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Michelle Manus: A Song to Wake a Thousand Sorrows (The Song Duology Book 1)

„A Song to Wake a Thousand Sorrows“ ist der erste High-Fantasy-Roman von Michelle Manus, den ich gelesen habe (nachdem ich die ersten drei Bände ihrer „Nyx Fortuna“-Reihe im vergangenen Jahr schon sehr mochte), und ich war wirklich überrascht davon, wie ungern ich nach über 700 Seiten die Protagonistin Clare verlassen habe. Die Geschichte spielt in einer anfangs nicht näher beschriebenen fantastischen Welt, in der Magie relativ verbreitet ist und die von einem einzigen König, dem Jackal King, regiert wird. Ich muss gestehen, dass ich es ursprünglich etwas seltsam fand, dass die gesamte Welt von einer Person beherrscht wird, aber wie das möglich ist, wird im Laufe des Romans erklärt. Überhaupt musste ich mich zu Beginn einfach erst einmal auf die Welt einlassen, ohne mir zu große Gedanken zu den Hintergründen zu machen. Aber das war in Ordnung, weil ich die Protagonistin und ihre Erlebnisse spannend genug fand, um eventuelle Fragen erst einmal im Raum stehen lassen zu können.

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Clare Brighton, die in der Hauptstadt Veralna City zu Ruhm (und Geld) kommen will. Clare ist ein Songweaver, eine Sängerin, deren Magie es ihr erlaubt, ihr Publikum zu beeinflussen. Außerdem ist sie – nach all den Misshandlungen, die sie in der Vergangenheit durchleben musste – wild entschlossen, eine Position zu erlangen, die ihr Sicherheit und Reichtum verspricht. Dummerweise ist Clare nicht nur ein Songweaver, sondern sie verfügt über eine weitere Macht (oder verfügt diese Macht über sie?), die sie den „Song“ nennt und die dazu führen würde, dass der Jackal King sie töten würde, wenn er jemals davon erführe. Schnell lernt Clare, dass Ruhm und Geld allein nicht ausreichen, um sich sicher zu fühlen, und obwohl es so einige Personen gibt, die ihr helfen wollen, ist es für eine Frau mit ihrer Vergangenheit nicht so einfach, anderen genügend zu vertrauen, um ihre Unterstützung annehmen zu können.

Ich muss betonen, dass „A Song to Wake a Thousand Sorrows“ kein einfaches Buch ist und eine ganze Reihe an Content Warnings (Missbrauch, Misshandlungen, Völkermord, Mord und noch so einiges mehr) mit sich bringt. Aber für mich persönlich waren all diese Elemente trotzdem gut lesbar, weil sie zum Großteil in der Vergangenheit der Protagonistin lagen und nicht detailliert beschrieben wurden und Michelle Manus es zum anderen geschafft hat, dass ich bei den aktuelleren Ereignissen in der Geschichte daran glauben konnte, dass es irgendwann besser wird – auch wenn ich für dieses „besser werden“ wohl auf das Ende des zweiten Bands warten muss, da das Buch mit einem Cliffhanger endet. Aber den Hauptteil des Romans über habe ich mich – wenn man bedenkt, was für traumatische Themen angedeutet oder sogar gezeigt werden – überraschend gut unterhalten gefühlt. Clare ist natürlich von all der Ereignisse in ihrer Kindheit und Jugend geprägt, was dazu führt, dass dieser Charakter regelmäßig zwischen Wut und Panikattacken schwankt. Aber sie ist auch fest entschlossen, sich eine bessere Zukunft zu erkämpfen – und wenn das nicht immer zu den rationalsten Handlungen führte, so konnte ich ihre Gründe beim Lesen doch zumindest immer nachvollziehen.

Obwohl ich hier so viel über Traumata geschrieben habe, gibt es überraschend viele amüsante und wohltuende Szenen in dem Roman, die ich wirklich genossen habe. Es ist so schön zu verfolgen, wie Clare – obwohl sie sich eigentlich nur um sich selbst kümmern wollte – langsam Freundschaften aufbaut. Ich fand es unterhaltsam zu lesen, wie ihre Weigerung, sich unsinnigen Traditionen zu unterwerfen, im Laufe der Geschichte dazu führt, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen für andere Personen deutlich verbessern. Und die Tatsache, dass ihre verborgene Magie eine Bedrohung für den Jackal King darstellen könnte, lässt anderen Figuren, die ich beim Lesen ebenfalls ins Herz geschlossen habe, auf eine bessere Zukunft hoffen. Es gibt so viele vielschichtige und sympathische Charaktere in der Geschichte, die alles andere als perfekt sind, aber gerade das sorgt dafür, dass mir ihr Wohlergehen am Herzen lag und ich mit ihrem Schicksal mitfieberte. „A Song to Wake a Thousand Sorrows“ war erstaunlich mitreißend zu lesen und – trotz der vielen belastenden Elemente – überraschend schwer aus der Hand zu legen. Es ist lange her, dass ich einen klassischen Fantasyroman so sehr genossen habe, und ich hoffe sehr, dass bald einen Veröffentlichungstermin für die Fortsetzung angekündigt wird, weil ich unglaublich gespannt darauf bin, wie die Geschichte ausgeht.

Leseeindrücke April bis Juli 2023 (Teil 2)

Nachdem ich am Sonntag schon ein paar Leseeindrücke der letzten Monate veröffentlicht hatte, gibt es hier nun den zweiten Teil:

Delemhach: The House Witch
Delemhach: The House Witch 2
Delemhach: The House Witch 3

Den ersten Band habe ich auf einer Liste mit „cozy Fantasy“ gefunden, und der Klappentext klang reizvoll genug, um „The House Witch“ eine Chance zu geben – was dafür sorgte, dass ich ziemlich schnell hintereinander alle drei Teile gelesen habe, weil ich mich damit gut unterhalten fühlte. Wobei ich es ziemlich schade fand, dass der Protagonist Finlay Ashowan sich im Laufe der Trilogie von einer „House Witch“ zu eine Art „Übermagier“ entwickelt hat, was halt auch dazu führte, dass es zu immer weniger amüsanten Szenen in einer simplen Schlossküche kam und zu immer mehr „Kriegs(vorbereitungs)szenen“. Dabei mochte ich gerade die alltäglichen Momente zu Beginn des ersten Bandes so gern, in dem die Bewohner eines Schlosses mit den exzentrischen Eigenheiten ihres neuen Kochs umzugehen lernen. Es gab viele amüsante Szenen in den drei Romanen, aber einige davon hatten einen etwas arg … pubertären Humor, und bei den Frauenfiguren hatte ich auch das Gefühl, dass sie nicht gerade viel Tiefe aufwiesen. Alles in allem sehr amüsant und mit vielen tollen Ansätzen, aber im Nachhinein nicht so großartig, dass ich mir die beiden weiteren Bände, die in der Welt spielen, besorgen musste.

H.G. Parry: The Magician’s Daughter

„The Magician’s Daughter“ kam mir auf Twitter vor die Nase, wo jemand meinte, dass die Geschichte an „Howl’s Moving Castle“ erinnern würde. Diesen Eindruck kann ich nicht so ganz teilen, auch wenn es eine Verwandlungsszene gibt, die mich an Howls Steckenbleiben in seiner vogelähnlichen Gestalt in dem Anime erinnert hat. Insgesamt hat der Roman auf mich einen angenehm altmodischen Eindruck gemacht. Das Buch bietet eine sehr ruhige Erzählweise, auf die ich mich erst einmal einlassen musste, einen ausführlichen Einstieg in die Situation, in der sich die Protagonistin Biddy befindet, eine ganz wunderbar beschriebene magische Insel, einen faszinierender Magier (der Biddys Pflegevater ist) und seinen hasenförmiger Vertrauten. Die Handlung selbst fand ich nicht so ungewöhnlich, was dazu führte, dass ich relativ wenig neugierig auf die weitere Entwicklung war, aber ich habe die Art und Weise genossen, in der mir die Geschichte durch Biddys Perspektive erzählt wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob „The Magician’s Daughter“ zu den Romanen gehört, die ich immer und immer wieder aus dem Regal ziehen werde, aber es ist auf jeden Fall ein Buch, dessen Anblick im Regal mich erfreut, weil es mich an angenehme Lesestunden erinnert.

Matthew Costello/Neil Richards: Mydworth Mysteries 1 – A Shot in the Dark (Hörbuch)
Matthew Costello/Neil Richards: Mydworth Mysteries 2 – A Little Night Murder (Hörbuch)

Die von Nathaniel Parker gelesenen Hörbücher gab es bei Audible im 2-für-1-Angebot, und auch wenn der Krimianteil der Geschichten jetzt nicht soooo qualitativ ist (beim ersten lag die Auflösung von Anfang an auf der Hand, beim zweiten war sie nicht „mit-ermittelbar“, was mich immer stört), sind es unterhaltsame 20er-Jahre-Mysteries. Der Sprecher leistet einen guten Job, die beiden Hauptfiguren sind sympathisch, und ich mag, dass die Hörbücher mit gut drei Stunden Laufzeit eine übersichtliche Länge haben. Die Mydworth Mysteries sind für mich die perfekte Hörbuch-Lösung, wenn kurz und „nett“ genau das ist, was ich gerade auf den Ohren brauche.

Michelle Manus: Guardian of Chaos (Nyx Fortuna 1)
Michelle Manus: Guardian of Shadows (Nyx Fortuna 2)
Michelle Manus: Guardian of Madness (Nyx Fortuna 3)

Der erste Nyx-Fortuna-Band hat mich während des Juli-Lese-Sonntags so gut unterhalten, dass ich das Buch an dem Tag vollständig gelesen habe – und dann habe ich die beiden weiteren Teile direkt im Anschluss verschlungen. Für mich fühlt sich die Serie sehr nach den „Innkeeper Chronicles“ von Ilona Andrews an, was an den drei folgenden Aspekte liegt: Es ist eine Mischung aus Urban Fantasy/Fantasy/Science Fiction (genau genommen spielt Nyx‘ Geschichte auf unserer Erde, in einem magischen Teil der Erde und in verschiedenen Galaxien), es gibt sympathische Charakteren, die alle ihre eigenen magischen Spezialfähigkeit haben, und das zentrale Element ist die „Grenzstation“, die sehr an das Inn in den „Innkeeper Chronicles“ erinnert (inklusive der Fähigkeit das Gebäude an die Bedürfnisse seiner jeweiligen Bewohner anzupassen und Dinge zur Verfügung zu stellen, die aktuell benötigt werden). Trotz all dieser Ähnlichkeiten gibt es genügend eigenständige Elemente, die dafür sorgen, dass ich neugierig auf den weiteren Verlauf der Reihe bin (und deshalb den vierten Band schon vorbestellt habe).