Schlagwort: New York

Mur Lafferty: The Shambling Guide to New York City (The Shambling Guide 1)

In den letzten Wochen habe ich so einige „nette“ Romane gelesen, die noch auf meinem eReader schlummerten (oder von mir spontan heruntergeladen wurden 😉 ). „The Shambling Guide to New York City“ von Mur Lafferty gehört definitiv in die Kategorie „nette Romane“ und hat mich gut unterhalten. Die Protagonistin Zoë Jennifer Norris sucht zu Beginn der Geschichte dringend einen neuen Job, nachdem sie ihren letzte Arbeitgeber wegen persönlicher Differenzen (vor allem mit der Ehefrau ihres Vorgesetzten) verlassen musste. Da Zoë sich als Autorin und Redakteurin auf Reiseführer für Städtereisen spezialisiert hat, ist sie hingerissen, als sie bei einem Ausflug in New York in einer seltsamen kleinen Buchhandlung über einen Aushang stolpert, in dem ein neu gegründeter Reisebuch-Verlag jemanden mit ihren Erfahrungen sucht. Doch obwohl Zoë sich sicher ist, dass sie ein Glücksfall für Underground Publishing sein müsste, will der Verlagsinhaber Phillip Rand ihre Bewerbung nicht einmal annehmen. Erst als deutlich wird, dass Zoë nicht so schnell aufgeben wird, kommt es zu einem Vorstellungsgespräch, bei dem sie herausfindet, dass der Verlag von Monstern Cotterie geführt wird.

Nachdem sie den ersten Schock darüber überwunden hat, dass es Vampire, Zombies, Todes-Göttinnen und ähnliche übernatürlich Wesen (allgemein als Cotterie bezeichnet) wirklich gibt, beschließt Zoë, dass die Arbeit für Underground Publishing eine Herausforderung darstellt, die sie wirklich reizt. Allerdings ist es nicht ganz einfach für sie, in einer solchen Umgebung Fuß zu fassen, vor allem, da es unter den Kolleg*innen nicht wenige gibt, die sich von Menschen ernähren. Ich fand es sehr unterhaltsam zu lesen, wie Zoë mehr über diese – ihr bislang vollkommen unbekannte – Parallelgesellschaft der Cotterie erfährt und wie sie sich bei jeder Begegnung mit einer neuen Spezies Gedanken um Etikette macht. Auch war es nett zu verfolgen, wie sie sich mit zwei Kolleginnen anfreundet, während andere Mitarbeiter sie vor größere Herausforderungen gestellt haben. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich nach ca. 100 Seiten fragte, worauf die Autorin mit ihrer Geschichte eigentlich hinauswill, weil ich das Gefühl hatte, dass so langsam etwas passieren müsste. Ein Kapitel später war es dann auch so weit und Zoë begegnet ihrem neuen Kollegen Wesley, der nicht nur ein Konstrukt (in diesem Fall ein aus Leichenteilen zusammengesetztes Wesen) ist, sondern der auch eine Verbindung zu Zoës Vergangenheit hat. Ab diesem Moment nimmt die Handlung etwas mehr Fahrt auf, auch wenn ich sie insgesamt immer noch recht gemütlich zu lesen fand.

Vor allem lebt die Geschichte von „The Shambling Guide to New York City“ von all den größeren und kleineren Begegnungen, die Zoë mit den verschiedenen Cotterie-Varianten hat. Häufig überschätzt die Frau ihr angelesenes Wissen über die verschiedenen Kreaturen, was zu amüsanten Momenten führt, dann wieder trifft sie auf Cotterie, von denen sie vorher noch nie etwas gehört hat und bei denen die Protagonistin sich unsicher ist, wie sie sich verhalten muss, um heil aus der Situation herauszukommen. Dazu kommen all die verschiedenen Nebencharaktere, die mir wirklich viel Spaß gemacht haben, wie Zoës Kolleg*innen oder die alte Granny Good Mae, die Zoë in Selbstverteidigung unterrichtet. Mur Lafferty hat wirklich viele ungewöhnliche Ideen in ihren Roman gepackt, so dass ich immer wieder über überraschende neue Elemente in ihrer Version von New York stolpern konnte. Dazu kommen dann noch all die kleinen Einträge aus dem Reiseführer, an dem Zoë die ganze Zeit arbeitet, die noch weitere Details zu dieser Urban-Fantasy-Welt zufügen. Ich fand es nett, von den alltäglichen Problemen der Cotterie zu lesen, wenn es um die Nahrungsbeschaffung oder Übernachtungsoptionen auf Reisen geht, muss aber auch zugeben, dass all diese Elemente eben auch dazu geführt haben, dass der Roman stellenweise etwas zu gemächlich dahinplätscherte. Wer also eine eher gemütliche Urban-Fantasy-Geschichte mit amüsanten Städteführer-Auszügen sucht, hat mit „The Shambling Guide to New York City“ den passenden Roman gefunden. Wer lieber etwas mit mehr Action liest, sollte definitiv zu einem anderen Buch greifen.

Lisa Shearin: The Grendel Affair (SPI Files 1)

Ich muss zugeben, dass ich „The Grendel Affair“ von Lisa Shearin vor allem rezensiere, um bei der Masse der „netten“ Urban-Fantasy-Romane, die ich so lese, den Überblick zu behalten. „The Grendel Affair“ ist der erste Band einer (aktuell) achtteiligen Reihe, deren Handlung aus der Sicht von Makenna (Mac) Fraser erzählt wird. In „The Grendel Affair“ arbeitet Mac seit gerade mal einigen Wochen für das SPI (Supernatural Protection & Investigations), wobei sie bei ihrer Arbeit ihre angeborenen Fähigkeiten als Seherin einsetzt – was bedeutet, dass sie in der Lage ist, jegliche magische Tarnung zu durchschauen und die wahre Gestalt einer Kreatur zu sehen. Die Handlung in dem Auftaktband der Reihe beginnt kurz vor Silvester, als Mac sich nach der Arbeit aufmacht, um ihrem Freund Ollie einen Gefallen zu tun. Eigentlich ist Ollie eher ihr Informant als ein Freund, denn der Kuriositätenhändler bekommt von seinen nichtmenschlichen Kunden so einige Details mit. Doch an diesem Abend geht es Mac darum, einen Bavarian Nachtgnome zu fangen, der sich in Ollies Laden eingenistet hat. Als Seherin gehört sie zwar nicht zu den aktiven Kampfeinheiten des SPI, aber sie ist sich sicher, dass sie mit einem Nachtgnome schon fertig wird – zumindest ist sie das, bis sie über die Leiche eines unbekannten Mannes stolpert.

Der Tote wurde eindeutig nicht von einem Menschen getötet, sondern von einem Monster, das stark genug war, um der Leiche Gliedmaßen auszureißen. Es hat zudem eine Kralle am Tatort zurückgelassen, die den Verdacht nahelegt, dass es wirklich riesig ist. Im Laufe der Ermittlungen findet das SPI heraus, dass eine Gruppe von übernatürlichen Wesen vorhat, während des Silvester-Countdowns am Times Square einen Angriff durchzuführen, der die Existenz übernatürlicher Wesen enthüllen und die Menschheit einschüchtern soll. Mehr zur Handlung muss ich hier eigentlich nicht schreiben, denn so komplex ist sie nicht, dass mehr Details notwendig wären. Was mir bei „The Grendel Affair“ gut gefallen hat, war, dass sich die Geschichte leicht und fluffig lesen ließ. Es gibt immer wieder humorvolle Momente – gerade in den Gefahrensituationen – ohne dass ich das als zu Slapstick-haft oder abwegig empfunden hätte. Mac ist zwar mit dem Wissen aufgewachsen, dass es übernatürliche Wesen gibt, und ihre Polizistenfamilie übernimmt in ihrer kleinen Stadt im Prinzip ähnliche Aufgaben wie das SPI, aber sie selbst ist – wie sie schnell genug feststellen muss – keine Kämpferin.

So gern ich Kick-Ass-Heldinnen lese, so mochte ich es doch besonders, dass Mac eben alles andere als eine erfahrene Kämpferin ist (auch wenn sie ihre Fähigkeiten mit einer Schusswaffe anfangs noch höher einschätzt, als sie sind). Sie ist eine Frau, deren Stärken ihre Recherche- und Seherinnen-Fähigkeiten sind, und das führt dazu, dass Mac in all den Kampf- und Gefahrensituationen vor allem versucht, nicht im Zentrum des Geschehens zu landen, um dort den erfahrenen Kämpfern nicht im Weg zu stehen. Natürlich kann es in solch einem Urban-Fantasy-Roman nicht sein, dass die Protagonistin keinerlei Gefahren erlebt, aber oft genug übersteht Mac diese nur, weil sie entweder durch ihr eigenes Ungeschick oder durch das Eingreifen ihrer Kollegen gerettet wird. Wobei die Momente, in denen Mac tollpatschig ist, meiner Meinung nach von Lisa Shearin so geschrieben wurden, dass sie sich überraschend realistisch lesen, statt mir das Gefühl zu vermitteln, dass die Autorin verzweifelt eine Lösung für eine Situation gesucht hätte oder noch irgendwie humorvoll hätte sein wollen. Insgesamt fand ich es zur Abwechslung wirklich angenehm, dass Mac in vielen Bereichen eine so untypische Protagonistin für einen Urban-Fantasy-Roman war. Außerdem mochte ich die lockere Erzählweise und die humorvollen Szenen, die mich zwar selten überrascht haben, aber dafür sorgten, dass ich mich wirklich gut unterhalten gefühlt habe. Ich werde die Serie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten für den Tag, an dem ich mal wieder Lust auf etwas leichtere Urban-Fantasy-Romane habe.

Zetta Elliott: Dragons in a Bag

Auf „Dragons in a Bag“ von Zetta Elliott bin ich schon vor einigen Jahren aufmerksam geworden, als der Verlag die Veröffentlichung ankündigte – und dann habe ich so lange gebraucht, um mir das Buch zu kaufen, dass inzwischen schon die beiden Folgebände erschienen sind. Immerhin bedeutet das auch, dass ich demnächst weitere Abenteuer lesen kann, in denen Jaxon und seine Freunde sich mit fantastischen Herausforderungen herumschlagen dürfen. 😉 „Dragons in a Bag“ ist eine wirklich unterhaltsame und wohltuende Geschichte für Kinder (Alterseinschätzung des Verlags ist 8 bis 12 Jahre), die damit beginnt, dass der neunjährige Protagonist Jaxon von seiner Mutter für einen Tag bei einer ihm unbekannten alten Frau untergebracht wird. Anfangs kommen Jax und „Ma“, wie die alte Frau genannt wird, so gar nicht miteinander aus. Aber als Jax herausfindet, dass Ma eine Hexe ist und den Auftrag hat, drei gerade geschlüpfte Drachen von Brooklyn in eine magische Welt zu liefern, ist er wild entschlossen, Ma bei ihrem Lieferjob zu unterstützen.

Natürlich geht von diesem Moment an alles Mögliche schief, obwohl Jax sich wirklich Mühe gibt, und keines der folgenden Probleme seine Schuld ist. Ich habe es sehr genossen zu lesen, wie Jax erst einmal herausfindet, dass es Magie wirklich gibt und dass Ma eine Hexe ist, und wie er dann mit dieser neuen Erkenntnis umgeht. Doch vor allem fand ich es schön mitzuverfolgen, wie sehr Jaxon all die Abenteuer, die er erlebt, genießt, obwohl er sich gleichzeitig die ganze Zeit mit seinen Ängsten herumschlagen muss. Wirklich gruselig wird die Geschichte nicht, schließlich ist sie doch für ein recht junges Publikum geschrieben, aber auch als erwachsene Leserin konnte ich gut nachvollziehen, welche Sorgen sich Jax gemacht hat, und ich mochte es, wie er trotzdem immer weiter nach Lösungen für seine Probleme suchte. Dabei ist Jaxon nicht auf sich allein gestellt, sondern kann auf die Hilfe von neuen Bekannten und alten Freunden zählen. Gerade mit Jax‘ bestem Freund Vikram gibt es ein paar Momente, die ich wirklich genossen habe, auch wenn ich hier nicht mehr dazu schreiben möchte, um nicht zu viele Details dieses (für meinen persönlichen Geschmack viel zu dünnen) Romans zu verraten.

Mir hat es wirklich gefallen, wie die Autorin auf der einen Seite zeigte, wie unglaublich großartig es für Jax ist zu erleben, dass es Magie wirklich gibt, und wie leicht es dem Jungen auf der anderen Seite fällt, so eine große Entdeckung zu akzeptieren. Neben all den fantastischen Elementen, die sich überraschend stimmig in das heutige Brooklyn einfügen, gibt es auch eine Menge „realistischer“ Details in der Geschichte, wie die Probleme, die Jaxons Mutter mit ihrem Vermieter hat und die von Ma beschriebene Entwicklung in ihrem Mietshaus. Genauso haben all die verschiedenen Charaktere Ecken und Kanten, die sie glaubwürdig und häufig auch sehr sympathisch erscheinen lassen. Am Ende habe ich es wirklich bedauert, dass die Geschichte schon so schnell vorbei war, weil ich gern mehr Zeit mit Ma, Jax und all den anderen Figuren verbracht hätte (und Jaxons Probleme auch noch nicht ganz vorbei waren). Dank der Leseprobe zu „The Dragon Thief“ kann ich immerhin sagen, dass die Geschichte dort lückenlos weitererzählt wird. Allerdings ist die Taschenbuchausgabe aktuell nicht bei meinem Buchhändler gelistet und ich befürchte, dass die hübschen Illustrationen von Geneva B bei einem eBook nicht ausreichend zur Geltung kommen, weshalb ich wohl nicht so schnell erfahren werde, wie es weitergeht …

Dhonielle Clayton, Nic Stone, Tiffany D. Jackson, Ashley Woodfolk, Angie Thomas und Nicola Yoon: Blackout

Auf „Blackout“ bin ich aufmerksam geworden, als mir ein Beitrag der „This Morning“-Sendung des US-Senders CBS in meine Twitter-Timeline gespült wurde. Dort haben sich die sechs Autorinnen darüber unterhalten, wie sich die gemeinsame Arbeit an dem Buch für sie angefühlt hat. Mir hat es so gut gefallen, wie respektvoll und sich gegenseitig schätzend die sechs Frauen in diesem Gespräch miteinander umgegangen sind und wie sie über ihre jeweiligen Geschichten gesprochen haben, dass ich mir „Blackout“ spontan bestellt habe. Initiiert wurde diese Zusammenarbeit der sechs Autorinnen von Dhonielle Clayton, deren fünfzehnjährige Nichte sie gefragt hatte, wieso Schwarze Mädchen nie eine große Liebesgeschichte haben dürfen und immer nur als „Sidekick“ in Romanen vorkommen. Dazu kam dann noch das Bedürfnis, ein Gegengewicht zu den ganzen Bildern von Polizeigewalt gegen Schwarze Personen und zu all den schrecklichen Nachrichten über die Pandemie im vergangenen Jahr zu setzen – und so kam es zu dem Entschluss, gemeinsam mit fünf anderen Autorinnen ein hoffnungsvolles und wohltuendes (Jugend-)Buch mit Geschichten über Liebe und Freundschaft zu schreiben, in dem Schwarze Protagonist.innen im Zentrum der Handlung stehen.

„Blackout“ besteht aus sechs einzelnen Geschichten, wobei „The Long Walk“ von Tiffany D. Jackson in kleinere Segmenten aufgebrochen wurde, die zwischen den Geschichten der anderen Autorinnen platziert wurden und so einen roten Faden durch das gesamte Buch bilden. Alle Geschichten spielen während eines großen Stromausfalls in New York, und die verschiedenen Protagonisten und Nebenfiguren stehen alle untereinander in irgendeiner Art von Beziehung. So ist Tammi (Protagonistin von „The Long Walk“) zum Beispiel die Tochter des Busfahrers, der in „No Sleep Till Brooklyn“ (Angie Thomas) eine Rolle spielt, und die Schwester von Tremaine, der wiederum in „Mask Off“ (Nic Stone) für den Erzähler JJ sehr wichtig ist. Mit gerade mal 256 Seiten ist „Blackout“ kein besonders umfangreiches Buch, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass eine der Geschichten zu kurz wäre. Jede von ihnen bietet eine wunderbare kleine Auszeit mit sympathischen Figuren, amüsanten Momenten und sehr süßen Liebesgeschichten. Dabei bedeutet die Tatsache, dass diese sechs Autorinnen in diesem Roman „Liebesgeschichten“ erzählen, nicht unbedingt, dass die Handlungen vorhersehbar wären.

All diese Geschichten haben – obwohl sie wirklich gut zueinander passen und sich wunderbar ergänzen – einen sehr individuellen Ton, so dass nicht vorhersagbar ist, ob einen als nächstes eine leise Liebesgeschichte, eine eher dramatischere Handlung oder vor allem sehr amüsante Szenen erwarten. Ebensowenig lassen sich die Figuren in Schubladen pressen und das nicht nur, weil einige von ihnen nicht heterosexuell sind, sondern auch, weil im Fall von „Blackout“ eine Liebegeschichte auch mal bedeuten kann, dass am Ende kein glückliches Paar aus der Handlung hervorgeht, sondern vielleicht „nur“ eine Person, die gelernt hat, sich selbst ein bisschen mehr zu lieben oder etwas ehrlicher mit sich zu sein. Ich mochte diesen Überraschungsfaktor beim Lesen sehr und habe mich darüber ebenso gefreut wie über die vielen kleinen Verknüpfungen zwischen den Geschichten, die dafür sorgten, dass ich die ganze Zeit die Augen offen gehalten habe nach Hinweisen darauf, wie welche Person mit welcher Figur bekannt oder verwandt sein könnte. Außerdem ist „Blackout“ unübersehbar eine Liebeserklärung an das Leben in New York mit all seinen Facetten, von der großen Bibliothek, den Touristenbussen, den alten Ziegelsteinhäusern, dem Kulturangebot, dem Gemeinschaftsgefühl innerhalb eines Viertels bis zu U-Bahn – und ich muss zugeben, dass ich mich in letzterer während eines Stromausfalls nicht aufhalten möchte. 😉

Mir hat das Lesen von „Blackout“ gutgetan, und ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt. Ich muss aber auch zugeben, dass die Kürze der Geschichten dafür sorgt, dass man eben nur einen sehr kleinen Einblick in das Leben der Figuren bekommt, weshalb sie keinen so lang anhaltenden Eindruck bei mir hinterlassen haben. Aber ich hatte viel Spaß mit den Charakteren und habe mir fest vorgenommen, dass ich „Blackout“ im nächsten Sommer wieder aus dem Regal ziehe, um mich von all den verschiedenen Figuren erneut in ein hochsommerliches New York entführen zu lassen, in dem ein umfassender Stromausfall so viele Leben positiv verändert. Oh, und wer Lust auf das Buch bekommen haben sollte, aber nicht auf Englisch lesen mag: Zeitgleich mit der englischen Ausgabe ist bei cbj „Blackout – Liebe leuchtet auch im Dunkeln“ als gebundenes Buch erschienen. Diese Variante ist zwar etwas teurer und das Cover ist nicht ganz so hübsch wie bei der englischsprachigen Ausgabe, aber mal nicht lange auf eine deutsche Übersetzung warten zu müssen, ist doch wirklich großartig.

Zelda Popkin: Rendezvous nach Ladenschluss (Mary Carner 1)

Beim Einräumen meiner Bücherregale bin ich über die drei Kriminalromane von Zelda Popkin in meinem Bestand gestolpert und musste den ersten Band nach all der Zeit gleich wieder lesen. Leider gibt es noch so einige Titel der Autorin, die ich nicht habe, und so war ich sehr enttäuscht, als ich nach dem Lesen herausfand, dass man auch die englischen Originale nicht mehr (oder nur noch als sehr, sehr teure Gebrauchtausgaben) bekommen kann. Wenn ich der Autorenangabe in meiner alten dtv-Ausgabe trauen kann, muss Zelda Popkin eine faszinierende Frau gewesen sein, die schon als Fünfzehnjährige als Reporterin arbeitete und vor ihrem siebzehnten Geburtstag mehrere Titelstories über authentische Kriminalfälle in verschiedenen Zeitungen platzieren konnte. Die Angabe über ihre späteren Lebensjahre (Heirat, zwei Kinder und die gemeinsame Werbeagentur mit ihrem Mann) finde ich im Vergleich dazu erschreckend langweilig und normal, aber ich hätte trotzdem gern nicht nur mehr Krimis von ihr gelesen, sondern auch ihre biografischen Romane.

„Rendezvous nach Ladenschluss“ („Death Wears a White Gardenia“) wurde 1938 das erste Mal veröffentlicht und ist nicht nur der Debütroman von Zelda Popkin, sondern auch der erste Band (von fünf Bänden) rund um die Kaufhausdetektivin Mary Carner. Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Andrew MacAndrew, dem Leiter der Kundenkreditabteilung, bei der Fünfzig-Jahr-Feier des Kaufhauses, für das Mary Carner arbeitet. Nachdem seit Wochen auf dieses Jubiläum hingearbeitet worden war und nicht nur die Gattin des Gouverneurs, diverse andere Prominente und natürlich ein Haufen Presseleute anwesend sind, bemühen sich alle Beteiligten (abgesehen von der Polizei, der der Ruf des Kaufhauses relativ egal ist), den Mord möglichst schnell und dezent zu klären. Schon früh bekommt Mary Carner dabei heraus, dass der Ermordete eine Affäre mit einer Angestellten und neben seinem normalen Job noch ein paar dubiose Geschäfte laufen hatte.

Einer der Gründe, warum ich diese alten Geschichten so liebe, ist die Atmosphäre, die dem Leser da geboten wird. Gleich zu Beginn von „Rendezvous nach Ladenschluss“ bekommt man eine wunderbar detaillierte Beschreibung des Kaufhauses inklusive der luxuriösen Angebote anlässlich des Jubiläums und der Menge an Personal, die notwendig ist, um ein Geschäft in dem Stil zu betreiben. Die Tatsache, dass solch ein Kaufhaus für Zelda Popkin ein ganz normaler Anblick war, macht es für mich nur noch reizvoller. Denn so weiß ich, dass ich da keine verkitschte Vorstellung von der Vergangenheit präsentiert bekomme, sondern ein Stückchen Alltag, das es so heute nicht mehr gibt, inklusive der Heerscharen von Verkäuferinnen und Lagerarbeitern, einem Kaufhaus-Schreiner, einem Wachmann am Wareneingang und all den Leuten in den Büros, von denen man als Kunde gar nichts mitbekommt. Dabei verschweigt die Autorin nicht, dass die Zeit dieser großen Kaufhäuser fast vorbei ist, erzählt von der Großen Depression, den finanziellen Problemen des Inhabers und dem verzweifelten Versuch, über diese Jubiläumsveranstaltung die Verluste der vergangenen Monate wieder auszugleichen.

Bei über 1000 Angestellten gibt es in diesem Kaufhaus mehr als genügend Verdächtige für Mary Carner und ihren Vorgesetzten Chris Whittaker unter die Lupe zu nehmen, aber natürlich beschränkt sich die Autorin auf eine Handvoll Personen, die aus beruflichen oder privaten Gründen in regelmäßigem Kontakt mit Andrew MacAndrew standen. Obwohl ein Großteil der Handlung im Büro von Chris Whittaker und einigen weiteren Räumen im Kaufhaus stattfindet und kaum mehr passiert, als dass die Detektive, der ermittelnde Inspektor und der zuständige Staatsanwalt mit den verschiedenen Angestellten und Verdächtigen reden, fühlen sich die Ereignisse überraschend gedrängt und alles andere als gemächlich an. Zum einen liegt das daran, dass die Morduntersuchung gerade mal einem Tag beansprucht, zum anderen daran, dass die verschiedenen Ermittler unterschiedliche Spuren bevorzugen, weil sie den anderen Beteiligten möglichst schnell weitere Hinweise präsentieren wollen, die die Schuld ihres „bevorzugten“ Verdächtigen belegen sollen.

Ich muss gestehen, dass ein Teil von mir beim Lesen immer überlegt, mit welchen alten Schauspielern ich eine Verfilmung dieser Geschichte besetzen würde – vermutlich wird es niemanden überraschen, dass ich mir Lauren Bacall als Mary Carner und Humphrey Bogart als Chris Whittaker gut vorstellen könnte. Denn auf der einen Seite bringt der Roman die Atmosphäre einer Private-Eye-Novel dieser Zeit mit sich (das Abbild einer Gesellschaft auf dem absteigenden Ast voller korrupter Menschen), auf der anderen Seite ist hier der Privatdetektiv kein einzelner Kämpfer für die Gerechtigkeit, sondern Teil einer professionell agierenden Gruppe. Außerdem wird die Handlung deutlich amüsanter und schwungvoller erzählt, was zwar auch einen desillusionierten Blick auf die verschiedenen Charaktere ermöglicht, aber nicht diese alles durchdringende Melancholie einer Hammett- oder Chandler-Veröffentlichung. Nachdem ich diesen Krimi seit über zehn Jahren nicht mehr in der Hand hatte, bin ich sehr froh, dass ich die Geschichte auch heute noch so sehr genießen kann, dass ich die Charaktere immer noch sympathisch und unterhaltsam finde und dass ich beim Lesen weiterhin gespannt alle Hinweise und Erkenntnisse verfolgen mochte, um mit den Ermittlern den Täter zu überführen.

Lauren Graham: Lieber jetzt als irgendwann (Hörbuch)

Das Hörbuch zu „Lieber jetzt als irgendwann“ habe ich geliehen bekommen und dachte, dass es doch bestimmt ganz nett sei, eine Geschichte zu hören, die von Lauren Graham (die Schauspielerin, die die Lorelei Gilmore bei den „Gilmore Girls“ spielte) geschrieben und von Melanie Pukaß (Lauren Grahams Synchronsprecherin) gesprochen wurde. Irgendwie nett war es auch, aber leider nicht so nett oder gar amüsant, dass ich große Lust hätte die Geschichte weiter zu hören. Diese mangelnde Motivation die Geschichte zu beenden führte dazu, dass sich das Ganze für mich endlos zog. Dabei hätte die Grundidee eine hübsche Basis für ein unterhaltsames Hörbuch bilden können.

Die Hauptfigur Franny (Francis) Banks lebt seit 2,5 Jahren in New York und versucht ihren Traum von einer Karriere als Schauspielerin zu verwirklichen. Dabei hat sie sich einen Zeitraum von drei Jahren gesetzt, denn sie will nicht endlos erfolglos Energie in dieses Ziel stecken, wenn sich vielleicht herausstellt, dass sie nicht geeignet für ihren Traum von der Bühne ist. Wenn alles scheitern sollte, so hat sie es sich vorgenommen, dann würde sie ihren Studienfreund Clark heiraten, wie ihr Vater Englisch unterrichten und als Vorortehefrau glücklich werden. Doch das es nicht darauf hinauslaufen wird, ist dem Hörer eigentlich von Anfang an klar und so verfolgt man sechs Monate lang Frannys Leben.

Sechs Monate, in denen Franny sich verliebt, in denen sie Vorsprechtermine und Schauspielunterricht hat, Erfahrungen bei Werbespotdreharbeiten sammelt, einen Agenten sucht und immer wieder darauf hoffen muss, noch einen Kellnerjob zu ergattern, damit sie die nächste Miete zahlen kann. Zwischen den verschiedenen Episoden gibt es immer wieder größere Pausen, was dazu führte, dass ich mich immer wieder neu orientieren musste, um herauszufinden, was gerade in Frannys Leben aktuell ist. (In der Buchversion scheint das einfacher zu verfolgen zu sein, da es da – laut den diversen Rezensionen – Kalenderseiten gibt, die mit Diätplänen und Terminen gefüllt sind, um die Lücken zu füllen.) Außerdem gibt es häufig zu Beginn eines neuen Abschnitts Anrufbeantworterpassagen, in denen Frannys Vater und diverse Personen, die beruflich mit ihr zu tun haben, Nachrichten hinterlassen.

Eigentlich war das alles ganz nett (irgendwie komme ich von diesem Wort einfach nicht weg), aber es gab so wenig Höhen und Tiefen. Franny hat als kleines Mädchen ihre Mutter verloren und eine besondere Beziehung zu ihrem Vater, aber ich als Hörer bekam nur seine eher informativen Anrufbeantworternachrichten mit. Franny geht zu einem Casting und statt sich auf die Rolle vorzubereiten, unterhält sie sich mit einer Kollegin (und beneidet diese um Figur, Größe und Frisur) – und anstatt das dieses Verhalten nun irgendwelche Folgen für Franny hätte, geht doch noch irgendwie alles gut. Wenn Franny peinliche Fragen stellt, dann finden die Leute sie witzig, wenn sie unvorbereitet ist, dann findet sie ganz aus Versehen doch den richtigen Ton für das Vorsprechen und so geht es immer weiter.

Natürlich fällt sie auch die eine oder andere falsche Entscheidung, aber nichts davon scheint wirklich spürbare Auswirkungen zu haben. Vielleicht liegt es an den Zeitsprüngen zwischen den verschiedenen Kapiteln, vielleicht auch an der Übersetzung, ich kann mir schon vorstellen, dass einige Szenen im Original pointierter rüberkommen (zumindest hoffe ich das!), aber insgesamt plätschert das alles so vor sich hin und mir ist es egal, ob Franny Erfolg hat oder nicht. Abgesehen davon, dass ich mir wünschte, sie würde hier und da die Klappe halten und erst einmal beobachten, was gerade los ist, statt gleich mit einer naiven Frage rauszuplatzen, berührte sie mich so gar nicht.

Auch die Sprecherin konnte mich nicht überzeugen – es ist zwar theoretisch Lauren Grahams deutsche Stimme, aber die Leistung von Melanie Pukaß als Hörbuchsprecherin ist bedauerlicherweise deutlich schlechter als ihre Arbeit als Synchronsprecherin. Es ist, als ob ihr die Bilder gefehlt hätten, um zu wissen, wie sie jetzt reagieren sollte und welche Stimmung sie den verschiedenen Charakteren jetzt verleihen muss. Jeder einzelne Satz war so gleichförmig „lustig-verzweifelt“, dass es auch hier an Höhen und Tiefen fehlte und ich eventuelle Scham oder Verzweiflung oder Freude nicht wirklich wahrnehmen konnte.

Oh, und die Botschaft des Ganzen? „Gib nicht auf und hör auf dein Bauchgefühl!“ – also ne, das habe ich in anderen Geschichten schon so viel besser, überzeugender und amüsanter verpackt gesehen! Ich kann mir zwar vorstellen, dass die Handlung selber gelesen etwas besser funktioniert, aber ich glaube nicht, dass ich Lauren Graham als Autorin nach diesem Hörbuch noch eine Chance geben möchte.