Schlagwort: Humor

[Kurz und knapp] Harald Schneider: Tote Beete (Hörbuch)

„Tote Beete“ von Harald Schneider ist – wie ich im Nachhinein erfahren habe – der zehnte Teil einer Krimiserie rund um den Polizisten Reiner Palzki. Die Romanvorlage ist im Gmeiner Verlag erschienen, die Hörbuchumsetzung bei Radioropa und gelesen wurde das Ganze von Manfred Callsen. Für die Inhaltsangabe bemühe ich mal den Klappentext des Hörbuchs:

„Hauptkommissar Reiner Palzki besucht mit seiner Familie nicht ganz freiwillig die Landesgartenschau in Landau, als plötzlich eine gewaltige Explosion das Gelände erschüttert. Ein Besucher ist tot, ein Gärtnermeister verletzt. Bei seinen Ermittlungen stößt Palski auf dubiose Vorgänge, in die der Gärtner verwickelt war. Aber auch der bekannte Salathersteller, bei dem der Tote als Prokurist arbeitete, hat mehr als ein finsteres Geheimnis …“

Regionalkrimis sind ja immer so eine Sache. Manche finde ich wunderbar (z.B. „Frau Maier fischt im Trüben“), andere zumindest ganz nett und dann gibt es die, bei denen ich mir ernsthaft vornehme nie wieder einen Regionalkrimi anzufassen. Leider gehört „Tote Beete“ zur letzteren Kategorie – was nicht nur meinen Blutdruck in den letzten Tagen regelmäßig in die Höhe getrieben hat, sondern auch dafür sorgte, dass mein Mann sich nach den ersten Minuten weigerte auch noch ein weiteres Kapitel dieses Machwerks zu ertragen.

Sollte unter euch jemand sein, der diese Geschichte (oder die Vorgängerromane) mochte, den bitte ich mir zu erklären, was daran unterhaltsam sein soll! Dass der Kriminalfall unlogisch und banal gestaltet wurde, ist kein Problem für mich, ist dieser Teil der Handlung doch eh in diesem Fall nebensächlich. Was ich aber wirklich schlimm fand, war die Charaktergestaltung. Palzki ist ein aufgeblasender Idiot, der für seine Umwelt nur Verachtung übrig hat, und der Rest der Figuren besteht entweder aus farblosen Randerscheinungen (z.B. seine Kollegen, die im Gegensatz zu ihm wenigstens ab und an arbeiten) und vollkommen abgedrehten Personen, die so extrem „überzogen“ dargestellt werden, dass es einfach nicht mehr witzig ist.

Harald Schneider spielt in seiner Geschichte nicht mit Klischees, sondern arbeitet anscheinend eine Liste mit „witzigen“ Vorurteilen ab. Witze über VegetarierInnen/VeganerInnen? Erledigt! Witze über Frauen, die Handarbeiten? Erledigt! Witze über geldgierige Ärzte? Erledigt! Witze über Vorgesetzte? Erledigt! – und so könnte man endlos fortfahren. Das Ganze ist dabei so platt und billig dargestellt, dass es einfach nicht amüsant ist. Dazu wird jede „humorvolle“ Bemerkung so lange erklärt, dass selbst eine Amöbe irgendwann den „Witz“ dahinter verstanden haben sollte – was es wirklich nicht lustiger macht.

Außerdem ist die ganze Geschichte sehr dialoglastig, was kein Problem wäre, wenn die diversen Figuren eine eigene Stimme hätten. Aber alle Personen klingen gleich, verwenden die gleichen Satzstrukturen, die gleichen Redewendungen und haben die gleiche Art sich auszudrücken. Dazu kommt noch eine unerträgliche Belanglosigkeit der Gespräche, die häufig überhaupt erst deshalb entstehen, weil Palzki quer durch die Gegend fährt, um dann vier Sätze mit einem Zeugen oder Verdächtigen auszutauschen, und dann wieder wegzugehen, weil er keine Lust mehr hat zu arbeiten. Das Ganze ist definitiv nicht meine Art von Humor – und wenn man den Humor nicht mag, dann gibt es wirklich nichts Erträgliches an „Tote Beete“.

Auch wenn mir das Hörbuch so gar nicht gefallen hat, muss ich zugeben, dass Manfred Callsen seine Arbeit – im Rahmen dessen, was die Geschichte nun mal hergibt – gut gemacht hat. Die ganze Zeit hatte der Sprecher einen angemessenen amüsierten Unterton, während er die Geschichte gelesen hat und seine Stimme habe ich als angenehm klar empfunden. Achja, das Hörbuch beinhaltet neben dem Krimi noch drei „Bonus“-Kapitel (übrigens als Extra-Bonus bezeichnet – was ja wohl ein bisschen doppelgemoppelt ist), die eine kurze „Mitrategeschichte“, eine Kurzgeschichte und einen Vortrag des Autors zu seinen Krimis beinhalten. Alles miteinander hält das „Niveau“ des Krimis und ist ebenso „lustig“ anzuhören.

[Kurz und knapp] Terry Pratchett: Gevatter Tod

„Gevatter Tod“ ist der erste Roman, den ich für die „Bücher, die man gelesen haben muss“-Challenge rezensiere. Eigentlich hatte ich ja für die Challenge ein paar (britische) Klassiker im Auge, aber da mich die englische Ausgabe von „Jane Eyre“ nicht auf Anhieb gepackt hat, habe ich mich zu einem Pratchett-Re-Read umentschlossen. „Gevatter Tod“ habe ich 1990 zum ersten Mal gelesen und habe mich sofort in den Tod, Mort, Albert und Binky verliebt. Damals fand ich die Pratchett-Romane großartig und fieberte jeder Neuerscheinung entgegen. Im Laufe der Jahre hat sich diese Begeisterung für den Autor und seine Scheibenwelt bei mir etwas gelegt. Ich erinnere mich immer noch gern an die ersten Scheibenwelt-Geschichten und habe eine Schwäche für bestimmte Figuren und Einfälle, aber nach ein paar Jahren habe ich aufgehört, mir die Bücher zu kaufen oder auszuleihen, weil ich mich einfach übersättigt fühlte.

In meiner Erinnerung ist „Gevatter Tod“ noch immer eine der nettesten Pratchett-Geschichten, und das hat sich auch nach diesem Re-Read nicht geändert. Ich mag die Charaktere und ich kann mich über die diversen Einfälle des Autors – gerade bei den Nach-Tod-Szenen – amüsieren. Aber auf der anderen Seite fehlt mir das „Neue“ an den Romanen. Wenn ich jetzt zu einem Pratchett greife, dann habe ich schon bestimmte Erwartungen und finde deshalb einige Elemente und Wendungen in der Handlung zu vorhersehbar, um darüber noch lachen zu können. Bei „Gevatter Tod“ habe ich durch den Re-Read feststellen müssen, dass ich nach all den Jahren, die seit dem letzten Lesen vergangen sind, die Schlussszene komplett verdrängt hatte. Nicht ganz ohne Grund, denn das Ende gefällt mir nicht. Es kommt mir vor, als ob Terry Pratchett ab einem bestimmten Punkt nicht gewusst hätte, wie er seine Geschichte mehr oder weniger glaubhaft weitererzählen könnte, und deshalb wird die nicht so überzeugende Auflösung nur im Rückblick erzählt.
Jedes andere Buch, das mich bei einem Re-Read so wenig packt (obwohl es mich mal so begeistert hatte), würde von mir aussortiert. Aber „Gevatter Tod“ wird auf jeden Fall weiterhin in meinem Regal seinen Platz haben, weil ich nicht nur mit dem Roman an sich, sondern auch mit meiner zerfledderten Ausgabe sehr viele Erinnerungen verbinde. Trotzdem hoffe ich, dass ich bei weiteren Re-Reads für die Challenge mehr Glück habe und die vor langer Zeit gelesenen Geschichte neu für mich entdecken kann, ohne einen gravierenden Kritikpunkt zu finden.
Eine etwas weniger desillusionierte Meinung zu dem Buch findet ihr übrigens bei Mila: Terry Pratchett – Mort

Sophie Kinsella: Sag’s nicht weiter, Liebling!

Klappentext: Emma Corrigan scheint vom Pech verfolgt. Alles in ihrem Leben geht schief, und jetzt auch noch das: Sie sitzt in einem von Turbulenzen geschüttelten Flugzeug und sieht ihr letztes Stündlein gekommen. In Panik legt Emma eine dramatische Lebensbeichte ab: Jedes Geheimnis, jede jemals geäußerte Lüge bricht aus ihr heraus. Zu dumm, das Emmas Sitznachbar alles andere als ein Unbekannter ist …

So ganz stimmt dieser Klappentext nicht, denn für Emma ist der Mann im Flugzeug ein Unbekannter – bis sie am Montag darauf zur Arbeit geht und feststellen muss, dass der Gründer der Firma, der sich jahrelang vom Geschäft zurückgezogen hat, derjenige ist, dem sie auf dem Flug ihr Herz ausgeschüttet hatte. Da zu den gebeichteten Lügen auch eine gefälschte Note in ihrem Abschlusszeugnis gehörte, damit sie die Stelle in der Marketing Abteilung bei Panther Corporation erhält, befürchtet Emma für ihre Zukunft natürlich das Schlimmste.

Doch Jack Harper scheint es viel zu viel Spaß zu machen Emma unauffällig mit all den kleinen Dingen, die er über sie weiß aufzuziehen, als dass sie sich Sorgen um ihre Stellung in der Firma mache müsste. Das macht die Situation für Emma aber nicht einfacher, denn ihr ganzes Leben lang hat sie versucht den Erwartungen der anderen gerecht zu werden. Sie musste sich immer mit ihrer Cousine Kerry vergleichen lassen, hat trotz aller Bemühungen nie einen Job länger behalten können und sie ist so dankbar, dass sich der gutaussehenden Connor für sie interessiert, dass sie sich nicht einmal selber eingestehen kann, dass sie einfach nicht zusammen passen.

Ganz ehrlich, ich habe ein Problem mit Szenen, die dafür sorgen, dass ich mich fremdschäme. Und so hatte ich schon auf der zweiten Seite das Bedürfnis das Buch wieder zuzuklappen, bei Seite 13 habe ich mich unbehaglich auf dem Sofa gewunden und auf Seite 24 habe ich überlegt, ob ich das Buch wirklich noch lesen will, bevor es die Bibliothek wieder zurück haben will. Tja, und ab Seite 29 schlich sich dann so langsam ein Grinsen in mein Gesicht …

Emmas viele kleine Lügen, böse Gedanken und Ängste sind einfach wunderbar … hm … normal – und für einen Unbeteiligten sehr amüsant zu lesen. Dabei reichen ihre „Verfehlungen“ vom Fälschen einer Note über lieb gemeinte Notlügen (wenn sie einer Kollegin erzählt, dass sie ihre selbstgehäkelten Sachen hübsch findet) bis zu kleinen Gemeinheiten (wenn sie die Pflanze einer weiteren Kollegin mit Orangensaft gießt, weil die Frau sie geärgert hat). Und nachdem Emma keine Angst mehr haben muss, dass Jack Harper all diese Geheimnisse gegen sie verwendet und ihr vielleicht sogar kündigt, stellt sie fest wie befreiend es ist, dass es jemanden gibt, dem sie nichts vorspielen muss. Jack kennt all ihre Verfehlungen und geheimen Gedanken und scheint sie trotzdem zu mögen und diese Zuneigung stellt Emmas ganzes Leben auf den Kopf.

Ich fand die beiden Hauptfiguren sehr sympathisch. Emma hat ein Händchen dafür sich mit ihren Notlügen in Schwierigkeiten zu bringen, wobei sie mit all ihren Ängsten und Befürchtungen erstaunlich realistisch wirkt. Von Jack bekommt man erst einmal recht wenig mit, er erzählt nur wenig über seine Person und so muss man zwischen den Zeilen lesen, um sich ein Bild von ihm zu machen. Mir hat es gefallen, dass er nicht einfach höflich über Emmas Beichte im Flugzeug hinwegging, sondern sie immer wieder ein wenig mit all ihren kleinen Geheimnissen aufzog – und so auch dafür sorgte, dass sie diese Dinge letztendlich selber nicht mehr als so schlimm oder peinlich empfand.

Mit „Sag’s nicht weiter, Liebling“ erzählt Sophie Kinsella in meinen Augen eine realistischere Geschichte als mit „Charleston Girl“ oder „Göttin in Gummistiefeln“, allerdings hatte mir die Göttin doch noch etwas besser gefallen als dieser Roman. Trotzdem bietet die Handlung rund um Emma – wenn man erst einmal die ersten Seiten hinter sich gebracht hat – sehr lustige Szenen, anrührende Momente und ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden.

Laura Resnick: Verzaubert

„Verzaubert“ ist eins der kurzweiligsten Bücher, die ich in den letzten Tagen gelesen habe. Die Hauptfigur ist Esther Diamond, eine eher erfolglose Schauspielerin, die endlich mal wieder auf der Bühne stehen darf. Zwar ist sie in einem Off-Broadway-Stück nur die Zweitbesetzung für die Hauptdarstellerin und tummelt sich ansonsten als leicht bekleidete Nymphe im Chor dieses Musicals, aber all das ist besser als weiterhin als Kellnerin arbeiten zu müssen.

Als eines Tages die Hauptdarstellerin Golly Gee während eines Zauberkunststücks während der Vorstellung verschwindet, kommt Esthers große Chance. Doch so ganz ist sich die Schauspielerin nicht sicher, dass Golly wirklich nur einen Nervenzusammenbruch hatte und heimlich aus der gläsernen Kiste geflohen ist. Vor allem als Esther dann auch noch anonyme Mitteilungen bekommt, die sie davor warnen Gollys Rolle zu übernehmen, bekommt die junge Frau doch etwas Angst.

Zu schade, dass der attraktive Detective Lopez Esthers Sorgen nicht ernst nimmt, denn so ist sie gezwungen selber herauszufinden, was mit Golly passiert ist. Doch diese ist nicht die einzige, die in den letzten Tagen bei diesem speziellen Zaubertrick verschwand, und so muss sich Esther mit ihren Nachforschungen beeilen, bevor noch mehr Leute vermisst werden. Zusammen mit dem älteren Max Zodek und einem wirklich bunt gemischtem Haufen anderer Helfer entdeckt Esther eine ganze neue – und erstaunlich übernatürliche – Seite von New York.

Bei ihren Ermittlungen helfen der Schauspielerin nicht nur der magieerfahrene Max, sondern auch sein überaus unfreundlicher Assistent Hieronymus, ein Haufen Dragqueens, ein texanischer Cowboy mitsamt seiner entzückenden Tochter, ein Wall-Street-Finanzier und andere exzentrische Figuren. Und so klein ihr Auftritt auch ist, so habe ich auch die weiße Tigerdame Alice sehr in mein Herz geschlossen …

„Verzaubert“ bietet keine besonders anspruchsvolle Geschichte, aber die Handlung ist so nett und kurzweilig und liebenswert chaotisch, dass ich das Buch in einem Zug ausgelesen habe und am Ende kichernd auf dem Sofa saß. Esther hat einen ganz eigenen Galgenhumor, der ihr hilft mit all den seltsamen Vorgängen fertig zu werden, und obwohl viele der Figuren sehr klischeeüberladen dargestellt sind, haben sie mich hervorragend unterhalten. Ein kurzer Blick zu Amazon.com hat mir gezeigt, dass Laura Resnick in diesem Herbst den dritten Band um Esther Diamond herausbringen wird – und ich hoffe sehr, dass die weiteren Teile auch noch auf deutsch erscheinen werden.

Robert Asprin & Jody Lynn Nye: Als Dämon brauchst du nie Kredit

„Als Dämon brauchst du nie Kredit“ ist schon der fünfzehnte Roman aus Robert Asprins Dämonen-Reihe und der dritte Teil, der in Zusammenarbeit mit Jody Lynn Nye entstanden ist. Ich habe diese Bücher vor vielen Jahren für mich entdeckt als humorvolle Fantasy noch relativ neu auf dem deutschen Buchmarkt war und Terry Pratchett noch nicht den Weg in die hiesigen Buchhandlungen geschafft hatte.

Robert Asprins amüsanter Umgang mit den Fantasyklischees hat mich fasziniert und ich habe die verschiedenen Charaktere dieser Reihe wirklich ins Herz geschlossen. Der unfähige Skeeve, der gerade mal zwei Zauber beherrscht, als er zum größten Magier seines Reiches erwählt wird, Aahz, der Dämon aus der Welt Perv, der trotzdem kein „Perverser“, sondern selbstverständlich ein „Perfekter“ ist und all die anderen verrückten Gestalten haben es geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Doch vor allem die wunderbare Situationskomik und die sich rasant entwickelnde Handlung hat dafür gesorgt, dass ich dieser Reihe über all die Jahre hinweg treu geblieben bin.

Dann aber kam eine Zeit, in der Robert Asprin unter solch einer heftigen Schreibblockade litt, dass keine weiteren Geschichten aus seiner Feder flossen. Traurig, aber für mich als Leser akzeptabel. Ein Autor ist schließlich nur ein Mensch und mit Zwang kann man keine solch hinreißenden Handlungen aufs Papier bringen. Aber er war – wie Robert Asprin selber im Nachwort erwähnt – immer noch vertraglich verpflichtet weitere Dämonen-Bände abzuliefern und so kam es zur Zusammenarbeit mit Jody Lynn Nye. Auch wenn schon die letzten Dämonenbücher nicht mehr ganz so lustig waren wie die Anfänge, so beginnt mit dieser Zusammenarbeit für mich das Ende diese witzigen Geschichten.

„Als Dämon brauchst du nie Kredit“ spielt zum größten Teil auf einer Welt, die ein einziges großes Einkaufszentrum (genauer gesagt: eine amerikanische Mall) ist. Als Aahz von Geldeintreibern in die Ecke gedrängt wird, findet er heraus, dass ein Betrüger mit der Identität seines Freundes Skeeve Kreditkartenbetrug begangen hat – und so muss er natürlich sofort loseilen und den Betrüger zur Strecke bringen. Mit von der Partie sind der hochintelligente Troll Chumley und Massha, die inzwischen nicht nur Skeeves Posten als Hofzauberer übernommen hat, sondern auch eine Einkaufsexpertin ist und Aahz durch die Schwierigkeiten einer solchen Welt helfen muss.

Was folgt hat nichts mehr mit den rasanten und amüsanten Geschichten zu tun, die früher für die Dämonen-Reihe standen. Die Magie kommt deutlich zu kurz oder dient nur noch dazu Dinge aus unserer modernen Welt (wie Kreditkartensysteme, Diebstahlsicherungen usw.) nachzuahmen. Aahz, Chumley und Massha stolpern die ganze Handlung hindurch nur mehr oder weniger hilflos hinter einer Ermittlerin hinterher, die ihrerseits schon seit Monaten den Kreditkartenbetrügern auf der Spur ist. Und dann hat es mich massiv gestört, dass in diesem Buch seitenweise vom Shopping berichtet wird!

So bietet dieser Roman keine amüsante und absurde Geschichte, die mich am Ende mit Lachtränen in den Augen zurücklässt, sondern nur endlose Beschreibungen einer glitzernden Einkaufswelt, in der allerlei (mehr oder wenig magische) Wunderdinge zu kaufen sind, die vielleicht den Träumen einer Kaufsüchtigen entsprungen sind, aber mich persönlich überhaupt nicht gereizt haben. Ich vermisse den ursprünglichen Humor der Serie und bin mir sicher, dass Robert Asprin zu diesem Buch nur seinen Namen hergegeben, aber keine Ideen beigesteuert hat. Und Jody Lynn Nye fehlt einfach das gewisse Etwas, dass eine Autorin benötigt, um den Leser mit ihren amüsanten Einfällen zu verzaubern.

Wer jetzt spontan einen Blick auf meinen SuB wirft, wird sehen, dass ich da auch noch die letzten beiden Geschichten liegen habe, die der Dämonen-Reihe zugeordnet werden. Da ich mir sicher bin, dass auch diese Bücher mich enttäuschen werden, wird es etwas Überwindung kostet, damit ich mir diese Romane endlich einmal vornehme. Trotzdem werde ich sie wohl lesen und weiterhin hoffen, irgendwo zwischen all den Seiten einen Funken von Robert Asprin hinreißendem Humor zu entdecken. Und wenn mir das nicht gelingt, dann bleiben mir ja immer noch die alten Bücher aus dieser Reihe und die wunderbaren (ersten beiden) Bände rund um die Chaos-Kompanie.

Mary Janice Davidson: Happy Hour in der Unterwelt (Hörbuch)

„Happy Hour in der Unterwelt“ ist der dritte Band der Betsy-Taylor-Reihe, und weiterhin hat die Hauptfigur Probleme damit, sich in ihrer Rolle als Vampirkönigin zurecht zu finden. Betsy wohnt inzwischen nicht nur mit ihrer besten Freundin Jessica und dem Mediziner Marc zusammen, sondern auch ihr Gemahl Eric Sinclair und seine Assistentin Tina sind in das Herrenhaus eingezogen. Da Betsy immer noch darüber schmollt, dass sie nun zwar nach Vampirgesetz mit Eric verheiratet ist, dieser sich aber anscheinend nur mit ihr eingelassen hat, weil ihn dies zum Herrscher der Vampire machte, geht sie Eric so weit wie möglich aus dem Weg.

Besonders schmerzlich wird ihr die verfahrene Beziehung zwischen ihr und Eric bewusst, als sie gebeten wird eine Hochzeit zwischen einer Vampirin und ihrem menschlichen Freund zu vollziehen. Doch nach den ersten panischen Gedanken, die sich darum drehen, wie so eine Zeremonie auszusehen – und was man dazu anzuziehen – hat, kommen Betsy mal wieder andere Probleme dazwischen. Sie erfährt nicht nur, dass ihre verhasste Stiefmutter schwanger ist, sondern auch, dass diese vor Jahren schon einmal ein Kind von Betsys Vater bekommen hatte.

Und laut dem „Buch der Toten“ ist hat die Vampirkönigin somit nicht nur eine Halbschwester, sondern diese ist auch noch die Tochter des Teufels. Betsy wusste ja schon immer, dass ihre Stiefmutter das personifizierte Böse ist, aber das hätte sie ja dann doch nicht gedacht. Nun liegt es an der Vampirin und ihren Freunden und Verbündeten, die Tochter des Leibhaftigen ausfindig zu machen, bevor diese die Weltherrschaft an sich reißen kann. Um mehr über ihre Schwester zu erfahren, beschäftigt sich Betsy mit dem „Buch der Toten“, was verheerende Auswirkungen auf sie und ihre Umgebung hat.

Obwohl Mary Janice Davidson in „Happy Hour in der Unterwelt“ wieder viele gute Ansätze zeigt und ich den Teil um Betsys Schwester wirklich gern gehört habe, krankt auch dieses Hörbuch daran, dass die Autorin anscheinend nicht in der Lage ist eine durchgehend konstruierte Geschichte zu erzählen. Wie schon beim zweiten Teil habe ich das Gefühl, dass sie einfach drauflos geschrieben hat, mit einer vagen Vorstellung, wie die aktuelle Situation ist und dann hat sie sich von ihren Ideen treiben lassen. So kommt es aber nicht zu einer überzeugenden Handlung! „Happy Hour in der Unterwelt“ ist eher eine Ansammlung mehr oder weniger lustiger Momente, die zum Glück sehr schön von Nana Spier vorgetragen werden. Die Sprecherin ist es, die mich bei dieser Hörbuchreihe bei der Stange hält, denn sie leistet so gute Arbeit, dass ich über die Handlungsschwächen und die eine oder andere nervige Charaktereigenschaft hinwegsehen kann.

[Kurz und knapp] Mary Janice Davidson: Süß wie Blut und teuflisch gut (Hörbuch)

Leider fand ich das zweite Hörbuch der Betsy-Taylor-Reihe nicht mehr ganz so unterhaltsam wie „Weiblich, ledig, untot“. Allerdings kann meine Eindruck auch durch die Tatsache getrübt sein, dass für die Hörbuchfassung einige Kürzungen vorgenommen werden musste, die meiner Meinung nach auch spürbar sind. Genau kann ich es nicht sagen, da ich die Bücher nicht gelesen habe.

Betsy hat ein paar Probleme sich an ihr neues Leben als untote Königin der Vampire zu gewöhnen. Doch vor allem irritiert es sie, dass sie finanziell vollständig von ihrer Freundin Jessica abhängig ist. So steht sie eines abends vor der Arbeitsagentur und versucht einen Job zu finden. Sehr hilfreich ist dieser Besuch nicht, aber dafür tröstet sich die Königin der Vampire kurz darauf mit einer Fensterbummel bei Macy’s –und bekommt überraschend eine Stelle in der Schuhabteilung angeboten. Ein himmlischen Angebot für eine Vampirin, die nach Designerschuhen verrückt ist. Doch ein Umzug in eine viel zu große Villa, Eric Sinclair, der darauf besteht, dass sich Betsy um eine Gruppe von Vampirjägern kümmert, und eine Geistererscheinung sorgen dafür, dass ihre Nächte erstaunlich stressig werden.

Nana Spier liefert wieder eine prima Leistung ab, die verschiedenen Figuren sind gut auseinander zuhalten, ohne dass die Sprecherin großartige Stimmenakrobatik hinlegen muss. Und auch Betsys Geplapper lässt sich so gut vorgelesen sehr gut anhören, ohne dass man dabei mit den Gedanken fortschweift. Aber ich habe das Gefühl, dass der rote Faden in diesem Hörbuch fehlt. Die Geschichte springt von einem Handlungsstrang zum nächsten, mal dreht sich alles um die Vampirjäger, dann wieder um den Geist in Betsys Haus oder ihre Jobprobleme. So war das zwar sehr nett anzuhören, aber dieser Teil hat mich nicht so begeistert, dass ich eine weitere CD davon hören müsste. Denn auch eine sehr gute Sprecherin kann eine mangelnde Struktur in der Handlung nicht ersetzen …

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Da ich gerade dabei bin, mich durch Tipps diverser Buch-Blogs zu lesen, habe ich die letzten Tage auch Sophie Kinsellas „Göttin in Gummistiefeln“ verschlungen. Und der Roman hat mir einen amüsanten Nachmittag beschwert. Eigentlich hat mir Samanthas Geschichte noch besser gefallen als „Charleston Girl“, aber vielleicht lag das daran, dass ich Beschreibungen von Koch- und Backvorgängen in Büchern einfach grundsätzlich liebe.

Samantha ist eine erfolgreiche Anwältin, die darauf hofft, dass sie in ihrer Kanzlei bald in die Riege der Seniorpartner aufsteigen wird. Doch während sie ihr ganzes Leben auf den Beruf ausgerichtet und schon seit vielen Monaten kein Treffen mehr mit einer Freundin oder gar einen Moment mit ihrer Familie erlebt hat, wird deutlich, dass ihr dieser absolute Einsatz für die Firma und die Erwartungen, die ihre erfolgreiche Mutter an sie stellt, so langsam zuviel wird. Kurz bevor ihr Karrieresprung offiziell verkündet wird, entdeckt Sam, dass sie einen gravierenden Fehler gemacht hat, der einen ihrer Klienten 50 Millionen kosten wird. In Panik rennt sie davon und findet sich einige Stunden später in einem kleinen Dorf wieder, wo sie für die angekündigte Haushaltshilfe gehalten wird. Obwohl Samantha keinerlei Ahnung vom Kochen, Putzen und anderen praktischen Tätigkeiten hat, schlägt sie sich wacker und lernt mit der Hilfe des Gärtners Nathaniel und seiner Mutter einen Haushalt erfolgreich zu schmeißen.

Natürlich ist die Grundsituation so ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber da man in Panik schon mal eine Dummheit macht und eine kleine Notlüge sich schnell in einen verschlingenden Sumpf entwickeln kann, kann ich die Abwegigkeiten in der Handlung verzeihen. Lustigerweise ist der größte Kritikpunkt an dem Buch häufig, dass Samantha sich im Haushalt so absolut unfähig anstellt. Eine intelligente Frau sollte schon in der Lage sein einen Herd anzustellen oder eine Waschmaschine zu bedienen – nur wenn diese Frau ihr ganzes Leben lang jemanden hatte, der das für sie getan hat, dann wird es für mich nicht mehr so abwegig, dass Sam so unfähig ist. Nun gut, ich habe auch erleben müssen, wie ein sehr intelligenter Mann sich als absolut hilflos herausstellte, als es darum ging zum ersten Mal ein paar Nudeln zu kochen – schließlich hatten ihm seine Mutter oder die Mensa diese Arbeit sonst immer abgenommen! *g*

Insgesamt fand ich es wirklich lustig mitzuerleben, wie sich Samantha von der toughen, aber „fremdbestimmten“ Poweranwältin zu einer Frau entwickelt, die zwar noch nicht genau weiß, was sie wirklich will, aber eine Ahnung davon bekommt, was sie ganz bestimmt nicht möchte. Und ich habe (wie schon erwähnt 😉 ) es sehr genossen zu lesen, wie Sam lernt Brot zu backen, wie sie ihre ersten Schritte in der Küche macht oder herausfindet, dass Sex auch mal mehr als sechs Minuten dauern kann. Anspruchsvoll ist dieser Roman bestimmt nicht, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Und beim Lesen hatte ich genau vor Augen, mit wem und wie ich das Buch gern verfilmt sehen würde … *g*

Mary Janice Davidson: Weiblich, ledig, untot (Hörbuch)

Elizabeth Taylor, genannt Betsy, hat an ihrem dreißigsten Geburtstag den schlimmsten Tag in ihrem Leben. Nicht die Tatsache, dass sie einen runden Geburtstag hat, macht ihr zu schaffen, sondern es läuft einfach alles schief, was im Leben schief laufen kann. Erst verschläft sie am Morgen, dann wird ihr (aufgrund der Wirtschaftskrise) der Job gekündigt und ihre Feier fällt aus, weil ein Schneesturm das Land überzieht – als sie dann noch von einem Auto überfahren wird, während sie ihre Katze ins warme Haus holen will, ist der Tag verdorben.

Wie sehr dieser Tag schiefgelaufen ist, merkt Betsy aber erst, als sie in einem sehr geschmacklosen Sarg aufwacht und sich in ein billiges pinkfarbendes Kostüm und noch schrecklicheren Schuhen vorfindet. Zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass sie zu einem Vampir geworden ist. Doch zum Glück ist ihre beste Freundin Jessica bereit sie auch in dieser Darseinsform zu akzeptieren und ihr finanziell unter die Arme zu greifen. Weniger glücklich ist, dass Betsy nun von diversen Vampiren bedrängt wird, die alle eine eigene Vorstellung davon habe, wie Betsys Leben als Untote verlaufen soll.

So komplett begeistert bin ich von Betsy nicht, was vielleicht daran liegt, dass ich ihre Leidenschaft für Designer-Schuhe und –Klamotten nicht teilen kann. Aber der Kontrast zwischen dem Vampirklischee und der oberflächlichen und plappernde Sekretärin ist wirklich amüsant. Doch vor allem hat es mir Nana Spiers Leistung angetan. Die Sprecherin ist für die Synchronisation von Sarah Michelle Gellar (Buffy) und Drew Barrymore bekannt, und ihr gelingt es hervorragend den richtigen Ton für die schnatternde Betsy zu treffen. Aber auch Betsys mitfühlende und fürsorgliche Seite bringt die Sprecherin zum Ausdruck, während ihr Eric Sinclair (ein sehr attraktiver Vampire, der Pläne mit Betsy hat) erstaunlich verführerisch wirkt. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen, die Männerrollen sprechen sollen, doch eher lächerlich klingen. Diese Mischung aus gelungener Lesung und amüsanter und leichter Unterhaltung sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich das Hörbuch wirklich genossen habe – und Teil zwei habe ich inzwischen auch schon gehört!

Sophie Kinsella: Charleston Girl

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara und ihrer Geschichte warm geworden bin. Lara Lingtons Leben läuft in letzter Zeit ziemlich schief: Ihr Freund hat sich von ihr getrennt und sie kommt über diese gescheiterte Beziehung nicht hinweg. Sie hat sich mit ihrer Freundin Natalie zusammen selbständig gemacht, nur damit diese kurz darauf aus einem Urlaub nicht zurückkommt – und Lara nun allein für die Headhunter-Firma zuständig ist. Wobei sie selbstverständlich von der Materie keine Ahnung hat, und darauf vertraute, dass Natalie den relevanten Teil der Arbeit übernehmen würde. Und als Krönung des Ganzen wird Lara seit der Beerdigung ihrer Großtante Sadie auch noch von deren Geist verfolgt. Sadie vermisst ihre Libellenkette und fordert nun von Lara, dass diese ihr die Kette zurückholt.

Da Sadie als Geist ihre Großnichte verfolgen kann, möchte sie auch noch ein bisschen was vom Leben haben. So zwingt sie Lara dazu sich mit einem fremden Mann zu einem Date zu verabreden – und den Abend im perfekten Charleston-Kostüm zu verbringen. Aber auch Einbrüche, Anzeigen bei der Polizei und geplatzte Geschäftsabschlüsse hat Lara ihrer verstorbenen Großtante zu verdanken. Sadie ist wirklich eine wunderbare Figur, auch wenn ich nie im Leben von ihr beeinflusst werden wollte. >g< Ihr gelingt es, dass Lara selbstständiger und sich selbst gegenüber ehrlicher wird. Je lockerer Lara mit der Situation umgeht, je mehr ihr die Meinung der anderen egal wird und je mehr sie das Leben genießen kann, desto komischer wurde das Buch. Und so kann ich nicht behaupten, dass ich meinen Spontankauf bereut habe, denn ich habe mit dem Roman einen sehr vergnüglichen Nachmittag verbracht.

Wie gesagt, ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara warm geworden bin. Anfangs war sie mir zu passiv, zu fixiert auf ihren Ex-Freund und zu sehr in ihr eigenes Unglück vertieft. Doch je mehr Sadie sich in Laras Leben einmischte, desto komischer wurde die Geschichte – und das Ende, das ist so richtig schön! Mit Lachen und Tränchen in den Augen und dem Gefühl, schon lange nicht mehr so was Schönes gelesen zu haben.