es kommt mir so vor, als ob es nur zwei Standpunkte dazu gäbe. Die einen sind enttäuscht, weil es keine reine Liebesgeschichte ist, und die anderen sind absolut hingerissen von der Handlung. Für mich war „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ einfach ein schönes Hörerlebnis, ein Wohlfühl(hör)buch ohne große Höhen und Tiefen, das ich bestimmt noch einmal hören werde.

Und um es mir einfach zu machen, gibt es hier erst einmal den Klappentext:

Hadley könnte sich wirklich Schöneres vorstellen, als auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer zu spielen. Aber dass sie ihr Flugzeug verpasst und auf dem New Yorker Flughafen festsitzt, hat sie doch nicht gewollt. Und genauso wenig hatte sie vor, sich ausgerechnet hier untersterblich zu verlieben: In den Jungen mit den verwuschelten Haaren und dem Puderzucker auf dem Hemd, der wie sie nach London muss. Hadley bleibt genau eine Fluglänge Zeit, um Olivers Herz zu gewinnen …

Zu allererste für diejenigen, die noch nicht so viel über die Geschichte gehört haben und nur den Klappentext kennen: Es ist keine reine Liebesgeschichte und Hadley verliebt sich nicht unsterblich. Sie fühlt sich wohl in Olivers Gesellschaft, hat ein Kribbeln im Bauch und das Gefühl, dass aus dieser Zufallsbegegnung mehr werden könnte. Ansonsten dreht sich die Geschichte zum Großteil darum, dass Hadley – auch dank Olivers Sicht der Dinge – über die Trennung ihrer Eltern hinwegkommen muss. Sie muss ihrem Vater verzeihen, dass er sie und ihre Mutter verlassen hat, um in England ein neues Leben mit einer neuen Frau aufzubauen. Und sie muss lernen, dass es auch an ihr liegt, wenn sie weiterhin eine Rolle im Leben ihres Vaters spielen will.

Mir haben die unterschiedlichen Charaktere gefallen, auch wenn Oliver, den man nur aus Hadleys Perspektive kennenlernt, etwas blass bleibt. Aber das liegt wohl daran, dass das Mädchen den Großteil der Handlung eben nicht offen genug ist, um sich Gedanken um eine andere Person zu machen, und stattdessen mit Panikattacken, Erinnerungen und ihrer Angst vor der bevorstehenden Hochzeit ihres Vaters mit einer ihr wildfremden Frau beschäftigt ist. Dafür gibt es lustige kleine Begebenheiten auf der Reise, eine Schar Brautjungfern, die Hadley am Ende unter ihre Fittiche nehmen, und viele Momente, die mir gefallen habe, mich aber auch an diverse (amerikanische) Filme erinnerten.

Für mich ist „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ ein nettes, leichtes, unterhaltsames Hörbuch gewesen, welches durch Anna Carlssons tolle Interpretation angenehm zu hören war. Die Sprecherin sorgt dafür, dass Hadley spröde und verletzlich wirkt, aber auch sympathisch-sarkastisch, zärtlich und hoffnungsvoll – ja nachdem, was die Situation gerade verlang. Auch passt ihre Stimme von Klang her sehr gut zu der Rolle, denn sie klingt jung genug für einen Teenager, ohne dass man ihr die Passagen, in denen andere Figuren zur Wort kommen, nicht abnehmen würden.

Und da ich bei ein paar Rezensionen gelesen hatte, dass einige Leser nicht mit den Zeitsprüngen zurechtkamen: Bei dem Hörbuch haben die mich überhaupt nicht gestört. Durch die Angabe der aktuellen Uhrzeit innerhalb der Geschichte oder kleine einleitende Sätze, die deutlich machten, dass diese Passage sich in Hadleys Kindheit oder auf dem Flug ereignet hatte, konnte ich die jeweiligen Szenen jederzeit einordnen und fand es sehr nett, dass die Geschichte stückchenweise erzählt wurde und man so ebenso neugierig auf vergangene Ereignisse wie auf den weiteren Verlauf der Handlung bliebt.

Rick Yancey: Der Monstrumologe (Hörbuch)

Nachdem ich mich mit Kiya auf ihrem Blog gerade kurz über den „Monstrumologen“ unterhalten habe, fiel mir ein, dass ich hier ja noch eine kurze Anmerkung zum Hörbuch veröffentlichen könnte. Einen detaillierten – und ein wenig langen – Eindruck zum Buch gab es von mir schon einmal HIER, aber Hörbücher sind ja immer noch ein klein wenig anders. Vor allem, wenn es sich um eine „bearbeitete Fassung“ handelt, finde ich einen direkten Vergleich immer wichtig.

Während ich sonst immer gern über die diversen Änderungen, die sich durch die Bearbeitung und Kürzung ergeben, meckere, muss ich zugeben, dass bei „Der Monstrumologe“ nur eines etwas zu bemängeln ist. Denn der Verlag hat die Einleitung des Buches weggelassen, durch die man erfährt, dass die gesamte Geschichte so erzählt wird, wie sie in seinen Tagebüchern von Will Henry aufgeschrieben wurde. Die ganze Vorgänge werden also nicht nur aus seiner Sicht geschildert, sondern lassen sich auch nicht nachprüfen, da Will Henry inzwischen in einem überraschend hohen Alter verstorben ist.

Ohne diese Einleitung gibt es bei dem Hörbuch kleine Momente, bei denen man als Hörer etwas irritiert ist, weil die Erzählweise in ihrer tagebuchartigen Art leicht unpassend wirkt. Das kommt aber nur sehr selten vor und ansonsten kann ich sagen, dass ich schon mit dem Buch in der Hand neben dem CD-Player hätte sitzen müssen, um den Finger auf die jeweiligen Kürzungen legen zu können. Hier und da hatte ich eine Szene in meiner Erinnerung etwas ekeliger abgespeichert, aber vermisst habe ich keinen entscheidenden Punkt und keine Szene, die für die Atmosphäre oder die Handlung entscheidend gewesen wäre. Es gab nur das vage Gefühl, dass hier und da ein Satz geschickt entfernt worden wäre.

Nicht nur bei der Bearbeitung, sondern auch bei der Wahl des Sprechers wurde für „Der Monstrumologe“ eine gute Entscheidung getroffen. Christoph Wortberg hat nicht nur eine angenehme Stimme, sondern betont auch die leicht altmodische Sprache (immerhin soll die Geschichte ja im Jahr 1888 spielen) sehr gut. Mir ist es nicht nur dadurch, dass ich die Handlung nun schon kannte, sondern auch durch seine flüssige Vortragsweise leichter gefallen in die Geschichte rein zu kommen. Außerdem habe ich seine Darstellung der verschiedenen Charaktere genossen. Ich mag es nicht, wenn ein Sprecher übermäßig betont oder seine Stimme groß verstellt (ich bin vermutlich auch einer der wenigen Menschen, die mit Rufus Beck als Hörbuchsprecher nichts anfangen können), aber Christoph Wortberg hat es sehr fein und geschickt gemacht.

Sein Will Henry ist ein unsicherer, ängstlicher Junge, der gegen die Müdigkeit, die Erschöpfung, den Hunger und das allgegenwärtige Gefühl der Einsamkeit ankämpfen muss und dabei doch bei Bedarf mutig und entschlossen vorgeht. Dr. Warthrope hingegen klingt ungeduldig, gereizt und immer drängend. Sein ständiges Antreiben hat mich mit Will Henry mitleiden lassen, mich aber auch regelmäßig zum Grinsen gebracht, während man später – im Kontrast mit dem zur Hilfe gerufenen „Monsterjäger“ – bemerkt, wie hilflos der Monstrumologe doch in Wirklichkeit ist und wie entschlossen seine Arbeit richtig zu tun. Wer also gern Hörbücher hört, kann bei dieser Version getrost zugreifen. Entweder um die Geschichte noch einmal anders zu erleben oder um als Hörbuch vielleicht etwas zu entdecken, an das man sich als Roman nicht so recht herangetraut hat. 😉

Stephen King: Das Mädchen (Hörbuch)

Um Horror mache ich normalerweise einen Bogen – zumindest behaupte ich das immer, auch wenn diverse Horror-Manga und -Hörspiele in meinen Regalen zu finden sind, ebenso wie einige Romane, die man wohl theoretisch diesem Genre zuordnen kann. Hollys Challenge für das Jahr 2010 habe ich zum Anlass genommen, um mir ein paar Tipps geben zu lassen, welchen Autor ich doch mal ausprobieren sollte. Letztendlich bin ich bei Stephen King gelandet, um auch diese Bildungslücke zu schließen.

„Das Mädchen“ wurde mir als King-Anfänger-Geschichte empfohlen. Doch als Buch kam ich nicht so schnell an die gedruckte Fassung ran, aber dafür bot mir die örtliche Bibliothek eine ungekürzte Hörbuchfassung, die von Franziska Pigulla und Joachim Kerzel gelesen wird. Diese beiden Sprecher mag ich wirklich gerne, also war das eine mehr als akzeptable Alternative für mich.

Stephen King erzählt in „Das Mädchen“ die Geschichte von Trisha, die zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder eine Wanderung durch den Wald macht. Ihre Eltern haben sich vor einiger Zeit scheiden lassen und ihr Bruder kommt damit noch nicht so ganz zurecht. Vor allem belastet ihn der Umzug, der mit der Scheidung einherging, und der Umstand, dass er an seiner neuen Schule der absolute Außenseiter ist. Trisha übersteht das Ganze dank der Devise „Augen zu und durch“, sie versucht zwischen allen Beteiligten zu vermitteln und unterdrückt dabei nicht selten ihre eigenen Gefühle.

Doch bei dieser Wanderung ärgert sie sich darüber, dass ihre Mutter und ihr Bruder so mit Streiten beschäftigt sind, dass keiner von ihnen Trishs Wünsche und Bedürfnisse mitbekommt. So schlägt sie sich zum Pinkeln in die Büsche, ohne den beiden Bescheid zu sagen – und verirrt sich kurz darauf im Wald neben dem Appalachian Trial. Doch statt einfach stehen zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass sie schon gefunden wird, macht sich Trisha auf die Suche nach einem Weg und gerät immer tiefer in unwegsames Gelände.

Ich bin etwas zwiegespalten, wenn es um diese Geschichte geht. Die Grundidee gefällt mir und Stephen King hat sehr schön beschrieben, warum das Mädchen welche Entscheidungen trifft und wie sie dadurch immer tiefer in Schwierigkeiten gerät. Mir hat es gefallen, wie entschlossen und findig Trish mit ihrer Situation umgeht und ich fand es spannend zu verfolgen, wie es ihr allein in der Wildnis geht – und natürlich hat mich die Frage beschäftigt, ob sie überlebt.

Auf der anderen Seite hat der Autor nicht wenige Momente eingebaut, in denen Trish regelrecht philosophiert, in denen sie über Baseballweisheiten, die (nicht vorhandenen) religiösen Ansichten ihres Vaters und ihr Bedürfnis nach einem Gebet nachdenkt – und diese Teile fand ich unglaubwürdig. Hey, das Mädchen ist erst neun Jahre alt (na ja, schon fast zehn und groß für ihr Alter), da beschäftigt einen dieses Thema zwar, aber auf einer ganz anderen Ebene.

Außerdem wurden mir die Versuche künstlich Spannung aufzubauen, indem Trish von einem „ES“, einem „DING“, einem „Gott der Verirrten“ verfolgt wird, zu viel. Ich fand es deutlich aufregender, wie sie sich mit der Realität auseinandersetzen musste. Das Mädchen hat sich in einem Gebiet verirrt, in dem es so gut wie keine Menschen gibt, sie fällt Abhänge hinunter, wird von Wespen zerstochen, bekommt schreckliche gesundheitliche Probleme, weil sie sich von Farnen und Beeren ernährt, hat Angst im Dunklen (zurecht in einem Gebiet, in dem schließlich auch größere Raubtiere leben) und Hunger und Schlaflosigkeit führen zu Halluzinationen. Das sollte doch genug sein, um als Hörer/Leser Angst um die Kleine zu haben!

Ein anderer Punkt hat bei mir gleich zu Beginn zum Schmunzeln geführt und das war Joachim Kerzel. Er und Franziska Pigulla haben ihre Sache sehr gut gemacht – auch wenn ich gern wüsste, nach welchen Kritikpunkten entschieden wurde, wer welches Kapitel liest – , aber Joachim Kerzel ist mir vor allem als Sprecher der John-Sinclair-Hörspiele im Ohr. Und wenn ich dann als erstes diese Ortsangabe und diesen Satz „Juni 1998. Vor dem Spiel. Die Welt hatte Zähne. Und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte.“ von ihm vorgetragen bekomme, dann fühle ich mich (auch dank der musikalischen Untermalung, die ebenfalls Ähnlichkeiten aufweist) direkt in die Welt von Jason Dark versetzt. Und so gern ich die John-Sinclair-Hörspiele mag, so kann man von ihnen doch eher weniger behaupten, dass sie sprachliche Qualität besitzen. 😉

Nun gut, dieser Eindruck legte sich im Laufe der Zeit und auch an die regelmäßigen Wechsel zwischen der Männer- und der Frauenstimme habe ich mich schnell gewöhnt. Die beiden Sprecher haben zwar eindeutig andere Schwerpunkte in ihrem Vortrag gehabt, aber eigentlich gefiel mir das sogar. So konnte ich für mich mehr aus dem Text rausholen. Insgesamt muss ich wohl sagen, dass mich „Das Mädchen“ zwar gut unterhalten, aber nicht dazu animiert hat, mehr von King zu konsumieren. Grusel entsteht für mich – auch bei dieser Geschichte – mehr durch die Realität, als durch ein unheimliches „Es“.

Mary Janice Davidson: Happy Hour in der Unterwelt (Hörbuch)

„Happy Hour in der Unterwelt“ ist der dritte Band der Betsy-Taylor-Reihe, und weiterhin hat die Hauptfigur Probleme damit, sich in ihrer Rolle als Vampirkönigin zurecht zu finden. Betsy wohnt inzwischen nicht nur mit ihrer besten Freundin Jessica und dem Mediziner Marc zusammen, sondern auch ihr Gemahl Eric Sinclair und seine Assistentin Tina sind in das Herrenhaus eingezogen. Da Betsy immer noch darüber schmollt, dass sie nun zwar nach Vampirgesetz mit Eric verheiratet ist, dieser sich aber anscheinend nur mit ihr eingelassen hat, weil ihn dies zum Herrscher der Vampire machte, geht sie Eric so weit wie möglich aus dem Weg.

Besonders schmerzlich wird ihr die verfahrene Beziehung zwischen ihr und Eric bewusst, als sie gebeten wird eine Hochzeit zwischen einer Vampirin und ihrem menschlichen Freund zu vollziehen. Doch nach den ersten panischen Gedanken, die sich darum drehen, wie so eine Zeremonie auszusehen – und was man dazu anzuziehen – hat, kommen Betsy mal wieder andere Probleme dazwischen. Sie erfährt nicht nur, dass ihre verhasste Stiefmutter schwanger ist, sondern auch, dass diese vor Jahren schon einmal ein Kind von Betsys Vater bekommen hatte.

Und laut dem „Buch der Toten“ ist hat die Vampirkönigin somit nicht nur eine Halbschwester, sondern diese ist auch noch die Tochter des Teufels. Betsy wusste ja schon immer, dass ihre Stiefmutter das personifizierte Böse ist, aber das hätte sie ja dann doch nicht gedacht. Nun liegt es an der Vampirin und ihren Freunden und Verbündeten, die Tochter des Leibhaftigen ausfindig zu machen, bevor diese die Weltherrschaft an sich reißen kann. Um mehr über ihre Schwester zu erfahren, beschäftigt sich Betsy mit dem „Buch der Toten“, was verheerende Auswirkungen auf sie und ihre Umgebung hat.

Obwohl Mary Janice Davidson in „Happy Hour in der Unterwelt“ wieder viele gute Ansätze zeigt und ich den Teil um Betsys Schwester wirklich gern gehört habe, krankt auch dieses Hörbuch daran, dass die Autorin anscheinend nicht in der Lage ist eine durchgehend konstruierte Geschichte zu erzählen. Wie schon beim zweiten Teil habe ich das Gefühl, dass sie einfach drauflos geschrieben hat, mit einer vagen Vorstellung, wie die aktuelle Situation ist und dann hat sie sich von ihren Ideen treiben lassen. So kommt es aber nicht zu einer überzeugenden Handlung! „Happy Hour in der Unterwelt“ ist eher eine Ansammlung mehr oder weniger lustiger Momente, die zum Glück sehr schön von Nana Spier vorgetragen werden. Die Sprecherin ist es, die mich bei dieser Hörbuchreihe bei der Stange hält, denn sie leistet so gute Arbeit, dass ich über die Handlungsschwächen und die eine oder andere nervige Charaktereigenschaft hinwegsehen kann.

[Kurz und knapp] Mary Janice Davidson: Süß wie Blut und teuflisch gut (Hörbuch)

Leider fand ich das zweite Hörbuch der Betsy-Taylor-Reihe nicht mehr ganz so unterhaltsam wie „Weiblich, ledig, untot“. Allerdings kann meine Eindruck auch durch die Tatsache getrübt sein, dass für die Hörbuchfassung einige Kürzungen vorgenommen werden musste, die meiner Meinung nach auch spürbar sind. Genau kann ich es nicht sagen, da ich die Bücher nicht gelesen habe.

Betsy hat ein paar Probleme sich an ihr neues Leben als untote Königin der Vampire zu gewöhnen. Doch vor allem irritiert es sie, dass sie finanziell vollständig von ihrer Freundin Jessica abhängig ist. So steht sie eines abends vor der Arbeitsagentur und versucht einen Job zu finden. Sehr hilfreich ist dieser Besuch nicht, aber dafür tröstet sich die Königin der Vampire kurz darauf mit einer Fensterbummel bei Macy’s –und bekommt überraschend eine Stelle in der Schuhabteilung angeboten. Ein himmlischen Angebot für eine Vampirin, die nach Designerschuhen verrückt ist. Doch ein Umzug in eine viel zu große Villa, Eric Sinclair, der darauf besteht, dass sich Betsy um eine Gruppe von Vampirjägern kümmert, und eine Geistererscheinung sorgen dafür, dass ihre Nächte erstaunlich stressig werden.

Nana Spier liefert wieder eine prima Leistung ab, die verschiedenen Figuren sind gut auseinander zuhalten, ohne dass die Sprecherin großartige Stimmenakrobatik hinlegen muss. Und auch Betsys Geplapper lässt sich so gut vorgelesen sehr gut anhören, ohne dass man dabei mit den Gedanken fortschweift. Aber ich habe das Gefühl, dass der rote Faden in diesem Hörbuch fehlt. Die Geschichte springt von einem Handlungsstrang zum nächsten, mal dreht sich alles um die Vampirjäger, dann wieder um den Geist in Betsys Haus oder ihre Jobprobleme. So war das zwar sehr nett anzuhören, aber dieser Teil hat mich nicht so begeistert, dass ich eine weitere CD davon hören müsste. Denn auch eine sehr gute Sprecherin kann eine mangelnde Struktur in der Handlung nicht ersetzen …

John Green: Eine wie Alaska (Hörbuch)

Obwohl ich eine sehr emotionale Leserin bin, berühren mich Hörbucher normalerweise weitaus weniger. Doch „Eine wie Alaska“ hat zum ersten Mal dafür gesorgt, dass ich so richtig mitgelebt habe und dabei habe ich das Hörbuch sogar wegen des Umzuges für ein paar Wochen unterbrechen müssen. Miles ist ein recht gewöhnlicher Junge mit einem ungewöhnlichen Hobby. Er sammelt die letzten Worte verstorbener Berühmtheiten. Und da er an seinem Wohnort keine Freunde hat und darauf hofft, dass das Leben an einem anderen Ort vielleicht doch noch etwas mehr für ihn parat hält, bittet er seine Eltern darum auf ein Internat gehen zu dürfen.

In Cluver Creek angekommen wird er von seinem Mitbewohner gleich in die kleine Clique rund um Alaska eingeführt und natürlich verliebt sich Miles Hals über Kopf in das unkonventionelle Mädchen – so wie all die anderen Jungen eigentlich auch. Alaska diskutiert und trinkt und raucht, ist von sich und ihren Ansichten überzeugt und bringt die andern mit ihren impulsiven Handlungen regelmäßig in Schwierigkeiten. Und doch gibt es an ihre eine verletzliche Seite, die sich immer wieder zeigt, und die letztendlich auch dazu führt, dass Alaska eines Nachts eine tödliche Dummheit begeht.

Anfangs ist es etwas irritierend, dass die Kapitel wie ein Countdown auf einen bestimmten Tag aufgebaut sind, aber so steigert sich auch die Neugierde darauf, was an zu diesem Zeitpunkt passieren wird (vor allem, wenn man den Klappentext nicht liest, der mal wieder ein bisschen zuviel verrät!). „Eine wie Alaska“ beginnt wie eine leichte und amüsante Schulgeschichte über Teenager, die Grenzen austesten, Streiche spielen, erste Erfahrungen in der Liebe sammeln und versuchen das Leben zu verstehen, in dem sie über Bücher und Philosophien diskutieren.

John Green drückt sich weitaus gehobener aus, als ich es einem durchschnittlichen Jugendlichen zutrauen würde, aber da die Sprache innerhalb der Geschichte stimmig ist, wirkt es nicht unpassend. Der Sprecher Andreas Fröhlich liest selbst die komplexeren Sätze so gut, dass man nie Verständnisprobleme hat, und ihm gelingt es jedem Charakter eine erkennbares Profil zu verschaffen. Miles ist der brave und etwas unsichere Junge, sein Mitbewohner wirkt forsch und Alaska übt sogar auf den Zuhörer einen gewissen Reiz aus.

Für mich war Alaskas Geheimnis recht schnell durchschaubar, aber es hat mich nicht gestört, dass ich das Gefühl hatte mehr zu wissen als die Figuren in dem Hörbuch. Während Miles und sein Mitbewohner noch versuchen mit dem fertig zu werden, was Alaska getan hat, rannen mir die Tränen über’s Gesicht und ich habe so richtig schön mitgelitten. Am Ende der Geschichte hatte ich eine emotionale Achterbahn hinter mich gebracht – und genau so sollte ein richtig gutes Hörbuch sein!

Mary Janice Davidson: Weiblich, ledig, untot (Hörbuch)

Elizabeth Taylor, genannt Betsy, hat an ihrem dreißigsten Geburtstag den schlimmsten Tag in ihrem Leben. Nicht die Tatsache, dass sie einen runden Geburtstag hat, macht ihr zu schaffen, sondern es läuft einfach alles schief, was im Leben schief laufen kann. Erst verschläft sie am Morgen, dann wird ihr (aufgrund der Wirtschaftskrise) der Job gekündigt und ihre Feier fällt aus, weil ein Schneesturm das Land überzieht – als sie dann noch von einem Auto überfahren wird, während sie ihre Katze ins warme Haus holen will, ist der Tag verdorben.

Wie sehr dieser Tag schiefgelaufen ist, merkt Betsy aber erst, als sie in einem sehr geschmacklosen Sarg aufwacht und sich in ein billiges pinkfarbendes Kostüm und noch schrecklicheren Schuhen vorfindet. Zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass sie zu einem Vampir geworden ist. Doch zum Glück ist ihre beste Freundin Jessica bereit sie auch in dieser Darseinsform zu akzeptieren und ihr finanziell unter die Arme zu greifen. Weniger glücklich ist, dass Betsy nun von diversen Vampiren bedrängt wird, die alle eine eigene Vorstellung davon habe, wie Betsys Leben als Untote verlaufen soll.

So komplett begeistert bin ich von Betsy nicht, was vielleicht daran liegt, dass ich ihre Leidenschaft für Designer-Schuhe und –Klamotten nicht teilen kann. Aber der Kontrast zwischen dem Vampirklischee und der oberflächlichen und plappernde Sekretärin ist wirklich amüsant. Doch vor allem hat es mir Nana Spiers Leistung angetan. Die Sprecherin ist für die Synchronisation von Sarah Michelle Gellar (Buffy) und Drew Barrymore bekannt, und ihr gelingt es hervorragend den richtigen Ton für die schnatternde Betsy zu treffen. Aber auch Betsys mitfühlende und fürsorgliche Seite bringt die Sprecherin zum Ausdruck, während ihr Eric Sinclair (ein sehr attraktiver Vampire, der Pläne mit Betsy hat) erstaunlich verführerisch wirkt. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen, die Männerrollen sprechen sollen, doch eher lächerlich klingen. Diese Mischung aus gelungener Lesung und amüsanter und leichter Unterhaltung sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich das Hörbuch wirklich genossen habe – und Teil zwei habe ich inzwischen auch schon gehört!