Yukito Ayatsuji: The Decagon House Murders

„The Decagon House Murders“ von Yukito Ayatsuji wurde im Original 1987 veröffentlich und hat – zumindest laut Klappentext – zu einem erneuten Aufleben des klassischen Detektivromans in Japan geführt. Die Geschichte spielt im Jahr 1986, wobei ein Teil der Handlung auf der Insel Tsunojima (die während dieser Zeit keinen Kontakt zum Festland hat) passiert und der anderer Teil der Handlung parallel dazu an verschiedenen Orten in und rund um Osaka stattfindet. Es steht von Anfang an fest, dass es zwei dramatische Ereignisse rund um die Familie Nakamura gab, der die Insel bis vor Kurzem gehörte. Außerdem wird schon auf den ersten Seiten deutlich, dass es ein Mörder auf sieben Student*innen abgesehen hat, die eine Woche auf der Insel verbringen.

Alle sieben Student*innen sind Angehörige des Krimiclubs ihrer Universität, und sie reden sich – wie es in ihrem Club üblich ist – mit Spitznamen an, die auf den Namen berühmter Krimiautoren basieren. „Leroux“, „Carr“, „Agatha“, „Ellery“, „Van“, „Orczy“ und „Poe“ wohnen auf Tsunojima in einem Haus, das von dem berühmten und sehr eigenwilligen Architekten Nakamura Seiji entworfen wurde und dessen Grundriss aus einem gleichseitigen Zehneck besteht. Dieser Architekt lebte zurückgezogen auf der Insel – bis er, seine Frau und ihre Dienstboten vor einigen Monaten dort grausam ermordet wurden. Diese erschütternde Tat hat in den Medien zu vielen Spekulationen rund um die Identität des Täters geführt, und auch die sieben Student*innen sind fest entschlossen, während ihres Aufenthalts nach Hinweisen zu suchen. Doch dann wird wenige Stunden nach ihrem Eintreffen auf Tsunojima das erste der Clubmitglieder umgebracht.

Yukito Ayatsuji macht keinen Hehl daraus, dass sein Roman von „And Then There Where None“ von Agatha Christie inspiriert wurde, aber ich fand es reizvoll, dass es zusätzlich zu den Ereignissen auf der Insel noch den Handlungsstrang auf dem Festland gab. Dort bekommen zwei weitere Mitglieder des Krimiclubs (Kawaminami Taka’aki und Morisu Kyōichi) Briefe, die sie des Mordes an ihrer vor einem Jahr verstorbenen Kommilitonin Chiori beschuldigen. Diese Briefe sorgen dafür, dass Kawaminami Taka’aki gemeinsam mit Shimada Kiyoshi, einem Freund von Chioris Onkel, versucht, mehr über den Tod der jungen Frau herauszufinden. Ich gebe zu, dass diese beiden Handlungsstränge dazu führen, dass die Geschichte aus sehr vielen Perspektiven erzählt wird, aber es gelingt dem Autoren durchgehend, deutlich zu machen, wer gerade zu Wort kommt. So fand ich es wirklich spannend, all die verschiedenen Gedanken zu verfolgen und mehr über die einzelnen Figuren, ihr Verhältnis zueinander und die Ereignisse aus der Vergangenheit herauszufinden.

Außerdem hat es mir viel Spaß gemacht, die vielen verschiedenen Hinweise zu sammeln und meine eigenen Schlüsse zu ziehen, und ich fand es überraschend raffiniert, wie Yukito Ayatsuji durch den Einsatz der Spitznamen dafür gesorgt hat, dass es ziemlich herausfordernd wurde, die verschiedenen Informationen den jeweiligen Krimiclub-Personen zuzuordnen. Es gibt nur einen winzig kleinen Punkt, der mich am Ende der Geschichte irritiert hat, weil es da um einen Aspekt geht, der nicht erwähnt wurde. Ich kann nicht mehr dazu sagen, ohne die Auflösung zu spoilern, aber es geht um etwas, was meiner Meinung nach eine Erwähnung hätte bekommen müssen – gerade weil Yukito Ayatsuji ansonsten so viel Detailliebe in diesen Kriminalroman gesteckt hat. Lustigerweise hätte mich das normalerweise nicht gestört, wenn es nicht genau dieses eine Element gewesen wäre, das dafür sorgte, dass ich beim Lesen den Täter/die Täterin dann doch ausgeschlossen hatte. Trotz dieses einen kleinen Kritikpunkts habe ich „The Decagon House Murders“ sehr genossen und bin wild entschlossen, in Zukunft mehr Romane von Yukito Ayatsuji zu lesen.

6 Kommentare

  1. Oh, na schön – ich muss es mir wohl doch mal bestellen. Warum erinnert mich die Beschreibung eigentlich so an Detektiv Conan? *hm*

    • Konstanze

      Weil Gosho Aoyama ein großer Fan dieses Autors ist? (Ebenso ist er wohl ein großer Fan von Seishi Yokomizo und auch das fand ich beim Lesen von „Die Honjin Murders“ spürbar.) Wenn du den Krimianteil der Detektiv-Conan-Episoden magst, dann müsste „The Decagon House Murders“ dir eigentlich zusagen. 🙂

      • Ah, interessante Verbindung! Ich bin in Detektiv Conan nicht wahnsinnig weit gekommen, weil es eben unzählige Bände gibt, aber eine Weile hatte ich durchaus Spaß damit.

        (Ich hab mir nun übrigens Hello Kitty Island Adventure zugelegt und du bist nicht unschuldig daran 😉 Die ersten Stunden war ich gut beschäftigt und es macht auch Spaß, die mir unbekannten Figuren kennenzulernen. Auf den Multiplayer muss ich mangels Spielpartnern halt verzichten.)

        • Konstanze

          Ich bin bei „Detektiv Conan“ auf dem aktuellen Stand, da ich die Reihe früh genug entdeckt hatte, dass ich mir die Neuerscheinungen besorgen konnte, ohne erst einmal Backlist-Titel lesen zu müssen. Ich mag den Krimianteil der Manga wirklich gern, weil die Fälle in der Regel solide konstruiert sind. *g*

          Ähm … ich bin nicht für deine Entscheidungen verantwortlich! 😉 Aber ich hoffe, du hast Spaß mit dem Spiel. Ich finde es nett all die verschiedenen Ecken zu erkunden (und das wird definitiv einfacher, wenn erst einmal die Ausdauer höher ist). Multiplayer spiele ich auch nicht – ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich bei diesem Spiel etwas verpassen würde, wenn ich das nicht mache.

          • Ich bin nicht so gut darin, lange Manga-Reihen zu verfolgen, das lag also nicht unbedingt an der Qualität der Geschichten 🙂

            Ja, bis jetzt habe ich Spaß. Mal sehen, wie das wird, wenn die Quests abnehmen, aber ich denke, dass ich genügend Beschäftigung haben werde, um die Investition zu rechtfertigen. Heute habe ich erstmals die Unterwasserregionen erkundet!

          • Konstanze

            Mir fällt es leichter eine angefangene Manga-Reihe weiterzuführen, als mich für den Kauf einer neuen Reihe zu entscheiden. *g*

            Ich spiele ja jetzt schon einige Wochen (und anfangs habe ich sehr viel Zeit damit verbracht) und bislang gehen mir die Quests nicht aus. Es gibt an einigen Tagen „nur“ noch die Besucherquests neben den täglichen kleinen Aufgaben, aber das reicht für ein nettes Stündchen am Abend. Außerdem scheint es in Zukunft noch (mindestens?) ein Gebiet (und einen neuen Charakter) zu geben, das es bislang nicht ins Spiel geschafft hat.

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