K. O’Neill: A Song for You & I (Comic)

K. O’Neill ist schon seit einiger Zeit jemand, von dem ich jeden neuen Comic kaufe, weil ich die vorhergehenden Arbeiten so sehr mochte. „A Song for You & I“ ist Anfang März erschienen und erzählt die Geschichte einer jungen Person, die zum Ranger ausgebildet wird. Ranger dienen als Brücke zwischen der Natur und den Menschen, sie helfen in Notsituationen, sie dokumentieren Flora und Fauna und zu ihrer Tätigkeit gehört eine enge Bindung zur ihrem geflügelten Pferd. Doch die Hauptfigur in diesem Comic trifft zu Beginn der Geschichte eine unüberlegte Entscheidung, die dafür sorgt, dass ihr Pferd Kestrel verletzt wird. Da Kestrel einige Zeit lang nicht in der Lage ist zu fliegen, müssen die beiden in den Wochen nach der Verletzung in der Nähe ihrer Ausbildungsstätte bleiben.

Das führt dazu, dass die Hauptfigur R. sehr viel Zeit mit dem jungen Schäfer Leone verbringt, obwohl sie bislang immer auf ihn herabgeschaut hat. Leone verbringt den ganzen Tag mit den Schafen seiner Familie auf der Weide. Doch statt sich aufmerksam um die Tiere zu kümmern, beschäftigt er sich lieber mit seiner Geige. Je besser sich die beiden Charaktere kennenlernen, desto mehr fangen sie an, Verständnis füreinander zu empfinden und sich gegenseitig zu helfen. Und da R. im Laufe der Geschichte Leone bei seinen Auslieferungen hilft, kommt es auch immer wieder zu Begegnungen mit neuen Figuren, die dafür sorgen, dass R. einen anderen Blick auf die Tätigkeit als Ranger, auf das Leben anderer Personen oder auf die Natur in ihrer Region werfen kann.

Was die Zeichnungen betrifft, so ist „A Song for You & I“ – wie schon K. O’Neills vorhergehenden Veröffentlichungen (z. B. die „Tea Dragon Society“-Titel) – in weichen, matten Farbtönen gehalten, während bei den Panels selbst der Fokus weniger auf feine Details als auf die Gesamtatmosphäre gesetzt wurde. Ich persönlich mag diesen bilderbuchartigen Charakter von K. O’Neills Werken und nehme mir gern Zeit, die einzelnen Panels zu betrachten – vielleicht gerade weil sie so wenig Anlass zur Reibung bieten und einfach „nur“ wohltuend sind. Auch die Handlung ist nicht gerade herausfordernd, aber die Geschichte ist so niedlich und nett zu verfolgen. Es liegt schnell auf der Hand, was für Probleme R. und Leone in ihrem Leben haben, und es gibt – trotz Kestrels Verletzung zu Beginn des Comics – so gut wie kein Drama in der Geschichte.

So lässt sich beim Lesen entspannt mitverfolgen, wie die beiden Figuren nach und nach die Erkenntnisse gewinnen, die ihnen helfen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihre Träume zu verwirklichen. So eine süße Geschichte ist sehr erholsam zu lesen, was für sich genommen ja vollkommen ausreichend ist, aber normalerweise auch dafür sorgt, dass eine Handlung mit so wenig Ecken und Kanten nicht lange in meiner Erinnerung haften bleibt. Doch wenn ich nach den Tieln gehen kann, die ich bisher von K. O’Neill gelesen habe, dann werde ich mich in den nächsten Monaten immer wieder dabei ertappen, dass ich an einen unbedeutend wirkenden Moment, eine Nebenfigur oder eine andere Kleinigkeit aus „A Song for You & I“ zurückdenken werde. Ich bin gespannt, welches Element bei mir dieses Mal dafür sorgt, dass ich mich immer wieder an den Comic erinnere. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass ich den Comic auch in den kommenden Jahren häufiger aus dem Regal ziehen werde, um mich an den hübschen Zeichnungen und den sympathischen Figuren zu erfreuen.

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