„Als Dämon brauchst du nie Kredit“ ist schon der fünfzehnte Roman aus Robert Asprins Dämonen-Reihe und der dritte Teil, der in Zusammenarbeit mit Jody Lynn Nye entstanden ist. Ich habe diese Bücher vor vielen Jahren für mich entdeckt als humorvolle Fantasy noch relativ neu auf dem deutschen Buchmarkt war und Terry Pratchett noch nicht den Weg in die hiesigen Buchhandlungen geschafft hatte.
Robert Asprins amüsanter Umgang mit den Fantasyklischees hat mich fasziniert und ich habe die verschiedenen Charaktere dieser Reihe wirklich ins Herz geschlossen. Der unfähige Skeeve, der gerade mal zwei Zauber beherrscht, als er zum größten Magier seines Reiches erwählt wird, Aahz, der Dämon aus der Welt Perv, der trotzdem kein „Perverser“, sondern selbstverständlich ein „Perfekter“ ist und all die anderen verrückten Gestalten haben es geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Doch vor allem die wunderbare Situationskomik und die sich rasant entwickelnde Handlung hat dafür gesorgt, dass ich dieser Reihe über all die Jahre hinweg treu geblieben bin.
Dann aber kam eine Zeit, in der Robert Asprin unter solch einer heftigen Schreibblockade litt, dass keine weiteren Geschichten aus seiner Feder flossen. Traurig, aber für mich als Leser akzeptabel. Ein Autor ist schließlich nur ein Mensch und mit Zwang kann man keine solch hinreißenden Handlungen aufs Papier bringen. Aber er war – wie Robert Asprin selber im Nachwort erwähnt – immer noch vertraglich verpflichtet weitere Dämonen-Bände abzuliefern und so kam es zur Zusammenarbeit mit Jody Lynn Nye. Auch wenn schon die letzten Dämonenbücher nicht mehr ganz so lustig waren wie die Anfänge, so beginnt mit dieser Zusammenarbeit für mich das Ende diese witzigen Geschichten.
„Als Dämon brauchst du nie Kredit“ spielt zum größten Teil auf einer Welt, die ein einziges großes Einkaufszentrum (genauer gesagt: eine amerikanische Mall) ist. Als Aahz von Geldeintreibern in die Ecke gedrängt wird, findet er heraus, dass ein Betrüger mit der Identität seines Freundes Skeeve Kreditkartenbetrug begangen hat – und so muss er natürlich sofort loseilen und den Betrüger zur Strecke bringen. Mit von der Partie sind der hochintelligente Troll Chumley und Massha, die inzwischen nicht nur Skeeves Posten als Hofzauberer übernommen hat, sondern auch eine Einkaufsexpertin ist und Aahz durch die Schwierigkeiten einer solchen Welt helfen muss.
Was folgt hat nichts mehr mit den rasanten und amüsanten Geschichten zu tun, die früher für die Dämonen-Reihe standen. Die Magie kommt deutlich zu kurz oder dient nur noch dazu Dinge aus unserer modernen Welt (wie Kreditkartensysteme, Diebstahlsicherungen usw.) nachzuahmen. Aahz, Chumley und Massha stolpern die ganze Handlung hindurch nur mehr oder weniger hilflos hinter einer Ermittlerin hinterher, die ihrerseits schon seit Monaten den Kreditkartenbetrügern auf der Spur ist. Und dann hat es mich massiv gestört, dass in diesem Buch seitenweise vom Shopping berichtet wird!
So bietet dieser Roman keine amüsante und absurde Geschichte, die mich am Ende mit Lachtränen in den Augen zurücklässt, sondern nur endlose Beschreibungen einer glitzernden Einkaufswelt, in der allerlei (mehr oder wenig magische) Wunderdinge zu kaufen sind, die vielleicht den Träumen einer Kaufsüchtigen entsprungen sind, aber mich persönlich überhaupt nicht gereizt haben. Ich vermisse den ursprünglichen Humor der Serie und bin mir sicher, dass Robert Asprin zu diesem Buch nur seinen Namen hergegeben, aber keine Ideen beigesteuert hat. Und Jody Lynn Nye fehlt einfach das gewisse Etwas, dass eine Autorin benötigt, um den Leser mit ihren amüsanten Einfällen zu verzaubern.
Wer jetzt spontan einen Blick auf meinen SuB wirft, wird sehen, dass ich da auch noch die letzten beiden Geschichten liegen habe, die der Dämonen-Reihe zugeordnet werden. Da ich mir sicher bin, dass auch diese Bücher mich enttäuschen werden, wird es etwas Überwindung kostet, damit ich mir diese Romane endlich einmal vornehme. Trotzdem werde ich sie wohl lesen und weiterhin hoffen, irgendwo zwischen all den Seiten einen Funken von Robert Asprin hinreißendem Humor zu entdecken. Und wenn mir das nicht gelingt, dann bleiben mir ja immer noch die alten Bücher aus dieser Reihe und die wunderbaren (ersten beiden) Bände rund um die Chaos-Kompanie.