Schlagwort: S. Usher Evans

Lese-Eindrücke Januar 2025

Hier sind wieder die Lese-Eindrücke zu den Büchern, zu denen ich wenigstens ein bisschen was schreiben wollte. Das betrifft im Januar den Großteil der Romane, die ich gelesen habe. *g*

Celia Lake: Complementary

„Complementary“ war der erste Roman, zu dem ich in diesem Jahr gegriffen habe. Celia Lakes Geschichten mochte ich bislang alle, und so war es auch mit diesem Titel. Die Handlung spielt 1910 in einer fantastischen Variante von Großbritannien und dreht sich um zwei Frauen, die im Auftrag der Wache in einer nicht-magischen Künstler-Gemeinschaft nach einem magischen Objekt suchen. Dabei ist Elizabeth ein offizielles Mitglied der Wache (und arbeitet als eine Art magische Spurensucherin), während Rosemary eine Hebamme mit Heilmagie ist.

Ich fand es reizvoll, mal eine Geschichte von Celia Lake zu lesen, in der die Protagonistinnen unter allen Umständen vermeiden müssen, dass jemand herausfindet, dass Magie existiert – während sie natürlich gleichzeitig Magie einsetzen müssen, um ihren Auftrag erledingen zu können … Außerdem habe ich wirklich gern verfolgt, wie Elizabeth (die ich schon aus anderen Romanen kannte) und Rosemary einander näherkamen. Das war eine sehr schöne Liebesgeschichte zwischen zwei Personen, die schon etwas älter und lebenserfahrener sind. Mir gefiel es auch sehr, dass beide Frauen nach einer ersten Annäherung erst einmal jede für sich überlegen mussten, ob sie bereit sind, ihren behaglichen Alltag so weit umzukrempeln, dass eine andere Person darin Platz findet.

Celia Lake: Bound to Perdition (Mysterious Arts 1)

Da ich nach „Complementary“ weiter Lust auf Celia Lake hatte, habe ich mir (für ganze 95 Cent) noch den Roman „Bound to Perdition“ gegönnt. Die Geschichte spielt 1917 und dreht sich vor allem um die Vorgänge in einer magischen Forschungseinrichtung der Regierung. Die Protagonistin Lynet ist Buchbinder-Meisterin und hat den Auftrag, ein magischen Journal zu entwickeln, das sich in größeren Mengen herstellen lässt. Diese Journale sollen u. a. die zeitnahe und direkte Kommunikation mit der Front ermöglichen, was für den Kriegsverlauf eine entscheidende Wende bringen könnte. Umso mehr verwirrt es Lynet, dass ihr von allen Seiten Hindernisse in den Weg gelegt werden. Einzig ihr Assistent Reggie (der aufgrund einer Verletzung nicht mehr an die Front zurückkehren kann) scheint kein Problem damit zu haben, dass sie einen Handwerks-Hintergrund hat, während er gleichzeitig ihre Arbeit genauso wichtig nimmt, wie sie es tut.

Ich fand es spannend, mal eine (Liebes-)Geschichte zu lesen, die sich mit den Problemen rund um Materialbeschaffung, Forschung und Ethik in Kriegszeiten beschäftigt. Reggies Teil der Handlung zeigt immer wieder, wie sehr Krieg einen Menschen (und seine Prioritäten) verändern kann, während Lynets Perspektive mich – stellvertretend für ihre Figur – häufig frustrierte. Trotzdem mochte ich, wie die Autorin mit den vielen verschiedenen „herausfordernden“ Themen umgegangen ist. Ich habe auch hier die Charaktere sehr schnell ins Herz geschlossen und ich habe es ungemein genossen, so viele Passagen rund ums Buchbinden und die damit verbundenen Techniken zu lesen.

Kat Richardson: Storm Waters

Von Kat Richardson hatte ich die Greywalker-Reihe wirklich gern gelesen, und so habe ich mich sehr gefreut, als ein neuer Roman der Autorin angekündigt wurde. „Storm Waters“ ist eine „noir urban fantasy“-Geschichte, die im Jahr 1934 in Hollywood beginnt. Der Protagonist Marty Storm besitzt gemeinsam mit seinem Partner Peter eine Firma, die sich auf Frachtschifffahrt spezialisiert hat. In dieser Firma taucht zu Beginn der Handlung ein Geist auf, der behauptet, dass er der Kapitän eines untergegangenen Schiffs gewesen sei. Marty selbst verfügt über Wassermagie, und schnell steht fest, dass hinter der Geistererscheinung etwas Größeres steckt – etwas, das dazu führt, dass er sich mit der Familie seiner Mutter in New Orleans auseinandersetzen muss.

Der Erzählton der Geschichte war anfangs wirklich sehr faszinierend, denn Kat Richardson gelingt es erstaunlich gut, die Atmosphäre eines klassischen Privatdetektiv-Romans heraufzubeschwören. Aber in der Mitte des Buchs – als sich die Handlung von Los Angeles wegbewegt – hat mich die Autorin trotzdem eine Zeitlang verloren. Den Teil, der in der Nähe von New Orleans spielt, fand ich so unrund, dass ich das Buch Anfang Dezember zur Seite gelegt und erst Mitte Januar wieder in die Hand genommen habe (um dann erleichtert festzustellen, dass sich die Handlung wieder auf L.A. zubewegte). Am Ende bin ich etwas zwiegespalten, weil ich den Anfang und den Schluss eigentlich mochte, mich der Mittelteil aber so sehr rausgerissen hatte. Aber ich würde vermutlich einem weiteren Band um Marty Storm eine Chance geben, um zu schauen, ob der dann von Kat Richardson durchgehend stimmig geschrieben wurde.

Annie Bellet: Harper’s Tale (The Twenty-Sided Sorceress 7.5)

Ein relativ kurzes Buch, das ich über Kickstarter mitfinanziert hatte, weil ich die „Twenty-Sided Sorceress“-Geschichten der Autorin gern gelesen hatte. Außerdem wollte ich wissen, wie es der Protagonistin Harper nach einem bestimmten Ereignis in der Serie ergangen war. Dieser Roman spielt zwischen zwei Bänden der Haupthandlung und dreht sich um das Verschwinden (und die Ermordung) von Youtuberinnen. Das Ganze ist eine klassische Urban-Fantasy-Geschichte, bei der die Protagonistin während der Ermittlungen weniger davon profitiert, dass sie eine Fuchs-Gestaltwandlerin ist, als davon, dass sie einen Namen und Beziehungen in der Gamer*innen-Szene hat. Obwohl der/die Bösewicht/e im Prinzip beim ersten Auftritt schon offensichtlich war/en, habe ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt. Wobei ich zugeben muss, dass Geschichten, die rund um Conventions, Videospiele und Cosplay spielen, von mir immer ein paar Sentimentalitäts-Bonuspunkte bekommen.

S. Usher Evans: Fiends and Festivals (The Weary Dragon Inn 2)

Der zweite Band der „The Weary Dragon Inn“-Reihe war genauso nett wie „Drinks and Sinkholes“. Neben den schon vertrauten Figuren gab es ein paar neue Besucher in Pigsend, und das große Ereignis war dieses Mal das Herbst-Festival inklusive der dazugehörigen unterschiedlichen Wettbewerbe, bei denen auch Personen aus anderen Orten mit ihren Erzeugnissen (oder Backwaren) antreten. Was bedeutet, dass Bev unbedingt herausfinden musste, wer das Festival sabotiert (und so vielleicht dafür sorgt, dass es zukünftig in den Nachbarort verlegt wird). Ich gebe zu, dass die Identität des Saboteurs von Anfang an wirklich offensichtlich war. Aber da ich keine Ahnung hatte, was das Motiv dieser Person sein könnte, und mich ansonsten gut genug mit den größeren und kleineren Katastrophen rund ums Festival unterhalten gefühlt habe, habe ich auch diesen Band wieder genossen.

Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe fortsetzen werde, wenn ich den dritten Teil, den ich schon als eBook besitze, gelesen habe. Die Geschichten sind halt nur „nett“ – aber ich bereue die Anschaffung definitiv nicht. Es ist angenehm, mal einen fantastischen cozy mystery zu lesen, bei dem es nicht um Mord geht und bei dem das Scheitern der „Ermittlerin“ eher ärgerlich als dramatisch wäre. Oh, und ich mochte den „Hund“, der Bev im Laufe der Geschichte zugelaufen ist. Magische Hunde sind doch immer nett, auch wenn die Protagonistin endlos lange benötigte, um herauszufinden (oder sich einzugestehen), dass Mr. Biscuit kein normaler Streuner ist. Die Tatsache, dass S. Usher Evans mir das Gefühl gibt, dass die Protagonistin die ganze Zeit mit Scheuklappen rumläuft und nur aufgrund ihrer Hartnäckigkeit irgendwann die Lösung des jeweiligen Rätsels findet, ist mein größter Kritikpunkt an den Geschichten. Aber solange mich der Rest der Handlung gut unterhält, kann ich damit leben.

Lese-Eindrücke Dezember 2024

Ich habe im Dezember so viele gute Bücher gelesen, das war schön! Da einige davon Reihenfortsetzungen oder eben doch nur „nett“ waren, gibt es wieder die dazugehörigen Lese-Eindrücke.

Kalyn Josephson: Hollowthorn (Ravenfall 2)

Nachdem mir im Oktober „Ravenfall“ so gut gefallen hatte, hatte ich mir zum Geburtstag die Fortsetzung gewünscht – die ich dann direkt im Dezember gelesen habe. Die Handlung in „Hollowthorn“ setzt wenige Wochen nach den Ereignissen im ersten Band ein. Genau genommen beginnt die Geschichte mit dem jüdischen Lichterfest und damit, dass der Großteil von Annas Familie eine Woche lang nicht im Inn Ravenfall sein wird. So sollen Colin, Anna und ihr Vater Henry eigentlich die Stellung halten und sich um die Gäste kümmern, als der Raven Salem Henry um Hilfe bei einer Mission im Hollowthorn bittet. Ich muss zugeben, dass ich es ein bisschen schade fand, dass nur ein Teil der Handlung im Inn spielte (wobei das Inn dieses Mal immerhin in ein paar Kapitel seine eigene „Sicht“ äußern kann). Ansonsten habe ich die Darstellung der Otherworld genossen, mochte es, Annas und Colins Weg (mit all ihren Problemen) zu verfolgen, und bin überraschend neugierig darauf, wie es mit den beiden weitergeht. Leider ist der dritte Band der Reihe („Witchwood“) gerade erst als Hardcover erschienen, und eine Taschenbuchausgabe ist noch nicht angekündigt.

S. Usher Evans: Drinks and Sinkholes (The Weary Dragon Inn 1)

„Drinks and Sinkholes“ ist der erste Band einer zehnteiligen Cozy-Fantasy-Mystery-Reihe, die sich rund um Bev(erage Wench) dreht. Wenn ich von der bemüht-amüsanten Namensgebung der diversen Personen absehe, habe ich mich mit diesem Band wirklich gut unterhalten gefühlt. Bev ist vor fünf Jahren – ohne jegliche Erinnerung an ihre Vergangenheit – in den kleinen Ort Pigsend gekommen. In Pigsend wurde sie von den Anwohnern freundlich aufgenommen und fand einen Job beim Weary Dreagon Inn, das sie nach dem Tod des Vorbesitzers erbte. In diesem Band wird (nicht nur) ihr Gasthaus von überraschend auftreten Erdlöchern bedroht.

Da die Bürgermeisterin und der örtliche Polizist alle Hände voll mit den besuchenden Soldaten der Königin zu tun haben, wird Bev mit der Ermittlung beauftragt. Was in erster Linie dazu gedacht war, die Anwohner des Ortes zu beruhigen, weil ja nun etwas getan wird, führt dazu, dass Bev all ihre Energie in die Ursachenforschung steckt und so überraschend viele Geheimnisse ihrer Nachbarn herausfindet. Die fantastische Welt, in der die Geschichte spielt, wirkt zu Beginn relativ magiearm, und Bev entdeckt erst nach und nach, dass in ihrer Nachbarschaft mehr übernatürliche Wesen leben, als sie geahnt hat. Das ist stellenweise etwas vorhersehbar, aber trotzdem sehr nett und unterhaltsam zu lesen. Genau die richtige Lektüre für einen entspannten Leseabend – und ich fürchte, ich werde mir demnächst den Sammelband mit den ersten drei Bänden holen mussen, um irgendwann weiterlesen zu können.

Toshikazu Kawaguchi: Before We Forget Kindness (Before the Coffee Gets Cold 5)

Der inzwischen fünfte Band rund um das kleine Café in Tokyo, in dem Besucher für einige Minuten durch die Zeit reisen können. Nichts an diesen Geschichten war neu oder überraschend, und ich muss zugeben, dass das nicht mein Lieblingsband der Reihe war. Aber grundsätzlich genieße ich weiterhin diese kleinen Episoden, die sich rund um kleine menschliche Momente drehen, um die vielen verschiedenen Arten von Beziehungen und die vielen kleinen (oder großen) Dinge, die schieflaufen können und die später bereut werden. Ich freue mich über ein Wiedersehen mit den Charakteren, die – sei es als Personal oder als Stammgäste – immer wieder auftauchen, und ich teile mir bewusst die Geschichten eines neuen Bandes so ein, dass ich mehrere Tage etwas davon habe. Wie schon bei den anderen Büchern von Toshikazu Kawaguchi empfand ich auch das Lesen von „Before We Forget Kindness“ als wohltuend.

Lynn Strong: Chai and Cat-Tales

„Chai and Cat-Tales“ von Lynn Strong enthält drei Geschichten, die in einer vom Mittleren Osten inspirierten Fantasywelt spielt. Jede der drei Episoden dreht sich um eine andere Figur, aber da alle Geschichten in derselben Stadt spielen, gibt es Charaktere, die sich durch den gesamten Band ziehen – sei es, dass sie persönlich auftauchen oder nur erwähnt werden. Ich fand es spannend, drei so unterschiedliche „cozy“ Erzählungen zu lesen, deren Gemeinsamkeit vor allem im Schauplatz besteht, die mich aber alle drei beim Lesen erfreut und überrascht haben. Lynn Strongs Charaktere sind sehr divers angelegt, und ich habe das Gefühl gehabt, dass sie sehr aufmerksam und bewusst mit schwierigeren Themen umgeht, während ich mich gleichzeitig großartig beim Lesen amüsiert habe. „Chai and Cat-Tales“ hat mich wirklich überrascht, und ich bin sehr gespannt darauf, ob Lynn Strong es wirklich schafft, 2025 ihren im Nachwort erwähnten Roman zu veröffentlichen. Wenn das so sein sollte, werde ich ihn mir auf jeden Fall bestellen!