„Speak Up!“ wird aus der Sicht der zwölfjährigen Mia erzählt, die von ihren Klassenkamerad*innen gemobbt wird. Ihre (alleinerziehende) Mutter ist ihr dabei keine Hilfe, denn auf der einen Seite will ihrer Mutter sie vor allem beschützen, und auf der anderen Seite sagt sie Mia immer, dass sie sich nur anders verhalten muss, um nicht mehr gemobbt zu werden. Mia selbst kann nicht verstehen, dass so viele Personen ein Problem mit ihr haben, weil sie autistisch ist. Für sie ist es eben ihre Normalität, dass sie zum Beispiel von zu viel Lärm überwältigt wird und deshalb Kopfhörer trägt, um damit fertigzuwerden, und dass sie bestimmte Verhaltensweisen anwenden muss, um im Alltag zurechtzukommen.
Einzig Charlie hat keinerlei Schwierigkeiten damit, dass Mia autistisch ist. Charlie und Mia sind schon lange Zeit miteinander befreundet und kennen einander sehr gut. Sie unterstützen sich gegenseitig und verbringen den Großteil ihrer Freizeit miteinander. Außerdem haben sie in den letzten Monaten unter dem Pseudonym „Elle-Q“ mit ihren gemeinsamen Youtube-Videos so einige Follower gefunden. Zusammen machen die beiden Musik, wobei Mia verkleidet vor der Kamera steht und singt, während Charlie die Songs komponiert und für das Filmen zuständig ist. Als Charlie aber mit Mia an einem Talentwettbewerb teilnehmen will, kriselt die Freundschaft der beiden, da Mia sich nicht zutraut, auf der Bühne zu stehen, während das für Charlie die Erfüllung eines wirklich großen Traums wäre.
Ich mochte den Comic sehr gern und fand es sehr berührend, von Mias Alltag, ihren Problemen und ihren Träumen zu lesen. Viele Figuren – gerade unter Mias Klassenkameradinnen – waren etwas sehr klischeehaft dargestellt. Aber da es Rebecca Burgess vor allem darum ging, den Alltag einer autistischen Person zu zeigen, fand ich das nicht schlimm. Außerdem vermute ich, dass sich die eigentliche Altersgruppe (Leser*innen zwischen 8 und 12 Jahren) daran deutlich weniger stören wird als ich. Innerhalb der Geschichte lässt Rebecca Burgess von Mia immer wieder bestimmte Aspekte zum Thema Autismus kindgerecht erklären, ohne dass diese Erklärungen von der Handlung ablenken würden. Da diese Dinge zu Mias Leben gehören und sie genau dafür gemobbt wird, ist es umso wichtiger, dass diese kleinen Einschübe in den Comic eingebaut wurden.
Die Handlung selbst fand ich wirklich sehr süß, und ich habe mich über jeden kleinen Fortschritt, den Mia machte, gefreut und gehofft, dass sie irgendwann einen für sie passenden Weg findet, um mit ihren Klassenkamerad*innen umzugehen. Es gibt immer wieder amüsante Szenen, wenn Mia und Charlie zusammen etwas machen, und es war so großartig, in der Geschichte über Szenen mit Charakteren zu stolpern, die sich ernsthaft Mühe geben, auf Mias Bedürfnisse einzugehen und respektvoll mit ihr umzugehen. Der Zeichenstil von Rebecca Burgess ist nett und gefällig, aber auch relativ beliebig. Hier macht es sich bemerkbar, dass der Comic weniger für eine erwachsene Comicleserin wie mich gedacht ist als für jüngere Leser*innen, die auf unterhaltsame Weise mit Informationen rund um Autismus versorgt werden sollen. Was die Zeichnungen nicht schlecht macht – sie haben bei mir nur keinerlei anhaltenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt ist „Speak Up!“ ein wirklich süßer und informativer Comic, der mich während des Lesens gut unterhalten hat.
